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Unterschätzte Publizisten (5) – Goedzak

21. Juni 2011

Zitate des Freitagsbloggers „goedzak“ aus der moderierten Freitagscommunity von Jakob Augstein (Mission Impossible distanziert sich ausdrücklich von diesen  Kommentaren):

1 ) goedzak schrieb am 07.03.2010 um 03:19  Die fidelche-Methodik zeigt sich sehr prägnant in folgendem Dialog:Magda, am 05.03.2010 um 13:39: „Den verdeckten Antisemitismus in der DDR haben auch schon viele Leute benannt und darüber publiziert.“ fidelche, am 06.03.2010 um 00:25:“Dass Sie den linken Antisemitismus in der DDR bestätigen und nichts ‚dagegen schleudern‘ freut mich.“
Alles klar?

2 ) goedzak schrieb am 02.04.2010 um 15:12   fidelche, Deine Empörung könnte sympathisch-amüsant sein, wenn Deine einfältigen Schlussfolgerungen nicht immer gleich zu so nervenden Stigmatisierungen von Menschen und ihren Meinungen führen würden, wie Du hier ja schon eindrucksvoll vorgeführt hast.In solche Texte, wie von Dir zitiert, und es ließen sich noch viele andere ähnliche finden, die nicht explizit auf Frauen zielen, sind immer auch frühe, sozusagen prä-hygienische praktische Alltagserfahrungen eingeflossen. In Bestattungsregeln, den Umgang mit ‚unreinen‘ Berufen, den Vorschriften, mit welcher Hand man das Essen anfasst oder jemand berührt usw. Damit das klar ist: Ich betreite nicht, dass es in solchen patriarchalischen Religionen wie Christentum, Judentum und Islam starke frauenfeindliche Aspekte gibt! Es ist nur hat alles ein büschen komplizierter, als Du Dir das vorstellst.

3 ) goedzak schrieb am 22.04.2010 | 09:38  Die Titanic-Karikatur zu posten ist ein Test, ob die hier allgemein geäußerte Kritik am Umgang mit der im Blog gemeinten Karikatur wirklich konsequent ist. Das scheint nicht recht der Fall zu sein. Die Frage von ed2murrow an die Redaktion, ob er die Moh.-Karikaturen hier posten darf, könnte als demagogisch interpretiert werden. Ein ‚Nein‘ oder das Nichtreagieren bewiese dann (vielleicht- ich kann mich da irren, ed2murrow) das, was fidelche prompt freudig konstatiert, nämlich dass man hier wiedermal die schlimmste aller Religionen, den Islam, verharmlost, oder dass man hier auf dem Auge blind ist (p.i., Broder usw. lassen grüßen). Du, ed2murrow, hättest die Zeichnungen genau wie mh einfach hochladen können. Dass Du es nicht getan hast, das ist die andere Interpretationsmöglichkeit, beweist, dass Du Feingefühl besitzt, gegenüber Alien59, die Du damit beleidigt hättest, und gegenüber vielen anderen Menschen muslimischen Glaubens, die aus welchen Gründen auch immer, in Fragen ihrer Religion deutlich empfindlicher sind, als das tendenziell bei Menschen christlichen Glaubens in Westeuropa der Fall ist. Wer solche Mentalitätsunterschiede nicht verstehen und akzeptieren kann, müsste konsequenterweise auch dafür plädieren, dass Muslime zum Schweinefleischesssen gezwungen werden. Und, fidelche, ich hör Dich schon Luft holen, dass diese mentalitätsgeschichtlich tief verwurzelten, gleichwohl aber sich selbstverständlich in einer Tendenz der laufenden Veränderung befindenden emotionalen Empfindungsweisen von interessierter Seite ausgenutzt werden können, um Massen aufzuhetzen, ist ja wohl klar, aber steht auf einem anderen Blatt. Es ist Ausfluss einer Art Idealismus, verbunden mit Ideologie und Demagogie, zu meinen, es gäbe ein ‚richtig‘ und ein ‚falsch‘ im Umgang mit z.B. Karikaturen gleich welchen Inhalts. Das mindeste ist, sich zu fragen, wer will was mit ihnen erreichen, zum Beispiel das Provozieren von Aufhetzung, auf die man dann mit dem Finger zeigen kann…

4 ) goedzak schrieb am 05.05.2010 | 10:33  Rahab, sag/frag nicht ‚ihr‘! ‚Ihr‘ kann Dir nicht antworten. Ich antworte: Ich würde mit Dir die Veranstaltung verlassen, wenn man Dich der Verhüllung wegen rausschmisse. Was die ‚religiösen Fundamentalisten‘ von ttg angeht, ich hab hier noch keine getroffen. Das ist Alarmismus. Das Hauptproblem ist wie immer, sich ideologiegesteuert mit konkreten Menschen auseinanderzusetzen. mh scheint (vielleicht spaßeshalber) zu meinen, dass dies typisch wäre für ‚linke‘, also autoritäre Systeme, Communities, was auch auch immer. Nö, es ist Alltag in der freiheitlich-demokratischen Ordnung und liegt auch Gesetzesvorlagen zu Grunde. Wir als selbst konkrete Personen, die wir nicht nach Äußerlichkeiten beurteilt und als gesichtslose Angehörige einer verdächtigen Gruppe gesehen werden wollen, hätten die Chance, sowas nicht einreißen zu lassen.

5 ) goedzak schrieb am 09.05.2010 | 00:26  @f****c** (den Missbrauch der beiden Namen als nick für einen wie Dich möchte ich lieber vermeiden) Langsam wird das Hetze, was Du machst. Du bist ein Musterbeispiel für jemand, der sagt, wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Gruselig der Gedanke, Du könntest mal irgendeine Form von Macht bekommen.

6 ) goedzak schrieb am08.05.2010 | 15:39  oca, Dein Ton erinnert mich stark an Göller.

7 )goedzak schrieb am 09.05.2010 | 00:54  @oca Stell‘ Dir vor, ich hab’s mitgekriegt, dass dein Sperraufruf nicht ernst gemeint war. Du aber kriegst anscheinend nicht mit, dass Du den selben höhnisch grundierten ‚Ich werdehierverfolgt‘-Ton von Göller benutzt. „Außerdem darf man die Nazis noch nicht mal durch Zitate als solche bloßstellen, weil böse Zitate ja auch gelöscht werden.“, ein Beispiel, zumal noch sachlich falsch. Kamerad G. ist hier des öfteren scharf angegriffen und immer da, wo er Angriffsfläche bot, entlarvt worden. Und dann ist er gesperrt worden, von der Redaktion, der Du hier anscheinend Nachsicht mit solchen Typen unterstellen möchtest. Leute wie Dich und f****c** habe ich übrigens beim G.-Entlarven nie gesehen. Ihr habt ja auch dafür andere auf dem Kieker. Was den ‚Insider-Witz‘ mit dem Pali-Tuch angeht, lass‘ doch die anderen teilhaben. Leute, lest hier nach, ist ganz interessant: http://www.freitag.de/alltag/0919-protest-chic-mode?searchterm=Mode+Pal%C3%A4stinensertuch

8 ) goedzak schrieb am 12.05.2010 | 15:16  Liebe Frau Ehrlicher, anfangs hielt ich Sie ja für einen jungen Mann, der so ein bisschen frauen(unterburkas)feindlich eingestellt ist. Na ja, es ist halt schwierig, in diesem kalten fremden Internet jemanden wirklich zu erkennen. Inzwischen habe ich Sie aber als sensible und wertvolle Kommentatorin kennengelernt (auch wenn ich Ihnen das mit den ’schwarzen Kegeln‘ immer noch ein bisschen übel nehme, aber wer ist schon fehlerfrei, der werfe den ersten Knüppel, nicht?) Ich bin ja leider Gottes trotz aller guten Bemühungen doch immer noch mehr der Mehrheitsmensch. Da kann ich mir bei Ihnen noch ’ne dicke Scheibe abschneiden…

9 ) goedzak schrieb am 31.05.2010 | 20:33  „Genau so sollte auch die berechtigte Kritik an der israelischen Rechtsregierung nicht mit einer Delegitimierung Israels verwechselt werden.“ – 100% richtig! Die meisten Kritiker der israelischen Politik tun das auch gar nicht, aber es wird ihnen unterstellt. „In den nächsten Tagen werden wir wieder in aller Welt Bilder von Demonstrationen sehen, in denen Israel als das absolut Böse dargestellt und damit stigmatisiert wird.“ – Ganz bestimmt, aber vielleicht werden die Bilder auch ausgesucht, um jegliche Kritik an der israelischen Politik als Infragestellung des Existenzrechts des israelischen States aussehen zu lassen?

10 ) goedzak schrieb am 18.06.2011 um 19:23  Als männliches Wesen, dem zwar in jungen Jahren beim Trampen auch schon mal ungebeten eine (männliche) Hand auf den Oberschenkel gelegt wurde, den das aber eher amüsiert hat als angewidert, erlebt man dergleichen doch eher selten. Aber ich erinnere mich, was mir Freundinnen so von ihren Tramp-, Zeltplatz- und sonstigen Erlebnissen erzählten – so gruselig und widerlich wie offensichtlich alltäglich…
Da hat mir imponiert, was die Kommentatorin ‚kamunar‘ hier in einem anderen Blog (Popkontext) schrieb:“…wenn mir ein mann an die brust greift, schäm ich mich nicht. je nachdem, hau ich ihm eine rein oder ich greif ihm auch an die brust und bei letzterem hab ich folgendes beobachten können: großes erstaunen, dass die erniedrigungsmasche nicht funktioniert hat und das geile grinsen erstarb urplötzlich.“ – Bravo!

11 )goedzak schrieb am 30.04.2011 | 18:43   Lilith:  … Und zum Glück gibt es hier in der Community keine Lilith, keine Megären, Furien, Erinyen, die zuviel wissen, die ihre Gedanken nicht im Zweifingersystem tippen, die nicht vergessen, Ruhe geben, stillhalten, nett sein können, die keine Lust haben, eine „moderne Eva“ zu sein: „emanzipiert, aber weiblich“, „gebildet, aber sexy“, die „weiß, was sie will“, d.h., die will, was sie soll, oder, die weiß, wann sie soll, was sie will.
Die zuviel weiß, lebt gefährlich. Wenn sie nervt, frech ist, unduldsam, streitlustig, unbeugsam, maßlos selbstbewusst, lebenserfahren, verletzt und verletzend, respektlos, heldenverachtend, anti-autoritär, hätte sie hier nichts zu lachen. Würde Betonfeministin, Gottesanbeterin, Hexe genannt werden, verbal angespuckt von Idioten, die alles daran setzen, sich nie, nie, nie in ihrem Leben ihre Idiotie eingestehen zu müssen.
Würde, ob sie will oder nicht, Aufruhr, Unruhe, Furor, Randale, shitstorms, nein, nicht verursachen, sondern für solche als Anlass genommen werden. Würde ständig ‚gemeldet’, denunziert, diffamiert werden.
Da das aber einem gedeihlichen Community-Leben ziemlich abträglich wäre, würden nicht nur die Kläffer, Hetzer, Populisten, Inquisiteure und Erziehungsvergewaltiger verwarnt, deaktiviert, verbannt werden, sondern „um des lieben Friedens willen“, aus „Gerechtigkeit“, „Ausgewogenheit“ auch mal wieder unsere Lilith. …

Weiterführende Informationen:

https://thinktankboy.wordpress.com/f-rubriken/stolpersteine-und-die-gedenk-tater/

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34 Kommentare leave one →
  1. 22. Juni 2011 07:47

    Goedzak muss zu Gute gehalten werden, dass er im Verhältnis zu den übrigen Antisemiten des Freitags, bezüglich Israels eine gemäßigte Haltung eingenommen hat, soweit ich seine Kommentare gelesen habe. Er hat zur DDR wohl ein besonderes Verhältnis gehabt, was ich nicht weiter schlimm finde, soweit ich seine Kommentare gelesen habe. Sein Hauptproblem, aus meiner Sicht, war seine Fixiertheit auf die antisemitische Gottesanbeterin Rahab. Was goedzak in seinem „Lilith“ von sich gibt, ist „unschlagbar“. Dieser Realitätsverlust muss Gründe haben, die ich vermutlich nicht ergründen kann.

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  2. 24. Juni 2011 00:26

    Viele Grüße an Lilith und ihre Lutscher der „Qualitätscommunity“

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    • weinsztein permalink
      24. Juni 2011 00:51

      Das ist Ihr Beitrag zum Thema Gesockssprache, M. Breitenberger?

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    • 1. Juli 2011 13:40

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      • 1. Juli 2011 16:01

        Dieser Quinn ist eine Grube, eine Goldgrube!
        Auch, was er in der Rubrik „F-III“ singt, ragt über den Alltag hinaus („Ich mach´ mir Sorgen“) und komplettdialogisch wieder hinein („… komm´ bald wieder“). – Ich ziehe meinen Tirolerhut, Danke M.B.

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  3. 12. Juli 2011 16:43

    „Die fidelche-Methodik zeigt sich sehr prägnant in folgendem Dialog:Magda, am 05.03.2010 um 13:39: „Den verdeckten Antisemitismus in der DDR haben auch schon viele Leute benannt und darüber publiziert.“ fidelche, am 06.03.2010 um 00:25:“Dass Sie den linken Antisemitismus in der DDR bestätigen und nichts ‘dagegen schleudern’ freut mich.“Alles klar?“, jammerte goedzak.

    Die „fidelche-Methodik“ war echt gemein.

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    • 12. Juli 2011 20:11

      Aber war nicht – „damals“ – diese DDR so gemein, die alles inne Schuld hatte???
      Der Beitritt zum Unrechtsstaat hat mir z.B. meine tolle andre Verwandtschaft genommen: sie gehört jetzt dazu. Sie sagt: leider.

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        12. Juli 2011 22:04

        @Rainer, du bist heute echt gut drauf……. 🙂

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  4. 19. Juli 2011 13:23

    Goedzak hat am 16. Juli einen tollen Artikel über Gardeleben in der Altmark, Sachsen-Anhalt, geschrieben, mit eindrücklichen Fotos. Vergleicht man den Beitrag mit den offiziellen Verlautbarungen der Hansestadt im Netz (insbesondere zu den Geschehnissen im letzten Ende der Kriegstage), wird das noch einsichtiger. Es gibt viele gute Kommentare, aber auch wieder die einschlägigen. – Kurz, rüberklicken lohnt, auch die eingebetteten Bilder: http://www.freitag.de/community/blogs/goedzak/dreiviertel-bei-adelheid

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  5. 5. August 2011 22:18

    31.07.2011 10:00 | Georg Fülberth
    Apokalypse und Kalkül

    In den USA deutet sich ein Kurswechsel an, der auf die Hinnahme der Demarkationslinien in Europa hinausläuft und zum politischen Vorspiel des Mauerbaus gehört

    Im Sommer 1961 war ein großer Teil der Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland alarmiert. Die 60-Jährigen erinnerten sich noch an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs am 4. August 1914, die 40-Jährigen an den September 1939. Von den 20-Jährigen hatten viele in den Luftschutzbunkern zerbombter Städte gesessen. Nun konnte das wiederkommen. Die Lage erinnerte eher an 1914 als an 1939: eine Eskalation, an deren Ende ein Krieg alternativlos schien. Der war aber nur noch als atomare Katastrophe vorstellbar. Niemand konnte ihn gewinnen – anders als 1918 oder 1945. Deshalb mussten alle Beteiligten ihn zu vermeiden suchen. So stellte sich die objektive Lage dar. Subjektiv sah das anders aus. In der Springer-Presse und in einer tumultuarischen Vortrags­tournee forderte der amerikanische Publizist William S. Schlamm seit Ende der fünfziger Jahre die Bereitschaft zum atomaren Waffengang. Vorher schon hatte US-Außenminister John Forster Dulles (bis 1961 im Amt) „brinkmanship“ propagiert: eine Risikopolitik am Rande des Krieges. Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen meldeten jeden Tag die Zahl derer, die von Ost- nach Westdeutschland wechselten. Wenn das so weiterging, schien der ökonomische und dann auch der staatliche Zusammenbruch der DDR unausweichlich.
    Die ostpolitische Doktrin der Regierung Adenauer zielte zu jener Zeit auf die Wiederherstellung eines gesamtdeutschen Staates in den Grenzen von 1937, einschließlich Schlesiens und Ostpreußens, die inzwischen zur Volksrepublik Polen und der Sowjetunion gehörten. Wenn die UdSSR das nicht tolerierte, musste dies unter den Bedingungen des atomaren Patts zur wechselseitigen Vernichtung führen. Weil das so war, wirkte die Rhetorik derer im Westen, die die Möglichkeit irgendeines Sieges suggerierten, anachronistisch.
    Westberlin – kein Kriegsgrund

    Selbst wer einen kühlen Kopf bewahrte, musste gestikulieren. US-Präsident Kennedy wirkte zumindest vordergründig nicht wie einer, der eine Konfrontation vermeiden wollte. Dabei hatte er durchaus eine Bestandsaufnahme der amerikanischen Außenpolitik vorgenommen, die einen Kurswechsel nahe legte: Hinnahme der Demarkationslinien in Europa bei gleichzeitiger Forcierung des Systemkonflikts in der Dritten Welt. Die Distanz zu Adenauers „Politik der Stärke“, mit der (zumindest der offiziellen Version nach) in relativ kurzer Frist die Wiedervereinigung möglich sein sollte, deutete sich an. Beide Elemente: einerseits Anheizen, andererseits vernünftiges Kalkül verbanden sich in einer Rede Kennedys am 25. Juli 1961. Hier nannte er drei „Essentials“, bei deren Verletzung die USA zu den Waffen greifen würden: den freien Zugang zwischen der Bundesrepublik und Westberlin, zweitens die Präsenz der westlichen Besatzungsmächte dort, schließlich den Fortbestand der bisherigen politischen Ordnung in diesem Teil der Stadt. Es fehlte ein vierter Punkt: freier Übergang zwischen Ost- und Westberlin. Kennedy hatte klar gemacht, eine etwaige Sperrung werde für ihn kein Kriegsgrund sein.

    Als sich die Warschauer Vertragsstaaten vom 3. bis 5. August 1961 in Moskau trafen, wussten sie, wie weit sie gehen konnten. Deutlich vorher, am 15. Juni, hatte Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz erklärt: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Ab dem 13. August galt das als Lüge oder zumindest als klassisches Dementi. Aber diese Aussage hatte ihrerseits eine Vorgeschichte. Sie war die Antwort auf eine Frage der Korrespondentin der Frankfurter Rundschau, Annemarie Doherr: „Herr Vorsitzender, bedeutet die Bildung einer freien Stadt Ihrer Meinung nach, dass die Staatsgrenze am Brandenburger Tor errichtet wird? Und sind Sie entschlossen, dieser Tatsache mit allen Konsequenzen Rechnung zu tragen?“ Hier wurde, wenngleich in Frageform, ausgesprochen, was schon denkbar war und wohl insgeheim von vielen gegen die Gefahr einer unkontrollierbar werdenden Situation, die in einen Krieg entgleiten konnte, abgewogen wurde. Das ständige Ansteigen der Übersiedlungen entsprach ebenfalls dieser Überlegung: man beeilte sich wegzukommen, bevor das fast schon Unvermeidliche geschah: Schließung der Grenze.

    Als es dann passiert war, schwoll der apokalyptische Lärm zunächst noch einmal an. In Westmedien wurden die Politiker der DDR als Kriminelle bezeichnet. Die SED nannte die Grenzanlagen in der Folgezeit einen „antifaschistischen Schutzwall“. Darüber ist viel gelacht worden. Aber noch 1968 skandierte Karl Dietrich Wolff, der durchaus nichtkommunistische Bundesvorsitzende des SDS: „Kapitalismus führt zum Faschismus./Kapitalismus muss weg!“ Wer dieser Auffassung war, musste eine Mauer, mit der die Ausdehnung einer als so gefährlich angesehenen Gesellschaftsordnung nach Osten verhindert werden sollte, als kleineres Übel ansehen. So dachten die meisten Linksradikalen in der Bundesrepublik nicht, aber den Kommunisten in der DDR hätten sie eine solche – immerhin durch die Erfahrungen zwischen 1933 und 1945 gestützte – Auffassung als guten Glauben abnehmen müssen.

    Zugleich gab es nach dem 13. August inmitten des Getöses Besonnenheit. Zwar forderte Willy Brandt den US-Präsidenten zu irgendeinem entschlossenen Handeln auf, aber mit seiner eigenen öffentlichen Erregung kanalisierte er auch die Empörung der Westberliner. Adenauer ließ sich Zeit mit einer Reise in die eingeschlossene Halbstadt. Einerseits, weil er sich von der dortigen Bevölkerung nicht die Quittung für seine vorderhand gescheiterte Politik abholen wollte, andererseits weil er die Emotionen nicht noch zu steigern beabsichtigte. Die Mauer verschaffte der Bundesrepublik in den nächsten Jahren tatsächlich die Chance, ein anderes Land zu werden. Die Investitionen in Schulen und Universitäten nahmen zu, denn es kamen keine Facharbeiter, Abiturienten und Ärzte mehr aus der DDR. 1963 forderte Egon Bahr einen „Wandel durch Annäherung“ unter Zurkenntnisnahme inzwischen geschaffener Tatsachen. Eine kirchliche Denkschrift wies darauf hin, dass an eine Wiedervereinigung nur zu denken sei, wenn das Territorium vor allem Polens unangetastet bleibe.

    Das letzte Wort

    Die Achtundsechziger machen heute für sich geltend, zur demokratischen Zivilisierung der Bundesrepublik beigetragen zu haben. Da ist etwas dran. Die andere Hälfte der Wahrheit besteht darin, dass die Mauer Westdeutschland zur Selbstprüfung zwang. Jetzt erst wurde die Stellung ehemaliger Nazis im öffentlichen Leben nicht nur von linken Randgruppen, sondern auch in Mainstream-Zeitungen thematisiert. Wenn die Bundesrepublik am Ziel der Wiedervereinigung festhielt, musste sie ihre Nachbarn davon überzeugen, dass sich ihre politische Kultur vom alten Reich getrennt hatte. Ohne die Mauer wäre sie entweder nie oder doch viel später darauf gekommen. Erst durch sie bequemte man sich auch in Bonn dazu, an einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur mitzuwirken.

    1989/1990 trat dann doch ein, was Chruschtschow und Ulbricht 1961 hatten verhindern wollen. Aber die Umstände waren inzwischen andere geworden. Die Bundesrepublik erhob keinen Anspruch mehr auf die ehemaligen deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße. Was auch immer man von ihrer neuen Politiker-Generation halten mochte: die Skepsis Mitterrands und die Warnungen Thatchers vor einem Reich in der Mitte Europas fanden weniger Gehör als vor 1968 und 1961. Nach heutigen Maßstäben hätten einige Akteure von 1961 den Friedensnobelpreis verdient: Chruschtschow und Kennedy, vielleicht auch Adenauer und Ulbricht. Ohne ihr verdecktes Kalkül und dessen Folgen hätte Willy Brandt diese Auszeichnung 1971 nicht entgegennehmen können. An Mauer und Stacheldraht starben mehrere hundert Menschen. Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten. [M.E. ein aus der Enttäuschung heraus wahres und friedliebendes Wort, r.k.]

    Matto schrieb am 31.07.2011 um 13:12
    Ein gut recherchierter und wahrheitstreuer Artikel.
    Ich habe diesbezüglich schon immer diese Einstellung gehabt.
    Ich habe kluge Amerikaner gehört, die den Bau der Mauer schon eher veranlaßt hätten, weil sie sich den Aderlass nicht hätten gefallen lassen.
    Gerade Westberlin hat auf Kosten der DDR in Saus und Braus gelebt.
    Ich habe von Westdeutschen gehört, dass diese sich über Westberlin in Westdeutschland diesbezüglich auch ein exquisietes Leben eingerichtet haben. Die ganzen DDR-Produkte haben sie durch den Umtausch zum Nulltarif erhalten.
    Ich möchte hier nur an das Billy-Regale erinnern, was durch Ein-Euro- Jobber in der DDR und in DDR-Gefängnissen gebaut wurden.
    DDR-Bürger konnte sich selbst solch ein Regal nicht kaufen.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 13:46
    Der ganze Wohlstand Westdeutschland stammte doch aus der Produktion der DDR, die billig nach Westen verkauften, damit sich ihre Funktionäre wenigstens Wandlitz leisten konnten.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 14:21
    Westberlin hat Milliarde auf Milliarda an Subventionen aus der BRD bekommen, um die Stadt am Leben zu halten. Das waren ganz andere Beträge als die Ersparnis durch billige DDR-Importe.
    Fehlt nur noch der Hinweis, daß die schuld daran waren, daß die Menschen dort so arm waren.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 14:19
    „Die Achtundsechziger machen heute für sich geltend, zur demokratischen Zivilisierung der Bundesrepublik beigetragen zu haben. Da ist etwas dran. Die andere Hälfte der Wahrheit besteht darin, dass die Mauer Westdeutschland zur Selbstprüfung zwang. Jetzt erst wurde die Stellung ehemaliger Nazis im öffentlichen Leben nicht nur von linken Randgruppen, sondern auch in Mainstream-Zeitungen thematisiert. Wenn die Bundesrepublik am Ziel der Wiedervereinigung festhielt, musste sie ihre Nachbarn davon überzeugen, dass sich ihre politische Kultur vom alten Reich getrennt hatte. Ohne die Mauer wäre sie entweder nie oder doch viel später darauf gekommen. Erst durch sie bequemte man sich auch in Bonn dazu, an einer gesamteuropäischen Sicherheitsarchitektur mitzuwirken.“

    Irgendwie muß doch, auf Lenin komm raus, dem kommunistischen System Gutes nachgesagt werden. Es waren also nicht die jungen Leute aus der Mittel- bis Arbeiterschicht der BRD, die durch das Wirtschaftswunder zu Bildung und eigenem Urteil und Denken kamen, sondern der hehre Einfluß der großen und ruhmreichen SU durch den Mauerbau war auch dabei.
    Als ob die BRD die Nachbarn durch vorbildliche Westintegration von ihrer Abkehr des Nazitums hätte überzeugen müssen. Daß die BRD so nebenbei voll kapitalistisch wurde, hat die SU dann nicht gestört, Hauptsache keine Nazis mehr.

    Das ist solch schwachsinnige Geschichtsklitterung, meine ursprünglich deutlich vorhandenen Sympathien für die Linke werden immer weniger. Sich so einen Blödsinn aus den Tasten zu saugen tut weh.

    Es war der Zusammenbruch der SU und die sichere Vermutunt, daß Gorbatschow den sowjetischen Besatzern nicht den Befehl gibt, etwa die Leipziger Montagsdemonstrationen zusammen zu schießen, die zur Wiedervereinigung nötig waren. Und die diversen Milliarden, die Kohl dann der SU überwies.
    Die Lösung der BRD von Nazitum war dem Gorbatschow so egal wie nur was, und wenn sie, wie der Autor vermutet, weit schlechter gewesen wäre, ohne Mauer, hätte das auch absolut nichts geändert.

    Die 68er waren so stark, daß die herrschende Klasse dann doch nachgeben mußte, es waren zu viele, und vor allem keine oder nicht nur „Linksradikale“, Herr Fülberth, und diese Menschen hatten alles im Kopf, nur keine Wiedervereinigung, weder die protestierenden Studenten noch die Reichen & Politiker oder gar Springer.
    Das ist alles so konstruiert, damit ja dem kommunististischem Konstrukt unter dem Vorwand der „neutralen“ Betrachtung ein paar positive Krümel zugeschoben werden können.

    Laßt euch doch eingraben und ausstellen !

    goedzak schrieb am 31.07.2011 um 14:25
    Du hast über ne halbe Stunde gebraucht, um DAS zu schreiben?!!!

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 14:35
    Ich stehe auf zutreffende Kritik.
    Außer daß es so lange dauerte ist alles richtig ?
    Ich gebe zu, es ist offensichtlich, aber mit fehlt die Übung.

    Magda schrieb am 31.07.2011 um 14:39
    Lieber Hayek, das Hauptproblem ist bei Ihnen der Mangel an Kenntnissen.

    „Es war der Zusammenbruch der SU und die sichere Vermutunt, daß Gorbatschow den sowjetischen Besatzern nicht den Befehl gibt, etwa die Leipziger Montagsdemonstrationen zusammen zu schießen, die zur Wiedervereinigung nötig waren. Und die diversen Milliarden, die Kohl dann der SU überwies. “

    Die Sowjetunion ist da noch nicht zusammengebrochen, sondern später. „Sichere Vermutungen“ gibt es nicht. Dass Kohl viel Geld überwiesen hat, ist richtig.

    1 Punkt richtig. Wenns ums Geld geht wirds immer korrekt.

    „Sich so einen Blödsinn aus den Tasten zu saugen tut weh.“ – Das glaube ich Ihnen.

    Resümee – Ob sich Leute eingraben lassen oder ausstellen. Sie werden damit leben müssen, dass es Leute gibt – wie auch Fülberth mit seinem fundierten Beitrag – die anders denken, politisch nämlich und nicht einem kenntnislosen Ressentiment folgen.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 15:44
    Als Gorbatschov an die Macht kam, war die SU bereits unten durch und über längere Zeit nicht mehr zu halten gewesen.
    Oder haben Sie genaue (Wirtschafts)-Daten ?

    Die anderen Punkte -daß 68 wirklich niemand an eine Wiedervereinigung dachte- lassen Sie weg, damit Sie ihre SU in Stellung bringen können, um dann den ganzen Kommentar als Ressentiment zu qualifizieren – auf diese Methode habe ich, etwa bei Rahab, schon öfters hingewiesen.

    Oder wollen Sie kenntnisreich darlegen, daß Dutschke & Co ihre Reden stets mit einem „in Namen der Wiedervereinigung“ beendeten ?

    apatit schrieb am 31.07.2011 um 16:08
    Beobachtung der Versuche der Evolution, auch in dieser Ecke des Universums intelligentes Leben zu erzeugen. – Hallo Richard, wo haben Sie Ihre Erkenntnisse her? ( Schwarzes Loch )

    Rapanui schrieb am 31.07.2011 um 16:26
    @ Richard der Hayek

    >>>Oder wollen Sie kenntnisreich darlegen, daß Dutschke & Co ihre Reden stets mit einem „in Namen der Wiedervereinigung“ beendeten ?<<>>innere Konsequenz der Logik der Blockkonfrontation<<>>So schwachsinnig es ist, sie, wie Fülberth, zu einer Art nationalpädagogischem Programm zu verklären<<>>Da gab es nämlich auch Leute, die nicht von Ost nach West geflüchtet sind, sondern von West nach Ost aufgebrochen waren in den Jahren 1946/47<<>>Welche im weiteren Sinne biographischen Konflikte später daran und darum ausgetragen wurden, wurde mir erst lange nach der »Wende« klar.<<>>Wie war das denn nun mit dem „Schwarzen Kanal“ von Karl Eduard von Schnitzler, den man in der DDR nur „Karl Eduard von Schni“ nannte<<Abwicklung.

    Streifzug schrieb am 31.07.2011 um 20:52
    Die Zerstörung der möglichen Alternative wurde zementiert und endete 89 als Abwicklung.

    koslowski schrieb am 31.07.2011 um 21:08
    besser: Die Selbstzerstörung der möglichen Alternative…

    Streifzug schrieb am 31.07.2011 um 21:41
    Eine weiter Unterscheidung:

    In einigen kapitalistischen Ländern ist es dem jeweiligen Eigentümer von Besitz erlaubt, „Eindringlinge“ zu töten. Das gilt auch für Landesgrenzen: USA/Mexiko …
    Gehen darf jeder.

    Auf der anderen Seite ist/war es dem Staat erlaubt, „Ausdringlinge“ zu töten. Kommen darf jeder.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 21:53
    @Streifzug
    Das sind diese unerträglich blöden möchtegern-intellektuellen „Erkenntnisse“: simple Umdrehung anhand der Worte:
    die Bedeutungen der Worte „ausdringen“ und „eindringen“ sind aber nicht symmetrisch: wenn jemand eindringt, will er meist was haben, was dem anderen gehört. Mindestens verletzt er das Hoheitsrecht des Gebietes.
    Wenn jemand aus dem Ostblock „ausdringen“ wollte, hatte er keine Lust mehr, sich als Ochse der kommunistischen Apparatschicks mißbrauchen zu lassen und wollte sein Menschenrecht auf Freizügigkeit einlösen.
    Durch den weiteren Zusammenhang, Pragmatik glaub ich heißt das, haben diese Worte sehr verschiedene Bedeutungen.

    Streifzug schrieb am 31.07.2011 um 22:11
    Richard der Hayek,

    eindringen, ausdringen, man kann ein Thema durchdringen, oder einfach nur aufgewischte Phrasen auswringen.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 22:20
    Manchmal hat man einen falschen Eindruck von Ausdruck des Gegenüber, über den man übertrieben begegnet.
    Oder auch nicht. Bin zu faul zu lesen und gehe jetzt schlafen.

    koslowski schrieb am 31.07.2011 um 20:59
    Folgt man Fülberth, müssten wir den Mauerbauern dankbar sei: ohne sie eine gefährliche Destabilisierung in Europa, keine Zunahme der Investitionen in Bildung und Ausbildung, kein ’68, keine Zivilisierung der politischen Kultur und keine Abrechnung mit der Nazi-Vergangenheit. Gibt es posthume Friedensnobelpreise?
    Ich hielt Fülberth für einen seriösen Wissenschaftler und habe seine Texte immer wieder mal im Unterricht eingesetzt, weil in den Schulbüchern bis in die 80er Jahre hinein alternative, linke Positionen fehlten. Doch hier schreibt er, bei allem Verständnis für die Lust an der Provokation, Unsinn.

    Magda schrieb am 31.07.2011 um 21:20
    @ Koslowski – Die Destabilisierung in Europa ist ein Faktum, auch wenn der Mauerbau eine schlimme „Notbremse“ war. Stimmt auch, dass zwei Jahre später mit der Kubakrise die nächste Gratwanderung am Abgrund des Krieges kam.

    Außerdem, es erfolgen so viele irrsinnige Zuschreibungen, was die DDR betrifft, da können Sie auch mal was „einstecken“, wenn es provokativ daher kommt. :-))
    Fülberth hat sich ja aus der DDR-Seite völlig rausgehalten. Ich werde dazu mal was schreiben an anderer Stelle. Da fingen dann – entgegen allen „Hoffnungen“ die Repressionen an. Das ist dann die Geschichte der Desillusionierungen.

    Magda schrieb am 31.07.2011 um 22:34
    pardon – Die Stabilisierung in Europa ist …

    weinsztein schrieb am 01.08.2011 um 04:05
    Lieber Koslowski,

    man muss Mauerbauern nicht dankbar sein oder ihnen gar Friedensnobelpreise verleihen.

    Bis zum Mauerbau gab es, vor allem per RIAS, Aufrufe an unsere Brüder und Schwestern, die DDR zu verlassen, dies sogar mit Zielgruppenansprache, wenn im Westen mal die Ärzte knapp oder bestimmte Facharbeitergruppen benötigt wurden. Das war die Zeit, als unsere Lehrer uns anhielten, abends Kerzen ins Fenster zu stellen, als Gruß gen Osten.

    Was vor der Mauer die Bundesrepublik an Kosten für Bildung und Berufsausbildung einsparte, ging in Hunderte Milliarden. (Das Institut für Weltwirtschaft hat mas mal, glaube ich, ziemlich genau ausgerechnet.)

    Die DDR und die BRD standen damals, Schaufenster gegen Schaufenster, im Zentrum der Systemauseinandersetzung.

    Nachdem Mauerbau musste Westdeutschland tatsächlich verstärkt in die Bildung investieren, die erst wirksam wurden nach 1969 mit Amtsantritt Willy Brandts, als das bürgerliche Bildungsprivileg zwar nicht durchbrochen aber doch gelöchert wurde.
    Explodierte in den 70-ern nicht die Zahl der Studentinnen und Studenten, weil es endlich immer mehr Kinder aus Arbeiterfamilien an die Unis schafften?

    Abrechnungen mit alten Nazis gab es in der BRD tatsächlich erst nach dem Mauerbau, wenn auch sehr zögerlich, was die CDU allerdings nicht hinderte, mit Kurt Georg Kiesinger einen alten Nazi als Spitze einer Großen Koaltion durchzusetzen.

    War das Entstehen der 68-er Bewegung nicht auch dem Drängen (evtl. damals Deinem und meinem) von StudentInnen geschuldet, die ein paar Fragen an die Elterngeneration hatten?

    Und hatte die Zivilisierung der westdeutschen politischen Kultur ihre Hochzeit nicht erst nach 1968, nachdem ein paar Fragen an die Eltern geklärt waren?

    Im damals zugespitzten Systemstreit, Anfang der 60-er Jahre, 16 Jahre nach dem Ende der Nazizeit, als sich alte Nazis noch in bundesdeutschen Ministerien tummelten und sowohl Kanzleramts- und Außenpolitik wie Geheimdienstaktivitäten mitbestimmten, stand die noch recht junge DDR vor der Frage, ein großes gesellschaftliches Experiment aufzugeben oder eine Mauer zu bauen.

    Streifzug schrieb am 01.08.2011 um 08:38
    Lieber weinsztein,

    du schreibst:

    „… stand die noch recht junge DDR vor der Frage, ein großes gesellschaftliches Experiment aufzugeben oder eine Mauer zu bauen.“

    Meiner Meinung nach, ich habe es schon etwas weiter oben geschrieben, gab die DDR das große gesellschaftliche Experiment auf, als sie eine Mauer bauten.

    Der Druck unter dem sie stand (nicht nur sie) ist Fakt. Er wurde natürlich auch mit dem Ziel aufgebaut, das mögliche gesellschaftliche Experiment zu zerstören.

    Vergleichbar den ökonomischen Zwängen, welche die SPD zu selbstzerstörerischen Maßnahmen wie Hartz IV trieb.

    Die Lehre daraus ist enorm wichtig, sollte es jedenfalls sein, denn die kommenden Herausvorderungen, verursacht durch die Bankenkrise, die nun in eine Schuldenkrise der Gesellschaft gewandelt wird, sind enorm.

    Magda schrieb am 01.08.2011 um 08:56
    @ weinsztein und Streifzug – das finde ich interessant.
    @ weinstzein – Dein Argument haben wir zu DDR -Zeiten, wenn wir die Mauer in irgendeiner Form in uns rechtfertigen wollten, auch verwendet. Und es war auch so, aber es stimmt trotzdem auch das, was
    @Streifzug meint.
    Es wurde nicht besser mit Mauer – auch wirtschaftlich nicht – und das bekamen die Menschen sehr schnell zu spüren. Es gab dann noch paar Auf’s und Ab’s, aber die Partei – und Staatsführung war so gewöhnt, ohne Kontrolle und ohne Folgen zu „herrschen“, dass keine wirklich glaubhafte Aufbruchstimmung entstehen konnte. Darüber will ich auch mal schreiben.
    Und aus dem Umgang mit der DDR kann man – im Nachhinein – noch einiges lernen.

    apatit schrieb am 01.08.2011 um 08:58
    koslowski, “Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten.“
    Ist das Blut von tausenden Vietnamesen oder Chilenen weniger Wert als das von den Mauertoten? Eine grenzwertige Frage, deswegen würde ich mich sehr zurückhalten mit Huldigung und Preisen, die manche bekommen und meinen, da einen Unterschied herausarbeiten zu müssen! Da ist bei mir die Kotzgrenze erreicht. So ein Unsinn ist das nicht!

    gweberbv schrieb am 01.08.2011 um 13:28
    @weinsztein

    „Was vor der Mauer die Bundesrepublik an Kosten für Bildung und Berufsausbildung einsparte, ging in Hunderte Milliarden.“

    Hunderte Mrd sind selbst heute ein stolzes Sümmchen. In den 50ern umso mehr. Vermutlich mehr als der gesamte Bundeshaushalt seit Gründung der BRD bis zum Mauerbau.

    „Explodierte in den 70-ern nicht die Zahl der Studentinnen und Studenten, weil es endlich immer mehr Kinder aus Arbeiterfamilien an die Unis schafften?“

    War das in Frankreich oder den USA anders? Die Ausweitung der universitären Bildung über die Elitenzirkel hinaus, ist doch kein deutsches Phänomen. Das fand überall statt.

    koslowski schrieb am 02.08.2011 um 12:27
    @Weinsztein 04:05

    Lieber weinsztein,
    es lohnt sich, die „Erklärung der Historischen Kommission der Partei DIE LINKE“ zu lesen ( bit.ly/rcprkQ ), die zur „Legitimität“ des „großen gesellschaftlichen Experiments“ das sagt, was aus der Sicht historisch informierter demokratischer Sozialisten heute dazu gesagt werden muss. Fülberth vertritt die traditionelle Lesart der DKP und jener Gruppen in der Partei DIE LINKE, die nichts dazu lernen will.

    Zu deinen anderen Punkten: Da machst du den Fehler, Phänomenen, die in einem zeitlichen Zusammenhang stehen, einen kausalen Zusammenhang zu unterstellen. Die Bildungsreformen der 70er Jahre haben mit dem Mauerbau nichts zu tun, eher schon der Import sog. „Gastarbeiter“ und der Einstieg in die Transformation der BRD in eine Einwanderergesellschaft. Wenn der Mauerbau indirekt irgendwelche positive Effekte auf Politik und Gesellschaft Westdeutschlands gehabt haben sollte – würde das etwas am historischen Urteil über den 13.08.61 ändern? Und schließlich die 68er: Mich hat die Liquidierung des „Prager Frühlings“ durch Truppen des Warschauer Pakts ebenso empört und politisiert wie der Krieg der USA in Vietnam oder die Notstandgesetze. Die DDR mit ihrer Mauer war für die Agitation revolutionsbewegter Studenten eine schwere Belastung. Als ich mit anderen vor dem Werktor der Hohwaldt-Werft in Hamburg Flugblätter verteilten, wurden wir vom Proletariat verprügelt und es riet uns, doch nach drüben zu gehen, wenn wir Sehnsucht nach dem „Sozialismus“ hätten.
    Gruß
    Koslowski

    j-ap schrieb am 02.08.2011 um 12:34
    Welche Flugblätter haben Sie denn da verteilt, lieber koslowski?

    koslowski schrieb am 02.08.2011 um 13:18
    @j-ap 12:34

    Nach meiner Erinnerung richteten sich unsere Flugblätter, die vom ASTA der Uni Hamburg produziert worden waren, gegen die Berichterstattung der Springer-Presse über das Attentat auf Dutschke. Es muss im Frühsommer 1968 gewesen sein. „Sozialismus“ war auf diesen Flugblättern eher eine Metapher für eine andere Gesellschaft als die der BRD, kein Begriff, mit dem ich konkrete politische und ökonomische Vorstellungen verband. Klar war mir nur, dass diese andere Gesellschaft mit der der DDR nichts zu tun haben und die uneingelösten Versprechen der bürgerlichen Gesellschaft verwirklichen würde. Ich war damals Kennedy-Fan, wurde nach dem 21.August 1968 Fan des Prager Frühlings und trat 1969 in die SPD ein ( zu der sicher auch viele der prügelnden Howaldt-Arbeiter gehörten). Sie sehen: Ich war damals etwas konfus und auf der Suche nach Sinn jenseits von Adenauer und Ulbricht. Eine gute Zeit, alles schien möglich. Der Untergang von SU und DDR allerdings nicht, deshalb SPD, weil sie eine neue Ostpolitik auf den Weg brachte, mehr Demokratie wagen, den Sozialstaat ausbauen und die Bildung zum Bürgerrecht machen wollte. Pardon, ich komme vom Thema ab.
    Gruß
    Koslowski

    j-ap schrieb am 02.08.2011 um 13:39
    Vielen Dank für Ihre Antwort, koslowski. Ich glaube übrigens ganz und gar nicht, daß Sie hier vom Thema abgekommen seien, sondern im Gegenteil, daß wir genau damit erst zu ihm hinkommen.

    Ich grüße Sie!

    ebertus schrieb am 31.07.2011 um 21:00
    Als West-Berliner war ich 1961 und mit vierzehn Jahren noch zu jung, um „politisch zu verstehen, geschweige denn dies zu reflektieren. Nur, wir Kinder konnten dann nicht mehr Ringbahn fahren…

    Also angelesen, wie wohl die Mehrzahl hier! Und der Text von Fülberth ist so einer von der Sorte, die „querfront“ zum Nachdenken anregen könnte: oder eben gewisse Reflexe erzeugen; durchaus auf sehr unterschiedlichem, intellektuellen Niveau dann, diese Reflexe.

    Für meinen Teil erkenne ich es als Aufarbeitung von Tatsachenwahrheiten, ergänzt durch subjektive Setzungen. Nichts, was nicht schon x-mal diskutiert wurde, wenn auch nicht immer in jeder Facette bzw. deren Prägnanz.

    Die Geschichtsschreibung der Sieger mag etwas anders aussehen, aber insgesamt und nach dem Opening hätte ich mehr den Blick nach vorn erwartet, nicht mit 1989/90 im letzten Absatz abzuschließen. Das „Ende der Geschichte“ war das ja dann gerade nicht, und nach rund zehn Jahren „warming up“, so gegen die Jahrtausendwende die letzten Beißhemmungen gefallen, die möglichen, willigen Allianzen neu formatiert, die „Feinde“ entsprechend markiert.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 21:22
    „Die Mauer hat den 3. Weltkrieg verhindert“
    Das ist eine so unsägliche Verklärung, das klingt, als ob eine Flut die Menschheit bedroht hätte und die Mauer, die auch Opfer forderte, Schlimmeres verhütet hätte.

    Die SU hat Millionen von Menschen in ein politisches System genötigt, das keiner dort wollte. Deshalb mußten sie eingesperrt werden. Dann zu sagen, dadurch wurde der 3. weltkrieg verhindert, ist so, als ob jemand so schwer verprügelt wird, daß er einen Arm verliert, aber zum Glück ist er nicht gestorben.
    Der SU war es also möglich, ihre Terrorzone durch diesen Todesstreifen weit im Westen zu halten. Was wäre ohne die Mauer gewesen ? Die Menschen wären davongelaufen, da kann der Westen ja nichts machen. Dann wäre die SU-Zone halt kleiner geblieben.
    So mancher Linker hat halt noch die SED-Propagande, Neues Deutschland hies es doch, im Kopf und versucht es jetzt zu verklären, irgendwelche möchtegern-intellektuellen Scheinbegründungen an den Haaren herbei zu ziehen.

    Matto schrieb am 31.07.2011 um 22:08
    @Richard der Hayek,

    Sie schwatzen genau so weiter, ohne jegliche Ahnung von der Materie zu haben. Die Eierschalen noch hinter den Ohren, sich aber hier wichtig machen wollen.
    Wenn wir hier von Grenzen sprechen, dann waren das höchst brisante Grenzen, wo sich zwei Lager (Gesellschaftordnungen) feindlich gegenüber standen.
    Nur die Aufrüstung beider Seiten hatte es verhindert, dass eine Tragödie ausbrach und diese Tragödie hätte sich einzig und allein in Deutschland abgespielt.
    Ich finde es unerhört, dass Sie nicht imstande sind, die furchtbaren Fehler des Westens hier offen anzusprechen. Das ist eben der Kalte Krieg, der noch nicht aus Ihrer Birne ist.
    Man hört von Ihnen nur das übliche rote Gesülze, was Sie vielleicht durch Ihre Eltern noch eingesimpft bekommen haben.
    Sie schimpfen nur in Richtung Osten. Schauen Sie sich Ihre Bündnispartner an, besonders die USA, wieviele Verbrechen sie begangen haben. Schauen Sie sich die alte BRD an, wo Tausende Andersdenkende in den Knast wanderten.
    Nein, Sie alle hier labern nur in eine Richtung, Ihren eigenen Dreck wollen Sie nicht begreifen und auch nicht damit konfrontiert werden.
    Der alte Feind ist weg und jetzt müssen neue Feinde ran und die hat man auch gefunden. Die DDR hat an keine Kriege teilgenommen, die BRD ist fest dabei, von einem Chaos ins nächste sich zu begeben.
    Labern Sie mal über Guantanamo!
    Labern Sie mal über die vielen Toten, die die Amerikaner im Irak und Afghanistan zu verantworten haben.
    Alles ödes Gewäsch, aber das beherrschen die Westdeutschen am besten. Sie bezeichnen die DDR als Zone. Sie haben doch selbst in einer Westzone gelebt, was schwatzen Sie denn so dämlich daher! Das ist es eben, Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz.
    Schauen Sie sich die USA zu Mexiko an. Tausende von Kilometern bauen die USA eine Grenze aus Stachelkdraht, damit keine Leute von dort in die USA kommen.
    Und? Labern Sie doch einmal darüber?

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 22:29
    Die DDR hielt Millionen Andersdenkender im Knast: in der DDR eben.
    Der kalte Krieg ist eine Schuld des Westens, weil sie den erhabenen Stalin in seinem Expansionsdrang behinderten ?
    Aber ich glaube nicht, daß Sie im Augenblick zu ruhigem Gedankenaustausch fähig sind.
    Ich wünschen Ihnen eine angenehme Nacht.

    Richard der Hayek schrieb am 31.07.2011 um 22:35
    Mit Zone meinte ich den Ostblock, die ganze sowjetische Einflußzone.
    Sie können aber auch die britisch-französisch-amerikanische Besatzungszone kritisieren, kurz BRD.

    apatit schrieb am 01.08.2011 um 08:00
    … es soll ja eiskalte Krieger gegeben haben, die sich gebrüstet haben, durch die enormen Rüstungsausgaben mit immer schrecklicheren Waffen, den Kommunismus besiegt zu haben. Waffen und Krieg, Krieg und Waffen. Da blieb wegen der maroden ökonomischen Situation im Osten kein Geld übrig für die Banane. Und der Mensch ist nun mal so. Warum haben meine Schwestern u. Brüder im Westen dieser Lebensstandart und ich lecke an den Salzhering im Osten? Banal, aber unterhalten Sie sich mal mit Leuten, bei dehnen heute noch der Fall “Rot“, nicht abgeschlossen ist. So einfach kann man es sich mit der Mauer nicht machen, stimmt.

    apatit schrieb am 01.08.2011 um 08:11
    Die Terrororganisation Al-Kaida ist nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) nicht mehr in der Lage, gigantische Anschläge wie vor knapp zehn Jahren in den USA zu verüben.
    „Al-Kaida ist nach unserer Einschätzung zu großen Anschlägen nach Art des 11. September heute nicht mehr fähig“, sagte BND-Präsident Ernst Uhrlau der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Kern des Terrornetzwerks in Afghanistan und Pakistan sei dezimiert und durchlöchert worden.
    Quelle: Focus
    Bin mal gespannt, wer nun als Rechtfertigungsgrund für die modernen Kreuzzüge herhalten muss? Z.B. Kuba, entwickelt neue Rumsorte mit ultra scharfen Peperoni, damit noch der letzte unbelehrbaren “Wessi“ einen roten Arsch bekommt! Sofortiges Eingreifen ist geboten …

    apatit schrieb am 01.08.2011 um 08:27
    „Mitte der 70er Jahre ersetzt die Sowjetunion ihre auf Westeuropa gerichteten atomaren Mittelstreckenraketen durch moderne SS-20-Raketen mit größerer Sprengkraft. Die Bundesregierung unter Helmut Schmidt sieht dadurch das strategische Gleichgewicht in Europa in Gefahr. In seiner vielbeachteten Rede im Londoner International Institute for Strategic Studies fordert Schmidt 1977 die NATO zu Gegenmaßnahmen auf, um das qualitative und quantitative Übergewicht der Sowjetunion im Bereich der Mittelstreckenraketen auszugleichen. Mit dieser Zielsetzung verabschieden die Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Mitgliedstaaten am 12. Dezember 1979 in Brüssel den NATO-Doppelbeschluss.“ Dafür bekommen heute noch Leute Preise, sind Helden und werden museal gehuldigt. Da fällt mir nicht`s mehr ein!

    Magda schrieb am 01.08.2011 um 09:03
    „Die DDR hielt Millionen Andersdenkender im Knast: in der DDR eben.“

    Alle Länder des Ostblocks hatten absolut dichte Grenzen. Nur die DDR wird hier andauernd als das „Reich des Bösen“ gebasht, weil Westdeutschland sich als Sieger fühlen will.

    Was Sie Stalins Expansionsdrang nennen, hatte seine Ursache im Einmarsch der Hitlerarmee in die Sowjetunion. Die Sowjetunion hat die Hauptlast dieses Krieges getragen, mit Millionen Opfern.
    Dass Stalin in „Einflussgebieten“ dachte und dabei auch mit der „Ostzone“ pokerte -das war unbestritten seine Politik. Bei Ihnen habe ich das Gefühl, Ihnen wäre es doch lieber gewesen, Hitler hätte die „bolschewistische Bestie“ besiegt.

    Nebenher: Es gab auch in der Sowjetunion eine Entstalinisierung, die Politik wurde pragmatischer. Aber es war nun mal ein Kampf zwischen zwei Systemen.

    apatit schrieb am 01.08.2011 um 09:28
    „Hitler hätte die „bolschewistische Bestie“ besiegt.“
    … da feiern heute noch Leute ! ( hinter verschlossener Tür versteht sich )

    Matto schrieb am 01.08.2011 um 10:01
    @Richard der Hayek,

    zwischen uns beiden besteht das Problem, dass ich von Tatsachen spreche und Sie Verleumdungen und Verdächtigungen betreiben.
    Woher nehmen Sie die dreiste Lüge, dass Stalin Expansion betrieb.
    Die Sowjetunion ist von Nazi-Deutschland grundlos überfallen worden, sie hat sich gewehrt und das Resultat waren 50 Millionen Tote, die meisten hatten aber die Völker der Sowjetunion zu beklagen. Und die Täter, also die Kriegsverbrecher und Schreibtischmörder dieser Tragödie, machten sich in der BRD einen Bunten, d.h. sie wurden kaum angeklagt.
    Es ist doch zu verstehen, dass diese Völker jetzt sehr mißtrauisch in Richtung Westen sehen. Solch eine Tragödie werden sie sich nicht wieder gefallen lassen und das ist auch berechtigt.
    Wer jetzt Russland angreift, wird sich gewaltig die Finger verbrennen.
    Wer hat den die meisten Stützpunkte in der Welt?
    Wer hat den die meisten Länder überfallen und dort für sich Diktatoren eingesetzt. Wer setzt sich über alles Recht in der Welt hinweg.
    Wer mißachtet selbst Menschenrechte, fordert sie aber von anderen.
    Alle diese Dinge und noch viel mehr finden wir doch im Westen, besonders bei seinem Vorbild den USA.
    Wer exportiert denn Mordwaffen in alle Herren Länder, obwohl es in Grundgesetz verboten ist?
    Sie beweisen, dass Sie geschichtlich ein Grünling sind, auf der anderen Seite aber selbsbewußt den Rachen aufreißen.
    Mit BRD habe ich für Sie einen anderen berechtigten Namen: Bananen Republik Deutschland. Der paßt besser zu diesem menschenfeindlichen und korrupten System.

    gweberbv schrieb am 01.08.2011 um 13:18
    @Magda

    Dass die UDSSR ihren Einflußbereich in kurzer Zeit bis nach Mitteleuropa und auf den Balkan ausweiten konnte ist natürlich eine Folge des Zweiten Weltkriegs.

    Expansionslustig war man in Moskau aber schon immer.

    Krish schrieb am 01.08.2011 um 10:49
    Man muss diesem Artikel den Vorwurf machen zu eurozentristisch zu sein. Sicher war der Bau der Mauer die endgültige Zementierung der innerdeutschen Grenze. Die beiden Berlin-Krisen zeigten, dass in Deutschland der Status-Quo nicht zu verändern war.

    Am Rande des Atomkriegs war man aber viel eher in Kuba ein gutes Jahr später. Die Opfer dieses Krieges starben vor allem in der von Ihnen nur beiläufig erwähnten „Dritten Welt“, zum Beispiel im asiatischen Vietnam. Man sollte sogar besser sagen „sterben“, denn der orangene Agent tötet noch heute.

    Der Mauerbau war sicherlich ein wichtiger Moment des Kalten Krieges, aber eben mehr auch nicht, anders als man nach dem Lesen Ihres Artikels glauben könnte. Und ihr Bild des Mauerbaus als „Friedensprojekt“ ist nicht nur zynisch wegen der zahlreichen Menschen die beim Versuch sie zu überqueren starben. Er ignoriert, dass der Druck, der an der innerdeutschen Grenze nicht entweichen konnte, sich mit voller Wucht in Vietnam und unzähligen weiteren außereuropäischen Staaten entlud, die als Schlachtfeld des Systemkonflikts missbraucht wurden und die zum Teil noch heute darunter leiden…

    Magda schrieb am 01.08.2011 um 12:18
    „Er ignoriert, dass der Druck, der an der innerdeutschen Grenze nicht entweichen konnte, sich mit voller Wucht in Vietnam und unzähligen weiteren außereuropäischen Staaten entlud, die als Schlachtfeld des Systemkonflikts missbraucht wurden und die zum Teil noch heute darunter leiden“

    Na, ich denke, so „physikalisch“ kann man das alles nicht erklären.

    Matto schrieb am 01.08.2011 um 17:19
    @Krish,

    Sie wissen, dass in der Medizin Versuche gemacht werden, wann ein Mensch hirntot ist.
    Ich verstehe Ihre Darstellung also so, dass der Viertnamkrieg darum von den USA geführt wurde, weil die Mauer gebaut wurde.
    In dieser Hinsicht müssen Sie davon auch noch eine große Wucht mit abbekommen haben.
    Solch einen Stuß habe ich selten gehört.

    born2bmild schrieb am 01.08.2011 um 23:01
    Professor Georg Fülberth-Seltsam oder Wie ich lernte, die Mauer zu lieben.
    Ich halte es mit Sahra Wagenknecht :

    „Sozialismus muss so attraktiv sein, dass man die Leute nicht einmauern muss. Ob die Mauer unter den damaligen Bedingungen vermeidbar war, mögen Historiker entscheiden. Fakt ist, dass darüber nicht primär in Berlin, sondern vor allem in Moskau und Washington entschieden wurde.“
    Über Öffnung und Fall der Mauer natürlich auch.

    zelotti schrieb am 02.08.2011 um 14:32
    Der 68er Mythos ist natürlich falsch. 1968 stand die NPD vor dem Einzug in den Bundestag, es sah nach Rechtsruck aus, und die Presse beschimpfte die 68er. Aber die 68er haben den Elitendiskurs dominieren können und sich durchsetzen. Das ging vielfach mit großem Geschrei vonstatten und morschen Traditionen wurde der Rest gegeben. Die Mauer war insofern hilfreich, als der Osten diskreditiert war und nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden konnte. Der linke Student war eben nicht mehr der Ostagent und mit der neuen Linken konnte die DDR nichts anfangen. Die DDR war ausgeblendet.

    Frau von Gutenberg schrieb am 03.08.2011 um 20:31
    Oh, ihr armen in diesen alt-stalinistischen Begrifflichkeiten verstaubten Leute, wie ihr eure ideologische Verbohrtheit lebenslänglich aushalten und euch ständig mit den alten SED-Stasi-Hits beschallen müsst :

    „Die Wahrheit besteht darin, dass die Mauer Westdeutschland zur Selbstprüfung zwang“.

    Und als Krönung erheben sich dann noch die Originalmitläufer aus ihren Zombiegrüften und playbacken sich durch die Kommentare:

    „Gerade Westberlin hat auf Kosten der DDR in Saus und Braus gelebt“.

    Magda schrieb am 03.08.2011 um 23:17
    Ach herrlich, die letzte Wilmersdorfer Witwe.

    Rainer Kühn schrieb am 5. August 11 um 22:10
    An Georg Fülberths Mauer-Artikel scheiden sich mir alle Geister, alle.

    Und ich würde sogar mit weinsztein gegen koslowski argumentieren.
    Und nicht nur aus Trotz, sondern weil jeder was weiß. Letztlich alles.
    Ich will das nicht diskutieren. Nach Weltuntergang.
    Ich will was ganz anderes, war noch niemand.

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    • 6. August 2011 01:15

      Die MAUER trennt. Und das war und ist gut so.
      Eine dunkle Nacht wünscht
      Ihren Ihr Lindenblatt

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    • 6. August 2011 02:02

      Die Mauer oder der gut gezogene Trennungsstrich trennt und das ist gut so und ich wünsche nun eine geruhsame gute Nacht.

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    • 6. August 2011 10:03

      An Mauer und Stacheldraht starben mehrere hundert Menschen. Wer meint, dagegen sollten nicht die Millionen Toten eines vielleicht durch sie vermiedenen Dritten Weltkriegs aufgerechnet werden, mag um des lieben Friedens willen das letzte Wort behalten. [M.E. ein aus der Enttäuschung heraus wahres und friedliebendes Wort, r.k.]

      Wer versucht, aus Scheiße Gold zu machen, muss scheitern, und das ist auch gut so.

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    • 6. August 2011 18:54

      Ich weiß nun gar nicht, nach einer verheerenden 1:2 Niederlage, zwei Gegenspieler vom Platz gestellt sogar, in Wehen, ob mein Großtor vom 05/08/2011 22:18 noch als Zitat gilt, oder ob der derFreitag die kenntnisreiche Erläuterung mannigfachen Mauerbaus (alte Fußballtaktik auch) für sich allein beanspruchen will. – Komisch wäre jedenfalls ein Spiel, in dem keine Mannschaft den Siegtreffer für sich versenken will. – Dann guckten wir alle das Spiel Sozialdemokratie vs Kapitalismus, Schiedsrichter Keynes.

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    • 6. August 2011 22:07

      Bei der Mauertaktik des „Freitags“ ist ja das erste Ziel immer erst mal die Null halten und an Nullen mangelt es kaum in dieser Liga. Pest gegen Cholera, ein paar verwirrte und auch schulterzuckende Zuschauer sehen das Spiel, das wie immer von einem Schiedsrichter Kurpfuscher geleitet wird. Übrigens, ich finde das größte Problem beim VfL ist der Vorname des Trainers. Gibt es denn da gar keine Alternativen.

      „Des Quacksalbers Praktik sei so gut,
      daß sie allen Siechtum heilen tut…
      Solch Narr kann dich in’n Abgrund stürzen, eh du’s gemerkt, dein Leben kürzen!“

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  6. sweetheart permalink
    6. August 2011 12:49

    An dieser Stelle, bzw. gerade noch vor Dir, Andreas, wollte ich eigentlich die wie auch immer verbrachte Nacht mit einem an alle gerichteten „Guten Morgen“ beenden.

    Aber der Server …..

    Somit grüße ich dann mal jetzt schlichterdings!

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  7. sweetheart permalink
    6. August 2011 16:26

    Weitere Gedanken zur Mauer im FREITAG am Samstag:
    http://bit.ly/oGh72d

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  8. sweetheart permalink
    6. August 2011 19:14

    … mit interessanten Gedanken zum Thema von @Maxi Scharfenberg.
    http://bit.ly/oGh72d

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    • 6. August 2011 19:33

      Es gibt und gab Gegensätze. Aus je eigener Lage heißt/hieß es: Was tun.?!
      Ich empfehle Ulrich Enderwitz: Was ist Ideologie?

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      • 6. August 2011 22:30

        http://j.mp/n8wJve Die Sache mit der Ideologie……..

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      • 6. August 2011 22:42

        Es gibt in Jakob Augsteins „Freitag“ überzeugte und fanatische Moslems, evangelische Christen, katholische Christen, feministische Anhängerinnen der „Weiblichen Göttlichen“, Islamisten, die es sich verbieten über den Koran zu sprechen weil der doch von Gott gegeben ist, Anhängerinnen von Silvio Gesells Religion der Menschenzucht und Anhängerinnen von Rudolf Steiners Wurzelrassentheorie. Gemeinsam ist ihnen allen ihr Judenhass, aber ich frage mich, gibt es eigentlich auch Schamanismus im Freitag und wie sieht es mit der „Auferstehung des Fleisches“ aus in der so genannten Freitags-Community?

        http://www.reichtum-und-religion.de/relkult/relkult.pdf

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  9. 21. Oktober 2012 20:06

    Zu den sogenannten Stolpersteinen gibt es unterschiedliche Ansichten, auch in den jüdischen Gemeinden. Frau Knoblochs ablehnende Haltung dazu ist bekannt. Die Angehörigen der ermordeten Juden werden nicht gefragt ob sie damit einverstanden sind, dass der Name ihrer von den Deutschen ermordeten Liebsten auf Gehsteigen veröffentlicht wird, wo sie von Rechtsradikalen oder/und Antisemiten oftmals geschändet werden.

    Heute hat mich ein freundlicher MI-Leser auf einen Text in Jakob Augsteins „Freitag“ aufmerksam gemacht:

    In dem „antisemitischen Drecksblatt“ veröffentlicht der Antizionist „Goedzdak“ in seinem Blog „…Jazz, ein furchtbares Geheule“ die Daten ermordeter Juden durch die Fotos der Stolpersteine, in Verbindung mit seinem geschmacklosen Text.
    Auf Kosten der ermordeten Juden machen sich die Antisemiten des Freitags von Georg von Grote bis Goedzdak einen Spaß. Dass die Freitagsblogger den Tod der Juden in Israel wollen ist die eine Sache, dass sie jetzt auch noch die ermordeten Juden nicht in Ruhe lassen, setzt dem eine braune Krone auf.

    http://www.freitag.de/autoren/goedzak/jazz-ein-furchtbares-geheule

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    • 21. Oktober 2012 22:02

      Ich finde, die ‚Stolpersteine‘ von Demnig sind eine gute Sache. Ich sehe sie häufig und auch immer neu im Münster. Und sie irritieren den normalen Alltagsgang. – Als die Stolpersteine vorm Kurhaus in Binz gelegt wurden, war ich am selben Tag dabei, dank Urlaub auf Rügen. Denkt man: Ach so, auch also geraubt von den Juden, die dann ermordet worden sind, auch hier, das Schöne. In einem öffentlichen Album im Netz habe ich das auch dokumentiert. Selbst im Urlaub ’stolpert‘ man, wird man wissend drauf hingewiesen, über deutsche Geschichte.
      Goedzaks Artikel finde ich voll ok. Ohne altes Wissen ist dieser Goedzak delectare et prodesse.

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        21. Oktober 2012 23:42

        Ja, dass die Stoplersteine eine gute Sache sind – dem schließe ich mich an. Man sollte Menschen überdies in ihrer Selbstgerechtig – und vergessenheit viel öfter stolpern lassen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass auch die dauernde Hinweisung auf die damaligen Geschehnisse zu oft eine Art „Beruhigung“ ermöglichen – eine fatale Sache. Gestern war ich bei einem Theaterstück und habe fotografiert und gefilmt. Sobald ich mit der Aufbereitung des Films fertig bin und die Freigabe da ist, poste ich einen Link darauf. Nur so viel: Eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Geschehnissen ist möglich – nur leider findet sie in vielen Medien nicht statt oder es wird nicht über sie berichtet, was mich persönlich betrübt.

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      21. Oktober 2012 23:49

      Nachtrag: Nein, ich finde den Artikel bis auf einige Schwächen eigentlich gut und mag mich der – wie ich finde – undifferenzierten Schelte gegen den Autoren nicht anschließen.

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    • 22. Oktober 2012 10:13

      In München wurden die Stolpersteine entfernt, weil die jüdische Gemeinde und der Stadtrat gegen das „Kunstprojekt“ sind. Wichtig wäre für mich die Zustimmung der Angehörigen der Opfer, denn für die Stolpersteine gibt es viele gute Argumente.

      Ich habe den Text des schmierigen Antizionisten „Goedzak“ für dreißig Sekunden überflogen und dabei fror ich, obwohl ich warm angezogen war. Für die Antizionisten des „Freitags“ von „Goedzak“ bis Georg Grote sind tote Juden gute Juden und lebende Juden, wenn sie nicht Uri Avnery oder Felicia Langer heißen, böse Juden. Ihr Gefasel ist unglaubwürdig und abstoßend, denn was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden und jede Vernichtungsphantasie gegen den Judenstaat für die Grotes des „Freitag“ ein Übersetzungsfehler.

      Georg von Grote schrieb am 20.10.2012 um 00:30 im ersten Kommentar: „Bitte mehr von diesen Geschichten.“
      Das wundert mich nicht.

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        22. Oktober 2012 10:33

        Ich brachte die Kritik ja schon öfter an. Aber hier wird sie überdeutlich. Wenn Du Deine Wortwahl einmal genau betrachtest oder betrachten würdest, müsstest Du erkennen, dass Du darin sehr nah an dem bist, was Du kritisierst. Der nächste Schritt wäre, würdest Du die von Dir kritisierten dann als Krebsgeschwür oder Schädling bezeichnen. Sehr weit bist Du davon scheinbar nicht mehr entfernt.Die Unterstellung, dass für die Kritisierten „tote Juden gute Juden“ sind, ist eine ziemlich widerwärtige Unterstellung, die sich durch nichts belegen lässt. Sie ist reines „Rassendenken“ und die „Rasse“ ist die des „Freitagianers“. Wenn Dir irgendwo kalt werden sollte, dann beim Lesen Deines Kommentars.

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      • 22. Oktober 2012 11:05

        Ich hatte einige Male mit dem Antizionisten Goedzak im „Freitag“ zu tun. Mich friert noch immer wenn ich daran denke was ich mir in dem „antisemitischen Drecksblatt“ alles gefallen lassen habe.

        Wenn die „Freitagsavantgardisten“ in ihren Aussagen den Staat Israel eliminieren wollen (Einstaatenlösung), die Vernichtungsdrohungen und Taten des Irans, der Hamas usw. leugnen oder rechtfertigen, dazu Boykottaufrufe gegen Juden in Israel initiieren, dann mögen diese Belege zwar für dich irrelevant sein, für mich sind sie es nicht.

        Von „Krebsgeschwür“ oder „Schädling“ habe ich nie geschrieben. Das ist eine deiner üblichen Unterstellungen. Vom „Krebsgeschwür Israel“ predigen die Machthaber im Iran, die in Augsteins „Freitag“ von den Antisemiten desselbigen hofiert werden.

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          22. Oktober 2012 11:35

          Nein, das ist keine meiner üblichen Unterstellungen, da ich Dir nicht unterstellt habe, es geschrieben zu haben. Es sieht so aus, als hättest Du die „Lese-Verstehen-Übungen“ in der Schule verpasst. Dafür kann ich aber nichts. Mir geht es um Deine Art der undifferenzierten Aburteilung von Menschen, die ihnen wiederum keine Wahl lässt, sich in ihrer Sichtweise weiter zu entwickeln. Das (Dein) einmal gefasstes Urteil, basierend auf einer Momentaufnahme, ist Dir wichtiger. Darin unterscheiden wir uns nun einmal und ich halte es für wichtiger, positive Entwicklungen anzuerkennen und NICHT, sie zu negieren, nur, damit mein abschließendes Urteil weiter Bestand hat. Nur darum scheint es Dir nämlich zu gehen. Und das macht Deinen Umgang mit der Problematik auf eine gewisse Weise unmenschlich. In Deinem Denken scheint die Möglichkeit, dass sich jemand von einem unterschwelligen Antisemitismus, wie auch von Rassismen, wieder entfernen kann, nicht denkbar, was ich bedauerlich finde, denn ich kenne exakt gegenteilige Entwicklungen, die ich auch aktiv unterstütze – übrigens ganz praktisch, nicht als anonymer Internet-Heroe. Man könnte hier durch Berlin gehen oder durch jede andere Großstadt und vermutlich jedem zweiten türkisch- oder arabischstämmigen Jugendlichen Antisemitismen unterstellen. Und man könnte sich zum Richter aufspielen, aburteilen, verdammen, ächten. Du würdest das vermutlich bejubeln. Doch dieser Weg ist falsch und wird menschlicher Existenz auch nicht gerecht. Zudem ist es möglich, eine Umkehr zu erwirken, indem Verständnis geweckt wird, „Begründungen“ für dieses Denken aufgelöst werden. Das ist möglich, wenngleich es sehr viel Arbeit bedeutet – aber eine mit einem zukunftsorientierten Ansatz und einem durchweg positiven Ergebnis. So handelt man für Menschen und deren Zusammenleben. Alles, was Du mit Deinen radikalen Reden erreichst, ist eine Verhärtung der Grenzen und die Unmöglichkeit einer offenen Diskussion und damit einer Annäherung. Das aber ist kein positives Ergebnis, denn es schreibt nur den Status Quo fest – auf Eisen, mit Blut geschrieben, mit aller deutscher Härte und Zähigkeit. Diese wird aber nicht besser, nur weil sie sich zwangshandlungsgleich vordergründig zugunsten derer einsetzt, die einstmals Opfer genau dieser Handlungsmuster waren. Deutlich wird es daran, dass in Deinem Kommentar kein einziger sachlicher Kritikpunkt vorhanden war. Er verfolgt allein das Ziel persönlicher Diskreditierung, völlig unabhängig davon, was jemand geschrieben hat. Du interpretierst absolut zielorientiert in Deinem ganz eigenen Sinne und stehst damit auch nur für Dich ein – für sonst niemanden.

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        • 22. Oktober 2012 12:11

          Stimmt, den Text habe ich nicht sachlich kritisiert, weil mich der Text dieses Antizionisten nicht interessiert, habe ich den Text nur überflogen. Ich habe die Entwicklung des „Freitags“ zwei Jahre verfolgt und keine positive Entwicklung festgestellt. Zugegeben, wie sich diese Leute weiterentwickeln interessiert mich nicht wirklich.

          Alles andere ist Blödsinn, auf den ich nicht weiter eingehe, wie du auf meine Kommentare nicht eingehst. Mach du deine „Projekte“ und ich mache meine.

          Augstein, Grote, Rahab, Fritz Teich und Co. werden sich nicht ändern lassen. Schon gar nicht von mir. Antisemitismus gehört zur freien Meinungsäußerung. Meine Kritik daran aber auch!!

          Es stimmt: “Und „wenn’s Judenblut vom Messer spritzt“, dann gehts Jakob und seinen Brüdern gleich “nochmal so gut”, dann haben sie ihren Judenknacks endlich überwunden.“

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          22. Oktober 2012 13:13

          Na, dann bleibt mir nur übrig, Dir zu wünschen, dass Du Deinen „Judenknacks“ ebenfalls eines Tages erfolgreich überwindest. Den von Dir Vertretenen tätest Du damit sicher einen Gefallen.

          Aber es ist schon witzig, wenn Du schreibst, dass Du den Text nicht wirklich gelesen hast. Das ist dann schon ganz großes Kino.

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    • 22. Oktober 2012 15:49

      Ich habe (nochmal) gelesen

      Der anfänglich gesetzte Kontrast von Goedzaks Abbildung der gerade gelegten Stolpersteine mit dem Traumbild des Kurens an mondänem Ort kann ja größer nicht sein. Und seine historische Architekturkritik als Gesellschaftskritik führt das fort. Auch sein Erkenntnisinteresse – „dem speziellen genius loci mit leichtem Erschauern vor der Historie nachzuspüren“ – ist plausibel und nachzuvollziehen. Noch 1938, schreibt Goedzak, spielten hier „fröhlich und noch unbekümmert die besten Orchester“. Dann berichtet er von der ‚Arisierung‘ des Kurhauses. Fünf Jahre lang wehrt sich Adalbert Bela Kaba-Klein, aus Berlin stammend, mit einer nichtjüdischen Deutschen verheiratet, SPD-Mitglied, gegen die Bedrohung. Er überlebt letztlich, aber ihm widerfährt, zurück in Binz, nichts Gutes. „Die Aktion Rose der DDR-Regierung: eine brutale revolutionäre Maßnahme gegen als kapitalistische ‚Feinde‘ angesehene Privateigentümer, ohne Rücksichten gegenüber den betroffenen Menschen, begleitet von einer die Betroffenen in ihrer Menschlichkeit in Frage stellenden Rhetorik.“ Kaba-Klein stirbt in Berlin. /Schnitt/
      „Punkt 15 Uhr tritt eine Frau an das Mikro, begrüßt die Anwesenden, erklärt, dass nun eine Feierstunde zur Installation von vier Stolpersteinen vor dem Kurhaus Binz beginne. […] Schließlich tritt auch der Mann mit der Maurerkelle, der Künstler Gunter Demnig, inzwischen fertig mit seiner Arbeit, ganz ohne Redeskript an das Mikro und erzählt von seinen Erlebnissen beim europaweiten Installieren der Stolpersteine. – Tage später schreiben die Meck-Pomm-Faschos auf einer ihrer Websites von ’sogenannten Stolpersteinen‘ für ‚Zionsjünger‘. – Die Geschichte ist nicht am Ende.“ (Goedzak, „… Jazz, ein furchtbares Geheule“, im derFreitag)

      Ich bin ihm also am 3. August in Binz ‚irgendwie‘ begegnet. Und ohne seinen Stolpersteintext hätt´ich´s nie erfahren.
      Ich finde: Ein schöner Beitrag mit gutem konkreten Wissenstranfer.

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        22. Oktober 2012 16:20

        Dem schließe ich mich an. Und genau diese Begegnungen sind es auch, die einen Wert ausmachen und positive Folgen haben. Auch das Erfahren spielt eine wesentliche Rolle, gerade hier in Deutschland, wo reichlich „aufgeklärt“ wird, Vieles aber auch dem Vergessen anheim fällt. Der Holocaust bietet Stoff für viele Filme und meist sind die dort dargestellten Menschen irgendwie ganz normal Deutsch, vermutlich, damit dem braven Bürger es leicht gemacht werden kann, zu begreifen oder um sich mit ein wenig leichtfertiger Betroffenheit aus ihren Abgründen herauszuwinden. Nur ist auch das nur ein Teil der Wahrheit. Schwarze Menschen wie Juden mit türkischem Pass wurden ebenfalls in die Konzentrationslager geschickt. Alle, die nicht deutsch genug waren, lebten in Gefahr. Allerdings werden diese Menschen meist vergessen. Dabei ist jedes Erinnern und vor allem Aufklärung gut – Aufklärung, weil sie Klärung ermöglicht – auch eine Klärung der eigenen Haltung. Hierzu tragen auch die Stolpersteine bei und und ich empfinde es als erbärmlich und beschämend, hier eine derartige Attacke dagegen zu lesen. Natürlich kann man Kunst immer kritisieren, wie man jeden Umgang mit etwas kritisieren kann und es ist auch legitim, wenn sich Betroffene oder Nachfahren echauffieren, wie sich auch Opfer anderer Gewalttaten gegen eine Öffentlichwerdung wehren. Das ist natürlich eine persönliche Entscheidung. Hier nun aber die Aktion herabzuwürdigen und sie wegen des Freitags als nahezu verwerflich erscheinen zu lassen, spottet jeder Beschreibung.

        Die ablehnende Haltung einiger Opfer und Nachkommen wird hier als Angriffsmittel gegen den Freitag instrumentalisiert – und das ist widerwärtig.

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  1. Beton-Oscar 2011 « ThinkTankBoy

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