Skip to content

Kommt eine jüdische Antisemitin nach Ramallah…

13. Oktober 2014

BirzeitHass

Ein Witz, der so anfängt, wäre arg konstruiert, oder? Aber letzte Woche ist genau das passiert.

Die Hauptperson der Komödie: Amira Hass, „Korrespondentin für die besetzten Gebiete“ bei der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. Sie wurde mit etlichen „Menschenrechts“-Preisen dekoriert, weil sie für alles Böse Israel verantwortlich macht. „Jeder einzelne Palästinenser der Welt“ sei „das Opfer der israelischen Politik“, sagt sie; es sei „das Recht und die Pflicht“ der Palästinenser, Steine auf Juden zu werfen.

Auch dabei: die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie leitet Geld der deutschen Steuerzahler an ein palästinensisches “Center for Development Studies”, das damit die nutzlosen Veranstaltungen finanziert, zu denen Leute wie Amira Hass gern hingehen. Diesmal war es eine Konferenz mit dem spannenden Titel:  Alternativen zur neoliberalen Entwicklung in den besetzten palästinensischen Gebieten – kritische Perspektiven.

Der Ort: die Birzeit-Universität in der Nähe von Ramallah, wichtigster Hort palästinensischen Geistes und Hochschule des Terrorismus. 2006 fand dort eine Jobmesse der Hamas statt, bei der Raketen und Raketenwerfer gezeigt wurden. Ein Jude, der freiwillig nach Birzeit geht, wäre auch zum Reichsparteitag gefahren, um sich über kritische Perspektiven zu informieren.

Doch was Amira Hass dort widerfuhr, traf sie unvorbereitet. Eben noch in Powerpoint-Präsentationen alternativer Entwicklungen vertieft,  wurde sie plötzlich aufgeschreckt von zwei Dozentinnen, die sie nach draußen beorderten. Es gebe „ein Problem“. An der Birzeit-Universität seien keine Juden erlaubt. Die Regel gebe es schon seit zwei Jahrzehnten. Rechnen wir nach: Damals begann der „Friedensprozess“ – offenbar von Anfang an ein Codewort für „keine Juden erlaubt“.

„Eine der Dozentinnen“, so Hass, „erklärte, dass es für die Studenten wichtig sei, einen sicheren Ort zu haben, den jüdische Israelis nicht betreten dürften.“

So wie die Nationalsozialisten erst Universitäten, Kinos, Schwimmbäder, Parkanlagen, Kurorte und Gaststätten, später dann ganz Europa zu sicheren Orten erklärten. Wie ein völlig unabhängiger palästinensischer Staat aussähe, mag man sich nicht ausmalen. Ferner habe die Dozentin gesagt: Obwohl das Gesetz „problematisch“ sei, sei „nicht der Ort und die Zeit, seine Änderung zu diskutieren“. Wenn sie verlangen würde, für Amira Hass eine Ausnahme zu machen, könne ein anderer Dozent „dieselbe bevorzugte Behandlung“ für andere fordern.

Man kennt das: Behandelt man auch nur einen einzigen Juden wie einen Menschen, brechen rasch alle Dämme. Sie habe auch gesagt, so Hass, dass Professor Ilan Pappe, der Autor des Buches „Die ethnische Säuberung Palästinas“, eingeladen worden sei, einen Vortrag in Birzeit zu halten, dies aber aufgrund des Gesetzes außerhalb des Campus hätte tun müssen.

Wenn Antisemiten aus dem Nähkästchen plaudern, erfährt man die tollsten Sachen. Da sollte also der Imam derer, die Israel „Apartheid“ vorwerfen, an der wichtigsten palästinensischen Universität darüber dozieren – doch rein durfte er nicht, weil seine Gastgeber selbst ein Apartheidsgesetz haben und Pappe das Betreten der Uni verbieten. Dieser, doof wie er ist, hat das Judengesetz natürlich befolgt. Er hätte sich auch einen gelben Stern ans Jackett geheftet, wenn man ihm erklärt hätte, dass das jetzt wieder Vorschrift sei.

Hass fährt fort: „Die andere Dozentin sagte mir, dass ich, wenn ich nicht ,Haaretz‘ in das Formular geschrieben hätte, hätte bleiben können.“ Das wird ihr zu denken geben. Verbrecher und jüdische Reporter dürfen keine Spuren hinterlassen. Vielleicht sollte sie ihren Namen ändern, in Amra al Hash. „Ein weiteres Fakultätsmitglied, das ich schon seit 40 Jahren kenne, kam vorbei und sagte: ,Das ist zu deiner eigenen Sicherheit.‘“

Wenn ein Nichtjude zu einem Juden sagt, etwas geschehe zu dessen eigener Sicherheit, sollte dieser wirklich auf der Hut sein. Hier bedeutet es: Die palästinensischen Studenten sind nach Einschätzung der Fakultät stets in Pogromstimmung. Würde das ein Israeli behaupten, würden ihn deutsche Zeitungen als „ultrarechts“ bezeichnen. Es kommt noch besser: „In diesem Moment erinnerte ich mich an das Bild, das Israelis für gewöhnlich von Palästinensern haben: irrationale Hitzköpfe.“

Frau Hass wird ein Bild im Kopf gehabt haben, für das „irrationale Hitzköpfe“ eine sehr verharmlosende Umschreibung ist. Warum erzählt sie das? Irgendwo musste der aufgestaute Zorn sich Bahn brechen, sie musste einfach „irrationale Hitzköpfe“ schreiben – es dann aber, wie es ihre Art ist, einem israelischen Strohmann anlasten. Dann, so Hass, sei „Katja Hermann, die Direktorin des Regionalbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den besetzten Gebieten, über die Komplikationen benachrichtigt worden. Obwohl sie anerkennt, wie wichtig es ist, einen sicheren Raum für palästinensische Studenten zu bewahren, so wie Feministinnen Räume nur für Frauen geschaffen haben, sah sie nicht, warum es unmöglich sein sollte, protestierenden Studenten (,die ich nicht mal sehe‘, bemerkte sie) zu erklären, warum dieser Puritanismus übers Ziel hinausschießt.“

Puritanismus nennt man das jetzt! Sollte es so sein, dass sich antijüdische Apartheid zu linker Nahostideologie so verhält, wie der Salafismus zum Islam – dass er die unverwässerte Lehre ist? Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat mittlerweile eine Presseerklärung veröffentlicht, in der sie „jede Form von Diskriminierung“ verurteilt. Dagegen steht aber das Wort von Hass, die behauptet, Katja Hermanns erste Reaktion sei es gewesen, „anzuerkennen“, wie wichtig es für Palästinenser sei, ihre öffentlichen Einrichtungen judenrein zu halten.

Es ist ein Glücksfall, dass Amira Hass einmal mit der Wirklichkeit konfrontiert wurde. Die Religion, die sich „Israelkritik“ nennt, beruht auf zwei Lügen: 1. Die Ursache des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern ist nicht der Antisemitismus. 2. Der Konflikt wird beigelegt, wenn Israel seine Politik ändert.

Erst vor wenigen Monaten hat Amira Hass eine von der Anti-Defamation League veröffentlichte weltweite Studie über Antisemitismus angegriffen: „Die besetzten palästinensischen Gebiete in die Studie einzubeziehen, macht daraus ein billiges und gefährliches Propagandawerkzeug.“ Amira Hass hat ihr Leben lang nicht verstanden, was Antisemitismus ist. In der Studie ging es nicht um die Haltung der Palästinenser zu israelischen Bürgern, sondern um Verschwörungstheorien über die angebliche Beherrschung der Welt durch die Juden. Warum 89 Prozent der Palästinenser glauben, dass Juden die Weltwirtschaft kontrollieren, kann Amira Hass nicht erklären. Antisemiten sind für sie Helden. Allen Ernstes schrieb sie einmal, Israel rechtfertige „nachträglich“ durch seine Taten das, was Antisemiten „seit 2.000 Jahren“ über die Juden gesagt hätten. Hitler wäre demnach seiner Zeit voraus gewesen, wie es auf Plakaten bei islamischen Demonstrationen immer wieder zu lesen ist.

Die „rechte“ israelische Regierung ist am Antisemitismus schuld? Von wegen. Wenn sogar Amira Hass in der palästinensischen Apartheidsgesellschaft nicht geduldet wird – weil sie Jüdin ist –, wie kann sie dann behaupten, die Palästinenser würden mit Israel Frieden schließen, wenn die israelische Regierung nur endlich das täte, was Frau Hass empfiehlt (bedingungslose Kapitulation)?

Der Psychiater Kenneth Levin, Autor des Buches „The Oslo Syndrome: Delusions of a People Under Siege“ vergleicht den jüdischen Anti-Israel-Aktivismus mit der Selbsttäuschung misshandelter Kinder, die sich einreden, sie würden gequält, weil sie „böse“ seien, und die Peinigung würde aufhören, wenn sie sich „bessern“. Amira Hass hat ihr Leben lang geglaubt, Juden, die Israel hassen, wären vom Antisemitismus ausgenommen, und „Frieden“ würde einkehren, wenn alle Juden ihrem Beispiel folgten. Pech gehabt. Der Passierschein ist ungültig. Raus!

Jetzt hadert sie: „Als Linke stelle ich die antikolonialistische Logik infrage, linke israelisch-jüdische Aktivisten zu boykottieren.“ Der Satz ist kaum zu verstehen, weil er so viele doppelte Negationen enthält und dazu alles auf links dreht. Sie meint eigentlich: Wenn sich der palästinensische Kolonialismus auch gegen mich richtet, finde ich das scheiße. Ihr Argument lautet, linker Aktivismus solle den Makel der jüdischen Herkunft aufwiegen und vergessen machen.

So, wie sich Juden früher taufen ließen, um dem Antisemitismus zu entkommen, werden sie heute Anti-Israel-Aktivisten – wobei sie gleichzeitig den Antisemitismus leugnen, verharmlosen oder einfach nicht über ihn reden wollen. Für Fanatiker wie Amira Hass gibt es nur eine Sache, die ihnen noch wichtiger ist als der Hass auf Israel: ihr großes Ego. Patzig schreibt sie: „Ich habe andere Orte, um meine subversiven Energien zu investieren.“

Seht euch vor, Tibeter und Uiguren!

Amira Hass: “When a Haaretz journalist was asked to leave a Palestinian university” http://www.haaretz.com/news/features/.premium-1.618007

 

 Stefan Frank ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist für Zeitungen, Zeitschriften und den Hörfunk, unter anderem schreibt er für die Zeitschrift Konkret.  Seine beiden Bücher “Die Weltvernichtungsmaschine” und “Kreditinferno” sind im Jahr 2009 und 2012 jeweils im Conte Verlag herausgegeben worden. Auf der Homepage von Stefan Frank sind einige seiner Texte und Interviews zu finden. Die Veröffentlichung von “Kommt eine jüdische Antisemitin nach Ramallah…” (Erstveröffentlichung bei Achgut) in “Mission Impossible” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Hoch lebe Benjamin Netanjahu

11. September 2014

“Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich. “ Georg von Grote am 5.4.2012 im “Freitag

“Ob die gute Angela Merkel damals, als sie so vollmundig das Existenzrecht Israels zur Staatsräson erklärte, damit gerechnet hat, dass sie damit auch irgendwann ethnische Säuberungen, wie sie zur Zeit zweifellos in Gaza geplant sind und durchgeführt werden als Staatsräson verkaufen muss? Jetzt muss sie es. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man die, mit Sicherheit berechtigten Sanktionen gegen Russland nicht mehr dem Wähler plausibel machen kann, wenn man das gleiche nicht auch gegen Israel ins Auge fassen will, sondern stillschweigend zusieht, wie durchgeknallte Staatsterroristen wie Netanjahu, Liebermann, Bennet, Feigelt und Konsorten ihre Killertruppe von der Kette lassen.” Georg von Grote am 31.7.2014 in Facebook

“Unabhängig von der Unverhältnismäßigkeit der Angriffe auf Zivilisten, sollte man Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Das Existenzrecht Israels ist m.E. nicht mit dem Existenzrecht Netanjahus gekoppelt. Und wenn man das Existenzrecht der Menschen dort in den Mittelpunkt rückt, muss man das Netanjahus und das der Hamas/Hisbollah in Frage stellen.” Michael Pliwischkies am 1.8.2014 in einem Facebook Kommentar zu obiger Aussage

“Genozid in Gaza – Kriegsverbrecher Netanjahu” Jürgen Elsässer am 28.8.2014 in Twitter

“Nicht nur, weil Martin Krauss hier ganz bewusst noch Öl ins Feuer gießt um den schon schwelenden Antisemitismus in diesem Land so richtig auflodern zu lassen und man sich fragt, was er damit bezweckt, sondern auch, weil ein Vernichtungskrieg verteidigt wird, der sich mit aller zur Verfügung stehenden Brutalität ganz gezielt gegen Zivilisten, Frauen, KInder und die Schwächsten unter den Schwachen richtet und Israel sich damit auf dieselbe Stufe begibt, wie die, die es bestrafen will.”  Georg von Grote am 27. Juli 2014 in Facebook

“irre: ‘Asa ist das Auschwitz von heute und herr Yüksel schreibt mir, ich hätte gefälligst die klappe zu halten.”  Christine Rölke-Sommer  am 6.8.2014 in der TAZ

bibigroteDeutsche “Israelkritiker” halluzinieren nach den militärischen Reaktionen der israelischen Regierung gegen die islamistischen Terrorangriffe aus Gaza von “ethnischen Säuberungen”, von einem “Vernichtungskrieg”, von einem “Genozid in Gaza” oder von “Gaza dem Auschwitz von heute”. Was treibt den deutschen Wutbürger und Hamasversteher im Jahr 69 nach Auschwitz an, den demokratisch gewählten Regierungschef Israels mit den Terrorbanden einer islamfaschistischen Organisation auf eine Stufe oder sogar darunter zu stellen und den demokratischen Staat Israel mit Nazideutschland zu vergleichen?

Am 4. April 2012 veröffentlichte der ehemalige SS-Soldat Günter Grass  sein antisemitisches Gedicht “Was gesagt werden muss“. Darin behauptet er unter anderem Israel gefährde den ohnehin brüchigen Weltfrieden wegen eines angeblich behaupteten Rechts auf einen atomaren Erstschlag gegen den Iran. Die in dem Gedicht vorkommende Täter-Opfer-Umkehr war bei Grass nicht neu. Bereits in seinem Roman “Krebsgang” brach Grass sein Schweigen, dass auch die Deutschen Opfer waren. So schriebt Grass in „Krebsgang“: Als die „Gustloff“ untergeht, ertönt „ein nie gehörter, ein kollektiver Endschrei“. Ein Schrei, der sich in den Lagern der Shoah seit Buchenwald millionenfach erhoben hat. Im Jahre 2011 behauptet Günter Grass in einem Interview, dass die Sowjetunion sechs Millionen deutsche Kriegsgefangene liquidiert hätte. Tatsächlich gerieten etwa drei Millionen deutsche Soldaten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, von denen etwa 1,1 Millionen nicht überlebten. Was Günter Grass mit der Zahl “sechs Millionen” bezwecken wollte, lag auf der Hand. Der ehemalige Wehrmachts-Freiwillige, der den reibungslosen Betrieb von Auschwitz mit ermöglichte versuchte zu entlasten. Solcherlei Vergangenheitsbewältigung und Täter-Opfer-Umkehr kommt vor allem bei “Israelkritikern” sehr gut an.

Am  5. April des Jahres 2012 verteidigte ein Georg von Grote im judenkritischen “Freitag” leidenschaftlich das antisemitische Gedicht von Grass. In seinen “Nachgedanken” erläutert Georg von Grote seiner Gemeinde, dass er sich mit 16 schuldig fühlte, weil Vater und Mutter, natürlich “mehr unfreiwillig als freiwillig”, Funktionsträger im Dritten Reich waren, um dann zu bekennen: “Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich.” Den Grass-Kritikern des Feuilletons schleuderte Grote selbstbewusst entgegen: “Ich dachte, das neue freie Deutschland hätte sich langsam aus den sich selbst auferlegten Fesseln gelöst… Und aus Schuldgefühlen heraus, machen wir in Deutschland diesen Wahnsinn mit, statt einfach mal ganz klar zu analysieren und Eigeninitive zu ergreifen und auch klipp und klar einem Netanjahu oder auch einem Herrn Broder und allen anderen, die ihnen nachlaufen zu erklären: Nein! Da spielen wir nicht mehr mit!” Desweiteren agitierte der “Nahostexperte” Grote in seinen “Nachgedanken” beseelt von seinen “Überzeugungen”: “Über die Jahrhunderte der Diaspora hat sich bei Juden – und ich sag jetzt bewußt Juden und nicht Israelis – ein fast schizophrener Verfolgungswahn entwickelt”. Am Ende seines “Werkes” fordert Grote siegessicher seine Anhänger auf: “Grass hat nun den Anfang gemacht. Wir sollten mitmachen!” Grote macht bis heute unerschrocken mit: Nachdem er im “Freitag” den Zentralrat der Juden als “verbales Killerkomando beschimpfte, phantasiert er nun auf seiner Facebookseite von einem Vernichtungskrieg mit ethischen Säuberungen der israelischen Armee in Gaza, die er als “Killertruppe” bezeichnet.

Einen “Vernichtungskrieg” mit “ethische Säuberungen” führte die deutsche Wehrmacht und diverse Spezialeinheiten hinter der Front und nicht Israel. Israel führt seine Kriege, nicht um Raum für ihr Volk ohne Raum, nicht um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um den Juden, also seiner Bevölkerung, endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Israel versucht nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren. Im Gegensatz dazu erklären die Feinde Israels im Nahen Osten ihren sehnlichsten Wunsch die Juden zu vernichten oder sie ins Meer zu treiben. Die Hamas und die anderen Terrororganisationen des Nahen Ostens, der Iran und alle anderen reaktionären Regimes der Region verkünden beinahe täglich ihr vordringlichstes Ziel Israel von der Landkarte verschwinden zu lassen. Der Islamismus der Hamas, des IS, des Irans steht gegen alles, wofür Marxisten, Liberale, Humanisten und Demokraten seit jeher eingetreten sind, er verfolgt neben seinem eliminatorischen Antisemitismus jedes emanzipatorische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse.

Islamisten sehen Juden nicht als Menschen. Die Hamas und andere palästinensische Organisationen bezeichnen Juden als “Schweine und Affen”. “Palästinensische” Eltern richten ihre Kinder seit Jahrhunderten dazu ab, Steine auf Juden zu werfen. Von den Juden wird erwartet, dass sie sich nicht wehren. Ein vermummter Hamas-Sprecher sagte am 18. Juli auf “Al-Aqsa TV”: “Die Waffenindustrie von al-Qassam hat eine halbe Million Handgranaten hergestellt, die wir unseren Kindern geben werden. Statt mit Steinen werden sie damit die Soldaten der Besatzung steinigen.” Deshalb schreibt Stefan Frank in der letzten Konkret: “Die Raketen sind die Fortsetzung des Steinigungs-Dschihads auf höherem technischen Niveau”. Im Gazastreifen werden Kinder ab drei Jahre in Uniformen gesteckt und zu Mördern erzogen. Rund 5o Prozent haben 2006 in Gaza die Hamas gewählt, die übrigen haben für die beiden anderen Terrorgruppen Fatah und PFLP gestimmt. Die Bevölkerung von Gaza sah zu wie Raketen und Sprengstoff in ihre Häuser, Moscheen und Schulen getragen und die Terrortunnels gebaut wurden. Während Israel alles Mögliche unternimmt um die eigene Bevölkerung vor den Raketenangriffen zu schützen, beispielsweise durch den Bau von Iron Dome, nimmt die Hamas die eigene Bevölkerung als Schutzschild für ihre Raketenabschussbasen in UN-Schulen, Moscheen, UNRWA-Gebäuden und Krankenhäusern.

Mit der Dämonisierung Israels, der Verharmosung der Hamas oder der Gleichsetzung von Israel mit den Dschihadisten machen sich deutsche “Israelkritiker” mehr oder weniger zu Adepten der Islamisten und ihrer Ideologie. Die Solidarität der deutschen “Israelkritiker” mit den Palästinensern ist eine Solidarität mit Gotteskriegern, mit ihren Hasstiraden auf Israel flankieren sie die pogromartigen, antisemitischen Raketenangriffe der Hamas. Seit 2001 haben die Hamas und andere antisemitische Terrororganisationen ohne jeden militärischen Nutzen israelische Zivileinrichtungen mit 14.000 Raketen bombardiert. Die Sympathien für die Palästinenser sind freilich nur die Kehrseite des Hasses auf Juden, denn als Assad tausende von Palästinensern ermordeten ließ blieb die deutsche Volksseele ebenso unberührt wie aktuell bei den hundertausenden Opfern im Syrienkrieg.

Grote, Elsässer und andere obsessive “Israelkritiker” befinden sich mit ihrer Erinnerungs- und Schuldabwehr längst im deutschen Mainstream. Im Jahre 2003 hielten 65 % der Deutschen laut einer EU-Umfrage Israel für „die größte Gefahr für den Weltfrieden“. 2004 erklärten über die Hälfte der Bundesbürger: “Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.”  Knapp 70 % waren im selben Jahr der Meinung, Israel führe “einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“. 2007 positionierten sich laut einer BBC-Umfrage 77% der Deutschen eindeutig negativ gegenüber Israel das jeden Deutschen und Österreicher alleine durch seine Existenz an Auschwitz und Majdanek, an Treblinka und Sobibor erinnert.  Laut einer Studie der Fakultät für Erziehungswissenschaft am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von Prof. Dr. Andreas Zick, Stand 2011, ärgerten sich 63 % der Deutschen im Jahre 2008 darüber, dass ihnen die Verbrechen der Nazis noch heute vorgehalten würden und 57,3 % der Deutschen waren im Jahr 2010 der Meinung, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe. Laut einer Umfrage von Emnid, die N24 am 11. November 2011 veröffentlicht hat, fordern 83 % der Deutschen, dass sich Deutschland, sollte es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran kommen, neutral verhalte. Der Satz des israelischen Psychoanalytikers Zvi Rex „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen”  gibt die Antwort auf diese Umfrageergebnisse.

Nachdem die deutschen Wiedergutmachungszahlungen an den Staat Israel geleistet wurden, entstand mit der deutschen Wiedervereinigung mehr und mehr der Wunsch nach einem Schlussstrich unter die Geschichte. Die Entlastungserzählungen von Günter Grass mit der Entsorgung der eigenen Geschichte und Martin Walsers Forderung wieder ganz „unverkrampft“ zur Nation Deutschland zu stehen waren Teil der neuen Rahmenbedingungen in welchen die Mehrheit der Deutschen ihren Antisemitismus, der nach 1945 nicht einfach verschwand, wieder ausleben durfte. Für die Wiedergutwerdung Deutschlands musste die singuläre Tat der Shoa relativiert und Auschwitz als die deutsche Untat als „eine unter vielen anderen“ eingegliedert werden.  Der Wunsch, auch die „Juden“ mögen Täter wie die Deutschen sein, wird in Bekenntnissen wie “Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich“ oder in Obsessionen wie “Israel führe einen Vernichtungskrieg” manifestiert. Begriffe, die Israel in die Nähe des Dritten Reichs rücken gehören ebenso zu den modernen Kriterien des Antisemitismus wie die phantasierte Behauptung Israel störe einen vermeintlichen Weltfrieden. Von der Täter-Opfer-Umkehr über unterstellte Völkermorde bis zu jüdischen Blutbädern und Kindsmorden ist alles drin was das antijüdische Ressentiment des wiedergutgewordenen Weltfriedensstifters zu bieten hat. Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen “Überlegungen zur Judenfrage”: “Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.

Der Massenmord an den Juden verpflichtete, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter den Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht, frei nach der jesuitischen Devise, dass nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe“, schrieb Wolfgang Pohrt bereits vor vielen Jahren. Die antisemitische Hetze die sich im August 2014 auf Deutschlands Straßen mit Parolen wie “Tod, Tod, Israel!”, “Sieg Heil” und “Israel, Israel feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!” und in den sozialen Netzwerken abspielte sind die logische Konsequenz dieser Entwicklung.

Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu verhielt sich während der Raketenangriffe der Hamas sehr besonnen. Immer wieder versuchte er eine diplomatische Lösung zu erreichen. Erst als die Hamas den Versuch eines gigantischen Selbstmordattentats unternahm und den Atomreaktor von Dimona mit Raketen bombardierte startete Netanjahu eine Bodenoffensive. Nachdem der Umfang der Terrortunnels bekannt wurde, mussten diese zerstörte werden, da die Tunnels teilweise weit auf israelisches Gebiet reichten. Zumindest weiß nun die Weltöffentlichkeit wofür die Hamas den vielen Zement benötigte und dass Israels Interesse an einem kontrollierten Warenverkehr in den Gazastreifen seine Begründung hat, denn die Hamas will weiter ihre Terrortunnels bauen.

Rund 85 Prozent der Israelis befürworteten den Verteidigungs- und Bodenkrieg gegen die Hamas. Das ist ein sehr hoher Wert wenn man bedenkt dass in Israel rund 20 Prozent arabische Israelis leben. Nach den vom Israel Democracy Institute veröffentlichten Umfragen halten im Schnitt 95% der jüdischen Israelis den Militäreinsatz für gerecht. Im Unterschied zu früheren Militäroperationen sei diese Unterstützung konstant, trotz israelischer Verluste und internationaler Kritik. Nach der Zerstörung der Terrortunnels wurde von großen Teilen der Bevölkerung und von Teilen der Regierung eine Ausweitung der Bodenoffensive zur vollständigen Zerschlagung der Hamas gefordert, die viele weitere Menschenleben gekostet hätte. Benjamin Netanjahu blieb besonnen und verzichtete darauf weil der israelische Staatschef im Gegensatz zu den Islamisten das Leben und nicht den Tod liebt.

Die Pogromstimmung auf Deutschlands Straßen gegen Juden, die Hetze gegen Israel, der Schuldabwehrantisemitismus und die Erinnerungsabwehr sind ein Angriff auf die Zivilisation, der nicht unwidersprochen bleiben darf. Die Infragestellung des Existenzrechtes Netanjahus zwingt wie die Agitation gegen den Judenstaat alle Linken, alle Liberalen, alle Humanisten und alle Demokraten den rechts-konservativen Benjamin Netanjahu hochleben zu lassen.

Ich bin bereit dazu.

Operation Protective Edge und die Vereinigung der deutschen Antizionisten

26. Juli 2014

"Friedenskämpfer" bei der Arbeit in DeutschlandWenige Jahrzehnte nach dem deutschen Massenmord an den europäischen Juden, nach vielen antisemitischen Exzessen in den deutschen Medien nach dem Sechstagekrieg, bricht sich aktuell eine neue Welle des Antisemitismus in Europa, vor allem in den deutschsprachigen Ländern die Bahn.

In Wien tobte der antisemitische Mob und agitierte gegen den Judenstaat mit Plakaten „Dein Ende wird kommen, Israel“. Ein Testspiel des israelischen Fußballclubs Maccabi Haifa musste im österreichischen Bischofshofen abgebrochen werden, weil pro-palästinensische Demonstranten den Platz stürmten und auf die israelischen Spieler einschlugen. In Gelsenkirchen und in Frankfurt skandierten enthemmte Wutbürger mit Migrationshintergrund „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ , „Kindermörder Israel!“ und „Ihr Juden seid Bestien“. Die Berliner “Friedensfreunde” riefen „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ und „Scheiß-Juden, wir kriegen euch!“ Wenige Tage später, bei der jährlichen antizionistischen Al-Quds-Demonstration kam es auf dem Berliner Kurfürstendamm zu massiven antisemitischen Ausschreitungen. Selbstverständlich bestimmten wieder die Parolen “Tod, Tod, Israel!”, Sieg Heil” und “Israel, Israel feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!” das Bild dieses antijüdischen Events. In einer Neuköllner Moschee in Berlin predigte Iman Abu Bilal Ismail: “Oh Allah, zerstöre die zionistischen Juden. Zähle sie und töte sie alle”. Iman Abu Bilal Ismail bezeichnet die Juden als “Schlächter des Propheten” die “Kinder ermorden” und “Frauen zu Witwen machen”. Gegen Ende seiner Predigt betet er, dass Allah alle Juden vernichten möge. In Facebook veröffentlichte die “Israelkritikerin” Inge Höger von der Linkspartei ein Foto, auf dem sie mit ihren Palästinafreunden vor einem Transparent zu sehen ist worauf steht: “(Palästina) besitzt keine Wehrmacht!” und “Das ist kein Krieg sondern Völkermord”. Bei einer von der Linksjugend Nordrhein-Westfalen organisierten, von palästinensischen Organisationen sowie den beiden Linkspartei-Bundestagsabgeordneten Niema Movassat und Inge Höger offiziell unterstützten Demonstration gegen Israel in Essen, mit dem Aufruf “Stoppt die Bombardierung Gazas”, rief die aufgehetzte Meute “Kindermörder Israel”, “Allah Akbar” und “Adolf Hitler” (skandiert mit dem Nazi-Gruß). Die Essener Synagoge war erklärtes Ziel der israelfeindlichen Teilnehmer dieser Kundgebung, bei der wie in vielen anderen Städten Flaschen und Steine auf proisraelische Demonstranten geworfen wurden. ISIS- und Hamas-Fahnen gehörten zum festen Bestandteil dieser “Friedensdemonstrationen”. Jüdische Geschäfte, jüdische Menschen und Gegendemonstranten mit Israelfahnen wurden oftmals bei diesen “israelkritischen” Straßenorgien Opfer von Gewalt. Synagogen und jüdische Geschäfte stehen im Deutschland des Jahres 2014 unter Polizeischutz.

Der CDU-Aktivist Jürgen Todenhöfer begab sich heroisch durch einen Tunnel der Hamas nach Gaza und phantasiert von einem “Rachekrieg” Israels und der „wirkungslosen und dilettantischen Schießerei der Hamas und des Islamischen Jihad”, nachdem er ein Bild von sich auf ein Schutthaufen machen lässt auf dem, wie durch ein Wunder,  unversehrtes Kinderspielzeug neben ihm zu sehen ist. Stefan Reinecke, früher Redakteur des „Freitags“ heute der TAZ, schreibt in selbiger: “Es muss in einem freien Land möglich sein, straflos das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Im Zweifel für die Meinungsfreiheit.” Klaus Kleber meint im stockkonservativen “Heute-Journal”: “Israel macht mobil, Netanjahu ‚tönt‘, Israel werde angesichts des Raketenbeschusses auf Gaza und Tel Aviv nun die Samthandschuhe ausziehen. „Ganz so“, mahnt Kleber, „als hätte Israel je Samthandschuhe angehabt“. Einen vorläufigen Höhepunkt liefert noch ein Rolf Verleger im Deutschlandfunk zum Raketenbeschuß der Hamas: “Dass die dann ihre komischen Raketen abschießen, das ist nicht schön, aber das ist doch eine verständliche Folge all dieser Dinge.”

So marschieren sie innig vereint, die deutsche Linke, die deutsche Rechte und das deutsche Bürgertum gegen die Juden, gegen den Judenstaat. Wenn sie sich auch in allen anderen Feldern der Politik spinnefeind sind, in einem sind sie sich einig, Israel ist an allem schuld. Wenige Jahrzehnte nach Auschwitz sind auf denselben deutschen Straßen dieselben Parolen gegen denselben Gegner zu hören. Fakten interessieren Antisemiten nicht. Der israelische Gegenangriff, die israelische Verteidigung ist “unverhältnismäßig” für den debilen “Friedensfreund”. Warum die israelische Regierung die Hamas bekämpft interessiert den deutschen “Israelkritiker”  kaum. Die Taktik, die Menschenverachtung, die Ideologie der Hamas sind nicht das Thema von Inge Höger, Jürgen Todenhöfer, Rolf Verleger oder Klaus Kleber.

Nachdem drei jüdische Jugendliche von palästinensischen Terroristen entführt und ermordet wurden kam es zum Mord an einem arabischen Jugendlichen durch einen israelischen Extremisten. Benjamin Netanjahu sagte dazu sehr treffend: “Es gibt keinen Unterschied zwischen arabischem und jüdischem Terrorismus … Wir werden keine Straßen oder Plätze nach den Mördern benennen. Das unterscheidet uns von unseren arabischen Nachbarn, wo Mörder als Helden verehrt werden und in Schulbüchern nach wie vor gegen Israel gehetzt wird.” Während der Entführung und verstärkt nach dem Auffinden der Leichen schossen Hamas und andere Terrororganisationen im Gazastreifen hunderte Raketen auf israelische Zivilisten, auch auf die Städte Tel Aviv und Jerusalem und sogar auf den Atomreaktor in Dimona ab. Israel reagierte mit Angriffen auf die Raketenstellungen. Der in den einschlägigen Medien Europas als Hardliner bezeichnete israelische Ministerpräsident Netanjahu ließ die Angriffe einstellen, wenn ein Waffenstillsand möglich erschien und setzte auf die Diplomatie. Erst als die Hamas immer wieder weitere Raketen abschoss, jeden Waffenstillstand ablehnte und sogar versuchte, Israels Atomreaktor in die Luft zu sprengen, tat der Premier, was nötig war, er befahl die Bodenoffensive, die Operation Protective Edge um die Abschussrampen der Raketen und das Terror-Tunnelsystem zu zerstören. In dem Tunnelsystem versteckten sich die Terroristen der Hamas, schmugelten und lagerten ihre Waffen und Raketen aus Ägypten. Durch diese Tunnels, die nach auch auf israelisches Staatsgebiet führten wurden israelische Staatsbürger entführt und ermordet. Durch dieses Tunnelsystem sollten zum jüdischen Neujahrsfest hunderte Hamas-Terroristen einen Massenangriff auf israelische Dörfer und Kibbuzim starten und dabei einen Teil der verhassten Zionisten ermorden und den anderen Teil verschleppen. Ständig behauptete die Hamas für Schulen und Krankenhäuser fehle der Zement, wofür der Zement gebraucht wurde wird nun mit der Bodenoffensive deutlich. Beinahe täglich werden neue Tunneleingänge gefunden. Bisher wurden rund 35 unterirdische Tunnel entdeckt, die nach Israel führen und 90 Tunneleingänge, die bis in eine Tiefe von 30 Meter gehen.

Die islamfaschistische Hamas baute ihre Raketenabschussrampen und lagerte ihre Raketen in Krankenhäusern, in Kindergärten, in Schulen der UN und in Wohngebieten. Die palästinensischen Zivilbevölkerung wird von der Hamas als Schutzschild missbraucht, die Bewohner werden aufgefordert aktiv Schutzschilde zu bilden. Der israelischen Regierung bleibt die Wahl, entweder das Leben der eigenen Bevölkerung durch anhaltenden Beschuss aus dem Gaza zu riskieren, oder aber in Kauf zu nehmen, dass arabische Zivilisten sterben, während die Raketenabschussrampen inklusive Raketen zerstört werden. Laut der antisemitischen Ideologie der Hamas hat Israel kein Existenzrecht, die Hamas verherrlicht den Dschihad und die Ermordung aller Juden, vergleichbar wie al-Kaida, ISIS und Boko Haram. Das erklärte Ziel der Hamas ist die Zerstörung des jüdischen Staats und die Errichtung eine Gottesstaates in ganz Palästina.

Auf der einen Seite steht also eine islamfaschistische Terrororganisation, die alle Juden dieser Welt ermorden will, die Frauen wie Menschen zweiter Klasse behandelt, die jede (emanzipatorische) Opposition verfolgt, foltert und ermordet, die Schwule verfolgt, foltert und ermordet und die sich während ihrer Mordtaten gegen Juden hinter Frauen und Kindern versteckt. Die palästinensische Bevölkerung feiert freiwillig oder gezwungen ihre Mörder als Helden anstatt sie zur Rechenschaft zu ziehen. Die Hamas und ihre Anhänger lieben den Tod mehr als das Leben. Die ursächliche Verantwortung für die vielen Toten im aktuellen Konflikt tragen die Aggressoren der Hamas. Solange sich die palästinensische Bevölkerung nicht von ihren islamfaschischtischen Machthabern entledigt werden sich die Verhältnisse nicht verbessern. Falls der angestrebte Gottesstaat der Hamas jemals Wirklichkeit werden sollte gibt es außerdem einen Staat mehr der den Weltfrieden bedroht.

Auf der anderen Seite steht mit Israel die einzige Demokratie, der einzige Rechtsaat im Nahen Osten, mit all seinen Fehlern die kapitalistische Rechtstaaten an sich haben. In Israel haben Araber mehr Rechte als in jedem anderen arabischen Land. In Israel gibt es emanzipierte Frauen, die einen Minirock tragen dürfen ohne gegen eine gesetzliche Kleiderordnung zu verstoßen. In Israel werden Homosexuelle nicht strafrechtlich verfolgt. Israels Armee versucht mehr als jede andere Armee in dieser Welt zivile Opfer auf Seiten des Gegners zu vermeiden. Israel liefert seinen Gegnern gratis Strom. Israel ist ein Land das denen, die es vernichten wollen in seinen Krankenhäusern deren Kranke und Verwundete versorgt. Israel ist ein Land, das jedes Leben so sehr schätzt, dass es lieber Dutzende Mörder freilässt als ein einziges zu opfern.

Jedem zivilisierten Menschen kann die Entscheidung auf welcher Seite er sich positioniert nicht schwerfallen, sie ist so einfach wie die Parteinahme für Hitler oder für die Alliierten. Trotz diesen Fakten scheinen die Antisemiten in Deutschland immer hemmungsloser zu werden. Das Bündnis zwischen Islamisten, linken, rechten und bürgerlichen Antisemiten geht selbstbewusst auf die Straßen und skandiert seine menschenverachtenden Parolen. Angestachelt werden sie seit Jahrzehnten mit Beiträgen aus den öffentlich-rechtlichen Medien und Mainstream-Blättern, wie beispielsweise dem Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, Augsteins “Freitag“, der “Jungen Welt”, der TAZ und vielen aus allen möglichen politischen Richtungen kommenden Publikationen. Der Antisemitismus ist endgültig im Mainstream angekommen.

Den Antisemiten bleibt jedoch in ihrem blinden Hass gegen Israel ein Wandel in der politischen Landkarte verborgen. Der Kampf Israels gegen die Islamisten der Hamas wird von einigen arabischen Staaten gebilligt. Die Feinde von gestern entdecken gemeinsame Interessen und neue gemeinsame Feinde. Die großen Demonstrationen gegen Israels notwendigen Krieg finden in Europa, vor allem in Deutschland statt und nicht in Ägypten oder Saudi Arabien. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al Sisi ließ die Abriegelung des Gazastreifens verschärfen und der Hamas, dem Ableger der Muslimbruderschaft, in Ägypten alle Aktivitäten verbieten. Der ägyptische Außenminister Sameh Schukri machte öffentlich die Hamas für den jüngsten Krieg verantwortlich. Die Golfstaaten unterstützen Ägypten in seinem Kampf gegen die Muslimbruderschaft. Ägypten und andere Länder des Nahen Ostens fürchten das Atomprogramm des Irans, fürchten den islamistischen Extremismus und wünschen sich eine Niederlage der Muslimbruderschaft.

Der antiisraelische Mob geht inzwischen mit seinen antisemitischen Parolen und gewalttätigen Angriffen gegen Juden den Regierenden zu weit. Die antisemitischen Parolen der Straße und der Medien gefährden die deutsche Exportwirtschaft. Ermittlungen wegen Volksverhetzung werden eingeleitet in dem Land in dem Jakob Augstein und seine Anhänger die “Atommacht Israel beschuldigen den ohnehin brüchigen Weltfrieden zu gefährden”, “Gaza ein Lager” nennen und der Regierung Netanjahu vorwerfen “die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs” zu führen. Ermittlungen wegen Volksverhetzung werden eingeleitet in dem Land in dessen Zeitungen seit Jahrzehnten vom “Apartheidstaat Israel“, vom “KZ Gaza“, von “wohlgezielter Schlachtung von Klein- und Schulkindern” durch die israelische Armee und von “zionistischen Schlächtern” die Rede ist. Die Angriffe auf die Zivilisation dieser Blätter zeigen nun neben dem Salon auch auf den Straßen Deutschlands ihre Wirkung. Die antijüdische Saat der Querfront ist aufgegangen. Der Rückfall in die Barbarei ist wieder eine Option.

Die Ermordung von Eyal Yifrach, Gilad Shaer und Naftali Frenkel im Angesicht der deutschen Barmherzigkeit für die Palästinenser und deren Ideologie

1. Juli 2014

30  Kilometer nördlich von Hebron wurden am 12. Juni die drei israelischen Schüler Eyal Yifrach, Gilad Shaer und Naftali Frenkel von Mitgliedern der islamfaschistischen Hamas entführt. Einer der entführten Jugendlichen konnte noch per Handy einen Hilferuf absenden. Die beiden Hauptverdächtigen, die Hamasmitglieder Amer Abu Ayscha und Marwan Kawasme sind seit dem Tag der Entführung untergetaucht. Die Mutter von einem der beiden mutmaßlichen Entführer erklärte, sie “seit solz auf die Taten ihres Sohnes” und das sie ihn “im Geiste des Jihads erzogen habe. Unmittelbar nach der Entführung feierten Palästinenser öffentlich mit Süßigkeiten die Entführung und verherrlichen die Gewalt gegen die wehrlosen Opfer. Drei Finger stehen symbolisch für die drei Entführten und diese Geste macht die Runde bei den Palästinensern. Bei der groß angelegten Suchaktion unter dem Namen “Brother’s Keeper” im Westjordanland hatte die israelische Armee über 300 mutmaßliche Terroristen festgenommen und dabei über 1000 Häuser und Orte durchsucht, dabei Waffenlager und Geheimverstecke für Entführungsopfer gefunden. Nach 18 Tagen der Ungewissheit wurden gestern die Leichen der drei gekidnappten jüdischen Teenager in der Nähe der Stadt Halhul gefunden. Als die Leichen abtransportiert werden sollten wurde der Ambulanzwagen von einem palästinensischen Mob angegriffen und die Scheiben des Wagens eingeschlagen. Große Teile der palästinensischen Gesellschaft stehen offenbar geschlossen hinter den antisemitischen Enführern und Mördern.

Sollten die islamfaschistischen Terroristen lebend gefasst werden wird sich die palästinensische Gesellschaft rührend um sie kümmern. Gemäß den Gesetzen der Palästinensischen Autonomiebehörde erhält jeder Häftling, der wegen terroristischer Gewalt verurteilt worden ist, im Gegensatz zu gewöhnlichen Kriminellen, ein monatliches Mindestgehalt von etwa 300 Euro. Bis zu 3.000 Euro kann ein Häftling, wenn er genügend Juden ermordet hat, beziehen. Das Durchschnittseinkommen eines Palästinensers liegt etwa bei 470 Euro. Während der Haftzeit finanziert die Behörde auch den Lebensunterhalt der Angehörigen des Gefangenen. Sobald der Judenmörder freikommt kann er mit großzügigen Abfindungen und weiteren Monatsgehältern seiner palästinensischen Regierung rechnen.  Laut Angaben der Autonomiebehörde wurden allein im Jahr 2012 umgerechnet etwa 55 Millionen Euro an die Häftlinge und etwa die gleiche Summe an deren Angehörige überwiesen. Das entspricht etwa 16 Prozent der ausländischen Zuwendungen an die Palästinenser für den Aufbau ihres künftigen Staates. Weitere Summen werden vom Wohlfahrtsministerium und aus anderen Quellen an die Angehörigen von Selbstmordattentätern gezahlt. Mit ihren millionenschweren Hilfsgeldern an die palästinensische Autonomiebehörde finanzieren somit die westlichen Staaten wie Deutschland oder die USA den Terror gegen Israel.

In dem Staat in dem der Judenmord bisher am effektivsten organisiert und durchgeführt wurde, ist in den entsprechenden Massenmedien mit ihren Leserspalten so gut wie keine Solidarität mit den jüdischen Opfern zu erkennen. Im Gegenteil, die Opfer werden wieder einmal zu Tätern gemacht. Die israelische Regierung wird dafür verurteilt die Täter zu suchen. Susanne Kaul unterstellt (wie auch andere Lohnschreiber)  Israels Regierungschef Netanjahu in der TAZ die Entführung für seine Zwecke auszunutzen. Die Tagesschau erzeugte den Anschein, dass es sich nur “mutmaßlich” um eine Entführung handelt und dass die Jungen vielleicht nur “verschwunden” seien. Kein Wort in der Tagesschau über die öffentlich zur Schau gestellte Freude der palästinensischen Bevölkerung über die Entführung. Julia Amalia Heyer behauptet im Spiegel wahrheitswidrig dass “drei junge Sieder” entführt worden wären und meint zudem: “Seit längerem befindet sich die Bewegung in einer derart unkomfortablen Lage, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie tatsächlich für die Entführung verantwortlich zeichnet, eher gering scheint. Denn damit würden die Islamisten nicht nur die so junge wie fragile Versöhnung mit den “Fatah-Brüdern” gefährden, sondern auch, und zwar massiv, die Bevölkerung im Gazastreifen, die bereits seit Monaten darbt.” Obwohl der Führer der Hamas Ismail Haniyya ständig die Entführung von Juden fordert um wie im Fall Gilad Schalit palästinensische Terroristen freizupressen kann Frau Heyer nicht glauben, dass die Hamas zu diesem Mittel greifen könnte. Nach langen Monaten der Abstinenz von “Israelkritik” meldete sich der Herausgeber des “israelkritischen Freitags“, der vom Simon Wiesental Center ausgezeichnete Journalist Jakob Augstein in Spiegel Online zu Wort: ” Israels früherer Botschafter in Deutschland Schimon Stein hat darum in einem Zeitungsartikel geschrieben, seit der palästinensischen “Versöhnung” sei es “das Ziel Jerusalems, einen Keil in die palästinensische Regierung zu treiben und sie international zu diskreditieren”. Wie ginge das besser, als durch die Beschuldigung der Hamas, drei israelische Jugendliche entführt zu haben? Aber umgekehrt wird auch ein Schuh daraus: Es macht für die Hamas in Wahrheit gar keinen Sinn, ausgerechnet jetzt die Regierung zu destabilisieren, in die sie gerade eingetreten ist. Es sind nur die Hardliner auf beiden Seiten – palästinensische und israelische – die vom Verschwinden der drei Jugendlichen profitieren werden. Und der Nahe Osten kommt einem Frieden wieder einmal keinen Schritt näher.” Noch einen Schritt weiter geht eine besorgte Leserbriefschreiberin in der TAZ: “ich frag mal ganz ganz vorsichtig an, wie sich DIG verhalten wird, sollte sich herausstellen, dass die zwei jugendlichen und der eine erwachsene NICHT von palästinensern entführt wurden, sondern – unaussprechlich? – von radikalen siedlern. hält DIG dann mahnwachen für die getöteten, verletzten, verschleppten palästinenserinnen? startet es eine sammlung, um aufgesprengte haustüren und land/wirtschaftliche schäden ersetzen zu helfen?”

Es bleibt festzuhalten: Die Entführung und Ermordung von jüdischen Kindern, weil sie jüdische Kinder sind, geht dem deutschen Mainstream nicht an die Nieren. Es ist die “unangemessene” Verfolgung von antisemitischen, menschenverachtenden, einen islamistischen Gottesstaat anstrebenden Terroristen, die sie fassungslos macht.  Mahnend meinte Außenminister Frank-Walter Steinmeier in einer Presseerklärung: “Wir hoffen, dass trotz des unendlichen Schmerzes über den Verlust dieser drei jungen Menschen das Streben nach Frieden das Handeln in den kommenden Tagen bestimmt”. Die Hamas entführt und ermordet drei Jugendliche, die “Palästinenser” feiern das Verbrechen und die Mörder, doch Steinmeiser erhebt seinen Zeigefinger gegen Israel. Parteichef Sigmar Gabriel, der einst Israel auf seiner Facebookseite ein “Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt” nannte, dürfte mit seinem Parteifreund zufrieden sein.

Als Hans Martin Schleyer von der RAF entführt und anschließend ermordet wurde hörten sich die bundesdeutschen Presserklärungen, die Artikel der Mainstreampresse, sowie die Leserbriefe dergleichen anders an. Ob es daran gelegen haben mag, dass der damalige Arbeitgeberpräsident kein jüdisches Kind, sondern während des 2. Weltkrieges als SS-Untersturmführer in Böhmen und Mähren für die Arisierung der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern für das Deutsche Reich zuständig war? Franz Josef Strauß wollte jedenfalls damals mit großen Teilen der deutschen Bevölkerung die Gefangenen der RAF an die Wand stellen und erschießen lassen und Bundeskanzler Helmut Schmidt zeigte kein Interesse über einen Frieden mit der RAF zu verhandeln und wurde weder von seinem Außenminister noch von irgendwelchen Journalisten dazu aufgefordert.

Am 27. Juni 1976 entführten die linksradikalen deutschen Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei palästinensischen Kämpfern, der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“, ein Flugzeug der Air France über Athen mit 250 Passagieren an Bord. In Entebbe selektierte Wilfried Böse in bekannter deutscher Tradition 107 Juden von 143 Nicht-Juden. Mit der “Operation Thunderbolt” befreite Israel damals die entführten Juden, wobei alle Entführer ums Leben kamen. Deutsche “Israelkritiker” kritisierten damals die israelische Befreiungsaktion als „flagrante Verletzung der Souveränität Ugandas”, vergleichbar wie heute die Suche nach den entführten Jugendlichen und der Versuch der Ergreifung der Terroristen von “ehrbaren Antisemiten” und vermeintlichen “Friedensfreunden” kritisiert wird.

Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen “Überlegungen zur Judenfrage”: “Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.”

Die Herren der Zinsen

24. Juni 2014

rtKrisen waren immer ein fruchtbarer Acker für Verschwörungen, Propagandalügen, religiöse und esoterische Faseleien. Vor der Aufklärung sollten Juden Ernten verhext haben, nach der Aufklärung steigerte die Naturwissenschaft die Produktivität und maß den Charakter des Menschen an der Ohrlänge, in der modernen Krise teilen linke und rechte Antisemiten dümmlich oder aus Kalkül den Kapitalismus in Anlehnung an die falsche Kapitalismuskritik in einen schaffenden und einen raffenden, nehmen den schaffenden in ihre völkische Obhut und wähnen den raffenden in angloamerikanisch-jüdischen Händen. Die unwissenschaftliche Trennung bildet den Nährboden für die doppelte Propaganda: Sie bietet der kapitalistischen Mehrwertproduktion einen Schutzraum, indem sie die Schicht in der Fabrik oder auf dem Bau als das Produktive heiligspricht, und schiebt alles Ungemach auf die Finanzen und damit auf ein Bündel von antisemitisch konnotierten Krisenbegriffen: Speku­lation, vagabundierende Finanzen, globale (internationale) Finanzen, Banken, Börsen, Wallstreet, New York, Zinsen. Wer will, findet in dem Topf ein Stichwort, das zu seiner Verkümmerung passt. So ist die Krise wie alles, was mit Geld zu tun hat und die Suche nach Schuldigen sprießen lässt, ein Fundus für antisemitische Verschwörungen, die sich mit dem Feindbild »Angloamerika« verbrüdern, aber nicht müssen. Im Unterschied zum »Juden« grenzt die Krisenpropaganda gegen die USA sich von einem wirklichen Weltkonkurrenten ab.

Die Trennung des Kapitalismus in den schaffenden und raffenden Sektor war bereits für die NS-Ideologie elementar, um die Massen an den »arischen« Wirtschaftsführer zu binden und Juden als zinstreibende, sich ohne Arbeit bereichernde Schmarotzer zu stigmatisieren. Halt so wie »in der Tier- und Pflanzenwelt das schaffende und das parasitäre Prinzip vertreten ist«, sagte der NS-Ideologe Alfred Rosenberg. Die Verschwörung ist eben nur ein waberndes Gerücht ohne Bodenhaftung, denn in Wahrheit schlichen parasitäre »Herrenmenschen« in der Reichspogromnacht mit den von jüdischen Familien schmarotzten Standuhren, Radios und dem Spielzeug der jüdischen Kinder durch die Nacht. Adolf Hitler hielt viel von Gottfried Feder und dessen Werk »Manifest zur Brechung der Zinsknechtschaft«, weil Feder »mit rücksichtsloser Brutalität den ebenso spekulativen wie volkswirtschaftsschädlichen Charakter des Börsen- und Leihkapitals« sowie den »Zustand der Völker, die unter der Geld- oder Zinsknechtschaft der alljüdischen Hochfinanz stehen«, festgestellt habe (»Mein Kampf«).

Dass Krisen sich »auf den ersten Blick« und damit oberflächlich »als Kreditkrise und Geldkrise« darstellen (Marx), wird von linken, rechten und bürgerlichen Verschwörungsideologen zum Vorwand genommen, den Kapitalismus aufzuspalten und nutzbar zu machen für die Propaganda gegen die Wall Street, den angloamerikanischen Kommerz oder New York, wo Eingeweihte Juden an der Macht vermuten, und auch, um von der wahren Diktatur abzulenken, die noch immer in den Betrieben herrscht. Oskar Lafontaine behauptet: »Erst wenn die Diktatur der Finanzmärkte gebrochen wird, kann (…) die Demokratie wieder hergestellt werden«, und spricht verschwörerisch von der »gekauften Republik«. Mit Ausnahme seiner Partei würden alle Parteien »aus der Finanzindustrie gesponsert«. In Wahrheit standen VW, Siemens und andere Wertschöpfer bei allen Spendenskandalen in der ersten Reihe und werden die Leute in der Frühschicht, auf dem Bau, in der Bank oder im Werbebüro auch dann keine Demokratie haben, wenn die Finanzmärkte vom Staat reguliert sind. Das Gerede von der Diktatur der Finanzmärkte hat nur einen Sinn: den Mythos vom bösen raffenden und guten schaffenden Kapital am Leben zu halten.

Die Aufspaltung ist wissenschaftlich falsch, weil Industrie, Dienstleistungen und Finanz­welt sich gegenseitig durchdringen und beaufsichtigen. Und auch moralisch absurd, denn man müsste Spekulanten für moralischer halten als Unternehmer, die ihr asoziales Dasein offenbaren, indem sie andere Menschen für sich arbeiten lassen. Das ist wahres Schmarotzertum. Winkt kein adäquater Profit in der Produktion, ist der Unternehmer genauso schnell mit der Spekulation im Bund wie der Banker, um das Geld zu vermehren. Die großen Konzerne sind inzwischen ihre eigenen Banken, um sich mit Anleihen zu refinanzieren, und selbstverständlich kauft und verkauft der Unternehmer Firmen wie die Private Equities (»Heuschrecken«). Wohin soll der AppleKonzern sonst mit seinem Barvermögen von 160 Milliarden Dollar? Der ganze Komplex aus Industrie, Handel, Banken und Staat ist zusammengewachsen. Der Staat hilft der nationalen Wirtschaft im Inland, indem er für den Betriebsfrieden sorgt, im Ausland, indem er ihr die Wege für seine Expansion ebnet. Andersrum versorgt das Kapital den Staat und vergütet das politische Personal mit Rentenverträgen. Beide gehören zur herrschenden Klasse, aber der Vorstandschef kassiert Millionen, der Kanzler, der ihm den Weg bis China öffnet, viel weniger. Die Staffelung wahrt den demokratischen Schein. Die Massen ahnen, dass sie nicht der Souverän sind, und wollen sich am gewählten Personal rächen dürfen. Es soll schlecht bezahlt werden und moralischer sein als sie. Die Wirtschaft weiß das und gleicht den Verlust aus. Während der Amtszeit mit einer Loge beim Opernball, danach mit einem Berater- oder Managervertrag.

Der Antisemitismus ist der Kitt, der die Straße mit dem Salon verbindet

Nicht jedes Gerücht über Juden bedarf der Krise. Dafür ist der Antisemitismus eine zu stete und üppig sprudelnde Quelle des Unheils. Aber die Aggressionen, die von der Angst vor Infla­tion, Währungsreform, Geld- und Existenzverlust herrühren, schwellen in der Krise an, suchen Ventile und mischen sich in Europa mit dem im arabisch-islamischen Raum tief verwurzelten Wunsch, Juden zu vertreiben. Nachdem sie aus den meisten arabischen Ländern verschwunden sind, geht es nun gegen die in »Israel«. Eine Antwort auf die Frage, ob der Antisemitismus in Europa in der Krise angewachsen ist, geben am besten Jüdinnen und Juden selbst. Der Antisemitismusbericht 2013 der European Union Agency for Fundamental Rights (Agentur der Europäischen Union für Grundrechte), kurz: FRA, hat 6 000 Jüdinnen und Juden in den acht europäischen Ländern Belgien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Ita­lien, Schweden, Großbritannien und Lettland, in denen die meisten Juden wohnen, befragt. 76 Prozent antworteten, dass der Antisemitismus in den vergangenen fünf Jahren stark angestiegen ist, 33 Prozent leben ständig mit der Angst, einer antisemitischen Attacke zum Opfer zu fallen, die Hälfte erwartet, innerhalb eines Jahres Opfer einer Hassattacke zu werden, 29 Prozent überlegen zu emigrieren. 80 Prozent der ungarischen Juden gaben an, dass sie von rechten Gruppen bedroht werden, während in Frankreich 73 Prozent und in Belgien 60 Prozent angaben, hauptsächlich von mus­limischen Gruppen bedroht zu werden. Diese Zahlen sind in verschiedener Hinsicht beeindruckend. Sie erzählen von einem Leben in täglicher Unsicherheit und Schutzlosigkeit, führen die Bedeutung eines in jeder Hinsicht zu sichernden jüdischen Staates vor Augen und entlarven einmal mehr die Aussagen von Jürgen Habermas und Peter Sloterdijk (und tausend anderen Antiamerikanern), dass die Kultur in Europa und nicht in Amerika zu Hause sei, als Legitimation von rundum miesen Gesellschaften aus Größenwahn.

Der Antisemitismus markiert die größte Massenbewegung in Europa. »Weit über 150 Milli­onen Antisemiten leben in der EU, hat der israelische Antisemitismusforscher Manfred Gerstenfeld auf der Basis der von der Friedrich-Ebert-Stiftung initiierten Bielefelder Studie von 2011 und den Bevölkerungsziffern der entsprechenden Länder errechnet; so viele EU-Bürger nämlich sind der Meinung, Israel führe einen ›Ausrottungsfeldzug‹ gegen die Palästinenser« (Stefan Frank in Konkret 1/2014). Nach einer Forsa-Umfrage aus dem Herbst 2013 stimmen 70 Prozent der Deutschen der Aussage zu, Israel verfolge seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Völker. Die Frage ist Teil des Problems. Die Befragten würden die deutsche Regierung, die aus Rücksicht auf Griechen und Chinesen handelte, selbstverständlich abwählen. Schon gar nicht berücksichtigt sie, dass die Wahrung der Interessen der PLO, Hamas und Hisbol­­lah für Israel ein Selbstmordprogramm wäre. 57 Prozent der Deutschen glauben, Israel führe einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser. Das sind erheblich mehr als im übrigen Europa und erklärt sich aus der deutschen Geschichte. Der Antisemitismus nach 1945 muss mit dem Wissen um Auschwitz fertig werden. Je völkischer der Deutsche fühlt, desto unerträglicher ist für ihn der Gedanke, dass seine Sippe auf hoher Zivilisationsstufe doch nur ein Bluthund war. Deshalb soll an den Juden unbedingt etwas dran sein.

»Wenn der Bürger schon zugibt, dass der Antisemit im Unrecht ist, so will er wenigstens, dass auch das Opfer schuldig sei.« (Adorno) Wohl auch deshalb stimmen 40,5 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass Israel »die Palästinenser im Prinzip so behandelt, wie die Nationalsozialisten die Juden«. Wer den Umstand, dass 20 Prozent der israelischen Bevölkerung Palästinenser sind, die in Israel arbeiten, studieren, zur Armee gehen, Richter sind, heiraten, Auto fahren, wohnen, baden, feiern, zur Schule gehen, Rente beziehen und sich ebenso vor Selbstmordattentätern fürchten wie Juden, gleichsetzt mit der systematischen Vernichtung aller Juden auf der Welt, ist von einer unheimlichen Mixtur aus Blödheit, Verbitterung, Vorurteil und Hass gezeichnet. Das also trifft auf fast jeden zweiten Deutschen zu. »Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben«, schrieb Adorno. Deshalb wirken Deutsche auch dann überzeugend, wenn sie puren Wahnsinn von sich geben. Wenn der Deutsche die Allmacht will, sagt er nicht: »Ich will allmächtig sein!«, sondern verbreitet das Gerücht, die Juden seien allmächtig, weshalb man sich sofort gegen sie zur Wehr setzen müsse. Die große Zahl der Zustimmenden führt zur falschen Gewissheit. Die Projektion ist das Verfolgen eigener Wünsche in anderen, ein Mechanismus, bei dem der Mensch das, was er für sich nicht gelten lässt, in sich verleugnet oder sich verbietet, um der Norm zu genügen, sich über die Verfolgung anderer abreagiert, denen er andichtet, sich das zu erlauben, was er sich verbietet. Vermuten die Leute seiner Umgebung dasselbe wie er, wird die Wahnvorstellung zur Gewissheit.

Antisemiten trauen sich wieder etwas. Nicht nur im Salon, in dem Martin Walser, Günter Grass und Jakob Augstein über antijüdischen Gedichten brüten, auch auf der Straße. Sie marschieren in Budapest, Berlin, Warschau und Paris. Das heutige Klima in Frankreich erinnert den Vorsitzenden des Dachverbands der jüdischen Organisation (Crif), Roger Cukierman, an »das Deutschland der dreißiger Jahre«. Genau an diese Epoche appelliert der Star-Komiker Frankreichs Dieudonné M’bala M’bala, ein antisemitischer Hetzer. Frankreich sei von Juden beherrscht, sagt er, und nennt sie auf der Bühne »Drecksjuden«. Er bedauert, dass es keine Gaskammern mehr gibt, obwohl er ihre Existenz und den ganzen Holocaust leugnet. Er wollte unbedingt Gast in der Morgensendung des jüdischen Journalisten Patrick Cohen sein. Als der ihn nicht einlud, sagte Dieudonné: »Wenn ich an Cohen denke, kommen mir unweigerlich die Gaskammern in den Sinn.« Die Leute amüsieren sich über ihn und seine Judenwitze. Sie können gar nicht genug davon bekommen. Der Höhepunkt seiner Show ist das Lied »Shoananas«, in dem er sich über Auschwitz lustig macht. Tausende singen mit. Die Veranstaltungen sind ausverkauft – auch in der Schweiz. Der von ihm erfundene »Quenelle«-Gruß, bei dem zum Zeichen des Judenhasses und des Vernichtungswunsches die linke Hand auf den zum gesenkten Hitlergruß durchgestreckten rechten Arm gelegt wird, ist inzwischen so populär, dass viele Jugendliche sich in den Straßen und auf Schulhöfen so grüßen und der prominente französische Fußballstar Anelka ihn nach seinem Tor für den englischen Club West Bromwich Albion den Zuschauern im Stadion zeigte. Ein Sponsor kündigte daraufhin seinen Vertrag. Die Banlieue-Jugend ist besonders begeistert, aber auch die Mittelschicht pilgert zu seinen Veranstaltungen. Jean-Marie Le Pen, der offen antisemitische Flügel der Le-Pen-Familie, ist Taufpate der Tochter von Dieudonné M’bala M’bala. Die französische Zivilgesellschaft lässt sich nirgendwo blicken. Vielleicht ist sie erschöpft vom Kampf gegen die Homoehe, vielleicht beginnt auch eine neue Dreyfus-Affäre.

Dieudonnés Gesinnungsmix ist ein Angebot für Antisemiten in den Migrantenszenen und für die, die ihre Solidarität auf Palästinenser einengen, ohne zu fragen, was die wollen. Meistens wünschen sie Linke zum Teufel. Die Szenen, die Dieudonné M’bala M’bala nachlaufen, sind gegen den Rassismus, der sich gegen Schwarze und Araber richtet, haben Sympathie für die Radikalität der Islamisten, lehnen den weißen Neokolonialismus ab, hassen Juden und vermuten, dass sie hinter allem stecken. Genau das Richtige für die beiden Frauen aus der Linkspartei, die mit der Gaza-Flottille 2010 zur Hamas vordringen wollten, damit der Weg für Waffenlieferungen frei ist, und die sich unter dem Deck verstecken mussten, weil die islamischen Krieger fanden, dass Frauen an Deck nichts zu suchen hätten. Für Linke, zumal für deutsche, hätten die Abschiedsrufe im Hafen von Istanbul: »Tod den Juden!« eigentlich genügen müssen, das Schiff zu verlassen. Die französischen Dieudonné-Anhänger leisten sich überdies die nationalistische Geste, die Marseillaise zu singen. Dieser wilde Politmix passt nicht zu den Salonrechten, die keine Schwarzen, Rumänen oder Muslime sehen wollen. Auf einer Demonstration in Berlin riefen arabische Frauen und Männer: »Juden, Juden, die Armee von Mohammed kommt!« und: »Deutschland! Deutschland! Sieh dich um, Israel bringt Kinder um« und: »Kindermörder! Kindermörder!« Eine Demonstrantin erläuterte der TV-Anstalt das Motiv ihres Hasses: »Im Untergrund sind die, und wir sind alles Marionetten, mit denen die spielen. Das geht alles von höheren Mächten aus. Ich will jetzt niemandem etwas unterstellen, aber es geht mehr um Land gewinnen und um Geld.« Geld, Landgewinn, Allmacht! Sie wollte niemandem etwas unterstellen. Roger Waters von Pink Floyd ließ bei seinen Mammut-Events ein schwarzes Schwein als Ballon über die Köpfe der Fans kreisen. Auf dem Schwein waren die Symbole des Bösen, darunter der Davidstern. Nicht einmal die Israel-Flagge, sondern das Symbol, das Juden während der Naziherrschaft auf dem Jackett tragen mussten. Am Ende des Konzertes wurde das Schwein abgeschossen. Die Menge jubelte. Ein deutscher Pink-Floyd- Fan wurde gefragt, was das Schwein ausdrücken sollte. Er antwortete: »Faschismus im weitesten Sinne, alles, was uns Übles will.« Und der Davidstern? »Schwierige Geschichte, aber der gehört, glaube ich, mit zur Gewalt.«

Die antisemitische linke Mehrheit

Das deutsche Zentralorgan für antisemitische Attacs und Linke ist die Junge Welt (JW), die sich für links hält und deshalb nicht zu verwechseln ist mit der extrem rechten Jungen Freiheit, obwohl beide mit Juden nicht zimperlich umgehen. Die JW deckt in ihrer Ausgabe vom 9. September 2013 eine Verschwörung auf. Je weniger an dem Gerücht dran ist, desto detailgetreuer ist der Bericht. Die Amerikaner, schrieb sie, wollten Syrien angreifen und der Bundesnachrichtendienst (BND) und die Bild-Zeitung würden gemeinsam »Stimmung für den Angriff« machen. Bild habe nämlich unter Berufung auf den BND berichtet, dass ein Spionageschiff der Bundesmarine im östlichen Mittelmeer Funksprüche syrischer Kommandeure abgehört habe, die »von Präsident Baschar al-Assad die Zustimmung zu einem Giftgaseinsatz gefordert haben« sollen. Die JW vermutete sogleich eine jüdische Verschwörung: »Der BND arbeitet eng mit dem israelischen Mossad zusammen, der sogenannte Trojaner einsetzt, um andere Geheimdienste irrezuleiten.« Dazu verstecke der Mossad auf einer kleinen Insel vor der Küste Syriens unter einem »künstlichen Felsen« ein Gerät, das Meldungen auffange, die »von der Desinformationsabteilung des Mossad verschlüsselt ausgesendet« würden und nur von dem »Kommunikationsgerät« unter dem Felsen aufgefangen werden könnten. Das Gerät strahle den Text dann »auf einer anderen, ­offiziellen Frequenz im Feindesland aus«, die »wiederum von anderen Geheimdiensten aufgefangen« werde, zum Beispiel vom BND, der den Text dann an Bild gibt. Man muss die Psyche des Antisemiten nicht analysiert haben, um zu begreifen: Hier grassiert der Wahn. Dass den USA ein Angriffskrieg unterstellt wird, den sie auf keinen Fall wollten, nimmt man so hin. Aber warum rufen zwei befreundete Geheimdienste sich nicht einfach an, sondern führen sich unter dem Einsatz von Geräten im Meer gegenseitig in die Irre? Vielleicht aus Freude am Beruf.

Durchaus nicht selten taucht in der JW ganz unvermittelt der Jude auf. Werner Pirker schrieb über die Demonstrationen in der Türkei, die Regierung habe die Proteste nicht nur der Park­rodung zu verdanken, auch »Ankaras Politik der Einmischung in syrische Angelegenheiten wird von der türkischen Bevölkerung mehrheitlich abgelehnt«, und »Erdoğans neo-osmanische Ambitionen« fänden »unter seinen Landsleuten keinen Anklang. Dass diese abenteuerliche Politik im (…) Einverständnis mit Israel erfolgt, macht sie für die patriotischen Kräfte des Landes vollends unakzeptabel.« Plötzlich ist der Jude da! Nichts wies auf ihn hin und der Zusammenhang ist aus der Luft gegriffen. Die Türkei und Israel liegen im Streit. Mit dem Konflikt in der Türkei, der durch den Zusammenprall von Moderne, religiöser Regression und Korruption entsteht, hat Israel nichts zu tun. Israel ist schon gar nicht für die Islamisierung der Türkei und für die neoosmanische Politik zu haben, weil Palästina dann wieder ein osmanisches Protektorat wäre. Die Verschwörungsgeschichte gipfelt in der Behauptung: »Das syrische Gemetzel hat mit Israels ›Kriegseintritt‹ eine neue Stufe der Eskalation erreicht.« Hier verliert das Gerücht jede Bodenhaftung. In Syrien metzeln Assads Soldaten, die Hisbollah und diverse Jihadisten, die JW aber wähnt Israel da im Krieg!

Je mehr man sich der Israel-Kritik der Linken nähert, desto offensichtlicher wird, dass sie sich gegen alle Juden und die Existenz Israels richtet. Nie würde die linke Propaganda Garibaldis Bewegung für die italienische Nation anzweifeln, während der »Zionismus« bei ihr nicht als historische Bewegung für eine jüdische Nation vorkommt, sondern, um der jüdischen Nation die Legitimität abzustreiten, nur als Wurmfortsatz des Imperialismus und als Hauptfeind der Menschheit. Die antisemitische Linke fordert für Palästinenser den ganzen Staat, dasselbe Anliegen wird Juden ohne Rücksicht auf ihre Verfolgungs- und Pogromgeschichte, die in die nationalsozialistische Totalvernichtung mündete, bestritten – von Anfang an. Die KPD beschimpfte Zionisten 1925 als »Kettenhunde des englischen Imperialismus«. Heute sollen sie Handlanger des US-Imperialismus sein. Absichtsvoll soll der Jude es mit dem treiben, der den Weltmachtstatus hat, damit die Allmacht des Juden wabert. Während der antijüdischen Pogrome in Palästina schrieb die Rote Fahne 1929 frohlockend: »Der Araberaufstand wächst.« Der alte Wunsch vieler Linker, endlich einmal in der Mehrheit zu sein – beim Antisemitismus geht er in Erfüllung.

Dafür werden minimale linke Anliegen wie Demokratie und Humanismus preisgegeben. Die UN ist nicht ihre Organisation, aber wenn die UN, in der hundert Diktatoren sitzen, Beschlüsse gegen Israel fasst, beruft man sich auf sie, um den einzigen demokratischen Staat im Nahen und Mittleren Osten der Diktatur zu verdächtigen. Man verbündet sich mit solchen arabischen Fronten, die Israel beseitigen wollen, die jüdische Kinder, Frauen und Männer auf Marktplätzen und in Schulbussen in die Luft sprengen, jeden aus dem Gefängnis entlassenen Judenmörder enthusiastisch feiern und von demokratischen und humanistischen Ideen Welten entfernt sind. Die antisemitische Linke fordert selbst nicht die Beseitigung Israels, sie lässt es ihre Verbündeten aussprechen und unterminiert gleichzeitig Israels Existenz, indem sie Gerüchte verbreitet und seine angeblichen oder wirklichen Verfehlungen über alles in der Welt stellt. Selbst wenn es sich um selbstverständliche Sicherheitsmaßnahmen gegen Attentäter handelt. Die Verblendung geht so weit, dass die Attentate in der linken Berichterstattung nicht vorkommen oder als Widerstand glorifiziert werden.

In der Wochenendausgabe vom 4./5. Oktober 2008, die Krise war auf ihrem Höhepunkt, widmete die Süddeutsche Zeitung (SZ) dem ehemaligen Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, dem Sohn jüdischer Einwanderer, eine dreiviertel Seite. Ein großes Farbfoto zeigte seinen Kopf von der Seite. Unter dem Foto stand: »Der Herr der Blasen«, rechts neben dem Foto die Frage: »Ist er der Teufel persönlich? Alan Greenspan (großes Foto), 82 Jahre alt, Notenbank-Legende, trägt für viele Experten eine Mitschuld an der Finanzkrise. Jahrelang pumpte er Geld in den Markt und förderte die Immobilienblase.« Aus der Mitschuld wird eine Hauptschuld und am Ende die Alleinschuld: »Die Schatten, die sich knapp drei Jahre nach Greenspans Abgang auf sein Werk legen, werden immer größer.« Für eine wachsende Zahl bedeutender Personen sei er »sogar einer der Hauptschuldigen des Debakels«: »Es besteht kein Zweifel, dass Alan Greenspan die globale Finanzkrise auf dem Gewissen hat«, sagt »ein amerikanischer Nobelpreisträger«. Ein einzelner Mensch soll die Weltwirtschaft in den Abgrund gestürzt haben? Ein Professor von der European Business School wurde aufgetrieben: »Greenspan hat die Krise erfunden.« Das auch noch! Man kann sich den Unterrichtsstoff der Business School lebhaft vorstellen. Wenn ein einziger Jude die Krise erfand, dann wird der Kapitalismus im Ganzen und an und für sich wohl krisenfrei sein. Dabei sei Greenspan gar nicht viel eingefallen, nur: »Zinsen senken«. Während die EZB in Europa mit Zustimmung der EU seit Jahren die Zinsen senkt, bis es kaum noch weiter nach unten geht, hat Greenspan – dasselbe getan. Doch die unterstellten Absichten unterscheiden sich. Während die EZB die Wirtschaft mit den nied­rigen Zinsen ankurbeln wollte, hat Greenspan die Zinsen laut SZ gesenkt, »um die Börsen weltweit wieder auf Wachstumskurs zu bringen«.

Religiöse Erlöserrhetorik

Beide tun dasselbe, aber der Jude verfolgt damit die Absicht, die Börsenspekulanten mit Geld zu versorgen. Er habe Anleger »aus Festgeldern und Anleihen in Aktien« getrieben, weil »die Renditen bei Staatspapieren nicht mehr stimmten«. Getrieben hat er sie. Auch »die unseriösen Kreditvergaben und massenhaften Pleiten soll Alan Greenspan mit seiner Fed befördert haben«. Er ist der Allmächtige! Man hatte es geahnt. Die Kreditvergabe an Private und Unternehmen ist nun wirklich Sache der Geschäftsbanken und Firmenpleiten fallen nicht in seine Zuständigkeit. Nun interessiert uns noch: »Wie reagiert der viel Gescholtene? (…) Tenor seiner Aussagen: ›Ich bin unschuldig!‹ So versucht Greenspan, sein Lebenswerk zu retten: (…) Wie der ewige Optimist in die Zukunft blickt? Die jetzige Krise sei schlimmer als 1929, sagte er kürzlich. Vielleicht saß Greenspan vor dieser Analyse auch in seiner Badewanne. Und sah, wie eine Seifenblase platzte.« Der mächtige Jude, der Herr über Zinsen, der Macher aller Krisen, der »Ewige«, der sich den »Exzessen« verschrieb, sich aber nicht zu seiner Schuld bekannte.

Es war Günter Grass, der die große jüdische Bluttat erfand. Israel wolle das iranische Volk »auslöschen« und bedrohe den Weltfrieden, dichtete er. Er wollte die Juden unbedingt zu den Völkermördern zählen, um den deutschen Völkermord zu relativieren und um sich mit seiner SS-Vergangenheit zu versöhnen. Schon sein Weltfriede ist eine Lüge, die Millionen Kriegstote in Afrika für belanglos erklärt. Mit derselben Impertinenz türmen Antisemiten fiktive Opferberge auf, die Juden in künftigen Weltkriegen anrichten würden. Jakob Augstein, Mitinhaber des Spiegel, häufiger Gast im Fernsehen und auf Klausuren der Linkspartei, schwärmte, Günter Grass habe zu Recht geschrieben, dass ­Israel »den ohnehin brüchigen Weltfrieden« gefährde und einen Plan schmiede, der »das ira­nische Volk auslöschen« könne. »Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt.« Er dankte Grass, dass er es auf sich genommen habe, »diesen Satz für uns alle auszusprechen«. Religiöse Erlöserrhetorik! Grass hat ihm und den Deutschen den auf ihnen lastenden Fluch genommen. Sie können nun – unter Berufung auf ihren Nobelpreisträger – Juden des beabsichtigten Völkermords und der Gefährdung des Weltfriedens bezichtigen, können also die schlimmsten Taten der Deutschen auf Juden projizieren. Und so führe Netanyahu »die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs«, schrieb Augstein in Anspielung auf den »Anschwellenden Bocksgesang« von Botho Strauß, mit dem der ausdrücken will, dass Stammeskulturen sich durch die Tötung Fremder naturhaft regenerieren.

Da den Juden weder Völkermord noch Weltkrieg anzulasten ist, konzipieren Augstein und Grass eine fiktive Welt, in der Juden es umso mörderischer treiben. Die realen Kriege stellen in der Scheinwelt des Antisemiten kein Risiko dar – es gibt sie nicht. Auch nicht die Opfer. Der Antisemit verhält sich zwangsläufig gegenüber Millionen Toten in Afrika rassistisch, weil ihm ein einziger, von Israel getöteter Hamas-Krieger wertvoller ist als eine Million Tote mit schwarzer Haut. Die Legende über das, was Juden anrichten können, impliziert die Notwendigkeit, sie in Ketten zu legen. Die gleiche Methode hat Hitler gewählt, als er im Reichstag die Juden für den nächsten Weltkrieg verantwortlich machte und ankündigte, dass sie ihre Tat bereuen würden. Während Grass Legenden in die Welt setzte, deutete Augstein die jüdische Weltherrschaft an: »Wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr (…). Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.« Deutsche Politik, Justiz, Wirtschaft – das alles soll von Jerusalem aus gesteuert werden? Ob dieser Ohnmacht stellt er ­verzweifelte Resignation zur Schau: »Israel bekommt das, was es will.« Erst hätten »die Deutschen Hunderte von Millionen überwiesen (…). Später haben sie U-Boote hinterhergeschickt.« Für Jerusalem setze man alle »Regeln der guten Haushaltspolitik und der marktwirtschaftlichen Ordnung (…) außer Kraft«.

Der antisemitische Verschwörunstheoretiker geht bei allem, was geschieht, von der Schuld des Juden aus. Selbst wenn die Hamas 20 Raketen in der Woche auf Israel abschießt, schreibt er sie einer Verzweiflungstat oder einem notwendigen Widerstand zu. Der verkehrte Opfer­ritus impliziert, dass mit jeder Hamas-Rakete automatisch die jüdische Generalschuld wächst. Für Jakob Augstein zum Beispiel ist die Bewaffnung Israels nicht Schutz vor den Vernichtungsdrohungen, sondern eine Bedrohung für die Verkünder. So werde der Iran durch Israel »genötigt«, »eine eigene Bombe zu haben«, und jede Waffe für Israel erhöhe den Druck auf »arabische Nachbarstaaten, selbst zum Mittel der nuklearen Aufrüstung zu greifen«. Den erklärten Feinden Israels die atomare Aufrüstung ans Herz zu legen und Israel die Entwaffnung zu gönnen ist eine Dialektik, die gedanklich die Vernichtung der Juden in Kauf nimmt. Augstein scheut nicht einmal Begriffe, die Israel in die Nähe des Dritten Reichs rücken. Er propagiert Gaza als »Endzeit des Menschlichen«, als »ein Gefängnis. Ein Lager (!)«, wo Menschen »zusammengepfercht hausen«. Die Gaza-Bewohner haben eine Lebenserwartung von 74 Jahren, so hoch wie in Ungarn und höher als in der Türkei und über hundert Staaten, und sie können, wenn ihnen danach ist, Raketen auf Juden schießen. Man stößt bei Augstein auf alle modernen Kriterien des Antisemitismus: das Vorurteilssyndrom bis zu wahnhaften Projektionen, die modernen Synonyme für Judenheit: Israel oder Jerusalem, den Griff nach der Weltherrschaft, die Störung eines vermeintlichen Weltfriedens, die jüdische Verantwortung für den nächsten Weltkrieg, die Täter-Opfer-Umkehr bis zum unterstellten Völkermord, auf jüdische Blutbäder und Kindsmorde. Man sollte dem Simon-Wiesenthal-Center (SWC) dafür danken, dass sie die Weltöffentlichkeit auf den smarten antisemitischen Dauerhetzer aus Deutschlands Top-Medien aufmerksam gemacht haben.

Abdruck aus dem soeben erschienenen Buch “Europa zwischen Weltmacht und Zerfall” (Kapitel “Krise und Verschwörung” – Schmetterling-Verlag Stuttgart 2014, 240 Seiten, 14,80 Euro). Die Einstellung des Gastbeitrages für Mission Impossible erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. Rainer Trampert publiziert regelmäßig in der Wochenzeitung Jungle World und der Monatszeitschrift Konkret. Neben seinen Essays bringt er seine satirischen Texte gemeinsam mit Thomas Ebermann auf die Bühne, mit dem er auch die Bücher “Die Zukunft der Grünen”, “Die Offenbarung der Propheten” und “Sachzwang und Gemüt” veröffentlichte. In den 70er Jahren war Rainer Trampert im “Kommunistischen Bund”, in der Anti-AKW-Bewegung und als kritischer Gewerkschafter Betriebsrat in dem Mineralölkonzern Texaco. Er war Mitbegründer und im Vorstand der Grünen, die er 1990 verließ. Weitere Informationen auf der  Homepage von Rainer Trampert: http://www.rainertrampert.de/

 

Die Swoboda-Versteher

8. Mai 2014

„Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!” (Kaiser Wilhelm II. 4. August 1914)

“Nicht zuletzt befinden wir uns mit Russland in einem geostrategischen und systemischen Wettbewerb um die Ukraine.” (Dr. Andreas Schockenhoff (CDU/CSU) 9. April 2014)

 

Pogrom in Odessa - Nachtigall - Bandera - "Maidan-Mädchen" füllen Molotov Cocktails ab - Was will der Westen mit der Ukraine?

Am 22. Juni 1941 überfiel Deutschland die Sowjetunion und in dem folgenden rassebiologischen Vernichtungskrieg wurden 27 Millionen Sowjetbürger ermordet, mehr als die Hälfte davon hinter der Front. In der Westukraine wurde der von der deutschen Propaganda als europäischer Kreuzzug zur Verteidigung der Kultur gegen den jüdischen Bolschewismus begeistert aufgenommen. Noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen verübte Stepan Bandera mit seiner OUN ein Massaker in Lemberg  mit über 7000 ermordeter Juden und  Kommunisten. Das vom späteren Bundesvertriebenenminister Theodor Oberländer geführte Bataillon Nachtigall marschierte mit den deutschen Befreiern am 30. Juni 1941 in Lemberg ein. Unmittelbar nach dem Einmarsch der Deutschen kam es vor allem durch die ukrainische Miliz OUN zu Judenpogromen. Nach den Verhaftungen der Juden gab es als Höhepunkt der Quälereien ein immer wieder eingesetztes Ritual, durchgeführt vom Bataillon „Nachtigall“ der “Legion Ukrainischer Nationalisten”, das gestartet wurde mit dem Befehl: ,Antreten zum Spießrutenlaufen’. Der israelische Staatsbürger Abraham Goldberg hat an seine Verhaftung folgende Erinnerung: “Nach dem Aufladen gab ein Offizier den Befehl zum “Spießrutenlaufen”. Daraufhin stellten sich die Ukrainer in zwei Reihen auf, alle hatten Gewehre und pflanzten die Bajonette auf. Wir mussten durch die Reihen laufen, während sie mit den Kolben auf uns einschlugen und stachen. Mit mir waren etwa 500 Juden dort, und fast alle wurden von den Ukrainern erschlagen, auch meine beiden Freunde.” Im weiteren Verlauf des Krieges ermordeten die Deutschen mit ihren ukrainischen Gehilfen in Lemberg 400.000 Juden und 140.000 russische Gefangene.

Nach diesem und anderen vergeblichen deutschen Griffen nach der Ukraine unterstützte EU-Deutschland im Verbund mit den USA die ukrainischen Nationalisten in ihrem aktuellen “Freiheitskampf” gegen die “russischen Untermenschen”. Die Rechtsextremisten des “Rechten Sektors” und die antisemitischen Nationalisten von Swoboda um Oleh Tjahnybok gehörten zu den treibenden und entscheidenden Kräften der Maidan-Proteste in Kiew. Nach dem Sturz des korrupten, aber demokratisch gewählten Präsidenten Wiktor Janukowytsch ist die selbsternannte Übergangsregierung durchsetzt von den Anhängern Banderas, die versuchen ihren ethnischen Nationalismus in die Tat umzusetzen. Keiner der vom Westen hofierten “Maidan-Helden”, weder Klitschko noch Jazenjuk oder Timoschenko distanzierten sich je öffentlichkeitswirksam vom Nazi Kollaborateur Stepan Bandera oder protestierten gegen die Fahnen des Säuberungsbattailions Nachtigall auf dem Maidan. Die Stimmungslage in der Westukraine ist seit je her nationalistisch und antirussisch. Ein Beleg dafür ist die Stimmenverteilung von Swoboda bei den letzten Parlamentswahlen. Während die rechtsradikale Swoboda auf der Krim bei den letzten Wahlen nur gut ein Prozent der Stimmen erhielt, erreichten die antisemitischen Nazis in der Westukraine bis zu 38 Prozent. Die Lage für die Juden der Ukraine wird von daher stetig bedrohlicher, weshalb immer mehr von ihnen die Ukraine verlassen.

Begleitet von Kameras der Deutschen Welle besuchte Marina Weisband, eine Politikerin der Piraten, nach dem Sieg ihrer Helden, das Rathaus von Kiew um sich vom “gesunden Nationalismus” in der Ukraine zu überzeugen. Während im Rathaus von Kiew das Konterfei des antisemitischen Nazi-Verbrechers Stepan Bandera hing, an den Säulen im Treppenaufgang antisemitische Karikaturen, die beispielsweise den Bürgermeister von Charkiw abbildeten und neben vielen weiteren rechtsradikalen Symbolen an prädestinierter Stelle, die Fahne des Säuberungs-Bataillons “Nachtigall” zu bewundern war, sprach Frau Weisband, die mittlerweile in vielen Talkshows zur Ukraineexpertin avancierte, vom gesunden Nationalismus“, der zwar problematisch sein kann, wenn man aus Deutschland kommt, aber jedenfalls hat sie selbst hier noch keinen Antisemitismus erlebt.

Marina Weisband sprach aus was die Lohnschreiber von der Springerpresse über die FAZ bis zur Süddeutschen Zeitung denken müssen. Wie bei der Bombardierung Jugoslawiens stehen die deutschen Massenmedien in Punkto einseitiger Berichterstattung Gewehr bei Fuß und damit Putins Propaganda in nichts nach. In freiwilliger Einstimmigkeit intonierten Politiker, Leitartikel und Sendungen aller staatlichen und privaten Anstalten die Hymne auf die “Helden von Kiew” und den Hassgesang auf den neuen “Stalin” von Moskau.

Nachdem sich die Bewohner der Krim, mit Unterstützung des russischen Präsidenten, in einem Referendum für die Zugehörigkeit zu Russland aussprachen, reagierten die westlichen Medien mit wutentbrannter Fassungslosigkeit. Woher dieser Sinneswandel? Noch vor wenigen Jahren erklärten die deutschen Meinungsmacher, dass “Völker” wie die Kosovo-Albaner selbstverständlich das Recht auf Sezession haben. Nachdem Deutschland aktiv an der Zerschlagung Jugoslawiens teilnahm, hat die Bundesregierung das Kosovo nach seiner Abspaltung von Serbien im Februar 2oo8 unverzüglich anerkannt. Ähnliches geschah bei der Anerkennung Kroatiens und Sloweniens. Was scherte sich die deutsche Politik und die vierte Gewalt um das Völkerrecht, um das Grundgesetz und um die 2+4-Verträge während der Bombardierung Jugoslawiens?

Die Ausgrenzungen und Morddrohungen von Maidan-Helden, wie beispielsweise von der vom Westen geliebten Julia Timoschenko gegen russische Menschen in der Ostukraine, der Krim und anderswo haben auf der Krim und in der Ostukraine Spuren hinterlassen. Hermann L. Gremliza schreibt in Konkret 5/2014: “Ein abgehörtes Telefongespräch, in dem sie sagte, sie wolle “die verdammten Russen” umbringen und “diesem Bastard (Putin) in die Stirn” schießen, machte die Julia Timoschenko, noch vor Wochen Leidensengel und Idol der Merkel, des Westerwelle und der deutschen Medien, von einem Tag auf den andern hin. Die Heilige Julia, fand die ostpolitische Sprecherin der Grünen, Marieluise Beck, die jahrelang für sie gebarmt hatte, sei “von Sinnen”. In einem Telefonat mit der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton berichtete der lettische Außenminister nach einem Besuch in Kiew, dass die Toten vom Majdan wahrscheinlich nicht Opfer von Janukowitsch geworden seien. Ein Journalist des WDR, der das als Erlaubnis missverstand, dem Wahrheitsgehalt der offiziellen Version nachzugehen, konnte recht schnell ermitteln, dass das Hotel, von dessen Dach die Schüsse kamen, fest unter Kontrolle der Opposition gestanden hatte.” In den deutschen Medien werden solche “Petitessen” freilich kaum thematisiert, ebenso wie die folgende Begebenheit:

Am 2. Mai griffen ukrainische Nationalisten ein prorussisches Zeltlager in Odessa an. Die Angegriffenen flohen in das nahe gelegene Gewerkschaftshaus worauf die nationalbewussten Verfolger das Haus in Brand steckten. Junge Mädchen, umhüllt mit der ukrainischen Nationalfahne, füllten Molotowcocktails ab die später das Gebäude entzünden sollten. Die Eingeschlossenen wurden von den ukrainischen Nationalisten daran gehindert das brennende Haus zu verlassen. Bei dem antirussischen Pogrom verbrannten und erstickten mindestens 38 Menschen. Die ukrainische Polizei sah stundenlang tatenlos zu. Nach der Mordaktion lobte der Gouverneur des Gebiets, Wladimir Nemirowsky die Brandstifter: “Sie haben Terroristen neutralisiert.” Das ukrainische Innenministerium hatte sofort die absonderliche Behauptung aufgestellt, die “Separatisten”, hätten sich selbst angezündet. Julia Timoschenko bedankte sich dagegen bei den “Odessa-Bewohnern” für die  “Befreiungsaktion” des Gebäudes und die deutsche Tagesschau berichtete am folgenden Tag neutral und kurz von “Opfern der Gewalt in Odessa”, als ob das Feuer selbst sich entfachte. Nicht auszudenken wenn nicht Russen sondern “Maidanhelden” ums Leben gekommen wären. ARD und ZDF hätten sich sicherlich mit Sondersendungen und Liveschaltungen gegenseitig überboten.

Am heutigen 8. Mai, am Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus sind verschiedene Fragen zu stellen: Was will der Westen mit der Ukraine? Warum macht die Bundesregierung Politik gegen die Interessen der deutschen Exportwirtschaft? Warum paktieren Deutschland und seine staatstragenden Medien mit den antisemitischen Faschisten und rechtsextremen Nationalisten in der Westukraine? Wenn Europa schon nicht mit den Schuldenkrisen in den südeuropäischen Ländern nicht fertig wird, wie will sie die bankrotte Westukraine alimentieren und wie wird die rechtsnationale Bevölkerung der (abgespaltenen) Westukraine auf die erforderlichen massiven Kürzungen an Sozialleistungen und Löhnen mit gleichzeitigem Wegfall der subventionierten Gaspreise reagieren?

Abgesehen davon, dass Russland nicht die Sowjetunion ist erscheint die derzeitige Russenphobie auf allen Kanälen als ein groß angelegter deutscher Entschuldungsversuch. Wollen sich die deutschen Swoboda-Versteher etwa für die sowjetische Befreiung vom Nationalsozialismus rächen?

Am 12. April vermeldet die Tagesschau über die Lage in der Ostukraine: “Jetzt schlägt der prorussische Mob zurück.” Finanzminister Schäuble vergleicht Putin mit Hitler und die Springerpresse fordert im Verbund mit zahlreichen Politikern, wegen der russischen Einmischung in unsere europäischen Angelegenheiten in der Ukraine, die Entfernung der “Russen-Panzer“ am Ehrenmal für die im 2. Weltkrieg getöteten sowjetischen Soldaten in Berlin nahe dem Brandenburger Tor. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Erika Steinbach (CDU) jubiliert: „Ich habe mich immer schon sehr über die beiden Panzer in der Nähe des Brandenburger Tors geärgert. Es spricht kein Friedenswille daraus. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Zeichen eines grausamen Krieges zu beseitigen.“ Das Ehrenmal der getöteten sowjetischen Soldaten ist auch dem Ukraineexperten Werner Schulz von den Grünen ein Dorn im Auge, er fordert: „Der Künstler Christo sollte die Panzer, ähnlich wie damals den Reichstag auch, dauerhaft verhüllen und somit symbolisch nach Russland zurückschicken“

Mit dem erneuten Anlauf die Ukraine unter deutsche Kontrolle zu bringen, nach dem Pakt mit ukrainischen Nazis und der entsprechenden Verharmlosung, Leugnung und Vertuschung faschistischer Verbrechen in den deutschen Medien haben die Swoboda-Versteher den Despoten Wladimir Putin moralisch aufgewertet. Putins reaktionäre Innenpolitik, seine Unterstützung von islamistischen Regierungen und Terrorgruppen kann von den Swoboda-Verstehern nicht mehr glaubwürdig kritisiert werden. So sehr Putin in allen möglichen Feldern der Politik kritisiert werden muss, in der aktuellen Ukrainekrise, die durch die nationalrevolutionäre  Gewalt auf dem Maidan ausgelöst wurde, hätte vermutlich auch ein Mahatma Gandhi, wäre er russischer Präsident, nicht völlig anders reagieren können. Ein alkoholkranker russischer Politiker wie Boris Jelzin existiert nur noch in den Tagträumen der Swoboda-Versteher. Die Hauptverantwortlichen für die destabilisierte Lage in der Ukraine sind die nationalen “Revolutionäre” des Maidan, sowie ihre westlichen Unterstützer. Die russischen Überlebenden des deutschen Vernichtungskrieges sowie ihre Kinder und Enkelkinder haben ein berechtigtes Sicherheitsinteresse. Die zutreffende Kritik der Linkspartei, vor allem von Sarah Wagenknecht am Antisemitismus und am Faschismus der “Maidan-Helden” ist freilich genauso unglaubwürdig und wertlos, denn wo waren und wo ist die Kritik von Frau Wagenknecht am Antisemitismus und am Faschismus von Hamas, Hisbollah und dem iranischen Regime?

Die Thesen von Samuel Phillips Huntington, der sich in seinem Buch vom “Zusammenprall der Kulturen” über mehrere Seiten mit der Ukraine beschäftigt, greifen in Deutschland etwas zu kurz. In Anlehnung an den israelischen Psychoanalytiker Zwi Rex bleibt am heutigen 8. Mai 2014, nach zwei Weltkriegen zu konstatieren:

Die Deutschen werden den Russen Stalingrad nie verzeihen!

——-

Weitere Informationen zum Thema in: Ukrainisches Roulette und Boxeraufstand in der Ukraine

Ukrainisches Roulette

28. Februar 2014

ukraineMithilfe des kaiserlichen Deutschlands hatte sich die Ukraine 1918 von Russland abgespalten und mit dem Frieden von  Brest-Litowsk hielten deutsche Truppen die Ukraine besetzt. Die Ukraine war das letzte Bollwerk gegen die Oktoberrevolution. Mit ausländischen Interventionen zugunsten der Konterrevolution und vielen antijüdischen Massakern von Seiten der konservativ-monarchistischen „Weißen” unter Anton Denikin wurde der jahrelange Bürgerkrieg in die Länge gezogen.Der militante ukrainische Nationalismus mit seinen antirussischen und antijüdischen Kennzeichen hat seine Wurzeln in dieser Zeit. 1919 massakrierte die ukrainische Armee 1.700 Juden in Berditschew, Schytomyr und Proskurow. Insgesamt wurden in dem Bürgerkrieg 530 jüdische Gemeinden angegriffen mit über 30.000 Toten und hunderttausenden Verletzten. Der Regierungschef und Oberbefehlshaber der Armee der damaligen Ukrainischen Volksrepublik hieß Symon Peiljura. Am 25. Juni 1926 wurde auf ihn von Scholom Schwartzbard in Paris ein Anschlag verübt. Seine Familie war während des Bürgerkriegs Opfer antijüdischer Massaker geworden  und 15 seiner Familienangehörigen wurden ermordet und Schwartzbard machte Peiljura dafür verantwortlich. Schwartzbard wurde von einem Pariser Gericht freigesprochen.

Während des zweiten Weltkrieges haben die deutschen Besatzer entsetzliche Spuren in der Ukraine hinterlassen. Die deutsche Wehrmacht wurde dabei von der  Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) in ihrem Kampf gegen Juden und Russen intensiv unterstützt.  Stepan Bandera verübte mit seiner OUN noch vor dem Einmarsch der deutschen Truppen ein Massaker in der Stadt Lemberg  mit über 7000 ermordeter Juden und  Kommunisten. Kurz darauf ermordeten die Deutschen in Lemberg 400.000 Juden und 140.000 russische Gefangene. Nach der Besetzung Kiews wurden unter anderem in der Schlucht von Babij Yar  zwischen dem 29. und 30. September mehr als 33 000 Juden, überwiegend Frauen, Kinder und Alte erschossen. Beteiligt an dem Massaker waren unter anderen das Sonderkommando 4a,  Kommandos des Polizeiregiments Süd und die ukrainische Miliz. Die jüdische Gemeinde Galiziens, mehr als 540.000 Menschen wurde fast vollständig ausgelöscht. Maximal drei Prozent der galizischen Juden haben den Terror überlebt. Ukrainische Hilfspolizisten der Wehrmacht und Verbände der  OUN beteiligten sich am Völkermord und exekutierten noch im Frühjahr  1944 in die Wälder geflüchtete Juden.

Das Grab von Symon Peiljura in Paris ist für “westlich orientierte” ukrainische Politiker zum beliebten Anziehungspunkt geworden. Heute verehren die pro-europäischen Parteien der Ukraine Massenmörder wie Stepan Bandera und Nazigefolgsleute der OUN, sowie  Symon Peiljura als Gründerväter der “Ukrainischen Nation”. Die rechtsextreme Swoboda mit ihrem Vorsitzenden Oleh Tjahnybok beruft sich explizit auf die OUN. Vor allem in der  Westukraine wird Stephan Bandera kultisch verehrt. Museen und viele monumentale Denkmale sind ein Beleg dafür. Um dem Tribut zu zollen hat, trotz Protesten aus dem Ausland, der ukrainische Präsident der “Orangenen Revolution” Wiktor Juschtschenko Bandera posthum den Ehrentitel “Held der Ukraine” verliehen.  Der vor kurzem abgesetzte Präsident Janukowytsch setzte den Erlass außer Kraft und entzog Bandera wieder den Ehrentitel.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlangte 1991 die Ukraine ihre staatliche Unabhängigkeit und im folgenden Privatisierungsprozess  bildeten sich, wie in Russland oder den anderen Ländern der zerfallenen Sowjetunion, mächtige und korrupte Wirtschaftsoligarchien. Oligarchen bestimmen seither die Politik in der Ukraine, von der “Gasprinzessin” Julija Tymoschenko bis zu Wiktor Janukowytsch scheint die Selbstbereicherung ein vorrangiges Ziel zu sein. Gebeutelt von der Finanzkrise und tief verschuldet droht der Ukraine die Zahlungsunfähigkeit, der Staatsbankrott. Der von Deutschland ins Rennen geschickte Vitali Klitschko sieht mit seinem rechtsextremen Dreierbündnis nur in einer Anbindung an Europa die Chance einer Besserung. So kam es, wie bereits 2004 durch die damalige  “Orangene Revolution”, am  Ende des Jahres 2013 zu den Demonstrationen auf dem Maidan. Das nationale Dreierbündnis von Swoboda, UDAR von Vitali Klitschko und der Allukrainischen Vereinigung „Vaterland“ von Julija Tymoschenko machte sich auf den Weg den ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch abzusetzen. Rund 15.000 Menschen unter schwarz-roten Fahnen des Nazi-Kollaborateurs Bandera zogen durch das Zentrum der Hauptstadt. Über zwei Monate dauerte die Belagerung des „Unabhängigkeitsplatzes”, bei der mit Pfeilen und Pflastersteinen auf Polizisten geschossen und geworfen und mit Brandsätze mittels Katapult die Macht der Straße demonstriert wurde. Brennende Autobusse, herausgerissene Pflastersteine und Barrikaden mit Autoreifen prägten das Straßenbild. “Wäre es in einem westeuropäischen Land, gar in der Bundesrepublik, zu einer Gewaltorgie wie im Januar in Kiew gekommen – es kann keinen Zweifel geben, wie die Staatsapparate reagiert hätten. Vor dem Parlament demonstrieren, Rathäuser, gar Bundesministerien besetzen? Im Land der Bannmeilen, die noch jeden hiesigen Landtag umgeben, ist derlei völlig undenkbar. Wie aber reagiert die deutsche Kanzlerin, als das ukrainische Parlament neue repressive Gesetze beschließt, um die Unruhen unter Kontrolle zu bekommen? »Wir erwarten (!) von der ukrainischen Regierung, dass sie die demokratischen Freiheiten, insbesondere die Möglichkeiten zu friedlichen Demonstrationen, sichert«, erklärt Angela Merkel ultimativ“, schreibt Jörg Kronauer sehr treffend dazu in Konkret 3/2014.

Freilich war die Ukraine unter Janukowitsch kein Hort der Freiheit und viele von Scharfschützen erschossene Demonstranten zeigen die Menschenverachtung des ukrainischen Staatsapparates. Die Kiewer Polizei hat sehr lange gezögert etwas gegen die marodierenden Banden zu unternehmen. Offenbar war sie nicht in der Lage oder nicht Willens die Situation zu entschärfen. Was geschähe wohl in Deutschland wenn jemand ein Holzkatapult auf dem Pariser Platz in Berlin aufstellen würde, um den Reichstag mit Molotow-Cocktails zu beschießen, oder wenn vermummte Gruppen vor dem Bundeskanzleramt mit selbstgebastelten Flammenwerfern auf Polizeikräfte losgingen? So bleibt es bemerkenswert, dass die ukrainische Regierung es zuließ, das Rechtsextreme wochenlang Rathäuser und Ministerien besetzten und zentrale Plätze unpassierbar machen und  dass sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der sich in Deutschland für ein Verbot der NPD einsetzt, mit Swoboda-Chef Oleg Tjagnibok bei Verhandlungen an einem Tisch fotografieren ließ. Oleg Tjagnibok stand übrigens im Dezember 2012 auf Platz 5 der „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs“ des Simon Wiesenthal-Centers. Tjahnybok ist unter anderem der Auffassung dass die Ukraine von einer „jüdisch-russischen Mafia“ regiert wird.

Das oppositionelle Dreierbündnis von  Swoboda, UDAR und der Allukrainischen Vereinigung „Vaterland“ hat nun mit Gewalt die Macht übernommen und Viktor Janukowitsch ist, sein Anwesen mit Privatzoo und goldenen Wasserhähnen  zurücklassend, untergetaucht. Die rechtsextreme Swoboda kontrolliert seitdem die Straßen von Kiew und ein  Kiewer Rabbiner rät den Juden, die Stadt und am besten auch das Land zu verlassen. Viele Denkmäler die an das Ende des zweiten Weltkriegs erinnern wurden bereits von ukrainischen Nationalisten zerstörtInwieweit sich die Ansichten von Maidan-Helden wie Yuri Mikhalchishin, der der Auffassung ist, der Holocaust war eine “helle Periode der europäischen Geschichte”,  weiterverbreiten werden, bleibt abzuwarten und ob sich sein Rat an die Swoboda die “Taktik der Hamas zu kopieren” durchsetzen wird, auch. 

Auf den ersten Blick erscheint es als ob die pro-europäischen ukrainischen Nationalisten und ihre europäischen Helfer einen Sieg errungen haben. Wäre da nicht die autonome Republik auf der Krim, die Ostukraine, die wirtschaftliche Abhängigkeit von Russland und der drohende Staatsbankrott.  Die Krim gehörte zu Sowjetzeiten zu Russland, bevor sie der Ukrainer Nikita Chruschtschow 1954 der Ukraine anschloss. Es hat den Anschein dass die Bewohner der Krim mehrheitlich nicht von den ukrainischen Nationalisten regiert werden  und sich von der Ukraine abspalten wollen. Am 25. Mai soll ein Volksentscheid darüber stattfinden. Im Gegensatz zur völlig verschuldeten Rest-Ukraine ist die Krim mit ihrem lukrativen Tourismus das  Filetstück der Ukraine und mit Sewastopol, dem Hauptstützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte, ein unverzichtbarer Machtfaktor für Wladimir Putin. Bei einer Teilung der Ukraine, möglicherweise in eine Westukraine, eine Ostukraine mit einer Abspaltung der Krim gäbe es einige Verlierer und einen Gewinner der Maidan-Proteste, nämlich Putin. Um dies zu verhindern wird es nicht reichen wenn Deutschland noch einmal versuchen sollte Vitali Klitschko  in den Ring zu schicken. Der Jubel auf fast allen Kanälen der westeuropäischen Medien, mit ihrer einzigartig einseitigen Berichterstattung, wird sehr schnell verfliegen, wenn realisiert wird was die Alimentierung der Westukraine kosten und mit welchen Vorteilen der “lupenreine Demokrat” Putin bei einer Spaltung der Ukraine aus der Auseinandersetzung hervorgehen wird.  Roulette ist ein Glücksspiel bei dem es viele Verlierer und wenige Gewinner gibt. Wer mit braunen Jetons setzt und verliert darf nicht mit Mitleid rechnen.

siehe auch: Boxeraufstand in der Ukraine und Die Swobodaversteher

Wie Fritz Bauer Adolf Eichmann vor Gericht brachte

17. Februar 2014

fbFritz Bauer wurde als Sohn jüdischer Eltern am 16. Juli 1903 in Stuttgart geboren. Als Fritz sieben Jahre alt war wollte er von seiner Mutter wissen was Gott sei. Die Mutter gab ihm keine Definition, sondern erklärte ihm er solle sich einfach ein Prinzip merken: “Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.” Fritz Bauer lebte in einem liberalen jüdischen Elternhaus. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft und seiner Promotion wurde er 1928 Gerichtsassessor beim Amtsgericht Stuttgart und bereits zwei Jahre später jüngster Amtsrichter im Deutschen Reich. Stuttgart ist in dieser Zeit eine Metropole in der Sozialisten und Künstler den Aufbruch üben. Fritz Bauer gehörte freilich zu den Exoten unter den Juristen, weil er als einziger Richter in Stuttgart das Parteibuch der SPD hatte.

Nach der “Machtübernahme” der Nationalsozialisten wird Fritz Bauer im Juli 1933, wenige Wochen vor Kurt Schuhmacher in das Konzentrationslager auf dem Heuberg nahe bei Stuttgart eingeliefert. Er und die übrigen sozialdemokratischen Anführer werden von den anderen Gefangenen getrennt und sind gewaltsamen Verhören mit verschiedenen Prügelinstrumenten ausgesetzt. Über die acht Monate Erniedrigung und Qualen, die Fritz Bauer in dem Konzentrationslager erleidet, möchte er sein Leben lang nicht sprechen. Dass er als Generalstaatsanwalt auch nach dem Krieg nicht darüber spricht hat eine gewisse Logik, der Jurist will keine Rache er will Recht. Nach seiner Freilassung muss sich Bauer regelmäßig bei der Polizei melden und Gebühren von 2,60 Mark pro Hafttag für seine “Verpflegung, Unterkunft und Bewachung” im Konzentrationslager abbezahlen. Am 15. März 1936 flieht Fritz Bauer nach Dänemark, wohin seine Schwester mit ihrem Mann bereits 1934 übergesiedelt ist. In Dänemark wird Fritz Bauer von der dortigen Fremdenpolizei überwacht, engagiert sich in verschiedenen Widerstandsgruppen, trifft Willi Brandt, wird später von den deutschen Besatzern verhaftet und entkommt später nach Schweden, wo er das Kriegsende erlebt.

Als die Nazis am 8. Mai 1945 kapitulieren, brennt Fritz Bauer vor Tatendrang. Am 9. Mai hält Bauer eine Rede im Stockholmer Gewerkschaftshaus, darin ruft er zum Aufbau eines demokratischen Deutschlands auf. 1945 bezeichnete sich Bauer noch stolz als “Deutscher und Jude und staatenlos”, vier Jahre später, bei seiner Rückkehr nach Deutschland verleugnete er sein Judentum und bezeichnete sich als “glaubenslos”. Bauer wollte nicht als jüdischer Rächer wahrgenommen werden, er wollte so unvoreingenommen wie möglich erscheinen. Nach vier Jahren im Wartestand in Dänemark wird Bauer 1949 Landgerichtsdirektor am Landgericht Braunschweig, 1950 der dortige Generalstaatsanwalt und 1956 wurde Fritz Bauer in das Amt des hessischen Generalstaatsanwalts berufen.

Bereits als Chef der Anklagebehörden in Braunschweig, später in Frankfurt am Main, in einer Zeit in der die Mehrheit der Deutschen ihre Vergangenheit verdrängte und jede Erinnerung abwehrte, ein Zustand der vielfach bis heute anhält, machte Fritz Bauer in der noch jungen Bundesrepublik die nationalsozialistische Willkürherrschaft zum Thema. Bauers Bemühungen NS-Verbrecher vor Gericht zu stellen wurden oftmals durch alte braune Seilschaften im Beamtenapparat torpediert. Warnungen bekommen abgetauchte NS-Verbrecher in den 1950er- und 1960er-Jahren systematisch zugespielt. Beispielsweise über den Warndienst West, den die Hamburger Dienststelle des Deutschen Roten Kreuzes, unter der Leitung eines ehemaligen SS-Obersturmbannführers, an Traditionsverbände der Wehrmacht und SS in verschiedene Länder verschickt. Die Quelle dafür sitzt direkt im Bonner Regierungsviertel, es ist die 1950 gegründete Zentrale Rechtsschutzstelle für NS-Verdächtige, die von einem ehemaligen Staatsanwalt am NS-Sondergericht Breslau geleitet wird. Im Staatsapparat Nachkriegsdeutschlands bilden frühere NS-Beamte nicht nur einzelne Netzwerke, sondern inzwischen wieder eine breite Front. Bei Bauers Suche nach Eichmann will die deutsche Polizei nicht helfen. Der frühere SS-Untersturmführer Paul Dickopf, der Leiter der Auslandsabteilung des Bundeskriminalamts teilte dies Fritz Bauer bereits im Juni 1957 unmissverständlich  mit. Die Taten Eichmanns seien politischen Charakters, weshalb eine Fahndung laut Interpol-Statut nicht möglich sei, so Dickopf. Von den 47 leitenden Beamten des BKA im Jahr 1958 sind 33 frühere SS-Angehörige.  „Leistungsträger“ des NS-Systems wie Hans GlobkeReinhard Gehlen, oder Hans Filbinger wurden ebenso geräuschlos in die Bundesrepublik integriert. Fritz Bauer konnte nicht wissen, dass der Bundesnachrichtendienst bereits seit 1952 über Eichmanns Tarnnamen und Wohnort in Argentinien Bescheid wusste.

1957 geht bei Fritz Bauer ein Brief von Lothar Hermann ein, der von den Nazis nach Argentinien geflohene Jude schreibt darin, dass Adolf Eichmann unter falschem Namen in einem Vorort von Buenos Aires lebe. Da sich Israel um die dringende Aufgabe der Landesverteidigung konzentriere und die USA die Bestrafung von NS-Tätern an die Deutschen abgegeben habe und in der deutschen Justiz viele Richter und Staatsanwälte selbst verstrickt wären, wende sich der Briefschreiber an Bauer. Fritz Bauer, der Sozialdemokrat jüdischer Herkunft ist eine Ausnahmegestalt und deshalb bekannt bis hin nach Argentinien und Israel. Daraufhin trifft sich Bauer Anfang November 1957  erstmals mit dem Vertreter des Staates Israel in Deutschland, Felix Schinnar, um ihn über die Spur zu Eichmann nach Buenos Aires zu unterrichten. Auf Bauers Tipp geht im Januar 1958 ein Mossad-Agent in Buenos Aires auf die Suche nach Eichmann. Doch das mutmaßliche Eichmann-Haus in der Galle Chacabuco 4261 erweist sich als klein und ärmlich, weshalb der Agent ohne weitere Untersuchungen anzustellen ernüchtert heimkehrt. Bauer gibt nicht auf und bei einem zweiten Treffen mit einem israelischen Verbindungsmann im Januar 1958 lässt er sich das Versprechen geben, dass der Mossad die Spur zu Bauers Tippgeber Lothar Hermann zurückverfolgen werde. Doch auch die zweite Mossad-Mission endet in einer Enttäuschung, denn wie sich herausstellt ist Lothar Hermann fast blind und wohnt schon seit Jahren nicht mehr in Buenos Aires.

Kurz darauf wird Bauer vom ehemaligen SS-Untersturmführer Paul Dickopf in seinem Büro aufgesucht um ihm von der Suche in Argentinien abzuraten. Dort sei Eichmann definitiv nicht. Von verschiedenen anderen behördlichen Seiten wird behauptet Eichmann wäre im Nahen Osten. Bauer sieht sich nun bestärkt auf der richtigen Fährte zu sein und besinnt sich auf eine List. In einer Reihe von Pressemitteilungen und Erklärungen erweckt Bauer von Herbst 1959 an den Eindruck, als konzentriere er seine Ermittlungsbemühungen tatsächlich ganz auf den Nahen Osten um die “Nervösen” in Sicherheit zu wägen. Selbst der Mitarbeiter Bauers, der offiziell für die Eichmann-Akte zuständig ist, ein Oberstaatsanwalt, tappt völlig im Dunkeln, als er dem hessischen Justizminister Anfang Oktober 1959 die Auskunft gibt, Eichmann habe sich wohl bis vor Kurzem in Ägypten aufgehalten. Auf der anderen Seite treibt Bauer die Verantwortlichen in Israel an, sich im Stillen weiter an Eichmann heranzupirschen, jedoch hat die Regierung in Jerusalem noch politische Bedenken. So reist Fritz Bauer im März 1958, im Sommer 1959 und Anfang Dezember 1959 zu Gesprächen nach Israel, um die Entscheidungsträger dort umzustimmen. Schließlich greift er sogar zu einer Drohung. Er, Bauer, werde nicht davor zurückschrecken doch noch einen Auslieferungsantrag an Argentinien zu stellen, wenn die Israelis nicht endlich ihre Unschlüssigkeit überwänden, dann jedoch wäre Eichmann gewarnt. Am 6. Dezember 1959 notiert Israels Ministerpräsident David Ben-Gurion in sein Tagebuch: “Ich habe vorgeschlagen, (Fritz Bauer) möge niemandem etwas sagen und keine Auslieferung beantragen, sondern uns seine Adresse geben. Wenn sich herausstellt, dass er dort ist, werden wir ihn fangen und hierher bringen.” Damit ist die Entscheidung gefallen. Fritz Bauer versorgt Israel weiter mit Beweismitteln gegen Eichmann. Dafür bestellt er den 27-jährigen israelischen Ex-Fallschirmspringers Michael Maor nachts in sein Büro. Sein Auftrag: Fotografiere die Akte, die links auf dem Tisch liegt. Der Tisch steht im Büro des Frankfurter Generalstaatsanwalts Fritz Bauer. Es ist die Akte Adolf Eichmanns, des rasend ehrgeizigen Cheforganisators des Holocaust, der den millionenfachen Mord an den Juden bis ins kleinste bürokratische Detail geplant hat. Nur wenige Wochen nach dem nächtlichen Einsatz, am Abend des 11. Mai 1960, wird der israelische Geheimdienst den NS-Verbrecher in seinem Unterschlupf in Buenos Aires kidnappen, Eichmann wird betäubt und verkleidet in einer Uniform der Fluglinie El Al in der ersten Klasse eines Passagierflugzeugs nach Israel geflogen werden, es wird zu einem der bedeutendsten Strafprozesse des 20. Jahrhunderts kommen, zu einem prägenden Moment für die noch junge israelische Gesellschaft.

Dass hinter all dem die Initiative eines einsamen deutschen Staatsanwalts steckte, erfährt die Welt nicht. Bauer will es so. Er hütet das Geheimnis eisern, denn er, der an allen Vorschriften vorbei gehandelt hat, wäre sein Amt in Deutschland sonst auf der Stelle los. Wie sehr muss es Bauer quälen, als 196o die ganze Welt nach Jerusalem schaut, wo der Eichmann-Prozess in einem riesigen Saal auf die Bühne kommt. Der Prozess wird von der israelischen Justiz als Medienereignis inszeniert, als eine Auseinandersetzung mit dem Holocaust, die das bis dahin herrschende Schweigen in der Gesellschaft aufbricht. Davon hat auch Fritz Bauer geträumt, wobei er nur bedauerte, dass das israelische Gericht zur Todesstrafe greifen wolle, auch weil Eichmann dann künftig nicht mehr als Zeuge zur Verfügung stehe. Erst nach dem Tod Fritz Bauers am 1. Juli 1968 erfährt die Welt, als die israelische Zeitung Ma’ariv 1969 das Geheimnis lüftet, wie groß seine Rolle bei der Jagd auf Eichmann war. Israel hat so lange gewartet, bis Fritz Bauer keine Nachteile mehr erleiden kann.

Nach der Verurteilung Eichmanns leitete Fritz Bauer gegen allergrößte Widerstände und Feindseligkeiten  in der Bundesrepublik die Frankfurter Auschwitz-Prozesse ein. “Wenn ich mein Büro verlasse, fühle ich mich wie im feindlichen Ausland”, sagte Fritz Bauer zu jener Zeit seinen Freunden.  Der Kampf des Generalstaatsanwalts für die juristische Ausleuchtung der nationalsozialistischen deutschen Gesellschaft und die Ahndung ihrer Verbrechen fand während der Prozesse seinen Höhepunkt. Bauer wollte nicht so viele Angeklagte wie möglich vor Gericht bringen, sondern einen repräsentativen Querschnitt vom Kommandanten bis zum Häftlingskapo. Bauer wollte das Arbeitsteilige der Massenvernichtung nachweisen. Juristisch ging das Konzept von Fritz Bauer nicht auf, so wurden die Tatbeteiligten nur zu geringen Haftstrafen verurteilt. Die Richter definierten selbst eigenhändige Mordtaten als bloße Beihilfe zum Mord. Verantwortlich für die Morde waren für die Richter in den Auschwitz-Prozessen nur Hitler und Himmler und die machten sich bekanntlich auf ihre Art aus dem Staub. Auch die breiten Bevölkerungsschichten Deutschlands, vom Kanalarbeiter bis zum Intellektuellen der Gruppe 47, lehnten die Prozesse mit wenigen Ausnahmen ab, doch in der Weltöffentlichkeit erfüllte das Verfahren seinen Zweck und ansatzweise kam im Theaterstück “Die Ermittlung” von Peter Weiss die Botschaft Bauers an. “Der Richter in unserem Strafrecht schaut rückwärts, und er sieht in Wirklichkeit nur Taten; er sieht leider nicht die Quellen, die Ursachen des Tuns, seien es nun irgendwie soziologische oder psychologische, individualpsychologische und massenpsychologische Ursachen. (…) Und ohne Kenntnis dieser Quellen des deutschen Übels, das unser aller Übel ist (…) gibt es auch kein Heil und keine Heilung. Der Jurist tut das nicht und Peter Weiss tut es zu wenig”, so seinerzeit Fritz Bauer.  In Westdeutschland hatten die alten Seilschaften die Oberhand, so wurden die Prozesse kein Auftakt für die Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch die Justiz, sie markierten vielmehr den einsamen Höhepunkt. Damals wie heute wurde und wird ein Schlussstrich gefordert und gegen die  “Moralkeule Auschwitz” lamentiert.

Gut 50 Jahre nach den Frankfurter Auschwitz-Prozessen und 45 Jahre nach dem Tod von Fritz Bauer bleiben uralte antisemitische Klischees oder israelbezogene Ressentiments in allen gesellschaftlichen Schichten Deutschlands mehrheitsfähig. Auschwitz wird den Juden nicht verziehen, denn der Staat Israel bleibt lebendige Erinnerung an sechs Millionen Ermordete. Der Demokrat Fritz Bauer hat an der deutschen Geschichte mitgeschrieben und sie gleichwohl zum Guten hin beeinflusst. Ronen Steinke hat in seinem Buch davon erzählt. Die facettenreiche Biographie Bauers sollte nach den rechtsradikalen Morden der NSU, den diesbezüglichen “Verstrickungen” der deutschen Behörden und der beinahe täglichen antizionistischen Manipulation in den deutschen Medien und in der deutschen Politik zur Pflichtlektüre für Juristen, Journalisten und Politikern werden.

Quelle: Ronen Steinke – Fritz Bauer oder Auschwitz vor Gericht – Biografie mit einem Vorwort von Andreas Voßkuhle – Piper, München 2013

Johan Cruyff: El Salvador, Ajax Amsterdam und Voetbaltotaal

7. Februar 2014

Johan CruyffVor dem Zweiten Weltkrieg und dem Einmarsch der Deutschen galt Amsterdam als das “Jerusalem Europas”. Für den Journalisten Egon Erwin Kisch war die niederländische Metropole die Stadt der “Fahrräder und Juden.” Vor dem Einmarsch der Deutschen schien Amsterdam die Heimat der Juden schlechthin zu sein, wo sie sich mühelos assimilieren konnten. Die relative Toleranz, die Juden in den Niederlanden genossen wurde ihnen allerdings zum Verhängnis, da sie seit Jahrhunderten kein Pogrom gegen sie erlebten, fehlte ihnen das Vorstellungsvermögen für derartige Gräuel. Von den 140.000 Juden, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden gezählt wurden, endeten 107.000 in den NS-Vernichtungslagern, von den 80.000 Amsterdamer Juden überlebten nur 5.000 den antisemitischen Terror. Mit 75% war der Anteil der niederländischen Juden, die Opfer der “Endlösung” wurden, höher als in jedem anderen westeuropäischen Land. 98 Deportationszüge mit gut 100.000 Juden konnten die Niederlande ohne nennenswerten Zwischenfall verlassen. Die Deportation der Juden lief “wie am Schnürchen”, erklärte Adolf Eichmann stolz. Nach der Befreiung wurde fast eine halbe Millionen Niederländer registriert, die in irgendeiner Weise mit den Besatzern kollaboriert hatten. 120.000 von ihnen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt und 34 wurden exekutiert.

Juden lebten vor allem im Südosten Amsterdams und genau dort war das Fußballstadion von Ajax Amsterdam. Die einzigen Institutionen im Amsterdamer Osten, in denen man vor dem Zweiten Weltkrieg keine jüdische Kultur vorfand, waren die holländische Nazi-Partei NSR und die Kirchen. Ajax wurde zwar von der starken jüdischen Kultur erfasst, war aber kein jüdischer Klub, gleichwohl verschiedene Juden den Klub geprägt haben. Von Anfang an hatte Ajax eine große jüdische Fanbasis. Der jüdische Künstler Rebbe Meyer de Hond, der 1943 in Sobibor ums Leben kam, beschwerte sich 1926 darüber, dass sich die Juden zu sehr um Ajax und zu wenig der Synagoge widmen würden. Rekordspieler von Ajax, wie Sjaak Swart, Bennie Muller und Johan Neeskens waren jüdischer Herkunft wie die Präsidenten Jaap van Praag oder Uri Coronel. Der milliardenschwere Immobilienmagnat Maup Caransa, der fast seine gesamte Familie im Holocaust verloren hatte war ein wichtiger Mäzen in den goldenen 1970er Jahren. Nicht Ajax als Klub, wohl aber ein informelles Netzwerk von Ajax-Mitgliedern und Anhängern, rettete viele Juden vor der Deportation in die Vernichtungslager. Einer dieser “rettenden Engel” war Kuki Krol, Vater des späteren Ajax-Stars Ruud Krol, Kapitän der niederländischen Nationalmannschaft und Vize-Weltmeister 1978. Ruud Krol wuchs in der Nicuwinarket-Gegend auf und war mit Juden seit frühester Jugend bekannt. Kuki Krol, Mitglied einer Amsterdamer Widerstandsgruppe, versteckte während der Besatzung 14 Juden und rettete ihnen das Leben. Darunter auch George Horn, Bruder von Leo Horn, dem berühmtesten Schiedsrichter der niederländischen Fußballgeschichte.

Der Club gilt vielen Fußballfans aufgrund seiner Vergangenheit von daher als “Juden-Club” und ist infolgedessen  der am massivsten mit Antisemitismus konfrontierte Spitzenklub des internationalen Fußballs. “Ajax ist ein Judenklub!”, “Hamas, Hamas – alle Juden ab ins Gas!”, “Wir jagen die Juden!”, “Der Ajax-Zug nach Auschwitz ist abfahrbereit!” – solche und ähnliche Schmährufe begegnen den Fans und Spielern von Ajax Amsterdam bei ihren Auftritten in fremden Stadien. Eine lange Tradition haben die durchdringenden Zischlaute, mit denen die Ajax-Gegner auf den Rängen das Geräusch ausströmenden Gases imitieren. Tausende von Feyenoord-Fans hüpfen im Takt zum Schlachtruf “Wer nicht mit springt, ist ein Jude”. Ein großer Teil der Ajax-Fans beantwortet den Antisemitismus mit “Juden! Juden! Wir sind Super-Juden!” und ähnlichen Sprechchören. Die Nationalflagge Israels und der Davidstern sind längst ein fester Bestandteile der Ajax-Folklore. Die Fans von Ajax lassen sich Davidsterne tätowieren und nennen sich selbst “Juden”, ohne welche zu sein. Die niederländische Fan-Gruppe “F-Side” bezeichnet sich selbst als “geselliges Chaos” und “kreativste und anarchistischste” Fangruppe. Das Logo der “F-Side” ist ein Davidstern mit einem “F” in seiner Mitte, auch Ajax-Stern genannt. Ajax und Juden sowie Davidstern und Ajax-Stern werden in den Niederlanden häufig wie Synonyme behandelt. So beklagte sich ein Rabbi schon einmal darüber, dass Menschen auf der Straße bei seinem Anblick “Ajax” gerufen hätten. Mit der Zeit wurden die prosemitischen Demonstrationen der »F-Side« mehr und mehr auch von den Mainstream-Fans getragen. Eine bestimmte Verbundenheit besteht im Verhältnis zwischen Israel und den Niederlanden, was speziell im Fußball seinen Ausdruck findet. Als Ex-Ajax-Star und Nationalspieler Ronald de Boer einmal die Äußerung tätigte: “Mein Schwiegervater heißt Cohen und sein Schwiegervater Polak. Es muss irgendeine Form von Bande zwischen mir und Israel geben”, füllte diese Bemerkung eine komplette Seite der israelischen Zeitung “Jediot Achronot”, schreibt Dietrich Schulze-Marmeling in “Davidstern und Lederball”.

Ajax Amsterdam ist neben dieser Historie vor allem mit einem Namen verbunden, mit Johan Cruyff, dem “Fußballer des Jahrhunderts”. Johan Cruyff war ein Kind des Amsterdamer Ostens, er wurde unweit vom Ajax-Stadion am 25. April 1947  in Akkerstraat geboren. Cruyffs Vater war ein kleiner Gemüsehändler, der starb als Sohn Johan zwölf Jahre alt war. Seine Mutter verdiente nach dem Tod ihres Mannes mit Putz- und Kantinenarbeiten bei Ajax das nötige Geld zum Leben. Johan Cruyff besaß mehr jüdische Freunde und jüdische Verwandte als so mancher niederländische Jude. Seine Tante war mit einem jüdischen Diamantenhändler verheiratet. Seine Schwägerin hatte ebenfalls einen Juden zum Mann. Ihr Sohn, zu dem Cruyff eine enge Beziehung unterhält, wurde ein Orthodoxer und ging nach Jerusalem. Am 15. November 1964 debütierte der 18-jährige Cruyff in der ersten Liga für Ajax Amsterdam, wo er in den folgenden neun Jahren in 364 Spielen 266 Tore schoss. 1965 übernahm der “General” Rinus Michels Ajax Amsterdam und legte mit seiner offensiven Spielweise und der Auflösung der starren Positionen die Grundlagen für den “Totalen Fußball”. Johan Cruyff wurde neunmal niederländischer Meister, sechsmal niederländischer Pokalsieger, von 1971 bis 1973 dreimal Europapokalsieger der Landesmeister, spanischer Meister und Pokalsieger, Europas Fußballer des Jahres 1971,72 und 1973. Für Niederländer seiner Generation war Johan Cruyff mehr als nur ein Fußballer. Flubert Smeets, Politik- und Kulturkommentator des NRC Handelsblad, sieht in ihm den hauptsächlichen Vertreter jener kulturellen, politischen und sozialen Revolution, die die Niederlande in den 1960ern von einem rückständigen Land zu einer der progressivsten Adressen in Europa transformiert habe. Wie keinem anderen seiner Generation sei es Cruyff gelungen, eine Verbindung von Kollektivismus und Individualismus zu realisieren.

1973 wechselte der “unangepasste Mittelstürmer” von Ajax Amsterdam nach Barcelona, wo er sofort zum Publikumsliebling wurde. Der Trainer der Katalanen hieß bereits seit 1971 Rinus Michels. Es war die Zeit als die Katalanen anfingen, sich gegen das Regime des „Generalissimo“  zur Wehr zu setzen. Johan Cruyff sagte zu seinem Wechsel, „ er habe sich für Barcelona und gegen Madrid entschieden, weil er nicht für einen Club spielen könne, der mit einem Diktator assoziiert wird“. Obwohl in Franco-Spanien der Vorname Jordi (Schutzpatron Kataloniens) seinerzeit verboten war, bekam Cruyffs Sohn diesen Namen. Die Eltern umgingen das Verbot, indem sie den Namen in den Niederlanden eintragen ließen. Diese offene Auflehnung gegen Franco trug zu Johan Cruyffs Kultstatus in Katalonien und zur Verehrung als “El Salvador” bei.  85 Tore in 227 Spielen und der erste Meistertitel für Barcelona seit 1960 waren die stolze Bilanz. Johan Cruyff war einer der besten Spielmacher der Fußballgeschichte, er war der Star des „totalen Fußballs“.  Ähnlich erfolgreich arbeitete er nach seiner Spielerkarriere als Trainer für Ajax Amsterdam und den FC Barcelona. 1988 wird “El Salvador” der Trainer des FC Barcelona. Die Demokratie hat sich etabliert und die Stadt erlebt eine kulturelle und soziale Renaissance. Cruyff reformierte die Nachwuchsarbeit in La Masia, der Jugendakademie des FC Barcelona. Es wird fast ausschließlich mit dem Ball trainiert. Spielkontrolle, Kurzpässe, stetes Rotieren sind die Aufgaben in allen Altersklassen. „Tiki Taka“ und der moderne “Sechser” wurden von Cruyff erfunden. Pep Guardiola, der jetzige Bayern-Trainer übernahm die Rolle als “Sechser” und wurde der Spielgestalter aus der Tiefe und Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff. Mit Pep Guardiola verbindet Johann Cruyff bis heute eine große Freundschaft. In seiner Zeit als Barca-Trainer musste sich der Kettenraucher Cruyff einer komplizierten Herzoperation unterziehen, seitdem stellte er das Rauchen ein und beteiligt sich an Anti-Raucher-Kampagnen. Die größte sportliche Niederlage der “Nummer 14″ bleibt freilich das verlorene WM-Finale 1974 in München. Beckenbauer sagte später: “Johan war der bessere Spieler, aber ich bin Weltmeister.

Johan Cruyff, des Hebräischen mächtig, gegenüber jüdischen Angelegenheiten aufgeschlossen und an den Problemen des jüdischen Staates stets interessiert, genießt in Israel große Popularität. Der israelische Fußballanalytiker und Philosoph Saggie Cohen ist davon überzeugt: “Würde Cruyff in Israel eine politische Partei gründen, wären ihm in der Knesset zwei bis drei Sitze garantiert. Johan Cruyff würde von vielen Israelis wie ein Ehrenbürger ihres Staates betrachtet.” Während der großen Fußballturniere hat Cruyff oft Kolumnen für Israels großen Tageszeitungen geschrieben und manchmal stand darunter: “Speziell für Israel”. Im letzten Jahr ehrte Johan Cruyff in Yad Vashem Familienangehörige, die während der Schoa ermordet wurden. Bei seiner Reise nach Israel besuchte er außerdem Sohn Jordi, der seit vergangenem Sommer als Sportdirektor bei Maccabi Tel Aviv arbeitet, um ihm zu gratulieren, denn der Club ist neuer israelischer Fußballmeister.

Wie sehr die “Nummer 14″ in Israel verehrt wird belegt eine Begebenheit während des Golfkrieges. Als Israels Bevölkerung während des Golfkrieges 1991, vor dem Fernseher saß, in ständiger Furcht vor irakischen Raketenangriffen mit Scud-Raketen und der Drohung diese Raketen seien mit Giftgas bestückt, wurden die Nachrichten unterbrochen, um das Fernsehpublikum über die Herzoperation von Johan Cruyff zu informieren.

Quelle: Dietrich Schulze-Marmeling – Davidstern und Lederball: Fahrräder, Juden, Fußball: Ajax Amsterdam – Verlag: Die Werkstatt (10. April 2003)

Die Lebensreformbewegung und die Wutbürger von gestern

21. Januar 2014

„So fruchtbar auch die Übernahme des Freudschen Regressionsbegriffes für die Sozialpsychologie sich erweist, er hat seinen Stellenwert lediglich im dialektischen Zusammenhang der Verdrängung; nicht als eine Art von autonomem, wenn auch durch die “Krise” vorgezeichnetem Rückgriff. Echt regressiv und eben darum unbewußt sind jene anal-sadistischen Motive, die von der Kontrolle der Kochtöpfe an Sonntagen über Rasse-Denunziationen und Sumpfentwässerungen zu Säuberungsaktionen und dem Schlimmsten führen. Dagegen ist die Romantik der Beschwörung alter Gesellschafts- und Bewußtseinsformen als “manifester Trauminhalt”, wie Deutschglaube, Sippe, Allodialverfassung, germanisches Recht bloß verhüllend: sie sollen die sonst unerträgliche Verdinglichung durch ein freilich unbewußt gespeistes Zeremonial in den Zustand der Unmittelbarkeit umdeuten und damit psychologisch das Leiden unter dem Kapitalismus paralysieren, ohne am gesellschaftlichen Zustand etwas zu ändern.“ Theodor W. Adorno: Vermischte Schriften I/II: Neue wertfreie Soziologie

lebensreformSeit Jahrhunderten lechzen Menschen inmitten wirtschaftlicher Krisen oder gesellschaftlichen Umbrüchen nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen. So entstand in Reaktion auf Industrialisierung, Materialismus und Urbanisierung Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland  die sogenannte Lebensreformbewegung. Die Entwicklungen der Moderne wurden in dieser Bewegung als Verfallserscheinungen angesehen und eine “Erlösung” versprachen sich die überwiegend völkischen, antisemitischen und eugenischen Esoteriker mit ihren “Reformen”.  Die Lebensreformbewegung propagierte ein einfaches, natürliches Leben mit gesunder Ernährung, frischer Luft und Bewegung, statt Erotik eine nordische Freikörperkultur plus Rassenhygiene und Eugenik, einer Menschenzucht, die sich am Ideal blond, groß, muskulös orientierte. Ihr angeblicher dritter Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus beinhaltete einen agrarisch-handwerk­lichen “fairen” Kleinkapitalismus, vor­zugsweise in ländlichen Siedlungen und mit zinsfreiem Geld.

Im Jahr 1883 wurde der “Deutsche Verein für Naturheilkunde und für volksverständliche Gesundheitspflege” gegründet und gleichzeitig erfuhr die “alternativmedizinische Methode” der Homöopathie verstärkten Zulauf. Der Maler und Kulturreformer Karl Wilhelm Diefenbach (1851–1913) gilt mit Heinrich Pudor (1865-1943) als Pionier der völkisch-nationalen Freikörperkultur, die Teil der Lebensreformbewegung war. Nacktheit war das Gegenmittel gegen die angebliche Degeneration der Menschen als Folge der Zivilisation. Der völkische Antisemit Richard Ungewitter (1869-1958) gründete 1910 die Loge für “aufsteigendes Leben” und warb für „strenge Leibeszucht“ und „nackte Gattenwahl“ mit dem Ziel, gesunde und „rassereine“ Nachkommen zu zeugen. Ungewitter meinte: „Würde jedes deutsche Weib öfter einen nackten germanischen Mann sehen, so würden nicht so viele exotischen fremden Rassen nachlaufen. Aus Gründen der gesunden Zuchtwahl fordere ich deshalb die Nacktkultur, damit Starke und Gesunde sich paaren, Schwächlinge aber nicht zur Vermehrung kommen.“ Die Werte der FKK Bewegung, die von der Wandervogelbewegung unterstützt wurde, waren kompatibel mit der NS-Ideologie.

Die Ernährungsreform, Landkommunen, die Gartenstadtbewegung, die Anthroposophie von Rudolf Steiner (1861-1925), Silvio Gesells Freiland- und Freigeldlehre sowie die Reformpädagogik  waren weitere wichtige Bereiche der Lebensreform. Rudolf Steiners “völkische Revolution”, war durchtränkt von Antihumanismus, Irrationalität, Rassismus und Antisemitismus. Er gab einflussreiche Anregungen für die Waldorfpädagogik, die anthroposophische Architektur,  Medizin,  sowie für die biologisch-dynamische Landwirtschaft. In Silvio Gesells (1862-1930)   Hauptwerk “Die natürliche Wirtschaftsordnung”  versprach der Zinskritiker, der in „gutes schaffendes“ und „böses raffendes Kapital“ unterschied,  die Lösung der kapitalistischen Widersprüche. Mit Einführung eines “Schwundgeldes” wollte Gesell verhindern, dass Geld gehortet und Zins abgeschöpft wird. Einer der engsten Mitarbeiter Gesells war der Ernährungsreformer Gustav Simons, ein Mitglied des „Ordens des Neuen Tempels“ von Lanz von Liebenfels (1874-1954), der Antisemitismus, Arierwahn und Germanenmythen verknüpfte und die Hakenkreuzfahne führte. 1895 war Simons auch Gründungsmitglied der Lebensreformer-Obstbaugenossenschaft Oranienburg-Eden bei Berlin. In einem Programmheft von Eden heißt es 1917: “Zum „natürlichen“ Leben in der Siedlung sei vegetarische Ernährung und „deutschvölkische Gesinnung Voraussetzung. Und dazu befähigt nur deutsches Ariertum“.  Ein enger Mitarbeiter Gesells, Rolf Engert (1889-1962) formulierte 1919 eindeutig: „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtschaft.“ Ebenso kooperierte Gesell mit Theodor Fritsch, der den Hammer Verlag gründete und dort zahlreiche antisemitische Propagandaschriften, darunter die deutsche Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion sowie seinen Antisemiten-Katechismus „Handbuch der Judenfrage“ herausgab. Gesell zog 1911 erstmals nach Eden, wo er auch seine letzten Jahre verbrachte. 1918 beteiligte sich Gesell mit einem Text an dem Buch „Deutschlands Wiedergeburt durch Blut und Eisen“, das Richard Ungewitter herausgab. Gesell lehnte Frauenemanzipation ab und behauptete, die natürliche Berufung einer Frau sei die Mutterschaft. Seine Mutterrente sollte Frauen sowohl von der Erwerbsarbeit als auch von der Versorgungsehe befreien. Sie sollten sich voll und ganz auf eine “Hochzucht” der Menschheit konzentrieren und nur erbbiologisch wertvolle Männer als Partner akzeptieren.

Die Lebensreformbewegung lieferte den Nazis nicht nur Ideen sondern auch Personal. Der führende NS-Rassenhygieniker Alfred Ploetz kam aus der Lebensreformbewegung, der Eugeniker und Antisemit Theodor Fritsch engagierte sich in der Gartenstadt-Bewegung. Der Landschaftsarchitekt Alwin Seifert  sorgte als “Reichslandschaftsanwalt” dafür, dass die Seitenstreifen der neuen Autobahnen mit heimischen Bäumen bepflanzt wurden. Steppenlandschaften bezeichnete er als “undeutsch” und forderte, von der Wehrmacht die im Osten eroberten Gebiete mittels Feldhecken “einzudeutschen”. Außerdem war Seifert für den Kräutergarten der SS im KZ Dachau beteiligt, in dem biologisch-dynamische Anbaumethoden getestet wurden. Seifert wurde nach dem Krieg Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz. Der „grüne Flügel“ in der NSDAP  um Walther Darré und Alwin Seifert  schwärmte für regenerative Energien, alternative Heilkunst und biologische Landwirtschaft. Landwirtschaftsminister Walther Darré kooperierte mit Demeter, Weleda und den anthroposophischen, biologisch-dynamischen Landwirten. Die Artamanen innerhalb der NSDAP verbanden den völkischen Okkultismus der Ariosophie mit der Naturschwärmerei der Lebensreform, den Ideen der Naturschutzbewegung und dem Kulturpessimismus Oswald Spenglers. Sie verherrlichten die Bauern als die einzigen “organischen Menschen” und predigten die Abkehr von der “internationalen Asphaltkultur der Großstädte”.

Mit der NSDAP erlebte die verkürzte Kapitalismuskritik einen zwischenzeitlichen Höhepunkt. Gottfried Feder schrieb im 25 Punkte-Programm der NSDAP ab Seite 22: “Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: “Profit”, sie haben nur eine Sehnsucht: “Kredit”, nur eine Aufwallung: die “gegen die Steuern”, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die “vor den Banken” und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der “Brechung der Zinsknechtschaft”. Alle drängen sich danach, “Schulden zu machen”. Die maßlosen Wuchergewinne der Banken, die ohne Müh und Arbeit, als Tribut vom Leihkapital erpreßt werden, findet man durchaus in der Ordnung. Man gründet eigene “Wirtschaftsparteien” und stimmt für die Dawesgesetze, die die Grundursache für die maßlosen Steuerlasten sind. Man stürzt sich in tiefe Zinsknechtschaft, schimpft über Steuern und Zinsen und erstirbt vor Hochachtung vor jedem Bankier und Börsenpriaten. Verwirrt sind die Hirne! Die Ganze Wirtschaft ist entedelt, entpersönlicht, in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Die Schaffenden haben sich selbst ihren größten Feinden in die Hände gegeben, dem Finanzkapital. Tief verschuldet, bleibt den Werteschaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn, jeder Gewinn der Arbeit fließt in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende. Die Leute, die die wirtschaftliche Vernunft in Pacht genommen haben, wissen das entstandene Chaos nicht zu bändigen. Von oben ausgepreßt durch Steuern und Zinsen, von unten bedroht durch das unterirdische Grollen der betrogenen Arbeitermassen, haben sie sich in wahnwitziger Verblendung dem Finanzkapital und seinem “Staat” an den Hals geworfen und werden von den Nutznießern und Ausbeutern des heutigen Chaos doch nur als Sklavenhalter über die Massen des arbeitenden Volkes geduldet. [...] Das Volk in allen seinen Berufsständen bekommt die Zinspeitsche zu schmecken, jeder Bevölkerungsschicht sitzt der Steuereintreiber im Nacken, – aber wer wagt der Allmacht des Bank- und Börsenkapitals entgegenzutreten? Diese Allmacht des Leihkapitals zeigt sich darin, daß es, entgegen allen sonstigen irdischen Erfahrungen, ohne Mühe und Arbeit durch Zins, Dividende und Rente aus sich selbst heraus gewissermaßen wächst, immer größer und gewaltiger wird. Der teuflische Grundsatz der Lüge siegt über den Ordnungsgrundsatz der schaffenden Arbeit. Brechung der Zinsknechtschaft heißt hier unser Feldgeschrei. [...] Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkte des Kampfes der deutschen Nation um ihre Unabhängigkeit und Freiheit geworden.”

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der anschließenden wirtschaftlichen  Globalisierung veränderte sich das politische Koordinatensystem. Es folgten die Anschläge vom 11. September und eine Weltwirtschaftskrise mit schwerwiegenden gesellschaftlichen Umbrüchen, weshalb sich viele Menschen wieder nach einfachen Erklärungen und rettenden Auswegen sehnten. Die Wutbürger von gestern kämpfen heute, oftmals mit antiwestlichem Furor, den Juchtenkäfer beschützend, gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 oder mit einem Faible für Irrationalität gegen das die “Welt aussaugende Finanzkapital”. Die Zinskritiker und Freiwirte sind bei Attac oder der sogenannten Occupy-Bewegung angekommen. Mit ihrer regressiven Kapitalismuskritk docken die Wutbürger bei Antiglobalisierungs-Vordenker Silvio Gesell und dem NSDAP “Wirtschaftsexperten” Gottfried Feder an. Bei den Wutbürgern gegen den Zins wird die Aversion gegen das Abstrakte überdeutlich. Das auch die Ware Geld ihren Preis hat, verdrängen die neuen Revolutionäre, ihr Hass gegen die Spekulanten ist zu groß. Das große Idol vieler Wutbürger ist der Kabarettist Georg Schramm, seines Zeichens „zorniger Bürger“, Kleinkünstler, Zinskritiker und Freund von Silvio Gesells Regionalgeld.

Georg Schramm bewies sein Gespür für den Zeitgeist, als er am 12. November 2011 vor dem Frankfurter Sitz der europäischen Zentralbank im zinskritischen Zeltlager von “Blockupy Frankfurt” eine Rede hielt, in der er unter anderem meinte: „Wenn Gott seine Welt liebt und die Menschen auch und wenn er ein alttestamentarischer, zorniger Gott ist, dann war sein Timing für die Katastrophe perfekt […]. Wenn die Kernschmelze [im Finanzbereich] solche Folgen hätte wie Fukushima, her mit der Kernschmelze! […] Ich habe übrigens den Begriff des zornigen Gottes gewählt, weil es ein Klassiker ist [!], die jungen Leute hier können das nicht wissen. […]  Das ist lange her, das war zu den Zeiten, wo die Päpste noch nicht mit der Macht liiert waren und noch gegen den Zinswucher [!] gepredigt haben. Papst Gregor hat damals gesagt, die Vernunft kann sich mit größerer Wucht dem Bösen entgegenstellen, wenn der Zorn ihr dienstbar zur Hand geht. […] Für alle, die missmutig sind, dass ich hier Päpste zitiere, das kann ich im Prinzip verstehen, sei darauf hingewiesen: Das bis zu Beginn der Mittelalters nicht nur die katholische Kirche, sondern das überhaupt alle Weltreligionen immer über viele Jahrhunderte den Zinswucher als einer der größten Sünden bezeichnet haben. Die katholische Kirche ist erst dann davon abgerückt, als sie mit den ersten Banken die es  gab, nämlich mit den katholischen Banken, angefangen hat, damit Geld zu verdienen. Erst dann ist es schief gegangen. Früher war der Banker noch Geldverleiher, diesen Ruf, diesen gesellschaftlichen Status […] sollten wir ihm wieder besorgen! Es war ein unehrenhafter Beruf, den ein ehrbarer Mensch nicht ausüben wollte und die Nonnenmacher und Ackermänner dieser Erde mussten den  Dienstboteneingang nehmen um ins Schloss der Mächtigen zu kommen.“

Dominique Goubelle schreibt über diese Rede in “Bohème und Brettl revisited” treffend: “Georg Schramm, der mit seinem autoritären Parteisoldatenimage im neuen Deutschland gar nicht so recht für diese Rolle prädestiniert erscheint, gar schon anachronistisch wirkt, repräsentiert in seiner Funktion als Kabarettist und deutscher Kleinkünstler doch auch exemplarisch ein Milieu, eine Melange aus Künstlerimage und politischem Engagement, das meist zielsicher beim Antisemitismus landet. (..) Hinzugefügt sei noch mit Blick auf die heutige (klein)künstlerisch verbrämte Politikmacherei, wie man sie bei Schramm oder diversen Occupy-Aktivitäten findet, dass sie auf Eso-Kitsch und Lebensreform zugunsten eines sich militant gebenden Antikapitalismus ganz gut verzichten kann, den Hass auf die Agenten der Zirkulation und die mit ihnen als westlich gebrandmarkte Zivilisation aber als einendes Moment und Welterklärung beerbt, wie es auch im Verhältnis vieler Nazis zur Lebensreformbewegung der Fall war.”

Im Jahre 2008 schwamm Georg Schramm in der “Anstalt” des ZDF wieder einmal mit dem Strom indem er die antiisraelischen Vernichtungsdrohungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad wahrheitswidrig, aber zum Gefallen rechter und linker „Israelkritiker“ negierte: “Israel muß von der Landkarte getilgt werden – falsch!!” – “Das Besatzungsregime Israels muß Geschichte werden – richtig”. Der beliebte „Wutbürger“ spricht von einem Übersetzungsfehler und vom “israelischen Besatzungsregime” und damit seinen Anhängern aus der Seele.

Anstatt sich dieser “Ontologie der Reklame” zu erwehren , anstatt sich wegen der stetig steigenden Arbeitsproduktivität um eine Arbeitszeitverkürzung zu bemühen, anstatt sich für eine Verkürzung des Renteneitrittalters einzusetzen, anstatt für höhere Löhne zu demonstrieren, anstatt sich mit den Regeln der Kapitalverwertung auseinanderzusetzen, träumen die Wutbürger von gelynchten „Gierigen“ und erwählen wieder einmal einen Sündenbock für die Krisen und Konflikte dieser Welt.  Die selbsternannten “99 Prozent” interessieren sich kaum für die Überwindung der Kapitalverhältnisse,  ihren ist vermutlich nicht bewußt wie regressive Kapitalismuskritik und reaktionäre, antisemitische Ideologie die Menschheit schon einmal an den Abgrund führte.

Obwohl Theodor W. Adorno den “Oberstleutnant Sanftleben”, bzw. “Lothar Dombrowski” nicht kannte schrieb er in „Spengler nach dem Untergang“: “Unterdessen gilt bereits an Auschwitz zu erinnern für langweiliges Ressentiment. Keiner gibt mehr etwas fürs Vergangene. Was auf das von Spengler so genannte Zeitalter der kämpfenden Staaten folgt, ist seiner Konstruktion zufolge eine im dämonischen Sinne geschichtslose Zeit: die Tendenz der gegenwärtigen Wirtschaft, unter Eliminierung des Marktes und der Dynamik der Konkurrenz einen statischen und im eigentlich ökonomischen Sinn “krisenlosen” Zustand unmittelbarer Verfügung herbeizuführen, kommt mit Spenglers Prognose deutlich genug überein. Mehr und sinnfälliger noch erfüllt sie sich in der Statik der »Kultur«, deren avancierten Versuchen seit dem neunzehnten Jahrhundert schon die Gesellschaft Verständnis und eigentliche Rezeption verweigert, die unablässige und tödliche Wiederholung des einmal Akzeptierten erzwingend, während die standardisierte Massenkunst vermöge ihrer “gefrorenen” Modelle Geschichte ausschließt. „