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Links wo das Herz ist?

1. April 2021

Die Aufklärung mit ihrer Religionskritik, mit ihrer Berufung auf die Vernunft war der Wegbereiter für „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“ Der deutsche Philosoph und Ökonom Karl Marx (1818-1883) war ein Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft, der politischen Ökonomie und der Religion und er übergab der Linken ein entsprechendes wissenschaftliches Manifest. Für die politische Linke war die Aufhebung von Ungleichheit und Unterdrückung oberstes Ziel, wobei in Punkto Unterdrückung und Demokratie Anspruch und Wirklichkeit oftmals auseinanderklafften. Die Geschichte der politischen Linken ist geprägt von großen Niederlagen und tödlichen Irrtümern und genau aus diesem Grund von diversen tiefgreifenden Spaltungen. Nach der Niederlage Nazideutschlands sah sich der Sozialismus auf der moralisch richtigen Seite und so hatte sogar die CDU sozialistische Ansätze in ihrem Ahlener Programm. Die „Neue Linke“ entstand mit der „Frankfurter Schule“, der Studentenbewegung die sich gegen das neue Unrecht sensibilisierte und gegen den verbrecherischen Krieg der USA in Vietnam protestierte, wenngleich die Beweggründe dafür oftmals den Ansichten der Väter glichen. Die marxistische Tradition ging davon aus, dass der Faktor „Kultur“ gegenüber ökonomischen und sozialen Bedingungen belanglos ist, so wurden kulturalistische Interpretationen der Gesellschaft als rechts und konservativ bekämpft. Nach dem Prager Frühling wurden linke Stimmen gegen die Unterdrückung der Bevölkerung in den realsozialistischen Staaten lauter und der linke Schriftsteller Jean Améry kritisierte, noch als einsamer Rufer in den 1970er Jahren, den linken Antisemitismus gegen Israel.

In der linken Monatszeitschrift „Konkret“ kamen so gut wie alle linken Stimmen zu Wort, von Norbert Blüm, vom linken Flügel der CDU über Thomas Ebermann, vom Kommunistischen Bund, später bei den Grünen bis hin zu Justus Wertmüller von der Berliner Zeitschrift „Bahamas“ und bis ins Jahr 2015 las man in „Konkret“ einerseits antiimperialistische und andererseits islamkritische, proisraelische, ideologiekritische Artikel.

Mit dem Untergang der realsozialistischen Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre und der gleichzeitigen Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens nach der islamfaschistischen Revolution im Iran von 1979 als Wegbereiter, war die Orientierungslosigkeit innerhalb großer Teile der politischen Linken nicht mehr zu übersehen. Während des Golfkrieges 1991 kam es zu antiamerikanischen Demonstrationen der Friedensbewegung, die Demonstranten erinnerten mit Transparenten an die Bombennächte von Dresden, während die Bedrohung Israels durch mit deutschem Giftgas bestückten Mittelstreckenraketen kaum thematisiert wurde. In der Konkret-Ausgabe (03/91) zum Irakkrieg schrieb Hermann L. Gremliza: “Das Richtige aber, das hier hoffentlich getan wird, darf nicht gesagt werden: dass der Irak der Fähigkeit beraubt werden muss, Israel – wie von Saddam angekündigt – anzugreifen und zu liquidieren.“ In derselben Ausgabe forderte Wolfgang Pohrt den Einsatz israelischer Kernwaffen falls Bagdad seinen Versuch wahr mache Israel mit Chemiewaffen auszulöschen. Wegen seiner Zustimmung zum Irak-Krieg und seiner Solidarität mit Israel verlor Konkret in kurzer Zeit rund 30 Prozent seiner Abonnenten.

Spätestens seit diesem Wendepunkt war der linke Antisemitismus das beherrschende Thema in der ältesten und größten linken Zeitschrift Deutschlands (und weit darüber hinaus) und Herausgeber Gremliza entschuldigte sich für linke antisemitische Artikel und Ansichten aus früheren Tagen. Der Antiamerikanismus, der linke Hass gegen Israel und die linke Kumpanei mit dem Islamismus sollte die nächsten 20 Jahre auf der Agenda von „Konkret“ ganz oben stehen und die deutsche Linke diskutierte nun endlich diese Themen. In oder neben seinem 1999 erschienenen „Schwarzbuch Kapitalismus“ beschäftigte sich beispielsweise der Wertkritiker Robert Kurz mit der linken antisemitischen Zinskritik und den „Halsabschneidern von Hamas und der Hisbollah: “Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und der „nationalen Befreiungsbewegungen“, die ein Programm „nachholender Entwicklung“ auf Basis des Weltmarkts formuliert hatten, veränderte sich der Charakter des Stellvertreter-Konflikts grundsätzlich. An die Stelle der säkularen Entwicklungsregimes trat im Nahen Osten und darüber hinaus der sogenannte Islamismus …. Die am Weltmarkt gescheiterten Segmente des Kapitals in dieser Region erklärten den Krieg gegen die Juden zum exemplarischen Kampf gegen die westliche Vorherrschaft. … Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse.“

1992 wurde die ideologiekritische proisraelische Bahamas von der Minderheitsfraktion des aufgelösten Kommunistischen Bundes gegründet. In einer Auseinandersetzung soll Knut Mellenthin, ein Sprecher der Mehrheit, der Minderheit wegen ihrer Aussteigerhaltung nahegelegt haben, doch „auf die Bahamas auszuwandern“. Die Minderheit griff dies auf und nannte ihr Organ ebenso. Justus Wertmüller, der geniale Kopf der „Bahamas“, bezeichnete als einer der ersten den arabischen Antisemitismus als Klerikalfaschismus und setzt sich deshalb für eine „bedingungslose Solidarität“ mit Israel ein.

Antiimperialistische und antikapitalistische Blätter wie die „Junge Welt“ oder das „Neue Deutschland“ ließen bis in das Jahr 2015 so gut wie keine abweichenden Meinungen zu, weshalb sich im Jahr 1997 von der „Jungen Welt“ die ideologiekritische und proisraelische „Jungle World“ abspaltete. Nach den islamischen Anschlägen vom 11. September 2001 spaltete, bzw. radikalisierte sich das linke Lager erneut. Der regressive Teil der linken Publizistik stellte mehr denn je  Laizität und den Universalismus infrage, verschloss die Augen vor den Exzessen der islamischen Ideologie und sah die Anschläge als direktes Resultat von Armut, Ausbeutung und Bevormundung der „Dritten Welt“ durch die Vereinigten Staaten.

Dagegen waren laut „Jungle World“ die Attentäter die „Repräsentanten einer faschistischen Ideologie mit islamischem Antlitz“. Mit der Flüchtlingskrise von 2015 spaltete sich die ideologiekritische, pro-israelische Linke. Während die Seite um die „Jungle World“, bei aller Kritik am Islam und aller Solidarität mit Israel, vor allem das Elend der Flüchtlinge thematisierte, blieb die islamische Ideologie, mit den unzähligen islamischen Terroranschlägen in Europa und der Welt für die Bahamas-Gruppe die größte Gefahr für ein friedliches und humanes Zusammenleben.

Spätestens mit der Flüchtlingskrise 2015 entwickelte sich Konkret wieder zurück, zu einer antiimperialistischen, postkolonialen betonlinken Zeitung.  Hermann L. Gremliza, bereits von einer schweren Krankheit gezeichnet, verweigerte im Februar 2015 den ermordeten Redakteuren und Zeichnern von „Charlie Hebdo“ durch islamische Terroristen seine Solidarität, entschuldigt die Dschihadisten von Paris mit der sozialen Frage und benötigte für sein unfassbares Phamplet sogar den „reichen Juden“ Bernard-Henri Lévy:  Lévys Artikel in der FAZ wurde kritisiert, in dem dieser fordert, „ein für alle Mal mit dem beschwichtigenden Gerede aufzuhören, das uns so lange schon die nützlichen Idioten eines in die Soziologie des Elends und der Verzweiflung auflösbaren Islamismus vortragen.“ Konkret Herausgeber Gremliza schrieb dazu: „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen, 92 Milliardäre mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einen Meisterdenker kann das nicht erschüttern. Er zählt zur anderen Hälfte, wenn nicht zu dem einen Prozent.“

Große Teile der Linken haben in ihrer Orientierungslosigkeit den emanzipatorischen Fortschrittsgedanken, die Gleichberechtigung längst vergessen und für identitäre, esoterische und reaktionäre Ideen eingetauscht. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion solidarisierten sich diese Linken nicht mit den Opfern der islamischen Barbarei, nicht mit den zwangsverschleierten unterdrückten Frauen in der islamischen Welt, nicht mit „Charlie Hebdo“ oder Samuel Paty, nicht mit den vergewaltigten und ermordeten Frauen in Europa durch Afghanen oder Geflüchtete aus den Maghreb-Staaten, sie solidarisierten sich mit den Tätern, mit den Feinden der freien aufgeklärten westlichen Welt. Die identitäre, postkoloniale, antirassistische Linke, deren Weltbild längst im Mainstream angekommen ist relativiert den Holocaust, in dem sie ihn dem Kolonialismus gleichsetzt, sie teilt Menschen in Hautfarbe und Geschlecht ein, phantasiert vom Weltuntergang, bekämpfen die freie Rede und sie macht sich nicht zuletzt wegen mit ihrer Verharmlosung und Relativierung des islamischen Terrors zu Kombattanten der menschenfeindlichen islamischen Barbarei.

Eine Minderheit innerhalb der Linken setzt sich dagegen universell für die Menschenrechte ein und bezieht Stellung gegen den islamischen Terror gegen Unterdrückung und Bevormundung, für die Errungenschaften von Zivilisation und Demokratie. In Frankreich wird mittlerweile gegen den sogenannten Islamo-Gauchismus vorgegangen. Französische Wissenschaftler reagierten mit Aufrufen und Gegenaufrufen, in denen die geistige Allianz zwischen linken Intellektuellen und reaktionären Islamisten zur existenziellen Bedrohung erklärt wird.  Zusammengefasst ist also derzeit zwischen fünf Hauptströmungen innerhalb der Linken zu unterscheiden:

1]:  Die alte antiimperialistische Linke hält nach Lenin den Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Ihre überholte Ideologie ist antiwestlich, antiamerikanisch, antizionistisch, antiindividualistisch und geprägt von verkürzter, personalisierter Kapitalismuskritik. Das US-amerikanische Finanzkapital ist für Stalinisten, Trotzkisten und sonstige Antiimperialisten der Ursprung allen Übels dieser Welt.

Die Publikationen von Marx21, der SAV, der MLDP oder Antiimperialista.org sind geprägt von Antizionismus, Antiamerikanismus und einem Hass auf die westlichen Demokratien. Marx21 beispielsweise ist eine trotzkistische Organisation innerhalb der Partei „Die Linke“, die in Kooperation mit den Islamisten des ZDM die AfD „bekämpft“ und mittels „erfolgreicher Klassenkämpfe zur Überwindung des Kapitalismus“ herbeiführen will, unterstützt kaum überraschend den Boykott Israels und lobt die islamfaschistische Hamas „pragmatisch und zu Kompromissen bereit“ und bezeichnet Gaza als „Israels Freiluftgefängnis“. Die neue Vorsitzende der Linkspartei Janine Wissler war bis vor wenigen Monaten bei Marx21 aktiv. Wissler hielt 2018 eine von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen organisierten Kundgebung, mit bekannten Parolen wie „Kindermörder – Israel“ oder „Terrorist Israel“ gegen Israel eine Rede als „Zeichen der Solidarität nach Gaza“

Der Hass auf die USA und Israel geht so weit, dass sich die extreme Rechte mit der extremen Linken in einer Querfront vereint. Jürgen Elsässer und sein Querfront-Magazin Compact steht stellverstretend dafür. Der Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer, der davon überzeugt ist, dass 9/11 ein „inside job“ und Osama Bin Laden CIA-Agent war, propagiert offensiv eine „Volksfront“ gegen das von den USA beherrschte Finanzkapital und Netanjahu nennt Elsässer den „Irren von Tel Aviv.“ Seinen Hass auf Israel begleitet eine tiefe Sympathie für den islamfaschistischen Iran. Nach der blutigen Niederschlagung der „grünen Revolution“ und unzähligen Folteropfern des Regimes im Iran im Jahr 2009, schrieb Elsässer hocherfreut: „Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“ Wenig später stattete Elsässer mit anderen „Israelkritikern“ Ahmadinedschad einen Höflichkeitsbesuch ab. Neben Compact ist der antisemitische „Freitag“ von Jakob Augstein ein wichtiges Organ der antiimperialistischen Linken, in dem in tausenden Artikeln vom „Apartheidstaat Israel“, dem „KZ Gaza“ oder „zionistischen Schlächtern“ halluziniert und agitiert wird.

2]: Die antirassistische, linksidentitäre, postkoloniale Linke setzt sich für Klimaschutz, offen Grenzen für Flüchtlinge ein und ist in den antisemitischen BLM und BDS-Bewegungen, bei Pro Asyl oder anderen sozialen und antizionistischen oder antikolonialen Bewegungen aktiv. Größte Teile der Grünen, große Teile der SPD und Teile der Linkspartei sind wie die öffentlich-rechtlichen Medien dieser Gruppe zuzuordnen. Vordergründig wird das „Existenzrecht Israels“ und die Freundschaft zu den USA hervorgehoben, bei genauem Hinsehen erweisen sich diese Phrasen als unglaubwürdig. Die Berichterstattung und die politischen Aussagen über den amerikanischen Präsidenten Trump oder die israelischen Verteidigungsmaßnahmen für seine Bevölkerung sind ein eindeutiger Beleg dafür. Während der Holocaustrelativierer und BDS-Agent Achille Mbembe, die antisemitische Black-Lives-Matter-Bewegung mit ihren Angriffen auf Juden und Synagogen in diesen Kreisen hofiert wurde, wird der millionenfache islamische Terror verharmlost oder verschwiegen.

Während Klaus Kleber und Judith Rakers in ihren Nachrichtensendungen den kurz bevorstehenden Weltuntergang, sprich der Klimakatastrophe prophezeien, Donald Trump als Ausgeburt des Bösen darstellen, so gut wie alle Verteidigungsmaßnahmen Israels kritisieren und ausgiebig (berechtigterweise)über den rechten Terror von Hanau berichten, werden islamisch motivierte Terrortaten oder sexuelle Übergriffe und Morde durch Flüchtlinge aus Afghanistan überwiegend verschwiegen.

In einem jüdischen Supermarkt in Boulder im US-Bundesstaat Colorado ermordete beispielshalber Mitte März der IS-Anhänger Ahmad Al Aliwi Alissa zehn Menschen. In den öffentlich-rechtlichen Medien wurde darüber entweder nicht berichtet und wenn doch es gehalten wie Joe Biden, der schärfere Waffengesetze gefordert hat. Dass man in dem Laden koschere Produkte kaufen konnte und der Mörder Ahmad hieß und ein Islamist war würde den deutschen Fernsehzuschauer offenbar nur verunsichern.

3]: Die emanzipatorische ideologie- und islamkritische Linke grenzt sich eindeutig vom linken Antisemitismus, dem Antizionismus ab, kritisiert massiv die verkürzte Kapitalismuskritik und den überholten Antiimperialismus, ist proisraelisch, proamerikanisch, prowestlich, setzt sich für die universalen Menschenrechte ein und unterwirft „geschichtliche Prozesse dem Primat der Vernunft.“ Der politische Stalinismus, Leninismus und Trotzkismus und die islamische Ideologie werden kategorisch abgelehnt und entsprechend bekämpft. Wegen der Marxschen Schrift „Die deutsche Ideologie“, einer Kritik an Max Stirner, Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach wurde Ideologiekritik um das Jahr 2000, in erster Linie von entsprechenden Ideologen, als „antideutsch“ gekennzeichnet.  1985 wurde vom ISF der Ça ira Verlag gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, linken Antisemitismus und Antizionismus zu kritisieren und ideologiekritische Arbeiten gegen den Antizionismus und Islamismus von Autoren wie beispielsweise  Joachim Bruhn, Stephan Grigat, Léon Poliakov, Michael Landmann, Nathan Weinstock Manfred Dahlmann, Matthias Küntzel oder Gerhard Scheit zu veröffentlichen.

Die ideologiekritische Linke befürwortete beispielsweise 1991 den Irakkrieg der USA und kritisierte die Bombardierung Jugoslawiens und den Krieg der NATO gegen die Serben. Angesichts des „Weltkriegs gegen die Juden“ postulierte die „Bahamas“ zum Irakkrieg: „Es heißt jetzt Front zu beziehen.  Die USA seien die einzige Kraft, die willens und fähig sei, dem Fundamentalismus Einhalt zu gebieten.“ Die Kritik am politischen Islam, als die Größte Gefahr für die freiheitliche Demokratie und die Solidarität mit Israel, der Vorposten der Aufklärung gegen den islamischen Terror steht auf der Agenda an vorderster Stelle. Die Politik der AfD wird abgelehnt, jedoch werden die proisraelischen Reden im Bundestag zur Kenntnis genommen, wie die überwiegend positive Nahost und Israelpolitik von Donald Trump gewürdigt wurde. Die Solidarität mit den USA geht in Teilen dieser Gruppe soweit die Kubanische Revolution mit seinen sozialen Errungenschaften abzulehnen, die Verbrechen des Folter-Diktators Batista zu ignorieren oder zu verharmlosen und Che Guevara einen „Massenmörder“ zu nennen, der „Spass daran hatte Exekutionen persönlich vorzunehmen.“

Mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 spaltete sich die ideologiekritische Linke in zwei unerbittlich bekämpfende Lager. Während für die Gruppe um die Bahamas die unkontrollierte Einwanderung und die entsprechenden Morde, Vergewaltigungen und Terrorakte und die entsprechende Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien kritisierte setzte sich die Gruppe um die Zeitschrift Jungle World bei aller Kritik am Islamismus für die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und den diversen afrikanischen Staaten ein.

4]: Die emanzipatorische ideologiekritische Linke um die Autoren und Leser der Jungle World forderten von der Regierung mehr Flüchtlinge aufzunehmen und setzten sich teilweise für offene Grenzen und unkontrollierte Zuwanderung ein. Bei den diversen islamischen Terroranschlägen, Vergewaltigungen und Morden wurde größtenteils nicht weggesehen, aber doch das ein oder andere Mal die Verbrechen relativiert. Beispielsweise war zur Frauenjagt in der Kölner Sylvesternacht durch Männer mit Migrationsgrund aus dem Umfeld der Jungle World zu lesen: „Warum derzeit 80 Tatverdächtige keine 1000 Täter sind“

Einer der Hauptvertreter dieser Linken ist Thomas von der Osten-Sacken, der in der Jungle World von „Tunis nach Teheran“ schreibt. Bei den „Ruhrbaronen“ nahm Thomas von der Osten-Sacken zur Behauptung er hätte seine „Israel-Solidarität“ aufgekündigt Stellung.

5]: Die undogmatische, ideologiekritische, liberale Linke ist eine Mischung aus den beiden vorherigen Strömungen. Grundsätzlich werden Teile der Sozialpolitik von SPD oder Linkspartei unterstützt und einer Umkehr in der Umweltpolitik durchaus aufgeschlossen, solange sie rational, wirtschaftlich machbar und sozial ausgewogen auftritt. Im Gegensatz zu 3] und 4] ist diese Linke undogmatisch und sieht über den eigenen Tellerrand hinaus und verweigert sich Meinungsblasen wie sie in den sozialen Medien üblich sind. Beispiele wären Arik Brauer, der sich seiner Malerei oder der Sozialwissenschaftler und Philosoph Ingo Elbe der sich der kritischen Marx-Forschung verschrieb.

Kritik am hiesigen Appeasement an den Islam mit seinem Hass auf Juden und auf Israel ist für die undogmatische ideologiekritische Linke der Anfang aller Kritik. Die Solidarität mit den Opfern der islamischen Ideologie, mit den Opfern des Antisemitismus, mit den Opfern des Rechts- und des Linksradikalismus ist die Voraussetzung für den sozialen Frieden für den Fortschritt der Menschheit.

Die größte Gefahr für den Weltfrieden ist aktuell der Iran mit seinem Griff zur Atombombe und seiner Unterstützung von diversen Terrorgruppen im Nahen Osten. Mit der fortschreitenden Islamisierung Europas und den unzähligen islamischen Terrorakten und Verbrechen geraten die Errungenschaften der Aufklärung in größte Gefahr, denn wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann verliert er das Vertrauen und die Demokratie gerät wegen der Stärkung der Extreme ins Wanken.

Bereits 1974 schrieb der linke Schriftsteller Jean Améry : „Die Linke ist Wirklichkeit  in ihrer Praxis, nicht in ihrer Dogmatik. Ihr letzter Referenzpunkt ist ein Humanismus, den aus verqueren theoretischen Gründen in Frage zu stellen, im günstigsten Fall Spinnerei ist, im üblen Sabotage. Denn es ist der Humanismus keine bürgerliche Mystifikation, wenn auch sein Banner von der Bourgeoisie nur allzu oft zu Mystifikationszwecken rauschend geschwenkt wurde.“

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Das Tocqueville-Paradoxon

28. Februar 2021

Der französische Publizist, Politiker und Historiker Alexis Charles-Henri-Maurice Clérel de Tocqueville (1805 – 1859) gilt als der Begründer der vergleichenden Politikwissenschaft. Der Publizist bereiste im Jahr 1826 die USA um das Rechtssystem und den Strafvollzug in den Vereinigten Staaten von Amerika zu studieren. Zwischen 1839 und 1848 war Alexis de Tocqueville Abgeordneter der gemäßigten Opposition und 1849 war er für fünf Monate der französische Außenminister unter dem Prinz-Präsidenten Louis Napoleon.

Das Streben nach Gleichheit ist laut Tocqueville die Triebfeder der westlichen Zivilisationen, wobei ein hemmungsloses Gleichheitsstreben die Errungenschaften der Freiheit aufs Spiel setzt. Der „Vernunftdemokrat“ warnte davor, dass der Weg der Demokratie ebenso in die Unfreiheit wie in die Freiheit führen könne. Zu den Revolutionären von 1789 meinte Tocqueville: „Was mich beeindruckt, ist weniger das Genie derer, die die Revolution gewollt haben als die Dummheit derer, die sie beförderten, ohne es zu wollen.“ Lange vor Karl Marx ist bei Tocqueville vom „Klassenkampf“ die Rede: „Ich spreche von Klassen, nur sie haben in der Geschichte etwas zu suchen.“ Alexis de Tocqueville versuchte, die Demokratie „zu erziehen“ und bereits im 19. Jahrhundert sagte die Herrschaft der Ökonomie voraus.

Tocqueville studierte die Französische Revolution und beschreibt den Wandel der Gesellschaft und das „unruhige Gefühl“ der Bevölkerung welches bereits dreißig bis vierzig Jahre vor der Revolution beginnt, dabei stellte er die Theorie auf, dass ein unterdrückendes Regime eine höhere Gefahr läuft umgestürzt zu werden, sobald es versucht sich zu reformieren. „Der Abbau von Unrecht schärft die Sinne für Ungerechtigkeiten, die noch weiterhin bestehen, und gerade die Reform schlechter Sozialverhältnisse erhöht die Wahrscheinlichkeit ihrer revolutionären Veränderung.“  Reformen, die zur Verbesserung führen, seien somit tödlich für einen alten Staat, die Autorität der Herrschaft wird dadurch untergraben und das Selbstbewusstsein der Opponenten wird gestärkt. Laut Tocqueville markiert die Verringerung von Missständen den Abstand zu den noch bestehenden Missständen und die zugrundeliegende Hoffnung auf Veränderung verändert das Gespür dafür, was noch möglich ist, wodurch die Unzufriedenheit der Gesellschaft steigt, obwohl absolut betrachtet eine Verbesserung der Lebensumstände vorliegt. Das Phänomen „dass sich mit dem Abbau sozialer Ungerechtigkeiten gleichzeitig die Sensibilität gegenüber verbleibenden Ungleichheiten erhöht“ bezeichnet man in der Soziologie seither als Tocqueville-Paradoxon.

Die Gorbatschow Reformen und der Zusammenbruch der Sowjetunion sind beispielsweise ein Beleg für das Paradox-Gesetz und seit vielen Jahren wird Tocqueville beinahe tagtäglich vor allem in der westlichen Welt bestätigt. Eine Bevölkerung rebelliert, wenn sich seine Situation verbessert und nicht, wenn sie sich verschlechtert. „Der Wunsch nach Gleichheit wird umso unwiderstehlicher, je größer sie im Grunde ist.“  Die Erfolge, des Feminismus oder des Antirassismus im vergangenen Jahrhundert, machen den heutigen Generationen die alle noch vorhandenen Ungleichheiten unerträglich. Die Gesellschaft von heute ist so wenig sexistisch und rassistisch wie nie zuvor, aber die öffentliche Denunziation von Sexismus und Rassismus ist alltäglich wie nie.

Am 8. Dezember 2020 wurde in Paris das Champions League-Spiel zwischen Paris Saint-Germain und Basaksehir in einem bislang einmaligen Vorgang in der 14. Minute wegen einer vermeintlich rassistischen Aussage des 4. Offiziellen, des rumänische Schiedsrichters Sebastian Coltescu, abgebrochen. Pierre Webo, der aus Kamerun stammenden Co-Trainer der Istanbuler Mannschaft hat den Schiedsrichter beleidigt. Darauf erkundigte sich dieser beim 4. Offiziellen, worauf dieser, „den Schwarzen, dort“ Pierre Webo „ala negru“ identifizierte. Zuvor war von der türkischen Trainerbank, Rumänen seien „Zigeuner in meinem Land“ zu hören. Gefolgt von den Franzosen, verließ die türkische Mannschaft den Platz und schon kurz darauf forderte der türkische Präsident Erdogan per Twitter von der UEFA, das „Nötige zu unternehmen“, um gegen „Rassismus und Diskriminierung“ vorzugehen. Vor dem Wiederanpfiff des Wiederholungsspiels knieten „Corona-Partybiest“ Neymar und Co. rund um den Mittelkreis nieder und gedachten mit erhobener Faust des „beleidigten“ Co-Trainer der Türken. Der rumänische Fußballverband distanzierte sich erwartungsgemäß von Rassismus, wobei die tatsächlichen rassistischen Aussagen von der türkischen Trainerbank freilich kein Thema waren. In Rumänien und nicht nur dort hat sich gegenüber solcherlei politischer Korrektheit eine feindselige Stimmung breitgemacht und Schiedsrichter Coltescu ist seitdem selbstmordgefährdet, was darüber hinaus zeigt, dass ideologisierte Debatten nicht nur wirkungslos im antirassistischen Kampf sind, sondern das Gegenteil bewirken. Wenn Coltescu einen Weißen unter fünf Schwarzen identifiziert hätte, würde kein Hahn danach krähen.

Niederknieende Fußballer wie Neymar werden keinen einzigen Rechtsextremisten zu einem friedlicheren Menschen bekehren. Beim rechtsextremen Terroranschlag in Hanau am 19. Februar 2020 erschoss der Hanauer Tobias Rathjen in und vor einer Shisha-Bar und einem Kiosk aus rassistischen Motiven Hanauer Bürger mit Migrationshintergrund. In hinterlassenen Schriftstücken und Videos phantasiert der Terrorist ganze Völker „vernichten“ zu wollen, weil deren Existenz ein „grundsätzlicher Fehler“ sei. Es ist zweitrangig wie sehr der Täter unter Wahnvorstellungen litt, denn jeder terroristisch motivierte Mörder leidet unter solchen Vorstellungen. Rechtsextreme Morde haben mit dem rechtsextremen Weltbild zu tun wie islamische Morde auf der islamischen Ideologie basieren.

Speziell in Deutschland ist es notwendig, wenn der Staat rechtsextreme Gruppen oder Personen genau beobachtet und es wäre noch besser, wenn diese Gruppen mit aller Härte verfolgt und bestraft werden würden  Die aktuelle Erinnerungskultur zum Terroranschlag in Hanau war richtig und wichtig, nur wäre es wünschenswert, wenn der zahlenmäßig bedeutend umfangreichere islamische Terror und die unzähligen islamischen Zumutungen von der Geschlechterseparation über die sexuellen Übergriffe und Morde bis zum Verschleierungsgebot genauso beobachtet und verfolgt und den Opfern dieses Terrors ähnlich gedacht werden würde.

Nach unzähligen Terrortaten, Vergewaltigungen, Enthauptungen und Morden im Namen des Propheten in Europa und dem Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz wurde am 16. Oktober 2020 in einem Pariser Vorort der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem Gotteskrieger bestialisch auf offener Straße unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer ermordet und enthauptet. Kurz darauf, am 29. Oktober 2020 ermordete ein 21-jähriger Tunesier in Nizza, in der katholischen Kirche Notre Dame drei „Ungläubige“ mit einem Messer. Sondersendungen zu diesem Terror dazu gab es so gut wie keine. Kritik am islamischen Terror und an den anderen islamischen Zumutungen gilt in weiten Kreisen der europäischen Gesellschaften als „Islamophobie“. Die Fragen, wie konnte das geschehen und was kann getan werden, dass so etwas nicht mehr passiert wird, werden bezüglich des islamischen Terrors nicht gestellt. Im Namen des Antirassismus wird Kritik am Islam, zumeist gemeinsam mit den einschlägigen Vertretern islamistischer Verbände, als rassistisch denunziert.

Der französische Essayist Pascal Bruckner wendet sich in seinen Texten gegen einen Multikulturalismus, der den westlichen Liberalismus schwächt. Für Bruckner ist der Multikulturalismus ein Rassismus des Antirassismus, denn dieser kettet die Menschen an ihre Wurzeln. Pascal Bruckner fordert seit Jahren eine Solidaritätsbewegung zugunsten aller säkularen oder atheistischen Rebellen in der islamischen Welt.  Mit dem Kunstgriff „Islamophobie“, eine Erfindung des Massenmörders Ajatolla Khomeini, belegen die Gegner der Aufklärung, dass sie nicht bereit sind, die gleichen Regeln für den Islam gelten zu lassen, die zur europäischen Aufklärung geführt haben. In der westlichen Welt ersetzt seit Jahren die Identitätspolitik die Hilfe für die sozial Benachteiligten. Die einstmals von den Linken Repräsentierten und Mystifizierten verschwinden zugunsten von Minderheiten und so triumphiert laut Bruckner die Herkunft über das Soziale.

Der aktuelle Zeitgeist produziert seltsame „Feministinnen“ aus der sogenannten Matriarchatsforschung, der feministischen Theologie und Ökologinnen die sich für die Dritte Welt einsetzten. Diese reaktionären „Feministinnen“ arrangieren sich mit ihren männlichen Mitläufern hervorragend mit der mittelalterlichen Frauenverachtung im Islam, gleichzeitig macht es sie fassungslos, wenn in Texten die Gendersternchen fehlen. So sieht die Gendertheorie-Ikone Judith Butler in der Burka das Bollwerk „überlegener“ islamischer Kultur gegen die „feindliche“ westliche Moderne, den Schleier als „Fahne der Emanzipation der muslimischen Frau“ und die islamfaschistischen Terrorgruppen von Hamas und Hisbollah als unterstützenswerte soziale Freiheitsbewegungen. Butlers veröffentlichte antisemitische Agitationen gegen Israel belegen darüber hinaus, was aus der Schuld- und Erinnerungsabwehr, also der genuin feministischen Ausprägung des Antisemitismus, in der Postmoderne geworden ist.

Beispielshalber wird an der Australian National University in Canberra über neue Formulierungen für tradierte Bezeichnungen diskutiert. Die Worte „Mutter“ und „Vater“ sollen nicht mehr verwendet, sondern durch geschlechtsneutrale Begriffe ersetzt werden. Aus der Mutter wird „austragendes Elternteil“ und der „Vater“ wird zum „Nicht-gebärenden Elternteil“. Auch „Muttermilch“ soll nicht länger so heißen, sondern durch „Menschliche Milch“ oder „Elternmilch“ abgelöst werden. Mit diesen Neuerungen sollen Eltern der LGBTIQ+-Community nicht länger benachteiligt werden. Unter dem Deckmantel von Gleichstellungspolitik machen Genderforscher ihre Vorschläge für eine geschlechtsneutrale Sprache. Eine Lann Hornscheidt von der Berliner Humboldt-Universität (HU) hat vorgeschlagen, Endungen auf X im Deutschen einzuführen und mit ihnen geschlechtsneutrale Substantive zu schaffen. Statt Professorin oder Professor oder Student und Studentin könnte man etwa von Professx oder Studierx, Plural Professxs und Studierxx, sprechen. Um „Gender-Kompetenz“ zu vermitteln werden einerseits unzählige Diskussionen über Unisex-Toilettentüren und emanzipierten Ampelweibchen angestoßen, aber andererseits schweigen sich dieselben Leute über die Frauenverachtung und Verfolgung in den islamischen Communities und Ländern aus. Über die menschenfeindliche Scharia, über die Steinigungen wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr oder über Auspeitschungen, weil Frauen ihr Haar oder ihr Gesicht nicht verschleiert haben wird in diesen Kreisen ungerne gesprochen.

Mit den Rückgriffen auf die Identität von rechts und vor allem von links sagen sich große Teile der europäischen Gesellschaften vom Universalismus los. Die französische Feministin Caroline Fourest schreibt zu diesem Phänomen:  „Man rebelliert gegen Rihanna wegen ihrer angeblich „afrikanischen“ Zöpfe; man ruft dazu auf, Jamie Oliver zu boykottieren, weil er einen „jamaikanischen Reis“ kreiert hat; in Kanada fordern Studenten die Streichung eines Yogakurses, um sich bloß nicht die indische Kultur „anzueignen“; an amerikanischen Universitäten fahnden sie nach asiatischen Menüs in der Mensa. Indessen weigern sie sich, klassische Werke zu studieren, da diese „beleidigende“ Passagen enthielten.“ Das Buch „Generation Beleidigt“ von Caroline Fourest beginnt mit dem Worten: „Im Mai 1968 träumte die Jugend von einer Welt, in der es verboten ist zu verbieten. Die neue Generation denkt nur daran, zu zensieren, was sie kränkt oder ’beleidigt’.“ Für links-identitäre Aktivisten wird der Islam zur letzten Utopie, der Ersatz für den untergegangenen Kommunismus und für die Entkolonisierung. Der gläubige Muslim übernimmt die Rolle, die einst der Proletarier, die Guerilleros oder die „Verdammten dieser Erde“ spielten. So verraten die „Antirassisten“ mit Klaus Kleber und Judit Rakers die Aufklärung, den Feminismus, den Laizismus, also alles was man mit einer progressistischen Einstellung verbindet.

So geht die größte Gefahr für die liberalen europäischen Demokratien von vermeintlich toleranter Identitätspolitik und seiner Kooperation mit den islamischen Ideologen aus, denn die Ansichten dieser Kreise, die alle demokratischen Prinzipien unterwandern, sind mittlerweile im Mainstream angekommen. Das Denken in kulturellen, religiösen, ethnischen oder sexuellen Gruppenzugehörigkeiten ist ein Rückfall in längst vergangene Traditionen. Identitätspolitik löst mit ihrem einfallslosen Diversitäts-Schematismus keine Probleme. Im Gegenteil, Cancel-Culture mit seiner Tendenz zur Bilder- und Denkmalstürmerei steht gegen zentrale Errungenschaften der westlichen Zivilisation. Der Multikulturalismus der die Gleichheit aller Kulturen propagiert, respektiert so gut wie alle kulturellen Bräuche ganz egal, wie reaktionär und menschenverachtend sie auch sein mögen. So paktiert der Kulturrelativismus mit seiner Forderung eines allumfassenden multikulturellen Bewusstseins mit den Vertretern des Mittelalters. Ob die fanatischen islamischen Gotteskrieger nun vergewaltigen, verschleiern oder enthaupten, in der reaktionären Wahrnehmung der Links-Identitären sind die Menschenfeinde Rebellen, die versuchen, sich selbst zu dekolonisieren.

Bereits 1987 stellt der französische Philosoph Alain Finkielkraut prophetisch in seinem Essay „Niederlage des Denkens“ die Frage, wenn alles Kultur ist, wo bleibt die Universalität des Denkens?  Der Philosoph der Académie française kritisierte also schon vor über 30 Jahren das „Wuchern des Kulturbegriffs“. Die bedingungslose Toleranz gegenüber allen Ausdrucksformen fremder Kulturen steht dem aufklärerischen Prinzip der Universalität und also dem weltweiten Anspruch auf die Einhaltung der Menschenrechte entgegen: „Die Befürworter der multikulturellen Gesellschaft fordern für alle Menschen das Recht auf eine Livree. In ihrem löblichen Wunsch, jedermann seine verlorene Identität wiederzugeben, lassen sie zwei antagonistische Denkschulen aufeinanderprallen: diejenige des Naturrechts und diejenige des historischen Rechts. Und sie präsentieren – o Wunder – als höchste persönliche Freiheit das absolute Primat des Kollektivs: „Den Einwanderern helfen, heißt zunächst einmal sie zu achten, so wie sie sind, so wie sie in ihrer nationalen Identität, ihrer kulturellen Eigenart, ihrer geistigen und religiösen Verwurzelung sein wollen.“

Gibt es eine Kultur da, wo man über Delinquenten körperliche Züchtigungen verhängt, wo die unfruchtbare Frau verstoßen und die Ehebrecherin mit dem Tode bestraft wird, wo die Aussage eines Mannes so viel wert ist wie die von zwei Frauen, wo eine Schwester nur Anspruch auf die Hälfte des Erbes hat, das ihrem Bruder zufällt, wo die Frauen beschnitten werden, wo die Mischehe verboten und die Polygamie erlaubt ist? Die Nächstenliebe gebietet ausdrücklich die Achtung vor solchen Bräuchen. Der Leibeigene muss in den Genuss der Knute kommen können: ihm dies zu nehmen würde bedeuten, sein Innerstes zu verstümmeln, seine Menschenwürde zu verletzen, kurz, Rassismus an den Tag zu legen. In unserer von der Transzendenz verlassenen Welt bürgt die kulturelle Identität für die barbarischen Traditionen, die sich mit Gott nicht mehr rechtfertigen lassen. Der Fanatismus ist unhaltbar, wenn er sich auf den Himmel, unkritisierbar dagegen, wenn er sich auf sein hohes Alter und auf seine Andersartigkeit beruft. [..]

Aus Scham über die Herrschaft, die man so lange über die Völker der Dritten Welt ausgeübt hat, schwört man sich, nicht wieder damit anzufangen und beschließt – gleich als Auftakt – ihnen die Härten der Freiheit nach europäischer Art zu ersparen. Aus Angst, den Einwanderern Gewalt anzutun, verbindet man sie mit der Livree, die die Geschichte ihnen zugeschnitten hat. Um sie so leben zu lassen, wie es ihnen passt, versagt man es sich, sie vor möglichen Untaten oder Missbrauch ihrer jeweiligen Tradition zu schützen. Um die Grausamkeit der Entwurzelung zu mildern, übergibt man sie wehrlos, auf Gedeih und Verderb wieder ihrer Gemeinschaft und schafft es so, die Anwendung der Menschenrechte auf die Menschen des Westens zu beschränken, und das alles in dem Glauben, diese Rechte zu erweitern, wenn man jedem die Wahl lässt, in seiner Kultur zu leben.

Entstanden aus dem Kampf zur Befreiung der Völker, führt der Relativismus zum Lob der Knechtschaft. Heißt das, dass man auf die alten assimilatorischen Mittel zurückgreifen und die Neuankömmlinge von ihrer Religion oder ihrer Volksgemeinschaft trennen muss? Ist die Auflösung jeden Kollektivbewusstseins der Preis für die Integration? Auf keinen Fall. Den Fremden als Individuum zu behandeln, bedeutet nicht, ihn zu verpflichten, alle seine Verhaltensweisen auf die bei den Einheimischen geltenden Lebensformen auszurichten. Man kann die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen in der islamischen Tradition kritisieren, ohne deswegen den muslimischen Einwanderern eine geliehene Livree anzulegen oder die Bindungen an ihre Gemeinschaft zu zerstören. Nur diejenigen, die in Begriffen der kulturellen Identität (und folglich Integrität) denken, meinen, dass zum Überleben des nationalen Kollektivs die anderen Gemeinschaften verschwinden müssen. Der Geist der europäischen Neuzeit dagegen findet sich sehr gut mit der Existenz von nationalen oder religiösen Minderheiten ab, unter der Bedingung, dass diese sich nach dem Vorbild der Nation aus gleichen und freien Einzelpersonen zusammensetzen. Eine solche Forderung hat zur Folge, dass alle Bräuche, die die Grundrechte der Person verhöhnen – auch die, deren Wurzeln weit in die Geschichte zurückreichen – als ungesetzlich erachtet werden.

Unleugbar wirft die Anwesenheit einer wachsenden Anzahl von Einwanderern aus der Dritten Welt in Europa ganz neue Probleme auf. Diese Menschen, die das Elend von zu Hause fortgetrieben hat, und die dazu noch unter dem Trauma der kolonialen Demütigung leiden, können sich von dem Land, das sie aufnimmt, nicht so angezogen fühlen und nicht die Dankbarkeit empfinden, wie zumeist die Flüchtlinge aus Osteuropa. Beneidet um seine Reichtümer, gehasst wegen seiner imperialistischen Vergangenheit, ist ihr Gastland kein gelobtes Land. Eines ist jedoch sicher: wenn man die Abschaffung von Privilegien zum Vorrecht einer Zivilisation macht, wenn man den abendländischen Völkern die Segnungen der individuellen Unabhängigkeit vorbehält und dessen, was Tocqueville „die Gleichheit der Bedingungen“ nennt, befindet man sich auf dem falschen Weg zur Behebung dieser Schwierigkeiten.“

 

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

THICK AS A BRICK

10. Februar 2021

Die britische Rockband Jethro Tull wurde 1967, nach dem englischen Agronomen Jethro Tull (1674–1741), einem Erfinder diverser revolutionärer Verbesserungen in der Landwirtschaft, gegründet – von 1968 bis zum Jahr 2003 veröffentlichte die progressive Rockband 23 Studio- und 10 Livealben. Ian Scott Anderson, geboren am 10.08.1947 im schottischen Dunfermline ist Gründer, Frontmann, Komponist und Texter von Jethro Tull und er brachte die Querflöte ins Rockgenre, erst ab 1967 hatte er sich der Querflöte zugewandt und diese autodidaktisch bis zur Virtuosität erlernt. Königin Elisabeth II. ehrte Ian Anderson zum „Member of the Order of the British Empire“, die Edinburgher Heriot-Watt University verlieh ihm 2006 die Ehrendoktorwürde für Literatur und die Ehrendoktorwürde „Doctor of Letters“ erhielt er 2011 von der University of Abertay Dundee. Ian Anderson hat eine Reihe von Soloalben veröffentlicht, unter anderen  Walk Into Light (1983), The Secret Language Of Birds (2000), Rupi’s Dance (2003), Thick as a Brick 2 (2012) und 2014 sein Alterswerk Homo Erraticus. Das Album Homo Erraticus erzählt über den umherziehenden Menschen,  mit Stücken wie The Turnpike Inn von 8.000 Jahren britischer Geschichte, Chroniken, Prophezeiungen und Offenbarungen.

Musikalisch wird Jethro Tull dem Progressive Rock, teilweise dem Blues- und Folk-Rock, mit Einflüssen aus Klassik, Jazz, Weltmusik und elektronischer Musik zugeordnet. Kennzeichnend für die einzelnen Titel ist eine starke Dynamik, häufige Taktwechsel sowie vielfältige Synkopen und Offbeats. Das unverkennbare Markenzeichen von Jethro Tull ist freilich die einbeinig gespielte Querflöte von Ian Anderson. DIe Texte sind  sozialkritisch, skurril, handeln von alltäglichen Begebenheiten, der explodierenden Weltbevölkerung, handeln von alten Obdachlosen, weißen Männern, gewissen Damen, Atomraketen-Fehlalarmen oder von der Umweltverschmutzung als es noch keine grünen Bewegungen gab. Im Jahr 2012 verließ der langjährige Gitarrist Martin Barre die Band und Florian Opahle aus Rosenheim übernahm seinen Part als Gitarrist. Vor einigen Jahren wurde bei Ian Anderson eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung diagnostiziert, weshalb er bemerkte dass seine Jahre als Sänger gezählt wären.

Das erste Album „This Was“  wurde 1968 von Ian Anderson, Mick Abrahams, Glenn Cornick und Clive Bunker  aufgenommen und war noch sehr bluesorientiert. Stand Up folgte 1969, mit Bourrée einer Adaption der Suite für Laute von Johann Sebastian Bach und dem ersten kommerziellen Erfolg Living in the Past im 5/4-Takt. 1970 erschien das Album Benefit. Auf einen Schlag berühmt wurde Jethro Tull mit dem Album Aqualung  im Jahr 1971, mit  dem Klassiker Locomotive Breath. Das Titelbild von Aqualung zeigt einen alten langhaarigen, bärtigen alten weißen Mann, im langen Mantel vor einem düsteren Hintergrund, auf der Rückseite des Albums sitzt er auf einem Bürgersteig neben einem Hund. Der Titelsong Aqualung ist anfangs rockig, wird dann akustisch um am Ende wieder zum Ursprung zurückzukommen. Die Geschichte handelt von einem zerlumpten Obdachlosen namens Aqualung, der im Winter auf einer Londoner Parkbank sitzt. Wie in Ulysses, dem Roman von James Joyces beobachtet er die jungen Mädchen beim Spiel. Später bückt sich der schwer kranke Aqualung nach einer Zigarettenkippe, das Bein tut ihm sehr weh, um danach mühsam zu einer öffentlichen Toilette zu gehen um sich aufzuwärmen.  Nach seiner Rückkehr setzt er sich wieder auf die Bank, die Heilsarmee bietet ihm heißen Tee an. Als die schielende Mary, die sich der Prostitution mit älteren Männern hingibt, auf ihn zugeht flüchtet er, aus Angst vor Gewalt, die er tagtäglich zu spüren bekommt. Später kehrt er wieder zu seiner Parkbank zurück und beginnt zu sterben. In seinem Sterben atmet er schwer und geräuschvoll, wie ein Tiefseetaucher mit seinem Atmungsgerät und während seiner letzten Atemzüge bricht der Frühling aus. Während die ersten Lieder von Obdachlosikkeit und Armut handeln, beschäftigen sich der zweite Teil mit Gott und Religion (My God, Slipstream und Wind up). Das populärste Stück ist zweifellos Locomotive Breath. Vom Intro einer von John Evans gespielten Klavierpassage wird Locomotive Breath mit einem stampfenden Rhythmus, markanten Gitarrenriffen und der rockig geblasenen Querflöte zu einem der Klassiker der Hardrock-Geschichte.

Ein Mann fährt in dem Klassiker auf einer Dampflokomotive ungebremst seinem Untergang entgegen. Der Protagonist des Stücks ist ein „all time looser“, der von seinen Kindern verlassen (sees his children jumping off at the stations) und von Frau und Freunden betrogen (his women and his bestfriend, in bed and having fun) wurde. Locomotive Breath ist eine Analogie zu dem niemals zu stoppenden Zug des Lebens und die Geschichte vom Konflikt des Menschen mit der Moderne und den dadurch entstehenden wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen. “In schleifendem Wahnsinn des Atmens einer Lokomotive rennt der ständige Verlierer kopfüber in seinen Tod. Er spürt das Stampfen des Kolbens, Dampf bricht aus seiner Augenbraue hervor. Der alte Charlie hat den Griff gestohlen, und der Zug hört nicht mehr auf zu laufen.” Weil  „Old Charlie“ (Gott oder Darwin) den „Griff gestohlen“ hat, ist der Zug außer Kontrolle geraten und: „He has got him by the balls.“ Vordergründig handelt Locomotive Breath vom Sterben des ewigen Verlierers, darüberhinaus ist laut Anderson die unaufhörliche unaufhaltsame Lokomotive eine Metapher für die scheinbar unaufhaltsame Bevölkerungsentwicklung mit der daraus folgenden Migration und der Globalisierung.

1974 halten gewisse „Damen“ in „Warchild“ Ausschau nach Fremden, die sie willkommen heißen könnten, wobei ihre Gefälligkeiten zwar gut gemeint aber gezählt sind. Donald Trump wäre für weniger aus dem Amt gejagt worden. SeaLion ist beeinflusst von Blackpools Umweltverschmutzung, in Blackpool wurde bis in die 1980er Jahre das gesamte Abwasser der Stadt ins Meer geleitet. („Riding dirty grey horse go you and I“). Viel Spaß gibt es noch später, 1989 in Rock Island mit Kissing Willie und weniger Spaß  bei Heavy Water und dem verschmutzten Regen in New York. Einigen süßen Träumen folgte 1980 Fylingdale Flyer mit der Frage ob das Frühwarnsystem für ballistische Raketen, die RAF Fylingdales so sicher ist wie immer behauptet wurde.

Das außergewöhnlichste Album, das alle Rahmen sprengende Meisterwerk von Jethro Tull ist zweifellos Thick As A Brick (Dumm wie Bohnenstroh) aus dem Jahr 1972. „Thick As A Brick“ besteht aus einer einzigen Nummer, dauert über 43 Minuten, ist den damaligen Vinylplatten geschuldet in Part eins und zwei geteilt und geprägt von melodischem Hardrock von Klassik, Folk-Rock- Jazz-Elementen und vielen Tempo und Stilwechseln und nicht zuletzt im Stil von Monty-Python präsentiert. Das Album war 1972 in eine nachgemachte Zeitung verpackt, in die englische Kleinstadtzeitung, St. Cleve Chronicle & Linwell Advertise. Laut den Angaben des Zeitungscovers wurde der gesamte Text von dem achtjährigen Schuljungen Gerald Bostock geschrieben und an die Band gesandt, die daraus das Album machte. Als Sohn braver, kirchentreuer bürgerlicher Eltern, soll der Junge ein dichterisches Talent entwickelt haben und deshalb bekam er den Spitznamen „Little Milton“ nach dem Dichter John Milton. Allerdings habe er schon mit acht Jahren unverständliche und angeblich anstößige Dinge gesagt und sei deshalb in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Der Nachwuchs-Literaturpreis wurde Gerald Bostock wegen des subversiven Inhalts wieder aberkannt, mit der Folge, dass der Preis für kindliche Dichtkunst an ein angepasstes kleines Mädchen vergeben wurde.  In der Zeitung wird über die halbe Blatthöhe der gesamte Text der Platte unter der Überschrift „Thick as a Brick. By Gerald ‚Little Milton‘ Bostock“  abgedruckt. In der Einleitung steht: „… drucken wir hier zum Nachlesen für Jedermann … Gerald Bostocks umstrittenes Gedicht ab, das so viele Kontroversen ausgelöst hat (Der Herausgeber)“.  Gerald Bostock ist freilich eine Kunstfigur, hinter der sich Ian Anderson verbirgt, was die Musiker nicht daran hinderte, nach oder vor Konzerten und auch einige Jahre später über Gerald Bostock als eine reale Person zu sprechen.

Neben der obligatorischen Flöte, den akustischen und elektrischen Gitarren, dem Schlagzeug brilliert Thick As a Brick unter anderem durch Geige, Saxophon, Trompete und einem Streichorchester und der frühreife Gerald Bostock ist der Auffassung: „Es macht mir wirklich nichts aus, wenn ihr bis zum Ende durchhaltet. Meine Worte sind nur ein Flüstern – eure Taubheit ein SCHREI. Vielleicht bringe ich euch zum Fühlen, zum Denken kann ich euch jedoch nicht bringen. Euer Sperma ist im Rinnstein – eure Liebe im Ausguss. So reitet ihr euch also selbst über die Felder und macht jeden Kuhhandel mit und/eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein. Und die Sandburgtugenden sind alte weggespült / in der Zerstörung durch die Gezeiten / im moralischen Durcheinander. Der elastische Rückzug läutet das Ende des Spiels ein, als die letzte Woge die neueste Variante enthüllt. Aber eure neuen Schuhe haben abgetretene Absätze und / eure Sonnenbräune blättert rapide ab und / eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein. Und die Liebe, die ich fühle, ist so weit weg: Ich bin ein schlechter Traum, den ich gerade heute hatte -. und du / schüttelst den Kopf und / sagst: »Schade« Schickt mich zurück durch die Jahre und durch die Tage meiner Jugend. Zieht die Spitzengardinen und die schwarzen Vorhänge zu, und sperrt die ganze Wahrheit aus. Schickt mich zurück durch die langen Zeitalter: Lasst sie die Geschichte erzählen. Sehet! Ein Sohn ist geboren – und wir erklären ihn kampftauglich. Er hat Pickel auf den Schultern, und nachts pinkelt er ins Bett. Wir werden/einen Mann aus ihm machen / ihn ein Handwerk erlernen lassen / ihm beibringen / wie man Monopoly spielt und / wie man im Regen singt. Der Dichter und der Maler werfen Schatten auf das Wasser — während die Sonne auf die Infanterie scheint, die von der See zurückkehrt. Der Tatmensch und der Denker: keine Zugeständnisse an den anderen — und das verblassende Licht erleuchtet das Glaubensbekenntnis des Söldners. Das Feuer im heimischen Herd brennt: Das Wasser im Kessel ist kurz vorm Kochen – aber der Herr des Hauses ist weit weg. Die Pferde stampfen – ihr warmer Atem dampft im schneidenden Frost des frühen Morgens. Und der Dichter hebt die Feder, während der Soldat das Schwert wegsteckt. Und der Jüngste der Familie übernimmt das Kommando. Baut Burgen am Meer und fordert die verspätete Flut heraus, sie alle wegzuspülen. Die Rinder weiden ruhig auf dem Gras unten am Fluss, wo die anschwellenden Gebirgsbäche sich vorwärts zum Meer bewegen: Der Erbauer der Burg greift die uralte Absicht auf und er wägt die junge Melkerin, die anbietet, was er braucht. Die jungen Männer des Hauses / haben alle ihren Dienst angetreten und / sind vor einem Jahr nicht zurückzuerwarten. Der unschuldige junge Herr — die Gedanken rasen immer schneller — hat den Plan gefasst, den Mann zu verändern, der er zu sein scheint. Und der Dichter steckt die Feder weg, während der Soldat das Schwert hebt. Und der Älteste der Familie übernimmt das Kommando. Kommt von Übersee zurück und fordert den Sohn heraus, der ihn in die Flucht schlägt. Was machst du, wenn / der Alte weg ist — willst du an seine Stelle treten? — und / dein wahres Ich das Lied singt. Willst du ihn befreien? Niemand da, der dir hilft, Dampf zu machen — und der Wasserstrudel treibt dich weit vom Kurs ab. SPÄTER  Ich bin von der Oberschicht herabgestiegen, um eure verkommene Lebensart zu korrigieren. Mein Vater war ein mächtiger Mann, dem jeder gehorchte. Also, auf geht‘s, all ihr Kriminellen! Ich muss euch zurechtbiegen. genau wie ich es mit meinem Alten gemacht habe Zwanzig Jahre zu spät. Euer Wasser und Brot wird kalt. Euer Haar ist kurz und adrett. Ich werde euch alte richten und werde verflucht dafür sorgen, dass mich niemand richtet. Du rollst deine Zehen ein zum Spaß, während du jeden anlächelst — du erwiderst die starrenden Blicke. Du bist dir nicht bewusst, dass deine Taten nicht vollendet sind. Und du lachst äußerst unbarmherzig, als du uns erzählst, wie wir nicht sein sollen. Aber wie, meinst du, sollen wir erkennen, wohin wir laufen sollen? Ich sehe dich durch den Gerichtssaal schlurfen mit / deinen Ringen an den Fingern und / deinen flaumigen kleinen Koteletten und / deinen Siberschnallenschuhen. Du spielst den harten Burschen und folgst dem Beispiel des Comichelden, der dich die Regeln zurechtbiegen lässt. So! Auf geht‘s, ihr Kindheitsidole! Wollt ihr euch nicht losreißen von den Seiten eurer Comic hefte/eurer Supergauner/und uns allen den Weg zeigen? Also! Macht euer Testament. Wollt ihr nicht? Werdet Mitglied eurer Stadtverwaltung. Wir werden Superman zum Präsidenten haben / lasst Robin den Tag retten. Du setzt auf die Nummer eins, und sie siegt jedes Mal. Die anderen Kinder sind alle zurück getreten und haben dich an die vorderste Stelle geschoben. Und so fragst du dich schließlich, wie groß du eigentlich wirklich bist — und du nimmst deinen Platz ein in einer klügeren Welt, in der es größere Autos gibt. Und du fragst dich, an wen du dich wenden sollst.

So! Wo zum Teufel war Biggles ‚als du ihn letzten Samstag gebraucht hättest? Und wo waren all die Sportler. die dir immer Halt gegeben haben? Sie ruhen sich alle unten in Cornwall aus — schreiben an ihren Memoiren für eine Taschenbuchausgabe des Pfadfinderhandbuchs. SPÄTER Sehet! Ein Mann ist geboren — und wir erklären ihn friedenstauglich. Eine Last wurde ihm von den Schultern genommen mit der Entdeckung seiner Krankheit. Wir werden / das Kind von ihm nehmen / es testen lassen / ihm beibringen / ein Weiser zu sein / alle anderen reinzulegen. ZITAT Wir werden uns eher nach dem Durchschnittlichen als nach dem Außerordentlichen ausrichten / Gott ist eine überwältigende Verantwortung / Wir gingen durch die Entbindungsstation und sahen 218 Babies, die Nylonstrümpfe trugen / Katzen sind im Kommen / im Kommen? Hipgrave Oh, Mac SPÄTER In den klaren, weißen Kreisen des Morgenzaubers nehme ich meinen Platz ein neben dem Herrn der Hügel. Und die blauäugigen Soldaten stehen leicht verfärbt (in ordentlichen kleinen Reihen), tragen Leinengamaschen. Ihre Suspensorien zwicken, sie schleppen sich zum »Stillgestanden!«, sie stehen in der Bürokantine Schlange um belegte Brote. Sagen: Wie geht’s deiner Oma und/dem guten alten Ernie: Er spuckte für seinen Lottogewinn einen Zehner aus. Die Legenden (formuliert in der uralten Stammeshymne) wiegen sich im Schrei der Möwe. Und all die Versprechungen, die sie gemacht haben, werden unter dem stürzenden Sadisten zermahlen. Der Dichter und der Weise stehen hinter dem Gewehr und geben das Signal zum Morgengrauen. Erleuchte die Sonne. Glaubt ihr an den Tag? Ja? Glaubt an den Tag! Die Morgendämmerung, Schöpfung der Könige, hat begonnen; die zarte Venus (einsame Magd) bringt den Zeitlosen. Glaubt ihr an den Tag? Der verblassende Held ist zur Nachtzurückgekehrt—und hochschwanger mit dem Tag bestätigen die Weisen die Vorahnungen des Dichters. Glaubt ihr an den Tag? Ja? Glaubt an den Tag! Lasst mich euch die Geschichten eures Lebens erzählen / von eurer Liebe und den Messerstichen / von der unaufhörlichen Unterdrückung/vom eingetrichterten Wissen / vom Verlangen, zu töten oder getötet zu werden. Ich singe euch von den Verlierern, die auf der Straße liegen, wenn der letzte Bus vorbeifährt. Die Bürgersteige sind leer: Die Rinnsteine färben sich rot — während der Narr seinem Gott im Himmel zuprostet. Also, auf geht‘s, all ihr jungen Männer, die ihr Burgen baut! Sagt uns freundlicherweise die Jahreszeit an, und vereint eure Stimmen in einem höllischen Refrain. Schildert die genauen Merkmale eurer Angst. Lasst mich euch helfen, eure Toten aufzulesen, da die Sünden der Vorfahren / mit dem Blut der Narren und / mit den Gedanken der Weisen und / aus dem Topf unter deinem Bett gefüttert werden. Lasst mich euch ein Geschenk aus Gesang machen, während / der Weise aufstößt und verschwindet / der Narr mit der Sanduhr sich selbst den Garaus macht und / der Kinderreim weiterleiert. Also, auf geht‘s, all ihr jungen Männer, die ihr Burgen baut! Sagt uns freundlicherweise die Jahreszeit an, und vereint eure Stimmen in einem höllischen Refrain. Schildert die genauen Merkmale eurer Angst. Sehet! Der Sommerblitz wirft seine Strahlen nach euch, und die Stunde des Jüngsten Gerichts nahet. Wärt ihr lieber/der Närrin seiner Ritterrüstung oder/der Weisere, der sich aus dem Staub macht? So! Auf geht‘s, ihr Kindheitsidole! Wollt ihr euch nicht losreißen von den Seiten eurer Comichefte / eurer Supergauner und uns allen den Weg zeigen? Also! Macht euer Testament. Wollt ihr nicht? Werdet Mitglied in eurer Stadtverwaltung. Wir werden Superman zum Präsidenten haben/lasst Robin den Tag retten. So! Wo zum Teufel war Biggles als ihr ihn letzten Samstag gebraucht hättet? Und wo waren all die Sportler, die euch immer Halt gegeben haben? Sie ruhen sich alle unten in Cornwall aus — schreiben an ihren Memoiren für eine Taschenbuchausgabe des Pfadfinderhandbuchs. NATÜRLICH So reitet ihr euch also selbst über die Felder und / macht jeden Kuhhandel mit und / eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein.“

Angesichts der heutigen Probleme die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren bräuchte es einerseits einen neuen Jethro Tull und andererseits die Erkenntnis dass die Migrationskrise auch mit der Bevölkerungsexplosion in Afrika zu tun haben könnte.  Die Oberhäupter so mancher Weltreligion propagieren noch immer, so viele Kinder wie möglich zu zeugen und die Politik hat keine Strategie, wie wir unsere Gesellschaften langfristig gestalten könnten. „Die Regulierung der Einwanderung ist längst nicht mehr nur ein Thema der radikalen Rechten. Anders als vielleicht 1950 können wir 2015 allenfalls eine kontrollierte und moderate Immigration zulassen. Die 10 000 Menschen, die zurzeit wöchentlich das Mittelmeer Richtung Italien überqueren möchten, werden von falschen Hoffnungen angezogen und wollen keineswegs in Italien bleiben. Unser Premierminister wiederum versucht sich in einem doppelten Spiel. Er will den Humanitären geben und verspricht, die Royal Navy zu schicken, um die Flüchtlinge zu retten. Aber er wird sie nicht ins Vereinigte Königreich lassen, denn er will eine Wahl gewinnen. Wir sollten jetzt ein Schild ans Hotelfenster hängen, auf dem „alles belegt“ steht“ sagte Ian Anderson in einem Interview vor ein paar Jahren. Anderson bezeichnet sich selbst als einen „mildtätigen Kapitalisten“ und einen „pragmatischen Sozialisten“: „Niemand sollte mehr als eine Million Pfund im Jahr verdienen, sonst wird es obszön. Und wenn doch, muss er es abgeben. Am besten dem Finanzamt.“ In seinem letzten Album „Homo Erraticus“ lässt Anderson nochmals sein Alter Ego Gerald Bostock zu Wort kommen. Nach rund 40 Jahren greift der verhinderte Lyriker Gerald Bostock wieder zur Feder, der „herumirrende Mensch“ bezieht sich auf ein angeblich aufgestöbertes Manuskript. Das Manuskript stammt von einem Ernest T. Parritt, der sich einst als Soldat der britischen Armee in Indien mit Malaria infizierte. In seinem fiebrigen Delirium war er davon überzeugt, seit Jahrtausenden schon viele, teilweise prominente Leben gelebt zu haben und in der Zukunft noch zu leben hat. So untersucht Parritt auf Homo Erraticus Schlüsselereignisse der britischen Geschichte mit Bezügen zu Prophezeiungen bis heute und in die Zukunft. Das einzige existierende Exemplar des Manuskripts geriet in die Hände von Gerald Bostock, der es dichterisch vor dem thematischen Hintergrund der Verdoppelung der Bevölkerung in Afrika und der damit einhergehenden Migration mit Stücken wie Doggerland, Cold Dead Reckoning, After These Wars, The Browning of the Green, New Blood, Old Veins oder Heavy Metals verarbeitete.

So reitet ihr euch also selbst über die Felder und macht jeden Kuhhandel mit und eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein.

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

In memoriam Arik Brauer

27. Januar 2021

Arik Brauer wurde am 4. Januar 1929 in Wien geboren, er war Maler, Bühnenbildner, Sänger und Zeitzeuge des Nationalsozialismus. Arik Brauer gilt als der Hauptvertreter der Wiener Schule des Phantastischen Realismus.  Sein geliebter Vater war ein jüdischer Schuhmacher, der in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager in Riga ermordet wurde. Aufgewachsen ist der Jude Brauer, der nie gläubig war, in dem Wiener Arbeiterbezirk Ottakring. 1938, mit dem Anschluss Österreichs endete seine unbeschwerte Kindheit, er trug damals noch den Vornamen Erich, als jüdisches Kind wurde er geschlagen als „Judengsindl“ beschimpft und nur mit Glück überlebte er, untergetaucht in bitterer Armut, in Wien in einem Schrebergarten. Ab dem Jahr 1944 musste er als Kind bis er untertauchte Zwangsarbeit verrichten, in der Zeit wurde er einmal für wenige Minuten von einer Nationalsozialistin versteckt und gerettet, was er in vielen Interviews, die Brauer bis zuletzt gab, erzählte. Brauer verschwieg auch nicht, dass es Frauen gab, ausschließlich Frauen, die ihm, als er den Judenstern tragen musste, Brot unter den Augen der SS zusteckten, was eine „lebensgefährliche Sache“ war. Brauer ging ohne jede Verdrossenheit aus dem Schrecken hervor:. „Ich bin auf die Butterseite des Lebens gefallen, sonst wäre ich ja schon lange tot. Warum soll ich da bitter sein?“

In den österreichischen Medien wurde Brauer stets als Universalkünstler und wichtiger Zeitzeuge gewürdigt, weil er ehrlich, differenziert und ohne Verbitterung die Geschehnisse erzählen konnte. Nach der Befreiung durch die Rote Armee engagierte sich Arik Brauer in der kommunistischen Jugend Wiens, enttäuscht verließ er nach wenigen Jahren die KPÖ und ging nach Israel und trat mit seiner Schwester als Tänzer auf. In Israel lernte er seine Frau Naomi kennen. Zuvor reiste er mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika und danach zog er mit seiner Frau nach Paris, wo das Paar als israelisches Gesangsduo den Lebensunterhalt verdiente.

Bereits in Paris hatte Brauer seine erste Ausstellung und 1964 kehrte das Paar nach Wien zurück, wo die „Phantastischen Realisten“ bereits große Bekanntheit hatten. Von H. C. Artmann ermutigt veröffentlichte Arik Brauer nun seine im Dialekt gesungenen Lieder. Der  linke Liedermacher sang im Dialekt, weil das „die Sprache der Arbeiterklasse“ ist. Mit Liedern wie „Sein Köpferl im Sand“ erreichte er ein großes Publikum und zweimal Gold. Das „beinharte Protestlied“, das sich „nicht gegen eine bestimmte Gruppe“ sondern gegen Jedermann richtet, der sich betroffen fühlt ist heute aktueller denn je. Arik Brauer war schon Umweltschützer als es die grünen Bewegungen noch nicht gab. Später im Dezember 1984 war er bei den Protesten gegen das Kraftwerk Hainburg in der Auseinandersetzung um die Stopfenreuther Au an vorderster Front dabei.

Die Begegnungen mit eigentümlichen Menschen in seiner Kindheit waren Thema seiner Lieder wie auch seiner Bilder. Ein einbeiniger Spiritus trinkender Alkoholiker im Keller seines Wohnhauses oder ein Mann, der als Attraktion im Park Frösche mit einer Flasche Wasser geschluckt und lebendig wieder hervorgebracht hat. Arik Brauers Ölbilder leuchten von den Wänden der wichtigsten Museen dieser Welt. Auf seinem Bild, „Mein Vater im Winter“ von 1983/84 ist sein geliebter Vater in einem blau zerfließenden Mantel mit übergroßer gelber Sternblüte einsam und verloren in einer surrealen Eiswüste vor den rauchenden Schornsteinen von Krematorien zu sehen. Seine oftmals sozialkritischen Bilder erzählen vom Alten Testament, von versklavten Frauen  oder eben seinem Vater mit dem Judenstern. Arik Brauer, der sich als „Feminist“ bezeichnete schuf mehr als 2000 Bilder und erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen dafür. „Wenn die Leute im Elend sind, entwickeln sie eine ungeheure Fantasie“, meinte Brauer über den Ursprung seiner Kreativität.

Brauer lebte abwechselnd in Wien und im israelischen Künstlerdorf Ein Hod. Bereits  2008 gehörte Arik Brauer zu den Erstunterzeichnern der Petition von „Stop the bomb“ gegen die Geschäfte mit dem iranischen Regime. Im selben Jahr hat er auf den Podiumsdiskussionen „Der Iran & die österreichische Erinnerungspolitik 70 Jahre nach dem Novemberpogrom“ im Jüdischen Museum Wien ein leidenschaftliches Plädoyer dafür gehalten, die aktuellen Bedrohungen Israels ernst zu nehmen. Die Aktualität von „Sein Köpferl im Sand“ wird tagtäglich dadurch bewiesen, dass viel zu wenige gegen die Delegitimierungen und Dämonisierungen des Staates Israel protestieren und zu den tagtäglichen islamfaschistischen Bedrohungen und Mordtaten der fanatischen Gegner Israels schweigen.

Arik Brauer hatte nie Angst eindeutig Stellung zu beziehen.  In einer Diskussionsrunde im Jahr 2018 mit Altbundespräsident Heinz Fischer und dem Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka, sagte Brauer zur sogenannten „Liederbuch-Affäre“, einer Auseinandersetzung über antisemitische Lieder in den Liederbüchern studentischer Verbindungen, dass er sich nicht vor den Burschenschaftern mit den Säbeln fürchte, sondern das Problem in der Einwanderung antisemitischer Flüchtlinge aus dem arabischen Raum sehe. Zur skandalösen Textpassage, die in einem Gesangsbuch einer Burschenschaft gefunden wurde, sagt Brauer: „Dieses Lied wäre gefährlich, wenn es viele Menschen singen würden.“ Arik Brauer hat noch miterlebt, wie hunderttausend Leute am Wiener Heldenplatz „Juda verrecke“ schrien. In den Dreißigerjahren und auch schon davor, sei „jeder normale Mensch ein Antisemit gewesen. Wenn mich einer umbringen will, dann sicher nicht einer dieser Fechter.“ Für Brauer ist die Einwanderung Grundursache für das Aufkommen von rechtem Gedankengut in jeder Hinsicht. „Es gibt eine Viertelmillion Araber, die uns lieber unter der Erde oder am Grund des Mittelmeers sehen wollen. Von denen gibt es viele, die hier einwandern.“ Für Brauer waren 95 Prozent der Araber solche Antisemiten, „er nehme das aber gar nicht persönlich“, denn „sie wurden so erzogen und vielleicht würde ich das an ihrer Stelle auch so sehen.“

In den 1960er Jahren erhielt Brauer für seine Protestlieder im Wiener Dialekt Todesdrohungen. Vergessen oder aufgeben war für Brauer nie eine Option.  Arik Brauer war Realist, er nahm die positiven Veränderungen in Österreich und in Deutschland zur Kenntnis, steckte aber sein „Köpferl nie in den Sand“ und sah was vor ihm und hinter ihm vor sich ging und er roch und hörte von wo her der gefährliche Antisemitismus  und durch welche Gasse der Hass und die Bedrohung gegen Israel kam. Trotzdem war der Kosmopolit Arik Brauer ein Versöhner, ein Versöhner allerdings, der jederzeit Klartext sprach. Die wichtige Stimme des Zeitzeugen Arik Brauer wird in Zukunft fehlen.

Arik Brauer starb am 24. Januar 2021 im Kreis seiner Familie. Seine Frau Noemi und die Töchter, überlieferten seine letzten Worte: „Ich war so glücklich mit meiner Frau, mit meiner Familie, mit meiner Kunst und meinem Wienerwald. Aber es gibt eine Zeit, da lebt man, und es gibt zwei Ewigkeiten, da existiert man nicht.“

 

Gleichzeitig veröffentlich bei Fisch &Fleisch

Zum 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt

16. Januar 2021

Vor wenigen Tagen wäre der große Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt 100 Jahre alt geworden. Am 5. Januar 1921 wurde Friedrich Dürrenmatt in Konolfingen, einem Dorf im Kanton Bern, geboren. Sein Vater, Reinhold Dürrenmatt, war bis 1935 Pfarrer dieser Gemeinde. In Bern besuchte Friedrich Dürrenmatt das Freie Gymnasium und danach das Humboldt-Gymnasium. Ab 1942 studiert Dürrenmatt Naturwissenschaften, Germanistik und Philosophie und er beginnt zu schreiben. 1945 schreibt er sein erstes Drama “Es steht geschrieben”, das am 19. April 1947 in Bern uraufgeführt wird.

Während des Krieges beteiligte sich Dürrenmatt für kurze Zeit, vermutlich aus spätpubertärem Protest gegen den Vater,  bei den rechten „Frontisten.“ Dazu Dürrenmatt: „Unfähig, seinem Glauben ein rationales Weltbild entgegenzusetzen, wählte ich den Weg ins Irrationale.“ Dürrenmatt war ein politischer Schriftsteller, wobei sich der freie Geist nie auf eine politische Linie festlegen ließ. Dürrenmatt sympathisierte zeitweise mit dem Sozialismus, kritisierte stets den Kommunismus der Ostblockstaaten und wehrte sich gleichzeitig gegen den hysterischen Antikommunismus zu Zeiten des Kalten Krieges. „Der Kommunismus ist ein Vorschlag, die Welt vernünftiger einzurichten, ein Vorschlag zur Weltveränderung, den wir durchzudenken und, erkennen wir ihn als vernünftig, durchzuführen haben.“ Aus seiner Unterstützung für Israel machte Dürrenmatt nie ein Hehl, was ihm Anfeindungen aus linken und rechten Kreisen einbrachte.

Mit der Komödie „Romulus der Große”, uraufgeführt 1949, gelingt Dürrenmatt sein erster Erfolg bei Publikum und der Theaterkritik. Die Farce stellt den letzten weströmischen Kaiser Romulus ins Zentrum, der sich den nationalistischen Tugenden verweigert, der nicht heldenhaft in den Untergang gehen will, sondern den anstürmenden Feinden mit Sympathie entgegenkommt. Als die Germanen am Ende Rom besiegten sieht Romulus ein, falsch gelegen zu haben, sein Plan ist gescheitert und er geht in Rente.

Dürrenmatts erster Kriminalroman “Der Richter und sein Henker” erscheint 1950 und ein Jahr später “Der Verdacht.”  Rachedurst, Doppelmoral, Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne, die Apokalypse durch die atomare Bedrohung waren die Themen des Schweizers, der seine Texte oftmals mit schwarzem Humor bis hin zur Groteske zeichnete.

In „Der Tunnel“ einer klassischen Kurzgeschichte von 1952, fährt ein „Brasil 10“ rauchender Student in einem Zug, im fällt auf, dass der Zug ungewöhnlich lange durch einen eigentlich sehr kurzen Tunnel rast. Während er immer unruhiger und der Zug immer schneller wird, beschwichtigen ihn der Schaffner und die Mitreisenden. Der Zug wird immer noch schneller und der Tunnel hört nie auf. Zum Schluss sieht der Student dem kommenden Tod furchtlos ins Auge. „Was sollen wir tun“ fragt der Zugführer? „Nichts“ antwortet der Student.

Das Drama „Der Besuch der alten Dame“, das 1956 uraufgeführt wird, macht Dürrenmatt weltberühmt. Die verratene Claire Zachanassian, eine ehemalige Mitbürgerin des Städtchens Güllen macht den verarmten Einwohnen ein unmoralisches Angebot: Sie bietet der Gemeinde und den Einwohnern eine Milliarde, dafür, dass diese einen aus ihren Reihen umbringen, den Mann der sie verleumdet und ihr schweres Unrecht  angetan hat. Zunächst lehnen die Bewohner entrüstet ab und später knicken alle nach und nach doch ein. Es folgten “Frank der Fünfte” (1959), “Die Physiker” (1962), “Der Meteor” (1966) und viele weitere sehr erfolgreiche Stücke.

Eines seiner bekanntesten politischen Stücke Dürrenmatts war „Die Physiker“, das Gegenstück zu Brechts „Leben des Galilei.“  Drei Physiker begeben sich freiwillig ins Irrenhaus weil einer von ihnen die Formel zur Vernichtung der Welt erforscht hat. Die drei Physiker ermorden im Irrenhaus ihre Krankenschwestern um ihr Geheimnis zu bewahren. Die einzig wahre Verrückte im Irrenhaus aber ist die Leiterin Mathilde von Zahnd, die sämtliche Aufzeichnungen längst kopiert hat. Die großartige Schauspielerin Therese Giehse verkörperte bei der Uraufführung in Zürich die Mathilde von Zahnd, Dürrenmatt hat für Sie die Rolle umgeschrieben. Die Erkenntnis der „Physiker“ lautet: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden.“

Dürrenmatt veröffentlichte viele politische Texte in Zeitschriften und in seinen Büchern und der Schweizer hielt Reden zu aktuellen politischen Themen. Friedrich Dürrenmatt war ein großer Freund Israels, wie ein einsamer Rufer in der Wüste hielt er eisern daran fest, Israel sei „notwendig wie kein anderer Staat, eine gerechte Sache, die nur noch ideologisch, nicht mehr existenziell angezweifelt werden kann.“ Der Staat Israel, so Dürrenmatt, existiere zwar, aber viele wären froh, „wenn er nicht wäre, auch jene wären glücklich über seine Nichtexistenz, die seine Existenz bejahen.“ Zwei Jahre vor Jean Amérys Essay „Der ehrbare Antisemitismus“ veröffentlichte Friedrich Dürrenmatt 1967 den Text „Israels Lebensrecht“, darin beginnt er: 

„Es gibt den jüdischen Staat, weil es Hitler gab. Der Grund dieses Staates liegt in Auschwitz, in den Vernichtungslagern, doch liegt er nicht nur in unserer Zeit, er liegt in den Judenmetzeleien, in den Pogromen und Schikanen der Vergangenheit, er liegt im Christentum, das im Juden den Christusmörder sah, er liegt im Ressentiment, im Rassendünkel und im Fremdenhass aller Zeiten, er liegt aber auch bei den Gleichgültigen, den Allzuvorsichtigen, den Neutralen, er liegt bei uns, die wir statt eines Herzens einen Rothmund besaßen, kurz, der Grund liegt in den Demütigungen, Verfolgungen und Leiden, die den Juden immer wieder zum Juden stempeln und formten.

Der jüdische Staat ist aus einem Naturrecht heraus geboren, aus einem Recht der Geächteten auf eine Heimat, die ihnen die Freiheit wiedergibt und ihre Ächtung löscht, auf eine Heimat, die – da die Juden überall, wo sich niederließen, gezeichnet waren — nur die Urheimat sein konnte: Israel. Aus solchem Recht entstanden, braucht der jüdische Staat keine andere Begründung seiner Existenz, seinen Grund bildet nicht irgendeine Machtkonstellation, seine Existenz ist mit einem Axiom der Menschlichkeit hinreichend begründet.  (..) Der Antisemitismus installiert sich wieder, schon wagt man es selbst im Sicherheitsrat, mit der Bibel gegen Juden zu argumentieren, schon finden seine Pogrome statt. … “ Am Ende des Textes kritisiert Dürrenmatt noch Bertolt Brecht der sich „zum Kommunismus“ bekannte und „in der DDR wirkte“ und zum Antisemitismus seines Landes ohrenbetäubend schwieg.

Dürrenmatts eindeutiges Statement, insbesondere in kritischen Situationen,  zu Israel lässt sich, neben vielen anderen, zu Beginn des Jom Kippur-Krieges schrieb er in der NZZ „Warum ich mich hinter Israel stelle“, in seinen Essays „Zusammenhänge“ und „Nachgedanken“, die 1976 erstmals erschienen sind, nachlesen. Dort beschreibt er seine Israelreise, die er 1974 mit seiner ersten Frau unternahm, im Jahr nach dem Jom Kippur-Krieg. Wegen seiner Freundschaft zu Israel wurde er eingeladen, an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva eine Vorlesung zu halten.

In „Zusammenhänge“ schreibt Dürrenmatt beispielshalber: „Ich, der ich sonst für keinen Staat besonders eintrete, der ich sonst über Staaten nicht gerade zimperlich denke und über den Nationalismus ausgesprochen bösartig, stehe für Israel ein, weil ich diesen Staat für notwendig halte. (…) Die Vernichtungslager, wo jüdisches Volk unterging, ohne sich zu wehren, und der Aufstand des Warschauer Ghettos, wo jüdisches Volk vernichtet wurde, indem es sich wehrte, diese zwei fürchterlichen Möglichkeiten, die einem Volk am Ende bleiben, forderten, damit sie sich nicht wiederholen, den jüdischen Staat. Der Wahnsinn erzwang seine Existenz, sicher, die Opfer dieses Wahnsinns errichteten ihn, den Überlebenden zum Vermächtnis, damit das Opfer nicht vergeblich gewesen sei, wer zweifelt daran. Darum lebt denn dieser Staat nicht nur aufgrund seiner Ideologie, nicht nur auf Grund des Zionismus, nicht nur auf Grund einer Gedankenkonstruktion, die, so genial sie auch wäre, doch nur eine Gedankenkonstruktion bliebe – denn auch dem folgerichtigsten Gedankengebäude kommt  nicht notwendigerweise Existenz zu – ,sondern auch auf Grund einer grausamen Notlage, mehr noch, auf Grund der schrecklichen Unzulänglichkeit dieser Welt,  auf Grund ihrer Anfälligkeit dem Unvoraussehbaren gegenüber: einen erhabeneren Grund, einen Staat zu gründen, mag es geben, einen notwendigeren nicht.“ (..) Darum offenbar, viel entscheidender als der oberflächliche Einfluss der marxistischen Lehre auf den Nahen Osten, stellt sein Konflikt mit dem jüdischen Staat die Auseinandersetzung des Islam mit der Moderne dar, mit einem Neuen, das er im jüdischen Staat verwirklicht sieht. (..) Der Terror dient Arafat dazu, vor der Weltöffentlichkeit recht zu bekommen, die wiederum wünscht, dass Arafat recht habe, um endlich von ihrem schlechten Gewissen den Juden gegenüber befreit zu werden; vor der UNO hat Arafat schon recht bekommen, nächstens wird die Meinhof dort sprechen.“

Friedrich Dürrenmatt bekämpfte wie Jean Améry bereits Ende der 1960er Jahre den israelbezogenen Antisemitismus. Wer seine Reden, Essays, Aufsätze und Bücher nachliest, wird mit schockierenden Aktualitäten konfrontiert. Viele „ehrbare“ Antisemiten nahmen es den Juden nach dem 6-Tage-Krieg und dem Jom-Kippur-Krieg übel, dass die Juden wieder einmal überlebt hatten. Zu gern hätte man sich mit ein oder zwei Millionen toter Juden solidarisiert, die Opfer an die Brust gedrückt und ihnen ein paar Gedenkbücher, Mahnmale und Dokumentarfilme gewidmet.

Vor über dreißig Jahren, am 14. Dezember 1990 starb Friedrich Dürrenmatt in Neuchâtel im Alter von 69 Jahren.

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Geschichte des linken Antisemitismus

9. Januar 2021

Vor gut fünfzig Jahren, am 7. Dezember 1970 fiel Bundeskanzler Willy Brandt am Warschauer Ghetto-Mahnmal auf die Knie.  Der Kniefall vor dem jüdischen Widerstand war wichtig für die neue und gute Ostpolitik, aber die systematische Judenverfolgung hat bei Brandt  kaum Beachtung gefunden. Noch am 1. Januar 1939 schrieb Brandt im norwegischen „Telegraf og Telefon“: „Der Kampf gegen die jüdischen Kapitalisten ist das Einzige, was vom antikapitalistischen Programm des Nazismus übrig geblieben ist.“ Wie wenig Wert der Kniefall von Warschau hatte zeigte sich nach dem arabischen Überfall, während des Jom-Kippur-Krieges, im Oktober 1973, als Israel einem zweiten Holocaust so nahe war wie nie, verweigerte die Regierung unter Willy Brandt Waffennachschublieferungen durch die USA über deutschen Boden.

Anfang 2010 hielt Shimon Peres, der damalige Präsident Israels, im Bundestag eine beeindruckende Rede zum Gedenktag zur Befreiung des KZ-Auschwitz. Peres erzählte unter anderem wie es war, als er seinen Großvater, der von den Nazis ermordet wurde, das letzte Mal sah. Am Ende erhoben sich die Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen, nur drei von der Linkspartei, Sarah Wagenknecht, Christine Buchholz und Sevim Dagdelen blieben sitzen. Die drei Frauen der Linkspartei waren davon überzeugt Shimon Peres hätte seine Rede zur ideologischen Vorbereitung auf einen Krieg gegen den Iran genutzt und er hätte den Iran mit Nazideutschland geleichgesetzt. Wagenknecht meinte darüber hinaus sie könne „einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, einen solchen Respekt nicht zollen.“

Der SPD Wahlkämpfer Günter Grass halluzinierte 2012 in einem Gedicht „mit letzter Tinte“, dass die „Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet.” Jakob Augstein, der Herausgeber des antizionistischen „Freitag“  sprang seinem Kameraden bei und verschärfte die Hetze in diversen „Im Zweifel links“ – Spiegel-Kolumnen und verdiente sich so den 9. Platz auf der jährlichen Antisemitismus-Liste des Simon Wiesental Centers. In derselben Liga spielte zeitgleich die „bekennende Israel-Hasserin“ und „Adorno-Preisträgerin“ Judith Butler, sie rief mehrfach zum Boykott gegen Israel auf und bezeichnete die islamfaschistischen Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen.

„Friede heißt für uns Zerstörung Israels. Wir stellen uns auf einen totalen Krieg ein, einen Krieg, der Generationen hindurch dauern wird. Seit im Januar 1965 die Al-Fatah geboren wurde, sind wir der gefährlichste Feind Israels geworden. .. Wir werden nicht ruhen bis zu dem Tag, an dem wir in unsere Heimat zurückkehren und an dem Israel vernichtet ist“ agitierte einstmals der Judenmörder und PLO-Führer Yasir Arafat. Auf ihrem Bundeskongress haben sich im November 2020 die Jusos mit Arafats antisemitischer Fatah-Jugend solidarisiert und  zur „Schwesterorganisation“ erklärt. Bereits im November  2012 stellte die damalige Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles „gemeinsame Werte“ und eine „strategische Partnerschaft“ zwischen den Terroristen der Fatah und der SPD fest.  Nach einem Besuch in Israel ließ der der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seiner „Israelkritik“ freien Lauf und schrieb auf seiner Facebookseite am 14. März 2012: „Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“ Der ehemalige Parteivorsitzende der Labour Party Jeremy Corbyn, bezeichnete die Judenmörder von Hamas und Hisbollah als seine Freunde und unterstützte den pauschalen Boykott Israels.

Eine Kleine Anfrage im Bundestag am 20.4.2013 der Fraktion „Die Grünen“ lautete: „Könnten sie etwa Richtlinien erlassen, wonach Produkte aus israelischen Siedlungen beispielsweise als „Westjordanland (israelische Siedlungen)“ gekennzeichnet werden müssten?“  Die beinahe wortgleiche Anfrage stellte die Fraktion der NPD bereits im November 2012 im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

In linken, „antirassistischen“, linksliberalen und grün-alternativen Medien, Parteien und Zirkeln wird seit den 1960er Jahren der Staat Israel in unzähligen Artikeln und Reportagen gnadenlos dämonisiert und delegitimiert, so agitierte beispielshalber im Oktober 1973 der „Arbeiterkampf“: „Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung, des Zionistischen Staates“ und  Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“ titelte der „Rote Morgen“ (KPD/ML) am 23.11.1974 und die „Autonome Nahostgruppe Hamburg“ meinte 1989: „der Zionismus  – „der Feind aller Menschen.“

Woher kommt dieser linke, beinahe religiöse Hass auf Juden und auf den Staat Israel? Warum gehört der Antizionismus zur Linken wie die Enthauptung von „Ungläubigen“ zum Islam? Warum ausgerechnet Israel? Was sind die Wurzeln, die Beweggründe, die Ursachen des linken Antisemitismus?

Die Aufklärung und seine judenfeindliche Tendenz

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als die Juden das Ghetto verließen wurde der Widerspruch zwischen Zukunftserwartung und sozialer Wirklichkeit zur Quelle jüdischen Unbehagens und antijüdischer Anfeindung. Krieg, Revolution und gesellschaftliche Umwälzungen wurden einer jüdischen Unterwanderung zugeschrieben. Antisemitische Agitatoren aus Deutschland und Russland verstärkten den traditionellen Antisemitismus, der im Holocaust gipfelte. Nachzulesen ist dies alles in Léon Poliakovs  achtbändiger „Geschichte des Antisemitismus“. Im fünften Band des Standardwerkes behandelt Léon Poliakov die Aufklärung und seine judenfeindliche Tendenz. Voltaire hielt die Juden für eine „minderwertige Menschenart und die allergrößten Lumpen, die die Oberfläche der Erde besudelt haben“. Carles Fourier der französische Frühsozialist, war ein Antisemit, der die Juden als Parasiten bezeichnete, deren Emanzipation „der beschämendste  aller gesellschaftlichen Fehler“ gewesen sei. Der „Zinskritiker“ Pierre Joseph Proudhon, ebenfalls ein Frühsozialist verlangte, alle Juden aus Frankreich zu vertreiben. Der russische Anarchist Michail Bakunin nannte die Juden eine „ausbeuterische Sekte, ein blutsaugendes Volk, alles verschlingende Parasiten die einander fest verbunden sind.“ Adorno und Horkheimer sprechen in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ von „instrumenteller Vernunft“ und schreiben: „Es gibt keinen genuinen Antisemitismus, gewiss keine geborenen Antisemiten. Die Erwachsenen, denen der Ruf nach Judenblut zur zweiten Natur geworden ist, wissen so wenig warum, wie die Jugend, die es vergießen soll. Die hohen Auftraggeber freilich, die es wissen, hassen die Juden nicht und lieben nicht die Gefolgschaft. Diese aber, die weder ökonomisch noch sexuell auf ihre Kosten kommt, hasst ohne Ende; sie will keine Entspannung dulden, weil sie keine Erfüllung kennt.“

Der Antisemitismus hat sich über die Jahrhunderte stets gewandelt und sich den entsprechenden Zeiten angepasst. Es war Karl Marx (1818-1883) der mit seiner Kritik an der politischen Ökonomie die verkürzte Kapitalismuskritik, die antisemitische „Zinskritik“ der Frühsozialisten demaskierte. Beispielsweise im 3. Band des „Kapitals“ macht Marx Proudhon wegen seiner Zinskritik lächerlich. Marx untersucht den Kapitalismus ganzheitlich, er entpersonalisiert ihn und trennt nicht zwischen „gutem“ Produktionskapital und „schlechtem“ Finanzkapital. In seiner kaum gelesenen Frühschrift „Zur Judenfrage“ übernimmt Marx freilich noch kritiklos die zeitgenössischen judenfeindlichen Stereotype, für seine politischen und philosophischen Zwecke ohne sie als Zitate kenntlich zu machen. Die Wurzeln des linken Antisemitismus, des antisemitischen Antizionismus, des heutigen „ehrbaren Antisemitismus“ sind deshalb zweifellos nicht bei Karl Marx, sondern in erster Linie bei Lenin, Kautsky und später bei Stalin zu suchen.

Grundstrukturen der Leninschen antizionistischen Ideologie

Für die Legitimation seiner antizionistischen Propaganda nach dem Zweiten Weltkrieg verwies der kommunistische Ostblock oftmals darauf, dass Wladimir Iljitsch Lenin in seiner Auseinandersetzung mit dem Sozialdemokratischen Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund schon 1903  die Idee eines jüdischen Volkes als „reaktionär“ und den Zionismus als die volksfeindliche und nationalistische „Losung der Bourgeois und Rabbiner, die Losung unserer Feinde“ entlarvt habe.

Im zaristischen Russland lebten um das Jahr 1900 rund 5,2 Millionen Juden,  gut 4 Prozent der Bevölkerung und fast der Hälfte der Weltjudenheit. Das damalige Russland hatte als einzige europäische Großmacht die Juden nicht emanzipiert, sondern im Gegenteil die diskriminierende Gesetzgebung stets verschärft. Juden war der Zugang zu Gymnasien und Universitäten beschränkt, ihre Ansiedlung auf dem Land war wegen der „Ausbeutung der Bauern“ verboten, vom Staatsdienst und der städtischen Selbstverwaltung wurden sie ebenfalls ausgeschlossen. Lange Arbeitszeiten, entsetzliche Wohnverhältnisse und Armut bildeten die Lebensbedingungen der jüdischen Massen  in ihrem „sozioökonomischen Ghetto.“ Die rechtliche Diskriminierung, wachsender Antisemitismus und Trennung der Lebenssphären von Juden und Nichtjuden beförderten die Ausbildung der jiddischen Kultur und eine verstärkte „nationale“ Orientierung innerhalb der jüdischen Bevölkerung. [1]

Zwischen 1917 und 1921 kam es in Russland zu 1236 Pogromen in 530 Städten und Schtetls, bei denen 60.000 Juden ermordet wurden und eine halbe Million Juden ihr Heim und ihre Habe verlor. Viele hunderttausend Juden wurden unter den Zaren nach Sibirien vertrieben, zwischen 1880 und 1914 verließen rund zwei Millionen Juden Russland. Die Welle mörderischer Gewalt wurde durch Soldateska-Feldzüge in den traditionellen, von den Zaren festgelegten Siedlungsgebieten ausgelöst. Die Propagandisten der „Weißen“ und der ukrainischen Atamane machten die Juden für den Bolschewismus und dessen Verbrechen verantwortlich.  Nach der Februarrevolution waren für kurze Zeit alle staatlichen Diskriminierungen der Juden aufgehoben und viele jüdische Revolutionäre, die meisten waren Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Bundisten und linke Zionisten, beteiligten sich am politischen Leben. Die Bolschewiki zerstörten mit dem Ruf nach Emanzipation traditionelle religiöse und politische Strukturen. Im Bürgerkrieg waren die Juden überwiegend in der Armee der Bolschewiki, denn der Sieg der Weißgardisten hätte ihre Auslöschung bedeutet.

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) bekämpfte wie keine andere nichtjüdische Partei den Antisemitismus. Die Begründer der SDAPR, allen voran Plechanow und Lenin, übernahmen die Ablehnung des Antisemitismus und dessen Analyse von Karl Kautsky. Gegen „das Märchen der Zionisten von der Ewigkeit des Antisemitismus“ postulierte Lenin, wie beinahe alle Sozialdemokraten, dass sich dieser sofort nach der sozialistischen Revolution in Luft auflösen werde. Die russische jüdische Bevölkerung reagierte auf Verelendung, Diskriminierung, Antisemitismus und Pogrome mit der Flucht in den Westen, nach Palästina oder sie organisierte sich in der jüdischen Arbeiterbewegung. 1897 schlossen sich in Wilna verschiedene Gruppen der jüdischen Arbeiterbewegung  zum sozialdemokratischen „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland“, dem „Bund“, zusammen. Der Bund forderte eine „Föderation der Nationalitäten mit vollständiger nationaler Autonomie jeder einzelnen“. Lenin agitierte in mehreren Aufsätzen gegen den Bund, so schrieb er  in der Parteizeitung Iskra: „Die wissenschaftlich völlig unhaltbare Idee eines besonderen jüdischen Volkes ist ihrer Bedeutung nach reaktionär. Den unwiderleglichen Beweis liefern die allgemein bekannten  Tatsachen der jüngsten Geschichte und der politischen Wirklichkeit. (…) Die jüdische Frage steht so und nicht anders: Assimilation oder Absonderung? — und die Idee der jüdischen »Nationalität« trägt offen reaktionären Charakter nicht nur bei ihren konsequenten Anhängern (den Zionisten), sondern auch bei denen, die versuchen, sie mit den Ideen der Sozialdemokratie in Einklang zu bringen (den Bundisten).“ Die Idee der jüdischen Nationalität widerspricht laut Lenin den Interessen des jüdischen Proletariats, da sie in ihm unmittelbar eine der Assimilation feindliche Stimmung, eine „Ghetto“-Stimmung erzeugt. Lenin berief sich bezüglich des Antisemitismus und des Zionismus stets auf den deutsch-tschechischen Philosophen und sozialdemokratische Politiker Karl Kautsky.

Karl Kautskys Kritik des Zionismus

Karl Kautsky (1854–1938) war nach dem Tod von Friedrich Engels (1820–1895) der führende Theoretiker der Sozialdemokratie. Kautskys Schrift „Rasse und Judentum“ von 1914 fasste alle seinerzeit von sozialistischer Seite gegen den Zionismus vorgebrachten „Argumente“ zusammen.  Laut Kautsky sei das zionistische Vorhaben aus pragmatischen Erwägungen „eine „undurchführbare Utopie“ und deshalb abzulehnen. Laut Kautsky sind Juden Stadtmenschen und sie können nicht wieder zu Bauern gemacht werden, weshalb sie wieder aus Palästina emigrieren würden und Kautsky meinte deshalb: „Je mehr für den Zionismus die ökonomische Grundlegung versagt, desto mehr muss der so bequeme Begriff der Rasse aushelfen. […] Palästina als Weltgetto zur Absonderung der jüdischen Rasse von den anderen Rassen, das ist das Ziel des Zionismus geworden.“ Deshalb sei der Zionismus als eine reaktionäre Ideologie abzulehnen: Nicht nur würden die „zionistischen Patrioten“ gegen die historische Tendenz die Erhaltung des Judentums verfechten und den Assimilationsprozess bekämpfen; sie würden vor allein ein jüdisches „Volk“ und eine jüdische „Nation“ propagieren: “In diesem Streben begegnet sich der Zionismus mit dem Antisemitismus wie nicht minder darin, die gesamte Judenschaft aus den heutigen Staaten zu entfernen.“ [3]

1921 fügte Kautsky in die zweite Auflage von „Rasse und Judentum“ noch das Kapitel „Der Zionismus nach dem Weltkrieg“ ein, da sich in Palästina die politischen Verhältnisse entscheidend verändert hatten. Zwar habe die britische Regierung den Juden 1917 in der Balfour-Deklaration eine „nationale Heimstatt“ in Palästina zugesichert, doch trotzdem hätten sich die politischen Chancen des zionistischen Projekts verschlechtert. Kautsky nennt an erster Stelle ein Argument, das in der bisherigen Diskussion kaum eine Rolle gespielt hatte: „Bei den zionistischen Berechnungen wird die arabische Bevölkerung meist völlig ignoriert oder als ein Umstand behandelt, um den man sich nicht viel zu kümmern braucht. Nur gelegentlich erinnert man sich der Tatsache, dass Palästina bereits ein besiedeltes Land ist. Dann nimmt man einfach an, dass seine bisherigen Bewohner verdrängt werden, um den zuziehenden Juden Platz zu machen.“ 

Der Zionismus verleugne das Recht der arabischen Bevölkerung auf Selbstbestimmung und proklamiere ihm gegenüber den „Anspruch einer Nation auf Wiederherstellung der Grenzen ihres Staatswesens, wie sie vor Jahrhunderten unter ganz anderen Verhältnissen bestanden hatten“; dieses von den Zionisten reklamierte „historische Recht“ sei aber „unter den vielen veralteten Rechtsansprüchen […] der vermodertste  […] Nach dem Recht der Arbeit wie nach dem demokratischer Selbstbestimmung gehört heute Palästina nicht den Juden in Wien oder London oder New York, die es für das Judentum reklamieren, sondern den Arabern im Lande selbst, der großen Mehrheit der Bevölkerung.“ Diese aber drängten bereits jetzt nach Selbstbestimmung gegenüber den Kolonialmächten und lehnten die jüdische Siedlungstätigkeit ab. Daher müsse die jüdische Kolonisation untergehen, sobald die englisch-französische Vorherrschaft über Vorderasien zusammenbreche. Somit bewirke die Politik des Zionismus „nichts anderes […] als dass sie mit ungeheuren Kosten und den größten Opfern der Beteiligten [die Juden] aus Gebieten, in denen die Judenpogrome ihrem Ende entgegengehen, in Gebiete transportiert, in denen solche Pogrome mit größter Macht einsetzen werden, wenn das zionistische Programm auch nur einigermaßen zur Ausführung kommt.“

Kautskys Zionismus-Kritik richtet sich, laut Thomas Haury „gegen den real existierenden Zionismus als nationalistische Ideologie und Bewegung mit dem Ziel einer Staatsgründung in Palästina. Ohne den Antisemitismus als Entstehungsursache des Zionismus zu vergessen, lehnt Kautsky letzteren aus seinen politisch-theoretischen Positionen zu „Nationalismus“ und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker heraus ab. Kautsky hält das Ziel des Zionismus für ökonomisch unmöglich und politisch fatal und glaubt, dass die internationale Klassensolidarität und der Sozialismus alle Probleme lösen würden.“

Die revisionistische sozialistische Seite um den sozialdemokratischen Theoretiker und SPD-Politiker Eduard Bernstein (1850-1932) war mit ihrer Befürwortung des Zionismus entgegen Kautsky der Ansicht dass weder der Sozialismus demnächst kommen noch der Antisemitismus alsbald verschwinden werde. Bernstein der bisher wie Kautsky den Zionismus ablehnte, änderte seine Meinung, nachdem er in der Weimarer Republik erkannte, dass trotz aller Assimilationsbestrebungen der Antisemitismus aggressiver geworden war, desto stärker wurde seine Unterstützung der Siedlungstätigkeit in Palästina. 1928 wurde in Brüssel das sozialistische „Internationale Komitee für ein Arbeiter-Palästina“ gegründet, dem auch Bernstein angehörte.

Antisemitische „Säuberungen“ unter Stalin

Finden sich bei Lenin zahlreiche Affinitäten zu antisemitischen und nationalistischen Denkmustern, so darf seine Politik dennoch nicht mit dem spätstalinistischen Antizionismus gleichgesetzt werden. Zu zahlreich sind die qualitativen Unterschiede, wohl aber schufen die Affinitäten der Leninschen Ideologie, zum antisemitischen Denken eine Ausgangsbasis, die antisemitische Denkmuster ermöglichte.

Die Judenverfolgungen in der Sowjetunion vor 1939  basierten noch nicht auf einer explizit antisemitischen Hetze, sie waren Teil des stalinistischen Terrors, hunderttausende Sowjetbürger gerieten in die Fänge des NKWD weil sie im Ausland waren, im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft haben oder sie vor der Revolution in anderen Parteien organisiert waren. Nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und dem deutschen Angriff auf Polen wurde das Land aufgeteilt. Die Sowjetunion marschierte ein um den bedrohten Ukrainern und Weißrussen zu Hilfe zu kommen, so die offizielle Begründung. Von den 3,3 Millionen Juden lebten 2,1 Millionen in der deutschen und 1,2 Millionen in den von der Sowjetunion annektierten Gebieten. Anfangs förderte die Sowjetunion die jüdischen Selbstwehren und jüdische Kommunisten konnten wichtige Posten in der neuen Verwaltung übernehmen. Gleichzeitig deportierte Stalin mit Berijas NKWD rund 500.000 Juden aus der sowjetisch besetzten Zone nach Sibirien. Unter den verhafteten Juden Polens war der spätere Ministerpräsident Israels, Menachem Begin.

Der deutsche Überfall zwang der Sowjetunion einen Kampf um Leben und Tod auf. Um alle Kräfte gegen den Feind zu mobilisieren, eröffnete Stalin den sowjetischen Juden Freiräume um ihre nationale Kultur zu entfalten. Im Jahr 1941 wurde daher das Jüdische Antifaschistische Komitee mit dem Schauspieler und Theaterdirektor Solomon Michoels als Vorsitzenden gegründet. In den USA wurde darauf unter Albert Einstein der „Jewish Council for Russian War Relief“ eingerichtet und in Palästina die hebräische Antwort zum Aufruf aus Moskau, die „Fünfte Liga.“ Beispielsweise im Februar 1943 hielt Michoels eine schockierende Rede über die Lage der Juden in Gebieten, die von der Roten Armee befreit worden waren. Das JAFK wurde 1943 zu einer großen Einrichtung und arbeitete in Moskau. Der achtzigköpfige Stab des JAFK umfasste rund vierzig jüdische Schriftsteller. Beispielsweise im Februar 1943 hielt Shlomo  Michoels eine schockierende Rede über die Lage der Juden in Gebieten, die von der Roten Armee befreit worden waren. [1]

Nach dem Sieg über Nazideutschland schlug Stalin wieder einen anderen Kurs ein. Den Auftakt für die antijüdischen „Säuberungen“ nach dem 2. Weltkrieg bildete die Ermordung von Shlomo Michoels durch Stalins Geheimpolizei im Januar 1948.  Im November 1949 wurde das JAFK verboten und am 12.8.1952 wurde auf Befehl Stalins die Elite der jiddischen sowjetischen Schriftsteller, darunter die weltberühmten Dichter Perez Markisch, ltzik Fejfer und David Bergelson hingerichtet, was laut Arno Lustiger ein einzigartig schrecklicher Vorgang in der Weltliteratur war. Einen weiteren vorläufigen Höhepunkt der antisemitischen Hasskampagne markierte das sogenannte „Ärztekomplott“ von Anfang 1953. Am 13. Januar 1953 wurden die angesehensten sowjetischen Ärzte, fast alle waren Juden, angeklagt Mordpläne gegen Stalin geschmiedet zu haben und sich mit „zionistischen Spionen“ verbündet zu haben. Sowjetische Juden wurden entlassen, verhaftet oder hingerichtet. Ein landesweites Pogrom gegen die Juden und die geplanten Massendeportation der russischen Juden nach Sibirien verhinderte einzig und allein der Tod Stalins.

Während Hitler den Antisemitismus offen proklamierte, wagte es Stalin nicht, sich völlig von der internationalistischen Tradition des Kommunismus zu lösen. Es gab noch in den schlimmsten Zeiten der  sowjetischen Judenhetze rhetorische Distanzierungen vom Antisemitismus. Nur indem Stalin Juden zu „Zionisten“ umtaufte, konnte er sie ideologiekonform verfolgen.  Während Stalin den jüdischen Nationalismus und den Kosmopolitismus ausrotten, die jüdische Kultur und das Nationalbewusstsein der Juden vernichten wollte, war die Vernichtung der Juden als Volk das Ziel Hitlers. Der Judenmord der deutschen Nationalsozialisten war singulär, weil er den radikalsten Versuch eines Genozids darstellte, der jemals unternommen worden ist. Der Holocaust war der Versuch, mit quasi-wissenschaftlichen, rassebiologischen  Argumenten und den Mitteln einer modernen Bürokratie, inklusive den technischen Möglichkeiten einer Massentötung von Menschen einen perfekten, lückenlos vollzogenen Genozid zu vollbringen. Dieses Unternehmen steht in der Geschichte der Menschheit einzigartig dar. Hitler betrieb einen Genozid und Stalin blieb auf der Stufe des „Kulturozids mit mörderischen Mitteln“ stehen. Nur aus diesem Grund kämpfte das JAFK an Stalins Seite gegen Nazideutschland und nicht zuletzt befreite die Rote Armee Auschwitz.

1948 unterstützte die Sowjetunion die Gründung des Staates Israel. Ein Grund für diesen erneuten Kurswechsel war auch die damit verbundene Schwächung von Großbritannien in der Region. Angesichts des militärischen Angriffs 1948 der umliegenden arabischen Staaten, war für Israel die einzige Quelle für Waffenlieferungen die im Einflussbereich der Sowjetunion stehende Tschechoslowakei. Die CSSR lieferte unter dem KP Generalsekretär Slánský auf Stalins Wunsch Waffen und Munition für Israel. Wegen dieser Waffengeschäfte und eines angeblichen Putschversuches wurde der jüdische Teil der tschechoslowakischen KP-Führung vier Jahre später der prozionistischen Agententätigkeit angeklagt. Wie in der Sowjetunion unter Stalin wurde ab 1950 in der CSSR der Antisemitismus als Kampf gegen „Kosmopoliten“ und als Kampf gegen den „Zionismus“ verkleidet.

Am 23. November 1951 wurden Rudolf Slánský und seine überwiegend jüdischen Mitangeklagten des Hochverrats, ganz im Sinne des alten Verschwörungsmythos angeklagt. Die moskauhörige tschechische Presse berichtete unentwegt, dass Slánský eigentlich Rudolf Salzmann hieß, und dass er wie zehn der übrigen Angeklagten jüdischer Abstammung war. In den Akten standen neben den Namen der Angeklagten die Worte „jüdischer Abstammung.“ Wenn Namen nicht jüdisch klangen wurden in den Akten und im Urteil die ursprünglichen Namen angeführt, also „Slánský, alias Salzmann“, „Ludvik Frejka, alias Ludwig Freund“, „Andre Simone, alias Otto Katz“ usw. Major Smolá, ein berüchtigter Antisemit und Bewunderer Hitlers war der Chefankläger im Schauprozess gegen Slánský. Der ehemalige stellvertretende tschechoslowakische Außenminister, damals selbst jüdischer Mitangeklagter, Arthur London, schreibt in seinem Buch: „Ich gestehe“ über die Methoden des Staatsanwalts Smolá:  „Er packte mich an der Gurgel und brüllte: Sie und Ihre dreckige Rasse, wir werden sie schon noch ausrotten. Nicht alles, was Hitler getan hat, war richtig, aber er hat die Juden vernichtet, und das war gut! Es sind noch viel zu viele von euch der Gaskammer entkommen.“ Rudolf Slánský wurde am 3. Dezember 1952 zusammen mit zehn weiteren fast ausschließlich jüdischen Mitangeklagten zum Tod verurteilt und durch Erhängen hingerichtet. Auch später, in der Breshnew-Zeit kam es zu einer ungeheuren Verschärfung des Antisemitismus unter dem Deckmantel des Antizionismus. Von 1967 bis 1980 erschienen allein in der sowjetischen Presse rund 1.700 antizionistische Karikaturen, deren Stil den „Stürmer“ Karikaturen glichen. [1][3]

Mit und nach dem Zerfall der Sowjetunion wanderten rund eine Million Juden nach Israel aus, was das kleine Land vor enorme Herausforderungen stellte. Am 23. Dezember 1991 verübte der antiimperialistische Kämpfer Horst Meyer von der 3. Generation der RAF mit seinen palästinensischen Kameraden einen Sprengstoffanschlag in Budapest auf einen mit 29 sowjetischen Juden, in erster Linie Familien mit kleinen Kindern, sowie zwei Begleitern besetzten Reisebus aus. Die Juden befanden sich auf einem Ausreisetransit aus der Sowjetunion nach Israel. Auf Grund eines Konstruktionsfehlers der Bombe gab es „nur“ schwerverletzte Begleiter und vier leichtverletzte Juden. Die linke „Freiheitskämpferin“ Andrea Klump war tatbeteiligt, weil sie die Wohnungen in Budapest für die Kameraden angemietet, den dortigen Haushalt geführt und vom Vorhaben gewusst hat, wie sie im Prozess gegen sie im Jahr 2004 gestand.

Nationalbolschewistischer Antisemitismus in der KPD

Die KPD der Weimarer Republik und des Exils 1933 bis 1945 war die direkte Vorläuferin der SED. Der Antisemitismus wurde in der Weimarer Republik infolge der ökonomischen und politischen Turbulenzen in deren Anfangs- und Endphase zu einer weitverbreiteten Grundhaltung. Ab Mitte der zwanziger Jahre begann die KPD als Reaktion auf den wachsenden Antisemitismus, den anfänglich relativ hohen Anteil von rund zehn Prozent von Personen jüdischer Herkunft unter ihren Funktionären insbesondere in der Parteispitze und den Fraktionen nach und nach abzubauen. Im Mai 1924 waren sechs der 62 Reichstagsabgeordneten jüdischer Herkunft, in der hundertköpfigen KPD-Fraktion des letzten Reichstages war kein Jude mehr vertreten.

Der kommunistische Politiker und Journalist Karl Radek (1885-1939) forderte 1923, während der Ruhrbesetzung, nach dem Tod von Albert Leo Schlageter (1894-1923) eine Diskussion innerhalb der KPD über Bündnisse mit rechten Gegnern des Versailler Friedensvertrages. Die Parole Radeks, „die Sache des Volkes zur Sache der Nation gemacht, macht die Sache der Nation zur Sache des Volkes“, sollte für viele Jahre die kommunistischen Versuche bestimmen, den Nationalsozialisten ihre Anhängerschaft abzugewinnen. Schlageter war ein deutscher Freikorpskämpfer, der während der Ruhrbesetzung 1923 gegen die französischen Besatzungstruppen im aktiven Widerstand war. Ein französisches Militärgericht verurteile ihn wegen Spionage und Sabotage zum Tode. Ein Gnadengesuch lehnte Schlageter ab, wodurch er nach seiner Hinrichtung zur Kultfigur für Nationalisten wurde. [4]

„Sowohl während des Schlageterkurses, als auch im Zuge der Propaganda für die Programmerklärung finden sich in der Publizistik der KPD und in Reden ihrer Funktionäre diverse Äußerungen, die ihr schon von Zeitgenossen den Vorwurf des Antisemitismus einbrachten.“  Für die KPD war Antisemitismus ausschließlich eine Klassenfrage. Führende KPD Politiker bescheinigten der extremen Rechten, dass ihr Kampf gegen das jüdische Kapital sie nicht voneinander trenne. Die KPD gehe nur weiter, weil sie auch gegen das christliche Kapital zu Felde ziehe. Ganz in diesem Sinne äußerte sich das ZK-Mitglied Ruth Fischer am 25. Juli 1923 auf einer Versammlung von kommunistischen Studenten, zu denen auch völkische Kommilitonen eingeladen waren: „Sie rufen auf gegen das Judenkapital, meine Herren? Wer gegen das Judenkapital aufruft, meine Herren, ist schon Klassenkämpfer, auch wenn er es nicht weiß. Sie sind gegen das Judenkapital und wollen die Börsenjobber niederkämpfen. Recht so. Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie. Aber, meine Herren, wie stehen Sie zu den Großkapitalisten, den Stinnes, Klöckner?“ 1924 äußerte sich Clara Zetkin zu den innerparteilichen Fraktionskämpfen und beschuldigte dabei einige Parteilinke als faschistische Antisemiten. Ein Sprecher aus der „Brandler Gruppe“ bemerkte: Wir haben bereits vereinzelte antisemitische Unterströmungen in der Partei. Die Genossen die gut beobachten, werden das nicht bestreiten.“

Die zionistische Lösung auf den zunehmenden Antisemitismus wurde innerhalb der moskautreuen KPD kategorisch verworfen.  Im Buch des KPD-Ideologen Otto Heller “Der Untergang des Judentums: Die Judenfrage, ihre Kritik, ihre Lösung durch den Sozialismus“ von 1931 ist zu lesen: „Entstanden als „jüdisch-nationalistische Reaktion auf den Antisemitismus“, sei der Glaube, dass ein Judenstaat die „Judenfrage“ lösen könne, nichts als eine kleinbürgerliche Utopie. Der Aufbau eines kapitalistischen Judenstaates sei nichts als der reaktionäre „Versuch der jüdischen Bourgeoisie, ein eigenes imperialistisches Röllchen am Schwanz des britischen und des amerikanischen Imperialismus zu spielen“: „Unter dem Vorwand, ein rückständiges Land […) modernen Wirtschaftsformen zuführen zu wollen, verelendet und knechtet er in Wirklichkeit, als ein Instrument des britischen Imperialismus, jüdische und arabische Proletarier.“  Der Zionismus sei somit „nichts anderes als ein Element der Konterrevolution“, der Kommunismus daher sein „unerbittlicher Gegner.“

Vorbildhaft sei dagegen laut Heller die sowjetische Lösung der „Judenfrage“: „Die Sowjetunion habe den jüdischen Werktätigen mit Birobidjan eine ganze menschenleere Region zur Besiedlung zur Verfügung gestellt, in dem diese sich ein Paradies erschließen und hierdurch zugleich ihre »Nationalität entwickeln« könnten. Hellers Buch schließt mit den Sätzen: „Die Juden sind in den sibirischen Urwald gegangen. Fragt man sie nach Palästina, so bekommt man ein helles Lachen zur Antwort. Der Palästinatraum wird längst schon der Historie angehören, wenn in Birobidjan Automobile, Eisenbahnen, Dampfer fahren, die Schlote gewaltiger Fabriken rauchen und die Kinder einer freien, jüdischen Arbeiter- und Bauerngeneration in blühenden Gärten herumspringen werden.“ Diese kommunistische Preisung produktiver Handarbeit als „volksbildenden“ Faktor bestand allerdings in einer Ablehnung „unproduktiver“ Vermittlertätigkeiten. Diese antisemitische Tendenz tritt deutlich zutage, wenn Heller den Zionismus kritisiert, es sei keine „Lösung der Judenfrage“, „die Trödler und Hausierer aus Podolien in Palästina als Trödler und Hausierer anzusiedeln“, und statt dessen begeistert für die „soziale Sanierung der jüdischen Bevölkerung“ durch die Erschließung Birobidjans plädiert: „Der Jude wird Arbeiter.“

In den letzten Jahren der Weimarer Republik bemüht sich die KPD sogar „Verbindungen“ zwischen „jüdischen Kapitalisten“ und der NSDAP herauszustellen. Da die NSDAP vermeintlich auch von „jüdischen Kapitalisten“ unterstützt werde, so die KPD, reiche der Antisemitismus der NSDAP nur so weit, als er deren Interessen nicht tangiere. Immer wieder zog das Zentralorgan der KPD das Fazit: „Die Judenhetze dient den Nazis nur zur Irreführung ihrer Anhängermassen. Sie selbst werden dem reichen Juden nicht ein Haar krümmen, wie auch Mussolini den reichen Juden kein Haar gekrümmt hat.“  Und das ZK postulierte weiter: Der Faschismus sei weder in der Lage noch gewillt, auch nur ein „einziges Element der kapitalistischen, als „raffend“ oder „jüdisch“ bezeichneten Wirtschaft anzutasten. Jüdisches und nichtjüdisches Kapital sind untrennbar miteinander versippt und verquickt, auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Jüdisches Geld nährt auch den Faschismus, so die KPD.

Antizionismus nach 1945 in der Deutschen Demokratischen Republik

Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, Kommunisten waren schließlich die ersten Opfer der nationalsozialistischen Barbarei. Der Holocaust, die Vernichtung der europäischen Juden, wurde in der DDR kaum thematisiert. Bereits die Moskauer Exilfraktion der KPD hatte eine unzureichende Sicht auf Juden und Antisemitismus im Nationalsozialismus. Eine positive Ausnahme diesbezüglich bildete nur die mexikanische Exilfraktion der KPD um Paul Merker. Die SED präsentierte sich als „Vortrupp des deutschen Volkes“ im nationalen Befreiungskampf gegen „imperialistische Okkupation“  und gegen die „Dollarzinsknechtschaft.“ Der „amerikanischen Unkultur“ setzte die SED die „deutsche Kultur“ entgegen und die „volksverbundene Kunst“ stand im Klassenkampf der SED über dem „wurzellosen Kosmopolitismus.“ Antisemitismus, Antiimperialismus und kommunistischem Nationalismus waren der Hauptbestandteil der Anti-Kosmopolitismus-Kampagnen dieser Zeit. Für den kommunistischen Nationalismus der SED waren die Juden der perfekte Feind, denn alle Juden galten des Zionismus verdächtig. Die DDR-Führung halluzinierte eine jüdische Mitschuld am Faschismus, während Schuld Täterschaft der deutschen Bevölkerung in der DDR der 1950er Jahre so gut wie nicht thematisiert wurde. Der spätstalinistische DDR-Antizionismus war daher eine eindeutige Form des „Antisemitismus nach Auschwitz. “ [3]

Wie die Sowjetunion begrüßte auch die SED 1947 den UN Teilungsplan Palästinas und äußerte bis 1950 deutliche Sympathie für den jüdischen Staat. Israel wurde als fortschrittliches Staatswesen betrachtet, das sich gegen die Aggression der von England unterstützten arabischen Feudalherren zur Wehr setzen müsse. Anfang 1948 hatten Zuckermann, Merker und Meyer angesichts der proisraelischen Haltung des Ostblocks versucht Wiedergutmachungszahlungen an Israel ins Gespräch zu bringen. Am 12. März 1952 übergab die israelische Regierung den vier Siegmächten eine Note, in der sie als finanzielle Entschädigung für die von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen von der BRD eine und von der DDR eine halbe Milliarde US-Dollar forderte. Die Sowjetunion verwies darauf, dass erst nach einem Friedensvertrag darüber verhandelt werden könne und im Zuge des Slánský Prozesses von 1952 lehnte die DDR dann jede Wiedergutmachung mit der Begründung ab, diese würde allein „israelischen Großkapitalisten“ und zionistischen Monopolkapitalisten“ zu Gute kommen. Spätestens ab 1951 war extremster Antizionismus die oberste Staatsdoktrin aller Ostblockstaaten.

Anfang der 1950er Jahre brach die antijüdische Hysterie auch in der DDR aus. Im „Neuen Deutschland“ wird am 30. November 1952 vom großen Prozess gegen den Juden Rudolf Slánský und 13 jüdischen Mitangeklagten berichtet. Geständnisse und Urteile wurden seitenlag dokumentiert. Am zweiten Verhandlungstag gestand, laut „ND“, der Angeklagte Bedrich Geminder, dass er dem deutschen Trotzkisten Paul Bender Spionagematerial geliefert habe. Paul Merker habe im Dienste des Imperialismus und Zionismus Propaganda betrieben. Im Leitartikel stand: „Die Vernichtung der Slánský -Bande – ein Sieg der Friedenskräfte.“ Die „Entlarvung“ der „Ärzteverschwörung“ im Kreml wurde bekanntgegeben und Artikel mit Überschriften: „Den Zionismus entschieden bekämpfen!“ erklärten den Staat Israel zur „zionistischen Agentur des amerikanischen Imperialismus.“ Der „Nichtjude“ Paul Merker, wurde als Zionist aus seinen Ämtern entlassen und er sollte der „deutsche Slánský“ werden.  1952 befahl die Sowjetunion der DDR alle Juden zu registrieren. Durch die Säuberungswelle verlor die DDR mehr als die Hälfte ihrer staatstreuen jüdischen Bürger. Zugleich wurde tausenden von ehemaligen Nazis und Wehrmachtsoffizieren per Gesetz im Oktober 1952 ihre volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung in der DDR garantiert, wodurch sie im Staatsdienst eingesetzt werden konnten. Neben Paul Merker wurden viele weitere „jüdische“ Genossen verhaftet, wie beispielsweise Leo Bauer, Chefredakteur des Deutschlandsenders, Bruno Goldhammer, Intendant des Berliner Rundfunks, Staatssekretär Paul Baender, der erste Vorsitzende der „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“ Jürgen Kuczynsky der Generalsekretär des DDR Kulturbundes Alexander Abusch, Gerhard Eisler und viele andere Kommunisten jüdischer Abstammung wurden aus ihren Funktionen entlassen. Am 4. Januar 1953 schrieb das ND: „Unter jüdisch-nationalistischer Flagge segelnd, getarnt als zionistische Organisation und als Diplomaten der amerikanischen Vasallenregierung Israels, verrichten diese amerikanischen Agenten ihr Handwerk.“ [3]

1967 forderte die SED von allen sozialistischen Ländern ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen. Die ideologischen Affinitäten zwischen den antisemitischen, arabischen Staaten und der DDR speisten sich aus dem gemeinsamen Antiimperialismus. Die DDR verurteilte den Zionismus als „faschistische Ideologie“ und belegte ihren Antisemitismus in Reden und diversen Publikationen mit Gleichsetzungen von Israel mit Nazideutschland. Zwischen 1967 und 1989 lieferte die DDR „Solidaritätsgüter“ zum Teil kostenfrei an die arabischen Staaten und an die militanten Palästinenserorganisationen, die sich mit Israel im Krieg befanden: 750.000 Kalaschnikow-Sturmgewehre, 120 MiG-Jagdflugzeuge, 180.000 Tretminen, 235.000 Granaten, 25.000 Panzerbüchsen (RPG) und 25 Millionen Patronen unterschiedlicher Kaliber. Darüber hinaus reparierten und warteten ostdeutsche Mechaniker in diesen Jahren 350 MiG-Jagdflugzeuge der irakischen und syrischen Luftwaffe. Von 1972 bis 1989 absolvierten über 3000 ausländische Militärkader eine Ausbildung an ostdeutschen Militärschulen, darunter mehrere hundert aus Syrien, Irak, Libyen und der PLO. Schließlich schickte Ost-Berlin weitere Ausrüstungsgegenstände für militärische Zwecke: Ferngläser, Zelte, Fallschirme, Rundfunkgeräte, Feldlazarette, Zünder und Sprengstoffe. Unzählige verletzte arabische Terroristen und Soldaten wurden in den Krankenhäusern der DDR gesund gepflegt. [7]

Alle Maßnahmen von Staat und Partei mussten innerhalb des ideologischen Systems, der marxistisch-leninistischen Weltsicht begründet und legitimiert werden. Zum „Hauptfeind des deutschen Volkes“ wurde der US-Imperialismus erklärt. Laut SED agiert eine kleine Gruppe von „Weltimperialisten“ und „Dollarkönigen“ um die „Weltherrschaft des Dollarimperialismus“ aufzurichten und die als die wahren Herren von Amerika personifiziert  die SED „habgierige Milliardäre“ wie Morgan, Rockefeller, Mellon und Lamont. Neben Personifizierung und Verschwörungstheorie findet sich in der SED Propaganda ständig die strukturell antisemitische Entgegensetzung von Banken, „Finanzhyänen“, „Raubtieren der Wallstreet“ gegen „Volk und Arbeit.“

Thomas Haury schreibt in seinem Buch „Antisemitismus von Links“: „Die durch die Assimilierung des Antisemitismus an den Marxismus-Leninismus entstandenen Modifikationen machen den spätstalinistischen Antizionismus zu einer prototypischen Form des Antisemitismus nach Auschwitz. Dies zum ersten allein schon deshalb, weil er sich nicht gegen „Judentum“ oder „Juden“, sondern gegen „Zionismus“ und „Zionisten“ zu wenden behauptete und nicht rassisch argumentierte. Diese „Tarnung“ als erstes wichtiges Merkmal war insbesondere für den Kommunismus unverzichtbar, da er sich ja als wesenhafter Gegner des Faschismus verstand und auch von daher jede Assoziation zum Antisemitismus vermeiden musste.“

Antizionismus nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland

Nach der durch Auschwitz gesetzten Zäsur konnte der Antisemitismus weder in alter Form, noch als offener Antisemitismus fortbestehen, so wurde Auschwitz zur neuen Quelle eines „sekundären Antisemitismus.“ Allen Versuchen der Verleugnung, Entschuldung und Relativierung des Nationalsozialismus war die Schranke Auschwitz gesetzt und der Antisemitismus nicht trotz, sondern ein „Antisemitismus wegen Auschwitz“ war geboren.

Die Neue Linke der 60er Jahre formierte sich mit guten Argumenten gegen den Krieg in Vietnam und die nachnazistischen autoritären bundesdeutschen Zustände und Kontinuitäten, verlor aber jede Glaubwürdigkeit nach dem 6-Tage-Krieg von 1967. Innerhalb kurzer Zeit kippte die Haltung der Neuen Linken von einer gemäßigten pro-arabischen Neutralität zur überschäumenden Verurteilung Israels als „imperialistisch-faschistisches Staatengebilde“, als „Brückenkopf der USA im Nahen Osten“, während die antisemitische Al Fatah zur Avantgarde der Sozialrevolutionäre in der 3.Welt hochstilisiert wurde. Um den ersehnten Schulterschluss mit den Eltern vollziehen zu können, wehrte die Neue Linke, wie die beinahe die gesamte 68er Studentenbewegung in ihrem Hass auf Israel jede Erinnerung ab, als würden sie „von einer unsichtbaren Hand aus dem Führerbunker gelenkt.“ Bereits im September 1967 verabschiedete die wichtigste Organisation links von der SPD, der SDS einen strikt antizionistischen Kurs. 1969 sprengte der SDS mit palästinensischen Studenten mehrere  Vortragsveranstaltungen des israelischen Botschafters Asher Ben-Natan. Theodor W. Adorno schreibt am 19. Juni 1969 in einem Brief an seinen in San Diego lebenden Kollegen Herbert Marcuse: „Nachdem man in Frankfurt den israelischen Botschafter niedergebrüllt hat, hilft die Versicherung, das sei nicht aus Antisemitismus geschehen, und das Aufgebot irgendeines israelischen APO-Mannes nicht das mindeste […] Du müsstest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derer sehen, die, womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“ [6]

Während mehrere SDS-Gruppen 1969 von Frankfurt nach Amman flogen um sich von der Fatah militärisch ausbilden zu lassen, kritisiert Jean Améry in der „Zeit“ die innerhalb der Neuen Linken stets stärker werdende antiisraelische, antisemitische Haltung. In Westberlin wurden inzwischen von linken Gruppen jüdische Gedenkstätten geschändet, zu lesen sind die Worte „Schalom“, „El Fatah“ und „Napalm“. Die Buchstaben sind mit schwarzer und grüner Farbe angemalt worden, den Nationalfarben Palästinas. Nach dem Bomben-Anschlag der Tupamaros West-Berlin auf das Jüdische Gemeindehaus am 9. November 1969 erhält der Vorsitzende, Heinz Galinski eine auf Band aufgenommene Drohung, nach 15 Sekunden dauernden Ticken ertönt eine Frauenstimme: „Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus hat gezündet. Berlin dreht durch, die Linke stutzt … Springer, Senat und die Galinskis wollen uns ihren Judenknacks verkaufen. … Bei uns ist Palästina, wir sind Fedajin. Heute Nachmittag kämpfen wir für die revolutionäre palästinensische Befreiungsfront Al-Fatah! Schlagt zu!“ Albert Fichter von den „Tupamaros Westberlin“ legte am 31. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938,  im Auftrag des späteren Grünen-Politikers Dieter Kunzelmann die Bombe, um gegen die israelische Politik gegenüber den Palästinensern zu protestieren und die „palästinensische Revolution“ unterstützen. [5]

Europa war im Februar 1970 der Ausgangspunkt der opferreichsten Terrorwelle die es nach dem Zweiten Weltkrieg in Mitteleuropa gegeben hat. Innerhalb von nur elf Tagen ereigneten sich in München mit zwei versuchten Flugzeugentführungen, zwei Bombenanschlägen auf Flugzeuge und einem Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim fünf verschiedene Terroraktionen, die allesamt antisemitisch motiviert waren. Beispielsweise am 10. Februar 1970 versuchten AOLP-Kommandos der PLO in München Riem eine EL-Al-Maschine zu entführen. Kurz vor 13 Uhr entsteht ein Handgemenge, Handgranaten fliegen, Schüsse fallen. Nachdem Palästinenser eine Handgranate in eine Menge von Passagieren werfen, wirft sich der Israeli Arie Katzenstein auf die Handgranate um seinen Vater und die um ihn stehenden Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren und kommt dabei ums Leben. Elf weitere Passagiere und die aus Deutschland stammende israelische Schauspielerin Hanna Maron werden schwer verletzt. Um Hanna Maron das Leben zu retten müssen Ärzte in München ihr Bein amputieren. Die Terroristen werden noch am Tatort festgenommen. In einem Schreiben an die bundesdeutsche Botschaft in Amman teilt die AOLP mit, dass es sich bei dem Angriff auf die israelische Maschine am Vorlag in München-Riem um eine „legitime Kriegshandlung“ gehandelt habe. Die bundesdeutschen Behörden werden aufgefordert, den Mitgliedern des dreiköpfigen Kommandos den Kriegsgefangenenstatus zu gewähren und sie medizinisch gut zu behandeln. Die deutschen Behörden stellten die palästinensischen Terroristen gro­tes­ker­wei­se nicht vor ein Gericht, sondern schoben die Mörder wenige Wochen später in ein ölreiches arabisches Land ab, wo sie für ihre „Heldentat“ freundlich empfangen werden. [6]

Während der Olympischen Sommerspiele im September 1972 in München ermordeten palästinensische Terroristen des „Schwarzer September“ elf Sportler der israelischen Mannschaft während einer Geiselnahme. Die drei überlebenden palästinensischen Mörder und Geiselnehmer wurden von Deutschland vor kein Gericht gestellt. Sie wurden wenige Wochen nach der mörderischen Geiselnahme von der Deutschen Regierung, ohne Israel darüber zu informieren, gegen die Besatzung einer dubios entführten Lufthansa-Maschine „Kiel“ ausgetauscht. Die Leichen der fünf im Feuergefecht von Fürstenfeldbruck getöteten Geiselnehmer wurden nach Libyen überführt, wo sie eine Heldenbestattung mit großen militärischen Ehren erhielten. Die linksextreme RAF feierte die bestialische Ermordung der israelischen Sportler als „antiimperialistische, antifaschistische und internationalistische“ Tat. In Ulrike Meinhofs Text „Rote Armee Fraktion – Die Aktion des Schwarzen September in München – Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes“ steht neben anderen Ungeheuerlichkeiten: „Die Aktion des Schwarzen September hat das Wesen imperialistischer Herrschaft und des antiimperialistischen Kampfes auf eine Weise durchschaubar und erkennbar gemacht wie noch keine revolutionäre Aktion in Westdeutschland oder Westberlin. Sie war gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch. (..) …gegen dem seinen Wesen und seiner Tendenz nach durch und durch faschistischen Imperialismus- in welcher Charaktermaske auch immer er sich selbst am besten repräsentiert findet: Nixon, Brandt, Moshe Dayan oder Genscher, Golda Meir oder Mc Gouvern. (..) Alle Aufschübe des Ultimatums, das sie mit Lügen und falschem versprechen erreicht haben, diente ihnen nur zu einem ausschließlichen Zweck: Für die Vorbereitung des Massakers Zeit zu gewinnen. Sie hatten nur ein Ziel, nur ja dem Moshe-Dayan-Faschismus – diesem Himmler Israels- in nichts nachzustehen. (..) Israel vergießt Krokodilstränen. Es hat seine Sportler verheizt wie die Nazis die Juden – Brennmaterial für die imperialistische Ausrottungspolitik. (..) Der Tod der arabischen Genossen wiegt schwerer als der Tai-Berg. (..) Solidarität mit dem Befreiungskampf des palästinensischen Volkes!“

Am 27. Juni 1976 entführten die linksradikalen deutschen „Revolutionäre“ Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei palästinensischen Kameraden ein Flugzeug der Air France über Athen mit 250 Passagieren an Bord. Am Dienstag, den 29. Juni 1976, um kurz vor 19 Uhr beginnt Wilfried Böse in Entebbe die erste deutsche Selektion an Juden nach 1945.  Während die jüdische Namen mit deutschem Akzent verlesen wurden steht die 28-jährige Pädagogikstudentin Brigitte Kuhlmann, eiskalt mit einer Handgranate bewaffnet am Eingang des Nebenraumes in den die aufgerufenen 103 jüdischen Geiseln, 83 Israelis sowie 20 französische Juden gehen müssen. Die verbliebenen 143 nichtjüdischen Geiseln und die französische Crew wurden freigelassen. Kapitän, Michel Bacos, und seine Crew lehnten ihre Freilassung ab, da sie sich allen Passagieren verantwortlich fühlten. Mit vier Herkules Transportflugzeugen, einem mitgenommenen schwarzen Mercedes und zwei Boeing 707 befreite eine israelische Eliteeinheit mit Jonathan Netanjahu nach einem Achtstundenflug unter dem Radar die Geiseln. „Ich sehe in Entebbe das Wesen des Zionismus“, sagt Muki Betzer, einer der Kommandeure der „Operation Thunderbolt“. „Hätten wir vor dem Zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, hätte es den Holocaust in Deutschland so nicht gegeben.“ Große Teile der deutschen Linken waren fassungslos, freilich nicht wegen der Selektion von Juden, sondern weil Israel die Souveränität Ugandas verletzte, so blieb Israel weiter der Jude unter den Staaten, während dem Massenmörder Idi Amin „uneingeschränkte Solidarität“ zugesichert wurde. Nach „Entebbe“ versuchten die „Revolutionären Zellen“ Heinz Galinski, den damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin zu entführen, was nur durch Hans-Joachim Kleins Intervention verhindert wurde! Die „Operation Thunderbolt“ mit der ihr vorausgegangenen Flugzeugentführung und anschließenden Selektion wurde mehrmals verfilmt, zum Beispiel mit Horst Buchholz oder Klaus Kinski in der Rolle des Wilfried Böse. In mehreren westdeutschen Kinos, die den Film „Unternehmen Entebbe“ spielten,  legten linksradikale Anhänger der „RZ“ Feuer. Diese Brandstiftungen sollten eine Warnung an Kinobesitzer und Zuschauer gegen die angebliche „rassistische Hetze“ sein. [8]

Blockaden von Linksradikalen gegen missliebige pro-israelische Filme gab freilich es vielfach. Am 25. Oktober 2009 verhinderten antiimperialistische linksradikale Gruppen mit Gewalt in Hamburg / St. Pauli im Kino B-Movie den Film „Warum Israel“ des Sartre-Schülers Claude Lanzmann. Die Aktion der Linken erinnerte Claude Lanzmann an die Blockade „verjudeter“ Filme durch die Nationalsozialisten. Die Gruppierung Internationales Zentrum B5 skandierte „Ihr Judenschweine“ während der „antirassistischen“ Aktion.

Der spätere außenpolitische Sprecher der Linkspartei, Norman Paech sprach in den 1990er Jahren davon, dass er endlich „von der Aura der Kollektivschuld“ erlöst wurde, als er Mitte der 1960er Jahre nach Israel fuhr und dort das „Leid“ der Palästinenser sah. Denn nun konnte er aus dem „Schatten Hitlers“ heraustreten und von den eigenen Schuldgefühlen wurde er deswegen befreit, weil er erkannt zu haben glaubte, dass die Israelis genauso schlimm seien wie damals Nazideutschland. Im Jahre 2010 beteiligte sich Norman Paech mit den „Damen“ der Linkspartei Annette Groth und Inge Höger an der israelfeindlichen „Hilfsaktion“ an Bord der “Mavi Marmara,  die von der radikal-islamistischen Organisation IHH organisiert und finanziert wurde. Beim Ablegen in Istanbul skandierten die Passagiere des „Friedensschiffes“ Parolen der Hamas, Loblieder auf das islamische Märtyrertum und „Tod allen Juden.“ Die Djihadisten, mit welchen die deutschen „Friedensfreunde“ in See stachen, verabschiedeten sich bereits in der Türkei von ihren Familien und wollten als Selbstmordattentäter in ihr „Paradies“ einkehren. Israels antisemitische Feinde wissen, dass es in einem asymmetrischen Krieg darum geht, über Medien und Weltmeinung, Israel zu isolieren. Von den gewalttätigen Ereignissen, als die israelische Armee die „Mavi Marmara“ stoppte, bekamen Annette Groth und Inge Höger nichts mit, da die beiden mit den übrigen „Damen“ im „Frauendeck“ eingeschlossen waren. Groth und Höger, die sich für die Emanzipation der Frau in Europa einsetzen akzeptierten brav und devot die Geschlechter-Separation der Islamisten. Das gemeinsame Ziel, der Kampf gegen Israel steht für „Israelkritiker“ über allem. Wenige Monate später trat die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Inge Höger bei einer Konferenz von Hamas-Sympathisanten in Wuppertal mit einem Tuch um den Hals auf, das den Nahen Osten ohne den Staat Israel zeigte.

In so gut wie allen linken und linksliberalen Zeitungen gehören der Hass, die „Kritik“ und die Agitation gegen Israel zur grundlegenden Blattlinie. Das Sturmgeschütz der „Israelkritik“ seit 2009 ist zweifellos der antizionistische „Freitag“, der in hunderten Artikeln den Staat Israel dämonisiert und delegitimiert. Hasserfüllte Halluzinationen vom „Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen“, von den „zionistischen Schlächtern“, vom „KZ Gaza“, vom „zionistischen Apartheidsstaat und den Greueln, den er an der palästinensischen Bevölkerung begeht“ waren insbesondere von 2010 bis 2014 in den entsprechenden Artikeln an der Tagesordnung.

Nicht weniger Probleme mit Juden und dem Staat Israel hatten Rudolf Augstein und sein linksliberaler „Spiegel“. Rolf Behrens hat in seinem Buch „Raketen gegen Steinewerfer“ – die Berichterstattung des Spiegels bezüglich Israels in dem Zeitraum der Intifada von 1987 – 1992 und der „Al-Aqusa-Intifada“ von 2000-2002 untersucht. In diesen 345 Artikeln des „Spiegels“ wird der Staat Israel stereotyp als brutaler, expansiver und rassistischer Staat voller Missstände dargestellt, dessen Gesellschaft innerlich zerrissen sei und sich im Niedergang befinde. Der Spiegel überschreite vielfach die Grenze die legitime Israel-Kritik und Antisemitismus trennt. Die Israel-Berichterstattung des „Spiegel“ ist im untersuchten Zeitraum unabhängig von den Fakten von auffälligen immer wiederkehrenden Stereotypen bestimmt. Als der ehemalige Spiegel-Redakteur Hellmuth Karasek mit der Studie konfrontiert wurde, antwortete dieser auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung warum er Mitte der 8oer Jahre bestritten habe, der Spiegel sei antisemitisch: „Ich habe mich eben getäuscht. Wir waren blind damals“.

Der linke Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft

Der moderne Antisemitismus ist eine die Welt „erklärende“ Ideologie, in der die Juden mit der schwer zu durchschauenden kapitalistischen Ökonomie identifiziert werden. In diesem Weltbild üben Juden abstrakte Macht aus und kontrollieren die Börsen und sind Träger der kulturellen Moderne, mit ihrer „Zersetzung“ und „Massenkultur“ beeinflussten sie Politiker und steuern vermeintlich die Presse. Der „ehrbare“ Antisemit überträgt all diese halluzinierten Ressentiments auf den Judenstaat, auf den Staat Israel. Der gegen Israel gerichtete „Antisemitismus mit gutem Gewissen“, der sich selbst für besonders kritisch und anti-antisemitisch hält, ist in Europa, speziell in Deutschland und Österreich der am weitesten verbreitete Antisemitismus. Im Antizionismus, mit seinem manichäischen antiimperialistischen Weltbild manifestiert sich das nie eingestandene Bedürfnis nach „Normalität“, nach Entlastung von der Vergangenheit des „eigenen“ Kollektivs.  Gefährlich ist dieser „ehrbare Antisemitismus“ wegen seinem Bündnis mit dem islamischen Antisemitismus. Der „ehrbare“ Antisemit läuft auf Black Lives Matter-Demonstrationen mit, verurteilt jede Kritik an den islamischen Zumutungen als Rassismus, unterstützt und bewundert die Feinde Israels und jede Verteidigung Israels macht ihn wütend und fassungslos.

Um die einschlägigen antizionistischen Vorurteile und Ressentiments zu lesen, muss man heutzutage nicht unbedingt eine linksextreme antizionistische Wochenzeitung wie den „Freitag“ abonnieren, es reichen die öffentlich-rechtlichen Medien. Seit Jahrzehnten muss man nur die Tageschau, das Heute-Journal oder gar „Kultursendungen“ in 3Sat oder Arte über Israel und den Nahen Osten verfolgen um dies bestätigt zu sehen. Antisemitische Karikaturen in Stürmer-Manier kann man regelmäßig in der Süddeutschen Zeitung oder der Stuttgarter Zeitung sehen. Entweder wird Israels Premierminister Netanjahu als Vergifter des Weltfriedens gezeigt oder wie am Kölner Domplatz  eine Karikatur, die einen Juden beim Verspeisen eines palästinensischen Kindes oder ähnliches zeigt. So ist der „ehrbare“ Antisemitismus längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der von Rudi Dutschke geforderte „Marsch durch die Institutionen“ war erfolgreich. Die „israelkritischen“  68er wurden Multiplikatoren als Lehrer, Publizisten und Beamte in zum Teil maßgeblichen Stellungen.

Entgegen dieser Entwicklung hat der Bundestag am 17. Mai 2019, einen gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ angenommen. Das Parlament will keine „Räumlichkeiten und Einrichtungen, die unter der Bundestagsverwaltung stehen, keinen Organisationen, die sich antisemitisch äußern oder das Existenzrecht Israels in Frage stellen, mehr zur Verfügung stellen“ Darüber hinaus  lehnt der Bundestag es ab, Organisationen oder Projekte finanziell zu fördern, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, zum Boykott des jüdischen Staates aufrufen oder die BDS-Bewegung aktiv unterstützen.

Dieser Beschluss macht die antisemitische „antirassistische“ postkoloniale „Avantgarde“ tief betroffen. So gründete sich kürzlich eine „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“, die eine Gefährdung der Meinungsfreiheit durch den Bundestagsbeschluss zum Israel-Boykott BDS sieht. Die Intendanten hochsubventionierter Kulturinstitutionen beschweren sich in ihrer Initiative, dass sie in ihrer Meinungsfreiheit, in ihrem Recht auf „Israelkritik“ durch den Bundestagsbeschluss eingeschränkt seien. Die Vertreter des linken Postkolonialismus und des antisemitischen „Anti-Rassismus“ rufen auf zum „letzten Gefecht.“ Die Debatte im Jahr 2020 um den BDS-Befürworter, Holocaustrelativierer und „Israelkritiker“ Achille Mbembe zeigt wie die verschiedenen Spielarten der postkolonialen Studien bis hin zur Migrationsforschung in den Mainstream vorgedrungen sind. Bereits seit 1989 hat der französische Philosoph der Académie française Alain Finkielkraut die menschenfeindlichen Akteure und das entsprechende Bündnis der Holocaustrelativierer herausragend in seinen Büchern beschrieben.

Das Simon Wiesenthal Center ist eine internationale Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles und setzt sich maßgeblich mit der Thematik des Holocausts auseinander. Im Dezember 2020 setzte die Organisation die deutsche Kulturelite, die sich schützend vor die antisemitische Israel-Boykottbewegung BDS stellt auf Platz 7 ihres jährlich erscheinenden Antisemitismus-Awards. Neben der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ deutscher Kultureinrichtungen stehen Andreas Görgen, der Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung im Auswärtigen Amt, wegen seiner Verteidigung des Holocaustrelativierers Achille Mbembe, die Jusos der deutschen Sozialdemokratie, wegen ihrer Kumpanei mit den Terroristen der Fatah, sowie die drei Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz (Linkspartei), Omid Nouripour (Die Grünen) und Aydan Özoguz (SPD), die im Beirat des BDS-nahen Vereins Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. sitzen.

Holocaustrelativierung und BDS gelten heute als links, offen und multikulturell

Die Holocaustrelativierung von Ernst Nolte galt im Jahr 1986 noch mehrheitlich als reaktionär, der Slogan „Deutsche wehrt euch, kauft nicht bei Juden“ war lange Zeit in Deutschland ein absolutes Tabu. So unfassbar es auch sein mag, postkoloniale Holocaustrelativierung und BDS gelten heute in weiten Kreisen als links, offen und multikulturell.

Israel ist das Land, in dem der Jude sich nicht das Eigenbild vom Feind aufprägen lässt. Israel ist das Obdach für alle erniedrigten und beleidigten Juden dieser Welt. Israels Staatsgründung und seine Verteidigung der Bevölkerung war die Folge des kriegerischen Fanatismus seiner Gegner, die seit 1948 nichts anderes versuchen die Juden „ins Meer zu werfen.“ Israel ist notwendig wie kein anderer Staat dieser Welt, sagte bereits vor vielen Jahren der große Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. Nicht der Charakter des Juden macht den Antisemitismus, sondern im Gegenteil der Antisemit schafft den Juden. Der Antisemitismus, der Antizionismus ist eine rückschrittliche auf Irrationalität aufgebaute Weltanschauung. Was der „Israelkritiker“, neben seinem Kampf gegen die freiheitliche Moderne und seiner Apologie für den Islam wünscht und vorbereitet ist die Vernichtung Israels und somit der Tod des Juden.

Quellen: [1] Arno Lustiger – Rotbuch. Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden | [2] Léon Poliakov – Geschichte des Antisemitismus, 8 Bände | [3]  Thomas Haury, Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, 2002 | [4] Otto-Ernst Schüddekopf – Nationalbolschewismus in Deutschland 1918-1933 | [5] Wolfgang Kraushaar – Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus | [6] Wolfgang Kraushaar –  „Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“ | [7] Jeffrey Herf – Unerklärte Kriege gegen Israel: Die DDR und die westdeutsche radikale Linke, 1967-1989 | [8] William Stevenson – 90 Minuten in Entebbe | [9] Léon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus | [10] Michael Landmann – Das Israelpseudos der Pseudolinken  | [11] Hans-Joachim Klein – Rückkehr in die Menschlichkeit |  [12] Louis Rapoport – Hammer. Sichel. Davidstern. Judenverfolgung in der Sowjetunion |  [13] Karl Marx – Zur Judenfrage | [14] Henryk M. Broder – Der ewige Antisemit: Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls | [15] J.P Sartre – Betrachtungen zur Judenfrage | [16] Jean Améry – Der ehrbare Antisemitismus

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Wie Theodor Oberländer mit Said Ramadan den politischen Islam nach Deutschland brachte

25. November 2020

Am 22. Juni 1941 begann mit dem „Unternehmen Barbarossa“ der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Dabei führte die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1944 einen rassebiologischen Vernichtungskrieg gegen Juden, sowjetische Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung, dem Millionen zum Opfer fielen. Von den insgesamt 5,7 Millionen sowjetischen Gefangenen starben drei Millionen nach ihrer Gefangennahme indem sie verhungerten, erfroren, an Seuchen starben oder auf Todesmärschen erschossen wurden.

Nach den ersten Niederlagen versuchte das NS-Regime zunehmend Muslime zum Kampf gegen die gemeinsamen Feinde zu mobilisieren, denn führende Nationalsozialisten waren ohnehin vom Islam fasziniert und vor allem die muslimischen Kriegsgefangenen verachteten das kommunistische „gottlose“ System. Wann immer Hitler während der Kriegsjahre die katholische Kirche kritisierte, verglich er sie gleichzeitig mit dem Islam, quasi als positives Gegenbeispiel. Heinrich Himmler meinte unter anderem: „Ich muss sagen, ich habe gegen den Islam gar nichts, denn er erzieht mir in dieser Division namens Handschar seine Menschen und verspricht ihnen den Himmel, wenn sie gekämpft haben und im Kampf gefallen sind. Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion!“

Heinrich Himmler begeisterte sich für die muslimischen Freiwilligenverbände und suchte stets die Nähe zum Großmufti von Jerusalem. Beispielshalber die „13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“  war eine Gebirgs-Divisionen der Waffen-SS und bestand aus muslimischen Freiwilligen, die vom SS-Mitglied und Führer der „Palästinenser“ al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem organisiert wurde. Zum führenden Kopf der Freiwilligeneinheiten wurde Ralph von Heygendorff. Zwischen 1944 und Mai 1945 befehligte er die 162. Turk-Infanterie an der italienischen Front, welche sich aus freiwilligen sowjetischen Muslimen und deutschen Soldaten zusammensetzte, die die Größe einer kompletten Division erreichte. Während des 2. Weltkrieges kämpften weit über 250.000 Muslime für die deutsche Wehrmacht und in SS-Einheiten und so ließen die Nationalsozialisten sogar Imam-Kurse für die muslimischen Divisionen in Potsdam abhalten.

Am 14. Oktober 1941 erhielt der Wehrmachtsoffizier Theodor Oberländer (1905-1998) den Befehl zur Aufstellung und Ausbildung einer weiteren muslimischen Einheit, des Sonderverbandes Bergmann, deren Kommandeur er bis 1943 war.  Theodor Oberländer trat am 1. Mai 1933 der NSDAP bei und bereits 1923 nahm er am sogenannten Hitlerputsch teil. In seinen Publikationen behauptete Oberländer, dass es für Europa zu einer ernsten Gefahr werden könne wenn das Judentum in Osteuropa weiterhin den Kommunismus verbreite.  In „Ostland“ Nr. 7 schrieb er als Leiter des „Bundes Deutscher Osten“: „Der Nationalsozialismus setzt Haltung voraus. An der Grenze im Osten vor allem kann sich diese Haltung bewähren.“ Am 8. Mai 1941 trat Oberländer seinen Dienst beim berüchtigten Bataillon Nachtigall an, einer Einheit aus polnischen und französischen Kriegsgefangenen ukrainischer Nationalität, die der „Abwehr“ unterstand. Im Juni 1941 besetzte das Bataillon Nachtigall mit Oberländer Lemberg und in dieser Zeit beteiligten sich Angehörige seiner Einheit zusammen mit ortsansässigen Kollaborateuren an systematischen Massenmorden vor allem an der jüdischen Zivilbevölkerung.  Später wurde das aserbaidschanische II. Bataillon des Sonderverbandes Bergmann mit der Einheit „Dirlewanger“ zur Niederschlagung des Warschauer Gettos eingesetzt. Hitler war mit dem Einsatz der muslimischen Freiwilligen sehr zufrieden und stiftete zur Erinnerung einen „Warschau Schild.“ In einem Artikel der Truppenzeitschrift „Warschau hat kapituliert“ war zu lesen: „Den Männern vom Ostmuselmanischen SS-Regiment wurden zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter  auch Eiserne Kreuze, verliehen.“ Das Bataillon „Bergmann“ nahm unter Oberländer auch an der Sommeroffensive 1942 teil. Laut Götz Aly war Oberländer der „Vordenker der Vernichtung“.

Nach der deutschen Niederlage wurden alle sowjetischen Freiwilligen, die auf deutscher Seite mit deutscher Uniform gekämpft hatten naturgemäß von Stalin unerbittlich verfolgt. Die Hauptstadt der Bewegung, München war kurz nach dem Krieg die Stadt mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil. Die meisten dieser Flüchtlinge hatten während des Zweiten Weltkriegs auf deutscher Seite gekämpft und waren nun zwischen dreißig und vierzig Jahre alt. Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit und trotz schwieriger Umstände bauten sie sich im armen Nachkriegsbayern eine neue Existenz auf. Bald entstanden in Baracken erste Betstuben und Treffpunkte. Tataren, Usbeken und viele andere zentralasiatische Freiwillige der Wehrmacht trafen sich zu Gebeten. Der tatarische Imam Abdullah Ilyas betreute beispielsweise die Gemeinden in München und Dingolfing. Der im Kaukasus geborene Ibrahim Gacaoglu  hatte sich 1942 der Wehrmacht angeschlossen, war Verbindungsoffizier der Freiwilligenverbände in Norditalien und war der Vorsitzende der ersten registrierten islamischen Gemeinschaft in Deutschland. Am 1. März schuf er mit anderen freiwilligen der Wehrmacht, der SS die „Religiöse Gemeinschaft Islam“  in der Achatstraße in Karlsfeld zwischen München und Dachau und so verankerten die Muslime aus der Sowjetunion den Islam in Deutschland.

Theodor Oberländer setzte nach 1945 schnell seine Karriere fort, er war Teil der „Professorengruppe“ der Organisation Gehlen, dem späteren Bundesnachrichtendienst. Von 1950 bis 1953 gehörte Oberländer dem Bayerischen Landtag an und vom 3. Januar 1951 bis zum 24. Februar 1953 war Oberländer Staatssekretär für Flüchtlingsfragen im Innenministerium und ab 1953 wurde Oberländer von Konrad Adenauer als Bundesminister für Angelegenheiten der Vertriebenen berufen. Der rechtsextreme Theodor Oberländer versuchte durch seine Kontakte während des Krieges auch in der Bundesrepublik den Islam nutzbar zu machen. Für Oberländer war die Wiedererlangung der verlorenen Provinzen, die Wiedervereinigung in den Grenzen von 1937 oberstes Ziel. Für die Durchsetzung seiner Ziele glaubte er in den Exilanten  Verbündete zu entdecken. Beispielsweise kam es am 17. April 1957 in Oberländers Vertriebenenministerium zu einer illustren Runde mit dem NS-Rassenideologen Gerhard von Mende und den SS-Mitgliedern Nurredin Namangani, Khan Kajum, Walter Schenk und Gerhard Wolfrum. Besprochen und protokolliert wurde die Strategie, die generalstabsmäßige Planung und Durchführung sowie Finanzierung des Projekts zur Einführung von Namangani als Imam. „Herr Namangani erhält den Auftrag“, stellte das Sitzungsprotokoll fest, „zunächst einmal die mohammedanischen heimatlosen Ausländer und nichtdeutschen Flüchtlinge als religiöse Gemeinde um sich zu sammeln, um darin erst einmal den unliebsamen amerikanischen Einfluss, der der Bundesrepublik schädlich werden kann, auszuschalten um evtl. auch später (..) die Mohammedaner fremder Staatsangehörigkeit in seine religiöse Gemeinde herein zu bekommen.“

Mit der Unterstützung von Theodor Oberländer und seinem Ministerium gelang es dem Muslimbruder Said Ramadan (1926-1995) den Islamismus in Deutschland zu verwurzeln. Said Ramadan gilt als der Begründer des politischen Islam in Europa und vielleicht sogar der westlichen Welt. Said Ramadan wurde am 13. April 1926 im Nildelta in Ägypten geboren und er war neben Hassan al-Banna einer der wichtigsten Anführer der Muslimbrüder. Die Muslimbruderschaft wurde 1928 von Hasan al-Banna (1906-1949) und sechs Arbeitern der Suez Canal Company in Ägypten während der kulturell, politisch und sozial aufgewühlten Phase der Weltwirtschaftskrise gegründet. Mit der Idee des kriegerischen Djihad und der Todessehnsucht als Leitideal des Märtyrers war damit der islamische Fundamentalismus der Neuzeit geboren. Die Djihad-Bewegung der Muslimbrüder nahm fast ausschließlich den Zionismus und die Juden in ihr Visier. Zur Massenorganisation wurden die Muslimbrüder nicht als antikoloniale, sondern als antijüdische Bewegung.

1936 zählten die Muslimbrüder 800, 1938 waren es 200.000 und im Jahre 2010 alleine in Ägypten rund eine Million aktive Mitglieder, sowie weitere Millionen an Sympathisanten. Politisch forderte die streng nach dem Führerprinzip ausgerichtete Organisation, neben der Unterwerfung der islamischen Frau, die Abschaffung aller Parteien, die Schaffung einer Staatsordnung auf Basis von Scharia und Kalifat, die Abschaffung von Zins und Profit zugunsten einer diktatorisch durchgesetzten Interessengemeinschaft von Arbeit und Kapital, da nach Ansicht der Muslimbrüder Finanz- und Zinskapital die Ursache allen Übels ist. Neben der Abschaffung der Börse sollen die Banken laut Muslimbruderschaft nationalisiert werden. Weitere Punkte waren: Landreform durch Enteignung der Großgrundbesitzer sowie die schnellstmögliche Industrialisierung mit Schwerpunkt auf die Kriegsindustrie sowie autark belieferbare Industriezweige. Alle sinnlichen und „materialistischen“ Versuchungen der kapitalistischen und kommunistischen Welt sind für die Muslimbrüder Werke des “Bösen“. Die Muslimbrüder waren und sind zu fast hundert Prozent ein Männerbund. Die bedeutendste Neuerung der Bruderschaft war die Auslegung des Korans. Im Mittelpunkt dieser Auslegung stand das Konzept des Djihad als heiliger Krieg und damit verbunden die Sehnsucht im Krieg gegen die Ungläubigen als Märtyrer zu sterben. Der Antisemitismus der Muslimbrüder speiste und speist sich nicht nur aus europäischen, sondern zugleich aus spezifisch islamischen Einflüssen. Palästina gilt den Islamisten als muslimisches Einflussgebiet, in welchem Juden kein einziges Dorf, geschweige denn einen Staat beherrschen dürften.

Sayyid Qutb (1906-1966), trat 1951 der Muslimbruderschaft bei. Er gilt als einer der wichtigsten islamistischen Denker des 20. Jahrhunderts. „Sein Essay „Unser Kampf mit den Juden“, der nach 1967 millionenfache Verbreitung fand und bis heute findet, macht die Juden für den weltweiten moralischen und sexuellen Verfall verantwortlich: „Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude; und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der heiligen gesellschaftlichen Beziehungen steckte ebenfalls ein Jude.“ Sayyid Qutb erklärte Palästina zum heiligen islamische Gebiet (Dar al-Islam) und Israels Vernichtung zu einer religiösen Pflicht. Juden sind in Anlehnung an Koranverse nach Sayyid Qutb als „Schweine“ und „Affen“ verächtlich zu machen und er bot als wissenschaftliche Erkenntnis die Behauptung feil, dass das Verzehren von nicht-jüdischem Blut ein religiöser Ritus der Juden sei. Die größten Opfer dieser islamistischen Wendung waren die Muslime selbst. Mit dem „Kampf gegen die „Verderber“ ist die Unterdrückung eigener sinnlicher Bedürfnisse gemeint und mit der Rückkehr zu den „heiligen gesellschaftlichen Beziehungen“ die „Unterjochung der Frau“

Unbeschadet von der Vergangenheit setzte der Großmufti Amin al-Husseini nach 1945 den Kampf gegen die Juden fort. Der frühere Hauptschriftführer der NS-Zeitung Wille und Weg, Johannes von Leers wurde vom Großmufti, Führer der Palästinenser ins sichere Ägypten geholt. Johannes von Leers konvertierte zum Islam und agitierte weiter gegen die Juden und den jüdischen Staat. Gemeinsam mit dem ehemaligen Großmufti führte Ramadan den Kampf gegen Israel fort. In den Jahren 1948 und 1949 kämpfte Ramadan als Freiwilliger auf jordanischer Seite im Krieg gegen Israel und gründete die erste Niederlassung der Bruderschaft in Jerusalem.  Anfang Dezember 1953 nahm Ramadan an einem weiteren Kongress in der geteilten Stadt Jerusalem teil. 1951 wurde Said Ramadan Generalsekretär des „Islamischen Weltkongresses“. Zusammen mit Sayyid Qutb gehörte er zum radikalen Flügel der Bruderschaft, dessen Anhänger sich für einen gewaltsamen Umsturz in Ägypten stark machten, um ihr Ziel, die Errichtung eines islamischen Staates, durchzusetzen. Am 6. Oktober 1954 verübten Muslimbrüder ein Attentat auf Nasser, worauf alle offenen Strukturen der Muslimbrüder in Ägypten vernichtet und über 4.000 ägyptische Muslimbrüder inhaftiert wurden, Todesurteile und Hinrichtungen folgten. Später, im Jahr 1966 wurde Sayyid Qutb unter Gamal Abdel Nasser durch Hängen hingerichtet. Ramadan floh zuerst in die Schweiz und schrieb seine Dissertation. Ramadans Doktorvater war Professor Gerhard Kegel von der Universität Köln, wo er 1959 mit einer Arbeit über islamisches Recht promoviert wurde. Ab diesem Zeitpunkt war Ramadan ein umtriebiger Funktionär der Muslimbrüder in Deutschland.

Eine große Moschee sollte in München gebaut werden, so schuf man dafür mit Unterstützung der deutschen Politik eine „Moscheebau-Kommission“. Den Hintergrund der muslimischen Gruppen erörterten lediglich die Beamten in internen Briefen, Vorgaben und Memoranden. Im März 1960 wurde die „Moscheebau-Kommission“ von Nuredin Namangani und Said Ramadan gegründet. Heute zeigen diese Akten wie der politische Islam nach Deutschland kam. Der Vorsitzende der Kommission wurde Nuredin Namangani, der ehemalige SS-Führer des „1. Ostmuselmanischen SS-Regiments“ aus Usbekistan, der mit der berüchtigten Brigade Dirlewanger bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes dabei war. An vorderster Front für Münchener Moschee kämpfte vor allem der Muslimbruder Said Ramadan und fehlende Mittel steuerte letztlich das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi bei. Aus arabischen Ländern kamen unzählige Angehörige der Muslimbruderschaft und diesen nahestehende Studenten, die ins Ausland flohen, um einer Festnahme im Nahen Osten zu entgehen.

Die „Münchener Moschee“ ist heute Teil des „Islamischen Zentrums München.“  „Das „Islamische Zentrum München“ und seine Vorläufer waren, laut Susanne Schröter, die Ausgangsorte eines bemerkenswerten Prozesses der Verankerung und Verbreitung des politischen Islam in Deutschland. Dabei spielten deutsche Konvertiten wie Axel Ayyub Köhler, Ahmad von Denffer, Tilman Schaible oder Fatima Grimm, die sich seit den 1980er-Jahren teilweise in einem Münchener »Treffen Deutschsprachiger Muslime« versammelten, eine tragende Rolle.“ Fatima Grimm wurde am 25. Juli 1934 als Helga Lili Wolff in München als Tochter des SS-Obergruppenführers und Generals der Waffen-SS Karl Wolff geboren. Bereits im Jahr 1960 legte sie in München das islamische Glaubensbekenntnis ab. 1962 zog sie mit ihrem damaligen Ehemann Omar Abdul Aziz nach Pakistan. Drei Jahre später kehrte sie mit ihrem Mann wieder nach München zurück um sich in der muslimischen Gemeinde zu engagieren. 1983 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden. 1984 heiratete sie den verwitweten deutschen Konvertiten Abdul Karim Grimm und zog zu ihm nach Hamburg. Fatima Grimm zählt seitdem zu den wichtigsten und einflussreichsten Stimmen des politischen Islam in Deutschland. Jahrelang wirkte sie als Funktionärin in einer der ältesten noch bestehenden islamischen Vereinigung der Bundesrepublik, der „Deutschen Muslim-Liga Hamburg“. Der Vater von Fatima Grimm, der SS-Scherge Karl Wolff,  der 1964 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen (Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka) zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, konvertierte nach dem Krieg zum Islam.

Das Hauptthema von Fatima Grimm waren die Erziehung der Kinder und die Rolle der Frau im Islam. In einem Artikel für Al-Islam stellt sie wie in ihrem Buch „Frau und Familienleben im Islam“ die im Koran erlaubte Mehrehe des Mannes nicht in Frage. Sie verteidigte diese ebenso wie arrangierte Hochzeiten. In der Publikation von Fatima Grimm „Die Erziehung unserer Kinder“, die von islamischen Buchhandlungen gerne zum Kauf angeboten wird, setzt sie sich für ihr reaktionäres Familienbild, den „Dschihad“ ein und verwendet Begrifflichkeiten wie „dar ul-harb“, wörtlich übersetzt „Haus des Krieges“.

In dieser weit verbreiteten Broschüre schreibt Fatima Grimm beispielsweise: „Ich meine, dass wir etwa um das 15. Lebensjahr herum damit rechnen dürfen, unsere Kinder für den Begriff des Dschihad aufgeschlossen zu finden. Wir müssen ihnen dann zeigen, auf welchen Gebieten unser Glaube den Angriffen des dar ul-harb ausgesetzt ist, und ihnen Wege eröffnen, die es ihnen einmal ermöglichen sollen, die Verteidigung erfolgreich in die eigenen Hände zu nehmen. Dazu gehört, dass wir als Mütter nicht feige und ängstlich darauf bedacht sind, unsere Söhne vor jeder Gefahr zu bewahren. Wir könnten es sowieso nicht, denn wenn Gott ihre Stunde für gekommen hält, kann sie ebenso ein Auto überfahren oder eine Krankheit heimsuchen. Vielmehr sollten wir ihnen immer vor Augen führen, was für eine großartige Auszeichnung es für jeden Muslim ist, für die Sache des Islam mit der Waffe in der Hand kämpfen zu können. Einen größeren Verdienst kann er sich ja durch nichts auf Erden erwerben.“ Sollte der junge Mann nicht in der Lage sein, gegen die Feinde des Islam zu kämpfen, dann könne man „ebenso mit Wort und Schrift für die Sache Gottes streiten, man kann als Arzt kranken und verwundeten Muslimen helfen, man kann als Ingenieur wichtige technische Geräte entwickeln, als Architekt lebensnotwendige Gebäude errichten — diese Reihe ließe sich bis ins Unendliche fortsetzen“

Die fundamentalistische Feministin Zainab al-Ghazali, die Begründerin der „Organisation Muslimischer Frauen“, dem weiblichen Pendant zur „Muslimbruderschaft“, zählte zu Fatima Grimms engen Bekannten. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ernannte Fatima Grimm bereits vor Jahren zum Ehrenmitglied.  Ayyub Axel Köhler, der von 2006 bis 2010 den »Zentralrat der Muslime in Deutschland« leitete, betonte  in einem 1981 herausgegebenen Buch, dass die Demokratie als Staatsform dem Islam fremd sei. Um ihre Ziele zu erreichen, setzt die Muslimbruderschaft  auf eine langsame Durchdringung der Gesellschaft durch eine entsprechend geschulte muslimische Elite. Die meisten Moscheen werden aus dem Ausland finanziert und  islamische Verbände wie die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.“ oder DITIB verstoßen mit ihrer Ideologie gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Es ist kein Zufall, dass die islamische Hamburger Terrorzelle die Anschläge vom 11. September 2001 plante und durchführte.

Im Kalten Krieg sollten während der fünfziger Jahre Versprechungen an nichtrussische Minderheiten erneut mithelfen, den Vielvölkerstaat Sowjetunion zu destabilisieren  und während des Afghanistan-Krieges gegen die Sowjetunion in den achtziger Jahren unterstützte der Westen den Terror auf afghanische Schulen, Krankenhäuser und die Zivilbevölkerung der Mudschaheddin, um den Zerfall der kommunistischen Herrschaft voranzutreiben. 1979 begeisterte sich Joschka Fischer, der spätere Außenminister, im „Pflasterstrand“ für die islamfaschistische Revolution im Iran, für die iranischen „Kader und Führer die sich aus der Priesterschaft rekrutieren“, die eine „der mächtigsten und sichersten, weil brutalsten und reichsten Diktaturen von Amerikas Gnaden binnen eines Jahres durch eine revolutionäre Massenbewegung ohne Waffen bis ins Mark erschüttert“ haben und damit „ins Herz des westlichen Fortschrittsglaubens“ getroffen haben. Im November 2012 betonte die damalige SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles „gemeinsame Werte“ und eine „strategische Partnerschaft“ zwischen den Judenmördern der Fatah und der SPD.

Im März 2020 promotete der designierte Kanzlerkandidat der Grünen Robert Habeck ein Buch der islamistischen und von daher naturgemäß verschleierten Bloggerin Kübra Gümüsay. In Mönchengladbach wurde im November 2020 Nasser Zeaiter, der für die Grünen im Stadtrat sitzt,  zum neuen Vorsitzenden des Integrationsrates gewählt. Er selbst wie auch das von ihm gegründete al-Ghadir-Kulturzentrum kooperieren mit der islamfaschistischen Hizbollah. Nach den bestialischen islamischen Morden von Paris und Nizza halluzinierte in der ARD-Sendung TTT die „Terrorismusexpertin“ Anne Giudicelli: „Bei aller Meinungsfreiheit – man hätte nicht unbedingt mit der Neuveröffentlichung der Mohammed-Karikaturen den Finger in die Wunde legen müssen. Wollen wir tatsächlich, dass diese Bilder Symbole für Meinungsfreiheit sind? So eine Karikatur kann brutal und vulgär rüberkommen. Ich halte uns als Nation für stark genug, um die Fahnen der Republik nicht mit einer Karikatur von Charlie Hebdo schmücken zu müssen.“ Vertreter des politischen Islam und deren Apologeten überbieten sich derzeit in Antisemitismus- und Holocaust-Relativierungen angesichts der Anti-Terror-Maßnahmen Österreichs und Frankreichs. Sie heften sich einen gelbem Halbmond-Fleck an, und  vergleichen wie Farid Hafez die Maßnahmen gegen den Islamismus mit der „Kristallnacht.“ Der Politologe Farid Hafez verglich die aktuellen bei  Muslimbrüdern durchgeführten Razzien mit den Novemberpogromen 1938. Der Vergleich der sogenannten „Islamophobie“ mit dem Antisemitismus, die infame holocaustrelativierende Behauptung die Muslime seien die „neuen Juden“ ist mittlerweile fester Bestandteil links-grüner Diskurse, siehe beispielsweise die entsprechenden  Aussagen eines Alexander Van der Bellen oder von Gesine Schwan.

Nationalsozialisten und rechtsextreme Politiker unterstützten und installierten in den fünfziger Jahren den politischen Islam in Deutschland als Bollwerk gegen den Sowjetkommunismus. Obwohl der Islamismus gegen alles steht, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse, tabuisieren, verharmlosen oder verteidigen links-grün-alternative , postmoderne, kulturalistische Islam-Apologeten, nach dem Motto – die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber – zur Zeit wieder einmal verstärkt den islamischen Terror.

Der Islam ist kaum reformierbar, er hat seine innere Logik, die im Koran festgeschrieben ist. Die weltlichen, atheistischen Muslime sind die ersten Opfer dieser Herrschaftsideologie und sie sollten von der westlichen Welt geschützt und unterstützt werden, was leider kaum der Fall ist. Der deutsche Staat kooperiert und finanziert nach wie vor die islamistischen Vereine, Moscheen und Verbände und islamfaschistische Staaten wie den Iran. Die Aufklärung wurde nicht von gläubigen Christen erfunden, im Gegenteil, die Aufklärung wurde gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erzwungen, von Gegnern der Kirche, von Atheisten, von Weltlichen, die den Fanatismus und den Aberglauben des Christentums denunzierten und lächerlich machten. Kritik am Islam hat mit Rassismus so wenig zu tun wie Kritik an anderen Religionen. Wenn also „Antirassisten von  „Islamophobie“ halluzinieren belegen sie ihre Affinität zum Islamfaschismus. Die zielgerichtete Dämonisierung der „Whiteness“ ist eine Rebellion vermeintlicher Eliten gegen die westliche Zivilisation.

So unterschiedlich die Weltbilder von Theodor Oberländer, Said Ramadan auf der einen Seite und den links-grün-alternativen, postmodernen kulturalistischen Komikern auf den ersten Blick auch sein mögen, der Hass auf den freien westlichen Lebensstil, die Wut auf den Staat Israel und die Kumpanei mit dem islamischen Terror vereint sie. Darum die Parole: Keinen Millimeter den Islamfaschisten und deren Verteidigern, ihr Fanatismus, ihr Aberglaube und ihre Menschenverachtung muss denunziert, angeprangert und nicht zuletzt auch lächerlich gemacht werden.

Quellen: Stefan Meining – Eine Moschee in Deutschland – Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam in Deutschland | Susanne Schröter – Politischer Islam: Stresstest für Deutschland | Bousalem Sansal – Allahs Narren, Wie der Islamismus die Welt verändert | Klaus Gensicke – Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten Eine politische Biographie Amin el-Husseinis | Léon Poliakov/Joseph Wulf – Das Dritte Reich und seine Diener, Auswärtiges Amt, Justiz, und Wehrmacht, Dokumente und Berichte | Matthias Küntzel – Djihad und Judenhaß

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Der islamische Terror in Europa im Herbst 2020 und die „antirassistischen“ Sympathisanten

14. November 2020

Am 4. Oktober 2020 griff ein syrischer Flüchtling mit einem Messer zwei homosexuelle Touristen aus Nordrhein-Westfalen in der Dresdner Altstadt an. Als sich Thomas L. und sein Lebenspartner umarmten fühlte sich der islamische Gotteskrieger berufen die beiden Männer mit einem Messer zu ermorden. Der 55-jährige Thomas L. erlag seinen Verletzungen, sein Lebenspartner Oliver wurde schwer verletzt. Wochenlang haben die sächsischen Ermittlungsbehörden und die Bundesanwaltschaft geschwiegen, dass die Tat ein homofeindliches islamistisches Motiv gehabt haben könnte.

Am 16. Oktober 2020 wurde in einem Pariser Vorort der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem islamischen Gotteskrieger mit einem Flüchtlingsstatus und tschetschenischer Herkunft bestialisch auf offener Straße unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer ermordet und enthauptet. Der Täter machte mit seinem Handy ein Foto von der Leiche und dem abgetrennten Kopf und twitterte mit dem Titel „Das ist Herr P.“: „Von Abdullah, dem Diener Allahs, bis zu Macron, dem Herrscher der Ungläubigen, habe ich einen eurer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed zu erniedrigen.“ Während zigtausende hasserfüllte Moslems durch Dhaka, Istanbul, Karachi, Bamako oder Neukölln zogen und französische Flaggen verbrannten oder gegen Macron und für den Mörder protestierten, übte sich die deutsche Regierung wie gewohnt in Zurückhaltung.

Am 29. Oktober 2020 ermordete ein 21-jähriger Tunesier, der über Lampedusa  kurz zuvor eingereist ist, in Nizza, in der katholischen Kirche Notre Dame drei weitere „Ungläubige“ mit einem Messer. Der katholischen Kirchgängerin Nadine Devillers wurde von der „Allahu Akbar“ rufenden Bestie, einem über Lampedusa eingereisten Tunesier der Kopf abgeschnitten weil sie Christin war. Der 54 Jahre alte Küster Vincent Loques, Vater zweier Kinder, wurde ebenfalls in seiner Kirche von dem Moslem enthauptet. Die letzten Worte an den herbeigeeilten Notarzt, der zunächst schwer verletzten Christin Simone Barreto Silva, die sich noch in ein Café schleppte, waren bevor sie starb: „Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe.“

Ein paar Tage später, am 2. November 2020 startete ein Dschihadist mit albanischen Wurzeln und österreichischem Pass in Wien seine Jagd auf Passanten und Besucher von Cafés, ähnlich wie sein Gesinnungsgenosse 2015 in Paris um das Bataclan. Der islamische Gotteskrieger ermordete in der Wiener Innenstadt wahllos vier Menschen und verletzte weitere 22 mit seinem automatischen Sturmgewehr und einer Pistole.

Der Terror von Dresden, Paris, Nizza und Wien ist der vorläufige Höhepunkt einer langen furchtbaren Entwicklung. Alleine in Frankreich gab es in den letzten acht Jahren durch Anschläge von islamischen Gotteskriegern 267 Tote, alleine 130 Tote im und um das Bataclan 2015 in Paris, im selben Jahr der Anschlag auf Charlie Hebdo. Der Weihnachtmarkt am Berliner Breitscheidplatz wurde 2016 von einem Islamisten überfallen, Madrid 2004, London 2005, 2017,2020,  Brüssel 2014, in der  Kölner Silvesternacht 2016 kam es zu über 600 sexuellen Übergriffen durch muslimische Migranten, der Axtangriff von Würzburg 2016 in einer Regionalbahn, der Selbstmordanschlag von Ansbach 2016, in Kopenhagen 2015 der Anschlag in einem Café, wo eine Veranstaltung zur Meinungsfreiheit stattfand, die ermordeten Frauen von Kandel bis Freiburg, die enthauptete Apostatin von Prien am Chiemsee 2017, und so weiter, und so weiter.

Alle islamischen Terroristen auch die von Dresden, Paris, Nizza bis Wien taten nichts anderes als ihr Prophet Mohammed, wie es in der Prophetengeschichte und den Hadithen nachzulesen ist. Die islamischen Mörder berufen sich auf den Koran und sie handeln im Namen des Islam. Die Terroristen versuchen wie Mohammed ihre Ideologie mit Gewalt, Mord, Vergewaltigung, Sklaverei und sonstigem Terror zu verbreiten. Spätestens seit diesem Herbst müsste auch der letzte Ahnungslose wissen: Der Islam ist eine gewalttätige Herrschaftsideologie.

Beispielsweise wurde die jüdische Dichterin Asma Bint Marwan auf Geheiß Mohammeds ermordet weil sie Schmähgedichte gegen ihn und seine Anhänger schrieb. Neben vielen anderen ließ Mohammed den Anführer des jüdischen Stammes Banu an-Nadir, den Dichter Kaab Ibn al-Ashraf enthaupten, weil er Schmähgedichte über ihn verfasste. Diese Morde hatten bereits damals den Zweck die Gegner einschüchtern. Der barbarische Tötungsakt der Enthauptung hat im Islam, laut Koran eine besondere Bedeutung, so ließ Mohammed nach seinen imperialistischen Eroberungen die „Ungläubigen“ enthaupten. Die Enthauptung ist laut Koran und laut Hadith die ultimative Strafe, die ultimative Erniedrigung des Feindes. Diese grausame Art zu sterben soll bei den „Ungläubigen“ Angst und Schrecken auslösen. Laut Koran und den Haditen belagerte Mohammed beispielshalber nach seiner mörderischen Eroberung von Medina die Siedlung des jüdischen Stammes der Banu Quraiza,  bevor diese verhungerten kapitulierten sie.  Alle 800 Männer des jüdischen Stammes wurden enthauptet und die Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei gezwungen.

Der Islam führt spätestens seit dem 11. September 2001 einen Krieg gegen die Zivilisation, gegen die westliche Moderne und gegen die liberale selbstbestimmte Gesellschaft. Der Islam ist eine Herrschaftsideologie, die Menschen in zwei Klassen teilt, in Gläubige und Ungläubige. Im Islam gibt es die unterschiedlichsten Strömungen und Bewegungen. Sunniten und Schiiten die sich bekämpfen sich zwar, Muslimbrüder, Salafisten oder Wahabiten legen die Scharia unterschiedlich streng aus, die Grundlage aller ist der Prophet Mohammed und seine Geschichte, der Koran und die Hadithen. Alle Differenzierungen, alle Definitionen wie  „politischer Islam“ oder „Islamismus“ sind zwar legitim, aber letztendlich fußt alles auf einer Ideologie, die Menschen in zwei Klassen teilt, in Gläubige und Ungläubige. Wo hört Islam auf und wo fängt der Islamismus an. Diese Frage kann niemand beantworten, diese Trennlinie kann niemand ziehen. Der Islam akzeptiert keine Vielfalt, der Koran erhebt den Anspruch der absoluten Wahrheit, das Wort Allahs ist Gesetz und unveränderlich. Die Frau ist im Islam ein Mensch zweiter Klasse, Homosexuelle werden verfolgt und ermordet und der Hass auf Juden ist im Islam systemimmanent. Die Vernichtung des Staates Israel ist Staatsdoktrin nicht nur im Gottesstaat Iran.

Der Hauptgrund für die Armut und die Zurückgebliebenheit in der islamischen Welt ist die staatlich verordnete islamische Ideologie. Ruud Koopmans belegt dies in seinem letzten Buch am Beispiel zweier vergleichbarer Staaten. Die Inselstaaten Mauritius und die Malediven haben beide eine vergleichbare koloniale Vergangenheit. Keiner der beiden Staaten verfügt über Öl oder andere natürliche Ressourcen. Bezüglich Demokratie und Menschenrechte unterscheiden sich beide Staaten freilich enorm. Die Mehrheit auf Mauritius sind Hindus und die muslimischen und christlichen Minderheiten können ihren Glauben frei ausleben. Auf den Malediven hat die Demokratie dagegen nie Fuß gefasst. Das Land hat keine Religionsfreiheit, der sunnitische Islam ist Staatsreligion, die offene Ausübung anderer Religionen ist verboten. Für Muslime steht der Glaubensabfall unter Strafe. Es gibt keine Redefreiheit und in den Gefängnissen wird gefoltert.

Der Umgang mit Apostaten, Reformern und Kritikern in der islamischen Welt ist grauenhaft. Ein Muslim, der sich nicht strikt an die Schriften hält, sich von Scharia und Dschihad emanzipiert hat, gilt in den Augen des islamischen Mainstreams als „schlechter“ Muslim. Dieser „schlechte“ Muslim ist in Wirklichkeit der „gute“ Muslim, er müsste vom zivilisierten aufgeklärten Westen unterstützt und gefördert werden, was leider nicht der Fall ist. Vom Marokko über den Iran bis nach Pakistan, überall in der islamischen Welt gibt es mutige Muslime die sich gegen die Zumutungen des Islam auflehnen und ihr Leben dafür riskieren. Sie alle werden vom Westen und vor allem von den dortigen Kulturrelativisten im Stich gelassen.

Führende Nationalsozialisten, von Hitler bis Himmler, waren vom Islam fasziniert. Wann immer Hitler während der Kriegsjahre die katholische Kirche kritisierte, verglich er sie gleichzeitig mit dem Islam, quasi als positives Gegenbeispiel. Heinrich Himmler meinte unter anderem: „Ich muss sagen, ich habe gegen den Islam gar nichts, denn er erzieht mir in dieser Division namens Handschar seine Menschen und verspricht ihnen den Himmel, wenn sie gekämpft haben und im Kampf gefallen sind. Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion!“

So wie während der Zeit des Nationalsozialismus zusammenwuchs was zusammengehörte, die Zusammenarbeit mit dem Hardcore-Antisemiten dem Großmufti von Jerusalem war legendär, so wächst auch heute wieder zusammen was zusammengehört. Die vielen Aussagen der deutschen Islam-Apologeten sind die schlagenden Beispiele dafür.  Während die TAZ bezüglich der Grundsatzrede Macrons gegen des islamischen Terror, in der er „strengere Kontrollen von Moscheen und anderen muslimischen Einrichtungen“ ankündigte, von einer „motivierten Überreaktion“ halluzinierte, weigern sich muslimische Schüler an der Schweigeminute für Samuel Paty teilzunehmen. An der Christian-Morgenstern-Grundschule in Berlin bedrohte ein elfjähriger muslimischer Schüler seine Lehrerin und direkt nach der Schweigeminute erklärte der Junge, „man dürfe jemanden töten, der den Propheten beleidigt habe, das wäre in Ordnung.“

Was Europa derzeit erlebt, erlebt die islamische Welt tagtäglich. Während des „Europäischen Herbstes 2020“ ermordeten islamische Gotteskrieger in Kabul 22 Studenten und im Norden Mosambiks haben militante Islamisten mehr als 50 Menschen enthauptet. Unterdrückung, Verfolgung von Minderheiten, Frauen und Ungläubigen ist an der Tagesordnung in der islamischen Welt. Susanne Schröter beschreibt die islamistische Ordnung  wie folgt: „Im Kern geht es überall um die Durchsetzung eines totalitären und menschenrechtsfeindlichen Systems, dessen wesentliche Elemente man in vier Bereiche unterteilen kann: den der Politik, des Rechts, der Geschlechterverhältnisse und der Gewalt.“

Von Pakistan über Bangladesch, den Mittleren und Nahen Osten bis hin nach Nord-, West- und Ostafrika versuchen gut organisierte politische Akteure islamistische Normen durchzusetzen. Mit diesen Normen, von der Blasphemie-Gesetzgebung bis zur vermeintlichen Diskriminierung von Muslimen wird die Repression gegen die Opposition islamisch begründet. Dreh und Angelpunkt ist die Scharia mit seiner islamistischen Genderordnung. Der Hass von Islamisten auf Frauen, die ihr Leben und ihre Sexualität selbst bestimmen kennt keine Grenzen. Das deutlichste Symbol der patriarchalisch-islamistischen Genderordnung ist, laut Susanne Schröter, der Hidschab, der Schleier. Der Grad der Islamisierung einer Gesellschaft ist an der Anzahl verschleierter Frauen abzulesen. Im Iran werden Frauen ausgepeitscht oder werden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wenn sie kein Kopftuch tragen. Für die Durchsetzung dieses politischen Islams wird Gewalt benötigt um diejenigen einzuschüchtern die dem islamistischen Projekt im Wege stehen.

Islamische Vereinigungen kämpfen seit Jahren für die Gewährung von islamischen Sonderrechten, vor allem die Durchsetzung islamischer Bekleidung für Frauen und Mädchen und dabei wiederum vor allem das Kopftuch. Susanne Schröter: „Für Europa gilt: Je größer der muslimische Anteil der Bevölkerung in einer Kommune ist, desto kompromissloser wird für die islamistischen Regularien gekämpft, und dort, wo Nichtmuslime bereits in der Minderheit sind, wie in einigen Stadtvierteln britischer, französischer oder belgischer Städte, werden in Schulen oder auf der Straße islamistische Normen mit Gewalt durchgesetzt. In Deutschland hinkt die beunruhigende Entwicklung noch hinterher, doch erste Anzeichen sind auch bei uns evident.“ Der niederländische Sozialwissenschaftler Ruud Koopmans stellte in einer  Studie fest, dass 65 Prozent der Muslime religiöse Regeln für wichtiger erachten als die Gesetze des europäischen Landes, in dem sie leben. Laut Susanne Schröter müssen die Programme zur Assimilierung muslimischer Minderheiten ernst genommen werden: „Für alle, die sich weigern, sich zu assimilieren, sollte es ein Rückführungsprogramm geben, das heißt ein Programm zur Rückführung in die Herkunftsländer, wo sie nach der Scharia leben können“

Samuel Paty und viele andere Kritiker des Islam wurden wegen der Mohammed-Karikaturen ermordet. Die Mohammed-Karikaturen waren und sind absolut harmlos, so gut jede Karikatur gegen den Papst oder Helmut Kohl war beleidigender. Der politische Islam, diese unerträgliche Herrschaftsideologie hat keine Sonderrolle, denn im Westen gibt es Meinungsfreiheit und die Kritik an der Religion war und bleibt ein Wesenszug der Aufklärung. Warum durfte Helmut Kohl zu Lebzeiten jahrelang in unzähligen Karikaturen persönlich tatsächlich schwer, zum Beispiel als „Birne“, beleidigt werden und ein pädophiler Massenmörder der von Jahrhunderten gestorben ist, nicht?

Wie viele „Ungläubige“ müssen noch in Europa bestialisch ermordet werden, wie vielen werden noch die Köpfe abgeschlagen bis es zu eingreifenden Reaktionen in Politik und wütenden Texten und glaubwürdiger Empathie mit den Opfern in den Mainstream–Medien kommt? Wann endlich werden die Kirchen reagieren wenn ihre Mitglieder von islamischen Terroristen abgeschlachtet werden? Auf den offiziellen Internetseiten der Kirchen erfuhr man nichts über den Terror von Nizza gegen die eigenen Mitglieder. Warum gab es, im Gegensatz zum Tod des Kleinkriminellen George Floyd nach einem Polizeieinsatz, keine Sondersendungen, keine Brennpunkte in ARD und ZDF zum islamischen Terror von Dresden, Paris, Nizza und Wien? Warum kennt jeden den Namen George Floyd, aber kaum jemand die Namen der Opfer des islamischen Terrors? Die vermeintlichen „Antirassisten“ von Black Lives Matter blieben genauso still wie die „Antirassisten“ der postkolonialen Linken. Bundesligavereine wie etwa Eintracht Frankfurt nähten sich, im Gegensatz zu Zeiten der BLM-Hysterie, keine entsprechenden Logos auf ihre Trikots.

Auf die Mordaktionen der RAF hat der Staat mit aller Härte und am Rande und auch außerhalb der Rechtstaatlichkeit reagiert. Der§ 129 StGB Bildung terroristischer Vereinigungen wurde geschaffen. Wenn im „Deutschen Herbst“ ein Postbote sein Taschentuch aus der linken Hosentasche zog oder ein Lehrer darauf aufmerksam machte, dass der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, ehemals SS-Führer beim Reichssicherheitshauptamt, früher in der arisierten Villa Waigner als Leiter  des Präsidialbüros für den Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren „arbeitete“, drohte die Arbeitslosigkeit.  Weil der Göttinger Mescalero in seinem Nachruf auf den Generalbundesanwalts Siegfried Buback „klammheimliche Freude“ empfand, gab es Strafanzeigen, Ermittlungsverfahren und Durchsuchungsaktionen von schwer bewaffneten Polizeieinheiten beim ASTA der Universität in Göttingen. RAF-Mitglieder wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt obwohl ihnen außer der Mitgliedschaft einer Terrorvereinigung nichts nachgewiesen werden konnte. Der Terror der RAF richtete sich in erster Linie gegen Politiker und Wirtschaftsführer, vermutlich reagierte deswegen der Staat so hart und so entschlossen. Von  Entschlossenheit gegen des islamischen Terror ist nichts zu spüren. Der Terror der islamischen Ideologie richtet sich gegen die Bevölkerung. Juden, Christen, Apostaten,  Gotteslästerer und Café-Besucher werden von islamischen Terroristen ermordet weil sie Juden, Christen, Apostaten,  Gotteslästerer und Café-Besucher sind.

Allahs willige Vollstrecker und deren Sympathisanten sollten den §129 StGB  in seiner vollen Härte spüren. In den sozialen Medien feiern, verteidigen oder verharmlosen antisemitische „Antirassisten“ oder gläubige Moslems die bestialischen Morde von Dresden, Paris, Nizza oder Wien. Moscheen mit Hasspredigern müssen endlich geschlossen, die Hassprediger wie es Österreich und Frankreich angekündigt hat, ausgewiesen oder bestraft werden. Der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad hat seinen Rücktritt aus der sogenannten Islam-Konferenz bekanntgegeben. Die deutsche Regierung kooperiert noch immer mit islamischen Verbänden die vom Ausland finanziert werden und lässt islamkritische Leute wie Abdel-Samad links liegen. Um nicht die letzte Glaubwürdigkeit zu verlieren sollte zumindest die Finanzierung der islamischen Ideologie aus Ländern wie der Türkei, wie Katar, anderen Golfstaaten und die Kooperation mit Verbänden wie Ditib endlich gestoppt werden.

Eine „israelkritische“ und „antirassistische“ Anwältin für Asylrecht aus Berlin, vor wenigen Jahren die Frau fürs „israelkritische“ Grobe in Jakob Augsteins „Freitag“, verteidigte beispielsweise die bestialische Ermordung von Samuel Paty durch einen willigen Vollstrecker Allahs wie folgt: „im übrigen wiederhole ich: dieser lehrer ist kein märtyrer/shahid der meinungsfreiheit, er ist kein held. sondern einer, der das verbreiten von ressentiments gegen muslimas mit meinungsfreiheit verwechselt hat.“

Deutsche und österreichische, antisemitische, proiranischeAntirassistInnen“ halluzinieren in den sozialen Medien, Israel habe den Palästinensern das Land gestohlen, verteidigen, wie Erdogan oder die Mullahs aus dem Iran, den mörderischen Islam bis zum letzten Gefecht, haben wegen der „rassistischen Karikaturen“ vollstes Verständnis für die bestialische Ermordung von Samuel Paty und zeigen keinerlei Empathie gegenüber den enthaupteten Opfern von Nizza oder den ermordeten Menschen von Wien.

Verteidiger,  Sympathisanten oder Verharmloser des Islamfaschismus sind ein Angriff auf die Zivilisation und auf die Werte der Aufklärung, sie sind mitverantwortlich für den islamischen Terror, denn sie sind die Schreibtischtäter der Dschihadisten. „Antirassisten“, grün-alternative kulturrelativistische Islamverteidiger haben durch ihre Kumpanei mit dem Islamfaschismus das Blut  von Samuel Paty und allen anderen Opfern des Europäischen Herbstes an ihren Händen. Bei allen sonstigen Meinungsverschiedenheiten muss der letzte  Referenzpunkt der aufgeklärten Welt ein Humanismus sein, der einen eindeutigen Trennungsstich zu den Sympathisanten des Islamfaschismus zieht. Solange der §129a StGB bei den Apologeten des politischen Islam nicht angewandt wird, müssen die Islamfaschisten eindeutig als das benannt werden was sie sind, nämlich Menschenfeinde.

Quellen: Susanne Schröter – Politischer Islam: Stresstest für Deutschland | Ruud Koopmans – Das verfallene Haus des Islam: Die religiösen Ursachen von Unfreiheit, Stagnation und Gewalt | Christine Schirrmacher – Frauen und die Scharia: Die Menschenrechte im Islam | Hamed Abdel-Samad – Der islamische Faschismus: Eine Analyse | Bousalem Sansal – Allahs Narren, Wie der Islamismus die Welt verändert | Yehuda Bauer – Der islamische Antisemitismus | Klaus Michael Mallmann, Martin Cüppers  – Halbmond und Hakenkreuz, Das Dritte Reich, die Araber und Palästina | Hamed Abdel-Samad – Mohamed, Eine Abrechnung

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

 

Der eingebildete Rassismus

29. Oktober 2020

Der 1948 in Paris geborene Pascal Bruckner gehört neben Bernard-Henri Lévy, Alain Finkielkraut und André Glucksmann zu den Vertretern der Nouvelle Philosophie.

Pascal Bruckner wendet sich in seinen Texten gegen einen Multikulturalismus, der den westlichen Liberalismus schwächt. Er tritt  für die schwer erkämpften Errungenschaften der europäischen Aufklärung ein. Für Bruckner ist der Multikulturalismus ein Rassismus des Antirassismus, denn dieser kettet die Menschen an ihre Wurzeln. Pascal Bruckner ist ein Kritiker der islamischen Zumutungen und er belegt in seinen Texten dass Kritik am Islam nichts mit Rassismus zu tun hat. In der westlichen Toleranz gegenüber dem Islam liegt Verachtung, denn sie unterstellt, dass bestimmte Gemeinschaften unfähig seien zur Moderne. Bruckner: „Kant definierte die Aufklärung durch eine Devise: „Sapere aude! – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Eine Kultur des Muts – vielleicht ist es das, was unseren Seelsorgern fehlt. Sie sind die Symptome eines müden und von Selbstzweifeln geplagten Europas, das beim leisesten Alarm in Deckung geht. Hinter ihrer klebrigen Gutmenschenrhetorik spielt eine andere Musik: die der Kapitulation!“ Im Schatten des Antirassismus kämpft der Islam in Europa seinen verzweifelten, destruktiven und mörderischen Kampf und debile „Antirassisten“ unterstützen ihn dabei.

Pascal Bruckner fordert seit Jahren eine Solidaritätsbewegung zugunsten aller säkularen oder atheistischen Rebellen in der islamischen Welt. Europa sollte diesen abweichenden Stimmen Mut machen, ihnen finanzielle, moralische und politische Unterstützung zukommen lassen, sie einladen und beschützen. Es gibt laut Bruckner heute keine wichtigere für die Eintracht zukünftiger Generationen entscheidendere Aufgabe: „Doch unser Kontinent geht mit selbstmörderischer Unwissenheit vor den Gottesverrückten in die Knie und knebelt oder verleumdet die freien Denker. Selig die Skeptiker, die Ungläubigen, die die tödliche Glut des Glaubens erkalten lassen!“

Das Geschwätz von der „Islamophobie“ bezeichnet laut Bruckner eine narzisstische Kränkung, mit dem Kunstgriff „Islamophobie“, eine Erfindung des Massenmörders Ajatolla Khomeini, belegen die Gegner der Aufklärung, dass sie nicht bereit sind, die gleichen Regeln für den Islam gelten zu lassen, die zur europäischen Aufklärung geführt haben. Hinter dem vermeintlichen Antirassismus versteckt sich eine faschistische Ideologie welche die Welt in Gläubige und Ungläubige einteilt und entsprechend agiert. „Der Antirassismus entwickelte sich zur Religion der Post-Moderne, die mit anklagender Rhetorik permanent die Feindseligkeit aller gegen alle schürt.“ Viele Linke, bis weit ins bürgerliche Lager und Muslime tanzen heute im Gleichschritt und prangern Kritik am Islam groteskerweise als Rassismus und Phobie an.

Ende September 2020 erschien das neue Buch von Pascal Bruckner „Der eingebildete Rassismus: Islamophobie und Schuld“ (Un racisme imaginaire) im Tiamat-Verlag. Bruckner beschreibt das letzte Aufbäumen des Islam, sein Aufeinandertreffen mit der modernen Welt, die fehlende Kontextualisierung im Islam, denn der Koran ist das ewig gültige, nicht zu hinterfragende Wort Allahs. Pascal Bruckners neues Buch ist eine fulminante Rede für die europäische Aufklärung, für die universalen Menschenrechte, für die Rationalität und den Erhalt der westlichen Zivilisation und ein Manifest gegen die versuchte Faschisierung und Magisierung unserer Zeit.

In der westlichen Welt ersetzt seit Jahren die Identitätspolitik die Hilfe für die sozial Benachteiligten. Die einstmals von den Linken Repräsentierten und Mystifizierten verschwinden zugunsten von Minderheiten und so triumphiert die Herkunft über das Soziale. In einigen amerikanischen Universitäten wurde bereits der einfache Gebrauch von Ausdrücken wie „Islamismus“ oder „radikaler Islam“ von den Behörden untersagt. Seit der Salman Rushdie-Affäre, seit der Skandalisierung der „Mohammed-Karikaturen“, die mit der Ermordung der Redaktion von Charlie Hebdo einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, gibt es offenbar nur noch die Wahl der Duldung oder der Beleidigung. Der Islam hält sich nicht mit Ermahnungen auf, er tötet die Zuwiderhandelnden, die „Gotteslästerer“, die Apostaten. In einem Bericht des UN-Menschenrechtsrats von Doudou Diene ist die „Islamophobie“ eine „der schlimmsten Formen der Diffamierung“. Das UN Komitee setzte diese Art der Diffamierung dem klassischen Rassismus gleich. Die Absicht dahinter ist die Freiheit von der Religion, die Freiheit des Denkens und der Gleichheit zwischen Mann und Frau zu unterbinden. Nicht zuletzt sollen so die liberalen Muslime, die es wagen ihre Religion zu kritisieren, zum Schweigen gebracht werden. Gläubige Muslime, die  ihre Religion nur sporadisch ausüben werden im Islam verfemt und die Abtrünnigen werden von ihren Glaubensbrüdern öffentlich angeprangert und verfolgt.

Der Antirassismus ist aktuell geprägt von mehr oder weniger offen gezeigten Antisemitismus. Viele antizionistische Antirassisten relativieren den Holocaust und behaupten der Rassismus und der „imperialistische Krieg“ gegen die Dritte Welt sei das viel größere Verbrechen. Der Jude, ehemals der „Sündenbock des Westens, ist in seiner zionistischen Version zu einem Ausbund des Kolonialismus geworden“. Der Jude ist für „Antirassisten“ ein „Weißer zum Quadrat, ein quintessenzieller Weißer.“ Der tatsächliche Rassismus drückt sich in den Begriffen des Antirassismus aus, ebenso wie der gegenwärtige Faschismus in seinen Äußerungen antifaschistisch ist. „Er hebt damit an, dass er die einstigen Rassentrennungen anprangert, um sie desto gründlicher zu erneuern, aufzupolieren und ihnen den Vorschub und den Glanz der Subversion zu verleihen.“

Seit einem halben Jahrhundert reproduzieren viele arabische Regimes all die antijüdischen Stereotype Europas und sie haben nach wie vor viele Verbündete in Europa. Der linke Schriftsteller Stephane Hessel, ein entschlossener Anhänger der Hamas, schrieb 2011: „Die deutsche Besatzung war, wenn man sie zum Beispiel mit der heutigen Besetzung von Palästina durch die Israelis vergleicht, eine relativ harmlose, von Ausnahmen wie den Verhaftungen. Internierungen und Erschießungen, auch vom Raub der Kunstschätze abgesehen.“ Der Staat Israel hätte demnach das Dritte Reich als Inbegriff der Barbarei entthront. Wenn der Jude kolonisiert oder unterdrückt, verwandelt er sich nicht nur in einen Nazi, sondern er verhält sich schlimmer als die Nazis.

In Durban, während der so genannten „Konferenz gegen Rassismus“ im Jahr 2000 erhielt der orientalisierte Antisemitismus seine höheren Weihen. Sind Antisemitismus und „Islamophobie“ erst einmal gleichgestellt, setzt ein subtiler Prozess symbolischer Enteignung ein. Es handelt sich darum, die Juden beiseite zu schieben und die Moslems an ihre Stelle zu rücken. Nun sind wir an der Reihe, sagen die Letzteren. Postkoloniale Linke und „Antirassisten“ neiden mit großen Teilen der islamischen Welt den Juden die Deportation, das Unglück von Auschwitz. Die Antizionisten und die Islamisten wollen sich als Opfer darstellen, sich die Not unter den Nagel reißen, sich zu deren einzigen Eigentümer erklären. So wirft Erdogan seit Tagen Europa und dem französischen Staatschef Emmanuel Macron „Islamophobie“ vor und zweifelte die psychische Gesundheit des französischen Präsidenten an: „Die Muslime erleben heute eine ähnliche Lynchkampagne, wie sie gegen Juden in Europa zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg geführt wurde.“

Frankreich wird von den Fundamentalisten so verabscheut, nicht weil es die Moslems unterdrückt, sondern weil es sie befreit. „Nun lebt eine ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheit vielmehr wie eine ihrer Weltfremdheit überlassene kleine Nation dahin, der man aufgrund des ihr zugefügten Unrechts alles schuldig bleibe und bei welcher der übertriebenste Chauvinismus nur der Ausdruck einer legitimen Eigenliebe sei“

Die Erpressung „mit ethnischer, rassischer und religiöser Solidarität oder mit der Treue zur Umma dient dem Zweck, eventuelle Widerspenstige zur Ordnung zu rufen und ihr Streben nach Freiheit zu zügeln. Darin besteht die ganze Schwierigkeit, Moslems in westlichen Demokratien nach islamischem Recht urteilen lassen zu wollen, neben dem allgemeinen Gesetz, ein besonderes zu errichten, das die Betroffenen, vor allem die Frauen, häufig als einen abscheulichen Rückschritt erleben.“ Den Islam zu kritisieren gehört zum Geist einer freien Auseinandersetzung und zur  Diskussion in einer offenen Gesellschaft. Der Islam ist wie das Christentum oder der Buddhismus keine Rasse! Islamkritik mit Rassismus gleichzusetzen ist von daher absurd.

Der Islam ist eine reaktionäre und mörderische Ideologie,  der seinen Mitgliedern vorschreibt wie sie zu leben und wie sie mit Andersdenkenden umzugehen haben. Man stelle sich vor, die Verteidiger des Christentums  hätten versucht die Kritik an ihrer Lehre und an ihrem Handeln mit dem Vorwurf der „Christianophobie“ zu zensieren. Warum die westlichen Apologeten des Islam nicht dafür ausgelacht werden gehört zu den Wundern unserer Zeit. Allen Verteidigern der islamischen Verschleierung müsste man nahelegen, ihn auf Männer auszuweiten: „Warum sollte das Haupthaar eines Jünglings weniger unzüchtig sein als das einer jungen Frau? Ist die Frau von Natur aus ein unreines Wesen“, das sein Haar und sein Gesicht verbergen muss? „Das Christentum konnte der Gewalt in ihrer romanischen, byzantinischen, orthodoxen oder protestantischen Form nur entkommen, indem es sich von seiner militanten und militärischen Form der Proselytenmacherei verabschiedete. Die römische Kirche ist ungewollt zu einem Parlament geworden, das zwischen seinen verschiedenen liberalen bis fundamentalistischen Fraktionen zu vermitteln gezwungen ist. Selbst wenn sie sich auch weiterhin als Wahrer des einzigen Glaubens wähnt, so ist sie, obschon mit Vorbehalten, bereit, den Dialog mit dem Atheismus, dem Protestantismus, der Orthodoxie, dein Judentum und dem Islam zu führen. Sie hat früher aus Überzeugung intolerant gehandelt, jetzt wird sie dazu genötigt, aus Vernunft gnädig zu sein.“

Die Perversität des Obskurantismus besteht darin, dass er die Freiheit als Anomalie erscheinen lässt und die Knechtung als Norm. „Wie kann man nicht sehen wollen, dass die Burka, abgesehen davon, dass sie Körper in einem Leinentuch verhüllt, die rassistische Uniform schlechthin ist, da sie der Welt sagt: Ihr seid nicht würdig, mich zu betrachten, eure Augen besudeln die Natur meines überlegenen Wesens. Nicht wenige europäische Länder, darunter Deutschland, denken darüber nach, sie zu verbieten; aus Sicherheitsgründen werden sie unweigerlich dahin kommen.“ Wenn der Islam errettet werden soll, dann durch die Frauen, die allseits unterjocht, eingeschränkt, beaufsichtigt werden und Bürgerinnen zweiter Klasse sind.

Die Alte Welt gehört zu den wenigen Erdteilen, denen es gelang, über die eigenen barbarischen Taten nachzudenken und sich von ihnen zu distanzieren. Die Geschichte unterteilt sich nicht in gute und böse Nationen, verfluchte Rassen und unantastbare Völker, sondern in Demokratien, die sich zu ihrer, Schuld bekennen, und Diktaturen, die diese verschleiern, in dem sie sich selbst in den Deckmantel des Martyriums hüllen.  „Was wir gesetzlich festlegen müssen, ist die Abschaffung des Verbrechens der Apostasie, das Recht des Ausstiegs für alle, das Recht auf freie Untersuchung der Doktrin, Erneuerung der Exegese, Neulektüre der heiligen Texte durch Imame und Theologen, so wie es in den Jahrhunderten davor im Christentum und Judentum der Fall war. Der an Panik grenzende Wille, dem Islam diese Infragestellung zu ersparen, die Art, wie manche Orientalisten ihn um jeden Preis wie einen Schatz behandeln und lediglich manche Abweichungen an den Rändern verurteilen wollen, ist eine äußerst gefährliche Haltung. Dies ist vor allein in den angelsächsischen Ländern der Fall, die in einem Korsett aus Unterwürfigkeit und politischer Korrektheit stecken. Die religiöse Verfolgung, der Anhänger des Korans ausgesetzt sind, ist selbstverständlich inakzeptabel und muss bestraft werden. Gleiches jedoch muss auch für Christen, Juden, Buddhisten, Hindus und Bahai gelten, die in moslemischen Ländern leben. Diese Werte nicht allerorten verteidigen hieße, die universalistische Hoffnung aufzugeben.“

Im Epilog „Die Geschichte als Mahnung“ schreibt Pascal Bruckner:  „Seit dem 11. September, seit New York, Madrid, London, Paris, Boston, Brüssel, Berlin hat die westliche Welt das »goldene Zeitalter der Sicherheit« (Stefan Zweig) hinter sich gelassen. Die nach 1989 von den neuen Propheten versprochene Allianz von Recht, Markt und Demokratie kam mit den Twin Towers ins Wanken. (..) Der Islam ist nicht nur ein Problem, sondern auch ein Symptom. Wenn die Bärtigen ihre Abscheu vor dem Westen zum Ausdruck bringen, müssen sie nicht allzu lange suchen. Es reicht, wenn sie die europäische Literatur und Philosophie der letzten zwei Jahrhunderte studieren. Wir liefern ihnen die Waffen, mit denen sie uns angreifen. Europa führt den Prozess mit Pauken und Trompeten gegen sich selbst. Allzu stolz auf den ostentativ zur Schau gestellten Kampf gegen die eigenen Sünden bestätigt Europa das universalistische und apostolische Monopol der Barbarei. Die Alte Welt hat all ihre Monster (Sklaverei, Kolonialismus, Faschismus, Stalinismus) bis auf eines besiegt: den Selbsthass. Das schlechte Gewissen entspringt nicht der Reue ob eines bestimmten Verbrechens, sondern ist vielen zu einer Identität geworden, die zweite Heimat der Bedrückten. eine bequeme Zuflucht vor dem Jahrhundert. Die verfluchte Tracht des Verbrechers soll über die Entsagung hinwegtrösten. Gegen wen kämpfen wir? Zuerst gegen uns selbst und unsere Skrupel, unsere nagenden Zweifel. Man muss sich weniger vor der Virulenz der Gottesspinner in Acht nehmen als vor dem Hass, den wir gegen uns selbst hegen und der uns zur Unterwerfung drängt. Es versteht, sich von selbst, dass ein Kontinent, der sich selbst nicht liebt, auch nicht von anderen geliebt werden kann und sich moralisch auf sein Verschwinden vorbereitet. Er kann kolonisiert werden, weil er sich mental kolonisierbar gemacht hat. (..) Man kann sich seine Zeit nicht aussuchen, das steht uns nicht zur Wahl. Der Gegner dringt unbemerkt in unser Leben ein und zwingt uns, ihm zu antworten oder zu verschwinden. Wir leben in einer schrecklichen Zeit. So furchtbar sie ist, so packend ist sie auch. Es ist unmöglich, sich der Herausforderung des gerade begonnenen Jahrhunderts zu entziehen: dem Fanatismus des Sichelmondes zugunsten der aufgeklärten oder moderaten Moslems, die seine Hauptopfer sind, eine Niederlage zu bereiten. Für diese gewaltige Aufgabe kann es gar nicht genug Freiwillige geben.“

Am 16. Oktober 2020 wurde der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem islamischen Gotteskrieger bestialisch ermordet und enthauptet, weil er im Unterricht, wie es von ihm verlangt wurde über Meinungsfreiheit und die Mohammed-Karikaturen diskutieren ließ. Weil sich der französische Präsident Macron hinter Paty den laizistischen Staat und die Meinungsfreiheitstellte stimmten große Teile der islamischen Welt, von Erdogan bis zu den iranischen Mullahs Hassgesänge  gegen Frankreich an. Deutschlands Politiker und Medien zogen wieder, bis auf nichtssagende Phrasen den Kopf ein. Heute ermordete ein islamischer Gotteskrieger nur wenige Tage nach dem Mord an Samuel Paty in Nizza, in der katholischen Kirche Notre Dame drei weitere „Ungläubige“ mit einem Messer, eine 70-jährige Frau wurde dabei enthauptet.

Während der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan heute den Europäern die vom Islam gewünschte Unterwerfung fordert und droht ansonsten nicht „mehr sicher auf den Straßen“ zu sein, zucken die Islam-Appeaser mit den Schultern. „Antirassisten“ und alle anderen Verteidiger, Relativierer, Hetzer oder Rächer im Namen Mohammeds haben in Paris, in Nizza und an allen anderen Orten des islamischen Terrors mitgemordet. Wann werden endlich die Schuldigen und Mitschuldigen, die geistigen Brandstifter am islamischen Terror zur Verantwortung gezogen? Wann gibt es endlich ein Umdenken und ein Anerkennen der Realität? Wann werden von „Antirassisten“ endlich die Bücher von Pascal Bruckner gelesen und vor allem verstanden?

Quelle: Der eingebildete Rassismus: Islamophobie und Schuld (Un racisme imaginaire), 240 Seiten, edition TIAMAT; New Auflage (23. September 2020)

 

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Unterwerfung

20. Oktober 2020

Am 16. Oktober 2020 wurde in dem Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem islamischen Gotteskrieger mit einem Flüchtlingsstatus und tschetschenischer Herkunft bestialisch auf offener Straße unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer ermordet und enthauptet. Der Täter machte mit seinem Handy ein Foto von der Leiche und dem abgetrennten Kopf und twitterte mit dem Titel „Das ist Herr P.“: „Von Abdullah, dem Diener Allahs, bis zu Macron, dem Herrscher der Ungläubigen, habe ich einen eurer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed zu erniedrigen.“ Beim Versuch, den Täter festzunehmen, wurde dieser von der Polizei erschossen. Das war das fünfte islamische Attentat in Frankreich seit Anfang 2020.

Der bei dem Terroranschlag enthauptete Lehrer Samuel Paty hatte seinen Schülern nach den Vorgaben des Lehrplanes Anfang Oktober im Rahmen der Unterrichtseinheit Gesellschaftskunde in der achten Klasse über Meinungsfreiheit Karikaturen von Mohammed gezeigt. Kurz darauf wurde der Lehrer in den sozialen Netzwerken von Eltern bedroht weil sich diese an seinem Unterricht zur Pressefreiheit störten und ihre Religion beleidigt sahen. Ein Vater einer 13-jährigen Schülerin enfachte in den sozialen Medien einen Shitstorm gegen Samuel Paty und veröffentlichte mehrere Videos, in denen er den Lehrer mit Hass überschüttete, ihm die Beleidigung des Islam vorwarf und sowohl den Namen des Lehrers, seine Telefonnummer als auch die Adresse der Schule nannte. Am 5. Oktober reichte ein muslimischer Elternverein bei der Schulleitung Beschwerde ein, weil der Lehrer „islamophobe“ Ideen im Klassenzimmer verbreite. Auf einem von Hass sprühenden Video forderte „im Namen des Rates der Imame von Frankreich“ der Muslimbruder Sefrioui die Entlassung von Samuel Paty. Laut Innenminister Gérald Darmanin haben der Vater der Schülerin und andere Muslime „eine Fatwa gegen den Lehrer erlassen“.

Der 47-jährige Familienvater Samuel Paty meldete seinen Vorgesetzten die Drohungen und seine Angst, worauf von ihm verlangt wurde, dass er kein Aufsehen erregen solle. Nicht nur die Schulleitung, sondern auch die Lehrergewerkschaft, war über die Drohungen informiert. Darüber hinaus brachte Samuel Paty die Drohungen bei der Polizei zur Anzeige und suchte um Schutz. Vergeblich, denn der Hass erreichte auch den 90 Kilometer entfernten tschetschenischen Flüchtling in seinem Wohnort Evreux. Samuel Paty ist ein weiteres Opfer des islamischen Krieges gegen den Westen und gegen die Aufklärung, Schuld ist in erster Linie der Islam, aus dessen Motivation der Geschichtslehrer ermordet wurde, Samuel Paty möge in Frieden ruhen und er möge nicht vergessen werden.

Alleine in Frankreich gab es in den letzten acht Jahren 267 Tote durch islamische Terrortaten. In den öffentlichen Medien und in der deutschen Politik wird wie immer nach islamischen Anschlägen geschwiegen, beschwichtigt und bagatellisiert. Die Appeasement-Politik bezüglich des politischen Islam und die entsprechenden Verteidiger dieser Linie werden minütlich unerträglicher. Ein Beispiel dafür ist der der fest an der Seite des islamfaschistischen Irans stehende „antifaschistische Laienprediger“ Heiko Maas mit seiner Twitter Botschaft: „Ich verurteile den abscheulichen Anschlag in #ConflansSainteHonorine. Wir stehen fest an der Seite unserer französischen Freundinnen und Freunde. Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen.“ Das Wort „islamistischer Anschlag“ kommt  Heiko Maas in seinem feigen geheuchelten Gefasel nicht über die Lippen, den für den Terror verantwortlichen Islam erwähnt er mit keiner Silbe. Die offenbare unerträgliche Bereitschaft vieler europäischer Politiker und Medienvertreter, sich dem Islam zu unterwerfen macht fassungslos. Der Kampf der zu kurz gekommenen Rächer im Namen Mohammeds ist traurige Normalität, weil Europa im Kampf gegen den militanten, rasant sich ausbreitenden Islam auf ganzer Linie versagt.

Ausnahmen bestätigen diese Regel, so schreibt die deutsche Ethnologin, die Direktorin im Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung Susanne Schröter erfreulich offen in Facebook: „Ein neues Opfer des islamistischen Terrors in Paris. Ein Lehrer, der in seiner Klasse über Meinungsfreiheit und die Karikaturen von Charlie Hebdo gesprochen hatte, wurde auf offener Straße enthauptet. Wie lange möchte Frankreich diesen Wahnsinn eigentlich noch dulden? Liebe Politiker in Deutschland: Wollt ihr wirklich warten, bis wir französische Verhältnisse haben? Immer nur den Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob man das Problem mit Antidiskriminierungsprogrammen behebt? Frankreich hat all das versucht und ist uns einige Jahre voraus.“

Schulen gehören zu den ersten Orten, die Islamisten versuchen unter ihre Kontrolle zu bekommen. Von welchem Lehrer in Europa kann noch verlangt werden in entsprechend besetzen Schulen über die Meinungsfreiheit, die Mohammed-Karikaturen, den islamischen Terror von Charlie Hebdo bis zum Berliner Breitscheidplatz, über den Holocaust oder die „verhasste USA“ zu unterrichten? In Deutschland werden islamistische Vereine wie DITIB oder der „Zentralrat der Muslime“ finanziert und gefördert, von den Muslimbrüdern und der Türkei finanzierte Moscheen werden kaum kontrolliert.  So hat der Westen Jahrzehnte lang den islamischen Fanatikern alles recht gemacht, Das islamische Kopftuch, das sichtbare Symbol der Frauenunterdrückung,  ist in den Schulen erlaubt, Spezielle Frauentage werden in Badeanstalten eingerichtet, Zu knappe Bikinis werden verboten und „Beträume“ an den Universitäten eröffnet. Nicht zuletzt wird in den öffentlich-rechtlichen Medien so gut wie jede Kritik am Islam als „Islamophobie“ gebrandmarkt.

Inwieweit sind nicht erst nach dem aktuellen islamischen Terrorakt in Paris die hiesigen Islam-Appeaser, die hiesigen Beschwichtiger und Relativierer des politischen Islam, mitverantwortlich für die entsprechenden bestialischen Taten? Warum wird hierzulande Religionskritik nur am Christentum exerziert? Warum halluzinieren „antirassistische“ Akademiker von „Islamophobie“, aber geben ihre Kinder nicht in Brennpunktschulen? Etwa weil sie Angst haben ihre Kinder würden den Sprung in eine höhere Schule nicht schaffen? Was löst die Beschwichtigung von der „Islamophobie“ bei Lehrern in Brennpunktschulen aus, die täglich Angst um ihr Leben haben? Ist die Angst vor dem Islam nicht berechtigt, wenn man sich die Tat von Paris und die Vorgeschichte näher ansieht? Nach dem Tod von George Floyd in den USA gab es in Deutschland wochenlang Demonstrationen und Sondersendungen in den öffentlich-rechtlichen Medien. Warum gibt es keine „Brennpunkte“ in der ARD, keine Sondersendungen im ZDF gegen den islamischen Terror? Warum gibt es keine Massendemonstrationen gegen den islamischen Terror? Warum gehen die Muslime nicht weltweit auf die Straßen und protestieren gegen den Terror von Paris? Warum distanzieren sich bis auf Ex-Muslime kaum Muslime in den sozialen Medien gegen den Terror von Paris? Ist es nur Feigheit, ist es die berechtigte Angst oder ist es die geforderte Unterwerfung?

Nebenbei sei erwähnt: Die islamischen „Freiheitskämpfer“ wollen in Tschetschenien nicht nur die Unabhängigkeit von Moskau, sie fordern einen islamischen Gottesstaat, den sie mit unzähligen Terroraktionen, unter anderem die bestialische islamische „Geiselnahme von Beslan„, gegen Russland durchsetzen wollen. Daraus ergibt sich die Frage, vor was ist die Familie des tschetschenischen Mörders überhaupt nach Frankreich geflohen? In seinem Roman Unterwerfung zeigt Michel Houellebecq schonungslos auf wie sich die Menschen freiwillig in ein System fügen, das alle Grundwerte der westlichen Welt verneint. Die Trennlinie zwischen dem Islam und dem Islamismus wird ohnehin von Tag zu Tag nebulöser. Die Kumpanei mit der islamischen Ideologie ist ein Angriff gegen die Aufklärung und letztlich auf die westliche Zivilisation. Die wohlfeilen westlichen „antirassistischen“ Islam-Appeaser kritisieren, um den „Rechten nicht in die Karten zu spielen“,  die „Islamophobie“ und baden somit mit Allahs willigen Vollstreckern im Blut ihrer Opfer und die „guten Antirassisten“  bemerken es nicht einmal.

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch