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Die Krise des Islam. In Memoriam Bernard Lewis (1916 – 2018)

25. Mai 2018

„I do not intend to offer any predictions of the future of Europe or of Islam, but one thing can legitimately be expected of the historian, and that is to identify trends and processes – to look at trends in the past, at what is continuing in the present, and therefore see the possibilities and choices that will face us in the future.”

(Bernard Lewis, Faith and Power)

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Im Frühjahr 1976 veröffentlichte der damals 60-jährige britische Nahostexperte Bernard Lewis, der erst vor kurzem einen Lehrstuhl an der amerikanischen Princeton Universität angenommen hatte, einen längeren Beitrag im konservativen Commentary Magazine, der allein durch seinen Titel, „The Return of Islam“[1] einige Aufregung verursachte.

Der Schah von Persien, Reza Pahlevi saß noch auf seinem Pfauenthron, Anwar El-Sadat regierte Ägypten mit harter Hand und hatte die Muslimbrüderschaft zu einer unbedeutenden Oppositionsgruppe degradiert und ein junger saudi-arabischer Student namens Osama Bin-Laden war gerade dabei seine Ausbildung zur Betriebswirtschaftslehre auf einer renommierten Universität des wahabitischen Königreichs zu beginnen. In jenen Zeiten waren Worte wie Salafismus, Ayatollah und Djihad in der westlichen Welt gänzlich unbekannt. Man ärgerte sich über hohe Ölpreise, verfolgte den Bürgerkrieg im Libanon mit geringem Interesse und man war allgemein mehr mit den möglichen Schrecken eines atomaren Konfliktes zwischen den Großmächten beschäftigt. Nichts, aber auch gar nichts deutete darauf hin, dass der Islam, ein Wort mit dem man in Europa und den USA vielleicht noch die Märchen aus 1001 Nacht oder den Erzählungen Wilhelm Hauffs über „Die Karawane“ verband irgendeine Rolle im Leben der Menschen, hier wie dort spielen würde, geschweige denn er käme in irgendeiner Weise zurück. In den entsprechenden Wissenschaften und Instituten, die sich mit der Region beschäftigten galt es Mitte der 70er als ausgemacht, dass sich die Menschen des Nahen und Mittleren Ostens langsam zwar, aber doch stetig von der Religion abwandten und sich auf dem Weg in die Modernisierung ihrer Staaten befanden, zwischen den Trümmern des Kolonialismus und den Parolen des Panarabismus nach einer neuen Identität suchend.[2]

Der Großteil der akademischen Welt stand Bernard Lewis Prognose, dass sich mit dem Islam gerade erst eine neue politische Kraft zu etablieren begann ablehnend gegenüber. Aber was genau hatte Lewis eigentlich gesehen?  Und zwar vor allen anderen, entgegen jeder Konjunktur und mit einem sicheren Gespür für zukünftige Trends, als niemand sonst sie sah? Zum einen konstatierte er in diesem Text eine weitgehende Ahnungslosigkeit der westlichen Eliten über die islamische Welt. So wie christliche Autoren des Mittelalters den Islam mit Begriffen und Bilder aus ihrem eigenen christlichen Vorstellungen beurteilten, so würden moderne Kommentare die zeitgenössischen Konflikte mit ihren eigenen europäischen Gegensätzen beschreiben, etwa wenn der Bürgerkrieg im Libanon als Auseinandersetzung zwischen linken und rechten Kräften verzerrt würde. Aber sie verkennen damit, so Lewis, die überragende Bedeutung der islamischen Religion für alle politischen Ausdrucksformen der islamischen Welt. Sowohl säkulare Regime als auch theokratisch regierte Staaten könnten auf eine islamische Legitimation ihrer Macht nicht verzichten, auch wenn einige dies mehr tun müssten als andere. Die einzigen tatsächlich alle Staats und Regierungsformen überdauernden Organisationen mit politischen Ambitionen, mögen sie offiziell zugelassene politische Parteien oder im Untergrund agierende verschworene Netzwerke sein, seien daher Bewegungen wie die ägyptische Muslimbruderschaft. Wer also im Jahre 1976 sich ein Bild von der möglichen Zukunft islamischer Länder machen möchte, müsste genau dorthin sehen und sich überlegen welche Politik mit diesen Phänomenen zu machen sei. Die punktgenaue Treffsicherheit der Diagnose von Lewis wird nur durch die unglaubliche Ignoranz übertroffen, mit der die Eliten der westlichen Welt diese Warnung in den Wind schossen. Erst der viel geschmähte George W. Bush war bereit auf ihn zu hören, vermutlich zu spät und vermutlich mit zu wenig Nachdruck. Was für die ägyptische Muslimbruderschaft gilt, ist auch für die von der palästinischen Fatah unter Yassir Arafat kontrollierten PLO gültig, die bis heute völlig unverdient die Hoffnungen auf eine säkulare palästinensische Alternative bei vielen westlichen Linken nährt. Der gelernte Arabist Lewis schreibt: „Das Wort Fatah ist ein technischer Begriff für eine Eroberung die im heiligen Krieg für den Islam gewonnen wird.“[3] Keine einzige relevante politische Bewegung der islamischen Welt kommt ohne Andeutungen, Referenzen und Namen aus, die in irgendeiner Weise die islamische Bildung der Massen ansprechen und die ihre historische Mission nicht auf das goldene Zeitalter islamischer Imperien und der Wiedererrichtung ihrer einstigen Größe zurück führt. In den Zeiten der Krise, und davon gibt es eine Menge, würden die durch die Religion erzeugten islamischen Loyalitäten alle anderen überschreiben, die noch eine Rolle spielen könnten. Angriffe und Pogrome auf Juden (wo sie überhaupt noch existieren) und Christen würden eine prinzipielle Haltung in der islamischen Welt widerspiegeln, „die von der islamischen Tradition auf eine – vermutlich fälschlicherweise, obwohl das keine Rolle spielt – dem Propheten zugeschriebene Redewendung zurückgeführt wird, dass der Unglaube eine Nation sei. (…) Die Welt ist in zwei Teile gespalten. Der eine ist die Gemeinschaft der Muslime, die andere die der Ungläubigen, deren mögliche Unterschiede zweitrangig sind.“[4]

Der 1916 in London geborene Lewis entstammte einer mäßig religiösen jüdischen Familie und interessierte sich früh für Sprachen. Neben Englisch wuchs er mit Hebräisch auf, sprach aber auch Französisch und ein wenig Deutsch, Dänisch und Russisch und hat sich im Laufe seiner Karriere hervorragende Kenntnisse des Arabischen, des Persischen, des Türkischen und Aramäischen angeeignet, die wie er einmal ironisch anmerkte zu seiner Zeit als notwendig für das Studium des Islam und des Nahen Ostens betrachtet, heute aber „als gefährliche Disqualifikation gelten“, die „einer akademischen Karriere hinderlich seien und einem höchstens den Ruf eines Orientalisten einbringen würden“[5]. Aufgrund seiner fundierten Ausbildung und Sprachkenntnisse arbeitete Lewis im 2. Weltkrieg für den britischen Geheimdienst und übersetzte Dokumente, Briefe und diplomatische Depeschen aus dem Arabischen ins Englische. Nach dem Krieg versuchte er vergeblich in arabischen Ländern Quellenforschung für seine Studien zu betreiben. Während einige jüdische Orientalisten ihre Identität verbargen, um im arabischen Raum forschen zu können, weigerte er sich das zu tun. Dem bekennenden Zionisten wurden Einreisegenehmigungen und Visa verwehrt, und seine Beiträge dazu, die er trotzdem schrieb wurden von den Experten in der Region als unnütz verworfen, weil er „kein Araber, kein Moslem und ein Jude sei“[6]. Stattdessen fand er in den 50ern in der Türkei ein zum damaligen Zeitpunkt praktisch unerforschtes Gebiet und nutzte die Öffnung der Archive osmanischer Geschichte durch die kemalistische Türkei dazu sich zu einem der weltweit wichtigsten Experten auf diesem Feld zu machen. Aus Dankbarkeit und auch Eigennutz lieferte er dabei dem türkischen Staat den Dienst, den Genozid an den Armeniern zumindest zu verharmlosen. Es ist dies der einzige wirkliche Makel seiner Karriere, der ihm gerade jetzt nach seinem Tod wohl nie wirklich verziehen werden wird.[7] Man sollte dies im Angesicht seines Todes weder verschweigen noch überbewerten. Seine überragende Leistung die osmanische Geschichte für ein breites Publikum sichtbar gemacht zu haben wird dadurch nicht geschmälert. Sein enorm lesbarer Schreibstil, der mit schwarzem Humor und unerreichter Fachkenntnis die komplizierten historischen Entwicklungen des Islam in drei verschiedenen Kulturkreisen nachzeichnete verdienen jedenfalls nach wie vor Beachtung und sind eine unverzichtbare Quelle für jeden, der sich damit beschäftigt.

Lewis konstatierte öfters, dass Historiker keine Propheten oder Wahrsager seien, sie würden sich mit der Vergangenheit beschäftigen. Seine Prognose war reine Deduktion historischer Entwicklungen und erschloss sich aus seiner tiefen Kenntnis muslimischen Denkens, das er wie kein anderer auf den Punkt brachte. Seine Skepsis, dass sich die muslimischen Länder keineswegs in Richtung Moderne befanden, sondern geradewegs auf entgegen gesetztem Kurs befanden speiste sich, lange vor allen UN Human Development Reports auf zumindest drei grundlegenden Befunden, die er in über 30 Büchern[8] und zahllosen Beiträgen in Zeitungen und Fachzeitschriften veröffentlichte: der Mangel an Demokratie, der Mangel an Frauenrechten und das historisch gewachsene Desinteresse der islamischen Regionen an einer Auseinandersetzung mit nicht islamischen Zivilisationen.

Der Mangel an Demokratie, wie er in konservativen islamischen Gesellschaften wie Saudi Arabien Teil der Kultur war, war genauso in anderen islamischen Ländern spürbar. Lewis ortete in den  Entwicklungsdiktaturen in Ägypten, Algerien, Tunesien, Irak, Libyen  und Syrien oder dem aus heutiger Sicht noch geradezu liberalen Iran unter der Herrschaft des Schah denselben Mangel an Meinungsfreiheit und demokratischem Pluralismus. Unterdrückung, Bespitzelung, Rechtlosigkeit, Gewalt gegen Opposition, Terror gegen Intellektuelle und staatliche Zensur waren überall die Norm und nahmen den Bevölkerungen jede Luft zum Atmen. Die maßlose Gewalt der Folterdiktaturen im Irak und in Syrien delegitimierte die säkulare Staatlichkeit und trieb große Teile der Bevölkerung, die sich durch Misswirtschaft und Korruption ihrer Chancen auf ein anständiges Leben beraubt sah in die Arme jener Gruppen, die mit dem Islam die einzige ideologische Alternative darstellte, die von den Regimen nicht völlig unterdrückt werden konnte, wollte sie nicht jeden Kredit bei ihren Unteranten verlieren. Die islamische Neuorientierung ehemals säkularer Intellektueller hatte bereits 1976 ein Ausmaß erreicht, das den Experten Lewis zu dringlichen Warnungen an die westlichen Politiker veranlasste, die Reste demokratischer nicht-religiöser Bevölkerungsschichten nicht gänzlich im Stich zu lassen. Seine Warnungen blieben ungehört. Noch wenige Wochen vor dem Sturz des Schah von Persien war US Präsident Carter von seinem Geheimdienst mitgeteilt worden, dass der mieselsüchtige Volkstribun Ruhollah Khomeini keine Gefahr für die Stabilität des Iran darstellte. Die linke Begeisterung für die Entwicklungsdiktaturen Saddam Husseins, Muammar Ghaddafis oder Hafez Al-Assads und deren anti-imperialistische Rhetorik tat ein Übriges die Gefahr des Islamismus in westlichen Gegenden fundamental zu unterschätzen.

An mehreren Stellen seines Werks lieferte Lewis eine historisch fundierte Begründung, warum dieser Mangel an Demokratie zwangsläufig entstehen musste. Während in der christlichen Welt immer Staat und Kirche nebeneinander (oder auch gegen einander) existiert hatten und so einen natürlichen institutionellen Hintergrund bildeten, auf dem sich säkulare Trennungen vollziehen ließen, war eine solche Trennung im Islam niemals Teil der Realität. Staat und Religion mussten immer eins sein, aber die Macht des Kalifen oder Sultans war trotzdem niemals total, weil gerade der Islam immer dafür gesorgt hatte, dass es einen Interessenausgleich zwischen Zentrum und Peripherie gab. Über Jahrhunderte hinweg waren die islamischen Großreiche von dynastischen Kämpfen geprägte Institutionen, deren Gesellschaften trotzdem kulturell stabile Einheiten blieben, weil die islamische Religion zwischen Herrschaft und Beherrschten vermittelte, die Legitimität des Herrschers durch die Ulema einen fairen Anteil für die Bevölkerung erzwang. Mit dem Einbruch der technologischen Moderne änderte sich das. Der traditionelle Interessensausgleich wurde durch die Zentralisierung der Macht gebrochen und die modernen Mittel der Kommunikation, der Import westlicher Waffen und die Institutionalisierung von staatlicher Repression lösten die neuen Herrscher von allen Zwängen ihre Macht irgendwie konsensual zu teilen. Stattdessen errichteten sie Diktaturen und Organe der Gewalt, die alle inneren Mechanismen zerstörten mit der diese Gesellschaften ihr eignes Funktionieren gewährleistet hatten. Nach Lewis kam die Moderne für die islamischen Länder immer zu spät und zu früh, gleichzeitig. Dass er dabei den westlichen Kolonialismus niemals aus seiner Verantwortung entließ und die westliche Politik niemals als bloßen Zaungast betrachtete, sondern die Regierungen Europas und der USA wegen ihres mangelnden Einsatzes für mehr Demokratie direkt für den Aufstieg des Islamismus kritisierte, bemerkten nur jene Kritiker nicht, die ihn stets als orientalistischen Ideologen denunzierten und in ihm einen imperialen Kriegstreiber sahen.[9]

Obwohl Bernard Lewis nur wenig Substantielles über die Lage der Frauen in der muslimischen Geschichte geschrieben hat, war ihm stets bewusst, dass die Unterdrückung des weiblichen Teils der Bevölkerung, ihrem Ausschluss aus der Politik und dem öffentlichen Leben ein wesentlicher Teil der Misere zugeschrieben werden muss, die islamische Gesellschaften heute plagen. Der Mangel an Demokratie hängt mit dem Ausschluss von Frauen aus Politik und Kultur fundamental zusammen. Vor allem im 19. Jahrhundert sahen viele muslimische Intellektuelle, Araber, Perser und Türken gleichermaßen, dass ein wesentliches Entwicklungshindernis ihrer Gesellschaften darin bestand, dass die Hälfte der Bevölkerung von Bildung, Arbeit und politischer Teilhabe fern gehalten wurde. Dass es in dieser Frage nicht nur Rückschritte sondern auch Verbesserungen gibt sollte dennoch nicht verschwiegen werden. Fast die Hälfte aller Abschlüsse in naturwissenschaftlichen Studien und im Ingenieurswesen in muslimischen Ländern wird von Frauen erworben, während dieser Anteil in westlichen Ländern immer noch erschreckend niedrig ist.[10] Der Denunziation des Feminismus und der Frauenrechte als „westlicher Imperialismus“, wie sie heutzutage von linken AnhängerInnen des Anti-Imperialismus geäußert wird steht jedenfalls Bernard Lewis‘ kritischer Befund gegenüber, das sich westliche Kolonialisten niemals für das Schicksal der Frauen in den von ihnen kontrollierten Regionen interessiert hätten und gerade aus Gründen der Aufrechterhaltung von Herrschaft und Stabilität niemals versucht haben die patriarchalen Strukturen anzutasten. Für Lewis selbst stand die Frage nach Frauenrechten in muslimischen Ländern in einem größeren Kontext des islamischen Rechts, der Scharia, die eine strikte Unterscheidung zwischen Muslim, Freier, Mann auf der einen und Ungläubiger, Sklave, Frau auf der anderen vorsah. Während sich im Kontext der kapitalistischen Globalisierung also tatsächlich gesellschaftliche Umbrüche vollziehen, die fortschrittliche Gesetzgebungen, wie zuletzt in Tunesien unterstützt, und mehr Rechte, Mobilität und Teilhabe für die weibliche Bevölkerung bewirkt, steht mit dem politischen Islam ein regressiver Gegner dieser Entwicklung bereit überall dort wo er zur Macht kommt diese Errungenschaften sofort wieder rückgängig zu machen. Die Debatten um das Kopftuch haben gezeigt, dass islamistische Kräfte mit Hilfe ihrer westlichen Verbündeten sehr erfolgreich sind, Begriffe und Lebensrealitäten erfolgreich in ihrem Sinne um zu codieren. Was ein solcher Feind an Zerstörung und Barbarei auszurichten vermag, wenn er sich festsetzen kann, hat der Islamische Staat in Syrien und im Irak bewiesen.

Der dritte Punkt, der sich durch das gesamte Werk von Bernard Lewis zieht und der meiner Meinung nach einer der faszinierendsten Aspekte seiner Arbeit gewesen ist, betrifft das Problem der Wahrnehmung, das islamische Gesellschaften von anderen Kulturen und Zivilisationen in ihrer ganzen Geschichte bis heute haben. Dazu muss man zunächst den von Edward Said vom Zaun gebrochenen Streit betrachten, den dieser in seiner berühmten Studie „Orientalismus“ los getreten hatte und dessen Nachwirkungen bis heute spürbar sind. Said, ein palästinensisch stämmiger Amerikaner mit Vorliebe für klassische Musik und europäische Literatur hatte britische und französische Islamwissenschaftler beschuldigt mit ihrer Arbeit die ideologische und kulturelle Kolonialisierung des arabisch-muslimischen Raumes voran getrieben zu haben, indem sie das kolonialistische Bild und seine rassistischen Untertöne mit wissenschaftlicher Legitimation versorgt hätten. Alles, was Europäer oder Amerikaner über den Islam und den Orient zu sagen hätten, wäre rassistischer Eurozentrismus, eine Projektion, die nur dazu dienen würde den orientalischen Anderen zu einer Figur der Angst zu machen, die man kontrollieren und kolonialisieren müsste. Die gesamte westliche Orientwissenschaft sei ein Vorwand die systematische Abwertung und Degradierung der muslimischen Araber als Wilde und Barbaren zu gewährleisten. Saids Argumente und Methodologie sind von verschiedener Seite ausführlich kritisiert worden und lassen fast 40 Jahre später kaum etwas davon übrig, zumindest wenn man ihre Relevanz in wissenschaftlicher Forschung betrachtet.[11] Aber Saids Intentionen waren vor allem politischer Natur und sie zielten darauf ab die Reputation von Bernard Lewis, seinem Lieblingsfeind, und einigen anderen Doyens der westlichen Islamwissenschaft zu zerstören, was ihm in vielen Kreisen auch gelungen ist. Neben einigen historischen Fehlern, die ihm unterliefen, entblödete er sich nicht Lewis vorzuwerfen, er würde Araber zu Tieren zu erklären, weil dieser in einem Text die Wurzeln des arabischen Begriffes für Revolution etymologisch als Wort für „auf ein Pferd zu steigen“ hergeleitet hatte.[12] Said, der selbst nur eingeschränkt Kenntnisse des Arabischen besaß und sich weitaus besser in der amerikanischen und englischen Literatur des 19. Jahrhunderts auskannte als in der Arabistik, wurde von Lewis nicht ernst genommen. Obwohl er registriert haben muss, dass Saids Wirkung auf die politischen Flügel der humanities enormen Einfluss gehabt hat und zahlreiche Bücher inspirierte, die von Leuten geschrieben wurden, die ebenfalls sehr wenig Ahnung von den Orientwissenschaften haben, war ihm die Auseinandersetzung mit Said nicht wichtig genug, um sie intensiver zu betreiben. Was man heute, vierzig Jahre später jedoch sagen kann ist, dass das Werk von Lewis vor allem zu Tage fördert, dass es vielleicht einen Orientalismus gegeben hat, der Saids Idee irgendwie nahe kam, aber eben keinen „Okzidentalismus“ islamischer Prägung. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Said, der sich intensiv für die palästinische Sache engagierte aber von der PLO selbst aus deren Gremien vertrieben wurde in seiner Wut deshalb so in Lewis Werk verbissen hat, weil sich aus seiner – möglicherweise auch berechtigten – Kritik an der westlichen Islamwissenschaft keine einzige politische und kulturelle Alternative ableiten ließ. Er konnte zwar für viele seiner AnhängerInnen überzeugend zeigen, dass die westliche Perspektive auf den Islam falsch, rassistisch und kulturalistisch gewesen sein mag, aber er konnte keine arabische oder islamische Perspektive zeigen, die zumindest auf demselben Niveau eine andere Art über die Dinge nachzudenken und intellektuell zu reflektieren anzubieten imstande war. Es war, als ob genau jene Leute, für die sich Said so einsetzte ihm ausgerechnet dabei jede Gefolgschaft verweigerten.

Eines der interessantesten Bücher die Lewis je geschrieben hat ist „The Muslim discovery of Europe“ aus dem Jahre 1982, das sich der damals (und heute noch) selten gestellten Frage widmet, wie muslimische Gesellschaften eigentlich Europa sahen, und welche Schlussfolgerungen sie aus dem Aufeinandertreffen von muslimischen Orient und christlichem Okzident zogen. Lewis Ergebnisse sind bis heute sehr überraschend und werden, wie vieles was er im Lauf seines Lebens geschrieben hat, immer noch ignoriert. In diesem Buch entfaltet er das Bild einer mächtigen Zivilisation, die vom 8. bis etwa ins 13. Jahrhundert von Erfolg zu Erfolg eilte, weite Teile Asiens und große Teile Süd und Osteuropas unterwarf und bis tief in den afrikanischen Kontinent hinein das Maß aller Dinge war. Die Größe des islamischen Einflussgebiets entsprach dem Ausmaß des eigenen Selbstbewusstseins. In der Selbstwahrnehmung der muslimischen Eliten und ihrer Bevölkerungen war es bloß eine Frage der Zeit bis die ganze Welt bekehrt und Teil des Hauses des Islam werden sollte. Man war das Zentrum der Welt, intellektueller Höhepunkt und unüberschreitbarer kultureller Horizont zugleich, der aus seinen eigenen Ressourcen unerschöpfliche Reichtümer materieller wie geistiger Art erzeugen konnte. Die erste Unterbrechung dieses Erfolgslaufs war die Vernichtung des Kalifats von Bagdad durch die mongolischen Reiterheere 1258, ein entsetzliches Massaker mit katastrophalen Spätfolgen für den gesamten arabischen Raum. Im Lauf der nächsten drei Jahrhunderte verschob sich das Machtzentrum im Islam von der arabischen Halbinsel nach Kleinasien und begünstigte so den Aufstieg des osmanischen Reiches zum größten Imperium der islamischen Welt. Obwohl die Eindringlinge aus den asiatischen Steppen bereits zwei Jahre später, 1260 in der Schlacht bei Ain Djalut, wieder zurück geschlagen werden konnten, scheint sich die muslimische Kultur des Nahen Ostens davon nie richtig erholt zu haben. Genauer gesagt ist die Vernichtung Bagdads in der muslimischen Geschichtsschreibung bis heute ein weitaus wichtigeres Ereignis als jene Episode, die im europäisch/christlichen Sprachraum als Ära der Kreuzzüge bekannt ist. Die islamische Zivilisation hatte knapp zwei Generationen vor der Vernichtung Bagdads den Einfall der Kreuzfahrer überstanden und das christliche Königreich Jerusalem wieder aus dem Nahen Osten vertrieben. Europa war für sie ein kalter barbarischer Landstrich im Norden, der keine interessante Kultur anbot und von so geringem Interesse war, dass man erst im 19. Jahrhundert den Begriff „Kreuzzug“ für die arabisch/muslimische Diskussion über diese kaum beachtete Episode der Geschichte adaptierte. Das interessante Detail dieses damals sicher begründeten Desinteresses an europäischer Innenpolitik ist nun, dass dieses Desinteresse wie Lewis mehrmals bekräftigt auch bis weit ins 19. Jahrhundert dauerte. Was Lewis in „The muslim discovery of Europe“ entfaltet ist ein Panorama der Wahrnehmung der islamischen und christlich/europäischen Welten voneinander, das asymmetrischer nicht sein kann.

Lewis definiert einige sehr interessante Unterschiede in den Ausgangsbedingungen dieser Konfrontation. Das Interesse der Europäer an dieser Region war zunächst religiöser Natur. Die heiligen Stätten des Christentums liegen in Jerusalem, genau wie die der Juden und einige der Muslime, und der Nahe Osten war bis zur Geburt des Islams noch von sehr vielen christlichen Gemeinden bewohnt, ehe der südliche Mittelmeerraum zum Kerngebiet der islamischen Welt wurde. Europäische Pilger und später die Kreuzfahrer hatten also ein enormes Interesse daran, einerseits die Kultstätten zu bewahren, andererseits den politischen Einfluss wieder zu gewinnen, den sie durch den Vormarsch des Islam verloren hatten. Ganz anders die muslimische Bevölkerung des Nahen und Mittleren Ostens: Es gab keine heiligen Stätten in Europa und es lebten dort auch im Gegensatz zu heute keine muslimischen Minderheiten, die Verbindungen notwendig und Austausch attraktiv gemacht hätten.

Eine weitere Ausgangsbedingung des Verhältnisses zwischen dem Islam und Europa bezieht sich auf die Rolle der Sprache. Während der islamische Raum neben sehr vielen Dialekten auf eine einzige Hochsprache, arabisch, komprimierbar gewesen ist, war den Europäern immer schon die Notwendigkeit bewusst gewesen, dass man in mehreren Sprachen kommunizieren muss. Zwar gab es auch mit Latein eine Hochsprache, aber dem christlichen Glauben wohnt das Erbe vieler anderer Sprachen vom Hebräischen zum Aramäischen über das Griechische bis zum Arabischen inne. Übersetzung und Übersetzungsarbeit gehören zu den wichtigsten kulturellen Leistungen der mönchischen Arbeit des Christentums. Während sich die christliche Ausbreitung langsam vollzog und in feindlichen Umgebungen erst daran arbeiten musste anerkannt zu werden, breitete sich der Islam enorm schnell aus, und kam als siegreicher Eroberer, der allen Unterworfenen seine Sprache, seine Kultur und sein Rechtssystem anzubieten imstande war. Der gebildete Muslim konnte sich vom 9. Jahrhundert an zwischen dem westlichen Nordafrika über Kleinasien und dem nördlichen Kaukasus bis zu den Rändern des Himalaja in praktisch einem Idiom bewegen, das einen universalen kulturellen Kanon anbot. Übersetzungen oder gar das Erlernen fremder Sprachen erschienen überflüssig und wurden nicht gefördert. Lewis betont mehrmals, dass im gesamten Mittelalter bis weit nach 1300 kein einziges Buch aus dem Lateinischen ins Arabische übersetzt worden ist. Die islamische Philosophie dieser Epoche kannte weder Augustinus noch Thomas von Aquin und schon gar nicht Duns Scotus. Diese Feststellung muss zunächst nicht viel mehr heißen, als bis zur Neuzeit wenig Literatur von der einen Seite zur anderen kam, aber Lewis betont, dass dies auch für spätere Jahrhunderte galt, als die osmanischen Heere schwere Niederlagen erlitten und der Aufstieg der europäischen Mächte zu den bestimmenden Kräften zwischen den Weltmeeren auch für die islamische Welt eine sichtbare Tatsache geworden sein muss. Die Ignoranz anderer Kulturen gegenüber ist selbstverständlich kein islamisches Spezifikum und Lewis merkt ironisch an, dass ein Muslim des 18. Jahrhunderts von Europa ebenso viel wusste, wie ein durchschnittlicher Europäer des 19. Jahrhunderts vom Inneren Afrikas. Das schlichtweg Erstaunliche daran ist, dass diese Verweigerung einer intensiveren Auseinandersetzung selbst dann noch anhielt, als die negativen Konsequenzen für die eigenen Gesellschaften bereits unübersehbar geworden waren. Selbst im 19. Jahrhundert, als das osmanische Reich einen akuten Reformbedarf in Fragen der Verwaltung, der Infrastruktur und natürlich der militärischen Schlagkraft ortete und zum ersten Mal in größerem Umfang osmanische Beamte zum Studieren in den Westen schickte, beschränkte sich dieses Engagement vor allem auf militärische Fragen, den Import von Waffen oder waffenfähiger Technologie und das Know-how für die Ausbildung der Armee. Zwar wurde das Ausmaß der industriellen Revolution von Strategen und Beamten als Faktor wahrgenommen, aber ihre Empfehlungen wurden nicht umgesetzt oder verworfen. Das wie gesagt Erstaunliche daran ist nicht, dass es diese Ignoranz gab und manchmal heute noch gibt, oder dass sie etwas spezifisch Muslimisches wäre, sondern dass diese Ignoranz selbst dann nicht aufgegeben wurde, als sie schwere Konsequenzen für die eigene Gesellschaft hatten. Was in der Politik modus operandi war, galt natürlich auch für die Wissenschaften und die intellektuelle Kultur. Obwohl die muslimisch-arabische Tradition einige Bücher des Aristoteles bewahrte und wichtige Teile der griechischen Tradition erst für Europa zugänglich machte, ignorierte sie Homer völlig und schenkte der dramatischen Kunst eines Aischylos, Sophokles, Euripides keinerlei Aufmerksamkeit. Dieses System einer äußerst selektiven Wahrnehmung zieht sich durch die gesamte islamische Geschichte, wenn es um die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen geht.

Lewis erwähnt einen großen osmanischen Historiker vor 1700, Katib Celebi, der in seiner Universalgeschichte der bekannten Welt den europäischen Entwicklungen nur ein paar Seiten einräumt. Das Christentum beschreibt er ausschließlich durch das frühes Schisma der Nestorianer im 5. Jahrhundert und von den wenige Jahrzehnte zurück liegenden Auswirkungen der Reformation, die eine komplette Neuordnung der europäischen Politik auslösten schweigt er und interessiert sich offenbar auch nicht dafür. Obwohl das osmanische Reich in unmittelbarer Gegenwart 1683 vor Wien eine schwere Niederlage erlitten hatte, blieb selbst eine eingehende Einschätzung des Feindes durch eine Analyse etwa des 30 jährigen Krieges, der Auswirkungen der Reformation auf die politische Struktur der europäischen Monarchien, ihre Spaltung in katholische und protestantische Schismen vollständig aus. Literatur von Shakespeare, Cervantes oder gar Rabelais fand keinen Eingang in die islamische Kultur, gleiches gilt für die Enzyklopädisten, die Physiker und die Philosophen der europäischen Aufklärung. Glaubt man Bernard Lewis gab es dafür auf islamischer Seite schlicht kein Interesse. Es gab keine Übersetzer, keine Wörterbücher und keine Neugier auf die Entwicklungen jenseits des Mittelmeers. Das verwundert nicht nur, sondern wird durch die noch merkwürdigere Tatsache konterkariert, dass es auf europäischer Seite ein enormes Interesse an arabischer, persischer und türkischer Sprache gab, das dazu führte, dass vom 16. Jahrhundert an fast alle europäischen Universitäten Lehrstühle für diese Sprachen einrichteten, Wörterbücher und Grammatiken veröffentlichten und arabische Bücher sammelten, um sie wissenschaftlich zugänglich zu machen. In der Medizin lasen die Europäer Bücher von Abu Bekr Mohammed ibn Zakariya al-Razi (880–932), einem Perser der bei uns Rhazes genannt wurde, von dem u.a. die erste klinische Beschreibung der Pocken, ihren möglichen Ursachen und Heilungsmethoden stammte, aber es gab erheblichen Widerstand dagegen Paracelsus in die islamische Wissenschaft einzuführen. Wie konnte es zu einem solchen Ungleichgewicht kommen, das auch noch anhielt, als die Folgen und Konsequenzen dieser Ignoranz bereits überall sichtbar waren?

Bedeutende Teile (bei weitem nicht alle) des antiken Wissen der Griechen, ihre Texte und das sprachliche Erbe wurden wie allgemein bekannt ist, durch die arabische Übersetzungen in Europa eingeführt. Wie ich an anderer Stelle zeigen konnte ist diese allgemein bekannte Tatsache weniger eine Tatsache, als eine komplizierte Übertreibung.[13] Der französische Religionswissenschaftler Remi Brague hat einmal angemerkt, dass diese arabischen Übersetzungen aus dem Griechischen ausschließlich von christlichen oder jüdischen Autoren stammen, also Menschen mit Fremdsprachenkenntnissen und Know-how in Übersetzungsarbeit. Da diese christlichen und jüdischen Gemeinden in der frühen Zeit des Islam noch sehr gut behandelt wurden, konnten sie ihr Fremdsprachen Know-how in die islamische Renaissance einbringen. Es erstaunt dennoch, dass gerade diese Fähigkeit insgesamt sehr unterschätzt wurde und das bis weit in die Neuzeit. Solange sich die islamische Welt in dem Gefühl baden konnte, die erste Zivilisation des Planeten zu sein, erwies sie sich als erstaunlich weltoffen und tolerant. Aber diesem totalen Überlegenheitsgefühl wohnte auch eine große Überheblichkeit inne, die sich heute furchtbar gerächt hat. Fremde Sprachen, gar Auseinandersetzung mit einem als unbedeutend empfundenen Feind galten als überflüssig, waren sozial nicht anerkannt und wurde den Nichtmuslimen überlassen, die im Herrschaftsbereich des Islam einen anerkannten Rechtsstatus genossen. Nach dem 13. Jahrhundert wurden die „Tore des Idschtihād“ geschlossen. „Idschtihād“ bezeichnet die selbstständige Interpretation der Rechtsquellen, also Koran und Hadithen. Wie Tilman Nagel in der „Geschichte der islamischen Theologie“ beschreibt, wurde die offizielle Auslegung der heiligen Schriften nach dem 13. Jahrhundert danach beurteilt, wie eng sie sich an die Interpretationen der klassischen Rechtsschulen anlehnte. Neuerungen waren nicht mehr erwünscht und galten als wertlos oder sogar ketzerisch. Mit der Schließung der Tore des „Idschtihād“, die dazu gedacht war die Rechtsprechung eindeutig zu standardisieren, wurden jedoch vor allem intellektuelle Neuerungen verhindert und die große Wissenschaftskultur des Islam verfiel. Ein sehr bedeutender Unterschied zwischen Europa und der islamischen Welt liegt daher in der Tatsache, die Remi Brague in mehreren seiner Texte verarbeitet hat. Europa hat sich immer schon mit außerhalb liegenden Horizonten beschäftigt. Allein das antike Erbe der griechischen Tradition fand ja mehr in Kleinasien statt als auf dem europäischen Festland, das Christentum kommt aus dem Nahen Osten und die Expansionen der Neuzeit verweisen wie Peter Sloterdijk in „Der Weltinnenraum des Kapitals“ gezeigt hat, auf ein spezifisches Framework der Wahrnehmung, das seinen Blick ständig auf Neues, Unbekanntes werfen muss. Europa ist der Blick über den Horizont, während das islamische Imperium fast vollständig aus sich selbst heraus entstand. Die im Koran offenbarte Wahrheit, eine Einheit aus Religion, Politik, Kultur und Recht ermöglichte einer bis dahin unbedeutenden und zerstrittenen Stammesgesellschaft den Aufstieg zur Weltmacht innerhalb eines Jahrhunderts, schneller als das bis dahin irgendeine vergleichbare Kraft zustande gebracht hatte. Aus welchen Gründen, äußeren und inneren Ursachen, sie sich entschloss den Antrieb zur Weiterentwicklung fast völlig aufzugeben ist keine leicht zu beantwortende Frage.

Es gibt keinerlei Entsprechung in der muslimischen Kulturgeschichte, die sich mit Europa, dem Christentum und seinen Wurzeln beschäftigt hätte, um die Vielfalt der Sprachen mit den enormen Unterschieden in den ethnischen und linguistischen Diversifikationen zu untersuchen. Und es entstand keine Kultur, die einen „Okzidentalismus“ hervorgebracht und eine Auseinandersetzung oder gar Wettstreit um das antike Erbe von Platon und Aristoteles gesucht hätte. Die großen Philosophen der islamischen Renaissance (und selbst von diesen nicht alle) blieben die einzigen Quellen dieses Raums, und so wurden Kant, Rousseau oder Spinoza einfach ignoriert. Man kann wie Bernard Lewis das getan hat nur Bedauern über diese Tatsache zum Ausdruck bringen.

Neben Großbritannien, Frankreich und Russland zählt der deutschsprachige Raum zu den Zentren der Islamstudien außerhalb islamischer Länder. Die reiche Tradition der deutschen Arabistik hat bedeutende Beiträge zur Entstehung des Korans, die linguistische Durchdringung der arabischen Sprache und die kritische Historisierung der islamischen Frühgeschichte geliefert. Typisch für Edward Saids politische Absichten ist, dass er den Rang der deutschen Arabistik für die Islamstudien in den islamischen Ländern selbst praktisch völlig negiert, weil er nachweisen muss, dass die Orientalistik hauptsächlich der ideologische Vorwand für den englischen und französischen Imperialismus ist. Arabische Studien und Auseinandersetzung über den Islam haben sich aber schon mindestens drei Jahrhunderte vor dieser Zeit an den europäischen Universitäten etabliert.

Die gegenseitige Wahrnehmung von Christentum und Islam ist ebenfalls ein Brennpunkt zahlloser Missverständnisse. Für den christlichen Europäer ist der Islam vor allem eine andere Religion. Das Bild des Fremden und des Anderen, das sich in den Kritiken am Orientalismus manifestiert, hat also mit der Distanz zu tun, die das christliche Erbe im europäischen Denken hinterlassen hat, wenn es zu Begegnungen mit dem Islam kam. Der Islam ist ein Platzhalter für das Fremde und darum eine beliebte Andockstelle für rassistische Agitation. Aber dieselbe Fremdheit und Distanz, die rechtsextreme Politiken zu befördern trachten, ist auch Grund für eine intensive akademische Auseinandersetzung. Etwas, das fremd ist, kann man mit geeigneten Methoden untersuchen und studieren. Die Tradition der Arabistik hat in der Dimension des Fremden, das der Islam darstellt, sicher eine ihrer Ursachen.

Aber wie sieht es aus der anderen Perspektive aus? Für den Islam ist das Christentum (und das Judentum) nichts Fremdes. Der Islam wurde in einem regionalen Kontext geboren, in dem viele Christen und Juden lebten und schon Jahrhunderte lang gelebt hatten. Zum einen benutzt der Koran Altes und Neues Testament (in unterschiedlicher Gewichtung) als Quellen und zum anderen wird die Offenbarung des Propheten als direkte Fortsetzung und Abschluss christlichen und jüdischen Schrifttums gesehen. Aus muslimischer Sicht sind Christen und Juden also direkte Vorläufer des Islam, die es aber aus bestimmten Gründen nicht über die Ziellinie geschafft haben oder besser: Judentum und Christentum sind sozusagen Betaversionen des Islam. Wo der europäische Blick also vor allem etwas fremdartig Rätselhaftes sieht, sieht der Muslim mit mehr oder weniger respektvoller Langeweile etwas längst Vertrautes, das hoffnungslos veraltet ist und sich durch Übernahme heidnischer Riten vom rechten Weg entfernt hat. Der Blick des Islam auf das Christentum kann durch einen bemerkenswerten Satz Hegels aus der Phänomenologie beschrieben werden: „Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt.“ Wenn man Bernrad Lewis‘ akribischer Dokumentation dieser intellektuellen Diskrepanz folgt, dann ist es bei weitem nicht mehr so unverständlich, warum sich die Länder des Islam seit Jahrhunderten in einer permanenten Krise befinden. Die Krise des Islam ist, so Lewis, keine Folge des westlichen Imperialismus, sondern der Imperialismus konnt nur deshalb eine solche Krise auslösen, weil sich die Gesellschaften der islamischen Welt schon zuvor in Auflösung und Zerfall befanden.

Es gehört zu den großen Verdiensten von Bernard Lewis, durch seine überragende Kenntnis der Quellen und seiner tief verankerten Liebe zur Sprache die schwierigen Klippen, die uns in  der Auseinandersetzung mit dem Islam begegnen kartographiert zu haben. Er beurteilte Islam und Christentum als zwei eigenständige Zivilisationen, deren gemeinsame Vermittlung das Judentum darstellt, das in seinem Verständnis keine eigene Zivilisation hervor gebracht hat, sondern in beiden sich zurecht finden musste. Eine Vermittlung zwischen verschiedenen Welten zu sein und beiden den jeweils anderen zu zeigen hat er immer als seine Aufgabe betrachtet. Wir wollen ihn so und nicht anders in Erinnerung behalten.

 

 

[1] https://www.commentarymagazine.com/articles/the-return-of-islam/

[2] https://mosaicmagazine.com/essay/2016/06/the-return-of-bernard-lewis/

[3] https://www.commentarymagazine.com/articles/the-return-of-islam/

[4] Ebd.

[5] Donner Lecture, Toronto, Mai 2002

[6] Lewis, Islam and the West (1993)

[7] https://en.wikipedia.org/wiki/Bernard_Lewis#Armenian_Genocide

[8] https://en.wikipedia.org/wiki/Bernard_Lewis_bibliography

[9] Siehe Lewis: The End of Modern History in the Middle East (2011), Faith and Power. Religion and Politics in the Middle East (2010), The Political Language of Islam (1988)

[10] http://www.slate.com/blogs/better_life_lab/2017/11/09/the_stem_paradox_why_are_muslim_majority_countries_producing_so_many_female.html

[11] Siehe: Robert Irwin: The Lust For Knowing (2007), Martin Varisco: Reading Orientalism (2007), Ibn Warraq: Defending the West (2007)

[12] Lewis, Islam and the West (1993), siehe auch: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/hoch-schule/zum-tod-von-bernard-lewis-15602086.html

[13] https://dieweltohneuns.wordpress.com/2018/03/03/die-silhouette-im-spiegel-ueber-mohammed-abed-al-jabris-kritik-der-arabischen-vernunft/

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Hoch lebe Donald Trump

20. Mai 2018

Bis zur deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 ermordete Nazideutschland mit Hitlers willigen Vollstreckern fabrikmäßig sechs Millionen Juden unter anderem in Konzentrations- und Vernichtungslagern, wie beispielsweise Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor oder Majdanek. Adolf Eichmann war der Organisator für die Vertreibung und Deportation  der Juden. Ich seinem argentinischen Exil berichtete Eichmann zerknirscht dem holländischen SS-Reporter Willem Sassen: “Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, hätten wir von den 10,3 Millionen Juden, die Korherr ausgewiesen hat, wie wir jetzt wissen, 10,3 Millionen Juden getötet, dann wäre ich befriedigt und würde sagen, gut, wir haben einen Feind vernichtet.“

Mit dem Sieg der islamischen Revolution im Iran 1979 könnten Adolf Eichmanns Vernichtungsträume zur Realität werden. Der Iran ist ein faschistischer Gottesstaat, dessen Repräsentanten seit 1979 beinahe täglich zur Vernichtung Israels aufrufen. Beispielshalber im Jahr 2000 meinte der „gemäßigte“ iranische Präsident Rafsanjani  in einer Freitagspredigt: „Wenn eines Tages, eines natürlich äußerst bedeutenden Tages, die islamische Welt mit Waffen ausgerüstet sein wird, über welche Israel schon heute verfügt, dann wird die imperialistische Strategie in eine Sackgasse geraten, denn die Anwendung auch nur einer Atombombe in Israel wird es vom Angesicht der Erde tilgen, während die islamische Welt lediglich Schaden erleiden wird.“ Der aktuell mächtigste Mann des Irans, Ali Chamenei, halluzinierte mehrfach vom „Krebsgeschwür Israel“ das aus der „Region herausgerissen werden muss.“ Jedes Jahr findet in Teheran und weltweit der antisemitische al-Quds-Tag statt, an dem zur Vernichtung Israels aufgerufen wird. In Teheran haben letztes Jahr eine Million Menschen daran teilgenommen, darunter auch der in Europa als „gemäßigt“ geltende Präsident Hassan Rouhani.

Seit der islamischen Revolution wurden und werden im Iran Oppositionelle tausendfach gefoltert und hingerichtet. Durch die Scharia „legitimiert“ wird die iranische Bevölkerung terrorisiert. Frauen werden dazu gezwungen in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen und Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis oder Peitschenhieben bestraft.  „Ehebrecherinnen“ werden im Iran gesteinigt und Homosexuelle, gleich welchen Alters an Baukränen erhängt. Frauen sind im Iran ohnehin Menschen zweiter Klasse. Der Iran unterstützt die Terrorbanden und Regime der Hamas, der Hisbollah bis zu Syriens Massenmörder Assad. Der Iran leugnet den Holocaust und für sein oberstes Ziel, der Vernichtung Israels benötigt der Iran eben die Atombombe.

Unter Barak Obama kam es 2015 zum sogenannten Atomdeal mit dem Iran. Für 15 Jahre sollte der Iran seine Urananreicherung reduzieren um dafür als Gegenleistung mit der Aufhebung der westlichen Sanktionen belohnt zu werden.  Wie faul der „Deal“ schon immer war, wurde im Laufe der Zeit immer offensichtlicher. Donald Trump begründete am 8. Mai seine Entscheidung das „Abkommen“ zu kündigen und die Sanktionen gegen den Iran wieder in Kraft treten zu lassen unter anderem: „Das iranische Regime ist der führende staatliche Sponsor des Terrors. Es exportiert gefährliche Raketen, schürt Konflikte im gesamten Nahen Osten und unterstützt terroristische Vertreter und Milizen wie die Hisbollah, die Hamas, die Taliban und die Al-Qaida. (…)

Theoretisch sollte der sogenannte „Iran-Deal“ die Vereinigten Staaten und unsere Verbündeten vor dem Wahnsinn einer iranischen Atombombe schützen, einer Waffe, die nur das Überleben des iranischen Regimes sichern wird. Tatsächlich erlaubte das Abkommen dem Iran, die Anreicherung von Uran fortzusetzen und – im Laufe der Zeit – an den Rand einer nuklearen Anwendung zu gelangen. Das Abkommen hob lähmende Wirtschaftssanktionen gegen den Iran im Austausch für sehr schwache Grenzen der nuklearen Aktivitäten des Regimes auf – und setzte keine Grenzen für sein anderes bösartiges Verhalten, einschließlich seiner finsteren Aktivitäten in Syrien, im Jemen und an anderen Orten auf der ganzen Welt. (…)

Im Mittelpunkt des Iran-Deals stand eine riesige Fiktion: Dass ein mörderisches Regime nur ein friedliches Kernenergieprogramm wünschte. Heute haben wir den endgültigen Beweis, dass dieses iranische Versprechen eine Lüge war. Letzte Woche veröffentlichte Israel Geheimdienstdokumente, die das iranische Regime und seine Geschichte der Verfolgung von Atomwaffen schlüssig darstellen. Tatsache ist, dies war ein schrecklicher, einseitiger Deal, der niemals hätte gemacht werden dürfen. Er brachte keine Ruhe, er brachte keinen Frieden, und das wird er auch nie. In den Jahren seit dem Abschluss des Abkommens ist der Militärhaushalt des Iran um fast 40 Prozent gewachsen – während es seiner Wirtschaft sehr schlecht geht. Nachdem die Sanktionen aufgehoben wurden, setzte die Diktatur ihre neuen Mittel ein, um nukleare Träger-Raketen zu bauen, den Terrorismus zu unterstützen und Verwüstungen im gesamten Nahen Osten und darüber hinaus zu verursachen.“

Donald Trump hat Recht: Das Abkommen hatte drei schwere Konstruktionsfehler. Die Atomare Aufrüstung des Irans wurde nur verzögert, aber nicht aufgehalten. „In sechs Jahren darf Teheran seine Forschungen an Hochleistungszentrifugen, die Waffenuran zu produzieren vermögen, um den Faktor 30 ausweiten und in acht Jahren, seine Anreicherungskapazität vervielfachen. Spätestens in 13 Jahren fallen sämtliche Begrenzungen des Atomdeals weg, dann darf der Iran Bombenrohstoffe in beliebiger Menge herstellen, dann darf er Plutoniumreaktoren bauen und Waffenuran en masse produzieren“ konstatierte ohne Illusionen Mathias Küntzel. Zu Atomwaffen gehören darüber hinaus Trägersysteme. Der Atomdeal klammerte jedoch das iranische Raketenprogramm aus.  Drittens waren die Kontrollen lächerlich. Kontrollen die einerseits viele Monate zuvor angekündigt werden mussten und in den militärischen Anlagen gänzlich ausgeschlossen waren, sind nicht wirklich ernst zu nehmen.

Der Atomdeal war eine “Wette auf die Zukunft“: Wenn man die iranischen Atomwünsche mittelfristig erfüllt und die sogenannten Moderaten im Regime die Oberhand gewinnen wird sich das Interesse an Atomwaffen schon  verlieren, so die naive Fehleinschätzung. In der Folge des Abkommens, verbunden mit den neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten des Irans, wurde der Aggressionskurs gegen Israel massiv gesteigert, die Raketenentwicklung wurde entgegen eines UN-Beschlusses massiv weiterentwickelt, der Libanon von der iranischen Hisbollah faktisch übernommen und Syrien zum iranischen Protektorat umgebaut und der Jemen, wie der Irak durch vom Iran gesteuerten und finanzierten schiitischen Milizen destabilisiert.

Dass Donald Trump ausgerechnet am 8. Mai seinen Ausstieg aus dem faulen Atom-Abkommen begründet, lässt auf sein gutes Geschichtswissen vermuten. Am 8. Mai 1945 verhinderten die Alliierten die Vollendung der Endlösung und am 8. Mai 2018 fällt Donald Trump den Judenmördern im Nahen Osten und den dazugehörigen westlichen Apologeten erneut in den Arm. Über den amerikanischen Botschafter ließ Donald Trump den deutschen Wirtschaftsführern und ihren Angestellten aus der Politik ausrichten, dass jede Firma, die weiterhin mit dem Terrorregime des Irans Geschäfte macht, in Zukunft mit den USA keine mehr machen wird.

Der darauf folgende jämmerliche Aufschrei der deutschen und europäischen Wirtschaft mit seinen beinahe gleichgeschalteten Medien lässt den fassungslosen Ärger nur erahnen, den Trump den skrupellosen deutschen und europäischen Firmen beschert hat. „Ich erwarte klare Äußerungen, auch von Heiko Maas, auch von Angela Merkel. Vor allen Dingen sollten sie die Firmen ermuntern, deutsche Firmen, sich nicht an den Sanktionen zu beteiligen, denn das ist ja das eigentliche Problem. Amerikanische Sanktionen werden auch auf deutsche Unternehmen Auswirkungen haben. Deshalb sollte man hier gemeinsam mit den Partnern Frankreich, Großbritannien versuchen, vielleicht sogar einen Fonds aufzulegen, dass Unternehmen darunter nicht zu „leiden“ haben,“  meinte der sich um die deutsche Export-Wirtschaft sorgende  Dietmar Bartsch von der Linkspartei.

Auch Thomas Berbner vom NDR ließ seiner Fassungslosigkeit freien Lauf: „Darauf hätte die Welt gut verzichten können, die neueste Selbstinszenierung von Donald Trump als Elefant im Porzellanladen der internationalen Politik hinterlässt mehr als nur Scherben. Der US-Präsident hat klar gemacht, dass seinem Land die Verträge das Papier nicht wert sind, auf dem sie stehen..“

Der Judenkritiker Jakob Augstein blieb sich in seinem neuesten „juden- und amerikakritischen“ Spiegel Online-Artikel treu, indem er wieder einmal seinem antisemitischen Idol Günter Grass nachtrauert, „schade, dass niemand auf Günter Grass gehört hat“ und „Atombomben für alle“ fordert, denn nur wenn auch der Iran die Atombombe besitzt, so halluziniert die Nummer 9, nur dann funktioniert das System der „wechselseitigen Abschreckung.“

Der Redaktionsleiter von Monitor, Georg Restle belegt das Scheitern der Reeducation in dem er twitterte: „Und das am 8. Mai: Oberster Kriegstreiber sitzt im Weißen Haus.“ Stefan Buchen von Panorama unterstellt dem amerikanischen Präsidenten „Moralische Verwahrlosung“ und zeigt offen seinen antisemitischen  Haß gegen Israels Ministerpräsidenten: „Die aufdringlich lärmende Rolle der israelischen Regierung kann niemand ignorieren. … Die Anti-Iran-Clique in Washington geht mit der Regierung in Jerusalem Hand in Hand. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman posaunte vor einigen Tagen, es gebe ‚drei Probleme: Iran, Iran und Iran.‘ Damit plapperte er die Worte des amerikanischen Verteidigungsministers Jim Mattis nach, der sich vor zwei Jahren genauso ausdrückte.“

Die Außenpolitik von Barak Obama war für den Nahen Osten ein Albtraum. Obamas defensives Lavieren im Syrienkrieg, sein Iran-Deal, mit der Aussicht einer Atommacht Iran, die Kumpanei mit Islamisten während des Arabischen Frühlings, die Bombardierung Libyens zur Chaoszone, die bevorstehende Niederlage gegen die Taliban in Afghanistan kennzeichneten die Außenpolitik der USA in seiner Amtszeit. Donald Trump macht seine Wahlversprechen war und zeigt sich hingegen als Freund Israels und somit Gegner der islamischen Terroristen.

Am 8. Mai 2018 machte Donald Trump das jahrelange Versprechen der USA wahr und verlegte zum 70. Jahrestag der Gründung Israels, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv in die israelische Hauptstadt nach West-Jerusalem.  Bereits 1995 beschloss der US-Kongress die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. Wie jedes andere souveräne Land der Welt hat Israel das Recht selbst zu bestimmen wo der Sitz seiner Hauptstadt ist. Ein islamischer von der Hamas aufgehetzter Mob versuchte am selben Tag, lange Wochen zuvor vorbereitet, die Grenzanlagen von Gaza nach Israel zu stürmen um möglichst viele Juden zu ermorden. Die israelische Armee war jedoch zur Stelle und verhinderte das islamistische Pogrom, in den Fällen wo es nicht anders ging auch mit scharfer Munition. Rund sechzig Palästinenser aus dem Gazastreifen kamen dabei ums Leben, mindestens fünfzig von ihnen waren Kämpfer und Mitglieder von den Terrorbanden der Hamas.

Israels Bestand ist unerlässlich für alle Juden, wo immer sie wohnen mögen. Israel ist die Insel der Aufklärung in einer sich ständig magisierenden Welt. Eine  Atombombe in den Händen der iranischen Terroristen ist das Ende des Humanismus. Nicht zum ersten Male entlarvt sich der Satz Angela Merkels von „Israels Sicherheit als Teil deutscher Staatsräson“ als leere Worthülse. Teil deutscher Staatsräson“ sind ganz offenbar zu allererst die Geschäfte mit dem Iran. Die mittelalterliche Menschenverachtung gegen die eigene Bevölkerung, die ständigen Vernichtungsdrohungen gegen Israel, die Holocaustleugnung, die Unterstützung des Terrors in Syrien, im Jemen, in Gaza und so weiter des iranischen Terrorregimes tangiert die skrupellosen Wortführer Europas kaum. Georg Restle, Stefan Buchen, Jakob Augstein und mit ihnen die restliche antisemitische Presse- und Medienlandschaft, die deutsche, englische und französische Regierung von Angela Merkel bis Emmanuel Macron, die israelfeindlichen europäischen Politiker von Federica Mogherini bis Donald Tusk zwingen mich Donald Trump hochleben zu lassen.

Ich bin bereit dazu.

 

Veröffentlicht auch bei Fisch und Fleisch

Zweierlei Religionskritik

14. Februar 2018

Im oberbayerischen Prien am Chiemsee hat im April 2017 ein Asylbewerber aus Afghanistan eine zum Christentum konvertierte Afghanin in aller Öffentlichkeit vor den Augen ihrer beiden fünf und elf Jahre alten Söhne am Eingang eines Supermarktes bestialisch ermordet. Laut Staatsanwalt Oliver Mößner sei die Tat einer Hinrichtung gleichgekommen. Die 38 Jahre alte Mutter wurde von hinten angriffen, der Täter versuchte ihr den Kopf abzuschneiden und stach mindestens 16 Mal auf sie ein. Einschreitende mutige Passanten konnten den fanatisierten Dschihadisten erst zu spät überwältigen. Das Vergehen der vierfachen Mutter war vom Islam zum Christentum überzutreten und laut islamischer Überlieferung wird gefordert: „Wer seine Religion wechselt, den tötet.“ Das Landgericht Traunstein verurteilte den Gotteskrieger zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte eine besondere Schwere der Schuld fest. Die Verteidigung wird in Revision gehen, da aus ihrer Sicht keine besondere Schwere der Schuld zu erkennen sei. Eine Diskussion über die Ideologie des Islam löste die Tat von Prien überregional und europaweit freilich nicht aus.

Am 19. August 2015 riss im Erstaufnahmeheim in Suhl ein Afghane, der sich vom Islam abgewandt hat, einzelne Seiten aus einem Koran heraus, weshalb auch er beinahe zum Opfer einer dschihadistischen Lynchjustiz geworden wäre. Der Religionskritiker floh ins Wachlokal des Heimes, wonach rund fünfzig beleidigte Moslems in den Sicherheitsraum eindrangen, alles kurz und klein schlugen und die mittlerweile herbeigerufenen Polizisten attackierten, mit dem Ergebnis von 14 Verletzten, darunter sechs Beamten. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linkspartei setzte kurzerhand Religion mit Ethnie gleich und sprach sich für „getrennte Flüchtlingsunterkünfte für verschiedene Ethnien“ aus. Entschuldigend meint Ramelow: „Sie sind alle Opfer“, denn er toleriere überhaupt nicht, „dass man einen Koran zerreißt und in eine Toilette schmeißt.“

Am 30. September 2005 erschienen zwölf  harmlose islamkritische Karikaturen in der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten.“ Der Kulturchef der Zeitung, Flemming Rose schrieb dazu unter anderem: „Einige Muslime lehnen die moderne, säkularisierte Gesellschaft ab. Sie beanspruchen eine Sonderbehandlung, wenn sie auf eine spezielle Rücksichtnahme auf eigene religiöse Gefühle bestehen. Das ist unvereinbar mit einer westlichen Demokratie und Meinungsfreiheit, angesichts derer man sich damit abfinden muss, zur Zielscheibe von Hohn und Spott zu werden oder sich lächerlich machen zu lassen.“ Kurz darauf gehen die ersten Morddrohungen bei der Zeitung ein und rund 3.000 Moslems demonstrieren nach dem Freitagsgebet auf dem Rathausplatz von Kopenhagen. Der dänische Ministerpräsident Rasmussen wird von verschiedenen islamischen Außenministern aufgefordert, er soll die „notwendigen Schritte“ unternehmen, um eine Schmähung des Islam zu verhindern. Im Januar 2006 zu Abschluss der Pilgerfahrt nach Mekka werden 100 Millionen Moslems per Satellit dazu aufgerufen sich der „Kampagne gegen den Propheten Mohammed“ zu widersetzen. Dänemark gerät unter zunehmenden Druck und wird von der restlichen EU alleine gelassen. Der luxemburgische Außenminister meint die ganze Sache sei „eher in dänisches als ein europäisches Problem“ und die österreichische Außenministerin schimpft: „Äußerungen und Handlungen, die eine Religion auf anstößige leise herabsetzen, sollten klar verurteilt werden.“ In Damaskus und Beirut wurde von beleidigten Gläubigen die Botschaft Dänemarks angezündet und in Teheran flogen Brandbomben in die dänische Vertretung. Bis die Proteste abebbten kamen in den gewalttätigen Demonstrationen weit über hundert meist Andersgläubige ums Leben. Ende April 2006 verlangte Osama Bin Laden die Auslieferung der Zeichner, die er vor ein islamisches Gericht stellen wollte. Diesen Sieg im „Kampf der Kulturen“ konnten die Gläubigen allerdings nicht auch noch einfahren, aber sehr viel mehr hatte die freie Welt aus Angst und der Sorge um seine Handelsbilanz dem islamischen Mob nicht entgegenzusetzen.

Wieviel Wert die „Zivilgesellschaft“ und ihre Verteidigung von Meinungsfreiheit haben, belegten die armseligen Aussagen der diversen Protagonisten. Edmund Stoiber von der CSU wollte wegen der Karikaturen gemeinsam mit Vertretern der anderen Glaubensgemeinschaften den Blasphemie-Paragraphen 166 verschärfen. Der „Israelkritiker“, SPD-Wahlkämpfer und ehemalige SS-Soldat Günter Grass redete von einer „bewussten und geplanten Provokation eines konservativen dänischen Blattes“ und nannte die gewalttätigen Ausschreitungen der Moslems eine „fundamentalistische Antwort auf eine fundamentalistische Tat.“ Grass außerdem: „Wir haben das Recht verloren, unter dem Recht auf freie Meinungsäußerung Schutz zu suchen. So lang sind die Zeiten der Majestätsbeleidigung nicht vorbei, und wir sollten nicht vergessen, dass es Orte gibt, die keine Trennung von Staat und Kirche kennen.“ Grass ging soweit die Mohammed-Karikaturen mit den antisemitischen Karikaturen des  „Stürmers“ gleichzusetzen. Claudia Roth von den  Grünen mahnte „Besonnenheit statt Kulturkampf“ an und meinte: „Deeskalation fängt zu Hause an.“ Die CDU und die SPD erklärten, nachdem aufgebrachte Gläubige in Teheran Brandbomben auf die österreichische Botschaft geworfen und „Gott ist groß!“ gerufen hatten, man müsse „den Dialog mit dem Islam verstärken.“

Linksintellektuelle, radikale Feministinnen, Antiimperialisten und Antifaschisten die gestern noch mit Karl Marx der Meinung waren, Religion sei Opium fürs Volk, finden nun plötzlich, man müsse doch Rücksicht nehmen auf religiöse Empfindungen, vor allem, wenn sie von muslimischen Gewaltakten begleitet werden. Christliche Politiker von der Union über die SPD bis zu den Grünen mit den entsprechenden Journalisten ihrer Parteiblätter halten sich bedeckt bei islamischen Terroranschlägen und der Frauenfeindlichkeit im Islam, da sie offenbar der Meinung sind, jede Kritik an der Religion schlägt letztlich auf ihren eigenen Glauben zurück.

Die Domestizierung des Christentums, die Trennung von Staat und Kirche in den westlichen Demokratien wäre ohne, auch verletzende, Kritik kaum möglich gewesen. Obwohl die christlichen Kirchen mehr oder weniger in ihre Schranken verwiesen wurden, obwohl Christen noch nicht auf die Idee gekommen sind, im Namen ihrer Religion, Flugzeuge zu entführen um in Hochhäuser zu fliegen um „Ungläubige“ zu ermorden ist beißende Kritik am Christentum an der Tagesordnung. Der Vorwurf einer „christophoben“ Haltung wurde deshalb bisher noch nicht erhoben. Weil Priester, Kardinäle, der Papst und die entsprechenden Gläubigen kaum wegen vermeintlicher Blasphemie zur Waffe oder zum Sprengstoffgürtel greifen ist die Kritik an der christlichen Religion sehr ungefährlich. Lang und ausgiebig beschäftigte sich selbst die bürgerliche Presse unter der Schirmherrschaft von Angela Merkel mit dem Missbrauchsskandal der christlichen Kirchen. Und dies völlig zu Recht.

Vor vielen Jahren wandelte die Satirezeitschrift Titanic den sogenannten „Pepsitest“ in einen „Hostientest“ um. Vor einer katholischen Kirche testete eine Frau mit verbundenen Augen drei geweihte Hostien. Ihr Urteil lautete: „Diese ist mein Favorit. Frisch vom Kreuz schmeckt er einfach am besten“.  Die Proteste in der christlichen Welt waren darauf marginal, beziehungsweise es gab keine. In der linken Monatszeitschrift Konkret schrieb einige Jahre später, mit einem Titelblatt auf dem Jesus mit Maschinengewehr am Kreuz zu sehen war, im März 1988 Herausgeber Hermann L. Gremliza in seiner Kolumne: „Jedes Stückchen Emanzipation der Menschheit, noch das bescheidenste, ist nicht mit, sondern gegen Religion und Kirche erkämpft worden. Und schlichtester Anstand müsste es verbieten, einer religiösen Organisation, deren Geschichte eine einzige breite Blutspur zeichnet, den Gebrauch des Wortes „Menschenrecht“ anders zu quittieren als mit Hohnlachen oder einem Schlag auf die Pappn.“ Kritik am Christentum ist in linken Zeitungen kein Problem und das ist gut so. Nur, wie steht es mit der Kritik an den menschenverachtenden Zuständen und Terroraktionen im Namen des Islam?

Obwohl es dringend angebracht gewesen wäre war nach den Terror-Anschlägen vom 11. September oder den islamischen Anschlägen von Paris  von Religionskritik in Konkret, Titanic und anderen linken Publikationen kaum etwas zu lesen. Im Gegenteil. Der muslimische Terror und die islamische Ideologie wurden und werden in linken und linksliberalen Publikationen wie in den öffentlich-rechtlichen Medien entweder verharmlost oder teilweise sogar gerechtfertigt. Ausschlaggebend für den islamischen Terror ist, nach Ansicht dieser Schreiber entweder das soziale Umfeld oder die bittere Armut der Dschihadisten aus den meist ölexportierenden Ländern.

Selbst nach den islamischen Terroranschlägen auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo gab es im Februar 2015 in Konkret keinerlei Solidarität mit den Kollegen und Opfern der Meinungsfreiheit. Im Gegenteil, die  „soziale Frage“ wurde wieder in den Mittelpunkt gestellt und dafür wurde sogar der „reiche Jude“ Bernard-Henri Lévy  benötigt. So wurde in Konkret Lévys Artikel in der FAZ kritisiert, in dem dieser fordert, „ein für alle Mal mit dem beschwichtigenden Gerede aufzuhören, das uns so lange schon die nützlichen Idioten eines in die Soziologie des Elends und der Verzweiflung auflösbaren Islamismus vortragen.“  Konkret Herausgeber Gremliza schrieb dazu: „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen, 92 Milliardäre mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einen Meisterdenker kann das nicht erschüttern. Er zählt zur anderen Hälfte, wenn nicht zu dem einen Prozent.“

Bereits der Autor des islamophilen Werkes „Feindbild Muslim“, Kay Sokolowsky schrieb wenige Jahre zuvor über den jüdischen Philosophen und Publizisten Bernard-Henri Lévy in Konkret 5/2011: „Die Triumphpose eines Trottels imponiert der Meinungsmaschine, die einen wie ihn so dringend braucht wie der Brechdurchfall den Zwieback. Zur Medientauglichkeit trägt er sein Mögliches bei: Der ungezähmte Schopf demonstriert wahlweise Löwenmut oder die übermenschliche Kraft eines Samson, und weil ihm ständig der Kragen platzt, trägt er das blütenweiße Hemd aufgeknöpft bis zum Nabel der Welt. Einem groben Missverständnis zufolge, an dem er eifrig mitwirkt, gilt Lévy als Linker. Dabei ist er nichts weiter als ein sentimentaler Schwätzer, der „das Unrecht“ bekämpft, sofern man ihn dabei nur fotografieren kann.“

Interessant und vielsagend dabei ist: Der Islam-Versteher Kay Sokolowsky  kooperierte im Oktober 2009 mit dem islamistischen und antisemitischen Internetportal Muslimmarkt, dass unter anderem zum Boykott jüdischer Waren mit „schwarzen Listen“ der zu boykottierenden Produkte aufruft, in dem er mit den Islamisten in einem freundlichen Interview die Islamfeindlichkeit um ihn herum beklagt. Das betäubende Gerede von den sozial benachteiligten islamischen Terroristen, die fehlende Kritik am islamischen Terror, die unbedingte Distanz zu Israel, zu den Werten der Aufklärung, macht solcherlei Autoren zu Kombattanten der Gotteskrieger und belegt zugleich das fehlende Mitgefühl für die Opfer. Stellt man sich eine entsprechende „Argumentation“ bezüglich der sozialen Herkunft von Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrunds, beispielshalber von Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt und ihren Taten vor, wäre die Fassungslosigkeit dieser wiedergutgewordenen Deutschen nur zu erahnen.

Kritik am Islam wird von den Verteidigern des Islam sehr oft mit dem Vorwurf der „Islamophobie“ und des Rassismus gekontert. Der Kampfbegriff der „Islamophobie“ ist eine Erfindung des Ayatollah Khomeini während der Islamischen Revolution von 1979 im Iran. Den Mullahs diente er um ihre Gegner zu diffamieren. Im Juni 2008 wollte der britische Historiker David Littman im Auftrag einer NGO bei einer Sitzung des Menschenrechtrats der UN vergeblich eine Protesterklärung zur Steinigung von Frauen und zur Verheiratung von neunjährigen Mädchen in Ländern mit Scharia-Gesetzgebung verlesen. Die Vertreter der islamischen Länder verhinderten die Diskussion mit ständigen Zwischenrufen. Es sei eine Beleidigung des Glaubens wenn die Scharia in diesem Forum diskutiert werde, sagte der pakistanische Vertreter und der ägyptische Kollege meinte: „Die Scharia steht hier nicht zu Diskussion.“ Kritik an den menschenverachtenden Gesetzen der Scharia und der entsprechenden islamischen Ideologie ist in den Augen der islamischen Vertreter und ihren westlichen Verteidigern rassistisch. Der französische Essayist Pascal Bruckner sagte dazu: „Der Antirassismus ist in der Uno zur Ideologie der totalitären Bewegungen geworden, die ihn für ihre Zwecke benutzen.“

Als negativer Höhepunkt des Kulturrelativismus gilt zweifellos die Gleichsetzung von Antisemitismus und „Islamophobie“, die gleichzeitig eine Relativierung des Holocaust transportiert. So meinte im Dezember 2014 beispielshalber die Sozialdemokratin Gesine Schwan in einer Talkshow bei Günter Jauch beim Thema „Frustbürger und Fremdenfeinde“: „Wenn Sie irgendwo in eine Debatte kommen über Religion und Politik, geht es sofort gegen den Islam. Das, was früher das Judentum war, ist jetzt der Islam. Das ist eine gezielte Vorurteilsbereitschaft.“ Mit der Gleichsetzung von „Islamophobie“ und Antisemitismus bagatellisieren Leute wie Schwan die Shoa und sie verharmlosen den Judenhass in der islamischen Welt. Es ist kein Zufall dass die leidenschaftlichsten Verteidiger der islamischen Ideologie sehr oft die blindesten Gegner der Insel der Aufklärung im Nahen Osten, nämlich Israels sind.

Den Gleichsetzern von Antisemitismus und „Islamophobie“ sei gesagt: Es gibt keinen jüdischen Staat, in dem Dieben die Hände abgehackt, Ehebrecherinnen gesteinigt und Homosexuelle aufgehängt werden. Es gibt keinen jüdischen Staat indem Apostasie mit dem Tode bestraft wird. Es gibt keine jüdischen Terrorkommandos die Mädchen entführen, um sie auf Sklavenmärkten zu verkaufen, die für einen Massenmord in Hochhäuser fliegen, die im Namen ihrer Religion Satirezeitschriften stürmen und die Redakteure mit Maschinengewehren niedermähen und die bei Musikkonzerten hunderte Besucher niedermetzeln. Niemand will ein islamisches Land von der Landkarte auslöschen und es gibt keinen Satellitensender der im Kinderprogramm die Auslöschung aller Muslime fordert. Es gibt keine „Protokolle der Weisen von Mekka.“ Die Vorbehalte gegen den Islam basieren auf von Muslimen im Namen ihrer Religion begangenen realen Verbrechen, während die Feindschaft gegen Juden keinerlei realen Auslöser hat.

Wieso ist der Papst, nach hunderten antichristlichen Artikeln und Zeichnungen, mit einer bepissten Soutane auf dem Titelbild der Satirezeitschrift Titanic abgebildet und wieso ist in den letzten 30 Jahren so gut wie keine vergleichbare islamkritische Karikatur in dieser sehr deutschen Satirezeitung zu finden gewesen? Wieso durfte Helmut Kohl jahrelang ungestraft als „Birne“ in der Titanic gezeichnet, bezeichnet und belacht werden? Die religiösen Gefühle der anderthalb Milliarden Moslems sind nicht mehr wert als die Gefühle der zwei Milliarden Christen und die religiösen Gefühle der Moslems und der Christen sollten nicht wertvoller und schützenswerter sein als die persönlichen Gefühle von Helmut Kohl.

Wo sind in Europa die Imame, die Vertreter des Islam, die Mazyeks und wie sie sonst noch alle heißen, die sich öffentlichkeitswirksam von der Mordtat von Prien distanzieren und sich für alle Apostaten dieser Welt einsetzen. Wo sind die islamischen Geistlichen, die offensiv fordern, dass sich jeder Muslim ohne Gefahr von seiner Religion abwenden kann, die sich für die Meinungsfreiheit ohne Wenn und Aber einsetzen? Fehlanzeige? So gut wie nach jedem Terroranschlag betäubt der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, wie alle anderen Verteidiger des Islam, seine Zuhörer mit seinen Standardsatz „Das hat nichts mit dem Islam zu tun.“ Es sind nicht mehr die christlichen Kirchen die Hauptgefahr für die Emanzipation der Menschheit. Der islamische Fundamentalismus stellt mittlerweile ein ungleich größeres Problem mit seinen Angriffen auf die Aufklärung und die Zivilisation dar. Diese Ideologie richtet sich gegen die in der Aufklärung errungenen Werte der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Wie die Aufstände nach den Mohammed-Karikaturen gezeigt haben kann der mittelalterliche Aberglaube in kurzer Zeit die islamischen Massen mobilisieren um dabei seine Macht zu demonstrieren. Samuel Huntingtons Thesen sind weitgehend eingetroffen.

Was hat Kritik am Islam mit Rassismus zu tun? Genausowenig wie Kritik am Christentum. Klar ist, jeder Generalverdacht gegen Muslime ist zurückzuweisen. Wer aber die Zumutungen und die Verbrechen des Islam verharmlost oder gar rechtfertigt macht sich zum Steigbügelhalter von AfD und anderen rechten Parteien. Im 21. Jahrhundert muss es nicht nur erlaubt sein, reaktionäre Ideologien zu kritisieren. Wer dazu schweigt macht sich schuldig. Wer die islamische Ideologie mit ihrem Terror verharmlost oder sie gar verteidigt vertritt eine regressive und reaktionäre Position. Bereits 1843 schrieb Karl Marx in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie: „die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik“ und „das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“ Im 21. Jahrhundert sollte der zunehmenden Magisierung der Welt Einhalt geboten werden und das Mittelalter endlich der Vergangenheit angehören.

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

 

Wären Marx und Engels heute Anti-Imperialisten oder Anti-Deutsche? Überlegungen zu einer unentschiedenen Frage.

22. Dezember 2017

The Young Karl Marx

„Der junge Karl Marx“ (Regie: Raoul Peck, Deutschland 2017)

Für Manfred

1.

Obwohl ich ursprünglich selbst einen Text zur „Judenfrage“ von Marx schreiben wollte, erschien mir dieser schlicht ergreifend überflüssig als der Essay des geschätzten Kollegen Breitenberger auf der „Mission Impossible“ erschien. Ich habe mich darum entschlossen ein wenig um die „Judenfrage“ herum zu schreiben und mir zu überlegen wie sich Karl Marx und Friedrich Engels wohl heute in Fragen der globalen Verhältnisse politisch positionieren würden, ohne schon zuvor eine Entscheidung darüber getroffen zu haben. Wären Marx und Engels heute eher altbackene linksgrüne Salonkommunisten oder würden sie es eher mit Adorno und der Kritischen Theorie halten? Es gibt für beide Varianten gute verlässliche Gründe im Werk von Marx und Engels selbst. Es wäre jede Variante denkbar in der sich beide auf derselben oder jeder einzeln auf verschiedenen Seiten gegenüber stehen würden. Die zum Teil völlig sinnentleerten Streitereien über das Erbe von Marx und Engels und wie beide für ganz unterschiedliche Zwecke instrumentalisiert werden können ist jedoch für diesen Beitrag von sehr geringem Interesse. Das Ziel der Frage ob Marx und Engels heute Anti-Imperialisten oder Anti-Deutsche wären ist vor allem Klarheit darüber zu bekommen wie lückenhaft und brüchig die philosophische und hermeneutische Struktur des Marxismus ganz insgesamt ist. Was uns Marx und Engels hinterließen war kein geschlossenes Werk und schon gar keine ausformulierte Theorie des Wissenschaftlichen Sozialismus, sondern eine höchst anspruchsvolle Textlandschaft voller innerer Spannungen und Leerstellen, die zahllose Fäden beinhalten die ins Nirgendwo führen. Marx und Engels waren als Schriftsteller, Journalisten und Philosophen vor allem Intellektuelle mit politischer Ambition. Weil sie keiner Partei angehörten und die etablierten politischen Kräfte ihrer Zeit ablehnten, schufen sie sich ihre eigene. Der Traum von der Revolution war für beide eine simple technische Angelegenheit, bei der es um die Macht im Staate ging und das revolutionäre Proletariat die Gesellschaft allein deshalb zu einer besseren machen würde, eben weil es den Griff nach der Staatsmacht erfolgreich hinter sich gebracht hatte. Die Welt in der Marx und Engels lebten war eine die von hochgradig ausdifferenzierten sozialen Konflikten beherrscht wurde. Trennungen in Klassen, Stände und aristokratische Hierarchien waren allgegenwärtig normal, aber eben auch allgegenwärtig umkämpft. Es war eine Welt am Anfang, eine Welt in Geburtswehen, die wie Marx schrieb erst entstehen kann, wenn die alte verschwunden ist. Das Ergebnis dieser Geburt ist unsere Welt, heute. Der größte Teil dessen, was Marx und Engels sahen und niederschrieben und was heute in den MEGA Ausgaben besser zugänglich ist waren Kommentare, Analysen und Beschreibungen ihrer eigenen politischen Gegenwart. Sie lasen Zeitungen, Lehrbücher, Depeschen, Reiseberichte, eben Quellen und Dokumente aller Art, verglichen sie untereinander und zogen Schlussfolgerungen für ihre eigenen Kämpfe und die vieler anderer. Marx und Engels waren keine Autoren einer sozialistischen Zukunft, sondern die Beobachter des Hier und Jetzt, wie es sich ihnen darstellte. Die damit einhergehende Brüchigkeit und Inkonsistenz ihres Werkes ist keine Schwäche, sondern reflektiert die Begrenztheit zweier hochintelligenter Individuen eine universalistische Ganzheit im Auge behalten zu können und die unendliche Fülle der Details nicht außer Acht zu lassen.

Foucault hatte völlig recht damit, als er schrieb: „Der Marxismus ruht im Denken des neunzehnten Jahrhunderts wie ein Fisch im Wasser. Wenn er sich den bürgerlichen’ Theorien der Ökonomie entgegenstellt, und wenn er in dieser Opposition eine radikale Wende der Geschichte entwirft, haben dieser Konflikt und dieser Entwurf als Bedingung ihrer Möglichkeit nicht die Wiederingriffnahme der ganzen Geschichte, sondern ein Ereignis, das von der ganzen Archäologie mit Präzision eingeordnet werden kann und das gleichzeitig auf die gleiche Weise die bürgerliche und die revolutionäre Ökonomie des neunzehnten Jahrhundert vorgeschrieben hat. Ihre Auseinandersetzungen werfen vergeblich einige Wogen auf und zeichnen an der Oberfläche einige Falten ab: Es sind lediglich Stürme im Wasserglas.“ (Die Ordnung der Dinge, 1966)

Foucaults kleine Stiche verkennen allerdings, dass die Stürme im Wasserglas das wichtigste Element Marx’schen Denkens verkörpern. Marx und Engels sind in ihren Texten dort am stärksten wo sie eine Gegenwart und ihre Geschichte vor Augen haben und die Effekte analysieren die ein lebendiger Prozess verursacht. Das „Kommunistische Manifest“ von 1848, das von allen wohlwollenden Leserinnen und Lesern als Gründungsdokument der kommunistischen Zukunftsperspektive betrachtet wird, beschäftigt sich kaum mit der sozialistischen Utopie. Das Manifest gründet eine Partei des politischen Aufstands gegen die Bourgeoisie, aber es erscheint mir heute gegen die Interpretationen des klassischen wie des postmodernen Marxismus so, dass die interessantesten Passagen im „Manifest“ mit dem Satz beginnen: „Die Bourgeoisie hat in der Geschichte eine höchst revolutionäre Rolle gespielt.“ (MEW 4) Wer sich den Text genau ansieht wird rasch merken, dass der eigentliche Fokus nicht auf der Revolution einer sozialistischen oder kommunistischen Utopie liegt. Was sie im „Kommunistischen Manifest“ tatsächlich schreiben und was Marx später im „Kapital“ intellektuell auf eine neue Ebene bringen wird ist, dass die kapitalistische Globalisierung die eigentlich revolutionäre Kraft der Geschichte ist. Oder um Marx und Engels selbst zu zitieren: „Die Bourgeoisie kann nicht existieren, ohne die Produktionsinstrumente, also die Produktionsverhältnisse, also sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse fortwährend zu revolutionieren. Unveränderte Beibehaltung der alten Produktionsweise war dagegen die erste Existenzbedingung aller früheren industriellen Klassen. Die fortwährende Umwälzung der Produktion, die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftlichen Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgeoisepoche vor allen anderen aus. Alle festen eingerosteten Verhältnisse mit ihrem Gefolge von altehrwürdigen Vorstellungen und Anschauungen werden aufgelöst, alle neugebildeten veralten, ehe sie verknöchern können. Alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige wird entweiht, und die Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“ (MEW 4)

Warum man Stellen wie diese heute noch als antikapitalistische Zukunftsvision betrachten will, ist mir unverständlich. Marx, der große Theoretiker des Werts, der Arbeit, des Gelds und der Ware, verbrachte sein ganzes Leben lang damit die Strukturen seiner Realität sichtbar zu machen und in gewisser Weise war der Gegenstand seines Denkens eben nicht die Utopie, sondern vielmehr die ihn umgebende aktuelle Realität. Höchst spekulativ und ungenau werden Marx und Engels immer dann, wenn sie aus den Analysen der Gegenwart auf eine mögliche Zukunft schließen wollen. In der „Deutschen Ideologie“ heißt es: „Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird].“ (MEW 3) Was Marx und Engels aber als „wahr“ und „wirklich“ in der „Deutschen Ideologie“ beschrieben – der Kommunismus als „wirkliche Bewegung“ – folgte einer teleologisch und messianisch aufgeladenen Hegel’schen Logik, die im Werden der „wirklichen Bewegung“ in jene Metaphysik zurück fiel, die sie zuvor noch als Überbleibsel des Ancien Régime bei den Jung und Althegelianern kritisiert hatten. Sie verließen damit die Radikalität der Gegenwart mit schwer wiegenden Konsequenzen. Es fällt schwer nach Althussers Kritik der Hegel’schen Teleologie im Werk von Marx die spekulative Flucht in den Messianismus noch für sinnvoll und nutzbringend zu halten. Vor allem angesichts der Tatsache, dass Althusser aus guten Gründen Kritik an Stalin in seinem Werk immer als philosophische Kritik an Hegel tarnte. Dort wo Marx und Engels von „Aufhebung“, „Umstülpung“ und „Überwindung“ sprechen, gehen sie wie Althusser gezeigt hat in die Falle teleologischer Feedbackschleifen und stellen den „ehernen Gesetzen der Geschichte“ wie Stalin das genannt hat einen Passierschein aus. Sie negieren dabei ihr eigenes revolutionäres Denken um utopischen Zwangsvorstellungen Platz zu machen. Der Wert des Denkens von Marx und Engels liegt jedoch für uns genau dort wo es mit großer intellektueller Macht das Hier und Jetzt als empirisch untersuchbare Gegenwart analysierte, in den Theorien über Arbeit, Wert, Mehrwert, Ware, Geld, Zins, Preis und Markt in den unübersichtlichen Textlandschaften des „Kapitals“. Zu ihren großen intellektuellen Leistungen zählen die Beschreibung der kapitalistischen Transformationsenergie im „Kommunistischen Manifest“ und ihre zahlreichen, höchst originellen Kommentare zum politischen Zeitgeschehen, all die Briefe, Zeitungsartikeln, Essays, Beobachtungen, Glossen und Anmerkungen zu den politischen und ideologischen Ereignissen ihrer Zeit. Wenn Marx in der kurzen unveröffentlichten Schrift „Vom Selbstmord“ von 1846 über den Zusammenhang von weiblichen Suizid und den Klassenverhältnissen nachdenkt, ist sein Denken am originellsten und mächtigsten, gerade deswegen weil er tatsächlich die wirkliche Bewegung gegen das „Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]“ im Auge hat und nicht eine unklare utopische Phantasie.

Der Marxismus ist also keineswegs tot und es macht auch keinen Sinn ihm apokalyptische Floskeln vor die Füße zu werfen, weil das nur die bittere Wahrheit verdecken soll, die stattdessen vor uns sich ereignet: der Marxismus ist schlicht unbedeutend geworden, seine Transzendierung ins virtuelle Bewusstsein der globalen Welt hat ihn zu einem Geist werden lassen, der sich als banale antikapitalistische Verbalinjurie durch Facebookpostings und Twitterkämpfe zieht und Marx beinahe nur noch als Bild eines Mannes mit Bart erscheinen lassen. Mehr scheint heute nicht übrig geblieben zu sein. Die marxistischen Theorien, die sich nach wie vor auf Colleges und Universitäten in Europa, Südamerika und den USA in akademische Karrieren umsetzen lassen sind längst in einem postmodernen Supermarkt der Ideologien versunken. Weder kann man sagen, dass marxistische Philosophie in irgendeiner Weise das Denken mitbestimmt, wie sie das noch in den Jahren nach 1968 getan hat, noch dass marxistische Traditionen im Zeitalter von Political Correctness und Postmoderne einen nachhaltigen Fußabdruck hinterlassen konnten. Selbst Antonio Negri‘s und Michael Hardt’s „Empire“ hat die Krise des Marxismus eher verschärft als beruhigt. Es ist jedoch deswegen keineswegs ausgeschlossen, dass es in Zukunft zu einer Renaissance des Marxismus kommen könnte. Es wäre meiner Meinung nach eine Theorie, die Marx und Engels als Analytiker kapitalistischer Vergesellschaftung nicht mehr in Begriffen der Utopie sondern als Instrument zur Erfassung einer unzeitgenössischen Gegenwart lesen würde. Man braucht keine Utopie um in die Zukunft blicken zu können. Marx lebte und schrieb in einer lebendigen Gegenwart, deren strukturelle Voraussetzungen er klar erkannte, aber die er in seinem utopischen Gestus in ihrer eigenen Zukunft stets verfehlte und wohl auch verfehlen musste. Der Marx des „Kapitals“ war ein Wissenschaftler, der sich der Erforschung des gerade in seiner Blüte stehenden industriellen Kapitalismus des 19. Jahrhundert widmete, aber er schrieb kein Buch über seine revolutionäre Überwindung. Das Missverständnis, das Marx und Engels selbst nährten, dass mit der Entdeckung des „Kontinents der Geschichte“ (Althusser) und der Verortung des revolutionären Proletariats auch der Schlüssel dafür gefunden worden sein soll, den Kapitalismus revolutionär zu überwinden hat ein ganzes Jahrhundert lang politische Energien generiert, die in ihrer Tendenz unerhört destruktiv gewesen sind. Die Überzeugung, dass ein System namens „Kapitalismus“ kurz oder auch langfristig vor seinem Untergang stehen würde wird praktisch von allen Linken irgendwie geteilt und in diversen Theorieformationen unhinterfragt als gegeben voraus gesetzt. Wolfgang Fritz Haug hat in seinen „Vorlesungen zur Einführung ins Kapital“ einmal ganz nebenbei erwähnt, dass das Substantiv „Kapitalismus“ im „Kapital“ selbst niemals vorkommt. Marx spricht an manchen Stellen von „Kapitalisten“, aber hauptsächlich verwendet er die Modalform „kapitalistisch“, um die Prozesse von Arbeit, Wert, Mehrwert und Ausbeutung zu beschreiben. Während das Substantiv „Kapitalismus“ einen systematischen Zusammenhang voraussetzt, eine Art „Glocke über dem Gewimmel“ (Hegel) die durch eine andere Glocke ersetzt werden könnte, ist die Präferenz von Marx einen gesellschaftlich komplexen Prozess „kapitalistisch“ zu nennen viel näher an der Realität. Wo die Linken seit Lenin die Macht im Staate an sich nehmen, um die Gesellschaft mit einem neuen sozialistischen Dach zu versorgen, verfehlen sie vor allem die innere Dynamik kapitalistischer Transformation. Kapitalistische Umwandlung von Arbeit in Wert, Mehrwert und Ausbeutung ist wie gesagt ein chemischer Prozess, kein mechanisch architektonischer. Die missverständliche Verwendung des Substantivs geht davon aus, dass Kapitalismus ein System ist, das man von oben wie eine architektonische Dachkonstruktion implementiert hat, während es in Wahrheit von unten wild wuchernd ungleichzeitig gewachsen ist. Es ist kein Zufall, dass Marx und Engels den Begriff der Arbeit als „Stoffwechsel mit der Natur“ definierten. Die Verwendung eines Begriffs der Chemie ist keine Metapher, sondern die richtige Wahrnehmung, dass mechanische und mechanistische Zugriffsversuche wirkungslos bleiben müssen, wenn die komplexen Wechselwirkungen zwischen Ware, Geld, Arbeit und Wert verstanden werden sollen. Der kapitalistische Prozess produziert eine mit hohem Energieaufwand betriebene Chemie von Menschen, die eine effiziente Umwandlung von Arbeit in Wert in Gang setzt und durch allgemeine Abstraktionen von Geld und Tausch vermittelt wird, die sich so den Mehrwert verschafft. Kapitalistische Transformation ist ein sich ständig neu etablierender Auflösungs- und Verschmelzungsprozess, der immer wieder neue Agenten, das können Menschen, Roboter oder sich ändernde Klassenverhältnisse sein, in die Umwandlung von Arbeit in Wert integriert. Es ist nicht bloß ein Prozess, sondern eine Organisation vieler unterschiedlicher Prozesse, die zwar nur zusammen funktionieren, aber unabhängig voneinander verstanden werden müssen. Kapitalistische Prozesse sind flexibel, darum können sie sich in Krisen besser anpassen und verändern. Sie wirken auf der Ebene des Individuums und zwingen Menschen dazu „ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“ (MEW 4) Es erscheint daher sinnvoll davon auszugehen, dass solche die vom „Kapitalismus“ reden zwar dasselbe meinen, aber nicht dasselbe verstehen. Diese völlig unbedeutende Kleinigkeit, die meiner hermeneutischen Pedanterie geschuldet ist, erklärt dennoch sehr nachvollziehbar warum der reale Sozialismus auf so dramatische Weise scheitern musste. Die Linken haben sich die kapitalistischen Verhältnisse immer als „Kapitalismus“ vorgestellt, als eine politische Herrschaftsform, die durch eine andere von oben herab ersetzt werden könnte. Aber es handelt sich nicht um eine politische Herrschaftsform, sondern um einen Prozess, der Beziehungen und Verkehrsformen erzeugt, die in netzartigen Strukturen integrative Territorialisierung betreiben. Es ist ebenfalls kein Zufall, dass Marx im „Kapital“ davon abriet die Untersuchung bei der kapitalistischen Verhältnisse mit der „Gesellschaft“ zu beginnen, sondern sich stattdessen mit der Ware beschäftigte, weil diese auf einer individuellen Ebene eine allgemeine Abstraktionsform darstellt, die eine Beziehung zwischen Menschen auf einem gemeinsamen Marktplatz ist.

Dass Marx und Engels, deren Gegenstand der technologisch noch unzulängliche Industriekapitalismus mit seinen harten Klassenkonflikten gewesen ist, weder die beiden Weltkriege noch den Aufstieg der europäisch/amerikanischen Technozivilisation vorhersehen konnten ist nicht ihre Schuld. Aber es ist den marxistischen Apologeten des nachfolgenden Jahrhunderts anzulasten der Unfähigkeit der sozialistischen Länder gesellschaftliche Veränderung zu verarbeiten damit begegnet zu sein den Zusammenbruch der kapitalistischen Transformation stets nach hinten zu verschieben. Niemals jedoch kam ihnen in den Sinn, dass dieser Punkt gar nicht eintreten könnte. Marx berühmte Formel vom „tendenziellen Fall der Profitrate“, die irgendwann einmal die Überproduktion in sich implodieren lassen würde, nährte die marxistischen Hoffnungen und verdeckte ihre Baustellen. Die Idee, dass der Kapitalismus durch sein eigenes Zutun so brüchig und eine geschickte proletarische Organisation die Gunst der Stunde nützen würde, um die neue Gesellschaft und den neuen Menschen zu schaffen, treibt die linken Revolutionsfantasien bis heute an. Diese Vorstellungen haben wie wir sehen konnten vor allem den Effekt hervor gebracht, dass die Marxisten die eigentlichen wirkenden Kräfte der Geschichte falsch identifizierten. Nicht das Proletariat ist revolutionär, sondern die Bourgeoisie. Nicht die sozialistische Utopie treibt den Fortschritt an, sondern die kapitalistische Globalisierung. Es ist relativ gleichgültig ob man das gut oder schlecht findet, denn es lässt sich eigentlich nicht verhindern, dass Geschichte sich ereignet. Nochmals die „Deutsche Ideologie“: „Das Proletariat kann also nur weltgeschichtlich existieren, wie der Kommunismus, seine Aktion, nur als „weltgeschichtliche“ Existenz überhaupt vorhanden sein kann; weltgeschichtliche Existenz der Individuen; d.h. Existenz der Individuen, die unmittelbar mit der Weltgeschichte verknüpft ist.“ (MEW 3) Wir können diesen Satz erst heute wirklich verstehen. Die kapitalistische Globalisierung ist das eigentliche Subjekt der Geschichte, die wirkliche Bewegung wenn man so will. Ob und wann in ihrer Subjektwerdung der Weltgeist wirklich zu sich kommen wird, muss darüber entscheiden was von Marx und Engels letztlich übrig bleibt.

 

2.

Widmen wir uns also der Frage, ob Marx und Engels heute eher Anti-Imperialisten oder Anti-Deutsche wären. In einer ersten Annäherung kann man sagen, dass Anti-Imperialisten und Anti-Deutsche der feine Unterschied trennt, ob man „Kapitalismus“ sagt oder „kapitalistisch“. Anti-Imperialisten verstehen die globalisierte Welt als ein System von Glocken, Kuppeln und Dächern, das man in bestimmten Fällen auswechseln und darum zerstören muss, weil sich Veränderung nur als ausübende staatliche Macht über die Individuen vorstellen lässt. Die Gesellschaft erscheint darin als Invariante, die von einem “System“ gelenkt wird und das Individuum als programmierbare Einheit am Display des Strippen ziehenden Weltsouveräns denkt. Die Richtung geht von oben nach unten und ist strikt deterministisch. Es reicht daran erinnert zu werden, dass die sowjetische Literatur von Stalin als ein Projekt betrachtet wurde in der die Autoren als „Ingenieure der Seele“ sich daran beteiligen sollten gemeinsam mit den Mitteln der Propaganda und des Terrors den „neuen Menschen“ zu erschaffen. Die Vorstellung, dass Gewalt androhendes social engineering ausreicht um die gewünschten Untertanen zu produzieren ist darum in erster Linie dem Umstand geschuldet, dass man von „Kapitalismus“ spricht, anstatt von „kapitalistisch“.

Die anti-deutsche Sicht der Dinge ist hingegen eine, die den kapitalistischen Prozess von unten sichtbar werden lässt. Die Bindung des Subjekts an den Fetisch Charakter der Ware denkt die Welt als ideologische Verschmelzung von Ware und Individuum, als chemische Verbindung eigenständiger Agenten mit dem Systemzwang. Die Dialektik der Aufklärung besteht genau darin, dass der Systemzwang keineswegs deterministisch, sondern auf der Ebene individueller Wahrnehmung nicht von persönlicher Willensbildung zu unterscheiden ist, obwohl oder auch gerade weil es sich als „Nicht-Identisches“ (Adorno) ausdrückt. Die prinzipielle Idee anti-deutscher Theorie ist es das Nicht-identische als Lebensform zu begreifen, mit der das Individuum vor seiner Selbstauslieferung an jedweden Systemzwang bewahrt werden kann. Der Begriff des Subjekts als solches muss sich gegen eine autoritäre Programmierung nach politisch arbiträr gerichteten Vektoren verteidigen. Im anti-deutschen Modus sind die Vektoren nach beiden Seiten gerichtet und seine Effekte nicht deterministisch. Sie sind modal, also Prozess orientiert, und immanent, die Prozesse in ihrer eigenen Logik analysierend, denn man ist vor allem an der Handlungsfähigkeit der Individuen wie sie die Kritische Psychologie versteht interessiert. Obwohl Anti-Deutsche gewöhnlich Althusser eher skeptisch gegenüberstehen, teilen sie doch seine Auffassung, dass wie Etienne Balibar einmal schrieb die herrschende Ideologie vor allem als Ideologie der Beherrschten verstanden werden muss.

Es gibt für beide Varianten Referenzen im Werk von Marx und Engels selbst. Beide waren stets hin und her gerissen zwischen einer rein technischen Machtausübung des Staates durch eine Partei und dem Bemühen dem rebellischen, widerstandsfähigen Intellekt trotzdem seinen Platz zu sichern. Aber man kann sich fürs erste fragen, was Marx und Engels eigentlich zu Anti-Imperialisten macht.

Der britische Literaturwissenschaftler Ian Almond hat in seinem Buch „History of Islam in German Thought: From Leibniz to Nietzsche“ aus dem Jahr 2009, das erst kürzlich auf Deutsch erschienen ist, acht Philosophen der deutschen Geistesgeschichte untersucht und welche Gedanken sie sich über den Islam machten. Neben den Essays zu Leibniz, Kant, Herder, Schlegel, Hegel, Goethe und Nietzsche findet sich auch ein Kapitel über Marx. Almond ist ein klassischer Linker der postkolonialen Theorie, der sich stark an Edward Saids Konzept des „Orientalismus“ orientiert, aber im Vorwort zur deutschen Ausgabe zugeben muss, dass die Erforschung der orientalistischen Ideen der von ihm untersuchten Philosophen eher die blinden Flecken bei Said offen legt. Marx ist in Almonds Darstellung vor allem ein wütender Gegner des europäischen Imperialismus, der sich intensiv mit der Geschichte des osmanischen Reiches beschäftigt hat, um mögliche revolutionäre Tendenzen in den islamischen Gesellschaften zu untersuchen. Es gehört zu den merkwürdigsten Ironien des Marx’schen Werkes, dass er vor allem das zaristische Russland und dessen imperialen Ausdehnungen nach Süden gegen den „kranken Mann am Bosporus“, wie das osmanische Reich zu imperialen Zeiten genannt wurde kritisierte. Russland war nach Marx unfähig zur Revolution, weil es als rückständige „halb-asiatische“ Kultur erst die Phase bourgeoiser Urbarmachung durchlaufen müsste. Hingegen erschien ihm zu Beginn seiner Beschäftigung mit dem osmanischen Reich die Möglichkeit, dass sich die weltgeschichtliche Existenz des Proletariats auch auf die Länder des Islam ausdehnen könnte durchaus vorstellbar. Was er Russland und dem zaristischen Regime um keinen Preis zugestehen wollte, schien ihm im Hoheitsgebiet des Islam hin und wieder durchaus möglich, etwa wenn er in den Dorfgemeinschaften des Orients ein Beispiel moderner Selbstverwaltung sah. Dass diese Hoffnung rasch wieder verflog lag laut Almond an Marx eigenen widersprüchlichen Impulsen, dass er einerseits den Widerstand der Araber, Perser und Türken gegen die kolonialen Ambitionen der europäischen Mächte unterstützte, aber andererseits aufgrund seines eigenen Modells davon ausging, dass die weniger entwickelten Regionen der Erde erst eine von außen bestimmte Transformation in kapitalistische Territorien durchmachen müssten. Die „nothwenige Aufloesung“ (MEW 28) der muslimischen Reiche würde diese ohnehin in den Einflussbereich der europäischen Zivilisation zwingen. Zwischen diesen beiden Polen hin und her gerissen äußerte Marx bloße Verachtung für die unterdrückten Christen des osmanischen Reiches, deren Unterstützer in der britischen Politik er verdächtige das Christentum als Vorwand für militärische Interventionen verwenden zu wollen. Seine Abneigung gegen das Christentum ließ ihn Argumente verwenden, die denen mancher Anti-Imperialisten von heute gleichen. Es lassen sich ganz ähnliche Widersprüche bei der Beurteilung der indischen Widerstände gegen die Kolonialherrschaft Englands finden. Einerseits sei die britische Inbesitznahme des Subkontinents die einzige soziale Revolution gewesen, die in Asien jemals stattgefunden habe, andererseits trat er lautstark als Befürworter der indischen Unabhängigkeit in Erscheinung. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass seine schnaubende Wut über die Ungerechtigkeiten der europäischen Gesellschaften und dem Klassendünkel seiner Eliten, auch verbergen sollte wie sehr die Unausweichlichkeit der kapitalistischen Globalisierung für ihn ein ernsthaftes praktisches und theoretisches Problem gewesen ist. Der Zwang seinen eigenen deterministischen Modellen zu folgen geriet in ständige Konflikte mit seinem wissenschaftlichen Anspruch nicht deterministische Systematiken zu entdecken. Die Anti-Deutschen heute, die Marx Anti-Imperialismus nicht mehr teilen, stehen stärker denn je vor dem Dilemma, dass auch eine Kritik kapitalistischer Verhältnisse nur dazu beitragen kann jene als allgemeine Abstraktion weltgeschichtlicher Existenz durch zu setzen. Dazu passt, dass Almond folgendes Zitat aus einem Brief an Engels 1853 zur Demonstration für den „Orientalismus“ von Marx verwendet, in dem Marx das Werk des französischen Gelehrten Bernier (1625 – 1688) bespricht: „Bernier findet mit Recht die Grundform für sämtliche Erscheinungen des Orients – er spricht von Türkei, Persien, Hindostan – darin, daß kein Privatgrundeigentum existiert.“ (MEW 28) Almond hält dies für einen Hinweis darauf, dass sich bei Marx orientalistische und anti-imperialistische Motive ständig vermischten und ordnet dies einem kulturalistischen Blickwinkel zu, aber dies erscheint höchst dubios. Genau hier verlässt Marx seine anti-imperialistische Ideenwelt und hält fest, dass das Fehlen von „Privatgrundeigentum“ vor allem das Fehlen von Institutionen und Rechtstitel bedeuten, die eine Gesellschaft erst dazu befähigen in die Moderne einzutreten. Marx durchaus kritischer Blick auf den Islam, den er als Religion für genauso verkommen hielt wie das Christentum wird bei Almond zu jener Invektive mit der der Diskurs der Saidisten jede Kritik am Islam für Ausdruck eines orientalistischen Rassismus hält. Es sieht also danach aus, dass sich jede/r für einen ganz bestimmten Marx entscheiden muss. Was Almond ganz im ideologischen Gewand des Said‘schen Orientalismus Begriffs als kulturalistisch betrachtet, ist bei genauerem Hinsehen etwas ganz Anderes: die Erkenntnis, dass es keine Alternative zum Aufbruch in eine weltgeschichtliche Existenz gibt. Im anti-postmodernen Modell von Marx und Engels sind die Phasen der Widerstände gegen den Imperialismus nur Durchgangs Etappen zur letztlichen Durchdringung der Gesellschaften durch die kapitalistische Globalisierung. In der „Deutschen Ideologie“ heißt es darum, „daß diese bürgerliche Gesellschaft der wahre Herd und Schauplatz aller Geschichte ist…“ (MEW 3). Die postkoloniale Theorie und ihre diversen Spielarten stoßen sich natürlich daran, dass selbst Marx sich nicht aus dem orientalistischen Schema befreien will, sondern darauf beharrt, dass Aufklärung eine conditio sine qua non für die positive Veränderung der Welt sein muss. Obwohl Marx selbst immer wieder widersprüchliche Ansichten zur Rolle des Islams vertrat und zwischen Sympathie und Ablehnung hin und her schwankte, erscheint es gerade heute wichtig festzuhalten, dass es als eine genuin marxistische Position zu gelten hat den Islam und seine alternativen Angebote Gesellschaft jenseits von Aufklärung zu organisieren strikt abzulehnen. In seinem Fragment gebliebenen Text aus dem Jahre 1894 „Zur Geschichte des Urchristentums“ schreibt Engels in einer Fußnote:

„Einen eigentümlichen Gegensatz hierzu bilden die religiösen Aufstände der muhammedanischen Welt, namentlich in Afrika. Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des „Gesetzes“. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen: eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. So ist’s geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts.“ (MEW 22)

Ist das eine genuin marxistische Position? Die Antwort darauf kann nur „ja“ lauten. Marxistisch denken heißt, dass man die „wirkliche Bewegung“ als kapitalistische Globalisierung für alternativlos hält, weil nur sie garantiert, dass es eine „weltgeschichtliche Existenz“ gibt. Die tribalistischen Kollektivismen diverser Weltregionen sind keine Alternative zum Jetzt, sondern der Rückschritt in die Barbarei. Die Integration in den Weltmarkt ist die einzige verbliebene politische Methodologie mit der sich auf lange Sicht Verhältnisse herstellen lassen, die Betroffene als erträglich empfinden werden, auch wenn es der Weg dorthin keineswegs ist. Auf eine gewisse Weise haben Marx und Engels dies besser verstanden als irgendwer vor und nach ihnen. Es erscheint darum als eine natürliche Entwicklung, dass die anti-imperialistischen Interpreten von Marx die Linke zwar heute dominieren, aber eben deshalb auch so nachdrücklich dafür gesorgt haben, dass das Erbe von Marx und Engels irrelevant wurde. Ob es der anti-deutschen Theorie gelingen will, die Relevanz eines Marxismus der kapitalistischen Globalisierung zu erneuern hängt davon ab, ob sie die Lektionen des feinen Unterschieds zwischen „Kapitalismus“ und „kapitalistisch“ berücksichtigen wird. Und nicht zuletzt auch davon, ob es mit der Transformation der Erde zu einem globalen Markt überhaupt noch relevant sein wird über diese Unterscheidung nachzudenken. Es wäre gut möglich, dass sich Fukuyama, Kojève und Hegel danach als weitsichtige Denker eines Endes der Geschichte als brauchbarere Interpreten erweisen werden.

Kriminalgeschichte des Islams

18. Dezember 2017

„Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“  Leben des Galilei – Bertolt Brecht

Nach der marxistisch-leninistischen Imperialismus-Theorie erschließen sich kapitalistische Staaten oftmals mit Gewalt für ihre Gewinnmaximierung fremde Märkte für Rohstoffe, Arbeitskräfte und den Absatz von Produkten. Von daher solidarisierten sich seit je her antiimperialistische Linke mit allen möglichen meistens völkischen und antisemitischen Befreiungsbewegungen und anschließend mit den „befreiten“ meist islamfaschistisch geprägten Staaten dieser Welt. An die islamische Expansion beispielsweise des Osmanischen Reiches wird dabei eher weniger gedacht. Für das Elend, die sozialen, mittelalterlichen und die undemokratischen Verhältnisse der islamischen Welt ist in den Augen dieser 3.Welt-Experten von daher der Kolonialismus, der Imperialismus der kapitalistischen Staaten und auf gar keinen Fall der gewalttätige und reaktionäre Islam verantwortlich.

Viele europäische Kulturrelativisten kennen zwar die Taten und auch die Verbrechen des Christentums, wissen viel über den Kolonialismus der westlichen Staaten, aber bei der Kriminalgeschichte des Islams, angefangen von seiner mörderischen Verbreitung bis hin zum heutigen islamischen Terror, werden vorsichtshalber die Augen verschlossen, denn ansonsten würde das mühsam zurechtgezimmerte Weltbild zusammenbrechen. Die Frage wie inhuman, frauenverachtend, antiemanzipatorisch und gewalttätig sich der politische Islam seit der Gründung offenbart hat, ist in diesen Kreisen ein heiliges Tabu und selbst der vorsichtigste Hinweis darauf ein Sakrileg.

Der islamische Imperialismus

Im Monat Ramadan des Jahres 610 erschien in Mekka Mohammed, dem Religionsgründer des Islam, laut Aussagen seiner heutigen Anhänger,  der Engel Gabriel und der forderte er solle fortan den Menschen die Botschaft Gottes vortragen. In Mekka wurde Mohammeds Sekte verfolgt, verlacht und verachtet. In dieser Zeit forderte Mohammed Toleranz, Frieden und Menschlichkeit. Im Jahr  622 wanderte Mohammed resigniert mit seinen wenigen Anhängern nach Medina aus. Mohammed erkannte, dass man den Islam nicht mit friedlichen Mitteln, sehr wohl aber mit Gewalt und mit dem Schwert weiterverbreiten konnte. „Gott“ gab ihm nun den Befehl mit Hilfe des Heiligen Krieges den Islam weltweit zu verbreiten. Nach den ersten Überfällen auf Karawanen und Beduinenstämme besiegten Mohammeds Gotteskrieger nach der Überlieferung die umliegenden jüdischen Stämme. Den gefangenen jüdischen Männern wurde die Köpfe abschlagen und die jüdischen Frauen als Sexsklavinnen verschleppt. Auf diese Weise sind bei der Vernichtung allein dieses jüdischen Stammes der Banu Quraiza im Jahre 627 rund 900 Stammesangehörige hingerichtet worden. Mit seiner siegreichen Armee kehrte Mohammed nun nach Mekka zurück und führte einen Rachefeldzug gegen die Ungläubigen mit Mord und Totschlag. Wie der heutige Islamische Staat im Irak oder in Syrien, verwüstete Mohammed mit seiner Armee ganze Landstriche, ließ  Ungläubige köpfen, Frauen versklaven und vernichtete die Kultstätten der anderen Religionen. Mohammed verteilte die Kinder der Ungläubigen unter den Muslimen und nahm sich selbst erbeutete Frauen,  beispielsweise nahm er die Tochter des Amr I. Djunafa der Banu Quraiza, die er als Sklavin bis zu seinem Tode behielt. Der Krieg gegen Ungläubige, Juden und Christen wurde bereits vom Gründer des Islams verherrlicht und wurde zur heiligen Mission.

Nach dem Tod Mohammeds expandierte der islamische Staat innerhalb von gut einhundert Jahren vom Indus-Tal im Osten bis zu den Pyrenäen im Westen, wo mehr oder weniger verbindlich das islamische Recht, die Scharia installiert wurde. Obwohl sich der Islam in Sunniten und Schiiten und alle möglichen Abwandlungen spaltete und obwohl die jeweiligen Dschihadisten nicht direkt untereinander kommunizierten, sie sich überhaupt nicht kannten, war das Muster der Verwüstung, die Art und Weise der Morde, der Versklavungen bei den Eroberungen und die anschließende Rechtsordnung, ob nun in Asien, in Afrika oder in Europa stets vergleichbar. In der ersten Islamisierungswelle von 632  bis 750 eroberten die Nachfolger Mohammeds Babylonien, Mesopotamien, Armenien, Persien, Turkmenistan, Kirgisistan, Tadschikistan, China, Afghanistan, Indien und Pakistan. In Westen eroberten sie alle christlichen Provinzen im östlichen Mittelmeerraum von Syrien, Palästina bis nach Ägypten und Nordafrika, sie durchquerten Spanien und erst vor Portiers wurde der Islam im Jahr 732 gestoppt, wo sie von Karl Martell und seinen Männern  geschlagen wurden.

Während des Feldzuges im Jahr 634 wurde die Gegend von Gaza bis Caesarea verwüstet und dabei viertausend christliche, jüdische und samaritanische Bauern ermordet. Bei der Plünderung von Amorium 838 ließ der Kalif al-Mu’tasim knapp viertausend Einwohner umbringen, Frauen und Kinder wurden wie üblich versklavt und deportiert. Von 939 bis 940 verwüstete  Saif ad Daula, der für seine Grausamkeiten gegen Ungläubige berüchtigt war, in Armenien das Gebiet um Koloneia mit den umliegenden Dörfern. Auf dem islamischen Vormarsch in Nordafrika wurden sämtliche christlichen Städte und Siedlungen Nordafrikas geplündert und niedergebrannt. Mehr als 50 Prozent aller Einwohner Nordafrikas sind am Ende des Feldzuges tot. Millionen werden vergewaltigt, gefoltert und versklavt. Im Jahr 870  erobern Dschihadisten die Insel Malta und zerstören dort die Jahrhunderte währende christliche Kultur und im Jahr 880 erobern und plündern muslimische Truppen Nizza. Lange Zeit vor den Kreuzzügen, im Jahr 935 überfallen mordend und raubend muslimische Truppen Genua und La Spezia.

Knapp 400 Jahre vor den Kreuzzügen im Jahre 712 wurde Spanien von den Dschihadisten erobert und der Süden Frankreichs von islamischen Gotteskriegern terrorisiert. Al Mansur, der Wesir des Kalifats von Córdoba, führte in siebenundzwanzig Jahren grausam mordend, versklavend und verwüstend fünfundzwanzig Feldzüge gegen die christlichen Reiche Nordspaniens. 981 erlitt die Stadt Zamora Verwüstung und die Deportation von 4.000 Gefangenen. Vier Jahre später wurde Barcelona in Brand gesteckt und alle Bewohner ermordet oder versklavt. Coimbra wurde 987 erobert und blieb mehrere Jahre unbewohnt. 997 wurde Santiago de Compostela geplündert und dem Erdboden eingeebnet. Die nordafrikanischen Sklavenmärkte waren überfüllt mit europäischen Sklaven und Sklavinnen.

Mit der zweiten Islamisierungswelle und der damit verbundenen Massenversklavung im 11. Jahrhundert eroberten die muslimischen Seldschuken Anatolien und die Osmanen unterwarfen den Balkan. Der Seldschuke Alp Arslan ließ von seinen Gotteskriegern ganze armenische Städte niedermetzeln. Am furchtbarsten traf es im Jahr 1064 die Hauptstadt Ani. Der Dschihad, der zur Islamisierung Anatoliens geführt hat, wurde in Bulgarien ab 1308, im südlichen Makedonien und an den griechischen Küsten fortgesetzt. Die Eroberung des Balkans begann 1451 unter Mehmed II. und so überfiel und eroberte im Jahr 1453 das Osmanische Reich unter Sultan Mehmed II. das christliche Konstantinopel. Die Stadt wurde von den osmanischen Truppen geplündert und viele Einwohner vergewaltigt, grausam ermordet oder versklavt. Am 29. Mai 1453 fiel die Stadt, die mehr als 1.000 Jahre lang Zentrum des Byzantinischen Reiches gewesen war. „Am Mittag färbten sich Straßen und Gassen rot von Blut“, heißt es im Bericht eines venezianischen Gefangenen. Viele Einwohner flüchteten sich in die Kirche „Hagia Sophia“, wo alle mitsamt ihren Priestern erschlagen oder in die Sklaverei verschleppt wurden. Insgesamt wurden etwa zehn Prozent der Einwohner ermordet und eine Vielzahl von ihnen in die Sklaverei verschleppt.

Bosnien folgte 1463 und Herzegowina 1483. Die türkische Eroberung in Europa fand seine Fortsetzung mit der Eroberung der Walachei, Moldawiens und Ostungarns. Gestoppt wurde die islamische Expansion zwischenzeitlich vor den Toren Wiens im Jahr 1683. Über 120.000 muslimische Soldaten unter Großwesir Kara Mustafa Pascha belagerten von Juli bis September Wien. Beim Vormarsch und beim Rückzug des osmanischen Heeres werden so gut wie alle Ortschaften geplündert, niedergebrannt, entvölkert und die Einwohner versklavt.

Während des Massakers von Chios im April 1822 durch die Osmanen an der griechischen Bevölkerung  wurden alle Männer, die älter als zwölf Jahre waren, alle Frauen über vierzig Jahren und alle Kinder unter zwei Jahren ermordet. Die restlichen griechischen Einwohner wurden versklavt. Insgesamt wurden 25.000 christliche Griechen ermordet, 45.000 Griechen als Sklaven verkauft und rund 10.000  Einwohner konnten fliehen. Zwei Jahre später richteten die Osmanen auf der griechischen Nachbarinsel Psara ein ähnliches Massaker unter den rund zwanzigtausend griechischen Einwohnern an.

Die Massaker an den christlichen Armeniern von 1894 bis 1896 wurden von Sultan Abdülhamid II. befohlen und forderten rund 300.000 Todesopfer. Mit Hilfe der lokalen muslimischen Bevölkerung wurden die Deportationen und Plünderungen durchgeführt. Teilweise wurde versucht die christliche Bevölkerung zur Konversion zum Islam zu zwingen. Im Jahr 1914 zwangen Teşkilat-ı-Mahsusa-Dschihadisten griechische Männer im wehrfähigen Alter aus Thrakien und Westanatolien in Arbeitsbataillone, in denen Hunderttausende starben. Die Zwangsarbeit von griechischen Männern wurde begleitet von Deportationen der allgemeinen Bevölkerung, die den Charakter von Todesmärschen annahmen. Während 1914 und 1923 kam es alleine in der Pontos-Region von Anatolien zu rund 360.000 Todesopfern nach Massakern, Vertreibungsaktionen und Todesmärschen.

Henry Morgenthau, der Botschafter der Vereinigten Staaten im Osmanischen Reich von 1913 bis 1916, bezichtigte das osmanische Reich einer Kampagne von „abscheulicher Terrorisierung, grausamer Folter, Treiben von Frauen in Harems, Vergewaltigung von Mädchen, den Verkauf vieler von ihnen für jeweils 80 Cent, dem Deportieren und Ermorden Hunderttausender und dem Verhungern lassen weiterer Hunderttausend nach der Vertreibung in die Wüste, sowie die Zerstörung tausender Dörfer und vieler Städte, alles Teil einer vorsätzlichen Ausführung eines Schemas zur Vernichtung der armenischen, griechischen und syrischen Christen der Türkei.

Der eigentliche Völkermord an den Armeniern geschah während des 1. Weltkrieges, zwischen 1915 und 1918. Die türkisch-islamische Regierung löschte in Todesmärschen, Gefangenenlagern und bei örtlichen Massakern ungefähr 1,5 Millionen armenische Menschenleben aus. Später, während des Massakers von Izmir im Jahr 1922 werden 25.000 armenische Christen und christliche Griechen ermordet und rund 200.000 vertrieben.

Mit der Eroberung des Nordsudan im 19. Jahrhundert  durch Muhammad Ali Pascha, mit der damit einhergehenden Jagd auf schwarze Sklaven im heutigen christlichen Südsudan, war der Grundstein für einen beinahe fünfzigjährigen Unabhängigkeitskrieg gelegt. Während des Krieges des islamischen Nordsudans gegen den christlichen Südsudan kamen seit 1955 über zwei Millionen südsudanesische christliche Zivilisten ums Leben.

Mit den arabischen Eroberungszügen im achten Jahrhundert gegen den indischen Subkontinent und der damit verbundenen Zwangsislamisierung und über 600 Jahre währenden muslimischen Besetzung verloren Millionen von Hindus ihr Leben. Der muslimische Glaubensimperialismus weitete sich schnell in Asien aus. Malaysia, Sumatra oder Indonesien, all diese Länder hatten ursprünglich eine eigene Religionsvorstellung die mit Gewalt und Terror unterdrückt wurde. So befinden sich die hinduistischen und buddhistischen Bevölkerungen zumindest Südasiens seit hunderten von Jahren in einem kontinuierlichen Abwehrkampf gegen den Islam. Von 1990 bis heute wurden in Kaschmir tausende von Hindus von islamischen Gotteskriegern ermordet.

Nach der Annexion West-Papuas im Jahr 1969 durch Indonesien mit nachfolgender Zwangsislamisierung wurden über 100.000 Ungläubige verschleppt und ermordet. 1975 überfiel das islamische Indonesien den Inselstaat Osttimor. Während der 24 Jahre andauernden islamischen Besatzung wurden bis zu 183.000 der rund 800.000 überwiegend christlichen Zivilisten ermordet.

Die islamische Sklaverei

Über die Jahrhunderte war der Sklavenhandel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der islamischen Welt und der Koran toleriert diese Sklaverei. Bis ins Jahr 2017 hält der Islamische Staat in Syrien und im Irak christliche und jesidische Frauen und Mädchen als Sexsklavinnen gefangen und missbraucht sie. Über die Jahrhunderte waren aus Europa verschleppte weiße Sklavinnen hochbegehrt auf den islamischen Sklavenmärkten. Alleine bei der Unterwerfung Spaniens versklavten die arabischen Herren 150.000 Christen.

Kaum zu übertreffen ist die Menschenverachtung der islamischen Gemeinde gegenüber den schwarzen Bewohnern Afrikas. Über dreizehn Jahrhunderte dauerte die Versklavung von siebzehn Millionen schwarzen Bewohnern Afrikas durch die islamischen Invasoren. Mit der islamischen Expansion im 7. Jahrhundert kommt der Islam nach Afrika und mit ihm die Sklaverei.

„Im Jahre 652 zwang der Emir Abdallah ben Said dem nubischen König Khalidurat einen Schutzgeld-Vertrag auf: Nubien sollte in Zukunft unter dem Schutz Allahs und seines Propheten Mohammed stehen, sofern es jedes Jahr 360 Sklaven beiderlei Geschlechts an den Imam der Muselmanen überstellte.“ Der französisch-senegalesische Anthropologe N’Diaye weiter: „Der muslimische Sklavenhandel war der längste in der Geschichte der Menschheit. Er währte 13 Jahrhunderte und hatte viel mehr Opfer als der Sklavenhandel nach Amerika, der 400 Jahre dauerte. Und das Traurigste daran ist, dass die meisten der Verschleppten unglücklicherweise keine Kinder bekommen konnten, weil sie kastriert wurden.“

Die Schwarzafrikaner werden in die arabische Welt, in die Türkei, nach Persien und nach Indien verschleppt oder sie werden durch die Sahara nach Nordafrika getrieben. Viele sterben schon bei den Überfällen auf die Dörfer, viele an den Strapazen des Transports. Die männlichen Sklaven werden kastriert bevor sie auf den Sklavenmärkten angeboten werden. Auf jeden Überlebenden dieser grausamen Operation kommen vier Tote.  Nicht nur die Eunuchen, die im Haushalt arbeiten oder die Harems bewachen, auch die Jungen und Männer, die Schwerstarbeit auf Plantagen oder im Bergbau leisten müssen, werden entmannt. Den Sklaven der Harems entfernte man sämtliche Geschlechts­organe und den Arbeitssklaven entfernte man nur die Hoden. Die Kastration der Verschleppten löscht die nachkommenden Generationen aus. „Der Völkermord wurde im Namen  Allahs begangen, der Koran verbietet allein  die Versklavung von Moslems. Durch die Islamisierung wurden die afrikanischen Könige zu Mittätern„, so N’Diaye. Wer sich dem Islam unterwarf, konnte der Versklavung theoretisch entgehen. Wer kein Moslem werden wollte wurde gezielt gejagt.

Dhimmitum und Pogrome in den eroberten Gebieten                                  

Seit dem elften Jahrhundert teilen die islamischen Juristen die Welt das „Haus des Islam“ (Dar al-Islam) und das „Haus des Krieges“ (Dar al-Harb). Im „Haus des Islam“ wird das islamische Recht praktiziert und im „Haus des Krieges“ muss die islamische Ordnung erst noch aufgebaut werden. Der Dschihad wird also für die politische Ordnung, für die Scharia geführt. Nach der Eroberung des jeweiligen Landes stellte sich also sogleich eine umfangreiche Islamisierung der jeweiligen Gesellschaften ein. Einige Gebiete wurden religiös vollständig „gesäubert“,  so machte beispielsweise der zweite Kalif  ganz Arabien, außer dem Jemen, „christenrein“ und „judenrein“.  Im Jahr 1058 wurde das christliche Antiochia im antiken Syrien unter Folter und Todesdrohungen muslimisch gemacht. Beispielsweise wurden im marokkanischen Fez im Jahr 1033 über 6.000 Juden grausam ermordet.

In anderen Gebieten mit überwiegend christlichem oder jüdischem Anteil, wie in Nordafrika war dies so einfach nicht möglich. So wurden  Juden, Hindus oder Christen mit eingeschränktem Rechtsstatus zu Schutzbefohlenen, als sogenannte Dhimmis geduldet.  So unterlagen und unterliegen Juden und Christen, Buddhisten, usw. in den eroberten islamischen Gebieten bestimmten rechtlichen Einschränkungen, bestimmten Kleidervorschriften und der Bezahlung einer Schutzsteuer.

Die Unterworfenen durften keine Waffen tragen, Christen und Juden mussten besondere farblich gekennzeichnete Kleidungsstücke tragen, durften auf Eseln, nicht auf Pferden reiten und mussten eine bestimmte Dhimmi-Kopfsteuer bezahlen. Zeugenaussagen von Dhimmis vor Gericht gelten nicht gegen Muslime. Bei einem Vergehen eines Muslims gegen einen  Dhimmi erhielt dieser nur die halbe Strafe. Während die grausamsten Hinrichtungsarten überwiegend den „Dhimmi“ vorbehalten waren, konnte ein Muslim wegen der Tat gegen einen Dhimmi nicht hingerichtet werden.  So waren Dhimmis vorsichtig ausgedrückt „Bürger zweiter Klasse“ und es verwundert nicht, dass über die Jahrhunderte viele Dhimmis  die „Vorzüge der Scharia“ erkannten und zum Islam konvertierten.

Knapp achthundert Jahre stand die iberische Halbinsel unter muslimischer Herrschaft.  Abgesehen von einer kurzen Periode weniger Jahrzehnte relativer religiöser Toleranz im zehnten Jahrhundert unter dem Kalifen von Córdoba litten die Einwohner Spaniens über Jahrhunderte bis ins Jahr 1492 unter den islamischen Besatzern. Im Jahr 889  kam es in Elvira und 891 in Sevilla zu umfassenden Pogromen gegen Christen. Beispielsweise nach dem Zusammenbruch des Kalifats im Jahr 1031 „säuberten“ die Almohaden und Almoraviden religiös Spanien von Nichtmuslimen. Zehntausende Juden und Christen mussten entweder konvertieren oder ins christliche Nordspanien oder in die Levante fliehen. Im spanischen Kalifat waren Juden stets Unterworfene. Als erstes Pogrom an Juden in Europa, im islamischen Herrschaftsgebiet von al-Andalus, gilt das Massaker von Granada im Jahr 1066. Am 30. Dezember stürmte eine muslimische Menschenmenge den Königspalast und kreuzigte den jüdischen Wesir Joseph ibn Naghrela. In der Folge wurde der Großteil der jüdischen Bevölkerung der Stadt von einem muslimischen Mob, über 1.500 jüdische Familien – rund 4.000 Personen, ermordet.

Bis zur islamischen Eroberung im Jahr 640 war Ägypten überwiegend koptisch-christlich, erst am Ende des 12. Jahrhunderts nach diversen antichristlichen Verfolgungen bildeten die Muslime die Mehrheit. Beispielsweise wurden im Jahr 2001 bei den Massakern von el-Koscheh 21 Kopten und bei einem Bombenanschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria  am Neujahrstag 2011  21 Menschen ermordet. Im Mai 2010 kam es in Ägypten zu einer Welle von Überfällen von Muslimen auf Kopten, was viele Christen dazu zwang, aus ihren eigenen Häusern zu fliehen. Trotz der Hilferufe traf die Polizei erst ein, nachdem die Gewalt vorbei war. Koptische Frauen und junge Mädchen werden in Ägypten besonders oft entführt und gezwungen, zum Islam zu konvertieren sowie moslemische Männer zu heiraten.

Die Verfolgungsgeschichte der Bahai in Persien beginnt beinahe zeitgleich mit ihrer Religionsgründung im Jahr 1850. In dieser Zeit wurden  über 20.000 Bahai massakriert. Nach der islamischen Revolution 1979 wurden die Verfolgungen gegen die Bahai systematisch betrieben. Seither wurden Tausende Bahai verhaftet, grausam gefoltert und  Hunderte wegen ihrer religiösen Überzeugung hingerichtet.  Von 1979 bis 1985 war die gesamte gewählte Führung der Bahai in 210 Hinrichtungen ermordet worden.

Die ersten Verfolgungen der Jesiden durch Muslime begann 1415 als die Jesiden nicht mehr als eine muslimische Sekte wahrgenommen wurden. Anfang 1970 ließ Saddam Hussein jesidische Städte räumen und zerstören um die ansässigen Jesiden zum Islam zwangszubekehren. Am 14. August 2007 verübten vier Selbstmordattentäter im Süden Sindschars ein Massaker bei dem 500 Jesiden ermordet wurden. Am 3. August 2014 überfiel der Islamische Staat Sindschar und verübte ein Massaker an über 5.000 Männern und Jungen. Über 7.000 Frauen und Kinder wurden entführt und die Frauen als Sexsklavinnen verkauft.

Nach dem Krieg von 1948 der arabischen Staaten gegen den neu gegründeten Staat Israel kam es zu umfangreichen und gewalttätigen Vertreibungen von Juden aus den arabischen Ländern. Im Jemen lebten seit knapp 3000 Jahren Juden, im Irak war die jüdische Gemeinde mindestens 2700 Jahre alt. Von den 130.000 Juden im Irak blieben einige hundert, 75.000 Juden verließen Ägypten, 25.000 verließen Syrien, 63.000 den Jemen, 40.000 Libyen, mehr als 100.000 Tunesien, 140.000 Algerien und 250.000 Marokko. Insgesamt wurden knapp 800.000 jüdische Flüchtlinge aus den muslimischen Staaten von 1948 bis 1950 vertrieben und von Israel aufgenommen.

Die Scharia

Neben dem Koran, werden die Hadidte, die Aussprüche und Handlungen Mohammeds, sowie die Prophetenbiographie als Überlieferung des islamischen Glaubens bezeichnet. Aus diesen Glaubengrundlagen des Islams wird die Scharia abgeleitet. Die Scharia gibt das islamische Recht an, sie gilt als Ordnung Gottes und darf daher nicht durch menschliche Gesetze ersetzt werden. Freilich wird die Scharia in den islamischen Staaten nur teilweise und auch unterschiedlich praktiziert.  „Grenzvergehen“ verletzen das Recht Gottes. Der Koran bedroht den unzüchtigen Unverheirateten nach Sure 24,2-3 mit 100 Peitschenhieben, den Verheirateten mit der Todesstrafe. Schwerer Diebstahl fordert nach Sure 5,33 die Amputation der rechten Hand und im Wiederholungsfall des linken Fußes. Zu den Kapitalverbrechen zählt in der Scharia zudem die Homosexualität und der Abfall vom Islam und der verlangt nach Auffassung aller vier islamischen Rechtsschulen die Todesstrafe. Zentraler Punkt der Scharia ist die Unterdrückung der Frau und die damit einhergehende Geschlechterseparierung mit dem Gebot der Verschleierung. Frauen sind im Islam in mehrfacher Hinsicht Menschen zweiter Klasse.

Beispielsweise werden im islamischen Gottesstaat Iran auch noch heute Frauen nach außerehelichem Geschlechtsverkehr gesteinigt. Per Strafgesetz werden die Frauen bis zum Kopf eingegraben und mit Steinen auf sie geworfen bis sie qualvoll sterben, dabei ist penibel die Größe der Steine und die Reihenfolge der Werfer festlegt. Im Iran müssen Frauen seit der Islamischen Revolution von 1979 außerhalb des Hauses einen Schleier tragen. In der Öffentlichkeit müssen Frauen alle Körperteile inklusive der Haare, außer Händen, Füßen und Gesicht bedeckt halten und sie dürfen keine enganliegende Kleidung verwenden. Die Verschleierungspflicht sowie die Kleidungsvorschriften werden von der Sittenpolizei streng kontrolliert und mit Gefängnisstrafen und Verurteilungen mit Peitschenhiebe durchgesetzt. Allein in der Hauptstadt Teheran werden dafür bis zu 7.000 Geheimagenten eingesetzt. Immer wieder kommt es nicht nur im Iran zu Säureanschlägen auf Frauen, wenn diesee sich  nicht „tugendhaft“ kleiden. Die Frauen sind dadurch oftmals ihr Leben lang entstellt. Allein im Jahr 2015 konfiszierte die Verkehrspolizei im Iran mehr als 40.000 Fahrzeuge von Frauen, die im Auto ihr Haar nicht unter einem Kopftuch verborgen hatten. Die Autos wurden beschlagnahmt und die Fälle an die Justiz übergeben. Die iranische Schauspielerin Marzieh Vafamehr ist im Jahr 2010 zu 90 Peitschenhieben und einem Jahr Gefängnis verurteilt worden, weil sie in einem Film mit einer Glatze auftrat um nicht den Hijab tragen zu müssen. Die iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh wurde von einem Teheraner Revolutionsgericht zu einer elfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, davon fünf Jahre, weil sie in einer im Iran nie gezeigten Videobotschaft kein Kopftuch getragen hatte.

Parinas Parhisi schreibt über die Frauenrechte im Iran: „Die Ehe einer iranischen muslimischen Frau mit einem Nichtmuslim ist nicht gestattet. Der umgekehrte Fall ist dagegen zulässig, sofern die Gattin einer monotheistischen Religion angehört. Die Familienführung obliegt dem Ehemann, was als eine gesellschaftliche Verpflichtung, weniger als ein Verfügungsrecht des Mannes über die Frau verstanden wird. Der Ehemann muss von diesem Recht zum Wohle der Familie und deren Stabilität Gebrauch machen, andernfalls erfüllt er den Missbrauchstatbestand nach Art. 40 der iranischen Verfassung. Ihm kommt außerdem das Recht zu, den Wohnort der Frau zu bestimmen, wenn nichts anderes im Ehevertrag vereinbart wurde. Von diesem „Führungsrecht“ des Mannes sind Normen abgeleitet, wonach die Frau zum Verlassen des Hauses sowie bei einer Auslandsreise seine Erlaubnis benötigt. Die Ehe selbst ist von dem Gedanken der Komplementarität der Rechte geprägt. Diese beinhaltet zum einen die Unterhaltspflicht des Mannes, und zwar unabhängig von Vermögen oder Berufstätigkeit der Frau, zum anderen ihre allseitige sexuelle Verfügbarkeit. So hat die Frau Anspruch auf eine angemessene Unterhaltszahlung durch den Ehemann und dieser das Recht, jederzeit Beischlaf von seiner Ehefrau zu fordern, es sei denn, es liegen Hinderungsgründe (Menstruation) vor.Nach der islamischen Revolution im Iran wurde das Mindestalter für die Verheiratung von Mädchen erst auf dreizehn, später auf neun Jahre herabgesetzt, die Mehr-Ehe für Männer wieder erlaubt und Frauen durften bestimmte Berufe wie den der Richterin nicht mehr ausüben.

Homosexuelle werden im Iran und in anderen islamischen Staaten verfolgt und in Iran an Baukränen öffentlich erhängt. In Pakistan wurde noch kürzlich ein Muslim der sich zum Christentum bekannte zum Tode verurteilt. Der islamisch dominierte UN-„Menschenrechtsrat“ erlaubt keinerlei Kritik an der islamischen  Sharia. Wer die Sharia kritisiert, kritisiert den Islam, wer den Islam kritisiert ist Rassist, so die Aussagen der Repräsentanten der islamischen Länder im UN-„Menschenrechtsrat“. Damit ist jede Kritik an Steinigungen im Iran, Hinrichtungen von Homosexuellen in islamischen Ländern, Todesstrafen bei Apostasie, Amputationen von Gliedmaßen bei Diebstahl, usw. im UN-„Menschenrechtsrat“ untersagt.

Islamische „Denker“ und islamischer Antisemitismus

Die Muslimbruderschaft wurde 1928 von Hasan al-Banna (1906-1949) und sechs Arbeitern der Suez Canal Company in Ägypten während der Weltwirtschaftskrise gegründet. Mit der Idee des kriegerischen Dschihad und der Todessehnsucht als Leitideal des Märtyrers war damit der islamische Fundamentalismus der Neuzeit geboren. Die Dschihad-Bewegung der Muslimbrüder nahm fast ausschließlich den Zionismus und die Juden in ihr Visier. Zur Massenorganisation wurden die Muslimbrüder nicht als antikoloniale, sondern vor allem  als antijüdische, antiwestliche, antimoderne Bewegung.

Politisch forderte die streng nach dem Führerprinzip ausgerichtete Organisation, neben der Unterwerfung der islamischen Frau, die Abschaffung aller Parteien, die Schaffung einer Staatsordnung auf Basis von Scharia und Kalifat, die Abschaffung von Zins und Profit zugunsten einer diktatorisch durchgesetzten Interessengemeinschaft von Arbeit und Kapital, da nach Ansicht der Muslimbrüder Finanz- und Zinskapital die Ursache allen Übels ist.

Sayyid Qutb (1906-1966), trat 1951 der Muslimbruderschaft bei. Er gilt als einer der wichtigsten islamistischen Denker des 20. Jahrhunderts. „Sein Essay „Unser Kampf mit den Juden“, der nach 1967 millionenfache Verbreitung fand und bis heute findet, macht die Juden für den weltweiten moralischen und sexuellen Verfall verantwortlich: „Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude; und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der heiligen gesellschaftlichen Beziehungen steckte ebenfalls ein Jude.“ Sayyid Qutb erklärte Palästina zum heiligen islamische Gebiet (Dar al-Islam) und Israels Vernichtung zu einer religiösen Pflicht. Juden sind in Anlehnung an Koranverse nach Sayyid Qutb als „Schweine“ und „Affen“ verächtlich zu machen und er bot als wissenschaftliche Erkenntnis die Behauptung feil, dass das Verzehren von nicht-jüdischem Blut ein religiöser Ritus der Juden sei. Die größten Opfer dieser islamistischen Wendung waren die Muslime selbst. Mit dem „Kampf gegen die „Verderber“ ist die Unterdrückung eigener sinnlicher Bedürfnisse gemeint und mit der Rückkehr zu den „heiligen gesellschaftlichen Beziehungen“ die „Unterjochung der Frau“

Der extreme Antisemit Amin al-Husseini (1893–1974) war 30 Jahre der politische Führer und 16 Jahre das religiöse Oberhaupt der palästinensischen Muslime. Zeitweilig war er der wichtigste Repräsentant der arabischen Welt. Der Großmufti von Jerusalem vergötterte den Holocaust und für die Ausbreitung des modernen Antisemitismus im arabischen Raum und die Zusammenarbeit  mit dem NS-Regime in Deutschland spielte er die entscheidende Rolle. Amin al-Husseini war Mitglied der „SS“ und betrieb NS-Propaganda für Deutschland in arabischer Sprache, er war persönlich verantwortlich für die Tötung von tausenden jüdischen  Kindern aus Rumänien, Bulgarien und Ungarn im Holocaust. Über den deutschen Kurzwellensender Radio Zeesen rief der Mufti zum Dschihad gegen die Juden auf: „Ich erkläre einen heiligen Krieg, meine Brüder im Islam! Tötet die Juden! Tötet sie alle!“ Unermüdlich nutzte al-Husseini sein Amt, um den Antizionismus zu islamisieren und den Hass auf Juden religiös zu motivieren. Offen und in vollem Wissen um Auschwitz propagierte er die Shoah. Während des 2. Weltkrieges mobilisierte der „Großmufti“ auf dem Balkan Muslime für die „Handschar“ Waffen-SS, die unter seinem Befehl durch ihre Gräueltaten traurige Berühmtheit erlangte. Außerdem beteiligte sich Amin al-Husseini an Pogromen gegen irakische Juden. Als der Kriegsverbrecher Amin al-Husseini im Juni 1946 aus französischer Gefangenschaft fliehen konnte wurden die arabischen Dörfer in Palästina mit Girlanden und Flaggen geschmückt. Indem die Alliierten, wegen der arabischen Ölvorkommen den Mufti amnestierten, wurde sein Antisemitismus rehabilitiert. Scharenweise strömten die in Europa gesuchten Nazis in die arabische Welt.

Im Koran und in den Hadithen gibt es unzählige judenfeindliche Passagen. Im Jahr 2012 zitierte der Mufti  der Palästinensischen Autonomiebehörde, Muhammad Hussein eine Koransure vor laufenden Kameras im offiziellen Fernsehsender der Fatah: „Der jüngste Tag wird nicht kommen, bis die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen: ,Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn.“  Ähnliche judenfeindliche Suren sind in der Charta der Hamas nachzulesen und beinahe täglich von irgendwelchen islamischen und antisemitischen Terroristen zu hören. Ebenfalls im Jahr 2012 meinte der oberste Religionsführer des Irans, Ali Chamenei: „Bald wird sich die Welt vom zionistischen Regime, diesem Krebsgeschwür, befreien. Iran wird jedem helfen, der das zionistische Regime bekämpft, so wie es schon in der Vergangenheit Hizbollah und Hamas geholfen hat.“ Lange vor der Staatsgründung Israels gab es muslimische Pogrome gegen Juden in Palästina. Seit der Ausrufung des Staates Israels im Jahr 1948 wird es von seinen muslimischen Nachbarn in seiner Existenz bedroht. Palästinensische Gotteskrieger nehmen ihren göttlichen Auftrag ernst und ermorden Juden wo sie sie nur treffen können.

Nach der „Operation Protective Edge“ im Jahr 2014 tobte auf Europas Straßen der antisemitische, überwiegend islamische Mob. In Wien randalierten muslimische Demonstranten und agitierten gegen den Judenstaat mit Plakaten „Dein Ende wird kommen, Israel“. In Gelsenkirchen, Berlin und allen möglichen deutschen Metropolen skandierten enthemmte überwiegend islamische Wutbürger mit Migrationshintergrund „Hamas, Hamas, Juden ins Gas!“ , „Kindermörder Israel!“ und „Ihr Juden seid Bestien“. Die Berliner „Friedensfreunde“ riefen „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ und „Scheiß-Juden, wir kriegen euch!“ Wenige Tage später, bei der jährlichen antizionistischen Al-Quds-Demonstration kam es auf dem Berliner Kurfürstendamm zu massiven antisemitischen Ausschreitungen. Selbstverständlich bestimmten wieder die Parolen „Tod, Tod, Israel!“, Sieg Heil“ und „Israel, Israel feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ das Bild dieses antijüdischen Events. Nach der kürzlichen Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch den amerikanischen Präsidenten Trump war die islamische Welt wieder einmal fassungslos und gab seiner antisemitischen Wut freien Lauf. In der Türkei traf sich der islamische Machthaber Erdogan mit anderen islamischen Diktatoren um gegen Israel zu agitieren und auf Europas Straßen versammelten sich zu Tausenden verhüllte Frauen mit ihren wütenden islamischen Männern um erst zigfach Allahu akbar („Allah ist am größten“) zu rufen und danach mit antisemitische Parolen wie “Tod Israel” und “Kindermörder Israel” keine Zweifel an der eindeutigen Gesinnung aufkommen zu lassen.

Selbstmordkommandos und islamischer Terror

Während im Nahen Osten und in Nordafrika weiter der innerislamische Bruderkampf zwischen Sunniten und Schiiten tobt, der Islamische Staat seine tödlichen Gottesdienste abhält, die Türkei sich in einen islamistischen Staat transformiert, die islamische Welt seit Jahrzehnten versucht den jüdischen Staat Israel auszulöschen, mehren sich seit der Jahrtausendwende nun die Angriffe der islamischen Gotteskrieger in den säkular regierten Ländern der westlichen Welt. Islamische Selbstmordattentäter ermorden unter Allahu-Akbar-Rufen wahllos Passanten, Konzertbesucher, Juden, Besucher von Weihnachtsmärkten vor allem deswegen, weil der westliche liberale Lebensstil, die selbstbewussten Frauen, die Homosexuellen dieser „ungläubigen Gebiete“ die religiösen Gefühle der Mörder verletzt. Die Liste des islamischen Terrors und der Selbstmordattentate ist eine Never-Ending-Story, nur beispielgebend sei nachfolgend darüber berichtet.

Mahmoud Ahmadinejad ließ während des ersten Golfkrieges bis 1988 gegen den Irak 500.000 Plastikschlüssel aus Taiwan importieren. Iranische Kinder ab 12 Jahren durften oder mussten die Minenfelder mit ihrem Körper, eingewickelt in Decken räumen.  Vor dem Einsatz wurde ihnen ein Plastikschlüssel aus Taiwan um den Hals gehängt, der ihnen, so die Zusicherung, die Pforte zum Paradies öffnen werde. Diese Kindermärtyrer, gehörten der von Khomeini ins Leben gerufenen Massenbewegung der Basitschi an. Vor der Mobilisierung der Kindermärtyrer versuchte die iranische Regierung die Minenfelder mit kleinen Tieren, wie Esel, Hunden oder Ponys räumen zu lassen. Dieses Vorhaben misslang allerdings, weil die Tiere nach kurzer Zeit merkten in den Tod zu laufen und ihr Instinkt sie dazu zwang zurückzulaufen. Die Basitschi waren das Vorbild der ersten Selbstmordattentäter der Hisbollah im Libanon und sind bis heute eine Art Sturmabteilung der islamischen Revolution geblieben, die als „Sittenpolizei“ interveniert oder gegen Oppositionelle wütet und dabei stets den Kult der Selbstaufopferung zelebriert.

Islamische Selbstmordattentäter die seit Jahren in israelische Schulbusse steigen, erst „Allahu akbar“ rufen, um sich und alle anderen in den Tod reißen, sind davon überzeugt durch ihre Tat sofort ins Paradies aufzusteigen um sich mit 72 Jungfrauen vergnügen zu können. Beim islamischen Bombenanschlag im Jahr 2002 wurden am 12. Oktober in der Stadt Kuta auf der indonesischen Insel Bali in zwei Diskotheken 202 feiernde und tanzende Menschen getötet und über 209 zum Teil schwer verletzt. Die religiös motivierten Attentäter der Gruppe  Jemaah Islamiyah jubelten im Gerichtssaal als ihnen die Todesurteile verkündet wurden. Sie freuten sich, lagen sich nach „Allahu akbar“ Rufen in den Armen und konnten den vermeintlichen Einzug ins Paradies kaum erwarten.

Bei den islamischen Attentätern der Madrider Zuganschläge im Jahr 2004 mit 191 Toten und 2051 teilweise schwer verletzten Besuchern, den Terroranschlägen im Juli 2005 in London mit 52 Toten, den Bombenanschlägen in Mumbai 2006 mit 209 Toten und 714 Verletzen, den Terroranschläge in Brüssel im März 2016 mit 32 Toten, den Anschlag in Nizza im Juli 2016 mit 86  toten Zivilisten verhielt es sich nicht viel anders. Die islamischen Gotteskrieger verabscheuen das Leben und lieben den Tod. Die nekrophile Parole der vom deutschen Faschismus  inspirierten Selbstmordattentäter von der Hamas über die Hisbollah bis zum Islamischen Staat lautet: “Ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod“. Der Glaube an das Paradies mit 72 Jungfrauen ist offenbar unerschütterlich.

Am 1. September 2004 nahmen rund achtzig islamistische Terroristen im nordossetischen Beslan 1.127 Kinder und Erwachsene einer Schule als Geiseln um tschetschenische Terroristen freizupressen und um dem Ziel eines islamischen Gottesstaates in Tschetschenien näherzukommen. Die Islamisten lehnten trotz starker Hitze  die Lieferung von Nahrungsmitteln und Wasser ab. Der Durst zwang die Gefangenen teilweise ihren Urin zu trinken und sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Nach drei Tagen versuchte eine Gruppe von Geiseln zu fliehen, worauf die Terroristen auf sie zu schießen begannen und sich ein stundenlanges Feuergefecht mit den russischen Spezialeinheiten entwickelte, bis diese das Gebäude stürmte. Im Verlauf der Kämpfe stürzte die Decke im Sportsaal der Schule ein, was vielen Kindern das Leben kostete. Insgesamt kostete  331 Geiseln, Kindern und Lehrkräften  der islamische Terror das Leben. Der Organisator der Geiselnahme, der islamische Gottskrieger Schamil Salmanowitsch Bassajew meinte der Krieg wird erst vorbei sein wenn das „Gesetz Allahs in Jerusalem herrscht.

Der jüdische Staat Israel ist eine demokratische und fortschrittliche Insel inmitten reaktionären, islamischen und von daher undemokratischen Staaten. Israel nimmt gerade mal ein Prozent der Fläche Saudi Arabiens oder 1,5 Promille der Fläche der 18 Staaten der Arabischen Liga ein. Die Existenz dieses Zwergstaats mit seinen „Ungläubigen“ macht die islamische Welt seit seiner Gründung rasend, die Fahne Allahs muss für die Fanatiker über ganz Palästina wehen. Allein seit der Jahrtausendwende sind in Israel knapp 1.500 Zivilisten islamischen Angriffen zum Opfer gefallen. Arabische Dschihadisten verübten allein zwischen September 2000 und Dezember 2005 insgesamt 147 Selbstmordattentate mit über 500 ermordeten Israelis. Vor allem im Zuge der zweiten Intifada kam es zu zahllosen Selbstmordanschlägen, beispielsweise am 1. Juni 2001 auf die Diskothek „Dolphinarium“ in Tel Aviv  mit 21 Toten und 120 Verletzten, am 9. August 2001 auf die Pizzeria „Sbarro“ in Jerusalem  mit 15 Toten und 130 Verletzten oder am 27. März 2002 auf eine Pessach-Feier im Park-Hotel in Netanya  mit 30 Toten und 140 Verletzten.

Der Dschihadist Osama bin Laden startete bereits 1998 eine Serie von Autobomben auf die US-Botschaften von Daressalam und Nairobi mit 224 Toten und tausenden Verletzten. Am 11. September 2001 entführte die islamische Terrororganisation al-Qaida  vier Flugzeuge in den USA,  zwei davon lenkten die Terroristen unter „Allahu akbar“ Rufen in die Türme des World Trade Centers und eines in das Pentagon bei Washington. Im vierten Flugzeug entwickelte sich ein verzweifelter Kampf zwischen den islamischen Fanatikern und den Passagieren. Der mutige Kampf der Passagiere wurde nicht belohnt, unter „Allahu akbar“ Rufen der vier Entführer stürzte das Flugzeug über dem Ort Shanksville mit vierzig Menschen ab. Das dritte Flugzeug stürzte in das Pentagon in Arlington bei Washington, sein Flugbenzin explodierte und löste einen Großbrand aus. An dieser Stelle starben an Bord der Maschine 64 Personen, darunter die fünf  Entführer und 125 Menschen im Gebäude. Die in das WTC geflogenen Jets wirkten wie große Brandbomben und brachten die Türme zum Einstürzen. Viele Menschen in den Türmen lehnten sich aus den Fenstern um noch atmen zu können, viele von ihnen stürzten sich verzweifelt in den Tod. Fünf weitere Gebäude des WTC wurden ebenfalls zerstört, ebenso vier U-Bahn-Stationen und dreiundzwanzig weitere Gebäude, die das WTC umgaben. Über 17.410 Menschen konnten aus den Gebäuden evakuiert werden. Knapp 3.000 Menschen kamen bei den islamischen Anschlägen ums Leben. Die Dschihadisten  nahmen vor den Anschlägen Abschiedsvideos auf um sich von ihren Verwanden und Bekannten zu verabschiedeten und um ihre bevorstehende Tat als göttlichen Auftrag zu glorifizieren. Die Selbstmordattentäter des 11. September waren durch ihren religiösen Wahn davon überzeugt nach ihrem Tod in den „Himmel“ aufzufahren.

Nachdem islamische Sittenwächter am 7. Januar 2015 die Redaktion der  französischen Satirezeitung von Charlie Hebdo stürmten und die Redaktion mehr oder weniger auslöschten,  weil die ihren Propheten beleidigt hat und  später einen Polizisten und vier jüdische Kunden in einem jüdischen Supermarkt ermordeten, kam es am 13. November 2015 in Paris zu weiteren islamischen Terroranschlägen vor allem im Bataclan mit 130 Toten und 683 Verletzten. Das Bataclan wurde bis kurz vor den Anschlägen  von jüdischen Eigentümern geführt. Die Eigentümer wanderten wie viele  französische Juden wegen dem zunehmenden islamischen Antisemitismus nach Israel aus. Im Bataclan gab es regelmäßig proisraelische Veranstaltungen. Die Dschihadisten begründeten ihr Massaker im Bataclan weil sich dort „hunderte Götzendiener in einer perversen Feier versammelt“ haben. Die drei Dschihadisten feuerten zunächst minutenlang mit Kalaschnikow-Sturmgewehren in das Publikum und warfen Handgranaten in die Menge.

Am 19. Dezember 2016 erschoss der Dschihadist Anis Amri den polnischen Speditionsfahrer eines Sattelzugs, raubte den Lkw und steuerte ihn gegen eine Menschenmenge auf dem Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz um elf Besucher zu ermorden und 55 zum Teil schwer zu verletzen. Vor der Mordtat chatte Anis Amri mit seinen Glaubensbrüdern und offenbarte: „Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich, mein Bruder, bete für mich.“

Die muslimischen Aufklärer

In der islamischen Welt gibt es viele Muslime, die unter Lebensgefahr, gegen die Zumutungen des Islam kämpfen oder protestieren. Der algerische Schriftsteller Kamel Daoud erklärte 2016: „Wir haben ein Recht, normal zu leben.“ Kamel Daoud spricht im Namen Hunderttausender Muslime Nordafrikas wenn er die Allmacht des Religiösen beklagt: „Ich weigere mich, an Diskursen teilzunehmen, die sagen, wir, in der arabischen Welt, können nichts dafür, dass es den Islamischen Staat, den Terrorismus und das wirtschaftliche Versagen gibt. Der Islamische Staat, das müssen wir begreifen, ist auch ein Teil von uns. Wir sind selbst schuld an dem, was passiert. Und wir sind diejenigen, die etwas ändern können.“ Beispielsweise schreibt der Islamologe Abdelwahab Meddeb: Der Islam wird nicht „missbraucht“. Das Übel steckt in ihm selbst, wie der muslimische Philosoph Abdennour Bidar in seinem „Offenen Brief an die muslimische Welt“ schrieb. Die Journalistin Asieh Amini gehört zu Irans aktivsten Frauenrechtlerinnen, sie kämpft  gegen die Todesstrafe im Iran und speziell gegen die Hinrichtungen von Minderjährigen und Steinigungen von Frauen. Nach Repressionen und Verfolgungen durch das Regime floh sie 2009 ins Exil nach Norwegen.Viele mutige Frauen im Iran protestieren gegen die Kleidungsvorschriften auf ihre Art, sie lüften ihren Schleier und posten Fotos davon auf Facebook. Viele Frauen legen ihren Schleier nur lässig auf ihren Kopf, so dass Teile der Haare zu sehen sind und riskieren damit von der Sittenpolizei aufgegriffen zu werden.

Ayaan Hirsi Ali kritisiert nicht nur den Islam, sie kritisiert das westliche Appeasement an den Islam: „Kulturrelativisten sehen nicht, dass sie indem sie nichtwestliche Kulturen skrupulös von ihrer Kritik ausnehmen, die Träger dieser Kulturen in ihrer Rückständigkeit einzementieren. Das geschieht mit den besten Absichten, aber wie bekannt ist der Weg zur Hölle mit guten Absichten gepflastert. Es handelt sich um Rassismus in Reinform.“ Ayaan Hirsi Ali drehte mit Theo van Gogh den islamkritischen Film Submission. Am 2. November 2004 wurde Theo van Gogh in Amsterdam von einem muslimischen Gotteskrieger ermordet. Van Gogh war mit dem Fahrrad unterwegs  der Dschihadist auf ihn schoß und als van Gogh  am Boden lag, schnitt er ihm die Kehle durch und heftete mit zwei Messerstichen ein fünfseitiges Bekennerschreiben mit einer Morddrohung an Ayaan Hirsi Ali an den Körper.

Hirsi Ali wurde von der niederländischen Regierung unter Schutz gestellt und vorübergehend außer Landes gebracht. In ihrem Versteck schrieb sie: „Ich trauere um Theo. Dass er mit seinem Sohn nicht nach Amerika ziehen konnte. Dass er sterben musste, um die Aufmerksamkeit auf einige Leute zu lenken, denen der Glaube mehr bedeutet als ein Menschenleben. Ich bin traurig, weil die Niederlande neuerlich ihre Unschuld verloren haben, eine Unschuld, die sich in Theo manifestierte. Der Angriff auf Amerika und Spanien wurde aufgenommen wie etwas, was nur dort geschehen konnte, nicht hier. Theo war nicht so naiv zu glauben, dass es nicht geschehen konnte, sondern dass es ihm nicht geschehen konnte. Er sagte: ,Ich bin der Dorftrottel, dem sie nichts tun. Aber sei du vorsichtig, denn du bist die Apostatin.‘ Ich bin wütend, weil er einer rituellen Schlachtung zum Opfer fiel. Ich bin wütend, weil ich weiß, dass der Täter nicht allein ist: Er ist Mitglied eines Netzwerkes von Moslems, die intensiv mit ihrem Glauben beschäftigt sind und herumlaufen mit dem Plan, unschuldige Menschen zu töten. Islamistischer Terror, in den Niederlanden und außerhalb, kann gedeihen, weil er eingebettet ist in einen großen Kreis gleichgesinnter Moslems.“

Im Gegensatz zu den anderen monotheistischen Religionen ist der Islam kaum reformierbar. Die auf Mohammed herabgesandten Suren des Korans gelten als unmittelbares, ewig und überall geltendes Wort Gottes. Die Suren zu hinterfragen oder situativ relativierende Interpretationen gelten als Blasphemie, als Abfall vom Islam und dieser muss laut Koran mit dem Tode bestraft werden. Die Trennung von Staat und Religion ist im Koran, im Gegensatz zur Bibel, ausgeschlossen. Das ist ein Grund warum während der Aufklärung das Christentum domestiziert wurde und warum eine Aufklärung im Islam bis heute keine Chance hatte.

Ahmad Mansour, Ayaan Hirsi Ali, Kamel Daoud, Abdelwahab Meddeb, Hamed Abdel-Samad und viele andere muslimischen Islamkritiker sind die großen und mutigen Aufklärer über den Islam in unserer Zeit. Sie alle hoffen, wie eine große Zahl von Muslimen in der islamischen Welt, auf Unterstützung aus dem aufgeklärten Westen um vor allem das Leben für die säkularen Muslime, für die unterdrückten Frauen, die verfolgten Homosexuellen, die unterdrückten Andersgläubigen, die gefolterten Gewerkschafter und die eingesperrten Oppositionellen zu verbessern. Bisher hoffen diese großartigen Aufklärer unserer Zeit vergebens, denn die islamophilen Appeaser von links bis rechts bestimmen mehrheitlich den Diskurs.

Das westliche Appeasement

Der Islam ist definitiv eine gewalttätige Religion! Zirka 60 Millionen Christen wurden während der islamischen Eroberungszüge durch den Dschihad ermordet, die Hälfte der Hinduzivilisation, rund achtzig Millionen Hindus wurden ausgelöscht, ungefähr zehn Millionen Buddhisten fielen dem islamischen Terror zum Opfer. Während seiner Expansion nach Europa versklavte der islamische Dschihad über eine Million Europäer. Islamische Sklavenhändler verkauften bis zu siebzehn Millionen Schwarzafrikaner auf nordafrikanischen Sklavenmärkten, auf einen dieser Sklaven kamen vier Tote bei den Überfällen auf die Dörfer und bei den Märschen auf die Sklavenmärkte. Die rund 1.400 Jahre der islamischen Expansion forderten über 200 Millionen Menschenleben von „Ungläubigen“, dabei sind die Abermillionen von muslimischen Opfern der Scharia und der islamischen Ideologie noch überhaupt nicht eingerechnet.

Die islamische Ideologie behandelt Frauen als Menschen zweiter Klasse, Homosexualität wird in vielen islamischen Ländern mit dem Tod bestraft. Zentrales Leitmotiv der islamischen Ideologie ist ihr eliminatorischer Antisemitismus, sie will den Tod des Juden, will die Auslöschung Israels, hasst den „dekadenten“ Westen mit seinen selbstbewussten Frauen, seinen Homosexuellen und allen möglichen diversen Minderheiten, mit der entsprechenden freien Meinungsäußerung. In der arabischen Welt werden die antisemitischen  „Protokolle der Weisen von Zion“, Hitlers „Mein Kampf“ von staatlichen Verlagen millionenfach verbreitet. Regime wie der Iran leugnen den Holocaust. Bereits in den islamischen Kindergärten und Schulen werden die Kinder auf ihren antijüdischen Kampf vorbereitet. Die Schaffung einer Staatsordnung auf Basis von Scharia und Kalifat, die Abschaffung von Zins und Profit zugunsten einer diktatorisch durchgesetzten Interessengemeinschaft von Arbeit und Kapital sind wie die totale Ablehnung des westlichen, liberalen Lebensstils Eckpfeiler dieser mittelalterlichen Ideologie.

Dies alles auszusprechen birgt Gefahren in sich. Vermutlich deshalb fordern angepasste Journalisten und die Mehrheit der Politiker, die sich in der deutschen Ideologie sehr wohlfühlen, mehr Verständnis für jene, die für die eingebildeten und tatsächlichen Demütigungen, die sie erleben, dem „Westen“, „den Juden“, „der Moderne“ die Schuld zuweisen. Nach den islamischen Attentaten in Europa meinten die deutschen Politiker und „Islamexperten“, die Attentate haben nichts mit dem Islam zu tun. Der deutsche Justizminister Heiko Maas besuchte aus Solidarität mit den Muslimen nach den antisemitischen Morden von Paris eine Moschee und auf der Gedenktafel am Breitscheidplatz fehlt die Nennung des Tatmotivs. Der Pfarrer der Gedächtniskirche Martin Germer verteidigt das geplante Mahnmal und dessen Inschrift: „Es sei überflüssig, den Islamismus dort direkt zu benennen.“

Statt religionskritisch den Islam ins Visier zu nehmen, den politischen Islam als Gegner und den Islamismus als Form des Faschismus als Feind zu bekämpfen, verdrängen nicht nur Linke den Imperialismus und den Terror des Islam. Oskar Lafontaine, der ehemalige Vorsitzende der SPD sagte in einem Interview im Februar 2006: „Es gibt Schnittmengen zwischen linker Politik und islamischer Religion.“ Andrea Nahles, die Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, beschwor die „gemeinsame Werte“ zwischen der SPD und der terroristischen Fatah. Renate Kühnast von den Grünen meinte kurz nach dem Attentat eines 17-jährigen Afghanen, der mit einer Axt erst auf Fahrgäste der Bahn und dann auf die Polizei losging, als dieser von der Polizei erschossen wurde: „Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen!“ Für den damaligen CSU Chef Edmund Stoiber zeigte der Streit um die Mohammed-Karikaturen „auf alarmierende Weise, wohin die Verletzung religiöser Gefühle führen könne.“ Stoiber setzte sich nicht für das Recht auf freie Meinungsäußerung ein, er forderte härtere Strafen für Gotteslästerung, die Verschärfung des Blasphemie-Paragraphen und nach den islamischen Terroranschlägen von Paris meinte die christ-demokratische Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Angst vor dem Islam könne durch regelmäßigen Kirchgang und Aneignung von Wissen über die christlichen Festtage gemindert werden.

Für Hamed Abdel-Samad ist der Islam eine unreformierbare Religion, jedoch können Muslime ihre Werte reformieren und dafür kämpft er. Islamkritiker wie Hamed Abdel-Samad sind die großen Aufklärer unserer Zeit. Sie bezahlen einen hohen Preis dafür. Als Hamed Abdel-Samad, der ständig von drei Leibwächtern umgeben ist, da eine  Fatwa über ihm schwebt und alle gläubigen Muslime dazu verpflichtet sind ihn zu ermorden, am Ende eines Interviews gefragt wurde wie es ihm gehe, wie er unter dieser ständigen Lebensgefahr leben kann, antwortete er mit Tränen in den Augen und stockender Stimme: Meinst du ich wollte dieses Leben, meinst du es macht mir Spaß?

 

Quellen: Hamed Abdel-Samad: Der islamische Faschismus: Eine Analyse | Hamed Abdel-Samad: Mohammed: Eine Abrechnung  | Robert S. Wistrich: Der antisemitische Wahn: Von Hitler bis zum Heiligen Krieg gegen Israel | Robert S. Wistrich: Muslimischer Antisemitismus: Eine aktuelle Gefahr | Ulrike Marz: Kritik des islamischen Antisemitismus | Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers – Halbmond und Hakenkreuz – Das „Dritte Reich“, die Araber und Palästina | Matthias Küntzel: Djihad und Judenhaß | Bat Ye’or: Der Niedergang des orientalischen Christentums unter dem Islam: Vom Dschihad zum Schutzvertrag – 7. bis 20. Jahrhundert | Boualem Sansal: Allahs Narren: Wie der Islamismus die Welt erobert | Samuel Schirmbeck: Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Karl Marx und die „Judenfrage“

24. Oktober 2017

Linker Antisemitismus, antisemitische Sozialisten, Antiimperialisten oder Kommunisten waren und sind fassungslos machende Phänomene der letzten  Jahrhunderte. Die antisemitischen Spiegel-Kolumnen eines Jakob Augstein, die judenfeindlichen Aussagen oder Taten diverser bundesdeutscher Politiker der Linkspartei, von Annette Groth bis Inge Höger oder Antiimperialisten von Ulrike Meinhof bis Wilfried Böse, KPD-Politikern der Weimarer Republik, von Ruth Fischer bis Karl Radek, sozialdemokratischen Theoretikern wie Karl Kautsky, Stalinisten wie Major Smolá bis zurück zu den Frühsozialisten Pierre Joseph Proudhon, Charles Fourier oder den Anarchisten Michail Bakunin sind beispielgebende traurige Beweise für diesen Tatbestand. Zum Slánský-Prozess 1951 in der CSSR berichtet der ehemalige stellvertretende tschechoslowakische Außenminister Arthur London, damals selbst jüdischer Mitangeklagter,  über die Methoden des kommunistischen Staatsanwalts Smolá: „Er packte mich an der Gurgel und brüllte: Sie und Ihre dreckige Rasse, wir werden sie schon noch ausrotten. Nicht alles, was Hitler getan hat, war richtig, aber er hat die Juden vernichtet, und das war gut! Es sind noch viel zu viele von euch der Gaskammer entkommen.“ Das ZK-Mitglied Ruth Fischer agitierte am 25. Juli 1923 auf einer Versammlung von kommunistischen StudentInnen, zu denen auch völkische Kommilitonen eingeladen waren: „Sie rufen auf gegen das Judenkapital, meine Herren? Wer gegen das Judenkapital aufruft, meine Herren, ist schon Klassenkämpfer, auch wenn er es nicht weiß. Sie sind gegen das Judenkapital und wollen die Börsenjobber niederkämpfen. Recht so. Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie. Aber, meine Herren, wie stehen Sie zu den Großkapitalisten, den Stinnes, Klöckner?“   Der führende Theoretiker der Sozialdemokratie Karl Kautsky fasste bereits 1914 in seiner Schrift „Rasse und Judentum“ alle seinerzeit von sozialistischer Seite gegen den Zionismus vorgebrachten „Argumente“ zusammen. Nach dem Pogrom von Kischinew erklärte Kautsky, dass neben dem revolutionären Denken der Volksmassen, „die Auflösung des Judentums“ das beste Mittel gegen den Antisemitismus sei. Der französische Frühsozialist Carles Fourier bezeichnete die Juden als Parasiten, deren Emanzipation „der beschämendste aller gesellschaftlichen Fehler“ gewesen sei. Pierre Joseph Proudhon, Zinskritiker und ebenfalls ein Frühsozialist verlangte, alle Juden aus Frankreich zu vertreiben und der russische Anarchist Michail Bakunin nannte die Juden eine ausbeuterische Sekte, ein blutsaugendes Volk, alles verschlingende Parasiten die einander fest verbunden sind.

Den einflussreichsten Versuch, den „linken Antisemitismus“ ideengeschichtlich herzuleiten, unternahm der Historiker Edmund Silberner in seinem 1962 erschienenen Buch „Sozialisten zur Judenfrage.“ Edmund Silberner behauptet in seinem Werk, dass vor allem Karl Marx der Wegbereiter, insbesondere seine Schrift „Zur Judenfrage“, für einen eigenständigen sozialistischen Antisemitismus war. Der Soziologe Thomas Haury belegt in seinem Standardwerk „Antisemitismus von links“, dass der Antisemitismusvorwurf gegenüber Marx nicht gerechtfertigt ist und er widerlegt die Behauptung Silberners, die Marxsche Schrift habe einen prägenden Einfluss auf die Stellung der sozialistischen Bewegung zu jüdischen Fragen ausgeübt. Bei der Analyse der verschiedenen Aussagen von Sozialisten oder Linken zu Juden, Zionismus und Antisemitismus, bei der Frage nach deren antisemitischem Gehalt wie nach den Ursachen dieses Antisemitismus zeigt sich, dass hierfür das jeweilige Weltbild und die jeweiligen Grundstrukturen zu den Grundmustern antisemitischen und nationalistischen Denkens und die Definition des Antisemitismus von großer Bedeutung sind.

Ab dem Jahr 1840 wurde im Rheinland die Gleichstellung der Juden öffentlich breit diskutiert. Innerhalb der liberalen Rheinischen Zeitung wurde diese Gleichstellung von Karl Marx, dem Chefredakteur der Zeitung, als ein Schritt zur allgemeinen Freiheit eindeutig unterstützt. Der deutsche Philosoph und Wirtschaftstheoretiker Karl Marx  (5. Mai 1818 in Trier – 14. März 1883 in London) war ein Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft und der Religion. Der junge Karl Marx radikalisierte sich zwischen 1843 bis 1846 von einem Kritiker der politischen Verhältnisse zu einem radikalen Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft. Die Entstehung seiner materialistischen Gesellschaftstheorie war erst am Beginn, wie seine Kritik an den Hegelschen und junghegelschen Denkweisen. Vorläufiger Höhepunkt dieser Entwicklung war 1846 seine Schrift „Die deutsche Ideologie“ mit seiner Verurteilung der damaligen deutschen Philosophie von Ludwig Feuerbach bis Max Stirner.“

Der linke Junghegelianer und antisemitische Religionskritiker Bruno Bauer veröffentlichte 1843 seine antijüdische Schrift „Die Judenfrage“. Bruno Bauer spricht sich darin gegen die politische Emanzipation der Juden aus, solange sie nicht ihren Sonderglauben aufgeben würden. Laut Bruno Bauer hätten die Juden in der Vergangenheit nur deshalb zu leiden gehabt, weil sie dem menschlichen Fortschritt feindlich gegenübergestanden und sich der Gesellschaft, in deren Mitte sie lebten, nicht hatten anpassen wollen.  Egoismus und Hochmut machten laut Bauer die Juden glauben, sie hätten ein Recht auf Privilegien, sie seien kein wirkliches Volk, sondern nur ein „Volk der Schimäre.“ In einem weiteren  Essay, „Die Fähigkeit der heutigen Juden und Christen, frei zu werden“, versucht Bauer die jüdische Emanzipation mit der der Menschheit überhaupt in Zusammenhang zu bringen. Er stellt das Christentum als den vollendeten Religionstypus und das Judentum als eine niedrigere Glaubensform dar. Um ein freier Mensch zu werden, habe der Christ laut Bauer nur sein Christentum, der Jude dagegen sich „ganz und gar“ aufzugeben. Bruno Bauer meinte: „Wie die Götter Epikurs in den Zwischenräumen der Welt wohnen, [..] so haben sich die Juden [..] in den Ritzen und Spalten der bürgerlichen Gesellschaft eingenistet.“

1843 verfasste Karl Marx die Rezension zu Bruno Bauers Schriften „Zur Judenfrage“. Der erste Teil der kritischen Replik bezieht sich auf Bauers Abhandlung „Die Judenfrage.“ Das Hauptargument in der Frühschrift von Karl Marx gegen Bauer war, dass dieser die Frage nach der Emanzipation ausschließlich religiös und von daher falsch stelle. Der behauptete Widerspruch zwischen Judentum und Christentum macht ein gesellschaftlich praktisches zu einem religiös-idealistischen Problem und verkenne daher das Wesen des modernen politischen Staates als auch jenes der politischen Emanzipation. Am Beispiel der USA erklärt Marx, dass dieser politische Staat keineswegs Religionen zum Verschwinden bringe, sondern ganz im Sinne der Menschenrechte, lediglich zur Privatsache der Bürger wird.

Der zweite Teil der Marxschen Schrift, der weniger als ein Viertel des Artikels ausmacht, bezieht sich auf Bauers Aufsatz „Die Fähigkeit der heutigen Juden und Christen, frei zu werden“ und bezieht sich zudem aber auch immer wieder auf Bauers „Die Judenfrage.“ Bauer stellt die Frage ob der Christ oder der Jude emanzipationsfähiger sei. Die Kritik des Christentums führe laut Bauer zur generellen Auflösung von Religion, während die Juden „tief unter dieser Möglichkeit der Freiheit“ stünden. Auch hier bricht Marx mit der Bauerschen  Fassung und wendet seine gerade entwickelte Methode der Kritik auf das Judentum selbst an. Da Religion als „verkehrtes Weltbewusstsein“ nicht Ursache, sondern gerade Produkt einer „verkehrten Welt“ sei, müsse auch die jüdische Religion Produkt des konkreten Daseins der Juden sein, das Wesen des Judentums  gesellschaftlich gefasst werden. Marx will nicht den idealen „Sabbatjuden“ sondern den „wirklichen, weltlichen“, den „Alltagsjuden“ betrachten.

Thomas Haury schreibt zum zweiten Teil der Marxschen „Judenfrage“: „In den darauffolgenden Gedankengängen der sieben letzten Seiten des Textes finden sich alle jene Formulierungen, die von Silberner und anderen Autoren zitiert werden: „Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld.“ „Die chimärische Nationalität des Juden ist die Nationalität des Kaufmanns, überhaupt des Geldmenschen.“ Dieses praktische Leben drücke sich auch in den Grundlagen der jüdischen Religion aus: „Welches war an und für sich die Grundlage der jüdischen Religion? Das praktische Bedürfnis, der Egoismus. […] Der Gott des praktischen Bedürfnisses und Eigennutzes ist das Geld. Das Geld ist der eifrige Gott Israels […] Der Gott der Juden hat sich verweltlicht, er ist zum Weltgott geworden.“ Denn „das Judentum erreicht seinen Höhepunkt mit der Vollendung der bürgerlichen Gesellschaft; aber die bürgerliche Gesellschaft vollendet sich erst in der christlichen Welt. Nur unter der Herrschaft des Christentums, welches alle nationalen, natürlichen, sittlichen, theoretischen Verhältnisse dem Menschen äußerlich macht, konnte die bürgerliche Gesellschaft sich vollständig vom Staatsleben trennen, alle Gattungsbande des Menschen zerreißen, den Egoismus, das eigennützige Bedürfnis an die Stelle dieser Gattungsbande setzen, die Menschenwelt in eine Welt atomistischer, feindlich sich gegenüberstehender Individuen auflösen.“ Doch damit ist „der Jude, der als ein besonderes Glied in der bürgerlichen Gesellschaft steht, [. .] nur die besondere Erscheinung von dem Judentum der bürgerlichen Gesellschaft […] Aus ihren eignen Eingeweiden erzeugt die bürgerliche Gesellschaft fortwährend den Juden.“

Zur Emanzipation der Juden behauptet Marx: „Der Jude hat sich auf jüdische Weise emanzipiert, nicht nur, indem er sich die Geldmacht angeeignet, sondern indem durch ihn und ohne ihn das Geld zur Weltmacht und der praktische Judengeist zum praktischen Geist der christlichen Völker geworden ist.“ An diesem Punkt verbindet Marx seine Auffassung, Schacher und Geld seien die Ursachen der Auflösung der Gesellschaft und der Selbstentfremdung „menschlichen Menschen, mit seinen Gedanken einer menschlichen Emanzipation“ aus Teil I und fügt beide Argumentationsstränge zu dem scheinbar schlüssigen, apodiktischen Fazit zusammen: „Die Emanzipation von Schacher und vom Geld, also vom praktischen, realen Judentum wäre die unserer Zeit.“ Die Schrift schließt mit den immer wieder zitierten und interpretierten Sätzen: „Sobald es der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen des Judentums, den Schacher und seine Voraussetzungen, aufzuheben, ist der Jude unmöglich geworden, weil die subjektive Basis des Judentums, weil das praktische Bedürfnis vermenschlicht, weil der Konflikt der individuell-sinnlichen Existenz mit der Gattungsexistenz des Menschen aufgehoben ist. Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum.“

Edmund Silberner mit seiner eigenen Antisemitismusauffassung bezeichnet Marx vor allem wegen seiner Schrift „Zur Judenfrage“ als „ausgesprochenen Antisemiten.“ Thomas Haury weist darauf hin, dass bei Silberner, wie bei den Autoren die ihm folgen, eine Antisemitismus-Definition nicht existent ist. Thomas Haury bemerkt dazu, dass bei Marx nahezu alle Bestimmungsmomente des modernen Antisemitismus fehlen und begründet dies so:

„Dies gilt zum einen auf der Ebene der Inhalte: Marx macht „die Juden“ oder „das Judentum“ weder historisch noch moralisch für „Geld“ oder „Schacher“ verantwortlich, noch wird die bürgerliche Gesellschaft als Produkt der Juden behauptet. „Das Judentum erreicht seinen Höhepunkt mit der Vollendung der bürgerlichen Gesellschaft; aber die bürgerliche Gesellschaft vollendet sich erst in der christlichen Welt. Nur unter der Herrschaft des Christentums […] konnte die bürgerliche Gesellschaft […] alle Gattungsbande des Menschen zerreißen, den Egoismus, das eigennützige Bedürfnis an die Stelle dieser Gattungsbande setzen.“ Es ist die bürgerliche Gesellschaft, die Marx kritisieren und verändern will. Auch stellt Marx „den Juden“ in keiner Form als mächtigen Feind, als „wahren Herrscher“, Verschwörer oder Drahtzieher im Hintergrund dar.“ Vielmehr schreibt Marx, dass „durch ihn und ohne ihn das Geld zur Weltmacht“ geworden sei.  An keiner Stelle stellt Marx in irgendeiner Weise die Frage nach der Schuld von Personen oder Kollektiven, geschweige denn weist er diese den Juden oder der jüdischen Religion zu. „Der Jude, der als ein besonderes Glied der bürgerlichen Gesellschaft steht, ist nur die besondere Erscheinung von dem Judentum der bürgerlichen Gesellschaft. […] Aus ihren eignen Eingeweiden erzeugt die bürgerliche Gesellschaft fortwährend den Juden.“

Insbesondere auf der Ebene der Denkstrukturen finden sich, wie aus diesen Zitaten deutlich wird, bei Marx gerade nicht die Kennzeichen des modernen Antisemitismus. Weder personifiziert der Jude die Moderne noch behauptet Marx eine jüdische Weltverschwörung. Ebenso findet sich bei ihm auch keinerlei Manichäismus, der alle Erscheinungen binär in wesensmäßig Gutes oder Böses einteilt, identitäre Kollektive konstruiert und hierzu etwa „Deutsche“ oder Christen „den Juden“ gegenüberstellt. Noch weniger kann Marx unterstellt werden, er suche nach einer deutschen „nationalen Identität“ und benutze daher „die Juden“ als Feindbild, um durch ihre Bekämpfung ein „deutsches Volk“ zu formieren und die Einheit von diesem und einem „deutschen Volksstaat“ herzustellen. Folgerichtig findet sich bei Marx auch nirgends eine Andeutung, dass die Juden als Juden zu bekämpfen seien (vielmehr bezog Marx im Gegensatz zu Bauer eindeutig Position für die politische Emanzipation der Juden; 1843 hatte er ein dahingehendes Bittgesuch unterstützt). Es ist aber gerade ein zentrales Kennzeichen des modernen Antisemitismus, dass er durch Maßnahmen gegen die Juden — Rücknahme der Emanzipation, Diskriminierung, Vertreibung oder gar Vernichtung — die zentralen gesellschaftlichen Probleme lösen zu können behauptet. Marx aber wollte klar die Gesellschaft selbst, die Beziehungen der Menschen zueinander grundlegend ändern.

Der Unterschied wird nicht nur augenfällig bei der Betrachtung zeitgenössischer Schriften des Früh-Antisemitismus, in denen die Juden als Feinde konstruiert und ihre Vertreibung, Vernichtung oder gar Ausrottung gefordert wird. Auch im Vergleich mit den judenfeindlichen Äußerungen von Frühsozialisten oder Anarchisten wird dies deutlich. Bei ihnen fungieren die Juden eindeutig nicht nur als Chiffre für Geld, sondern als Personifizierung von Ausbeutung und geheimer Herrschaft; Schuldzuweisung, Verschwörungstheorie und Manichäismus sind ebenso offensichtlich wie die bis zu Ausrottungsmetaphern gehende Aggression gegen die als absoluten Feind konstruierte Gruppe.“

Marx benutzt an mehreren Stellen die Juden als Chiffre um beispielsweise die von ihm behauptete Entfremdung zu erkennen. Die Ursache der Entfremdung sah Marx zu der Zeit noch nicht im Kapitalismus, sondern in „Geld und Schacher“, also in der Zirkulation. Das Judenstereotyp in den Schriften von Marx war nach seiner Wendung zur materialistischen Gesellschaftstheorie und seiner Analyse, dass nicht die Sphäre der Zirkulation, sondern jene der Produktion die Basis von Kapitalismus und  Ausbeutung bilde, nie wieder von Bedeutung.  So macht sich Marx beispielsweise im 3. Band des Kapitals über die Zinskritik von Pierre Joseph Proudhon lustig. Abgesehen von dem Anlass, Bauer zu kritisieren, waren Juden im Denken von Marx ganz einfach unwichtig. Rezeptionsgeschichtliche Untersuchungen belegen zudem eine marginale Verbreitung sowie einen geringen Einfluss des frühen Marxschen Textes auf Theorie wie Politik der Arbeiterbewegung. Die „Deutsch-Französischen Jahrbücher“, in denen „Die Judenfrage“ 1844 erschien, wurden größtenteils beschlagnahmt und galten als verschollen.  In kleiner Auflage wurde „Die Judenfrage“ zwar nachgedruckt, ungleich populärer war allerdings der Brief von Friedrich Engels „Über den Antisemitismus“ in dem er sich gegen die Gleichsetzung von Juden und Kapital wandte und auf die tausenden jüdischen Proletarier verwies, die in elendsten Verhältnissen lebten.

Für Thomas Haury ist der Text von Marx weder antisemitisch noch fand er eine erwähnenswerte Verbreitung. Für den linken Antisemitismus, für die Ausbildung des antisemitischen Antizionismus, waren, ohne die Affinitäten von Marxismus-Leninismus und Antisemitismus zu negieren, ganz andere Faktoren als der Marxsche Text „Zur Judenfrage“ maßgeblich. Der philosophiegeschichtliche Kontext, der in nicht leicht zugänglicher junghegelianischen Diktion verfassten Schrift, sollte berücksichtigt werden. Auf der anderen Seite führt das Bestreben Marx bezüglich seiner Frühschrift bedingungslos zu verteidigen zu einer genauso undifferenzierten Sichtweise. Zu kritisieren ist Marx in jedem Fall dafür,  dass er absolut kritiklos die zeitgenössischen judenfeindlichen Stereotype für seine politischen und philosophischen Zwecke benutzt hat. Marx kritisiert nicht den Inhalt des judenfeindlichen Bildes der jüdischen Religion, als Religion des Egoismus, sondern führt mit diesen Bildern auf die ökonomische Praxis „der Juden“ hin. Dem jungen Marx war vermutlich nicht bewusst, dass sein Bild von der jüdischen Religion von einem gemeinsamen Dritten, dem Stereotyp der Verbindung Juden-Schacher bestimmt ist. Laut Thomas Haury besticht „Die Judenfrage“ durch die virtuose Handhabung dialektischer Denkfiguren, durch ihren apodiktisch-thetischen Charakter und ihren gelungenen Chiasmen: „Die Überlegenheit von Marx‘ Methode der „materialistischen Umstülpung“ schien augenfällig, reproduzierte und bestätigte aber realiter die judenfeindlichen Stereotype, unabhängig von Marx‘ eigentlichen Intentionen, zugleich eine kritische Erkenntnis der bürgerlichen Gesellschaft und eine Erkenntniskritik der idealistischen junghegelianischen Philosophie zu leisten.“

Quellen: Thomas Haury – Antisemitismus von links ; Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR | Edmund Silberner – Sozialisten zur Judenfrage | Karl Marx – Zur Judenfrage | Bruno Bauer – Die Judenfrage

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch+Fleisch

Karl Kautsky, Sigmar Gabriel und der sozialdemokratische Antizionismus

25. April 2017

Als stärkste sozialdemokratische Partei Europas war die SPD des Kaiserreichs richtungsweisend innerhalb der internationalen Sozialdemokratie. Der deutsch-tschechische Philosoph und sozialdemokratische Politiker Karl Kautsky (1854–1938), war nach dem Tod von Friedrich Engels (1820–1895) der führende Theoretiker  der Sozialdemokratie. Kautskys Schrift „Rasse und Judentum“ von 1914 fasste alle seinerzeit von sozialistischer Seite gegen den Zionismus vorgebrachten „Argumente“ zusammen.  Die „Zionismusanalyse“ von Karl Kautsky bildete die Grundlage nicht nur für die SPD sondern auch für die russischen Bolschewiki und die spätere DDR. In Kautskys Schriften manifestieren sich bereits die antisemitischen Tendenzen, die den gegen Israel gerichteten Antizionismus vorwegnahmen.

Das Verhältnis der SPD zum Antisemitismus war gespalten und oberflächlich. Als der Philosoph und Nationalökonom Eugen Dühring (1833-1921) Mitte der 1870er Jahre seine anarchistisch gefärbte, „nationale“ Konzeption des Sozialismus  mit antisemitischen Angriffen auf Karl Marx wie Ferdinand Lassalle verbreitete, blieben die Politiker der SPD weitgehend stumm.  Erst als ab 1878 das Sozialistengesetz in Kraft trat und als die Christlich-Soziale Arbeiterpartei mit dem protestantischen Hofprediger Adolf Stoecker als ultrakonservative Konkurrenzpartei in Erscheinung trat, begann die SPD deren Antisemitismus zu verurteilen. Friedrich Engels bezog als erster Arbeiterführer unzweideutig gegen den anwachsenden politischen Antisemitismus Position. In seinem Brief „Über den Antisemitismus“  im Mai 1890 von der Wiener Arbeiter-Zeitung veröffentlicht, analysierte er den in Europa deutlich von Ost nach West zunehmenden Antisemitismus als „das Merkzeichen einer zurückgebliebenen Kultur.“ Engels widersprach der Gleichsetzung von Juden und Kapital und verwies dabei auf die in Armut lebenden Menschen des jüdischen Proletariats.

1892 verabschiedete die SPD auf ihrem Parteitag eine Resolution gegen den Antisemitismus, allerdings nicht auf der Ebene grundsätzlicher politischer Prinzipien, sondern mit der Begründung, der „einseitige Kampf des Antisemitismus gegen das jüdische Ausbeuterthum muß nothwendig erfolglos sein, weil die Ausbeutung […] keine speziell jüdische, sondern einer der bürgerlichen Gesellschaft eigenthümliche Erwerbsform ist.“ Diese Formulierung macht klar, dass trotz der klaren Ablehnung des politischen Antisemitismus innerhalb der deutschen Sozialdemokratie der antisemitische Topos vom relativen Übergewicht der Juden in der deutschen Wirtschaft akzeptiert war. Auf dem Kölner Parteitag der SPD 1893 hielt August Bebel (1840-1913) seine berühmte Rede „Sozialdemokratie und Antisemitismus.“  In ihr legte Bebel dar, dass die Geschichte der Ausgrenzung der Juden die zentrale Ursache für deren spezifische Berufsstruktur sei. Er  versuchte Antisemiten aus der rationalen Angst vor der teilweise starken jüdischen Konkurrenz und den realen Erfahrungen mit jüdischen Händlern, Kreditgebern zu erklären. Dass der Kapitalismus und nicht das Judentum das Übel sei, „diese Erkenntnis wird den untergehenden Mittelschichten immer mehr dämmern“ und so prognostizierte Bebel dass der Antisemitismus „mit Notwendigkeit revolutionär werden muss, und damit uns […] in die Hände arbeitet.“

Mit dem Rückgang der Wählerstimmen für die Antisemiten-Parteien ab 1900 schwand auch das Interesse der SPD am Antisemitismus.  Die SPD sah im Antisemitismus ein vorübergehendes Phänomen, er  galt als eine Ideologie dem Untergang geweihter vorkapitalistischer Schichten. Die Hauptursache für die Entstehung des Antisemitismus lag für die SPD in der realen ökonomischen schwierigen  Lage des Antisemiten. Für die SPD hatte dies zumindest scheinbar etwas mit den Juden zu tun. Bebels Rede auf dem Kölner Parteitag zeigte, dass durch dieses Zusammenwirken von Ökonomismus und Widerspiegelungstheorie die Analyse der SPD unwillentlich den traditionellen Stereotypen verhaftet blieb: „Wer sind […] zum größten Teil die Wucherer? Unleugbar Juden.“ So verwundert es nicht, dass in der sozialdemokratischen Presse und in politischen Karikaturen ab 1890 immer wieder die Gleichsetzung Jude-Geld oder die Ablehnung bestimmter „jüdischer Eigenschaften“ auftauchte. Infolge des Fehlens einer entsprechenden Ideologietheorie konnten weder der Zusammenhang zwischen Nationalismus und Antisemitismus noch die Antriebe des Antisemitismus, noch seine Dynamik und seine Gefährlichkeit wahrgenommen werden.

Der Entwicklung des Zionismus, mit seinen sozialistischen Spielarten, infolge des stetig anwachsenden Antisemitismus in Europa und der existenziellen Notlage der Juden in Osteuropa stand die SPD ablehnend gegenüber.  Laut Kautsky sei das zionistische Vorhaben aus pragmatischen Erwägungen „eine „undurchführbare Utopie“ und deshalb abzulehnen. Laut Kautsky sind Juden Stadtmenschen und sie können nicht wieder zu Bauern gemacht werden, weshalb sie wieder aus Palästina emigrieren würden und Kautsky meinte deshalb: „Je mehr für den Zionismus die ökonomische Grundlegung versagt, desto mehr muss der so bequeme Begriff der Rasse aushelfen. […] Palästina als Weltgetto zur Absonderung der jüdischen Rasse von den anderen Rassen, das ist das Ziel des Zionismus geworden.“ Deshalb sei der Zionismus als eine reaktionäre Ideologie abzulehnen: Nicht nur würden die „zionistischen Patrioten““ gegen die historische Tendenz die Erhaltung des Judentums verfechten und den Assimilationsprozess bekämpfen; sie würden vor allein ein jüdisches „Volk“ und eine jüdische „Nation“ propagieren: “In diesem Streben begegnet sich der Zionismus mit dem Antisemitismus wie nicht minder darin, die gesamte Judenschaft aus den heutigen Staaten zu entfernen“, schreibt Thomas Haury in „Antisemitismus von links.“

Thomas Haury weiter: „1921 fügte Kautsky in die zweite Auflage von „Rasse und Judentum“ noch das Kapitel „Der Zionismus nach dem Weltkrieg“ ein, da sich in Palästina die politischen Verhältnisse entscheidend verändert hatten. Zwar habe die britische Regierung den Juden 1917 in der Balfour-Deklaration eine „nationale Heimstatt“ in Palästina zugesichert, doch trotzdem hätten sich die politischen Chancen des zionistischen Projekts verschlechtert. Kautsky nennt an erster Stelle ein Argument, das in der bisherigen Diskussion kaum eine Rolle gespielt hatte: „Bei den zionistischen Berechnungen wird die arabische Bevölkerung meist völlig ignoriert oder als ein Umstand behandelt, um den man sich nicht viel zu kümmern braucht. Nur gelegentlich erinnert man sich der Tatsache, dass Palästina bereits ein besiedeltes Land ist. Dann nimmt man einfach an, dass seine bisherigen Bewohner verdrängt werden, um den zuziehenden Juden Platz zu machen.“  Der Zionismus verleugne das Recht der arabischen Bevölkerung auf Selbstbestimmung und proklamiere ihm gegenüber den „Anspruch einer Nation auf Wiederherstellung der Grenzen ihres Staatswesens, wie sie vor Jahrhunderten unter ganz anderen Verhältnissen bestanden hatten“; dieses von den Zionisten reklamierte „historische Recht“ sei aber »unter den vielen veralteten Rechtsansprüchen […] der vermodertste  […]Nach dem Recht der Arbeit wie nach dem demokratischer Selbstbestimmung gehört heute Palästina nicht den Juden in Wien oder London oder New York, die es für das Judentum reklamieren, sondern den Arabern im Lande selbst, der großen Mehrheit der Bevölkerung.“ Diese aber drängten bereits jetzt nach Selbstbestimmung gegenüber den Kolonialmächten und lehnten die jüdische Siedlungstätigkeit ab. Daher müsse die jüdische Kolonisation untergehen, sobald die englisch-französische Vorherrschaft über Vorderasien zusammenbreche. Somit bewirke die Politik des Zionismus „nichts anderes […] als dass sie mit ungeheuren Kosten und den größten Opfern der Beteiligten [die Juden] aus Gebieten, in denen die Judenpogrome ihrem Ende entgegengehen, in Gebiete transportiert, in denen solche Pogrome mit größter Macht einsetzen werden, wenn das zionistische Programm auch nur einigermaßen zur Ausführung kommt.“

Kautskys Zionismus-Kritik richtet sich gegen den real existierenden Zionismus als nationalistische Ideologie und Bewegung mit dem Ziel einer Staatsgründung in Palästina. Ohne den Antisemitismus als Entstehungsursache des Zionismus zu vergessen, lehnt Kautsky letzteren aus seinen politisch-theoretischen Positionen zu „Nationalismus“ und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker heraus ab. Kautsky hält das Ziel des Zionismus für ökonomisch unmöglich und politisch fatal und glaubt, dass die internationale Klassensolidarität und der Sozialismus alle Probleme lösen würden.

Die Haltung der SPD zum Zionismus und zum Staat Israel hat sich in den letzten hundert zwanzig Jahren seit Karl Kautsky nicht wesentlich verändert. Als Israel während des Jom-Kippur-Krieges 1973 einer arabischen Endlösung der Judenfrage so nah war wie nie zuvor, sperrte die deutsche sozialdemokratische Bundesregierung unter Willy Brandt deutsche Flugplätze und Häfen für amerikanische Nachschublieferungen, die in Israel dringend gebraucht wurden. “Die Neutralität und Ausgewogenheit der Bonner Nahost-Politik gebiete dies“, beschönigte damals Staatssekretär Paul Frank.

Nach einem Besuch in Israel ließ der der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seiner „Israelkritik“ freien Lauf. Gabriel schrieb auf seiner Facebookseite am 14. März 2012: „Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“ Kein Wort von Sigmar Gabriel über den antisemitischen Terror und keinerlei Verständniss für die erforderlichen Schutzmaßnahmen der israelischen Regierung seine Einwohner gegen den mörderischen Terror der Palästinenser zu schützen.

Am 12. Februar 2014 provozierte der damalige Präsident des Europäischen Parlaments und heutige SPD Kanzlerkandidat  Martin Schulz vor dem israelischen Parlament und erzeugte dadurch Tumulte in der Knesset: „Ich habe vor zwei Tagen mit jungen Menschen in Ramallah gesprochen, die wie junge Menschen überall auf der Welt eine Ausbildung machen, studieren, reisen, eine Arbeit finden und eine Familie gründen wollen. Sie haben aber auch einen Traum, der für die meisten jungen Menschen selbstverständlicher Alltag ist: frei in ihrem eigenen Land zu leben, frei von Gewalt, ohne Beschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Das palästinensische Volk hat wie das israelische Volk ein Recht darauf, seinen Traum von einem eigenen, lebensfähigen und demokratischen Staat zu erfüllen. Die Palästinenser haben genauso wie Israelis ein Recht auf Selbstbestimmung und Gerechtigkeit. Einer der Fragen dieser jungen Menschen, die mich am meisten bewegt hat, war: Wie kann es sein, dass Israelis 70 Liter Wasser am Tag benutzen dürfen und Palästinenser nur 17?“

Es ist bezeichnend dass sich Martin Schulz auf die Zahlen der „jungen Menschen aus Ramallah“ verlässt. In Wahrheit verbraucht ein Israeli 150 Kubikmeter Wasser pro Kopf und Jahr und bei den Palästinensern sind es 140 Kubikmeter Wasser. „Der Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden“, schrieb einst Adorno. Der SPD Kanzlerkandidat Martin Schulz war es auch, der  sich für die „inspirierende Ansprache“ von Mahmud Abbas in Brüssel vor der UNO bedankte.  In seiner antisemitischen Hetzrede sagte Abbas vor der UNO: „Bestimmte Rabbis in Israel haben ihre Regierung sehr klar dazu aufgefordert, dass unser Wasser vergiftet werden sollte, um Palästinenser zu töten.“ Zum Antisemitismus von Abbas applaudierte nicht nur die UNO, auch Martin Schulz war begeistert.

Sigmar Gabriel, der den Holocaustleugner und Antisemiten Mahmud Abbas, seinen Freund nennt, besuchte nun als SPD-Außenminister Israel. Gabriel will sich in Israel mit der linksgerichteten Nicht-Regierungs-Organisation „Schweigen brechen“ treffen. Die von Jehuda Schaul gegründete Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Soldaten nach vermeintlichen Verbrechen der israelischen Armee zu befragen und das dann in aller Welt zu veröffentlichen.

Mit anonymen Berichten von Soldaten versucht die vor allem aus Europa finanzierten Organisation „Breaking the Silence“ seit Jahren, der israelischen Armee Verbrechen nachzuweisen. Kürzlich wurde die Unglaubwürdigkeit von „Breaking the Silence“ nachgewiesen: Denn viele der Zeugenaussagen sind entweder nachweislich falsch oder lassen sich nicht verifizieren. Jehuda Schaul war es auch, der Gabriel 2012 durch die jüdische Enklave in Hebron geführt hatte, worauf Gabriel Israel bezichtigte, ein „Apartheid-Regime“ zu sein. Es war Jehuda Schaul, der das Gerücht in die Welt setzte, wonach Israelis das Wasser von Palästinensern vergiften würden.  Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat nun damit gedroht, das für den heutigen Dienstag vorgesehene Treffen mit Bundesaußenminister Sigmar Gabriel abzusagen. Sigmar Gabriel machte allerdings auch deutlich, dass er trotz allem an dem Termin mit NGO-Vertretern festhalten werde. „Es ist ganz normal, dass wir bei Auslandsbesuchen auch mit Vertretern der Zivilgesellschaft sprechen“, sagte er.

Was wohl in Deutschland los wäre wenn sich ein Staatsgast vor einem vereinbarten Besuch mit der Bundeskanzlerin mit einer dubiosen Organisation treffen würde, die offen für die Abschaffung Deutschlands eintritt? Wenn zum Beispiel Putin oder Trump vor dem Besuch der Bundeskanzlerin sich öffentlichkeitswirksam mit Vertretern der Reichsbürger treffen würde? Was wäre dann von Dunja Hayali oder Klaus Kleber in ARD und ZDF zu hören?

In Jerusalem gedachte Sigmar Gabriel bei einem Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem der Opfer des Holocaust. Sigmar Gabriel liebt und ehrt die toten Juden. Nur mit den lebenden Juden hat er wie die SPD ein Problem und das nicht nur im Wahlkampf.

Ali Dashti und die 23 Jahre des Propheten

27. März 2017

„Wenn wir die Geschichte des Islam objektiv betrachten, dann stellen wir fest, dass sie nichts außer einer Aufeinanderfolge von Machtkämpfen ist, von permanenten Bemühungen der Machthungrigen um Herrschaft und Führung. Die Religion Islam wird nur als Mittel behandelt, und nicht als Zweck.“ Ali Dashti

Am 22. März 2017 fuhr der Islamist Khalid Masood in London absichtlich mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge, tötete dabei drei und verletzte 37  Menschen teilweise schwer, anschließend ermordete er mit einem Messer einen Polizisten vor dem britischen Parlament. Am 19. Dezember 2016 erschoss der tunesische Islamist Anis Amri den Fahrer eines Sattelzuges, raubte den LKW und raste damit absichtlich in eine Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt des Berliner Breitscheidplatzes und ermordete dadurch elf Besucher und verletzte 55 weitere teilweise lebensgefährlich. Bei dem islamistischen Anschlag am 14. Juli 2016 mit einem LKW in Nizza ermordete der Gotteskrieger Mohamed Lahouaiej Bouhlel 86 Passanten und mehr als 400 wurden zum Teil schwer verletzt. Glauben diese  Selbstmordattentäter tatsächlich wegen ihrer Mordtaten ihrem Gott zu dienen und an eine Belohnung im Paradies?  Warum haben viele Muslime Probleme mit der Integration in die westlichen Gesellschaften? Warum begehen beispielsweise Jesiden weder in der ersten noch in der dritten Generation vergleichbare Attentate? Warum hörte man kaum etwas von den Integrationsproblemen der Vietnamesen?

In den Ländern der islamischen Welt ist die Frau unzweifelhaft ein Mensch zweiter Klasse. Beispielsweise müssen sich Frauen in vielen islamischen Ländern verschleiern. Zuwiderhandlung gegen diese Kleiderordnung wird oftmals mit Gefängnis oder mit Peitschenhieben bestraft. Allein in der Hauptstadt Teheran werden dafür bis zu 7.000 Geheimagenten eingesetzt. Im Jahr 2015 konfiszierte die iranische Verkehrspolizei mehr als 40.000 Fahrzeuge von Frauen, die im Auto ihr Haar nicht unter einem Kopftuch verborgen hatten. Die Autos wurden beschlagnahmt und die Fälle an die Justiz übergeben. Die iranische Frauenrechtlerin Nasrin Sotoudeh wurde von einem Teheraner Revolutionsgericht zu einer elfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, davon fünf Jahre, weil sie in einer im Iran nie gezeigten Videobotschaft kein Kopftuch getragen hatte.  Im Iran werden Frauen wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr nach der Scharia zur Steinigung verurteilt und hingerichtet, dabei wird vom Gesetzgeber penibel die Größe der Steine und die Reihenfolge der Werfer festlegt. Die Frauen werden bis zur Brust im Boden eingegraben und dann von einer Menschenmenge mit Steinen beworfen, bis der qualvolle Tod eintritt. In Saudi Arabien ist es Frauen überhaupt verboten Auto zu fahren. Homosexuelle werden in den islamischen Ländern mit dem Tod bedroht, wie im Iran an Baukränen erhängt oder wie vom Islamischen Staat von hohen Häusern gestürzt. Freie Meinungsäußerung, Pluralität, Gewaltenteilung, Demokratie, Organisationsfreiheit und eine freie Presse sind in der islamischen Welt nicht anzutreffen. Der eliminatorische Antisemitismus wie die Ablehnung der westlichen Lebensart gehören dagegen in den meisten islamischen Ländern zur Staatsräson. Worin liegen die Ursachen für diese Phänomene?

Kritik am Islam ist erfahrungsgemäß lebensgefährlich. Tausende muslimische Islamkritiker von Algerien über den Iran bis hin zu Indonesien wurden bereits ermordet oder sind von der Ermordung bedroht. Dem renommierten algerischen Soziologen Mahfoud Boukhobza wurde vor den Augen seiner Familie von Islamisten die Kehle durchgeschnitten. Islamkritiker leben auch in Europa sehr gefährlich. Am 2. November 2004 wurde der niederländische Islamkritiker und Filmemacher Theo van Gogh von einem in den Niederlanden geborenen Islamisten grausam ermordet. Erst wurde er angeschossen und dann schnitt ihm der Gotteskrieger die Kehle durch und heftete ihm mit fünf Messerstichen ein Bekennerschreiben, mit einer Morddrohung gegen Ayaan Hirsi Ali  auf die Brust. Theo van Gogh drehte mit Ayaan Hirsi Ali  den Film Submission, der über die Unterdrückung der Frau im Islam handelt. Am 7. Januar 2015 drangen zwei islamische Gotteskrieger in Paris in die Redaktionsräume der islamkritischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo ein und ermordeten elf Redakteure, Zeichner und Besucher. Gleichzeitig erschoss in Paris ein weiterer Islamist in einem koscheren Supermarkt vier Juden weil sie Juden waren. Der deutsche Islamkritiker Hamed Abdel-Samad steht unter ständigem Polizeischutz, wie bei Salman Rushdie hängt eine Fatwa über ihm, die zu seiner Ermordung aufruft. Warum kann man gefahrlos den Papst oder das Christentum kritisieren, aber nicht den Islam?

Die Antworten auf diese Fragen gab bereits im letzten Jahrhundert der iranische Journalist und Politiker Ali Dashti. Ali Dashti wurde 1894 in Kerbela in eine schiitisch-religiöse Familie geboren. Nach dem Putsch im Februar 1921 durch Reza Khan bewegte sich der Iran zaghaft in Richtung westlicher Moderne. Ali Dashti war zunächst gegen Reza Schah und veröffentlichte seine Meinung in verschiedenen Zeitschriften. Wegen seiner kritischen Artikel wurde Dashti mehrmals in seinem Leben verhaftet. Reza Schah leitete verschiedene Reformen ein und gründete nach westlichem Vorbild verschiedene Ministerien. Frauen bekamen Zutritt zu den Universitäten und die Pflicht zur Verschleierung wurde abgeschaft. Die Menschen sollten sich nach europäischem Vorbild kleiden. Ali Dashti und andere fortschrittliche Iraner waren begeistert über die Reformen. 1927 wurde Dashti zum zehnten Jahrestag der russischen Revolution eingeladen. Er verlängerte die Reise und besuchte verschiedene westeuropäische Länder und sammelte Eindrücke. 1928 wurde er als Abgeordneter für die Edalat-Partei (Gerechtigkeits-Partei) in das iranische Parlament gewählt. Unter Mohammad Mossadegh wurde Ali Dashti zum Senator ernannt. Nachdem die Regierung Mosaddeg durch einen von amerikanischer und britischer Seite, sowie dem iranischen Klerus unterstützten Militärputsch gestürzt wurde, kam  Reza Schah wieder an die Macht und schlug die kommunistischen und nationalistischen Parteien blutig nieder, sein Geheimdienst SAVAK war gefürchtet. Unter dem Schah kam es jedoch auch zur sogenannten „Weißen Revolution“ mit einer Landreform, dem Frauenwahlrecht, der Abschaffung der Leibeigenschaft, der Beteiligung der Arbeiter am Gewinn der Fabriken und einer allgemeinen Schulpflicht. Das Mindestalter für eine Heirat wurde heraufgesetzt. Für Frauen wurde es erleichtert, eine Scheidung einzureichen. Verpflichtende Unterhaltsleistungen für Frau und Kind bei Scheidung wurden eingeführt. Beim Tod des Ehegatten wurde die Sorgerechtszuweisung  für gemeinsame Kinder an die Witwe verfügt. Die Abtreibung wurde legalisiert und für eine Mehr-Ehe brauchte der Mann die Zustimmung seiner Ehefrau, was die faktische Abschaffung der Mehr-Ehe bedeutete. Diese Reformen der „Weißen Revolution“ im Iran der 1960er Jahre stießen wiederum auf erheblichen Widerstand des schiitischen Klerus. Nach der islamischen Revolution von 1979 wurden, bis auf das Wahlrecht für Frauen, alle Reformen rückgängig gemacht. Zur Integrationsfigur der religiösen Reformgegner entwickelte sich bereits damals Ruhollah Khommeini vom schiitischen Wallfahrtszentrum Qom. In den 70er Jahren war Ali Dashti einer der intellektuellen Gegenspieler des Ayatollah Khomeini. Ali Dashti verfolgte mit großer Besorgnis die extremistische politische Entwicklung im Iran. Viele Jahre schrieb er in Abhandlungen und Büchern gegen die fanatischen Ziele des Fundamentalismus. Bereits 1937 verfasste Ali Dashti das Buch „23 Jahre“, gab das Manuskript aber erst 1972 seinem Freund, dem  Sozialwissenschaftler Bahram Choubine in München, der das Manuskript unter Pseudonym in Fortsetzungen in der Zeitschrift Kaweh ab 1973 veröffentlichte. Ali Dashti damals zu Choubine: „Ich bin in Karbala, der Hochburg der schiitischen Schulen und Gesellschaft groß geworden, und meine Familie war geprägt von Vorurteilen, Aberglauben und dogmatischer Frömmigkeit. Die von Vorurteilen besessenen Fanatiker und deren Weltanschauung habe ich an Leib und Seele erfahren. Deshalb weiß ich, was für ein Unheil der Fanatismus anrichtet, und es ist meine Pflicht zu tun, was in meiner Macht steht, gegen dieses schmerzhafte Phänomen zu kämpfen.“

Nach dem Sieg der islamischen Revolution im Iran 1979 wurde Ali Dashti sofort verhaftet und trotz seines hohen Alters von 85 Jahren misshandelt und gefoltert.  Dabei erlitt er so starke Verletzungen, dass er unter der Aufsicht von Revolutionsgardisten in das Jam-Krankenhaus eingeliefert wurde wo er kurz darauf am 22. Dezember 1981 verstarb.

Das Buch „23 Jahre – die Karriere des Propheten“ von Ali Dashti wurde nach der Revolution im Untergrund verteilt und gehört bis heute zu den beliebtesten Lektüren im Iran. Ali Dashti entlarvt die Widersprüchlichkeiten und Ungereimtheiten der muslimischen „Offenbarung“ und zeigt zugleich schonungslos das extremistische Potential des Islam auf und er beschreibt kritisch die dreiundzwanzig Jahre des „Wirkens“ von Mohamed. Ali Dashti bestritt, dass der Koran von Gott selbst komme und er beschreibt das Leben von Mohamed in Mekka, wo er über Glauben und Mitgefühl gepredigt hat und seinen Sinneswandel in Medina.

In Mekka wurde Mohameds Sekte verfolgt und verachtet. In dieser Zeit forderte Mohamed Toleranz und sorgte sich um Waisen und bekämpfte die Kindstötung von Mädchen, wie sie bei den Beduinen der Brauch war. Die wenigen Christen und die vielen Juden umwarb er friedlich, sich doch seinem Glauben anzuschließen. Der Frühislam in Mekka setze sich für die Minderprivilegierten ein, welche unter der Gewalt der mekkanischen Oberschicht zu leiden hatte. In den ersten dreizehn Jahren des Islam konnten, trotz des bescheidenen Lebensstils Mohameds, seiner Beredsamkeit, seiner Warnungen über die zu erwartenden Strafen im Jenseits nur wenige Menschen gewonnen werden zum Islam überzutreten. In Mekka predigte Mohamed den Frieden weil der Frieden ihm genutzt hat. Mohamed war Pragmatiker. Nach der Prophetenbiographie wanderte Mohamed im Jahr 622 mit seinen Anhängern nach Yathrib aus. In  Yathrib (Medina)  lebten  zwei  befehdete  arabische  Stämme, die  Aus  und  die  Khasraj,  von denen jeder freundschaftliche Verbindungen zu einem oder zwei der jüdischen Stämme pflegte. In Yathrib nutzte ihm die Friedfertigkeit nicht mehr, denn Mohamed erkannte wie man den Islam weiterverbreiten konnte, mit Gewalt und mit dem Schwert! Mord und Gewalt wurden nun schonungslos als Mittel zur Machterweiterung eingesetzt und die entsprechenden Suren dazu „überliefert.“ Gewalt war freilich lange vor Mohamed ein weit verbreitetes Mittel der Araber. Nur in vier Monaten des Jahres, den Haram-Monaten ruhten die Waffen in der Region und als ungeschriebenes Gesetz galt der Verzicht des Überfalles auf Karawanen, denn von den Karawanen lebten die Stämme in der Region. Mohamed hielt sich nicht daran und er befahl den Überfall auf die Karawanen. Auf dem Weg von Syrien nach Mekka wurde auf einem Rastplatz in Nahkle die Karawane mit einer großen Anzahl von Gütern überfallen und der Karawanenführer ermordet. Der Überfall verursachte großen Aufruhr, weil er zudem am ersten Tag des Monats Rajab stattgefunden hat und in eben diesem Monat waren Kämpfe nach altem arabischem Brauch verboten. Mohamed brach nicht nur diesen Kodex. Ebenfalls war es zu der Zeit tabu Kriegsgefangene zu enthaupten, was Mohamed nicht davon abhielt unzählige Kriegsgefangene zu enthaupten. Die ersten Hauptangriffsziele waren die jüdischen Stämme und die benachbarten Gebiete.

In Yatrib lebten zu der Zeit drei jüdische Stämme, die Qanoqa, die Nadir und die Qorayza. Sie waren in der Landwirtschaft, im Handel und im Handwerk sehr erfolgreich. Die Juden hatten dank ihres religiösen Unterrichtes gute Schreibkenntnisse und ein höheres kulturelles Niveau als die übrigen Stämme. Solange die Muslime schwach waren gab es keine Zwischenfälle. Nachdem ein Muslim einen jüdischen Goldschmied ermordete und dieser dann von Juden ermordet wurde kam es zum Aufruhr, worauf die Wohnviertel der Qaynoqu fünfzehn Tage lang belagert wurden und keine Lebensmittellieferungen passieren konnten, gaben die Qaynoqu auf. Sie nahmen das Angebot an, dass ihr Leben verschont würde wenn sie die Stadt verlassen und ihren Besitz, mit Ausnahme was sie auf ihre Esel verladen konnten, an die bedürftigen Muslime übergeben. Mit dem jüdischen Stamm der Nadir wurde kurz darauf ähnlich verfahren. Später wurde der letzte bedeutende jüdische Stamm, die Banu Qorayza belagert, allerdings erwarte sie ein anderes Schicksal. Die Männer wurden enthauptet und die Frauen und Kinder wurden versklavt. Auf diese Art und Weise wurden die finanziellen Mittel für die Gründung eines islamischen Staates geschaffen und der Expansion des Islams stand nichts mehr im Wege. Innerhalb von hundert Jahren reichte die kriegerische islamische Expansion von Spanien über Ägypten, Arabien, Persien bis an die Grenzen Indiens und Chinas. Erst nach knapp 500 Jahren islamischen Imperialismus, inklusive islamischen Sklavenhandels begannen die christlichen Kreuzzüge.

In Medina wurde das Weintrinken und das Glücksspiel verboten, die Armensteuer verpflichtend eingeführt und das Gesetz zum Heiligen Krieg zur absoluten Pflicht gemacht. Ali Dashti schreibt in seinem Buch: „Ist der Gebrauch des Schwertes, um Menschen zum Bekenntnis zu einer Lehre oder einer Religion zu nötigen ehrenwert? Lässt sich das mit den Idealen der Gerechtigkeit und Menschlichkeit vereinbaren?“ Mohamed, der in Mekka über Glauben und Mitgefühl gepredigt hat, änderte in Medina seinen Kurs und empfängt beispielsweise folgende „Offenbarungen“: „Der Krieg ist euch vorgeschrieben“ Sure 2 Vers 212 oder „Tötet diejenigen.., welche nicht glauben!“ Sure 9 Vers 29 oder “ Und wenn ihr die Ungläubige trefft, dann herunter mit dem Haupt, bis ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habet. Die übrigen legt in Ketten (dass sie nicht fliehen können)“ Sure 47 Vers 4. Zahlreiche weitere, ebenso harte Koranverse wurden in Medina offenbart.

In sechs Kapiteln klärt Ali Dashti über die 23 Jahre der „Offenbarungszeit“ Mohameds auf. Den Frauen im Islam und Mohameds Problemen mit den Frauen widmet Ali Dashti eigene Kapitel. In der islamischen Rechtsordnung werden die Frauen als schwache Geschöpfe angesehen. Männer dürfen bis zu vier Frauen heiraten, aber umgekehrt Frauen nicht mehrere Männer. Laut Koran stehen die Männer über den Frauen. Wenn die Frau ihrem Mann nicht gehorcht, darf er sie laut Koran schlagen. Beispielsweise ist der Anteil des männlichen Erben doppelt so hoch wie der einer Frau. Das männliche Zeugnis vor Gericht zählt doppelt so viel wie das einer Frau. Eine gute Frau ist die Frau die ihrem Mann gehorcht. In der Sure 4 werden die Rechte und die Pflichten für Männer und Frauen vorgeschrieben. Laut dem Propheten sind Frauen für Männer eine ständige Versuchung und deshalb müssen sie sich auch verhüllen. Dashti schreibt ebenso über die Kindheit, wie über die Berufung Mohameds, er schreibt über die politischen Morde Mohameds und räumt mit dem Wunderglauben im Koran auf. Mohamed war ein widersprüchlicher Mensch der süchtig nach Macht und Anerkennung war. Alles was er je gesagt oder getan hat wurde von der muslimischen Geistlichkeit zum Muster der Vollkommenheit und der Verkündigung von Gottes Willen erhoben. Ali Dashti forderte die Muslime dazu auf, die Überhöhung von Koran und Mohamed in Frage zu stellen. In den letzten acht Jahren seines Lebens führte der Prophet über achtzig Kriege. Die letzten Suren des Korans legten mit ihrer Kriegsverherrlichung und der Verdammung der Ungläubigen die Saat für den islamistischen Terror unserer Zeit.

Heutige Islamkritiker wie Hamed Abdel-Samad weisen, wie bereits Ali Dashti zu seinen Lebzeiten, auf Gewalt, religiöse Intoleranz gegenüber Juden, Christen, Frauen und Homosexuellen im Islam hin. Der Koran unterteilt gnadenlos in Gläubige und in Ungläubige und er weist an wie mit diesen umzugehen ist. Der Hauptunterschied des Korans zu den Schriften anderer Religionen liegt in der verpflichtenden Treue zum Text. Für gläubige Muslime ist der Koran eine Handlungsanweisung, sind die Hadidthen wie der Koran Gottes letzte Botschaft, die für alle Zeiten Gültigkeit haben, mit dem Auftrag die islamische Lehre in der Welt durchzusetzen. Ein Interpretationsspielraum ist bei den angeblichen Worten „Gottes“ nicht möglich. Gottes Wort ist für Gläubige nicht reformierbar! Sehr wohl aber ist das Denken der Muslime reformierbar. Dazu kommt das Prinzip der „Abrogation.“ Im Zweifelsfall gilt in der islamischen Rechtswissenschaft die Aussage der chronologisch nachfolgenden Sure und am Ende des Korans stehen bekanntlich die dschihadistischen Gebote.

Die Mischung aus Minderwertigkeitskomplex und Allmachtsvision macht den Dschihad aus. Ohne die islamische Ideologie könnten islamistische Terroristen nicht ihren mörderischen Dschihad führen. Der islamische Terror gegen „Ungläubige“, die Unterdrückung der Muslime in der islamischen Welt hat ein Vorbild, den Propheten mit seinen Worten und mit seinen Taten. Die Mörder von Charlie Hebdo und Theo van Gogh handelten wie die Gefährten Mohameds,  die ihre Liebe zum Propheten unter Beweis indem sie Menschen ermordeten, die sich abfällig über ihn äußerten. Die Enthauptungen „Ungläubiger“ des Islamischen Staates vor laufender Kamera haben Mohamed zum Vorbild.

Islamische Terroristen legitimieren mit dem Koran ihren Dschihadismus und friedliebende Muslime leiten mit den wenigen Friedenspassagen aus dem Koran die Friedfertigkeit des Islams her. Beides ist in einer aufgeklärten Welt einerseits lächerlich und andererseits furchteinflößend. Das westliche Appeasement an den Islam und der dadurch vollzogene Verrat an der Aufklärung ist dabei nicht viel weniger beängstigend als der politische Islam mit seinem menschenverachtenden Terror.

Der Niedergang der islamischen Welt, seine inneren und externen Konflikte und Kriege, der Zusammenbruch vieler islamischen Länder, ihre wirtschaftlichen Probleme, die wissenschaftliche Erfolglosigkeit der islamischen Welt, der weltweite islamische Terror können nur zurückgedrängt und vielleicht irgendwann besiegt werden, wenn endlich offen die Widersprüche dieser Religion diskutiert und wenn endlich die säkularen muslimischen Oppositionellen in ihrer Aufklärungsarbeit von westlicher Seite massiv unterstützt und geschützt werden. Ohne die Aufklärung stünde das christliche Europa noch im Mittelalter, ohne Aufklärung wird die islamische Welt weiter im Mittelalter verharren und viele Menschen weiterhin sehr unglücklich machen.

Quellen: Ali Dashti, 23 Jahre – Die Karriere des Propheten Muhammad | Hamed Abdel-Samad, Mohamed – Eine Abrechnung

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch + Fleisch

Die Wildente

20. Februar 2017

Da ich nun einmal nicht imstande war, die Menschen vernünftiger zu machen, war ich lieber fern von ihnen glücklich. Voltaire

wildenteWährend alle auf den Schauspieler warteten, der ihnen versprochen hatte, nach der Aufführung der Wildente gegen halb zwölf zu ihrem künstlerischen Abendessen in die Benzgasse zu kommen, beobachtete ich die Eheleute Solowinski genau von jenem Ohrensessel aus, in welchem ich vor einigen Jahren schon einmal gesessen war, und dachte, dass es ein gravierender Fehler gewesen ist, die Einladung der Solowinski anzunehmen. Viele Jahre habe ich von den Eheleuten Solowinski nichts mehr wissen wollen und viele Jahre habe ich die Eheleute Solowinski nicht mehr gesehen und in diesen Jahren hatten mir die Eheleute Solowinski allein bei Nennung ihres Namens durch Dritte Übelkeit verursacht, dachte ich auf dem Ohrensessel.

Die Scheußlichkeit seiner Beine habe ich die ganze Zeit beobachtet, die in grobgestrickten grauen Trachtenstutzen steckten, seinen von nichts als von Perversität rhythmisierten Gang, seinen haarlosen Hinterkopf. Er passte sehr gut zu seinen verkommenen Freunden, zwei Brüdern wahrscheinlich, religiösen Fanatikern, glühenden Judenhassern, wie ich damals dachte, dachte ich im Ohrensessel, dass ich mich vor Ekel geschüttelt umdrehte Richtung Stephansplatz, als die drei im Abbruchhaus auf dem Moslem-Markt-Platz verschwunden waren, tatsächlich  hatte ich meine Abscheu gegenüber den dreien so weit getrieben, dass ich mich, um zu übergeben, an die Wand vor dem Aidakaffehaus gedreht hatte; aber da schaute ich in einen Aidakaffehausspiegel und sah direkt in mein eigenes verkommenes Gesicht und sah meinen eigenen verkommenen Körper und es ekelte mich vor mir selbst viel mehr, als mich vor dem Solowinski und seinen Freunden geekelt hatte und ich drehte mich wieder um und ging, so schnell ich konnte, auf den Stephansplatz und auf den Graben und auf den Kohlmarkt und schließlich ins Cafe Eiles um mich in einem Haufen Zeitungen zu stürzen um die Begegnung mit dem Solowinski und seinen Begleitern zu vergessen, dachte ich auf dem Ohrensessel.

Die Solowinskis meinten auf einmal, dass sie nur mehr noch eine Viertelstunde warten würden mit dem Abendessen, höchstens bis halb eins, so die Solowinski zur feist und fett und hässlich gewordenen Schriftstellerin Juliette Dillroth, mit welcher sie sich schon eine Zeitlang unterhielt, naturgemäß über Israel, mit welcher die Schriftstellerin Juliette Dillroth, die sich immer als die Virginia Woolf von Wien vorgekommen ist, während sie es doch höchstens bis zu einer sentimentalen geschraubten Schwätzerin und ganz üblen Politproduzentin auf dem Papier gebracht hat in ihren Gedichten und Erzählungen. Die in ihrem schwarzen selbstgestrickten Wollkleid erschienene Schriftstellerin Juliette Dillroth hatte eine Zweitwohnung im Zweiten Wiener Gemeindebezirk ganz in der Nähe der Praterhauptallee und existierte tatsächlich schon jahrzehntelang in der Einbildung, die größte Schriftstellerin, ja Dichterin Europas zu sein, auch an diesem Abend, besser, in dieser Nacht in der Benzgasse, hatte sie nicht einen Augenblick gezögert, der Solowinski zu versichern, dass sie in ihrem letzten Buch einen Schritt weitergegangen als die Virginia Woolf, was ich hörte, weil ich so gute Ohren habe, vornehmlich in der Nacht, ihr Buch übertreffe bei weitem Virginia Woolfs Wellen, meinte sie und zündete sich eine Zigarette an und kreuzte die Beine. Sie werde sich die in der Presse so hochgelobte Wildente ein zweites mal anschauen, diesen hintergründigen Ibsen, sagte sie zur Solowinski, ihr Versuch allerdings, die Wildente in einer Wiener Buchhandlung zu erstehen, sei gescheitert, keine einzige Buchhandlung in der Inneren Stadt habe die Wildente auf Lager gehabt, nicht einmal eine Ausgabe in der Reclam-Universalbibliothek habe sie auftreiben können. Aber sie kenne natürlich die Wildente, liebe Ibsen, vor allem den Peer Gynt, meinte sie in die Nebelschwaden hinein, die sie selbst erzeugte. Sie war eine starke Raucherin und hatte vom Rauchen eine raue Stimme und vom Weißweintrinken ein aufgequollenes Gesicht. In der Zeit, in welcher ich mit den Eheleuten Solowinski verkehrt hatte, war ich auch mit der Schriftstellerin Juliette Dillroth zusammen gewesen, viel zu viel und mit beinahe selbstmörderischer Intensität, wie ich denke.

Anfang der Sechzigerjahre hatte die Juliette die erste offizielle Literaturzeitschrift Frankfurts als Herausgeberin übernommen, von da an war diese Zeitschrift nicht mehr zum Lesen gewesen, im Grunde ein völlig wertloses und also kopfloses und durch und durch langweiliges Blatt geworden, das dieser scheußliche, widerliche und konfuse Staat subventionierte und in welchem immer nur das Abgeschmackteste und Dümmste abgedruckt gewesen ist, vor allem immer wieder die Werke der Juliette Dillroth selbst, die ja nicht nur in dem Glauben gewesen war, eine Nachfolgerin und ja sogar eine Übertrefferin der Virginia Woolf zu sein, sondern auch noch, sie sei eine direkte Nachfolgerin und Übertrefferin der Droste und schreibe die besten Bücher Europas. Aber sie schrieb nur schlechte Bücher, in welchen weder Gefühle noch Gedanken auch nur den geringsten literarischen Wert hatten. Fünfzehn Jahre gab sie die stumpfsinnige Literatur in der Zeit heraus, bis man sie ihr mit dem Versprechen, ihr eine lebenslängliche Rente auszuzahlen, aus der Hand genommen hat.

Einen Fogosch um dreivierteleins Uhr nachts wegen eines Burgschauspielers, in dessen Barthaaren sich jetzt, da er seine Kartoffelsuppe mit der größten Geschwindigkeit, also wie ausgehungert, halb ausgelöffelt hatte, diese Kartoffelsuppe verfangen hatte. Der Ekdal, sagte er und löffelte die Suppe, der Ekdal ist schon jahrzehntelang meine Wunschrolle gewesen, und er sagte, wieder Suppe löffelnd, und zwar alle zwei Wörter einen Löffel Suppe nehmend, also er sagte der Ekdal und löffelte Suppe und sagte war schon und löffelte Suppe und immer meine und löffelte Suppe und sagte Lieblingsrolle gewesen und löffelte Suppe und er hatte auch noch zwischen zwei Suppenlöffeln seit Jahr- und dann wieder nach zwei Suppenlöffeln zehnten gesagt und das Wort Wunschrolle genauso, als redete er von einer Mehlspeise, denke ich. Mehrere Male sagte er der Ekdal ist meine Lieblingsrolle, und ich fragte mich sofort, ob er auch dann immer wieder von dem Ekdal als seiner Lieblingsrolle gesprochen hätte, wenn er keinerlei Erfolg mit seinem Ekdal gehabt hätte. Hat ein Schauspieler in einer Rolle Erfolg, sagt er, es sei seine Lieblingsrolle, hat er mit seiner Rolle keinen Erfolg, sagt er nicht, dass es seine Lieblingsrolle ist, dachte ich. Immer wieder löffelte der Burgschauspieler die Kartoffelsuppe und sagte, der Ekdal sei seine Lieblingsrolle. Als ob nur er etwas zu sagen hätte, sagten alle anderen lange Zeit nichts, löffelten ihre Suppe und starrten den Burgschauspieler an.

Der Burgschauspieler hat schon wenigstens zwei oder drei Gläser Champagner getrunken bei seinem Eintritt in die Benzgassenwohnung dachte ich, als er sagte, die Dichtung wird ja erst lebendig wenn ein guter Schauspieler sie zum Leben erweckt. Darauf legte er beide Hände auf den Tisch und reckte seinen Schauspielerkopf in die Höhe und sagte zu seinem Gastgeber, dem Solowinski: Ihr sagenhaftes Interview, lieber Freund, habe ich sehr genossen. Darauf hatten alle geschwiegen und gedacht, der Fogosch werde aufgetragen, aber sie irrten, die Köchin war ohne jede Speise eingetreten und hatte nur gefragt, ob der Fogosch serviert werden könne. Die Solowinski bedeutete der Köchin, der Fogosch könne nun aufgetragen werden.

Wenn die Burgschauspieler sehen würden, wie miserabel sie Theater spielen, müssten sie sich doch alle umbringen. Mit Ausnahme Ihrer Person, sagte der Solowinski und leerte sein Glas. Ja, wissen Sie, sagte darauf der Burgschauspieler, wenn Sie eine solche Ansicht vom Burgtheater haben, warum gehen Sie denn dann überhaupt hin? Worauf der Solowinski sagte, dass er schon zehn Jahre nicht mehr im Burgtheater gewesen sei. Die Solowinski verbesserte ihren Mann aber augenblicklich und meinte, sie sei mit ihm erst vor zwei Wochen im Aufschub gewesen. Achja, im Aufschub, sagte darauf der Solowinski, dieser Idiotenscheiß von diesem ochsenfroschhaften Maulhelden, dass es mir den Magen umgedreht hat und dass ich es auch gleich wieder vergessen habe. Der Burgschauspieler hatte nicht gleich gewusst, wie er auf den Solowinski reagieren solle. Das Burgtheater hat immer Feinde gehabt, wie alles, das letztenendes doch das Beste ist, sagte er. Das Burgtheater ist immer vor allem von denen angefeindet worden, die unbedingt an das Burgtheater wollten, die das Burgtheater aber abgelehnt hat. Der Burgschauspieler dann, wo sehen Sie denn eine solche Wildente, wie die, die wir gerade im Akademietheater spielen, nirgends, da können Sie hingehen, wo Sie wollen, eine solche Wildente wird nirgendwo gespielt. Nirgendwo, sagte der Solowinski darauf, wenn Sie doch selbst gerade vorher gesagt haben, dass diese Wildente im Akademietheater missglückt ist, dass nur Ihr Ekdal gelungen sei, wie die Kritiker schreiben, Ihr Ekdal ein grandioser Ekdal ist, die Aufführung aber überhaupt nichts wert. So kann man es auch nicht sagen, sagte der Burgschauspieler darauf, man kann nicht sagen, diese Wildente ist nichts wert, wenn sie auch missglückt ist. Aber selbst diese missglückte Wildente ist noch um vieles besser, als alle andern Wildenten, die ich jemals gesehen habe, und ich habe alle Wildenten, die in den letzten Jahrzehnten aufgeführt worden sind, gesehen. Ich habe die Wildente seinerzeit in Berlin gesehen, die erste Nachkriegswildente, sagte der Burgschauspieler, in der Freien Volksbühne, aber auch die Wildente im Schillertheater. Lauter missglückte Aufführungen, sagte der Burgschauspieler, auch in München und in Stuttgart. Das deutsche Theater wird doch nur von ganz inkompetenten Leuten gelobt, die selbst nicht wissen, was das Theater überhaupt ist.  Diese Wildente im Akademietheater ist die beste Wildente, die ich jemals gesehen habe und ich bin nicht voreingenommen, sagte er, wenn ich auch in dieser Wildente den Ekdal spiele, sie ist mit Abstand die beste Wildente. Ich habe einmal die Wildente in Stockholm gesehen, sagte der Burgschauspieler, Vildanden heißt die Wildente auf Schwedisch. Sie gefiel mir gar nicht. Ich glaubte, nach Stockholm reisen zu müssen, um die beste Wildente zu sehen, die zu sehen ist, aber diese Wildente war eine einzige Enttäuschung. Es ist nicht so, dass die nordischen Theater die nordischen Stücke am besten spielen. Ich habe einmal eine Wildente in Augsburg gesehen, die hat mir viel besser gefallen. Natürlich hängt in der Wildente alles vom Ekdal ab. Ist der Ekdal schlecht, ist das ganze Stück schlecht, ist die ganze Aufführung schlecht. Glauben Sie ja nicht, dass Sie in Salzburg oder in Wien den idealen Mozart zu hören und zu sehen bekommen.

Da nur die Schriftstellerin Juliette die Wildente im Akademietheater gesehen hatte und die übrigen überhaupt nicht gewusst hatten, was die Wildente eigentlich ist, erst mit der Zeit, dass es sich um ein Theaterstück handle, waren sie zum Schweigen verurteilt, ab und zu nickten sie, schauten direkt in das Gesicht des Burgschauspielers oder augenblicklich von diesem weg auf die Tischdecke, oder ganz einfach in ihrer Ausweglosigkeit in ihr Gegenüber; sie hatten gar keine Chance, sich an dem zu beteiligen, das der Burgschauspieler zum Besten gegeben hat, deshalb so ungeniert, weil ihn kein Mensch daran gehindert, im Gegenteil, die Solowinski ihn immer wieder dazu aufgefordert hatte, zu reden, und da er gerade aus der Wildente gekommen war, redete er naturgemäß andauernd von der Wildente im Akademietheater und ihren Zusammenhängen.

Ich habe meinen Text immer vollständig im Gedächtnis, wenn die Probe beginnt. Aber es ist ekelhaft, wenn die Kollegen ihren Text nicht können. Das ist ekelhaft, wiederholte der Burgschauspieler und nahm sich noch ein Stück Fogosch, der zu einer mit viel zu viel Kapern angereicherten Sauce serviert wurde. Ein halbes Jahr lang habe er den Ekdal studiert, sich für dieses Ekdalstudium sogar einmal auf drei Wochen auf eine einsame Berghütte zurückgezogen, da in dieser tatsächlichen Einsamkeit, sagte der Burgschauspieler, sei ihm der Ekdal erst richtig aufgegangen. Der Ekdal war immer meine Wunschrolle, sagte er, aber ich hatte den Ekdal nie richtig verstanden. Erst als ich in der Berghütte mich auf nichts anderes konzentrierte, begriff ich, was dieser Ekdal ist, überhaupt, was die Wildente ist. Während der Burgschauspieler sagte, dieser Ekdalerfolg war ja überhaupt nicht vorauszusehen, beobachtete ich die Schriftstellerin Juliette Dillroth, die schon unruhig geworden war, weil sie sich zurückgesetzt fühlte, an diesem Abend nicht der Mittelpunkt sein konnte, der sie immer hatte sein wollen, durch die Bemerkungen des Burgschauspielers nicht zum Reden gekommen war bis jetzt, obwohl sie andauernd etwas sagen hatte wollen und es nicht sagen hatte können. Aber jetzt, als der Burgschauspieler gesagt hatte, dass der Ekdal die schwierigste Rolle sei, die er jemals einstudiert und gespielt habe, sagte sie, dass sie finde, der strindbergsche Edgar sei doch die schwierigere Rolle, der Edgar ist doch viel schwieriger, sagte sie, als der Ekdal, sie habe jedenfalls immer den Eindruck, wenn sie den Edgar lese, dass der Edgar viel schwieriger sei, als der Ekdal, den Ekdal habe sie niemals als eine schwierige Rolle betrachtet, wenn sie davon absehe, dass alle Rollen, also gleich welche, schwierige seien, wenn sie gut gespielt werden wollen und gut gespielt werden, sie empfinde beim Lesen immer, dass der Edgar viel schwieriger sei als der Ekdal. Nein! rief der Burgschauspieler, die schwierigere Rolle ist der Ekdal, das ist doch ganz klar. Da könne sie dem Burgschauspieler nicht zustimmen, meinte die Juliette Dillroth, und sie ließ durchblicken, dass sie einmal Theaterwissenschaft studiert habe, übrigens bei dem berühmten Professor Kindermann, also auch an diesem Abend wieder das gesagt hatte, was sie immer bei solchen Gelegenheiten gesagt hat, dass sie eine Schülerin Kindermanns sei; vielleicht müsse ein Schauspieler, sagte die Juliette Dillroth, denken, der Ekdal sei die schwierigere Rolle, während es doch die des Edgar sei. Nein wissen Sie meine liebe Freundin, sagte der Burgschauspieler zur Schriftstellerin Juliette Dillroth, wenn man so, wie ich, Jahrzehnte Schauspieler ist und noch dazu auf dem Burgtheater und seit man überhaupt zurückdenken kann, nur erste Rollen spielt, weiß man doch, wovon man redet. Natürlich, als Theaterwissenschaftler hat man von dem Theater überhaupt andere Ansichten, sagte der Burgschauspieler, aber es sei doch gar keine Frage, dass der Ekdal die schwierigere, der Edgar die viel leichtere Rolle sei, leichter, was das Spielen einer solchen Rolle betrifft, vergessen Sie das nicht, sagte der Burgschauspieler zur Juliette Dillroth. Diese gab sich mit dem, das der Burgschauspieler gesagt hatte, nicht zufrieden und sagte, dass es doch, seit es den Edgar und den Ekdal gebe, immer erwiesen gewesen sei, dass der Ekdal die leichter zu spielende Rolle sei, nicht der Edgar. Das habe Kindermann, ihr Lehrer, ja auch in einer Schrift ganz eindeutig klar gestellt, die Kindermannsche Schrift trage den Titel Edgar und Ekdal, ein Vergleich, ob der Burgschauspieler diese Schrift denn nicht gelesen habe, fragte ihn die Juliette Dillroth, worauf der Burgschauspieler sagte, er kenne diese Kindermannsche Schrift nicht. Das sei bedauerlich, meinte die Juliette Dillroth, denn wenn der Burgschauspieler die Kindermannschen Ausführungen über Edgar (von Strindberg) und Ekdal (von Ibsen) gelesen hätte, bevor er den Ekdal zu probieren angefangen habe, hätte er sich sehr viel Unangenehmes, die Erarbeitung der Wildente betreffend, erspart, und der Solowinski, der schon die ganze Zeit auf der Lauer gesessen war, um auch einmal etwas zu sagen, sagte plötzlich: Igitt, ein wochenlanger Aufenthalt auf einer Berghütte, was für ein Idiotenscheiß! worauf der Burgschauspieler selbst auf einmal ein anderes Thema wünschte, denn er sagte, dass er auf dem Weg in die Benzgasse einen seiner Handschuhe verloren habe. Wäre er nicht schon zu spät in die Benzgasse unterwegs gewesen, er wäre umgekehrt, um den verlorenen Handschuh zu suchen. So aber habe er nicht umkehren können, um die Solowinskischen nicht noch mehr auf die Folter zu spannen. Die Solowinski, die einen zweiten Fogoschgang an den Tisch hatte bringen lassen, meinte, dass es doch bedauerlich sei, dass der Burgschauspieler auf dem Weg in die Benzgasse einen seiner Handschuhe verloren habe, einen Handschuh verlieren, meinte sie, sei doch genauso schlimm, wie alle beide, denn ein einziger Handschuh sei wertlos. Ja, meinten alle am Tisch, alle hätten sie schon einmal einen Handschuh verloren und das gleiche gedacht. Möglicherweise habe aber der Finder des Handschuhs diesen abgegeben. Ja, igitt wo denn abgegeben? fragte der Solowinski seine Frau und war auch schon in ein Gelächter ausgebrochen, das gleich auch alle andern zu einem eigenen Gelächter herausgefordert hatte und sie lachten über die Solowinskische Frage an seine Frau, wer denn wo diesen verlorenen Handschuh abgegeben habe oder noch abgeben könnte und darauf berichtete tatsächlich jeder an dem Tisch Sitzende seine Handschuhgeschichte, denn jeder am Tisch hatte schon einmal einen seiner Handschuhe verloren und den Verlust eines seiner Handschuhe genauso schmerzlich empfunden, wie den Verlust von einem ganzen Handschuhpaar.

Die Solowinski ging mit einem Glaskrug voll Weißwein von einem zum andern, die ganze Gesellschaft war aber auf einmal so müde geworden, dass sie kaum mehr an Wein oder anderen Getränken Interesse zeigte, nur der Solowinski selbst trank auch jetzt noch, wie gesagt werden kann, ununterbrochen. Das wahrscheinlich seine Aufnahme in die sogenannte Trinkerheilstätte Kalksburg wieder einmal kurz bevorstehe, dachte ich, ihn von der Seite betrachtend, seine eingefallenen Schläfen, an welchen dicke wässerige Backen hingen; wenn dieser Anblick nicht so abstoßend gewesen wäre, hätte ich ihn ganz einfach als grotesk empfunden, aber das konnte ich nicht, denn in Wahrheit bedauerte ich doch den Zustand des Solowinski aufs tiefste.

Dieser Mensch saß aufgeblasen und aufgeschwemmt neben mir und hatte nur mehr noch die Möglichkeit, durch zeitweiliges Lallen auf sich aufmerksam zu machen. Wieder hat er diese grotesken Strickstrümpfe an, dachte ich, diese letztenendes doch nur geschmacklose gewalkte Bauernjacke, dieses an ihm noch mehr als an einem Andern lächerliche buntbestickte Naturleinenhemd mit dem Stehkragen. Die Solowinski litt ganz offensichtlich an dem pervers-geisteskranken Zustand ihres Mannes, konnte diesen Zustand nicht ändern, sie hatte den Solowinski eine Stunde vorher schon aus der Gesellschaft hinaus und zu Bett bringen wollen, aber es war ihr nicht geglückt, ein weiterer Versuch, ihren Mann, den alles in allem durch Trunksucht infantilen Solowinski, aus dem Fauteuil und also aus dem Musikzimmer hinaus und ins Bett zu bringen, scheiterte jetzt; der Solowinski hat sie mit dem vollen Weinglas in der Hand weggestoßen und sie dabei am Auge verletzt und außerdem den ganzen Wein auf dem Boden verschüttet und sie, wie schon den ganzen Abend, immer nur eine dumme inkontinente Gans genannt. Ab und zu war der Solowinski ja noch in der Lage, etwas zu sagen, sogar ganze Sätze gelangen ihm noch, etwa der Satz Igitt, dieser Bretmbrgrrr ist mit Abstand der blödeste und inkoninenteste Typ, der mich jemals angepisst hat,  mit welchem er jetzt mehrere Male die Aufmerksamkeit dieser Musikzimmergesellschaft auf sich gezogen hatte, den er immer wiederholte, als Schriftsteller mit exakt-mathematischer Rhythmisierung. Oder den Satz Bähh, mit seinen vertrottelten Triumphposen kann der die Meinungsmaschine, aber nicht mich beeindrucken oder den Satz Igitt, diese inkontinente Null gehört in die Gummizelle, bähh. Diese Sätze kannte ich nur zu gut, um sie noch als originell zu empfinden, aber sie waren mir an diesem Abend auch nicht mehr peinlich gewesen, wie vielleicht den Andern, die diese Sätze noch nicht von ihm gehört hatten, noch nicht von ihm kannten, wie der Burgschauspieler, der diese Solowinskischen Sätze offensichtlich vor diesem Abend noch nicht gehört hatte und für den sie peinlich gewesen waren, wie ich feststellte. Aber mein lieber Solowinski, was haben Sie denn? sagte der Burgschauspieler auf einmal, was regen Sie sich denn so auf.

Die Juliette Dillroth saß auch im Musikzimmer mir gegenüber, sie sagte nichts, beobachtete die Szene zwischen dem Solowinski und dem Burgschauspieler, von welchem sie sich noch im Speisezimmer eine sogenannte geistige Unterhaltung, wie sie das immer bezeichnet hat, gewünscht hatte, die aber nicht zustande gekommen war, weil der Burgschauspieler tatsächlich auf keine ihrer Fragen eingegangen ist, sich mit ihr überhaupt nicht in ein Gespräch eingelassen hat, ihr nicht die geringste Chance gegeben hat, eine geistige Unterhaltung mit ihr zu führen, der Burgschauspieler hatte es vorgezogen, sich dem echten Fogosch zu widmen und sich ganz auf seine Anekdoten zurückzuziehen. Der Solowinski, den Juliette Dillroth allen Ernstes als einen Novalis des Antirassismus bezeichnet hat, war längst unzurechnungsfähig gewesen und lallte von Zeit zu Zeit nur mehr noch unverständliches, nachdem er um viertel nach vier Uhr nachts, wahrscheinlich um ein letztes Mal die Aufmerksamkeit der Gesellschaft im Musikzimmer auf sich zu ziehen, urplötzlich sein Unterkiefergebiss aus dem Mund genommen und dem Burgschauspieler wie eine Trophäe vor das Gesicht gehalten hat mit der Bemerkung, dieser Bretmbrgrrr, dieser philosemitische Moslemhasser, denunziatorische Trottel und sentimentale Schwätzer mit seinem Idiotenscheiß gehört weggesperrt in die Gummizelle, was den Burgschauspieler mehrere Male das Wort geschmacklos hatte sagen lassen, während der Solowinski sein Gebiss wieder in seinen Mund zurücksteckte, die Solowinski aber naturgemäß wieder einmal in ihrem Sessel aufspringen hatte lassen in der Absicht, ihren Mann aus dem Musikzimmer in das Schlafzimmer zu befördern, was ihr aber wieder nicht gelungen war; der Solowinski drohte seiner Frau mit dem Umbringen und stieß sie weg, so dass sie gegen den Burgschauspieler stolperte, der sie aber aufgefangen und in seine Arme genommen hat. Ach wie geschmacklos, igitt! Hatte der Solowinski selbst ein paarmal ausgerufen und war dann in seiner  Bauernlodenjoppe eingenickt.

Als der Burgschauspieler schon mehr getrunken gehabt hat, als ihm im Grunde zuträglich, hat er angefangen, fortwährend den Satz, über die Jahrhunderte der Diaspora hat sich bei Juden ein fast schizophrener Verfolgungswahn entwickelt, auszusprechen, daraufhin prosteten nach kurzem anfänglichem Schweigen, die beiden fanatischen Brüder dem Burgschauspieler begeistert zu. Als der Burgschauspieler daraufhin noch sagte Ich dachte, das neue freie Deutschland hätte sich langsam aus den sich selbst auferlegten Fesseln gelöst, man wird doch was gegen einen Vernichtungskrieg mit ethnischen Säuberungen sagen dürfen erschien der Abend für den Burgschauspieler als ein einziger Triumph. Die Juliette Dillroth tat erst so als ob sie nichts gehört hätte und rückte verlegen ihr schwarzes selbstgestricktes Wollkleid zurecht, sagte dann aber über die Wortwahl lässt sich diskutieren,  mein guter Freund, aber den Rassismus und die Brutalität dieses Staates muss man wahrlich kritisieren dürfen, dass sind wir den Helden des Befreiungskampfes unbedingt schuldig. Das Widerwärtige war hier schon immer widerwärtiger, das Abgeschmackte schon immer abgeschmackter und das Lächerliche schon immer lächerlicher.

Als der Burgschauspieler sich verabschiedet und der Solowinski die Hand geküsst hat auf seine schmierige Burgtheaterweise, wie er dann auch noch der Juliette Dillroth ein Kompliment gemacht hat, ein völlig überflüssiges, unsinniges Kompliment, ein unverschämtes, indem er ihr, während er ihr die Hand küsste, gesagt hat, dass ihm ihr geistiger Wagemut gefalle, tatsächlich, er hat gesagt, Ihr geistiger Wagemut gefällt mir, war er mir der noch widerliche Mensch und noch widerliche Burgschauspieler, der er mir von allem Anfang an gewesen war.

Ich hatte auch viel getrunken, mehr als mir gut tut, denke ich, aber doch nicht so viel, wie der Burgschauspieler, ganz zu schweigen vom Solowinski, der gar nicht mehr aufgewacht ist, bevor sie alle die Benzgasse verlassen hatten, auch die beiden Brüder der islamistischen Plattform, die nur immer von ihrer religiösen Pflicht gefaselt hatten, ohne sagen zu können, warum nun alle diese Pflicht erfüllen sollen, waren schließlich total betrunken gewesen und hatten Mühe, von ihren Sitzplätzen aufzustehen. Am Ende war der Burgschauspieler allein jener, der von allen noch die Kraft und dazu auch noch die Fähigkeit gehabt hatte, sich nicht nur ordentlich, sondern auf die höflichste Weise, wie gesagt werden kann, aus der Benzgasse zurückzuziehen, denn alle anderen waren dazu nicht mehr imstande gewesen. Was für ein ausgezeichneter Fogosch es doch gewesen sei, meinte der Burgschauspieler am Ende zur Solowinski und ging dann als Erster und ganz allein die Vorhaustreppe hinunter, während ihm die Solowinski noch lange Zeit nachschaute. Er torkelt nicht einmal, dachte ich, wie ich den die Vorhaustreppe hinuntergehenden Burgschauspieler von oben, also noch an der Wohnungstür stehend, beobachtete.

Ich lief die Vorhaustreppe hinunter, als wäre ich zwanzig Jahre jünger, zwei, drei, ja vier Stufen auf einmal nehmend. Im Vorhaus unten sagte ich mir, dass es unsinnig gewesen ist, der Solowinski zum Abschied die Stirn zu küssen,  dachte ich; mich ärgerte diese Tatsache auf dem ganzen Weg aus der Benzgasse in die Stadt. Die Stirn hast du ihr geküsst, wenigstens nur die Stirn, sagte ich mir dann die ganze Zeit auf meinem Weg durch die noch finstere Stadt und ärgerte mich über diese Tatsache. Wie verlogen ich doch selbst war, ihr sogenanntes künstlerisches Abendessen sei mir ein Vergnügen gewesen, wo es mir doch nichts weniger als abstoßend gewesen war. Um uns aus einer Situation zu erretten, denke ich, sind wir selbst genauso verlogen wie die, denen wir diese Verlogenheit andauernd vorwerfen und derentwegen wir alle diese Leute fortwährend in den Schmutz ziehen und verachten, das ist die Wahrheit; wir sind überhaupt um nichts besser, als diese Leute, die wir andauernd nur als unerträgliche und widerliche Leute empfinden, als abstoßende Menschen, mit welchen wir möglichst wenig zu tun haben wollen, während wir doch, wenn wir ehrlich sind, andauernd mit ihnen zu tun haben und genauso sind wie sie.

Als ich das Haus verlassen hatte und lief und lief und dachte, dass ich, wie allem Fürchterlichen, auch diesem fürchterlichen sogenannten künstlerischen Abendessen in der Benzgasse entkommen bin und dass ich über dieses sogenannte künstlerische Abendessen in der Benzgasse schreiben werde, ohne zu wissen, was, ganz einfach etwas darüber schreiben werde und ich lief und lief und dachte, ich werde sofort über dieses sogenannte künstlerische Abendessen in der Benzgasse schreiben, egal was, nur gleich und sofort über dieses künstlerische Abendessen in der Benzgasse schreiben, sofort, dachte ich, gleich immer wieder, durch die Innere Stadt laufend, gleich und sofort und gleich und gleich, bevor es zu spät ist.

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Nach dem Roman Holzfällen von Thomas Bernhard. Im Gegensatz zu Holzfällen beruht die Wildente auf keinerlei wahren Begebenheiten. Die Personen und die Handlung und die Redewendungen der Wildente sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.  Die Veröffentlichung von Holzfällen löste einen Skandal aus, weil sich ein Bekannter und früherer Freund Bernhards, der österreichische Komponist Gerhard Lampersberg, in der Figur des Herrn Auersberger zu erkennen glaubte und Ehrenbeleidigungsklage einreichte. Das Urteil des darauf folgenden Prozesses verfügte die Beschlagnahmung der gedruckten Exemplare. So stürmten bewaffnete Polizisten österreichische Buchhandlungen und beschlagnahmten Holzfällen. Kurz darauf zog Lampersberg die Klage zurück und das Buch durfte wieder verkauft werden.

In seinen autobiographischen Schriften schreibt Thomas Bernhard über seine Kindheit in Oberbayern. Was Thomas Bernhard mit Paul Breitner, Papst Benedikt, Klaus Croissant und Andreas Baader zu tun haben könnte ist in Die Brezen der Bäckerei Hilger nachzulesen.

Spinoza und das Judentum

3. Februar 2017

 

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Spinozas Bann, Portugees-Israëlitische Gemeente, Amsterdam    (© Wikipedia)

 

Bevor ich mit dem dritten Teil die kurze Serie über Spinoza abschließen werde, möchte ich noch zwei Korrekturen zum ersten Teil „Spinozas Religionskritik“ anbringen. Der Ausschluss Spinozas aus der jüdischen Gemeinde Amsterdams fand 1656 statt und nicht 1665, ein äußerst peinlicher Tippfehler.  Ich habe ihn bereits korrigiert.

Die andere Korrektur hat mir ein aufmerksamer Leser zugetragen, dem folgendes Zitat von Will und Ariel Durant aufgefallen ist: „Er erkannte und bewies die Schwierigkeit, das Hebräische des Alten Testaments zu verstehen; die Vokalisierung und Akzentuierung des Massoratextes beruhte teilweise auf Vermutungen und konnte schwerlich als unanfechtbare Urfassung gelten kann.“ (Durant 1982, S.159)

Der Leser, der ein Experte auf dem Gebiet alter Sprachen ist, und auch des Althebräischen mächtig schrieb mir: „Was Durant da schrieb ist vollkommen falsch. (…) Es ist hingegen so, dass der alttestamentarische Text auch problemlos ohne Vokalisierung gelesen werden kann. Da es sich hier um eine fast „mathematisch“ genaue Sprache handelt, gibt es fast keine Probleme des Verständnisses, es sei denn der Originaltext war schon leicht beschädigt, was manchmal tatsächlich vorkommt. Von Spinoza wissen wir, dass er eine ausgesprochene Aversion gegen das Hebräische hatte. Die Massora war eigentlich für jene gedacht, die die Sprache nur mangelhaft beherrschten. (…) Ich weise noch darauf hin, dass die großen und fast vollständigen Qumran-Texte sämtlich ohne Vokalisierung sind, sprachlich den biblischen Texten sehr nahe stehen und hinsichtlich des Verständnisses überhaupt keine Probleme darstellen. Jeder Orientalistik-Student heutzutage muss unvokalisierte hebräische Texte lesen können.“

Da ich die Meinung dieses Experten sehr schätze kann ich nur darauf verweisen, dass es immer ratsam ist, sich nicht auf eine einzige Quelle zu verlassen. Das Missverständnis Durants dürfte vor allem mit der Kritik Spinozas der Quellen im TTP zu tun haben, die wenig Angaben darüber machen, ob es um rein interpretatorische oder konkret inhaltliche Fehler geht, die er in den alttestamentarischen Texten fand. Spinoza nahm an, dass seine Leser um den Kontext Bescheid wussten und hielt sich mit solchen Details nicht auf.

Gleichzeitig enthält diese Anmerkung einen sehr wertvollen Hinweis, mit dem ich beginnen will den Bruch Spinozas mit dem Judentum oder wie er das wohl sehen würde, den Bruch des Judentums mit Spinoza in einen Kontext zu stellen.

1.

Als Spinoza 1656 aus der jüdischen Gemeinde ausgeschlossen wurde war er noch keine 24 Jahre alt. Er gehörte damals einer kleinen Gruppe der jüdischen Gemeinde an, die im Austausch und Dialog mit der intellektuellen Elite Amsterdams stand. Zu den Leuten, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden gehörte Spinozas Lehrer Uriel da Costa und der Arzt und Philosoph Juan de Prado. Beide vertraten ketzerische Ansichten in Bezug auf die Unsterblichkeit der Seele. Da Costa wurde mehrmals ausgeschlossen und wiederaufgenommen und erschoss sich nach der letzten Exkommunikation, als Spinoza acht Jahre alt war. De Prado wurde 1658 exkommuniziert und kehrte nach Ablehnung einer Bitte um Aufhebung des Banns so wie Spinoza nie wieder in die Gemeinde zurück. Dem Ausschluss selbst waren monatelang Gespräche der Gemeindeoberen mit Spinoza voran gegangen, in denen sie ihn mit den Vorwürfen konfrontierten, die Spinoza eins um andere Mal bestätigte oder abstritt, aber schließlich siegte seine Unerbittlichkeit, die ihn dazu bewog keine Lügen zu erzählen, wenn es um seine persönlichen Zweifel am Glauben ging. Das Dokument, das seine Exkommunikation bestätigte und ihm nicht näher beschriebene „abscheuliche Häresien“ und „bösartige Ansichten“ vorwarf, erschöpfte sich in wütenden Flüchen über seine Person, der Prognose seiner Strafen im Leben danach und dass alle Vorwürfe von glaubwürdigen Zeugen bestätigt worden seien.[1] Bis heute gibt es keine sicheren Angaben darüber welche Häresien konkret Spinoza zur Last gelegt wurden. Es gibt in der Bibliographie kein Werk, das er vor 1656 geschrieben hat, also muss sich der Vorwurf der Häresie auf Gespräche und Angaben von Ohrenzeugen bezogen haben, die Spinoza mit anderen vom Bann bedrohten Mitgliedern der Gemeinde geführt haben mag und in denen es um den Zweifel an der Authentizität der Bibel und der Heiligen Schrift gegangen sein dürfte. Die einzige zeitgenössische Quelle, die sich über die Vorwürfe an Spinoza äußert, findet sich ausgerechnet im Bericht eines Informanten der Spanischen Inquisition, der an seine Vorgesetzten von Spinozas Ausschluss berichtet, dass die inkriminierten Ansichten gewesen sein: das (jüdische) Gesetz, die Halacha repräsentiere keine höhere Wahrheit, die Seele würde mit dem Körper sterben und Gott existiere bloß in einem philosophischen Sinn.[2] Der Vorwurf Spinoza würde dem jüdischen Gesetz, wie es in den jüdischen Gemeinden seit alters her zur Regelung des täglichen Lebens verwendet wurde, feindlich gegen über stehen, geht aus seinen kritischen Überlegungen zur Authentizität der Heiligen Schriften eindeutig hervor. Er hatte nichts für Speisevorschriften, Beschneidungsrituale oder der Einhaltung des Sabbaths übrig und verwarf sie als überholte Traditionen ohne wirklichen Sinn und einem an der Vernunft orientierten Leben als hinderlich. Dass die Seele mit dem Körper sterben und es somit keinen Himmel, Hölle oder irgendein Jenseits geben würde, geht aus der Ethik hervor, die endliche Modi deklariert, die aus ihrer eigenen Natur heraus keine Dimension des Unendlichen annehmen können. Die Behauptung, dass Gott nur in einem philosophischen Sinne existiert, ist missverständlich. Spinoza behauptet, dass kein personaler Schöpfergott existiert, sondern nur ein abstraktes Prinzip, das mit der Natur identisch ist. Er ist in diesem Sinne auch kein Atheist gewesen, weil er anders als der neuzeitliche Atheismus an einer metaphysischen Dimension jener Natur fest hielt. Interessant an diesem Bericht ist außerdem, dass Spinozas wesentliche Ideen bereits sehr früh bei ihm manifest gewesen sind. Es kann jedenfalls keinen Zweifel daran geben, dass keine religiöse Autorität solche Meinungen unter sich dulden konnte, aber dies ist trotzdem nicht der einzige Grund für die Schärfe mit der dieses Dokument daher kommt.

Bann und Ausschluss aus der Gemeinde kamen öfter vor, aber die meisten Bannsprüche waren temporär und die meisten wurden nach Widerruf und öffentlicher Reue wieder aufgenommen.[3] Nicht so Spinoza. Wie im cherem, dem Dokument seines Ausschlusses fest gehalten wird, haben sich die Oberhäupter der Gemeinde zwar bemüht seine fehlerhaften Ansichten zu korrigieren und hatten ihn zuvor mehrmals verwarnt, aber schließlich hatte Spinoza sich geweigert seine frevelhaften Ansichten zurück zu nehmen. Die Rabbiner waren so besorgt, dass sie ihm sogar eine lebenslange Rente anboten, wenn er seine Ansichten für sich behalten sollte. Aber auch dies lehnte Spinoza kategorisch ab.[4] Der Bann wird durch das unmissverständliche Verbot beendet, dass niemand aus der Gemeinde mit ihm reden, ja sich nicht einmal bis auf eine bestimmte Distanz nähern durfte und es wurde jedem dezidiert verboten einen von Spinoza geschriebenen Text zu lesen oder gar zu verbreiten.

Die jüdische Gemeinde Amsterdams bestand zu einem großen Teil aus den sogenannten Marranen, so wurden die Juden aus Portugal und Spanien bezeichnet, die vor der Reconquista geflohen waren oder noch Jahrzehnte danach als conversos unter dem Terror der Inquisition gelitten hatten. Als conversos bezeichnete man jene, die zwangschristianisiert wurden, aber ihr jüdisches Erbe trotz brutalster Verfolgung im Geheimen weiter gelebt hatten. Immer wieder wurden von der Inquisition conversos verhaftet und nach Schauprozessen ermordet. Die in Holland Neuankommenden wurden von den etablierten Rabbinern außerdem mit Argwohn betrachtet, weil die conversos viele Teile der Halacha unter dem Druck der Verfolgung nicht mehr kannten oder seit Generationen nicht mehr praktiziert hatten. Den Vorstehern der Gemeinde oblag es die Neulinge wieder ein geordnetes Leben unter dem jüdischen Gesetz zu ermöglichen und ihre Rabbiner in die theologische Arbeit einzugliedern. Die geflüchteten Marranen hatten eine Kultur der Angst und der größtmöglichen Wachsamkeit mitgebracht. Sie waren dankbar für die Duldung durch den holländischen Staat und konnten sich dank ihrer Verbindungen rasch im Geschäftsleben der Amsterdamer Elite etablieren. Gleichzeitig registrierten sie sehr feinfühlig die geringsten Erschütterungen politischer Tektonik und bemühten sich nach Kräften mit allen um die Macht konkurrierenden Eliten immer im Einvernehmen zu bleiben.[5] Die ehemals Verfolgten waren ganz besonders strenggläubig und dogmatisch und misstrauten Ideen von außen. Ihnen muss das Aufkommen dieser häretischen Ideen und eine mögliche öffentliche Denunziation durch die Machthaber als konstantes Bedrohungsbild gegenwärtig gewesen sein. Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass ihr Überleben davon abhing keiner Autorität von sich aus einen Grund zu geben sie zu verfolgen. Das Glück der jüdischen Gemeinde war es, dass Holland keine einheitliche christliche Bevölkerung hatte. Neben einigen wenigen Katholiken, waren die Protestanten in unterschiedliche Kirchen verschiedener Bekenntnisse zerfallen, deren Macht und Einfluss zwar immer noch groß, aber nicht vergleichbar mit dem enormen Apparat der spanischen Kirche gewesen ist. Calvinisten galten als intoleranter als Lutheraner und jene galten als weniger duldsam als die Anhänger Zwinglis.[6] Nichtsdestotrotz konnten antisemitische Populisten jederzeit für Unruhe sorgen und das Klima unsicher machen, wenn sich mächtige Adelige beim gemeinen Volk beliebt machen wollten. Für den jungen Spinoza, der bereits in Holland geboren wurde, mag das alles bloß Ausdruck eines altmodischen und konservativen Opportunismus gewesen sein, den er als unnötig betrachtete. Die Inquisition war weit weg und hatte keine Macht in Amsterdam. Er selbst hatte unter den Gebildeten und Parteigängern der sogenannten „Staatsgesinnten“ Freunde und Unterstützung gefunden, die ihm das Gefühl gaben am Puls der Zeit zu sein.

2.

Zwei Jahre vor Spinozas cherem war Jan de Witt zum Ratspensionär von Amsterdam ernannt worden, das höchste Amt, das ein nicht Adeliger in der Stadt einnehmen konnte. De Witt kontrollierte durch eine kluge Heirat die Ostindienkompanie und war als oberster Beamter der Stadt auch Hollands wichtigster Politiker.[7] Er schaffte es in kurzer Zeit enorme politische Macht in seinen Händen zu akkumulieren, modernisierte die Stadtverwaltung, förderte die Wissenschaft und die Kunst und drängte für die nächsten anderthalb Jahrzehnte den Einfluss der Oranier Prinzen zurück, deren dynastische Kämpfe und Nachfolgestreitigkeiten die Geschäfte der holländischen Kaufleute empfindlich störten. Die Kaufmannsgilde Amsterdams war das eigentliche Machtzentrum dieser Zeit. Das Drängen der frühen venture capital getriebenen kapitalistischen Märkte nach einer kompletten Durchdringung der ganzen Gesellschaft mit den Ideen der Aufklärung traf auf eine noch feudalistisch dominierte Kultur, die sich dem Reichtum der Ostindienkompanien zwar nicht entziehen konnte, aber immer versuchte den gesellschaftspolitischen Auswüchsen wie Religionskritik und Zweifel an der Existenz Gottes mit aller Gewalt Herr zu werden. In diesem Spannungsfeld befindet sich Spinozas Philosophie. Ihm selber muss es in der Gesellschaft der Gebildeten und Mächtigen Amsterdams erschienen sein, als befände sich das alte Regime bereits in seinen letzten Zügen. Das politische Programm der „Staatsgesinnten“ deklarierte unter anderem das Ziel eines dauerhaften Friedens in Europa, das für die Geschäftstätigkeiten der Kaufmannsgilde zu diesem Zeitpunkt enorm nützlich betrachtet wurde. Also war die erste große Tat de Witts einen Krieg mit England zu beenden. Jan de Witt hat trotzdem mehrere Kriege, u.a. mit England und Frankreich geführt, um die Interessen der Amsterdamer Kaufleute und Investoren zu schützen, aber es ist interessant, dass überhaupt jemand in den Zeiten  der grausamsten Bürgerkriege der europäischen Geschichte solche Visionen formulierte. Die christlichen Kirchen und die alten Regime sollten nach dem Willen der Staatsgesinnten verschwinden oder ins zweite Gliede zurück treten, um der neuen aufgeklärten bürgerlichen Macht die Gestaltung des Staates mit den Ideen der Vernunft zu überlassen.  Mit seiner Partei der „Staatsgesinnten“ erscheint de Witt heute als ideale Verkörperung eines aufgeklärten Machtpolitikers, der sein Land in ein Zeitalter der Vernunft führen wollte. Obwohl es keinen dokumentierten Beweis gibt, dass sich de Witt und Spinoza jemals getroffen haben, kann es keinen Zweifel daran geben, dass Spinoza bis zum tragischen Tod de Witts 1672 dessen Schutz genoss. Weil de Witt offenbar wenig Interesse an Public Relations hatte, konnten seine Feinde und Konkurrenten die Bevölkerung gegen ihn aufbringen, die loyal zu den Oraniern stand. Nach einer Reihe von schweren politischen und militärischen Niederlagen, die de Witt angelastet wurden musste er 1672 zurück treten. Sein Bruder Cornelis de Witt wurde unter absurden Vorwänden der Planung eines Attentats auf den Oranier Prinzregenten Wilhelm beschuldigt und verhaftet. Als ihn Johan de Witt aus dem Gefängnis holen wollte wurde das Gebäude von einem wütenden Mob gestürmt und beide Brüder gelyncht und die Leichen anschließend verstümmelt. Eine häufig erzählte Geschichte aus dem Leben Spinozas ist, dass er nach dem Bekanntwerden von de Witts Tod auf die Straße laufen wollte, um dem jubelndem Mob „ultimi barbarorum“ ins Gesicht zu brüllen, aber sein Hauswirt hinderte ihn daran das Haus zu verlassen.[8] Der furchtbare Tod de Witts demonstriert jedoch, was die jüdische Gemeinde 16 Jahre zuvor befürchtet hatte. Spinozas Verbindung zu den „Staatsgesinnten“ und seine allen ihren Gegnern nützliche Verunglimpfung als Häretiker, Gotteslästerer und Atheist war in ihrer Konsequenz den Verfolgung gewohnten Marranen klarer und deutlicher als Spinoza selbst, der sich wohl sicher war, dass die Errichtung des Reiches der Vernunft kurz bevor stand, auch wenn die Unterstellung messianischer Gedanken nicht aus seiner Philosophie abgeleitet werden kann.  Es sollte aus heutiger Sicht jedenfalls nicht verwundern, dass Spinozas Ausschluss bei aller Gehässigkeit, die in ihrem Bannspruch zu finden ist, eine weitsichtige politische Sensibilität enthält. Man könnte auch sagen, dass die holländischen Juden zwar das Wort selbst nicht kannten, aber ganz genau wussten, was repressive Toleranz bedeutet.

3.

Obwohl sich der erste Premierminister Israels David Ben Gurion persönlich für eine offizielle Aufhebung des Banns gegen Spinoza verwendete, wurde ihm von der Orthodoxie abschlägig beschieden.[9] Der Konflikt des Judentums mit Spinoza wurde niemals beigelegt, obwohl Spinoza selbst von der Geschichte und von seinen Interpreten als „Jude“ wahrgenommen wird. Spinoza konvertierte niemals zum Christentum, aber er schrieb in Latein, der Sprache scholastischer Theologie und wandte sich damit an ein intellektuelles christliches Publikum.  Spinoza  wird von Zionisten und Anti-Zionisten als Parteigänger vereinnahmt und bis heute ist er Teil des ungelösten Streits innerhalb des Judentums, was eigentlich der Kern dessen ist, was Juden ausmacht oder sie zu Juden werden lässt.  Es ist nützlich an dieser Stelle an die Philosophin Judith Butler zu erinnern, die in ihrer Streitschrift gegen den Zionismus und Israel „Am Scheideweg. Judentum und die Kritik am Zionismus“ das Judentum nur als beharrlichen Zustand der Diaspora gelten lässt. In ihrer Vorstellung ist das Jüdische ein dezentriertes Subjekt, das in der Diaspora und unter der Bedrohung des Antisemitismus ein universalistisches Prinzip der Gewaltlosigkeit und abstrakten Gleichheit verkörpert. Die ethische Dimension des Judentums ist letztlich für sie das Verfolgt sein. Und da der Zionismus selbst als Verfolger wahrgenommen wird, kann er auch kein Modell für das Judentum an sich sein. Jüdisch sein heißt in diesem Kontext, dass man als Opfer die Diskriminierung erleidet und erduldet und dadurch ein Beispiel abgibt, wie die reale Gewalt zu transzendieren sei, ohne sie zu wiederholen. Oder wie Micha Brumlik schrieb: „Ohne Rücksicht auf mögliche Folgen ihres Engagements, befreit von der Pflicht, über die Verwirklichung der eigenen Prinzipien auch nur einen Gedanken zu verlieren, genießt die Moralistin die Reinheit ihrer Überzeugungen und damit sich selbst.“[10]

Wie, stellt sich die Frage, hätte Spinoza das gesehen? Es ist natürlich unbeantwortbar, wie Spinoza heute zu Fragen des Zionismus gestanden wäre. Aber dass ihm, dem antiautoritären Freigeist keine Kritik an israelischer Politik, Gesellschaft und dem Einfluss der Religion eingefallen wäre, darf als unwahrscheinlich betrachtet werden. Aber von einem philosophischen Standpunkt aus kann durchaus gefragt werden, ob sich Judith Butlers Diaspora Ethik mit Spinozas Einsamkeit und Ausgestoßen sein in Deckung bringen lässt. Um das zu beantworten, sollte man sich Judith Butlers Argument einmal durch den Kopf gehen lassen. Sie glaubt allen antiessentialistischen Glaubensgrundsätzen zum Trotz an eine Prädisposition der jüdischen Erfahrung, eben jene der Diaspora und gibt ihm damit einen teleologischen Spin, obwohl doch postmoderne Philosophie alle teleologischen Bestimmungen des Seins ablehnt. Hinzu kommt, dass Butler durch diesen Kniff eine besondere Stellung der Juden im Gefüge des Seins wieder als Thema aufnimmt, das sie jedoch als negative Zuschreibung dem Zionismus und Israels Staatlichkeit umhängt. Durch die Sünde des „kolonialistischen Siedlerprojekts“ würde das ethisch Besondere der jüdischen Existenz ausgelöscht. Aber für Spinoza hat das Leben kein telos und einer seiner häretischen Ansichten ist immer gewesen, dass die Juden vielleicht ein auserwähltes Volk sein mögen, aber er selbst deshalb noch lange nicht. Im TTP heißt es: „Es ergiebt sich hieraus, da Gott Allen gleich gewogen ist, und die Juden nur in Beziehung auf ihre Gemeinschaft und ihren Staat von Gott auserwählt worden, dass der einzelne Jude außerhalb dieser Gemeinschaft und dieses Staats, für sich betrachtet, keine Gabe von Gott vor den Andern empfangen hat, und dass kein Unterschied zwischen ihm und den Heiden besteht.“ (TTP, Kap. 3) Wenn er also aus taktischen Gründen das Konzept des „auserwählten Volkes“ nicht direkt abstreitet, verwirft er doch seine kulturalistische Bedeutung. Etwas verklausuliert bestreitet Spinoza hier, dass eine Essenz des Jüdischen existiert, die außerhalb einer arbiträren politischen Instrumentalisierung liegt. Während also die antiessentialistische Philosophin ein teleologisches Wesen im Judentum entdeckt, das von den Individuen insofern abstrahiert, als sie nur in ihrer Entscheidung für oder gegen diese Teleologie vorkommen können, verbittet er sich auf ein „Jüdisch sein“ reduziert zu werden, das seine Individualität in Frage stellt. Das heißt nicht, dass er bestreiten würde jüdisch zu sein, sondern dass es ihm schlicht egal ist. Man kann dies als Kritik an der postmodernen Identitätspolitik betrachten, die auch Judith Butler mit geprägt hat. Dass diese Position dem Komplex dessen was wir als jüdische Tradition kennen näher steht, als alles was Judith Butler jemals geschrieben hat, versteht sich von selbst. Spinoza steht hier gegen den Antisemitismus als transhistorischem Phänomen indem er die projektiv zugewiesene Essentialisierung der jüdischen Existenz als solche aufgibt. Und er entlarvt Judith Butlers grobe Verletzung ihrer eigenen philosophischen Prinzipien, die sie ausgerechnet dort fallen lässt, wo ihre abstrakte Ethik sich auf Individuen einlassen müsste. Oder anders gesagt: Man kann an Spinozas Haltung zu den Besorgnissen der Rabbiner, die ihn schließlich hinaus warfen, kritisieren, dass er den Antisemitismus unterschätzt hat, Judith Butler hat ihn hingegen ganz vergessen. Und das ist an ihrer anti-zionistischen Teleologie bei weitem nicht das Schlimmste. Aber das soll uns hier nicht weiter interessieren.

4.

Zum Abschluss möchte ich die Aufmerksamkeit auf einen ganz anderen Ort und eine ganz andere Zeit richten, in denen Spinoza seine Spuren hinterlassen hat. In seiner von Alex Haley kompilierten Autobiographie schreibt Malcolm X diesen kurzen Absatz:

„Spinoza impressed me for a while when I found out that he was black. A black Spanish Jew. The Jews excommunicated him because he advocated a pantheistic doctrine, something like the „allness of God“ or „God in everything.“ The Jews read their burial services for Spinoza, meaning that he was dead as far as they were concerned; his family was run out of Spain, they ended up in Holland, I think.“[11]

Obwohl er über die genauen Umstände von Spinozas Leben nicht Bescheid weiß, ist es bemerkenswert, dass er ihn überhaupt erwähnt. Spinoza, der Zeit seines Lebens ein Dissident gewesen ist, von seiner eigenen Gemeinde ausgestoßen, a „black spanish jew“, konnte zu einem Spiegel werden, in dem sich Malcolm X selbst erblicken konnte. Das ist nach meinem Dafür halten eine außergewöhnliche Wirkungsmacht und ein Zeugnis für die Radikalität seines Denkens. Ausgestoßen von der eigenen Community, damit man sich in einer „allness of God“, dem Universalismus der Vernunft wieder findet, das gehört zu den paradoxen Echos, die Spinoza in die Denkräume der Kultur geworfen hat. Seine Bedeutung kann man darin ermessen, dass diese Echos immer wieder zu uns zurückkehren.

 

[1] http://www.tau.ac.il/~kasher/pspin.htm

[2] Ebd.

[3] Newberger Goldstein, Betraying Spinoza

[4] Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 13

[5] Newberger Goldstein, Betraying Spinoza

[6] Ebd.

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Johan_de_Witt

[8] Durant, Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 13

[9] http://jungle-world.com/artikel/2001/51/24742.html

[10] http://www.zeit.de/2013/45/judith-butler-am-scheideweg-judentum-zionismus

[11] Malcolm X & Alex Haley, The Autobiography of Malcom X (S. 118)