Skip to content

Der Fall Jakob Augstein

12. August 2015

„Es gibt wieder ziemlich viele Antisemiten; aber die meisten Antisemiten sind heute solche, die nicht so genannt werden wollen“ Detlev Claussen

jaIn der Antisemitismusforschung wird zwischen christlich-religiösem Antijudaismus und dem sich im 19. Jahrhundert entwickelnden modernen Antisemitismus unterschieden. Freilich wurden die alten antijüdischen Stereotypien im modernen Antisemitismus integriert. Nach Auschwitz erfährt der Antisemitismus in den postnationalsozialistischen Gesellschaften einen Zeitenwandel in seiner Ausdrucksweise. Nach dem Völkermord an den Juden verschwand zwar die Judenfeindschaft nicht aus den Köpfen, doch konnten die alten antisemitischen Hetzreden nicht mehr so ohne weiteres straffrei ausgesprochen werden. Der Antisemitismus passte sich vor allem in den postnationalsozialistischen Gesellschaften den neuen Gegebenheiten an. Der Begriff des sekundären Antisemitismus versucht diese Veränderungen zu erklären. Der sekundäre Antisemitismus ist geprägt aus Motiven der Schuld-, Verantwortungs- und Erinnerungsabwehr. Beispielshalber sind die Leugnung oder die Relativierung von Auschwitz, die Forderung eines Schlussstrichs über die nationalsozialistische Vergangenheit oder Vergleiche zwischen der israelischen Politik und dem Nationalsozialismus sind Merkmale einer antisemitischen Rhetorik nach 1945. Um die deutsche Schuld zu relativieren, werden Juden mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht, um damit eine Täter-Opfer-Umkehr zu vollziehen. So wird der Nahostkonflikt von „Israelkritikern“ nach 1945 oftmals in manichäischer Art wahrgenommen und die Politik Israels in verzerrender Weise dargestellt. Um die antisemitischen Aspekte vermeintlich „israelkritischer“ Äußerungen zu erkennen, entwickelte der israelische Politiker Nathan Sharansky die sogenannten „drei D“: Doppelstandards, Delegitimierung und Dämonisierung. Laut Monika Schwarz-Friesel sind die „drei Ds“ Folgen „einer derealisierenden Sprache, die ein ‚Feindbild Israel‘ erzeuge, ‚das zwar mit der Realität nicht kompatibel ist, dafür aber exakt das repräsentiert, was dem judeophoben Weltbild entspricht und das damit genau die ihm zugewiesene Funktion erfüllt‘“

In ihrer Studie „Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs – Eine Analyse des Falls Jakob Augsteins“ untersuchen die Soziologen Lukas Betzler und Manuel Glittenberg die Kolumnen Jakob Augsteins mit einem kognitionslinguistischen Ansatz, der sich an der Methode von Schwarz-Friesel und Reinharz orientiert.

Wenn beispielsweise der Staat Israel mit antisemitischen Stereotypen assoziiert wird, dann handelt es sich eindeutig um Antisemitismus. Die Vorstellung einer klandestinen jüdischen Weltverschwörung ist eines der zentralen Merkmale des Antisemitismus. Ein Beispiel dafür lieferte Jakob Augstein am 6.4.2012 in seiner Spiegel-Online-Kolumne „Es musste gesagt werden“: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.”

Augstein sieht außerdem in seiner Kolumne, wie sein „israelkritisches“ Idol Günter Grass, in Israel den Gefährder des Weltfriedens: „Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.” Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.“

Angesichts der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Welt, damals und heute, ist die Behauptung Israel gefährde einen imaginierten Weltfriedens eine Dämonisierung des Judenstaates. Die Aussage reproduziert das antisemitische Stereotyp die Juden seien „Weltbrandstifter“ und damit das „Böse schlechthin.“ Augstein knüpft in seinem Text mit der Metapher „ein Aufschrei“ und „weil ein Deutscher ihn sagt“ an die sekundär-antisemitische Vorstellung an, die Deutschen seien wegen des „jüdischen Meinungsdiktats“ übertrieben verständnisvoll gegenüber Israel. Grass wird von Augstein als Erlöser inszeniert, der „für uns alle“ die Bürde auf sich nahm die Wahrheit auszusprechen. Augstein und Grass belegen: Die Spezifik des deutschen Antisemitismus ist seine Entlastungsfunktion. In der lehrreichen antisemitismuskritischen Textanalyse von Betzler und Glittenberg werden weitere acht Kolumnen Augsteins analysiert die zwischen Februar 2011 und Dezember 2014 in Spiegel Online veröffentlicht wurden. Dabei werden Augsteins zahlreiche Stereotype des Antisemitismus wie sein ausgeprägter Antiamerikanismus eindrucksvoll belegt.

Lukas Betzler und Manuel Glittenberg schreiben in ihrem Fazit über die Sprache Augsteins: „Die Analyse der Inhalte und der verbalen Formen der Äußerungen Jakob Augsteins zeigt, dass sich dessen Antisemitismus ganz überwiegend in antiisraelischer Form artikuliert. Das Referenzobjekt des Antisemitismus verschiebt sich also von „den Juden“ auf den Staat Israel, er verliert dadurch jedoch nicht seinen antisemitischen Gehalt: Ganz überwiegend hat Augsteins „Israelkritik“ nichts mit kommunikativ legitimer Kritik an Israel gemeinsam. In den analysierten Texten werden zahlreiche antisemitische Stereotype auf Israel angewandt. Derealisierungen zeichnen ein verzerrtes Bild vom Staat Israel und den Israelis, wodurch diese dämonisiert werden und jener delegitimiert wird. Israel wird mit starken Stigmawörtern belegt und durch die Verwendung von Lexemen aus der NS-Terminologie oder von Signalwörtern mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt. Das Existenzrecht Israels wird zwar nicht offen in Frage gestellt, doch eine Delegitimierung Israels ist in vielen Fällen die Folge dämonisierender und derealisierender Äußerungen. An Israel wird ausnahmslos ein unikaler Bewertungsmaßstab angelegt: Das Recht auf Selbstverteidigung wird dem Staat abgesprochen, Maßnahmen zur Verteidigung werden zu „kolonialistischem Unrecht“ umgedeutet. Die moralische Abwertung Israels dient dabei auch einer Entlastung und Relativierung von historischer Schuld. Auch Augsteins Sprechen über den Antisemitismus ist in vielen Fällen antisemitisch, etwa wenn (jüdischen) Antisemitismuskritikerinnen die Schuld an der Ausbreitung des Antisemitismus gegeben, ein „Kritiktabu“ in Bezug auf Israel behauptet oder die Vorstellung einer von Israel kontrollierten öffentlichen Meinung evoziert wird.“

In der Diskursanalyse der Augstein Debatte werden die Verteidiger Augsteins von den Autoren schonungslos demaskiert. Nach der Veröffentlichung der TTAS-Liste des Simon-Wiesenthal-Centers wurde eine breite Debatte in den Medien ausgelöst. Fünf Textfragmente aus Jakob Augsteins SPIEGEL-Online Kolumne beschertem diesem den neunten Platz der „Top Ten Anti-Semitic/Anti-Israel Slurs 2012″. Vielfach fand eine scharfe, aber substanzlose Zurückweisung des berechtigten Antisemitismus-Vorwurfs statt. Viele Journalisten, unfähig Antisemitismus zu begreifen,  fühlten sich offenbar selbst ertappt. Ebenso wurde in der Politik von Gregor Gysi (Linkspartei) bis Julia Klöckner (CDU) Partei für Augstein ergriffen. Sie argumentieren, Augstein übe zwar scharfe, aber legitime Kritik an der israelischen Regierung, und kritisieren das SWC dafür, Augstein deshalb Antisemitismus vorzuwerfen. Den vielen Verteidigungen Augsteins entsprechend titelt die FR: „Viel Rückendeckung für Jakob Augstein.“ Neben Clemens Wergin in der Welt widersprach noch Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, zu diesem Zeitpunkt der Deutung, Augstein betreibe „Israelkritik“ und verbreite keinen Antisemitismus. Im weiteren Verlauf der Debatte zeichnete sich allerdings bald eine Veränderung ab. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Aussagen Augsteins, allerdings mit wesentlich „geringerer diskursiver Präsenz,  als die Verteidigungen Augsteins zuvor”, fand nun statt.

In ihrer Schlussbetrachtung „Antisemitismus mit gutem Gewissen“ schreiben Lukas Betzler und Manuel Glittenberg: „(…) Die Textanalyse hat gezeigt, dass sich in Augsteins Kolumnen auf allen sprachlichen Ebenen Verbal-Antisemitismus finden lässt. Dieser Antisemitismus artikuliert sich dabei fast ausschließlich über den „Umweg“ Israel und überwiegend implizit. Israel wird mit antisemitischen Stereotypen assoziiert, es wird dämonisiert, delegitimiert und nach einem unikalen Maßstab bewertet. Dabei zeigte sich, dass Augsteins Wahrnehmung Israels und insbesondere des Nahostkonflikts stark von antisemitischen Deutungsmustern geprägt ist. Dass diese Mentalitätsbestände durch die lange Geschichte der Judenfeindschaft tief in den europäischen Gesellschaften verankert sind und immer noch das Denken und Sprechen über Juden – und seit 1948 auch über Israel – prägen, wird von Augstein jedoch nicht reflektiert. Diese fehlende Reflexion auf die Kontinuitäten insbesondere in der deutschen Gesellschaft verbindet und erklärt sich mit einem auf „Judenhass“ reduzierten Antisemitismusbegriff. So kommt es zu einer paradoxen Konstellation: Weil der antiisraelische Antisemitismus von vielen Menschen verkannt oder negiert wird, erscheint für sie Kritik an antiisraelischen Äußerungen – die eigentlich Ausdruck einer gesellschaftlichen Tabuisierung des Antisemitismus ist-, als Ausdruck einer Tabuisierung von Kritik an Israel. Dieser Mechanismus bedingt die verbreitete und auch von Augstein geteilte Vorstellung, jede/r Kritikerin Israels werde als antisemitisch diffamiert. In Wirklichkeit hat er jedoch einen entgegengesetzten Effekt: Die Kritik am antiisraelischen Antisemitismus wird von den Kritisierten und ihren VerteidigerInnen — sofern sie sich selbst nicht als Antisemiten sehen — als Antisemitismusvorwurf diffamiert, der Kritik an der israelischen Politik zu unterbinden versuche.

Eine weitere Folge dieses verkürzten Antisemitismus-Begriffs bei Augstein ist die Verkennung des Antisemitismus als eines entscheidenden Faktors für Israels Geschichte und Gegenwart. Die existenzielle Bedrohung, in der sich Israel durch den Terror der Hamas und durch die potentielle nukleare Bewaffnung des Iran befindet, lässt sich nur verstehen, wenn man den von diesen FeindInnen Israels vertretenen Antisemitismus als eine Ideologie ernst nimmt, die nach Verwirklichung drängt. Versucht man, das Handeln von Hamas, Hisbollah oder dem Iran ohne diesen Begriff des Antisemitismus zu erklären, entsteht eine Lücke, die anderweitig gefüllt werden muss. Antiisraelischer Antisemitismus, selbst in seiner mörderischen Form, wird darum häufig rationalisiert oder sogar negiert. Augsteins Kolumnen offenbaren darüber hinaus ein eklatantes Missverhältnis zwischen einem selbstbewussten Gestus des „Bescheidwissens“ und dem tatsächlichen Wissen. Augstein inszeniert sich selbst als Experte für Israel und den Nahostkonflikt, sein „Wissen“ ist dabei aber nur schematisch. Es sind zumeist formelhafte Allgemeinplätze, Floskeln und Schlagwörter, mit denen Augstein den Nahostkonflikt erklärt: Als verantwortlich für das Ausbleiben eines Friedens im Nahen Osten gelten ihm die israelischen Siedlungen, die israelische „Besatzungspolitik“, die israelischen „Vergeltungsschläge“ gegen TerroristInnen und die Unnachgiebigkeit der rechten Regierung. In seinen Texten offenbart sich nicht nur eine geringe Kenntnis und ein geringes Interesse an der Geschichte Israels und seinen gegenwärtigen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen, viele von Augsteins Aussagen über Israel sind zudem faktisch falsch. (…)

Der gegen Israel gerichtete „Antisemitismus mit gutem Gewissen“, der sich selbst für besonders kritisch und anti-antisemitisch hält, ist die im Mediendiskurs vermutlich am weitesten verbreitete Form des Antisemitismus. Der kurze Überblick über die Rezeption der Debatte im Feld der Antisemitismusforschung und der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit hat jedoch gezeigt, dass die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Augsteins antisemitischen Äußerungen und der Augstein-Debatte bisher nicht in der Lage war, den dort artikulierten Antisemitismus theoretisch und begrifflich zu fassen. In der Antisemitismusforschung müsste daher das Bemühen um einen Begriff des antiisraelischen Antisemitismus verstärkt werden. Wir würden uns wünschen, dass unsere Analyse-Ergebnisse und die hier skizzierten Deutungsansätze Anknüpfungspunkte dafür bieten.”

Lukas Betzler/Manuel Glittenberg: Antisemitismus im deutschen Mediendiskurs. Eine Analyse des Falls Jakob Augstein. Interdisziplinäre Antisemitismusforschung, Nomos-Verlag, Baden-Baden, 27. April 2015, ISBN 978-3848716722, 320 Seiten, 59 Euro

Friedens-Jugendcamp auf palästinensisch

21. Februar 2015

Rund 17.000 Kinder und Jugendliche zwischen 15 bis 21 Jahren nahmen vom 20. – 27. Januar 2015 wieder einmal an einem der beliebten Terror-Camps der Hamas im Gazastreifen teil. Zu den Aktivitäten im Camp gehören selbstverständlich Übungen mit scharfer Munition, Aufrufe zum Judenmord und alles garniert mit religiösen Gesängen. Der Zweck des Events ist es, den Kern einer Volksarmee zu bilden, deren Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten stammen und die Jugendlichen ideologisch wie militärisch auf den Jihad und den Kampf gegen Israel vorbereiten. Jugendliche Palästinenser erklärten ihre Teilnahme damit, weil sie lernen wollten, wie man israelische Soldaten entführt, ermordet und Jerusalem von den Juden befreit. Die Al-Qassam Brigaden warben für diese Lager in Moscheen, öffentlichen Plätzen und auf ihrer offiziellen Webseite. „Diese Gewehre machen Männer. So wird Palästina befreit werden. Ihr seid die Armee der Zukunft,“ meinte der Camp-Leiter Abu Hamza, als er die Teilnehmer ansprach.

Neben vielerlei ähnlicher Aktivitäten werden Kinder und Jugendliche von den offiziellen palästinensischen Medien regelmäßig zu Gewalt gegen Juden aufgehetzt. Im Kinderprogramm der Palästinenser besingt eine islamistische Mickey Maus eine “heldenhafte” Mordtat an Juden und in einer anderen Sendung macht es einem Häßchen besonderen Spaß Juden zu essen. Die Hamas erzieht ihre Kinder zu Attentätern und Judenmördern. Deshalb wird erst ein Frieden möglich sein wenn die Palästinenser, die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie Juden hassen. Wenn palästinensische Jugendliche erwachsen werden und sich das Abendprogramm zu Gemüte führen, können Sie beispielsweise hören was ihren der Minister für religiöse Stiftungen der Hamas Abdallah Jarbu zu sagen hat: „Juden sind fremdartige Bakterien, sie sind Mikroben ohne Beispiel auf dieser Welt. Möge Gott das schmutzige Volk der Juden vernichten, denn sie haben keine Religion und kein Gewissen! Ich verurteile jeden, der glaubt, eine normale Beziehung mit Juden sei möglich, jeden, der sich mit Juden zusammensetzt, jeden, der glaubt, Juden seien Menschen! Juden sind keine Menschen, sie sind kein Volk. Sie haben keine Religion, kein Gewissen, keine moralischen Werte!“ Das Problem (nicht nur des Nahen Ostens) ist fraglos der Antisemitismus.

Deutsche “Israelkritiker” blenden die faschistische antisemitische Ideologie, die hinter dieser Indoktrination steckt, freilich gerne aus. Für deutsche und europäische Antizionisten, also Antisemiten ist Israel die Gefahr für den Weltfrieden und für alles sonstige Unglück dieser Welt verantwortlich. Mit der Delegitimierung und Dämonisierung Israels, mit ihren Boykottaufrufen gegen jüdische Waren und der gleichzeitigen Ausblendung der Politik von Hamas, des IS, den islamistischen Regierungen des Nahen Ostens und anderer inhumanen Terrororganisationen machen sich die deutschen und europäischen “Israelkritiker” zu den Handlangern der Islamisten, welche bekanntlich die Fahne Allahs, inklusive Scharia, über ganz Palästina wehen sehen wollen.

Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch.

Der Mord am Piloten Muaz al-Kasaesbeh und die ideologische Verwahrlosung der Pseudolinken

12. Februar 2015

rakkaIm Januar dieses Jahres haben die Gotteskrieger des Islamischen Staates den als Geisel genommenen jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib verbrannt. Nachdem die Islamisten den orangenen Overall des Piloten mit Benzin durchtränkten zündeten sie eine Benzinspur an, damit die Flammen auf den Käfig überschlagen. Als der Pilot in Flammen aufgeht rufen die Männer auf arabisch “Gott ist groß”. Die barbarische Tat nehmen die Dschihadisten in High Definition auf und machen einen 22-minütigen Film daraus. In den 15 Minuten die der Mordtat vorausgehen werden geborgene muslimische Bombenopfer der Alliierten, weinende Kindergesichter, auf Muslime zielende Drohnen, Kampfflugzeuge und vermeintliche Hetze gegen die Muslime und den Islam gezeigt. Es werden alle Motive bedient, die der Antiimperialismus von rechts bis links ständig anführt, wenn es darum geht islamische Barbarei zu rechtfertigen. In der nordsyrischen Stadt Rakka wurde dieser von religiösem Gesang untermalte Film unter dem Motto “Spaß für Muslime” auf Großleinwänden vor einem begeistertem männlichen Massenpublikum ausgestrahlt. Freudestrahlend meint ein etwa zehn Jahre alter Junge bei einer Befragung der Vorstellung: “Ich bin sehr glücklich. Ich hätte ihn am liebsten mit meinen eigenen Händen verbrannt.”

Während einige muslemische Geistliche in der islamischen Welt die Tat verurteilen, rechtfertigten deutsche Sympathisanten die Tat. Für den vom Simon-Wiesenthal-Center ausgezeichneten “Israelkritiker” Jakob Augstein ist die Verbrennung in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib keineswegs unmenschlich. In seiner Spiegel-Kolumne meint die Nummer Neun: “Der Tod des jordanischen Piloten Moaz al-Kassasbeh hat die Welt in Schrecken versetzt. Was für ein Verbrechen! Barbarisch? Ja. Unmenschlich? Leider nein. Wir alle sind Lehrmeister des Grauens.” Mit “wir” meint Augstein den Westen. Amerikaner haben im zweiten Weltkrieg Bomben geworfen und dass ist für den Herausgeber des “Freitags” genauso barbarisch wie der islamistische Terror.  Dass die Bomben der Alliierten Auschwitz und den Rest der Welt von der deutschen Nazibarbarei befreiten versteht Augstein ebenso wenig wie die Kompatibilität der Ziele von Islamisten und Nazis. Augstein beruft sich auf die “Israelkritikerin” Sahra Wagenknecht von der Linkspartei, er schreibt weiter: “Nach dem Angriff auf die Redaktion von “Charlie Hebdo” hat die Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht gesagt: “Wenn eine vom Westen gesteuerte Drohne eine unschuldige arabische oder afghanische Familie auslöscht, ist das ein genauso verabscheuenswürdiges Verbrechen wie die Terroranschläge von Paris, und es sollte uns mit der gleichen Betroffenheit und dem gleichen Entsetzen erfüllen.” Wagenknecht ging noch weiter und sagte: “Auch die Bundeswehr ist für den Tod unschuldiger Menschen in Afghanistan verantwortlich.”

Im “Neuen Deutschland” verharmlost der “Israelkritiker” Emran Feroz die Verbrennung des Piloten: “Auch christliche Milizen foltern und ermorden ihre Geiseln. Nur schaffen es diese selten in die Schlagzeilen.” Nachdem er den IS mit mexikanischen Drogenkartellen gleichsetzt schreibt Feroz: “Dass sich nun die – gelinde gesagt – autoritäre jordanische Regierung als humaner und menschenrechtsfreundlicher Counterpart zum IS präsentieren will, ist ein absoluter Witz. Seit Jahren arbeitet Jordanien Hand in Hand mit den USA im “Krieg gegen den Terror” zusammen. Das Land gehört zu den bekanntesten Folterhöllen der Welt. In den jordanischen Kerkern wurden tagtäglich Extremisten gezüchtet, die das Regime abgrundtief hassen.” Emran Feroz schrieb bereits für den antizionistischen “Freitag” von Jakob Augstein proiranische und antiisraelische Artikel, für die er dann von der iranischen Propagandazeitung “Kayhan” gelobt wurde.

Augstein, Wagenknecht und Feroz und wie sie sonst noch alle heißen verstehen sich als Linke. Die widerliche Kumpanei mit Islamisten, der damit verbundene antisemitische Hass auf Israel, die Ablehnung jedes liberalen westlichen Lebensstils,  der überholte Antiimperialismus,  der blinde Antiamerikanismus sowie der Verrat an den Werten der Aufklärung dieser Pseudolinken belegen ihre ideologische Verwahrlosung. Der Islamismus mit seinem Antisemitismus, seiner Frauenfeindlichkeit, seiner Gewalt gegen Minderheiten und Andersgläubige und nicht zuletzt seiner faschistischen Ideologie steht gegen alles wofür Humanisten und Linke seit Jahrhunderten gekämpft haben.

Als der Göttinger “Mescalero” 1977 seine “klammheimliche Freude” über die Ermordung des Bundesanwalts Buback in einem anonymen Nachruf gestanden hatte, leiteten die Justizbehörden ein Ermittlungsverfahren ein. 140 Beschuldigte die den Artikel nachdruckten kamen vor Gericht. Ein 29-Jähriger wurde für die Verteilung des „Nachrufs“ zu sechs Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Der Paragraph 129, 129a und 129b StGB wurde geschaffen. Sympathisanten, die kriminelle und terroristische Vereinigungen unterstützen können zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren verurteilt werden. Nach einer Gesetzesänderung des Jahres 2003 muss die unterstützte Organisation nicht in Deutschland ansässig und tätig sein. Die Unterstützung der islamistischen Vereinigungen des Nahen Ostens fällt demnach auch unter den Paragraph 129 StGB.

Das Wegsperren der deutschen Apologeten von Islamisten und Antisemiten ist freilich nicht die Lösung des Problems. Die “Israelkritiker” und Islamistenversteher würden sich hinter Gittern nur noch mehr radikalisieren und vermutlich selbst zu Waffe, Schwert oder Zündholz greifen. Besser ist nach wie vor Aufklärung und die Parole: Macht euch nicht mitschuldig und kauft bitte nicht ihre Zeitungen (DerSpiegel, Neues Deutschland, DerFreitag, Junge Welt, …)!

Das Kopftuch

3. Februar 2015

claudiaFrauen werden in islamistischen Ländern als Menschen zweiter Klasse behandelt.  Je frommer die islamischen Machthaber, desto strenger sind zum Beispiel die Kleidungsvorschriften für die Frauen. Beim Ausgang der Frau in die Öffentlichkeit muss sie sich verhüllen, fremde Männer dürfen weder das Gesicht oder das Haar von fremden Frauen sehen. Burkaträgerinnen müssen sich in der Öffentlichkeit, neben der Zwangsverschleierung, zudem stets fünf Schritte hinter ihrem Mann bewegen.

Im Iran werden Frauen nach außerehelichem Geschlechtsverkehr, beispielsweise nach einer Vergewaltigung, zum Tod durch Steinigung hingerichtet. Per Strafgesetz, basierend auf der islamischen Scharia, werden die Frauen eingegraben und anschließend mit Steinen ermordet, dabei ist penibel die Größe der Steine und die Reihenfolge der Werfer festgelegt. Frauen müssen im Iran ihr Haar mit einem Kopftuch verdecken und weite Gewänder tragen, die verhindern sollen, dass sich ihre Figur darunter abzeichnet. Iranische Frauen die gegen diese Kleiderordnung verstoßen, also kein Kopftuch tragen und damit ihr Haar offen zeigen, werden im Iran zu Gefängnis oder zu Peitschenhieben verurteilt. Viele Frauen im Iran protestieren gegen diese islamische Unterdrückung, tragen den Schleier locker und riskieren dadurch eine archaische Bestrafung. Beispielsweise postete die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh ein Video ihres unbedeckten Kopfes, worauf unverzüglich ihre Gefängnisstrafe verlängert wurde. Auch Verstöße im Ausland werden geahndet. Die iranische Schauspielerin Marzieh Vafamehr wurde im Jahr 2011 zu 90 Peitschenhieben und einem Jahr Gefängnis verurteilt , weil sie in einem australischen Film an mehreren Stellen mit kahlgeschorenem Kopf und ohne Kopftuch auftrat.

Claudia Roth, die Vizepräsidentin des Bundestages, war für fünf Tage im Januar zusammen mit einer Delegation des Bundestages (u.a. Dagmar Wöhrl, CSU,  auch mit Kopftuch) zu einem offiziellen Besuch im islamfaschistischen Iran. Claudia Roth verhüllte sich freiwillig, trug während ihres Besuches ein Kopftuch und fiel mit ihrer devoten Geste allen vom iranischen Regime brutal unterdrückten Frauen in den Rücken. Seit Jahren kämpfen Iranerinnen gegen den Verschleierungszwang der Mullahs und bezahlen ihren mutigen Kampf oftmals mit dem Leben um von der Delegation des Deutschen Bundestages mit Claudia Roth und Dagmar Wöhrl verhöhnt zu werden. Wenn in Deutschland jemand öffentlich seinen Hund mit 90 Peitschenhieben traktieren würde, dürfte es einen Aufschrei nicht nur innerhalb der Grünen geben, wenn der islamistische Gottesstaat Iran seine Bevölkerung auspeitscht, unterdrückt, foltert, steinigt, an Baukränen erhängt, den Holocaust leugnet, den Staat Israel mit einer Atombombe auslöschen will, dann ist Protest von “Israelkritikern” wie Claudia Roth, die Israel im letzten Gazakrieg Unverhältnismäßigkeit vorwarf, selten zu vernehmen. Ausgerechnet zum 70-jährigen Jahrestag der Befreiung von Auschwitz traf sich Claudia Roth mit dem Holocaustleugner Ali Larijani und Massoumeh Ebtekar, der Sprecherin der Geiselnehmer in der amerikanischen Botschaft in Teheran anno 1979. Der grüne Dauerbrenner “Nutzung der Atomkraft” war freilich für Claudia Roth kein Thema im Iran: “Wenn der Frieden nicht nur im Nahen Osten, sondern darüber hinaus wieder eine Chance bekommen soll, dann muss man jetzt dahin gehen, wo keine einfachen Lösungen zu erwarten und wo schwierige Gespräche zu führen sind.” Wenn der Iran erst einmal die Atombombe hat, dann könnte es zum Frieden kommen, namentlich nach einem Atomschlag gegen den jüdischen Staat, diesen “großen zionistischen Satan”, wie der “moderate” Reformer Hassan Rouhani ihn nennt. Auf ihrer Webseite schwafelt Frau Roth nach ihrer großen Reise über Menschenrechte und die Todesstrafe, wobei die Worte “Kopftuch” oder “Zwangsverschleierung” nicht vorkommen. Dafür forderte die grüne Frontfrau an anderer Stelle „das Recht für Frauen, auch als Lehrerin in der Schule ein Kopftuch zu tragen“.

Während die deutsche Appeasement-Politik mit dem Iran um ein Kapitel reicher geworden ist, hängt die dortige politische Emanzipation der Frauen weiterhin von einem regime change ab. Die moslemischen Migrantinnen der westlichen Diaspora leben, bei aller Kritik an den kapitalistischen Industriegesellschaften, in Ländern in denen die Menschenrechte auch für sie gelten. Voraussetzung für die Emanzipation dieser Frauen wäre ein integrationspolitischer Wandel. Kulturrelativistinnen wie Claudia Roth verraten jedoch die Vorzüge der Aufklärung und stehen diesem Wandel entgegen. “Kulturrelativisten sehen nicht, dass sie indem sie nichtwestliche Kulturen skrupulös von ihrer Kritik ausnehmen, die Träger dieser Kulturen in ihrer Rückständigkeit einzementieren. Das geschieht mit den besten Absichten, aber wie bekannt ist der Weg zur Hölle mit guten Absichten gepflastert. Es handelt sich um Rassismus in Reinform.” (Hirsi Ali)

Der Verrat an den Frauen in den islamistischen Staaten, das Hofieren und Verharmlosen der islamistischen Regimes in Verbindung mit der überzogenen Kritik an Israel, dem einzigen humanen und demokratischen Staat im Nahen Osten, von Leuten die sich selbst als “Linke” verorten, kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden.

Der Terror und die Unterdrückung der Frauen des “Islamischen Staates”, der immer offenkundiger werdende eliminatorische Antisemitismus der islamistischen Gotteskrieger von der Hamas bis zu den Terroristen von Paris bringt andererseits die “Israelkritiker” und Islamversteher von den Grünen bis zur Linkspartei, von der TAZ über die Süddeutsche bis zum Spiegel, von der ARD über 3Sat bis zum ZDF in immer größer werdende Erklärungsnöte und zwingt sie zu immer groteskeren Verrenkungen. Nach den Anschlägen von Paris jammerte die Nummer Neun im Spiegel: “Die schlichte Wahrheit – dass es sich beim radikalen Islamismus um eine Perversion, nicht das Wesen dieser Großreligion handelt, wird zwar andauernd wiederholt, aber immer weniger geglaubt. Der eigentlich wahre und bedenkenswerte Satz: “Das hat nichts mit dem Islam zu tun” wird zum Hohn gebraucht.”

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau

27. Januar 2015

Am 22. Januar 2015 wurde im New Yorker Stadtrat über eine Resolution gesprochen, die in Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau verabschiedet werden sollte. Aktivisten, die auf dem Balkon der Kammer saßen, unterbrachen jedoch die Sitzung mit lautem Gebrüll und entrollten eine Flagge Palästinas. David Greenfield (Democrat) hielt daraufhin eine Rede, die sich deutsche “Israelkritiker” und Hamasversteher von Augstein über Grass bis Höger hinter die Ohren schreiben können:

“Ich zittere am ganzen Leib. Ich bin wütend. Ich sage aber auch frei heraus: Ich bin froh darüber, was wir hier heute zu sehen bekommen haben.

Seit Wochen hören wir immer wieder die selben Beteuerungen: “Nein, wir hassen Juden nicht. Wir mögen nur den Staat Israel nicht. Wir haben kein Problem mit Juden. Wir wollen nur nicht, dass ihr nach Israel geht!” Wir wissen aber, dass das nicht der eigentliche Kern der Aussage ist. Heute wurde es bewiesen!

Während wir über eine Resolution gesprochen haben, die sich mit den Morden an 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz-Birkenau beschäftigt, ich möchte betonen, neunzig Prozent davon waren jüdisch, aber die anderen zehn Prozent waren politische Dissidenten, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, dies waren die Menschen, die alle gemeinsam in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden, während wir darüber gesprochen haben, besaßen diese Leute die Frechheit, die Chuzpe, die Verwegenheit, die Flagge Palästinas zu entfalten und uns anzubrüllen, während wir über Auschwitz sprachen!

In Anbetracht dieser Störung können wir endlich damit aufhören, so zu tun, als ginge es hier nur um Israel, während in Wirklichkeit jedes Land, das heute im Nahen Osten existiert, nicht demokratisch ist, Menschen mit anderen Glauben verfolgt, Homosexuelle verfolgt, Menschen verfolgt, die widersprechen, Menschen verfolgt, die twittern, Frauen verfolgt, die Auto fahren, mit Ausnahme eines einzigen Landes: Israel!

Was wir heute hier gesehen haben, war nackter, blinder Judenhass! Das ist es, was wir gesehen haben! Die Leute, die hier gebrüllt haben, sind nur aus einem Grund so sauer! Wollen Sie den Grund hören? Wollen Sie wissen, warum die da oben die Flagge entrollt haben? Ich sage es Ihnen! Weil Hitler seinen Job nicht zu Ende gemacht hat. Er hat nur eine Hälfte meiner Familie vernichtet! Nur durch die Gnade Gottes ist die andere Hälfte der Familie, ich, der Enkel, heute unter den Lebenden. Deshalb sind die Leute dort oben sauer!

Schande über sie! Schande über sie, weil sie Juden hassen! Schande über sie, weil sie Menschen hassen. Schande über sie, weil sie keinen Respekt haben vor dem kulturell vielfältigsten Rat, der in den Vereinigten Staaten von Amerika frei und demokratisch gewählt wurde.

Darum gehen wir nach Israel. Wir machen deutlich, dass wir uns nicht mehr einschüchtern lassen von der Furcht und dem Hass, der eher den Tod von Juden feiert, als um den Tod Unschuldiger zu trauern!

Ich bin beschämt darüber, was hier heute geschehen ist. Aber ich bin auch froh, dass wir endlich zu Gesicht bekommen haben, worum es hier eigentlich geht: guter alter Judenhass!”   (aus: Tapfer im Nirgendwo)

claudia

Die “Feministin” Claudia Roth mit festgeschriebener Zwangsverschleierung und “Genossinnen”, vereint unter den Bildern von zwei antisemitischen Islamisten

Selbst nach den Anschlägen von Paris, wo antiklerikale Redakteure wegen ihrer Zeichnungen und Juden weil sie Juden waren von Islamisten ermordet wurden, ist es unwahrscheinlich auch in Europa je eine solche Rede gegen Antisemitismus und Israelhass zu hören. Kurz nach den Morden auf die Redaktion von Charlie Hebdo meinte SPD-Fraktionsvorsitzender Oppermann mit einer Kerze in der Hand “Der Anschlag von Paris hat nichts mit dem Islam zu tun” und kurz nachdem vier Juden in dem jüdischen Supermarkt in Paris ermordet waren, weil sie Juden waren, besuchte Bundesjustizminister Heiko Maas keine Synagoge sondern eine Moschee in Berlin. Der Jahrtausende alte Judenhass Europas kopuliert mit dem islamistischen Antisemitismus der arabischen Welt. Die europäische Beschwichtigungspolitik gegenüber dem antisemitischen Islamismus wird aller Voraussicht auch nach dem nächsten Aufruf zum Judenmord und dem nächsten antisemitischen Terrorangriff fortgesetzt. Dass Claudia Roth zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee den islamfaschistischen, holocaustleugnenden, frauenverachtenden, antisemitischen Iran mit frauendiskriminierendem Kopftuch besucht und dabei die Islamisten hofiert, ist ein weiterer Beleg von ideologischer Verwahrlosung  in einer ohnehin verrückten und magisierten Welt.

In memoriam Berthold Simonsohn

3. Januar 2015

bsDurch sein lebenslanges soziales Engagement war der Jurist, Pädagoge, Hochschullehrer, Sozialist und Zionist Berthold Simonsohn eine Ausnahmeerscheinung seiner Zeit. Als verfolgter Jude wurde er während des Nationalsozialismus nach Theresienstadt deportiert und überlebte fünf Konzentrationslager. Er kehrte nach Deutschland zurück und baute die Zentralwohlfahrtsstelle für Juden wieder auf, die er bis 1961 leitete. Als Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an der Universität Frankfurt am Main setzte er sich für die Reform des Jugendrechts und des Jugendstrafvollzugs ein. Zur Herausbildung der Neuen Linken trug neben Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Herbert Marcuse auch der linksintellektuelle 68er Berthold Simonsohn bei.

Berthold Simonsohn wurde am 24. April 1912 in Bernburg an der Saale geboren. Er wuchs mit seinen Geschwistern Carl und Ilse in behüteter Atmosphäre auf. Vater Alfred war Kaufmann und Bertholds Mutter Sidonie, geborene Fried, war die Schwester des späteren Nobelpreisträgers Alfred Fried.

Kurz nach seinem Abitur widmete sich Simonsohn stärker als zuvor  dem “Bund Jüdischer Jugendgruppen” und wurde bereits 1930 der zweite Vorsitzende des Bezirksverbandes Mitteldeutschlands. Nach der Machtergreifung Hitlers änderte sich die Lage der jüdischen Jugend grundlegend. Durch die Ausgrenzung erhielten die, ideologisch sehr unterschiedlichen, jüdischen Jugendverbände enormen Zulauf. Simonsohn trat 1935 dem zionistisch-sozialistischen Jugendbund “Haschomer Hazair” bei, ein auf Auswanderung gerichteter chaluzischer Bund mit dem Ziel der Organisation des Kibbuz-Arbeitslebens in Palästina. Der Bund stand dem deutschen Kommunismus ablehnend gegenüber. Bereits 1927 wurde der Kibbuz Arzi in Palästina mit vier Kibbuzim und 256 Chaverim durch den “Haschomer Hazair” gegründet. Bis 1934 wuchs die Zahl auf 29 autonome Kibbuzim mit insgesamt 2.000 Mitgliedern an. Wie alle jüdischen Organisationen hatte auch der “Haschomer Hazair” unter den zunehmenden Schikanen der Nazis zu leiden. Eine Auswanderung war nur möglich wenn eine landwirtschaftliche oder handwerkliche Ausbildung vorzuweisen war. Simonsohns Bruder Carl, der zur Auswanderung entschlossen war, machte deshalb eine Schuhmacherlehre (besser ein Anlernverhältnis), bereitete sich auf das Leben im Kibbuz vor und stellte einen Antrag auf ein Zertifikat für die Einreise in Palästina. Handwerkerzertifikate wurden vom britischen Konsulat in Berlin vergeben. Obwohl die Chancen nicht sehr hoch waren, da neben einer achtjährigen Berufspraxis es nur eine begrenze Anzahl von Zertifikaten gab, bekam Carl 1936 das benötigte Dokument, da jedoch die Gefahr einer Einwanderungssperre  durch die britische Mandatsregierung drohte, war Eile geboten. Bevor Carl Deutschland mit seiner Frau Karen verließ, verabschiedete er sich von seinen Eltern und Geschwistern in Bernburg.

Ende 1933 wurde Simonsohn, der mittlerweile Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands war und sich im Widerstand engagierte, von der Gestapo unter dem Verdacht des Landesverrates festgenommen, aber wegen fehlender Beweise kurz darauf wieder freigelassen. Zum juristischen Staatsexamen war er als Jude nicht zugelassen, jedoch war es ihm trotz großer finanzieller Schwierigkeiten noch möglich, das Studium in Halle und Leipzig mit der Promotion in Jura 1934 abzuschließen. Nachdem Bruder Carl, der ebenfalls in der SAP aktiv war und Bertholds bester Freund Werner Borchardt nach Palästina in ein Kibbuz auswanderten, übernahm er, obgleich auch er hätte emigrieren können, die Geschäftsführung in der Kunstblumenfabrik des kranken Vaters, deren Niedergang aufgrund des Boykotts jüdischer Geschäfte nicht aufzuhalten war. Ab 1938 war er Bezirksfürsorger der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Stettin. Nach den Novemberpogromen 1938 wurde er in das KZ Sachsenhausen eingewiesen. Nach seiner Entlassung zog er nach Hamburg, wo er Bezirksfürsorger für Nordwestdeutschland bei der Reichsvereinigung der deutschen Juden war. In Hamburg lebte Berthold Simonsohn mit seiner Mutter Sidonie und seiner Schwester Ilse, der Vater Alfred war inzwischen verstorben. Von der bevorstehenden Deportierung benachrichtigte er  seinen Bruder Carl in Palästina in verschlüsselter Formulierung, der über das Rote Kreuz übermittelte Brief durfte nicht mehr als fünfundzwanzig Worte enthalten: “Senden euch herzlichste Grüsse vor der Reise. Wir sind tapfer und zuversichtlich. Lebt wohl und hofft mit uns auf baldiges Widersehen. Grüsst alle Freunde.  Herzlichst Bertl, Mutti, Ilse.”  Bevor Simonsohn mit seiner Mutter und Schwester nach Teresienstadt deportiert wurde, war ihr ganzes Vermögen beschlagnahmt worden. Sidonie Simonsohn war 62 Jahre alt als sie mit ihren Kindern deportiert wurde, zwei Jahre später ist sie schwer erkrankt und am 8. August 1944 gestorben. Schwester Ilse blieb bis Februar 1945 in Theresienstadt und hatte das Glück mit 1.200 weiteren Personen in die Schweiz auszureisen. Im Ghetto Theresienstadt lernte Simonsohn seine spätere Frau Trude Guttmann kennen gelernt, die im tschechischen Widerstand der zionistischen Jugendbewegung engagiert war. In Theresienstadt haben von den insgesamt 155.000 Juden 117.000 Juden die Gefangenschaft nicht überlebt.

Trude Guttmann, geboren 1921 in Olmütz, war Mitglied einer zionistischen Jugendgruppe. Am 1. September wurde ihr Vater verhaftet und in das KZ Buchenwald gebracht, später nach Dachau, wo er 1942 starb, ihre Mutter wurde in Auschwitz ermordet. Als Berthold Simonsohn am 19. Oktober 1944 für einen Transport in den Osten vorgesehen war, wollte Trude Guttmann nicht alleine in Theresienstadt zurück bleiben und meldete sich für den gleichen Transport. Ziel war das Vernichtungslager Auschwitz, wo sie am 22. Oktober ankamen. Trude, mittlerweile mit Berthold Simonsohn verheiratet, kam nach einigen Tagen in ein kleines Lager bei Breslau und überlebte den Holocaust. Berthold Simonsohn dagegen wurde weiter deportiert, zunächst nach Kaufering. Über die Fahrt von Auschwitz nach Kaufering schrieb Berthold Simonsohn: “Ich kam 4 Tage danach, nach einer qualvollen Fahrt, in einem Güterwagen mit siebzig vor Hunger fast rasenden Menschen zusammengesperrt, in das Lager Kaufering III, einem Außenlager von Dachau.” Trotz schwerster Zwangsarbeit bei völlig unzureichender Ernährung und großer Kälte in den kaum beheizten Unterkünften überlebte er. Bei dem Herannahen der amerikanischen Truppen mussten die Häftlinge einen dreitägigen Marsch nach Dachau-Allach antreten. “Am 30. April nach bangen Stunden die Befreiung und wieder ein 1. Mai wie wir ihn einst gewohnt waren.” Er gehörte zu der kleinen Zahl deutscher Juden, die diese Todesmärsche und Deportationen überlebten.

1951 hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland beschlossen, die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland wieder zu gründen und Berthold Simonsohn als geschäftsführenden Direktor mit dieser Aufgabe zu betrauen. So kehrte Berthold Simonsohn zunächst zu seiner früheren Tätigkeit zurück, die er bis 1961 ausführte. Simonsohns lange gehegter Wunsch, als Wissenschaftler und Hochschullehrer zu arbeiten, erfüllte sich 1962. In diesem Jahr wurde er zum Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt berufen. Er wurde zu einem der wesentlichen Fürsprecher einer Liberalisierung des Jugendstrafrechts. Es war Berthold Simonsohn, der die in Deutschland von den Nationalsozialisten zerstörte Tradition einer psychoanalytischen Pädagogik wiederbelebte. 1963 wurde Simonsohn in das Kuratorium der “Deutsch-Israelischen Studiengruppe” in Frankfurt berufen, dem unter anderen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer und Max Horkheimer angehörten. Mit seinen Aktivitäten in verschiedenen Gesellschaften und der Organisation von Reisen nach Israel war Simonsohn der Wegbereiter für den Aufbau von diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Heinz Joachim Heydorn, einem Widerstandskämpfer, Wehrmachtsdeserteur und Sozialisten, setzte sich Simonsohn für die Belange des Staates Israel ein. Bis 1967 galt im reformorientierten linken Spektrum ein pro-israelischer Konsens für den “Pionierstaat” Israel mit seinen sozialistischen Kibbuzim. Nach dem Sechstagekrieg von 1967 änderte sich die Haltung mit der neu entstandenen „Neue Linken“ und ihrer antiimperialistischen Orientierung grundlegend. Mit dem israelischen Sieg im Sechstagekrieg galt der Judenstaat für viele dieser Linken als US-amerikanischer imperialistischer „Brückenkopf“ im Nahen Osten. Auch im Förderkreis linker Intellektueller, die den damals aus der SPD ausgeschlossenen SDS unterstützten und dessen Mitglied Simonsohn war, schieden sich nach dem Junikrieg des Jahres 1967 die Geister. Es begannen die Auseinandersetzungen, die vielen Linken  den Vorwurf eines als Antizionismus getarnten Antisemitismus eintrug. “Wenn Springer für Israel ist, können wir nur dagegen sein”, schlussfolgerten Anhänger der aufkommenden Studentenbewegung. Die Spaltung der Neuen Linken war vorprogrammiert. Im September 1967 gehörte der SDS zu den ersten linken deutschen Organisationen, die einen radikal antizionistischen Kurswechsel vornahmen.

Simonsohn versuchte während des Sechstagekrieges für Israel politische Unterstützung der Linken in Deutschland zu mobilisieren und hatte sich deshalb an den Professor für Politologie in Marburg, Wolfgang Abendroth gewandt, um ihn und durch ihn auch den Sozialistischen Bund für eine Solidaritätsbekundung für Israel zu gewinnen. In einem offenen vierseitigen Brief an Berthold Simonsohn antwortete Wolfgang Abendroth:

“Auch bei dem gegenwärtigen Präventivkrieg muss daher Israel kein nur den Feudalherren der monarchischen arabischen Staaten, sondern vor allem der Bevölkerung der im wesentlichen progressiven republikanischen Militärdiktaturen als Vortrupp amerikanischer imperialistischer Interessen erscheinen. Deshalb ist eine Identifikation des sozialistischen Internationalismus in den kapitalistischen Staaten mit der gegenwärtigen Politik Israels bei aller Sympathie für die israelische Bevölkerung völlig unmöglich. Das heißt natürlich nicht, dass man sich mit der nationalistischen Hysterie der arabischen Ländern identifizieren könnte. Sie würde im Gegenteil wachsen, wenn auch sozialistische Parteien Europas oder die offizielle Politik der BRD sich an die Seite Israels stellen würde. Im Weltmaßstab gesehen ist leider eine Situation entstanden, in der die Gesamtinteressen der kolonialen Revolution, der sozialistischen Länder und auch des revolutionären Flügels der internationalen Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Staaten stärker mit dem der arabischen Staaten (nämlich Ägypten, Syrien und Algerien, nicht der Fürstenstaaten) als mit den Interessen Israels übereinstimmen.” Zeitgleich hatte der Vorstand des SDS eine Erklärung abgegeben in der er sich mit den arabischen Staaten solidarisch erklärte. Wolfgang Abendroth unterstützte die antiisraelische Erklärung des SDS als “völlig richtig”.

Am 9.6.1967, noch während des Sechstagekrieges, macht Berthold Simonsohn mit seiner Antwort an Abendroth kein Hehl aus seiner Enttäuschung:

“Lieber Genosse Abendroth,

besten Dank für deinen ausführlichen Brief vom 6.6. Leider ist die Ausführlichkeit das einzige, wofür ich Dir zu danken habe. Deine einseitige undialektische und unhistorische Betrachtungsweise, die Du leider mit vielen Linken teilst, hat mich tief enttäuscht. Es gibt sozusagen keinen einzigen Satz deines Briefes, dem ich zustimmen könnte. Warum beginnt Ihr eigentlich alle bei der Behandlung dieses Problems mit dem Jahre 1956? Wenn überhaupt, beginnt das arabisch-jüdische Problem mit dem Jahre 1948. Damals entstand angesichts der außerordentlichen Leiden des jüdischen Volkes der Staat Israel, wohl als einziger durch einen Beschluss der UNO. Wie du weißt, stimmte die Sowjet-Union diesem Beschluss zu (…) Als Antwort auf diesen Beschluss überfielen sieben arabische Staaten die jüdischen Siedlungen. Als die UNO einen Waffenstillstand erzwang, weigerten sich die Araber, Frieden zu schließen. Ich möchte darauf hinweisen, dass der jüdische Staat im Kampf gegen den britischen Imperialismus entstand, der alles dazu tat, um die Araber bei seinem Abzug zu begünstigen. Hingegen unterstützte die Sowjet-Union durch tschechoslowakische Waffenlieferungen das jüdische Volk. Die Araber haben niemals die Existenz des jüdischen Staates anerkannt und mit Terrorakten und Überfällen auf die Zivilbevölkerung, Israel immer wieder Schaden zuzufügen versucht. Seit 1948 haben alle arabischen Staatsmänner stets als das Ziel ihrer Politik die Auslöschung Israels, die Vernichtung oder Vertreibung der Juden erklärt. Kein Volk und kein Staat der Welt würde auf die Dauer einen solchen Zustand ertragen können, ohne sich dagegen zur Wehr zu setzen (…) Israel konnte sich seine Verbündeten nicht aussuchen im Gegensatz zu Nasser, der abwechselnd Vertrüge mit den verschiedenen Großmächten schloss und sich an den meistbietenden verkaufte. Russland hat niemals eine Verständigungsmöglichkeit mit Israel erstrebt, sondern seine Todfeinde mit Waffen beliefert, wie dies übrigens auch lange Zeit England und Amerika getan haben. Israel hat  immer und immer wieder durch seine führenden Staatsmänner seine Bereitschaft zu einer friedlichen Regelung erklärt und nicht unbeträchtliche Teile der jüdischen Arbeiterbewegung haben sich um eine Verständigung mit Russland und den sozialistischen und kommunistischen Kräften der Welt bemüht (…) Die Antwort Nassers dazu: “Wir wollen eine Entscheidungsschlacht, um den Bazillus Israel zu vernichten. Alle Araber wollen eine Entscheidungsschlacht.” Und Schukeiri, der Führer der arabischen Flüchtlingsarmee drohte, dass kein Israeli diesen Krieg überleben würde. Die einzige Drohung, an deren Ernsthaftigkeit niemand zweifeln könnte, der erlebt hatte wie arabische Truppen hausten, wenn sie auf israelischem Gebiet sind. In Anbetracht dieses offen angedrohten Völkermordes und der systematisch an den Rand des Krieges getriebenen Bedrohung Israels ist es mir völlig unverständlich, wie internationale Sozialisten in ihrer Stellungnahme auch nur schwanken können.

Es geht mir nicht um Israel, das sich, wie die Ereignisse zeigen, selbst zu helfen wusste, es geht mir um euren Verrat allen wesentlichen Prinzipien des sozialistischen Humanismus.  Ihr habt damit nicht Israel geschadet, sondern dem moralischen Ansehen unserer Sache und die Glaubwürdigkeit Eures Kampfes gegen den Imperialismus an anderen Stellen der Welt in Frage gestellt. Ihr habt euch von breiten Massen der Linken isoliert und euch in den Ruf gebracht, nur dort gegen das Unrecht, gegen Terror und Krieg zu sein, wo es mit der russischen Linie übereinstimmt. Ich weiß, dass das für Dich und viele andere nicht so zutrifft aber ich habe für Menschen, die in Fragen des Völkermordes einen theoretischen und neutralen Standpunkt einnehmen, keine Sympathie. Habt ihr vergessen dass Israel nicht durch imperialistische Eroberung zustande gekommen ist, sondern als Antwort auf das Versagen der Völker, das jüdische Volk vor Massenvernichtung zu schützen? Wisst ihr nicht, dass in Israel sehr viel mehr Elemente des Sozialismus sind als in den arabischen Staaten? Beruht nicht gerade ein Teil des niedrigen Lebensstandards darauf, dass sie die riesigen Summen an Entwicklungshilfe, die sie bekommen, ganz überwiegend in die Aufrüstung ihrer Armeen mit dem Ziel der Vernichtung Israels gesteckt haben?

Weißt du nicht, dass Ägypten zahllosen Kriegsverbrechern Obdach gewährt und ihnen in seiner Armee und seiner Rüstungsproduktion bevorzugte Plätze einräumt? Weißt du nicht, dass diese progressiven Araber die Kommunisten in Folterlager stecken und gelegentlich einmal einige gegen hohe Rüstungslieferungen auf freien Fuß setzen? Ist Dir unbekannt, dass die progressive Baath-Partei im Irak zehntausende Kommunisten in der gleichen sadistischen Weise niedergemetzelt haben, mit der sie in Israel vorzugehen beabsichtigten? Die israelische Regierung hatte dem russischen Botschafter angeboten, sich an der syrischen Grenze durch persönlichen Augenschein zu überzeugen, ob dort irgendetwas von Kriegsvorbereitungen gegen Syrien festzustellen sei. Er hat dies abgelehnt, weil er die schöne Propaganda-Legende zum Aufmarsch der arabischen Armeen nicht zerstören durfte. Solle Israel wirklich warten, bis es durch Ägyptens Langstreckenraketen vernichtet würde? Verlangt Ihr von den Überlebenden des Nazi-Gemetzels, dass sie sich um den hehren Prinzipien des antiimperialistischen Kampfes willen ein zweites Mal wehrlos hinschlachten lassen?  Jedenfalls lief Eure Politik genau darauf hinaus (…)
Wenn es Ägypten darum zu tun war, gegen einen angeblichen israelischen Angriff geschützt zu werden, hätte ihm nichts erwünschter sein dürfen, als eine Verwicklung der UNO-Truppen in diesen Kampf. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten des von Dir vertretenen Standpunktes, hier formaljuristisch zu argumentieren, wenn es sich um Krieg und Frieden handelt, um Tod und Leben eines Volkes (…)

Ebenso formaljuristisch ist Deine Stellungnahme zur Frage des Präventivkrieges. Wenn ich jemanden, der mir die Gurgel zudrückt, mit der Faust niederschlage, bin ich nicht der Angreifer, sondern handele in Notwehr. Es gab auf der arabischen Seite niemals auch nur eine Stimme, die zu Verhandlungen und Kompromissen bereit gewesen wäre. Eure Aufgabe wäre es gewesen, ein positives Programm zur Lösung der Probleme im Nahen Osten zu entwerfen. Ich glaube nicht, daß ein Sozialist etwa anderes fordern könnte, als die Anerkennung des Lebensrechtes aller Völker und Staaten, die Unversehrtheit ihrer Grenzen, den Schutz vor dem Einfall von Terrorbanden, den freien Zugang zu allen Weltmeeren, sowie den Verzicht auf alle Kriegsdrohungen. Freilich hättet ihr euch damit sofort die Feindschaft der Araber zugezogen. Darf Euch das abhalten, nicht für einen Staat, sondern für die selbstverständlichen Grundlagen der internationalen Koexistenz einzutreten? Es ist nett, dass Du die nationalistische Hysterie Schukeiris (und Nassers?) nicht tolerierbar findest (..) Ihr erschwert es den Israelis damit immer mehr, sich von der Hilfe imperialistischer Staaten unabhängig zu machen. Wer in Lebensgefahr ist, wählt sich seine Verbündeten nicht unter denen, die ihn ins Wasser stoßen wollen.

Niemand verlangt eine einseitige Identifikation des Internationalen Sozialismus mit der israelischen Politik, aber ich dachte, dass eine eindeutige Stellungnahme gegen Chauvinismus und Kriegshetzerei der Araber, gegen deren bedingungslose Aufrüstung durch die Sowjet-Union und für ein Programm der Verständigung mit deren Grundsätzen durchaus vereinbar sei. Ich bin der Meinung, dass es für Sozialisten auch in der Politik einen Grundbestand an moralischen Prinzipien gibt, die man nicht ungestraft verletzen darf. Ich bedauere deshalb die Haltung des SDS und Deine Stellungnahme aufs Tiefste und glaube, dass sie unserer Sache schweren Abbruch zuzufügen geeignet ist.

Dieser Brief von Berthold Simonsohn ist beinahe fünfzig Jahre alt und doch hat er nichts von seiner Aktualität verloren. Die Kritik an der ideologischen Verwahrlosung großer Teile der Linken, die einerseits Israel deligitimieren und dämonisieren und andererseits die Reden und Taten der antisemitischen Islamisten verharmlosen oder ignorieren,  ist ebenso in diesem Antwortbrief, wie die Erkenntnisresistenz eben dieser Linken in dem Ausgangsbrief von Abendroth angelegt. Es waren linke Juden wie Jean Améry, Michael Landmann oder Berthold Simonsohn, die versuchten ihrer mehr oder weniger ignoranten und geschichtsvergessenen Umgebung sehr geduldig und mit eindeutigen nicht widerlegbaren Argumenten den Nahostkonflikt zu erklärten. Die einsamen jüdischen linken Rufer forderten (meist vergebens) Solidarität für Israel, zeigten (meist vergeblich) wie reaktionär, frauenfeindlich, mittelalterlich und inhuman die Gegner Israels sind. Der “Verrat allen wesentlichen Prinzipien des sozialistischen Humanismus” ist bis heute beinahe täglich in sogenannten linken oder linksliberalen Tages- und Wochenzeitungen, in den Aussagen diverser Politiker der Linkspartei oder Gewerkschaften und bei vielen “Marschierern durch die Institutionen” zu bestaunen.

Die Lebensbedingungen im Ghetto Theresienstadt und den Konzentrationslagern waren für seine Gesundheit nicht folgenlos geblieben. Er plante noch eine “Geschichte der jüdischen Wohlfahrt in Deutschland” zu schreiben.Dieses Vorhaben konnte er nicht mehr realisieren. Berthold Simonsohn starb am 8. Januar 1978 in Frankfurt an Herzversagen.

Quelle: Wilma Aden-Grossmann – Berthold Simonsohn: Biographie des jüdischen Sozialpädagogen und Juristen (1912-1978) – Campus Verlag

Allahs willige Vollstrecker und die Bocksgesänge der deutschen Wegbereiter

17. Dezember 2014

“Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung aller Kritik” Karl Marx (Wirtschaftswissenschaftler 1844)

Wohin die Verletzungen religiöser Gefühle führen können, „hat der Streit um die Mohammed-Karikaturen in diesem Jahr auf alarmierende Weise gezeigt.“ Der Paragraph 166 des Strafgesetzbuchs sei “völlig stumpf und wirkungslos, weil er eine Bestrafung nur dann vorsieht, wenn der öffentliche Frieden gefährdet ist und Aufruhr droht.” Edmund Stober (CSU Ministerpräsident 2006)

„Der jüngste Tag wird nicht kommen, bis die Muslime gegen die Juden kämpfen und sie töten, so dass sich die Juden hinter Bäumen und Steinen verstecken. Und jeder Baum und Stein wird sagen: ,Oh Muslim, oh Diener Gottes, da ist ein Jude hinter mir. Komm und töte ihn.“ Muhammad Hussein (Mufti der Palästinensischen Autonomiebehörde 2012)

“Wenn das Wort bedeutete, was alle glauben, wäre ich islamophob. Ich bin dem Islam feind, ich bestehe auf dem Recht, ja der Pflicht des Aufklärers, Allah so wenig zu achten und nach Kräften zu verspotten wie irgendwelche anderen Götter von Jesus C. bis L. Ron Hubbard. Die Religionsfreiheit, die ich meine, ist die Freiheit von Religion. Damit das klar ist.“ Herman L. Gremliza (Konkret-Herausgeber 2010)

burkaIm Monat Ramadan des Jahres 609/610 erschien, laut Aussagen seiner heutigen Anhänger, Mohammed der Engel Gabriel und der forderte „Lies!“ und trage fortan den Menschen die Botschaft Gottes vor. Mit Hilfe des Heiligen Krieges sollten Heidentum und Unglaube nicht nur bei den Arabern bekämpft werden, der Islam sollte auch der ganzen übrigen Welt gebracht werden. Nach den erfolgreichen Kämpfen gegen die Mekkaner besiegten Mohammeds Gotteskrieger die umliegenden jüdischen Stämme. Den gefangenen  jüdischen Männern wurde die Köpfe abschlagen und die jüdischen Frauen und Kinder wurden versklavt. Bereits kurz nach dem Tod Mohammeds expandierte der Einflussbereich des Islam innerhalb von gut einhundert Jahren vom Indus-Tal im Osten bis zu den Pyrenäen im Westen, wo mehr oder weniger verbindlich das islamische Recht, die Scharia installiert wurde. Da die Hauptquelle des Islam, der Koran und die Hadithen, die Sprüche, Aussagen und Taten des Propheten unterschiedlich interpretiert werden können, teilte sich der Islam schon bald in unterschiedliche Glaubensrichtungen auf: Das Sunnitentum, das Schiitentum, den Sufismus, der sich wiederum in etliche Rechtsschulen aufspaltete, beispielsweise in den sunnitischen ultraorthodoxen Wahhabismus aus dem auch die Muslimbruderschaft hervorging. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Untergang des Osmanischen Reiches kam es zu einer rabiat antizionistischen, antisemitischen und antiwestlichen Stimmung in Ägypten und der gesamten arabischen Welt.  Amin al-Husseini, Hasan al-Banna und Sayyid Qutb waren die Schlüsselfiguren dieser reaktionären Entwicklung.

Der extreme Antisemit Amin al-Husseini (1893–1974) war 30 Jahre der politische Führer und 16 Jahre das religiöse Oberhaupt der palästinensischen Muslime. Zeitweilig war er der wichtigste Repräsentant der arabischen Welt. Der Großmufti von Jerusalem vergötterte den Holocaust und für die Ausbreitung des modernen Antisemitismus im arabischen Raum und die Zusammenarbeit  mit dem NS-Regime in Deutschland spielte er die entscheidende Rolle. Die 1928 in Ägypten von Hasan al-Banna (1906-1949) nicht als antikoloniale, sondern als antijüdische Bewegung geründete Muslimbruderschaft hat die Idee des Djihad und die Todessehnsucht des Märtyrers neu entdeckt und so gut wie alle aktuellen islamistischen Terrororganisationen maßgeblich inspiriert. Der Wahn der Islamisten erzeugt einen antijüdischen Krieg, in welchem nicht nur alles Jüdische als böse, sondern zugleich alles Böse als jüdisch halluziniert wird. Es war die Bruderschaft die planmäßig den Aufbau einer Art “Islamistischer Internationale” in Angriff nahm. Als erstes Ziel galt die Vertreibung der Juden und ab 1948 die Zerstörung des jüdischen Staates und die Zurückdrängung aller als westlich empfundenen Werte. Sayyid Qutb (1906-1966) gilt als der wichtigste islamistische “Denker” des 20. Jahrhunderts. Sein Essay „Unser Kampf mit den Juden“, der nach 1967 millionenfache Verbreitung fand und bis heute findet, macht die Juden für den weltweiten moralischen und sexuellen Verfall verantwortlich: „Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude; und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der heiligen gesellschaftlichen Beziehungen steckte ebenfalls ein Jude.“ Sayyid Qutb erklärte Palästina zum heiligen islamischen Gebiet (Dar al-Islam) und Israels Vernichtung zu einer religiösen Pflicht. Juden sind in Anlehnung an Koranverse nach Sayyid Qutb als „Schweine“ und „Affen“ verächtlich zu machen und er bot als wissenschaftliche Erkenntnis die Behauptung feil, dass das Verzehren von nicht-jüdischem Blut ein religiöser Ritus der Juden sei. Die größten Opfer dieser islamistischen Wendung waren die Muslime selbst. Mit dem „Kampf gegen die „Verderber“ ist die Unterdrückung eigener sinnlicher Bedürfnisse gemeint und mit der Rückkehr zu den „heiligen gesellschaftlichen Beziehungen“ die „Unterjochung der Frau“.

Anstatt den terroristischen Dschihadismus gegen Israel und die Menschenverachtung gegen die eigene Bevölkerung zu verurteilen, dämonisieren und delegitimieren seit Jahrzehnen deutsche Politiker, Journalisten und “Nahostexperten” in Publikationen und virtuellen sowie realen Stammtischen in bekannter Täter-Opfer Umkehr, auch mit Nazivergleichen und Boykottaufrufen gegen jüdische Waren den Judenstaat. Am 20.4.2013 forderten beispielsweise die Grünen im Bundestag: “Könnte sie etwa Richtlinien erlassen, wonach Produkte aus israelischen Siedlungen beispielsweise als „Westjordanland (israelische Siedlungen)“ gekennzeichnet werden müssten?” und bereits im Jahre 2010 beteiligten sich die Linksparteimitglieder Annette Groth, Inge Höger und Norman Paech an der israelfeindlichen, von der radikal-islamistischen Organisation IHH organisieren und finanzierten “Hilfsaktion” der “Mavi Marmara.

Nach dem Sturz des Schahs übernahm Ruhollah Khomeini 1979 die Macht und installierte einen islamistischen iranischen Gottesstaat. Seitdem wurden und werden im Iran linke, liberale oder andersdenkende Oppositionelle tausendfach gefoltert und hingerichtet. Durch die islamische Gesetzgebung, der Scharia wird die eigene Bevölkerung terrorisiert. Im Iran werden Frauen wegen “außerehelichem Geschlechtsverkehr” gesteinigt und Homosexuelle an Baukränen erhängt und bei Diebstählen werden Finger oder Hände amputiert. Die größte religiöse Minderheit im Iran, die Bahai werden von den Herrschenden im Iran gnadenlos verfolgt. Die iranischen Machthaber leugnen nicht nur den Holocaust, sie halten Holocaust-Konferenzen ab um den Holocaustleugnern dieser Welt ein Forum zu bieten. Die Schiiten des Irans bezeichnen alle Nachkommen des Propheten Muhammad als Imame und schreiben ihnen einen göttlichen Status zu. Der „Zwölfte Imam“ mit Namen “Mahdi” verschwand 874 spurlos. Laut den iranischen Mullahs wird der “Zwölfte Imam” erst dann aus der Verborgenheit zurückkehren, wenn die Gläubigen damit begonnen hätten, das Böse zu beseitigen und das Böse ist für die iranischen Machthaber der Staat Israel. Bereits am 8. August 1979 hatte Ayatollah Khomeini den Al-Quds-Tag, mit dem Ziel der Vernichtung Israels ins Leben gerufen. Der ehemalige iranische Staatspräsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani sagte anlässlich des al-Quds-Tages in  Teheran am 14. Dezember 2001: „Sollte eines Tages auch die islamische Welt Waffen besitzen, die Israel bereits besitzt, dann würde die Strategie der Imperialisten zu Stillstand kommen, weil eine einzige Atombombe in Israel alles zerstören würde. Jedoch würde dies der islamischen Welt nur schaden. Es ist nicht irrational, solch eine Möglichkeit in Erwägung zu ziehen”. Iranische Präsidenten rufen immer wieder zur Vernichtung Israels auf und mit ihrem Griff nach der Atombombe könnte dieses Ziel irgendwann Realität werden. Die Mullahs unterstützen seit bestehen der Islamischen Republik finanziell und militärisch alle möglichen Terrororganisationen in ihrem Kampf gegen Israel.

Obwohl der Iran per Strafgesetz Menschen eingraben lässt um sie dann mit Steinen hinzurichten, dabei penibel die Größe der Steine und die Reihenfolge der Werfer festlegt, obwohl der Iran seine Bevölkerung wegen Vergehen gegen die Kleiderordnung mit Peitschenhieben öffentlich bestraft, obwohl der Iran den Holocaust leugnet und die Vernichtung der Juden ankündigt wird die Politik des Irans von deutschen Journalisten und Politikern oftmals verharmlost oder sogar bejubelt.  1979 schrieb beispielshalber Joschka Fischer im “Pflasterstrand: “Es ist schon eigentümlich, ja für meine ‘linke Revolutionstheorie’ fast umstürzend, wenn ich miterlebe, wie einer der mächtigsten und sichersten, weil brutalsten und reichsten Diktaturen von Amerikas Gnaden binnen eines Jahres durch eine revolutionäre Massenbewegung ohne Waffen bis ins Mark erschüttert wird. Weiter noch, dass diese Bewegung religiöse Ziele verfolgt, ihre Ideologie nicht in einem nationalrevolutionären Marxismus, sondern im Islam findet und deren Kader und Führer sich aus der Priesterschaft rekrutieren.“ Jürgen Elsässer bezeichnete 2009 die iranischen, demonstrierenden opositionellen Frauen und Männer als „Discomiezen“, „Drogenjunkies“ und „Strichjungen des Finanzkapitals“, und gratulierte Ahmadinejad zu seiner Wiederwahl: “Glückwunsch Ahmadinedschad! … „Gut, dass Ahmadinedschads Leute aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom verfrachtet haben.“   Obwohl der Iran nach der Atombombe greift, behauptete der ehemalige SS-Soldat Günter Grass in seinem Gedicht “Was gesagt werden muss” unter anderem, nicht der Iran sondern Israel gefährde den Weltfrieden, wegen eines angeblich behaupteten Rechts auf einen atomaren Erstschlag gegen den Iran.

Am 11. September 2001 entführte die islamistische Terrororganisation al-Qaida vier Flugzeuge in den USA,  zwei davon lenkten die Terroristen in die Türme des World Trade Centers und eines in das Pentagon bei Washington. Im vierten Flugzeug entwickelte sich ein verzweifelter Kampf zwischen den islamischen Fanatikern und den Passagieren. Unter „Allahu akbar“ Rufen der vier Entführer stürzte das Flugzeug über dem Ort Shanksville ab. Die vom Terrornetzwerk al-Qaida engagieren 19 islamistischen Flugzeugentführer waren so sehr von ihrem Glauben an Allah überzeugt, dass sie zu Selbstmordattentätern wurden und an einem Tag knapp 3.000 unschuldige Menschen mit in den Tod rissen. Die Terrororganisation Al-Qaida nahm vor den Anschlägen Abschiedsvideos auf, um den Terroristen die Möglichkeit zu geben sich von ihren Verwanden und Bekannten verabschiedeten zu können und um ihre bevorstehende Tat als göttlichen Auftrag zu glorifizieren.  Neben vielen Verschwörungstheorien und vielen Rechtfertigungsversuchen zum 11. September in den deutschen Medien meldete sich Jakob Augstein, nachdem Osama bin Laden von den USA vom Leben in den Tod befördert wurde, in seinem “Freitag” zu Wort: “Während der Westen seinen Feind bekämpfte, wurde er wie er“. Augstein war sehr traurig darüber, dass sein unbewaffneter “Bruder” Osama bin Laden, der “von Frauen und Kindern umgeben war”, von “79 Elitesoldaten” überfallen und erschossen wurde.  Kein Wort von den 3000 Opfern des 11. September.

Am 1. September 2004 nahmen islamistische Terroristen im nordossetischen Beslan 1.127 Kinder und Erwachsene einer Schule als Geiseln um tschetschenische Terroristen freizupressen und um dem Ziel eines islamischen Gottesstaates in Tschetschenien näherzukommen. Die Islamisten lehnten trotz starker Hitze  die Lieferung von Nahrungsmitteln und Wasser ab. Der Durst zwang die Gefangenen teilweise ihren Urin zu trinken und sich bis auf die Unterwäsche auszuziehen. Nach drei Tagen versuchte eine Gruppe von Geiseln zu fliehen, worauf die Terroristen auf sie zu schießen begannen und sich ein stundenlanges Feuergefecht mit den russischen Spezialeinheiten entwickelte bis diese das Gebäude stürmte. Im Verlauf der Kämpfe stürzte die Decke im Sportsaal der Schule ein, was vielen Kindern das Leben kostete.

Wer nun meint in den Deutschen Medien wäre voller Abscheu über die islamistischen Terroristen zu lesen gewesen, der irrt. Die “Süddeutsche Zeitung” meinte “in Putins eigener Doktrin geht die Staatsraison über das Leben des Einzelnen; im Putin-Russland kennt der herausgeforderte Staat nur die eine Antwort: Härte.”  Über eine “Demonstrationen gegen den Terror“, bei der der mehr als 100.000 Moskauer auf der Straße waren, schrieb die TAZ von “Protesten im Auftrag des Kreml“. Im Falle des “Geiseldramas von Beslan” stand der überwiegende Teil der deutschen Öffentlichkeit und der überwältigende Teil der Massenmedien zweifellos auf Seiten der islamistischen Mörder. “Die dreihundertneununddreißig Toten, viele von Freiheitskämpfern in den Rücken geschossene Kinder darunter, waren noch nicht beigesetzt, als ein mit Orden und Preisen dekorierter deutscher Menschenrechtler den Präsidenten Russlands wegen Völkermords vor ein internationales Tribunal forderte, das deutsche Staatsfernsehen die Russen rügte, “immer noch hinter Putins brutaler Tschetschenien-Politik” zu stehen anstatt hinter den Schützen von Beslan, und der außenpolitische Sprecher der Union bedauerte, die Geiselnahme von Kindern “diskreditiere jedes politische Ziel”, das die Terroristen in den Augen des Friedbert Pflüger also haben und das, so sie nur Menschen massakrieren, die dem Schulalter entwachsen sind, Kredit verdient. Wie schon beim Anschlag vom 11. September 2001 mutierten die Deutschen über Nacht zum Anwaltskollektiv der Islamisten. ‘Wenn ich Tschetschene wäre’, sprach aus ihnen ihr beliebter Peter Scholl-Latour, ‘wär’ ich Terrorist.'”, schrieb dagegen Herman L. Gremliza in Konkret.

Massenmord gehört zur Strategie des Islamismus. Islamische Selbstmordattentäter sind der Überzeugung, dass sie durch ihren Mord an “Ungläubigen” unverzüglich ins Paradies zu “72 Jungfrauen” einziehen werden. Als die Bombenleger der Terrorgruppe „Jemaah Islamisah“ (Die Gemeinschaft des Islam) des Anschlags auf Touristen 2002 in Bali mit 202 (überwiegend australischen jugendlichen) Todesopfern ihr Todesurteil im Gerichtssaal mitgeteilt bekamen, brachen sie in Jubel aus. Die Mörder waren fest davon überzeugt demnächst ins Paradies einzuziehen. Diese Todessehnsucht übersteigt die Nekrophilie der Falangisten im Spanischen Bürgerkrieg mit ihrem Schlachtruf „Viva la Muerte“ um ein vielfaches. Die Todessehnsucht der Dschhadisten soll Angst und Schrecken bei den Gegnern erzeugen. Angst ist wie die Strafe ein Kernelement der islamischen Religion.

Wie die Muezzine vom Minarett rufen die Meinungsmacher von der TAZ bis zur FAZ, von der ARD bis zu RTL ihre Landsleute auf, um Himmels willen nicht dem Islam anzulasten, was sie beinahe täglich von den im Namen des Islams wütenden und mordenden  Dschihadisten dieser Welt zu sehen und zu hören bekommen. Der wahre Islam, sei etwas ganz anderes als dieser falsche, fanatische Islamismus. Nach dieser Logik haben die Hexenverbrennungen des Mittelalters auch nichts mit der katholischen Kirche zu tun, wie die Forderung im “Handbuch der Judenfrage” Martin Luthers “ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anzustecken” nicht der Reformation angelastet werden kann. Das Osmanische Reich, Kolonialismus und Imperialismus, haben die Länder der Dritten Welt in einem jämmerlichen Zustand hinterlassen. Nach den Niederlagen des Panarabismus scheiterte Anfang der 1970er Anwar al-Sadat mit seinem Projekt der neoliberalen Islamisierung in Ägypten. Die Machtübernahme der Islamisten im Iran 1979, die islamische Neuorientierung der arabischen Welt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hat diesen jämmerlichen Zustand zementiert. Nach dem offenkundigen Scheitern des “Arabischen Frühlings”, vielleicht mit Ausnahme von Tunesien, fungiert der Islamismus mehr denn je als eine Art Krisenbewältigungsideologie. Der aktuelle Zerfall von Staaten im arabischen Raum, das Aufkommen des länderübergreifenden IS-Terrorregimes  und der gleichzeitige Rückzug der schwächelnden USA deutet auf eine neue Ära postkapitalistischer Barbarei hin. Die im Namen Allahs begangen islamistischen Terrorakte von New York, Beslan, London, Madrid, Bali, Djerba und Peshawar, die barbarischen Hinrichtungen des IS, der Terror von Hamas und Hisbollah,  die Fatwa gegen Salman Rushdie, die Morde des Mohammed Merah, um nur einige wenige zu nennen, sind Belege dieser Entwicklung.

Die rechten Reaktionen der deutschen “patriotischen” Wutbürger auf die muslimischen Flüchtlinge aus den Krisenregionen werden aktuell von Bewegungen wie PEGIDA mit Abschiebeforderungen gegen die Davongekommenen auf den Straßen der “Wir-sind-das-Volk-Revolutionäre” formuliert. Die Reaktionen der linksliberalen kulturrelativistischen Gutbürger sind nicht weniger rassistisch. Wer Allahs willige Vollstrecker, von Amin al-Husseini bis Mohammed Atta, die Taliban, die Hamas, die Hisbollah, die iranische Regierung oder den Islamischen Staat und ihren Kampf gegen die Juden und ihren Hass auf die Werte der Aufklärung nicht als das bezeichnet was sie sind, nämlich Islamfaschisten, sondern sie verharmlost, verteidigt oder ihre Verbrechen relativiert, dem sind die Lebensumstände der Menschen in der arabischen Staaten vermutlich egal. Kürzlich meinte Gesine Schwan bei Günter Jauch: “Wenn Sie irgendwo in eine Debatte kommen über Religion und Politik, geht es sofort gegen den Islam. Das, was früher das Judentum war, ist jetzt der Islam. Das ist eine gezielte Vorurteilsbereitschaft.” Mit ihrer, in der Sendung unwiedersprochenen Relativierung des Holocaust belegt Frau Schwan nicht nur die Geschichtsvergessenheit der SPD. Irgendjemand sollte Frau Schwan mitteilen, das, was früher der Nationalsozialismus war, das ist heute der Islamismus. Zumindest verbreitet der Islamismus den Kern der Nazi-Ideologie, den eliminatorischen Antisemitismus. Wie es deutsche Scharia-Versteher fertigbringen einerseits für die Emanzipation der Frau in Europa einzutreten, aber die Unterdrückung der Frau mit Burka und Steinigungen wegen “außerehelichem Geschlechtsverkehr”  in den Ländern der islamischen Welt zu tolerieren oder zu ignorieren bleibt ein Rätsel unserer Zeit.

Menschenwürdigere Zustände in den Ländern der arabischen Welt wird es erst geben wenn Staat und Religion getrennte Wege gehen, wenn die Imame und die Mullahs der arabischen Welt aufhören ihren Hass gegen die Juden und gegen die Emanzipation zu predigen, wenn der Antisemitismus den arabischen Kindern nicht mehr mit der Muttermilch eingegeben wird und also in den islamischen Gesellschaften Frauen und Mitglieder von Minderheiten nicht mehr als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Muslimische Fundamentalisten weigern sich bis heute die Interpretation ihrer “Heiligen Schrift” an die Umstände der modernen Welt anzupassen und die “modernen” Muslime stehen dem zumeist hilflos gegenüber. Beinahe schlimmer als der Zustand der islamischen Welt ist der Aufklärungsverrat der deutschen Kulturrelativisten und Geschichtsrevisionisten, er sollte nicht unwidersprochen bleiben: Allah raus, Ausländer rein!

Quellen: Robert S. Wistrich – Muslimischer Antisemitismus – Eine aktuelle Gefahr | Matthias Küntzel – Djihad und Judenhaß – Über den neuen antisemitischen Krieg |  Thomas Maul – Die Macht der Mullahs  – Schmähreden gegen die islamische Alltagskultur und den Aufklärungsverrat ihrer linken Verteidiger

Emanuel Schaffer und die Nivchéret

27. November 2014

schefferBei der Europameisterschaft 2016 in Frankreich werden erstmals 24 statt 16 Mannschaften antreten. Die 53 Nationen spielen die 24 Plätze in neun Fünfer- oder Sechsergruppen aus. Die neun Gruppensieger, die neun Gruppenzweiten und das beste drittplatzierte Team sind direkt für die Endrunde qualifiziert. Die acht restlichen drittplatzierten Teams treten in den Play-Offs gegeneinander an und spielen die verbleibenden vier Teilnehmer aus.

Zu den großen Überraschungen in der bisherigen Qualifikation zur Europameisterschaft zählt zweifellos die israelische Fußball Nationalmannschaft. In der Gruppe B liegt die “Nivchéret” von Trainer Eli Guttman mit drei Siegen aus drei Spielen auf Platz eins. Am 16.11.2014 zog WM-Teilnehmer Bosnien-Herzegowina mit 0:3 in Israel den Kürzeren. Israels Torschütze vom Dienst, der Angreifer von Austria Wien, Omer Damari schlug wieder zu und führt somit die aktuelle Torschützenliste (gemeinsam mit Danny Welbeck) mit fünf Treffern an.

Neben Omer Damari gehört Tal Ben Haim von Standard Lüttich zu den bekannteren aktuellen Spielern der israelischen Nationalmannschaft. Eli Guttman, der ehemalige Meistermacher von Hapoel Haifa und Hapoel Tel Aviv, trainiert die “Nivchéret” seit 2012 und die Chancen bei dem Turnier 2016 in Frankreich dabei zu sein sind sehr gut. Die beiden nächsten Spiele am 28.3. und 31.3.2015 gegen Wales und Belgien, jeweils in Israel könnten bei Heimsiegen bereits für eine Vorentscheidung zugunsten Israels sorgen.

Die letzten Jahrzehnte scheiterte Israel, trotz guter Nachwuchsarbeit und guten Spielen, aber wegen fehlender Ergebnisse, oftmals knapp an Qualifikationsturnieren für die Europa- oder Weltmeisterschaft. Seit der WM in Mexiko 1970 konnten sich Israels Kicker für kein großes Turnier mehr qualifizieren. Emanuel Schaffer war in Mexiko der Trainer der israelischen Auswahl. 1968 wurde Emanuel Schaffer  Cheftrainer der “Nivchéret”. “Eddy” Schaffers erster Arbeitstag begann mit einem Missverständnis. Der neue Nationaltrainer stellte sich der Mannschaft mit folgenden Worten vor: “Ab jetzt haben wir dreimal Training.” Die Spieler nahmen dies zur Kenntnis und wollten wissen, an welchen Tagen sie kommen sollten. “Um 7 Uhr, um 11 Uhr und um 15 Uhr”, antwortete der neue Coach. So hat der Profifußball in Israel begonnen. Und die Ara einer Mannschaft, die zu einem nie mehr dagewesenen Höhenflug ansetzte.

Am 11. Februar 1923 wurde Emanuel Schaffer im polnischen Drohobycz in der Nähe von Lwow  geboren. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie ins Ruhrgebiet nach Recklinghausen. Als die Nazis 1933 in Deutschland die Macht übernahmen, erkannte der Vater die Gefahr, die Familie verließ Recklinghausen und floh mit dem elfjährigen Eddy und seinen drei Schwestern über Frankreich 1934 zurück ins ostpolnische Galizien. Emanuel wechselte seine Muttersprache von Deutsch zu Polnisch. In Drohobycz besuchte Eddy das Gymnasium und spielte Fußball bei Betar Drohobycz, einem  Klub der zionistischen Jugendbewegung. Drohobycz wurde am 22. Juni 1941 von der deutschen Wehrmacht überfallen und Lwow wurde zu Lemberg.  Als Lwow 1941 zu Lemberg geworden war, ermordeten die Deutschen und ihre ukrainischen Kollaborateure in der Stadt und ihrer Umgebung 400.000 Juden und 140.000 russische Gefangene. In das Haus der Schaffers drangen deutsche Mörder ein und löschten alle anwesenden Familienmitglieder aus. Der Vater, die Mutter und die drei Schwestern von Emanuel Schaffer wurden ermordet. Nur der 17-jährige Emanuel entkam dem deutschen Zugriff. “Ich war in der Schule, als die Nachricht gekommen ist. Die Russen sind alle weggelaufen, also bin ich einfach mitgerannt”, erinnert sich Emanuel Schaffer. Der jüdische Waise erkrankte bald an Diphtherie und Typhus und kam dann nach Alma Ata in Kasachstan, wo er vier Jahre lang in einem Arbeitslager interniert wurde. Schaffer arbeitete in einer Schuhfabrik und spielte Fußball bei Dynamo Alma Ata.

Nach Kriegsende und der Befreiung vom Nationalsozialismus  kehrte Schaffer nach Polen zurück. Er war ein unerwünschter Überlebender, nicht zuletzt wegen des polnischen Antisemitismus wollte er nach Palästina auswandern. Fehlende Papiere, das Einreisestopp der Briten und die Einberufung in die polnische Armee zwangen Schaffer 1950 über die Tschechoslowakei, Österreich und Italien nach Israel zu fliehen. Zum vierten Mal in seinem jungen Leben musste er eine neue Existenz aufbauen, aber zum ersten Mal fühlte er sich, nicht zuletzt dank seines fußballerischen Talents, wirklich willkommen. Seine Länderspielbilanz in Israel waren sechs Spiele und sechs Tore. 1958, sieben Jahre vor der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland, ließ er sich an der Sporthochschule Köln, mit einem Diplom von Hennes Weisweiler, ausbilden. Mit Schaffer gelang auf Anhieb, was zuvor noch keiner anderen israelischen Nationalelf gelungen war, der Sprung zu den Olympischen Spielen in Mexiko. Allerdings boykottierten die zugelosten Gegner Burma, Iran und Indien den Staat der Juden, so reichten zwei Siege über Ceylon (7:0,4:0), um das erste und billigste Olympiaticket aller Zeiten zu lösen. Erst im Viertelfinale scheiterte Israel an Bulgarien. Nach einem 1:1-Remis nach Verlängerung entschied das Los. Zwei Zettel wurden beschriftet und in einen Sombrero geworfen. Der französische Schiedsrichter zog “Bulgarien” heraus und Israel musste ungeschlagen, aber erhobenen Hauptes nach Hause fahren.

Schaffer gab sich mit diesem Achtungserfolg nicht zufrieden. Er bereitete sein Team systematisch auf die Qualifikation für die WM 1970 vor, unter anderem mit einem Trainingslager in der Sportschule Hennef. Nach zwei Siegen (4:0 und 2:0) gegen Neuseeland stand nur noch Australien der Verwirklichung des Traumes im Wege. Über 50.000 Zuschauer sahen in Raurat einen 1:0-Sieg. Schütze des goldenen Tores war Israels Spielmacher Mordechai Spiegler. Das Rückspiel in Sydney endete 1:1. “Eddy” Schaffer verließ das Spielfeld auf den Schultern seiner Spieler. Innerhalb von zwei Jahren hatte Schaffer Israels Nivchéret in den Kreis der Weltelite geführt. Bei der WM in Mexiko verlor Israel zwar in der Gruppenphase nur gegen den späteren WM-Vierten Uruguay mit 0:2 Toren, doch mit zwei Punkten schied das Team nach der Vorrunde aus. Gegen den späteren Vizeweltmeister Italien trennte sich die Nivchéret 0:0 unentschieden wie beim 1:1 gegen Schweden. Beim Spiel gegen Schweden am 7. Juni 1970 schoss sich Mordechai Spiegler mit seinem linken Fuß in die Sportannalen Israels. Aus 25 Metern, mit starkem Rückenwind, das “Tor muss in Richtung Jerusalem gestanden haben“, erzielte Spiegler in Tuluka das 1:1 gegen Schweden. Es war der erste Treffer für die israelische Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft und es blieb bisher der einzige. Später spielte Mordechai Spiegler mit Pelé und Franz Beckenbauer bei Cosmos New York.

Trotz des vorzeitigen Ausscheidens wurde die Nivchéret bei der Landung in Tel Aviv gefeiert wie ein Weltmeister. Die zwei Punkte und das eine Tor waren ein Triumph für den jungen Staat, der erst 22 Jahre zuvor gegründet worden war. 1971 ging die erfolgreichste Trainer-Ära in Israels Fußball zu Ende. 1978 übernahm Schaffer zwar noch einmal das Amt des Nationaltrainers, konnte aber nicht an seine früheren Erfolge anknüpfen. Am 28. Dezember 2012 starb Emanuel Schaffer, nach langer Krankheit im Alter von 89 Jahren im von polnischen Einwanderen 1923 gegründeten israelischen Ramat Hasharon. An seinem Grab sagte Avi Luzon, der Präsident des israelischen Fußballverbands: “Er war der größte Trainer, den wir je hatten.

Sollte Israels Fußballteam seine beiden Heimspiele im März 2015 gegen Wales und Belgien gewinnen, kann die Reise nach Frankreich gebucht werden und Eli Guttman könnte an die großen Zeiten von Emanuel Schaffer anknüpfen.

Quelle: Stefan Mayr: Zwischen Intifada und Champions League. Fußball in Israel – aus: Dietrich Schulze-Marmeling (Hg.): Davidstern und Lederball. Die Geschichte der Juden im deutschen und internationalen Fußball, Göttingen 2003 (Verlag: Die Werkstatt)

Die Judenkritiker der Linkspartei

14. November 2014

linke2Antisemitismus innerhalb der Linken gibt es seit es Linke gibt. Bereits der Zinskritiker und Frühsozialist Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) schrieb 1847 in seinen Notizbüchern: “Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muss diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten.” Das ZK-Mitglied der KPD Ruth Fischer forderte am 25. Juli 1923 auf einer Versammlung von kommunistischen StudentInnen:“Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie.” Die stalinistischen „Säuberungen“ und Schauprozesse im sogenannten Realsozialismus trugen bereits in den 1930er Jahren antisemitische Züge. In der CSSR wurde Rudolf Slánský nach einem dieser Schauprozesse am 3. Dezember 1952 zusammen mit zehn weiteren fast ausschließlich jüdischen Mitangeklagten hingerichtet.

Albert Fichter von den Tupamaros Westberlin legte im Auftrag von Dieter Kunzelmann am 9. November 1969, dem Jahrestag der Reichspogromnacht eine Bombe im jüdischen Gemeindehaus, die er zuvor von Peter Urbach, einem V-Mann des Verfassungsschutzes bekam. Nach dem Anschlag erhält der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, Heinz Galinski eine auf Band aufgenommene Drohung, nach 15 Sekunden dauernden Ticken ertönt eine Frauenstimme: “Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus hat gezündet. Berlin dreht durch, die Linke stutzt … Springer, Senat und die Galinskis wollen uns ihren Judenknacks verkaufen. .. Bei uns ist Palästina, wir sind Fedajin. Heute Nachmittag kämpfen wir für die revolutionäre palästinensische Befreiungsfront Al-Fatah! Schlagt zu!” Fast vier Jahrzehnte später, im November 2008, kurz vor dem 70. Jahrestag der Reichspogromnacht, blieb Inge Höger von der Linkspartei einer Abstimmung des Bundestags, die eine verstärkte Bekämpfung des Antisemitismus zum Gegenstand hatte, demonstrativ fern.

Judenkritische Abgeordnete der Linkspartei um Inge Höger  und Annette Groth hatten für den 9. November 2014, dem Jahrestag der Reichspogromnacht die zwei “israelkritischen” Publizisten Blumenthal und Sheen als “jüdische Kronzeugen” in den Sitzungssaal der Linksfraktion eingeladen um über “Israels Kriegsverbrechen in Gaza” zu sprechen. Max Blumenthal bezeichnet in seinen Büchern israelische Soldaten als “Judäo-Nazis”, setzt Israel mit dem »Islamischen Staat« auf eine Stufe und bewunderte den »echten Widerstand« der islamfaschistischen Hamas. Max Blumenthal wurde wegen seiner antisemitischen Äußerungen vom Simon Wiesenthal Center auf Platz 9 in die “Top Ten” der schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Verunglimpfungen des Jahres 2013 aufgenommen, den selben Platz, den ein Jahr zuvor Jakob Augstein, Herausgeber des angeblich linksliberalen “Freitags” inne hatte.

Nachdem der Fraktionsvorsitzende der Linkspartei Gregor Gysi diese und eine geplante Veranstaltung in einem Berliner Theater verhinderte zog Höger mit ihren “Friedensfreunden” in ein “Antikriegscafé”. Tags darauf lauerten Blumenthal und Sheen gemeinsam mit Inge Höger, Anette Groth, Heike Hänsel, Claudia Haydt und anderen judenkritischen Abgeordneten der Linkspartei Gysi vor dessen Büro auf. Gysi wurde massiv bedrängt und von Sheen bis zur Toilette verfolgt. Sheen und Blumenthal forderten im Brüllton, Gysi solle sich für den Vorwurf, sie seien Antisemiten, entschuldigen. Seinen Übergriff hielt Sheen persönlich mit dem Smartphone fest und stellte ihn anschließend online. Inge Höger, Annette Groth sowie Heike Hänsel sahen sich schließlich zu einer “persönlichen Erklärung” genötigt und entschuldigten sich bei Gregor Gysi und der gesamten Fraktion und distanzierten sich “von dieser aggressiven Vorgehensweise und den Beleidigungen”, außerdem wären sie “persönlich enttäuscht von der Veröffentlichung dieses unwürdigen Vorgangs”.

Dieser “unwürdige Vorgang” ist freilich nur ein weiterer Beleg für das Antisemitismus-Problem der Linkspartei. Bereits im Jahre 2010 beteiligten sich die Linksparteimitglieder Annette Groth, Inge Höger und Norman Paech an der israelfeindlichen “Hilfsaktion” an Bord der “Mavi Marmara,   die von der radikal-islamistischen Organisation IHH organisiert und finanziert wurde. Beim Ablegen in Istanbul skandierten die Passagiere des “Friedensschiffes” Parolen der Hamas, Loblieder auf das islamische Märtyrertum und „Tod allen Juden“. Von den gewalttätigen Ereignissen, als die israelische Armee die “Mavi Marmara” stoppte, bekamen Annette Groth und Inge Höger nichts mit, da die beiden mit den übrigen Frauen im “Frauendeck” eingeschlossen waren. Groth und Höger, die sich für die Emanzipation der Frau in Europa einsetzen akzeptierten brav und devot die Geschlechter-Separation der Islamisten. Das gemeinsame Ziel, der Kampf gegen Israel steht für JudenkritikerInnen über allem. Wenige Monate später trat die Bundestagsabgeordnete der Linkspartei Inge Höger bei einer Konferenz von Hamas-Sympathisanten in Wuppertal mit einem Tuch um den Hals auf, das den Nahen Osten ohne den Staat Israel zeigte.

Erinnert sei beispielshalber noch an den 27. Januar 2010. An diesem Tag, 65 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz sprach Schimon Peres im Deutschen Bundestag. Sahra Wagenknecht verweigerte mit Christine Buchholz nach Peres Rede die stehenden Ovationen, blieb sitzen und begründete dies unter anderem damit sich nicht vor dem „kriegsverantwortlichen“ Peres verneigen zu wollen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren solcherlei Verweigerungsgesten im Parlament am Auschwitz-Gedenktag nur von der NPD bekannt.

Antizionisten wie sie in der Linkspartei im Übermaß zu finden sind machen den Judenstaat Israel für so gut wie alles verantwortlich. Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel, Sahra Wagenknecht, Christine Buchholz und Norman Paech gehören zu der “Creme de la Creme” der “Israelkritiker” in der Linkspartei, sie sind freilich nur die Spitze des antisemitischen Eisberges dieser Partei. Die Gründe für ihren Antisemitismus dürften vielfältig sein. Von einer debilen Friedensliebe, gepaart mit einem Schuldabwehrkomplex über eine paranoide Vorurteilsstruktur bis hin zu allen übrigen modernen Kriterien des Antisemitismus ist alles drin in ihrem reaktionären Angebot.  Wie es diese Judenkritiker zusammenbringen einerseits hierzulande für die Gleichberechtigung der Frau, gegen Diskriminierung von Homosexuellen und anderen Minderheiten einzutreten aber andererseits  im Nahen Osten die islamistischen Bewegungen und Regimes trotz ihrer Menschenverachtung zu unterstützen, kann nur mit einem unausrottbar tief sitzenden Judenhass zu erklären sein. Mit ihrem obsessiven antizionistischen Hass delegitimieren und dämonisieren Höger, Grote und Co. einerseits den Staat Israel und mit ihrer Verharmlosung oder ihrer Ignoranz gegenüber den Verbrechen von islamistischen Terrororganisationen und Staaten wie der Hamas oder des Irans machen sie, da ihnen aus den eigenen Reihen kaum Widerstand entgegenschlägt, die Linkpartei zu einer antisemitischen Partei. Der Linke-Abgeordnete Michael Leutert fordert nun Annette Groth und Inge Höger wegen ihrer Judenkritik zum Mandatsverzicht auf. Auf die längst überfälligen Parteiausschlüsse von Inge Höger, Annette Groth Heike Hänsel und wie sie sonst noch alle heißen wird man freilich unendlich lange warten müssen.

Die Versuche beispielsweise von Jean Améry oder Michael Landmann verblödete Linke davon zu überzeugen, dass es keinen “ehrbaren Antisemitismus” gibt erreichten kaum ihr Ziel. Judenhass war und bleibt irrrational, mit Argumenten lassen sich weder bürgerliche noch linke Antizionisten überzeugen.

Im Nachwort von  “Léon Poliakov – Vom Antizionismus zum Antisemitismus” schreibt Thomas Haury: “Die Kritik des Antizionismus trifft nicht nur den sektiererischen Kern der Palästina-Solidarität, sondern gilt generell dem manichäischen anti-imperialistischen Weltbild und dem Nationalismus von links, wie er nicht nur während des Golfkrieges sich zeigte. Antinationalismus stellt nicht nur eine Grundbedingung zum Begreifen und Erkennen des Antisemitismus, sondern auch eine Grundbedingung der Linken überhaupt dar. Als gesellschaftlich geprägte Individuen sind ‘Linke’ potentiell so nationalistisch und antisemitisch wie die sie umgebende Gesellschaft, als hierzulande aufgewachsene sind sie ebenso anfällig für die spezifischen Zwänge eines deutschen Nationalismus, die Verweigerung der Auseinandersetzung mit der belastenden Vergangenheit und die symptomatischen Wiederkehr des Verdrängten in Form eines ‘sekundären Antisemitismus’. Als radikal kritisch sich begreifende und historisch reflektierende politische ‘Linke’ ist es deshalb ihre unabdingliche Aufgabe, sich der (selbst)kritischen Auseinandersetzung zu stellen: Das eigene Bedürfnis nach kollektiver und damit potentiell nationaler Identität reflektieren, das die gesellschaftlichen Verhältnisse verdinglichende anti-imperialistische Weltbild als ideologisches und falsches zu kritisieren, den Antizionismus als das aufzuweisen und zu denunzieren, was er ist, ihn nicht weiter als ‘links’ gelten zu lassen – dies muss zum grundlegenden Selbstverständnis einer der Aufklärung und Kritik verpflichteten Linken zählen, will sie sich noch als solche bezeichnen.” 

 

Kommt eine jüdische Antisemitin nach Ramallah…

13. Oktober 2014

BirzeitHass

Ein Witz, der so anfängt, wäre arg konstruiert, oder? Aber letzte Woche ist genau das passiert.

Die Hauptperson der Komödie: Amira Hass, „Korrespondentin für die besetzten Gebiete“ bei der israelischen Tageszeitung „Haaretz“. Sie wurde mit etlichen „Menschenrechts“-Preisen dekoriert, weil sie für alles Böse Israel verantwortlich macht. „Jeder einzelne Palästinenser der Welt“ sei „das Opfer der israelischen Politik“, sagt sie; es sei „das Recht und die Pflicht“ der Palästinenser, Steine auf Juden zu werfen.

Auch dabei: die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie leitet Geld der deutschen Steuerzahler an ein palästinensisches “Center for Development Studies”, das damit die nutzlosen Veranstaltungen finanziert, zu denen Leute wie Amira Hass gern hingehen. Diesmal war es eine Konferenz mit dem spannenden Titel:  Alternativen zur neoliberalen Entwicklung in den besetzten palästinensischen Gebieten – kritische Perspektiven.

Der Ort: die Birzeit-Universität in der Nähe von Ramallah, wichtigster Hort palästinensischen Geistes und Hochschule des Terrorismus. 2006 fand dort eine Jobmesse der Hamas statt, bei der Raketen und Raketenwerfer gezeigt wurden. Ein Jude, der freiwillig nach Birzeit geht, wäre auch zum Reichsparteitag gefahren, um sich über kritische Perspektiven zu informieren.

Doch was Amira Hass dort widerfuhr, traf sie unvorbereitet. Eben noch in Powerpoint-Präsentationen alternativer Entwicklungen vertieft,  wurde sie plötzlich aufgeschreckt von zwei Dozentinnen, die sie nach draußen beorderten. Es gebe „ein Problem“. An der Birzeit-Universität seien keine Juden erlaubt. Die Regel gebe es schon seit zwei Jahrzehnten. Rechnen wir nach: Damals begann der „Friedensprozess“ – offenbar von Anfang an ein Codewort für „keine Juden erlaubt“.

„Eine der Dozentinnen“, so Hass, „erklärte, dass es für die Studenten wichtig sei, einen sicheren Ort zu haben, den jüdische Israelis nicht betreten dürften.“

So wie die Nationalsozialisten erst Universitäten, Kinos, Schwimmbäder, Parkanlagen, Kurorte und Gaststätten, später dann ganz Europa zu sicheren Orten erklärten. Wie ein völlig unabhängiger palästinensischer Staat aussähe, mag man sich nicht ausmalen. Ferner habe die Dozentin gesagt: Obwohl das Gesetz „problematisch“ sei, sei „nicht der Ort und die Zeit, seine Änderung zu diskutieren“. Wenn sie verlangen würde, für Amira Hass eine Ausnahme zu machen, könne ein anderer Dozent „dieselbe bevorzugte Behandlung“ für andere fordern.

Man kennt das: Behandelt man auch nur einen einzigen Juden wie einen Menschen, brechen rasch alle Dämme. Sie habe auch gesagt, so Hass, dass Professor Ilan Pappe, der Autor des Buches „Die ethnische Säuberung Palästinas“, eingeladen worden sei, einen Vortrag in Birzeit zu halten, dies aber aufgrund des Gesetzes außerhalb des Campus hätte tun müssen.

Wenn Antisemiten aus dem Nähkästchen plaudern, erfährt man die tollsten Sachen. Da sollte also der Imam derer, die Israel „Apartheid“ vorwerfen, an der wichtigsten palästinensischen Universität darüber dozieren – doch rein durfte er nicht, weil seine Gastgeber selbst ein Apartheidsgesetz haben und Pappe das Betreten der Uni verbieten. Dieser, doof wie er ist, hat das Judengesetz natürlich befolgt. Er hätte sich auch einen gelben Stern ans Jackett geheftet, wenn man ihm erklärt hätte, dass das jetzt wieder Vorschrift sei.

Hass fährt fort: „Die andere Dozentin sagte mir, dass ich, wenn ich nicht ,Haaretz‘ in das Formular geschrieben hätte, hätte bleiben können.“ Das wird ihr zu denken geben. Verbrecher und jüdische Reporter dürfen keine Spuren hinterlassen. Vielleicht sollte sie ihren Namen ändern, in Amra al Hash. „Ein weiteres Fakultätsmitglied, das ich schon seit 40 Jahren kenne, kam vorbei und sagte: ,Das ist zu deiner eigenen Sicherheit.‘“

Wenn ein Nichtjude zu einem Juden sagt, etwas geschehe zu dessen eigener Sicherheit, sollte dieser wirklich auf der Hut sein. Hier bedeutet es: Die palästinensischen Studenten sind nach Einschätzung der Fakultät stets in Pogromstimmung. Würde das ein Israeli behaupten, würden ihn deutsche Zeitungen als „ultrarechts“ bezeichnen. Es kommt noch besser: „In diesem Moment erinnerte ich mich an das Bild, das Israelis für gewöhnlich von Palästinensern haben: irrationale Hitzköpfe.“

Frau Hass wird ein Bild im Kopf gehabt haben, für das „irrationale Hitzköpfe“ eine sehr verharmlosende Umschreibung ist. Warum erzählt sie das? Irgendwo musste der aufgestaute Zorn sich Bahn brechen, sie musste einfach „irrationale Hitzköpfe“ schreiben – es dann aber, wie es ihre Art ist, einem israelischen Strohmann anlasten. Dann, so Hass, sei „Katja Hermann, die Direktorin des Regionalbüros der Rosa-Luxemburg-Stiftung in den besetzten Gebieten, über die Komplikationen benachrichtigt worden. Obwohl sie anerkennt, wie wichtig es ist, einen sicheren Raum für palästinensische Studenten zu bewahren, so wie Feministinnen Räume nur für Frauen geschaffen haben, sah sie nicht, warum es unmöglich sein sollte, protestierenden Studenten (,die ich nicht mal sehe‘, bemerkte sie) zu erklären, warum dieser Puritanismus übers Ziel hinausschießt.“

Puritanismus nennt man das jetzt! Sollte es so sein, dass sich antijüdische Apartheid zu linker Nahostideologie so verhält, wie der Salafismus zum Islam – dass er die unverwässerte Lehre ist? Die Rosa-Luxemburg-Stiftung hat mittlerweile eine Presseerklärung veröffentlicht, in der sie „jede Form von Diskriminierung“ verurteilt. Dagegen steht aber das Wort von Hass, die behauptet, Katja Hermanns erste Reaktion sei es gewesen, „anzuerkennen“, wie wichtig es für Palästinenser sei, ihre öffentlichen Einrichtungen judenrein zu halten.

Es ist ein Glücksfall, dass Amira Hass einmal mit der Wirklichkeit konfrontiert wurde. Die Religion, die sich „Israelkritik“ nennt, beruht auf zwei Lügen: 1. Die Ursache des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern ist nicht der Antisemitismus. 2. Der Konflikt wird beigelegt, wenn Israel seine Politik ändert.

Erst vor wenigen Monaten hat Amira Hass eine von der Anti-Defamation League veröffentlichte weltweite Studie über Antisemitismus angegriffen: „Die besetzten palästinensischen Gebiete in die Studie einzubeziehen, macht daraus ein billiges und gefährliches Propagandawerkzeug.“ Amira Hass hat ihr Leben lang nicht verstanden, was Antisemitismus ist. In der Studie ging es nicht um die Haltung der Palästinenser zu israelischen Bürgern, sondern um Verschwörungstheorien über die angebliche Beherrschung der Welt durch die Juden. Warum 89 Prozent der Palästinenser glauben, dass Juden die Weltwirtschaft kontrollieren, kann Amira Hass nicht erklären. Antisemiten sind für sie Helden. Allen Ernstes schrieb sie einmal, Israel rechtfertige „nachträglich“ durch seine Taten das, was Antisemiten „seit 2.000 Jahren“ über die Juden gesagt hätten. Hitler wäre demnach seiner Zeit voraus gewesen, wie es auf Plakaten bei islamischen Demonstrationen immer wieder zu lesen ist.

Die „rechte“ israelische Regierung ist am Antisemitismus schuld? Von wegen. Wenn sogar Amira Hass in der palästinensischen Apartheidsgesellschaft nicht geduldet wird – weil sie Jüdin ist –, wie kann sie dann behaupten, die Palästinenser würden mit Israel Frieden schließen, wenn die israelische Regierung nur endlich das täte, was Frau Hass empfiehlt (bedingungslose Kapitulation)?

Der Psychiater Kenneth Levin, Autor des Buches „The Oslo Syndrome: Delusions of a People Under Siege“ vergleicht den jüdischen Anti-Israel-Aktivismus mit der Selbsttäuschung misshandelter Kinder, die sich einreden, sie würden gequält, weil sie „böse“ seien, und die Peinigung würde aufhören, wenn sie sich „bessern“. Amira Hass hat ihr Leben lang geglaubt, Juden, die Israel hassen, wären vom Antisemitismus ausgenommen, und „Frieden“ würde einkehren, wenn alle Juden ihrem Beispiel folgten. Pech gehabt. Der Passierschein ist ungültig. Raus!

Jetzt hadert sie: „Als Linke stelle ich die antikolonialistische Logik infrage, linke israelisch-jüdische Aktivisten zu boykottieren.“ Der Satz ist kaum zu verstehen, weil er so viele doppelte Negationen enthält und dazu alles auf links dreht. Sie meint eigentlich: Wenn sich der palästinensische Kolonialismus auch gegen mich richtet, finde ich das scheiße. Ihr Argument lautet, linker Aktivismus solle den Makel der jüdischen Herkunft aufwiegen und vergessen machen.

So, wie sich Juden früher taufen ließen, um dem Antisemitismus zu entkommen, werden sie heute Anti-Israel-Aktivisten – wobei sie gleichzeitig den Antisemitismus leugnen, verharmlosen oder einfach nicht über ihn reden wollen. Für Fanatiker wie Amira Hass gibt es nur eine Sache, die ihnen noch wichtiger ist als der Hass auf Israel: ihr großes Ego. Patzig schreibt sie: „Ich habe andere Orte, um meine subversiven Energien zu investieren.“

Seht euch vor, Tibeter und Uiguren!

Amira Hass: “When a Haaretz journalist was asked to leave a Palestinian university” http://www.haaretz.com/news/features/.premium-1.618007

 

 Stefan Frank ist Politikwissenschaftler und arbeitet als freier Journalist für Zeitungen, Zeitschriften und den Hörfunk, unter anderem schreibt er für die Zeitschrift Konkret.  Seine beiden Bücher “Die Weltvernichtungsmaschine” und “Kreditinferno” sind im Jahr 2009 und 2012 jeweils im Conte Verlag herausgegeben worden. Auf der Homepage von Stefan Frank sind einige seiner Texte und Interviews zu finden. Die Veröffentlichung von “Kommt eine jüdische Antisemitin nach Ramallah…” (Erstveröffentlichung bei Achgut) in “Mission Impossible” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.