Skip to content

Prämie für einen Kindermord

4. Juli 2016

In der Nähe von Hebron hat ein 17-jähriger Palästinenser ein schlafendes 13-jähriges jüdisches Mädchen in dessen Bett erstochen. Sowohl die Mutter des Attentäters als auch die Palästinensische Autonomiebehörde von Mahmud Abbas lobpreisen die Tat öffentlich, es gibt sogar eine finanzielle Belohnung dafür. Das wirft ein grelles Schlaglicht auf die Verfasstheit der palästinensischen Gesellschaft.

Hallel-und-Rina-Ariel

Hallel und Rina Ariel

Gerade als die Zahl der heimtückischen Angriffe, die seit Oktober 2015 von Palästinensern bevorzugt mit Messern und anderen Stichwerkzeugen auf jüdische Israelis verübt werden, merklich zurückgegangen war, ereignete sich in einem Vorort der Großsiedlung Kiryat Arba bei Hebron ein besonders niederträchtiger Mord. Am vergangenen Donnerstagmorgen überwand dort der 17-Jährige Mohammed Nasser Tarayra aus der palästinensischen Ortschaft Bani Na‘im einen Sicherheitszaun, der die israelische Siedlung umgibt, drang in das Haus der Familie Ariel ein, fand das Kinderzimmer und ermordete mit acht Stichen die schlafende 13-jährige Hallel Jaffa in ihrem Bett. Zwei Sicherheitskräfte – die automatisch alarmiert worden waren, als Tarayra über den Zaun geklettert war – und der Vater des Mädchens versuchten, den Attentäter zu überwältigen. Einer der Wachleute erlitt dabei Stichverletzungen, der andere erschoss den Mörder schließlich.

Die Journalistin Chaya Tal hat die grauenvollen Geschehnisse in einem Blogbeitrag mit dem Titel „Hallels letzter Tanz“ eindrucksvoll rekonstruiert. Die Lektüre macht angesichts der Ungeheuerlichkeit und Grausamkeit der Tat fassungslos. Wie kommt es, dass ein nicht einmal volljähriger Mensch sich dazu entschließt, ein schlafendes Kind mit einem Messer zu töten? Wenn man sich auf die Spurensuche begibt, nähert man sich einer Antwort zumindest ein wenig. Chaya Tal macht beispielsweise deutlich, dass es sich bei Mohammed Tarayras Wohnort um ein regelrechtes Terroristennest handelt: „Bani Na‘im, ebenso wie die gesamte Umgebung von Hebron, ist durchsetzt von Terrorzellen der Hamas und anderer islamistischer Terrororganisationen.“ Zahlreiche Palästinenser, die Zivilisten und Soldaten innerhalb und außerhalb der „Grünen Linie“ attackiert hätten, stammten aus dieser Region: „So die drei Attentäter, welche in diesem Monat die Terrorattacke im Sarona-Zentrum in Tel Aviv zu verantworten hatten; der Attentäter, der vor etwa einem halben Jahr Jakov Don und Ezra Schwarz in einem Stau bei Alon Shevut erschoss; der Mörder von Dalia Lemkos im Oktober 2014“. Auch die Entführer von Eyal Yifrah, Gilad Shaer und Naftali Frenkel – drei Jugendlichen, die auf den Tag genau zwei Jahre vor dem Mord an Hallel tot auf einem Feld nahe Hebron gefunden wurden – kamen von dort. Die islamistischen Täter haben also offenkundig ein Umfeld, das sie deckt und anspornt.

„Mein Sohn ist ein Held, ich bin stolz auf ihn“

Wenn man sich dann vergegenwärtigt, wie Mohammeds Mutter auf die Tat und den Tod ihres Sprösslings reagiert hat, wird klar, dass der Rückhalt auch aus dem engsten Familienkreis kommt. „Mein Sohn ist ein Held, ich bin stolz auf ihn“, sagte sie in einem Video, das in palästinensischen sozialen Netzwerken verbreitet wurde. Mohammed sei „als Märtyrer gestorben, der Jerusalem und die Al-Aqsa-Moschee verteidigte“. Mit Allahs Wille werde „die gesamte palästinensische Jugend diesem Weg folgen“. Unweigerlich denkt man an etwas, das Golda Meir bereits 1957 in einer Rede vor dem National Press Club in Washington in ihrer Funktion als israelische Außenministerin gesagt hatte: „Frieden wird es geben, wenn die Araber ihre Kinder mehr lieben, als sie uns hassen.“ Als folgsames Kind hatte Mohammed Tarayra, so berichtet es Arutz Sheva unter Berufung auf Freunde und Angehörige des Attentäters, auf seiner Facebook-Seite in den Wochen vor der Tat mehrfach sein Bedürfnis geäußert, als „Schahid“ zu sterben. Demnach wollte er so seinen Cousin rächen, der von israelischen Soldaten getötet wurde, als er in der Nähe von Kiryat Arba mit einem Auto einen anderen Soldaten angefahren hatte.

Doch nicht nur die Mutter des Mörders war mit der Tat einverstanden, auch die Palästinensische Autonomiebehörde und die Fatah rühmten sie umgehend. Beide nannten Mohammed Tarayra einen „Märtyrer“; auf der offiziellen Facebook-Seite der Fatah wurde er als Held verehrt, der „in seiner Operation eine Siedlerin getötet und einen Siedler verletzt“ habe. Damit steht auch fest, dass Mohammeds engste Angehörige in den Genuss jener behördlichen Prämie kommen werden, die monatlich an die Familien von antijüdischen Attentätern ausgezahlt wird. Diese Boni werden bereits seit vielen Jahren gewährt, auch (und vor allem) in israelischen Gefängnissen einsitzende palästinensische Häftlinge erhalten sie nach wie vor. Zwar drohten die USA und die EU vor zwei Jahren, ihre finanziellen Zuwendungen an die Autonomiebehörde einzustellen, sollte diese nicht damit aufhören, die Zuschüsse an Verbrecher und deren Angehörige weiterzuleiten. Doch seitdem werden die Gelder für die Terroristen und ihre Familien einfach von einer Kommission der PLO überwiesen. Judenmord zahlt sich also buchstäblich aus, und je mehr Juden ein Terrorist tötet, desto höher ist seine Belohnung.

Darüber hinaus stacheln die Autonomiebehörde und die Fatah Kinder und Jugendliche auch ideologisch gezielt dazu auf, Juden anzugreifen und zu ermorden. Im Januar dieses Jahres beispielsweise erklärte dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet zufolge ein 15-Jähriger, der die Israelin Dafna Meir in der Ortschaft Otniel mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt hatte, er habe vor seinem Angriff regelmäßig das Programm des offiziellen Fernsehsenders der Autonomiebehörde geschaut, in dem Israel als Staat dargestellt werde, der „palästinensische Jugendliche tötet“. Am Tag des Mordes habe er unter dem Eindruck der Fernsehsendungen schließlich die Entscheidung getroffen, mit einem Messer auf einen Juden oder eine Jüdin loszugehen.

Aufstachelung zum Judenmord von offizieller Seite

Aufmarsch anläßlich des 51. Jahrestag der Gründung der Fatah

Aufmarsch anläßlich des 51. Jahrestag der Gründung der Fatah

Wie die Fernsehsender der Autonomiebehörde und der Fatah die Palästinenser – auch und gerade die jüngsten von ihnen – zum Hass auf Israelis erziehen, dokumentiert Palestinian Media Watch immer wieder. In den Schulen wird dieser Hass ebenfalls gezielt verbreitet, das Gleiche gilt für die sozialen Netzwerke. Die Fatah ließ bei den „Feierlichkeiten“ zum 51. Jahrestag ihrer Gründung sogar Kinder mit Sprengstoffgürteln aufmarschieren. „Offizielle Vertreter der Palästinensischen Autonomiebehörde behaupten, unsere Kinder träfen diese Entscheidung unabhängig und dass niemand sie losschickt, um Terroranschläge zu verüben“, schrieb der palästinensische Wissenschaftler und Publizist Bassam Tawil. „Aber in Wirklichkeit weiß jeder Palästinenser, dass hinter diesen angeblich ‚unabhängigen‘, ‚spontanen‘ Angriffen eine organisierte, wohl überlegte Aufstachelung steckt, teilweise von Politikern und teilweise von durch Kleriker ausgegebenen Fatwas.“

Wenn die Kinder dann bei der Ausübung ihrer Mordtaten getötet würden, so Tawil weiter, behaupteten sowohl die Autonomiebehörde als auch die Fatah, dass die Israelis sie hingerichtet hätten. Sie verklärten diese Minderjährigen und machten aus ihnen „Vorbilder für andere Loser-Kids“. Sie schickten „Minderjährige los, um ihre schmutzige Arbeit zu erledigen, während sie genau wissen, dass diese wahrscheinlich von den israelischen Sicherheitskräften getötet werden“. Es quäle ihn zu sehen, schrieb Tawil, „wie diese jungen Menschen zu Schnäppchen-Material gemacht werden“. Die Kinder würden geopfert „durch eine zynische Palästinenserführung, die eine finstere Kultur von Mord und Tod nährt“. Jeder, der junge Menschen losschicke, damit diese töten und getötet werden, sei „selbst ein Mörder“.

Es sei daran erinnert, dass der Präsident der Autonomiebehörde und der Vorsitzende der Fatah ein gewisser Mahmud Abbas ist. Jener Abbas, der vor wenigen Tagen als Gast der Europäischen Union vor deren Parlament sprechen durfte und die Gelegenheit zu einer antisemitischen Hetzrede nutzte. Die Abgeordneten applaudierten gleichwohl stehend, ihr Präsident Martin Schulz bedankte sich ausdrücklich bei Abbas und nannte dessen Ansprache via Twitter sogar „anregend“. Die EU unterstütze „das Streben der großen Mehrheit der Palästinenser nach Frieden und Versöhnung“, schrieb Schulz weiter. Man kann das inzwischen nur noch als Drohung verstehen.

—–

Dieser Artikel ist zuerst bei mena-watch erschienen. Die Veröffentlichung bei Mission Impossible erfolgt mit der freundlichen Genehmigung des Autors.

Der Verrat an der Aufklärung und Islamisches Erwachen

26. Januar 2016
iran1970

Iranische Studentinnen an der Universität in Teheran im Jahr 1971 ohne Zwangsverschleierung

Die islamische Revolution im Februar 1979 im Iran unter der Führung des Ajatollah Chomeini leitete die Re-Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens, sowie weiter Teile Afrikas ein. Bereits in dieser Zeit wurde die Islamische Revolution nicht nur von der deutschen Regierungsseite, sondern auch von vielen Linken aus der grün-alternativen Szene gefeiert, obwohl im Iran linke Oppositionelle tausendfach gefoltert und hingerichtet wurden, obwohl durch die islamische Scharia die iranische Bevölkerung terrorisiert, minderjährige „Ehebrecherinnen“ gesteinigt und erhängt, Homosexuelle, gleich welchen Alters an Baukränen erhängt wurden. Frauen werden spätestens seither im Iran, sowie in so gut wie allen anderen islamischen Ländern als Menschen zweiter Klasse behandelt. In vielen islamischen Ländern müssen sich Frauen verschleiern, dürfen ohne Erlaubnis ihres Mannes, Bruders oder Vaters das Haus nicht verlassen. Junge Männer und Frauen haben in den meisten islamischen Ländern durch die religiös begründete Geschlechterseparierung in Schule, Arbeit und Alltag kaum die Möglichkeit Beziehungen zueinander aufzubauen.

Bereits 1979 begeisterte sich Joschka Fischer, der spätere Außenminister, im „Pflasterstrand“ für die iranischen „Kader und Führer die sich aus der Priesterschaft rekrutieren“, die eine „ der mächtigsten und sichersten, weil brutalsten und reichsten Diktaturen von Amerikas Gnaden binnen eines Jahres durch eine revolutionäre Massenbewegung ohne Waffen bis ins Mark erschüttert“ haben und damit „ins Herz des westlichen Fortschrittsglaubens“ getroffen haben.

Die Grundpfeiler der islamistischen Herrschaftsideologie sind ein eliminatorischer Antisemitismus, eine umfassende Kritik an der westlichen Moderne mit dem entsprechenden Frauenbild und dem Dschihad mit seinen islamistischen Terroristen und Selbstmordattentätern. Die islamistische Ideologie ist hauptverantwortlich für die unzähligen Missstände in den meisten islamischen Ländern. Es gibt kein islamisches Land in dem sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse an Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Gewaltenteilung, Aufklärung und Religionsfreiheit orientieren. Selbst in der Türkei, einem der fortschrittlichsten muslimisch geprägten Länder gibt die staatliche Religionsbehörde fast täglich neue Fatwas heraus, die der Frau ausschließlich die Rolle eines beliebig zu benutzenden Sexobjektes zuweisen. Die türkische Behörde für Religiöse Angelegenheiten untersagt mittlerweile verlobten Paaren in der Türkei, Händchen zu halten.

Die Stärkung der Rechte der Frauen während der „Weißen Revolution“ im Iran, Mitte der 1960er Jahre empfanden Ruhollah Chomeini und seine Mitstreiter als einen Angriff auf den Islam. Mit der Re-Islamisierung der arabischen und persischen Welt und weit darüber hinaus veränderte sich nicht nur das Straßenbild in diesen Ländern. Als beispielsweise in den 1970er Jahren in Karo kaum eine Frau ein Kopftuch trug gab es so gut wie keine öffentliche sexuelle Belästigung. Mit der zunehmenden Islamisierung Algeriens und Marokkos kann heute schon das Tragen eines Rockes zu Übergriffen führen. Selbst in der Türkei kommt es regelmäßig zu sexuellen Übergriffen auf dem Taksim-Platz in Istanbul wenn sich große Menschenansammlungen dort befinden.

In beinahe allen Ländern der islamischen Welt kämpfen seit Jahren viele Oppositionelle unter Lebensgefahr gegen dieses islamistische Weltbild. Obwohl dieses Weltbild, vielfach sexuell frustrierte frauenfeindliche Männer produziert, obwohl diese Ideologie tausende islamistische, antisemitische Terroristen hervorbringt gibt es hierzulande nach wie vor Linke aus dem grün-alternativen Spektrum oder Steinzeit-Feministinnen welche diese mittelalterliche Ideologie verharmlosen oder die entsprechenden Taten tabuisieren oder relativieren.

So gut wie nach jedem islamistischen, oft antisemitisch motivierten Terroranschlag, ob nun in Israel oder in Frankreich, ob nun gegen Juden, gegen Karikaturisten, Menschen die ein Fußballspiel sehen wollen oder sich bei einem Rockkonzert amüsieren wollen, kommt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Aussage von deutschen „Islamexperten“, dass dies alles nichts mit dem Islam zu tun habe.

Nachdem islamisch sozialisierte Männer in der Kölner Sylvesternacht Frauen zu Freiwild erklärten, sie aus einer Gruppe von rund tausend arabischen Männern die Frauen für ihre sexuellen Übergriffe und Raubdelikte einkreisten, es dabei zu über 800 Anzeigen kam, rund die Hälfte davon wegen sexueller Übergriffe bis hin zur Vergewaltigung, sprangen die Verteidiger der islamischen Ideologie den Tätern sofort zur Seite, verharmlosten und relativierten die Taten.

afgh 2015Claudia Roth relativierte beispielshalber: „Es gibt auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen.“ Jakob Augstein verharmloste: “Ein paar grapschende Ausländer und schon reisst bei uns der Firnis der Zivilisation.” Die Prinzessinenreporter schrieben: „Warum derzeit 80 Tatverdächtige keine 1000 Täter sind“ und selbst in der Jungle World verniedlichte Ivo Bozic: „In vielen Ländern der Welt ist das Frauenbild insgesamt konservativer als in Deutschland“.

Bei den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im  August 1992 agierten einige hundert rechtsextreme Randalierer aus einer Menge von rund 3.000 applaudierenden Zuschauern, die den Einsatz von Polizei und Feuerwehr behinderten. Wäre zu der Zeit irgendein Linker auf die Idee gekommen zu schreiben, warum ein paar hundert Rechtsradikale keine 3.000 Täter sind? Wohl kaum.

Relativierungen und Tabuisierungen von Islamismus und Antisemitismus sind ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Wenn Integration gelingen soll, dann müssen die Probleme offen angesprochen werden, wenn sie irgendwann gelöst werden sollen. Die Frauenverachtung der islamischen Welt ist Ergebnis der islamischen Ideologie. Der menschenverachtende islamische Terrorismus von der Hamas über Boko Haram bis zum Islamischen Staat hat seine Grundlage in der islamischen Ideologie. Die Leugnung dieses Faktums hilft weder den Opfern des Terrors, noch wird dadurch zukünftig ein Menschenleben gerettet oder die Emanzipation der Frau in der islamischen Welt befördert. Die ersten Opfer der islamistischen Ideologie mit ihrer Frauenverachtung, ihrem Antisemitismus und ihrer Despotie sind die säkularen Kräfte in den muslimischen Ländern. Diese Menschen würden sich den Beistand einer aufgeklärten europäischen emanzipatorischen Linken wünschen. Darauf warten die muslimischen ReformerInnen freilich vergeblich und das seit über 30 Jahren. Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass durch die Tabuisierung oder Verharmlosung des Islamismus weniger Flüchtlingsheime von Nazis in Brand gesteckt werden würden. Islamisten und deutsche Nazis sind Brüder im Geiste. Ihr Terror ist menschenverachtend. Es reicht nicht nur gegen die Nazis von Rostock-Lichtenhagen oder Heidenau zu protestieren. Wer die  Menschenjagd von Köln relativiert, wer den islamistischen Terror von New York, Beslan, Madrid, London, Toulouse oder Paris oder Jerusalem verharmlost, spielt in einer Liga mit den Nazis von Rostock-Lichtenhagen oder Heidenau.

„Gegen diese Entwicklung eines außer Rand und Band geratenen Islams, dessen Schizophrenie sich diesmal vor dem Kölner Hauptbahnhof ausgetobt hat, gibt es nur ein Mittel, soll die Entwicklung nicht in Richtung Regression weitergehen: Der Islam muss die gleiche Kritik aushalten lernen, wie das Christentum sie hat aushalten müssen. Doch die hiesige seriöse Islamkritik besteht bisher aus einer Handvoll Frauen und Männern, die von den Islamverbänden als „islamophob“ abgelehnt werden. Das muss sich ändern.

Ebenso muss der Resonanzboden für die liebedienerische Haltung des hiesigen linken Spektrums gegenüber jedwedem Obskurantismus verschwinden, sobald dieser nur das Etikett „muslimisch“ trägt. Diese Liebedienerei ist zwar verständlich, teilt die fundamentalistisch-muslimische Welt doch die anti-amerikanische, antiwestliche und antiisraelische Aggressivität, die das Lebenselixier der deutschen Linken ausmacht. Sie ist gemeingefährlich, weil sie in ihrer Verbundenheit mit dem fundamentalistisch festgefahrenen Islam unbesehen jenes „Ungeheuer“ in Kauf nimmt, das der muslimische Philosoph Abdennour Bidar sich aus diesem entwickeln sieht“, schreibt der ehemalige ARD-Korrespondent Samuel Schirmbeck sehr richtig in der konservativen FAZ. Es ist traurig kaum vergleichbare Analysen in linken Zeitungen zu lesen.

Übrigens, wer meint in Afghanistan mussten Frauen schon immer in Burkas herumlaufen irrt. Diese Bilder aus Afghanistan stammen aus den 1960er Jahren. Der amerikanische Uni-Professor Dr. Bill Podlich arbeitete von 1967 bis 1969 für die UNESCO in Afghanistan und machte dabei diese Bilder:

Afghanistan67afghanistan68Afghanistan Afghanistan69

Das Breitenbergersche Korrelationsgesetz und die Frauenjagd von Köln

13. Januar 2016

koelnDie Theorie des Breitenbergerschen Korrelationsgesetzes bezeichnet ein typisches Muster von Ansichten die ein Potential für anti-emanzipatorische Einstellungen bilden:

Die Verharmlosung oder Befürwortung der „Israelkritik“ von Jakob Augstein oder Günter Grass verhält sich proportional zur Verharmlosung der islamistischen Frauenverachtung oder islamistischer Terrorakte.

Formel: I = K mal F

wobei I= Israelkritik Augstein/Grass – F=islamistische(r) Frauenverachtung/Terror – K=Kritikerkonstante

(K impliziert den individuellen Israelhass, individuelle Frauenverachtung, antimoderne Haltung, Schuldabwehr, usw)

Untermauerung:

Wer einerseits nur kleinlaut oder nicht gegen das antisemitische Gedicht von Günter Grass protestiert, wer nur kleinlaut oder nicht gegen die antisemitischen Aussagen von Jakob Augstein in SPON und seinen Anhängern in seinem antizionistischen „Freitag“ widersprochen hat, wird andererseits mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die sexuellen Übergriffe von sexuell frustrierten Muslimen in Köln oder die terroristischen Anschläge in Paris verharmlosen oder relativieren und wird sich letztendlich in allen Fällen auf seinen zweifelhaften Anti-Rassismus berufen.

Ergänzende Zitate:

„Ein paar grapschende Ausländer und schon reisst bei uns Firnis der Zivilisation“ Jakob Augstein am 7. Januar 2016

„Einige Frauen sollten darüber nachdenken, ob es klug ist, leicht bekleidet und angetrunken, sich zwischen Horden von alkoholisierten Männern zu begeben. Generell trägt die Frau aufgrund ihrer Beschaffenheit eine Verantwortung, wenn sie sich aus dem Haus begibt. Man kann nicht vor einem Löwen eine nackte Antilope werfen und erwarten, dass bei dem Löwen sich nichts regt. Es ist erstaunlich, dass im Biologieunterricht so viel über das Paarungs- und Sexualverhalten der Lebewesen unterrichtet wird, aber diese Regeln im Alltag komplett missachtet werden.
Und weil viele Nichtmuslime ständig betonen, dass wir in einem christlichen Land leben, rufen wir dazu auf, dass Frauen hierzulande sich christlich kleiden sollten. Maria, die Mutter von Jesus, hat vorgelebt, wie eine christliche Frau sich zu kleiden hat. Es wäre also für einige Frauen sehr empfehlenswert Maria als Vorbildfunktion zu nehmen und nicht Lady Gaga.“ Muslimstern am 7. Januar 2016

„Es gibt auch im Karneval oder auf dem Oktoberfest immer wieder sexualisierte Gewalt gegen Frauen. Ein großer Teil der derzeitigen Empörung richtet sich aber nicht gegen sexualisierte Gewalt, sondern auf die Aussagen, dass die potenziellen Täter nordafrikanisch und arabisch aussehen.“ Claudia Roth am 8. Januar 2016

„Ehrlich gesagt, massenhafte Vergewaltigungen oder Ansätze davon in der muslimischen Welt, das ist wirklich ein Ammenmärchen.“ Aiman Mazyek am 13. Januar 2016

Quintessenz:

Josef Schuster, der Zentralratsvorsitzende der Juden in Deutschland, sagte im November 2015:

„Viele der Flüchtlinge fliehen vor dem Terror des Islamischen Staates und wollen in Frieden und Freiheit leben, gleichzeitig aber entstammen sie Kulturen, in denen der Hass auf Juden und die Intoleranz ein fester Bestandteil sind. Denken Sie nicht nur an die Juden, denken Sie an die Gleichberechtigung von Frau und Mann oder den Umgang mit Homosexuellen.“

Für diesen richtigen Satz wurde Schuster vehement von allen möglichen selbsternannten „Anti-Rassisten“ angegriffen. Richtig bleibt, wer den eliminatorischen islamischen Antisemitismus und den Terrorismus von der Hamas bis zum Islamischen Staat ignoriert oder verharmlost, wer das islamische Frauenbild mit seinen Verschleierungsgeboten, seinen sexuellen Verboten und Scharia-Gesetzen nicht eindeutig kritisiert, wer die Frauenjagden von Köln und Kairo mit ihren Einkreisungstaktiken verharmlost oder relativiert und wer gegen die Verfolgungen von Homosexuellen in der islamischen Welt nicht unmissverständlich protestiert ist mit seiner Ideologie ein Angriff auf die Zivilisation.

Arabische Frauenjägergruppen erklärten zu Sylvester in Köln Frauen zu Freiwild und agierten mit ihrer „Tahir-Platz-Taktik“ („taharrush gamea„) aus einer Gruppe von rund tausend Männern. Dabei kreisten die, vermutlich durch ihre islamische Sozialisation, sexuell frustrierten Männer in Gruppen von zehn bis zu fünfzig Mann die Frauen für ihre sexuellen Übergriffe und Raubdelikte ein. Zumindest Teile dieser „Tausend- Männer-Gruppe“ verstellten der Polizei absichtlich den Weg um die hilferufenden Frauen wehrlos zu halten. Rund 650 Anzeigen (circa 45 % davon wegen sexueller Übergriffe bis zur Vergewaltigung) gingen bis jetzt bei der Polizei in Köln ein.

Es gilt allen Formen der Barbarisierung, von den islamischen, antisemitischen, frauenfeindlichen Banden über die antisemitischen Pseudolinken wie den deutschen Nazibanden, entschieden entgegen zu treten und ihren gemeinsamen Nenner zu betonen.

Update 17.1.2016

Der von der mittlerweile islamistischen Türkei inhaftierte Fernseh- und Zeitungsjournalist, der Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar schreibt aus seiner Zelle:

„Das, was in der Silvesternacht in Köln passiert ist, kam uns Türken wohlbekannt vor. Es war dasselbe, was sich jedes Jahr auf dem größten Platz von Istanbul, dem Taksim-Platz, zuträgt. Ein Ausdruck einer konservativen Machokultur und des Hungers auf Frauen, den diese selber produziert; Ausdruck einer Kultur, die in der Schule, bei der Arbeit, in allen Bereichen des Lebens Frauen von Männern trennt und versucht, sie in ihrer Rolle als Mütter zu Hause einzusperren.

In der Türkei kämpfen seit Jahren Frauen und Männer unter Lebensgefahr gegen dieses Weltbild und für ein laizistisches, modernes Leben und eine demokratische Republik. Sie sind davon überzeugt, dass man sich nicht mit den Symptomen, sondern mit den Ursachen auseinandersetzen und eine Politik entwickeln muss, die diese Ursachen bekämpft.

Auf welcher Seite aber stehen die westliche Welt und die Europäische Union und insbesondere Deutschland und Frau Merkel, wenn diese beiden verschiedenen Auffassungen in Istanbul oder in Köln aufeinanderprallen? Wir kennen die Antwort auf diese Frage. Und genau darum lächeln wir bitter, wenn wir von Merkels harter Reaktion auf die Angreifer von Köln hören.

Doch Antworten wie “Lasst uns die Grenzen schließen”, “Lasst uns die Flüchtlinge aus dem Land jagen”, “Lasst uns Geld bezahlen, damit sie in einem fernen Land in Lagern gesammelt werden” lösen das Problem nicht. Die Welt von heute ist zu kosmopolitisch, sie kennt keine sterilen Grenzen eines Kontinents, eines Landes oder auch nur eines Platzes.“

 

Der 30-jährige Krieg des Islam und die Flüchtlingswanderung

31. Oktober 2015

syrien Über den Zerfall der arabisch-islamischen Staaten, den Syrienkrieg, die Flüchtlingswanderung, den Islamischen Staat, den Niedergang des bürgerlichen Humanismus in Europa und die Neuordnung im Nahen Osten

Nach den historischen Niederlagen und Deformationen der Befreiungsvisionen fällt das überwiegende Bewusstsein auf allen Kontinenten in nationale, ethnische, tribale, religiöse, rassistische und faschistische Bindungen und Wahnvorstellungen zurück. In Europa kommt der bürgerliche Humanismus unter die Räder – nichts hat Angela Merkel so schaden können wie die humane Geste gegenüber Flüchtlingen. Pegida-Demonstranten hängen sie symbolisch an den Galgen, die „Frankfurter Allgemeine“ wirft ihr vor, sie habe „die Kontrolle über den staatlichen Herrschaftsraum und über die Zusammensetzung der Bevölkerung“ aufgegeben. Der linke Tribalismus antisemitischer Prägung wurde im Bestseller: „Der kommende Aufstand“ verbreitet. Besonders schonungslos schlägt die Regression im arabischen Raum zu, in dem der Islam sich seinen eigenen 30-jährigen Krieg genommen hat. Seit vier Jahren toben Schlachten, zerfallen Nationen in Emirate, Duodezstaaten und Domänen von Stämmen, Rebellenmilizen und Banden. Irak, Syrien, Libyen, Jemen existieren nicht mehr. Syrien ist mit 250.000 Toten und sieben Million Flüchtlingen die größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit.

Hinter den Kriegen im Nahen Osten und in Nordafrika steht die Auseinandersetzung um die regionale Hegemonie zwischen den sunnitischen und schiitischen Hauptmächten Saudi-Arabien und Iran, in die sich als dritte Macht der „Islamische Staat“ (IS) einmischt, dieses von Saudi-Arabien und Qatar gezeugte Scheusal, das sich verselbstständigte, im Irak, in Syrien und Libyen große Gebiete kontrolliert und dessen Kader in Gaza, Afghanistan, Tadschikistan, Usbekistan und Bangladesch unterwegs sind. Sein Einfluß beruht auf militärischer Stärke, Abschreckung und sunnitischen Stämmen, die etwa in Saddams Diktatur die privilegierte Klasse waren und durch die Machtübernahme der Schiiten ihre Privilegien verloren. Die Refinanzierung läuft über Ölverkäufe, Steuern und Raub. Im Unterschied zu den meisten Islamisten, die auf nationale Machtergreifungen setzen, strebt der IS die Überführung der Staaten in ein weltumspannendes Kalifat an. Die saudischen Herrscher mögen mit dem IS im Glauben vereint sein, allein sie lieben ihren Staat und die Geschäfte, die ohne den Westen nicht florieren. Die Türkei nutzt das Getümmel für Angriffe auf Kurden – aus Angst, sie könnten durch militärische Erfolge zu einem kurdischen Staat zusammenwachsen. Außerdem unterstützt die Türkei sunnitische Rebellenarmeen gegen Assad. Für eine neue Eskalationsstufe sorgt Russlands Kriegseintritt an der Seite der schiitischen Front, zu der Baschar al-Assads Syrische Armee, der Iran, die Hizbullah und der nicht von Kurden und dem IS kontrollierte Rest-Irak gehören.

Die Militärschläge des Westens gegen arabische Despoten sind gründlich schief gegangen. Aber die Schuldzuweisung von Journalisten, Nahostexperten und antiamerikanischen Linken, die USA hätten dadurch Chaos angerichtet, spricht Kim Jong Un aus der Seele, offenbart die Liebe zur ordnenden Hand des Diktators, liegt politisch auf dem Niveau, die Diktatur vor der Diktatur in Schutz zu nehmen, und spricht Arabern die Fähigkeit zum eigenen Denken und Handeln ab. Kein Mensch muss, wenn der Despot weg ist, Ethnien vertreiben, Andersgläubige ermorden, Frauen und Mädchen kidnappen, Journalisten köpfen und Denkmäler sprengen. Das geschieht aus eigener Tradition, religiösem Wahn, Mordlust und Machtkalkül. Und, dass bei Assad weniger Kopftücher getragen werden, legitimiert nicht den Fassbombenkrieg gegen die Zivilbevölkerung. Ein spezielles Phänomen ist in der Partei „Die Linke“ zu beobachten. Dort ist eine Fraktion außenpolitisch bei der alten Sowjetunion stehengeblieben. Sie sieht in Wladimir Putin, dem Paten des russischen Oligarchen-Kapitalismus, die Reinkarnation von Leonid Breschnew und kämpft an der Seite des Freundes gegen den „bösen Westen“. Jeder vom Westen angegriffene oder kritisierte Tyrann wird von ihr als Held der Stabilität oder des Widerstands gehuldigt. Das Kalte-Krieg-Muster und der deutsche Hang zur autoritären Ordnung lässt sie zum Partner von Despoten werden.  Hinter ihrem Vorwurf, die Vereinigten Staaten zögen sich verantwortungslos aus dem Nahen Osten zurück,  steht der heimliche Wunsch nach russischen Protektoraten.

Dass Merkel „zur Bekämpfung der Ursache der Flüchtlingskrise“, die vor allem eine Krise des europäischen Humanismus ist, auch mit Assad sprechen würde, und in Libyen wegen der Schleuserei „eine Einheitsregierung vorantreiben“ will, klingt irgendwie drollig. Mach mal Einheit in einem Land, das nicht mehr existiert! Und über was soll mit jemandem geredet werden, der nichts mehr zu sagen hat? In Libyen herrschen die von Europa anerkannte Clique in Tobruk und die Gegenallianz in Tripolis über je 15 Prozent des Landes, zehn Prozent kontrolliert der IS. Im größeren Teil des Landes kämpfen verschiedene Islam-Milizen, die Tuareg, andere Stämme und Warlords um Oasen, Bohrlöcher und Wegezoll für den Schmuggel von Drogen und Menschen. Die Überreste von Syrien, die noch unter formaler Herrschaft von Assad stehen, umfassen etwa 20 Prozent des Landes, den Siedlungsraum der Alawiten (schiitische Glaubensrichtung). Aber selbst dieser Küstenstreifen ist umzingelt und durchdrungen von Rebellen-Milizen, etwa der „Dschaisch al Fatah“, die von Saudi-Arabien, Qatar und der Türkei gesponsert wird und zu der die Nusra-Front (Al Qaida) gehört, die in Damaskus nur sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt steht, von der Freien Syrischen Armee (FSA), den Islamisten der Ahrar al-Scham, die zum Dachverband „Armee des Sieges“ gehören, den kurdischen Milizen und natürlich dem IS, der das größte Gebiet kontrolliert. 70 Prozent der syrischen Bevölkerung sind Sunniten.

Die Eskalation, Russlands Interessen und die neue Lage im Nahen Osten
Durch den Kriegseintritt Russlands droht schon deshalb eine Eskalation, weil russische und amerikanische Kampfjets im selben Luftraum kreisen. Jede Kollision, jeder irrtümliche Abschuss kann die Weiterung auslösen. Da der asymetrische Krieg den Piloten kaum klare Ziele bietet, sind Querschläger normal. Die vier umherirrenden russischen Marschflugkörper sind zum Glück im Iran explodiert, sie hätten auch Passagiermaschinen auf dem Weg nach Südostasien oder die Türkei treffen können. Als russische Jets in den türkischen Luftraum eingedrungen waren,  drohte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu den Russen an, dass die türkische Luftwaffe im Wiederholungsfall das Feuer eröffnen werde, und der Nato-Generalsekretär bot der Türkei die schnelle Eingreiftruppe an. Die diplomatische Eiszeit und differierende militärische Ziele behindern die Koordination der Luftschläge. Russland beschießt jede syrische Oppositionsgruppe, die das Assad-Regime gefährdet.

Die größten Gefahren gehen von der Unvereinbarkeit der Interessen und Russlands überbordenen Drang nach Weltgeltung aus. Der Westen ist oft verblüfft und empört. Er half beim Sturz von Despoten und wunderte sich, dass Islamisten und Warlords das Vakuum füllten, statt Harvardabsolventen. Heute erstaunt ihn, dass Russland nicht an seiner Seite gegen den IS kämpft. Der Westen muss sich neu orientieren. Bisher schien nur er ein Abo auf globale Ordnungskriege zu haben, während Russland nur dann und wann im sowjetischen Grenzland eingriff. Russland schießt ab sofort auch fern der Heimat aus allen Rohren, und sein Partner China wird nicht lange auf sich warten lassen. Während die West-Koalition eher halbherzig IS-Stellungen bombardiert, weil die USA noch immer am schlechten Image laborieren und größere Konflikte in Asien auf sich zukommen sehen, zieht Russland an der Seite der schiitischen Front in den Krieg.

Dabei kommt es Russland nicht auf Assad an. Er ist für den Übergang von Nutzen, danach wartet auf ihn das Moskauer Luxus-Asyl oder der Tod. Russland will das von der Syrischen Armee kontrollierte Rest-Syrien arrondieren und sichern, um den alawitschen Siedlungsraum in einen russischen Vasallenstaat zu verwandeln – als Brückenkopf in den Nahen Osten. Russland will sich einnisten – mit Marinehafen und Luftwaffenbasis, Flugabwehrsystemen und Abfangjägern als Luftverteidigungszone gegen Flieger des Westens – und sich weltweit als kriegsfähige Ordnungsmacht profilieren. Putin richtet in Bagdad eine russisch-syrisch-iranische Militär- und Geheimdienststelle ein, erklärt sich  bereit, den Luftkrieg auf den Irak auszudehnen und bei Bedarf die „Freiwilligenbrigaden“ aus der Ostukraine als Bodentruppe anzukarren. („Der Kreml hatte zuletzt den Einsatz von Bodentruppen in Syrien nicht mehr ausgeschlossen, sollte Damaskus darum bitten,“ FAZ). Russland sichert dem Iran die Zugangswege zur libanesischen Hizbullah und damit zur Grenze Israels. Dem Iran geht es neben seiner Machtausdehnung immer auch um die Beseitigung Israels. Noch im September verkündete Irans Ayatollah Khamenei die Auslöschung Israels in 25 Jahren. Das klingt etwas großmäulig, erklärt aber die Absicht. In seiner neuen Rolle äußert Russland sich ebenfalls „besorgt“ über Israels Angriffe auf syrisches Gebiet, die die Aufrüstung der Hizbullah mit Raketen und Chemiewaffen verhindern sollte, und Israel fordert Russland auf, sich bei seinem Luftkrieg von den Golanhöhen fernzuhalten.

Wenn Russland keine Wiederholung des sowjetischen Debakels in Afghanisten erlebt, was immerhin möglich ist, verändert sich die Lage im Nahen Osten erheblich. Israel und die Türkei haben in Zukunft das russische Militär in unmittelbarer Nachbarschaft. Am Boden und im Mittelmeer. Die Hizbullah wird neben dem Iran auch Russland an ihrer Seite haben. Der Iran würde seinen Einfluss auf Syrien, den Irak und den Libanon festigen können. Seine  Revolutionsgarden ziehen in Syrien bereits Lehr- und Zuchtanstalten hoch, wie der IS auf der anderen Seite der Front. „Assad will die Iraner als Kämpfer, aber sie mischen sich immer stärker ideologisch in die inneren Angelegenheiten ein“ (ein alawitischer Kommunist).  Saudi-Arabien und der Iran operieren in ihrem Ringen um die regionale Hegemonie im Nahen Osten zugleich mit Milizen, konfessionellen Zwängen und ethnisch-klerikalen Säuberungen. Im Irak wurden die Jesiden vertrieben, In Syrien wird der Menschenaustausch vereinbart: Schiiten siedelten von Fua und Kefraja in den Süden, Sunniten hatten Sabadani zu verlassen.

Moskaus einseitiger Krieg radikalisiert die Kontrahenten im islamischen Lager, fördert die Annhäherung der syrischen Opposition, die es nun zusätzlich mit der militärischen Weltmacht Russland zu tun bekommt, an den IS, und fordert Saudi-Arabien, andere Golfstaaten, die Türkei, die USA und die Nato heraus. Wer will Russland den Nahen Osten überlassen und die Garden der Ayatollahs bis Israel und Saudi-Arabien vorrücken lassen? Saudi-Arabien, das schon im Jemen Krieg gegen die vom Iran bewaffneten Huthi-Rebellen führt, hat Militärschläge zum Sturz von Assad angekündigt. Das kommt einer Kriegserklärung an Assads Schirmherren Russland gleich. Wie lange wird das – auch aus Deutschland – bis an die Zähne bewaffnete Saudi-Arabien dabei bleiben, nur „seine“ sunnitischen Stellvertreter-Milizen zu bewaffnen und kämpfen zu lassen, statt selbst einzugreifen.

41 Rebellengruppen (ohne Nusra-Front und IS) haben zu einer Koalition gegen „die russisch-iranische Besatzungsallianz“ aufgerufen. Die USA bilden eine Bodentruppe aus 20.000 kurdischen Peschmerga und YPG-Milizen. Eine kleine Regionalmacht, wie Barack Obama spöttisch meinte, ist Russland nicht. Andererseits könnte Russland darauf zurückfallen, denn der Krieg belastet seine gebeutelte Wirtschaft, macht Russland zum Feind der arabischen Staaten und importiert den asymetrischen Krieg.

Die Interessen des Westens
Anders als Putin, der Russland in Abenteuer stürzt wie einst W.W.Bush die Vereinigten Staaten, ist es Barack Obama gelungen, die USA im arabischen Raum zu verankern. Sie unterhalten Militärbasen in Saudi-Arabien, Qatar, Kuweit, Vereinigte Arabische Emirate (VAR), bilden in Jordanien Milizen aus, können sich auf die Kurden verlassen. Die USA und Europa verfolgen zwei Ziele. Die Beseitigung des IS, dessen Expansion den arabisch-islamischen Raum einer Kapitalverwertung entzöge und den Fanatikern die Hoheit über Rohstoffbasen und Weltmarktpreise verschaffte. Wo der IS herrscht, lassen sich keine Solarfabriken und Wolkenkratzer bauen und nur Waffen verkaufen, sonst nichts. Zweitens geht es um die Befriedung und Stabilisierung des Nahen Ostens und Nordafrikas, damit die Flüchtlingswanderung „vor Ort“ gestoppt werden kann. Die Flüchtlinge verändern die europäische Außenpolitik. Einst wurde die Türkei behandelt, als stünde sie vor Wien, heute wird Erdogan, wenn er denn Flüchtlingslager einrichtet, der rote Teppich ausgerollt.

Durch den tief verwurzelten europäischen Rassismus sieht Europa den Rest seines Zusammenhalts gefährdet. In Jordanien sind 20 Prozent der Einwohner syrische Flüchtlinge, in Deutschland setzt bei einem Prozent das Überforderungssyndrom ein, in Ungarn schon bei einem Flüchtling. Der europäische Zusammenhalt ist bereits durch nationale Konkurrenzen, die Umverteilung der Werte in die Zentren, die deutsche Hegemonie, durch nationalistische und regionalistische Zentrifugalkräfte gefährdet. Nun droht der schwelende Streit zwischen dem modernen humanistischen Lager und den abendländischen Blutsbewahrern und Faschisten zu eskalieren und Europa weiter zu zerreißen. Verbarrikadieren die Länder sich, rollen sie Stacheldraht aus, wann wird geschossen? Lothar de Maiziere stellte nach dem 490-sten Brandanschlag fest, in Deutschland seien „die Zivilisationsschranken gefallen“. Jörg Baberowski, Historiker an der Berliner Humboldt-Universität, drückt das mal so aus: Durch die Flüchtlinge käme ihm der deutsche „Überlieferungszusammenhang“ abhanden. Er könne mit Syrern nicht gut über das „gemeinsam Erlebte, Gelesene und Gesehene“ reden, also nicht über Ostpreußen, Nationalsozialismus, Judenmord, „Mein Kampf“ und „Der Butt“. Armer Professor. Obwohl: „Mein Kampf“ ist im arabischen Raum ein Bestseller.

Wenn es nach Merkel und Managern der Großindustrie ginge, würden mehr Flüchtlinge ins Land kommen und der industriellen Nutzung zugeführt, um dem demografischen „Wandel“ rechtzeitig entgegenzuwirken. Begehrt sind Syrer, weil sie überwiegend gut qualifiziert und jünger als 35 sind. Dieter Zetsche von Daimler sieht in den Flüchtlingen eine „Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder, so wie die Millionen in den 50er- und 60er-Jahren“. Die Handelskammern beklagen den „ausufernden Fremdenhass“ in ganz Europa. „Der Fachkräftemangel ist ein Flaschenhals in der Entwicklung“ Europas. Tschechien und Slowakei könnten „qualifizierte Einwanderer gut gebrauchen“, sie blockierten aber aus „diffusen Ängsten“ die industrielle Entwicklung ihrer Länder und damit ihre eigenen Einkommen. Wenn Merkel für eine politische Nahostlösung „unter Einbeziehung Russlands“ wirbt, spricht sie auch für die deutsche Wirtschaft, die die Sanktionen gegen Russland beenden will. Die EU will die Sanktionen zunächst für vier Monate aussetzen.

Die Lösung
Die Geschichte spielt dem Westen manchmal Streiche. Gestern noch als das Böse gebrandmarkt, zeugen Millionen Moslems, die vor ihren Glaubensbrüdern in den Westen fliehen (nach Russland will keiner) von einem Stimmungswandel. Muslime beten Angela Merkel, die sich zwischen Martin Luther und Atheismus zu Hause fühlt, als Schutzheilige an, suchen Unversehrtheit, Ausbildung, Arbeit und jenen Frieden, der in der islamischen Welt nicht zu haben ist. Werte immerhin, die sich wohltuend abheben von der letzten Massenflucht in Deutschland, deren Ziel die D-Mark war. Aber geostrategisch dehnen sich Russland und der Kopf-Ab-Islamismus aus – noch jedenfalls.

Die Perspektive ist trostlos, weil der Sieg der einen Front so grausam ist wie der Sieg der anderen, und der emanzipatorische Widerstand klein ist. Die iranische Ayatollah-Diktatur nimmt es bei der Todesstrafe mit Saudi-Arabien auf und liegt im Judenhass noch vor dem Konkurrenten. Was die Familie, Erziehung, Freiheit für Frauen angeht oder die Frage, ob Schwule ein Recht auf Leben haben oder von ihren Brüdern ermordet werden müssen, darin sind die Unterschiede marginal. Die Lösung ist also einfach und planetarisch weit entfernt. Dem arabisch-islamischen Raum fehlt die kulturelle Hegemonie des Atheismus, Feminismus und Kommunismus, die für die Aufhebung von Klassen, Religionen, Männer- und Stammeskulturen sorgt. Wer damit anfängt, wird leider geköpft. Man wird wohl warten müssen, bis der Zustand der Erschöpfung eingetreten ist. Wann das sein wird? Sobald die Kreuzfahrtschiffe wieder anlegen.

——

Die Einstellung dieses Gastbeitrages für Mission Impossible erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors. Am 19.10.2015 veröffentlichte Rainer Trampert diesen Artikel auf seiner Homepage und in gekürzter Form in Konkret 11/2015. Von Rainer Trampert erschien im letzen Jahr das Buch “Europa zwischen Weltmacht und Zerfall” im Schmetterling-Verlag Stuttgart (240 Seiten, 14,80 Euro).

Weitere Informationen auf der  Homepage von Rainer Trampert: http://www.rainertrampert.de/

Der Fall Jakob Augstein

12. August 2015

„Es gibt wieder ziemlich viele Antisemiten; aber die meisten Antisemiten sind heute solche, die nicht so genannt werden wollen“ Detlev Claussen

jaIn der Antisemitismusforschung wird zwischen christlich-religiösem Antijudaismus und dem sich im 19. Jahrhundert entwickelnden modernen Antisemitismus unterschieden. Freilich wurden die alten antijüdischen Stereotypien im modernen Antisemitismus integriert. Nach Auschwitz erfährt der Antisemitismus in den postnationalsozialistischen Gesellschaften einen Zeitenwandel in seiner Ausdrucksweise. Nach dem Völkermord an den Juden verschwand zwar die Judenfeindschaft nicht aus den Köpfen, doch konnten die alten antisemitischen Hetzreden nicht mehr so ohne weiteres straffrei ausgesprochen werden. Der Antisemitismus passte sich vor allem in den postnationalsozialistischen Gesellschaften den neuen Gegebenheiten an. Der Begriff des sekundären Antisemitismus versucht diese Veränderungen zu erklären. Der sekundäre Antisemitismus ist geprägt aus Motiven der Schuld-, Verantwortungs- und Erinnerungsabwehr. Beispielshalber sind die Leugnung oder die Relativierung von Auschwitz, die Forderung eines Schlussstrichs über die nationalsozialistische Vergangenheit oder Vergleiche zwischen der israelischen Politik und dem Nationalsozialismus Merkmale einer antisemitischen Rhetorik nach 1945. Um die deutsche Schuld zu relativieren, werden Juden mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht, um damit eine Täter-Opfer-Umkehr zu vollziehen. So wird der Nahostkonflikt von „Israelkritikern“ nach 1945 oftmals in manichäischer Art wahrgenommen und die Politik Israels in verzerrender Weise dargestellt. Um die antisemitischen Aspekte vermeintlich „israelkritischer“ Äußerungen zu erkennen, entwickelte der israelische Politiker Nathan Sharansky die sogenannten „drei D“: Doppelstandards, Delegitimierung und Dämonisierung. Laut Monika Schwarz-Friesel sind die „drei Ds“ Folgen „einer derealisierenden Sprache, die ein ‚Feindbild Israel‘ erzeuge, ‚das zwar mit der Realität nicht kompatibel ist, dafür aber exakt das repräsentiert, was dem judeophoben Weltbild entspricht und das damit genau die ihm zugewiesene Funktion erfüllt‘“

In ihrer Studie „Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs – Eine Analyse des Falls Jakob Augsteins“ untersuchen die Soziologen Lukas Betzler und Manuel Glittenberg die Kolumnen Jakob Augsteins mit einem kognitionslinguistischen Ansatz, der sich an der Methode von Schwarz-Friesel und Reinharz orientiert.

Wenn beispielsweise der Staat Israel mit antisemitischen Stereotypen assoziiert wird, dann handelt es sich eindeutig um Antisemitismus. Die Vorstellung einer klandestinen jüdischen Weltverschwörung ist eines der zentralen Merkmale des Antisemitismus. Ein Beispiel dafür lieferte Jakob Augstein am 6.4.2012 in seiner Spiegel-Online-Kolumne „Es musste gesagt werden“: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“

Augstein sieht außerdem in seiner Kolumne, wie sein „israelkritisches“ Idol Günter Grass, in Israel den Gefährder des Weltfriedens: „Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.” Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“

Angesichts der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt, damals und heute, ist die Behauptung Israel gefährde einen imaginierten Weltfriedens eine Dämonisierung des Judenstaates. Die Aussage reproduziert das antisemitische Stereotyp die Juden seien „Weltbrandstifter“ und damit das „Böse schlechthin.“ Augstein knüpft in seinem Text mit der Metapher „ein Aufschrei“ und „weil ein Deutscher ihn sagt“ an die sekundär-antisemitische Vorstellung an, die Deutschen seien wegen des „jüdischen Meinungsdiktats“ übertrieben verständnisvoll gegenüber Israel. Grass wird von Augstein als Erlöser inszeniert, der „für uns alle“ die Bürde auf sich nahm die Wahrheit auszusprechen. Augstein und Grass belegen: Die Spezifik des deutschen Antisemitismus ist seine Entlastungsfunktion. In der lehrreichen antisemitismuskritischen Textanalyse von Betzler und Glittenberg werden weitere acht Kolumnen Augsteins analysiert die zwischen Februar 2011 und Dezember 2014 in Spiegel Online veröffentlicht wurden. Dabei werden Augsteins zahlreiche Stereotype des Antisemitismus wie sein ausgeprägter Antiamerikanismus eindrucksvoll belegt.

Lukas Betzler und Manuel Glittenberg schreiben in ihrem Fazit über die Sprache Augsteins: „Die Analyse der Inhalte und der verbalen Formen der Äußerungen Jakob Augsteins zeigt, dass sich dessen Antisemitismus ganz überwiegend in antiisraelischer Form artikuliert. Das Referenzobjekt des Antisemitismus verschiebt sich also von „den Juden“ auf den Staat Israel, er verliert dadurch jedoch nicht seinen antisemitischen Gehalt: Ganz überwiegend hat Augsteins „Israelkritik“ nichts mit kommunikativ legitimer Kritik an Israel gemeinsam. In den analysierten Texten werden zahlreiche antisemitische Stereotype auf Israel angewandt. Derealisierungen zeichnen ein verzerrtes Bild vom Staat Israel und den Israelis, wodurch diese dämonisiert werden und jener delegitimiert wird. Israel wird mit starken Stigmawörtern belegt und durch die Verwendung von Lexemen aus der NS-Terminologie oder von Signalwörtern mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt. Das Existenzrecht Israels wird zwar nicht offen in Frage gestellt, doch eine Delegitimierung Israels ist in vielen Fällen die Folge dämonisierender und derealisierender Äußerungen. An Israel wird ausnahmslos ein unikaler Bewertungsmaßstab angelegt: Das Recht auf Selbstverteidigung wird dem Staat abgesprochen, Maßnahmen zur Verteidigung werden zu „kolonialistischem Unrecht“ umgedeutet. Die moralische Abwertung Israels dient dabei auch einer Entlastung und Relativierung von historischer Schuld. Auch Augsteins Sprechen über den Antisemitismus ist in vielen Fällen antisemitisch, etwa wenn (jüdischen) Antisemitismuskritikerinnen die Schuld an der Ausbreitung des Antisemitismus gegeben, ein „Kritiktabu“ in Bezug auf Israel behauptet oder die Vorstellung einer von Israel kontrollierten öffentlichen Meinung evoziert wird.“

In der Diskursanalyse der Augstein Debatte werden die Verteidiger Augsteins von den Autoren schonungslos demaskiert. Nach der Veröffentlichung der TTAS-Liste des Simon-Wiesenthal-Centers wurde eine breite Debatte in den Medien ausgelöst. Fünf Textfragmente aus Jakob Augsteins SPIEGEL-Online Kolumne beschertem diesem den neunten Platz der „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs 2012″. Vielfach fand eine scharfe, aber substanzlose Zurückweisung des berechtigten Antisemitismus-Vorwurfs statt. Viele Journalisten, unfähig Antisemitismus zu begreifen,  fühlten sich offenbar selbst ertappt. Ebenso wurde in der Politik von Gregor Gysi (Linkspartei) bis Julia Klöckner (CDU) Partei für Augstein ergriffen. Sie argumentieren, Augstein übe zwar scharfe, aber legitime Kritik an der israelischen Regierung, und kritisieren das SWC dafür, Augstein deshalb Antisemitismus vorzuwerfen. Den vielen Verteidigungen Augsteins entsprechend titelt die FR: „Viel Rückendeckung für Jakob Augstein.“ Neben Clemens Wergin in der Welt widersprach noch Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, zu diesem Zeitpunkt der Deutung, Augstein betreibe „Israelkritik“ und verbreite keinen Antisemitismus. Im weiteren Verlauf der Debatte zeichnete sich allerdings bald eine Veränderung ab. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Aussagen Augsteins, allerdings mit wesentlich „geringerer diskursiver Präsenz,  als die Verteidigungen Augsteins zuvor“, fand nun statt.

In ihrer Schlussbetrachtung „Antisemitismus mit gutem Gewissen“ schreiben Lukas Betzler und Manuel Glittenberg: „(…) Die Textanalyse hat gezeigt, dass sich in Augsteins Kolumnen auf allen sprachlichen Ebenen Verbal-Antisemitismus finden lässt. Dieser Antisemitismus artikuliert sich dabei fast ausschließlich über den „Umweg“ Israel und überwiegend implizit. Israel wird mit antisemitischen Stereotypen assoziiert, es wird dämonisiert, delegitimiert und nach einem unikalen Maßstab bewertet. Dabei zeigte sich, dass Augsteins Wahrnehmung Israels und insbesondere des Nahostkonflikts stark von antisemitischen Deutungsmustern geprägt ist. Dass diese Mentalitätsbestände durch die lange Geschichte der Judenfeindschaft tief in den europäischen Gesellschaften verankert sind und immer noch das Denken und Sprechen über Juden – und seit 1948 auch über Israel – prägen, wird von Augstein jedoch nicht reflektiert. Diese fehlende Reflexion auf die Kontinuitäten insbesondere in der deutschen Gesellschaft verbindet und erklärt sich mit einem auf „Judenhass“ reduzierten Antisemitismusbegriff. So kommt es zu einer paradoxen Konstellation: Weil der antiisraelische Antisemitismus von vielen Menschen verkannt oder negiert wird, erscheint für sie Kritik an antiisraelischen Äußerungen – die eigentlich Ausdruck einer gesellschaftlichen Tabuisierung des Antisemitismus ist-, als Ausdruck einer Tabuisierung von Kritik an Israel. Dieser Mechanismus bedingt die verbreitete und auch von Augstein geteilte Vorstellung, jede/r Kritikerin Israels werde als antisemitisch diffamiert. In Wirklichkeit hat er jedoch einen entgegengesetzten Effekt: Die Kritik am antiisraelischen Antisemitismus wird von den Kritisierten und ihren VerteidigerInnen — sofern sie sich selbst nicht als Antisemiten sehen — als Antisemitismusvorwurf diffamiert, der Kritik an der israelischen Politik zu unterbinden versuche.

Eine weitere Folge dieses verkürzten Antisemitismus-Begriffs bei Augstein ist die Verkennung des Antisemitismus als eines entscheidenden Faktors für Israels Geschichte und Gegenwart. Die existenzielle Bedrohung, in der sich Israel durch den Terror der Hamas und durch die potentielle nukleare Bewaffnung des Iran befindet, lässt sich nur verstehen, wenn man den von diesen FeindInnen Israels vertretenen Antisemitismus als eine Ideologie ernst nimmt, die nach Verwirklichung drängt. Versucht man, das Handeln von Hamas, Hisbollah oder dem Iran ohne diesen Begriff des Antisemitismus zu erklären, entsteht eine Lücke, die anderweitig gefüllt werden muss. Antiisraelischer Antisemitismus, selbst in seiner mörderischen Form, wird darum häufig rationalisiert oder sogar negiert. Augsteins Kolumnen offenbaren darüber hinaus ein eklatantes Missverhältnis zwischen einem selbstbewussten Gestus des „Bescheidwissens“ und dem tatsächlichen Wissen. Augstein inszeniert sich selbst als Experte für Israel und den Nahostkonflikt, sein „Wissen“ ist dabei aber nur schematisch. Es sind zumeist formelhafte Allgemeinplätze, Floskeln und Schlagwörter, mit denen Augstein den Nahostkonflikt erklärt: Als verantwortlich für das Ausbleiben eines Friedens im Nahen Osten gelten ihm die israelischen Siedlungen, die israelische „Besatzungspolitik“, die israelischen „Vergeltungsschläge“ gegen TerroristInnen und die Unnachgiebigkeit der rechten Regierung. In seinen Texten offenbart sich nicht nur eine geringe Kenntnis und ein geringes Interesse an der Geschichte Israels und seinen gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, viele von Augsteins Aussagen über Israel sind zudem faktisch falsch. (…)

Der gegen Israel gerichtete „Antisemitismus mit gutem Gewissen“, der sich selbst für besonders kritisch und anti-antisemitisch hält, ist die im Mediendiskurs vermutlich am weitesten verbreitete Form des Antisemitismus. Der kurze Überblick über die Rezeption der Debatte im Feld der Antisemitismusforschung und der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit hat jedoch gezeigt, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Augsteins antisemitischen Äußerungen und der Augstein-Debatte bisher nicht in der Lage war, den dort artikulierten Antisemitismus theoretisch und begrifflich zu fassen. In der Antisemitismusforschung müsste daher das Bemühen um einen Begriff des antiisraelischen Antisemitismus verstärkt werden. Wir würden uns wünschen, dass unsere Analyse-Ergebnisse und die hier skizzierten Deutungsansätze Anknüpfungspunkte dafür bieten.“

Lukas Betzler/Manuel Glittenberg: Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs. Eine Analyse des Falls Jakob Augstein. Interdisziplinäre Antisemitismusforschung, Nomos-Verlag, Baden-Baden, 27. April 2015, ISBN 978-3848716722, 320 Seiten, 59 Euro

Friedens-Jugendcamp auf palästinensisch

21. Februar 2015

Rund 17.000 Kinder und Jugendliche zwischen 15 bis 21 Jahren nahmen vom 20. – 27. Januar 2015 wieder einmal an einem der beliebten Terror-Camps der Hamas im Gazastreifen teil. Zu den Aktivitäten im Camp gehören selbstverständlich Übungen mit scharfer Munition, Aufrufe zum Judenmord und alles garniert mit religiösen Gesängen. Der Zweck des Events ist es, den Kern einer Volksarmee zu bilden, deren Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten stammen und die Jugendlichen ideologisch wie militärisch auf den Jihad und den Kampf gegen Israel vorbereiten. Jugendliche Palästinenser erklärten ihre Teilnahme damit, weil sie lernen wollten, wie man israelische Soldaten entführt, ermordet und Jerusalem von den Juden befreit. Die Al-Qassam Brigaden warben für diese Lager in Moscheen, öffentlichen Plätzen und auf ihrer offiziellen Webseite. „Diese Gewehre machen Männer. So wird Palästina befreit werden. Ihr seid die Armee der Zukunft,“ meinte der Camp-Leiter Abu Hamza, als er die Teilnehmer ansprach.

Neben vielerlei ähnlicher Aktivitäten werden Kinder und Jugendliche von den offiziellen palästinensischen Medien regelmäßig zu Gewalt gegen Juden aufgehetzt. Im Kinderprogramm der Palästinenser besingt eine islamistische Mickey Maus eine „heldenhafte“ Mordtat an Juden und in einer anderen Sendung macht es einem Häßchen besonderen Spaß Juden zu essen. Die Hamas erzieht ihre Kinder zu Attentätern und Judenmördern. Deshalb wird erst ein Frieden möglich sein wenn die Palästinenser, die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie Juden hassen. Wenn palästinensische Jugendliche erwachsen werden und sich das Abendprogramm zu Gemüte führen, können Sie beispielsweise hören was ihren der Minister für religiöse Stiftungen der Hamas Abdallah Jarbu zu sagen hat: „Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“ Das Problem (nicht nur des Nahen Ostens) ist fraglos der Antisemitismus.

Deutsche „Israelkritiker“ blenden die faschistische antisemitische Ideologie, die hinter dieser Indoktrination steckt, freilich gerne aus. Für deutsche und europäische Antizionisten, also Antisemiten ist Israel die Gefahr für den Weltfrieden und für alles sonstige Unglück dieser Welt verantwortlich. Mit der Delegitimierung und Dämonisierung Israels, mit ihren Boykottaufrufen gegen jüdische Waren und der gleichzeitigen Ausblendung der Politik von Hamas, des IS, den islamistischen Regierungen des Nahen Ostens und anderer inhumanen Terrororganisationen machen sich die deutschen und europäischen „Israelkritiker“ zu den Handlangern der Islamisten, welche bekanntlich die Fahne Allahs, inklusive Scharia, über ganz Palästina wehen sehen wollen.

Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch.

Der Mord am Piloten Muaz al-Kasaesbeh und die ideologische Verwahrlosung der Pseudolinken

12. Februar 2015

rakkaIm Januar dieses Jahres haben die Gotteskrieger des Islamischen Staates den als Geisel genommenen jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib verbrannt. Nachdem die Islamisten den orangenen Overall des Piloten mit Benzin durchtränkten zündeten sie eine Benzinspur an, damit die Flammen auf den Käfig überschlagen. Als der Pilot in Flammen aufgeht rufen die Männer auf arabisch „Gott ist groß“. Die barbarische Tat nehmen die Dschihadisten in High Definition auf und machen einen 22-minütigen Film daraus. In den 15 Minuten die der Mordtat vorausgehen werden geborgene muslimische Bombenopfer der Alliierten, weinende Kindergesichter, auf Muslime zielende Drohnen, Kampfflugzeuge und vermeintliche Hetze gegen die Muslime und den Islam gezeigt. Es werden alle Motive bedient, die der Antiimperialismus von rechts bis links ständig anführt, wenn es darum geht islamische Barbarei zu rechtfertigen. In der nordsyrischen Stadt Rakka wurde dieser von religiösem Gesang untermalte Film unter dem Motto „Spaß für Muslime“ auf Großleinwänden vor einem begeistertem männlichen Massenpublikum ausgestrahlt. Freudestrahlend meint ein etwa zehn Jahre alter Junge bei einer Befragung der Vorstellung: „Ich bin sehr glücklich. Ich hätte ihn am liebsten mit meinen eigenen Händen verbrannt.“

Während einige muslemische Geistliche in der islamischen Welt die Tat verurteilen, rechtfertigten deutsche Sympathisanten die Tat. Für den vom Simon-Wiesenthal-Center ausgezeichneten „Israelkritiker“ Jakob Augstein ist die Verbrennung in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib keineswegs unmenschlich. In seiner Spiegel-Kolumne meint die Nummer Neun: „Der Tod des jordanischen Piloten Moaz al-Kassasbeh hat die Welt in Schrecken versetzt. Was für ein Verbrechen! Barbarisch? Ja. Unmenschlich? Leider nein. Wir alle sind Lehrmeister des Grauens.“ Mit „wir“ meint Augstein den Westen. Amerikaner haben im zweiten Weltkrieg Bomben geworfen und dass ist für den Herausgeber des „Freitags“ genauso barbarisch wie der islamistische Terror.  Dass die Bomben der Alliierten Auschwitz und den Rest der Welt von der deutschen Nazibarbarei befreiten versteht Augstein ebenso wenig wie die Kompatibilität der Ziele von Islamisten und Nazis. Augstein beruft sich auf die „Israelkritikerin“ Sahra Wagenknecht von der Linkspartei, er schreibt weiter: „Nach dem Angriff auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht gesagt: „Wenn eine vom Westen gesteuerte Drohne eine unschuldige arabische oder afghanische Familie auslöscht, ist das ein genauso verabscheuenswürdiges Verbrechen wie die Terroranschläge von Paris, und es sollte uns mit der gleichen Betroffenheit und dem gleichen Entsetzen erfüllen.“ Wagenknecht ging noch weiter und sagte: „Auch die Bundeswehr ist für den Tod unschuldiger Menschen in Afghanistan verantwortlich.“

Im „Neuen Deutschland“ verharmlost der „Israelkritiker“ Emran Feroz die Verbrennung des Piloten: “Auch christliche Milizen foltern und ermorden ihre Geiseln. Nur schaffen es diese selten in die Schlagzeilen.” Nachdem er den IS mit mexikanischen Drogenkartellen gleichsetzt schreibt Feroz: “Dass sich nun die – gelinde gesagt – autoritäre jordanische Regierung als humaner und menschenrechtsfreundlicher Counterpart zum IS präsentieren will, ist ein absoluter Witz. Seit Jahren arbeitet Jordanien Hand in Hand mit den USA im „Krieg gegen den Terror“ zusammen. Das Land gehört zu den bekanntesten Folterhöllen der Welt. In den jordanischen Kerkern wurden tagtäglich Extremisten gezüchtet, die das Regime abgrundtief hassen.” Emran Feroz schrieb bereits für den antizionistischen “Freitag” von Jakob Augstein proiranische und antiisraelische Artikel, für die er dann von der iranischen Propagandazeitung “Kayhan” gelobt wurde.

Augstein, Wagenknecht und Feroz und wie sie sonst noch alle heißen verstehen sich als Linke. Die widerliche Kumpanei mit Islamisten, der damit verbundene antisemitische Hass auf Israel, die Ablehnung jedes liberalen westlichen Lebensstils,  der überholte Antiimperialismus,  der blinde Antiamerikanismus sowie der Verrat an den Werten der Aufklärung dieser Pseudolinken belegen ihre ideologische Verwahrlosung. Der Islamismus mit seinem Antisemitismus, seiner Frauenfeindlichkeit, seiner Gewalt gegen Minderheiten und Andersgläubige und nicht zuletzt seiner faschistischen Ideologie steht gegen alles wofür Humanisten und Linke seit Jahrhunderten gekämpft haben.

Als der Göttinger „Mescalero“ 1977 seine „klammheimliche Freude“ über die Ermordung des Bundesanwalts Buback in einem anonymen Nachruf gestanden hatte, leiteten die Justizbehörden ein Ermittlungsverfahren ein. 140 Beschuldigte die den Artikel nachdruckten kamen vor Gericht. Ein 29-Jähriger wurde für die Verteilung des „Nachrufs“ zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Der Paragraph 129, 129a und 129b StGB wurde geschaffen. Sympathisanten, die kriminelle und terroristische Vereinigungen unterstützen können zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren verurteilt werden. Nach einer Gesetzesänderung des Jahres 2003 muss die unterstützte Organisation nicht in Deutschland ansässig und tätig sein. Die Unterstützung der islamistischen Vereinigungen des Nahen Ostens fällt demnach auch unter den Paragraph 129 StGB.

Das Wegsperren der deutschen Apologeten von Islamisten und Antisemiten ist freilich nicht die Lösung des Problems. Die „Israelkritiker“ und Islamistenversteher würden sich hinter Gittern nur noch mehr radikalisieren und vermutlich selbst zu Waffe, Schwert oder Zündholz greifen. Besser ist nach wie vor Aufklärung und die Parole: Macht euch nicht mitschuldig und kauft bitte nicht ihre Zeitungen (DerSpiegel, Neues Deutschland, DerFreitag, Junge Welt, …)!

Das Kopftuch

3. Februar 2015

claudiaFrauen werden in islamistischen Ländern als Menschen zweiter Klasse behandelt.  Je frommer die islamischen Machthaber, desto strenger sind zum Beispiel die Kleidungsvorschriften für die Frauen. Beim Ausgang der Frau in die Öffentlichkeit muss sie sich verhüllen, fremde Männer dürfen weder das Gesicht oder das Haar von fremden Frauen sehen. Burkaträgerinnen müssen sich in der Öffentlichkeit, neben der Zwangsverschleierung, zudem stets fünf Schritte hinter ihrem Mann bewegen.

Im Iran werden Frauen nach außerehelichem Geschlechtsverkehr, beispielsweise nach einer Vergewaltigung, zum Tod durch Steinigung hingerichtet. Per Strafgesetz, basierend auf der islamischen Scharia, werden die Frauen eingegraben und anschließend mit Steinen ermordet, dabei ist penibel die Größe der Steine und die Reihenfolge der Werfer festgelegt. Frauen müssen im Iran ihr Haar mit einem Kopftuch verdecken und weite Gewänder tragen, die verhindern sollen, dass sich ihre Figur darunter abzeichnet. Iranische Frauen die gegen diese Kleiderordnung verstoßen, also kein Kopftuch tragen und damit ihr Haar offen zeigen, werden im Iran zu Gefängnis oder zu Peitschenhieben verurteilt. Viele Frauen im Iran protestieren gegen diese islamische Unterdrückung, tragen den Schleier locker und riskieren dadurch eine archaische Bestrafung. Beispielsweise postete die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh ein Video ihres unbedeckten Kopfes, worauf unverzüglich ihre Gefängnisstrafe verlängert wurde. Auch Verstöße im Ausland werden geahndet. Die iranische Schauspielerin Marzieh Vafamehr wurde im Jahr 2011 zu 90 Peitschenhieben und einem Jahr Gefängnis verurteilt , weil sie in einem australischen Film an mehreren Stellen mit kahlgeschorenem Kopf und ohne Kopftuch auftrat.

Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Bundestages, war für fünf Tage im Januar zusammen mit einer Delegation des Bundestages (u.a. Dagmar Wöhrl, CSU,  auch mit Kopftuch) zu einem offiziellen Besuch im islamfaschistischen Iran. Claudia Roth verhüllte sich freiwillig, trug während ihres Besuches ein Kopftuch und fiel mit ihrer devoten Geste allen vom iranischen Regime brutal unterdrückten Frauen in den Rücken. Seit Jahren kämpfen Iranerinnen gegen den Verschleierungszwang der Mullahs und bezahlen ihren mutigen Kampf oftmals mit dem Leben um von der Delegation des Deutschen Bundestages mit Claudia Roth und Dagmar Wöhrl verhöhnt zu werden. Wenn in Deutschland jemand öffentlich seinen Hund mit 90 Peitschenhieben traktieren würde, dürfte es einen Aufschrei nicht nur innerhalb der Grünen geben, wenn der islamistische Gottesstaat Iran seine Bevölkerung auspeitscht, unterdrückt, foltert, steinigt, an Baukränen erhängt, den Holocaust leugnet, den Staat Israel mit einer Atombombe auslöschen will, dann ist Protest von „Israelkritikern“ wie Claudia Roth, die Israel im letzten Gazakrieg Unverhältnismäßigkeit vorwarf, selten zu vernehmen. Ausgerechnet zum 70-jährigen Jahrestag der Befreiung von Auschwitz traf sich Claudia Roth mit dem Holocaustleugner Ali Larijani und Massoumeh Ebtekar, der Sprecherin der Geiselnehmer in der amerikanischen Botschaft in Teheran anno 1979. Der grüne Dauerbrenner „Nutzung der Atomkraft“ war freilich für Claudia Roth kein Thema im Iran: „Wenn der Frieden nicht nur im Nahen Osten, sondern darüber hinaus wieder eine Chance bekommen soll, dann muss man jetzt dahin gehen, wo keine einfachen Lösungen zu erwarten und wo schwierige Gespräche zu führen sind.“ Wenn der Iran erst einmal die Atombombe hat, dann könnte es zum Frieden kommen, namentlich nach einem Atomschlag gegen den jüdischen Staat, diesen „großen zionistischen Satan“, wie der „moderate“ Reformer Hassan Rouhani ihn nennt. Auf ihrer Webseite schwafelt Frau Roth nach ihrer großen Reise über Menschenrechte und die Todesstrafe, wobei die Worte „Kopftuch“ oder „Zwangsverschleierung“ nicht vorkommen. Dafür forderte die grüne Frontfrau an anderer Stelle „das Recht für Frauen, auch als Lehrerin in der Schule ein Kopftuch zu tragen“.

Während die deutsche Appeasement-Politik mit dem Iran um ein Kapitel reicher geworden ist, hängt die dortige politische Emanzipation der Frauen weiterhin von einem regime change ab. Die moslemischen Migrantinnen der westlichen Diaspora leben, bei aller Kritik an den kapitalistischen Industriegesellschaften, in Ländern in denen die Menschenrechte auch für sie gelten. Voraussetzung für die Emanzipation dieser Frauen wäre ein integrationspolitischer Wandel. Kulturrelativistinnen wie Claudia Roth verraten jedoch die Vorzüge der Aufklärung und stehen diesem Wandel entgegen. „Kulturrelativisten sehen nicht, dass sie indem sie nichtwestliche Kulturen skrupulös von ihrer Kritik ausnehmen, die Träger dieser Kulturen in ihrer Rückständigkeit einzementieren. Das geschieht mit den besten Absichten, aber wie bekannt ist der Weg zur Hölle mit guten Absichten gepflastert. Es handelt sich um Rassismus in Reinform.“ (Hirsi Ali)

Der Verrat an den Frauen in den islamistischen Staaten, das Hofieren und Verharmlosen der islamistischen Regimes in Verbindung mit der überzogenen Kritik an Israel, dem einzigen humanen und demokratischen Staat im Nahen Osten, von Leuten die sich selbst als „Linke“ verorten, kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden.

Der Terror und die Unterdrückung der Frauen des „Islamischen Staates“, der immer offenkundiger werdende eliminatorische Antisemitismus der islamistischen Gotteskrieger von der Hamas bis zu den Terroristen von Paris bringt andererseits die „Israelkritiker“ und Islamversteher von den Grünen bis zur Linkspartei, von der TAZ über die Süddeutsche bis zum Spiegel, von der ARD über 3Sat bis zum ZDF in immer größer werdende Erklärungsnöte und zwingt sie zu immer groteskeren Verrenkungen. Nach den Anschlägen von Paris jammerte die Nummer Neun im Spiegel: „Die schlichte Wahrheit – dass es sich beim radikalen Islamismus um eine Perversion, nicht das Wesen dieser Großreligion handelt, wird zwar andauernd wiederholt, aber immer weniger geglaubt. Der eigentlich wahre und bedenkenswerte Satz: „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ wird zum Hohn gebraucht.“

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

27. Januar 2015

Am 22. Januar 2015 wurde im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas. David Greenfield (Democrat) hielt daraufhin eine Rede, die sich deutsche „Israelkritiker“ und Hamasversteher von Augstein über Grass bis Höger hinter die Ohren schreiben können:

“Ich zittere am ganzen Leib. Ich bin wütend. Ich sage aber auch frei heraus: Ich bin froh darüber, was wir hier heute zu sehen bekommen haben.

Seit Wochen hören wir immer wieder die selben Beteuerungen: “Nein, wir hassen Juden nicht. Wir mögen nur den Staat Israel nicht. Wir haben kein Problem mit Juden. Wir wollen nur nicht, dass ihr nach Israel geht!” Wir wissen aber, dass das nicht der eigentliche Kern der Aussage ist. Heute wurde es bewiesen!

Während wir über eine Resolution gesprochen haben, die sich mit den Morden an 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz-Birkenau beschäftigt, ich möchte betonen, neunzig Prozent davon waren jüdisch, aber die anderen zehn Prozent waren politische Dissidenten, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, dies waren die Menschen, die alle gemeinsam in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden, während wir darüber gesprochen haben, besaßen diese Leute die Frechheit, die Chuzpe, die Verwegenheit, die Flagge Palästinas zu entfalten und uns anzubrüllen, während wir über Auschwitz sprachen!

In Anbetracht dieser Störung können wir endlich damit aufhören, so zu tun, als ginge es hier nur um Israel, während in Wirklichkeit jedes Land, das heute im Nahen Osten existiert, nicht demokratisch ist, Menschen mit anderen Glauben verfolgt, Homosexuelle verfolgt, Menschen verfolgt, die widersprechen, Menschen verfolgt, die twittern, Frauen verfolgt, die Auto fahren, mit Ausnahme eines einzigen Landes: Israel!

Was wir heute hier gesehen haben, war nackter, blinder Judenhass! Das ist es, was wir gesehen haben! Die Leute, die hier gebrüllt haben, sind nur aus einem Grund so sauer! Wollen Sie den Grund hören? Wollen Sie wissen, warum die da oben die Flagge entrollt haben? Ich sage es Ihnen! Weil Hitler seinen Job nicht zu Ende gemacht hat. Er hat nur eine Hälfte meiner Familie vernichtet! Nur durch die Gnade Gottes ist die andere Hälfte der Familie, ich, der Enkel, heute unter den Lebenden. Deshalb sind die Leute dort oben sauer!

Schande über sie! Schande über sie, weil sie Juden hassen! Schande über sie, weil sie Menschen hassen. Schande über sie, weil sie keinen Respekt haben vor dem kulturell vielfältigsten Rat, der in den Vereinigten Staaten von Amerika frei und demokratisch gewählt wurde.

Darum gehen wir nach Israel. Wir machen deutlich, dass wir uns nicht mehr einschüchtern lassen von der Furcht und dem Hass, der eher den Tod von Juden feiert, als um den Tod Unschuldiger zu trauern!

Ich bin beschämt darüber, was hier heute geschehen ist. Aber ich bin auch froh, dass wir endlich zu Gesicht bekommen haben, worum es hier eigentlich geht: guter alter Judenhass!”   (aus: Tapfer im Nirgendwo)

claudia

Die „Feministin“ Claudia Roth mit festgeschriebener Zwangsverschleierung und „Genossinnen“, vereint unter den Bildern von zwei antisemitischen Islamisten

Selbst nach den Anschlägen von Paris, wo antiklerikale Redakteure wegen ihrer Zeichnungen und Juden weil sie Juden waren von Islamisten ermordet wurden, ist es unwahrscheinlich auch in Europa je eine solche Rede gegen Antisemitismus und Israelhass zu hören. Kurz nach den Morden auf die Redaktion von Charlie Hebdo meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Oppermann mit einer Kerze in der Hand „Der Anschlag von Paris hat nichts mit dem Islam zu tun” und kurz nachdem vier Juden in dem jüdischen Supermarkt in Paris ermordet waren, weil sie Juden waren, besuchte Bundesjustizminister Heiko Maas keine Synagoge sondern eine Moschee in Berlin. Der Jahrtausende alte Judenhass Europas kopuliert mit dem islamistischen Antisemitismus der arabischen Welt. Die europäische Beschwichtigungspolitik gegenüber dem antisemitischen Islamismus wird aller Voraussicht auch nach dem nächsten Aufruf zum Judenmord und dem nächsten antisemitischen Terrorangriff fortgesetzt. Dass Claudia Roth zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee den islamfaschistischen, holocaustleugnenden, frauenverachtenden, antisemitischen Iran mit frauendiskriminierendem Kopftuch besucht und dabei die Islamisten hofiert, ist ein weiterer Beleg von ideologischer Verwahrlosung  in einer ohnehin verrückten und magisierten Welt.

In memoriam Berthold Simonsohn

3. Januar 2015

bsDurch sein lebenslanges soziales Engagement war der Jurist, Pädagoge, Hochschullehrer, Sozialist und Zionist Berthold Simonsohn eine Ausnahmeerscheinung seiner Zeit. Als verfolgter Jude wurde er während des Nationalsozialismus nach Theresienstadt deportiert und überlebte fünf Konzentrationslager. Er kehrte nach Deutschland zurück und baute die Zentralwohlfahrtsstelle für Juden wieder auf, die er bis 1961 leitete. Als Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an der Universität Frankfurt am Main setzte er sich für die Reform des Jugendrechts und des Jugendstrafvollzugs ein. Zur Herausbildung der Neuen Linken trug neben Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse auch der linksintellektuelle 68er Berthold Simonsohn bei.

Berthold Simonsohn wurde am 24. April 1912 in Bernburg an der Saale geboren. Er wuchs mit seinen Geschwistern Carl und Ilse in behüteter Atmosphäre auf. Vater Alfred war Kaufmann und Bertholds Mutter Sidonie, geborene Fried, war die Schwester des späteren Nobelpreisträgers Alfred Fried.

Kurz nach seinem Abitur widmete sich Simonsohn stärker als zuvor  dem „Bund Jüdischer Jugendgruppen“ und wurde bereits 1930 der zweite Vorsitzende des Bezirksverbandes Mitteldeutschlands. Nach der Machtergreifung Hitlers änderte sich die Lage der jüdischen Jugend grundlegend. Durch die Ausgrenzung erhielten die, ideologisch sehr unterschiedlichen, jüdischen Jugendverbände enormen Zulauf. Simonsohn trat 1935 dem zionistisch-sozialistischen Jugendbund „Haschomer Hazair“ bei, ein auf Auswanderung gerichteter chaluzischer Bund mit dem Ziel der Organisation des Kibbuz-Arbeitslebens in Palästina. Der Bund stand dem deutschen Kommunismus ablehnend gegenüber. Bereits 1927 wurde der Kibbuz Arzi in Palästina mit vier Kibbuzim und 256 Chaverim durch den „Haschomer Hazair“ gegründet. Bis 1934 wuchs die Zahl auf 29 autonome Kibbuzim mit insgesamt 2.000 Mitgliedern an. Wie alle jüdischen Organisationen hatte auch der „Haschomer Hazair“ unter den zunehmenden Schikanen der Nazis zu leiden. Eine Auswanderung war nur möglich wenn eine landwirtschaftliche oder handwerkliche Ausbildung vorzuweisen war. Simonsohns Bruder Carl, der zur Auswanderung entschlossen war, machte deshalb eine Schuhmacherlehre (besser ein Anlernverhältnis), bereitete sich auf das Leben im Kibbuz vor und stellte einen Antrag auf ein Zertifikat für die Einreise in Palästina. Handwerkerzertifikate wurden vom britischen Konsulat in Berlin vergeben. Obwohl die Chancen nicht sehr hoch waren, da neben einer achtjährigen Berufspraxis es nur eine begrenze Anzahl von Zertifikaten gab, bekam Carl 1936 das benötigte Dokument, da jedoch die Gefahr einer Einwanderungssperre  durch die britische Mandatsregierung drohte, war Eile geboten. Bevor Carl Deutschland mit seiner Frau Karen verließ, verabschiedete er sich von seinen Eltern und Geschwistern in Bernburg.

Ende 1933 wurde Simonsohn, der mittlerweile Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands war und sich im Widerstand engagierte, von der Gestapo unter dem Verdacht des Landesverrates festgenommen, aber wegen fehlender Beweise kurz darauf wieder freigelassen. Zum juristischen Staatsexamen war er als Jude nicht zugelassen, jedoch war es ihm trotz großer finanzieller Schwierigkeiten noch möglich, das Studium in Halle und Leipzig mit der Promotion in Jura 1934 abzuschließen. Nachdem Bruder Carl, der ebenfalls in der SAP aktiv war und Bertholds bester Freund Werner Borchardt nach Palästina in ein Kibbuz auswanderten, übernahm er, obgleich auch er hätte emigrieren können, die Geschäftsführung in der Kunstblumenfabrik des kranken Vaters, deren Niedergang aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte nicht aufzuhalten war. Ab 1938 war er Bezirksfürsorger der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Stettin. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde er in das KZ Sachsenhausen eingewiesen. Nach seiner Entlassung zog er nach Hamburg, wo er Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland bei der Reichsvereinigung der deutschen Juden war. In Hamburg lebte Berthold Simonsohn mit seiner Mutter Sidonie und seiner Schwester Ilse, der Vater Alfred war inzwischen verstorben. Von der bevorstehenden Deportierung benachrichtigte er  seinen Bruder Carl in Palästina in verschlüsselter Formulierung, der über das Rote Kreuz übermittelte Brief durfte nicht mehr als fünfundzwanzig Worte enthalten: „Senden euch herzlichste Grüsse vor der Reise. Wir sind tapfer und zuversichtlich. Lebt wohl und hofft mit uns auf baldiges Widersehen. Grüsst alle Freunde.  Herzlichst Bertl, Mutti, Ilse.“  Bevor Simonsohn mit seiner Mutter und Schwester nach Teresienstadt deportiert wurde, war ihr ganzes Vermögen beschlagnahmt worden. Sidonie Simonsohn war 62 Jahre alt als sie mit ihren Kindern deportiert wurde, zwei Jahre später ist sie schwer erkrankt und am 8. August 1944 gestorben. Schwester Ilse blieb bis Februar 1945 in Theresienstadt und hatte das Glück mit 1.200 weiteren Personen in die Schweiz auszureisen. Im Ghetto Theresienstadt lernte Simonsohn seine spätere Frau Trude Guttmann kennen gelernt, die im tschechischen Widerstand der zionistischen Jugendbewegung engagiert war. In Theresienstadt haben von den insgesamt 155.000 Juden 117.000 Juden die Gefangenschaft nicht überlebt.

Trude Guttmann, geboren 1921 in Olmütz, war Mitglied einer zionistischen Jugendgruppe. Am 1. September wurde ihr Vater verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht, später nach Dachau, wo er 1942 starb, ihre Mutter wurde in Auschwitz ermordet. Als Berthold Simonsohn am 19. Oktober 1944 für einen Transport in den Osten vorgesehen war, wollte Trude Guttmann nicht alleine in Theresienstadt zurück bleiben und meldete sich für den gleichen Transport. Ziel war das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie am 22. Oktober ankamen. Trude, mittlerweile mit Berthold Simonsohn verheiratet, kam nach einigen Tagen in ein kleines Lager bei Breslau und überlebte den Holocaust. Berthold Simonsohn dagegen wurde weiter deportiert, zunächst nach Kaufering. Über die Fahrt von Auschwitz nach Kaufering schrieb Berthold Simonsohn: „Ich kam 4 Tage danach, nach einer qualvollen Fahrt, in einem Güterwagen mit siebzig vor Hunger fast rasenden Menschen zusammengesperrt, in das Lager Kaufering III, einem Außenlager von Dachau.“ Trotz schwerster Zwangsarbeit bei völlig unzureichender Ernährung und großer Kälte in den kaum beheizten Unterkünften überlebte er. Bei dem Herannahen der amerikanischen Truppen mussten die Häftlinge einen dreitägigen Marsch nach Dachau-Allach antreten. „Am 30. April nach bangen Stunden die Befreiung und wieder ein 1. Mai wie wir ihn einst gewohnt waren.“ Er gehörte zu der kleinen Zahl deutscher Juden, die diese Todesmärsche und Deportationen überlebten.

1951 hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland beschlossen, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland wieder zu gründen und Berthold Simonsohn als geschäftsführenden Direktor mit dieser Aufgabe zu betrauen. So kehrte Berthold Simonsohn zunächst zu seiner früheren Tätigkeit zurück, die er bis 1961 ausführte. Simonsohns lange gehegter Wunsch, als Wissenschaftler und Hochschullehrer zu arbeiten, erfüllte sich 1962. In diesem Jahr wurde er zum Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt berufen. Er wurde zu einem der wesentlichen Fürsprecher einer Liberalisierung des Jugendstrafrechts. Es war Berthold Simonsohn, der die in Deutschland von den Nationalsozialisten zerstörte Tradition einer psychoanalytischen Pädagogik wiederbelebte. 1963 wurde Simonsohn in das Kuratorium der „Deutsch-Israelischen Studiengruppe“ in Frankfurt berufen, dem unter anderen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und Max Horkheimer angehörten. Mit seinen Aktivitäten in verschiedenen Gesellschaften und der Organisation von Reisen nach Israel war Simonsohn der Wegbereiter für den Aufbau von diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Heinz Joachim Heydorn, einem Widerstandskämpfer, Wehrmachtsdeserteur und Sozialisten, setzte sich Simonsohn für die Belange des Staates Israel ein. Bis 1967 galt im reformorientierten linken Spektrum ein pro-israelischer Konsens für den “Pionierstaat” Israel mit seinen sozialistischen Kibbuzim. Nach dem Sechstagekrieg von 1967 änderte sich die Haltung mit der neu entstandenen „Neue Linken“ und ihrer antiimperialistischen Orientierung grundlegend. Mit dem israelischen Sieg im Sechstagekrieg galt der Judenstaat für viele dieser Linken als US-amerikanischer imperialistischer „Brückenkopf“ im Nahen Osten. Auch im Förderkreis linker Intellektueller, die den damals aus der SPD ausgeschlossenen SDS unterstützten und dessen Mitglied Simonsohn war, schieden sich nach dem Junikrieg des Jahres 1967 die Geister. Es begannen die Auseinandersetzungen, die vielen Linken  den Vorwurf eines als Antizionismus getarnten Antisemitismus eintrug. „Wenn Springer für Israel ist, können wir nur dagegen sein“, schlussfolgerten Anhänger der aufkommenden Studentenbewegung. Die Spaltung der Neuen Linken war vorprogrammiert. Im September 1967 gehörte der SDS zu den ersten linken deutschen Organisationen, die einen radikal antizionistischen Kurswechsel vornahmen.

Simonsohn versuchte während des Sechstagekrieges für Israel politische Unterstützung der Linken in Deutschland zu mobilisieren und hatte sich deshalb an den Professor für Politologie in Marburg, Wolfgang Abendroth gewandt, um ihn und durch ihn auch den Sozialistischen Bund für eine Solidaritätsbekundung für Israel zu gewinnen. In einem offenen vierseitigen Brief an Berthold Simonsohn antwortete Wolfgang Abendroth:

„Auch bei dem gegenwärtigen Präventivkrieg muss daher Israel kein nur den Feudalherren der monarchischen arabischen Staaten, sondern vor allem der Bevölkerung der im wesentlichen progressiven republikanischen Militärdiktaturen als Vortrupp amerikanischer imperialistischer Interessen erscheinen. Deshalb ist eine Identifikation des sozialistischen Internationalismus in den kapitalistischen Staaten mit der gegenwärtigen Politik Israels bei aller Sympathie für die israelische Bevölkerung völlig unmöglich. Das heißt natürlich nicht, dass man sich mit der nationalistischen Hysterie der arabischen Ländern identifizieren könnte. Sie würde im Gegenteil wachsen, wenn auch sozialistische Parteien Europas oder die offizielle Politik der BRD sich an die Seite Israels stellen würde. Im Weltmaßstab gesehen ist leider eine Situation entstanden, in der die Gesamtinteressen der kolonialen Revolution, der sozialistischen Länder und auch des revolutionären Flügels der internationalen Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Staaten stärker mit dem der arabischen Staaten (nämlich Ägypten, Syrien und Algerien, nicht der Fürstenstaaten) als mit den Interessen Israels übereinstimmen.“ Zeitgleich hatte der Vorstand des SDS eine Erklärung abgegeben in der er sich mit den arabischen Staaten solidarisch erklärte. Wolfgang Abendroth unterstützte die antiisraelische Erklärung des SDS als „völlig richtig“.

Am 9.6.1967, noch während des Sechstagekrieges, macht Berthold Simonsohn mit seiner Antwort an Abendroth kein Hehl aus seiner Enttäuschung:

„Lieber Genosse Abendroth,

besten Dank für deinen ausführlichen Brief vom 6.6. Leider ist die Ausführlichkeit das einzige, wofür ich Dir zu danken habe. Deine einseitige undialektische und unhistorische Betrachtungsweise, die Du leider mit vielen Linken teilst, hat mich tief enttäuscht. Es gibt sozusagen keinen einzigen Satz deines Briefes, dem ich zustimmen könnte. Warum beginnt Ihr eigentlich alle bei der Behandlung dieses Problems mit dem Jahre 1956? Wenn überhaupt, beginnt das arabisch-jüdische Problem mit dem Jahre 1948. Damals entstand angesichts der außerordentlichen Leiden des jüdischen Volkes der Staat Israel, wohl als einziger durch einen Beschluss der UNO. Wie du weißt, stimmte die Sowjet-Union diesem Beschluss zu (…) Als Antwort auf diesen Beschluss überfielen sieben arabische Staaten die jüdischen Siedlungen. Als die UNO einen Waffenstillstand erzwang, weigerten sich die Araber, Frieden zu schließen. Ich möchte darauf hinweisen, dass der jüdische Staat im Kampf gegen den britischen Imperialismus entstand, der alles dazu tat, um die Araber bei seinem Abzug zu begünstigen. Hingegen unterstützte die Sowjet-Union durch tschechoslowakische Waffenlieferungen das jüdische Volk. Die Araber haben niemals die Existenz des jüdischen Staates anerkannt und mit Terrorakten und Überfällen auf die Zivilbevölkerung, Israel immer wieder Schaden zuzufügen versucht. Seit 1948 haben alle arabischen Staatsmänner stets als das Ziel ihrer Politik die Auslöschung Israels, die Vernichtung oder Vertreibung der Juden erklärt. Kein Volk und kein Staat der Welt würde auf die Dauer einen solchen Zustand ertragen können, ohne sich dagegen zur Wehr zu setzen (…) Israel konnte sich seine Verbündeten nicht aussuchen im Gegensatz zu Nasser, der abwechselnd Vertrüge mit den verschiedenen Großmächten schloss und sich an den meistbietenden verkaufte. Russland hat niemals eine Verständigungsmöglichkeit mit Israel erstrebt, sondern seine Todfeinde mit Waffen beliefert, wie dies übrigens auch lange Zeit England und Amerika getan haben. Israel hat  immer und immer wieder durch seine führenden Staatsmänner seine Bereitschaft zu einer friedlichen Regelung erklärt und nicht unbeträchtliche Teile der jüdischen Arbeiterbewegung haben sich um eine Verständigung mit Russland und den sozialistischen und kommunistischen Kräften der Welt bemüht (…) Die Antwort Nassers dazu: „Wir wollen eine Entscheidungsschlacht, um den Bazillus Israel zu vernichten. Alle Araber wollen eine Entscheidungsschlacht.“ Und Schukeiri, der Führer der arabischen Flüchtlingsarmee drohte, dass kein Israeli diesen Krieg überleben würde. Die einzige Drohung, an deren Ernsthaftigkeit niemand zweifeln könnte, der erlebt hatte wie arabische Truppen hausten, wenn sie auf israelischem Gebiet sind. In Anbetracht dieses offen angedrohten Völkermordes und der systematisch an den Rand des Krieges getriebenen Bedrohung Israels ist es mir völlig unverständlich, wie internationale Sozialisten in ihrer Stellungnahme auch nur schwanken können.

Es geht mir nicht um Israel, das sich, wie die Ereignisse zeigen, selbst zu helfen wusste, es geht mir um euren Verrat allen wesentlichen Prinzipien des sozialistischen Humanismus.  Ihr habt damit nicht Israel geschadet, sondern dem moralischen Ansehen unserer Sache und die Glaubwürdigkeit Eures Kampfes gegen den Imperialismus an anderen Stellen der Welt in Frage gestellt. Ihr habt euch von breiten Massen der Linken isoliert und euch in den Ruf gebracht, nur dort gegen das Unrecht, gegen Terror und Krieg zu sein, wo es mit der russischen Linie übereinstimmt. Ich weiß, dass das für Dich und viele andere nicht so zutrifft aber ich habe für Menschen, die in Fragen des Völkermordes einen theoretischen und neutralen Standpunkt einnehmen, keine Sympathie. Habt ihr vergessen dass Israel nicht durch imperialistische Eroberung zustande gekommen ist, sondern als Antwort auf das Versagen der Völker, das jüdische Volk vor Massenvernichtung zu schützen? Wisst ihr nicht, dass in Israel sehr viel mehr Elemente des Sozialismus sind als in den arabischen Staaten? Beruht nicht gerade ein Teil des niedrigen Lebensstandards darauf, dass sie die riesigen Summen an Entwicklungshilfe, die sie bekommen, ganz überwiegend in die Aufrüstung ihrer Armeen mit dem Ziel der Vernichtung Israels gesteckt haben?

Weißt du nicht, dass Ägypten zahllosen Kriegsverbrechern Obdach gewährt und ihnen in seiner Armee und seiner Rüstungsproduktion bevorzugte Plätze einräumt? Weißt du nicht, dass diese progressiven Araber die Kommunisten in Folterlager stecken und gelegentlich einmal einige gegen hohe Rüstungslieferungen auf freien Fuß setzen? Ist Dir unbekannt, dass die progressive Baath-Partei im Irak zehntausende Kommunisten in der gleichen sadistischen Weise niedergemetzelt haben, mit der sie in Israel vorzugehen beabsichtigten? Die israelische Regierung hatte dem russischen Botschafter angeboten, sich an der syrischen Grenze durch persönlichen Augenschein zu überzeugen, ob dort irgendetwas von Kriegsvorbereitungen gegen Syrien festzustellen sei. Er hat dies abgelehnt, weil er die schöne Propaganda-Legende zum Aufmarsch der arabischen Armeen nicht zerstören durfte. Solle Israel wirklich warten, bis es durch Ägyptens Langstreckenraketen vernichtet würde? Verlangt Ihr von den Überlebenden des Nazi-Gemetzels, dass sie sich um den hehren Prinzipien des antiimperialistischen Kampfes willen ein zweites Mal wehrlos hinschlachten lassen?  Jedenfalls lief Eure Politik genau darauf hinaus (…)
Wenn es Ägypten darum zu tun war, gegen einen angeblichen israelischen Angriff geschützt zu werden, hätte ihm nichts erwünschter sein dürfen, als eine Verwicklung der UNO-Truppen in diesen Kampf. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten des von Dir vertretenen Standpunktes, hier formaljuristisch zu argumentieren, wenn es sich um Krieg und Frieden handelt, um Tod und Leben eines Volkes (…)

Ebenso formaljuristisch ist Deine Stellungnahme zur Frage des Präventivkrieges. Wenn ich jemanden, der mir die Gurgel zudrückt, mit der Faust niederschlage, bin ich nicht der Angreifer, sondern handele in Notwehr. Es gab auf der arabischen Seite niemals auch nur eine Stimme, die zu Verhandlungen und Kompromissen bereit gewesen wäre. Eure Aufgabe wäre es gewesen, ein positives Programm zur Lösung der Probleme im Nahen Osten zu entwerfen. Ich glaube nicht, daß ein Sozialist etwa anderes fordern könnte, als die Anerkennung des Lebensrechtes aller Völker und Staaten, die Unversehrtheit ihrer Grenzen, den Schutz vor dem Einfall von Terrorbanden, den freien Zugang zu allen Weltmeeren, sowie den Verzicht auf alle Kriegsdrohungen. Freilich hättet ihr euch damit sofort die Feindschaft der Araber zugezogen. Darf Euch das abhalten, nicht für einen Staat, sondern für die selbstverständlichen Grundlagen der internationalen Koexistenz einzutreten? Es ist nett, dass Du die nationalistische Hysterie Schukeiris (und Nassers?) nicht tolerierbar findest (..) Ihr erschwert es den Israelis damit immer mehr, sich von der Hilfe imperialistischer Staaten unabhängig zu machen. Wer in Lebensgefahr ist, wählt sich seine Verbündeten nicht unter denen, die ihn ins Wasser stoßen wollen.

Niemand verlangt eine einseitige Identifikation des Internationalen Sozialismus mit der israelischen Politik, aber ich dachte, dass eine eindeutige Stellungnahme gegen Chauvinismus und Kriegshetzerei der Araber, gegen deren bedingungslose Aufrüstung durch die Sowjet-Union und für ein Programm der Verständigung mit deren Grundsätzen durchaus vereinbar sei. Ich bin der Meinung, dass es für Sozialisten auch in der Politik einen Grundbestand an moralischen Prinzipien gibt, die man nicht ungestraft verletzen darf. Ich bedauere deshalb die Haltung des SDS und Deine Stellungnahme aufs Tiefste und glaube, dass sie unserer Sache schweren Abbruch zuzufügen geeignet ist.

Dieser Brief von Berthold Simonsohn ist beinahe fünfzig Jahre alt und doch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Die Kritik an der ideologischen Verwahrlosung großer Teile der Linken, die einerseits Israel deligitimieren und dämonisieren und andererseits die Reden und Taten der antisemitischen Islamisten verharmlosen oder ignorieren,  ist ebenso in diesem Antwortbrief, wie die Erkenntnisresistenz eben dieser Linken in dem Ausgangsbrief von Abendroth angelegt. Es waren linke Juden wie Jean Améry, Michael Landmann oder Berthold Simonsohn, die versuchten ihrer mehr oder weniger ignoranten und geschichtsvergessenen Umgebung sehr geduldig und mit eindeutigen nicht widerlegbaren Argumenten den Nahostkonflikt zu erklärten. Die einsamen jüdischen linken Rufer forderten (meist vergebens) Solidarität für Israel, zeigten (meist vergeblich) wie reaktionär, frauenfeindlich, mittelalterlich und inhuman die Gegner Israels sind. Der „Verrat allen wesentlichen Prinzipien des sozialistischen Humanismus“ ist bis heute beinahe täglich in sogenannten linken oder linksliberalen Tages- und Wochenzeitungen, in den Aussagen diverser Politiker der Linkspartei oder Gewerkschaften und bei vielen „Marschierern durch die Institutionen“ zu bestaunen.

Die Lebensbedingungen im Ghetto Theresienstadt und den Konzentrationslagern waren für seine Gesundheit nicht folgenlos geblieben. Er plante noch eine „Geschichte der jüdischen Wohlfahrt in Deutschland“ zu schreiben.Dieses Vorhaben konnte er nicht mehr realisieren. Berthold Simonsohn starb am 8. Januar 1978 in Frankfurt an Herzversagen.

Quelle: Wilma Aden-Grossmann – Berthold Simonsohn: Biographie des jüdischen Sozialpädagogen und Juristen (1912-1978) – Campus Verlag