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Karl Wolff und seine Tochter Fatima

7. Dezember 2019

Karl Wolff trat 1931 der NSDAP und der SS bei, er wurde 1935 SS-Brigadeführer und am 30. Januar 1937 zum SS-Gruppenführer ernannt und kurz vor Kriegsbeginn wurde Wolff Himmlers Verbindungsführer zum Führerhauptquartier. Am 30. Januar 1942 wurde der Chef des „Persönlichen Stabes“ von Heinrich Himmler zum SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS befördert. Im September 1943 bis zum Kriegsende wurde er als bevollmächtigter General der Deutschen Wehrmacht in Italien zugleich Generalbevollmächtigter bei Mussolini und damit höchster SS- und Polizeiführer in Italien.

Karl Wolff war an der Deportation von mindestens 300.000 Juden in das Vernichtungslager Treblinka beteiligt. In einem Brief vom 13. August 1941 hatte Wolff seiner Genugtuung darüber Ausdruck verliehen, dass während der letzten zwei Wochen täglich ein Transport mit mindestens 5000 „Angehörigen des auserwählten Volkes“ nach Treblinka abgegangen sei. Karl Wolff sorgte für neue Transportkapazitäten um die Juden leichter aus den Gettos oder aus anderen Gebieten deportieren zu können. Außerdem leistete Wolff, der in „beratender Funktion“ an der „Endlösung“ teilgenommen hat“,  in seiner Funktion als Himmlers Stabschef, Beihilfe bei der Erschießung von Juden und Partisanen hinter der Front bei Minsk. Ende Februar 1945 war Wolff überzeugt, dass der Krieg verloren sei und nahm in Zürich Kontakt mit dem US-Geheimdienstchef Allen Dulles auf und leitete somit die Kapitulation der deutschen Streitkräfte in Norditalien ein. Auch deshalb wurde der SS-General in Nürnberg nicht vor Gericht gestellt, sondern trat als Zeuge der Anklage auf. Obwohl Wolff als engster Mitarbeiter Himmlers von Anfang an über die Gewalttaten des NS-Regimes informiert war, er so gut wie alle Konzentrationslager besucht hat, er in entscheidender Funktion die Deportierung der Juden organisiert hat, behauptete Wolff nach dem Krieg, von der Vernichtung der Juden erst 1945 erfahren zu haben.

Nachdem Krieg wurde Karl Wolff ein erfolgreicher Werbeagent in Köln und baute sich so seine Villa am Ufer des Starnberger Sees. Nach der Veröffentlichung seiner Memoiren im Jahre 1961 wurden die Öffentlichkeit und auch die bayerische Justiz auf ihn aufmerksam. Die „Aktivitäten“ als Schlüsselfigur in Himmlers unmittelbarer Umgebung führten am 30. September 1964, wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen zum Urteil von 15 Jahren Zuchthaus und zu 10 Jahren Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte.  Nach immerhin fünf Jahren Gefängnis  wurde Karl Wolff 1969 Haftverschonung wegen „krankheitsbedingter Vollzugsunfähigkeit“ gewährt, die ihm fünfzehn weitere glückliche Jahre in Freiheit bescherten.  In dieser Zeit konvertierte Karl Wolff zum Islam.

Während des 2. Weltkrieges kämpften weit über 250.000 Muslime für die deutsche Wehrmacht und in SS-Einheiten. Spätestens nach den ersten Niederlagen nach 1941 versuchte das NS-Regime zunehmend, Muslime zum Kampf gegen die gemeinsamen Feinde, die Briten, die Sowjetunion und die Juden zu mobilisieren. An den Kämpfen auf der Halbinsel Krim beispielsweise nahm auf deutscher Seite eine gemischte Sondereinheit der Wehrmacht mit dem Codenamen „Bergmann“ teil. Die Truppe in Bataillonsstärke wurde noch gegen Ende 1941 aufgestellt, Hitler und Himmler, waren da schon längst vom Islam fasziniert. So meinte der deutsche Führer: „Ich halte nur die Mohammedaner für zuverlässig, alle anderen für unzuverlässig (…) Diese Bataillone aus rein kaukasischen Völkern zusammenzustellen, halte ich im Augenblick für sehr riskant, dagegen sehe ich keine Gefahr in der Aufstellung rein mohammedanischer Einheiten.“ Auch Heinrich Himmler begeisterte sich für die muslimischen Freiwilligenverbände und suchte die Nähe zum Großmufti von Jerusalem. Beispielshalber die „13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“  war eine Gebirgs-Divisionen der Waffen-SS und bestand aus muslimischen Freiwilligen, die vom SS-Mitglied und Führer der Palästinenser al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem organisiert wurde.

Nach der deutschen Niederlage wurden all die Freiwilligen, die auf deutscher Seite mit deutscher Uniform gekämpft hatten von Stalin unerbittlich verfolgt. Die Hauptstadt der Bewegung, München war kurz nach dem Krieg die Stadt mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil. Die Süddeutsche Zeitung nannte für das Jahr 1955 die Zahl von rund eintausend Menschen, die sich zum Islam bekannten. Die meisten dieser Flüchtlinge hatten während des Zweiten Weltkriegs auf deutscher Seite gekämpft und waren nun zwischen dreißig und vierzig Jahre alt. Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit und trotz schwieriger Umstände bauten sie sich im armen Nachkriegsbayern eine neue Existenz auf. Bald entstanden in Baracken erste Betstuben und Treffpunkte. Tataren, Usbeken und viele andere zentralasiatische Freiwillige der Wehrmacht trafen sich zu Gebeten. Der tatarische Imam Abdullah Ilyas betreute beispielsweise die Gemeinden in München und Dingolfing. Der im Kaukasus geborene Ibrahim Gacaoglu  hatte sich 1942 der Wehrmacht angeschlossen, war Verbindungsoffizier der Freiwilligenverbände in Norditalien und war der Vorsitzende der ersten registrierten islamischen Gemeinschaft in Deutschland. Am 1. März schuf er mit anderen freiwilligen der Wehrmacht, der SS die „Religiöse Gemeinschaft Islam“  in der Achatstraße in Karlsfeld zwischen München und Dachau.  So verankerten Muslime aus der Sowjetunion den Islam in Deutschland. Politiker wie der rechtsextreme Theodor Oberländer, der das Bundesvertriebenenministerium leitete, halfen mit den Islam im Sinne der Bundesrepublik nutzbar zu machen. Oberländer war Wehrmachtstoffizier auf der Krim, er war einer der Wegbereiter der „Freiwilligenbewegung“. Das Bataillon „Bergmann“ nahm unter Oberländer an der Sommeroffensive 1942 teil. Laut Götz Aly war Oberländer der „Vordenker der Vernichtung“. In einem Sitzungsprotokoll von 1957 aus dem Bonner Vertriebenenministerium ist beispielsweise zu lesen: „Herr Namangani erhält den Auftrag,  zunächst einmal die mohammedanischen heimatlosen Ausländer und nichtdeutschen Flüchtlinge als religiöse Gemeinde um sich zu sammeln, um dann erst einmal den unliebsamen amerikanischen Einfluss, der der Bundesrepublik schädlich werden kann, auszuschalten und evtl. auch später (…) die Mohammedaner fremder Staatsangehörigkeit in seine religiöse Gemeinde herein zu bekommen.“

Eine große Moschee sollte in München gebaut werden, so schuf man dafür 1957 mit Unterstützung der deutschen Politik eine „Moscheebau-Kommission“. Der Vorsitzende der Kommission wurde Nuredin Namangani, ein ehemaliger SS-Führer aus Usbekistan, der bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes dabei war. Für die Münchener Moschee kämpfte auch der Muslimbruder Said Ramadan und fehlende Mittel steuerte letztlich das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi bei. Das „Islamische Zentrum München“ und seine beschriebenen Vorläufer waren der Ausgangsort der Verankerung und Verbreitung des politischen Islam in Deutschland. Deutsche Konvertiten wie Axel Ayyub Köhler, Ahmad von Denffer, Tilman Schaible, Halima Krausen oder Fatima Grimm schlossen sich dieser Gemeinde an und spielten bei der Verbreitung des politischen Islam eine tragende Rolle.

Fatima Grimm wurde am 25. Juli 1934 als Helga Lili Wolff in München als Tochter des SS-Obergruppenführers und Generals der Waffen-SS Karl Wolff geboren. Bereits im Jahr 1960 legte sie in München das islamische Glaubensbekenntnis ab. 1962 zog sie mit ihrem damaligen Ehemann Omar Abdul Aziz nach Pakistan. Drei Jahre später kehrte sie mit ihrem Mann wieder nach München zurück um sich in der muslimischen Gemeinde zu engagieren. 1983 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden. 1984 heiratete sie den verwitweten deutschen Konvertiten Abdul Karim Grimm und zog zu ihm nach Hamburg. Fatima Grimm zählt seitdem zu den wichtigsten und einflussreichsten Stimmen des politischen Islam in Deutschland. Jahrelang wirkte sie als Funktionärin in einer der ältesten noch bestehenden islamischen Vereinigung der Bundesrepublik, der „Deutschen Muslim-Liga Hamburg“. Die fundamentalistische Feministin Zainab al-Ghazali, die Begründerin der „Organisation Muslimischer Frauen“, dem weiblichen Pendant zur „Muslimbruderschaft“, zählte zu Fatima Grimms engen Bekannten. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ernannte Fatima Grimm bereits vor Jahren zum Ehrenmitglied. Auffallend ist: Bei vielen dieser Organisationen gab und gibt es Berührungspunkte zur Ideenwelt der Muslimbruderschaften.

Die Mutter von fünf Kindern schrieb viele Bücher, zahlreiche Artikel und errag große Bedeutung als Übersetzerin von bahnbrechenden islamischen Büchern, darunter „Dieser Glaube – der Islam von Sayyid Qutb“. Sayyid Qutb (1906-1966), trat 1951 der Muslimbruderschaft bei. Er gilt als einer der wichtigsten islamistischen Denker des 20. Jahrhunderts. „Sein Essay „Unser Kampf mit den Juden“, der nach 1967 millionenfache Verbreitung fand und bis heute findet, macht die Juden für den weltweiten moralischen und sexuellen Verfall verantwortlich. Das Hauptthema von Fatima Grimm waren die Erziehung der Kinder und die Rolle der Frau im Islam. In einem Artikel für Al-Islam stellt sie wie in ihrem Buch „Frau und Familienleben im Islam“ die im Koran erlaubte Mehrehe des Mannes nicht in Frage. Sie verteidigte diese ebenso wie arrangierte Hochzeiten. Fatima Grimms bestätigte das Rollenbild, das sich im politischen Islam durchsetzt. Die Verantwortung der Frau als Anker der Familie, der Mann als Ernährer, der sich mit den Widrigkeiten der Außenwelt auseinanderzusetzen hat und so zwangsläufig die Führungsrolle übernimmt. In der Publikation von Fatima Grimm „Die Erziehung unserer Kinder“, die von islamischen Buchhandlungen gerne zum Kauf angeboten wird, setzt sie sich für ihr reaktionäres Familienbild, den „Dschihad“ ein und verwendet Begrifflichkeiten wie „dar ul-harb“, wörtlich übersetzt „Haus des Krieges“.

In dieser weit verbreiteten Broschüre schreibt Fatima Grimm: „Ich meine, dass wir etwa um das 15. Lebensjahr herum damit rechnen dürfen, unsere Kinder für den Begriff des Dschihad aufgeschlossen zu finden. Wir müssen ihnen dann zeigen, auf welchen Gebieten unser Glaube den Angriffen des dar ul-harb ausgesetzt ist, und ihnen Wege eröffnen, die es ihnen einmal ermöglichen sollen, die Verteidigung erfolgreich in die eigenen Hände zu nehmen. Dazu gehört, dass wir als Mütter nicht feige und ängstlich darauf bedacht sind, unsere Söhne vor jeder Gefahr zu bewahren. Wir könnten es sowieso nicht, denn wenn Gott ihre Stunde für gekommen hält, kann sie ebenso ein Auto überfahren oder eine Krankheit heimsuchen. Vielmehr sollten wir ihnen immer vor Augen führen, was für eine großartige Auszeichnung es für jeden Muslim ist, für die Sache des Islam mit der Waffe in der Hand kämpfen zu können. Einen größeren Verdienst kann er sich ja durch nichts auf Erden erwerben.“ Sollte der junge Mann nicht in der Lage sein, gegen die Feinde des Islam zu kämpfen, dann könne man „ebenso mit Wort und Schrift für die Sache Gottes streiten, man kann als Arzt kranken und verwundeten Muslimen helfen, man kann als Ingenieur wichtige technische Geräte entwickeln, als Architekt lebensnotwendige Gebäude errichten — diese Reihe ließe sich bis ins Unendliche fortsetzen“. Fatima Grimms Ansichten zur Erziehung von Mädchen sind nicht weniger reaktionär: Sie unterstützt zwar „eine gute Ausbildung“, auf der anderen Seite fordert sie „entgegen dem allgemeinen Trend unserer Zeit“ eine echte Begeisterung für die Aufgaben als Frau und Mutter. Frauen sollten sich mit Enthusiasmus der „islamischen Erziehung“ widmen: „Und dann wird uns mit Gottes Hilfe auch der Erfolg beschieden sein, der einmal den endgültigen Triumph des Islam auf Erden herbeiführen wird.“

Fatima Grimm starb 2013 in Hamburg. Der von Lamya Kaddor. gegründete „Liberal-Islamische Bund“ in dem Grimm Mitglied war, schreibt in einem Nachruf auf die „herausragende Persönlichkeit, der zahllose Muslime und Musliminnen in Deutschland sehr viel zu verdanken haben“ verbunden mit dem Wunsch: „Möge Gott sie ins Paradies aufnehmen…, und möge sie immer einen Platz in unserer dankbaren Erinnerung einnehmen.“  Aktuelle Vorsitzende des LIB ist Odette Yılmaz,  die Nachfolgerin der aus Funk und Fernsehen bekannten, als liberal geltenden „Islamwissenschaftlerin“ Lamya Kaddor. Die Karriere der ehemaligen Hauptschullehrerin Lamya Kaddor ist, laut Stefan Frank eng mit dem Aufstieg des Islamischen Staates im Irak und in Syrien verbunden. Fünf IS-Terroristen, die Lamya Kaddor persönlich kannte und unterrichtete, beschlossen bekanntlich in Syrien ihre Ideen zu verwirklichen.

Karl Wolff starb am 15. Juli 1984 im Krankenhaus Rosenheim und wurde am 21. Juli 1984 auf dem Friedhof von Prien am Chiemsee beigesetzt. An seinem Grab sprach die Tochter Fatima Grimm in Anwesenheit von Vertretern des Islamischen Zentrums in München das islamische Totengebet. Wenige Meter von diesem Friedhof entfernt, vor einem Supermarkt hat im April 2017 ein Asylbewerber aus Afghanistan eine zum Christentum konvertierte Afghanin in aller Öffentlichkeit vor den Augen ihrer beiden fünf und elf Jahre alten Söhne  bestialisch ermordet.  Die 38 Jahre alte Mutter wurde von hinten angriffen, der Täter versuchte ihr den Kopf abzuschneiden und stach mindestens 16 Mal auf sie ein. Einschreitende mutige Passanten konnten den fanatisierten Dschihadisten erst zu spät überwältigen, sie konnten nur verhindern dass dem Opfer der Kopf ganz abgeschnitten wurde. Das „Vergehen“ der vierfachen Mutter war vom Islam zum Christentum überzutreten und laut islamischer Überlieferung wird gefordert: „Wer seine Religion wechselt, den tötet.“ Das Landgericht Traunstein verurteilte den Gotteskrieger zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte eine besondere Schwere der Schuld fest. Die Verteidigung ging in Revision, da aus ihrer Sicht keine besondere Schwere der Schuld zu erkennen war. Während bei fast allen politisch motivierten Reden, Taten und Morden zu Recht die zugrundeliegende Ideologie hinterfragt und kritisiert wird, ist dies bei islamisch motivierten Reden und Taten kaum festzustellen. Eine Diskussion über die Ideologie des Islam löste die Tat von Prien weder überregional, europaweit, geschweige denn beim „Liberal-Islamischen Bund“  aus. Warum nur?

Quellen: Stefan Meining: Eine Moschee in Deutschland. Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam im Westen. Beck Verlag, München 2011 | Robert S. Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich: Anhänger, Mitläufer, Gegner aus Politik, Wirtschaft, Militär, Kunst und Wissenschaft

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch und Fleisch

Ich war der Blogger fidelche in Jakob Augsteins antizionistischer Freitagscommunity

20. August 2019

„Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden“ Jean Paul Sartre

Im Januar 2010 stieß ich zufällig auf die Internetseiten von CASMII (Campaign Against Sanctions and Millitary Intervention in Iran). Schnell stellte ich fest, dass es sich bei CASMII um eine iranische Lobby-Organisation handelte. Die Seiten von CASMII waren Hort einseitigster Propaganda für den Iran und gegen Israel.  Ich ergoogelte die Autoren und stellte fest, viele Autoren von CASMII schrieben in der mir bis dahin kaum bekannten Wochenzeitung „der Freitag.“ Jakob Augstein hatte das ohnehin israelkritische  Blatt im Jahr 2008 übernommen und machte den Versuch einer Verschmelzung von Redaktion und Leserschaft, gleichzeitig formte er das irgendwie linke Blatt zum deutschsprachigen Sturmgeschütz der Israelkritik. Leser konnten eigene Artikel schreiben und diese wurden in der sogenannten Online-Community diskutiert und teilweise in der Printausgabe gegen geringes Entgeld gedruckt. Diese Artikel, egal ob von Lesern oder Redakteuren geschrieben, hatten es in sich. Wöchentlich wurden zu dieser Zeit im „Freitag“ von der Redaktion und aus dem Bloggerbereich bis zu zwanzig Israel dämonisierende und oder delegitimierende Artikel, mit entsprechenden Kommentaren veröffentlicht. Ich entschied mich Widerspruch einzulegen, meldete mich im Januar 2010 an. Symbolträchtig gab ich mir den Bloggernamen fidelche, eine Kombination aus Fidel Castro und Che Guevara, mein Titelbild des Blogs waren die selbstfotografierten blauen Balkone am Parque Cespedes in Santjago de Cuba, wo Fidel Castro den Sieg der Revolution über die Batista Diktatur verkündete.

 

Im Hinterland des Feindes

Am 11.02.2010 veröffentlichte ich im „Freitag“ meinen ersten Artikel „Die Linke, Israel, Jean Améry und der ehrbare Antisemitismus“  und wirbelte von da an die antizionistische Gemeinde mächtig durcheinander. Die Verteidigung Israels und die Kritik am linken Antisemitismus machte die Community fassungslos. Wütende Hasstiraden gegen Israel und Beleidigungen gegen mich waren in den rund 500 Kommentaren die Folge, wie beispielshalber: „Ich habe den Gaza-„Krieg“ verfolgt, und ich habe geweint, als ich die Bilder gesehen habe. Tote Kinder. Kinder mit Kopfschüssen.“ (tinktankgirl) oder „Halt die Klappe“ (Magda) oder  „Der Zionismus ist rein ideologisch der Zwillingsbruder des nationaldeutschen Imperialismus, und genauso wie der fühlt er sich immer zu kurz gekommen.“ (zelloti) oder „Eine Kritik an der menschenverachtenden Politik Israels gegenüber dem palästinensischen Volk ist kein Antisemitismus“ (Fro) oder „Sind Sie so ein bezahlter Propaganda-Schreiberling?“ (thinktankgirl) oder „Bist du erkenntnisresistent, lediglich kriminell uninformiert oder hast du schlichtweg grausige Lanngeweile über die Karnevalstage?“ (Eddie Sayyid) oder „Spielt Hamas in der gleichen Liga? Popelige Raketchen auf ein Dorf in der Wueste. Wer immer die abgeschossen hat. Was wird Hamas denn vorgeworfen?“ (Fritz Teich) oder „Wissen Sie fidelche, die ganze Zeit stören mich Ihre Unterstellungen, was wollen Sie damit erreichen? Das ist die Zionismus/Antisemitusmus Keule ist eine primitive Art der broderschen Dialektik sonst aber nichts anderes!“ (Feilong) oder „Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinanderreisst und bei Menschen, die nicht streben Traumata herbeiführt (Bot) oder „Wenn Ahmadinedjad sagt, die Sonne ist heiß. Dann sage ich, der Mann spricht die Wahrheit (Fro) oder „Hoffentlich immunisiert dieser blog vom fidelche die Freitag-Communitiy davor, künftig auf derartig dümmliche Provokationen zu reagieren“ (weinsztein) Als ich am Ende des Kommentarstranges die Bemerkung machte, hier gäbe einige schöne Beispiele für linken Antisemitismus wurde 90 Sekunden später der Artikel für weitere Kommentare gesperrt und mein Kommentar gelöscht, alles andere blieb stehen. Bei meinem zweiten Beitrag „Slánský, Stalin und der linke Antisemitismus“ verhielt es sich wie auch später identisch. Argumente hatte die „Avantgarde“ des „Freitags“ keine, Kommentare wie „fidel’che! komm runter von deinem thron! im zweifel ist’s eh nur der olle pisspott aus kindertagen“ (Rahab) oder „rechtes Torpedo..“ (Uwe Theel)  oder „Systematisch codierst Du das in Deine Parteinahme für den Zionismus und die viehische Gewalttätigkeit seiner realen Vertreter“ (TomGard) waren die Regel. Mir war von Anfang an klar dass ich auf Beleidigungen nicht entsprechend reagieren dürfe, da dies meinen sofortigen Ausschluss bedeutet hätte.
Es hatte den Anschein, für die „Avantgarde“ und die Redaktion des „Freitags“ ist Antisemitismus nur anzunehmen wenn ein KZ-Aufseher Juden in die Gaskammer schlägt.  Für die „Avantgarde“ des „Freitags“ existierte weder islamischer noch sekundärer oder gar linker Antisemitismus. Über die Selektion von Juden in Entebbe durch deutsche linksradikale Terroristen im Juni 1976 wussten die wenigsten „Israelkritiker“ des „Freitags“,  für die wenigen die davon wussten war die Selektion eine Notwendigkeit im antiimperialistischen Kampf gegen die westliche Moderne und den „Brückenkopf der USA“. So diskutierten Redaktionsmitglieder mit ihren gleichgesinnen Bloggern, von der Anwältin über einem Lehrerausbilder bis zu einem ehemaligen WDR Fernsehkoch und gefühlt der gesamten Prominenz der „Israelkritik“ über die „Lösung der Judenfrage“. Die Antisemitismusdefinition der EUMC war den Schreibern des „Freitags“ genauso unbekannt wie der „3-D-Test für Antisemitismus“ vonNatan Scharanski.  Geschichtliches Wissen über Israel, über die Gründung Israels war im „Freitag“ und seiner Community kaum vorhanden. Die Vorgeschichte der Gründung, die Teilung Palästinas von 1923, die Rolle des Großmuftis von Jerusalem, die Vertreibung von 700.000 Juden aus den arabischen Ländern, die Charta der Hamas, die Rolle Deutschlands während des Yom Kippur-Krieges, all dies und vieles mehr waren „Böhmische Dörfer“ für die „Avantgarde“ des Freitags. Nur sehr wenige Ausnahmen bestätigen diese Regel.
Bevor ich am 27.4.2010 einen Artikel über die jüdische Vergangenheit von Bayern München und ihrem langjährigen Präsidenten Kurt Landauer, der in das KZ Dachau verschleppt wurde veröffentlicht hatte, knackte ein religionskritischer Artikel von mir mit einem Gedicht von Theodor Lessing am 2.4.2010, mit knapp 800 Kommentaren die bisherige Rekordmarke. Es stellte sich heraus, dass die Antizionisten des „Freitags“ überaus gläubig waren, ein möglicher weiterer Grund für ihre Judenfeindschaft. Alien59, eine in Jordanien lebende Islamistin, die rund 120 antiisraelische Artikel im „Freitag“ veröffentlichte, meinte„Ich bin der Auffassung, dass die Frage, ob der Koran, der Islam, frauenfreundlich ist oder nicht, irrelevant ist. Diese Frage ist Ausfluss einer Denkweise, die es sich anmaßt, Göttliches zu beurteilen. Nicht der Islam hat den Menschen angepasst zu werden, sondern die Muslime haben sich an den Koran zu halten.“
Als ich in einem Kommentar Hermann L. Gremliza zitierte, „Jedes Stückchen Emanzipation der Menschheit, noch das bescheidenste, ist nicht mit, sondern gegen Religion und Kirche erkämpft worden“ schrieb die bekennende Antisemitin Rahab, eine Wortführerin des „Freitag“ am 9.4.2010: „… dagegen fällt dir und gremliza auch nix besseres ein als der vorschlag, frauen sollten sich doch ihrerseits auch zu durchfickerinnen emanzipieren.“
Beleidigungen mit sexueller Fixierung waren das Markenzeichen der Anführerin der antisemitischen „Damen“ im „Freitag“. Innerhalb von wenigen Tagen „argumenierte“ Jakob Augsteins Frau fürs Grobe gegen mich wie folgt: „..und wenn männer (wie du und Gremliza) von „Menschenrechten“ reden, dann meinen auch sie, und dazu müssen sie überhaupt nicht in irgendeiner kirche oder dergleichen sein, das recht des mannes weiß und reich und meist schon ein klein bißchen älter (ums mal sehr verkürzt zu sagen). auch darauf geschissen!“ (Rahab 09.04.2010 um 10:40)
-“ …ganz einfach: weil du zu deinem Solon und seiner prostitution auch nichts sagst! – könntest du ja auch nur dann, wenn du gleichzeitig einräumtest, dass du deinen schwengel für die einzig wahre gesetzesquelle hältst“ (Rahab 08.04.2010 um 22:52)
„…wieviele hast du denn? rohre meine ich. (@fidelche)“ (Rahab 10.04.2010 um 09:17)
„…weißte, du uffgemotzter: schieb dir dein manna ins eigene rohr!“ (Rahab 08.04.2010 um 07:34)
– „…deine fragen sind so dumm – du mußt ein bezahlter schreiberling sein!“ (Rahab 14.04.2010 um 06:20)
„…preisfrage ohne sauternes: wieviele depperte eseln passen auf einen balkon?“ (Rahab 01.05.2010 um 17:43)
„…kriegst du ohne das keinen mehr hoch oder was?“ (Rahab 22.05.2010 um 19:43)
„…männer stehen auf nem balkon und holen sich einen runter“ (Rahab 14.04.2010 um 01:05)
Bei meinen letzten beiden Blogs am 12.5.2010 Proudhon, Gesell, Feder, Marx und die regressive Kapitalismuskritik und am 20.5.2010 Silvio Gesell, Rudolf Steiner und die „braune Soße“ thematisierte ich den strukturellen Antisemitismus der Zinskritik aus dem aktuellen Tagesgeschehen bis hin zu den Ursprüngen. Zum Knackpunkt wurden die Ansichten von Silvio Gesell, der in seiner Münchner Rede, nachdem die Räterepublik zusammenbrach, 1919 unter anderem sagte: „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, daß er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut.“  Nur in einem kurzen Absatz sprach ich außerdem die Freilandtheorie Gesells an, in der Gesell Menschenzucht mit eugenischen Zielen propagiert.
Die Reaktionen waren grundsätzlich alle so zu erwarten. Einer der Startkommentare von Uwe Theel, einem Mitglied der Linkspartei, lautete: „Fidelche für Dich brauche ich nur einen Wasserschlauch, um Dir beim Rasen-Sprengen mal eine ernüchternde kalte Dusche zu verpassen. Wenn es Dir gefällt nennenn wir das dann eine Kondratjew-Welle.“
Aus den zweimal rund 400 Kommentaren überraschte dann doch eine antizionistische Autorin des „Freitags“, die Artikel in der Printausgabe des „Freitags“ veröffentlichte, die in Italien, in Ligurien lebte, die „stolz wäre“ (die Radikalantizionistin)  „Felicia Langer zu sein“ und unter dem Namen thinktankgirl im „Freitag“ bloggte. Meine Kritik an der sozialdarwinistischen Freiland-Theorie Silvio Gesells machte die Gesellianerin rasend. Sie behauptete mit einem Gleichgesinnten, der sich Columbus nannte, Gesells Lehre sei emanzipatorisch gewesen: „Bei Gesell hat er ja sogar den ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen Die Schrift Bachofens über das Mutterrecht, gab dazu Impulse.“
In rund 30 Kommentaren verteidigte thinktankgirl leidenschaftlich die sozialdarwinistische Freilandtheorie Silvio Gesells, mit „Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch“ startete sie, in weiteren über 30 Kommentaren phantasierte sie vom „Naturweib„, meinte beispielsweise „Gesells Hochzucht betrifft das ganze Menschengeschlecht und dahinter verbirgt sich die Entwicklungsidee des Hegelschen Weltgeistes“ und “ So kämen die Frauen wieder zu ihrem Wahlrecht, und zwar nicht zum wesenlosen politischen Wahlrecht, sondern zum großen Zuchtwahlrecht. Hier geht es nicht um eugenische Ziele, denen sich die Frauen zu unterwerfen haben, sondern darum, ohne Versorgungsprostiution mit Männern, die sexy sind, Kinder zu machen. Frauen wird ja heute immer wieder vorgeworfen, daß sie zwar mit den interessanten wilden Kerlen gerne rummachen, aber sich dann in die Versorgungsehe flüchten, um das Kuckuckskind aufzuziehen.“
Wegen meines absolut vorsichtig formulierten Satzes „Wer Begrifflichkeiten wie, „Hochzucht des Menschengeschlechts“, „Zuchtwahlrecht der Frauen“ oder „Erlösung von all dem Minderwertigen, mit dem die seit Jahrtausenden von Geld und Vorrecht geleitete Fehlzucht die Menschheit belastet hat“ um nur einige zu aufzuzählen, emanzipatorisch nennt, disqualifiziert sich um es mal vorsichtig auszudrücken“ kam es zu einer Redaktionskonferenz, die laut dem Moderationschef Jan Jasper Kosok einstimmig beschloss, mich auszuschließen. Zuvor meinte Rahab ihr thinktankgirl verteidigen zu müssen und schrieb in meine Richtung: „… du betreibst das, was manche euphemistisch sozialdarwinismus nennen. du betreibst „Selektion“! in meinen augen trittst du hier in der fc als ein dr.mengele und ein eichmann auf. widerwärtig.“ Entweder hatte die Redaktion des „Freitags“ genug von Kritik an ihrem Antisemitismus oder sie wollten ihre sozialdarwinistische Mitarbeiterin vor Nachfragen schützen oder die Redaktion des „Freitags“ hatte neben ihrem Antizionismus auch eine Vorliebe für die „Hochzucht des Menschengeschlechts“ nach der Lehre von Silvio Gesell. Eine endgültige Antwort dazu wäre Spekulation. Die Klarnamen der angesprochenen Blogger sind mir übrigens alle bekannt, tun aber für die Ausführungen nichts zur Sache.
Es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen weitere israelfeindliche, islamophile und reaktionäre Ansichten hier zu dokumentieren. Beispielsweise forderte eine der genannten Radikalfeministinnen, eine „Dame.von.Welt“: „Scharia-konforme ‚Finanzprodukte‘ sind ausgesprochen interessant, waren von der Finanzkrise relativ wenig betroffen und werfen ein weiteres kleines Lichtlein auf das sehr weite Feld Scharia.“ Ein Bürger Fro forderte von Israel „sich dafür, nach 60 Jahren Unrecht, bei den Palästinensern entschuldigen und es als natürlich anerkennen, dass so etwas zu einer agressiven Gegenwehr führt – gerade sie müssten es eigentlich verstehen.“ Ein TomGard halluzinierte im „Freitag“  völlig unbehelligt von der Moderation vom „israelischen Apartheitsstaat“, von der „viehischen israelischen Regierung“ vom „KZ Gaza“, von „der wohlgeziehlten Schlachtung von palästinensischen Kleinkindern“ und von  „zionistischen Schlächtern“ die „absichtsvoll und systematisch“ die Palästinenser ermorden. Von den obligatorischen Israelgegnern Ludwig Watzal, Norman Paech, Mohssen Massarrat, Uri Avnery, Felicia Langer, Avraham Burg, Moshe Zuckermann bis hin zum damaligen „Ressortleiter Politik“ des „Freitag“ Lutz Herden und ihrer Sicht auf Israel ganz zu schweigen.
Nicht verschwiegen werden soll die rühmliche Ausnahme des „Freitags“. Per PN schrieb mir Mitte März 2010 ein Redakteur des Freitags: „Lieber fidelche, ich habe es aufgegeben, den Kampf zu kämpfen, den Du in deinen Blogs kämpfst, finde es aber äußerst erfreulich, dass Du Dich nicht unterkriegen lässt und den ganzen, unter anderem auch persönlichen Anwürfen, nüchtern und sachlich immer wieder die Fragen entgegenhältst, die manche Leute wohl einfach nicht beantworten können, weil sie in den Fragen schon einen Affront sehen. Danke dafür!“

Öffentlichkeitsarbeit und Betonoskar

Als kleine „Hommage“ an die Gesellianerin thinktankgirl betrat ich für ein paar Wochen als thinktankboy und später mit Manfred Breitenberger (die Trinität war geboren) die Freitagscommunity um letzte Informationen abzuholen. Noch Jahre nach meinem Ausschluss wurde jeder Neuankömmling in der Community, der ein vernünftiges Wort schrieb, verdächtigt „fidelche“ zu sein, wie h.vanna richtig bemerkte: „das Phantom Fidelche, zuweilen auch mit kombinatorischer Paranoia: So wurde ich schon missbilligend als „Fidelche“ angesprochen, noch bevor ich das „F-Wort“ der FC kannte“

Nun war die Zeit für die eigentliche Arbeit gekommen. Nach fidelches cosmos gründete ich dafür mein Blog Mission Impossible.  Der „Freitag“ wurde unter die Lupe genommen. Die Hauptakteure der Freitagscommunity porträtiert, der dortige Antisemitismus, der Hass auf Juden, der Islamismus öffentlich gemacht. Mittlerweile hatte ich einige Unterstützer gewinnen können und mit den Serien „Freitags Avantgarde“ und „Unterschätzte Publizisten“ mit jeweiligen Zitate-Sammlungen der bekanntesten Freitagsblogger, sowie Redakteuren wurden mit einem vielbeachteten Negativpreis des „Betonbloggers des Jahres“ durch ein vorheriges Voting der Leser abgeschlossen. Die Community des „Freitags“ schäumte entrüstet auf und einige der dortigen Aktivisten waren tatsächlich der Meinung ihre Beleidigungen und ihre antisemitische Hetze stände unter Urheberschutz, der rechtsfreie Raum des „Freitags“ gelte für das gesamte Internet.

Uwe Theel stellte im Juli 2010 öffentlich im „Freitag“ die Frage „warum eigentlich der Freitag nicht gegen den „cosmos“ des Fidelche“ vorgeht. Im sei zwar bekannt dass er selbst dagegen vorgehen könnte, doch hielte er es aber „für geboten, dass der Freitag dies zum Schutz seiner Blogger insgesamt aus eigener Vollmacht täte“  Wenige Stunden später schrieb Rahab: „der obigen anfrage Uwe Theels schließe ich mich an! könnte es sein, dass sich die redaktion durch diesen blog aus fidelches cosmos (Ist der Freitag eine antisemitische Zeitung) so arg unter druck gesetzt fühlt, dass sie nichts zu unternehmen gedenkt?

Die jeweiligen Portraits wurden von vielen Leuten in Mission Impossible ausgiebig diskutiert und der Fairness halber gab ich den „Avantgardisten“ die Möglichkeit sich zu verteidigen. Freilich durften sie hier ihre kruden Ansichten nicht verbreiten, obszöne und antisemitische Kommentare wurden von mir zensiert. Von Juni 2010 bis Mai 2012 wurden in Mission Impossile weit über 20.000 Kommentare abgegeben, ich saß beinahe täglich zwei bis drei Stunden vor dem PC um teilweise seitenlange  Kommentare freizuschalten und gegebenenfalls zu zensieren. Mit dem Betonoscar war auch ein Tippspiel verbunden. Buchpreise gab es für den 2. und 3. Platz und als erster Preis war eine Reise nach Ligurien zu gewinnen. Im Jahr 2011 wurde die Serie wiederholt und nicht überraschend gewannen Rahab und thinktankgirl punktgleich auf dem ersten Platz.

Im Juni 2010 verkündete der Online Chef des Freitags öffentlichkeitswirksam in der Freitag-Community das Verlinken auf meine Blogs wäre ab sofort verboten, mein Blog Mission Impossible sei ab nun Tabu. Wer sich aus dem „Freitag“ nicht daran hielt wurde gesperrt oder endgültig ausgeschlossen. Uwe Theel schrieb geknickt und konsterniert: „Was? Die Linke hat ein Tabu?“  Bereits im Juni 2010 benachrichtigte ich diverse Zeitungen, Publizisten, jüdische und nichtjüdische Organisationen was in Deutschland, im antizionistischen „Freitag“ 65 Jahre nach der Ermordung von sechs Millionen Juden wieder möglich ist. Der Publizist Stefan Frank schrieb mir „Was Sie schreiben, ist alles sehr richtig, und Ihr Kampf gegen den Antisemitismus sehr wichtig, insbesondere, weil sie die Gefechte ins Hinterland des Feindes tragen.“ Konkret twitterte im Juli 2010 „Verstößt Bloggen gegen Antisemitismus gegen die AGB des „Freitag“?“ Am 29. Juli 2011 erschien mein „Offener Brief an die isralische Botschaft“ und im April 2012 fragte mich Henryk M. Broder ob ich nicht auf seiner „Achse des Guten“ einen Beitrag über den „Freitag“ schreiben wolle, ich willigte ein und veröffentlichte am 20.4.2012 die Reservisten des Freitag auf der Achse des Guten. Eine neue Eskalationsstufe für die Freitagsblogger war erreicht. Eine Million Leser hat die Achse des Guten im Monat, die Besucherzahlen meines Blogs stiegen ebenso rapide wie die Unruhe in der Community des Freitags.

Auf seiner Achse veröffentlichte Henryk M. Broder weitere Artikel gegen den Freitag, so in „Wie der Herr, so das Gscherr“ über TomGard: „So was würde nicht einmal die Nationalzeitung drucken, aber Augstein und dem Freitag kommts grad recht. Verquastes, blödes, pseudointellektuelles Geschwätz eines Judenhassers, dem das Messer in der Tasche aufgeht, wenn er sich ans Schreiben macht.“ Einleitend schreibt Henryk M. Broder : „Jakob Augstein ist nicht nur ein lupenreiner Antisemit und eine antisemitische Dreckschleuder, er ist auch Verleger eines antisemitischen Drecksblattes, das aus der Konkursmasse der DDR übrig geblieben ist. Die Redaktion legt großen Wert auf die Interaktion mit der Leserschaft, was in der Praxis bedeutet, dass jeder Psychopath das Wort erteilt bekommt.“

Einige Freitags-Blogger entschuldigten sich nun bei mir per email für ihre Entgleisungen, unter anderem Magda Geisler, sie bat mich darüber hinauseinige gehässige Kommentare die gegen sie auf Mission Impossible geschrieben wurden doch nochmal zu lesen und gegebenenfalls zu zensieren. Der Bitte kam ich nach. Der „Siegerin“ des ersten Betonoscar-Wettbewerbers, einer radikalen Antizionistin, die unter dem Namen „Emma in Uniform“ im „Freitag“ bloggte und entweder mit dem Namen Emma Rotschild oder Emma Rothschild unterschrieb, ging es nach ihrem Sieg sehr schlecht, wie die anderen Blogger des Freitags weinerlich und anklagend berichteten, für einige Monate tauchte „Frau Rot(h)schild“ deshalb wohl auch unter.

Die „Israelkritiker“ des „Freitags“ waren stark verunsichert, antisemitische Artikel gegen Israel wurden von Monat zu Monat seltener im „Freitag“. Außerdem trennte sich der „Freitag“ bereits im Dezember 2011 von seinem islamophilen Sturmgeschütz, der Chefin der antisemitischen und esoterischen „Damengruppe“. Am 13.12.2011 schrieb Online Chef Jan Jasper Kosok in einem extra dafür geschaffenen Artikel „Irgendwie Schweigen„: „Liebe Community, vor Kurzem haben wir Rahab gesperrt. Dafür hatten wir unsere Gründe. Zunächst einmal möchte ich festhalten, dass Rahab nicht aus politischen Gründen gesperrt wurde. Die Entscheidung basiert auf einer langen Geschichte verbaler Verfehlungen. Sie ist also auch nicht Ergebnis des Strangs, in dem die Sperre ausgesprochen wurde. Ohne Zweifel wurde sie provoziert (RdH ist ebenfalls gesperrt). Zweifelsohne hat aber auch sie bei der Wahl ihrer Verteidigung nicht nur in diesem Fall die Grenzen dessen, was die Netiquette hergibt, bei weitem überschritten. Dies mehrfach. Ebenfalls wurde sie gebeten, ihren Sprachstil zumindest soweit abzumildern, das er “durchgeht”. Inhaltlich hatte zumindest ich nie groß etwas auszusetzen, .. „

Rahab bezeichnete sich selbst im „Freitag“ als Antisemitin, denn „das sei ihr lieber als nen arsch verkniffnen Philosemiten zu geben“,  sie relativierte den Holocaust (..dass es in Hama nicht sehr viel heimeliger ausgesehen haben wird als in Bergen-Belsen und in Sinjar nicht sehr viel appetitlicher als in Dresden), sie bestritt dass der Holocaust ein Völkermord war, denn laut ihrer Auffassung sind die Juden kein Volk. Sie behauptete „Auschwitz sei das Gaza von heute“, bezeichnete Israel als „Apartheidstaat“, rief im „Freitag“ zum Boykott gegen jüdische Waren auf und behauptete dass in Israel Frauen gesteinigt werden.  So ist die Aussage Kosoks, dass die Bloggerin „Rahab“ nicht aus politischen Gründen gesperrt wurde, in sich konsistent. Mit ihrem Ausschluss verlor der „Freitag“ in jedem Fall eine wichtige Kämpferin für die palästinensische Sache, für den einen Staat Palästina, den sie immer forderte, freilich letztendlich ohne Juden.

Im Juli 2012 konnte man in Mission Impossible eine Villa im Tessin gewinnen. Zum zweijährigen Jubiläum von „Mission Impossible“ wurde der Aufklärung wegen eine Villa im Tessin an denjenigen Kommentator, an diejenige Kommentatorin übergeben dem/der die Suche nach der eventuell nichtexistierenden Nadel im Heuhaufen gelingt und unter den tausenden Artikeln im „Freitag“ über Israel oder den Iran 1.) einen pro-israelischen Artikel aus der Freitagsredaktion findet, oder 2.) einen Artikel aus der Freitagsredaktion findet, in dem die „Charta der Hamas“ und die islamfaschistischen Taten der Hamas thematisiert und entsprechend kritisiert werden, oder 3.) einen Artikel der Freitagsredaktion nachweisen kann, in dem die faschistische Politik des islamischen Gottesstaates Iran entsprechend kritisiert wird.  Wer zuerst einen entsprechenden Link in „Mission Impossible“ setzte, wäre am selben Tag Besitzer einer wunderbaren Villa im Tessin geworden.

Das Simon Wiesenthal-Center und der 9. Platz für Jakob Augstein

Die Nachricht schlug im Dezember 2012 wie eine Bombe ein. Das renommierte Simon Wiesenthal Center hatte den Herausgeber der antizionistischen Wochenzeitung „Der Freitag“, Jakob Augstein auf  Platz 9 ihres Antisemitismus-Awards gesetzt. Das Simon Wiesenthal Center ist eine internationale Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles und setzt sich maßgeblich mit der Thematik des Holocausts auseinander. Es wurde 1977 gegründet beschäftigt sich mit Antisemitismus, Terrorismus sowie Völkermord und versucht gesuchte NS-Kriegsverbrecher der Justiz zuzuführen. Marvin Hier ist der Gründer und Leiter des Zentrums. Efraim Zuroff ist Direktor des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem und Koordinator der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechen. Der Mitarbeiter des Simon Wiesenthal Centers Rabbi Abraham Cooper bedankte sich bei seinen Onlineaktivisten und sagte in einem Interview mit Stefan Frank„Wir haben eine internationale Schar von Mitgliedern und Onlineaktivisten, die uns aus allen Teilen der Welt informiert, auch aus Deutschland. Um es festzuhalten: Wir hatten keinen Kontakt zu Henryk M. Broder – nicht vor, nicht während und nicht nach der Auswahl.“

Nach dieser Nachricht floss bei Mission Impossible der Yarden Wein aus dem israelischen Golan in Strömen und die Sekretärinnen tanzten auf den Tischen bis tief in die Nacht. Das kleine Blog Mission Impossible schaffte innerhalb von nicht einmal drei Jahren eine Gegenöffentlichkeit und erschwerte „Israelkritikern“ das Handwerk. David siegte über Goliath, denn die Freitags-Community lag nun am Boden und hat sich bis heute nicht davon erholt. Anfangs wurden noch peinliche Ausflüchte gesucht, das Simon-Wiesenthal-Center habe kaum etwas mit dem Namensgeber zu tun, der Leiter des Zentrums habe eine „einseitige Sicht auf den Nahostkonflikt“ und überhaupt wurde die angeblich fehlende Differenzierung bemängelt. In der Tradition von NS-Propagandafilmen in welchen Ratten gezeigt werden und von Juden geredet wird, transportierten Freitags-Blogger nach dem 9. Platz ihres Hausherren ihren Hass auf mich, indem sie Kommentare mit Bildern von Ratten posteten, meinen Namen schrieben und meinten sich nun übergeben zu müssen.

Nach nun fast 10 Jahren ist der Israelhass des „Freitags“ nicht mehr mit dem von 2010 zu vergleichen, die Redaktion ist bedeutend vorsichtiger geworden. Lutz Herden ist nicht mehr Ressortleiter Politik. Israelfeindliche Texte erscheinen nur noch sporadisch, alle paar Monate und sind weniger extremistisch. Die ehemaligen „Israelkritiker“ bloggen nun vermehrt an anderer Stelle und die meisten von ihnen sind einen Tick gemäßigter geworden. Die Argumente zeigten wenn auch sehr spät ihre Stärke und ihre Wirkung und linker Antisemitismus wird nicht mehr ausnahmslos abgestritten. Viele wissenschaftliche Bücher sind über den linken Antisemitismus des Jakob Augstein geschrieben worden, zum Beispiel „Der Fall Jakob Augstein“ von Lukas Betzler/Manuel Glittenberg und selbst das deutsche Bundesinnenministerium hat vor ein paar Jahren den „Zweiten Bericht des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus“ veröffentlicht in dem der Fall Augstein ein Thema ist.

Das Schreiben im „Hinterland des Feindes“, Diskussionen im Verhältnis 1:100 mit ideologisierten Gegnern die ihren Freibrief nutzten, hatte seine masochistischen Aspekte, aber die  verbalen Siege gegen hilflose, argumentlose „Israelkritiker“ und islamophile Terror-Versteher machten auch verdammt viel Spaß. Die Arbeit und die Mühen haben sich gelohnt, aber auch ohne diesen grandiosen Erfolg bleibt die Erkenntnis, Judenhass und islamischer Terror darf niemals unwidersprochen bleiben.

 

In leicht gekürzter Form auch veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

Eine ungehörige Analogie

25. Juli 2019

Am 2. Juni 2019 wurde vor seinem Wohnhaus der Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel Walter Lübcke von einem Rechtsextremisten durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe ermordet. Der Rechtsextremist Stephan Ernst widerrief zwar sein Geständnis, aber alle Indizien sprechen für seine Täterschaft.

Man darf nun gespannt sein wann endlich der SPD Politiker Heiko Maas der AfD einen Solidaritätsbesuch abstatten wird, wann Lamya Kaddor oder andere Medienprofis verkünden werden, dass der Mord nichts mit einem rechten Weltbild zu tun haben kann, denn rechte Ideologie ist schließlich rechtsstaatlich, wann die Zeitschrift Konkret die Tat mit den schwierigen und unwürdigen sozialen Verhältnissen der Kameraden in Kassel, in einer Welt in der ein Prozent der Menschheit, darunter der „reiche Jude“ Bernard-Henri Lévy, „so viel Vermögen angehäuft haben wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen“, entschuldigt und wann die Kirchen, Gesine Schwan oder die Grünen verkünden werden, nicht alle Rechtsextremisten sind Mörder und Terroristen. Statements dieser Art sind längst überfällig.  Sind denn alle Experten schon in der Sommerpause?

Solcherlei Erwartungen rufen erwartungsgemäß fassungslose und wütende Reaktionen bei entsprechend gepolten Personen hervor. Für die einen ist man deshalb ein „Idiot“, und andere reklamieren für sich, dass niemand bei den Attentaten von Christchurch oder auf der Insel Utoya von westlichen oder christlichen Anschlägen spräche und eine Moschee zu besuchen sei „genauso wenig eine Verteidigung islamistischer Massenmorde.“

Die Anschläge von Christchurch oder auf der Insel Utoya verübten Rechtsextremisten und Heiko Maas besuchte nicht nur eine Moschee, er sprach die islamische Ideologie von jeder Schuld frei, er lobte, bestenfalls aus Ahnungslosigkeit, die Erklärung von Religionsvertretern, Religion hat mit Terror nichts zu tun: „Bibel, Thora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.“

Nach so gut wie jedem islamischen Terroranschlag meinte auch die „Islamwissenschaftlerin“ Lamya Kaddor, das habe nichts mit dem Islam zu tun und wer sich im Februar 2015 in der linken Monatszeitschrift Konkret Solidarität mit den Opfern des islamischen Terrors von Paris erhoffte, hoffte vergebens. Im Gegenteil, die „soziale Frage“ wurde in den Mittelpunkt gestellt und dafür wurde sogar der „reiche Jude“ Bernard-Henri Lévy benötigt. So wurde in Konkret Lévys Artikel in der FAZ kritisiert, in dem dieser fordert, „ein für alle Mal mit dem beschwichtigenden Gerede aufzuhören, das uns so lange schon die nützlichen Idioten eines in die Soziologie des Elends und der Verzweiflung auflösbaren Islamismus vortragen.“ Konkret Herausgeber Gremliza schrieb dazu: „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen, 92 Milliardäre mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einen Meisterdenker kann das nicht erschüttern. Er zählt zur anderen Hälfte, wenn nicht zu dem einen Prozent.“

Selbstverständlich wird auch zukünftig niemand aus Politik oder Massenmedien nach dem nächsten Mord mit rechtem Hintergrund auf die schwierigen sozialen Verhältnisse von Rechtsextremisten verweisen oder feststellen, dass nicht alle Rechtsextremisten Mörder und Terroristen seien und selbstverständlich wird es sich beim nächsten islamischen Terroranschlag  genau andersherum verhalten.  „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus.“ Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus“, dieser Satz wird Ignazio Silone zugeschrieben. Silone trifft die aktuelle Misere fast, aber nicht perfekt, für faschistoide Zeitgenossen, die ideologisch motivierte Morde ignorieren, entschuldigen, verharmlosen oder gar rechtfertigen gilt der Satz von Bertolt Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“.

Georg von Grote und die Wiedergutwerdung der Deutschen

2. Juli 2019

Der Journalist, Freelancer und Hobbykoch Georg von Grote sorgt derzeit für Furore mit einem Facebook-Essay zu Carola Rackete, der deutschen Kapitänin, die sich Italiens rechtem Innenminister widersetzt hat. Georg von Gotes Beitrag wurde 74 Mal geteilt, hat viele Likes und wird überwiegend positiv bewertet. In seinem Beitrag schreibt Georg von Grote am 29. Juni 2019:

„Eine junge Kapitänin fordert nicht nur einen 100%igen Faschisten wie Salvini heraus, sondern entlarvt gleichzeitig auch die gesamte EU und macht unmissverständlich klar, dass die Europäische Menschenrechtskonvention nicht einmal das Papier wert ist, auf dem sie einst gedruckt und von den Staaten der EU unterzeichnet und ratifiziert wurde. Ein kleines Schiff, eine kleine Crew eine junge Kapitänin und 40 Schiffbrüchige an Bord entlarven einen ganzen Kontinent als das was er in Wirklichkeit ist, eine Ansammlung von machtgierigen, korrupten, inhumanen und vollgefressenen Politikern und Bürgern, die nur ihr eigenes Wohl im Auge haben.“ (..)

Ich habe die deutsche Staatsbürgerschaft. Aus Zufall, weil ich hier geboren wurde. Ich wurde nicht gefragt, ich hatte keine Wahl. Ich könnte auch als Senegalese geboren sein. Aber jetzt gelte ich nun einmal als Deutscher. Muss ich mich deshalb als ein solcher fühlen? Mich bindet nichts an dieses Land, nichts was mir andere Länder nicht auch bieten könnten. Ich bin diesem Staat auch zu nichts verpflichtet, es sei denn Respekt vor meinen MItmenschen zu haben. Wohlgemerkt Mitmenschen, nicht Mitdeutschen. Ich habe diesem Staat auch nichts zu verdanken. dieser Staat hat mir auch nichts geschenkt, was ich ihm zurückgeben müsste. Im Gegenteil. Jetzt werden einige kommen und etwas von Freiheit faseln, Meinungsfreiheit, Freizügigkeit, Demokratie und Frieden und was sonst noch. Sorry Leute, das alles hat der Staat uns nicht geschenkt, sondern das alles mussten und müssen wir uns immer noch erarbeiten, darum kämpfen. Staaten schenken einem nichts, egal in welchem man lebt und sich heimisch fühlt. Vor allem ist die Freiheit, die der Staat für sich definiert, nicht identisch mit der, die ich mir nehmen will und die mir zusteht. Um es für ein paar Begriffstutzige deutlich zu machen, das Verständnis von Freiheit eines Seehofer oder eines Scholz oder eines Gauland ist sich mit Sicherheit wesentlich näher als meinem Verständnis von Freiheit. Und Freiheit hat auch etwas mit Menschenrechten zu tun. Das eine geht ohne das andere nicht. Carola Rackete hat das begriffen und deshalb liegt sie mit ihrem Schiff, ihrer Crew und 40 HIlflosen vor Lampedusa und fordert die EU heraus, endlich Farbe zu bekennen und ein Walter Steinmeier sitzt derweil zu Berlin im Borchardt, schwingt hohle Phrasen und schlägt sich den Bauch voll. Und wenn er vielleicht genug intus hat, vom süffigen Roten, dann erzählt er möglicherweise die Geschichte von der St. Louis und ihrer Irrfahrt und ihrem Kapitän. Geschichten, die Deutsche immer gerne erzählen, wenn sie von dem ablenken wollen, was im deutschen Namen geschah und heute in deutschem Namen wieder geschieht. Carola Rackete ist eine junge Frau mit Prinzipien und Überzeugung und macht genau das Richtige. Sie hat nur den falschen Pass. Den deutschen. Hätte sie einen amerikanischen oder gar einen israelischen, dann hätte Salvini, trotz Trump und dessen Aversion gegen Zuwanderer, längst Feuer unterm Frack. (..)

In dem ersten Kommentar unter seinem Posting holt Georg von Grote noch einen wichtigen Gedanken nach, in dem er schreibt: „Carola Rackete wurde mittlerweile verhaftet. Und sie hat das Pech, dass sie keine Meşale Tolu ist, kein Denis Yücel. Carola Rackete hat ’nur‘ Menschenleben gerettet, das können weder Tolu noch Yücel auf ihre Druckfahnen schreiben.“

Der radikale Israel- und Judenhasser Georg von Grote, der Israel unterstellt einen „Vernichtungskrieg mit ethnischen Säuberungen“ zu führen, der Netanjahu, Liebermann, Bennet, Feigelt als „Staatsterroristen“ die ihre „Killertruppe von der Kette“ lassen beschuldigt, der den Zentralrat der Juden als „verbale Killertruppe“ denunziert, der dem Judenstaat eine „Blut- und Bodenpolitik“ unterstellt, veröffentlichte in Jakob Augsteins antizionistischen „Freitag“ am 5.4.2012 seine „Nachgedanken“ zum israelfeindlichen Grass-Gedicht:

„Ich bin ziemlich erschüttert. Ich dachte, das neue freie Deutschland hätte sich langsam aus den sich selbst auferlegten Fesseln gelöst. Grass hat gezeigt, dass dem so nicht ist. (..) Meine Eltern waren im Krieg. Meine Mutter als Krankenschwester in Frontlazaretten, mein Vater als Generalstabsoffizier. Beide mehr unfreiwillig als freiwillig. Um das alles zu verstehen war ich viel zu jung. Auch als ich, weil ich im Ausland aufwuchs, als Deutscher verprügelt und geächtet war. Ich war zu jung, um das zu verstehen. Nur langsam, als ich älter wurde, redeten meine Eltern mit mir darüber und dann begriff ich auch langsam. (..) Ich fühlte mich aber nicht schuldig, aber verantwortlich und wunderte mich, dass man versuchte mir das jetzt einzutrichtern. Argumentationen mit den damaligen Lehrern führt auch zu nichts. Nur zu Verweisen. (..) Ich habe dann ab Anfang der 80er Israel oft besucht. Aber auch den Libanon, Syrien, Türkei, Jordanien, Ägypten, und Nordafrika auch den damaligen Iran. Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich. (..)

Über die Jahrhunderte der Diaspora hat sich bei Juden – und ich sag jetzt bewußt Juden und nicht Israelis – ein fast schizophrener Verfolgungswahn entwickelt. (..) Und aus Schuldgefühlen heraus, machen wir in Deutschland diesen Wahnsinn mit, statt einfach mal ganz klar zu analysieren und Eigeninitive zu ergreifen und auch klipp und klar einem Netanjahu oder auch einem Herrn Broder und allen anderen, die ihnen nachlaufen zu erklären: Nein! Da spielen wir nicht mehr mit! Grass hat nun den Anfang gemacht. Wir sollten mitmachen!“

Einige begeisterte Anhänger des Rackete-Essays des Georg von Grote habe ich mit diversen antisemitischen Aussagen ihres „Idols“ konfrontiert. Antisemitismus konnten die wenigsten und wenn dann nur halbherzig erkennen. Matteo Gesualdo Corvaja war beispielsweise der Meinung: „Grotes Kritik an Israel sei noch weit von Antisemitismus entfernt, da er sich auf israelische rechtsradikale religiöse Kreise beschränkt.“

Ohne jede Sympathie für Matteo Salvini oder die europäische Flüchtlingspolitik stellen sich nun verschiedene Fragen: Wieviel Wert haben die humanistischen Ansichten der angesprochenen Verteidiger von Carola Rackete wenn sie der Antisemitismus eines Georg von Grote offenbar nicht tangiert. Und vor allem warum setzten sich deutsche Israel- und Judenhasser überhaupt für Flüchtlinge ein?

Vermutlich ist Schuldabwehrantisemitismus eine der Antworten. Je öfter Grote in Israel war umso unschuldiger fühlte er sich. Grote spricht von „auferlegten Fesseln“ wovon sich das „neue freie Deutschland“ endlich befreien müsse. Den ganzen Kontinent nennt er eine „Ansammlung von machtgierigen, korrupten, inhumanen und vollgefressenen Politikern und Bürgern, die nur ihr eigenes Wohl im Auge haben.“  Carola Rackete ist für Grote eine gute Deutsche, wäre sie Amerikanerin oder eine  Jüdin würde es in Grotes Weltbild niemand wagen sie auch nur anzufassen, geschweige denn sie einzusperren. Deutschland wird wieder einmal ungerecht behandelt. Sie hat, laut Grote  das Pech, dass sie kein Halbtürke wie Denis Yücel ist.

Deutschland steht in der Welt des Georg von Grote, nachdem „Auschwitz endlich verjährt“ ist, nachdem „sich Deutschland aus seinen Fesseln befreit“ hat,  wieder moralisch über dem Rest Europas. Nicht nur in seiner Welt sind Deutsche gut und moralisch weltspitze und vor allem Italiener und Juden sehr, sehr böse und moralisch minderwertig. Georg von Grote hat den Mainstream erreicht.  Das Weltbild dieser wiedergutgewordenen Deutschen scheint endlich prima zu funktionieren. Grotes Artikel hätte das Zeug in der TAZ, der SZ abgedruckt oder in 3Sat vorgelesen zu werden. In Italien oder in Israel dürfte man die Angelegenheiten anders sehen, aber andere Wahrnehmungen und Empfindungen aus anderen Ländern haben Herrenmenschen noch nie großartig interessiert. Die deutsche Wiedergutwerdung ist für Georg von Grote und für viele Gleichgesinnte wohlverdient abgeschlossen. Während Israel gegen die „Friedenspolitik“ Deutschlands eine „Blut und Bodenpolitik“ betreibt und Israel einen „Vernichtungskrieg mit ethnischen Säuberungen“ gegen die palästinensischen Brüder und Schwestern führt,  lässt Italien Flüchtende lachenden Auges ertrinken, während Deutschland die Flüchtlinge gegen den Widerstand Italiens vor dem Ertrinken rettet. Eike Geisels treffende Polemiken über die „Banalität des Guten“ und die „Fortsetzung der Volksgemeinschaft mit anderen Mitteln“ erscheinen im Jahr 2019 als maßlos höfliche Untertreibungen.

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

 

Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen

8. April 2019

„Mit Verlaub: Das ist unerträglicher, unverzeihlicher, von Grund auf verharmlosender und verlogener Kitsch (auf Basis eines Wikipedia-Artikels). Zumindest ist mir jetzt das Che-Profilbild, das mir immer ein Rätsel war, verständlicher.“ Dieter Sturm über den Nachruf auf Fidel Castro am 28.11.2016

„Ich finde es ja ein bisschen lustig, dass der Mann mit Fiedel Castro als Profilbild sich über geschmacklose Käseblätter aufregt, die tabu zu sein haben“ Matthias Achenbach am 7.3.2018

„Der Spaß daran, Exekutionen persönlich vorzunehmen, scheint vom Che-Titelbild auf jeden Fall abzufärben. Ich finde eine solch aktive und perfide Kollaboration mit Massenmördern wirklich schlimm. Ich werde eine Petition starten.“ Martin Stobbe am 7.3.2018

Kuba: Die Moncada-Kaserne | Der Blaue Balkon in Santiago des Cuba | Schulkinder in Holguin | Zwei Schuster in Trinidad | Entgleister Zug in Santa Clara

Sie beziehen sich auf Karl Marx und sie sprechen sich in ihrer Blase mit „Genosse“ an, sie halluzinieren von Che Guevara, dem „Massenmörder“ und verteidigen Jakob Augstein trotz seines Antisemitismus leidenschaftlich. Sie verwechseln Che Guevara mit Fidel Castro und können noch nicht einmal dessen Namen richtig schreiben. Was ist nur los mit dieser „Ideologiekritischen“ Linken?

Brasilien hat aktuell zwölf Millionen Analphabeten. 25 Millionen jugendliche Brasilianer drücken nicht die Schulbank weil sie, um nicht zu verhungern arbeiten, betteln, stehlen oder morden. Ein Viertel der Brasilianer lebt in extremster Armut und Brasilien hat mit über 60.000 Morden pro Jahr eine der höchsten Mordraten der Welt. Nicht nur in den Favelas in Rio de Janeiro gibt es keine funktionierende Kanalisation, selbst in den Wohngegenden der Mittelschicht laufen die Fäkalien in offenen Rinnsalen über hunderte von Metern in Richtung Strand und in der Nacht schlafen die unzähligen obdachlosen Eltern mit ihren Kindern auf Matratzen, neben eben diesen Rinnsalen auf der Straße. Aus El Salvador oder aus Honduras, in Ländern in denen die Gewalt und die Hoffnungslosigkeit noch größer ist als in Brasilien, fliehen derzeit tausende von verzweifelten Menschen in Richtung USA. Eine funktionierende Krankenversorgung, ein Sozialsystem, eine bezahlbare menschenwürdige Unterkunft oder Schulbildung sind Fremdwörter in den meisten Ländern Süd- und Mittelamerikas. Der Hinterhof der USA steht am Abgrund, denn Hunderttausende kämpfen täglich um ihr Überleben.

Durch einen Militärputsch kam 1952 der General und spätere Massenmörder Fulgencio Batista in Kuba an die Macht. Die Bevölkerung lebte unter Batista in bitterster Armut, rund fünfzig Prozent der Kubaner waren mehr oder weniger Analphabeten und es gab kaum medizinische Versorgung. Ein Drittel der arbeitsfähigen Bevölkerung war zu der Zeit dauerhaft arbeitslos. Die Landbewohner, die rund die Hälfte der Einwohner in Kuba stellen waren am meisten benachteiligt. Sie lebten in Palmhütten ohne Wasser und Strom. Über ein Drittel der Landbevölkerung litt unter Mangelernährung und Parasitenerkrankungen. 27 Prozent der städtischen und 61 Prozent der Kinder vom Lande besuchten keine Schule. Batista ermordete in seinem System des Terrors mit seinen Schergen rund 20.000 Kubaner und Kubanerinnen, teilweise nach bestialischer Folter. Zur Einschüchterung der Bevölkerung wurden viele der Ermordeten aus Autos auf die belebten Straßen geworfen. Die meisten oppositionellen Gruppierungen wurden verboten und von der Geheimpolizei Batistas erbarmungslos verfolgt. Batista ließ systematisch einsperren, foltern und morden und nebenbei war Kuba das Bordell der USA.

1958 ließ der Massenmörder Fulgenico Batista Ernest Hemingways Farm durchstöberten, wobei der Hund von Hemingway erschossen wurde. Fidel Castro, Che Guevara, Camilo Cienfuegos und mit ihnen tausende Revolutionäre bekämpften und besiegten zu der Zeit, getragen von der überwältigen Mehrheit der kubanischen Bevölkerung, das Terrorregime Batistas.  Für Hemingway war dies ein Signal zur Rückkehr nach Finca Vigia, die mittlerweile unter dem Schutz eines Mitgliedes der neuen Castro-Regierung stand. Auf dem Flughafen von Havanna wurde er von einer jubelnden Menge begrüßt, küsste die kubanische Fahne, missbilligte die Feindseligkeiten der USA gegen das neue Kuba und sagte, er fühle sich als echter Kubaner.

In Kuba kam es unter Fidel Castro zu umfangreichen Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen. Die Gleichberechtigung der Frau wurde festgeschrieben. Alle Bevölkerungskreise erhielten einen gleichberechtigten, kostenlosen Zugang zur medizinischen Versorgung und zu einer angemessenen kostenlosen Bildung. Die große Alphabetisierungskampagne setzt 1961 ein und hatte schnell Modellcharakter unter den Ländern der Dritten Welt. Im jährlich herausgegeben Index der menschlichen Entwicklung (HDI) belegte Kuba beispielsweise im Jahr 2014 Platz 44 und  lag damit gleichauf mit Bahrain und vor Bulgarien. Kuba hat nach der Kubanischen Revolution im Vergleich zum Rest Lateinamerikas und großen Teilen der restlichen Welt eine sehr niedrigere Kindersterblichkeitsrate, eine Lebenserwartung von knapp 80 Jahren und praktisch keinen Analphabetismus. Im Gegensatz zu so gut wie allen mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es in Kuba keine “Favelas.”

Nach der siegreichen kubanischen Revolution kam es in La Cabana aber auch zur „Großen Abrechnung“. In La Cabana hatten die revolutionären Gerichte „1“ und „2“ ihren Sitz. Das erste richtete über Batistas Polizisten und Militärs und das zweite, das keine Todesstrafen aussprach, über Zivilpersonen. Den Vorsitz über das Gericht „1“ hatte Miguel Angel Duque de Estrada. Che Guevara gehörte keinem der beiden Tribunale an, jedoch überprüfte er als Garnisonskommandant die Berufungen. Castro verglich die Verbrecher der Batista-Diktatur mit den Angeklagten in den „Nürnberger Prozessen“. Im „Nürnberger Prozess“ wurden nach dem zweiten Weltkrieg Politiker, NS-Ideologen und Militärs, sowie Wirtschaftsführer der NS Diktatur angeklagt. Bekanntlich kam es dabei zu vielen Todesurteilen. Beispielsweise wurden Hans Frank, Wilhelm Frick, Alfred Jodl, Fritz Sauckel, Alfred Rosenberg, Joachim von Ribbentrop oder Wilhelm Keitel zum Tod durch den Strang von den Alliierten verurteilt. Neben den „Nürnberger Prozessen“ verurteilten in den drei Westzonen alliierte Militärgerichte insgesamt 5025 deutsche Angeklagte. In 806 Fällen wurden Todesurteile ausgesprochen, von denen 486 vollstreckt wurden. Die Nürnberger Prozesse haben eine Anzahl von Anwälten hervorgebracht, deren revisionistische Verteidigungsstrategien die Einstellung von Teilen der Bevölkerung in Deutschland damals und heute stark beeinflusst haben. Nicht nur rechtsradikale, antidemokratische Gruppierungen kritisieren seit über 60 Jahren diese Todesurteile. Zum 60. Jahrestag der Nürnberger Prozesse meinte der Ex-SDS Mann und heutige NPD/DVU Sympathisant, Bernd Rabehl: „Hier hätten „Killer über Killer zu Gericht“ gesessen. Der Prozess sei lediglich eine „Farce“ gewesen.“

In der Tradition von Bernd Rabehl phantasieren seit einiger Zeit allerlei Leute, auch aus dem linken Spektrum vom „Massenmörder“ Che Guevara. Wenn sich Superliberale, Erzkonservative oder Batista-Anhänger über den Tod von Fidel Castro freuen und Che Guevara verachten ist das wegen der entsprechenden Ideologie durchaus nachvollziehbar. Die hungernden Kinder in Haiti, die 68 Millionen Obdachlosen in Lateinamerika, die Straßenkinder von Brasilien brauchen doch nur die Ärmel heraufstülpen und endlich vernünftig arbeiten dann werden sie auch ein prima Leben haben.

Batistas linke Kombattanten aus dem „ideologiekritischem Spektrum“ müssen sich allerdings erstens  fragen lassen, wenn Che Guevara ein „Massenmörder“ war, wie verhält es sich dann mit „Bomber“ Arthur Harris, mit Mosche Dajan, Francis Beverley Biddle, Georgi Konstantinowitsch Schukow oder Yoni Netanyahu? Waren sie alle Massenmörder? Und zweitens sind die halluzinierenden „Ideologiekritiker“ Antworten auf die sozialen Fragen in Südamerika bisher schuldig geblieben, aber vielleicht kommt da ja in den nächsten 500 Jahren noch etwas.

Faszinierend bleibt jedenfalls einmal mehr die Linke mit all ihren exklusiven Strömungen. Den oftmals sehr jungen „Ideologiekritikern“ kann zu Gute gehalten werden dass sie den Kalten Krieg, mit seiner eigenwilligen Berichterstattung, in Ost oder West nicht live miterlebt haben. Wer in seinem Leben noch nie etwas von der Truman-Doktrin, von United Fruit in Guatemala, von den Contras in Nicaragua, von Mac Arthur in Korea, vom Tonkin-Zwischenfall in Vietnam gehört hat oder wem der Unterschied zwischen SS-20 und Pershing nicht geläufig ist oder wer Pershing für eine neue englische Biermarke hält, wer Che Guevara und Fidel Castro nicht auseinanderhalten kann, dem sollte man nicht böse sein, sie alle tun ihr vermeintlich Bestes, zu mehr reicht es eben nicht.

Es hilft im Übrigen dieser „ideologiekritischen“  Linken wenig, so lobenswert dies auch sein mag, wenn sie sich dem aktuellen Islamismus mit all seinen menschenverachtenden Ausprägungen entgegenstellt. Jedes Engagement dieser Leute gegen Antisemitismus, für die Vernunft und für die Aufklärung wird unter anderem durch ihre Ahnungslosigkeit und Ignoranz unglaubwürdig. In einer Zeit in der irgendwie „ideologiekritische“  Linke froh über Fidel Castros Tod sind, sie Che Guevara als Massenmörder bezeichnen und sie dann auch noch Jakob Augstein, vermutlich wiederum aus Ahnungslosigkeit, trotz seines elenden Antisemitismus bis aufs Blut verteidigen, in dieser Zeit wird das Elend der deutschen Ideologie wieder einmal beklemmend offenbar.

Man sollte sich freilich über Ideologen mit versteinerten Herzen nicht allzu sehr aufregen und sich den wichtigeren Dingen zuwenden. Bayern München, der Verein der in der Zeit des Nationalsozialismus als der „Judenverein“ galt, der zerschlagen werden musste, hat am Samstag den börsennotierten „Arbeiterverein“ aus Dortmund 5:0 geschlagen und ist auf dem besten Weg zur siebten Deutschen Meisterschaft in Folge. So bietet das Leben auch immer wieder seine Sonnenseiten.

 

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

Der Iran-Deal

3. Dezember 2018

 „Sollte eines Tages auch die islamische Welt Waffen besitzen, die Israel bereits besitzt, dann würde die Strategie der Imperialisten zu Stillstand kommen, weil eine einzige Atombombe in Israel alles zerstören würde. Jedoch würde dies der islamischen Welt nur schaden. Es ist nicht irrational, solch eine Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.“  Ali Akbar Hāschemi Rafsandschāni, von 1989 bis 1997 Staatspräsident des Iran

Als Donald Trump im Sommer 2018 verkündete aus dem sogenannten Iran-Deal auszusteigen und die Sanktionen gegen den Iran wiedereinzuführen war die deutsche Wirtschaft und die ihr angeschlossene deutsche Politik fassungslos. Thomas Oppermann von der SPD jammerte: „Es ist in schwerer Fehler der amerikanischen Außenpolitik.“ Sevim Dağdelen von der Linkspartei warnte: „Der Ausstieg der USA ist ein Einstieg in die Eskalation.“ Auf der Bundestagsseite der Grünen schreibt Omid Nouripour: „Die europäischen Signatarstaaten müssen daher im Falle eines einseitigen Rückzugs der USA nach allen Kräften versuchen, das Abkommen aufrechtzuerhalten.“ Auf allen Kanälen von der ARD bis zum ZDF war man sich einig, Donald Trump dreht wieder einmal durch, hält sich an keinen Vertrag und schadet wieder einmal der ganzen Welt. Die Frage was an dem Deal gut sein soll und was überhaupt konkret vereinbart wurde, wird von den meisten „Elite-Journalisten“ leider nicht gestellt. Vermutlich haben sie keine Zeit sich mit dem „Deal“ zu beschäftigen, deshalb hier in aller Kürze die wichtigsten Punkte:

Seit den späten 1980er Jahren greift das das islamische Mullah-Regime des Irans nach der Atombombe um vor allem Israel von der Landkarte zu löschen. Im Jahr 2015 kam es zum „historischen Abkommen“ zwischen den UN-Vetomächten plus Deutschland und dem Iran, im Januar 2016 trat es in Kraft. Laut Abkommen akzeptiert der Iran bis zum Jahr 2025 „Kontrollen“ für sein Atomprogram. Gering angereichertes Uran enthält nur rund vier Prozent von dem Isotop U-235, mithilfe von Zentrifugen kann dieser Anteil auf waffenfähige 90 Prozent gesteigert werden. Um den Bau der Atombombe zu verzögern verpflichtete sich der Iran seine rund 19.000 Zentrifugen auf 6104 zu reduzieren. Des Weiteren wurde vereinbart die Breakout-Timeline von bisher drei Monaten auf ein Jahr hochzusetzen, in der Atomanlage Fordo bis 2030 keine Anreicherung vorzunehmen und im Schwerwasserreaktor in Arak kein waffenfähiges Plutoniums herzustellen. Im Gegenzug werde der Westen seine Sanktionen Zug um Zug aufheben. Das Atomabkommen mit dem Iran war von Anfang an eine Totgeburt, war das Papier nicht wert auf dem es steht.

1) Die vereinbarten Inspektionen der IAEA müssen vor her angekündigt werden. Will die IAEA eine Einrichtung inspizieren, muss sie einen entsprechenden Antrag stellen. Hat der Iran dem innerhalb von zwei Wochen nicht stattgegeben, geht der Vorgang an eine gemeinsame Kommission, die eine weitere Woche Zeit hat und erst drei Tage später kommt es dann zur Inspektion. In dieser Zeit können freilich die iranischen Techniker alle kritischen Einrichtungen beiseite räumen. Der Wert einer solcherart verzögerten Kontrolle tendiert gegen Null.

2) Militärische Anlagen, also Anlagen die der Iran als militärisch deklariert, sind für Inspektoren von vorne herein nicht zugänglich. Der Iran entscheidet also wo kontrolliert wird. Als im August 2017 die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen forderte, auch die Militäranlagen der Mullahs zu inspizieren, kam prompt die Antwort von Irans Präsident Rouhani: Das werde man niemals akzeptieren. Wenn Kontrollen bezüglich kerntechnisch relevanter Einrichtungen in militärischen Anlagen des Irans grundsätzlich ausgenommen sind ist der Wert aller Kontrollen der IAEA im Iran gleich Null.

3) Der Iran hat nach dem Atom-Deal modernere Zentrifugen zur Urananreicherung entwickelt und seine Raketenforschung massiv vorangetrieben. Die Raketentechnologie ist im Abkommen auf Drängen des Irans ausgeklammert worden, obwohl die Raketentechnologie der andere Teil einer Atombombe ist. Die Ausklammerung des Raketenprogramms ist das naive „Sahnehäubchen“ des sogenannten Atom-Deals. Mit seinem Raketenprogramm und seinen Raketentests belegt der Iran ein weiteres Mal welche Vernichtungsabsichten er hat.

4) Für seine lächerlichen Zugeständnisse wurde der Iran mit Aufhebung der Sanktionen belohnt. Durch die Öl- und Gasexporte und die Freigabe der eingefrorenen Gelder kamen allein 2016 rund 100 Milliarden Dollar Auslandsvermögen in die Kassen des Regimes. So verwunderte es nicht das sich einige Tage nach dem Abkommen deutsche Wirtschaftsdelegationen in Teheran auf den Füßen standen. Das Machstreben des Irans erreichte durch den Atom-Deal seinen vorläufigen Höhepunkt. Mit den frischen Dollar-Milliarden wurden nicht die dringendsten Bedürfnisse der Bevölkerung gestillt, sondern so gut wie alle Terrororganisationen der Region gestärkt, zum Beispiel die radikalislamischen Terror-Milizen von Hisbollah und Hamas. Der Iran mischt sich seit 2016 massiver den je in die Bürgerkriege im Jemen oder in Syrien ein. In Syrien haben sich beispielsweise iranische Milizen an Vernichtungsaktionen gegen die Zivilbevölkerung und ethnischen Säuberungen beteiligt. Im Jemen werden vom iranischen Regime die Huthi-Rebellen mit Geld und Waffen unterstützt. Mit iranischen Raketen beschießen die schiitischen Huthi-Rebellen mittlerweile Saudi-Arabien. Der Libanon wird ohnehin vom Iran mit Hilfe der Hisbollah kontrolliert. Bedroht wird dadurch vor allem ein Land, das Land das der islamische Gottesstaat seit seiner Gründung von der Landkarte auslöschen will, nämlich Israel.

Das iranische Regime glaubt allen Ernstes an die mythische Figur des 12. Imam. Der 12. Imam, der Mahdi ist nach der Lehre der Zwölfer-Schia der letzte unmittelbare Nachkomme Mohammeds der im Jahr 874 als kleiner Junge spurlos verschwand. In der iranischen Verfassung ist festgelegt, wenn dieser „Imam“ irgendwann aus seiner Verborgenheit hervortritt wird ihm die Macht ihm Iran unverzüglich übertragen, da er die Welt von allen Übeln, also den Juden befreien wird. Der Iran, mit seinem systemimmanenten „Erlösungsantisemitismus“, seinem Glauben an die Wiederankunft des „Zwölften Imam“ ist ein Gottesstaat, der per Strafgesetz Menschen, meistens Frauen eingraben lässt um sie dann mit Steinen hinzurichten, dabei penibel die Größe der Steine und die Reihenfolge der Werfer festlegt. Im Iran sind Frauen Menschen zweiter Klasse! Frauen müssen sich in der Öffentlichkeit verschleiern. Verstöße dagegen werden mit Gefängnis oder Peitschenhieben bestraft. Im Iran werden Dieben die Hände oder  die Finger abhackt. Das iranische Regime leugnet den Holocaust und kündigt beinahe täglich die Vernichtung Israels an. Neben vielen anderen Repräsentanten des Regimes agitierte der Führer des Irans, Ali Chamenei, mehrfach vom „Krebsgeschwür Israel“. Am 3. Februar 2012 hetzte der iranische Staatspräsident beim Freitagsgebet in der Universität Teheran: „Bald wird sich die Welt vom zionistischen Regime, diesem Krebsgeschwür, befreien. Iran wird jedem helfen, der das zionistische Regime bekämpft, so wie es schon in der Vergangenheit Hizbollah und Hamas geholfen hat.“ Der im Westen als gemäßigt geltende Ajatollah und von 1989 bis 1997 Staatspräsident Ali Akbar Hāschemi Rafsandschāni verkündete anlässlich des al-Quds-Tages in Teheran am 14. Dezember 2001: „Sollte eines Tages auch die islamische Welt Waffen besitzen, die Israel bereits besitzt, dann würde die Strategie der Imperialisten zu Stillstand kommen, weil eine einzige Atombombe in Israel alles zerstören würde. Jedoch würde dies der islamischen Welt nur schaden. Es ist nicht irrational, solch eine Möglichkeit in Erwägung zu ziehen.“

Mit dem Atom-Deal wurde offenbar versucht den Bau der Atombombe für den Iran für kurze Zeit hinauszuzögern und das iranische Regime zu besänftigen. Diese Appeasement-Politik ist krachend gescheitert, das Regime hat sich keineswegs gemäßigt, ganz im Gegenteil, die massenhaften Hinrichtungen und Verhaftungen von Oppositionellen sind gestiegen und die Expansionspolitik des Irans wird immer offensichtlicher. Man mag von Donald Trump und seinem tölpelhaften Auftreten halten was man mag, den Atom-Deal zu kündigen war eine großartige Entscheidung. Die peinliche Politik für die Aufrechterhaltung des Abkommens der EU und Deutschlands spricht Bände. Für die aggressive Ausbreitung des Irans und seiner menschenverachtenden Ideologie sind eindeutig die Europäer mitverantwortlich. Anstatt Donald Trump und die iranische notleidende Bevölkerung zu unterstützen fallen die Europäer der Aufklärung, der Vernunft und den friedliebenden Demokratien, offenbar aus wirtschaftlichen Interessen, in den Rücken, denn von der Aufhebung der Sanktionen hat keineswegs die notleidende iranische Bevölkerung profitiert. Die iranische Opposition wurde und wird wieder einmal nicht vom Westen unterstützt, sie wird mit der Appeasement-Politik zum wiederholten Male verraten. Die größte Gefahr für den ohnehin brüchigen Weltfrieden ist eindeutig der Iran. Eine Atombombe in den Händen von wahnsinnigen, faschistoiden, religiösen, mittelalterlichen Antisemiten, die ernsthaft an die Wiederkehr eines „verschollenen Imans“ aus dem 12. Jahrhundert glauben, würde die Welt an den Abgrund bringen. Die peinlichste Rolle in der Angelegenheit übernimmt, neben den Handlangern des Irans wieder einmal die Linke, von den Grünen über die SPD bis zu Linkspartei mit ihrem verachtenswerten Verständnis für den Iran. Den Islamisten-Verstehern sei deshalb gesagt:

Wer sich gegen Atomkraft, Atomraketenstationierung, Frauendiskriminierung, Rechtsradikalismus, Holocaustleugnung, nationalsozialistische Judenverfolgung zurecht in Europa ausspricht und gleichzeitig das Atomprogramm des Irans rechtfertigt, die Frauenverachtung des Irans toleriert, die Menschenverachtung der Scharia-Gesetzgebung akzeptiert, die Holocaustleugnung des Irans als nicht so entscheidend betrachtet, den mörderischen Erlösungs-Antisemitismus des Irans nicht ernst nimmt, der hat sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügt hätte.

 

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Asia Bibi und die Gralshüter des Islam

13. November 2018

„Sie wünschen, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, so daß ihr alle gleich werdet. Nehmt euch daher keine Beschützer von ihnen, solange sie nicht auf Allahs Weg wandern. Und wenn sie sich abwenden, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie auffindet; und nehmt euch keinen von ihnen zum Beschützer oder zum Helfer.“ Sure 4:89

Die Religion des Friedens und der Nächstenliebe: Gläubiger beim GottesdienstDie Christin Asia Bibi wurde 2010 in Pakistan wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt. Rund 40 weitere Menschen verbüßen in Pakistan wegen desselben absurden Delikts eine lebenslängliche Gefängnisstrafe oder warten auf ihre Hinrichtung. Nach acht Jahren Haft in der Todeszelle hob der Oberste Gerichtshof das Urteil gegen Asia Bibi im Oktober 2018 auf. Viele gläubige Muslime machte dieses Urteil rasend und muslimische Massenproteste auf den Straßen Pakistans waren die erwartbaren Folgen. Über eine Million tiefgläubige muslimische Männer gelobten ekstatisch, Asia Bibi mit bloßen Händen umzubringen. In den Straßen Pakistans spielen indoktrinierte Kinder die Hinrichtung von Asia Bibi unter “Hängt Asia“-Rufen durch, indem sie kleinen Puppen den Strick um den Hals legen und die Puppen fallen ließen.

Asia Bibi ist noch immer im Gefängnis. Die Familie ist seit der Zulassung der Berufung nicht mehr sicher, wechselt ständig den Aufenthaltsort und bat die Vereinigten Staaten, Großbritannien oder Kanada um Asyl. Der Anwalt der Familie floh aus Angst um sein Leben in die Niederlande. Großbritannien hat den Asylwunsch bereits abgelehnt. Seit dem islamischen Aufruhr nach den Mohammed-Karikaturen in einer dänischen Zeitung geht die Angst um bei Europas Regierungen sich mit dem Islam anzulegen. Wie meist in solchen Fällen ist Appeasement angesagt. Was scheren da schon in Sonntagsreden hochgehaltene Werte wie die Meinungsfreiheit, Aufklärung und Menschenrechte.

Europäische Massendemonstrationen gegen die widerlichen Bilder aus Pakistan und für das Leben von Asia Bibi gab es nicht. Weltweite Massendemonstrationen von Muslimen, muslimischen Würdenträgern und ihren europäischen Verteidigern, die sich klar vom pakistanischen Mob distanziert, sich gegen die Todesstrafe bei Blasphemie ausgesprochen und die Freilassung von Asia Bibi gefordert hätten konnten nicht organisiert werden. Wütende und aufrüttelnde Artikel und Reportagen gegen die Zumutungen des Islam suchte man im deutschen Feuilleton und in den öffentlich-rechtlichen Medien vergebens.

Die islamistische pakistanische Regierung hat vor seinen noch radikaleren Einwohnern längst kapituliert, die freigesprochene Frau wird weiter festgehalten. Vor 30 Jahren gab es zirca 200 Koranschulen in Pakistan, heute sind es rund 50.000. Der wahabitische Islam hat der Region bitterste Armut und Terror gebracht. Der Westen ist dabei freilich nicht ganz unschuldig. Als die kommunistische Sowjetunion ab 1980 das Nachbarland Afghanistan säkularisierte, Krankhäuser und Schulen baute, Mädchen konnten in die Schule gehen, die Analphabetenrate wurde dadurch massiv gesenkt, unterstützten die USA, mit Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten im Verbund mit Saudi-Arabien und den restlichen islamischen Ländern die islamistischen „Freiheitskämpfer“ um Gulbuddin Hekmatyar und Osama Bin Laden über Pakistan mit mehreren hundert Millionen Dollar pro Jahr und einer Propagandamaschinerie, die seinesgleichen vergeblich sucht,  damit diese mit Terrorangriffen auf afghanische Schulen und Krankenhäuser den alten Zustand wieder her bomben und morden konnten.

Der mittelalterliche Islam mit seinem religiösen Fanatismus zerstört das Leben einer Unzahl von Menschen. Die abstoßenden Bilder des islamischen pakistanischen Mobs müssten eigentlich die blinden oder debilen europäischen Verteidiger dieser Ideologie zu Reflexion und zur Revision ihres überholten Weltbildes veranlassen, was vermutlich ein ewiger Wunschtraum bleiben wird. Das Mindeste was man nun von der Bundesregierung fordern sollte,  ist alles zu tun um Asia Bibi inklusive ihrer Familie Asyl zu gewähren um sie endlich aus Pakistan herauszuholen. Erst mit diplomatischen Mitteln und dann notfalls mit einer Kommandoaktion. Papst Franziskus mit seiner Schweizergarde ist wie immer in jeder Hinsicht überfordert.

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Der Dalai Lama, sein tibetischer Buddhismus und die Obskuranten

2. November 2018

Je komplizierter und unübersichtlicher die Zeiten sind umso mehr haben groteske Ansichten und Weltanschauungen Hochkonjunktur. Die einen sind davon überzeugt, dass der Zins das Übel dieser Welt ist, die anderen vertrauen der heilenden Wirkung von Steinen, die Antrophosophen vetrauen auf Karmalehre, Seelenwanderung und Reinkarnation, glauben an Zwerge, Feen und Engel und wieder andere flüchten zu diversen exotischen Gurus, wie beipielshalber zum Dalai Lama und seiner „Friedensreligion“. Vor allem in den deutschsprachigen Medien und von vielen Politikern aus allen möglichen Parteien von Dunja Hayali über Otto Schily bis Claudia Roth wird der tibetanische “Gottkönig” einmütig hofiert. Claudia Roth von den Grünen gehört beispielsweise zu den vielen Unterstützerinnen des Dalai Lama. Sie meint: „Auch verfolge ich mit wachsender Trauer, wie das Erbe der Tibetischen Hochkultur zunehmend zerstört wird.“ Auf ihrer Internetseite schreibt Claudia Roth tief gerührt und betroffen über den Dalai Lama: “Es ist diese unbändige Kraft der Liebe und des Guten, mit der wir dem Hass etwas entgegensetzen können. Es sind Herzenswärme und Empathie, die Kälte und Ausgrenzung weltweit besiegen können.“ Das „Erbe der Tibetischen Hochkultur“ und die „Kraft der Liebe und des Guten“?

Als im März 2008 schwere Unruhen in Tibet ausbrachen, berichteten die westlichen Medien relativ einheitlich über die Vorgänge aus der chinesischen Provinz. Was war geschehen? Angeführt von mit Schlagstöcken bewaffneten Mönchen, verwüstete im März 2008 der buddhistische Mob die Straßen in Tibet. Der buddhistische Mob skandierte antichinesische Parolen und schlug Fensterscheiben ein, Busse, Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge wurden umgeworfen und viele Geschäfte angezündet. Viele Kaufleute, meist chinesischer Abstammung, verbrannten in den Geschäften qualvoll. Molotowcocktails flogen nicht nur in Polizeiwachen, sondern auch in Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser. Die Polizei hatte große Mühe sich gegen den rasenden Mob durchzusetzen. Dazu schreibt Colin Goldner: “Außer Rand und Band geratene Mönchshorden brachen blutige Straßenkämpfe vom Zaun, an denen sich immer mehr tibetische Jugendliche beteiligten. Es gab zahlreiche teils schwer Verletzte sowohl auf tibetischer als auch auf chinesischer Seite. Noch bevor irgendwelche sicheren Informationen aus Lhasa vorlagen, wurde von Tibet-Unterstützergruppen weltweit die chinesische Führung für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich gemacht. Die Rede war, gestützt auf TPUM-Verlautbarungen und Mitteilungen des US-Senders Radio Free Asia, vom absolut friedfertigen Protest des „tibetischen Volkes“ gegen die chinesische Militärdiktatur. Der Protest sei brutal zusammengeknüppelt und niedergeschossen worden, was, beklagenswert, aber verständlich, im Einzelfall – TV-Bilder wild um sich schlagender, Steine und Brandbomben werfender Tibeter mussten schließlich gerechtfertigt werden – zu gewaltsamer Not- und Gegenwehr geführt habe.“ Was hätten wohl die selben westlichen Medien geschrieben und kommentiert wenn deutsche Pfarrer nach dem Vorbild der buddhistischen Mönche ihre religiösen und gesellschaftspolitischen Vorstellungen mit Gewalt auf den Straßen hier in Deutschland durchzusetzen versuchten?

Das Interesse bereits der Nationalsozialisten an Tibet war groß. Der Reichsführer der SS Heinrich Himmler gründete die sogenannte „Forschungsstätte Ahnenerbe“ mit „Forschungsprojekten“ wie Wünschelrutengehen und Vorstellungen, es hätten Überlebende des untergegangenen Kontinents Atlantis in Tibet sagenhafte Reiche geschaffen. Heinrich Harrer, einst von Heinrich Himmler gefördert, lebte von 1944 bis 1951 in Tibet, war lebenslang mit dem Dalai Lama befreundet. Der tibetanische Buddhismus steht außerdem in engem Zusammenhang mit der internationalen Theosophen-Szene um die Okkultistin Helena Petrovna Blavatsky, also auch Rudolf Steiners Anthroposophie mit den entsprechenden Wurzelrassentheorien. Nach der gemeinsamen Karma-Lehre ist ein Behinderter, ein Krebskranker oder ein Holocaustopfer selbst schuld für sein Schicksal, denn in seinem früheren Leben hat er gefehlt, so die Experten von Helena Petrovna Blavatsky über Rudolf Steiner bis zum Dalai Lama. Der tibetische Buddhismus benutzt die Karma-Lehre sehr gezielt als individuelle und soziale Zuchtrute. Mit Bestrafungsphantasien, inklusive Teufel, Dämonen und Hölle, werden die Gläubigen vor dem Abweichen vom Pfad der Tugend gewarnt. Dazu kommt eine extreme negative Haltung des tibetischen Buddhismus zu Frauen. Für die spirituelle Vervollkommnung des Mannes  ist die Frau Mittel zum Zweck. Der tibetische Buddhismus zeichnet sich von daher, durch Dämonenglauben, den systematischen Missbrauch kleiner Kinder und frauenverachtende tantrische Rituale aus. Die „sexualmagischen, spirituellen“ Praktiken des tibetischen Tantra schließen die Vergewaltigung von jungen Frauen und sexuellen Kindesmissbrauch mit ein. Für seine  „spirituellen Entwicklung“ missbrauchen die tibetischen Buddhisten Mädchen und junge Frauen, wobei die Mädchen und jungen Frauen für die Erleuchtung des Lamas bestimmte Kriterien, von der Hautfarbe bis zur Beschaffenheit der Vagina,  erfüllen müssen

Tibet war Bestandteil des Kaiserreichs von China. Nach der Besetzung der Briten im Jahr 1904 war Tibet kurze Zeit, während der Revolutionswirren und dem verbrecherischen Überfall Japans auf China eigenstaatlich. Nach der Gründung der Volksrepublik  befreite China 1950 den lamaistischen Gottesstaat. Die Lebensbedingungen der Tibeter waren bis dahin entsetzlich. Die Chinesen fanden ein Land vor, das die „letzten 200 Jahre verpasst“ hatte. Für die große Masse der Tibeter bedeutete die Mönchsdiktatur die „Hölle auf Erden“, die erst mit dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee endete.

Die überwiegende Mehrzahl der Tibeter lebte in extremer Armut. Die Bevölkerung wurde von den Mönchen bis aufs Letzte ausgebeutet. Kontrolliert wurde das Land von der Mönchspolizei (Zimzag) und den Mönchssoldaten (Dob-Dobs). Außerhalb der Klostermauern konnte niemand lesen, ein Sozial- oder Gesundheitswesen für die breite Masse der Bevölkerung gab es nicht. Gleichzeitig besaß die Mönchselite unermessliche Geld- und Sachwerte und brauchte auf keinerlei Luxus zu verzichten. Gesetzgebung, Gerichtsbarkeit, Polizei und Militär lagen ebenso in den Händen der „Gelbmützen-Mönche“, wie Bildungs- und Gesundheitswesen, sowie jede übrige Verwaltung.  Der relativ kleinen Ausbeuterschicht von circa 2 Prozent, in den Klöstern und Palästen, stand die große Masse der „Leibeigenen“ und „unfreien Bauern“ gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, nahmen ihnen jede Chance einer menschenwürdigen Existenz. Schuldknechtschaft und Sklaverei waren im  Tibet des Dalai Lama für 98 Prozent der Menschen „Normalität“. Es gab außerhalb der Klöster keine Schulen und keinerlei Gesundheitsversorgung, die Säuglingssterblichkeit lag bei 50 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung der Erwachsenen lag bei 35 Jahren.

Tibeter, die beispielsweise aus Hunger etwas stahlen, wurden öffentlich abgeurteilt. Für Diebstahl wurden die Hände abgehackt. Jedes Kloster des Dalai Lama verfügte über eine eigene Folterkammer.  Zu den bis 1950 üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, Ausstechen der Augen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen. Im „alten Tibet“ durfte  eine Frau bei Ehebruch völlig legal von ihrem Ehemann getötet werden. In den stallähnlichen Behausungen, wo sich Menschen und Tiere in trauriger Gemeinschaft lebten und in Fäkalien und Unrat lebten, gab es keine Fenster, der Boden bestand aus festgetretenen Kuhfladen.

Die Tempel des Dalai Lama sahen natürlich völlig anders aus. Die in unglaublicher Pracht ausgestatteten Klöster, Tempel und Paläste (allein der Potala, Winterresidenz des Dalai Lama, verfügte über mehr als 1.000 Prunkräume) des Dalai Lama erlaubten dem „Gottkönig“ und seinen Gelbmützen-Mönchen ein angenehmes Leben. Colin Goldner schreibt über die Zeit nach dem chinesischen Einmarsch: „Im März 1959 rotteten sich in Lhasa an die 30.000 Menschen vor dem Sommerpalast des Dalai Lama zusammen, darunter Chusi-Gang-druk-Kämpfer sowie die komplette Mönchskoterie der Großklöster Drepung, Sera und Ganden. Die Führungsschicht der feudal-klerikalen Ausbeuterklasse fühlte sich durch die angekündigten Bodenreformen der chinesischen Kommunisten in ihren Privilegien bedroht: Wie in östlichen Landesteilen bereits praktiziert, war auch für die Provinz Ü-Tsang mit ihrer Hauptstadt Lhasa vorgesehen, den Grundbesitz der Adelsfamilien und der Großklöster zu enteignen und an bisherige Sklaven, Leibeigene und unfreie Bauern zu verteilen. Noch bevor die Truppen der Volksbefreiungsarmee eingriffen, machte sich der Dalai Lama, unterstützt von der CIA, mit drei Dutzend seiner engsten Mitarbeiter und mehreren Familienmitgliedern aus dem Staub. Begleitet von rund 350 Soldaten der tibetischen Armee und 50 Chusi-Gangdruk-Kämpfern begab er sich in die Klosterfestung Lhüntse Dzong unweit der indischen Grenze und von dort aus ins indische Exil. Vorausgeschickt hatte er rund 60 mit Goldstaub und Silberbarren gefüllte Kisten aus den Schatzkammern des Potala. Das Edelmetall wurde auf dem Devisenmarkt in Kalkutta verkauft, wo es den für die damalige Zeit ungeheuren Ertrag von rund acht Millionen US-Dollar – nach heutiger Kaufkraft etwa 55 Millionen US-Dollar – erzielte, wobei, wie sich später herausstellte, die Tibeter noch ordentlich über den Tisch gezogen worden waren.  In Tibet ging der Terror der Chusi Gangdruk unvermindert weiter. Erst zehn Jahre später, als die USA in der Ära Nixon/Kissinger ihr Handelsinteresse an China entdeckten, stellte die CIA die Unterstützung des tibetischen Untergrundkampfes ein. Nach dem Ausstieg des US-Geheimdienstes übernahm ab Anfang der Achtziger eine andere US-Organisation die Finanzierung der antichinesischen Aktivitäten des Dalai Lama: die sogenannte National Endowment for Democracy (NED), die ihm seither jährlich einen Betrag von zwei Millionen US-Dollar überweist. Die NED, begründet unter Ronald Reagan als »halbstaatlicher Arm der US-Außenpolitik«, ermöglicht der Regierung beziehungsweise dem Kongress die indirekte Weitergabe von Mitteln aus dem US-Haushaltsbudget an Nicht-US-Organisationen. Auch aus anderen US-Töpfen fließen »Seiner Heiligkeit« seit je Millionen zu, zudem steht er auf der payroll des milliardenschweren US-Investmentbrokers und selbsternannten Philanthropen George Soros, der auch die Solidarnosc oder die Charta 77 finanziert hatte.“

Für den Mönchsnachwuchs im „alten Tibet“ wurden Kinder schon ab drei oder vier Jahren für die Klöster rekrutiert. In Tibet selbst ist die Rekrutierung von Kleinkindern seit den 1960ern verboten, was der Dalai Lama als gezielte Vernichtung der Mönchskultur durch die chinesischen Kommunisten geißelt. So schreibt Colin Goldner über den Gottkönig: „Bei Lichte besehen ist der Dalai Lama – wie alle „Heiligkeiten“, egal welcher Glaubensrichtung – in der Tat eine Witzfigur, die an Karma und Wiedergeburt glaubt, an Astrologie, Hellseherei, Psychokinese und jedweden sonstigen Esoterik-Unsinn – einschließlich der Fähigkeit tibetischer Mönche, frei durch die Luft zu fliegen. Zugleich aber dürfen seine extrem rechtslastigen Positionen, auch seine eklatante Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit, nicht unwidersprochen bleiben, zumal er trotz – oder vielleicht gerade wegen- des Unfugs, den er erzählt, über enormen gesellschaftlichen Einfluss verfügt.“

Die Frauenfeindlichkeit im tibetischen Buddhismus des Dalai Lama zeigt sich in vielfältiger Art und Weise. Frauen sind in der Welt des Dalai Lama grundsätzlich nicht erleuchtungsfähig, sie sind Dienerinnen des Mannes. Für das spirituelle Endziel des tibetischen Buddhismus ist der sexuelle Mißbrauchs von Mädchen und jungen Frauen die Grundvoraussetzung. Endziel der „spirituellen Entwicklung“ ist neben dem Eintritt ins Nirwana die Aufhebung der Gegensätze des Männlichen und Weiblichen in der Person des Ausübenden. In den tantrischen Lehrsätzen geht es um die Transformation sexueller Energie in Macht. Die weibliche Energie, vor allem das Menstruationsblut und das Vaginalsekret könne der Lama in einer mystischen „Doppelgeschlechtlichkeit“ aufbauen, um die Urkräfte des Kosmos zu integrieren. Dazu Colin Goldner: “Die als Sexgefährtinnen in Frage kommenden Frauen müssen bestimmte Kriterien erfüllen: Laut tantrischer Lehre solle die Songyum mit „Anmut und Jugend“ ausgestattet sein und aus gutem Hause stammen. Ihre Haut dürfe nicht zu dunkel und nicht zu hell sein und ihrer Vagina müsse ohne Unterlass ein Duft wie von verschiedenen Lotusarten oder süßem Lilienholz entströmen. In einem Tantratext werden fünf Arten von Sexgefährtinnen – gerne auch „Weisheitsgefährtinnen“ genannt – unterschieden: Die Achtjährige, die Zwölfjährige, die Sechzehnjährige, daneben die Zwanzig- und die Fünfundzwanzigjährige; jede Altersstufe diene ganz bestimmten Zwecken. Lama Chöpel rät davon ab, „mit Gewalt in ein junges Mädchen einzudringen“, das sich zu sehr wehre; es könne dies die Geschlechtsteile verletzen (was sie womöglich für weitere Praktiken unbrauchbar mache). Ratsam sei es in solchem Falle, sich lediglich zwischen ihren Schenkeln zu reiben. Allemal empfehle es sich, Kinder vor dem Geschlechtsverkehr mit etwas Honig oder Süßigkeiten zu beschenken; ältere Mädchen, so ein Ratschlag an anderer Stelle, ließen sich sehr probat auch mit Wein gefügig machen. Im Übrigen sei es durchaus rechtens, ein Mädchen, das die sexuelle Vereinigung verweigere, dazu zu zwingen. Mit Frauen fortgerückten Alters, so die Lehrer des Tantra, solle tunlichst nicht praktiziert werden: ab dreißig gelten Frauen als Manifestationen bösartiger Geister; ab Ende dreißig werden sie nur noch als „Hundeschnauze, Saugfresse, Schakalfratze, Tigerdrachen, Eulengesicht“ und dergleichen bezeichnet.”  Der derzeitige Dalai Lama ist der „höchste Lehrmeister des Tantra“, der diese Praktiken freilich mühsam hat erlernen müssen. Die „Weisheitsgefährtinen“ müssen im tibetischen Buddhismus während der unter religiösem Vorwand durchgeführten Vergewaltigungen, sehr, sehr jung sein damit die Gelbmützen „unsterblich“ werden können. So besteht der Kern des tibetischen Buddhismus aus Allmachtsphantasien, denen das Selbstbestimmungsrecht und die Unversehrtheit von Mädchen und Frauen geopfert wird.

Die Verbrechen und der Irrsinn des Dalai Lama und seines Gelbmützen-Regimes sind keine Entschuldigung für die vergangenen und aktuellen Menschenrechtsverletzungen Chinas. Nirgendwo in der Welt werden so viele Menschen hingerichtet wie in China. Bezüglich der Menschenrechtsfrage hat der Dalai Lama allerdings kaum einen Grund  mit dem Finger auf China zu zeigen. Das „alte Tibet“, das die antichinesischen Aktivisten  und westlichen Esoteriker so gern wiederhaben möchten, war keineswegs „friedvoll und harmonisch“, wie der Dalai Lama und seine Anhänger ständig behaupten. So ist auch die Beziehung zwischen dem Dalai Lama und dem Massenmörder Shoko Asahara, dem Gründer der Aum-Sekte beispielgebend. Der Dalai Lama hatte seit 1987 dauerhaften Kontakt zu Asahara und bezeichnete ihn und seinen Verein öffentlich als spirituell besonders wertvoll. Shoko Asahara ermordete mit seiner Sekte am 20. März 1995 mit einem Giftgasanschlag in der Tokioter U-Bahn 13 Menschen, es gab dabei darüber hinaus über 1000 Verletzte. Zu einer klaren Verurteilung Shoko Asharas und seiner Mörderbande konnte sich der Dalai Lama bis heute nicht durchringen. Noch Wochen nach den Tokioter Terroranschlägen ergriff er ausdrücklich Partei für seinen spirituellen Freund, den er zuvor als „kompetenten religiösen Lehrer“ hochgelobt hatte. Auf die Frage was er zu den Opfern seines Terroristenfreundes sage reagierte der „Gottkönig“ mit einem breiten Grinsen, genau das Grinsen das seine debilen AnhängerInnen immer wieder verzaubert.

Dass der Dalai Lama weltweit höchstes Ansehen genießt und der von ihm vertretene Buddhismus mit absoluter Gewaltfreiheit und Toleranz in Verbindung gebracht wird, passt schlecht zusammen mit diktatorischen Maßnahmen, Beamtenwillkür, Gehirnwäsche, paranoidem Dämonenglauben, kriecherischer Servilität, Frauenverachtung, Vergewaltigung, Sklaverei, Leibeigenschaft, Hunger, Krankheiten, Mangel an jeglicher Hygiene, grausamen Strafen, Folter, Angst und Gewalt. Die Free Tibet-Bewegung, Claudia Roth und die anderen Obskuranten sollten sich in einer ruhigen Minute ohne den Konsum jeglicher Drogen fragen: „Befreiung eigentlich wovon?“

Überarbeitete Fassung des Textes vom Dezember 2010 | Quellen: Colin Goldner: Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs, Alibri Verlag Aschaffenburg | Hammerschmitt: Dalai Lama – Colin Goldner | Lizas Welt – Der freundliche Skinhead | Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Paul Merker, die DDR und der „wurzellose Kosmopolitismus“

11. Oktober 2018

Nachdem Deutschland fast ganz Europa in Schutt und Asche legte, nach den Blitzkriegen gegen Polen und Frankreich, nach dem ideologischen und rassebiologischen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, bei dem nach neuesten Schätzungen 27 Millionen Sowjetbürger ermordet wurden, dabei mehr als die Hälfte hinter der Front und nach der fabrikmäßigen Ermordung von sechs Millionen der europäischen Juden, trafen sich die Alliierten mit ihren Staatschefs Franklin D. Roosevelt, Winston Churchill und Josef Stalin im Februar 1945 in Jalta und im Juli/August 1945 in Potsdam um über die Konsequenzen der deutschen Verbrechen und die Neuordnung Europas zu beraten. Die Teilung Deutschlands, verhältnismäßig geringfügige Reparationsleistungen und die sogenannte Entnazifizierung waren der Preis für die deutschen Angriffskriege und die Vernichtung der europäischen Juden.

Im beginnenden Kalten Krieg entwickelten sich die beiden deutschen Staaten, gefangen im jeweiligen Blockdenken, bei wenigen Ausnahmen auf unterschiedlichste Art und Weise. Während in der Bundesrepublik Deutschland eine gewisse Kontinuität eingehalten wurde – Hans Globke und Hans Filbinger standen für viele Karrieren ehemaliger Nationalsozialisten im westlichen Nachkriegsdeutschland – wurde von den Politikern der DDR ein Neuanfang gefordert. So wurden beispielsweise anfangs anstatt nationalsozialistischer Lehrer oder Juristen meist ungelernte Pädagogen oder Juristen in der DDR an die entsprechenden Positionen beordert. Die Verfolgung von Naziverbrechern wurde intensiver und systematischer durchgeführt als in der BRD. Viele Überlebende der Konzentrationslager wollten helfen, den neuen deutschen Staat aufzubauen. Exilanten wie beispielsweise Bertolt Brecht, Arnold Zweig oder Anna Seghers siedelten nach Ostdeutschland, zogen die DDR der BRD vor und erwarben die entsprechende Staatsbürgerschaft. Heinrich Mann wurde 1949 zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin gewählt, starb aber kurz vor seiner geplanten Einreise in die DDR. Unter den führenden Politikern in der DDR gab es überdurchschnittlich viele Juden. Vor allem in der Justiz, im Wissenschafts- und Kulturbetrieb sowie im Verlags- und Pressewesen waren jüdische Parteimitglieder stark vertreten. Julius Meyer war beispielshalber Vorstandsmitglied der Berliner Gemeinde und SED-Abgeordneter in der Volkskammer. Alexander Abusch leitete das Ministerium für Kultur der DDR, Hermann Axen war Sekretär des ZK der SED. Wissenschaftler wie beispielsweise Ernst Bloch, Alfred Kantorowicz, Hans Mayer, Jürgen Kuczynski, Wolfgang Steinitz oder Künstler wie Paul Dessau waren Mitglieder des ZK der SED.

Gescheitert ist die DDR unter anderem wegen ihrer dogmatischen Ideologie, ihrer fehlenden demokratischen Öffentlichkeit, ohne demokratische Willensbildung, ihrer ineffizienten Wirtschaft und nicht zuletzt wegen des systemimmanenten linken Antisemitismus. Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, Kommunisten waren schließlich die ersten Opfer der nationalsozialistischen Barbarei. Der Holocaust, die Vernichtung der europäischen Juden, wurde allerdings in der DDR kaum thematisiert. Bereits die Moskauer Exilfraktion der KPD hatte eine unzureichende Sicht auf Juden und Antisemitismus im Nationalsozialismus. Die Erklärungen nach den Novemberpogromen von 1938 blieben eine Ausnahme und nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes wurde die nationalsozialistische Judenverfolgung so gut wie nicht mehr thematisiert. Nach dem Krieg wurde vor allem die Sowjetunion und die sowjetische Bevölkerung als Hauptleidtragende von Hitlers Vernichtungskrieg hervorgehoben. Die Juden als eigene Opfergruppe wurden so gut wie nicht erwähnt. Im Denken der Moskauer KPD Kader spielte der Völkermord an den Juden nur eine marginale Rolle.

In der Mexikanischen Exilgruppe der KPD, mehrheitlich jüdischer Herkunft unter der Leitung des Nichtjuden Paul Merker entwickelte sich bereits während des Zweiten Weltkrieges eine deutlich andere Haltung zur nationalsozialistischen Judenverfolgung. Mexiko war mit rund hundert Exilanten, wie beispielsweise den Literaten und Publizisten Egon Erwin Kisch, Ludwig Renn, Anna Seghers, Bodo Uhse, Walter Janka, Bruno Frei, Hilde und Rudolf Neumann und Andrè Simone das wichtigste Exilzentrum der KPD im Westen.

Mit Staatsrechtler Leo Zuckermann, Erich Jungmann und Ludwig Renn entwickelte Paul Merker in Mexiko, die innerhalb der KPD alleinstehende Position zur Bedeutung der Vernichtung der Juden und zur künftigen Politik eines antifaschistischen Deutschlands. Bereits im Oktober 1942 erschien sein Aufsatz „Hitlers Antisemitismus und wir“, worin er seine Anteilnahme  für „die durch das Weltpogrom  in so furchtbare Bedrängnis geratene jüdische Bevölkerung“ ausdrückte: „Wenn alle deutschen Flüsse Tinte und alle deutschen Wälder Federstiele wären, so würden sie nicht ausreichen, um die unzähligen Verbrechen  zu beschreiben, die der Hitlerfaschismus gegen die jüdische Bevölkerung begangen hat.“ In seinem 1944/45 erschienenen zweibändigen Hauptwerk „Deutschland – Sein oder Nichtsein“ über Aufstieg und Herrschaft des Nationalsozialismus räumt Paul Merker der Rassenideologie und dem Antisemitismus einen zentralen Stellenwert ein. Er schrieb nicht wie ansonsten üblich über die ökonomische Basis, er erkannte den Antisemitismus und die Rassenideologie als den Kern aller nationalsozialistischen Theorie. Zur „Errichtung der totalen Staatsmacht , zur Vorbereitung des totalen Krieges und zur Ausrottung aller Gegner wurden Hundertausenden eingeimpft den Massenmord freudig durchzuführen.“ Paul Merker thematisiert bereits 1944 in seinem Hauptwerk die antisemitische Gesetzgebung im Dritten Reich und die „systematische Vernichtung jüdischer Einwohner“ in den „Todesfabriken.“ Im Gegensatz zur Moskauer Gruppe sprach Merker von einer Mitschuld und Mitverantwortung der deutschen Bevölkerung.

Kurz nach seiner Rückreise aus Mexiko wurde Paul Merker in Abwesenheit vom Gründungsparteitag der SED in das ZK gewählt und leitete mit Helmut Lehmann die Abteilung für Arbeit und Sozialfürsorge. In dieser Funktion setzte er sich für eine Gleichstellung der jüdischen Opfer ein und ließ Berichte über die Lage der Juden in der SBZ erstellen. Innerhalb des VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) setzte sich Merker für ein stärkeres Engagement gegen den Antisemitismus ein, da ihn zahlreiche Beschwerden über antisemitisches Handeln diverser Ämtern erreichten. Vor allem setzte sich Merker mit Julius Meyer, Leon Löwenkopf und Leo Zuckermann innerhalb der SED Führung für ein Wiedergutmachungsgesetz ein. Die Gruppe um Merker und Zuckermann scheiterte jedoch weitgehend mit ihren Vorschlägen. Im Frühjahr 1948 wurden umfangreiche Fürsorgemaßnahmen für VdN (Verfolgter des Naziregimes) beschlossen, wobei politische, religiöse und rassistische Verfolgte formal gleichgestellt wurden. Eine Entschädigung von Vermögenswerten schloss die Verordnung allerdings aus. Arisierte jüdische Vermögenswerte wurden nicht entschädigt. 1965 wurde die formale Gleichstellung aufgehoben und kommunistische Kämpfer erhielten eine VdN Rente von 800 Mark und religiös Verfolgte erhielten 600 Mark.

Wie die Sowjetunion begrüßte auch die SED 1947 den UN Teilungsplan Palästinas und äußerte bis 1950 deutliche Sympathie für den jüdischen Staat. Israel wurde als fortschrittliches Staatswesen betrachtet, das sich gegen die Aggression der von England unterstützten arabischen Feudalherren zur Wehr setzen müsse. Anfang 1948 hatten Zuckermann, Merker und Meyer angesichts der proisraelischen Haltung des Ostblocks versucht Wiedergutmachungszahlungen an Israel ins Gespräch zu bringen. Am 12. März 1952 übergab die israelische Regierung den vier Siegmächten  eine Note, in der sie als finanzielle Entschädigung für die von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen von der BRD eine und von der DDR eine halbe Milliarde US-Dollar forderte. Die Sowjetunion verwies darauf, dass erst nach einem Friedensvertrag darüber verhandelt werden könne und im Zuge des Slánský Prozesses von 1952 lehnte die DDR dann jede Wiedergutmachung mit der Begründung ab, diese würde allein „israelischen Großkapitalisten“ und zionistischen Monopolkapitalisten“ zu Gute kommen. Spätestens ab 1951 war extremster Antizionismus die oberste Staatsdoktrin aller Ostblockstaaten. Keiner der Ostblockstaaten hat sich dabei mehr hervorgetan als die DDR. Die SED forderte 1967 von allen sozialistischen Ländern ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen. Die ideologischen Affinitäten zwischen den antisemitischen, arabischen Staaten und der DDR speisten sich aus dem gemeinsamen Antiimperialismus. Die DDR verurteilte den Zionismus als „faschistische Ideologie“ und belegte ihren Antisemitismus in Reden und diversen Publikationen mit Gleichsetzungen von Israel mit Nazideutschland. Das Bedürfniss die deutsche Schuld zu minimieren, indem man dem Staat der Opfer genau so üble Untaten wie den nationalsozialistischen Tätern zuschreibt, belegt den Schuldabwehrantisemitismus der DDR-Führung. Im „Neuen Deutschland“ war von der „Endlösung der Palästinafrage“ und von der „zionistischen Agentur des amerikanischen Imperialismus“ zu lesen. Zur ideologischen Überzeugung war die Agitation gegen Israel wesentlicher Bestandteil der Strategie, die eigene diplomatische Isolierung zu überwinden. Es wurde bestritten, dass Israel bedroht sei, so wurden alle israelischen Selbstverteidigungsmaßnahmen als unprovozierte Aggressionen verurteilt. So unterstützte die „antifaschistische“ DDR viele arabische islamfaschistische Top-Terroristen und Terrorstaaten mit Waffen, Logistik, Unterschlupf oder Geld in ihrem Kampf gegen Israel. Von daher war es auch nicht überraschend als im Jahr 1973 die antisemitische Terrororganisation der PLO offiziell ein Büro in Ostberlin eröffnete.

Der Slánský Prozess, dessen antizionistische Ausrichtung von sowjetischen Sicherheitsorganen angeordnet war, sollte entsprechende Schauprozesse in der DDR und Polen vorbereiten. Die CSSR lieferte unter dem KP Generalsekretär Slánský auf russischen Wunsch Waffen und Munition für Israel. Wegen dieser Waffengeschäfte und eines angeblichen Putschversuches wurde der jüdische Teil der tschechoslowakischen KP-Führung vier Jahre später der prozionistischen Agententätigkeit angeklagt. Am 23. November 1951 wurden Rudolf Slánský und seine überwiegend jüdischen Mitangeklagten des Hochverrats, ganz im Sinne des alten Verschwörungsmythos angeklagt. Die moskauhörige tschechische Presse berichtete unentwegt, dass Slánský eigentlich Rudolf Salzmann hieß, und dass er wie zehn der übrigen Angeklagten jüdischer Abstammung war. Im „Neuen Deutschland“ wird am 30. November 1952 vom großen Prozess gegen den Juden Rudolf Slánský und 13 jüdischen Mitangeklagten berichtet. Geständnisse und Urteile wurden seitenlag dokumentiert. Rudolf Slánský wurde am 3. Dezember 1952 zusammen mit zehn weiteren fast ausschließlich jüdischen Mitangeklagten zum Tod verurteilt und durch Erhängen hingerichtet.

Bereits der vom sowjetischen Sicherheitsdienst initiierte und gesteuerte Rajk-Prozess im September 1949 in Ungarn sollte im ganzen Ostblock eine Säuberungswelle gegen Westreimigranten in Gang setzen. Zur Einschüchterung der Westreimigranten wurde der US-amerikanische KP-Sympathisant Noel Haviland Field ohne jeden Beleg in plumper Art und Weise zu einer Schlüsselfigur des US-Geheimdiestes ernannt. Alle Westimmigranten wurden unter Generalverdacht gestellt und Namenlisten wurden von Personen erstellt, die während ihrer Emigration Kontakt zu Field hatten. Field selbst wurde 1949 in Prag verhaftet und nach Ungarn gebracht. Er wurde 1955, von Einzelhaft und Folter schwer gezeichnet, aus der Haft entlassen, rehabilitiert und finanziell entschädigt. Alle Vorwürfe gegen ihn entbehrten jeder Grundlage. Am 16. September 1949 begann der zwei Wochen dauernde Prozess gegen László Rajk und sieben weitere Angeklagte. Die Anklage lautete auf „Titoismus“ und „Zusammenarbeit mit westlichen Geheimdiensten.“ Im Verlauf dieser Schauprozesse lieferten die Beschuldigten ihre auswendig gelernten umfangreichen „Geständnisse“. Rajk und drei andere Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, die übrigen zu lebenslangen und hohen Zuchthausstrafen. In diesem Zusammenhang wurden in Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei und der DDR Tausende von Parteimitgliedern ausgeschlossen und inhaftiert und viele Hunderte verurteilt.

So wurde auch Paul Merker, der als einziges Mitglied des Politbüros während seines Exils im Westen gelebt hat am 9. Januar 1950 von Wilhelm Pieck dazu aufgefordert einen lückenlosen Lebenslauf abzugeben. Nachdem im Zuge des Slánský-Prozesses der Angeklagte Bedrich Geminder „gestanden“ hat Paul Merker Spionagematerial übergeben zu haben, wurde dieser am 30. November 1952 verhaftet. Paul Merker wurde vorgeworfen im Dienste des Imperialismus „Propaganda für den Zionismus“ begangen zu haben. Das zentrale Parteiorgan „Neue Deutschland“ berichtete am 4. Januar 1953 über weitere des „Zionismus“ angeklagte Genossen, darunter die Namen Leo Zuckermann, Erich Jungmann und Alexander Abusch, alle drei Mexikoemigranten jüdischer Herkunft und agitierte auf der Basis eines Politbüro-Papiers gegen den „Zionistenfreund“ Paul Merker: „Merker fälschte die aus den deutschen und ausländischen Arbeitern heraus gepressten Maximalprofite der Monopolkapitalisten in angebliches Eigentum des jüdischen Volkes um. In Wirklichkeit sind bei der Arisierung dieses Kapitals nur die Profite jüdischer Monopolkapitalisten in die Hände arischer Monopolkapitalisten übergewechselt.“

Paul Merker wurde in den ersten Monaten nach seiner Verhaftung täglich bis zu zehn Stunden vernommen. Die Vernehmer verlangten er solle sich als Zionist bekennen. Trotz aller Drohungen, Anfang 1953 wurde Merker ständig mit Erschießen bedroht, legte er kein Geständnis ab. Den deutschen und sowjetischen Vernehmern war völlig unverständlich, dass ein Nichtjude sich dermaßen für Juden einsetze wenn er nicht im Sold von jüdischen Organisationen stehe. Merker wurde nicht nur als „Judenknecht“ tituliert ihm wurde unterstellt die „DDR an die Juden zu verschachern“. Der Tod Stalins am 5. März 1953 rettete Paul Merker wohl das Leben. Anfang April 1953 wurden die sowjetischen „Spezialisten“ bei den Verhören abgezogen. Nach der Geheimrede Chruschtschows über die unter Stalin begangenen Verbrechen auf dem XX Parteitag der KPdSU wurden die meisten der Inhaftierten der „Säuberungen“ in aller Stille entlassen. Paul Merker forderte nach seiner Entlassung am 27. Januar 1956 die vollständige Rehabilitierung. Walter Ulbricht schrieb ihm am 31. Juli 1956 mit sozialistischem Gruß, die Anschuldigungen gegen ihn waren politische Natur und eine strafrechtliche Verfolgung ist nicht zu rechtfertigen. Obsolet waren die Anschuldigungen, Merkers Ansichten zur jüdischen Frage jedoch nicht. Merker wurde zwar wieder in die SED aufgenommen, bekam aber kein politisches Amt mehr, er arbeitete als Lektor in Berlin und öffentlich rehabilitiert wurde er auch nicht.

In dieser Zeit überprüfte die SED in der DDR darüber hinaus die Akten aller „Genossen jüdischer Abstammung“ und jeder Zehnte von ihnen wird verhaftet. Mehr als ein Viertel der rund 3.500 Gemeindemitglieder flieht allein in den Jahren 1952/53 in den Westen. Durch die Säuberungswelle verlor die DDR in den 1950er Jahren mehr als die Hälfte ihrer staatstreuen jüdischen Bürger. Zugleich wurde tausenden von ehemaligen Nazis und Wehrmachtsoffizieren per Gesetz im Oktober 1952 ihre volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung in der DDR garantiert, wodurch sie wieder im Staatsdienst eingesetzt werden konnten.

Am 17. Juni 1953 entlud sich die Unzufriedenheit in der DDR in einem Volksaufstand. Anlass war die Erhöhung der Arbeitsnormen, die das ZK der SED beschlossen hatte. Der Protest radikalisierte sich in politischen Forderungen nach freien Wahlen und der Öffnung der Gefängnisse. Die Volkspolizei schlug mit der sowjetischen Besatzungsmacht Erhebung nieder. Tausende Demonstranten wurden verhaftet und über 100 Tote waren zu beklagen. Die verbliebenen Juden in der DDR assoziierten mit dem 17. Juni altbekannte Bilder. Nächtliche Demonstrationen, Sachbeschädigungen, Schlägereien, antisemitische Reden, erinnerten an die Zeit vor 1945. Der 17. Juni erinnerte an die „Machtergreifung“, die Bücherverbrennung und die „Kristallnacht.“  Karin Hartewig schreibt dazu in der „Jüdischen Allgemeinen“: „Ernüchtert gingen jüdische Kommunisten auf Distanz zu den Demonstranten. Ausgerechnet die Bauarbeiter der Stalinallee, die Vorzeigeproletarier der prestigeträchtigsten Großbaustelle der Republik, hatten den Streik begonnen und stellten sich mit politischen Forderungen gegen die SED. Die Desillusionierung über die vermeintlich besonders klassenbewussten Helden der Arbeit saß tief. Alexander Abusch, Remigrant und späterer Kulturminister der DDR, befand, dass sich im Akt des Streiks die durch und durch feindliche Haltung der Streikenden offenbare. Die Avantgarde der Arbeiterklasse riss sich für ihn die Maske vom Gesicht, und zum Vorschein kam der Faschist von gestern. (..) An der ideologischen Gegenoffensive der SED, der Sprachregelung vom »faschistischen Putsch« und ihrer Popularisierung in Agitation und Propaganda war auch der Auschwitz-Überlebende Hermann Axen – im ZK der SED verantwortlich für »Agitation und Presse« – maßgeblich beteiligt. Wer die eigene Position politisch und persönlich als extrem gefährdet ansah, setzte auf die sowjetische Besatzungsmacht, die am Ende das Notwendige tat, und flüchtete in den Schutzraum der Partei. Zugleich aber wurde der Volksaufstand für Juden in der DDR zum Prüfstein der Selbstdisziplinierung und schließlich zur Chance politischer Bewährung. Denn nur ein halbes Jahr zuvor waren jüdische Kommunisten allein wegen ihrer Herkunft durch die antizionistischen Säuberungen gegangen. In zermürbenden Parteiverfahren mussten sie den Verdacht entkräften, „Zionisten“ und „imperialistische Agenten“ zu sein.“

Alle Maßnahmen von Staat und Partei mussten innerhalb des ideologischen Systems, der marxistisch-leninistischen Weltsicht begründet und legitimiert werden. Zum „Hauptfeind des deutschen Volkes“ wurde der US-Imperialismus erklärt. Laut SED agiert eine kleine Gruppe von „Weltimperialisten“ und „Dollarkönigen“ um die „Weltherrschaft des Dollarimperialismus“ aufzurichten und die als die wahren Herren von Amerika personifiziert  die SED „habgierige Milliardäre“ wie Morgan, Rockefeller, Mellon und Lamont. Neben Personifizierung und Verschwörungstheorie findet sich in der SED Propaganda ständig die strukturell antisemitische Entgegensetzung von Banken, „Finanzhyänen“, „Raubtieren der Wallstreet“ gegen „Volk und Arbeit.“ In ihrem Kampf gegen den „wurzellosen Kosmopolitismus“ offenbarte sich zudem die extrem nationalistische Propaganda der DDR. In dieser Kampagne wandte sich die SED gegen die „Schändung und Vernichtung der wahren nationalen Kultur des deutschen Volkes“ durch das „Gift des Kosmopolitismus“ in Form US-amerikanischer Massenkultur. Der Kampf gegen den „wurzellosen Kosmopoliten“, „bourgeoise Kosmopoliten“, „Geldmenschen“ oder „vaterlandslose Gesellen“ , war der Kampf der SED gegen die Juden.

Thomas Haury schreibt in seinem Buch „Antisemitismus von Links“: „Die durch die Assimilierung des Antisemitismus an den Marxismus-Leninismus entstandenen Modifikationen machen den spätstalinistischen Antizionismus zu einer prototypischen Form des Antisemitismus nach Auschwitz. Dies zum ersten allein schon deshalb, weil er sich nicht gegen „Judentum“ oder „Juden“, sondern gegen „Zionismus“ und „Zionisten“ zu wenden behauptete und nicht rassisch argumentierte. Diese „Tarnung“ als erstes wichtiges Merkmal war insbesondere für den Kommunismus unverzichtbar, da er sich ja als wesenhafter Gegner des Faschismus verstand und auch von daher jede Assoziation zum Antisemitismus vermeiden musste.“

Die VVN beispielsweise begründete ihre Ablehnung von Wiedergutmachung und Rückerstattung an die Juden mit ihrer „unversöhnlichen Haltung gegenüber jeglicher Neigung, zionistische Großbesitzer und Agenten mit den jüdischen Opfern des Faschismus gleichzustellen.“

Der tschechoslowakische Parteivorsitzende Clemens Gottwald wurde 1952 im „Neuen Deutschland“ wie folgt zitiert: „Die zionistischen Organisationen treiben ein schändliches Spiel mit den Leiden, die die Hitler-Faschisten über die Juden gebracht haben. Man kann direkt davon sprechen, dass sie aus der Asche von Auschwitz und Maidanek Kapital schlagen wollen.“ Die Trennung von „guten“ toten Juden und zu verfolgenden Zionisten und die klassische antisemitische Unterstellung Zionisten versuchen selbst aus toten Juden, „Kapital zu schlagen“ sind bis heute bei linken Antisemiten oftmals anzutreffende Ansichten.

Die DDR musste die von Moskau vorgegebene antizionistische Ausrichtung der Säuberungen mitvollziehen. Die mit antisemitischen Stereotypen verknüpfte Ablehnung der Wiedergutmachung an Israel und Juden wie auch die Tendenzen der Entlastung des „Deutschen Volkes“ waren ein Hauptbestandteil der antizionistischen Propaganda der DDR. Bereits 1953 hatte das ZK jedem Parteigenossen klargemacht, dass ein Eintreten für Wiedergutmachung eine nicht tolerierbare parteiwidrige Auffassung darstellt. Stalins Tod änderte nichts an dieser „antifaschistischen“ Haltung. Bis kurz vor ihrem Ende lehnte die sich antifaschistisch legitimierende SED Wiedergutmachung oder Rückerstattung ab.

Paul Merker wurde nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis im Jahr 1957 in einem Schauprozess gegen Walter Janka gezwungen gegen diesen auszusagen. Merker weinte, wie Walter Janka später berichtete, wie ein hilfloses Kind und musste von einem Justizbeamten gestützt aus dem Gericht geführt werden. Paul Merker starb am 13. Mai 1969. Die DDR-Regierung zeichnete ihn im selben Jahr postum mit dem „Vaterländischen Verdienstorden in Gold“ aus.

Quellen: Karin Hartewig, Zurückgekehrt – Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR, 2000 | Thomas Haury, Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, 2002 | Wolfgang Kießling, Partner im „Narrenparadies“ – Der Freundeskreis um Noel Field und Paul Merker, 1994 | Walter Janka, Schwierigkeiten mit der Wahrheit, 1989

Veröffentlicht auch bei Fisch&Fleisch

 

Jakob Augstein, sein „Freitag“ und die „zionistischen Schlächter“

22. Juni 2018

Martin Stobbe, ein Autor der ansonsten ideologiekritischen Zeitung Bahamas, behauptete im März 2018 in Facebook: “Der Freitag ist nicht der Stürmer und Augstein nicht der Streicher“. Weil sein Kollege Magnus Klaue in der Kritik stand, da dieser jahrelang mit Jakob Augstein kooperierte und im antizionistischen „Freitag“ rund neunzig Artikel, vor allem über Bildung, Literatur, Autobahnen und Nichtraucherschutz für gutes Geld veröffentlichte verteidigte Martin Stobbe darüber hinaus wie folgt das „israelkritische“ Blatt: „Der Freitag ist ein Blatt verschiedener Autoren, in dem ein Redakteur gegen eine einigermaßen vernünftige Bezahlung Texte von Magnus Klaue untergebracht hat, die zudem nicht zensuriert worden. Also schon zwei Punkte, in denen sich der Freitag positiv von Jungle World und konkret unterscheidet.“ Und im Unterschied zu Che Guevara hat „Jakob Augstein niemanden persönlich und mit Freude exekutiert“, so Martin Stobbe in Facebook, obwohl ohne Beleg, trotzdem offenbar exakt wissend welche Gefühle Che Guevara im Guerillakrieg gehabt haben muss.

Im erfreulich krassen Gegensatz zu Martin Stobbe bezeichnete der Börne-Preisträger, Publizist und Buchautor Henryk M. Broder bereits im September 2012 Jakob Augstein als einen lupenreinen Antisemiten“ und eine antisemitische Dreckschleuder.“ Außerdem charakterisierte Henryk M. Broder Jakob Augstein als den „kleinen Streicher von nebenan“ und den „Freitag“ als ein „antisemitisches Drecksblatt. Zum linken Antisemitismus von Jakob Augstein und seinem „Freitag“ schrieb Henryk M. Broder am 8.4.2012 sehr treffend: „Und „wenn’s Judenblut vom Messer spritzt“, dann gehts Jakob und seinen Brüdern gleich “nochmal so gut”, dann haben sie ihren Judenknacks endlich überwunden.“

Das renommierte Simon Wiesenthal Zentrum, eine internationale Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles setzte im Jahr 2012 Jakob Augstein auf Platz 9, der „Top Ten der weltweit schlimmsten antisemitischen Aussagen“, knapp hinter Mahmoud Ahmadinejad und Mohammed Badie von den Moslembrüdern, ihres jährlich herausgegebenen Antisemitismus-Awards. Augsteins linker Antisemitismus, seine Hasstiraden auf Israel gingen sozusagen rund um die Welt. In seinen Spiegel Online Kolumnen, wie zum Beispiel „Gesetz der Rache“ bediente Augstein so gut wie jedes antisemitische Ressentiment. Laut Augstein „führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ Für Augstein ist „Gaza ein Gefängnis. Ein Lager, Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen.“ Augstein behauptet weiterhin „Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.“ Die islamistischen Mörder der Hamas, die ihre eigene Bevölkerung terrorisiert, die den Tod aller Juden fordert, die täglich alles versucht dies in die Tat umzusetzen stellt Augstein auf eine Stufe mit orthodoxen Juden in Israel. Wie Günter Grass halluziniert Augstein dass die „Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet.” Jakob Augstein macht Israel, das meistens als Synonym für die Juden genommen wird, zum Sündenbock für alles. Er lässt den Judenstaat in Anspielung auf die „Weisen von Zion“ nach der Weltherrschaft greifen, Bluttaten verüben, die Welt in den Abgrund reißen und hätte Israel für seine „machtpolitischen Interessen“ auf Zahnpastatuben gesetzt und nicht auf Atomraketen, wären 13.000 Drogistinnen von Schlecker nicht arbeitslos geworden, meint Augstein sinngemäß bei Spiegel Online. Die Vorstellung einer klandestinen jüdischen Weltverschwörung ist eines der zentralen Merkmale des Antisemitismus.

Der Millionenerbe Jakob Augstein hat den „Freitag“ im Jahr 2008 übernommen und gestaltete das Blatt innerhalb kürzester Zeit von einer linken ohnehin „israelkritischen“ Zeitung zum führenden deutschsprachigen Sturmgeschütz der „Israelkritik.“ Neben extremster Delegitimierung und Dämonisierung des Staates Israel, inklusive Boykottaufrufen gegen jüdische Waren machten sich allerlei CASMII-Autoren für die iranische Atombombe stark, während diverse Islam-Apologeten sich für die teilweise Einführung der Scharia, sprich sich für scharia-konforme Finanzprodukte einsetzten. So kam und kommt die Crème de la Crème der „Israelkritik“ im „Freitag“ von Ludwig Watzal, Norman Paech, Mohssen Massarrat, Susann Witt-Stahl, Uri Avnery, Felicia Langer, Avraham Burg, Moshe Zuckermann über Georg von Grote, Fritz Teich, Tom Gard bis hin zum „Ressortleiter Politik“ des „Freitags“ Lutz Herden (neben vielen anderen) zu Wort. Kritische Artikel über palästinensische Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten, über die antisemitischen Reden der iranischen Machthaber, über die Raketenangriffe der Hamas aus dem Gazastreifen, über die „Charta der Hamas“, über die Rolle und die NS-Verbindungen des Großmufti von Jerusalem, über die antisemitische Muslimbruderschaft, über den arabischen Antisemitismus sucht man im „Freitag“ vergebens.

Rund siebzig, zumeist gegen Israel gerichtete Artikel, schrieb Ludwig Watzal im „Freitag.“ Seinen Telearbeitsplatz  bei der Bundeszentrale für politische Bildung verlor Watzal wegen seiner antisemitischen Ansichten. Laut Ludwig Watzal haben die „Zionistische Lobby“ und ihr „Helfershelfer Präsident Krüger von der BpB“ knapp zehn Jahre versucht  antisemitische Ansichten in seinen Publikationen nachzuweisen. Die Kündigung der BPB erklärte das Arbeitsgericht Bonn mit „Pauken und Trompeten“ im Januar 2012 für unwirksam, da private Meinungsäußerung keinen Grund für eine Kündigung darstelle. (*1) Der leidenschaftliche Verteidiger von Hamas und Hisbollah bezeichnete Israel als „wild gewordene Kolonialmacht“, die eine „ethnische Säuberung“ an den Palästinensern vollziehe. Im „Freitag“ schrieb Ludwig Watzal am 21.03.2003: “Vieles deutet darauf hin, dass die israelische Regierung im Schatten eines Irak-Krieges die Palästinenser vertreiben will.“ Der jüdische Kronzeuge Uri Avnery frohlockte am 16.01.2009 im „Freitag“ bezüglich des Terrors der Hamas: “Und das angesichts einer so mächtigen Militärmaschine wie der israelischen, es wirkt wie ein phantastischer Sieg, wie ein Sieg des Geistes über das Material.“

Der Politiker der Linkspartei, Norman Paech erschuf knapp zwanzig „legendäre“ Artikel im „Freitag“ und schreibt dort unter anderem vom „Diktat der Anerkennung des Existenzrechtes Israels“. Im Jahr 2011 beteiligte sich Norman Paech bei der „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“ auf  der „Mavi Marmara.“ Unter Tod den Juden- Rufen legte das Schiff in der Türkei ab. Die unter türkischer Flagge fahrende Mavi Marmara wurde maßgeblich von der radikalislamischen türkischen Organisation IHH organisiert und finanziert. Der Vorsitzende der IHH Bülent Yildirim hielt in Istanbul bei der Einweihungszeremonie für das Schiff, an der Topterroristen der Hamas, Mahmad Tzoalha und Sahar Albirawi, sowie Hamam Said, ein Führer der Muslimbruderschaft aus Jordanien, teilnahmen, eine Rede, in der er sagte, „Israel verhält sich, wie Hitler sich gegenüber den Juden verhalten hat. Hitler baute Konzentrationslager in Deutschland, und heute baut das zionistische Gebilde Konzentrationslager in Palästina.“

Der Ressortchef Politik des „Freitags“, Lutz Herden vergleicht Israel in seinen zahllosen antiisraelischen Artikeln mit dem Apartheitsstaat Südafrika, er zitiert eine Aussage der PLO, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzt, er meint, „Israel kann sich in seiner rücksichtslosen Kriegführung gegenüber der Zivilbevölkerung bestätigt fühlen“, er behauptet, dass die israelische Armee „den Gaza-Streifen eingeäschert hat, nachdem sie ihn zuvor jahrelang blockiert und belagert hat“, er phantasiert vom „Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen“, er fordert eine Verurteilung Israels im Weltsicherheitsrat, weil Israel „die kleine Flottille mit Hilfsgütern für den isolierten und systematisch ausgehungerten Gaza-Streifen in internationalen Gewässern“ aufbrachte und Lutz Herden beklagt sich, dass  „das Existenzrecht Israels in fast jeder Hinsicht über dem Völkerrecht“ steht.

Der jahrelang im „Freitag“ schreibende, von der Leserschaft und von der Redaktion hochgeachtete Autor TomGard schrieb am 09.03.2010 über die „Alternativlosigkeit“ der Palästinenser: „..,daß die palästinensischen Bevölkerung im israelischen Apartheitsstaat in eine auswegslos desperate Lage gebracht wurde, in der es zu dumpfem, international alimentiertem Dahinvegetieren mit Ausbrüchen selbstmörderischer Gewalttätigkeit keine Alternative gibt. Die Lage wurde von zionistischen Schlächtern absichtsvoll und systematisch herbei geführt, viele von ihnen haben sich dazu bekannt. Die Errichtung des KZ Gaza zementierte diese Lage noch einmal, weil sie die palästinensischen Bevölkerungsteile gegeneinander stellt, der „Feldzug“ gegen die Insassen erübrigte nebenher alle oben zitierten Bekenntnisse.“

In seinen rund 50 Artikeln im „Freitag“ gegen Israel und die USA halluzinierte TomGard neben vielen anderen Ungeheuerlichkeiten unter dem Beifall der „Freitagsgemeinde“ von der „unzweifelhaft wohlgezielten Schlachtung von Klein- und Schulkindern“ und der „viehischen Gewalttätigkeit“ durch die israelische Armee. Am 11.06.2010 phantasierte TomGard „im Freitag“ vom „zionistischen Apartheidsstaat und den Greueln, den er an der palästinensischen Bevölkerung begeht.“ Der Antiimperialist TomGard schrieb desweiteren im Juni 2010 für den „Freitag“: „Mit dem zionistischen Terrorismus und Staatsgründungswillen fiel den Amerikanern nach dem WKII ein nahezu perfektes Instrument in die Hand, den ihnen unerträglichen kolonialen Einfluß Frankreichs und Englands auf die Quellen des zweitwichtigsten kapitalistischen Lebenssaftes zurück zu drängen.“

Der von den Lesern des „Freitags“ seit 2009 geschätzte Autor Fritz Teich veröffentlichte bis heute über 200 Artikel für das Berliner Wochenblatt. So beklagt er im „Freitag“ die Entführung von Adolf Eichmann und den anschließenden „Schauprozess“ in Israel. Fritz Teich verteidigt Noam Chomskys Satz: „Ich sehe nichts Antisemitisches in der Leugnung der Existenz von Gaskammern oder selbst in der Leugnung des Holocaust”, indem er schreibt: „Es gibt eine Masse von Aufsaetzen zur Strafbarkeit der Ausschwitzluege, siehe dazu Fischer, StGB, 57. Aufl., 2010, Paragraph 130 Rdnr 24a ff.. Danach hat Chomsky absolut Recht.“ Nachdem sich Fritz Teich im Zusammenhang mit dem Grass-Gedicht für die iranische Atombombe eingesetzt hat, demonstrierte er im „Freitag“ seinen Hass auf Israel im Mai 2010 mit dem Satz: “Wenn ein Terrorist eine Bombe auf einen israelischen Bus schmeißt, wird er keine Unschuldigen treffen.”

Über siebzig, meist gegen Juden oder Israel gerichtete Artikel veröffentlichte der Journalist Georg von Grote  im „Freitag.“ Nachdem er in einem Artikel den Zentralrat der Juden als „verbales Killerkomando  beschimpfte verteidigte Georg von Grote am  5. April des Jahres 2012 im „Freitag“ leidenschaftlich das antisemitische Gedicht von Günter Grass. In seinen „Nachgedanken“ erläutert Grote seiner Freitags-Gemeinde, dass er sich mit 16 schuldig fühlte, weil Vater und Mutter, natürlich “mehr unfreiwillig als freiwillig”, Funktionsträger im Dritten Reich waren, um dann zu bekennen: “Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich.” Den Grass-Kritikern des Feuilletons schleuderte Grote selbstbewusst entgegen: „Ich dachte, das neue freie Deutschland hätte sich langsam aus den sich selbst auferlegten Fesseln gelöst… Und aus Schuldgefühlen heraus, machen wir in Deutschland diesen Wahnsinn mit, statt einfach mal ganz klar zu analysieren und Eigeninitive zu ergreifen und auch klipp und klar einem Netanjahu oder auch einem Herrn Broder und allen anderen, die ihnen nachlaufen zu erklären: Nein! Da spielen wir nicht mehr mit!“ Desweiteren agitierte der „Nahostexperte“ Grote in seinen „Nachgedanken“ beseelt von seinen „Überzeugungen“: „Über die Jahrhunderte der Diaspora hat sich bei Juden – und ich sag jetzt bewußt Juden und nicht Israelis – ein fast schizophrener Verfolgungswahn entwickelt”. Am Ende seiner Agitation fordert Grote siegessicher seine Anhänger auf: „Grass hat nun den Anfang gemacht. Wir sollten mitmachen!“

Freilich haben es neben den beinahe unzähligen israelfeindlichen Artikeln auch die antisemitischen Kommentare unter diesen Texten in sich. Folgende Reihung von Kommentaren ist beispielhaft für die Tendenz des „Freitags“: „Israel ist ein Staat, der systematisch Tausende von Menschen umbringt, obdachlos macht, Familien auseinanderreißt und bei Menschen, die nicht sterben, Traumata herbeiführt.“ (Bot Feb. 2010)

„Der Zionismus ist rein ideologisch der Zwillingsbruder des nationaldeutschen Imperialismus“ (zelotti Feb. 2010),

“Man kann die Free Gaza Kampagne online unterstützen und einen Aufruf unterzeichnen, der das Ende der völkerrechtswidrigen Blockade fordert.  Auch Spenden sind willkommen“ (Freiheitsliebender Mai 2010)

„… Jeder weiß es: Israel hat den Palästinensern ihr Land genommen. Sie sollten sich dafür, nach 60 Jahren Unrecht, bei den Palästinensern entschuldigen und es als natürlich anerkennen, dass so etwas zu einer agressiven Gegenwehr führt – gerade sie müssten es eigentlich verstehen. Es gibt keinen Grund, weniger von Israel zu verlangen. …“ (Fro April 2010),

„Israel gleicht einem selbstsüchtigen verzogenen Kind. Es wirft ein Schaufenster ein. Die Menschen schauen weg. Es steigt in den Laden ein. Die Menschen schauen weg. Es nimmt die Waren an sich. Die Menschen schauen weg. Es verwüstet den Laden. Die Menschen schauen weg. Es bewirft die Menschen ausserhalb des Ladens mit Gegenständen. Die Menschen schauen weg. Höchste Zeit, diesem Kind mal so richtig den Arsch zu versohlen“ (Firenze4 Mai 2010)

So wird seit vielen Jahren unter der Verantwortung von Jakob Augstein im „Freitag“ unermüdlich, geschützt von der Moderation und der Redaktion des „Freitags“, mit einer unfassbaren Einseitigkeit gegen Israel agitiert, der Judenstaat delegitimiert. Zumindest im von mir untersuchten Zeitraum zwischen 2010 und 2014 gab es im deutschsprachigen Raum kaum eine Zeitung die in dieser Intensität und in dieser Aggressivität gegen Israel agitiert hat. Gleichzeitig wurden die Verbrechen und die menschenverachtende Ideologie von Terrorstaaten und Organisationen wie des Irans oder der Hamas, der Hisbollah oder anderer islamischer Terrorgruppen entweder geleugnet, verharmlost oder gar gerechtfertigt.

In 75 Artikeln des „Freitags“ versuchte ein Mustafa Çelebi seinen antizionistischen Lesern den Islam näherzubringen. Laut Çelebi darf der „Dschihad“ nicht als „heiliger Krieg“ übersetzt werden, denn laut seinen Ausführungen hat der Dschihad „nämlich nichts mit Krieg zu tun!“ Im Februar 2011 feierte Mustafa Çelebi im „Freitag“ den antisemitischen Film „Tal der Wölfe“ und in seinem Artikel „Was sagt der Koran dazu“ klärt Çelebi seine „irgendwie linken“ Leser auf: „Niemand also ausser Gott kann etwas verbieten.“

In dem Freitagsartikel „Aus Kampf wird Kunst“ verharmlost der Autor Matteo Fagotto den Terror der islamistischen Hisbollah und preist die Unterstützung für sie aus dem Iran: „Die Hisbollah feiert in einem Freiluftmuseum ihren Kampf gegen Israel in ästhetisierter Form. (..) Er verweist auf die 1.714 Kämpfer der Hisbollah (oder die Märtyrer, wie er sie lieber nennt), die im Krieg ihr Leben ließen. Die weiße Treppe, die auf den Hügel führt, soll deren Aufstieg als heilige Krieger in den Himmel symbolisieren. (..) Die westlichen Mächte sind hier durch ihre koloniale Vergangenheit, unglückliche Interventionen in der Region und das Unvermögen, dem Krieg im Libanon ein Ende zu bereiten, diskreditiert. Ein libanesischer Besucher in Mleeta sagt es ganz unverblümt: „Hisbollah hat das für uns getan, was die Vereinten Nationen in vielen Jahren nicht erreicht haben.“

Eine im „Freitag“ sehr beliebte, in Amman lebende Autorin (die in 121 Artikeln unter dem Pseudonym Alien59 vor allem Israel dämonisierte und den Islam glorifizierte), belegte unter anderem ihre ideologische Verblendung indem sie am 03.04.2010 folgenden Kommentar im „Freitag“ schrieb: “Ich bin der Auffassung, dass die Frage, ob der Koran, der Islam, frauenfreundlich ist oder nicht, irrelevant ist. Diese Frage ist Ausfluss einer Denkweise, die es sich anmaßt, Göttliches zu beurteilen. Nicht der Islam hat den Menschen angepasst zu werden, sondern die Muslime haben sich an den Koran zu halten.“

Der Freitagsautor, Iran-Apologet und „Israelkritiker“ Emran Feroz beglückte die Freitagsgemeinde mit 34 Artikeln im „Online- und im Print-Freitag“ gegen Israel und für den Iran. Feroz behauptet in seinen Artikeln dass „Israel Gaza ins Mittelalter zurückbomben will“, dass „Netanjahu ein paranoider Kriegstreiber sei“ und zur iranischen Atombombe schreibt er : „Stattdessen präsentiert er [Netanjahu] der Welt seine Form der Wahrheit, indem er eine nichtssagende Skizze hervorbringt und den Iran mit “Al-Qaida” vergleicht, also jener Gruppierung, die die USA und Israel gegenwärtig im Syrien-Krieg unterstützen. Nach all diesen Äußerungen hätte jeder klar denkende Mensch den Saal verlassen müssen, doch das war natürlich nicht der Fall. Die einzige Regierung, die gegenwärtig den “Weltfrieden”, der sowieso nicht existiert, gefährdet, ist die israelische. Sie unterdrückt das palästinensische Volk, indem sie das größte Gefängnis der Welt, den Gaza-Streifen, errichtet hat. Sie ist es, die den sogenannten Arabischen Frühling für sich ausnutzt und vor allem den Krieg in Syrien fördert. Sie ist es, die permanent den Iran bedroht und dazu noch im Besitz von zahlreichen Atombomben ist.“ So verwunderte es nicht, als das iranische Propagandaorgan Kayhan den „Freitag“ mit seinem Autor Emran Feroz lobend erwähnt: „Eine deutsche Zeitschrift schrieb in einem Bericht, dass die Iraner recht haben, dem lügnerischen Vorschlag Amerikas für einen Dialog nicht zu glauben.“

Jakob Augstein behauptet im Mai 2011 in seinem Artikel „Bruder bin Laden“ George Bush und bin Laden seien „Zwillinge“ die „austauschbar“ seien. „Während der Westen seinen Feind bekämpfte, wurde er wie er. Wir haben uns die Logik der Rache und die Rhetorik der Gewalt aufzwingen lassen und haben dem viel zu wenig entgegengesetzt“, so Augstein. Die Liste von antiisraelischen, antijüdischen und proislamistischen Artikeln und Kommentaren ließe sich beinahe unendlich fortsetzen. Die beschriebenen antisemitischen „Ansichten“ lagen voll auf Redaktionslinie und Widerspruch, selbst gegen den härtesten Antisemitismus wurde kaum geduldet. Im „Freitag“ wurden sogar die antisemitischen und sozialdarwinistischen Ansichten Silvio Gesells, seiner „Freiland- und Freigeldtheorie“ als die Lösung der kapitalistischen Widersprüche beworben. Eine Redakteurin des „Freitags“ behauptete am 18.05.2010, geschützt von der restlichen Redaktion, Silvio Gesells Schwundgeld und vor allem seine sozialdarwinistischen Menschenzuchttheorien seien emanzipatorisch gewesen: „Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch.“  Der „Freitag“ war zumindest im Zeitraum von 2010 bis 2014 ein Sammelbecken für die skurillsten politischen Positionen, Voraussetzung dafür war lediglich, dass diese im Kern antisemitisch waren. Tonangebend im Bloggerbereich waren im untersuchten Zeitraum rund ein Duzend Radikalfeministinnen, die geschützt  von der Redaktion extrem beleidigend ihre kruden und antisemitischen Ansichten in Artikeln und Kommentaren weiterverbreiten konnten. In diesen „Freitags-Kreisen“ war man beispielsweise davon überzeugt, dass die Juden vor rund 6000 Jahren die „Große Göttin“ ermordet und damit das Matriarchat vernichtet haben.

Jakob Augstein scheint sich jedenfalls selbst treu zu bleiben. Nachdem im April 2018 in Berlin ein syrischer Flüchtling einen Israeli wegen seiner Kippa attackierte meinte Augstein auf Twitter: „Wie gestört ist unsere Wirklichkeit, dass jemand auf die Idee kommt das Tragen der Kippa als Provokation zu nutzen – und damit auch Erfolg hat. Deutschland 2018.“ Für Jakob Augstein ist also gut siebzig Jahre nach Auschwitz das Tragen einer Kippa in Deutschland eine Provokation!

Wie sagte schon der französische Philosoph und Freund Che Guevaras Jean-Paul Sartre im Jahr 1944 in seinen „Überlegungen zur Judenfrage“: „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.“

Von 1933 bis 1945 verfolgten und ermordeten Hitler und seine willigen Vollstecker systematisch sechs Millionen der europäischen Juden unter anderem in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern, wie beispielsweise Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor oder Majdanek. Alleine in den großen deutschen Vernichtungslagern wurden weit über drei Millionen Juden durch Vergasung in Gaskammern fabrikmäßig ermordet oder massenhaft erschossen. Die jüdischen Häftlinge der Sonderkommandos wurden gezwungen ihren jüdischen Mitgefangenen beim Entkleiden in den Umkleideräumen vor der Gaskammer zu helfen, sie zu beruhigen und Gebrechliche in die Gaskammern zu tragen. In den Zyklon B-Gaskammern der Deutschen sagten jüdische Mütter zu ihren Kindern, nachdem sie ihre Kinder umarmten,  sie mögen schnell und tief einatmen, damit sie nicht lange leiden müssten. Filip Müller, ein jüdischer Häftling des Sonderkommandos berichtet von der Ermordung von 600 tschechischen  Juden des „Familienlagers“ Auschwitz: “…Aber bevor sie weiterdenken konnten, fuhr Voß schon fort: „Alles wird viel leichter sein, wenn ihr euch schnell auszieht und dann in den Raum nebenan geht. Oder wollt ihr es euren Kindern die letzten Augenblicke unnötig schwermachen?“ Die Menschen hatten jetzt aus dem Mund ihres sich besorgt gebenden Henkers unmissverständlich und unverblümt gehört, was ihnen bevorstand. Viele wandten sich ab, vor Furcht zitternd. Die Stimmen wurden leise und verkrampft, kaum eine Bewegung der Menschen war noch natürlich. Ihre Augen blickten starr mit durchdringender Schärfe, wie hypnotisiert. Eltern nahmen ihre Kinder in die Arme, tödlicher Ernst erfüllte den Raum. Die meisten fingen jetzt an, sich auszuziehen, während einige wenige noch zögerten. Als die Henker das bemerkten, trieben und stießen sie die Leute mit Schlägen und Stößen aus dem Auskleideraum in die Gaskammer, ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Kleider schon abgelegt hatten oder nicht. Wer sich widersetzte, auf den wurde erbarmungslos und brutal eingeschlagen. Die wehrlosen Männer hatten sich um die Frauen und Kinder geschart, um sie vor den Schlägen und vor den Bissen der Hunde zu schützen. Auf der engen Fläche des Auskleideraumes, auf dem die Menschen zusammengedrängt worden waren, kam es jetzt zu einem Chaos. Die Opfer stießen und schoben sich gegenseitig, traten sich auf die Füße, Blut spritzte, SS-Männer schrien und schlugen wild mit Knüppeln, Hunde bellten wütend und bissen um sich. Plötzlich hob eine Stimme zu einem Gesang an, der immer stärker wurde und bald zu einem mächtigen Chor anschwoll. Die Menschen hatten begonnen, die tschechoslowakische Nationalhymne „Kde domov muj“ zu singen. Anschließend ertönte das jüdische Lied „Hatikvah.“ Die „Hatikvah“, so Filip Müller, die heutige Nationalhymne des Staates Israel, bedeutete für sie einen Blick in die Zukunft, eine Zukunft freilich, die sie nicht mehr erleben durften.

Etwa zwei Millionen Juden kämpften während des 2. Weltkrieges auf der Seite der Allierten gegen Nazideutschland, während die arabische Welt überwiegend mit Hitler kooperierte. Hitlerdeutschland unterstützte seit Mitte der 1930er Jahre den Kampf der palästinensischen Araber gegen die jüdische Bevölkerung in Palästina. Viele Auschwitzüberlebende wurden nach ihrer Befreiung  Bürger des neuen jüdischen Staates Israel. Noch in der Gründungsnacht erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem neuen Staat Israel den Krieg. Nach der Gründung der israelischen Armee im Mai 1948 machten Holocaustüberlebende etwa die Hälfte der israelischen Streitkräfte und ein Viertel derer, die im Kampf fielen aus. Etwa 1.170 Holocaustüberlebende fielen im Kampf gegen die arabischen Angreifer.

Israel ist die einzige Demokratie, die Insel der Aufklärung des Nahen Ostens. Seit der Gründung ist der Staat Israel von Vernichtung durch seine Nachbarn bedroht. Israel ist keinApartheidstaat“, es gibt kein „KZ Gaza“ und Israel beherrscht auch nicht die Welt. Die israelischen Siedlungen sind nicht das grundlegende Hindernis für einen Frieden in Nahost, sondern es ist der prinzipielle palästinensische Unwille, Israel anzuerkennen. Warum sollte Judäa und Samaria „judenfrei“ sein wo doch in Israel zwanzig Prozent Araber leben?  Israel führt nicht Krieg um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um seinen Einwohnern, den Juden endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Die Juden versuchen nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren, sie versuchen sich zu retten. Israel hat wie jedes andere Land dieser Welt das Recht sich gegen seine Angreifer zu verteidigen.

Die Augstein-Linke und die anderen „Friedensfreunde“, weit darüber hinaus bis ins grün-alternative bürgerliche Lager, sind mit ihrer Dämonisierung, ihrer Delegitimierung Israels, ihrer Verharmlosung des antisemitischen Terrors, ihrer Verachtung der westlichen Moderne ein Angriff auf die Zivilisation.

Wer den linken Antisemitismus verharmlost oder ihn wegen materieller Zuwendungen ignoriert, hat aus der Geschichte kaum etwas gelernt. Einen Erklärungsversuch für die Motivation des „ehrbaren Antisemitismus“ wagte vor einigen Jahrzehnten der Journalist und Essayist Eike Geisel in dem er schrieb:  „Im Namen des Friedens gegen Israel zu sein, ist etwas Neues. Denn dieses Ressentiment hat alle praktischen und politischen Beweggründe abgestreift. Dieser neue Antisemitismus erwächst weder aus niedrigen Instinkten noch ist er Ausfluss ehrbarer politischer Absichten. Er ist die Moralität von Debilen. Das antijüdische Ressentiment entspringt den reinsten menschlichen Bedürfnissen, es kommt aus der Friedenssehnsucht. Es ist daher absolut unschuldig, es ist so universell wie moralisch. Dieser moralische Antisemitismus beschließt die deutsche Wiedergutwerdung insofern, als sich durch ihn die Vollendung der Inhumanität ankündigt: die Banalität des Guten.“

 

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

(*1) Update vom 21.12.2018  Auf Intervention von Ludwig Watzal wurde dieser Absatz abgeändert. Die beiden Interventionen des „Freitag-Autors“  lauteten:

eMail 1 vom 17.12.2018:

„Herr Breitenberger,
Ich fordere Sie hiermit umgehend auf, folgende falsche Tatsachenbehauptung umgehend zu korrigieren:
„Rund siebzig, zumeist gegen Israel gerichtete Artikel, schrieb Ludwig Watzal im „Freitag.“ Seinen Job als Angestellter der Bundeszentrale für politische Bildung verlor Watzal wegen seiner antisemitischen Ansichten.“
Korrekt ist: Ich habe meinen Job nicht verloren, sondern wurde am 30. April 2016 mit 65 Jahren berentet. Die Zionistische Lobby und ihr Helfershelfer Präsident Krüger von der BpB haben fast zehn Jahre vrsucht, irgendeine „antisemitische Ansicht“ in meinen Publikationen zu finden, vergebens. Dass Sie so leichtfertigt über meine angeblichen“antisemitischen Ansichten“ schreiben zeigt mir, wes Geistes Kind sie sind. Zu dem ideologischen Schwachsinn, den Sie auf Ihrer Seite verbreiten, ist jede Auseinandersetzung Zeitverschwendung.“

eMail 2 vom 21.12.2018:

„Herr Breitenberger, ich fordere Sie hiermit zum letzten Mal auf, die beiden falschen Tatsachenbehauptungen in Ihrem Artikel zu berichtigen. Ich habe weder meinen Job bei der Bundeszentrale für politische Bildung durch Kündigung verloren, noch ging es bei dem Arbeitsgerichtsprozess um diese von Ihnen behauptete Kündigung. Um mich zu schikanieren, hatte die Bpb mir meinen Telearbeitsplatz gekündigt, um mir meine Tätigkeit von zuhause aus zu verunmöglichen. Nur darum ging es bei diesem Prozess, den die Bpb mit Pauken und Trompeten verloren hat. Sollte Sie Ihre zwei falschen Tatsachenbehauptungen nicht umgehend richtigstellen, werden Sie von einem Anwalt in absehbarer Zeit Post bekommen. Sie sollten auch die Falschbehauptungen auf „Fisch+Fleich“ gleich mit korrigieren.“