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Der Islam gehört zu Afghanistan

14. September 2021

Afghanistan wurde im 18. Jahrhundert, nach unzähligen paschtunischen Aufständen gegen die diversen Herrscher, von den persischen Safawiden bis zu den indischen Mogulen, vom Paschtunen Ahmad Schah Durrani gegründet. Im 19. Jahrhundert versuchte die Kolonialmacht Großbritannien Afghanistan zu annektieren um seine Kolonie Indien vor dem Konkurrenten Russland zu schützen. Erst der Frieden von Rawalpindi 1919 mit dem Vertrag von Kabul 1921 brachte dem Vielvölkerstaat, mit seinen Paschtunen, Tadschiken und Usbeken, die volle Unabhängigkeit von Großbritannien und Russland. Amir Amanullah Khan erklärte 1926 das Land zu einer Monarchie und reformierte erstmals das Land. Seine Frau legte den Schleier ab und landesweit wurden Schulen für Mädchen errichtet. Als es deshalb zu Aufständen der Stämme kam dankte der König 1929 ab und die Frauen mussten sich wieder verschleiern und die Mädchenschulen wurden wieder geschlossen.

1947 zog sich Großbritannien aus Indien zurück und hinterließ den überwiegend säkularen hinduistischen Staat Indien und den islamischen Staat Pakistan mit seiner unkontrollierbaren Grenze zu Afghanistan. Der pro-sowjetisch eingestellte General Mohammed Daoud Khan, ein Cousin von König Mohammed Zahir Schah wurde 1956 Premierminister. Er führte soziale Reformen ein, wie die Zulassung von Frauen in der Öffentlichkeit und er bat die Sowjetunion um wirtschaftliche und militärische Unterstützung, so wurden unter Nikita Chruschtschow beide Länder enge Verbündete und die westlich orientierte Verfassung von 1964 setzte die Gleichheit von Mann und Frau fest. Im Jahr 1973 stürzte Mohammed Daoud Khan König Mohammed Zahir Shah durch einen Militärputsch und überwarf sich mit seinen kommunistischen Verbündeten, worauf die Demokratische Volkspartei Afghanistan (DVPA) am 27. April 1978 gegen Präsident Mohammad Daud Khan putschte. Unter dem neuen Präsidenten Mohammad Taraki und dem stellvertretenden Premierminister Babrak Karmal kommt es zu radikalen Land- und Bildungsreformen, wie die Einführung der allgemeinen Schulpflicht und die Umverteilung des Grundbesitzes in einem der ärmsten Länder der Erde, mit einer Kindersterblichkeit von 50 Prozent und einer Analphabetenrate von 90 Prozent. Diese Reformen stießen wiederum auf den Widerstand der reaktionären, fundamentalislamistischen Kräfte Afghanistans, wenngleich diese Zeit als die goldenen Jahre von Afghanistan, vor allem für die dortigen Frauen, bezeichnet werden können. In den 1960er und 1970er Jahren konnten sich zumindest in den Städten Frauen in Miniröcken selbstbewusst auf der Straße bewegen. In dieser demokratischen Aufbruchstimmung, zwischen Westorientierung und marxistischen Bestrebungen gab es in den Städten Live Jazz und zahlreiche Musikkneipen.

Während die fundamentalislamistischen Führer und Clanchefs Ende der 1970er Jahre einen bewaffneten Aufstand auf dem Lande initiierten und die Guerillabewegung Mujaheddin gründen, um die von der Sowjetunion unterstützte Regierung zu bekämpfen, kommt es zu einem erbitterten Machtkampf innerhalb der kommunistischen Partei Afghanistans, den Mohammad Taraki und Hafizullah Amin mit dem Leben bezahlen und dem Ergebnis des neuen Premierministers Babrak Karmal. Es folgte der Bürgerkrieg zwischen islamistischen Gotteskriegern, die von der CIA unterstützt und finanziert wurden und der afghanischen Regierung, diese bat die Sowjetunion um Beistand, worauf es im Dezember 1979 zum Einmarsch der Sowjetunion kam. Unter Barbak Karmal wurden weiterhin die sozialen Projekte forciert. Krankhäuser und Schulen wurden gebaut, Mädchen konnten in die Schule gehen, die Analphabetenrate wurde gesenkt und eine Säkularisierung eingeleitet. Der Westen, vor allem die USA unterstützte nun im Verbund mit Saudi-Arabien und den restlichen islamischen Ländern die islamistischen „Freiheitskämpfer“ um Gulbuddin Hekmatyar und Osama Bin Laden mit mehrere hundert Millionen Dollar pro Jahr, damit diese mit Terrorangriffen auf afghanische Schulen und Krankenhäuser den alten Zustand wieder her bomben konnten. Über Pakistan kam die Waffenhilfe für die Dschihadisten nach Afghanistan. Gegen den asymmetrischen Krieg der Mujaheddin hatte die Sowjetarmee letztlich wenig entgegenzusetzen, nach einem militärischen Patt zogen die sowjetischen Truppen 1989 ab, nachdem der Nationalist Mohammed Nadschibullah 1986 Babrak Karmal abgelöst hat.

Die islamistischen „Freiheitskämpfer“, unterstützt von vielen islamischen Ländern sowie des Westens konnten ihren islamischen Gottesstaat errichten, nachdem die innerislamischen Kämpfe zwischen Hekmatyar, Musharraf und den Taliban beendet waren. Obwohl Nadschibullah unter dem Schutz den UN stand, wurde er von dieser ausgeliefert, dann von den Taliban gefoltert, ermordet und sein Leichnam tagelang an einem Pfahl zur Schau gestellt. Die Scharia wurde unverzüglich rigoroser denn je angewandt, Frauen standen praktisch unter Hausarrest, die Burkapflicht wurde gnadenlos durchgesetzt. In Fußballstadien wurden „Ehebrecherinnen“ öffentlich hingerichtet und Dieben wurden Gliedmaßen amputiert. Im Jahre 1999 fanden in der islamischen Republik wöchentlich öffentliche Hinrichtungen oder Amputationen im Stadion von Kabul statt.

Der Krieg der Sowjetunion in Afghanistan war in der Logik des Kalten Krieges ein Stellvertreterkrieg Ost gegen West, so war für die bürgerliche Presse und die westdeutsche Linke der Einmarsch der Sowjetunion eine Bedrohung des Weltfriedens. Die westliche Propagandamaschine lief auf Hochtouren, an vorderster Front das ZDF-Magazin, von Gerhard Löwenthal geleitet und moderiert. Die „Außenstelle“ der Mudjahedin berichte in Mainz von Giftgasangriffen und als Spielzeug getarnte Bomben gegen die afghanische Zivilbevölkerung und spielende Kinder durch die Sowjets. Gern und oft gesehener Gast war der CDU-Hardliner Jürgen Todenhöfer, der alle grünen Ökopaxe mit seiner antikommunistischen und islamistischen Propaganda in den Schatten stellte.

Mit den islamischen Siegen in Afghanistan und im Iran, sowie dem Untergang der Sowjetunion beschlossen die islamischen Gotteskrieger nun sich vermehrt den Ungläubigen des Westens zuzuwenden. Osama bin Laden gründet die Gruppe Al-Qaida und startete eine Serie von Autobomben auf die US-Botschaften von Daressalam und Nairobi mit 224 Toten und tausenden Verletzten. Am 23. Februar 1998 erklärte Osama bin-Laden in seiner Schrift „Dschihad gegen Juden und Kreuzfahrer“, dass es ihm um die Auslöschung der Juden geht. Die „Armeen der Kreuzfahrer“ verbreiteten sich auf der arabischen Halbinsel „wie Heuschrecken“, so bin-Laden. Die „Allianz aus Kreuzfahrern und Zionisten“ habe dem irakischen Volk sehr geschadet und „1 Million Iraker getötet“.  Am 11. September entführte die islamistische Terrororganisation al-Qaida vier Flugzeuge in den USA, zwei davon lenkten die Terroristen in die Türme des World Trade Centers und eines in das Pentagon bei Washington. Im vierten Flugzeug entwickelte sich ein verzweifelter Kampf zwischen den islamischen Fanatikern und den Passagieren. Der mutige Kampf der Passagiere wurde nicht belohnt, unter „Allahu akbar“ Rufen der vier Entführer stürzte das Flugzeug über dem Ort Shanksville mit 40 unschuldigen Menschen ab. Das dritte Flugzeug stürzte in das Pentagon in Arlington bei Washington, sein Flugbenzin explodierte und löste einen Großbrand aus. An dieser Stelle starben an Bord der Maschine 64 Personen, darunter die fünf Entführer und 125 Menschen im Gebäude. Die in das WTC geflogenen Jets wirkten wie große Brandbomben und brachten die Türme zum Einstürzen. Viele Menschen in den Türmen lehnten sich aus den Fenstern um noch atmen zu können, viele von ihnen stürzten sich verzweifelt in den Tod. Fünf weitere Gebäude des WTC wurden ebenfalls zerstört, ebenso vier U-Bahn-Stationen und 23 weitere Gebäude, die das WTC umgaben. Über 17.410 Menschen konnten aus den Gebäuden evakuiert werden. Knapp 3000 Menschen kamen bei den islamischen Anschlägen ums Leben.

Die Dschihadisten des 11. September waren privilegierte arabische Studenten und wie in den Abschiedsbriefen und Videos offensichtlich wurde, waren die Terroristen nicht nur der Hamburger Zelle zutiefst religiös, sie kamen aus streng religiösen Familien und waren in Deutschland in eine bereits existierende islamistische Infrastruktur, bestehend aus Moscheen, Personen und islamischen Vereinigungen, eingebunden. Unter dem Schutz der Taliban und der pakistanischen Dschihadisten koordinierte Osama bin Laden mit seinen „Freiheitskämpfern“ den Terror gegen den Westen in Afghanistan. Weil die Taliban sich weigerten ihn auszuliefern bombardierten US-amerikanische und britische Bomber die Taliban und das Al-Qaida-Netzwerk. Die SPD unter Gerhard Schröder mit den Grünen sprachen nun von „uneingeschränkter Solidarität“ und so beteiligte sich Deutschland nach dem Angriffskrieg gegen Jugoslawien ein weiteres Mal an einem Krieg, diesmal in Afghanistan. Dieselben Politiker die der Sowjetunion den „Einmarsch“ in Afghanistan vorhielten befahlen nun dasselbe.

Während der Jahre blieb Pakistan mit seiner 2.450 Kilometer langen gemeinsamen und kaum kontrollierbaren Grenze eine wichtige Drehscheibe für den islamischen Terrorismus. In den Koranschulen Pakistans wurden die Taliban-Terroristen zu Tausenden ausgebildet, ohne dass der Westen etwas dagegen unternommen hätte. Die USA waren nicht in der Lage so viele Terroristen zu töten oder gefangen zunehmen als Koranschulen radikale Prediger anwerben konnte. Was die meisten „Terrorexperten“ bis heute nicht verstehen wollen oder können, wie bei allen Richtungen des Terrorismus ist der Terror erst zu Ende, wenn seine Ideologie am Ende ist.

US-Präsident Joe Biden übernahm Trumps Afghanistan-Rückzugspläne, annullierte aber die Bedingungen, auf die sein Vorgänger noch bestanden hatte und verkündete stattdessen einen „bedingungslosen Rückzug“. Als die USA und die westlichen Verbündeten dann ihre Truppen im August 2021 aus Afghanistan abzogen, überrannten 60.000 Taliban die vom Westen ausgerüstete afghanische 260.000 Mann starke Armee innerhalb von wenigen Tagen, teilweise ohne dass ein Schuss gefallen ist. Ganz offenbar gehört der Islam zu Afghanistan und säkulare Muslime sind klar in der Minderheit. Der Islam reglementiert mit seiner Scharia nun wieder in Afghanistan den Alltag, bestimmt Politik, Justiz, Wissenschaft, Arbeit, Freizeit und Kultur.  In Afghanistan werden Frauen wieder Menschen zweiter Klasse, Andersdenkende, Oppositionelle, Ungläubige und Homosexuelle werden wieder verfolgt gefoltert und ermordet. Für die Taliban, für die Mullahs im Iran und die anderen islamischen Machthaber ist die Scharia die einzig gültige Gesellschaftsordnung. Diese „Ordnung“ wird der muslimischen Bevölkerung mit Gewalt, mit militärischen Mitteln und mit Terror aufgezwungen. Der Sieg der Taliban in Afghanistan wird Islamisten aller Schattierungen einen gewaltigen Auftrieb geben und zu weiterer Expansion ermutigen. Ein Beleg dafür waren die Gratulationen von diversen islamischen Staatsmännern und Terrororganisationen.  Die Hamas gratulierte wie viele westliche linke Antiimperialisten den Taliban zu ihrem Sieg über die Aufklärung und die USA.

Zwanzig Jahre versuchte der Westen mit militärischen Mitteln die Islamisten in Afghanistan zu bekämpfen. Die Ursache des islamischen Terrors, also die dahinterstehende Ideologie wurde zu keinem Zeitpunkt, weder in Afghanistan noch an einem anderen Ort dieses Planeten von westlichen Politikern oder in den Mainstreammedien thematisiert und kritisiert. Der Krieg in Afghanistan war nicht nur ein Bürgerkrieg, der Krieg des Islam ist ein globaler Krieg, wie die unzähligen islamischen Anschläge, nicht nur in der westlichen Welt in New York, in Brüssel, in London, in Madrid,  in Paris im Bataclan, bei Charlie Hebdo oder in Berlin gezeigt haben. Die Mullahs aus dem Iran exportieren ihren Terror in den Nahen Osten, vor allem gegen die westliche Demokratie Israels und unzählige andere islamische Terrorgruppen wie Boko Haram, wie der IS, die Hamas, die Hisbollah, die Muslimbruderschaft oder Dchihad Islami morden, foltern, quälen und unterdrücken die Menschen im jeweiligen Herrschaftsbereich, allein in Nigeria haben die Dschihadisten in den letzten10 Jahren rund 40 000 Menschen getötet und zwei Millionen, darunter 500 000 Kinder, in die Flucht getrieben.

Der politische Islam ist eine gewalttätige Ideologie, die Krieg führt gegen die Aufklärung und die westlichen Werte, wie Gleichberechtigung, Freiheit und Brüderlichkeit. Die westliche Identitätspolitik verhindert seit Jahren so gut wie jede Diskussion über die Zumutungen des Islam, jede Kritik über das Wesen und die Ziele des politischen Islam werden bewusst verhindert. Westliche Regierungen finanzieren in ihrer tödlichen Toleranz, in ihrer blinden Naivität und nicht zuletzt wegen ihres eigenen Antisemitismus den Islamismus mit Steuergeldern. Die EU finanziert beispielshalber mit Steuergeldern die antisemitischen Schulbücher der UNWRA im Gazastreifen, hunderte Millionen von EU-Euro fließen jährlich an das Erdogan-Institut für „islamfeindliche Forschung“. Islamistische Verbände wie die türkische Religionsbehörde Ditib, der „Zentralrat der Muslime“ oder Milli Görüs werden nicht verboten, sondern mit Steuergeldern durch kulturrelativistische Politiker von CDU, FDP, Grünen, Linken und SPD gefördert. Das Islamverständnis der Taliban und dieser Islamverbände hat dieselbe Tradition und der Terror der Taliban ist identisch mit dem Terror ihres Religionsgründers Mohammed. Der Nährboden der islamischen Ideologie ist Frauenverachtung, die Ablehnung säkularer Lebensentwürfe, Antisemitismus, Homophobie, die Sexualisierung von Moral, Führerkult und Machtgewinn durch Angst und Terror. Seit Jahrzenten werden in der westlichen Welt postkoloniale und postmoderne Theorien gelehrt, weshalb die überwiegende Mehrheit der Journalisten in den Mainstreammedien oder die Berater in Politik und Wirtschaft versuchen sich im Islam-Appeasement gegenseitig zu übertreffen. 

Seit kurzem ist beispielsweise bekannt geworden, dass die Islam-Apologetin Nemi El-Hassan ab Oktober das WDR-Wissenschaftsmagazin „Quarks“ moderieren wird. Nemi El-Hassan relativierte islamistische Gewalt, in dem sie den mörderischen „Dschihad“, den Kampf gegen Juden und andere Ungläubige, mit „freundlich sein“, „arbeiten“ und „geduldig sein“ übersetzte. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Nemi El-Hassan im Jahr 2014 am islamistischen und antisemitischen Berliner Al-Kuds-Marsch mit den Aufrufen zur Vernichtung Israels teilnahm.

Die antisemitische und antiimperialistische Gruppe „Marx21“ der Linkspartei veröffentlichte eine Übersetzung aus dem antizionistischen Internetportal Mondoweis in dem der Sieg der Taliban über die USA als „Wendepunkt in der Weltgeschichte“ gefeiert wird. In der Taz unterstellt ein Georg Diez den USA in Afghanistan eine „Herrschaft des Terrors“ wobei der im Westen grassierende Rassismus für den Krieg verantwortlich sei. Abgerundet wird die todbringende Farce durch den Umstand, dass Islam-Apologeten und Israel-Gegner wie Jürgen Todenhöfer nach wie vor gerngesehene Gesprächspartner in den diversen Talkshows und politischen Magazinen sind.

Zwanzig Jahre nach dem 11. September werden in Deutschland Weihnachtsmärkte mit Betonpollern und bewaffneter Polizei gesichert und gleichzeitig wird das Thema Islamismus in den Parlamenten und in den öffentlich-rechtlichen Medien mehr oder weniger totgeschwiegen. Im Namen der Religionsfreiheit predigen Salafisten in Deutschland straffrei ihren Hass gegen Ungläubige und Juden während ihre Kritiker öffentliche Auftritte nur unter Polizeischutz durchführen können. Solange westliche Regierungen und die ihnen angeschlossenen Medien mit ihren kulturrelativistischen und woken „antirassistischen“ Protagonisten, den Islam, dem seit seiner Gründung eine politische und kriegerische Agenda innewohnt, in den eigenen Ländern unterstützen, solange sie von einem „moderaten Islamismus“ halluzinieren, solange man nur die Dschihadisten kritisiert, aber nicht die theologische Quelle ihres Hasses, darf man sich über die Siege der Islamisten und ihre zukünftigen Terroranschläge nicht wundern. So sind die westlichen Islam-Apologeten mitverantwortlich für die überdimensionale Blutspur des Islamismus der letzten zwanzig Jahre, sie hatten in übertragenem Sinn ihre Hände an dem Messer das Samuel Pati den Kopf abtrennte.

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Der Kronzeuge

19. Juli 2021

Vor gut 100 Jahren wurde der österreichische Lyriker und Essayist Erich Fried am 6. Mai 1921 in Wien geboren. Erich wuchs in einer jüdischen Familie auf, sein Vater Hugo starb im Mai 1938 an den Folgen eines Verhörs durch die Gestapo. Daraufhin emigrierte Erich Fried über Belgien nach London, wo er bis zu seinem Tod 1988 lebte. Die Großmutter von Fried, Malvine wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine große Bekanntheit verschaffte sich Erich Fried mit seinen Liebesgedichten und seinen Gedichten über das Leben und den Tod.

Im Jahr 1963 wurde Erich Fried Mitglied der überwiegend antizionistischen Gruppe 47 und mindestens so beliebt wie seine Liebesgedichte wurden in den entsprechenden Kreisen seine antisemitischen Gedichte. Frieds Gedichtband „Höre, Israel!“, der nach dem zentralen Glaubensbekenntnis des Judentums „Sch‘ma Israel“ benannt ist, kann heute als Paradebeispiel für linken Antisemitismus angeführt werden: „Wollt jetzt wirklich ihr die neue Gestapo sein die neue Wehrmacht die neue SA und S.S. und aus den Palästinensern die neuen Juden machen? Ihr Hakenkreuzlehrlinge, ihr Narren und Wechselbälge der Weltgeschichte, denen der Davidstern auf euren Fahnen sich immer schneller verwandelt in das verfluchte Zeichen mit den vier Füßen, das ihr nun nicht sehen wollt, aber dessen Weg ihr heut geht!“

Erich Fried war beseelt von seiner Agitation gegen Israel. Noch wenige Monate vor seinem Tod am 6.9.1988 äußerte sich Fried in der „Hamburger Morgenpost“ zu den Anti-Israel-Parolen der besetzten Häuser in der Hafenstraße, wenige Tage zuvor hatte in der Zeitung der jüdische Autor Michel R. Lang dagegen protestiert: „Natürlich ist es traurig und bitter, wenn in Hamburg an den Häusern der Hafenstraße stehen muss ‚Boykottiert Israel‘. Gewiss, man denkt dabei an die Schand-Nazi-Losung ‚Kauft nicht bei Juden‘. Aber, Hand auf’s Herz, wer denkt bei den Verbrechen der israelischen Regierung gegen die Palästinenser nicht auch an die Nazi-Verbrechen gegen die Juden? Solange das nicht aufhört, sind diese Losungen leider notwendig und richtig.“

1975 hat Erich Fried in der „Frankfurter Rundschau“, unter Berufung auf seinen durch die Gestapo ermordeten Vater, in einem offenen Brief den Auschwitzüberlebenden und KZ-Häftling von Speers „Betriebs“ Dora-Nordhausen, Jean Améry kritisiert, weil dieser den NS-Rüstungsminister Speer öffentlich aufgefordert hatte, „sich aus purer Dezenz Schweigen zu gebieten“ und im Stillen zu sühnen. Fried belehrte Amery in einem offenen Brief, um Menschlichkeit, Recht und Gerechtigkeit stünde es „heute in der Bundesrepublik leider nicht so gut, dass wir irgendeinem Menschen raten sollten, nur in Einsamkeit zu bereuen und zu sühnen.“

Erich Fried war nicht nur bestimmten Alt-Nazis wohlgesonnen, er war auch ein großer Freund von Horst Mahler und vor allem Ulrike Meinhof und der RAF. In seinem Gedicht „Die Anfrage“ jammert Fried über die hohen Haftstrafen der RAF.  Erich Fried schrieb weiter in seinem Gedicht „Die Anfrage“: „Mit Verleumdung und Unterdrückung und Kommunistenverbot und Todesschüssen in Notwehr auf unbewaffnete Linke gelang es den Herrschenden eine Handvoll empörter Empörer Ulrike Meinhof Horst Mahler und einige mehr so weit zu treiben dass sie den Sinn verloren für das was in dieser Gesellschaft verwirklichbar ist. Was weiter geschah war eigentlich zu erwarten: Wieder Menschenjagd Wieder Todesschüsse in Notwehr die bekannten Justizmethoden die bekannten Zeitungsartikel und die Urteile gegen Horst Mahler und gegen Ulrike Meinhof …“ Ulrike Meinhof, die ihren Gefängnisaufenthalt mit Auschwitz verglich, die die bestialische Ermordung der israelischen Sportler 1972 duch palästinensische Terroristen rechtfertigte, die Mosche Dajan mit Himmler gleichsetzte, verherrlichte Erich Fried bei ihrer Beerdigung  als die „Rosa Luxemburg unserer Tage“ und als „größte deutsche Frau seit Rosa Luxemburg“. Die Erschießung von Georg von Rauch bezeichnete Fried in einem Leserbrief an den Spiegel als „Vorbeugemord.“ Wie in den Bekennerschreiben der RAF setzte Erich Fried in seinen Gedichten das NS-Regime und die USA gleich. Die Vernichtung der Juden war in Frieds Gedichten eine persönliche Angelegenheit Hitlers und wie in den RAF-Bekennerschreiben relativierte Fried mit seinen USA- und Israel-Gleichsetzungen die NS-Verbrechen.

Neben den Kadern der RAF freundete sich Erich Fried 1983 mit dem Anführer der damaligen Neonazi-Szene Michael Kühnen an, der den Holocaust leugnete, Adolf Hitler verehrte und sich offen zum Nationalsozialismus bekannte. Kühnen gründete mehrere militante rechtsextreme Gruppierungen und im 2. Golfkrieg wollte er an der Seite des Iraks gegen die USA kämpfen. Nach einer geplatzten Talksendung, in der Kühnen ein und ausgeladen wurde, besuchte der jüdische Lyriker Kühnen stundenlang im Gefängnis. Anschließend diskutierten der linke Antizionist und der fanatische Rechtsextremist in 16 Briefen in ernsthaftem, aber sehr freundschaftlichem Ton unter anderem darüber, ob Frieds Großmutter tatsächlich in Auschwitz ermordet wurde. Fried war begeistert vom Holocaustleugner Kühnen, verständig, väterlich bagatellisierte er jede Gemeinheit als Irrtum und jedwede Niedertracht als bloße Unachtsamkeit. In der „Frankfurter Rundschau“ protestierte Fried als “linker Schriftsteller, Kind jüdischer Eltern und Flüchtling vor Hitler“ gegen die Verurteilung des Neo-Nazis Michael Kühnen zu vier Jahren Haft. Das Urteil war laut Fried ungerecht und zeuge von einem Mangel an Feindesliebe, „diesen meines Erachtens subjektiv ehrlichen und keineswegs eingefleischt bösartigen jungen Menschen unbedenklich zum Verbrecher zu stempeln“. Darüber hinaus bot Fried Kühnens Verteidiger an, vor Gericht als „Charakterzeuge“ zugunsten des antizionistischen Rechtsextremisten auszusagen. Der „taz“ teilte Fried mit, Kühnen habe ihn „positiv beeindruckt“, indem er sich „für die SA, aber nicht für die SS“ ausgesprochen habe. Nach seiner Haftentlassung ließ sich Kühnen erneut zum „Führer“ der FAP ausrufen und seine „Antizionistische Aktion“ bekannte sich nach wie vor offen zum nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus: „Ohne Lösung der Judenfrage, keine Erlösung der Menschheit.“ Erst Kühnens Homosexualität brachte seiner Organisation schon im Gefängnis einen ersthaften Richtungsstreit und nachdem Kühnen 1991 an den Folgen seiner Aids-Erkrankung verstarb lösten sich die Kameraden auf und suchten Unterschlupf in anderen rechtsextremen Verbindungen.

Neben seinem Hass auf den demokratischen Staat Israel, seiner Solidarität für diverse Terroristen aus der RAF war Erich Fried mit seiner skurrilen Parteinahme für Neonazis und seiner Großherzigkeit Ex-Nazis gegenüber, ein Musterbeispiel für jüdischen Selbsthass und linken Antisemitismus. Die Liste jüdischer Selbsthasser ist freilich sehr lange. Jüdische „Israelkritiker“ wie beispielsweise Noam Chomsky, Moshe Menuhin, Felicia Langer, Ilan Pap­pe oder Norman Finkelstein sind in Deutschland so populär weil sie den hiesigen Antisemiten als Kronzeugen dienen. Der russisch-jüdische Apostat Jakow Brafman (1824-1879) war Autor des antisemitischen Machwerks von 1869 „Das Buch vom Kahal“. Die jüdische Minisekte Neturei Karta demonstrierte mit Gleichgesinnten im Jahr 2011 in Berlin beim antisemitischen Aufmarsch zum Al Quds-Tag. Beispielshalber setzte sich Noam Chomsky, der Sohn des jüdischen Hebraisten William Chomsky  für den Holocaustleugner Faurisson ein ( „Ich sehe keine antisemitischen Implikationen darin, die Existenz von Gaskammern oder selbst des Holocaust zu bestreiten). Chomsky hält es außerdem für ausgemacht, „dass die Sharon-Regierung ein einziges riesiges Labor zur Züchtung des Antisemitismus-Virus darstellt”. Die Tochter des ehemaligen Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland Evelyn Hecht-Galinski phantasierte von der „Ausrottungspolitik des jüdischen Apartheid-Staates.“

Erich Frieds Hass gegen Israel war grenzenlos, was nicht nur der Band „Höre Israel“ eindrucksvoll belegt. Seine Kumpanei mit den mörderischen antisemitischen Terrorbanden der PLO ging so weit, dem Staat Israel seine Existenzberechtigung abzusprechen und das demokratische Israel mit dem „Dritten Reich“ gleichzusetzen. In einem TAZ-Interview halluzinierte Fried, er glaube, dass „ein Staat Israel, der Bürger verschiedener Rechtsstufen postuliert, eben so wenig Daseinsberechtigung hat wie das Dritte Reich“.

Dazu schrieb Hendryk M. Broder vor vielen Jahren im Spiegel: „Ein leibhaftiger Jude, ein Opfer des Hitlerfaschismus gar, der als Kronzeuge für die »Verbrechen des Zionismus« auftritt, der von Theodor Herzl sagt, er habe mit seinem „Judenstaat“ das Vorbild für Hitlers „Mein Kampf“ geliefert der von der „Nachahmung faschistischer Verhaltensweisen durch Zionisten“ spricht und dabei nur eine Abweichung anerkennt: „Im Unterschied zu den Nazis haben die Israelis bis jetzt keine Gaskammern gebaut“ – ist genau der Alibi-Jude, den eine marode Gesellschaft braucht, um ihre eigene Vergangenheit von den Opfern, die sie produziert hat, bewältigen zu lassen. … Frieds Großherzigkeit Ex-Nazis gegenüber kann vermutlich nur mit der Psychopathologie eines Opfers erklärt werden, das sich, aus Furcht vor weiterer Viktimisierung, vorbeugend bei den Tätern anbiedert. Wenn er sie als gute, besserungsfähige Menschen anerkennt, dann werden sie ihn, so hofft es in ihm, beim nächsten Aufräumen aus Güte und Einsicht verschonen.“

Mit Michael Kühnen und Ulrike Meinhof und Horst Mahler, die mit den Terrorbanden der PLO paktierten, verband Erich Fried, neben der Gegnerschaft zur bestehenden Ordnung vor allem der Hass auf den jüdischen Staat Israel. So ist es keine Wunder, dass für heutige Gegner Israels Erich Fried der perfekte jüdische Kronzeuge ist. In den Großstädten Deutschlands finden deshalb immer wieder antizionistische Happenings mit Lesungen von Frieds „Höre, Israel!“ statt. Eine Gesellschaft die zuerst alles unternimmt um die Juden zu vernichten und dann darüber wacht, dass die überlebenden Juden nicht rückfällig werden, braucht den antisemitischen Juden als „Alibi, Kronzeugen und Projektionsgestalt“ und der überlebende Jude glaubt vermutlich, dass er „bei der nächsten Zugfahrt einen Fensterplatz“ bekommt (H.M. Broder). Was früher der Übertritt zum Christentum war, das ist heute die Konversion zum “Antizionismus.”

Der großartige österreichische Schriftsteller und Auschwitzüberlebende Jean Améry, der Erich Fried intellektuell und moralisch um Lichtjahre überlegen war, erkannte sehr früh. dass der Antisemitismus im Antizionismus enthalten sei „wie das Gewitter in der Wolke“. Améry, der bereits 1977 den Regionalismus als Ideologie- und Ersatzrevolution demaskierte, der, als es die Grünen noch nicht gab, konstruierte „Identitäten“ und „Kulturen“ als gefährliche Ideologie demaskierte, erkannte als einer der ersten, dass es zunehmend die Linke war, die begann, Positionen zu vertreten, die ehemals der extremen Rechten eigen waren. Wenn sich also heutige postkoloniale Pseudolinke, autonome Regionalisten, Marburger Bibelkreise, begeisterte TAZ-Leser und taube Deutschlandfunk-Hörer mit islamischen Antisemiten für den Antizionismus eines Erich Fried begeistern, sei ihnen ins Stammbuch geschrieben was der Auschwitzüberlebende Jean Améry diesem Antizionisten am 26.10.1975 geantwortet hat. Vermutlich hat Erich Fried Amérys Feststellung von der Mitschuld der linken Antizionisten am Genozid einfach nur überlesen:

„Lieber Erich Fried:

Es ist an mir, Ihnen zu danken für den Offenen Brief, den Sie in der FR in Sachen Speer an mich richteten, denn er gibt mir Gelegenheit zu mancher Klärung….

Enger: ich spreche aus dem Hause, eben, wie ich es sagte, als einstiger „persönlicher Angestellter“ des widrigen Mannes, der als Rüstungsminister vollverantwortlich war für alles, was in nazideutschen Rüstungsbetrieben vor sich ging, der also, was immer er heute beteure, selbstverständlich hat wissen müssen, auf welch grausame Weise Hunderttausende in seiner „Schwertschmiede“ zugrunde gingen, der übrigens, wenn die damals umlaufenden Gerüchte stimmen, eben das KZ Dora-Nordhausen (Herstellungsbetrieb der V1- und V2-Waffen) häufig besuchte, u. a. in gerade jenen Tagen, da ich selber dort die Kameraden zuhauf sterben sah. …

Weiter: im Gegensatz zu Ihnen habe ich nicht die BRD im Auge, die mich im Grunde nicht gar so sehr interessiert, von der ich zudem ohnehin weiß, daß sie die Schlächter zart behandelt. – Was ich sehe, was mich bewegt und aufrührt, das ist die weltweite Rehabilitierungswelle, die alle Erinnerungen an Nazismus, Faschismus, Collaboration, Denunziation wegzuschwemmen schon im Begriffe steht….

Herr Speer bereut aufs Lukrativste. Das ist zum Übelwerden, denkt man an jene, die er vernichtete, denkt man aber auch an eine heranwachsende europäische Jugend, die infolge eben solcher Reue-Selbstgefälligkeiten sich am Ende sagen muss, nun ja, so gehe es eben zu in der Welt, Punktum. Und im Film „Portier de nuit“ wird der Nazisadismus zum Faktor sexueller Emanzipation – welch himmelschreiendes Durcheinander von stupider Ignoranz, bewusster Niedertracht, Selbstbemogelung, Merkantilismus, verächtlicher Streberei! …

Ich bin, abstämmig aus Vorarlberg, aufgewachsen in Ober-Österreich, katholisch erzogen, vom Zionismus zumindest ebenso weit entfernt wie Sie. Das ideologisch inspirierte Hora-Tanzen erscheint mir immer noch etwas blöder als der Erzherzog-Johann-Jodler und das Schuhplatteln. Jedennoch: ich stehe in der gegebenen Situation für Israel ein, ungeachtet der rabbinischen Ehegesetze, gegen die alles in mir sich sträubt, ungeachtet auch anderer theokratischer Ärgernisse, die nur noch lächerliche Rückzugsgefechte gegen eine unaufhaltsam fortschreitende Aufklärung sind. Ich stehe, sage ich, ein für Israel, denn in diesem Staate wehrt sich ein Häuflein Verzweifelter gegen eine Welt, in der sich die multinationalen Konzerne mit den neomarxistischen Denkspielern und verwirrten Gewalttätern aufs Herrlichste einig sind. Die sich missverstehende „Linke“, die nicht aufmuckt gegen den grässlichen Gorilla von Uganda, noch gegen den fanatisierten Religionswahnsinnigen Ghadafi, ist allerweilen bereit, „nationale Befreiungsbewegungen“ von der IRA bis zu den bretonischen Autonomisten, jubelschreiend zu begrüßen. Nur wo es sich um die Juden und um Israel handelt, da wird eine für einmal authentische Bewegung einer ewig gemarterten Minorität, die endlich ihre Emanzipation erringen will, zum „Imperialismus“, möglichst zum „verbrecherischen“. Über den Un- und Schwachsinn! Als ob die Israelis sich ihren einzigen „Alliierten“, den sie erleiden müssen und der seinerseits nicht zögern wird, sie zu ihm passender Zeit fallenzulassen, ausgesucht hätten!           .

Dass der Anti-Zionismus, von dem Hans Mayer in seinem Buch „Außenseiter“ so treffend gesagt hat, er sei nichts als anderes als ein Betreiben zum allgemeineren Judenhass, in der Tat verschämt-unverschämter Antisemitismus ist, wissen auch Leute wie Sartre und Mme. Simone de Beauvoir. „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden“, sagte Sartre einst in den „Reflexions“, – Dabei ist es geblieben: und die „antizionistische“ Linke macht sich schon jetzt mitschuldig am Genozid. ..“

Quellen: Erich Fried, Gedanken in und an Deutschland. Essays und Reden | Erich Fried, Höre, Israel. Gedichte und Fußnoten | Jean Amèry Werke Band 7 Aufsätze zu Politik und Zeitgeschichte | Theodor Lessing, Der jüdische Selbsthass | Arno Lustiger, Kurzer Lehrgang über den Selbsthass | Henryk M. Broder, Trauerarbeit vom lyrischen Fließband | Ulrike Meinhof, „Rote Armee Fraktion – Die Aktion des Schwarzen September in München – Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Der Terror von Würzburg und der Kniefall von Wembley

30. Juni 2021

Im Münchner Abkommen von 1938 einigte man sich darauf, dass die Annektierung von Teilen der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland toleriert wird. Kurz zuvor, am 14. Mai 1938 spielte die englische Nationalmannschaft gegen Deutschland in Berlin vor 110.000 Zuschauern. Als die deutsche Nationalhymne gespielt wurde, hoben auch die englischen Spieler ihren Arm, um den Hitlergruß zu zeigen.

Jahrzehnte später, am 29. Juni 2021 solidarisierten sich die Fußballer Englands und Deutschlands mit einem gemeinsamen Kniefall im EM-Achtelfinale in Wembley, vor einem Millionenpublikum, vor dem Anstoß mit der antisemitischen „Black Lives Matter“-Bewegung, die sich gegen angeblichen und tatsächlichen Rassismus wendet.

Black Lives Matter“ wurde 2013 von drei schwarzen Aktivistinnen in den USA gegründet. Die BLM-Mitgründerin Patrisse Cullors war 2015 Unterzeichnerin der Erklärung „Black for Palestine“. Darin werden „Solidarität mit dem palästinensischen Kampf um Befreiung“ und ein Ende von Israels „Besatzung Palästinas“ gefordert. Außerdem wird um Unterstützung für die Boykottbewegung BDS geworben.  Am 1. August 2016 publizierte BLM eine Programmschrift, in der man uneingeschränkte Unterstützung für die „Befreiung Palästinas“ und für BDS sowie die Ablehnung des „Apartheidstaats Israel“ erklärte.

Nach dem Tod des kleinkriminellen Afroamerikaners George Floyd bei seiner Verhaftung durch einen Polizisten Ende Mai in Minneapolis flammten BLM-Proteste massiv auf, es kam zu Verwüstungen und Morden, auch an schwarzen Polizisten durch die Aktivisten. Im Verlauf der Proteste war der Hass auf Juden dieser Bewegung nicht zu übersehen, denn unzählige Synagogen und jüdische Einrichtungen wurden angegriffen und entsprechende Hassgesänge waren zu hören.

In Los Angeles wurden jüdische Geschäfte zerstört und geplündert und die Statue des schwedischen Judenretters Raoul Wallenberg (1912-1947) geschändet. Viele Synagogen wurden beschädigt und mit „Free Palestine! Fuck Israel!“ besprüht.  Bei Demonstrationen beispielsweise in Washington kam es zu Hasschören gegen den „Kindermörder“ Israel. BLM-Aktivisten behaupten israelische Polizisten hätten die „Methode“ gelehrt, an der George Floyd bei seiner Verhaftung gestorben sei. In Paris schwenkten BLM-Demonstranten auf einer „Antirassismus-Kundgebung“ Palästinenserflaggen und zeigten Plakate mit den Aufschriften „Israel, Laboratorium der Polizeigewalt“, „Wer ist der Terrorist?“, „Palästina den Palästinensern! Boykottiert Israel“. Über den Place de la République scholl wie in den letzten Jahren immer häufiger der Ruf „Dreckige Juden!“.

„Black Lives Matter“ sind neben ihrem Boykott gegen Israel auch von den Ideen schwarzer rassistischer Gruppen beeinflusst wie der „Nation of Islam“. Deren Führer Louis Farrakhan lobte in seinen Reden Adolf Hitler, warnte Juden zynisch vor den Öfen der Konzentrationslager und behauptete, die Juden steckten sowohl hinter den Anschlägen vom 11. September als auch dem Holocaust. Die „Nation of Islam“ publizierte eine dreibändige pseudowissenschaftliche Studie mit dem Titel „The Secret Relationship Between Blacks and Jews“, in der neben anderen Lügen behauptet wird, Juden hätten den transatlantischen Sklavenhandel überproportional dominiert und steckten hinter einer Wiedergeburt des Ku-Klux-Klan.

Tamika Mallory, eine große Anhängerin von Farrakhan, spricht regelmäßig auf BLM-Demonstrationen, genau wie der der Rapper und Farrakhan-Anhänger Ice Cube, der seit Jahren die BLM-Bewegung unterstützt. In diesen Reden wird vor einem begeisterten Publikum von der jüdischen Weltverschwörung halluziniert. Auf den BLM-Demonstrationen von 2020, unter anderem auch in Deutschland, waren Bilder von Antisemiten wie Malcolm X und Louis Farrakhan zu sehen

Wenige Tage vor dem antisemitischen und islamistischen Kniefall von Wembley, am 25. Juni 2021 ermordete ein islamischer Terrorist aus Somalia, ein abgelehnter Asylbewerber mit subsidiären Schutzstatus, unter Allahu Akbar-Rufen, drei Frauen, Christiane H., Johanna H. und Steffi W. bestialisch mit seinem Messer und verletzte weitere Frauen zum Teil lebensgefährlich. Passanten, darunter ein Asylbewerber aus dem Iran konnten den Terroristen in Schach halten und weitere Morde verhindern. Bei seiner Festnahme meinte der Dschihadist er hätte mit seinen Mordtaten seinen „Dschihad“ verwirklicht.

Die Frauenmorde von Würzburg waren keine willkürlichen Morde, es gab ein ideologisches, ein islamistisches Motiv. Das Messer oder das Schwert hat in der Dschihadisten-Ideologie eine besondere Bedeutung, wie die Fahnen des IS oder diverser muslimischer Länder belegen. Samuel Paty, der von einem islamischen Gotteskrieger mit dem Messer auf offener Straße enthauptet wurde war eines der vielen weiteren Opfer dieser Ideologie. Die Hinrichtung mit einem Messer ist genau das was Mohammed seinen Feinden angetan hat. Die Enthauptung ist die ultimative Strafe für Ungläubige, die Ungläubigen sollen in Angst und Schrecken versetzt werden. Der Islam nimmt mit seiner Ideologie den Mördern die Schuld und rechtfertigt die Gräueltaten als gottgewollt.

Wie immer nach islamistischen Morden vermeiden Politiker und die öffentlich-rechtlichen Medien den islamischen Zusammenhang des Terrors zu benennen oder sie schweigen zu den grausamen Frauen-Morden komplett. Unmittelbar nach der Tat verharmloste Regierungssprecher Steffen Seibert den Terrorismus von Würzburg trotz der eindeutigen Hinweise und twitterte von einem „Amokläufer“ dessen „entsetzliche Tat“ sich gegen „jede Menschlichkeit und jede Religion“ gerichtet habe. Erwartungsgemäß zeigte sich auch Bundespräsident Steinmeier „erschüttert“: „Der Täter hat mit äußerster Brutalität gehandelt. Für diese menschenverachtende Tat wird er durch den Rechtsstaat zur Verantwortung gezogen“ Auch der Erlanger Grüne und ZMD-Landesvorsitzende Mohamed Abu El-Qomsan wollte die Tat von Würzburg als Amoklauf sehen und wer etwas anderes behauptet sei ein „Hetzer“.

Zu konstatieren gilt wieder einmal, nach den rechtsextremen Morden von Hanau tobte ein zurecht orkanartiger Sturm der Entrüstung und Empörung durch Politiker und Journalisten in ARD, ZDF und in den Mainstreammedien, während nach den islamischen Morden von Würzburg wie immer absolute Windstille herrschte. Winston Churchill kritisierte die Appeasement-Politik von Neville Chamberlain, er wurde nicht gehört, das Ergebnis ist bekannt. Seit Jahren werden Politikwissenschaftler wie Hamed Abdel-Samad, der die Appeasement-Politik gegenüber dem Islamismus beanstandet, ignoriert. Zu den unzähligen Morden, Vergewaltigungen und Gewalttaten in Europa durch Islamisten, kommen nun die Opfer von Würzburg hinzu und sie werden nicht die letzten sein.

In Wembley gab es weder eine Schweigeminute für die Opfer von Würzburg, noch trugen die Spieler schwarze Armbinden. Im Gegenteil, mit dem Kniefall von Wembley, dem Symbol der islamistischen und antisemitischen Black Lives Matter-Bewegung, bezeugte die DFB-Auswahl ihr Appeasement gegenüber dem islamischen Terror, dem Islamismus mit seiner Frauenfeindlichkeit und seinem ausgeprägten Hass auf die Juden.  Mit ihrem gutgemeinten Appeasement liegt die DFB-Elf, mit ihrem Sponsor Qatar Airways, wie vor vielen Jahrzenten, voll auf Regierungslinie. Im Gegensatz zu Deutschland wird in den Medien von Frankeich und in England der Islamismus und der Antisemitismus der BLM-Bewegung kritisch thematisiert, weshalb beispielsweise die englischen Fans regelmäßig während der Kniefälle ein Pfeifkonzert anstimmen.

Sympathisanten oder Verharmloser des Islamfaschismus sind ein Angriff auf die Zivilisation und auf die Werte der Aufklärung. Die Symbolik des Kniefalls kommt aus der Religion und im Islam wird ausschließlich auf den Knien gebetet. So symbolisiert der Kniefall von Wembley die Unterwerfung großer Teile der deutschen Bevölkerung gegenüber dem Islam. Die Regenbogenbinde von Manuel Neuer repräsentiert nicht Vielfalt, sondern Einfalt, angesichts der unzähligen Homosexuellen die im Namen des Islam ermordet wurden. Das identitäre antisemitische Weltbild der postmodernen „antirassistischen“ Pseudolinken scheint jedenfalls im Mainstream endgültig angekommen zu sein.

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Die Einsamkeit Israels und das Bündnis der Judenfeinde

17. Mai 2021

Vor über einer Woche begann wieder einmal ein Angriffskrieg der Hamas, des Islamischen Dschihad und der Hisbollah gegen Israel. Aus dem Libanon und aus dem Gazastreifen wurden bisher über 3000 Raketen auf die israelische Zivilbevölkerung abgeschossen. Das israelische Abwehrsystem Iron Dome kann maximal neunzig Prozent der Raketen abfangen, so kommt es zu vielen Toten, Zerstörungen und ständigen Raketenalarmen in ganz Israel. Finanziert und koordiniert werden die Bombenpogrome gegen die Juden vor allem vom islamfaschistischen Iran, aber auch mit den Hilfsgeldern der EU und Deutschlands an die mit der Hamas verbandelte UNWRA, dem UN-Hilfswerk, das ausschließlich für die Palästinenser geschaffen wurde. Den größten Anteil an den 773 Millionen UNRWA-Euro im Jahr 2020 hatte Deutschland mit 173 Millionen Euro, gefolgt von der EU mit 157 Millionen Euro.

Um seine Einwohner zu schützen bombardiert Israel als Reaktion auf die Aggression die Raketenabschussbasen der Terroristen. Die Islamisten missbrauchen ihre Bevölkerung als menschliche Schutzschilde, lagern ihre Waffenarsenale in Wohngebieten, in UNWRA-Gebäuden und benutzen die Dächer von Schulen, UNRWA-Gebäuden und Krankenhäusern als Abschussorte für ihre Raketen, weshalb, trotz aller Vorsicht der israelischen Armee, auch Zivilisten im Gazastreifen ums Leben kommen.

Nach tausendfachem Raketenbeschuss kündigte Israel Mitte der Woche eine Bodenoffensive an, am 13. Mai twitterte die IDF: „Luft- und Bodentruppen der IDF greifen derzeit im Gazastreifen an.“ Nicht nur die ausländischen Medien, auch die Hamas fiel auf die Finte herein. Die erste Reihe der Terroristen zog sich in ihr Tunnelsystem zurück von wo aus sie die israelischen Soldaten angreifen wollten. Darauf bombardierte die israelische Luftwaffe das Tunnelsystem und schickte hunderte Antisemiten zu ihren 72 Jungfrauen. Alleine mit dieser Aktion wurden vielen palästinensischen und israelischen Zivilisten das Leben gerettet, wofür der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz den Friedensnobelpreis verdient hätte.

Jedem anderen Land dieses Planeten würde es zugestanden seine Bevölkerung zu schützen und sie zu verteidigen, nicht aber Israel. Die Berichterstattung in den deutschen Medien strotzt nur so vor Halbwahrheiten und Verzerrungen. Wie in jedem der vielen Kriege gegen Israel gibt es von offizieller Seite zwar formelle Israel-Solidaritätsbekundungen und Sonntagsreden über den Kampf „gegen jeden Antisemitismus‘“, die allerdings alle substanzlos sind, auch weil eine Äquidistanz signalisiert wird gegenüber dem Angriffskrieg der Islamisten und den Verteidigungsmaßnahmen Israels. Die einseitige Berichterstattung vor allem von 3Sat, der ARD oder Arte wird getoppt von einem Interview im ZDF mit der Hamas-Apologetin Helga Baumgarten, die unwidersprochen den Islamisten zugestand: „Nicht nur ihr dürft uns totschießen, auch wir [die Hamas] haben das Recht, uns zu wehren.“ Nach solchen Sendungen muss man sich nicht wundern, wenn der antisemitische Mob sich zum Verbrennen von Israel-Fahnen und Attacken gegen Synagogen ermutigt fühlt.

Wenige Jahrzehnte nach dem Holocaust treffen sich tausende junge Männer mit Migrationshintergrund und ihren verschleierten Frauen, mit Türkei- Palästina- und Iranfahnen auf den Straßen von Wien, Bochum, Gelsenkirchen, Leipzig bis Berlin, auf denselben Straßen wo vor über 70 Jahren die Juden in ihre Vernichtungslager deportiert wurden und skandieren: „Kindermörder Israel“, „Judenschweine“, fordern „Freiheit für Palästina vom Fluss bis zum Meer“, „Intifada bis zum Sieg“, also bis zur Auslöschung des jüdischen Staates“, setzen sich unter „Allahu Akbar“-Rufen für die Bombardierung von Tel Aviv ein, werfen Steine auf Synagogen und verbrennen Israelfahnen. Große Polizeiaufgebote begleiten den elenden antisemitischen Mob. Wer aber meint die antisemitischen Hetzer würden alle festgenommen, angezeigt oder wenigstens die Personalien aufgenommen irrt sich gewaltig. Die schwersten antisemitischen Ausschreitungen werden beispielsweise von der Tagesschau systematisch verschwiegen und verharmlost, in dem sie meldet: „Viele Teilnehmende wollten deutlich machen, dass sie Gewalt in Nahost verurteilen“ Die leeren und folgenlosen Worte von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier, der dem iranischen Regime regelmäßig zur islamischen Revolution gratuliert und Kränze vor islamischen Terroristen ablegt, „nichts rechtfertigt Bedrohung von Juden in Deutschland“ sind der Gipfel an Heuchelei.

Während alle möglichen islamischen Organisationen von der DITIB, Islamic Relief und Ansaar International bis zu den Muslimbrüdern in Europa Spenden für den Terror der Islamisten sammeln, outen sich diverse millionenschwere muslimische Fußballer von Mohamed Salah, Mesut Özil über Franck Ribery bis zu diversen Bundesligaspielern als Unterstützer für die Hamas und des Islamischen Dschihad. So postete Amin Younes von Eintracht Frankfurt auf Instagram: „Du musst kein Muslim sein, um Gaza zu unterstützen, sondern nur ein Mensch“. Amin Younes wurde noch vor kurzem für seinen „Antirassismus“ gefeiert, nach seinem Tor gegen Bayern München lief er zur Sei­ten­linie und hielt ein Shirt hoch, auf dem der Name und das Kon­terfei von Fatih Sara­çoğlu zu sehen war, der in Hanau von einem Rechtsradikalen erschossen wurde. Amin Younes ist ein Beispiel von unzähligen, dass der Antisemitismus die andere Seite des „Antirassismus“ ist. Dass der „antirassistische“ Verein Eintracht Frankfurt nicht das Geringste gegen Amin Younes unternimmt ist der aktuellen Geisterzeit geschuldet. In dem Zusammenhang ist es müßig zu erwähnen, dass sich dieselben Leute die sich über das Wort „Zigeunersauce“ echauffieren zum aktuellen islamischen Antisemitismus auf Deutschlands Straßen nichts zu sagen haben, ihr Schweigen ist ohrenbetäubend.

Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg belegte auf Twitter ihre Solidarität mit den islamischen Antisemiten, indem sie einen Beitrag der kanadischen Israel-Boykotteurin Naomi Klein teilte, in dem diese Israel „ein Kriegsverbrechen nach dem anderen“ vorwirft und mit dem Hashtag „GazaUnderAttack“ ihrem Hass auf Israel freien Lauf lässt. Die Raketenangriffe auf israelische Zivilisten erwähnen die beiden Klima-Aktivistinnen naturgemäß mit keinem Wort. Die Jugend-Organisation „Fridays For Future“, die offenbar wie Greta Thunberg oder Naomi Klein keinerlei Probleme mit brennenden Autoreifen und dem Feinstaub der tödlichen Hamas-Raketen haben teilten auf ihren Accounts eine Serie von Instagram-Inhalten, die allesamt auf palästinensische Propaganda-Portale verweisen. So teilt „Fridays For Future“ die Seite „Palestinian Youth Movement“, mit einer Palästina-Karte ohne Israel, dem Judenstaat wird so das Existenzrecht abgesprochen.

In einer Podiumsdiskussion saß ein fanatischer Iranregimefreund neben der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und dem grünen Co-Chef Robert Habeck und ließ seinem Hass gegen Israel freien Lauf und verteidigte den Iran bedingungslos, er behauptete beispielsweise im Iran werden keine Schwule erhängt. Anstatt den Lügen des Iran-Apologeten zu widersprechen, setzte Baerbock und Habeck den Iran und Israel auf eine Stufe. Einer der negativen Höhepunkte war Baerbocks Aussage: „Wenn Du sagst, da im Iran gibt es keine Erhängung von Schwulen, nehme ich das erst mal so hin“. Dem jüdischen Staat schulde Deutschland laut Baerbock und Habeck lediglich wegen seiner Vergangenheit Solidarität. Wie wertlos alle solidarischen Aussagen sind, macht Baerbock in einem Interview mit Thilo Jung klar, als sie meinte: „Für uns ist klar: Keine Waffenexporte in Krisengebiete.“ Der Interviewer: „Keine Waffenexporte an Staaten, die Völkerrecht brechen? Die Saudis, Israel?“ – „Genau, sagen wir nein zu“ – „Israel?“ – „Sagen wir auch: In Krisenregionen soll man keine U-Boote liefern, die dann umgerüstet werden können.“

Als die Grünen zu ersten Mal 1998 in der Regierung waren, kam es zum Tabubruch mit dem ersten Angriffskrieg, gegen Jugoslawien, nach 1945. Mit der kommenden Regierungsbeteiligung von Baerbock und Co. ist ein weiterer Tabubruch, nämlich deutsche Soldaten gegen Israel, nicht mehr völlig unmöglich. Die Ansichten der Grünen, aber auch der Linkspartei oder großer Teile der SPD erinnern an den großen Publizisten Eike Geisel, der vor vielen Jahren treffend analysierte:

„Im Namen des Friedens gegen Israel zu sein, ist etwas Neues. Denn dieses Ressentiment hat alle praktischen und politischen Beweggründe abgestreift. Dieser neue Antisemitismus erwächst weder aus niedrigen Instinkten noch ist er Ausfluss ehrbarer politischer Absichten. Er ist die Moralität von Debilen. Das antijüdische Ressentiment entspringt den reinsten menschlichen Bedürfnissen, es kommt aus der Friedenssehnsucht. Es ist daher absolut unschuldig, es ist so universell wie moralisch. Dieser moralische Antisemitismus beschließt die deutsche Wiedergutwerdung insofern, als sich durch ihn die Vollendung der Inhumanität ankündigt: die Banalität des Guten.“

Der israelbezogene Antisemitismus ist längst nicht mehr nur bei der extremen Linken, der extremen Rechten oder den Grünalternativen zu finden, er ist längst im Mainstream angekommen. Der “Otto-Normalvergaser“ (Eike Geisel) entleert sich in den sozialen Medien und in den diversen Internetforen mit Halluzinationen gegen Israel wie: „ als würde hier einer eine akribische Anleitung dafür schreiben, wie gerecht es ist, in Palästina Araber zu derklatschen … Mich verbindet mit den Arabern so gut wie nichts, doch auch mit den anderen Bewohnern Israels hab ich keine besondere Liebesbeziehung, sind alles die gleichen Fetzenschädel und gehen mir am Allerwertesten vorbei“ oder „Es geht nicht um arabische Raketen, es geht darum dass überall paranoid Antisemitismus gewittert wird, wo keiner ist, weil alle paranoid sind“ 

Diese „Israelkritiker“ empören sich von Mauthausen bis Buchenwald zurecht über den islamischen Terror in Europa, in Wien, in Paris oder am Berliner Breitscheidplatz, verlangen von ihrer Regierung endlich davor geschützt zu werden, wenn aber dieselben islamischen Terroristen in Israel dieselben Taten begehen, schlafenden jüdischen Kindern die Kehle durchschneiden, israelische Schulbusse oder Diskotheken in die Luft gejagt werden, bleiben sie erst stumm wie die Fische und verurteilen dann die israelische Regierung für Schutzmauern und „überzogene“ Reaktionen um seine Bürger zu schützen.

Es ist nicht die Glorie Herzls die über Israel schwebt, sondern der traumatisierende Schatten Hitlers, und aus diesem Vergessen erhebt sich der aktuelle Antisemitismus. Weil es in Deutschland und in Österreich kaum noch Juden gibt, richtet sich der Hass auf Israel. Die Solidarität mit der Hamas, dem Iran, der Hisbollah und dem islamischen Dchihad ist eine Parteinahme für einen „großen faschistischen Heimatvertriebenenverband“ und Ausdruck des Bedürfnisses, die beschädigte nationale Identität wiederherzustellen.“  Bereits 1982 warnte Wolfgang Pohrt vor den antisemitischen Weltfriedensrichtern wie sie auch bei ARD und ZDF zu hören sind: „Vormundschaft und Sorgerecht für das Opfer werden dem Täter zugesprochen. Mit den Verbrechen, die Deutschland an den Juden und an der Menschheit beging, hat es sich eigenem Selbstverständnis, gemäß das Vorrecht, die Auszeichnung und die Ehre erworben, fortan besondere Verantwortung zu tragen. Der Massenmord an den Juden verpflichte, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter den Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht — frei nach der jesuitischen Devise, dass nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe“

Wenige Ausnahmen in der Politik bestätigen das erbärmliche Bild, das Deutschland, Österreich und Europa in der Welt derzeit abgeben. So ließ beispielsweise Bundeskanzler Sebastian Kurz aus Solidarität eine Israelfahne auf dem österreichischen Bundeskanzleramt hissen und Cem Özdemir schrieb in Facebook: „Israel liegt unter Dauerfeuer von tausenden Hamas-Raketen. Geschützt wird das Land im Moment nicht durch warme Worte, sondern das Raketenabwehrsystem Iron Dome. Das muss man ganz klar sagen. Israel hat in dieser bedrohlichen Situation, in der auch das Kernland wieder angegriffen wird, natürlich das Recht auf Selbstverteidigung. …“

Es wächst in dieser Geisterzeit zusammen was längst zusammengehört, das Bündnis von islamischen Terroristen, antisemitischen Migranten und Asylbewerbern, welche ihren Antisemitismus mit der Muttermilch aufgenommen haben, linken und grünalternativen „Weltfriedensrichtern“ mit der „Moralität von Debilen“, den alten reaktionären NPD-Funktionären und dem beschriebenen „Otto-Normalvergaser.“ Sie alle eint der Hass auf Israel, dem Staat der Überlebenden des Holocaust, ein Antisemitismus, der freilich verschiedensten Ursprung hat, sekundär, islamisch, rechtsradikal, postkolonial oder antirassistisch.

In der Charta der Hamas wird die Ermordung aller Juden gefordert und die PLO zitiert bei den offiziellen Feiern zu ihrer Gründung gerne einen Hadith, der die Ermordung aller Juden zur Vorbedingung für die Stunde der Auferstehung der Toten erklärt: „Der jüngste Tag wird nicht kommen, bis die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen:  ,Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn.’“

Der Antirassismus und das Weltbild der postkolonialen, antirassistischen Linken ist tief mit dem Antiamerikanismus. dem Antikapitalismus, der Ablehnung der Moderne, sowie  der Absage an die Errungenschaften der Französischen Revolution und der Aufklärung verflochten, deshalb sympathisieren große Teile dieser „Israelkritiker“ mit der Hamas und anderen islamischen Terrorbewegungen. In ihrem Anti-Israelismus oder Antizionismus ist der Antisemitismus enthalten wie das Gewitter in der Wolke. (Jean Améry)

Adolf Hitler schrieb 1925 in „Mein Kampf“: “Denn indem der Zionismus der anderen Welt weiszumachen versucht, dass die völkische Selbstbesinnung des Juden in der Schaffung eines palästinensischen Staates seine Befriedigung fände, betölpeln die Juden abermals die dummen Gojim auf das gerissenste. Sie denken gar nicht daran, in Palästina einen jüdischen Staat aufzubauen, um ihn etwa zu bewohnen, sondern sie wünschen nur eine mit eigenen Hoheitsrechten ausgestattete, dem Zugriff anderer Staaten entzogene Organisationszentrale ihrer internationalen Weltbegaunerei; einen Zufluchtsort überführter Lumpen und eine Hochschule werdender Gauner.“ Wegen dem Antizionismus von Adolf Hitler und der NSDAP solidarisieren sich die ewig Gestrigen um die NPD mit der Hamas und dem Islamischen Dschihad.

Die Shoah war ein Massaker an wehrlosen Menschen. Die Juden sind seit der Gründung Israels fähig sich selbst zu verteidigen. Diese Tatsache macht die Antisemiten dieser Welt fassungslos. Der Antisemitismus ist der Grund für den Nahostkonflikt, nicht umgekehrt. Israel führt nicht Krieg, wie zum Beispiel die Deutschen ihre Kriege geführt haben und führen. Israel führt Krieg, um den Juden endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Die Juden versuchen nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren, sie versuchen sich zu retten.

Dem großen französischen Philosophen und Freund Israels Jean Paul Sartre war dies alles schon vor vielen Jahrzenten bewusst und so schrieb er in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“: „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden.“

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Terror gegen Israel: Greta Thunberg und ihre antisemitischen Klimaaktivisten

11. Mai 2021

Ende des 19. Jahrhunderts, als Jerusalem zum Osmanischen Reich gehörte war die Bevölkerungsmehrheit in der jetzigen Hauptstadt Israels jüdisch. Von 1936 bis 1938 wurden viele Juden vom Großmufti al-Husseini und seinen antisemitischen Mördern aus den diversen jahrtausendelang jüdischen Stadtvierteln Jerusalems ermordet und als Jordanien 1948 völkerrechtswidrig Ost-Jerusalem besetzte, wurden die letzten Juden vertrieben und ihr Eigentum beschlagnahmt. Seit 1967 ist Jerusalem wiedervereint. Seit Jahren klagen seither jüdische Familien die 1948 aus ihren Häusern vertrieben wurden, gegen die in ihren Häusern lebenden arabischen Palästinenser und wenn ihnen israelische Gerichte Recht geben, nehmen Palästinenser, wie aktuell dies zum Vorwand für ihre Terroraktionen.

Seit Tagen greifen deshalb Palästinenser, welche ohnehin von einem judenfreien Jerusalem träumen, jüdische Gläubige und israelische Sicherheitskräfte mit Steinen an, worauf die israelische Polizei Gummigeschosse und Tränengas einsetzte. In diversen israelischen Städten machen arabische Jugendliche die Straßen unsicher, verbreiteten Angst und Schrecken zündeten Fahrzeuge und Reifen an und werfen Steine und Molotow-Cocktails auf jüdische Kindergärten und Häuser. In Jerusalem versuchten beispielsweise arabische Muslime drei israelische Insassen eines PKWs zu lynchen, ein israelischer Polizist konnte dies in letzter Minute verhindern.

Unterstützt werden die islamischen Antisemiten seit Montag von der islamfaschistischen Hamas und dem Islamischen Dschihad welche die Zivilbevölkerung Israels mit bisher rund vierhundert Raketenangriffen terrorisiert. Das israelische Raketensystem „Iron Dome“ kann nur 90 Prozent der Pogrom-Raketen abfangen, so treffen die Raketen zivile Ziele in Jerusalem und beispielsweise eine Schule in Aschkelon und mittlerweile auch auf andere israelische Städte. Israel ist gezwungen seine Bewohner zu verteidigen und reagierte auf die Angriffe mit Raketen auf bisher 130 militärische Ziele im Gazastreifen.

Während der palästinensische Terror wieder einmal sein faschistisches Gesicht zeigt, schweigt Europa. Immerhin schrieb CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak auf Twitter. „Die CDU steht an der Seite der Menschen in Jerusalem und verurteilt die terroristischen Raketen-Angriffe der Hamas. Der Terror muss sofort aufhören!“ Konkrete Solidarität mit Israel ist freilich von keiner Partei im Bundestag zu erwarten. Der Spruch von der Staatsraison war und bleibt leeres Gerede und die öffentlich-rechtlichen Medien von ZDF und ARD scheren ohnehin Opfer und Täter über einen Kamm und verharmlosen wie folgt die Raketen-Pogrome der Hamas: „Unruhen in Jerusalem, hunderte Verletzte sind zu beklagen.“

Wie es immer war und immer sein wird, wenn Israel von Antisemiten angegriffen wird und sich verteidigt, wagen sich die diversen „Israelkritiker“ aus ihrer Deckung. Black-lives-Mater-Antirassisten, postkoloniale Linke und Queer-Aktivisten und nicht zuletzt die aktuellen Klimaschützer-Bewegung eint wenige Jahrzehnte nach Auschwitz dasselbe Feindbild, der Staat Israel.

Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg belegte auf Twitter ihre Solidarität mit den islamischen Antisemiten, indem sie einen Beitrag der kanadischen Israel-Boykotteurin Naomi Klein teilte, in dem diese Israel „ein Kriegsverbrechen nach dem anderen“ vorwirft und mit dem Hashtag „GazaUnderAttack“ ihrem Hass auf Israel freien Lauf lässt. Die Raketenangriffe auf israelische Zivilisten erwähnen die beiden Klima-Aktivistinnen naturgemäß mit keinem Wort.

Die Jugend-Organisation „Fridays For Future“, die offenbar wie Greta Thunberg oder Naomi Klein keinerlei Probleme mit brennenden Autoreifen und dem Feinstaub der tödlichen Hamas-Raketen haben teilten auf ihren Accounts eine Serie von Instagram-Inhalten, die allesamt auf palästinensische Propaganda-Portale verweisen. So teilt „Fridays For Future“ die Seite „Palestinian Youth Movement“, mit einer Palästina-Karte ohne Israel, dem Judenstaat wird so das Existenzrecht abgesprochen.

Die Anti-Israel-Greta und alle ihren Verbündeten huldigen den islamfaschistischen Terrororganisationen, die alle Juden dieser Welt ermorden wollen, die Frauen wie Menschen zweiter Klasse behandeln, die jede emanzipatorische Opposition verfolgten foltern und ermorden, die Schwule verfolgen, foltern und ermorden und die sich während ihrer Mordtaten gegen Juden hinter Frauen und Kindern verstecken. Gleichzeitig dämonisieren und delegitimieren die „Israelkritiker“ die einzige Demokratie, den einzigen Rechtsaat im Nahen Osten. In Israel haben Araber mehr Rechte als in jedem anderen arabischen Land. In Israel werden Homosexuelle nicht strafrechtlich verfolgt. Israels Armee versucht mehr als jede andere Armee in dieser Welt zivile Opfer auf Seiten des Gegners zu vermeiden. Israel liefert seinen Gegnern gratis Strom. Israel ist ein Land das denen, die es vernichten wollen in seinen Krankenhäusern deren Kranke und Verwundete versorgt. Israel ist ein Land, das jedes Leben so sehr schätzt, dass es lieber Dutzende Mörder freilässt als ein einziges zu opfern.

Apropos braune Grüne oder grüne Braune: Der Landschaftsarchitekt Alwin Seifert  sorgte als „Reichslandschaftsanwalt“ dafür, dass die Seitenstreifen der neuen Autobahnen mit heimischen Bäumen bepflanzt wurden. Steppenlandschaften bezeichnete er als „undeutsch“ und forderte, von der Wehrmacht die im Osten eroberten Gebiete mittels Feldhecken „einzudeutschen“. Außerdem war Seifert für den Kräutergarten der SS im KZ Dachau beteiligt, in dem biologisch-dynamische Anbaumethoden getestet wurden. Seifert wurde nach dem Krieg Ehrenvorsitzender des Bundes Naturschutz. Der „grüne Flügel“ in der NSDAP um Walther Darré und Alwin Seifert  schwärmte für regenerative Energien, alternative Heilkunst und biologische Landwirtschaft. Landwirtschaftsminister Walther Darré kooperierte mit Demeter, Weleda und den anthroposophischen, biologisch-dynamischen Landwirten. Die Artamanen innerhalb der NSDAP verbanden den völkischen Okkultismus der Ariosophie mit der Naturschwärmerei der Lebensreform, den Ideen der Naturschutzbewegung und dem Kulturpessimismus Oswald Spenglers. Sie verherrlichten die Bauern als die einzigen “organischen Menschen” und predigten die Abkehr von der “internationalen Asphaltkultur der Großstädte”.

Wenn sich die Klimaaktivisten nicht sehr bald von ihren Antisemiten und Antisemitinnen trennen, wovon nicht auszugehen ist, wird der Zeitgeist zur Geisterzeit, bei der antisemitischen, postkolonialen, identitären Linken ist ohnehin Hopfen und Malz verloren.

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Links wo das Herz ist?

1. April 2021

Die Aufklärung mit ihrer Religionskritik, mit ihrer Berufung auf die Vernunft war der Wegbereiter für „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“ Der deutsche Philosoph und Ökonom Karl Marx (1818-1883) war ein Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft, der politischen Ökonomie und der Religion und er übergab der Linken ein entsprechendes wissenschaftliches Manifest. Für die politische Linke war die Aufhebung von Ungleichheit und Unterdrückung oberstes Ziel, wobei in Punkto Unterdrückung und Demokratie Anspruch und Wirklichkeit oftmals auseinanderklafften. Die Geschichte der politischen Linken ist geprägt von großen Niederlagen und tödlichen Irrtümern und genau aus diesem Grund von diversen tiefgreifenden Spaltungen. Nach der Niederlage Nazideutschlands sah sich der Sozialismus auf der moralisch richtigen Seite und so hatte sogar die CDU sozialistische Ansätze in ihrem Ahlener Programm. Die „Neue Linke“ entstand mit der „Frankfurter Schule“, der Studentenbewegung die sich gegen das neue Unrecht sensibilisierte und gegen den verbrecherischen Krieg der USA in Vietnam protestierte, wenngleich die Beweggründe dafür oftmals den Ansichten der Väter glichen. Die marxistische Tradition ging davon aus, dass der Faktor „Kultur“ gegenüber ökonomischen und sozialen Bedingungen belanglos ist, so wurden kulturalistische Interpretationen der Gesellschaft als rechts und konservativ bekämpft. Nach dem Prager Frühling wurden linke Stimmen gegen die Unterdrückung der Bevölkerung in den realsozialistischen Staaten lauter und der linke Schriftsteller Jean Améry kritisierte, noch als einsamer Rufer in den 1970er Jahren, den linken Antisemitismus gegen Israel.

In der linken Monatszeitschrift „Konkret“ kamen so gut wie alle linken Stimmen zu Wort, von Norbert Blüm, vom linken Flügel der CDU über Thomas Ebermann, vom Kommunistischen Bund, später bei den Grünen bis hin zu Justus Wertmüller von der Berliner Zeitschrift „Bahamas“ und bis ins Jahr 2015 las man in „Konkret“ einerseits antiimperialistische und andererseits islamkritische, proisraelische, ideologiekritische Artikel.

Mit dem Untergang der realsozialistischen Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre und der gleichzeitigen Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens nach der islamfaschistischen Revolution im Iran von 1979 als Wegbereiter, war die Orientierungslosigkeit innerhalb großer Teile der politischen Linken nicht mehr zu übersehen. Während des Golfkrieges 1991 kam es zu antiamerikanischen Demonstrationen der Friedensbewegung, die Demonstranten erinnerten mit Transparenten an die Bombennächte von Dresden, während die Bedrohung Israels durch mit deutschem Giftgas bestückten Mittelstreckenraketen kaum thematisiert wurde. In der Konkret-Ausgabe (03/91) zum Irakkrieg schrieb Hermann L. Gremliza: “Das Richtige aber, das hier hoffentlich getan wird, darf nicht gesagt werden: dass der Irak der Fähigkeit beraubt werden muss, Israel – wie von Saddam angekündigt – anzugreifen und zu liquidieren.“ In derselben Ausgabe forderte Wolfgang Pohrt den Einsatz israelischer Kernwaffen falls Bagdad seinen Versuch wahr mache Israel mit Chemiewaffen auszulöschen. Wegen seiner Zustimmung zum Irak-Krieg und seiner Solidarität mit Israel verlor Konkret in kurzer Zeit rund 30 Prozent seiner Abonnenten.

Spätestens seit diesem Wendepunkt war der linke Antisemitismus das beherrschende Thema in der ältesten und größten linken Zeitschrift Deutschlands (und weit darüber hinaus) und Herausgeber Gremliza entschuldigte sich für linke antisemitische Artikel und Ansichten aus früheren Tagen. Der Antiamerikanismus, der linke Hass gegen Israel und die linke Kumpanei mit dem Islamismus sollte die nächsten 20 Jahre auf der Agenda von „Konkret“ ganz oben stehen und die deutsche Linke diskutierte nun endlich diese Themen. In oder neben seinem 1999 erschienenen „Schwarzbuch Kapitalismus“ beschäftigte sich beispielsweise der Wertkritiker Robert Kurz mit der linken antisemitischen Zinskritik und den „Halsabschneidern von Hamas und der Hisbollah: “Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und der „nationalen Befreiungsbewegungen“, die ein Programm „nachholender Entwicklung“ auf Basis des Weltmarkts formuliert hatten, veränderte sich der Charakter des Stellvertreter-Konflikts grundsätzlich. An die Stelle der säkularen Entwicklungsregimes trat im Nahen Osten und darüber hinaus der sogenannte Islamismus …. Die am Weltmarkt gescheiterten Segmente des Kapitals in dieser Region erklärten den Krieg gegen die Juden zum exemplarischen Kampf gegen die westliche Vorherrschaft. … Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse.“

1992 wurde die ideologiekritische proisraelische Bahamas von der Minderheitsfraktion des aufgelösten Kommunistischen Bundes gegründet. In einer Auseinandersetzung soll Knut Mellenthin, ein Sprecher der Mehrheit, der Minderheit wegen ihrer Aussteigerhaltung nahegelegt haben, doch „auf die Bahamas auszuwandern“. Die Minderheit griff dies auf und nannte ihr Organ ebenso. Justus Wertmüller, der geniale Kopf der „Bahamas“, bezeichnete als einer der ersten den arabischen Antisemitismus als Klerikalfaschismus und setzt sich deshalb für eine „bedingungslose Solidarität“ mit Israel ein.

Antiimperialistische und antikapitalistische Blätter wie die „Junge Welt“ oder das „Neue Deutschland“ ließen bis in das Jahr 2015 so gut wie keine abweichenden Meinungen zu, weshalb sich im Jahr 1997 von der „Jungen Welt“ die ideologiekritische und proisraelische „Jungle World“ abspaltete. Nach den islamischen Anschlägen vom 11. September 2001 spaltete, bzw. radikalisierte sich das linke Lager erneut. Der regressive Teil der linken Publizistik stellte mehr denn je  Laizität und den Universalismus infrage, verschloss die Augen vor den Exzessen der islamischen Ideologie und sah die Anschläge als direktes Resultat von Armut, Ausbeutung und Bevormundung der „Dritten Welt“ durch die Vereinigten Staaten.

Dagegen waren laut „Jungle World“ die Attentäter die „Repräsentanten einer faschistischen Ideologie mit islamischem Antlitz“. Mit der Flüchtlingskrise von 2015 spaltete sich die ideologiekritische, pro-israelische Linke. Während die Seite um die „Jungle World“, bei aller Kritik am Islam und aller Solidarität mit Israel, vor allem das Elend der Flüchtlinge thematisierte, blieb die islamische Ideologie, mit den unzähligen islamischen Terroranschlägen in Europa und der Welt für die Bahamas-Gruppe die größte Gefahr für ein friedliches und humanes Zusammenleben.

Spätestens mit der Flüchtlingskrise 2015 entwickelte sich Konkret wieder zurück, zu einer antiimperialistischen, postkolonialen betonlinken Zeitung.  Hermann L. Gremliza, bereits von einer schweren Krankheit gezeichnet, verweigerte im Februar 2015 den ermordeten Redakteuren und Zeichnern von „Charlie Hebdo“ durch islamische Terroristen seine Solidarität, entschuldigt die Dschihadisten von Paris mit der sozialen Frage und benötigte für sein unfassbares Phamplet sogar den „reichen Juden“ Bernard-Henri Lévy:  Lévys Artikel in der FAZ wurde kritisiert, in dem dieser fordert, „ein für alle Mal mit dem beschwichtigenden Gerede aufzuhören, das uns so lange schon die nützlichen Idioten eines in die Soziologie des Elends und der Verzweiflung auflösbaren Islamismus vortragen.“ Konkret Herausgeber Gremliza schrieb dazu: „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen, 92 Milliardäre mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einen Meisterdenker kann das nicht erschüttern. Er zählt zur anderen Hälfte, wenn nicht zu dem einen Prozent.“

Große Teile der Linken haben in ihrer Orientierungslosigkeit den emanzipatorischen Fortschrittsgedanken, die Gleichberechtigung längst vergessen und für identitäre, esoterische und reaktionäre Ideen eingetauscht. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion solidarisierten sich diese Linken nicht mit den Opfern der islamischen Barbarei, nicht mit den zwangsverschleierten unterdrückten Frauen in der islamischen Welt, nicht mit „Charlie Hebdo“ oder Samuel Paty, nicht mit den vergewaltigten und ermordeten Frauen in Europa durch Afghanen oder Geflüchtete aus den Maghreb-Staaten, sie solidarisierten sich mit den Tätern, mit den Feinden der freien aufgeklärten westlichen Welt. Die identitäre, postkoloniale, antirassistische Linke, deren Weltbild längst im Mainstream angekommen ist relativiert den Holocaust, in dem sie ihn dem Kolonialismus gleichsetzt, sie teilt Menschen in Hautfarbe und Geschlecht ein, phantasiert vom Weltuntergang, bekämpfen die freie Rede und sie macht sich nicht zuletzt wegen mit ihrer Verharmlosung und Relativierung des islamischen Terrors zu Kombattanten der menschenfeindlichen islamischen Barbarei.

Eine Minderheit innerhalb der Linken setzt sich dagegen universell für die Menschenrechte ein und bezieht Stellung gegen den islamischen Terror gegen Unterdrückung und Bevormundung, für die Errungenschaften von Zivilisation und Demokratie. In Frankreich wird mittlerweile gegen den sogenannten Islamo-Gauchismus vorgegangen. Französische Wissenschaftler reagierten mit Aufrufen und Gegenaufrufen, in denen die geistige Allianz zwischen linken Intellektuellen und reaktionären Islamisten zur existenziellen Bedrohung erklärt wird.  Zusammengefasst ist also derzeit zwischen fünf Hauptströmungen innerhalb der Linken zu unterscheiden:

1]:  Die alte antiimperialistische Linke hält nach Lenin den Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Ihre überholte Ideologie ist antiwestlich, antiamerikanisch, antizionistisch, antiindividualistisch und geprägt von verkürzter, personalisierter Kapitalismuskritik. Das US-amerikanische Finanzkapital ist für Stalinisten, Trotzkisten und sonstige Antiimperialisten der Ursprung allen Übels dieser Welt.

Die Publikationen von Marx21, der SAV, der MLDP oder Antiimperialista.org sind geprägt von Antizionismus, Antiamerikanismus und einem Hass auf die westlichen Demokratien. Marx21 beispielsweise ist eine trotzkistische Organisation innerhalb der Partei „Die Linke“, die in Kooperation mit den Islamisten des ZDM die AfD „bekämpft“ und mittels „erfolgreicher Klassenkämpfe zur Überwindung des Kapitalismus“ herbeiführen will, unterstützt kaum überraschend den Boykott Israels und lobt die islamfaschistische Hamas „pragmatisch und zu Kompromissen bereit“ und bezeichnet Gaza als „Israels Freiluftgefängnis“. Die neue Vorsitzende der Linkspartei Janine Wissler war bis vor wenigen Monaten bei Marx21 aktiv. Wissler hielt 2018 eine von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen organisierten Kundgebung, mit bekannten Parolen wie „Kindermörder – Israel“ oder „Terrorist Israel“ gegen Israel eine Rede als „Zeichen der Solidarität nach Gaza“

Der Hass auf die USA und Israel geht so weit, dass sich die extreme Rechte mit der extremen Linken in einer Querfront vereint. Jürgen Elsässer und sein Querfront-Magazin Compact steht stellverstretend dafür. Der Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer, der davon überzeugt ist, dass 9/11 ein „inside job“ und Osama Bin Laden CIA-Agent war, propagiert offensiv eine „Volksfront“ gegen das von den USA beherrschte Finanzkapital und Netanjahu nennt Elsässer den „Irren von Tel Aviv.“ Seinen Hass auf Israel begleitet eine tiefe Sympathie für den islamfaschistischen Iran. Nach der blutigen Niederschlagung der „grünen Revolution“ und unzähligen Folteropfern des Regimes im Iran im Jahr 2009, schrieb Elsässer hocherfreut: „Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“ Wenig später stattete Elsässer mit anderen „Israelkritikern“ Ahmadinedschad einen Höflichkeitsbesuch ab. Neben Compact ist der antisemitische „Freitag“ von Jakob Augstein ein wichtiges Organ der antiimperialistischen Linken, in dem in tausenden Artikeln vom „Apartheidstaat Israel“, dem „KZ Gaza“ oder „zionistischen Schlächtern“ halluziniert und agitiert wird.

2]: Die antirassistische, linksidentitäre, postkoloniale Linke setzt sich für Klimaschutz, offen Grenzen für Flüchtlinge ein und ist in den antisemitischen BLM und BDS-Bewegungen, bei Pro Asyl oder anderen sozialen und antizionistischen oder antikolonialen Bewegungen aktiv. Größte Teile der Grünen, große Teile der SPD und Teile der Linkspartei sind wie die öffentlich-rechtlichen Medien dieser Gruppe zuzuordnen. Vordergründig wird das „Existenzrecht Israels“ und die Freundschaft zu den USA hervorgehoben, bei genauem Hinsehen erweisen sich diese Phrasen als unglaubwürdig. Die Berichterstattung und die politischen Aussagen über den amerikanischen Präsidenten Trump oder die israelischen Verteidigungsmaßnahmen für seine Bevölkerung sind ein eindeutiger Beleg dafür. Während der Holocaustrelativierer und BDS-Agent Achille Mbembe, die antisemitische Black-Lives-Matter-Bewegung mit ihren Angriffen auf Juden und Synagogen in diesen Kreisen hofiert wurde, wird der millionenfache islamische Terror verharmlost oder verschwiegen.

Während Klaus Kleber und Judith Rakers in ihren Nachrichtensendungen den kurz bevorstehenden Weltuntergang, sprich der Klimakatastrophe prophezeien, Donald Trump als Ausgeburt des Bösen darstellen, so gut wie alle Verteidigungsmaßnahmen Israels kritisieren und ausgiebig (berechtigterweise)über den rechten Terror von Hanau berichten, werden islamisch motivierte Terrortaten oder sexuelle Übergriffe und Morde durch Flüchtlinge aus Afghanistan überwiegend verschwiegen.

In einem jüdischen Supermarkt in Boulder im US-Bundesstaat Colorado ermordete beispielshalber Mitte März der IS-Anhänger Ahmad Al Aliwi Alissa zehn Menschen. In den öffentlich-rechtlichen Medien wurde darüber entweder nicht berichtet und wenn doch es gehalten wie Joe Biden, der schärfere Waffengesetze gefordert hat. Dass man in dem Laden koschere Produkte kaufen konnte und der Mörder Ahmad hieß und ein Islamist war würde den deutschen Fernsehzuschauer offenbar nur verunsichern.

3]: Die emanzipatorische ideologie- und islamkritische Linke grenzt sich eindeutig vom linken Antisemitismus, dem Antizionismus ab, kritisiert massiv die verkürzte Kapitalismuskritik und den überholten Antiimperialismus, ist proisraelisch, proamerikanisch, prowestlich, setzt sich für die universalen Menschenrechte ein und unterwirft „geschichtliche Prozesse dem Primat der Vernunft.“ Der politische Stalinismus, Leninismus und Trotzkismus und die islamische Ideologie werden kategorisch abgelehnt und entsprechend bekämpft. Wegen der Marxschen Schrift „Die deutsche Ideologie“, einer Kritik an Max Stirner, Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach wurde Ideologiekritik um das Jahr 2000, in erster Linie von entsprechenden Ideologen, als „antideutsch“ gekennzeichnet.  1985 wurde vom ISF der Ça ira Verlag gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, linken Antisemitismus und Antizionismus zu kritisieren und ideologiekritische Arbeiten gegen den Antizionismus und Islamismus von Autoren wie beispielsweise  Joachim Bruhn, Stephan Grigat, Léon Poliakov, Michael Landmann, Nathan Weinstock Manfred Dahlmann, Matthias Küntzel oder Gerhard Scheit zu veröffentlichen.

Die ideologiekritische Linke befürwortete beispielsweise 1991 den Irakkrieg der USA und kritisierte die Bombardierung Jugoslawiens und den Krieg der NATO gegen die Serben. Angesichts des „Weltkriegs gegen die Juden“ postulierte die „Bahamas“ zum Irakkrieg: „Es heißt jetzt Front zu beziehen.  Die USA seien die einzige Kraft, die willens und fähig sei, dem Fundamentalismus Einhalt zu gebieten.“ Die Kritik am politischen Islam, als die Größte Gefahr für die freiheitliche Demokratie und die Solidarität mit Israel, der Vorposten der Aufklärung gegen den islamischen Terror steht auf der Agenda an vorderster Stelle. Die Politik der AfD wird abgelehnt, jedoch werden die proisraelischen Reden im Bundestag zur Kenntnis genommen, wie die überwiegend positive Nahost und Israelpolitik von Donald Trump gewürdigt wurde. Die Solidarität mit den USA geht in Teilen dieser Gruppe soweit die Kubanische Revolution mit seinen sozialen Errungenschaften abzulehnen, die Verbrechen des Folter-Diktators Batista zu ignorieren oder zu verharmlosen und Che Guevara einen „Massenmörder“ zu nennen, der „Spass daran hatte Exekutionen persönlich vorzunehmen.“

Mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 spaltete sich die ideologiekritische Linke in zwei unerbittlich bekämpfende Lager. Während für die Gruppe um die Bahamas die unkontrollierte Einwanderung und die entsprechenden Morde, Vergewaltigungen und Terrorakte und die entsprechende Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien kritisierte setzte sich die Gruppe um die Zeitschrift Jungle World bei aller Kritik am Islamismus für die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und den diversen afrikanischen Staaten ein.

4]: Die emanzipatorische ideologiekritische Linke um die Autoren und Leser der Jungle World forderten von der Regierung mehr Flüchtlinge aufzunehmen und setzten sich teilweise für offene Grenzen und unkontrollierte Zuwanderung ein. Bei den diversen islamischen Terroranschlägen, Vergewaltigungen und Morden wurde größtenteils nicht weggesehen, aber doch das ein oder andere Mal die Verbrechen relativiert. Beispielsweise war zur Frauenjagt in der Kölner Sylvesternacht durch Männer mit Migrationsgrund aus dem Umfeld der Jungle World zu lesen: „Warum derzeit 80 Tatverdächtige keine 1000 Täter sind“

Einer der Hauptvertreter dieser Linken ist Thomas von der Osten-Sacken, der in der Jungle World von „Tunis nach Teheran“ schreibt. Bei den „Ruhrbaronen“ nahm Thomas von der Osten-Sacken zur Behauptung er hätte seine „Israel-Solidarität“ aufgekündigt Stellung.

5]: Die undogmatische, ideologiekritische, liberale Linke ist eine Mischung aus den beiden vorherigen Strömungen. Grundsätzlich werden Teile der Sozialpolitik von SPD oder Linkspartei unterstützt und einer Umkehr in der Umweltpolitik durchaus aufgeschlossen, solange sie rational, wirtschaftlich machbar und sozial ausgewogen auftritt. Im Gegensatz zu 3] und 4] ist diese Linke undogmatisch und sieht über den eigenen Tellerrand hinaus und verweigert sich Meinungsblasen wie sie in den sozialen Medien üblich sind. Beispiele wären Arik Brauer, der sich seiner Malerei oder der Sozialwissenschaftler und Philosoph Ingo Elbe der sich der kritischen Marx-Forschung verschrieb.

Kritik am hiesigen Appeasement an den Islam mit seinem Hass auf Juden und auf Israel ist für die undogmatische ideologiekritische Linke der Anfang aller Kritik. Die Solidarität mit den Opfern der islamischen Ideologie, mit den Opfern des Antisemitismus, mit den Opfern des Rechts- und des Linksradikalismus ist die Voraussetzung für den sozialen Frieden für den Fortschritt der Menschheit.

Die größte Gefahr für den Weltfrieden ist aktuell der Iran mit seinem Griff zur Atombombe und seiner Unterstützung von diversen Terrorgruppen im Nahen Osten. Mit der fortschreitenden Islamisierung Europas und den unzähligen islamischen Terrorakten und Verbrechen geraten die Errungenschaften der Aufklärung in größte Gefahr, denn wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann verliert er das Vertrauen und die Demokratie gerät wegen der Stärkung der Extreme ins Wanken.

Bereits 1974 schrieb der linke Schriftsteller Jean Améry : „Die Linke ist Wirklichkeit  in ihrer Praxis, nicht in ihrer Dogmatik. Ihr letzter Referenzpunkt ist ein Humanismus, den aus verqueren theoretischen Gründen in Frage zu stellen, im günstigsten Fall Spinnerei ist, im üblen Sabotage. Denn es ist der Humanismus keine bürgerliche Mystifikation, wenn auch sein Banner von der Bourgeoisie nur allzu oft zu Mystifikationszwecken rauschend geschwenkt wurde.“

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Das Tocqueville-Paradoxon

28. Februar 2021

Der französische Publizist, Politiker und Historiker Alexis Charles-Henri-Maurice Clérel de Tocqueville (1805 – 1859) gilt als der Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft. Der Publizist bereiste im Jahr 1826 die USA um das Rechtssystem und den Strafvollzug in den Vereinigten Staaten von Amerika zu studieren. Zwischen 1839 und 1848 war Alexis de Tocqueville Abgeordneter der gemäßigten Opposition und 1849 war er für fünf Monate der französische Außenminister unter dem Prinz-Präsidenten Louis Napoleon.

Das Streben nach Gleichheit ist laut Tocqueville die Triebfeder der westlichen Zivilisationen, wobei ein hemmungsloses Gleichheitsstreben die Errungenschaften der Freiheit aufs Spiel setzt. Der „Vernunftdemokrat“ warnte davor, dass der Weg der Demokratie ebenso in die Unfreiheit wie in die Freiheit führen könne. Zu den Revolutionären von 1789 meinte Tocqueville: „Was mich beeindruckt, ist weniger das Genie derer, die die Revolution gewollt haben als die Dummheit derer, die sie beförderten, ohne es zu wollen.“ Lange vor Karl Marx ist bei Tocqueville vom „Klassenkampf“ die Rede: „Ich spreche von Klassen, nur sie haben in der Geschichte etwas zu suchen.“ Alexis de Tocqueville versuchte, die Demokratie „zu erziehen“ und bereits im 19. Jahrhundert sagte die Herrschaft der Ökonomie voraus.

Tocqueville studierte die Französische Revolution und beschreibt den Wandel der Gesellschaft und das „unruhige Gefühl“ der Bevölkerung welches bereits dreißig bis vierzig Jahre vor der Revolution beginnt, dabei stellte er die Theorie auf, dass ein unterdrückendes Regime eine höhere Gefahr läuft umgestürzt zu werden, sobald es versucht sich zu reformieren. „Der Abbau von Unrecht schärft die Sinne für Ungerechtigkeiten, die noch weiterhin bestehen, und gerade die Reform schlechter Sozialverhältnisse erhöht die Wahrscheinlichkeit ihrer revolutionären Veränderung.“  Reformen, die zur Verbesserung führen, seien somit tödlich für einen alten Staat, die Autorität der Herrschaft wird dadurch untergraben und das Selbstbewusstsein der Opponenten wird gestärkt. Laut Tocqueville markiert die Verringerung von Missständen den Abstand zu den noch bestehenden Missständen und die zugrundeliegende Hoffnung auf Veränderung verändert das Gespür dafür, was noch möglich ist, wodurch die Unzufriedenheit der Gesellschaft steigt, obwohl absolut betrachtet eine Verbesserung der Lebensumstände vorliegt. Das Phänomen „dass sich mit dem Abbau sozialer Ungerechtigkeiten gleichzeitig die Sensibilität gegenüber verbleibenden Ungleichheiten erhöht“ bezeichnet man in der Soziologie seither als Tocqueville-Paradoxon.

Die Gorbatschow Reformen und der Zusammenbruch der Sowjetunion sind beispielsweise ein Beleg für das Paradox-Gesetz und seit vielen Jahren wird Tocqueville beinahe tagtäglich vor allem in der westlichen Welt bestätigt. Eine Bevölkerung rebelliert, wenn sich seine Situation verbessert und nicht, wenn sie sich verschlechtert. „Der Wunsch nach Gleichheit wird umso unwiderstehlicher, je größer sie im Grunde ist.“  Die Erfolge, des Feminismus oder des Antirassismus im vergangenen Jahrhundert, machen den heutigen Generationen die alle noch vorhandenen Ungleichheiten unerträglich. Die Gesellschaft von heute ist so wenig sexistisch und rassistisch wie nie zuvor, aber die öffentliche Denunziation von Sexismus und Rassismus ist alltäglich wie nie.

Am 8. Dezember 2020 wurde in Paris das Champions League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Basaksehir in einem bislang einmaligen Vorgang in der 14. Minute wegen einer vermeintlich rassistischen Aussage des 4. Offiziellen, des rumänische Schiedsrichters Sebastian Coltescu, abgebrochen. Pierre Webo, der aus Kamerun stammenden Co-Trainer der Istanbuler Mannschaft hat den Schiedsrichter beleidigt. Darauf erkundigte sich dieser beim 4. Offiziellen, worauf dieser, „den Schwarzen, dort“ Pierre Webo „ala negru“ identifizierte. Zuvor war von der türkischen Trainerbank, Rumänen seien „Zigeuner in meinem Land“ zu hören. Gefolgt von den Franzosen, verließ die türkische Mannschaft den Platz und schon kurz darauf forderte der türkische Präsident Erdogan per Twitter von der UEFA, das „Nötige zu unternehmen“, um gegen „Rassismus und Diskriminierung“ vorzugehen. Vor dem Wiederanpfiff des Wiederholungsspiels knieten „Corona-Partybiest“ Neymar und Co. rund um den Mittelkreis nieder und gedachten mit erhobener Faust des „beleidigten“ Co-Trainer der Türken. Der rumänische Fußballverband distanzierte sich erwartungsgemäß von Rassismus, wobei die tatsächlichen rassistischen Aussagen von der türkischen Trainerbank freilich kein Thema waren. In Rumänien und nicht nur dort hat sich gegenüber solcherlei politischer Korrektheit eine feindselige Stimmung breitgemacht und Schiedsrichter Coltescu ist seitdem selbstmordgefährdet, was darüber hinaus zeigt, dass ideologisierte Debatten nicht nur wirkungslos im antirassistischen Kampf sind, sondern das Gegenteil bewirken. Wenn Coltescu einen Weißen unter fünf Schwarzen identifiziert hätte, würde kein Hahn danach krähen.

Niederknieende Fußballer wie Neymar werden keinen einzigen Rechtsextremisten zu einem friedlicheren Menschen bekehren. Beim rechtsextremen Terroranschlag in Hanau am 19. Februar 2020 erschoss der Hanauer Tobias Rathjen in und vor einer Shisha-Bar und einem Kiosk aus rassistischen Motiven Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund. In hinterlassenen Schriftstücken und Videos phantasiert der Terrorist ganze Völker „vernichten“ zu wollen, weil deren Existenz ein „grundsätzlicher Fehler“ sei. Es ist zweitrangig wie sehr der Täter unter Wahnvorstellungen litt, denn jeder terroristisch motivierte Mörder leidet unter solchen Vorstellungen. Rechtsextreme Morde haben mit dem rechtsextremen Weltbild zu tun wie islamische Morde auf der islamischen Ideologie basieren.

Speziell in Deutschland ist es notwendig, wenn der Staat rechtsextreme Gruppen oder Personen genau beobachtet und es wäre noch besser, wenn diese Gruppen mit aller Härte verfolgt und bestraft werden würden  Die aktuelle Erinnerungskultur zum Terroranschlag in Hanau war richtig und wichtig, nur wäre es wünschenswert, wenn der zahlenmäßig bedeutend umfangreichere islamische Terror und die unzähligen islamischen Zumutungen von der Geschlechterseparation über die sexuellen Übergriffe und Morde bis zum Verschleierungsgebot genauso beobachtet und verfolgt und den Opfern dieses Terrors ähnlich gedacht werden würde.

Nach unzähligen Terrortaten, Vergewaltigungen, Enthauptungen und Morden im Namen des Propheten in Europa und dem Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz wurde am 16. Oktober 2020 in einem Pariser Vorort der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem Gotteskrieger bestialisch auf offener Straße unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer ermordet und enthauptet. Kurz darauf, am 29. Oktober 2020 ermordete ein 21-jähriger Tunesier in Nizza, in der katholischen Kirche Notre Dame drei „Ungläubige“ mit einem Messer. Sondersendungen zu diesem Terror dazu gab es so gut wie keine. Kritik am islamischen Terror und an den anderen islamischen Zumutungen gilt in weiten Kreisen der europäischen Gesellschaften als „Islamophobie“. Die Fragen, wie konnte das geschehen und was kann getan werden, dass so etwas nicht mehr passiert wird, werden bezüglich des islamischen Terrors nicht gestellt. Im Namen des Antirassismus wird Kritik am Islam, zumeist gemeinsam mit den einschlägigen Vertretern islamistischer Verbände, als rassistisch denunziert.

Der französische Essayist Pascal Bruckner wendet sich in seinen Texten gegen einen Multikulturalismus, der den westlichen Liberalismus schwächt. Für Bruckner ist der Multikulturalismus ein Rassismus des Antirassismus, denn dieser kettet die Menschen an ihre Wurzeln. Pascal Bruckner fordert seit Jahren eine Solidaritätsbewegung zugunsten aller säkularen oder atheistischen Rebellen in der islamischen Welt.  Mit dem Kunstgriff „Islamophobie“, eine Erfindung des Massenmörders Ajatolla Khomeini, belegen die Gegner der Aufklärung, dass sie nicht bereit sind, die gleichen Regeln für den Islam gelten zu lassen, die zur europäischen Aufklärung geführt haben. In der westlichen Welt ersetzt seit Jahren die Identitätspolitik die Hilfe für die sozial Benachteiligten. Die einstmals von den Linken Repräsentierten und Mystifizierten verschwinden zugunsten von Minderheiten und so triumphiert laut Bruckner die Herkunft über das Soziale.

Der aktuelle Zeitgeist produziert seltsame „Feministinnen“ aus der sogenannten Matriarchatsforschung, der feministischen Theologie und Ökologinnen die sich für die Dritte Welt einsetzten. Diese reaktionären „Feministinnen“ arrangieren sich mit ihren männlichen Mitläufern hervorragend mit der mittelalterlichen Frauenverachtung im Islam, gleichzeitig macht es sie fassungslos, wenn in Texten die Gendersternchen fehlen. So sieht die Gendertheorie-Ikone Judith Butler in der Burka das Bollwerk „überlegener“ islamischer Kultur gegen die „feindliche“ westliche Moderne, den Schleier als „Fahne der Emanzipation der muslimischen Frau“ und die islamfaschistischen Terrorgruppen von Hamas und Hisbollah als unterstützenswerte soziale Freiheitsbewegungen. Butlers veröffentlichte antisemitische Agitationen gegen Israel belegen darüber hinaus, was aus der Schuld- und Erinnerungsabwehr, also der genuin feministischen Ausprägung des Antisemitismus, in der Postmoderne geworden ist.

Beispielshalber wird an der Australian National University in Canberra über neue Formulierungen für tradierte Bezeichnungen diskutiert. Die Worte „Mutter“ und „Vater“ sollen nicht mehr verwendet, sondern durch geschlechtsneutrale Begriffe ersetzt werden. Aus der Mutter wird „austragendes Elternteil“ und der „Vater“ wird zum „Nicht-gebärenden Elternteil“. Auch „Muttermilch“ soll nicht länger so heißen, sondern durch „Menschliche Milch“ oder „Elternmilch“ abgelöst werden. Mit diesen Neuerungen sollen Eltern der LGBTIQ+-Community nicht länger benachteiligt werden. Unter dem Deckmantel von Gleichstellungspolitik machen Genderforscher ihre Vorschläge für eine geschlechtsneutrale Sprache. Eine Lann Hornscheidt von der Berliner Humboldt-Universität (HU) hat vorgeschlagen, Endungen auf X im Deutschen einzuführen und mit ihnen geschlechtsneutrale Substantive zu schaffen. Statt Professorin oder Professor oder Student und Studentin könnte man etwa von Professx oder Studierx, Plural Professxs und Studierxx, sprechen. Um „Gender-Kompetenz“ zu vermitteln werden einerseits unzählige Diskussionen über Unisex-Toilettentüren und emanzipierten Ampelweibchen angestoßen, aber andererseits schweigen sich dieselben Leute über die Frauenverachtung und Verfolgung in den islamischen Communities und Ländern aus. Über die menschenfeindliche Scharia, über die Steinigungen wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr oder über Auspeitschungen, weil Frauen ihr Haar oder ihr Gesicht nicht verschleiert haben wird in diesen Kreisen ungerne gesprochen.

Mit den Rückgriffen auf die Identität von rechts und vor allem von links sagen sich große Teile der europäischen Gesellschaften vom Universalismus los. Die französische Feministin Caroline Fourest schreibt zu diesem Phänomen:  „Man rebelliert gegen Rihanna wegen ihrer angeblich „afrikanischen“ Zöpfe; man ruft dazu auf, Jamie Oliver zu boykottieren, weil er einen „jamaikanischen Reis“ kreiert hat; in Kanada fordern Studenten die Streichung eines Yogakurses, um sich bloß nicht die indische Kultur „anzueignen“; an amerikanischen Universitäten fahnden sie nach asiatischen Menüs in der Mensa. Indessen weigern sie sich, klassische Werke zu studieren, da diese „beleidigende“ Passagen enthielten.“ Das Buch „Generation Beleidigt“ von Caroline Fourest beginnt mit dem Worten: „Im Mai 1968 träumte die Jugend von einer Welt, in der es verboten ist zu verbieten. Die neue Generation denkt nur daran, zu zensieren, was sie kränkt oder ’beleidigt’.“ Für links-identitäre Aktivisten wird der Islam zur letzten Utopie, der Ersatz für den untergegangenen Kommunismus und für die Entkolonisierung. Der gläubige Muslim übernimmt die Rolle, die einst der Proletarier, die Guerilleros oder die „Verdammten dieser Erde“ spielten. So verraten die „Antirassisten“ mit Klaus Kleber und Judit Rakers die Aufklärung, den Feminismus, den Laizismus, also alles was man mit einer progressistischen Einstellung verbindet.

So geht die größte Gefahr für die liberalen europäischen Demokratien von vermeintlich toleranter Identitätspolitik und seiner Kooperation mit den islamischen Ideologen aus, denn die Ansichten dieser Kreise, die alle demokratischen Prinzipien unterwandern, sind mittlerweile im Mainstream angekommen. Das Denken in kulturellen, religiösen, ethnischen oder sexuellen Gruppenzugehörigkeiten ist ein Rückfall in längst vergangene Traditionen. Identitätspolitik löst mit ihrem einfallslosen Diversitäts-Schematismus keine Probleme. Im Gegenteil, Cancel-Culture mit seiner Tendenz zur Bilder- und Denkmalstürmerei steht gegen zentrale Errungenschaften der westlichen Zivilisation. Der Multikulturalismus der die Gleichheit aller Kulturen propagiert, respektiert so gut wie alle kulturellen Bräuche ganz egal, wie reaktionär und menschenverachtend sie auch sein mögen. So paktiert der Kulturrelativismus mit seiner Forderung eines allumfassenden multikulturellen Bewusstseins mit den Vertretern des Mittelalters. Ob die fanatischen islamischen Gotteskrieger nun vergewaltigen, verschleiern oder enthaupten, in der reaktionären Wahrnehmung der Links-Identitären sind die Menschenfeinde Rebellen, die versuchen, sich selbst zu dekolonisieren.

Bereits 1987 stellt der französische Philosoph Alain Finkielkraut prophetisch in seinem Essay „Niederlage des Denkens“ die Frage, wenn alles Kultur ist, wo bleibt die Universalität des Denkens?  Der Philosoph der Académie française kritisierte also schon vor über 30 Jahren das „Wuchern des Kulturbegriffs“. Die bedingungslose Toleranz gegenüber allen Ausdrucksformen fremder Kulturen steht dem aufklärerischen Prinzip der Universalität und also dem weltweiten Anspruch auf die Einhaltung der Menschenrechte entgegen: „Die Befürworter der multikulturellen Gesellschaft fordern für alle Menschen das Recht auf eine Livree. In ihrem löblichen Wunsch, jedermann seine verlorene Identität wiederzugeben, lassen sie zwei antagonistische Denkschulen aufeinanderprallen: diejenige des Naturrechts und diejenige des historischen Rechts. Und sie präsentieren – o Wunder – als höchste persönliche Freiheit das absolute Primat des Kollektivs: „Den Einwanderern helfen, heißt zunächst einmal sie zu achten, so wie sie sind, so wie sie in ihrer nationalen Identität, ihrer kulturellen Eigenart, ihrer geistigen und religiösen Verwurzelung sein wollen.“

Gibt es eine Kultur da, wo man über Delinquenten körperliche Züchtigungen verhängt, wo die unfruchtbare Frau verstoßen und die Ehebrecherin mit dem Tode bestraft wird, wo die Aussage eines Mannes so viel wert ist wie die von zwei Frauen, wo eine Schwester nur Anspruch auf die Hälfte des Erbes hat, das ihrem Bruder zufällt, wo die Frauen beschnitten werden, wo die Mischehe verboten und die Polygamie erlaubt ist? Die Nächstenliebe gebietet ausdrücklich die Achtung vor solchen Bräuchen. Der Leibeigene muss in den Genuss der Knute kommen können: ihm dies zu nehmen würde bedeuten, sein Innerstes zu verstümmeln, seine Menschenwürde zu verletzen, kurz, Rassismus an den Tag zu legen. In unserer von der Transzendenz verlassenen Welt bürgt die kulturelle Identität für die barbarischen Traditionen, die sich mit Gott nicht mehr rechtfertigen lassen. Der Fanatismus ist unhaltbar, wenn er sich auf den Himmel, unkritisierbar dagegen, wenn er sich auf sein hohes Alter und auf seine Andersartigkeit beruft. [..]

Aus Scham über die Herrschaft, die man so lange über die Völker der Dritten Welt ausgeübt hat, schwört man sich, nicht wieder damit anzufangen und beschließt – gleich als Auftakt – ihnen die Härten der Freiheit nach europäischer Art zu ersparen. Aus Angst, den Einwanderern Gewalt anzutun, verbindet man sie mit der Livree, die die Geschichte ihnen zugeschnitten hat. Um sie so leben zu lassen, wie es ihnen passt, versagt man es sich, sie vor möglichen Untaten oder Missbrauch ihrer jeweiligen Tradition zu schützen. Um die Grausamkeit der Entwurzelung zu mildern, übergibt man sie wehrlos, auf Gedeih und Verderb wieder ihrer Gemeinschaft und schafft es so, die Anwendung der Menschenrechte auf die Menschen des Westens zu beschränken, und das alles in dem Glauben, diese Rechte zu erweitern, wenn man jedem die Wahl lässt, in seiner Kultur zu leben.

Entstanden aus dem Kampf zur Befreiung der Völker, führt der Relativismus zum Lob der Knechtschaft. Heißt das, dass man auf die alten assimilatorischen Mittel zurückgreifen und die Neuankömmlinge von ihrer Religion oder ihrer Volksgemeinschaft trennen muss? Ist die Auflösung jeden Kollektivbewusstseins der Preis für die Integration? Auf keinen Fall. Den Fremden als Individuum zu behandeln, bedeutet nicht, ihn zu verpflichten, alle seine Verhaltensweisen auf die bei den Einheimischen geltenden Lebensformen auszurichten. Man kann die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in der islamischen Tradition kritisieren, ohne deswegen den muslimischen Einwanderern eine geliehene Livree anzulegen oder die Bindungen an ihre Gemeinschaft zu zerstören. Nur diejenigen, die in Begriffen der kulturellen Identität (und folglich Integrität) denken, meinen, dass zum Überleben des nationalen Kollektivs die anderen Gemeinschaften verschwinden müssen. Der Geist der europäischen Neuzeit dagegen findet sich sehr gut mit der Existenz von nationalen oder religiösen Minderheiten ab, unter der Bedingung, dass diese sich nach dem Vorbild der Nation aus gleichen und freien Einzelpersonen zusammensetzen. Eine solche Forderung hat zur Folge, dass alle Bräuche, die die Grundrechte der Person verhöhnen – auch die, deren Wurzeln weit in die Geschichte zurückreichen – als ungesetzlich erachtet werden.

Unleugbar wirft die Anwesenheit einer wachsenden Anzahl von Einwanderern aus der Dritten Welt in Europa ganz neue Probleme auf. Diese Menschen, die das Elend von zu Hause fortgetrieben hat, und die dazu noch unter dem Trauma der kolonialen Demütigung leiden, können sich von dem Land, das sie aufnimmt, nicht so angezogen fühlen und nicht die Dankbarkeit empfinden, wie zumeist die Flüchtlinge aus Osteuropa. Beneidet um seine Reichtümer, gehasst wegen seiner imperialistischen Vergangenheit, ist ihr Gastland kein gelobtes Land. Eines ist jedoch sicher: wenn man die Abschaffung von Privilegien zum Vorrecht einer Zivilisation macht, wenn man den abendländischen Völkern die Segnungen der individuellen Unabhängigkeit vorbehält und dessen, was Tocqueville „die Gleichheit der Bedingungen“ nennt, befindet man sich auf dem falschen Weg zur Behebung dieser Schwierigkeiten.“

 

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THICK AS A BRICK

10. Februar 2021

Die britische Rockband Jethro Tull wurde 1967, nach dem englischen Agronomen Jethro Tull (1674–1741), einem Erfinder diverser revolutionärer Verbesserungen in der Landwirtschaft, gegründet – von 1968 bis zum Jahr 2003 veröffentlichte die progressive Rockband 23 Studio- und 10 Livealben. Ian Scott Anderson, geboren am 10.08.1947 im schottischen Dunfermline ist Gründer, Frontmann, Komponist und Texter von Jethro Tull und er brachte die Querflöte ins Rockgenre, erst ab 1967 hatte er sich der Querflöte zugewandt und diese autodidaktisch bis zur Virtuosität erlernt. Königin Elisabeth II. ehrte Ian Anderson zum „Member of the Order of the British Empire“, die Edinburgher Heriot-Watt University verlieh ihm 2006 die Ehrendoktorwürde für Literatur und die Ehrendoktorwürde „Doctor of Letters“ erhielt er 2011 von der University of Abertay Dundee. Ian Anderson hat eine Reihe von Soloalben veröffentlicht, unter anderen  Walk Into Light (1983), The Secret Language Of Birds (2000), Rupi’s Dance (2003), Thick as a Brick 2 (2012) und 2014 sein Alterswerk Homo Erraticus. Das Album Homo Erraticus erzählt über den umherziehenden Menschen,  mit Stücken wie The Turnpike Inn von 8.000 Jahren britischer Geschichte, Chroniken, Prophezeiungen und Offenbarungen.

Musikalisch wird Jethro Tull dem Progressive Rock, teilweise dem Blues- und Folk-Rock, mit Einflüssen aus Klassik, Jazz, Weltmusik und elektronischer Musik zugeordnet. Kennzeichnend für die einzelnen Titel ist eine starke Dynamik, häufige Taktwechsel sowie vielfältige Synkopen und Offbeats. Das unverkennbare Markenzeichen von Jethro Tull ist freilich die einbeinig gespielte Querflöte von Ian Anderson. DIe Texte sind  sozialkritisch, skurril, handeln von alltäglichen Begebenheiten, der explodierenden Weltbevölkerung, handeln von alten Obdachlosen, weißen Männern, gewissen Damen, Atomraketen-Fehlalarmen oder von der Umweltverschmutzung als es noch keine grünen Bewegungen gab. Im Jahr 2012 verließ der langjährige Gitarrist Martin Barre die Band und Florian Opahle aus Rosenheim übernahm seinen Part als Gitarrist. Vor einigen Jahren wurde bei Ian Anderson eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung diagnostiziert, weshalb er bemerkte dass seine Jahre als Sänger gezählt wären.

Das erste Album „This Was“  wurde 1968 von Ian Anderson, Mick Abrahams, Glenn Cornick und Clive Bunker  aufgenommen und war noch sehr bluesorientiert. Stand Up folgte 1969, mit Bourrée einer Adaption der Suite für Laute von Johann Sebastian Bach und dem ersten kommerziellen Erfolg Living in the Past im 5/4-Takt. 1970 erschien das Album Benefit. Auf einen Schlag berühmt wurde Jethro Tull mit dem Album Aqualung  im Jahr 1971, mit  dem Klassiker Locomotive Breath. Das Titelbild von Aqualung zeigt einen alten langhaarigen, bärtigen alten weißen Mann, im langen Mantel vor einem düsteren Hintergrund, auf der Rückseite des Albums sitzt er auf einem Bürgersteig neben einem Hund. Der Titelsong Aqualung ist anfangs rockig, wird dann akustisch um am Ende wieder zum Ursprung zurückzukommen. Die Geschichte handelt von einem zerlumpten Obdachlosen namens Aqualung, der im Winter auf einer Londoner Parkbank sitzt. Wie in Ulysses, dem Roman von James Joyces beobachtet er die jungen Mädchen beim Spiel. Später bückt sich der schwer kranke Aqualung nach einer Zigarettenkippe, das Bein tut ihm sehr weh, um danach mühsam zu einer öffentlichen Toilette zu gehen um sich aufzuwärmen.  Nach seiner Rückkehr setzt er sich wieder auf die Bank, die Heilsarmee bietet ihm heißen Tee an. Als die schielende Mary, die sich der Prostitution mit älteren Männern hingibt, auf ihn zugeht flüchtet er, aus Angst vor Gewalt, die er tagtäglich zu spüren bekommt. Später kehrt er wieder zu seiner Parkbank zurück und beginnt zu sterben. In seinem Sterben atmet er schwer und geräuschvoll, wie ein Tiefseetaucher mit seinem Atmungsgerät und während seiner letzten Atemzüge bricht der Frühling aus. Während die ersten Lieder von Obdachlosikkeit und Armut handeln, beschäftigen sich der zweite Teil mit Gott und Religion (My God, Slipstream und Wind up). Das populärste Stück ist zweifellos Locomotive Breath. Vom Intro einer von John Evans gespielten Klavierpassage wird Locomotive Breath mit einem stampfenden Rhythmus, markanten Gitarrenriffen und der rockig geblasenen Querflöte zu einem der Klassiker der Hardrock-Geschichte.

Ein Mann fährt in dem Klassiker auf einer Dampflokomotive ungebremst seinem Untergang entgegen. Der Protagonist des Stücks ist ein „all time looser“, der von seinen Kindern verlassen (sees his children jumping off at the stations) und von Frau und Freunden betrogen (his women and his bestfriend, in bed and having fun) wurde. Locomotive Breath ist eine Analogie zu dem niemals zu stoppenden Zug des Lebens und die Geschichte vom Konflikt des Menschen mit der Moderne und den dadurch entstehenden wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen. “In schleifendem Wahnsinn des Atmens einer Lokomotive rennt der ständige Verlierer kopfüber in seinen Tod. Er spürt das Stampfen des Kolbens, Dampf bricht aus seiner Augenbraue hervor. Der alte Charlie hat den Griff gestohlen, und der Zug hört nicht mehr auf zu laufen.” Weil  „Old Charlie“ (Gott oder Darwin) den „Griff gestohlen“ hat, ist der Zug außer Kontrolle geraten und: „He has got him by the balls.“ Vordergründig handelt Locomotive Breath vom Sterben des ewigen Verlierers, darüberhinaus ist laut Anderson die unaufhörliche unaufhaltsame Lokomotive eine Metapher für die scheinbar unaufhaltsame Bevölkerungsentwicklung mit der daraus folgenden Migration und der Globalisierung.

1974 halten gewisse „Damen“ in „Warchild“ Ausschau nach Fremden, die sie willkommen heißen könnten, wobei ihre Gefälligkeiten zwar gut gemeint aber gezählt sind. Donald Trump wäre für weniger aus dem Amt gejagt worden. SeaLion ist beeinflusst von Blackpools Umweltverschmutzung, in Blackpool wurde bis in die 1980er Jahre das gesamte Abwasser der Stadt ins Meer geleitet. („Riding dirty grey horse go you and I“). Viel Spaß gibt es noch später, 1989 in Rock Island mit Kissing Willie und weniger Spaß  bei Heavy Water und dem verschmutzten Regen in New York. Einigen süßen Träumen folgte 1980 Fylingdale Flyer mit der Frage ob das Frühwarnsystem für ballistische Raketen, die RAF Fylingdales so sicher ist wie immer behauptet wurde.

Das außergewöhnlichste Album, das alle Rahmen sprengende Meisterwerk von Jethro Tull ist zweifellos Thick As A Brick (Dumm wie Bohnenstroh) aus dem Jahr 1972. „Thick As A Brick“ besteht aus einer einzigen Nummer, dauert über 43 Minuten, ist den damaligen Vinylplatten geschuldet in Part eins und zwei geteilt und geprägt von melodischem Hardrock von Klassik, Folk-Rock- Jazz-Elementen und vielen Tempo und Stilwechseln und nicht zuletzt im Stil von Monty-Python präsentiert. Das Album war 1972 in eine nachgemachte Zeitung verpackt, in die englische Kleinstadtzeitung, St. Cleve Chronicle & Linwell Advertise. Laut den Angaben des Zeitungscovers wurde der gesamte Text von dem achtjährigen Schuljungen Gerald Bostock geschrieben und an die Band gesandt, die daraus das Album machte. Als Sohn braver, kirchentreuer bürgerlicher Eltern, soll der Junge ein dichterisches Talent entwickelt haben und deshalb bekam er den Spitznamen „Little Milton“ nach dem Dichter John Milton. Allerdings habe er schon mit acht Jahren unverständliche und angeblich anstößige Dinge gesagt und sei deshalb in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Der Nachwuchs-Literaturpreis wurde Gerald Bostock wegen des subversiven Inhalts wieder aberkannt, mit der Folge, dass der Preis für kindliche Dichtkunst an ein angepasstes kleines Mädchen vergeben wurde.  In der Zeitung wird über die halbe Blatthöhe der gesamte Text der Platte unter der Überschrift „Thick as a Brick. By Gerald ‚Little Milton‘ Bostock“  abgedruckt. In der Einleitung steht: „… drucken wir hier zum Nachlesen für Jedermann … Gerald Bostocks umstrittenes Gedicht ab, das so viele Kontroversen ausgelöst hat (Der Herausgeber)“.  Gerald Bostock ist freilich eine Kunstfigur, hinter der sich Ian Anderson verbirgt, was die Musiker nicht daran hinderte, nach oder vor Konzerten und auch einige Jahre später über Gerald Bostock als eine reale Person zu sprechen.

Neben der obligatorischen Flöte, den akustischen und elektrischen Gitarren, dem Schlagzeug brilliert Thick As a Brick unter anderem durch Geige, Saxophon, Trompete und einem Streichorchester und der frühreife Gerald Bostock ist der Auffassung: „Es macht mir wirklich nichts aus, wenn ihr bis zum Ende durchhaltet. Meine Worte sind nur ein Flüstern – eure Taubheit ein SCHREI. Vielleicht bringe ich euch zum Fühlen, zum Denken kann ich euch jedoch nicht bringen. Euer Sperma ist im Rinnstein – eure Liebe im Ausguss. So reitet ihr euch also selbst über die Felder und macht jeden Kuhhandel mit und/eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein. Und die Sandburgtugenden sind alte weggespült / in der Zerstörung durch die Gezeiten / im moralischen Durcheinander. Der elastische Rückzug läutet das Ende des Spiels ein, als die letzte Woge die neueste Variante enthüllt. Aber eure neuen Schuhe haben abgetretene Absätze und / eure Sonnenbräune blättert rapide ab und / eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein. Und die Liebe, die ich fühle, ist so weit weg: Ich bin ein schlechter Traum, den ich gerade heute hatte -. und du / schüttelst den Kopf und / sagst: »Schade« Schickt mich zurück durch die Jahre und durch die Tage meiner Jugend. Zieht die Spitzengardinen und die schwarzen Vorhänge zu, und sperrt die ganze Wahrheit aus. Schickt mich zurück durch die langen Zeitalter: Lasst sie die Geschichte erzählen. Sehet! Ein Sohn ist geboren – und wir erklären ihn kampftauglich. Er hat Pickel auf den Schultern, und nachts pinkelt er ins Bett. Wir werden/einen Mann aus ihm machen / ihn ein Handwerk erlernen lassen / ihm beibringen / wie man Monopoly spielt und / wie man im Regen singt. Der Dichter und der Maler werfen Schatten auf das Wasser — während die Sonne auf die Infanterie scheint, die von der See zurückkehrt. Der Tatmensch und der Denker: keine Zugeständnisse an den anderen — und das verblassende Licht erleuchtet das Glaubensbekenntnis des Söldners. Das Feuer im heimischen Herd brennt: Das Wasser im Kessel ist kurz vorm Kochen – aber der Herr des Hauses ist weit weg. Die Pferde stampfen – ihr warmer Atem dampft im schneidenden Frost des frühen Morgens. Und der Dichter hebt die Feder, während der Soldat das Schwert wegsteckt. Und der Jüngste der Familie übernimmt das Kommando. Baut Burgen am Meer und fordert die verspätete Flut heraus, sie alle wegzuspülen. Die Rinder weiden ruhig auf dem Gras unten am Fluss, wo die anschwellenden Gebirgsbäche sich vorwärts zum Meer bewegen: Der Erbauer der Burg greift die uralte Absicht auf und er wägt die junge Melkerin, die anbietet, was er braucht. Die jungen Männer des Hauses / haben alle ihren Dienst angetreten und / sind vor einem Jahr nicht zurückzuerwarten. Der unschuldige junge Herr — die Gedanken rasen immer schneller — hat den Plan gefasst, den Mann zu verändern, der er zu sein scheint. Und der Dichter steckt die Feder weg, während der Soldat das Schwert hebt. Und der Älteste der Familie übernimmt das Kommando. Kommt von Übersee zurück und fordert den Sohn heraus, der ihn in die Flucht schlägt. Was machst du, wenn / der Alte weg ist — willst du an seine Stelle treten? — und / dein wahres Ich das Lied singt. Willst du ihn befreien? Niemand da, der dir hilft, Dampf zu machen — und der Wasserstrudel treibt dich weit vom Kurs ab. SPÄTER  Ich bin von der Oberschicht herabgestiegen, um eure verkommene Lebensart zu korrigieren. Mein Vater war ein mächtiger Mann, dem jeder gehorchte. Also, auf geht‘s, all ihr Kriminellen! Ich muss euch zurechtbiegen. genau wie ich es mit meinem Alten gemacht habe Zwanzig Jahre zu spät. Euer Wasser und Brot wird kalt. Euer Haar ist kurz und adrett. Ich werde euch alte richten und werde verflucht dafür sorgen, dass mich niemand richtet. Du rollst deine Zehen ein zum Spaß, während du jeden anlächelst — du erwiderst die starrenden Blicke. Du bist dir nicht bewusst, dass deine Taten nicht vollendet sind. Und du lachst äußerst unbarmherzig, als du uns erzählst, wie wir nicht sein sollen. Aber wie, meinst du, sollen wir erkennen, wohin wir laufen sollen? Ich sehe dich durch den Gerichtssaal schlurfen mit / deinen Ringen an den Fingern und / deinen flaumigen kleinen Koteletten und / deinen Siberschnallenschuhen. Du spielst den harten Burschen und folgst dem Beispiel des Comichelden, der dich die Regeln zurechtbiegen lässt. So! Auf geht‘s, ihr Kindheitsidole! Wollt ihr euch nicht losreißen von den Seiten eurer Comic hefte/eurer Supergauner/und uns allen den Weg zeigen? Also! Macht euer Testament. Wollt ihr nicht? Werdet Mitglied eurer Stadtverwaltung. Wir werden Superman zum Präsidenten haben / lasst Robin den Tag retten. Du setzt auf die Nummer eins, und sie siegt jedes Mal. Die anderen Kinder sind alle zurück getreten und haben dich an die vorderste Stelle geschoben. Und so fragst du dich schließlich, wie groß du eigentlich wirklich bist — und du nimmst deinen Platz ein in einer klügeren Welt, in der es größere Autos gibt. Und du fragst dich, an wen du dich wenden sollst.

So! Wo zum Teufel war Biggles ‚als du ihn letzten Samstag gebraucht hättest? Und wo waren all die Sportler. die dir immer Halt gegeben haben? Sie ruhen sich alle unten in Cornwall aus — schreiben an ihren Memoiren für eine Taschenbuchausgabe des Pfadfinderhandbuchs. SPÄTER Sehet! Ein Mann ist geboren — und wir erklären ihn friedenstauglich. Eine Last wurde ihm von den Schultern genommen mit der Entdeckung seiner Krankheit. Wir werden / das Kind von ihm nehmen / es testen lassen / ihm beibringen / ein Weiser zu sein / alle anderen reinzulegen. ZITAT Wir werden uns eher nach dem Durchschnittlichen als nach dem Außerordentlichen ausrichten / Gott ist eine überwältigende Verantwortung / Wir gingen durch die Entbindungsstation und sahen 218 Babies, die Nylonstrümpfe trugen / Katzen sind im Kommen / im Kommen? Hipgrave Oh, Mac SPÄTER In den klaren, weißen Kreisen des Morgenzaubers nehme ich meinen Platz ein neben dem Herrn der Hügel. Und die blauäugigen Soldaten stehen leicht verfärbt (in ordentlichen kleinen Reihen), tragen Leinengamaschen. Ihre Suspensorien zwicken, sie schleppen sich zum »Stillgestanden!«, sie stehen in der Bürokantine Schlange um belegte Brote. Sagen: Wie geht’s deiner Oma und/dem guten alten Ernie: Er spuckte für seinen Lottogewinn einen Zehner aus. Die Legenden (formuliert in der uralten Stammeshymne) wiegen sich im Schrei der Möwe. Und all die Versprechungen, die sie gemacht haben, werden unter dem stürzenden Sadisten zermahlen. Der Dichter und der Weise stehen hinter dem Gewehr und geben das Signal zum Morgengrauen. Erleuchte die Sonne. Glaubt ihr an den Tag? Ja? Glaubt an den Tag! Die Morgendämmerung, Schöpfung der Könige, hat begonnen; die zarte Venus (einsame Magd) bringt den Zeitlosen. Glaubt ihr an den Tag? Der verblassende Held ist zur Nachtzurückgekehrt—und hochschwanger mit dem Tag bestätigen die Weisen die Vorahnungen des Dichters. Glaubt ihr an den Tag? Ja? Glaubt an den Tag! Lasst mich euch die Geschichten eures Lebens erzählen / von eurer Liebe und den Messerstichen / von der unaufhörlichen Unterdrückung/vom eingetrichterten Wissen / vom Verlangen, zu töten oder getötet zu werden. Ich singe euch von den Verlierern, die auf der Straße liegen, wenn der letzte Bus vorbeifährt. Die Bürgersteige sind leer: Die Rinnsteine färben sich rot — während der Narr seinem Gott im Himmel zuprostet. Also, auf geht‘s, all ihr jungen Männer, die ihr Burgen baut! Sagt uns freundlicherweise die Jahreszeit an, und vereint eure Stimmen in einem höllischen Refrain. Schildert die genauen Merkmale eurer Angst. Lasst mich euch helfen, eure Toten aufzulesen, da die Sünden der Vorfahren / mit dem Blut der Narren und / mit den Gedanken der Weisen und / aus dem Topf unter deinem Bett gefüttert werden. Lasst mich euch ein Geschenk aus Gesang machen, während / der Weise aufstößt und verschwindet / der Narr mit der Sanduhr sich selbst den Garaus macht und / der Kinderreim weiterleiert. Also, auf geht‘s, all ihr jungen Männer, die ihr Burgen baut! Sagt uns freundlicherweise die Jahreszeit an, und vereint eure Stimmen in einem höllischen Refrain. Schildert die genauen Merkmale eurer Angst. Sehet! Der Sommerblitz wirft seine Strahlen nach euch, und die Stunde des Jüngsten Gerichts nahet. Wärt ihr lieber/der Närrin seiner Ritterrüstung oder/der Weisere, der sich aus dem Staub macht? So! Auf geht‘s, ihr Kindheitsidole! Wollt ihr euch nicht losreißen von den Seiten eurer Comichefte / eurer Supergauner und uns allen den Weg zeigen? Also! Macht euer Testament. Wollt ihr nicht? Werdet Mitglied in eurer Stadtverwaltung. Wir werden Superman zum Präsidenten haben/lasst Robin den Tag retten. So! Wo zum Teufel war Biggles als ihr ihn letzten Samstag gebraucht hättet? Und wo waren all die Sportler, die euch immer Halt gegeben haben? Sie ruhen sich alle unten in Cornwall aus — schreiben an ihren Memoiren für eine Taschenbuchausgabe des Pfadfinderhandbuchs. NATÜRLICH So reitet ihr euch also selbst über die Felder und / macht jeden Kuhhandel mit und / eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein.“

Angesichts der heutigen Probleme die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren bräuchte es einerseits einen neuen Jethro Tull und andererseits die Erkenntnis dass die Migrationskrise auch mit der Bevölkerungsexplosion in Afrika zu tun haben könnte.  Die Oberhäupter so mancher Weltreligion propagieren noch immer, so viele Kinder wie möglich zu zeugen und die Politik hat keine Strategie, wie wir unsere Gesellschaften langfristig gestalten könnten. „Die Regulierung der Einwanderung ist längst nicht mehr nur ein Thema der radikalen Rechten. Anders als vielleicht 1950 können wir 2015 allenfalls eine kontrollierte und moderate Immigration zulassen. Die 10 000 Menschen, die zurzeit wöchentlich das Mittelmeer Richtung Italien überqueren möchten, werden von falschen Hoffnungen angezogen und wollen keineswegs in Italien bleiben. Unser Premierminister wiederum versucht sich in einem doppelten Spiel. Er will den Humanitären geben und verspricht, die Royal Navy zu schicken, um die Flüchtlinge zu retten. Aber er wird sie nicht ins Vereinigte Königreich lassen, denn er will eine Wahl gewinnen. Wir sollten jetzt ein Schild ans Hotelfenster hängen, auf dem „alles belegt“ steht“ sagte Ian Anderson in einem Interview vor ein paar Jahren. Anderson bezeichnet sich selbst als einen „mildtätigen Kapitalisten“ und einen „pragmatischen Sozialisten“: „Niemand sollte mehr als eine Million Pfund im Jahr verdienen, sonst wird es obszön. Und wenn doch, muss er es abgeben. Am besten dem Finanzamt.“ In seinem letzten Album „Homo Erraticus“ lässt Anderson nochmals sein Alter Ego Gerald Bostock zu Wort kommen. Nach rund 40 Jahren greift der verhinderte Lyriker Gerald Bostock wieder zur Feder, der „herumirrende Mensch“ bezieht sich auf ein angeblich aufgestöbertes Manuskript. Das Manuskript stammt von einem Ernest T. Parritt, der sich einst als Soldat der britischen Armee in Indien mit Malaria infizierte. In seinem fiebrigen Delirium war er davon überzeugt, seit Jahrtausenden schon viele, teilweise prominente Leben gelebt zu haben und in der Zukunft noch zu leben hat. So untersucht Parritt auf Homo Erraticus Schlüsselereignisse der britischen Geschichte mit Bezügen zu Prophezeiungen bis heute und in die Zukunft. Das einzige existierende Exemplar des Manuskripts geriet in die Hände von Gerald Bostock, der es dichterisch vor dem thematischen Hintergrund der Verdoppelung der Bevölkerung in Afrika und der damit einhergehenden Migration mit Stücken wie Doggerland, Cold Dead Reckoning, After These Wars, The Browning of the Green, New Blood, Old Veins oder Heavy Metals verarbeitete.

So reitet ihr euch also selbst über die Felder und macht jeden Kuhhandel mit und eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein.

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

In memoriam Arik Brauer

27. Januar 2021

Arik Brauer wurde am 4. Januar 1929 in Wien geboren, er war Maler, Bühnenbildner, Sänger und Zeitzeuge des Nationalsozialismus. Arik Brauer gilt als der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus.  Sein geliebter Vater war ein jüdischer Schuhmacher, der in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager in Riga ermordet wurde. Aufgewachsen ist der Jude Brauer, der nie gläubig war, in dem Wiener Arbeiterbezirk Ottakring. 1938, mit dem Anschluss Österreichs endete seine unbeschwerte Kindheit, er trug damals noch den Vornamen Erich, als jüdisches Kind wurde er geschlagen als „Judengsindl“ beschimpft und nur mit Glück überlebte er, untergetaucht in bitterer Armut, in Wien in einem Schrebergarten. Ab dem Jahr 1944 musste er als Kind bis er untertauchte Zwangsarbeit verrichten, in der Zeit wurde er einmal für wenige Minuten von einer Nationalsozialistin versteckt und gerettet, was er in vielen Interviews, die Brauer bis zuletzt gab, erzählte. Brauer verschwieg auch nicht, dass es Frauen gab, ausschließlich Frauen, die ihm, als er den Judenstern tragen musste, Brot unter den Augen der SS zusteckten, was eine „lebensgefährliche Sache“ war. Brauer ging ohne jede Verdrossenheit aus dem Schrecken hervor:. „Ich bin auf die Butterseite des Lebens gefallen, sonst wäre ich ja schon lange tot. Warum soll ich da bitter sein?“

In den österreichischen Medien wurde Brauer stets als Universalkünstler und wichtiger Zeitzeuge gewürdigt, weil er ehrlich, differenziert und ohne Verbitterung die Geschehnisse erzählen konnte. Nach der Befreiung durch die Rote Armee engagierte sich Arik Brauer in der kommunistischen Jugend Wiens, enttäuscht verließ er nach wenigen Jahren die KPÖ und ging nach Israel und trat mit seiner Schwester als Tänzer auf. In Israel lernte er seine Frau Naomi kennen. Zuvor reiste er mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika und danach zog er mit seiner Frau nach Paris, wo das Paar als israelisches Gesangsduo den Lebensunterhalt verdiente.

Bereits in Paris hatte Brauer seine erste Ausstellung und 1964 kehrte das Paar nach Wien zurück, wo die „Phantastischen Realisten“ bereits große Bekanntheit hatten. Von H. C. Artmann ermutigt veröffentlichte Arik Brauer nun seine im Dialekt gesungenen Lieder. Der  linke Liedermacher sang im Dialekt, weil das „die Sprache der Arbeiterklasse“ ist. Mit Liedern wie „Sein Köpferl im Sand“ erreichte er ein großes Publikum und zweimal Gold. Das „beinharte Protestlied“, das sich „nicht gegen eine bestimmte Gruppe“ sondern gegen Jedermann richtet, der sich betroffen fühlt ist heute aktueller denn je. Arik Brauer war schon Umweltschützer als es die grünen Bewegungen noch nicht gab. Später im Dezember 1984 war er bei den Protesten gegen das Kraftwerk Hainburg in der Auseinandersetzung um die Stopfenreuther Au an vorderster Front dabei.

Die Begegnungen mit eigentümlichen Menschen in seiner Kindheit waren Thema seiner Lieder wie auch seiner Bilder. Ein einbeiniger Spiritus trinkender Alkoholiker im Keller seines Wohnhauses oder ein Mann, der als Attraktion im Park Frösche mit einer Flasche Wasser geschluckt und lebendig wieder hervorgebracht hat. Arik Brauers Ölbilder leuchten von den Wänden der wichtigsten Museen dieser Welt. Auf seinem Bild, „Mein Vater im Winter“ von 1983/84 ist sein geliebter Vater in einem blau zerfließenden Mantel mit übergroßer gelber Sternblüte einsam und verloren in einer surrealen Eiswüste vor den rauchenden Schornsteinen von Krematorien zu sehen. Seine oftmals sozialkritischen Bilder erzählen vom Alten Testament, von versklavten Frauen  oder eben seinem Vater mit dem Judenstern. Arik Brauer, der sich als „Feminist“ bezeichnete schuf mehr als 2000 Bilder und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen dafür. „Wenn die Leute im Elend sind, entwickeln sie eine ungeheure Fantasie“, meinte Brauer über den Ursprung seiner Kreativität.

Brauer lebte abwechselnd in Wien und im israelischen Künstlerdorf Ein Hod. Bereits  2008 gehörte Arik Brauer zu den Erstunterzeichnern der Petition von „Stop the bomb“ gegen die Geschäfte mit dem iranischen Regime. Im selben Jahr hat er auf den Podiumsdiskussionen „Der Iran & die österreichische Erinnerungspolitik 70 Jahre nach dem Novemberpogrom“ im Jüdischen Museum Wien ein leidenschaftliches Plädoyer dafür gehalten, die aktuellen Bedrohungen Israels ernst zu nehmen. Die Aktualität von „Sein Köpferl im Sand“ wird tagtäglich dadurch bewiesen, dass viel zu wenige gegen die Delegitimierungen und Dämonisierungen des Staates Israel protestieren und zu den tagtäglichen islamfaschistischen Bedrohungen und Mordtaten der fanatischen Gegner Israels schweigen.

Arik Brauer hatte nie Angst eindeutig Stellung zu beziehen.  In einer Diskussionsrunde im Jahr 2018 mit Altbundespräsident Heinz Fischer und dem Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka, sagte Brauer zur sogenannten „Liederbuch-Affäre“, einer Auseinandersetzung über antisemitische Lieder in den Liederbüchern studentischer Verbindungen, dass er sich nicht vor den Burschenschaftern mit den Säbeln fürchte, sondern das Problem in der Einwanderung antisemitischer Flüchtlinge aus dem arabischen Raum sehe. Zur skandalösen Textpassage, die in einem Gesangsbuch einer Burschenschaft gefunden wurde, sagt Brauer: „Dieses Lied wäre gefährlich, wenn es viele Menschen singen würden.“ Arik Brauer hat noch miterlebt, wie hunderttausend Leute am Wiener Heldenplatz „Juda verrecke“ schrien. In den Dreißigerjahren und auch schon davor, sei „jeder normale Mensch ein Antisemit gewesen. Wenn mich einer umbringen will, dann sicher nicht einer dieser Fechter.“ Für Brauer ist die Einwanderung Grundursache für das Aufkommen von rechtem Gedankengut in jeder Hinsicht. „Es gibt eine Viertelmillion Araber, die uns lieber unter der Erde oder am Grund des Mittelmeers sehen wollen. Von denen gibt es viele, die hier einwandern.“ Für Brauer waren 95 Prozent der Araber solche Antisemiten, „er nehme das aber gar nicht persönlich“, denn „sie wurden so erzogen und vielleicht würde ich das an ihrer Stelle auch so sehen.“

In den 1960er Jahren erhielt Brauer für seine Protestlieder im Wiener Dialekt Todesdrohungen. Vergessen oder aufgeben war für Brauer nie eine Option.  Arik Brauer war Realist, er nahm die positiven Veränderungen in Österreich und in Deutschland zur Kenntnis, steckte aber sein „Köpferl nie in den Sand“ und sah was vor ihm und hinter ihm vor sich ging und er roch und hörte von wo her der gefährliche Antisemitismus  und durch welche Gasse der Hass und die Bedrohung gegen Israel kam. Trotzdem war der Kosmopolit Arik Brauer ein Versöhner, ein Versöhner allerdings, der jederzeit Klartext sprach. Die wichtige Stimme des Zeitzeugen Arik Brauer wird in Zukunft fehlen.

Arik Brauer starb am 24. Januar 2021 im Kreis seiner Familie. Seine Frau Noemi und die Töchter, überlieferten seine letzten Worte: „Ich war so glücklich mit meiner Frau, mit meiner Familie, mit meiner Kunst und meinem Wienerwald. Aber es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht.“

 

Gleichzeitig veröffentlich bei Fisch &Fleisch

Zum 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt

16. Januar 2021

Vor wenigen Tagen wäre der große Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt 100 Jahre alt geworden. Am 5. Januar 1921 wurde Friedrich Dürrenmatt in Konolfingen, einem Dorf im Kanton Bern, geboren. Sein Vater, Reinhold Dürrenmatt, war bis 1935 Pfarrer dieser Gemeinde. In Bern besuchte Friedrich Dürrenmatt das Freie Gymnasium und danach das Humboldt-Gymnasium. Ab 1942 studiert Dürrenmatt Naturwissenschaften, Germanistik und Philosophie und er beginnt zu schreiben. 1945 schreibt er sein erstes Drama “Es steht geschrieben”, das am 19. April 1947 in Bern uraufgeführt wird.

Während des Krieges beteiligte sich Dürrenmatt für kurze Zeit, vermutlich aus spätpubertärem Protest gegen den Vater,  bei den rechten „Frontisten.“ Dazu Dürrenmatt: „Unfähig, seinem Glauben ein rationales Weltbild entgegenzusetzen, wählte ich den Weg ins Irrationale.“ Dürrenmatt war ein politischer Schriftsteller, wobei sich der freie Geist nie auf eine politische Linie festlegen ließ. Dürrenmatt sympathisierte zeitweise mit dem Sozialismus, kritisierte stets den Kommunismus der Ostblockstaaten und wehrte sich gleichzeitig gegen den hysterischen Antikommunismus zu Zeiten des Kalten Krieges. „Der Kommunismus ist ein Vorschlag, die Welt vernünftiger einzurichten, ein Vorschlag zur Weltveränderung, den wir durchzudenken und, erkennen wir ihn als vernünftig, durchzuführen haben.“ Aus seiner Unterstützung für Israel machte Dürrenmatt nie ein Hehl, was ihm Anfeindungen aus linken und rechten Kreisen einbrachte.

Mit der Komödie „Romulus der Große”, uraufgeführt 1949, gelingt Dürrenmatt sein erster Erfolg bei Publikum und der Theaterkritik. Die Farce stellt den letzten weströmischen Kaiser Romulus ins Zentrum, der sich den nationalistischen Tugenden verweigert, der nicht heldenhaft in den Untergang gehen will, sondern den anstürmenden Feinden mit Sympathie entgegenkommt. Als die Germanen am Ende Rom besiegten sieht Romulus ein, falsch gelegen zu haben, sein Plan ist gescheitert und er geht in Rente.

Dürrenmatts erster Kriminalroman “Der Richter und sein Henker” erscheint 1950 und ein Jahr später “Der Verdacht.”  Rachedurst, Doppelmoral, Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne, die Apokalypse durch die atomare Bedrohung waren die Themen des Schweizers, der seine Texte oftmals mit schwarzem Humor bis hin zur Groteske zeichnete.

In „Der Tunnel“ einer klassischen Kurzgeschichte von 1952, fährt ein „Brasil 10“ rauchender Student in einem Zug, im fällt auf, dass der Zug ungewöhnlich lange durch einen eigentlich sehr kurzen Tunnel rast. Während er immer unruhiger und der Zug immer schneller wird, beschwichtigen ihn der Schaffner und die Mitreisenden. Der Zug wird immer noch schneller und der Tunnel hört nie auf. Zum Schluss sieht der Student dem kommenden Tod furchtlos ins Auge. „Was sollen wir tun“ fragt der Zugführer? „Nichts“ antwortet der Student.

Das Drama „Der Besuch der alten Dame“, das 1956 uraufgeführt wird, macht Dürrenmatt weltberühmt. Die verratene Claire Zachanassian, eine ehemalige Mitbürgerin des Städtchens Güllen macht den verarmten Einwohnen ein unmoralisches Angebot: Sie bietet der Gemeinde und den Einwohnern eine Milliarde, dafür, dass diese einen aus ihren Reihen umbringen, den Mann der sie verleumdet und ihr schweres Unrecht  angetan hat. Zunächst lehnen die Bewohner entrüstet ab und später knicken alle nach und nach doch ein. Es folgten “Frank der Fünfte” (1959), “Die Physiker” (1962), “Der Meteor” (1966) und viele weitere sehr erfolgreiche Stücke.

Eines seiner bekanntesten politischen Stücke Dürrenmatts war „Die Physiker“, das Gegenstück zu Brechts „Leben des Galilei.“  Drei Physiker begeben sich freiwillig ins Irrenhaus weil einer von ihnen die Formel zur Vernichtung der Welt erforscht hat. Die drei Physiker ermorden im Irrenhaus ihre Krankenschwestern um ihr Geheimnis zu bewahren. Die einzig wahre Verrückte im Irrenhaus aber ist die Leiterin Mathilde von Zahnd, die sämtliche Aufzeichnungen längst kopiert hat. Die großartige Schauspielerin Therese Giehse verkörperte bei der Uraufführung in Zürich die Mathilde von Zahnd, Dürrenmatt hat für Sie die Rolle umgeschrieben. Die Erkenntnis der „Physiker“ lautet: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden.“

Dürrenmatt veröffentlichte viele politische Texte in Zeitschriften und in seinen Büchern und der Schweizer hielt Reden zu aktuellen politischen Themen. Friedrich Dürrenmatt war ein großer Freund Israels, wie ein einsamer Rufer in der Wüste hielt er eisern daran fest, Israel sei „notwendig wie kein anderer Staat, eine gerechte Sache, die nur noch ideologisch, nicht mehr existenziell angezweifelt werden kann.“ Der Staat Israel, so Dürrenmatt, existiere zwar, aber viele wären froh, „wenn er nicht wäre, auch jene wären glücklich über seine Nichtexistenz, die seine Existenz bejahen.“ Zwei Jahre vor Jean Amérys Essay „Der ehrbare Antisemitismus“ veröffentlichte Friedrich Dürrenmatt 1967 den Text „Israels Lebensrecht“, darin beginnt er: 

„Es gibt den jüdischen Staat, weil es Hitler gab. Der Grund dieses Staates liegt in Auschwitz, in den Vernichtungslagern, doch liegt er nicht nur in unserer Zeit, er liegt in den Judenmetzeleien, in den Pogromen und Schikanen der Vergangenheit, er liegt im Christentum, das im Juden den Christusmörder sah, er liegt im Ressentiment, im Rassendünkel und im Fremdenhass aller Zeiten, er liegt aber auch bei den Gleichgültigen, den Allzuvorsichtigen, den Neutralen, er liegt bei uns, die wir statt eines Herzens einen Rothmund besaßen, kurz, der Grund liegt in den Demütigungen, Verfolgungen und Leiden, die den Juden immer wieder zum Juden stempeln und formten.

Der jüdische Staat ist aus einem Naturrecht heraus geboren, aus einem Recht der Geächteten auf eine Heimat, die ihnen die Freiheit wiedergibt und ihre Ächtung löscht, auf eine Heimat, die – da die Juden überall, wo sich niederließen, gezeichnet waren — nur die Urheimat sein konnte: Israel. Aus solchem Recht entstanden, braucht der jüdische Staat keine andere Begründung seiner Existenz, seinen Grund bildet nicht irgendeine Machtkonstellation, seine Existenz ist mit einem Axiom der Menschlichkeit hinreichend begründet.  (..) Der Antisemitismus installiert sich wieder, schon wagt man es selbst im Sicherheitsrat, mit der Bibel gegen Juden zu argumentieren, schon finden seine Pogrome statt. … “ Am Ende des Textes kritisiert Dürrenmatt noch Bertolt Brecht der sich „zum Kommunismus“ bekannte und „in der DDR wirkte“ und zum Antisemitismus seines Landes ohrenbetäubend schwieg.

Dürrenmatts eindeutiges Statement, insbesondere in kritischen Situationen,  zu Israel lässt sich, neben vielen anderen, zu Beginn des Jom Kippur-Krieges schrieb er in der NZZ „Warum ich mich hinter Israel stelle“, in seinen Essays „Zusammenhänge“ und „Nachgedanken“, die 1976 erstmals erschienen sind, nachlesen. Dort beschreibt er seine Israelreise, die er 1974 mit seiner ersten Frau unternahm, im Jahr nach dem Jom Kippur-Krieg. Wegen seiner Freundschaft zu Israel wurde er eingeladen, an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva eine Vorlesung zu halten.

In „Zusammenhänge“ schreibt Dürrenmatt beispielshalber: „Ich, der ich sonst für keinen Staat besonders eintrete, der ich sonst über Staaten nicht gerade zimperlich denke und über den Nationalismus ausgesprochen bösartig, stehe für Israel ein, weil ich diesen Staat für notwendig halte. (…) Die Vernichtungslager, wo jüdisches Volk unterging, ohne sich zu wehren, und der Aufstand des Warschauer Ghettos, wo jüdisches Volk vernichtet wurde, indem es sich wehrte, diese zwei fürchterlichen Möglichkeiten, die einem Volk am Ende bleiben, forderten, damit sie sich nicht wiederholen, den jüdischen Staat. Der Wahnsinn erzwang seine Existenz, sicher, die Opfer dieses Wahnsinns errichteten ihn, den Überlebenden zum Vermächtnis, damit das Opfer nicht vergeblich gewesen sei, wer zweifelt daran. Darum lebt denn dieser Staat nicht nur aufgrund seiner Ideologie, nicht nur auf Grund des Zionismus, nicht nur auf Grund einer Gedankenkonstruktion, die, so genial sie auch wäre, doch nur eine Gedankenkonstruktion bliebe – denn auch dem folgerichtigsten Gedankengebäude kommt  nicht notwendigerweise Existenz zu – ,sondern auch auf Grund einer grausamen Notlage, mehr noch, auf Grund der schrecklichen Unzulänglichkeit dieser Welt,  auf Grund ihrer Anfälligkeit dem Unvoraussehbaren gegenüber: einen erhabeneren Grund, einen Staat zu gründen, mag es geben, einen notwendigeren nicht.“ (..) Darum offenbar, viel entscheidender als der oberflächliche Einfluss der marxistischen Lehre auf den Nahen Osten, stellt sein Konflikt mit dem jüdischen Staat die Auseinandersetzung des Islam mit der Moderne dar, mit einem Neuen, das er im jüdischen Staat verwirklicht sieht. (..) Der Terror dient Arafat dazu, vor der Weltöffentlichkeit recht zu bekommen, die wiederum wünscht, dass Arafat recht habe, um endlich von ihrem schlechten Gewissen den Juden gegenüber befreit zu werden; vor der UNO hat Arafat schon recht bekommen, nächstens wird die Meinhof dort sprechen.“

Friedrich Dürrenmatt bekämpfte wie Jean Améry bereits Ende der 1960er Jahre den israelbezogenen Antisemitismus. Wer seine Reden, Essays, Aufsätze und Bücher nachliest, wird mit schockierenden Aktualitäten konfrontiert. Viele „ehrbare“ Antisemiten nahmen es den Juden nach dem 6-Tage-Krieg und dem Jom-Kippur-Krieg übel, dass die Juden wieder einmal überlebt hatten. Zu gern hätte man sich mit ein oder zwei Millionen toter Juden solidarisiert, die Opfer an die Brust gedrückt und ihnen ein paar Gedenkbücher, Mahnmale und Dokumentarfilme gewidmet.

Vor über dreißig Jahren, am 14. Dezember 1990 starb Friedrich Dürrenmatt in Neuchâtel im Alter von 69 Jahren.

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch