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Zum 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt

16. Januar 2021

Vor wenigen Tagen wäre der große Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt 100 Jahre alt geworden. Am 5. Januar 1921 wurde Friedrich Dürrenmatt in Konolfingen, einem Dorf im Kanton Bern, geboren. Sein Vater, Reinhold Dürrenmatt, war bis 1935 Pfarrer dieser Gemeinde. In Bern besuchte Friedrich Dürrenmatt das Freie Gymnasium und danach das Humboldt-Gymnasium. Ab 1942 studiert Dürrenmatt Naturwissenschaften, Germanistik und Philosophie und er beginnt zu schreiben. 1945 schreibt er sein erstes Drama “Es steht geschrieben”, das am 19. April 1947 in Bern uraufgeführt wird.

Während des Krieges beteiligte sich Dürrenmatt für kurze Zeit, vermutlich aus spätpubertärem Protest gegen den Vater,  bei den rechten „Frontisten.“ Dazu Dürrenmatt: „Unfähig, seinem Glauben ein rationales Weltbild entgegenzusetzen, wählte ich den Weg ins Irrationale.“ Dürrenmatt war ein politischer Schriftsteller, wobei sich der freie Geist nie auf eine politische Linie festlegen ließ. Dürrenmatt sympathisierte zeitweise mit dem Sozialismus, kritisierte stets den Kommunismus der Ostblockstaaten und wehrte sich gleichzeitig gegen den hysterischen Antikommunismus zu Zeiten des Kalten Krieges. „Der Kommunismus ist ein Vorschlag, die Welt vernünftiger einzurichten, ein Vorschlag zur Weltveränderung, den wir durchzudenken und, erkennen wir ihn als vernünftig, durchzuführen haben.“ Aus seiner Unterstützung für Israel machte Dürrenmatt nie ein Hehl, was ihm Anfeindungen aus linken und rechten Kreisen einbrachte.

Mit der Komödie „Romulus der Große”, uraufgeführt 1949, gelingt Dürrenmatt sein erster Erfolg bei Publikum und der Theaterkritik. Die Farce stellt den letzten weströmischen Kaiser Romulus ins Zentrum, der sich den nationalistischen Tugenden verweigert, der nicht heldenhaft in den Untergang gehen will, sondern den anstürmenden Feinden mit Sympathie entgegenkommt. Als die Germanen am Ende Rom besiegten sieht Romulus ein, falsch gelegen zu haben, sein Plan ist gescheitert und er geht in Rente.

Dürrenmatts erster Kriminalroman “Der Richter und sein Henker” erscheint 1950 und ein Jahr später “Der Verdacht.”  Rachedurst, Doppelmoral, Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Sühne, die Apokalypse durch die atomare Bedrohung waren die Themen des Schweizers, der seine Texte oftmals mit schwarzem Humor bis hin zur Groteske zeichnete.

In „Der Tunnel“ einer klassischen Kurzgeschichte von 1952, fährt ein „Brasil 10“ rauchender Student in einem Zug, im fällt auf, dass der Zug ungewöhnlich lange durch einen eigentlich sehr kurzen Tunnel rast. Während er immer unruhiger und der Zug immer schneller wird, beschwichtigen ihn der Schaffner und die Mitreisenden. Der Zug wird immer noch schneller und der Tunnel hört nie auf. Zum Schluss sieht der Student dem kommenden Tod furchtlos ins Auge. „Was sollen wir tun“ fragt der Zugführer? „Nichts“ antwortet der Student.

Das Drama „Der Besuch der alten Dame“, das 1956 uraufgeführt wird, macht Dürrenmatt weltberühmt. Die verratene Claire Zachanassian, eine ehemalige Mitbürgerin des Städtchens Güllen macht den verarmten Einwohnen ein unmoralisches Angebot: Sie bietet der Gemeinde und den Einwohnern eine Milliarde, dafür, dass diese einen aus ihren Reihen umbringen, den Mann der sie verleumdet und ihr schweres Unrecht  angetan hat. Zunächst lehnen die Bewohner entrüstet ab und später knicken alle nach und nach doch ein. Es folgten “Frank der Fünfte” (1959), “Die Physiker” (1962), “Der Meteor” (1966) und viele weitere sehr erfolgreiche Stücke.

Eines seiner bekanntesten politischen Stücke Dürrenmatts war „Die Physiker“, das Gegenstück zu Brechts „Leben des Galilei.“  Drei Physiker begeben sich freiwillig ins Irrenhaus weil einer von ihnen die Formel zur Vernichtung der Welt erforscht hat. Die drei Physiker ermorden im Irrenhaus ihre Krankenschwestern um ihr Geheimnis zu bewahren. Die einzig wahre Verrückte im Irrenhaus aber ist die Leiterin Mathilde von Zahnd, die sämtliche Aufzeichnungen längst kopiert hat. Die großartige Schauspielerin Therese Giehse verkörperte bei der Uraufführung in Zürich die Mathilde von Zahnd, Dürrenmatt hat für Sie die Rolle umgeschrieben. Die Erkenntnis der „Physiker“ lautet: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht zurückgenommen werden.“

Dürrenmatt veröffentlichte viele politische Texte in Zeitschriften und in seinen Büchern und der Schweizer hielt Reden zu aktuellen politischen Themen. Friedrich Dürrenmatt war ein großer Freund Israels, wie ein einsamer Rufer in der Wüste hielt er eisern daran fest, Israel sei „notwendig wie kein anderer Staat, eine gerechte Sache, die nur noch ideologisch, nicht mehr existenziell angezweifelt werden kann.“ Der Staat Israel, so Dürrenmatt, existiere zwar, aber viele wären froh, „wenn er nicht wäre, auch jene wären glücklich über seine Nichtexistenz, die seine Existenz bejahen.“ Zwei Jahre vor Jean Amérys Essay „Der ehrbare Antisemitismus“ veröffentlichte Friedrich Dürrenmatt 1967 den Text „Israels Lebensrecht“, darin beginnt er: 

„Es gibt den jüdischen Staat, weil es Hitler gab. Der Grund dieses Staates liegt in Auschwitz, in den Vernichtungslagern, doch liegt er nicht nur in unserer Zeit, er liegt in den Judenmetzeleien, in den Pogromen und Schikanen der Vergangenheit, er liegt im Christentum, das im Juden den Christusmörder sah, er liegt im Ressentiment, im Rassendünkel und im Fremdenhass aller Zeiten, er liegt aber auch bei den Gleichgültigen, den Allzuvorsichtigen, den Neutralen, er liegt bei uns, die wir statt eines Herzens einen Rothmund besaßen, kurz, der Grund liegt in den Demütigungen, Verfolgungen und Leiden, die den Juden immer wieder zum Juden stempeln und formten.

Der jüdische Staat ist aus einem Naturrecht heraus geboren, aus einem Recht der Geächteten auf eine Heimat, die ihnen die Freiheit wiedergibt und ihre Ächtung löscht, auf eine Heimat, die – da die Juden überall, wo sich niederließen, gezeichnet waren — nur die Urheimat sein konnte: Israel. Aus solchem Recht entstanden, braucht der jüdische Staat keine andere Begründung seiner Existenz, seinen Grund bildet nicht irgendeine Machtkonstellation, seine Existenz ist mit einem Axiom der Menschlichkeit hinreichend begründet.  (..) Der Antisemitismus installiert sich wieder, schon wagt man es selbst im Sicherheitsrat, mit der Bibel gegen Juden zu argumentieren, schon finden seine Pogrome statt. … “ Am Ende des Textes kritisiert Dürrenmatt noch Bertolt Brecht der sich „zum Kommunismus“ bekannte und „in der DDR wirkte“ und zum Antisemitismus seines Landes ohrenbetäubend schwieg.

Dürrenmatts eindeutiges Statement, insbesondere in kritischen Situationen,  zu Israel lässt sich, neben vielen anderen, zu Beginn des Jom Kippur-Krieges schrieb er in der NZZ „Warum ich mich hinter Israel stelle“, in seinen Essays „Zusammenhänge“ und „Nachgedanken“, die 1976 erstmals erschienen sind, nachlesen. Dort beschreibt er seine Israelreise, die er 1974 mit seiner ersten Frau unternahm, im Jahr nach dem Jom Kippur-Krieg. Wegen seiner Freundschaft zu Israel wurde er eingeladen, an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva eine Vorlesung zu halten.

In „Zusammenhänge“ schreibt Dürrenmatt beispielshalber: „Ich, der ich sonst für keinen Staat besonders eintrete, der ich sonst über Staaten nicht gerade zimperlich denke und über den Nationalismus ausgesprochen bösartig, stehe für Israel ein, weil ich diesen Staat für notwendig halte. (…) Die Vernichtungslager, wo jüdisches Volk unterging, ohne sich zu wehren, und der Aufstand des Warschauer Ghettos, wo jüdisches Volk vernichtet wurde, indem es sich wehrte, diese zwei fürchterlichen Möglichkeiten, die einem Volk am Ende bleiben, forderten, damit sie sich nicht wiederholen, den jüdischen Staat. Der Wahnsinn erzwang seine Existenz, sicher, die Opfer dieses Wahnsinns errichteten ihn, den Überlebenden zum Vermächtnis, damit das Opfer nicht vergeblich gewesen sei, wer zweifelt daran. Darum lebt denn dieser Staat nicht nur aufgrund seiner Ideologie, nicht nur auf Grund des Zionismus, nicht nur auf Grund einer Gedankenkonstruktion, die, so genial sie auch wäre, doch nur eine Gedankenkonstruktion bliebe – denn auch dem folgerichtigsten Gedankengebäude kommt  nicht notwendigerweise Existenz zu – ,sondern auch auf Grund einer grausamen Notlage, mehr noch, auf Grund der schrecklichen Unzulänglichkeit dieser Welt,  auf Grund ihrer Anfälligkeit dem Unvoraussehbaren gegenüber: einen erhabeneren Grund, einen Staat zu gründen, mag es geben, einen notwendigeren nicht.“ (..) Darum offenbar, viel entscheidender als der oberflächliche Einfluss der marxistischen Lehre auf den Nahen Osten, stellt sein Konflikt mit dem jüdischen Staat die Auseinandersetzung des Islam mit der Moderne dar, mit einem Neuen, das er im jüdischen Staat verwirklicht sieht. (..) Der Terror dient Arafat dazu, vor der Weltöffentlichkeit recht zu bekommen, die wiederum wünscht, dass Arafat recht habe, um endlich von ihrem schlechten Gewissen den Juden gegenüber befreit zu werden; vor der UNO hat Arafat schon recht bekommen, nächstens wird die Meinhof dort sprechen.“

Friedrich Dürrenmatt bekämpfte wie Jean Améry bereits Ende der 1960er Jahre den israelbezogenen Antisemitismus. Wer seine Reden, Essays, Aufsätze und Bücher nachliest, wird mit schockierenden Aktualitäten konfrontiert. Viele „ehrbare“ Antisemiten nahmen es den Juden nach dem 6-Tage-Krieg und dem Jom-Kippur-Krieg übel, dass die Juden wieder einmal überlebt hatten. Zu gern hätte man sich mit ein oder zwei Millionen toter Juden solidarisiert, die Opfer an die Brust gedrückt und ihnen ein paar Gedenkbücher, Mahnmale und Dokumentarfilme gewidmet.

Vor über dreißig Jahren, am 14. Dezember 1990 starb Friedrich Dürrenmatt in Neuchâtel im Alter von 69 Jahren.

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Geschichte des linken Antisemitismus

9. Januar 2021

Vor gut fünfzig Jahren, am 7. Dezember 1970 fiel Bundeskanzler Willy Brandt am Warschauer Ghetto-Mahnmal auf die Knie.  Der Kniefall vor dem jüdischen Widerstand war wichtig für die neue und gute Ostpolitik, aber die systematische Judenverfolgung hat bei Brandt  kaum Beachtung gefunden. Noch am 1. Januar 1939 schrieb Brandt im norwegischen „Telegraf og Telefon“: „Der Kampf gegen die jüdischen Kapitalisten ist das Einzige, was vom antikapitalistischen Programm des Nazismus übrig geblieben ist.“ Wie wenig Wert der Kniefall von Warschau hatte zeigte sich nach dem arabischen Überfall, während des Jom-Kippur-Krieges, im Oktober 1973, als Israel einem zweiten Holocaust so nahe war wie nie, verweigerte die Regierung unter Willy Brandt Waffennachschublieferungen durch die USA über deutschen Boden.

Anfang 2010 hielt Shimon Peres, der damalige Präsident Israels, im Bundestag eine beeindruckende Rede zum Gedenktag zur Befreiung des KZ-Auschwitz. Peres erzählte unter anderem wie es war, als er seinen Großvater, der von den Nazis ermordet wurde, das letzte Mal sah. Am Ende erhoben sich die Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen, nur drei von der Linkspartei, Sarah Wagenknecht, Christine Buchholz und Sevim Dagdelen blieben sitzen. Die drei Frauen der Linkspartei waren davon überzeugt Shimon Peres hätte seine Rede zur ideologischen Vorbereitung auf einen Krieg gegen den Iran genutzt und er hätte den Iran mit Nazideutschland geleichgesetzt. Wagenknecht meinte darüber hinaus sie könne „einem Staatsmann, der selbst für Krieg mitverantwortlich ist, einen solchen Respekt nicht zollen.“

Der SPD Wahlkämpfer Günter Grass halluzinierte 2012 in einem Gedicht „mit letzter Tinte“, dass die „Atommacht Israel den ohnehin brüchigen Weltfrieden gefährdet.” Jakob Augstein, der Herausgeber des antizionistischen „Freitag“  sprang seinem Kameraden bei und verschärfte die Hetze in diversen „Im Zweifel links“ – Spiegel-Kolumnen und verdiente sich so den 9. Platz auf der jährlichen Antisemitismus-Liste des Simon Wiesental Centers. In derselben Liga spielte zeitgleich die „bekennende Israel-Hasserin“ und „Adorno-Preisträgerin“ Judith Butler, sie rief mehrfach zum Boykott gegen Israel auf und bezeichnete die islamfaschistischen Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen.

„Friede heißt für uns Zerstörung Israels. Wir stellen uns auf einen totalen Krieg ein, einen Krieg, der Generationen hindurch dauern wird. Seit im Januar 1965 die Al-Fatah geboren wurde, sind wir der gefährlichste Feind Israels geworden. .. Wir werden nicht ruhen bis zu dem Tag, an dem wir in unsere Heimat zurückkehren und an dem Israel vernichtet ist“ agitierte einstmals der Judenmörder und PLO-Führer Yasir Arafat. Auf ihrem Bundeskongress haben sich im November 2020 die Jusos mit Arafats antisemitischer Fatah-Jugend solidarisiert und  zur „Schwesterorganisation“ erklärt. Bereits im November  2012 stellte die damalige Generalsekretärin der SPD Andrea Nahles „gemeinsame Werte“ und eine „strategische Partnerschaft“ zwischen den Terroristen der Fatah und der SPD fest.  Nach einem Besuch in Israel ließ der der damalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel seiner „Israelkritik“ freien Lauf und schrieb auf seiner Facebookseite am 14. März 2012: „Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“ Der ehemalige Parteivorsitzende der Labour Party Jeremy Corbyn, bezeichnete die Judenmörder von Hamas und Hisbollah als seine Freunde und unterstützte den pauschalen Boykott Israels.

Eine Kleine Anfrage im Bundestag am 20.4.2013 der Fraktion „Die Grünen“ lautete: „Könnten sie etwa Richtlinien erlassen, wonach Produkte aus israelischen Siedlungen beispielsweise als „Westjordanland (israelische Siedlungen)“ gekennzeichnet werden müssten?“  Die beinahe wortgleiche Anfrage stellte die Fraktion der NPD bereits im November 2012 im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern.

In linken, „antirassistischen“, linksliberalen und grün-alternativen Medien, Parteien und Zirkeln wird seit den 1960er Jahren der Staat Israel in unzähligen Artikeln und Reportagen gnadenlos dämonisiert und delegitimiert, so agitierte beispielshalber im Oktober 1973 der „Arbeiterkampf“: „Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung, des Zionistischen Staates“ und  Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“ titelte der „Rote Morgen“ (KPD/ML) am 23.11.1974 und die „Autonome Nahostgruppe Hamburg“ meinte 1989: „der Zionismus  – „der Feind aller Menschen.“

Woher kommt dieser linke, beinahe religiöse Hass auf Juden und auf den Staat Israel? Warum gehört der Antizionismus zur Linken wie die Enthauptung von „Ungläubigen“ zum Islam? Warum ausgerechnet Israel? Was sind die Wurzeln, die Beweggründe, die Ursachen des linken Antisemitismus?

Die Aufklärung und seine judenfeindliche Tendenz

In der Zeit vor dem ersten Weltkrieg, als die Juden das Ghetto verließen wurde der Widerspruch zwischen Zukunftserwartung und sozialer Wirklichkeit zur Quelle jüdischen Unbehagens und antijüdischer Anfeindung. Krieg, Revolution und gesellschaftliche Umwälzungen wurden einer jüdischen Unterwanderung zugeschrieben. Antisemitische Agitatoren aus Deutschland und Russland verstärkten den traditionellen Antisemitismus, der im Holocaust gipfelte. Nachzulesen ist dies alles in Léon Poliakovs  achtbändiger „Geschichte des Antisemitismus“. Im fünften Band des Standardwerkes behandelt Léon Poliakov die Aufklärung und seine judenfeindliche Tendenz. Voltaire hielt die Juden für eine „minderwertige Menschenart und die allergrößten Lumpen, die die Oberfläche der Erde besudelt haben“. Carles Fourier der französische Frühsozialist, war ein Antisemit, der die Juden als Parasiten bezeichnete, deren Emanzipation „der beschämendste  aller gesellschaftlichen Fehler“ gewesen sei. Der „Zinskritiker“ Pierre Joseph Proudhon, ebenfalls ein Frühsozialist verlangte, alle Juden aus Frankreich zu vertreiben. Der russische Anarchist Michail Bakunin nannte die Juden eine „ausbeuterische Sekte, ein blutsaugendes Volk, alles verschlingende Parasiten die einander fest verbunden sind.“ Adorno und Horkheimer sprechen in ihrer „Dialektik der Aufklärung“ von „instrumenteller Vernunft“ und schreiben: „Es gibt keinen genuinen Antisemitismus, gewiss keine geborenen Antisemiten. Die Erwachsenen, denen der Ruf nach Judenblut zur zweiten Natur geworden ist, wissen so wenig warum, wie die Jugend, die es vergießen soll. Die hohen Auftraggeber freilich, die es wissen, hassen die Juden nicht und lieben nicht die Gefolgschaft. Diese aber, die weder ökonomisch noch sexuell auf ihre Kosten kommt, hasst ohne Ende; sie will keine Entspannung dulden, weil sie keine Erfüllung kennt.“

Der Antisemitismus hat sich über die Jahrhunderte stets gewandelt und sich den entsprechenden Zeiten angepasst. Es war Karl Marx (1818-1883) der mit seiner Kritik an der politischen Ökonomie die verkürzte Kapitalismuskritik, die antisemitische „Zinskritik“ der Frühsozialisten demaskierte. Beispielsweise im 3. Band des „Kapitals“ macht Marx Proudhon wegen seiner Zinskritik lächerlich. Marx untersucht den Kapitalismus ganzheitlich, er entpersonalisiert ihn und trennt nicht zwischen „gutem“ Produktionskapital und „schlechtem“ Finanzkapital. In seiner kaum gelesenen Frühschrift „Zur Judenfrage“ übernimmt Marx freilich noch kritiklos die zeitgenössischen judenfeindlichen Stereotype, für seine politischen und philosophischen Zwecke ohne sie als Zitate kenntlich zu machen. Die Wurzeln des linken Antisemitismus, des antisemitischen Antizionismus, des heutigen „ehrbaren Antisemitismus“ sind deshalb zweifellos nicht bei Karl Marx, sondern in erster Linie bei Lenin, Kautsky und später bei Stalin zu suchen.

Grundstrukturen der Leninschen antizionistischen Ideologie

Für die Legitimation seiner antizionistischen Propaganda nach dem Zweiten Weltkrieg verwies der kommunistische Ostblock oftmals darauf, dass Wladimir Iljitsch Lenin in seiner Auseinandersetzung mit dem Sozialdemokratischen Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund schon 1903  die Idee eines jüdischen Volkes als „reaktionär“ und den Zionismus als die volksfeindliche und nationalistische „Losung der Bourgeois und Rabbiner, die Losung unserer Feinde“ entlarvt habe.

Im zaristischen Russland lebten um das Jahr 1900 rund 5,2 Millionen Juden,  gut 4 Prozent der Bevölkerung und fast der Hälfte der Weltjudenheit. Das damalige Russland hatte als einzige europäische Großmacht die Juden nicht emanzipiert, sondern im Gegenteil die diskriminierende Gesetzgebung stets verschärft. Juden war der Zugang zu Gymnasien und Universitäten beschränkt, ihre Ansiedlung auf dem Land war wegen der „Ausbeutung der Bauern“ verboten, vom Staatsdienst und der städtischen Selbstverwaltung wurden sie ebenfalls ausgeschlossen. Lange Arbeitszeiten, entsetzliche Wohnverhältnisse und Armut bildeten die Lebensbedingungen der jüdischen Massen  in ihrem „sozioökonomischen Ghetto.“ Die rechtliche Diskriminierung, wachsender Antisemitismus und Trennung der Lebenssphären von Juden und Nichtjuden beförderten die Ausbildung der jiddischen Kultur und eine verstärkte „nationale“ Orientierung innerhalb der jüdischen Bevölkerung. [1]

Zwischen 1917 und 1921 kam es in Russland zu 1236 Pogromen in 530 Städten und Schtetls, bei denen 60.000 Juden ermordet wurden und eine halbe Million Juden ihr Heim und ihre Habe verlor. Viele hunderttausend Juden wurden unter den Zaren nach Sibirien vertrieben, zwischen 1880 und 1914 verließen rund zwei Millionen Juden Russland. Die Welle mörderischer Gewalt wurde durch Soldateska-Feldzüge in den traditionellen, von den Zaren festgelegten Siedlungsgebieten ausgelöst. Die Propagandisten der „Weißen“ und der ukrainischen Atamane machten die Juden für den Bolschewismus und dessen Verbrechen verantwortlich.  Nach der Februarrevolution waren für kurze Zeit alle staatlichen Diskriminierungen der Juden aufgehoben und viele jüdische Revolutionäre, die meisten waren Menschewiki, Sozialrevolutionäre, Bundisten und linke Zionisten, beteiligten sich am politischen Leben. Die Bolschewiki zerstörten mit dem Ruf nach Emanzipation traditionelle religiöse und politische Strukturen. Im Bürgerkrieg waren die Juden überwiegend in der Armee der Bolschewiki, denn der Sieg der Weißgardisten hätte ihre Auslöschung bedeutet.

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei Russlands (SDAPR) bekämpfte wie keine andere nichtjüdische Partei den Antisemitismus. Die Begründer der SDAPR, allen voran Plechanow und Lenin, übernahmen die Ablehnung des Antisemitismus und dessen Analyse von Karl Kautsky. Gegen „das Märchen der Zionisten von der Ewigkeit des Antisemitismus“ postulierte Lenin, wie beinahe alle Sozialdemokraten, dass sich dieser sofort nach der sozialistischen Revolution in Luft auflösen werde. Die russische jüdische Bevölkerung reagierte auf Verelendung, Diskriminierung, Antisemitismus und Pogrome mit der Flucht in den Westen, nach Palästina oder sie organisierte sich in der jüdischen Arbeiterbewegung. 1897 schlossen sich in Wilna verschiedene Gruppen der jüdischen Arbeiterbewegung  zum sozialdemokratischen „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland“, dem „Bund“, zusammen. Der Bund forderte eine „Föderation der Nationalitäten mit vollständiger nationaler Autonomie jeder einzelnen“. Lenin agitierte in mehreren Aufsätzen gegen den Bund, so schrieb er  in der Parteizeitung Iskra: „Die wissenschaftlich völlig unhaltbare Idee eines besonderen jüdischen Volkes ist ihrer Bedeutung nach reaktionär. Den unwiderleglichen Beweis liefern die allgemein bekannten  Tatsachen der jüngsten Geschichte und der politischen Wirklichkeit. (…) Die jüdische Frage steht so und nicht anders: Assimilation oder Absonderung? — und die Idee der jüdischen »Nationalität« trägt offen reaktionären Charakter nicht nur bei ihren konsequenten Anhängern (den Zionisten), sondern auch bei denen, die versuchen, sie mit den Ideen der Sozialdemokratie in Einklang zu bringen (den Bundisten).“ Die Idee der jüdischen Nationalität widerspricht laut Lenin den Interessen des jüdischen Proletariats, da sie in ihm unmittelbar eine der Assimilation feindliche Stimmung, eine „Ghetto“-Stimmung erzeugt. Lenin berief sich bezüglich des Antisemitismus und des Zionismus stets auf den deutsch-tschechischen Philosophen und sozialdemokratische Politiker Karl Kautsky.

Karl Kautskys Kritik des Zionismus

Karl Kautsky (1854–1938) war nach dem Tod von Friedrich Engels (1820–1895) der führende Theoretiker der Sozialdemokratie. Kautskys Schrift „Rasse und Judentum“ von 1914 fasste alle seinerzeit von sozialistischer Seite gegen den Zionismus vorgebrachten „Argumente“ zusammen.  Laut Kautsky sei das zionistische Vorhaben aus pragmatischen Erwägungen „eine „undurchführbare Utopie“ und deshalb abzulehnen. Laut Kautsky sind Juden Stadtmenschen und sie können nicht wieder zu Bauern gemacht werden, weshalb sie wieder aus Palästina emigrieren würden und Kautsky meinte deshalb: „Je mehr für den Zionismus die ökonomische Grundlegung versagt, desto mehr muss der so bequeme Begriff der Rasse aushelfen. […] Palästina als Weltgetto zur Absonderung der jüdischen Rasse von den anderen Rassen, das ist das Ziel des Zionismus geworden.“ Deshalb sei der Zionismus als eine reaktionäre Ideologie abzulehnen: Nicht nur würden die „zionistischen Patrioten“ gegen die historische Tendenz die Erhaltung des Judentums verfechten und den Assimilationsprozess bekämpfen; sie würden vor allein ein jüdisches „Volk“ und eine jüdische „Nation“ propagieren: “In diesem Streben begegnet sich der Zionismus mit dem Antisemitismus wie nicht minder darin, die gesamte Judenschaft aus den heutigen Staaten zu entfernen.“ [3]

1921 fügte Kautsky in die zweite Auflage von „Rasse und Judentum“ noch das Kapitel „Der Zionismus nach dem Weltkrieg“ ein, da sich in Palästina die politischen Verhältnisse entscheidend verändert hatten. Zwar habe die britische Regierung den Juden 1917 in der Balfour-Deklaration eine „nationale Heimstatt“ in Palästina zugesichert, doch trotzdem hätten sich die politischen Chancen des zionistischen Projekts verschlechtert. Kautsky nennt an erster Stelle ein Argument, das in der bisherigen Diskussion kaum eine Rolle gespielt hatte: „Bei den zionistischen Berechnungen wird die arabische Bevölkerung meist völlig ignoriert oder als ein Umstand behandelt, um den man sich nicht viel zu kümmern braucht. Nur gelegentlich erinnert man sich der Tatsache, dass Palästina bereits ein besiedeltes Land ist. Dann nimmt man einfach an, dass seine bisherigen Bewohner verdrängt werden, um den zuziehenden Juden Platz zu machen.“ 

Der Zionismus verleugne das Recht der arabischen Bevölkerung auf Selbstbestimmung und proklamiere ihm gegenüber den „Anspruch einer Nation auf Wiederherstellung der Grenzen ihres Staatswesens, wie sie vor Jahrhunderten unter ganz anderen Verhältnissen bestanden hatten“; dieses von den Zionisten reklamierte „historische Recht“ sei aber „unter den vielen veralteten Rechtsansprüchen […] der vermodertste  […] Nach dem Recht der Arbeit wie nach dem demokratischer Selbstbestimmung gehört heute Palästina nicht den Juden in Wien oder London oder New York, die es für das Judentum reklamieren, sondern den Arabern im Lande selbst, der großen Mehrheit der Bevölkerung.“ Diese aber drängten bereits jetzt nach Selbstbestimmung gegenüber den Kolonialmächten und lehnten die jüdische Siedlungstätigkeit ab. Daher müsse die jüdische Kolonisation untergehen, sobald die englisch-französische Vorherrschaft über Vorderasien zusammenbreche. Somit bewirke die Politik des Zionismus „nichts anderes […] als dass sie mit ungeheuren Kosten und den größten Opfern der Beteiligten [die Juden] aus Gebieten, in denen die Judenpogrome ihrem Ende entgegengehen, in Gebiete transportiert, in denen solche Pogrome mit größter Macht einsetzen werden, wenn das zionistische Programm auch nur einigermaßen zur Ausführung kommt.“

Kautskys Zionismus-Kritik richtet sich, laut Thomas Haury „gegen den real existierenden Zionismus als nationalistische Ideologie und Bewegung mit dem Ziel einer Staatsgründung in Palästina. Ohne den Antisemitismus als Entstehungsursache des Zionismus zu vergessen, lehnt Kautsky letzteren aus seinen politisch-theoretischen Positionen zu „Nationalismus“ und dem Selbstbestimmungsrecht der Völker heraus ab. Kautsky hält das Ziel des Zionismus für ökonomisch unmöglich und politisch fatal und glaubt, dass die internationale Klassensolidarität und der Sozialismus alle Probleme lösen würden.“

Die revisionistische sozialistische Seite um den sozialdemokratischen Theoretiker und SPD-Politiker Eduard Bernstein (1850-1932) war mit ihrer Befürwortung des Zionismus entgegen Kautsky der Ansicht dass weder der Sozialismus demnächst kommen noch der Antisemitismus alsbald verschwinden werde. Bernstein der bisher wie Kautsky den Zionismus ablehnte, änderte seine Meinung, nachdem er in der Weimarer Republik erkannte, dass trotz aller Assimilationsbestrebungen der Antisemitismus aggressiver geworden war, desto stärker wurde seine Unterstützung der Siedlungstätigkeit in Palästina. 1928 wurde in Brüssel das sozialistische „Internationale Komitee für ein Arbeiter-Palästina“ gegründet, dem auch Bernstein angehörte.

Antisemitische „Säuberungen“ unter Stalin

Finden sich bei Lenin zahlreiche Affinitäten zu antisemitischen und nationalistischen Denkmustern, so darf seine Politik dennoch nicht mit dem spätstalinistischen Antizionismus gleichgesetzt werden. Zu zahlreich sind die qualitativen Unterschiede, wohl aber schufen die Affinitäten der Leninschen Ideologie, zum antisemitischen Denken eine Ausgangsbasis, die antisemitische Denkmuster ermöglichte.

Die Judenverfolgungen in der Sowjetunion vor 1939  basierten noch nicht auf einer explizit antisemitischen Hetze, sie waren Teil des stalinistischen Terrors, hunderttausende Sowjetbürger gerieten in die Fänge des NKWD weil sie im Ausland waren, im Spanischen Bürgerkrieg gekämpft haben oder sie vor der Revolution in anderen Parteien organisiert waren. Nach dem deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt und dem deutschen Angriff auf Polen wurde das Land aufgeteilt. Die Sowjetunion marschierte ein um den bedrohten Ukrainern und Weißrussen zu Hilfe zu kommen, so die offizielle Begründung. Von den 3,3 Millionen Juden lebten 2,1 Millionen in der deutschen und 1,2 Millionen in den von der Sowjetunion annektierten Gebieten. Anfangs förderte die Sowjetunion die jüdischen Selbstwehren und jüdische Kommunisten konnten wichtige Posten in der neuen Verwaltung übernehmen. Gleichzeitig deportierte Stalin mit Berijas NKWD rund 500.000 Juden aus der sowjetisch besetzten Zone nach Sibirien. Unter den verhafteten Juden Polens war der spätere Ministerpräsident Israels, Menachem Begin.

Der deutsche Überfall zwang der Sowjetunion einen Kampf um Leben und Tod auf. Um alle Kräfte gegen den Feind zu mobilisieren, eröffnete Stalin den sowjetischen Juden Freiräume um ihre nationale Kultur zu entfalten. Im Jahr 1941 wurde daher das Jüdische Antifaschistische Komitee mit dem Schauspieler und Theaterdirektor Solomon Michoels als Vorsitzenden gegründet. In den USA wurde darauf unter Albert Einstein der „Jewish Council for Russian War Relief“ eingerichtet und in Palästina die hebräische Antwort zum Aufruf aus Moskau, die „Fünfte Liga.“ Beispielsweise im Februar 1943 hielt Michoels eine schockierende Rede über die Lage der Juden in Gebieten, die von der Roten Armee befreit worden waren. Das JAFK wurde 1943 zu einer großen Einrichtung und arbeitete in Moskau. Der achtzigköpfige Stab des JAFK umfasste rund vierzig jüdische Schriftsteller. Beispielsweise im Februar 1943 hielt Shlomo  Michoels eine schockierende Rede über die Lage der Juden in Gebieten, die von der Roten Armee befreit worden waren. [1]

Nach dem Sieg über Nazideutschland schlug Stalin wieder einen anderen Kurs ein. Den Auftakt für die antijüdischen „Säuberungen“ nach dem 2. Weltkrieg bildete die Ermordung von Shlomo Michoels durch Stalins Geheimpolizei im Januar 1948.  Im November 1949 wurde das JAFK verboten und am 12.8.1952 wurde auf Befehl Stalins die Elite der jiddischen sowjetischen Schriftsteller, darunter die weltberühmten Dichter Perez Markisch, ltzik Fejfer und David Bergelson hingerichtet, was laut Arno Lustiger ein einzigartig schrecklicher Vorgang in der Weltliteratur war. Einen weiteren vorläufigen Höhepunkt der antisemitischen Hasskampagne markierte das sogenannte „Ärztekomplott“ von Anfang 1953. Am 13. Januar 1953 wurden die angesehensten sowjetischen Ärzte, fast alle waren Juden, angeklagt Mordpläne gegen Stalin geschmiedet zu haben und sich mit „zionistischen Spionen“ verbündet zu haben. Sowjetische Juden wurden entlassen, verhaftet oder hingerichtet. Ein landesweites Pogrom gegen die Juden und die geplanten Massendeportation der russischen Juden nach Sibirien verhinderte einzig und allein der Tod Stalins.

Während Hitler den Antisemitismus offen proklamierte, wagte es Stalin nicht, sich völlig von der internationalistischen Tradition des Kommunismus zu lösen. Es gab noch in den schlimmsten Zeiten der  sowjetischen Judenhetze rhetorische Distanzierungen vom Antisemitismus. Nur indem Stalin Juden zu „Zionisten“ umtaufte, konnte er sie ideologiekonform verfolgen.  Während Stalin den jüdischen Nationalismus und den Kosmopolitismus ausrotten, die jüdische Kultur und das Nationalbewusstsein der Juden vernichten wollte, war die Vernichtung der Juden als Volk das Ziel Hitlers. Der Judenmord der deutschen Nationalsozialisten war singulär, weil er den radikalsten Versuch eines Genozids darstellte, der jemals unternommen worden ist. Der Holocaust war der Versuch, mit quasi-wissenschaftlichen, rassebiologischen  Argumenten und den Mitteln einer modernen Bürokratie, inklusive den technischen Möglichkeiten einer Massentötung von Menschen einen perfekten, lückenlos vollzogenen Genozid zu vollbringen. Dieses Unternehmen steht in der Geschichte der Menschheit einzigartig dar. Hitler betrieb einen Genozid und Stalin blieb auf der Stufe des „Kulturozids mit mörderischen Mitteln“ stehen. Nur aus diesem Grund kämpfte das JAFK an Stalins Seite gegen Nazideutschland und nicht zuletzt befreite die Rote Armee Auschwitz.

1948 unterstützte die Sowjetunion die Gründung des Staates Israel. Ein Grund für diesen erneuten Kurswechsel war auch die damit verbundene Schwächung von Großbritannien in der Region. Angesichts des militärischen Angriffs 1948 der umliegenden arabischen Staaten, war für Israel die einzige Quelle für Waffenlieferungen die im Einflussbereich der Sowjetunion stehende Tschechoslowakei. Die CSSR lieferte unter dem KP Generalsekretär Slánský auf Stalins Wunsch Waffen und Munition für Israel. Wegen dieser Waffengeschäfte und eines angeblichen Putschversuches wurde der jüdische Teil der tschechoslowakischen KP-Führung vier Jahre später der prozionistischen Agententätigkeit angeklagt. Wie in der Sowjetunion unter Stalin wurde ab 1950 in der CSSR der Antisemitismus als Kampf gegen „Kosmopoliten“ und als Kampf gegen den „Zionismus“ verkleidet.

Am 23. November 1951 wurden Rudolf Slánský und seine überwiegend jüdischen Mitangeklagten des Hochverrats, ganz im Sinne des alten Verschwörungsmythos angeklagt. Die moskauhörige tschechische Presse berichtete unentwegt, dass Slánský eigentlich Rudolf Salzmann hieß, und dass er wie zehn der übrigen Angeklagten jüdischer Abstammung war. In den Akten standen neben den Namen der Angeklagten die Worte „jüdischer Abstammung.“ Wenn Namen nicht jüdisch klangen wurden in den Akten und im Urteil die ursprünglichen Namen angeführt, also „Slánský, alias Salzmann“, „Ludvik Frejka, alias Ludwig Freund“, „Andre Simone, alias Otto Katz“ usw. Major Smolá, ein berüchtigter Antisemit und Bewunderer Hitlers war der Chefankläger im Schauprozess gegen Slánský. Der ehemalige stellvertretende tschechoslowakische Außenminister, damals selbst jüdischer Mitangeklagter, Arthur London, schreibt in seinem Buch: „Ich gestehe“ über die Methoden des Staatsanwalts Smolá:  „Er packte mich an der Gurgel und brüllte: Sie und Ihre dreckige Rasse, wir werden sie schon noch ausrotten. Nicht alles, was Hitler getan hat, war richtig, aber er hat die Juden vernichtet, und das war gut! Es sind noch viel zu viele von euch der Gaskammer entkommen.“ Rudolf Slánský wurde am 3. Dezember 1952 zusammen mit zehn weiteren fast ausschließlich jüdischen Mitangeklagten zum Tod verurteilt und durch Erhängen hingerichtet. Auch später, in der Breshnew-Zeit kam es zu einer ungeheuren Verschärfung des Antisemitismus unter dem Deckmantel des Antizionismus. Von 1967 bis 1980 erschienen allein in der sowjetischen Presse rund 1.700 antizionistische Karikaturen, deren Stil den „Stürmer“ Karikaturen glichen. [1][3]

Mit und nach dem Zerfall der Sowjetunion wanderten rund eine Million Juden nach Israel aus, was das kleine Land vor enorme Herausforderungen stellte. Am 23. Dezember 1991 verübte der antiimperialistische Kämpfer Horst Meyer von der 3. Generation der RAF mit seinen palästinensischen Kameraden einen Sprengstoffanschlag in Budapest auf einen mit 29 sowjetischen Juden, in erster Linie Familien mit kleinen Kindern, sowie zwei Begleitern besetzten Reisebus aus. Die Juden befanden sich auf einem Ausreisetransit aus der Sowjetunion nach Israel. Auf Grund eines Konstruktionsfehlers der Bombe gab es „nur“ schwerverletzte Begleiter und vier leichtverletzte Juden. Die linke „Freiheitskämpferin“ Andrea Klump war tatbeteiligt, weil sie die Wohnungen in Budapest für die Kameraden angemietet, den dortigen Haushalt geführt und vom Vorhaben gewusst hat, wie sie im Prozess gegen sie im Jahr 2004 gestand.

Nationalbolschewistischer Antisemitismus in der KPD

Die KPD der Weimarer Republik und des Exils 1933 bis 1945 war die direkte Vorläuferin der SED. Der Antisemitismus wurde in der Weimarer Republik infolge der ökonomischen und politischen Turbulenzen in deren Anfangs- und Endphase zu einer weitverbreiteten Grundhaltung. Ab Mitte der zwanziger Jahre begann die KPD als Reaktion auf den wachsenden Antisemitismus, den anfänglich relativ hohen Anteil von rund zehn Prozent von Personen jüdischer Herkunft unter ihren Funktionären insbesondere in der Parteispitze und den Fraktionen nach und nach abzubauen. Im Mai 1924 waren sechs der 62 Reichstagsabgeordneten jüdischer Herkunft, in der hundertköpfigen KPD-Fraktion des letzten Reichstages war kein Jude mehr vertreten.

Der kommunistische Politiker und Journalist Karl Radek (1885-1939) forderte 1923, während der Ruhrbesetzung, nach dem Tod von Albert Leo Schlageter (1894-1923) eine Diskussion innerhalb der KPD über Bündnisse mit rechten Gegnern des Versailler Friedensvertrages. Die Parole Radeks, „die Sache des Volkes zur Sache der Nation gemacht, macht die Sache der Nation zur Sache des Volkes“, sollte für viele Jahre die kommunistischen Versuche bestimmen, den Nationalsozialisten ihre Anhängerschaft abzugewinnen. Schlageter war ein deutscher Freikorpskämpfer, der während der Ruhrbesetzung 1923 gegen die französischen Besatzungstruppen im aktiven Widerstand war. Ein französisches Militärgericht verurteile ihn wegen Spionage und Sabotage zum Tode. Ein Gnadengesuch lehnte Schlageter ab, wodurch er nach seiner Hinrichtung zur Kultfigur für Nationalisten wurde. [4]

„Sowohl während des Schlageterkurses, als auch im Zuge der Propaganda für die Programmerklärung finden sich in der Publizistik der KPD und in Reden ihrer Funktionäre diverse Äußerungen, die ihr schon von Zeitgenossen den Vorwurf des Antisemitismus einbrachten.“  Für die KPD war Antisemitismus ausschließlich eine Klassenfrage. Führende KPD Politiker bescheinigten der extremen Rechten, dass ihr Kampf gegen das jüdische Kapital sie nicht voneinander trenne. Die KPD gehe nur weiter, weil sie auch gegen das christliche Kapital zu Felde ziehe. Ganz in diesem Sinne äußerte sich das ZK-Mitglied Ruth Fischer am 25. Juli 1923 auf einer Versammlung von kommunistischen Studenten, zu denen auch völkische Kommilitonen eingeladen waren: „Sie rufen auf gegen das Judenkapital, meine Herren? Wer gegen das Judenkapital aufruft, meine Herren, ist schon Klassenkämpfer, auch wenn er es nicht weiß. Sie sind gegen das Judenkapital und wollen die Börsenjobber niederkämpfen. Recht so. Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie. Aber, meine Herren, wie stehen Sie zu den Großkapitalisten, den Stinnes, Klöckner?“ 1924 äußerte sich Clara Zetkin zu den innerparteilichen Fraktionskämpfen und beschuldigte dabei einige Parteilinke als faschistische Antisemiten. Ein Sprecher aus der „Brandler Gruppe“ bemerkte: Wir haben bereits vereinzelte antisemitische Unterströmungen in der Partei. Die Genossen die gut beobachten, werden das nicht bestreiten.“

Die zionistische Lösung auf den zunehmenden Antisemitismus wurde innerhalb der moskautreuen KPD kategorisch verworfen.  Im Buch des KPD-Ideologen Otto Heller “Der Untergang des Judentums: Die Judenfrage, ihre Kritik, ihre Lösung durch den Sozialismus“ von 1931 ist zu lesen: „Entstanden als „jüdisch-nationalistische Reaktion auf den Antisemitismus“, sei der Glaube, dass ein Judenstaat die „Judenfrage“ lösen könne, nichts als eine kleinbürgerliche Utopie. Der Aufbau eines kapitalistischen Judenstaates sei nichts als der reaktionäre „Versuch der jüdischen Bourgeoisie, ein eigenes imperialistisches Röllchen am Schwanz des britischen und des amerikanischen Imperialismus zu spielen“: „Unter dem Vorwand, ein rückständiges Land […) modernen Wirtschaftsformen zuführen zu wollen, verelendet und knechtet er in Wirklichkeit, als ein Instrument des britischen Imperialismus, jüdische und arabische Proletarier.“  Der Zionismus sei somit „nichts anderes als ein Element der Konterrevolution“, der Kommunismus daher sein „unerbittlicher Gegner.“

Vorbildhaft sei dagegen laut Heller die sowjetische Lösung der „Judenfrage“: „Die Sowjetunion habe den jüdischen Werktätigen mit Birobidjan eine ganze menschenleere Region zur Besiedlung zur Verfügung gestellt, in dem diese sich ein Paradies erschließen und hierdurch zugleich ihre »Nationalität entwickeln« könnten. Hellers Buch schließt mit den Sätzen: „Die Juden sind in den sibirischen Urwald gegangen. Fragt man sie nach Palästina, so bekommt man ein helles Lachen zur Antwort. Der Palästinatraum wird längst schon der Historie angehören, wenn in Birobidjan Automobile, Eisenbahnen, Dampfer fahren, die Schlote gewaltiger Fabriken rauchen und die Kinder einer freien, jüdischen Arbeiter- und Bauerngeneration in blühenden Gärten herumspringen werden.“ Diese kommunistische Preisung produktiver Handarbeit als „volksbildenden“ Faktor bestand allerdings in einer Ablehnung „unproduktiver“ Vermittlertätigkeiten. Diese antisemitische Tendenz tritt deutlich zutage, wenn Heller den Zionismus kritisiert, es sei keine „Lösung der Judenfrage“, „die Trödler und Hausierer aus Podolien in Palästina als Trödler und Hausierer anzusiedeln“, und statt dessen begeistert für die „soziale Sanierung der jüdischen Bevölkerung“ durch die Erschließung Birobidjans plädiert: „Der Jude wird Arbeiter.“

In den letzten Jahren der Weimarer Republik bemüht sich die KPD sogar „Verbindungen“ zwischen „jüdischen Kapitalisten“ und der NSDAP herauszustellen. Da die NSDAP vermeintlich auch von „jüdischen Kapitalisten“ unterstützt werde, so die KPD, reiche der Antisemitismus der NSDAP nur so weit, als er deren Interessen nicht tangiere. Immer wieder zog das Zentralorgan der KPD das Fazit: „Die Judenhetze dient den Nazis nur zur Irreführung ihrer Anhängermassen. Sie selbst werden dem reichen Juden nicht ein Haar krümmen, wie auch Mussolini den reichen Juden kein Haar gekrümmt hat.“  Und das ZK postulierte weiter: Der Faschismus sei weder in der Lage noch gewillt, auch nur ein „einziges Element der kapitalistischen, als „raffend“ oder „jüdisch“ bezeichneten Wirtschaft anzutasten. Jüdisches und nichtjüdisches Kapital sind untrennbar miteinander versippt und verquickt, auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Jüdisches Geld nährt auch den Faschismus, so die KPD.

Antizionismus nach 1945 in der Deutschen Demokratischen Republik

Die DDR verstand sich als antifaschistischer Staat, Kommunisten waren schließlich die ersten Opfer der nationalsozialistischen Barbarei. Der Holocaust, die Vernichtung der europäischen Juden, wurde in der DDR kaum thematisiert. Bereits die Moskauer Exilfraktion der KPD hatte eine unzureichende Sicht auf Juden und Antisemitismus im Nationalsozialismus. Eine positive Ausnahme diesbezüglich bildete nur die mexikanische Exilfraktion der KPD um Paul Merker. Die SED präsentierte sich als „Vortrupp des deutschen Volkes“ im nationalen Befreiungskampf gegen „imperialistische Okkupation“  und gegen die „Dollarzinsknechtschaft.“ Der „amerikanischen Unkultur“ setzte die SED die „deutsche Kultur“ entgegen und die „volksverbundene Kunst“ stand im Klassenkampf der SED über dem „wurzellosen Kosmopolitismus.“ Antisemitismus, Antiimperialismus und kommunistischem Nationalismus waren der Hauptbestandteil der Anti-Kosmopolitismus-Kampagnen dieser Zeit. Für den kommunistischen Nationalismus der SED waren die Juden der perfekte Feind, denn alle Juden galten des Zionismus verdächtig. Die DDR-Führung halluzinierte eine jüdische Mitschuld am Faschismus, während Schuld Täterschaft der deutschen Bevölkerung in der DDR der 1950er Jahre so gut wie nicht thematisiert wurde. Der spätstalinistische DDR-Antizionismus war daher eine eindeutige Form des „Antisemitismus nach Auschwitz. “ [3]

Wie die Sowjetunion begrüßte auch die SED 1947 den UN Teilungsplan Palästinas und äußerte bis 1950 deutliche Sympathie für den jüdischen Staat. Israel wurde als fortschrittliches Staatswesen betrachtet, das sich gegen die Aggression der von England unterstützten arabischen Feudalherren zur Wehr setzen müsse. Anfang 1948 hatten Zuckermann, Merker und Meyer angesichts der proisraelischen Haltung des Ostblocks versucht Wiedergutmachungszahlungen an Israel ins Gespräch zu bringen. Am 12. März 1952 übergab die israelische Regierung den vier Siegmächten eine Note, in der sie als finanzielle Entschädigung für die von den Nationalsozialisten verübten Verbrechen von der BRD eine und von der DDR eine halbe Milliarde US-Dollar forderte. Die Sowjetunion verwies darauf, dass erst nach einem Friedensvertrag darüber verhandelt werden könne und im Zuge des Slánský Prozesses von 1952 lehnte die DDR dann jede Wiedergutmachung mit der Begründung ab, diese würde allein „israelischen Großkapitalisten“ und zionistischen Monopolkapitalisten“ zu Gute kommen. Spätestens ab 1951 war extremster Antizionismus die oberste Staatsdoktrin aller Ostblockstaaten.

Anfang der 1950er Jahre brach die antijüdische Hysterie auch in der DDR aus. Im „Neuen Deutschland“ wird am 30. November 1952 vom großen Prozess gegen den Juden Rudolf Slánský und 13 jüdischen Mitangeklagten berichtet. Geständnisse und Urteile wurden seitenlag dokumentiert. Am zweiten Verhandlungstag gestand, laut „ND“, der Angeklagte Bedrich Geminder, dass er dem deutschen Trotzkisten Paul Bender Spionagematerial geliefert habe. Paul Merker habe im Dienste des Imperialismus und Zionismus Propaganda betrieben. Im Leitartikel stand: „Die Vernichtung der Slánský -Bande – ein Sieg der Friedenskräfte.“ Die „Entlarvung“ der „Ärzteverschwörung“ im Kreml wurde bekanntgegeben und Artikel mit Überschriften: „Den Zionismus entschieden bekämpfen!“ erklärten den Staat Israel zur „zionistischen Agentur des amerikanischen Imperialismus.“ Der „Nichtjude“ Paul Merker, wurde als Zionist aus seinen Ämtern entlassen und er sollte der „deutsche Slánský“ werden.  1952 befahl die Sowjetunion der DDR alle Juden zu registrieren. Durch die Säuberungswelle verlor die DDR mehr als die Hälfte ihrer staatstreuen jüdischen Bürger. Zugleich wurde tausenden von ehemaligen Nazis und Wehrmachtsoffizieren per Gesetz im Oktober 1952 ihre volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung in der DDR garantiert, wodurch sie im Staatsdienst eingesetzt werden konnten. Neben Paul Merker wurden viele weitere „jüdische“ Genossen verhaftet, wie beispielsweise Leo Bauer, Chefredakteur des Deutschlandsenders, Bruno Goldhammer, Intendant des Berliner Rundfunks, Staatssekretär Paul Baender, der erste Vorsitzende der „Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion“ Jürgen Kuczynsky der Generalsekretär des DDR Kulturbundes Alexander Abusch, Gerhard Eisler und viele andere Kommunisten jüdischer Abstammung wurden aus ihren Funktionen entlassen. Am 4. Januar 1953 schrieb das ND: „Unter jüdisch-nationalistischer Flagge segelnd, getarnt als zionistische Organisation und als Diplomaten der amerikanischen Vasallenregierung Israels, verrichten diese amerikanischen Agenten ihr Handwerk.“ [3]

1967 forderte die SED von allen sozialistischen Ländern ihre diplomatischen Beziehungen zu Israel abzubrechen. Die ideologischen Affinitäten zwischen den antisemitischen, arabischen Staaten und der DDR speisten sich aus dem gemeinsamen Antiimperialismus. Die DDR verurteilte den Zionismus als „faschistische Ideologie“ und belegte ihren Antisemitismus in Reden und diversen Publikationen mit Gleichsetzungen von Israel mit Nazideutschland. Zwischen 1967 und 1989 lieferte die DDR „Solidaritätsgüter“ zum Teil kostenfrei an die arabischen Staaten und an die militanten Palästinenserorganisationen, die sich mit Israel im Krieg befanden: 750.000 Kalaschnikow-Sturmgewehre, 120 MiG-Jagdflugzeuge, 180.000 Tretminen, 235.000 Granaten, 25.000 Panzerbüchsen (RPG) und 25 Millionen Patronen unterschiedlicher Kaliber. Darüber hinaus reparierten und warteten ostdeutsche Mechaniker in diesen Jahren 350 MiG-Jagdflugzeuge der irakischen und syrischen Luftwaffe. Von 1972 bis 1989 absolvierten über 3000 ausländische Militärkader eine Ausbildung an ostdeutschen Militärschulen, darunter mehrere hundert aus Syrien, Irak, Libyen und der PLO. Schließlich schickte Ost-Berlin weitere Ausrüstungsgegenstände für militärische Zwecke: Ferngläser, Zelte, Fallschirme, Rundfunkgeräte, Feldlazarette, Zünder und Sprengstoffe. Unzählige verletzte arabische Terroristen und Soldaten wurden in den Krankenhäusern der DDR gesund gepflegt. [7]

Alle Maßnahmen von Staat und Partei mussten innerhalb des ideologischen Systems, der marxistisch-leninistischen Weltsicht begründet und legitimiert werden. Zum „Hauptfeind des deutschen Volkes“ wurde der US-Imperialismus erklärt. Laut SED agiert eine kleine Gruppe von „Weltimperialisten“ und „Dollarkönigen“ um die „Weltherrschaft des Dollarimperialismus“ aufzurichten und die als die wahren Herren von Amerika personifiziert  die SED „habgierige Milliardäre“ wie Morgan, Rockefeller, Mellon und Lamont. Neben Personifizierung und Verschwörungstheorie findet sich in der SED Propaganda ständig die strukturell antisemitische Entgegensetzung von Banken, „Finanzhyänen“, „Raubtieren der Wallstreet“ gegen „Volk und Arbeit.“

Thomas Haury schreibt in seinem Buch „Antisemitismus von Links“: „Die durch die Assimilierung des Antisemitismus an den Marxismus-Leninismus entstandenen Modifikationen machen den spätstalinistischen Antizionismus zu einer prototypischen Form des Antisemitismus nach Auschwitz. Dies zum ersten allein schon deshalb, weil er sich nicht gegen „Judentum“ oder „Juden“, sondern gegen „Zionismus“ und „Zionisten“ zu wenden behauptete und nicht rassisch argumentierte. Diese „Tarnung“ als erstes wichtiges Merkmal war insbesondere für den Kommunismus unverzichtbar, da er sich ja als wesenhafter Gegner des Faschismus verstand und auch von daher jede Assoziation zum Antisemitismus vermeiden musste.“

Antizionismus nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland

Nach der durch Auschwitz gesetzten Zäsur konnte der Antisemitismus weder in alter Form, noch als offener Antisemitismus fortbestehen, so wurde Auschwitz zur neuen Quelle eines „sekundären Antisemitismus.“ Allen Versuchen der Verleugnung, Entschuldung und Relativierung des Nationalsozialismus war die Schranke Auschwitz gesetzt und der Antisemitismus nicht trotz, sondern ein „Antisemitismus wegen Auschwitz“ war geboren.

Die Neue Linke der 60er Jahre formierte sich mit guten Argumenten gegen den Krieg in Vietnam und die nachnazistischen autoritären bundesdeutschen Zustände und Kontinuitäten, verlor aber jede Glaubwürdigkeit nach dem 6-Tage-Krieg von 1967. Innerhalb kurzer Zeit kippte die Haltung der Neuen Linken von einer gemäßigten pro-arabischen Neutralität zur überschäumenden Verurteilung Israels als „imperialistisch-faschistisches Staatengebilde“, als „Brückenkopf der USA im Nahen Osten“, während die antisemitische Al Fatah zur Avantgarde der Sozialrevolutionäre in der 3.Welt hochstilisiert wurde. Um den ersehnten Schulterschluss mit den Eltern vollziehen zu können, wehrte die Neue Linke, wie die beinahe die gesamte 68er Studentenbewegung in ihrem Hass auf Israel jede Erinnerung ab, als würden sie „von einer unsichtbaren Hand aus dem Führerbunker gelenkt.“ Bereits im September 1967 verabschiedete die wichtigste Organisation links von der SPD, der SDS einen strikt antizionistischen Kurs. 1969 sprengte der SDS mit palästinensischen Studenten mehrere  Vortragsveranstaltungen des israelischen Botschafters Asher Ben-Natan. Theodor W. Adorno schreibt am 19. Juni 1969 in einem Brief an seinen in San Diego lebenden Kollegen Herbert Marcuse: „Nachdem man in Frankfurt den israelischen Botschafter niedergebrüllt hat, hilft die Versicherung, das sei nicht aus Antisemitismus geschehen, und das Aufgebot irgendeines israelischen APO-Mannes nicht das mindeste […] Du müsstest nur einmal in die manisch erstarrten Augen derer sehen, die, womöglich unter Berufung auf uns selbst, ihre Wut gegen uns kehren.“ [6]

Während mehrere SDS-Gruppen 1969 von Frankfurt nach Amman flogen um sich von der Fatah militärisch ausbilden zu lassen, kritisiert Jean Améry in der „Zeit“ die innerhalb der Neuen Linken stets stärker werdende antiisraelische, antisemitische Haltung. In Westberlin wurden inzwischen von linken Gruppen jüdische Gedenkstätten geschändet, zu lesen sind die Worte „Schalom“, „El Fatah“ und „Napalm“. Die Buchstaben sind mit schwarzer und grüner Farbe angemalt worden, den Nationalfarben Palästinas. Nach dem Bomben-Anschlag der Tupamaros West-Berlin auf das Jüdische Gemeindehaus am 9. November 1969 erhält der Vorsitzende, Heinz Galinski eine auf Band aufgenommene Drohung, nach 15 Sekunden dauernden Ticken ertönt eine Frauenstimme: „Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus hat gezündet. Berlin dreht durch, die Linke stutzt … Springer, Senat und die Galinskis wollen uns ihren Judenknacks verkaufen. … Bei uns ist Palästina, wir sind Fedajin. Heute Nachmittag kämpfen wir für die revolutionäre palästinensische Befreiungsfront Al-Fatah! Schlagt zu!“ Albert Fichter von den „Tupamaros Westberlin“ legte am 31. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938,  im Auftrag des späteren Grünen-Politikers Dieter Kunzelmann die Bombe, um gegen die israelische Politik gegenüber den Palästinensern zu protestieren und die „palästinensische Revolution“ unterstützen. [5]

Europa war im Februar 1970 der Ausgangspunkt der opferreichsten Terrorwelle die es nach dem Zweiten Weltkrieg in Mitteleuropa gegeben hat. Innerhalb von nur elf Tagen ereigneten sich in München mit zwei versuchten Flugzeugentführungen, zwei Bombenanschlägen auf Flugzeuge und einem Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim fünf verschiedene Terroraktionen, die allesamt antisemitisch motiviert waren. Beispielsweise am 10. Februar 1970 versuchten AOLP-Kommandos der PLO in München Riem eine EL-Al-Maschine zu entführen. Kurz vor 13 Uhr entsteht ein Handgemenge, Handgranaten fliegen, Schüsse fallen. Nachdem Palästinenser eine Handgranate in eine Menge von Passagieren werfen, wirft sich der Israeli Arie Katzenstein auf die Handgranate um seinen Vater und die um ihn stehenden Menschen vor dem sicheren Tod zu bewahren und kommt dabei ums Leben. Elf weitere Passagiere und die aus Deutschland stammende israelische Schauspielerin Hanna Maron werden schwer verletzt. Um Hanna Maron das Leben zu retten müssen Ärzte in München ihr Bein amputieren. Die Terroristen werden noch am Tatort festgenommen. In einem Schreiben an die bundesdeutsche Botschaft in Amman teilt die AOLP mit, dass es sich bei dem Angriff auf die israelische Maschine am Vorlag in München-Riem um eine „legitime Kriegshandlung“ gehandelt habe. Die bundesdeutschen Behörden werden aufgefordert, den Mitgliedern des dreiköpfigen Kommandos den Kriegsgefangenenstatus zu gewähren und sie medizinisch gut zu behandeln. Die deutschen Behörden stellten die palästinensischen Terroristen gro­tes­ker­wei­se nicht vor ein Gericht, sondern schoben die Mörder wenige Wochen später in ein ölreiches arabisches Land ab, wo sie für ihre „Heldentat“ freundlich empfangen werden. [6]

Während der Olympischen Sommerspiele im September 1972 in München ermordeten palästinensische Terroristen des „Schwarzer September“ elf Sportler der israelischen Mannschaft während einer Geiselnahme. Die drei überlebenden palästinensischen Mörder und Geiselnehmer wurden von Deutschland vor kein Gericht gestellt. Sie wurden wenige Wochen nach der mörderischen Geiselnahme von der Deutschen Regierung, ohne Israel darüber zu informieren, gegen die Besatzung einer dubios entführten Lufthansa-Maschine „Kiel“ ausgetauscht. Die Leichen der fünf im Feuergefecht von Fürstenfeldbruck getöteten Geiselnehmer wurden nach Libyen überführt, wo sie eine Heldenbestattung mit großen militärischen Ehren erhielten. Die linksextreme RAF feierte die bestialische Ermordung der israelischen Sportler als „antiimperialistische, antifaschistische und internationalistische“ Tat. In Ulrike Meinhofs Text „Rote Armee Fraktion – Die Aktion des Schwarzen September in München – Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes“ steht neben anderen Ungeheuerlichkeiten: „Die Aktion des Schwarzen September hat das Wesen imperialistischer Herrschaft und des antiimperialistischen Kampfes auf eine Weise durchschaubar und erkennbar gemacht wie noch keine revolutionäre Aktion in Westdeutschland oder Westberlin. Sie war gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch. (..) …gegen dem seinen Wesen und seiner Tendenz nach durch und durch faschistischen Imperialismus- in welcher Charaktermaske auch immer er sich selbst am besten repräsentiert findet: Nixon, Brandt, Moshe Dayan oder Genscher, Golda Meir oder Mc Gouvern. (..) Alle Aufschübe des Ultimatums, das sie mit Lügen und falschem versprechen erreicht haben, diente ihnen nur zu einem ausschließlichen Zweck: Für die Vorbereitung des Massakers Zeit zu gewinnen. Sie hatten nur ein Ziel, nur ja dem Moshe-Dayan-Faschismus – diesem Himmler Israels- in nichts nachzustehen. (..) Israel vergießt Krokodilstränen. Es hat seine Sportler verheizt wie die Nazis die Juden – Brennmaterial für die imperialistische Ausrottungspolitik. (..) Der Tod der arabischen Genossen wiegt schwerer als der Tai-Berg. (..) Solidarität mit dem Befreiungskampf des palästinensischen Volkes!“

Am 27. Juni 1976 entführten die linksradikalen deutschen „Revolutionäre“ Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann mit zwei palästinensischen Kameraden ein Flugzeug der Air France über Athen mit 250 Passagieren an Bord. Am Dienstag, den 29. Juni 1976, um kurz vor 19 Uhr beginnt Wilfried Böse in Entebbe die erste deutsche Selektion an Juden nach 1945.  Während die jüdische Namen mit deutschem Akzent verlesen wurden steht die 28-jährige Pädagogikstudentin Brigitte Kuhlmann, eiskalt mit einer Handgranate bewaffnet am Eingang des Nebenraumes in den die aufgerufenen 103 jüdischen Geiseln, 83 Israelis sowie 20 französische Juden gehen müssen. Die verbliebenen 143 nichtjüdischen Geiseln und die französische Crew wurden freigelassen. Kapitän, Michel Bacos, und seine Crew lehnten ihre Freilassung ab, da sie sich allen Passagieren verantwortlich fühlten. Mit vier Herkules Transportflugzeugen, einem mitgenommenen schwarzen Mercedes und zwei Boeing 707 befreite eine israelische Eliteeinheit mit Jonathan Netanjahu nach einem Achtstundenflug unter dem Radar die Geiseln. „Ich sehe in Entebbe das Wesen des Zionismus“, sagt Muki Betzer, einer der Kommandeure der „Operation Thunderbolt“. „Hätten wir vor dem Zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, hätte es den Holocaust in Deutschland so nicht gegeben.“ Große Teile der deutschen Linken waren fassungslos, freilich nicht wegen der Selektion von Juden, sondern weil Israel die Souveränität Ugandas verletzte, so blieb Israel weiter der Jude unter den Staaten, während dem Massenmörder Idi Amin „uneingeschränkte Solidarität“ zugesichert wurde. Nach „Entebbe“ versuchten die „Revolutionären Zellen“ Heinz Galinski, den damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin zu entführen, was nur durch Hans-Joachim Kleins Intervention verhindert wurde! Die „Operation Thunderbolt“ mit der ihr vorausgegangenen Flugzeugentführung und anschließenden Selektion wurde mehrmals verfilmt, zum Beispiel mit Horst Buchholz oder Klaus Kinski in der Rolle des Wilfried Böse. In mehreren westdeutschen Kinos, die den Film „Unternehmen Entebbe“ spielten,  legten linksradikale Anhänger der „RZ“ Feuer. Diese Brandstiftungen sollten eine Warnung an Kinobesitzer und Zuschauer gegen die angebliche „rassistische Hetze“ sein. [8]

Blockaden von Linksradikalen gegen missliebige pro-israelische Filme gab freilich es vielfach. Am 25. Oktober 2009 verhinderten antiimperialistische linksradikale Gruppen mit Gewalt in Hamburg / St. Pauli im Kino B-Movie den Film „Warum Israel“ des Sartre-Schülers Claude Lanzmann. Die Aktion der Linken erinnerte Claude Lanzmann an die Blockade „verjudeter“ Filme durch die Nationalsozialisten. Die Gruppierung Internationales Zentrum B5 skandierte „Ihr Judenschweine“ während der „antirassistischen“ Aktion.

Der spätere außenpolitische Sprecher der Linkspartei, Norman Paech sprach in den 1990er Jahren davon, dass er endlich „von der Aura der Kollektivschuld“ erlöst wurde, als er Mitte der 1960er Jahre nach Israel fuhr und dort das „Leid“ der Palästinenser sah. Denn nun konnte er aus dem „Schatten Hitlers“ heraustreten und von den eigenen Schuldgefühlen wurde er deswegen befreit, weil er erkannt zu haben glaubte, dass die Israelis genauso schlimm seien wie damals Nazideutschland. Im Jahre 2010 beteiligte sich Norman Paech mit den „Damen“ der Linkspartei Annette Groth und Inge Höger an der israelfeindlichen „Hilfsaktion“ an Bord der “Mavi Marmara,  die von der radikal-islamistischen Organisation IHH organisiert und finanziert wurde. Beim Ablegen in Istanbul skandierten die Passagiere des „Friedensschiffes“ Parolen der Hamas, Loblieder auf das islamische Märtyrertum und „Tod allen Juden.“ Die Djihadisten, mit welchen die deutschen „Friedensfreunde“ in See stachen, verabschiedeten sich bereits in der Türkei von ihren Familien und wollten als Selbstmordattentäter in ihr „Paradies“ einkehren. Israels antisemitische Feinde wissen, dass es in einem asymmetrischen Krieg darum geht, über Medien und Weltmeinung, Israel zu isolieren. Von den gewalttätigen Ereignissen, als die israelische Armee die „Mavi Marmara“ stoppte, bekamen Annette Groth und Inge Höger nichts mit, da die beiden mit den übrigen „Damen“ im „Frauendeck“ eingeschlossen waren. Groth und Höger, die sich für die Emanzipation der Frau in Europa einsetzen akzeptierten brav und devot die Geschlechter-Separation der Islamisten. Das gemeinsame Ziel, der Kampf gegen Israel steht für „Israelkritiker“ über allem. Wenige Monate später trat die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Inge Höger bei einer Konferenz von Hamas-Sympathisanten in Wuppertal mit einem Tuch um den Hals auf, das den Nahen Osten ohne den Staat Israel zeigte.

In so gut wie allen linken und linksliberalen Zeitungen gehören der Hass, die „Kritik“ und die Agitation gegen Israel zur grundlegenden Blattlinie. Das Sturmgeschütz der „Israelkritik“ seit 2009 ist zweifellos der antizionistische „Freitag“, der in hunderten Artikeln den Staat Israel dämonisiert und delegitimiert. Hasserfüllte Halluzinationen vom „Vernichtungsfeldzug gegen die palästinensische Bevölkerung im Gaza-Streifen“, von den „zionistischen Schlächtern“, vom „KZ Gaza“, vom „zionistischen Apartheidsstaat und den Greueln, den er an der palästinensischen Bevölkerung begeht“ waren insbesondere von 2010 bis 2014 in den entsprechenden Artikeln an der Tagesordnung.

Nicht weniger Probleme mit Juden und dem Staat Israel hatten Rudolf Augstein und sein linksliberaler „Spiegel“. Rolf Behrens hat in seinem Buch „Raketen gegen Steinewerfer“ – die Berichterstattung des Spiegels bezüglich Israels in dem Zeitraum der Intifada von 1987 – 1992 und der „Al-Aqusa-Intifada“ von 2000-2002 untersucht. In diesen 345 Artikeln des „Spiegels“ wird der Staat Israel stereotyp als brutaler, expansiver und rassistischer Staat voller Missstände dargestellt, dessen Gesellschaft innerlich zerrissen sei und sich im Niedergang befinde. Der Spiegel überschreite vielfach die Grenze die legitime Israel-Kritik und Antisemitismus trennt. Die Israel-Berichterstattung des „Spiegel“ ist im untersuchten Zeitraum unabhängig von den Fakten von auffälligen immer wiederkehrenden Stereotypen bestimmt. Als der ehemalige Spiegel-Redakteur Hellmuth Karasek mit der Studie konfrontiert wurde, antwortete dieser auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung warum er Mitte der 8oer Jahre bestritten habe, der Spiegel sei antisemitisch: „Ich habe mich eben getäuscht. Wir waren blind damals“.

Der linke Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft

Der moderne Antisemitismus ist eine die Welt „erklärende“ Ideologie, in der die Juden mit der schwer zu durchschauenden kapitalistischen Ökonomie identifiziert werden. In diesem Weltbild üben Juden abstrakte Macht aus und kontrollieren die Börsen und sind Träger der kulturellen Moderne, mit ihrer „Zersetzung“ und „Massenkultur“ beeinflussten sie Politiker und steuern vermeintlich die Presse. Der „ehrbare“ Antisemit überträgt all diese halluzinierten Ressentiments auf den Judenstaat, auf den Staat Israel. Der gegen Israel gerichtete „Antisemitismus mit gutem Gewissen“, der sich selbst für besonders kritisch und anti-antisemitisch hält, ist in Europa, speziell in Deutschland und Österreich der am weitesten verbreitete Antisemitismus. Im Antizionismus, mit seinem manichäischen antiimperialistischen Weltbild manifestiert sich das nie eingestandene Bedürfnis nach „Normalität“, nach Entlastung von der Vergangenheit des „eigenen“ Kollektivs.  Gefährlich ist dieser „ehrbare Antisemitismus“ wegen seinem Bündnis mit dem islamischen Antisemitismus. Der „ehrbare“ Antisemit läuft auf Black Lives Matter-Demonstrationen mit, verurteilt jede Kritik an den islamischen Zumutungen als Rassismus, unterstützt und bewundert die Feinde Israels und jede Verteidigung Israels macht ihn wütend und fassungslos.

Um die einschlägigen antizionistischen Vorurteile und Ressentiments zu lesen, muss man heutzutage nicht unbedingt eine linksextreme antizionistische Wochenzeitung wie den „Freitag“ abonnieren, es reichen die öffentlich-rechtlichen Medien. Seit Jahrzehnten muss man nur die Tageschau, das Heute-Journal oder gar „Kultursendungen“ in 3Sat oder Arte über Israel und den Nahen Osten verfolgen um dies bestätigt zu sehen. Antisemitische Karikaturen in Stürmer-Manier kann man regelmäßig in der Süddeutschen Zeitung oder der Stuttgarter Zeitung sehen. Entweder wird Israels Premierminister Netanjahu als Vergifter des Weltfriedens gezeigt oder wie am Kölner Domplatz  eine Karikatur, die einen Juden beim Verspeisen eines palästinensischen Kindes oder ähnliches zeigt. So ist der „ehrbare“ Antisemitismus längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Der von Rudi Dutschke geforderte „Marsch durch die Institutionen“ war erfolgreich. Die „israelkritischen“  68er wurden Multiplikatoren als Lehrer, Publizisten und Beamte in zum Teil maßgeblichen Stellungen.

Entgegen dieser Entwicklung hat der Bundestag am 17. Mai 2019, einen gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „BDS-Bewegung entschlossen entgegentreten – Antisemitismus bekämpfen“ angenommen. Das Parlament will keine „Räumlichkeiten und Einrichtungen, die unter der Bundestagsverwaltung stehen, keinen Organisationen, die sich antisemitisch äußern oder das Existenzrecht Israels in Frage stellen, mehr zur Verfügung stellen“ Darüber hinaus  lehnt der Bundestag es ab, Organisationen oder Projekte finanziell zu fördern, die das Existenzrecht Israels in Frage stellen, zum Boykott des jüdischen Staates aufrufen oder die BDS-Bewegung aktiv unterstützen.

Dieser Beschluss macht die antisemitische „antirassistische“ postkoloniale „Avantgarde“ tief betroffen. So gründete sich kürzlich eine „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“, die eine Gefährdung der Meinungsfreiheit durch den Bundestagsbeschluss zum Israel-Boykott BDS sieht. Die Intendanten hochsubventionierter Kulturinstitutionen beschweren sich in ihrer Initiative, dass sie in ihrer Meinungsfreiheit, in ihrem Recht auf „Israelkritik“ durch den Bundestagsbeschluss eingeschränkt seien. Die Vertreter des linken Postkolonialismus und des antisemitischen „Anti-Rassismus“ rufen auf zum „letzten Gefecht.“ Die Debatte im Jahr 2020 um den BDS-Befürworter, Holocaustrelativierer und „Israelkritiker“ Achille Mbembe zeigt wie die verschiedenen Spielarten der postkolonialen Studien bis hin zur Migrationsforschung in den Mainstream vorgedrungen sind. Bereits seit 1989 hat der französische Philosoph der Académie française Alain Finkielkraut die menschenfeindlichen Akteure und das entsprechende Bündnis der Holocaustrelativierer herausragend in seinen Büchern beschrieben.

Das Simon Wiesenthal Center ist eine internationale Menschenrechtsorganisation mit Hauptsitz in Los Angeles und setzt sich maßgeblich mit der Thematik des Holocausts auseinander. Im Dezember 2020 setzte die Organisation die deutsche Kulturelite, die sich schützend vor die antisemitische Israel-Boykottbewegung BDS stellt auf Platz 7 ihres jährlich erscheinenden Antisemitismus-Awards. Neben der „Initiative GG 5.3 Weltoffenheit“ deutscher Kultureinrichtungen stehen Andreas Görgen, der Leiter der Kultur- und Kommunikationsabteilung im Auswärtigen Amt, wegen seiner Verteidigung des Holocaustrelativierers Achille Mbembe, die Jusos der deutschen Sozialdemokratie, wegen ihrer Kumpanei mit den Terroristen der Fatah, sowie die drei Bundestagsabgeordneten Christine Buchholz (Linkspartei), Omid Nouripour (Die Grünen) und Aydan Özoguz (SPD), die im Beirat des BDS-nahen Vereins Deutsch-Palästinensische Gesellschaft e.V. sitzen.

Holocaustrelativierung und BDS gelten heute als links, offen und multikulturell

Die Holocaustrelativierung von Ernst Nolte galt im Jahr 1986 noch mehrheitlich als reaktionär, der Slogan „Deutsche wehrt euch, kauft nicht bei Juden“ war lange Zeit in Deutschland ein absolutes Tabu. So unfassbar es auch sein mag, postkoloniale Holocaustrelativierung und BDS gelten heute in weiten Kreisen als links, offen und multikulturell.

Israel ist das Land, in dem der Jude sich nicht das Eigenbild vom Feind aufprägen lässt. Israel ist das Obdach für alle erniedrigten und beleidigten Juden dieser Welt. Israels Staatsgründung und seine Verteidigung der Bevölkerung war die Folge des kriegerischen Fanatismus seiner Gegner, die seit 1948 nichts anderes versuchen die Juden „ins Meer zu werfen.“ Israel ist notwendig wie kein anderer Staat dieser Welt, sagte bereits vor vielen Jahren der große Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. Nicht der Charakter des Juden macht den Antisemitismus, sondern im Gegenteil der Antisemit schafft den Juden. Der Antisemitismus, der Antizionismus ist eine rückschrittliche auf Irrationalität aufgebaute Weltanschauung. Was der „Israelkritiker“, neben seinem Kampf gegen die freiheitliche Moderne und seiner Apologie für den Islam wünscht und vorbereitet ist die Vernichtung Israels und somit der Tod des Juden.

Quellen: [1] Arno Lustiger – Rotbuch. Stalin und die Juden. Die tragische Geschichte des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und der sowjetischen Juden | [2] Léon Poliakov – Geschichte des Antisemitismus, 8 Bände | [3]  Thomas Haury, Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR, 2002 | [4] Otto-Ernst Schüddekopf – Nationalbolschewismus in Deutschland 1918-1933 | [5] Wolfgang Kraushaar – Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus | [6] Wolfgang Kraushaar –  „Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“ | [7] Jeffrey Herf – Unerklärte Kriege gegen Israel: Die DDR und die westdeutsche radikale Linke, 1967-1989 | [8] William Stevenson – 90 Minuten in Entebbe | [9] Léon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus | [10] Michael Landmann – Das Israelpseudos der Pseudolinken  | [11] Hans-Joachim Klein – Rückkehr in die Menschlichkeit |  [12] Louis Rapoport – Hammer. Sichel. Davidstern. Judenverfolgung in der Sowjetunion |  [13] Karl Marx – Zur Judenfrage | [14] Henryk M. Broder – Der ewige Antisemit: Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls | [15] J.P Sartre – Betrachtungen zur Judenfrage | [16] Jean Améry – Der ehrbare Antisemitismus

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Wie Theodor Oberländer mit Said Ramadan den politischen Islam nach Deutschland brachte

25. November 2020

Am 22. Juni 1941 begann mit dem „Unternehmen Barbarossa“ der deutsche Überfall auf die Sowjetunion. Dabei führte die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1944 einen rassebiologischen Vernichtungskrieg gegen Juden, sowjetische Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung, dem Millionen zum Opfer fielen. Von den insgesamt 5,7 Millionen sowjetischen Gefangenen starben drei Millionen nach ihrer Gefangennahme indem sie verhungerten, erfroren, an Seuchen starben oder auf Todesmärschen erschossen wurden.

Nach den ersten Niederlagen versuchte das NS-Regime zunehmend Muslime zum Kampf gegen die gemeinsamen Feinde zu mobilisieren, denn führende Nationalsozialisten waren ohnehin vom Islam fasziniert und vor allem die muslimischen Kriegsgefangenen verachteten das kommunistische „gottlose“ System. Wann immer Hitler während der Kriegsjahre die katholische Kirche kritisierte, verglich er sie gleichzeitig mit dem Islam, quasi als positives Gegenbeispiel. Heinrich Himmler meinte unter anderem: „Ich muss sagen, ich habe gegen den Islam gar nichts, denn er erzieht mir in dieser Division namens Handschar seine Menschen und verspricht ihnen den Himmel, wenn sie gekämpft haben und im Kampf gefallen sind. Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion!“

Heinrich Himmler begeisterte sich für die muslimischen Freiwilligenverbände und suchte stets die Nähe zum Großmufti von Jerusalem. Beispielshalber die „13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“  war eine Gebirgs-Divisionen der Waffen-SS und bestand aus muslimischen Freiwilligen, die vom SS-Mitglied und Führer der „Palästinenser“ al-Husseini, dem Großmufti von Jerusalem organisiert wurde. Zum führenden Kopf der Freiwilligeneinheiten wurde Ralph von Heygendorff. Zwischen 1944 und Mai 1945 befehligte er die 162. Turk-Infanterie an der italienischen Front, welche sich aus freiwilligen sowjetischen Muslimen und deutschen Soldaten zusammensetzte, die die Größe einer kompletten Division erreichte. Während des 2. Weltkrieges kämpften weit über 250.000 Muslime für die deutsche Wehrmacht und in SS-Einheiten und so ließen die Nationalsozialisten sogar Imam-Kurse für die muslimischen Divisionen in Potsdam abhalten.

Am 14. Oktober 1941 erhielt der Wehrmachtsoffizier Theodor Oberländer (1905-1998) den Befehl zur Aufstellung und Ausbildung einer weiteren muslimischen Einheit, des Sonderverbandes Bergmann, deren Kommandeur er bis 1943 war.  Theodor Oberländer trat am 1. Mai 1933 der NSDAP bei und bereits 1923 nahm er am sogenannten Hitlerputsch teil. In seinen Publikationen behauptete Oberländer, dass es für Europa zu einer ernsten Gefahr werden könne wenn das Judentum in Osteuropa weiterhin den Kommunismus verbreite.  In „Ostland“ Nr. 7 schrieb er als Leiter des „Bundes Deutscher Osten“: „Der Nationalsozialismus setzt Haltung voraus. An der Grenze im Osten vor allem kann sich diese Haltung bewähren.“ Am 8. Mai 1941 trat Oberländer seinen Dienst beim berüchtigten Bataillon Nachtigall an, einer Einheit aus polnischen und französischen Kriegsgefangenen ukrainischer Nationalität, die der „Abwehr“ unterstand. Im Juni 1941 besetzte das Bataillon Nachtigall mit Oberländer Lemberg und in dieser Zeit beteiligten sich Angehörige seiner Einheit zusammen mit ortsansässigen Kollaborateuren an systematischen Massenmorden vor allem an der jüdischen Zivilbevölkerung.  Später wurde das aserbaidschanische II. Bataillon des Sonderverbandes Bergmann mit der Einheit „Dirlewanger“ zur Niederschlagung des Warschauer Gettos eingesetzt. Hitler war mit dem Einsatz der muslimischen Freiwilligen sehr zufrieden und stiftete zur Erinnerung einen „Warschau Schild.“ In einem Artikel der Truppenzeitschrift „Warschau hat kapituliert“ war zu lesen: „Den Männern vom Ostmuselmanischen SS-Regiment wurden zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen, darunter  auch Eiserne Kreuze, verliehen.“ Das Bataillon „Bergmann“ nahm unter Oberländer auch an der Sommeroffensive 1942 teil. Laut Götz Aly war Oberländer der „Vordenker der Vernichtung“.

Nach der deutschen Niederlage wurden alle sowjetischen Freiwilligen, die auf deutscher Seite mit deutscher Uniform gekämpft hatten naturgemäß von Stalin unerbittlich verfolgt. Die Hauptstadt der Bewegung, München war kurz nach dem Krieg die Stadt mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil. Die meisten dieser Flüchtlinge hatten während des Zweiten Weltkriegs auf deutscher Seite gekämpft und waren nun zwischen dreißig und vierzig Jahre alt. Unbemerkt von der deutschen Öffentlichkeit und trotz schwieriger Umstände bauten sie sich im armen Nachkriegsbayern eine neue Existenz auf. Bald entstanden in Baracken erste Betstuben und Treffpunkte. Tataren, Usbeken und viele andere zentralasiatische Freiwillige der Wehrmacht trafen sich zu Gebeten. Der tatarische Imam Abdullah Ilyas betreute beispielsweise die Gemeinden in München und Dingolfing. Der im Kaukasus geborene Ibrahim Gacaoglu  hatte sich 1942 der Wehrmacht angeschlossen, war Verbindungsoffizier der Freiwilligenverbände in Norditalien und war der Vorsitzende der ersten registrierten islamischen Gemeinschaft in Deutschland. Am 1. März schuf er mit anderen freiwilligen der Wehrmacht, der SS die „Religiöse Gemeinschaft Islam“  in der Achatstraße in Karlsfeld zwischen München und Dachau und so verankerten die Muslime aus der Sowjetunion den Islam in Deutschland.

Theodor Oberländer setzte nach 1945 schnell seine Karriere fort, er war Teil der „Professorengruppe“ der Organisation Gehlen, dem späteren Bundesnachrichtendienst. Von 1950 bis 1953 gehörte Oberländer dem Bayerischen Landtag an und vom 3. Januar 1951 bis zum 24. Februar 1953 war Oberländer Staatssekretär für Flüchtlingsfragen im Innenministerium und ab 1953 wurde Oberländer von Konrad Adenauer als Bundesminister für Angelegenheiten der Vertriebenen berufen. Der rechtsextreme Theodor Oberländer versuchte durch seine Kontakte während des Krieges auch in der Bundesrepublik den Islam nutzbar zu machen. Für Oberländer war die Wiedererlangung der verlorenen Provinzen, die Wiedervereinigung in den Grenzen von 1937 oberstes Ziel. Für die Durchsetzung seiner Ziele glaubte er in den Exilanten  Verbündete zu entdecken. Beispielsweise kam es am 17. April 1957 in Oberländers Vertriebenenministerium zu einer illustren Runde mit dem NS-Rassenideologen Gerhard von Mende und den SS-Mitgliedern Nurredin Namangani, Khan Kajum, Walter Schenk und Gerhard Wolfrum. Besprochen und protokolliert wurde die Strategie, die generalstabsmäßige Planung und Durchführung sowie Finanzierung des Projekts zur Einführung von Namangani als Imam. „Herr Namangani erhält den Auftrag“, stellte das Sitzungsprotokoll fest, „zunächst einmal die mohammedanischen heimatlosen Ausländer und nichtdeutschen Flüchtlinge als religiöse Gemeinde um sich zu sammeln, um darin erst einmal den unliebsamen amerikanischen Einfluss, der der Bundesrepublik schädlich werden kann, auszuschalten um evtl. auch später (..) die Mohammedaner fremder Staatsangehörigkeit in seine religiöse Gemeinde herein zu bekommen.“

Mit der Unterstützung von Theodor Oberländer und seinem Ministerium gelang es dem Muslimbruder Said Ramadan (1926-1995) den Islamismus in Deutschland zu verwurzeln. Said Ramadan gilt als der Begründer des politischen Islam in Europa und vielleicht sogar der westlichen Welt. Said Ramadan wurde am 13. April 1926 im Nildelta in Ägypten geboren und er war neben Hassan al-Banna einer der wichtigsten Anführer der Muslimbrüder. Die Muslimbruderschaft wurde 1928 von Hasan al-Banna (1906-1949) und sechs Arbeitern der Suez Canal Company in Ägypten während der kulturell, politisch und sozial aufgewühlten Phase der Weltwirtschaftskrise gegründet. Mit der Idee des kriegerischen Djihad und der Todessehnsucht als Leitideal des Märtyrers war damit der islamische Fundamentalismus der Neuzeit geboren. Die Djihad-Bewegung der Muslimbrüder nahm fast ausschließlich den Zionismus und die Juden in ihr Visier. Zur Massenorganisation wurden die Muslimbrüder nicht als antikoloniale, sondern als antijüdische Bewegung.

1936 zählten die Muslimbrüder 800, 1938 waren es 200.000 und im Jahre 2010 alleine in Ägypten rund eine Million aktive Mitglieder, sowie weitere Millionen an Sympathisanten. Politisch forderte die streng nach dem Führerprinzip ausgerichtete Organisation, neben der Unterwerfung der islamischen Frau, die Abschaffung aller Parteien, die Schaffung einer Staatsordnung auf Basis von Scharia und Kalifat, die Abschaffung von Zins und Profit zugunsten einer diktatorisch durchgesetzten Interessengemeinschaft von Arbeit und Kapital, da nach Ansicht der Muslimbrüder Finanz- und Zinskapital die Ursache allen Übels ist. Neben der Abschaffung der Börse sollen die Banken laut Muslimbruderschaft nationalisiert werden. Weitere Punkte waren: Landreform durch Enteignung der Großgrundbesitzer sowie die schnellstmögliche Industrialisierung mit Schwerpunkt auf die Kriegsindustrie sowie autark belieferbare Industriezweige. Alle sinnlichen und „materialistischen“ Versuchungen der kapitalistischen und kommunistischen Welt sind für die Muslimbrüder Werke des “Bösen“. Die Muslimbrüder waren und sind zu fast hundert Prozent ein Männerbund. Die bedeutendste Neuerung der Bruderschaft war die Auslegung des Korans. Im Mittelpunkt dieser Auslegung stand das Konzept des Djihad als heiliger Krieg und damit verbunden die Sehnsucht im Krieg gegen die Ungläubigen als Märtyrer zu sterben. Der Antisemitismus der Muslimbrüder speiste und speist sich nicht nur aus europäischen, sondern zugleich aus spezifisch islamischen Einflüssen. Palästina gilt den Islamisten als muslimisches Einflussgebiet, in welchem Juden kein einziges Dorf, geschweige denn einen Staat beherrschen dürften.

Sayyid Qutb (1906-1966), trat 1951 der Muslimbruderschaft bei. Er gilt als einer der wichtigsten islamistischen Denker des 20. Jahrhunderts. „Sein Essay „Unser Kampf mit den Juden“, der nach 1967 millionenfache Verbreitung fand und bis heute findet, macht die Juden für den weltweiten moralischen und sexuellen Verfall verantwortlich: „Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude; und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der heiligen gesellschaftlichen Beziehungen steckte ebenfalls ein Jude.“ Sayyid Qutb erklärte Palästina zum heiligen islamische Gebiet (Dar al-Islam) und Israels Vernichtung zu einer religiösen Pflicht. Juden sind in Anlehnung an Koranverse nach Sayyid Qutb als „Schweine“ und „Affen“ verächtlich zu machen und er bot als wissenschaftliche Erkenntnis die Behauptung feil, dass das Verzehren von nicht-jüdischem Blut ein religiöser Ritus der Juden sei. Die größten Opfer dieser islamistischen Wendung waren die Muslime selbst. Mit dem „Kampf gegen die „Verderber“ ist die Unterdrückung eigener sinnlicher Bedürfnisse gemeint und mit der Rückkehr zu den „heiligen gesellschaftlichen Beziehungen“ die „Unterjochung der Frau“

Unbeschadet von der Vergangenheit setzte der Großmufti Amin al-Husseini nach 1945 den Kampf gegen die Juden fort. Der frühere Hauptschriftführer der NS-Zeitung Wille und Weg, Johannes von Leers wurde vom Großmufti, Führer der Palästinenser ins sichere Ägypten geholt. Johannes von Leers konvertierte zum Islam und agitierte weiter gegen die Juden und den jüdischen Staat. Gemeinsam mit dem ehemaligen Großmufti führte Ramadan den Kampf gegen Israel fort. In den Jahren 1948 und 1949 kämpfte Ramadan als Freiwilliger auf jordanischer Seite im Krieg gegen Israel und gründete die erste Niederlassung der Bruderschaft in Jerusalem.  Anfang Dezember 1953 nahm Ramadan an einem weiteren Kongress in der geteilten Stadt Jerusalem teil. 1951 wurde Said Ramadan Generalsekretär des „Islamischen Weltkongresses“. Zusammen mit Sayyid Qutb gehörte er zum radikalen Flügel der Bruderschaft, dessen Anhänger sich für einen gewaltsamen Umsturz in Ägypten stark machten, um ihr Ziel, die Errichtung eines islamischen Staates, durchzusetzen. Am 6. Oktober 1954 verübten Muslimbrüder ein Attentat auf Nasser, worauf alle offenen Strukturen der Muslimbrüder in Ägypten vernichtet und über 4.000 ägyptische Muslimbrüder inhaftiert wurden, Todesurteile und Hinrichtungen folgten. Später, im Jahr 1966 wurde Sayyid Qutb unter Gamal Abdel Nasser durch Hängen hingerichtet. Ramadan floh zuerst in die Schweiz und schrieb seine Dissertation. Ramadans Doktorvater war Professor Gerhard Kegel von der Universität Köln, wo er 1959 mit einer Arbeit über islamisches Recht promoviert wurde. Ab diesem Zeitpunkt war Ramadan ein umtriebiger Funktionär der Muslimbrüder in Deutschland.

Eine große Moschee sollte in München gebaut werden, so schuf man dafür mit Unterstützung der deutschen Politik eine „Moscheebau-Kommission“. Den Hintergrund der muslimischen Gruppen erörterten lediglich die Beamten in internen Briefen, Vorgaben und Memoranden. Im März 1960 wurde die „Moscheebau-Kommission“ von Nuredin Namangani und Said Ramadan gegründet. Heute zeigen diese Akten wie der politische Islam nach Deutschland kam. Der Vorsitzende der Kommission wurde Nuredin Namangani, der ehemalige SS-Führer des „1. Ostmuselmanischen SS-Regiments“ aus Usbekistan, der mit der berüchtigten Brigade Dirlewanger bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes dabei war. An vorderster Front für Münchener Moschee kämpfte vor allem der Muslimbruder Said Ramadan und fehlende Mittel steuerte letztlich das libysche Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi bei. Aus arabischen Ländern kamen unzählige Angehörige der Muslimbruderschaft und diesen nahestehende Studenten, die ins Ausland flohen, um einer Festnahme im Nahen Osten zu entgehen.

Die „Münchener Moschee“ ist heute Teil des „Islamischen Zentrums München.“  „Das „Islamische Zentrum München“ und seine Vorläufer waren, laut Susanne Schröter, die Ausgangsorte eines bemerkenswerten Prozesses der Verankerung und Verbreitung des politischen Islam in Deutschland. Dabei spielten deutsche Konvertiten wie Axel Ayyub Köhler, Ahmad von Denffer, Tilman Schaible oder Fatima Grimm, die sich seit den 1980er-Jahren teilweise in einem Münchener »Treffen Deutschsprachiger Muslime« versammelten, eine tragende Rolle.“ Fatima Grimm wurde am 25. Juli 1934 als Helga Lili Wolff in München als Tochter des SS-Obergruppenführers und Generals der Waffen-SS Karl Wolff geboren. Bereits im Jahr 1960 legte sie in München das islamische Glaubensbekenntnis ab. 1962 zog sie mit ihrem damaligen Ehemann Omar Abdul Aziz nach Pakistan. Drei Jahre später kehrte sie mit ihrem Mann wieder nach München zurück um sich in der muslimischen Gemeinde zu engagieren. 1983 wurde die Ehe einvernehmlich geschieden. 1984 heiratete sie den verwitweten deutschen Konvertiten Abdul Karim Grimm und zog zu ihm nach Hamburg. Fatima Grimm zählt seitdem zu den wichtigsten und einflussreichsten Stimmen des politischen Islam in Deutschland. Jahrelang wirkte sie als Funktionärin in einer der ältesten noch bestehenden islamischen Vereinigung der Bundesrepublik, der „Deutschen Muslim-Liga Hamburg“. Der Vater von Fatima Grimm, der SS-Scherge Karl Wolff,  der 1964 wegen Beihilfe zum Mord in mindestens 300.000 Fällen (Deportationen in das Vernichtungslager Treblinka) zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, konvertierte nach dem Krieg zum Islam.

Das Hauptthema von Fatima Grimm waren die Erziehung der Kinder und die Rolle der Frau im Islam. In einem Artikel für Al-Islam stellt sie wie in ihrem Buch „Frau und Familienleben im Islam“ die im Koran erlaubte Mehrehe des Mannes nicht in Frage. Sie verteidigte diese ebenso wie arrangierte Hochzeiten. In der Publikation von Fatima Grimm „Die Erziehung unserer Kinder“, die von islamischen Buchhandlungen gerne zum Kauf angeboten wird, setzt sie sich für ihr reaktionäres Familienbild, den „Dschihad“ ein und verwendet Begrifflichkeiten wie „dar ul-harb“, wörtlich übersetzt „Haus des Krieges“.

In dieser weit verbreiteten Broschüre schreibt Fatima Grimm beispielsweise: „Ich meine, dass wir etwa um das 15. Lebensjahr herum damit rechnen dürfen, unsere Kinder für den Begriff des Dschihad aufgeschlossen zu finden. Wir müssen ihnen dann zeigen, auf welchen Gebieten unser Glaube den Angriffen des dar ul-harb ausgesetzt ist, und ihnen Wege eröffnen, die es ihnen einmal ermöglichen sollen, die Verteidigung erfolgreich in die eigenen Hände zu nehmen. Dazu gehört, dass wir als Mütter nicht feige und ängstlich darauf bedacht sind, unsere Söhne vor jeder Gefahr zu bewahren. Wir könnten es sowieso nicht, denn wenn Gott ihre Stunde für gekommen hält, kann sie ebenso ein Auto überfahren oder eine Krankheit heimsuchen. Vielmehr sollten wir ihnen immer vor Augen führen, was für eine großartige Auszeichnung es für jeden Muslim ist, für die Sache des Islam mit der Waffe in der Hand kämpfen zu können. Einen größeren Verdienst kann er sich ja durch nichts auf Erden erwerben.“ Sollte der junge Mann nicht in der Lage sein, gegen die Feinde des Islam zu kämpfen, dann könne man „ebenso mit Wort und Schrift für die Sache Gottes streiten, man kann als Arzt kranken und verwundeten Muslimen helfen, man kann als Ingenieur wichtige technische Geräte entwickeln, als Architekt lebensnotwendige Gebäude errichten — diese Reihe ließe sich bis ins Unendliche fortsetzen“

Die fundamentalistische Feministin Zainab al-Ghazali, die Begründerin der „Organisation Muslimischer Frauen“, dem weiblichen Pendant zur „Muslimbruderschaft“, zählte zu Fatima Grimms engen Bekannten. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland ernannte Fatima Grimm bereits vor Jahren zum Ehrenmitglied.  Ayyub Axel Köhler, der von 2006 bis 2010 den »Zentralrat der Muslime in Deutschland« leitete, betonte  in einem 1981 herausgegebenen Buch, dass die Demokratie als Staatsform dem Islam fremd sei. Um ihre Ziele zu erreichen, setzt die Muslimbruderschaft  auf eine langsame Durchdringung der Gesellschaft durch eine entsprechend geschulte muslimische Elite. Die meisten Moscheen werden aus dem Ausland finanziert und  islamische Verbände wie die „Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.“ oder DITIB verstoßen mit ihrer Ideologie gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Es ist kein Zufall, dass die islamische Hamburger Terrorzelle die Anschläge vom 11. September 2001 plante und durchführte.

Im Kalten Krieg sollten während der fünfziger Jahre Versprechungen an nichtrussische Minderheiten erneut mithelfen, den Vielvölkerstaat Sowjetunion zu destabilisieren  und während des Afghanistan-Krieges gegen die Sowjetunion in den achtziger Jahren unterstützte der Westen den Terror auf afghanische Schulen, Krankenhäuser und die Zivilbevölkerung der Mudschaheddin, um den Zerfall der kommunistischen Herrschaft voranzutreiben. 1979 begeisterte sich Joschka Fischer, der spätere Außenminister, im „Pflasterstrand“ für die islamfaschistische Revolution im Iran, für die iranischen „Kader und Führer die sich aus der Priesterschaft rekrutieren“, die eine „der mächtigsten und sichersten, weil brutalsten und reichsten Diktaturen von Amerikas Gnaden binnen eines Jahres durch eine revolutionäre Massenbewegung ohne Waffen bis ins Mark erschüttert“ haben und damit „ins Herz des westlichen Fortschrittsglaubens“ getroffen haben. Im November 2012 betonte die damalige SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles „gemeinsame Werte“ und eine „strategische Partnerschaft“ zwischen den Judenmördern der Fatah und der SPD.

Im März 2020 promotete der designierte Kanzlerkandidat der Grünen Robert Habeck ein Buch der islamistischen und von daher naturgemäß verschleierten Bloggerin Kübra Gümüsay. In Mönchengladbach wurde im November 2020 Nasser Zeaiter, der für die Grünen im Stadtrat sitzt,  zum neuen Vorsitzenden des Integrationsrates gewählt. Er selbst wie auch das von ihm gegründete al-Ghadir-Kulturzentrum kooperieren mit der islamfaschistischen Hizbollah. Nach den bestialischen islamischen Morden von Paris und Nizza halluzinierte in der ARD-Sendung TTT die „Terrorismusexpertin“ Anne Giudicelli: „Bei aller Meinungsfreiheit – man hätte nicht unbedingt mit der Neuveröffentlichung der Mohammed-Karikaturen den Finger in die Wunde legen müssen. Wollen wir tatsächlich, dass diese Bilder Symbole für Meinungsfreiheit sind? So eine Karikatur kann brutal und vulgär rüberkommen. Ich halte uns als Nation für stark genug, um die Fahnen der Republik nicht mit einer Karikatur von Charlie Hebdo schmücken zu müssen.“ Vertreter des politischen Islam und deren Apologeten überbieten sich derzeit in Antisemitismus- und Holocaust-Relativierungen angesichts der Anti-Terror-Maßnahmen Österreichs und Frankreichs. Sie heften sich einen gelbem Halbmond-Fleck an, und  vergleichen wie Farid Hafez die Maßnahmen gegen den Islamismus mit der „Kristallnacht.“ Der Politologe Farid Hafez verglich die aktuellen bei  Muslimbrüdern durchgeführten Razzien mit den Novemberpogromen 1938. Der Vergleich der sogenannten „Islamophobie“ mit dem Antisemitismus, die infame holocaustrelativierende Behauptung die Muslime seien die „neuen Juden“ ist mittlerweile fester Bestandteil links-grüner Diskurse, siehe beispielsweise die entsprechenden  Aussagen eines Alexander Van der Bellen oder von Gesine Schwan.

Nationalsozialisten und rechtsextreme Politiker unterstützten und installierten in den fünfziger Jahren den politischen Islam in Deutschland als Bollwerk gegen den Sowjetkommunismus. Obwohl der Islamismus gegen alles steht, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse, tabuisieren, verharmlosen oder verteidigen links-grün-alternative , postmoderne, kulturalistische Islam-Apologeten, nach dem Motto – die dümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber – zur Zeit wieder einmal verstärkt den islamischen Terror.

Der Islam ist kaum reformierbar, er hat seine innere Logik, die im Koran festgeschrieben ist. Die weltlichen, atheistischen Muslime sind die ersten Opfer dieser Herrschaftsideologie und sie sollten von der westlichen Welt geschützt und unterstützt werden, was leider kaum der Fall ist. Der deutsche Staat kooperiert und finanziert nach wie vor die islamistischen Vereine, Moscheen und Verbände und islamfaschistische Staaten wie den Iran. Die Aufklärung wurde nicht von gläubigen Christen erfunden, im Gegenteil, die Aufklärung wurde gegen den erbitterten Widerstand der Kirchen erzwungen, von Gegnern der Kirche, von Atheisten, von Weltlichen, die den Fanatismus und den Aberglauben des Christentums denunzierten und lächerlich machten. Kritik am Islam hat mit Rassismus so wenig zu tun wie Kritik an anderen Religionen. Wenn also „Antirassisten von  „Islamophobie“ halluzinieren belegen sie ihre Affinität zum Islamfaschismus. Die zielgerichtete Dämonisierung der „Whiteness“ ist eine Rebellion vermeintlicher Eliten gegen die westliche Zivilisation.

So unterschiedlich die Weltbilder von Theodor Oberländer, Said Ramadan auf der einen Seite und den links-grün-alternativen, postmodernen kulturalistischen Komikern auf den ersten Blick auch sein mögen, der Hass auf den freien westlichen Lebensstil, die Wut auf den Staat Israel und die Kumpanei mit dem islamischen Terror vereint sie. Darum die Parole: Keinen Millimeter den Islamfaschisten und deren Verteidigern, ihr Fanatismus, ihr Aberglaube und ihre Menschenverachtung muss denunziert, angeprangert und nicht zuletzt auch lächerlich gemacht werden.

Quellen: Stefan Meining – Eine Moschee in Deutschland – Nazis, Geheimdienste und der Aufstieg des politischen Islam in Deutschland | Susanne Schröter – Politischer Islam: Stresstest für Deutschland | Bousalem Sansal – Allahs Narren, Wie der Islamismus die Welt verändert | Klaus Gensicke – Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten Eine politische Biographie Amin el-Husseinis | Léon Poliakov/Joseph Wulf – Das Dritte Reich und seine Diener, Auswärtiges Amt, Justiz, und Wehrmacht, Dokumente und Berichte | Matthias Küntzel – Djihad und Judenhaß

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

Der islamische Terror in Europa im Herbst 2020 und die „antirassistischen“ Sympathisanten

14. November 2020

Am 4. Oktober 2020 griff ein syrischer Flüchtling mit einem Messer zwei homosexuelle Touristen aus Nordrhein-Westfalen in der Dresdner Altstadt an. Als sich Thomas L. und sein Lebenspartner umarmten fühlte sich der islamische Gotteskrieger berufen die beiden Männer mit einem Messer zu ermorden. Der 55-jährige Thomas L. erlag seinen Verletzungen, sein Lebenspartner Oliver wurde schwer verletzt. Wochenlang haben die sächsischen Ermittlungsbehörden und die Bundesanwaltschaft geschwiegen, dass die Tat ein homofeindliches islamistisches Motiv gehabt haben könnte.

Am 16. Oktober 2020 wurde in einem Pariser Vorort der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem islamischen Gotteskrieger mit einem Flüchtlingsstatus und tschetschenischer Herkunft bestialisch auf offener Straße unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer ermordet und enthauptet. Der Täter machte mit seinem Handy ein Foto von der Leiche und dem abgetrennten Kopf und twitterte mit dem Titel „Das ist Herr P.“: „Von Abdullah, dem Diener Allahs, bis zu Macron, dem Herrscher der Ungläubigen, habe ich einen eurer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed zu erniedrigen.“ Während zigtausende hasserfüllte Moslems durch Dhaka, Istanbul, Karachi, Bamako oder Neukölln zogen und französische Flaggen verbrannten oder gegen Macron und für den Mörder protestierten, übte sich die deutsche Regierung wie gewohnt in Zurückhaltung.

Am 29. Oktober 2020 ermordete ein 21-jähriger Tunesier, der über Lampedusa  kurz zuvor eingereist ist, in Nizza, in der katholischen Kirche Notre Dame drei weitere „Ungläubige“ mit einem Messer. Der katholischen Kirchgängerin Nadine Devillers wurde von der „Allahu Akbar“ rufenden Bestie, einem über Lampedusa eingereisten Tunesier der Kopf abgeschnitten weil sie Christin war. Der 54 Jahre alte Küster Vincent Loques, Vater zweier Kinder, wurde ebenfalls in seiner Kirche von dem Moslem enthauptet. Die letzten Worte an den herbeigeeilten Notarzt, der zunächst schwer verletzten Christin Simone Barreto Silva, die sich noch in ein Café schleppte, waren bevor sie starb: „Sagt meinen Kindern, dass ich sie liebe.“

Ein paar Tage später, am 2. November 2020 startete ein Dschihadist mit albanischen Wurzeln und österreichischem Pass in Wien seine Jagd auf Passanten und Besucher von Cafés, ähnlich wie sein Gesinnungsgenosse 2015 in Paris um das Bataclan. Der islamische Gotteskrieger ermordete in der Wiener Innenstadt wahllos vier Menschen und verletzte weitere 22 mit seinem automatischen Sturmgewehr und einer Pistole.

Der Terror von Dresden, Paris, Nizza und Wien ist der vorläufige Höhepunkt einer langen furchtbaren Entwicklung. Alleine in Frankreich gab es in den letzten acht Jahren durch Anschläge von islamischen Gotteskriegern 267 Tote, alleine 130 Tote im und um das Bataclan 2015 in Paris, im selben Jahr der Anschlag auf Charlie Hebdo. Der Weihnachtmarkt am Berliner Breitscheidplatz wurde 2016 von einem Islamisten überfallen, Madrid 2004, London 2005, 2017,2020,  Brüssel 2014, in der  Kölner Silvesternacht 2016 kam es zu über 600 sexuellen Übergriffen durch muslimische Migranten, der Axtangriff von Würzburg 2016 in einer Regionalbahn, der Selbstmordanschlag von Ansbach 2016, in Kopenhagen 2015 der Anschlag in einem Café, wo eine Veranstaltung zur Meinungsfreiheit stattfand, die ermordeten Frauen von Kandel bis Freiburg, die enthauptete Apostatin von Prien am Chiemsee 2017, und so weiter, und so weiter.

Alle islamischen Terroristen auch die von Dresden, Paris, Nizza bis Wien taten nichts anderes als ihr Prophet Mohammed, wie es in der Prophetengeschichte und den Hadithen nachzulesen ist. Die islamischen Mörder berufen sich auf den Koran und sie handeln im Namen des Islam. Die Terroristen versuchen wie Mohammed ihre Ideologie mit Gewalt, Mord, Vergewaltigung, Sklaverei und sonstigem Terror zu verbreiten. Spätestens seit diesem Herbst müsste auch der letzte Ahnungslose wissen: Der Islam ist eine gewalttätige Herrschaftsideologie.

Beispielsweise wurde die jüdische Dichterin Asma Bint Marwan auf Geheiß Mohammeds ermordet weil sie Schmähgedichte gegen ihn und seine Anhänger schrieb. Neben vielen anderen ließ Mohammed den Anführer des jüdischen Stammes Banu an-Nadir, den Dichter Kaab Ibn al-Ashraf enthaupten, weil er Schmähgedichte über ihn verfasste. Diese Morde hatten bereits damals den Zweck die Gegner einschüchtern. Der barbarische Tötungsakt der Enthauptung hat im Islam, laut Koran eine besondere Bedeutung, so ließ Mohammed nach seinen imperialistischen Eroberungen die „Ungläubigen“ enthaupten. Die Enthauptung ist laut Koran und laut Hadith die ultimative Strafe, die ultimative Erniedrigung des Feindes. Diese grausame Art zu sterben soll bei den „Ungläubigen“ Angst und Schrecken auslösen. Laut Koran und den Haditen belagerte Mohammed beispielshalber nach seiner mörderischen Eroberung von Medina die Siedlung des jüdischen Stammes der Banu Quraiza,  bevor diese verhungerten kapitulierten sie.  Alle 800 Männer des jüdischen Stammes wurden enthauptet und die Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei gezwungen.

Der Islam führt spätestens seit dem 11. September 2001 einen Krieg gegen die Zivilisation, gegen die westliche Moderne und gegen die liberale selbstbestimmte Gesellschaft. Der Islam ist eine Herrschaftsideologie, die Menschen in zwei Klassen teilt, in Gläubige und Ungläubige. Im Islam gibt es die unterschiedlichsten Strömungen und Bewegungen. Sunniten und Schiiten die sich bekämpfen sich zwar, Muslimbrüder, Salafisten oder Wahabiten legen die Scharia unterschiedlich streng aus, die Grundlage aller ist der Prophet Mohammed und seine Geschichte, der Koran und die Hadithen. Alle Differenzierungen, alle Definitionen wie  „politischer Islam“ oder „Islamismus“ sind zwar legitim, aber letztendlich fußt alles auf einer Ideologie, die Menschen in zwei Klassen teilt, in Gläubige und Ungläubige. Wo hört Islam auf und wo fängt der Islamismus an. Diese Frage kann niemand beantworten, diese Trennlinie kann niemand ziehen. Der Islam akzeptiert keine Vielfalt, der Koran erhebt den Anspruch der absoluten Wahrheit, das Wort Allahs ist Gesetz und unveränderlich. Die Frau ist im Islam ein Mensch zweiter Klasse, Homosexuelle werden verfolgt und ermordet und der Hass auf Juden ist im Islam systemimmanent. Die Vernichtung des Staates Israel ist Staatsdoktrin nicht nur im Gottesstaat Iran.

Der Hauptgrund für die Armut und die Zurückgebliebenheit in der islamischen Welt ist die staatlich verordnete islamische Ideologie. Ruud Koopmans belegt dies in seinem letzten Buch am Beispiel zweier vergleichbarer Staaten. Die Inselstaaten Mauritius und die Malediven haben beide eine vergleichbare koloniale Vergangenheit. Keiner der beiden Staaten verfügt über Öl oder andere natürliche Ressourcen. Bezüglich Demokratie und Menschenrechte unterscheiden sich beide Staaten freilich enorm. Die Mehrheit auf Mauritius sind Hindus und die muslimischen und christlichen Minderheiten können ihren Glauben frei ausleben. Auf den Malediven hat die Demokratie dagegen nie Fuß gefasst. Das Land hat keine Religionsfreiheit, der sunnitische Islam ist Staatsreligion, die offene Ausübung anderer Religionen ist verboten. Für Muslime steht der Glaubensabfall unter Strafe. Es gibt keine Redefreiheit und in den Gefängnissen wird gefoltert.

Der Umgang mit Apostaten, Reformern und Kritikern in der islamischen Welt ist grauenhaft. Ein Muslim, der sich nicht strikt an die Schriften hält, sich von Scharia und Dschihad emanzipiert hat, gilt in den Augen des islamischen Mainstreams als „schlechter“ Muslim. Dieser „schlechte“ Muslim ist in Wirklichkeit der „gute“ Muslim, er müsste vom zivilisierten aufgeklärten Westen unterstützt und gefördert werden, was leider nicht der Fall ist. Vom Marokko über den Iran bis nach Pakistan, überall in der islamischen Welt gibt es mutige Muslime die sich gegen die Zumutungen des Islam auflehnen und ihr Leben dafür riskieren. Sie alle werden vom Westen und vor allem von den dortigen Kulturrelativisten im Stich gelassen.

Führende Nationalsozialisten, von Hitler bis Himmler, waren vom Islam fasziniert. Wann immer Hitler während der Kriegsjahre die katholische Kirche kritisierte, verglich er sie gleichzeitig mit dem Islam, quasi als positives Gegenbeispiel. Heinrich Himmler meinte unter anderem: „Ich muss sagen, ich habe gegen den Islam gar nichts, denn er erzieht mir in dieser Division namens Handschar seine Menschen und verspricht ihnen den Himmel, wenn sie gekämpft haben und im Kampf gefallen sind. Eine für Soldaten praktische und sympathische Religion!“

So wie während der Zeit des Nationalsozialismus zusammenwuchs was zusammengehörte, die Zusammenarbeit mit dem Hardcore-Antisemiten dem Großmufti von Jerusalem war legendär, so wächst auch heute wieder zusammen was zusammengehört. Die vielen Aussagen der deutschen Islam-Apologeten sind die schlagenden Beispiele dafür.  Während die TAZ bezüglich der Grundsatzrede Macrons gegen des islamischen Terror, in der er „strengere Kontrollen von Moscheen und anderen muslimischen Einrichtungen“ ankündigte, von einer „motivierten Überreaktion“ halluzinierte, weigern sich muslimische Schüler an der Schweigeminute für Samuel Paty teilzunehmen. An der Christian-Morgenstern-Grundschule in Berlin bedrohte ein elfjähriger muslimischer Schüler seine Lehrerin und direkt nach der Schweigeminute erklärte der Junge, „man dürfe jemanden töten, der den Propheten beleidigt habe, das wäre in Ordnung.“

Was Europa derzeit erlebt, erlebt die islamische Welt tagtäglich. Während des „Europäischen Herbstes 2020“ ermordeten islamische Gotteskrieger in Kabul 22 Studenten und im Norden Mosambiks haben militante Islamisten mehr als 50 Menschen enthauptet. Unterdrückung, Verfolgung von Minderheiten, Frauen und Ungläubigen ist an der Tagesordnung in der islamischen Welt. Susanne Schröter beschreibt die islamistische Ordnung  wie folgt: „Im Kern geht es überall um die Durchsetzung eines totalitären und menschenrechtsfeindlichen Systems, dessen wesentliche Elemente man in vier Bereiche unterteilen kann: den der Politik, des Rechts, der Geschlechterverhältnisse und der Gewalt.“

Von Pakistan über Bangladesch, den Mittleren und Nahen Osten bis hin nach Nord-, West- und Ostafrika versuchen gut organisierte politische Akteure islamistische Normen durchzusetzen. Mit diesen Normen, von der Blasphemie-Gesetzgebung bis zur vermeintlichen Diskriminierung von Muslimen wird die Repression gegen die Opposition islamisch begründet. Dreh und Angelpunkt ist die Scharia mit seiner islamistischen Genderordnung. Der Hass von Islamisten auf Frauen, die ihr Leben und ihre Sexualität selbst bestimmen kennt keine Grenzen. Das deutlichste Symbol der patriarchalisch-islamistischen Genderordnung ist, laut Susanne Schröter, der Hidschab, der Schleier. Der Grad der Islamisierung einer Gesellschaft ist an der Anzahl verschleierter Frauen abzulesen. Im Iran werden Frauen ausgepeitscht oder werden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wenn sie kein Kopftuch tragen. Für die Durchsetzung dieses politischen Islams wird Gewalt benötigt um diejenigen einzuschüchtern die dem islamistischen Projekt im Wege stehen.

Islamische Vereinigungen kämpfen seit Jahren für die Gewährung von islamischen Sonderrechten, vor allem die Durchsetzung islamischer Bekleidung für Frauen und Mädchen und dabei wiederum vor allem das Kopftuch. Susanne Schröter: „Für Europa gilt: Je größer der muslimische Anteil der Bevölkerung in einer Kommune ist, desto kompromissloser wird für die islamistischen Regularien gekämpft, und dort, wo Nichtmuslime bereits in der Minderheit sind, wie in einigen Stadtvierteln britischer, französischer oder belgischer Städte, werden in Schulen oder auf der Straße islamistische Normen mit Gewalt durchgesetzt. In Deutschland hinkt die beunruhigende Entwicklung noch hinterher, doch erste Anzeichen sind auch bei uns evident.“ Der niederländische Sozialwissenschaftler Ruud Koopmans stellte in einer  Studie fest, dass 65 Prozent der Muslime religiöse Regeln für wichtiger erachten als die Gesetze des europäischen Landes, in dem sie leben. Laut Susanne Schröter müssen die Programme zur Assimilierung muslimischer Minderheiten ernst genommen werden: „Für alle, die sich weigern, sich zu assimilieren, sollte es ein Rückführungsprogramm geben, das heißt ein Programm zur Rückführung in die Herkunftsländer, wo sie nach der Scharia leben können“

Samuel Paty und viele andere Kritiker des Islam wurden wegen der Mohammed-Karikaturen ermordet. Die Mohammed-Karikaturen waren und sind absolut harmlos, so gut jede Karikatur gegen den Papst oder Helmut Kohl war beleidigender. Der politische Islam, diese unerträgliche Herrschaftsideologie hat keine Sonderrolle, denn im Westen gibt es Meinungsfreiheit und die Kritik an der Religion war und bleibt ein Wesenszug der Aufklärung. Warum durfte Helmut Kohl zu Lebzeiten jahrelang in unzähligen Karikaturen persönlich tatsächlich schwer, zum Beispiel als „Birne“, beleidigt werden und ein pädophiler Massenmörder der von Jahrhunderten gestorben ist, nicht?

Wie viele „Ungläubige“ müssen noch in Europa bestialisch ermordet werden, wie vielen werden noch die Köpfe abgeschlagen bis es zu eingreifenden Reaktionen in Politik und wütenden Texten und glaubwürdiger Empathie mit den Opfern in den Mainstream–Medien kommt? Wann endlich werden die Kirchen reagieren wenn ihre Mitglieder von islamischen Terroristen abgeschlachtet werden? Auf den offiziellen Internetseiten der Kirchen erfuhr man nichts über den Terror von Nizza gegen die eigenen Mitglieder. Warum gab es, im Gegensatz zum Tod des Kleinkriminellen George Floyd nach einem Polizeieinsatz, keine Sondersendungen, keine Brennpunkte in ARD und ZDF zum islamischen Terror von Dresden, Paris, Nizza und Wien? Warum kennt jeden den Namen George Floyd, aber kaum jemand die Namen der Opfer des islamischen Terrors? Die vermeintlichen „Antirassisten“ von Black Lives Matter blieben genauso still wie die „Antirassisten“ der postkolonialen Linken. Bundesligavereine wie etwa Eintracht Frankfurt nähten sich, im Gegensatz zu Zeiten der BLM-Hysterie, keine entsprechenden Logos auf ihre Trikots.

Auf die Mordaktionen der RAF hat der Staat mit aller Härte und am Rande und auch außerhalb der Rechtstaatlichkeit reagiert. Der§ 129 StGB Bildung terroristischer Vereinigungen wurde geschaffen. Wenn im „Deutschen Herbst“ ein Postbote sein Taschentuch aus der linken Hosentasche zog oder ein Lehrer darauf aufmerksam machte, dass der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, ehemals SS-Führer beim Reichssicherheitshauptamt, früher in der arisierten Villa Waigner als Leiter  des Präsidialbüros für den Zentralverband der Industrie für Böhmen und Mähren „arbeitete“, drohte die Arbeitslosigkeit.  Weil der Göttinger Mescalero in seinem Nachruf auf den Generalbundesanwalts Siegfried Buback „klammheimliche Freude“ empfand, gab es Strafanzeigen, Ermittlungsverfahren und Durchsuchungsaktionen von schwer bewaffneten Polizeieinheiten beim ASTA der Universität in Göttingen. RAF-Mitglieder wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt obwohl ihnen außer der Mitgliedschaft einer Terrorvereinigung nichts nachgewiesen werden konnte. Der Terror der RAF richtete sich in erster Linie gegen Politiker und Wirtschaftsführer, vermutlich reagierte deswegen der Staat so hart und so entschlossen. Von  Entschlossenheit gegen des islamischen Terror ist nichts zu spüren. Der Terror der islamischen Ideologie richtet sich gegen die Bevölkerung. Juden, Christen, Apostaten,  Gotteslästerer und Café-Besucher werden von islamischen Terroristen ermordet weil sie Juden, Christen, Apostaten,  Gotteslästerer und Café-Besucher sind.

Allahs willige Vollstrecker und deren Sympathisanten sollten den §129 StGB  in seiner vollen Härte spüren. In den sozialen Medien feiern, verteidigen oder verharmlosen antisemitische „Antirassisten“ oder gläubige Moslems die bestialischen Morde von Dresden, Paris, Nizza oder Wien. Moscheen mit Hasspredigern müssen endlich geschlossen, die Hassprediger wie es Österreich und Frankreich angekündigt hat, ausgewiesen oder bestraft werden. Der Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad hat seinen Rücktritt aus der sogenannten Islam-Konferenz bekanntgegeben. Die deutsche Regierung kooperiert noch immer mit islamischen Verbänden die vom Ausland finanziert werden und lässt islamkritische Leute wie Abdel-Samad links liegen. Um nicht die letzte Glaubwürdigkeit zu verlieren sollte zumindest die Finanzierung der islamischen Ideologie aus Ländern wie der Türkei, wie Katar, anderen Golfstaaten und die Kooperation mit Verbänden wie Ditib endlich gestoppt werden.

Eine „israelkritische“ und „antirassistische“ Anwältin für Asylrecht aus Berlin, vor wenigen Jahren die Frau fürs „israelkritische“ Grobe in Jakob Augsteins „Freitag“, verteidigte beispielsweise die bestialische Ermordung von Samuel Paty durch einen willigen Vollstrecker Allahs wie folgt: „im übrigen wiederhole ich: dieser lehrer ist kein märtyrer/shahid der meinungsfreiheit, er ist kein held. sondern einer, der das verbreiten von ressentiments gegen muslimas mit meinungsfreiheit verwechselt hat.“

Deutsche und österreichische, antisemitische, proiranischeAntirassistInnen“ halluzinieren in den sozialen Medien, Israel habe den Palästinensern das Land gestohlen, verteidigen, wie Erdogan oder die Mullahs aus dem Iran, den mörderischen Islam bis zum letzten Gefecht, haben wegen der „rassistischen Karikaturen“ vollstes Verständnis für die bestialische Ermordung von Samuel Paty und zeigen keinerlei Empathie gegenüber den enthaupteten Opfern von Nizza oder den ermordeten Menschen von Wien.

Verteidiger,  Sympathisanten oder Verharmloser des Islamfaschismus sind ein Angriff auf die Zivilisation und auf die Werte der Aufklärung, sie sind mitverantwortlich für den islamischen Terror, denn sie sind die Schreibtischtäter der Dschihadisten. „Antirassisten“, grün-alternative kulturrelativistische Islamverteidiger haben durch ihre Kumpanei mit dem Islamfaschismus das Blut  von Samuel Paty und allen anderen Opfern des Europäischen Herbstes an ihren Händen. Bei allen sonstigen Meinungsverschiedenheiten muss der letzte  Referenzpunkt der aufgeklärten Welt ein Humanismus sein, der einen eindeutigen Trennungsstich zu den Sympathisanten des Islamfaschismus zieht. Solange der §129a StGB bei den Apologeten des politischen Islam nicht angewandt wird, müssen die Islamfaschisten eindeutig als das benannt werden was sie sind, nämlich Menschenfeinde.

Quellen: Susanne Schröter – Politischer Islam: Stresstest für Deutschland | Ruud Koopmans – Das verfallene Haus des Islam: Die religiösen Ursachen von Unfreiheit, Stagnation und Gewalt | Christine Schirrmacher – Frauen und die Scharia: Die Menschenrechte im Islam | Hamed Abdel-Samad – Der islamische Faschismus: Eine Analyse | Bousalem Sansal – Allahs Narren, Wie der Islamismus die Welt verändert | Yehuda Bauer – Der islamische Antisemitismus | Klaus Michael Mallmann, Martin Cüppers  – Halbmond und Hakenkreuz, Das Dritte Reich, die Araber und Palästina | Hamed Abdel-Samad – Mohamed, Eine Abrechnung

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

 

Der eingebildete Rassismus

29. Oktober 2020

Der 1948 in Paris geborene Pascal Bruckner gehört neben Bernard-Henri Lévy, Alain Finkielkraut und André Glucksmann zu den Vertretern der Nouvelle Philosophie.

Pascal Bruckner wendet sich in seinen Texten gegen einen Multikulturalismus, der den westlichen Liberalismus schwächt. Er tritt  für die schwer erkämpften Errungenschaften der europäischen Aufklärung ein. Für Bruckner ist der Multikulturalismus ein Rassismus des Antirassismus, denn dieser kettet die Menschen an ihre Wurzeln. Pascal Bruckner ist ein Kritiker der islamischen Zumutungen und er belegt in seinen Texten dass Kritik am Islam nichts mit Rassismus zu tun hat. In der westlichen Toleranz gegenüber dem Islam liegt Verachtung, denn sie unterstellt, dass bestimmte Gemeinschaften unfähig seien zur Moderne. Bruckner: „Kant definierte die Aufklärung durch eine Devise: „Sapere aude! – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Eine Kultur des Muts – vielleicht ist es das, was unseren Seelsorgern fehlt. Sie sind die Symptome eines müden und von Selbstzweifeln geplagten Europas, das beim leisesten Alarm in Deckung geht. Hinter ihrer klebrigen Gutmenschenrhetorik spielt eine andere Musik: die der Kapitulation!“ Im Schatten des Antirassismus kämpft der Islam in Europa seinen verzweifelten, destruktiven und mörderischen Kampf und debile „Antirassisten“ unterstützen ihn dabei.

Pascal Bruckner fordert seit Jahren eine Solidaritätsbewegung zugunsten aller säkularen oder atheistischen Rebellen in der islamischen Welt. Europa sollte diesen abweichenden Stimmen Mut machen, ihnen finanzielle, moralische und politische Unterstützung zukommen lassen, sie einladen und beschützen. Es gibt laut Bruckner heute keine wichtigere für die Eintracht zukünftiger Generationen entscheidendere Aufgabe: „Doch unser Kontinent geht mit selbstmörderischer Unwissenheit vor den Gottesverrückten in die Knie und knebelt oder verleumdet die freien Denker. Selig die Skeptiker, die Ungläubigen, die die tödliche Glut des Glaubens erkalten lassen!“

Das Geschwätz von der „Islamophobie“ bezeichnet laut Bruckner eine narzisstische Kränkung, mit dem Kunstgriff „Islamophobie“, eine Erfindung des Massenmörders Ajatolla Khomeini, belegen die Gegner der Aufklärung, dass sie nicht bereit sind, die gleichen Regeln für den Islam gelten zu lassen, die zur europäischen Aufklärung geführt haben. Hinter dem vermeintlichen Antirassismus versteckt sich eine faschistische Ideologie welche die Welt in Gläubige und Ungläubige einteilt und entsprechend agiert. „Der Antirassismus entwickelte sich zur Religion der Post-Moderne, die mit anklagender Rhetorik permanent die Feindseligkeit aller gegen alle schürt.“ Viele Linke, bis weit ins bürgerliche Lager und Muslime tanzen heute im Gleichschritt und prangern Kritik am Islam groteskerweise als Rassismus und Phobie an.

Ende September 2020 erschien das neue Buch von Pascal Bruckner „Der eingebildete Rassismus: Islamophobie und Schuld“ (Un racisme imaginaire) im Tiamat-Verlag. Bruckner beschreibt das letzte Aufbäumen des Islam, sein Aufeinandertreffen mit der modernen Welt, die fehlende Kontextualisierung im Islam, denn der Koran ist das ewig gültige, nicht zu hinterfragende Wort Allahs. Pascal Bruckners neues Buch ist eine fulminante Rede für die europäische Aufklärung, für die universalen Menschenrechte, für die Rationalität und den Erhalt der westlichen Zivilisation und ein Manifest gegen die versuchte Faschisierung und Magisierung unserer Zeit.

In der westlichen Welt ersetzt seit Jahren die Identitätspolitik die Hilfe für die sozial Benachteiligten. Die einstmals von den Linken Repräsentierten und Mystifizierten verschwinden zugunsten von Minderheiten und so triumphiert die Herkunft über das Soziale. In einigen amerikanischen Universitäten wurde bereits der einfache Gebrauch von Ausdrücken wie „Islamismus“ oder „radikaler Islam“ von den Behörden untersagt. Seit der Salman Rushdie-Affäre, seit der Skandalisierung der „Mohammed-Karikaturen“, die mit der Ermordung der Redaktion von Charlie Hebdo einen vorläufigen Höhepunkt erreichte, gibt es offenbar nur noch die Wahl der Duldung oder der Beleidigung. Der Islam hält sich nicht mit Ermahnungen auf, er tötet die Zuwiderhandelnden, die „Gotteslästerer“, die Apostaten. In einem Bericht des UN-Menschenrechtsrats von Doudou Diene ist die „Islamophobie“ eine „der schlimmsten Formen der Diffamierung“. Das UN Komitee setzte diese Art der Diffamierung dem klassischen Rassismus gleich. Die Absicht dahinter ist die Freiheit von der Religion, die Freiheit des Denkens und der Gleichheit zwischen Mann und Frau zu unterbinden. Nicht zuletzt sollen so die liberalen Muslime, die es wagen ihre Religion zu kritisieren, zum Schweigen gebracht werden. Gläubige Muslime, die  ihre Religion nur sporadisch ausüben werden im Islam verfemt und die Abtrünnigen werden von ihren Glaubensbrüdern öffentlich angeprangert und verfolgt.

Der Antirassismus ist aktuell geprägt von mehr oder weniger offen gezeigten Antisemitismus. Viele antizionistische Antirassisten relativieren den Holocaust und behaupten der Rassismus und der „imperialistische Krieg“ gegen die Dritte Welt sei das viel größere Verbrechen. Der Jude, ehemals der „Sündenbock des Westens, ist in seiner zionistischen Version zu einem Ausbund des Kolonialismus geworden“. Der Jude ist für „Antirassisten“ ein „Weißer zum Quadrat, ein quintessenzieller Weißer.“ Der tatsächliche Rassismus drückt sich in den Begriffen des Antirassismus aus, ebenso wie der gegenwärtige Faschismus in seinen Äußerungen antifaschistisch ist. „Er hebt damit an, dass er die einstigen Rassentrennungen anprangert, um sie desto gründlicher zu erneuern, aufzupolieren und ihnen den Vorschub und den Glanz der Subversion zu verleihen.“

Seit einem halben Jahrhundert reproduzieren viele arabische Regimes all die antijüdischen Stereotype Europas und sie haben nach wie vor viele Verbündete in Europa. Der linke Schriftsteller Stephane Hessel, ein entschlossener Anhänger der Hamas, schrieb 2011: „Die deutsche Besatzung war, wenn man sie zum Beispiel mit der heutigen Besetzung von Palästina durch die Israelis vergleicht, eine relativ harmlose, von Ausnahmen wie den Verhaftungen. Internierungen und Erschießungen, auch vom Raub der Kunstschätze abgesehen.“ Der Staat Israel hätte demnach das Dritte Reich als Inbegriff der Barbarei entthront. Wenn der Jude kolonisiert oder unterdrückt, verwandelt er sich nicht nur in einen Nazi, sondern er verhält sich schlimmer als die Nazis.

In Durban, während der so genannten „Konferenz gegen Rassismus“ im Jahr 2000 erhielt der orientalisierte Antisemitismus seine höheren Weihen. Sind Antisemitismus und „Islamophobie“ erst einmal gleichgestellt, setzt ein subtiler Prozess symbolischer Enteignung ein. Es handelt sich darum, die Juden beiseite zu schieben und die Moslems an ihre Stelle zu rücken. Nun sind wir an der Reihe, sagen die Letzteren. Postkoloniale Linke und „Antirassisten“ neiden mit großen Teilen der islamischen Welt den Juden die Deportation, das Unglück von Auschwitz. Die Antizionisten und die Islamisten wollen sich als Opfer darstellen, sich die Not unter den Nagel reißen, sich zu deren einzigen Eigentümer erklären. So wirft Erdogan seit Tagen Europa und dem französischen Staatschef Emmanuel Macron „Islamophobie“ vor und zweifelte die psychische Gesundheit des französischen Präsidenten an: „Die Muslime erleben heute eine ähnliche Lynchkampagne, wie sie gegen Juden in Europa zur Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg geführt wurde.“

Frankreich wird von den Fundamentalisten so verabscheut, nicht weil es die Moslems unterdrückt, sondern weil es sie befreit. „Nun lebt eine ethnische, religiöse oder sexuelle Minderheit vielmehr wie eine ihrer Weltfremdheit überlassene kleine Nation dahin, der man aufgrund des ihr zugefügten Unrechts alles schuldig bleibe und bei welcher der übertriebenste Chauvinismus nur der Ausdruck einer legitimen Eigenliebe sei“

Die Erpressung „mit ethnischer, rassischer und religiöser Solidarität oder mit der Treue zur Umma dient dem Zweck, eventuelle Widerspenstige zur Ordnung zu rufen und ihr Streben nach Freiheit zu zügeln. Darin besteht die ganze Schwierigkeit, Moslems in westlichen Demokratien nach islamischem Recht urteilen lassen zu wollen, neben dem allgemeinen Gesetz, ein besonderes zu errichten, das die Betroffenen, vor allem die Frauen, häufig als einen abscheulichen Rückschritt erleben.“ Den Islam zu kritisieren gehört zum Geist einer freien Auseinandersetzung und zur  Diskussion in einer offenen Gesellschaft. Der Islam ist wie das Christentum oder der Buddhismus keine Rasse! Islamkritik mit Rassismus gleichzusetzen ist von daher absurd.

Der Islam ist eine reaktionäre und mörderische Ideologie,  der seinen Mitgliedern vorschreibt wie sie zu leben und wie sie mit Andersdenkenden umzugehen haben. Man stelle sich vor, die Verteidiger des Christentums  hätten versucht die Kritik an ihrer Lehre und an ihrem Handeln mit dem Vorwurf der „Christianophobie“ zu zensieren. Warum die westlichen Apologeten des Islam nicht dafür ausgelacht werden gehört zu den Wundern unserer Zeit. Allen Verteidigern der islamischen Verschleierung müsste man nahelegen, ihn auf Männer auszuweiten: „Warum sollte das Haupthaar eines Jünglings weniger unzüchtig sein als das einer jungen Frau? Ist die Frau von Natur aus ein unreines Wesen“, das sein Haar und sein Gesicht verbergen muss? „Das Christentum konnte der Gewalt in ihrer romanischen, byzantinischen, orthodoxen oder protestantischen Form nur entkommen, indem es sich von seiner militanten und militärischen Form der Proselytenmacherei verabschiedete. Die römische Kirche ist ungewollt zu einem Parlament geworden, das zwischen seinen verschiedenen liberalen bis fundamentalistischen Fraktionen zu vermitteln gezwungen ist. Selbst wenn sie sich auch weiterhin als Wahrer des einzigen Glaubens wähnt, so ist sie, obschon mit Vorbehalten, bereit, den Dialog mit dem Atheismus, dem Protestantismus, der Orthodoxie, dein Judentum und dem Islam zu führen. Sie hat früher aus Überzeugung intolerant gehandelt, jetzt wird sie dazu genötigt, aus Vernunft gnädig zu sein.“

Die Perversität des Obskurantismus besteht darin, dass er die Freiheit als Anomalie erscheinen lässt und die Knechtung als Norm. „Wie kann man nicht sehen wollen, dass die Burka, abgesehen davon, dass sie Körper in einem Leinentuch verhüllt, die rassistische Uniform schlechthin ist, da sie der Welt sagt: Ihr seid nicht würdig, mich zu betrachten, eure Augen besudeln die Natur meines überlegenen Wesens. Nicht wenige europäische Länder, darunter Deutschland, denken darüber nach, sie zu verbieten; aus Sicherheitsgründen werden sie unweigerlich dahin kommen.“ Wenn der Islam errettet werden soll, dann durch die Frauen, die allseits unterjocht, eingeschränkt, beaufsichtigt werden und Bürgerinnen zweiter Klasse sind.

Die Alte Welt gehört zu den wenigen Erdteilen, denen es gelang, über die eigenen barbarischen Taten nachzudenken und sich von ihnen zu distanzieren. Die Geschichte unterteilt sich nicht in gute und böse Nationen, verfluchte Rassen und unantastbare Völker, sondern in Demokratien, die sich zu ihrer, Schuld bekennen, und Diktaturen, die diese verschleiern, in dem sie sich selbst in den Deckmantel des Martyriums hüllen.  „Was wir gesetzlich festlegen müssen, ist die Abschaffung des Verbrechens der Apostasie, das Recht des Ausstiegs für alle, das Recht auf freie Untersuchung der Doktrin, Erneuerung der Exegese, Neulektüre der heiligen Texte durch Imame und Theologen, so wie es in den Jahrhunderten davor im Christentum und Judentum der Fall war. Der an Panik grenzende Wille, dem Islam diese Infragestellung zu ersparen, die Art, wie manche Orientalisten ihn um jeden Preis wie einen Schatz behandeln und lediglich manche Abweichungen an den Rändern verurteilen wollen, ist eine äußerst gefährliche Haltung. Dies ist vor allein in den angelsächsischen Ländern der Fall, die in einem Korsett aus Unterwürfigkeit und politischer Korrektheit stecken. Die religiöse Verfolgung, der Anhänger des Korans ausgesetzt sind, ist selbstverständlich inakzeptabel und muss bestraft werden. Gleiches jedoch muss auch für Christen, Juden, Buddhisten, Hindus und Bahai gelten, die in moslemischen Ländern leben. Diese Werte nicht allerorten verteidigen hieße, die universalistische Hoffnung aufzugeben.“

Im Epilog „Die Geschichte als Mahnung“ schreibt Pascal Bruckner:  „Seit dem 11. September, seit New York, Madrid, London, Paris, Boston, Brüssel, Berlin hat die westliche Welt das »goldene Zeitalter der Sicherheit« (Stefan Zweig) hinter sich gelassen. Die nach 1989 von den neuen Propheten versprochene Allianz von Recht, Markt und Demokratie kam mit den Twin Towers ins Wanken. (..) Der Islam ist nicht nur ein Problem, sondern auch ein Symptom. Wenn die Bärtigen ihre Abscheu vor dem Westen zum Ausdruck bringen, müssen sie nicht allzu lange suchen. Es reicht, wenn sie die europäische Literatur und Philosophie der letzten zwei Jahrhunderte studieren. Wir liefern ihnen die Waffen, mit denen sie uns angreifen. Europa führt den Prozess mit Pauken und Trompeten gegen sich selbst. Allzu stolz auf den ostentativ zur Schau gestellten Kampf gegen die eigenen Sünden bestätigt Europa das universalistische und apostolische Monopol der Barbarei. Die Alte Welt hat all ihre Monster (Sklaverei, Kolonialismus, Faschismus, Stalinismus) bis auf eines besiegt: den Selbsthass. Das schlechte Gewissen entspringt nicht der Reue ob eines bestimmten Verbrechens, sondern ist vielen zu einer Identität geworden, die zweite Heimat der Bedrückten. eine bequeme Zuflucht vor dem Jahrhundert. Die verfluchte Tracht des Verbrechers soll über die Entsagung hinwegtrösten. Gegen wen kämpfen wir? Zuerst gegen uns selbst und unsere Skrupel, unsere nagenden Zweifel. Man muss sich weniger vor der Virulenz der Gottesspinner in Acht nehmen als vor dem Hass, den wir gegen uns selbst hegen und der uns zur Unterwerfung drängt. Es versteht, sich von selbst, dass ein Kontinent, der sich selbst nicht liebt, auch nicht von anderen geliebt werden kann und sich moralisch auf sein Verschwinden vorbereitet. Er kann kolonisiert werden, weil er sich mental kolonisierbar gemacht hat. (..) Man kann sich seine Zeit nicht aussuchen, das steht uns nicht zur Wahl. Der Gegner dringt unbemerkt in unser Leben ein und zwingt uns, ihm zu antworten oder zu verschwinden. Wir leben in einer schrecklichen Zeit. So furchtbar sie ist, so packend ist sie auch. Es ist unmöglich, sich der Herausforderung des gerade begonnenen Jahrhunderts zu entziehen: dem Fanatismus des Sichelmondes zugunsten der aufgeklärten oder moderaten Moslems, die seine Hauptopfer sind, eine Niederlage zu bereiten. Für diese gewaltige Aufgabe kann es gar nicht genug Freiwillige geben.“

Am 16. Oktober 2020 wurde der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem islamischen Gotteskrieger bestialisch ermordet und enthauptet, weil er im Unterricht, wie es von ihm verlangt wurde über Meinungsfreiheit und die Mohammed-Karikaturen diskutieren ließ. Weil sich der französische Präsident Macron hinter Paty den laizistischen Staat und die Meinungsfreiheitstellte stimmten große Teile der islamischen Welt, von Erdogan bis zu den iranischen Mullahs Hassgesänge  gegen Frankreich an. Deutschlands Politiker und Medien zogen wieder, bis auf nichtssagende Phrasen den Kopf ein. Heute ermordete ein islamischer Gotteskrieger nur wenige Tage nach dem Mord an Samuel Paty in Nizza, in der katholischen Kirche Notre Dame drei weitere „Ungläubige“ mit einem Messer, eine 70-jährige Frau wurde dabei enthauptet.

Während der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan heute den Europäern die vom Islam gewünschte Unterwerfung fordert und droht ansonsten nicht „mehr sicher auf den Straßen“ zu sein, zucken die Islam-Appeaser mit den Schultern. „Antirassisten“ und alle anderen Verteidiger, Relativierer, Hetzer oder Rächer im Namen Mohammeds haben in Paris, in Nizza und an allen anderen Orten des islamischen Terrors mitgemordet. Wann werden endlich die Schuldigen und Mitschuldigen, die geistigen Brandstifter am islamischen Terror zur Verantwortung gezogen? Wann gibt es endlich ein Umdenken und ein Anerkennen der Realität? Wann werden von „Antirassisten“ endlich die Bücher von Pascal Bruckner gelesen und vor allem verstanden?

Quelle: Der eingebildete Rassismus: Islamophobie und Schuld (Un racisme imaginaire), 240 Seiten, edition TIAMAT; New Auflage (23. September 2020)

 

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Unterwerfung

20. Oktober 2020

Am 16. Oktober 2020 wurde in dem Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine der Geschichtslehrer Samuel Paty von einem islamischen Gotteskrieger mit einem Flüchtlingsstatus und tschetschenischer Herkunft bestialisch auf offener Straße unter „Allahu Akbar“-Rufen mit einem Messer ermordet und enthauptet. Der Täter machte mit seinem Handy ein Foto von der Leiche und dem abgetrennten Kopf und twitterte mit dem Titel „Das ist Herr P.“: „Von Abdullah, dem Diener Allahs, bis zu Macron, dem Herrscher der Ungläubigen, habe ich einen eurer Höllenhunde hingerichtet, der es gewagt hat, Mohammed zu erniedrigen.“ Beim Versuch, den Täter festzunehmen, wurde dieser von der Polizei erschossen. Das war das fünfte islamische Attentat in Frankreich seit Anfang 2020.

Der bei dem Terroranschlag enthauptete Lehrer Samuel Paty hatte seinen Schülern nach den Vorgaben des Lehrplanes Anfang Oktober im Rahmen der Unterrichtseinheit Gesellschaftskunde in der achten Klasse über Meinungsfreiheit Karikaturen von Mohammed gezeigt. Kurz darauf wurde der Lehrer in den sozialen Netzwerken von Eltern bedroht weil sich diese an seinem Unterricht zur Pressefreiheit störten und ihre Religion beleidigt sahen. Ein Vater einer 13-jährigen Schülerin enfachte in den sozialen Medien einen Shitstorm gegen Samuel Paty und veröffentlichte mehrere Videos, in denen er den Lehrer mit Hass überschüttete, ihm die Beleidigung des Islam vorwarf und sowohl den Namen des Lehrers, seine Telefonnummer als auch die Adresse der Schule nannte. Am 5. Oktober reichte ein muslimischer Elternverein bei der Schulleitung Beschwerde ein, weil der Lehrer „islamophobe“ Ideen im Klassenzimmer verbreite. Auf einem von Hass sprühenden Video forderte „im Namen des Rates der Imame von Frankreich“ der Muslimbruder Sefrioui die Entlassung von Samuel Paty. Laut Innenminister Gérald Darmanin haben der Vater der Schülerin und andere Muslime „eine Fatwa gegen den Lehrer erlassen“.

Der 47-jährige Familienvater Samuel Paty meldete seinen Vorgesetzten die Drohungen und seine Angst, worauf von ihm verlangt wurde, dass er kein Aufsehen erregen solle. Nicht nur die Schulleitung, sondern auch die Lehrergewerkschaft, war über die Drohungen informiert. Darüber hinaus brachte Samuel Paty die Drohungen bei der Polizei zur Anzeige und suchte um Schutz. Vergeblich, denn der Hass erreichte auch den 90 Kilometer entfernten tschetschenischen Flüchtling in seinem Wohnort Evreux. Samuel Paty ist ein weiteres Opfer des islamischen Krieges gegen den Westen und gegen die Aufklärung, Schuld ist in erster Linie der Islam, aus dessen Motivation der Geschichtslehrer ermordet wurde, Samuel Paty möge in Frieden ruhen und er möge nicht vergessen werden.

Alleine in Frankreich gab es in den letzten acht Jahren 267 Tote durch islamische Terrortaten. In den öffentlichen Medien und in der deutschen Politik wird wie immer nach islamischen Anschlägen geschwiegen, beschwichtigt und bagatellisiert. Die Appeasement-Politik bezüglich des politischen Islam und die entsprechenden Verteidiger dieser Linie werden minütlich unerträglicher. Ein Beispiel dafür ist der der fest an der Seite des islamfaschistischen Irans stehende „antifaschistische Laienprediger“ Heiko Maas mit seiner Twitter Botschaft: „Ich verurteile den abscheulichen Anschlag in #ConflansSainteHonorine. Wir stehen fest an der Seite unserer französischen Freundinnen und Freunde. Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen.“ Das Wort „islamistischer Anschlag“ kommt  Heiko Maas in seinem feigen geheuchelten Gefasel nicht über die Lippen, den für den Terror verantwortlichen Islam erwähnt er mit keiner Silbe. Die offenbare unerträgliche Bereitschaft vieler europäischer Politiker und Medienvertreter, sich dem Islam zu unterwerfen macht fassungslos. Der Kampf der zu kurz gekommenen Rächer im Namen Mohammeds ist traurige Normalität, weil Europa im Kampf gegen den militanten, rasant sich ausbreitenden Islam auf ganzer Linie versagt.

Ausnahmen bestätigen diese Regel, so schreibt die deutsche Ethnologin, die Direktorin im Cornelia Goethe Centrum für Geschlechterforschung Susanne Schröter erfreulich offen in Facebook: „Ein neues Opfer des islamistischen Terrors in Paris. Ein Lehrer, der in seiner Klasse über Meinungsfreiheit und die Karikaturen von Charlie Hebdo gesprochen hatte, wurde auf offener Straße enthauptet. Wie lange möchte Frankreich diesen Wahnsinn eigentlich noch dulden? Liebe Politiker in Deutschland: Wollt ihr wirklich warten, bis wir französische Verhältnisse haben? Immer nur den Kopf in den Sand stecken und so tun, als ob man das Problem mit Antidiskriminierungsprogrammen behebt? Frankreich hat all das versucht und ist uns einige Jahre voraus.“

Schulen gehören zu den ersten Orten, die Islamisten versuchen unter ihre Kontrolle zu bekommen. Von welchem Lehrer in Europa kann noch verlangt werden in entsprechend besetzen Schulen über die Meinungsfreiheit, die Mohammed-Karikaturen, den islamischen Terror von Charlie Hebdo bis zum Berliner Breitscheidplatz, über den Holocaust oder die „verhasste USA“ zu unterrichten? In Deutschland werden islamistische Vereine wie DITIB oder der „Zentralrat der Muslime“ finanziert und gefördert, von den Muslimbrüdern und der Türkei finanzierte Moscheen werden kaum kontrolliert.  So hat der Westen Jahrzehnte lang den islamischen Fanatikern alles recht gemacht, Das islamische Kopftuch, das sichtbare Symbol der Frauenunterdrückung,  ist in den Schulen erlaubt, Spezielle Frauentage werden in Badeanstalten eingerichtet, Zu knappe Bikinis werden verboten und „Beträume“ an den Universitäten eröffnet. Nicht zuletzt wird in den öffentlich-rechtlichen Medien so gut wie jede Kritik am Islam als „Islamophobie“ gebrandmarkt.

Inwieweit sind nicht erst nach dem aktuellen islamischen Terrorakt in Paris die hiesigen Islam-Appeaser, die hiesigen Beschwichtiger und Relativierer des politischen Islam, mitverantwortlich für die entsprechenden bestialischen Taten? Warum wird hierzulande Religionskritik nur am Christentum exerziert? Warum halluzinieren „antirassistische“ Akademiker von „Islamophobie“, aber geben ihre Kinder nicht in Brennpunktschulen? Etwa weil sie Angst haben ihre Kinder würden den Sprung in eine höhere Schule nicht schaffen? Was löst die Beschwichtigung von der „Islamophobie“ bei Lehrern in Brennpunktschulen aus, die täglich Angst um ihr Leben haben? Ist die Angst vor dem Islam nicht berechtigt, wenn man sich die Tat von Paris und die Vorgeschichte näher ansieht? Nach dem Tod von George Floyd in den USA gab es in Deutschland wochenlang Demonstrationen und Sondersendungen in den öffentlich-rechtlichen Medien. Warum gibt es keine „Brennpunkte“ in der ARD, keine Sondersendungen im ZDF gegen den islamischen Terror? Warum gibt es keine Massendemonstrationen gegen den islamischen Terror? Warum gehen die Muslime nicht weltweit auf die Straßen und protestieren gegen den Terror von Paris? Warum distanzieren sich bis auf Ex-Muslime kaum Muslime in den sozialen Medien gegen den Terror von Paris? Ist es nur Feigheit, ist es die berechtigte Angst oder ist es die geforderte Unterwerfung?

Nebenbei sei erwähnt: Die islamischen „Freiheitskämpfer“ wollen in Tschetschenien nicht nur die Unabhängigkeit von Moskau, sie fordern einen islamischen Gottesstaat, den sie mit unzähligen Terroraktionen, unter anderem die bestialische islamische „Geiselnahme von Beslan„, gegen Russland durchsetzen wollen. Daraus ergibt sich die Frage, vor was ist die Familie des tschetschenischen Mörders überhaupt nach Frankreich geflohen? In seinem Roman Unterwerfung zeigt Michel Houellebecq schonungslos auf wie sich die Menschen freiwillig in ein System fügen, das alle Grundwerte der westlichen Welt verneint. Die Trennlinie zwischen dem Islam und dem Islamismus wird ohnehin von Tag zu Tag nebulöser. Die Kumpanei mit der islamischen Ideologie ist ein Angriff gegen die Aufklärung und letztlich auf die westliche Zivilisation. Die wohlfeilen westlichen „antirassistischen“ Islam-Appeaser kritisieren, um den „Rechten nicht in die Karten zu spielen“,  die „Islamophobie“ und baden somit mit Allahs willigen Vollstreckern im Blut ihrer Opfer und die „guten Antirassisten“  bemerken es nicht einmal.

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Lechts und Rinks kann man leicht verwechseln

14. Oktober 2020

Nach der Französischen Revolution wählte sich Frankreich eine Gesetzgebende Versammlung, in der ganz rechts die Monarchisten saßen, während die republikanischen Jakobiner  mit diesen nichts zu tun haben wollten  und deshalb die Plätze ganz links einnahmen. Die Aufklärung mit ihrer Religionskritik, mit ihrer Berufung auf die Vernunft war der Wegbereiter für „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“ Die Politik der Jakobiner  war für das einfache Volk,  für Arbeiter und Kleinbürger, sie waren gegen Krieg und  forderten den Verkauf der Nationalgüter. Sie wollten ein geeintes, zentralistisches Frankreich und Planwirtschaft, während die Monarchisten für den Erhalt des Status quo eintraten. In diesem Sinn strebte die Linke soziale Gleichheit und eine progressive Gesellschaftsveränderung an, während die politische Rechte  auf  „traditionelle Werte“ setzte und im schlechteren Fall regressiv, geschichtsvergessen und faschistisch agierte.

Der deutsche Philosoph und Ökonom Karl Marx (1818-1883) war ein Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft, der politischen Ökonomie und der Religion und er übergab der Linken ein entsprechendes wissenschaftliches Manifest. In seiner Kritik der Politischen Ökonomie schreibt Marx: „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.“ Ende 1843 schrieb er in der „Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“: „…die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik. (..) Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. (..) Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist. Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.“

Später, im März 1854 konkretisierte Marx weitsichtig in „Die Kriegserklärung – Zur Geschichte der orientalischen Frage“: “Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“

Den Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen spüren die Kritiker des Islam seit es den Islam gibt. Nicht nur in der islamischen Welt müssen Kritiker dieser Ideologie um ihr Leben fürchten, seit vielen Jahren gilt dieser Zustand auch in Europa.  So erhielt Theo van Gogh bereits kurz nach der Ausstrahlung seines Films Submission über die Unterdrückung der Frau durch den Islam Morddrohungen von beleidigten Muslimen. Am 2. November 2004 setzte ein Religionswächter die Drohungen in die Tat um. Theo van Gogh war mit dem Fahrrad in Amsterdam unterwegs ins Filmstudio zur Abnahme seines neuen Spielfilms als er von dem islamischen Sittenwächter beschossen wurde. Als van Gogh am Boden lag, schnitt ihm der Islamist nach islamischen Brauch die Kehle durch und heftete mit zwei Messerstichen ein fünfseitiges Bekennerschreiben an den Körper, das auch eine Morddrohung an die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali enthielt. Aus den unzähligen Beispielen an islamischen Morden und Drohungen ragt der islamische Terroranschlag auf die islamkritische Satirezeitschrift Charlie Hebdo am 7. Januar 2015 heraus. Der Großteil der Redaktion wurde ausgelöscht und neben den zwölf Ermordeten noch weitere Anwesende verletzt. Im November des selben Jahres wurden im Bataclan-Theater in Paris und in den umgebenden Lokalen 128 „Ungläubige“ teilweise bestialisch ermordet.

Die gewalttätigsten antisemitischen Vorfälle im 21. Jahrhundert in Europa gingen von Muslimen aus, gerechtfertigt im Namen des Islam. Die Täter bezogen sich auf ihre islamistische Ideologie und verstehen sich als Märtyrer und Dschihadisten. Islamistische Organisationen und Bewegungen waren seit je her geprägt von antisemitischen Weltbildern. Beispielsweise ermordete der französische Dschihadist Mohammed Merah drei jüdische Kinder und einen Vater und Lehrer 2012 in Toulouse in einer jüdischen Schule. 2014 ermordete ein Dschihadist  vier Besucher eines jüdischen Museums in Brüssel. Im Januar 2015 folgte die Geiselnahme und Erschießung  von Kunden eines koscheren Supermarktes in Paris. In Kopenhagen fand im selben Jahr ein Angriff auf eine Synagoge in Kopenhagen statt bei dem ein Wachmann von dem islamischen Gotteskrieger ermordet wurde.

In Darmstadt stach ein Afghane am 22. Dezember 2017 mit einem Messer auf ein junges Mädchen ein, das er in der Flüchtlingsbetreuung kennengelernt hat, sie überlebt wie durch ein Wunder. Im pfälzischen Kandel erstach der Flüchtling Abdul D. die sechzehnjährigen Mia in vor einem Drogeriemarkt. Im Prozess versteht der Täter nicht wieso er überhaupt angeklagt ist, weil das Opfer doch „nur eine Frau“ war. Im afghanischen Heimatdorf des Täters aus Kandel sind sich dessen Bekannten einig: „Wenn eine Frau ihren Mann verlässt, muss sie gesteinigt werden“. Die Aufzählung aller islamischen Terrortaten alleine in Europa in den letzten Jahren würde jeden Rahmen sprengen.

Frauen werden in islamistischen Ländern und mittlerweile in vielen europäischen Communities als Menschen zweiter Klasse behandelt. Je frommer die islamischen Machthaber, desto strenger sind zum Beispiel die Kleidungsvorschriften für die Frauen. Beim Ausgang der Frau in die Öffentlichkeit muss sie sich verhüllen, fremde Männer dürfen weder das Gesicht oder das Haar von fremden Frauen sehen. Burkaträgerinnen müssen sich in der Öffentlichkeit, neben der Zwangsverschleierung, zudem stets fünf Schritte hinter ihrem Mann bewegen. Als sich der algerische  Journalist Kamel Daoud in Le Monde über die islamischen sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015/16 in Köln durch maghrebinische Migranten aufregte und die westliche Naivität kritisierte klagten ihn 19 linke französische Intellektuelle an Islamophobie zu schüren und Pegida zu unterstützen.

Religionskritik gehört zum Geist einer freien Auseinandersetzung und Diskussion in einer offenen Gesellschaft. Der Islam ist wie das Christentum oder der Buddhismus keine Rasse! Der Islam ist eine reaktionäre Ideologie,  der seinen Mitgliedern vorschreibt wie sie zu leben und wie sie mit Andersdenkenden umzugehen haben. So waren die Angriffe von Rousseau und Voltaire auf die katholische Kirche im 18. Jahrhundert keineswegs rassistisch. Man stelle sich vor, die Verteidiger des Christentums  hätten versucht die Kritik an ihrer Lehre und an ihrem Handeln mit dem Vorwurf der „Christianophobie“ zu zensieren. Ein universales Hohnlachen wäre ihnen zu Recht entgegengeschleudert worden. Warum aber werden westliche Apologeten des Islam nicht ausgelacht, kaum zurechtgewiesen?

Frauen unter das Kopftuch zu zwingen, Frauen dazu zu zwingen sich zu verhüllen, unverhüllte Frauen als Freiwild zu behandeln ist reaktionär, regressiv und faschistoid. Ungläubige, also Juden, Christen, Andersgläubige oder Apostaten, also Muslime die vom Islam abfallen, zu ermorden ist faschistisch und menschenverachtend. Kritiker des Islam, wie Theo van Gogh oder die Redakteure von Charlie Hebdo zu ermorden weil Sie sich über den Islam lustig gemacht haben ist faschistisch. Wer all dies leugnet oder verharmlost macht sich zum Komplizen der Menschenschinder.

Wenn „Linke“ und oder „Antirassisten“ totalitäre Ideologien wie den Islam umwerben, rächen sie sich offenbar für die Niederlage des Kommunismus und verbünden sich mit der Macht welche die westliche Welt und die Aufklärung in Bedrängnis bringt. Nach dem Untergang der Sowjetunion ist ein Vakuum entstanden, welches von den konservativen Ideen des Kulturalismus gefüllt wird. Der Multikulturalismus der die Gleichheit aller Kulturen propagiert, respektiert fast alle kulturellen Bräuche ganz egal, wie reaktionär und menschenverachtend sie auch sind. Laut diesem Weltbild geht es Frauen in islamischen Gesellschaften nicht schlechter als in westlichen. Die islamische Frauenjagt von Köln wird mit sexuellen Übergriffen auf dem Oktoberfest und Ehrenmorde werden mit Familiendramen gleichgesetzt und für den islamischen Terror wird der Westen oder die soziale Not der Terroristen verantwortlich gemacht. Der französische Philosoph Pascal Bruckner spricht in dem Zusammenhang vom „Zusammenschluss der Ressentiments im Milieu der großen Verlierer“. Die Linke hat alles verloren, die Arbeiterklasse, die UDSSR, China und die dritte Welt, was ihr bleibt ist der elende Islamismus und offenbar lernt die Linke nicht dazu, nach der fehlenden, beziehungsweise zögerlichen Aufarbeitung des Stalinismus folgt nun die Kumpanei mit dem politischen Islam. Freilich sind nicht nur für linke Parteien islamistische Organisationen wie DITIB und der Zentralrat der Muslime Ansprech- und Kooperationspartner. Die tödliche Toleranz gegenüber dem politischen Islam ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Postkoloniale Linke, grün-alternative, linke „Antirassisten“ und Kritiker des „alten weißen Mannes“, die sich in bestimmten Fällen zurecht über rechte Reaktionäre aufregen, aber die Frauenverachtung und die Menschenverachtung im Islam ignorieren, leugnen oder sogar gutheißen sind zweifellos Kombattanten einer faschistischen Ideologie. Ihr Geschwafel von der „Islamophobie“ und vom „alten weißen Mann“ demaskiert ihre reaktionäre Gesinnung und ihren immanenten Rassismus. Karl Marx würde sich vermutlich wie die Aufklärer des 18. Jahrhunderts angewidert im Grab umdrehen wenn er die ideologische Verwahrlosung seiner reaktionären, antiemanzipatorischen, frauenfeindlichen Anhänger wahrnehmen könnte. Ernst Jandl meinte vor vielen Jahren: „manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern werch ein illtum.“

 

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Thomas Bernhard und das künstlerische Abendessen in Wien

13. Juli 2020

Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard war einer der bedeutendsten  Autoren des letzten Jahrhunderts und neben Bertolt Brecht und Friedrich Dürrenmatt einer der meistgespielten Dramatiker im deutschsprachigen Raum. Seine Bücher wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt und im Suhrkamp-Verlag wurde vor wenigen Jahren der letzte Band der auf 22 Bände angelegten Werkausgabe herausgegeben. „Es ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt!“ rief Thomas Bernhard 1968 bei seiner Preisverleihung dem österreichischen Unterrichtsminister nach, als dieser wütend den Saal verließ. So ist das Werk Bernhards durchzogen vom Tod und von seiner ihn prägenden Lungenerkrankung. Seine Romane und Erzählungen sind ausgearbeitet mit seitenlangen oft kompliziert verschachtelten Sätzen und vor allem mit Übertreibungen. Sein wichtigstes Stilmittel ist die Wiederholung und der Einschub dieser Wiederholung mit der Dehnung eines Adjektivs zum Superlativ. Bernhards Werke gleichen leidenschaftlichen musikalischen Kompositionen, die stets mit einer gewaltigen Ladung Humor versehen sind. Thomas Bernhard kritisierte in seinen Büchern den Staat, seine Institutionen, die Religion, die kleinbürgerliche Spießbürgerlichkeit und nicht zuletzt die dekadente, pseudointellektuelle Kulturszene (Holzfällen). Die Protagonisten seiner Texte streben oftmals nach der allerhöchsten Perfektion und sie scheitern immer an eben dieser allerhöchsten Perfektion. (Das Kalkwerk) Somit war Thomas Bernhard einer der wirkungsmächtigsten Ideologiekritiker des 20. Jahrhunderts und deshalb lösten Bernhards Texte naturgemäß und regelmäßig heftige Skandale aus. Seine Widersacher kamen aus allen politischen Lagern, so bezeichnete der österreichische Kabarettist Werner Schneyder Thomas Bernhard als „Wegbereiter“ Jörg Haiders, weil so Schneider, Bernhard „den Faschismus im Denken und in der Disqualifizierung salonfähig gemacht hat“ und die „Totalität in die Sprache wieder eingeführt“ hat, „die Österreicher“, „die Katholiken“, „die Frauen“, „die Traunsteiner“, „die Salzburger“, „die Schule“ und so fort. Österreichische Zeitungen, allen voran die Kronen-Zeitung und diverse Politiker forderten mehrmals Aufführungsverbote der Stücke des „Alpen-Beckett“ und den Entzug der österreichischen Staatsbürgerschaft sowie die Ausbürgerung des „Unterganghofer“.

Geboren wurde Thomas Bernhard am 9. Februar in Heerlen/Niederlande als Sohn von Herta Bernhard (1904-1950) und Alois Zuckerstätter (1905-1940). Seinen Vater, dem Thomas zu allem Unglück auch noch wie aus dem Gesicht geschnitten glich, sollte Bernhard nie kennenlernen. Das uneheliche Kind wuchs bis zu seinem siebten Lebensjahr vor allem bei den Großeltern, bei seinem geliebten Großvater Johannes Freumbichler, einem nicht unbedingt erfolgsverwöhnten Schriftsteller auf.  Seine Mutter heiratet 1936 den Wiener Friseurgesellen Emil Fabjan, mit ihm und ihrem Sohn übersiedelte sie 1937 ins oberbayerische Traunstein, wo die Mutter zwei weitere Kinder, zwei Halbgeschwister Bernhards bekam. Wenige Kilometer von der Wohnung am Taubenmarkt entfernt lebte der Großvater Johannes Freumbichler auf einer Anhöhe in Ettendorf. Der leibliche Vater stritt die Vaterschaft ab und zahlte keine Alimente. Wegen der Schande musste das Kind selbst zum Traunsteiner Sozialamt um die staatliche Unterstützung abzuholen. Die Mutter lehnte ihr ungewolltes Kind ab, immer wieder hört Bernhard „du bist so ein Nichtsnutz wie dein Vater!“ oder  „du Unruhestifter!“ oder „du hast mir gerade noch gefehlt.“ Die Mutter  schlägt ihn mit dem Ochsenziemer und Thomas wird zum Bettnässer und die Mutter hängt die die Bettlaken mit dem großen gelben Fleck aus dem Fenster, „damit alle sehen was du bist.“ (Ein Kind) 1942 wird Thomas Bernhard in ein nationalsozialistisches Heim für schwererziehbare Kinder ins thüringische Saalfeld geschickt und 1943 wird er im NS-Internat „Johanneum“ in Salzburg untergebracht. Das Internat wird von dem SA Offizier Grünkranz geleitet, der die Schüler mit seinen Parolen und Methoden auf das NS-Regime einschwört. Grünkranz wird nach dem Krieg von „Onkel Franz“ dem Inbegriff des Katholiken abgelöst und es wird im Internat nicht viel geändert, „Onkel Franz“ schlägt die Kinder genauso grundlos wie zuvor der Offizier Grünkranz, nur das Hitlerbild im Klassenzimmer wird durch das Kreuz ersetzt. Die Auswirkungen des Übergangs waren für das Kind fast ununterscheidbar, beide,  „Grünkranz“ und „Onkel Franz“, der Salzburger Stadtpfarrer Franz Wesenauser waren „Vernichter der Individualität des Einzelnen“ und nur aus Liebe zum Großvater habe sich Bernhard in seiner Kindheit nicht umgebracht. (Die Ursache) Sein geliebter Großvater setzte sich für die künstlerische Ausbildung des Enkels ein und Bernhard sieht die Welt mit den Augen des Großvaters. Dieser sieht von Ettendorf, „von wo man an manchen Tagen, bei einem gewissen Ostwind, die Glocken von Moskau hören kann„, hinunter auf die „Niederungen des Kleinbürgertums“, dort wo „der Katholizismus sein Zepter schwang. Was unterhalb Ettendorf lag, war nur der Verachtung wert. Der kleine Geschäftsgeist, der Kleingeist überhaupt, die Gemeinheit und die Dummheit. Blöd wie die Schafe scharen sich die Kleinkrämer um die Kirche und blöken sich tagaus, tagein zu Tode. Nichts sei ekelerregender als die Kleinstadt, und genau die Sorte wie Traunstein sei die abscheulichste. Ein paar Schritte in diese Stadt hinein, und man sei schon beschmutzt, ein paar Wörter mit einem ihrer Einwohner gesprochen, und man müsse erbrechen“ (Ein Kind).

Die Familie zieht nach dem Krieg nach Salzburg, dort bricht Bernhard das Gymnasium ab und macht eine Lehre als Einzelhandelskaufmann in einem Kolonialwarenladen, der im Keller gelegenen ist (Der Keller). 1949 erleidet er eine tuberkulöse Rippenfellentzündung kommt bewusstlos in das Sanatorium nach Großgmain und es geht ihm so dramatisch schlecht, dass er ins Sterbezimmer geschoben wird. In dem Badezimmer warten die Todeskandidaten auf die letzte Ölung, die auch Bernhard erhält. Neben ihm stirbt ein Mensch, er hört seinen letzten Atemzug. „Ich wollte leben, alles andere bedeutete nichts. Leben, und zwar mein Leben, wie und solange ich es will. Das war kein Schwur, das hatte sich der, der schon aufgegeben gewesen war, in dem Augenblick in welchem der andere vor ihm zu atmen aufgehört hatte, vorgenommen. Von zwei möglichen Wegen hatte ich mich in dieser Nacht in dem entscheidenden Augenblick für den des Lebens entschieden“ (Der Atem). Bernhard beschloss zu leben, er glaubte mit 18 ein Recht dazu zu haben und er überlebte. Thomas Bernhard beginnt intensiv zu lesen,  unter anderem Montaigne und Schopenhauer und zu schreiben.

Im Sommer erscheinen erste kurze Erzählungen unter Pseudonym in einer Salzburger Zeitung, er wird freier Mitarbeiter der sozialistischen Tageszeitung „Demokratisches Volksblatt“, 1954 soll Bernhard deshalb in die SPÖ eintreten, bereut dies am nächsten Tag und tritt sofort wieder aus. 1950 begegnet er Hedwig Stavianicek in der Lungenheilanstalt  St. Veit, die 35 Jahre ältere Frau wird sein „Lebensmensch“, sie fördert Bernhard bis zu ihrem Tod 1984. Ihren Tod verarbeitete Bernhard in dem Roman „Alte Meister“ und in „Wittgensteins Neffe“ setzt er ihr ein Denkmal. Am Anfang von „Wittgensteins Neffe“ kämpft der Autor im Krankenhaus gegen seine furchtbare Lungenkrankheit und zeitgleich Israel während des Sechstagekrieges 1967 ums Überleben. Ob Bernhard die Gleichsetzung von Israels Verteidigungskrieg gegen feindliche arabische Staaten mit seiner lebensgefährlichen Krankheit intendiert hat, bleibt ein Thema für die Literaturwissenschaft. Durch Hedwig Stavianicek lernte er jedenfalls die Wiener Künstlerszene und das Künstlerehepaar Gerhard und Maja Lampersberg kennen. Mit dem Roman Frost, der 1963 erscheint gelang Bernhard der literarische Durchbruch und 1968 erhält er den kleinen Österreichischen Staatspreis, seine Dankrede führt, wie erwähnt, zum ersten Eklat. 1970 bekommt Bernhard den angesehenen Georg-Büchner-Preis und Thomas Bernhard wird zu einem der gefragtesten Schriftsteller Österreichs. In Ohlsdorf bei Gmunden erwirbt er 1965 ein verfallenes Bauerngehöft aus dem 14. Jahrhundert, das er in 10jähriger Arbeit zu einem stattlichen Landsitz ausbaut. Wenn er nicht in Wien bei Hedwig Stavianicek lebt, der „Krucka“ oder dem Quirchtenhaus in Ottnang oder auf Reisen ist, verbringt Bernhard seine Zeit auf seinem Vierkanthof. Er lässt den Kuhstall renovieren, ihn mit funktionierenden Tränkebecken ausstatten obwohl er nie vorhat sich auch nur eine Kuh zuzulegen. Um sich den Einheimischen anzupassen fährt Thomas Bernhard häufig mit seinem Traktor und der ortsüblichen Kleidung durch das Dorf und von 1974 bis 1987 war Bernhard Mitglied des Österreichischen Bauernbundes, einer Teilorganisation der ÖVP.

Gut drei Monate nach dem Skandal um den „Heldenplatz“ stirbt Thomas Bernhard in Gmunden bei seinem Arzt und Bruder Peter Fabjan um sieben Uhr am 12. Februar 1989. Sein Atem war ein Leben lang schwer, nun die akute Atemnot, vielfache Todesnähe und dazu Morbus Boeck. Zwei Tage zuvor, am 10. Februar 1989 im Wissen des baldigen Todes unterzeichnete Bernhard in Salzburg sein Testament: „Weder aus den von mir selbst bei Lebzeiten veröffentlichten noch aus dem nach meinem Tod gleich wo immer noch vorhandenen Nachlass darf auf die Dauer des gesetzlichen Urheberrechts innerhalb der Grenzen des österreichischen Staates, wie immer dieser Staat sich kennzeichnet, etwas in welcher Form immer von mir verfasstes Geschriebenes aufgeführt, gedruckt oder auch nur vorgetragen werden. Ausdrücklich betone ich, dass ich mit dem österreichischen Staat nichts zu tun haben will und ich verwahre mich nicht nur gegen jede Einmischung, sondern auch gegen jede Annäherung dieses österreichischen Staates meine Person und meine Arbeit betreffend in aller Zukunft. Nach meinem Tod darf aus meinem eventuell gleich wo noch vorhandenen literarischen Nachlass, worunter auch Briefe und Zettel zu verstehen sind, kein Wort mehr veröffentlicht werden“

Der Schlüsselroman, das Meisterwerk von Thomas Bernhard ist zweifellos sein Roman „Holzfällen“ aus dem Jahr 1984, Marcel Reich-Ranicki nahm „Holzfällen“ in den „Kanon“ der Weltliteratur auf.  Wie das Orchesterstück Boléro von Ravel steigert sich „Holzfällen“ langsam bedächtig bis hin zu einer fulminanten Erregung. Um den Roman zu verstehen ist die Vorgeschichte um den Roman sehr hilfreich: Gerhard Lampersberg (1928-2002) war ein österreichischer Komponist, in der Tradition Anton Weberns und Mäzen der österreichischen Kunstszene. Mit seiner Frau Maja beherbergte Lampersberg auf dem weitläufigen Tonhof bei Maria Saal in Kärnten zahlreiche Künstler, vor allem Schriftsteller. So lebte neben H. C. ArtmannPeter Turrini, Peter Handke eben auch Thomas Bernhard in der Künstler-Sommerresidenz, dem Tonhof. In den Wintermonaten verlagerte sich die Künstler-Avantgarde nach Wien in die Privaträume der Eheleute Lampersberg in der Gumpendorfer Straße. Zwischen 1957 und 1960 wohnte Thomas Bernhard mehr oder weniger bei den Lampersbergerischen, 1960 jedoch kam es zum Streit, die Dreiecksbeziehung, zwei Männer eine Frau, sexuelle und künstlerische Meinungsverschiedenheiten dürften ausschlaggebend gewesen sein und Thomas Bernhard wurde des Hauses verwiesen. Nach über zwanzig Jahren, am Todestag, dem Selbstmord der gemeinsamen, von Thomas Bernhard geliebten Freundin Joana Thul, eigentlich Elfriede Slukal trafen die Eheleute Lampersberg Thomas Bernhard in Wien und laden ihn, wie zu früheren Zeiten, zu einem „künstlerischen Abendessen“ mit den alten Freunden in die Gumpendorfer Straße ein, er nimmt an und bereut sofort seine Zusage. Über dieses real stattfindende künstlerische Abendessen verfasst Bernhard seinen Roman „Holzfällen“. Den Gerhard Lampersberg nennt Bernhard den „Auersberg“, seine Frau die Maja die „Auersbergerische“, Walther Reyer ist der Burgschauspieler, Bernhards ehemalige Freundin die Dichterin Jeannie Ebner die Jeannie Billroth und Friederike Mayröcker wird die Anna Schreker, ihr Freund der „dichtende Lebensgefährte“ Ernst Jandl.

Am 2. März 1984 trifft sich Bernhard mit Siegfried Unseld vom Suhrkamp-Verlag in Wien im  Restaurant „Zum weißen Rauchfangkehrer“ und eröffnet ihm an einem neuen Roman über eine dekadente Abendgesellschaft zu arbeiten, der fast fertige Roman werde „Holzfällen“ heißen. Die ersten Rezensionsexpemplare werden verschickt, am 8. August geht ein ungebundenes Exemplar an den Presse Redakteur, den österreichischen Literaturkritiker Hans Haider. Dieser erkennt sofort in den Romanfiguren, die Eheleute Lampersberg, Jeannie Ebner sowie alle anderen und fährt am 15. August in einem „Akt der Barmherzigkeit“ nach Maria Saal und informiert zuerst Maja, um zu beraten wie vorzugehen sei. „Beppo“ Lampersberg war schwerer Alkoholiker, erst aus der Nervenheilanstalt entlassen und wie aus „Holzfällen“ zu entnehmen im Geheimen homosexuell, er wurde kurze Zeit später eingeweiht.

Am 21. August 1984 reicht Gerhard  Lampersberg eine Klage gegen Dr. Gottfried Berger ein, den Inhaber der Firma Mohr, die den Alleinvertrieb für Suhrkamp in Österreich innehat und beantragt eine einstweilige Verfügung, die Auslieferung des Romans „Holzfällen“ bis zur Erledigung des Rechtstreits zu unterlassen. Am 27. August erlässt das Landgericht die einstweilige Verfügung und am selben Tag bringt Lampersberg einen Strafantrag mit einer Ehrenbeleidigungsklage gegen Thomas Bernhard und dem Suhrkamp Verlag beim Landgericht in Wien ein. Am 29. August gibt die Richterin Dr. Margot Klatt diesem Antrag statt und ordnet mit Berufung auf § 36 Mediengesetz die Beschlagnahme von „Holzfällen“ an. Einen Tag vor der Beschlagnahme spricht Thomas Bernhard in einem Interview mit Krista Fleischmann von Gift, das er in offene Wunden gespritzt hat, er fühlt sich noch sicher, unangreifbar im Reich der Kunst:  „Jeder kann sagen, schreiben, tun, was er will, eine völlig freie Welt.“ Weil bei der Firma Mohr bereits alle Bücher ausgeliefert wurden,  müssen bewaffnete Polizisten in Österreich unzählige Buchhandlungen aufsuchen und oftmals gegen den Unwillen der Buchhändler den Roman „Holzfällen“ aus den Regalen und aus den Auslagen holen und beschlagnahmen. Während Siegfried Unseld im ORF auftritt werden deutschen Buchhandlungen im Grenzgebiert „gestürmt“ und von Suhrkamp verstärkt beliefert. Thomas Bernhard erklärt öffentlich, bevor er nach Portugal flieht: „Die Beschlagnahme meines „Holzfällen“, durch den österreichischen Staatsapparat, kann ich nur als Ungeheuerlichkeit bezeichnen, die tatsächlich in der Nachkriegsgeschichte dieses Landes beispiellos ist und mir größten Schaden zufügt“. Das internationale Interesse an „Holzfällen“ wird so groß, dass Auslandsverlage aus Italien, Frankreich, Schweden und den Niederlanden die Vergabe von Auslandsrechten anbieten. Am 9. November kommt es zur Hauptverhandlung gegen Thomas Bernhard  bei der wiederum die Richterin Dr. Margot Klatt den Vorsitz hat. Der Beschlagnahmebeschluss wird gerechtfertigt, die Hauptverhandlung aber auf einen späteren Termin verschoben. Auf Wunsch von Thomas Bernhard kündigt Suhrkamp nun an bis auf weiteres keine Bücher von Thomas Bernhard nach Österreich auszuliefern, was gleichzeitig den Unmut der österreichischen Buchhändler hervorruft. In der FAZ nimmt Bernhard Stellung, vor allem gegen den österreichischen Staat: „Der Autor hat gesehen, wie seine Bücher unter Polizeigewalt aus den Buchhandlungen entfernt worden sind, und ist völlig wehrlos. (..) In keinem Land Europas, die Ostdiktaturen ausgenommen, wäre, das weiß ich, eine solche Vorgehensweise möglich.“ Dieser Artikel führt zu einem weiteren Strafantrag wegen übler Nachrede von Lampersberg gegen Bernhard, weil in dem Artikel steht, Lampersberg sei in den letzten Jahrzehnten immer wieder „jedenfalls teilentmündigt“ gewesen. „Wie wahr darf Kunst sein?“ titelte später wiederum die FAZ. Am 21. Dezember kommt es schließlich zur Aufhebung der Beschlagnehme von „Holzfällen“, denn auf Vermittlung von Friederike Mayröcker und Ernst Jandl entschloss sich Gerhard Lampersberg am 6. Februar 1985 alle Strafanträge gegen Thomas Bernhard zurückzuziehen und in einem Interview sagte darauf der „Webern Nachfolger“: „Er ist ein total einsamer Mensch, fast wie ein ausgestoßener Mensch. Seine Reaktion, alles, was er schreibt, ist die eines Ausgestoßenen. Ich bin das Gegenteil. Ich bin mittendrin. (…) Ich find’ das wahnsinnig komisch, in Wirklichkeit muss ich eh nur lachen.“

Der Roman „Holzfällen“ schildert den Verlauf einer dekadenten pseudointellektuellen Abendgesellschaft bei dem Künstlerehepaar Auersberger. Von seinem „Ohrensessel“ aus beobachtet der Ich-Erzähler zunächst aus dem Hintergrund die Vorgänge um sich herum, ehe mit dem Eintreffen des Ehrengastes, eines berühmten Burgschauspielers, nach der Aufführung der Wildente, das eigentliche „künstlerische Abendessen“ beginnt. Die Handlung ist bereits auf der ersten Seite überrissen:

„Während alle auf den Schauspieler warteten, der ihnen versprochen hatte, nach der Aufführung der Wildente gegen halbzwölf zu ihrem Abendessen in die Gentzgasse zu kommen, beobachtete ich die Eheleute Auersberger genau von jenem Ohrensessel aus, in welchem ich in den frühen Fünfzigerjahren beinahe täglich gesessen war und dachte, dass es ein gravierender Fehler gewesen ist, die Einladung der Auersberger anzunehmen. Zwanzig Jahre hatte ich die Auersberger nicht mehr gesehen und ausgerechnet am Todestag unserer gemeinsamen Freundin Joana habe ich sie auf dem Graben getroffen und ohne Umschweife habe ich ihre Einladung zu ihrem künstlerischen Abendessen, so die auersbergerischen Eheleute über ihr Nachtmahl, angenommen. Zwanzig Jahre habe ich von den Eheleuten Auersberger nichts mehr wissen wollen und zwanzig Jahre habe ich die Eheleute Auersberger nicht mehr gesehen und in diesen zwanzig Jahren hatten mir die Eheleute Auersberger allein bei Nennung ihres Namens durch Dritte Übelkeit verursacht, dachte ich auf dem Ohrensessel, und jetzt konfrontieren mich die Eheleute Auersberger mit ihren und mit meinen Fünfzigerjahren“ (Seite 1)

Über die Seiten reflektiert der Ich-Erzähler selbstkritisch sein ambivalentes Verhalten gegenüber den einstigen Freunden, welchen er immerhin einiges verdankt und sinniert über die Joana: Die Tatsache wie „die Joana an einen „solchen verkommenen Menschen geraten ist“ hat ihn erschüttert, „wie er Kartoffelsalat gesagt hat zur Kellnerin in der Eisernen Hand“, hatte ihm beinahe Übelkeit verursacht, dachte er auf dem Ohrensessel. Den plötzlichen Umschlag von Zuneigung in Hass, der inzwischen eingetreten ist, begründet er mit der Enttäuschung über den nicht eingelösten Anspruch der allerhöchsten Perfektion, aber auch mit der Einsicht, sich aus der Abhängigkeit von einst geliebten Menschen zu retten, etwa von der im schwarzen selbstgestrickten Wollkleid in der Gentzgasse erschienenen Schriftstellerin Jeannie Billroth, die ihn ansonsten „verschlungen“ hätte:

„Die Auersbergerischen meinten aufeinmal, dass sie nurmehr noch eine Viertelstunde warten würden mit dem Abendessen, höchstens bis halbeins, so die Auersberger zur feist und fett und hässlich gewordenen Schriftstellerin Jeannie Billroth, mit welcher sie sich schon eine Zeitlang unterhielt, naturgemäß über die Joana, mit welcher die Schriftstellerin Jeannie Billroth, die sich immer als die Virginia Woolf von Wien vorgekommen ist, während sie es doch höchstens bis zu einer sentimentalen geschraubten Schwätzerin und ganz üblen Kitschproduzentin auf dem Papier gebracht hat in ihren Romanen und Erzählungen. Die in einem schwarzen selbstgestrickten Wollkleid in der Gentzgasse erschienene Schriftstellerin Jeannie Billroth war auch eine Freundin der Joana, wohnte im Zweiten Wiener Gemeindebezirk ganz in der Nähe der Praterhauptallee und existierte tatsächlich schon jahrzehntelang in der Einbildung, die größte Schriftstellerin, ja Dichterin Österreichs zu sein, auch an diesem Abend, besser, in dieser Nacht in der Gentzgasse, hatte sie nicht einen Augenblick gezögert, der Auersberger zu versichern, dass sie in ihrem letzten Roman einen Schritt weitergegangen sei als die Virginia Woolf, was ich hörte, weil ich so gute Ohren habe, vornehmlich in der Nacht, ihr Buch übertreffe bei weitem Virginia Woolfs Wellen, meinte sie und zündete sich eine Zigarette an und kreuzte die Beine. Sie werde sich die in der Presse so hochgelobte Wildente ein zweitesmal anschauen, diesen hintergründigen Ibsen, sagte sie zur Auersberger, ihr Versuch allerdings, die Wildente in einer Wiener Buchhandlung zu erstehen, sei gescheitert, keine einzige Buchhandlung in der Inneren Stadt habe die Wildente auf Lager gehabt, nicht einmal eine Ausgabe in der Reclam-Universalbibliothek habe sie auftreiben können. Aber sie kenne natürlich die Wildente, liebe Ibsen, vor allem den Peer Gynt, meinte sie in die Nebelschwaden hinein, die sie selbst erzeugte. Sie war eine starke Raucherin und hatte vom Rauchen eine rauhe Stimme und vom Weißweintrinken ein aufgequollenes Gesicht. In der Zeit, in welcher ich intensiv mit den Eheleuten Auersberger verkehrt hatte, war ich auch sehr viel mit der Schriftstellerin Jeannie Billroth zusammen gewesen, viel zuviel und mit beinahe selbstmörderischer Intensität, wie ich denke, in ihrer Gemeindewohnung, in welcher sie mit einem Chemiker, dem Ernstl, zusammenwohnte, der sie oder den sie über ein Jahrzehnt nicht geheiratet hat. Der Ernstl verdiente das Geld, die Jeannie hatte die Reputation, zog Künstler und Pseudokünstler, ja Wissenschaftler und Pseudowissenschaftler an, brachte, so die Joana sehr oft, Farbe in die öde Gemeindewohnung, die vollgestopft war mit Kleinbürgerlichkeit. Auch die Schriftstellerin Jeannie ist nichts als eine Kleinbürgerin, die sich in ihrem Kleinbürgerkopf eingenistet hat mit der Zeit, dachte ich auf dem Ohrensessel. Nach dem Tod meines Freundes Josef Maria, der sich, genau wie die Joana, aufgehängt hat, und der nach dem Krieg, Anfang der Fünfzigerjahre, die erste offizielle Literaturzeitschrift Österreichs herausgebracht hat, hatte die Jeannie diese Literatur in der Zeit als Herausgeberin übernommen, von da an war diese Zeitschrift nicht mehr zum Lesen gewesen, im Grunde ein völlig wertloses und also kopfloses und durch und durch langweiliges Blatt geworden, das dieser scheußliche, widerliche und konfuse Staat subventionierte und in welchem immer nur das Abgeschmackteste und Dümmste abgedruckt gewesen ist, vor allem immer wieder die Gedichte der Jeannie Billroth selbst, die ja nicht nur in dem Glauben gewesen war, eine Nachfolgerin und ja sogar eine Übertrefferin der Virginia Woolf zu sein, sondern auch noch, sie sei eine direkte Nachfolgerin und Übertrefferin der Droste und schreibe die besten Gedichte Österreichs. Aber sie schrieb nur schlechte Gedichte, in welchen weder Gefühle noch Gedanken auch nur den geringsten literarischen Wert hatten. Fünfzehn Jahre gab sie die stumpfsinnige Literatur in der Zeit heraus, bis man sie ihr mit dem Versprechen, ihr eine lebenslängliche Rente auszuzahlen, aus der Hand genommen hat. Aber die Zeitschrift ist dadurch auch nicht besser geworden, dachte ich, im Gegenteil, der jetzige Herausgeber ist noch viel dümmer und inkompetenter. Unglücklicherweise bin ich an diesem vierzehnten März auf den Graben gegangen in der Absicht, mir eine Krawatte zu kaufen, auf dem Kohlmarkt oder in der Naglergasse, immer habe ich meine Krawatten auf dem Kohlmarkt oder in der Naglergasse gekauft und bin den Auersbergerischen in die Arme gelaufen, dachte ich auf dem Ohrensessel. Wahrscheinlich hätten mich die Auersbergerischen nicht angesprochen, wenn sie nicht den Vorwand gehabt hätten, mir den Tod der Joana mitzuteilen, dachte ich jetzt, und ich selbst hätte niemals ihre Einladung zu ihrem Nachtmahl angenommen, wenn ich nicht durch den Tod der Joana an diesem Tag doch sozusagen aus dem Gleichgewicht gewesen wäre.“ (Seite 35-38)

Mittlerweile ist es weit nach Mitternacht, der Erzähler sitzt der Jeanie Billroth gegenüber und denkt dass dieses künstlerische Abendessen auf einmal tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes durch den Burgschauspieler zu einem künstlerischen Nachtmahl geworden ist:

„Um dreiviertelein Uhr in der Nacht Kartoffelsuppe auftragen zu lassen und einen gekochten Fogosch anzukündigen, ist schon eine Perversität, zu welcher allein die auersbergerischen Eheleute fähig sind, sagte ich mir, der Jeannie gegenüber sitzend, die ihre Suppe wie immer auf ihre Weise gegessen hat, mit dem bei jeder Mahlzeit immer wenigstens um einen Zentimeter zu weit abstehenden kleinen Finger ihrer rechten Hand. Einen Fogosch um dreiviertelein Uhr nachts wegen eines Burgschauspielers, in dessen Barthaaren sich jetzt, da er seine Kartoffelsuppe mit der größten Geschwindigkeit, also wie ausgehungert, halb ausgelöffelt hatte, diese Kartoffelsuppe verfangen hatte. Der Ekdal, sagte er und löffelte die Suppe, der Ekdal ist schon jahrzehntelang meine Wunschrolle gewesen, und er sagte, wieder Suppe löffelnd, und zwar alle zwei Wörter einen Löffel Suppe nehmend, also er sagte der Ekdal und löffelte Suppe und sagte war schon und löffelte Suppe und immer meine und löffelte Suppe und sagte Lieblingsrolle gewesen und löffelte Suppe und er hatte auch noch zwischen zwei Suppenlöffeln seit Jahr- und dann wieder nach zwei Suppenlöffeln zehnten gesagt und das Wort Wunschrolle genauso, als redete er von einer Mehlspeise, denke ich. Mehrere Male sagte er der Ekdal ist meine Lieblingsrolle, und ich fragte mich sofort, ob er auch dann immer wieder von dem Ekdal als seiner Lieblingsrolle gesprochen hätte, wenn er keinerlei Erfolg mit seinem Ekdal gehabt hätte. Hat ein Schauspieler in einer Rolle Erfolg, sagt er, es sei seine Lieblingsrolle, hat er mit seiner Rolle keinen Erfolg, sagt er nicht, dass es seine Lieblingsrolle ist, dachte ich. Immer wieder löffelte der Burgschauspieler die Kartoffelsuppe und sagte, der Ekdal sei seine Lieblingsrolle. Als ob nur er etwas zu sagen hätte, sagten alle anderen lange Zeit nichts, löffelten ihre Suppe und starrten den Burgschauspieler an. Löffelte der Burgschauspieler seine Suppe schnell, löffelten auch sie ihre Suppe schnell, löffelte er sie langsamer, löffelten auch sie sie langsamer und wie er aufgehört hatte, seine Suppe auszulöffeln, hatten auch sie ihre Suppe ausgelöffelt. Sie waren längst mit dem Suppenauslöffeln fertig, da hatte ich noch den halben Teller voll Suppe. Sie schmeckte mir übrigens nicht und ich ließ sie stehen.“ (Seite 110-111)

Der Burgschauspieler war ein alter, müde gewordener Mann, der ein paar Stunden vorher noch als Ekdal auf der Bühne des Akademietheaters gestanden ist, er also Schonung verdient gehabt hätte, nicht aber für die Jeanie Billroth:

„Glauben Sie, dass Sie an Ihrem Lebensende Erfüllung in Ihrer Kunstgefunden haben? fragte die Jeannie ein zweites Mal, so, als glaubte sie, der Burgschauspieler habe sie, als sie das erste Mal dieselbe Frage gestellt hat, nicht gehört, obwohl der Burgschauspieler selbstverständlich gehört hat, was die Jeannie gefragt hatte, ihre Unverschämtheit, Rücksichtslosigkeit war ihm naturgemäß nicht entgangen, sie hatte ja schließlich dreimal die Frage an ihn gerichtet. Können Sie sagen, dass Sie an Ihrem Lebensende von Ihrer Kunst erfüllt gewesen sind?, dreimal ist dem Burgschauspieler ihre Unverschämtheit nicht entgangen, wie ich sofort gesehen habe, er dachte aber, die Jeannie, die der Burgschauspieler ja nur auf die oberflächlichste Weise kannte und die sich ihm gegenüber also überhaupt nichts, also schon gar keine solche Unverschämtheit hätte herausnehmen dürfen, würde ihn in Ruhe lassen, worin der Burgschauspieler sich aber gründlich getäuscht hatte; die Jeannie Billroth gab im Gegenteil keine Ruhe und fragte noch mehrere Male, ob der Burgschauspieler an seinem Lebensende sagen könne, dass seine Kunst für ihn Erfüllung gewesen sei, auf ihre schamlose Art und Weise insistierte sie und hatte nicht eher mit ihrem rücksichtslosen Fragen aufgehört, bis der Burgschauspieler dann endlich doch auf ihre Frage eingegangen ist, darauf eingehen hatte müssen, und es war doch merkwürdig, dass dieser mir im Grunde durch und durch widerwärtige Mensch, den ich die ganze Zeit doch mit nichts anderem, als mit der größten Abscheu betrachtet und beobachtet habe, ihr aufeinmal tatsächlich die entsprechende Antwort gegeben hat, indem er nämlich sagte, dass es mehr oder weniger eine Unerhörtheit sei, ihm eine so dumme Frage zu stellen, denn Ihre Frage ist ganz einfach nichts als dumm und dass sie, die Jeannie Billroth, doch nicht erwarten könne, auf ihre dumme Frage eine intelligente Antwort zu bekommen, auf ihre unverschämte Frage, wie der Burgschauspieler sagte, ich glaube, Sie haben sich doch im Ton vergriffen,  sagte der Burgschauspieler nur und war gerade im Begriff, aufzustehen, so, als wolle er jetzt auf einmal ohne weitere Umstände die Gentzgassenwohnung der Auersbergerischen verlassen, weil ihm die Fragerei und also die Unverschämtheit der Jeannie zu viel geworden war; aber als er die Auersberger mit dem Kaffee hereinkommen sah, setzte er sich wieder in seinen Fauteuil und sagte gleichzeitig, dass er es nicht notwendig habe, auf derartige dumme Fragen zu antworten, derartige Geschmacklosigkeiten als Fragen, sagte der Burgschauspieler wörtlich zu der jetzt tatsächlich verblüfften Jeannie, müssten selbstverständlich ohne seine Antwort auskommen. Was für ein unbotmäßiges Gefasel von Lebensende, sagte der Burgschauspieler, was für eine Unverschämtheit an Fragestellung, sagte er, was für eine Gemeinheit überhaupt, mich mit Ihrer Dummheit zu konfrontieren, sagte der Burgschauspieler, worauf die Jeannie, eine Schale Kaffee aus der Hand der Auersberger entgegennehmend, plötzlich ruhig war, gar nicht aufgebracht, wie ich erwartet hatte; bei ähnlichen Gelegenheiten, dachte ich, ist sie immer aufgesprungen, wie ich mich erinnere und hat augenblicklich den Schauplatz ihrer Borniertheit verlassen, jetzt nicht, sie blieb, mit ihrem, wenn auch sogar unter ihrer dick aufgetragenen Schminke hochrot gewordenen Gesicht, sitzen, bewegte sich minutenlang nicht mehr, während der Burgschauspieler, plötzlich wieder bei Kräften, etwa Folgendes für mich tatsächlich an ihm, dem ich das niemals zugetraut hatte, Erstaunliches sagte: es sei widerwärtig, sich unter Menschen zu begeben, die einen nur aushorchten und schließlich auf die gemeinste Weise heruntermachten, die nur dazu da seien, einen, wie er es nannte, auseinanderzunehmen, in alle Teile zu zerlegen, noch dazu nach Mitternacht sei das eine umso größere Gemeinheit, er sprach das Wort Gemeinheit ungeniert aus, während er die Kaffeeschale, wie ich mit größtem Erstaunen sah, ohne zu zittern, in der Hand hielt, um von Zeit zu Zeit einen kleinen Schluck daraus zu machen.“ (Seite  181-183)

Durch die Taktlosigkeit Jeannie Billroths provoziert, wird der Burgschauspieler nun kurzzeitig zum Philosophen. Wie in seiner aktuellen Bühnenrolle als alter Ekdal sehnt er sich nach dem Aufgehen im naturhaften Organismus des Waldes, um dem ihn umgebenden „Wahnsinn der Künstlichkeit“ zu entfliehen. Wie zuvor der Ich-Erzähler, die „künstlichen“ Gäste aus der Stadt der Natürlichkeit der Dorfbewohner, dem verlorenen Gegenbild der Joana aus Kilb in Niederösterreich gegenüberstellte, macht das nun auch überraschend der Burgschauspieler:

„Denn wir alle sind in der Künstlichkeit aufgewachsen, in dem heillosen Wahnsinn der Künstlichkeit, nicht nur ich, der ich zeitlebens darunter gelitten habe, sagte der Burgschauspieler aufeinmal, alle hier, sagte er, und er drehte sich nach der Jeannie um und sagte zu ihr, auch Sie, meine Liebe, die Sie mich mit Ihrem Hass verfolgen und mich verachten. Er wendete sich zuerst, ohne zu mir etwas zu sagen, mir zu, dann dem Auersberger und sagte zu dem total besoffenen, im Fauteuil eingeschlafenen Auersberger, dass es überhaupt ein Unglück sei, geboren zu sein, aber als ein solcher Mensch, wie der Herr Auersberg geboren worden zu sein, sei das größte. In die Natur hineingehen und in dieser Natur ein- und ausatmen und in dieser Natur nichts als tatsächlich und für immer Zuhause zu sein, das empfände er als das höchste Glück. In den Waldgehen, tief in den Wald hinein, sagte der Burgschauspieler, sich gänzlich dem Wald überlassen, das ist es immer gewesen, der Gedanke, nichts anderes, als selbst Natur zu sein. Wald, Hochwald, Holzfällen, das ist es immer gewesen, sagte er plötzlich aufgebracht und wollte endgültig gehen. Obwohl alle viel getrunken hatten, war am Ende doch, wie vor dreißig und wie vor fünfundzwanzig und vor zwanzig Jahren, nur der Auersberger total betrunken gewesen, er hatte, in seinem Fauteuil vollkommen eingesunken, gar nicht mehr wahrgenommen, dass alle Gäste aufgestanden waren, um zu gehen. Während ich selbst aufgestanden bin, hatte ich gedacht, dass der Burgschauspieler schon im Verlauf des Fogoschessens und dann auch noch immer wieder einmal im Musikzimmer, diese drei Wörter Wald, Hochwald, Holzfällen gesagt hatte, ohne dass ich zuerst schon gewusst hätte, was er damit meinte. Meine Aufmerksamkeit während des Essens und auch danach im Musikzimmer, hatte sich ja lange Zeit naturgemäß nicht auf den Burgschauspieler, sondern auf die Jeannie Billroth konzentriert gehabt; während des Essens hatte ich die Jeannie mehr oder weniger nicht aus den Augen gelassen, gar nicht hingehört die meiste Zeit, was der Burgschauspieler gesagt hat, nur ab und zu einen halben, im Grunde niemals einen ganzen Satz von ihm gehört; es hatte mich auch nicht im geringsten interessiert, was der Burgschauspieler während des Essens gesagt hatte, erst viel später, erst im Musikzimmer, also, nachdem der Burgschauspieler schon mehr, als ihm im Grunde zuträglich gewesen ist, getrunken hatte, war er auch für mich interessant geworden, weil er sich, wie ich jetzt denke, in der Zwischenzeit völlig verändert hatte; es war doch alles, was er noch im Speisezimmer gesagt hatte, Unsinn gewesen, Geplauder und Geplapper, wie wir es von alten, ja schon greisen Schauspielern gewohnt sind, denen ich ja auch immer wieder aus dem Weg gehe, weil ich nicht hören kann, was sie sagen, weil mir ihre sogenannte Altersweisheit, die doch nur eine abstoßende Altersborniertheit ist, eine Altersdummheit, um es ganz deutlich zu sagen, auf die Nerven geht.“ (Seite 187-188 )

Der Ich-Erzähler kritisiert nicht nur seine Umgebung gnadenlos, er verurteilt ständig auch sich selbst, nicht nur weil er die Einladung zu diesem „künstlerischen Abendessen“ in die Gentzgase angenommen hat, seine Kritik ist fundamentaler. Nachdem die Gäste ihren Heimweg antreten haben, der Ich-Erzähler die Vorhaustreppe hinuntergelaufen ist, als wäre er zwanzig Jahre jünger und er sich dachte „dass es unsinnig gewesen ist, der Auersberger zum Abschied die Stirn zu küssen, wie vor dreißig Jahren“ lautet der über drei Seiten gehende letzte Satz:

„Denn ich hasste die Auersberger in Wahrheit nach diesem künstlerischen Abendessen genauso, wie ich sie vorher gehasst habe und den Auersberger, den Novalis der Töne und den schon in den Fünfzigerjahren steckengebliebenen Webern-Nachfolger, mit ihr mit einem vielleicht noch intensiveren Hass, mit diesem Auersbergerhass, mit dem ich die Auersbergerischen jetzt schon seit zwanzig Jahren hasse, wie ich denke, weil sie mich damals, vor zwanzig Jahren, in so niederträchtiger Weise hintergangen und ausgerichtet haben, heruntergemacht haben bei jeder Gelegenheit vor allen Leuten, mich so schlecht gemacht haben, nachdem ich sie verlassen hatte, nur um mich selbst zu retten, nur, um nicht aufgefressen zu werden von ihnen, nachdem ich ihnen den Rücken gekehrt hatte, nicht sie mir, wie sie es immer behaupteten und nach wie vor behaupten, wie sie es diese ganzen zwanzig Jahre bis heute immer behauptet haben und behaupten, ich hätte sie ausgenützt, sie hätten mich jahrelang ausgehalten, sie hätten mich jahrelang am Leben erhalten, während es doch in Wahrheit so ist und so gewesen ist, dass ich sie am Leben erhalten habe, dass ich sie gerettet habe, dass ich sie, wenn auch nicht mit Geld, so doch mit meinen Fähigkeiten insgesamt, ausgehalten habe, nicht umgekehrt und ich lief durch die Gassen, als wäre ich einem Alptraum davongelaufen, schneller und schneller in die Innere Stadt hinein und ich wusste, während ich lief, nicht, warum in die Innere Stadt hinein, während ich doch genau in die der Inneren Stadt entgegengesetzte Richtung hätte laufen sollen, wenn ich nachhause wollte, aber wahrscheinlich wollte ich jetzt gar nicht nachhause und ich sagte mir, wäre ich doch auch diesen Winter in London geblieben und es war vier Uhr früh und ich lief in die Innere Stadt hinein, obwohl ich nachhause hätte laufen sollen und sagte mir, dass ich unter allen Umständen in London hätte bleiben sollen und lief in die Innere Stadt hinein, ohne zu wissen, warum in die Innere Stadt und nicht nachhause und sagte mir, dass mir London immer Glück, Wien aber immer nur Unglück gebracht hat und ich lief und lief und lief, wie wenn ich jetzt in den Achtzigerjahren nocheinmal den Fünfzigerjahren davon liefe in die Achtzigerjahre hinein, in diese gefährlichen und hilflosen und stumpfsinnigen Achtzigerjahre hinein und ich dachte wieder, dass ich, anstatt auf dieses abgeschmackte künstlerische Abendessen zu gehen, lieber in meinem Gogol oder in meinem Pascal oder in meinem Montaigne hätte lesen sollen und ich dachte, während ich lief, dass ich dem auersbergerischen Alptraum davon laufe und lief tatsächlich mit immer größerer Energie diesem auersbergerischen Alptraum davon in die Innere Stadt und dachte während des Laufens, dass diese Stadt, durch die ich laufe, so entsetzlich ich sie immer empfinde, immer empfunden habe, für mich doch die beste Stadt ist, dieses verhasste, mir immer verhasst gewesene Wien, mir aufeinmal jetzt wieder doch das beste, mein bestes Wien ist und dass diese Menschen, die ich immer gehasst habe und die ich hasse und die ich immer hassen werde, doch die besten Menschen sind, dass ich sie hasse, aber dass sie rührend sind, dass ich Wien hasse und dass es doch rührend ist, dass ich diese Menschen verfluche und doch lieben muss und dass ich dieses Wien hasse und doch lieben muss und ich dachte, während ich schon durch die Innere Stadt lief, dass diese Stadt doch meine Stadt ist und immer meine Stadt sein wird und dass diese Menschen meine Menschen sind und immer meine Menschen sein werden und ich lief und lief und dachte, dass ich, wie allem Fürchterlichen, auch diesem fürchterlichen sogenannten künstlerischen Abendessen in der Gentzgasse entkommen bin und dass ich über dieses sogenannte künstlerische Abendessen in der Gentzgasse schreiben werde, ohne zu wissen, was, ganz einfach etwas darüber schreiben werde und ich lief und lief und dachte, ich werde sofort über dieses sogenannte künstlerische Abendessen in der Gcntzgasse schreiben, egal was, nur gleich und sofort über dieses künstlerische Abendessen in der Gentzgasse schreiben, sofort, dachte ich, gleich immer wieder, durch die Innere Stadt laufend, gleich- und sofort und gleich und gleich, bevor es zu spät ist.“

Am 22. September 2007 durfte ich der Premiere von „Holzfällen“ im Landestheater in Salzburg beiwohnen. Hellmund Frank hat den Roman dramatisiert und die Schauspieler Hermann Gerhard (Schriftsteller), Hartmund Scheyhing (Auersberger & Burgschauspieler) sowie Claudia Dölker (Auersbergerin & Jeannie Billroth) machten den Abend zu einem unvergessenen Erlebnis, insbesondere die Szene als der Auersberger, der „Webern-Nachfolger“, wie auf Seite 162/163 der gebundenen Ausgabe nachzulesen, ein letztes Mal versuchte die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf sich zu ziehen:

„Der Auersberger, den ich allen Ernstes einmal als einen Novalis der Töne bezeichnet habe, wie ich jetzt mit Abscheu vor mir selbst denke, war längst unzurechnungsfähig gewesen und lallte von Zeit zu Zeit nurmehr noch Unverständliches, nachdem er, wahrscheinlich, um ein letztes Mal die Aufmerksamkeit der Gesellschaft im Musikzimmer auf sich zu ziehen, urplötzlich sein Unterkiefergebiss aus dem Mund genommen und dem Burgschauspieler wie eine Trophäe vor das Gesicht gehalten hat mit der Bemerkung, das Leben sei kurz, der Mensch hinfällig, der Tod nicht mehr weit, was den Burgschauspieler mehrere Male das Wort geschmacklos hatte sagen lassen, während der Auersberger sein Gebiss wieder in seinen Mund zurück steckte, die Auersberger aber naturgemäß wieder einmal in ihrem Sessel aufspringen hatte lassen in der Absicht, ihren Mann aus dem Musikzimmer in das Schlafzimmer zu befördern, was ihr aber wieder nicht gelungen war; der Auersberger drohte seiner Frau jetzt mit dem Umbringen, stieß sie weg, so dass sie gegen den Burgschauspieler stolperte, der sie aber aufgefangen und in seine Arme genommen hat. Ach, wie geschmacklos! hatte der Auersberger selbst ein paarmal ausgerufen und war dann in seiner Bauernlodenjoppe eingenickt.“

Quelle: Thomas Bernhard – Suhrkamp Werkausgabe 22 Bände 2003 – 2015

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

Die Party- und Eventszene im Wandel der Zeit

27. Juni 2020

Rund fünfhundert überwiegend mit Sturmhauben ausgerüstete junge Männer der Stuttgarter Party- und Eventszene demolierten und plünderten in der Nacht zum 21. Juni 2020 die Stuttgarter Innenstadt, verletzten dabei neunzehn Polizisten, beschädigten zwölf Streifenwagen und traten unter anderem einem am Boden liegenden Studenten gezielt gegen den Kopf. In den USA verwüsteten Anhänger von „Black Lives Matter“ amerikanische Städte und machten Israel für den Tod der Afroamerikaners George Floyd verantwortlich. In Los Angeles zerstörte und plünderte die Szene Synagogen und jüdische Geschäfte.  In US-Städten wurden die Statuen vermeintlicher Rassisten, wie zum Beispiel Churchill, Lincoln oder Kolumbus zerstört oder beschädigt. In San Francisco wurde die Büste von  Miguel de Cervantes verunstaltet, vermutlich weil dieser in seinem Ritterroman „Don Quijote“ zu islamkritisch seine Sklavenzeit aufarbeitete.

Miguel de Cervantes war im September 1575 auf der Heimreise als sein Schiff  kurz vor der katalanischen Küste von islamischen algerischen Korsaren angegriffen wurde. Die überlebenden Passagiere, darunter  der spanische Nationaldichter, wurden gefangengenommen und als weiße Sklaven in Algier verkauft. Nach fünf Jahren und vier erfolglosen Fluchtversuchen wurde  Cervantes 1580 durch den Trinitarier-Orden freigekauft. Die islamischen Barbaresken-Korsaren überfielen vom 16. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Schiffe und Küstenstädte von Italien bis hin nach Island. Zwischen 1530 und 1780 wurden über eine Million weiße christliche Gefangene als Sklaven nach Nordafrika verschleppt und rund zwei Millionen bei den Angriffen  ermordet. Die europäischen und die amerikanischen Regierenden bezahlten Schutzgelder an die Barbareskenstaaten Algier, Tunis und Tripolis um von den Überfällen möglichst verschont zu bleiben.  Der katholische Mönchsorden der Trinitarier sammelte Geld von den Gläubigen für den Freikauf von christlichen Sklaven aus den Händen der Barbaresken. Als Thomas Jefferson 1801 seine Präsidentschaft in den USA antrat, war er sich mit dem Kongress einig, diese unwürdigen Zahlungen umgehend einzustellen. 1801 forderte der Pascha von Tripolis 225.000 Dollar Tributzahlungen von Thomas Jefferson und der amerikanischen Regierung. In einem Briefwechsel stellte Jefferson die Frage mit welchem Recht die Korsaren Schiffe überfallen und die Überlebenden später als Sklaven verkaufen. Darauf antwortete der Partyszenen-Pascha sinngemäß, im Koran stehe dies exakt so formuliert, Ungläubige dürfen überfallen, ermordet oder versklavt werden. Um die Party der Korsaren Nordafrikas zu stoppen, zogen die jungen USA 1801 in den Amerikanisch-Tripolitanischen Krieg für einen kurzzeitigen Frieden und die Freilassung von 300 amerikanischen Sklaven.  Erst im Zweiten Barbareskenkrieg von 1807-1813 wurde das Problem der islamischen Piraterie im Mittelmeer zumindest vorläufig bereinigt.

Nachdem die Party- und Eventszene unter der Führung von „Suleiman dem Prächtigen“ bereits 1529 vergeblich versuchte Wien zu erobern, startete sie ab Juli 1683 einen erneuten Versuch. Auf dem Vormarsch wurde die Bevölkerung Niederösterreichs wieder einmal geplündert, ermordet und die Häuser, Gehöfte und Kirchen wurden niedergebrannt und Tausende als Sklaven ins Osmanische Reich verschleppt. Alle Orte rund um Wien wie Hainburg, Schwechat oder Pellendorf wurden dem Erdboden gleichgemacht. Am 14. Juli 1683 standen Kara Mustafas (140.000 Mann starke) Truppen vor Wien und am nächsten Tag begann die Beschießung. Bereits im September wütete unter den Verteidigern Wiens eine Ruhrepidemie, Munition und Lebensmittel gingen zu Ende und viele Bastionen lagen in Trümmern. Deshalb machten im September 1683 aus der Ferne herbeigeilte 75.000 Soldaten unter dem polnischen  Partyschreck Jan Sobieski und vor allem 10.000 Partygegnern aus Bayern dem Treiben der Eventszene ein Ende. Nach der Flucht der Türken wurde Kara Mustafa kurz darauf auf Befehl des Sultans mit einer Seidenschnur hingerichtet, offenbar weil die Party nicht nach den Wünschen des Sultans ausgerichtet wurde.

Im August 2014 überfiel die Terrormiliz Islamischer Staat das Gebiet der Jesiden um einen Völkermord an der Bevölkerung zu verüben. Rund 400.000 Jesiden wurden vertrieben, 5.000 Jesiden wurden ermordet und 7.000 Frauen und Kinder entführt und größtenteils als Sexsklavinnnen verschleppt. Die Beschreibung und die Erwähnung der weiteren islamischen Party- und Eventszene, alleine im Nahen Osten, würde an dieser Stelle jeden Rahmen sprengen.

Im Gegensatz zu Deutschland diskutiert man in Frankreich seit längerem die dortige Party- und Eventszene. Tagelang ist es beispielsweise in einem Vorort der Stadt Dijon im Juni 2020 zu schweren Ausschreitungen gekommen. Die Probleme der Banlieue, der Vorstädte mit einem großen Einwanderanteil, sind nach wie vor ungelöst. Vermummt und mit Baseballschlägern bewaffnet zog die Party- und Eventszene durch Dijon, weil zuvor ein 16-jähriger Tschetschene von maghrebinischen Banden angegriffen wurde. In dem bürgerkriegsähnlichen Konflikt wird die französische Polizei nicht mehr mit der Kriminalität in den Vorstädten fertig und so bilden sich nun tschetschenische Bürgerwehren die gegen nordafrikanische Kriminelle vorgehen.

Die Rassentrennung in den USA bis weit in die 1960er Jahre hat zweifellos Spuren und Wunden hinterlassen. Es gibt ein Rassismus-Problem in den USA und nicht nur dort. Schwarze machen im Durchschnitt ungefähr 40 Prozent der Insassen in Gefängnissen aus, sie stellen aber nur 15 Prozent der Bevölkerung. Die Zahl der Weißen, die in den USA von Polizisten erschossen werden, ist freilich doppelt so hoch wie die der Schwarzen. Das Problem der Polizeigewalt in den USA betrifft alle ethnischen Gruppen, sagt der schwarze Ökonom Glenn Loury.  Bereits Malcolm X wollte den Juden die Verantwortung für Kolonialismus und den transatlantischen Sklavenhandel in die Schuhe schieben. Louis Farrakhan, der Führer der afroamerikanischen Bewegung Nation of Islam gibt die Schuld an der jahrhundertelangen Unterdrückung der angeblich „überlegenen schwarzen Minderheit“ den „jüdischen Blutsaugern“. Die „Black Lives Matter“-Apologeten  haben es geschafft dass Hollywood Stars wie Chelsea Handler in den USA seine antisemitischen Reden verbreiten.

Um Rassismus, Ungerechtigkeit und Diskriminierung zu verurteilen sollte man sich nicht mit antisemitischen Bewegungen solidarisieren. Mit Hysterie und mit Appeasement, mit der Verharmlosung der Gewalt, werden keine Probleme gelöst wie die Geschichte gezeigt hat. Alle Menschenleben zählen, auch das Leben eines Polizisten! Die zielgerichtete Dämonisierung der „Whiteness“ ist eine Rebellion vermeintlicher Eliten gegen die westliche Zivilisation. Im Namen des Anti-Rassismus leugnen diese „Eliten“ die Verdienste der westlichen Zivilisation zur Abschaffung der Sklaverei und verharmlosen gleichzeitig die blinde Gewalt ihrer Klientel. Die identitätspolitischen Reden der postkolonialen Linken von den alten weißen Männern werden schon beim Blick auf schwarze Männer und weiße Frauen grotesk und sie transportieren was sie sind, reaktionär und in den meisten Fällen antisemitisch.

 

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Die Kommunistische Partei Israels

12. Juni 2020

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kam es zu einer grundlegenden Zeitenwende.  Kaiserreiche wie Deutschland und Russland oder Imperien wie das Osmanische Reich verschwanden und die politischen Landkarten wurden neu geordnet und mit dem Sieg der bolschewistischen Oktoberrevolution entstand zudem eine neue, eine realsozialistische  Regierungsform. Aus dem Osmanischen Reich gingen die Türkei sowie verschiedene Völkerbundmandate hervor. Die Briten verwalteten Palästina, das heutige Jordanien, Israel, der Gazastreifen und das sogenannte Westjordanland, auf dem vor dem  Ersten  Weltkrieg rund siebenhunderttausend Menschen, davon knapp 90.000 Juden lebten. Bereits 1878 gründeten orthodoxe Juden in der Küstenebene Petach Tikva (Öffnung der Hoffnung), Rishon Lelion (Erster in Zion) wurde 1882 von jungen Juden aus Russland und Yesod Hamaala (Gründung) wurde von Einwohnern aus Safed und polnischen Einwanderern in den Hula-Sümpfen gegründet.

Der Zionismus war eine Bewegung deren Mitglieder einerseits sozial-revolutionäre Hoffnung und andererseits tief verwurzelten Kulturpessimismus in sich vereinten. Der Vordenker und Begründer des Zionismus  war der jüdische Schriftsteller Theodor Herzl, in seiner Schrift von 1896 „Der jüdische Staat“ schlug er vor eine „jüdische Heimstatt in Palästina“ unter dem Schutz des Osmanischen Reichs zu schaffen, in der die Juden unbehelligt vom europäischen Antisemitismus in Frieden leben und arbeiten konnten. Politische Parteien wurden gegründet und nationale jüdische Institutionen geschaffen.  1906 kam beispielsweise der sechsundzwanzigjährige Sozialist und jüdische Pionier David Ben-Gurion in die Hafenstadt Jaffa in dem Bewusstsein nicht einfach nur einzelne Siedlungen, sondern eine neue Gesellschaft zu erschaffen. Tel Aviv wurde 1909 von jüdischen Einwanderern aus der Mittelschicht gegründet, die gleichzeitig mit den ideologisch motivierten Pionieren in Israel ankamen, im selben Jahr wurde Degania gegründet, der erste sozialistische Kibbuz der Welt. Viele jüdische Pioniere wurden von Krankheiten wie der Malaria hingerafft, einige kapitulierten einfach und verließen das Land wieder und nur die Allerzähesten hielten durch. Von diesen Menschen wurde verlangt sich auf Kosten privater Bedürfnisse wie Familienleben und Intimsphäre für die revolutionären Ziele aufzuopfern.

Der Vorläufer der Kommunistischen Partei Palästinas war die Mifleget Poalim Sozialistim, die Sozialistische Arbeiterpartei Palästinas, die sich 1919 von der 1905 gegründeten linkssozialistischen Poale Zion (Arbeiter Zions) abgespalten hatte. Die Poale Zion trat für Internationalismus und Klassensolidarität zur Verbrüderung der jüdischen Einwanderer mit den arabischen Massen ein. Von der Poale Zion trennte sich wiederum ein linker Flügel als Poale Zion Smol ab. Abermals spaltete sich 1922 die Palästinensische Kommunistische Partei (PKP) , die sich an den gemäßigt sozialistisch-zionistischen Ideen des Theoretikers Ber Borochov orientierte und gemäßigt antizionistische Anhänger hatte und die Kommunistische Partei Palästinas (KPP) unter Joseph Berger-Barzilai, welche strikt antizionistisch war. Im Jahr 1923 kam es zur Wiedervereinigung und im Gründungsprogramm wird  der „Kampf gegen den Zionismus“ ausgerufen. Weil die „arabische Nationalbewegung dem Imperialismus entgegenwirkt“ muss sie laut der PKP unterstützt werden. Daraufhin wird die PKP durch die Komintern anerkannt und folgerichtig werden die Kommunisten aus der zionistischen Einheitsgewerkschaft Histadrut ausgeschlossen.

Mit rund zwanzig jungen Genossen und Genossinnen lebte auch Leopold Trepper, der spätere Widerstandskämpfer und „Grand Chef“ der „Roten Kapelle“ in einer Kommune in Tel Aviv, der auch Sophie Posnanska, Hillel Katz, Leon Großvogel und Jecheskel Schreiber angehörten. Leopold Trepper war 1924, wie seine Genossen der Meinung, dass es nicht nötig wäre einen jüdischen Staat zu gründen. Er arbeitete von morgens bis abends im Schlamm und in der Nacht wurden er und seine Mitstreiter von Myraden und Mücken zerstochen. Die jüdischen Grundbesitzer führten, laut Trepper,  ein angenehmes Leben und die Araber waren bevorzugte Arbeiter, weil die von keiner Gewerkschaft vertreten waren. Die nationale Frage ließe sich nur mit Hilfe der sozialen Revolution regeln, so Trepper im Jahre 1924 und so trat „Leiba Domb“ 1925 in die Palästinensische Kommunistische Partei ein.

Die Komintern forderte von der anfangs ausschließlich jüdischen PKP von Beginn an eine Arabisierung der Partei, was jedoch bei den Arabern weitgehend auf Ablehnung stieß, denn für die Arber waren Kommunisten nicht nur gottlos sondern auch Repräsentanten der Moderne. Schon im Oktober 1928 kam es immer wieder zu Zusammenstößen an der Klagemauer der offen antisemitische politische und geistige Führer der Palästinenser Mufti Amin el-Husseini anheizte. Im August 1929 „verteidigten  die Muslime die Heiligen Stätten“  in dem ein Mob von rund 2.000 Gläubigen  unter Rufen wie „Bringt die Juden um!“ an der Klagemauer die dort Betenden angriffen. In den folgenden landesweiten Pogrom  kamen 133 Juden ums Leben und über 300 wurden zum Teil schwer verletzt. Die KP bezeichnete die Ereignisse zwar als „kleines Pogrom“, die Schuldigen waren allerdings nicht die Pogromisten, sondern die britische Regierung wurde beschuldigt, den Konflikt zwischen Juden und Arabern in Palästina anzuheizen.

In der internationalen kommunistischen Presse wurden die  Pogrome zum „revolutionären Aufstand“ erklärt. Die „Rote Fahne“ schrieb zu den antisemitischen Massakern in Palästina: „Eingeborene Araber schießen Faschisten nieder“ und beglückwünschte die arabischen Mörder. Für die Komintern handelte es sich um einen antiimperialistischen Aufstand, und der sei von allen Kommunisten zu unterstützen. In Fragebögen mussten alle Mitglieder der PKP beantworten wie sie zu den Aufständen stehen. Weil die gewünschten Antworten nicht erfolgten, wurden jüdische Kommunisten und Parteiführer wie Birman, Leszczyinski, Ben-Yehuda, Meier-Kupermann, Auerbach und Berger-Barzilai nach Moskau beordert. So gut wie alle wurden in den stalinistischen „Säuberungen“ ermordet oder verbrachten, wie Berger-Barzilai, Jahrzehnte in sowjetischen Gefängnissen und Arbeitslagern.

1935 erklärte die arabische Führung der PKP den Jishuw in seiner Gesamtheit zu einem Projekt des Kolonialismus. Im April 1936 begann der von den deutschen Nationalsozialisten unterstützte  und von Amin al Husseini angeführte Arabische Aufstand mit mehreren Morden an Juden, der Zerstörung von Siedlungen, und Plantagen, begleitet von einem Generalstreik der arabischen Arbeiter. In der traurigen Bilanz standen am Ende unter anderem über 500 ermordete Juden. Bis in die heutigen Tage wird der Charakter dieses „Aufstands“ von Teilen der heutigen radikalen israelischen Linken als antikolonial und antiimperialistisch beschrieben. Die mittlerweile unter arabischer Führung stehende KP beteiligte sich von 1936 bis 1939 direkt am Arabischen Aufstand. Die jüdischen Parteimitglieder wurden zur  Unterstützung für den Mufti und die feudalistisch-antisemitische Führung der arabischen Nationalbewegung angewiesen sich an bewaffneten Aktionen gegen die zionistischen Institutionen zu beteiligen. Kommunistische Aktivisten führten so zum Beispiel Attentate gegen die örtlichen Sektionen der Histadrut in Haifa und Tel-Aviv aus.  Als die Aufständischen im Sommer 1937 unter der Parole „Ein toter Jude ist besser als zehn tote Engländer“ erneut zum Angriff übergingen, führte das zu Sympathiebekundungen des Sekretariats der jüdischen Sektion für den Jishuw. Aktivisten der jüdischen Sektion proklamierten das Recht auf Selbstverteidigung. Nachdem auch die Komintern die Berichte über Kontakte der Führer der arabischen Nationalbewegung in Palästina mit den Achsenmächten nicht mehr ignorieren konnte, forderte das Sekretariat der jüdischen Parteisektion, die KP solle mit dem Mufti brechen. Das Zentralkomitee verwies im Gegenzug darauf, daß der Mufti ein populärer religiöser Führer sei. Kritik oder gar ein offener Bruch mit ihm würde die Akzeptanz der KP bei den arabischen Massen aufs Spiel setzen. (Grigat)

Während die KP von 1936 bis 1939 in Palästina mit den Verbündeten der Nazis und der italienischen Faschisten zusammen arbeitete, unterstützte die Partei vier Monate nach dem Angriff auf die Sowjetunion zur Bildung einer antifaschistischen Front den Eintritt in die alliierten Armeen. Nach 1945 gab es Annäherung an den zionistischen Mainstream, Parteimitgliedern wurde es erlaubt, der zionistischen Einheitsgewerkschaft Histadrut beizutreten. Über 25 Jahre haben die Kommunisten die Gründung eines eigenständigen jüdischen Staates in Palästina bekämpft, erst nachdem die Sowjetunion sich für einen Judenstaat aussprach unterzeichnete die PKP 1948 die israelische Unabhängigkeitserklärung.

Mapam, die Vereinigte Arbeiterpartei, wurde im Januar 1948 gegründet und war ein Zusammenschluss der linkssozialistischen Poale Zion Smol und des Hashomer HaZair mit Teilen der Ahdut Haavoda, einer linkszentristischen Gruppierung, die in den späteren parteiinternen Auseinandersetzungen zu den ersten Kritikern einer Kooperation mit Islamisten gehörte, wie sie sich etwa in der von der Parteilinken betriebenen Unterstützung für die Muslimbrüder zeigte. Die Mapam schwankte stets zwischen zionistischen und gemäßigt antizionistischen Positionen, zwischen Stalinismus und Linkssozialismus. In der Regel kritisierte die Mapam den mal tatsächlichen, mal vermeintlichen Antizionismus der Maki als „kosmopolitische Attitude“ und wäre gerne die wahre, weil national verantwortliche kommunistische Partei in Israel gewesen und international als solche anerkannt worden, was ihr aber verwehrt blieb. Maki und Mapam stimmten in der Knesset häufig gemeinsam, arbeiteten in Parteivorfeldorganisationen zusammen, und es kam häufig zu Parteiwechseln einzelner Mitglieder. (Grigat)

Nachdem die Sowjetunion sehr schnell wieder auf ihren alten antizionistischen Kurs überging, wurde 1952 Mordechai Oren vom linken Flügel der Mapam wegen angeblicher Spionage in  Prag und zusätzlich der Unterstützung des „imperialistischen Zionismus“ angeklagt und im Rahmen einer großangelegten antisemitischen Kampagne gegen den tschechoslowakischen „Verräter“ Rudolf Slánský präsentiert. Die Mapam stimmte zwar mit 232 zu 49 Stimmen für die Verurteilung des Prager Prozesses als antisemitische Ungeheuerlichkeit, doch der  stalinistische Flügel um Moshe Sneh verteidigte die Antisemitischen Kampagnen im Prager Slánský-Prozeß wie auch in den ebenso antisemitischen Moskauer Ärzte-Prozessen. Moshe Sneh wurde 1953 aus der Mapam ausgeschlossen, versuchte es kurzzeitig mit einer eigenständigen linkssozialistischen Partei und trat 1954 der Maki bei.

Der Streit zwischen arabisch-nationalistischer und jüdisch-arabischer Zusammenarbeit  hält bis heute an. 1996 bildete Hadasch eine gemeinsame Liste mit der vergleichsweise gemäßigt arabisch-nationalistischen Balad. 2003 ging sie ein Wahlbündnis mit der arabisch-nationalistischen Ta’al von Ahmat Tibi ein, das von der jüdisch-kommunistischen Minderheit kritisiert wurde, da es drohe, den Koexistenz-Grundsatz der Partei zu beschädigen. In der Kommunistischen Partei wie auch bei der Mehrzahl der heute aktiven linken und linksradikalen Gruppen ist man über die traditionellen Erklärungsmuster des Marxismus-Leninismus kaum hinausgekommen. Es ist von daher kein Wunder dass die israelische Linke marginalisiert ist. So gut wie niemand nimmt diese Leute in Israel ernst, was auch seit Jahrzenten in den Parlamentswahlen zu sehen ist. Im Gegensatz zu Deutschland freilich, für die hiesigen „Israelkritiker“ sind die Außenseitermeinungen aus Israel wichtige Beweise für ihre eigenen „israelkritischen“ Ansichten.

Von der Staatsgründung Israels von 1948 bis 1977 gehörten alle Premierminister Israels der israelischen linkszionistischen Arbeiterpartei Mapai, beziehungsweise Awoda an. Die Arbeiterpartei Israels war stets eng mit der Gewerkschaft Histadrut verbunden. Im Gegensatz zur extremen israelischen Linken haben Mapai und Awoda die humanistischen Grundlagen für die heutige israelische Gesellschaft gesetzt, wenngleich auch die israelische sozialdemokratische Arbeiterpartei längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden ist. Über siebzig Jahre antisemitischer palästinensischer, iranischer, irakischer, syrischer, ägyptischer und jordanischer Terror haben ihre Spuren hinterlassen.

Übrigens: Leopold Trepper floh 1929 nach Frankreich, bekämpfte ab 1939 mit der „Roten Kapelle“ den Nationalsozialismus, war danach 10 Jahren in Stalins Kerkern gefangen und lebte anschließend im Polen des Wladyslaw Gomulka und seinen schwer erträglichen antisemitische Hetzreden. Nach dem ihm Ausreiseanträge nach Israel stets verwehrt wurden, kam es zu internationalen Protesten, die im Jahr 1973 zur Ausreise Treppers führten.  „Israel sei der einzige Platz der Welt“, so Leopold Trepper kurz nach seiner Ausreise aus Polen, „wo ich nicht Gefahr laufe, als dreckiger Jude behandelt zu werden“.  Leopold Trepper starb am 19. Januar 1982 in Jerusalem und bei seiner Beerdigung heftete der in deutschen Medien als „Rechtsextremist“ und „Kriegstreiber“ bezeichnete konservativ-säkulare israelische Verteidigungsminister Ariel Sharon  einen Orden an Treppers Sarg.

Quellen: Stephan Grigat- Die Einsamkeit Israels: Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung |  Yaacov Lozowick – Israels Existenzkampf | Leopold Trepper – Die Wahrheit: Autobiographie des „Grand Chef“ der „Roten Kapelle“