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Israel, die „Radikale Linke“ und die „Antideutschen“

20. November 2011

Bis 1967 galt im reformorientierten linken Spektrum ein pro-israelischer Konsens für den „Pionierstaat“ Israel mit seinen sozialistischen Kibbuzim. Nach dem Sechstagekrieg von 1967 änderte sich die Haltung mit der neu entstandenen „Neue Linken“ und ihrer antiimperialistischen Orientierung grundlegend. Mit dem israelischen Sieg im Sechstagekrieg galt der Judenstaat für viele dieser Linken als US-amerikanischer imperialistischer „Brückenkopf“ im Nahen Osten. Mit ihrem Antizionismus demonstrierten diese Linken, von maoistischen K-Gruppen über die DKP bis zur RAF in dieser Zeit große Einmütigkeit, obwohl diese Gruppierungen in allen anderen Fragen häufig zerstritten waren. Dieser radikale Antizionismus äußerte sich in Gleichsetzungen Israels mit dem Nationalsozialismus und Forderungen nach der Liquidierung des „zionistischen Gebildes“. Kritik an diesem linken Antisemitismus gab es nur marginal. Die entsprechenden Stimmen von Jean Améry und Theodor W. Adorno blieben von den antizionistischen Genossen ungehört.

Als nach den Massakern in den Flüchtlingslagern Sabra und Schatila während des Libanonkrieges 1982 die überwältigende Mehrheit der linken Presse von israelischen „Endlösung der Palästinenserfrage“ schrieb, erhob sich erstmals mehrfache und laute Kritik innerhalb der Linken. Mit dem Historikerstreit der 1980er Jahre sensibilisierte sich zudem ein großer Teil der Linken für  Antisemitismus, Nationalismus und das Verhältnis zur deutschen Geschichte.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion änderten sich die politischen Koordinaten grundlegend. Der Ost-Westkonflikt wurde abgelöst durch einen neuen „Kalten Krieg“ der kapitalistischen Nationen. Durch die neue Weltunordnung waren die alten linken Weltbilder kaum noch haltbar.  Die so genannte Wiedervereinigung Deutschlands stand im Mittelpunkt einer neu entstandenen losen Gruppierung, der „Radikalen Linken“, die sich im Umfeld der Monatszeitschrift „Konkret“ gebildet hatte.  Der „nationalen Besoffenheit“ setzte die „Radikale Linke“, als linke „Kraft der Negation“ das  Motto „Nie wieder Deutschland“ entgegen.  Einige linke Gruppierungen grenzten sich von dieser Position ab und sahen neue Chancen in der Zusammenarbeit mit der  Massenpartei PDS. Die „Radikale Linke“ befürchtete durch die Wiedervereinigung ein Wiederaufleben von Nationalismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit  und deutschen Großmachtambitionen. 1990 trafen sich 1.500 „radikale Linke“ in Köln wo  Hermann L. Gremliza vor den Folgen der Wiedervereinigung warnte: „In einem Land, dessen Geschichtsschreibern der Verlust des Arbeitsplatzes und Mieterhöhungen immer als entschuldigende Begründung für Rassismus und Pogrome gegolten haben und noch gelten, darf man sich auf alles gefasst machen.“  Die folgenden  Brandanschläge und Morde an vielen  Ausländern oder Asylbewerbern beispielsweise in Mölln, Solingen, Hoyerswerda betätigten alle Befürchtungen bezüglich des neuen deutschen Selbstwertgefühles. In Rostock-Lichtenhagen kam es 1992 zu tagelangen pogromartigen Ausschreitungen gegen Asylbewerber unter dem Applaus von zeitweise über 2.000 applaudierenden deutschen Anwohnern. Der Imageschaden Deutschlands war die größte Sorge der amtierenden Politiker. Statt gegen Nationalismus und Ausländerfeindlichkeit entschieden vorzugehen wurde im Laufe der folgenden Jahre das Asylgesetz modifiziert, also ausgehebelt.

Während des Golfkrieges 1991 kam es zu antiamerikanischen Demonstrationen der Friedensbewegung. Die deutschen „Friedenskämpfer“ erinnerten mit Transparenten an die Bombennächte von Dresden, während die Bedrohung Israels durch mit deutschem Giftgas bestückten Mittelstreckenraketen kaum thematisiert wurde. Kein „Blut für Öl“  und „Heute Bagdad, gestern Dresden“ war auf den völkischen Plakaten zu lesen. Deutschland finanzierte den amerikanischen Krieg gegen Saddam Hussein, hatte jedoch zuvor den Irak durch massive technologische Unterstützung geholfen die Reichweite seiner Scud-Raketen zu erhöhen. Deutsche Firmen verhalfen  mit Duldung der Bundesregierungen über Jahre dem Irak zu einer eigenen Giftgasproduktion. Dieses Giftgas setzte Hussein bereits drei Jahre zuvor gegen aufständische Kurden im Norden Iraks ein. Obwohl Israel nicht an diesem Krieg beteiligt war feuerte Hussein Scud-Raketen auf Israel ab, viele Raketen schlugen in israelischen Städten ein, wodurch israelische Zivilisten verletzt und getötet wurden. Hussein drohte Israel mit (deutschem) Giftgas auslöschen zu wollen. Israelis lebten ausgestattet mit Gasmasken sechs Wochen in Angst und Panik vor deutschem Giftgas.

In Konkret 03/91 schrieb Wolfgang Pohrt: “ …Diesmal hingegen steht etwas auf dem Spiel, unter anderem die Existenz des Staates Israel, und eine Neuauflage der Friedensbewegung bedeutet nun, dass die hiesige Linke im weitesten und im engen Sinn wirklich für alle Zeiten moralisch erledigt ist. Deutlicher gesagt: Verglichen mit der PDS ist der CIA eine hochmoralische Anstalt.  Kein lustiger Brief also, eben (27.1. 17.00 Uhr) meldet Bagdad, dass es nun Israel mit Chemiewaffen auslöschen wolle, eine Absicht, die Israel gegebenenfalls hoffentlich mit Kernwaffen zu verhindern wissen wird. …“ In derselben Konkret-Ausgabe schrieb Hermann L. Gremliza zum Irakkrieg: “Das Richtige aber, das hier hoffentlich getan wird, darf nicht gesagt werden: dass der Irak der Fähigkeit beraubt werden muss, Israel – wie von Saddam angekündigt – anzugreifen und zu liquidieren. Würde dieser einzig vertretbare Kriegsgrund genannt, liefe jenes Gesocks, welches die arabischen Vertreter der alliierten Weltmoral darstellen, sofort auseinander oder zu Saddam über. Dass die USA tagtäglich die israelische Regierung anweisen, die irakischen Angriffe nicht zu erwidern, und die europäischen Alliierten Israel tagtäglich dafür loben, dass es diese Anweisung befolgt, weil sonst das ganze schöne Bündnis mit den Saudis, den Mubaraks und den Assads zerbreche, lässt freilich auch bei einem Betrachter, der Politik nicht in der Selbsterfahrungsgruppe gelernt hat, Zweifel aufkommen, ob die USA und ihre europäischen Alliierten unter allen Umständen am richtigen Zweck ihres Krieges festhalten werden oder schon heute mit dem Preis spekulieren, zu welchem sie Israel morgen an ihre arabischen Alliierten verkaufen würden. …“

Christian Ströbele, der Alibilinke der Grünen hatte dagegen erklärt: „Die irakischen Raketenangriffe sind die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“ Auf die Frage ob denn  Israel selber schuld sei, es mit Raketen beschossen wird, antwortete Ströbele: „Das ist die Konsequenz der israelischen Politik den Palästinensern und den arabischen Staaten gegenüber, auch dem Irak gegenüber.“  Ströbeles Position wurde weitgehend von vielen antizionistischen Linken geteilt. Vor allem Pohrt und Gremliza wurden von Konkretautoren wie Ebermann, Ditfurth, Tolmein, Trampert usw. für ihre Ansichten bezüglich des Golfkrieges massiv attackiert. Die Auflösung der „Radikalen Linken“ war die Folge. In Konkret, sowie in der 1997 gegründeten Wochenzeitung Jungle World und anderen antinationalen  Publikationen beteiligten sich bis heute die Vertreter der antinationalen und antideutschen Richtung intensiv an vergangenheitspolitischen Debatten.

Innerhalb der antinationalen und antideutschen Linken wird Antisemitismus als eine der kapitalistischen Gesellschaft notwendig anhängende Ideologie verstanden. Auschwitz wird nicht als eine nationalsozialistische Untat unter anderen, sondern stets als „deutsche Tat“ begriffen, die, wie der Nationalsozialismus generell, auch keineswegs nur dem „Großkapital“ und seiner Marionette Hitler zur Last gelegt werden könne. Auch heute ist der Antisemitismus in Deutschland weiterhin überaus virulent und findet insbesondere in der Feindschaft gegenüber Israel sein Ventil. Eine zentrale Rolle spiele das Bedürfnis der „deutschen Nation“ nach Entlastung von Schuld, weshalb man ständig auf der Suche nach „jüdischen Tätern“ ist. Sowohl die Existenz Israels als auch sein Charakter als jüdischer Staat ist von der Linken, und insbesondere von der Linken in Deutschland, entschieden zu verteidigen. Der Staat Israel bietet für alle Juden weltweit den notwendigen Schutz und notfalls einen Zufluchtsort vor dem Antisemitismus.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 spaltete, bzw. radikalisierte sich das linke, antinationale Lager. Ein anderer Teil der linken Publizistik sah die  Anschläge als direktes Resultat von Armut, Ausbeutung und Bevormundung der „Dritten Welt“ durch die Vereinigten Staaten. Nicht nur für die „Jungle World“ war diese These unerträglich und verkürzend. Laut „Jungle World“ waren die Attentäter die „Repräsentanten einer faschistischen Ideologie mit islamischem Antlitz“. Noch weiter ging die Redaktion von Bahamas. Die antideutsch und ideologiekritisch ausgerichtete,  Anfang 1990 gegründete Berliner Zeitschrift Bahamas trat 1991 mehr oder weniger offen für den Irakkrieg ein. Angesichts des „Weltkriegs gegen die Juden“ postulierte Bahamas: „Es heißt jetzt Front zu beziehen.“. Die USA seien die einzige Kraft, die willens und fähig sei, dem Fundamentalismus Einhalt zu gebieten. Der Zeitschrift Konkret wurde vorgeworfen, nur „antiimperialistische Scharfmacherei“ zu betreiben. George W. Bush dagegen wurde von der Bahamas als „Man of Peace“ gesehen, denn der „antifaschistische Waffengang“ der USA in Afghanistan und im Irak hätte, ganz im Gegensatz zu den Szenarien der Friedensbewegung, nur wenig zivile Opfer gefordert, den Fundamentalismus wirkungsvoll bekämpft und den Menschen dort die Chance auf ein besseres Leben, Demokratie und individuelle Freiheit eröffnet.

Für Antizionisten,  Gesellianer, Anhänger von Rudolf Steiner und Kapitalismuskritiker à la Gottfried Feder sind die Gegner ihrer reaktionären Ideologie fast ausnahmslos und völlig undifferenziert „Antideutsche.“ So gut wie jede Kritik an ihrem  völkischen Antisemitismus, ihrem einfältigen Geschichtsverständnis, ihrem faktenfreien Faschismusbild wird mit dem argumentfreien Vorwurf des „Antideutschseins“ zurückgewiesen. Mit der Legende von der Antisemitismuskeule, die angeblich alle mundtot mache, versuchten und versuchen Karsli, Möllemann, Walser, Nolte, Finkelstein, Hillgruber und die Antizionisten verschiedenster Couleur ihrer reaktionären Alltagsreligion eine ehrbare Intention zu verabreichen um ihr Gewissen scheinbar zu erleichtern.

Quellen: Konkret, 1991-2011 | Jean Améry, Briefe | Thomas Haury, Neuer Antisemitismus?

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95 Kommentare leave one →
  1. rotlicht permalink
    20. November 2011 14:49

    Oliver Tolmein verließ Konkret und wechselte als Chefredakteur (1994/95) zur „Jungen Welt“. Tolmein war jedoch für den Eigentümer der Jungen Welt zu „antideutsch“. 😉

    http://jungle-world.com/artikel/2007/26/19892.html

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    • 20. November 2011 22:39

      Oliver Tomein schrieb mit Detlev zum Winkel auf obige Aussage von Wolfgang Pohrt das Buch „Herr P. und die Bombe – Vom Krieg der Polemiker“. Er verließ Konkret und versuchte die Junge Welt in die richtige Richtung zu bringen. Spannend dabei, dass er gehen musste und dabei von Nationalbolschewisten als Antideutscher bezeichnet wurde. In Konkret kommen beide Seiten zu Wort, eher antiimperialistische und eher antideutsche Linke. Wer diese Diskussionen, die nun schon 20 Jahre dauern nicht mitverfolgt hat, tut sich natürlich schwer die Feinheiten zu begreifen.

      So traurig es ist, es gibt zudem Leute, die sich links bezeichnen, die haben ein Faschismusbild, dass sich ausschließlich auf R. Kühnl beschränkt. Nichts gegen R. Kühnl, aber ohne Mommsen, Kershaw, Hillberg, Poliakov, Lozowick, Lustiger, Sternhell, Klee, Broszat, Goldhagen usw. zu kennen ist dieses Geschichtsbild schon etwas eindimensional für einen deutschen Intellektuellen. Da wundert es dann auch nicht wenn antisemitische Ressentiments nicht auszuradieren sind.

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  2. tableo permalink
    20. November 2011 16:59

    „In einem Land, dessen Geschichtsschreibern der Verlust des Arbeitsplatzes und Mieterhöhungen immer als entschuldigende Begründung für Rassismus und Pogrome gegolten haben und noch gelten, darf man sich auf alles gefasst machen.“

    Wie wahr und wie aktuell!!

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    • 3. Januar 2012 11:36

      Wer bei der Fußballweltmeisterschaft keine Deutschlandfahne an seinem Autor hatte ist in den Augen der deutschen Nationalisten ein Antideutscher.

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  3. Louis Levy permalink
    20. November 2011 17:39

    Ja, ja, die sogenannten Antizionisten…kratze einen Antzionisten und du siehst einen Antisemiten bluten…

    lg LL

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  4. 20. November 2011 18:58

    Es ist dieses schizophrene und verlogene Verhalten, das mir exakt ab Ende der 1960er Jahren in Deutschland aufgefallen ist:

    Solange Juden oder Israelis in einer „schwachen Opfersituation“ sind, werden sie von „Deutschen“ herablassend bedauert …

    Sobald Juden oder Israelis sich jedoch erfolgreich gegen Aggressionen anderer zu wehren wissen, wird das Verhalten „der Deutschen“ schizophren. Jetzt bezichtigen sie diejenigen, die sich verteidigen (wozu auch „Präventivangriffe“ gehören können, um z.B. Anschläge und Raketenangriffe im Vorfeld zu verhindern) plötzlich, als „überlegene Aggressoren“, mit denen man keine Solidarität zeigen muss.

    Der israelische Satiriker Ephraim Kishon hat diese Schizophrenie in der Wahrnehmung Israels schon 1968 in seinem Büchlein „Pardon wir haben gewonnen“ brillant beschrieben.

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  5. 21. November 2011 07:36

    Schizophrenie

    Die hier bezeichnete Schizophrenie wird sich erst dann auflösen, wenn man beginnt, Israel mit den gleichen Maßstäben zu betrachten, wie jedes andere Land auch. Die „bedauernde“ wie die „kritisierende“ Sicht auf Basis der Geschichte und der gerade aktuellen Machtverhältnisse als Primärargument ist nichts weiter, als Rassismus – unabhängig davon, ob er sich gerade gegen Israel richtet oder es auf eine selbstverliebt verlogene Art „vordergründig“ stützt.

    Aber auch hier eine kurze Anmerkung zu folgender Gleichung:

    „Solange Juden oder Israelis in einer „schwachen Opfersituation“ sind, werden sie von „Deutschen“ herablassend bedauert …“

    die ich einmal neutralisieren möchte:

    Solange Gruppe 1 sich in einer Opfersituation befindet, wird sie von Gruppe 2 herablassend bedauert. Sobald sich Gruppe 1 auch durch Präventivschläge gegen eine drohende Aggression wehrt, erfährt sie Ablehnung und eine Entsolidarisierung.

    Die Frage, die sich daraus ergibt, ist doch eigentlich die, wie beide Gruppen sich von Vorurteilen und eigenen Unsicherheiten befreien können, um zu einer wirklichen gegenseitigen Annahme zu gelangen. Derartige Effekte kann man von der kleinsten bis zur größten Einheit menschlichen Zusammenwirkens beobachten. Welches Schlüsse soll man hieraus ziehen, was wäre ein zukunftsorientiertes Verfahren, welches die Gesamtsituation für alle Betroffenen verbessert? Auch hier ist mir die sich aus dem Eingangstext ergebende Fragestellung zwar nachvollziehbar, dennoch aber zu „selbstverliebt“. Im Grunde beweist sie nur die ihr selbst innewohnende Kritik

    Auch dies ist ein wichtiger Hinweis:

    „In einem Land, dessen Geschichtsschreibern der Verlust des Arbeitsplatzes und Mieterhöhungen immer als entschuldigende Begründung für Rassismus und Pogrome gegolten haben und noch gelten, darf man sich auf alles gefasst machen.“

    Mir ist klar, dass damit die Bundesrepublik gemeint ist. Dem ist im Grunde zwar nicht zu widersprechen, doch gilt diese Systematik eben nicht nur für dieses Land. Daher ergibt es keinen Sinn, die Problematik national zu betrachten, da man bereits ab diesem Moment selbst blindlinks in die Nationalismus-Falle rennt, ihre „Argumentationen“ anerkennt und – noch schlimmer – ihnen folgt.

    Man kann so – sehr hübsch und vorhersehbar – immer wieder neue kleine argumentative Schlachtfelder eröffnen, kommt aber in der Sache keinen Schritt weiter.

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    • 21. November 2011 13:18

      @Michael Pliwischkies
      Beispiel Ken Jepsen: Er sagt, „Deutschland sei ein Außenposten und ein Vasall der USA, er meint in Palästina sollten die Israelis ein Yad Vashem bauen, in dem für all die palästinensischen Opfer gedacht werden soll, die durch israelische Besatzung umgekommen sind“, ein zukünftiger israelischer Präsident“ solle dort niederknien, „wie einst Willy Brandt“ in Warschau.“

      Für die Diskussion solltest du verschieden Fragen klären:
      1. Wie tolerant soll man gegenüber Antisemiten (linken und rechten) und rechtsradikalen Mördern sein?

      2. Ken Jepsens obige Aussagen sind für dich kein Antisemitismus, so gut wie alles was ich hier ausführlich und begründet über linken Antisemitismus geschrieben habe bestreitest du. Die Definition der EUMC lehnst du ab. Wie also definierst DU Antisemitismus? Sind nur Leute Antisemiten, die eigenhändig Juden in Gaskammern schickten, oder wie ist deine Definition?

      3. Ist es nicht so, dass für linke Antisemiten tote Juden gute Juden sind und die große Mehrheit der lebenden Juden böse Juden sind? Inge Höger setzte Stolpersteine (Messingplatten für jüdische NS-Opfer) und fährt dann mit rechtsradikalen „Grauen Wölfen“ auf der Marmi Marmara Richtung Israel.

      4. Dein Gruppenbeispiel sagt nichts über den Antisemitismus der arabischen Welt, nichts über den Vernichtungswillen gegen Israel der entsprechenden „Führer“, nichts über die faschistische, islamistische Ideologie von Hamas und Co. Dein Gruppenbeispiel ist eine groteske Milchmädchenrechnung ohne realen Bezug. Legst du dieselben Maßstäbe an Israel an, wenn du dies außer Acht lässt?

      Ich habe so gut wie alle Diskussionen zwischen „Antideutschen“ und Antiimperialisten seit 1990 verfolgt, im Gegensatz zu fast allen Freitagsbloggern. Als ich vor knapp zwei Jahren dort auftauchte und linken Antisemitismus zum Thema machte drehte diese Community incl. Moderation durch. In dieser Community gab es kaum jemanden der sich intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigte. Ich fand nur Schulwissen 12. Klasse und R. Kühnl vor. Goldhagen und andere Historiker waren „Böhmische Dörfer“ für die Freitags-Avantgarde. Wer als Deutscher meint nur Hitler, die „Marionette des Großkapitals“ und die NSDAP tragen Verantwortung für Auschwitz und die komplette Arbeiterschaft war das ersten Opfer von Hitler ist natürlich anfällig für Antisemitismus und Nationalismus.

      Also nochmal, bevor Lösungsansätze diskutiert werden, können muss Einigkeit in der Definition von Antisemitismus, Rechtsradikalismus und der aktuellen politischen Lage bestehen. Ansonsten musst du dir die Frage stellen, wie du mit deiner Argumentation weiterkommst.

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      • 21. November 2011 14:03

        Nachtrag:
        Was ich im letzte Absatz sagen wollte: Wer diese Diskussionen nicht kannte oder kennt, tut sich natürlich schwer mitzureden. Wer nur die SZ, die Zeit, die Junge Welt oder den Freitag liest konnte und kann diese Diskussionen nicht verstehen und von daher war ich bei dem ein oder anderen vielleicht auch zu ungeduldig. Die Eindimensionalität von linken Antisemiten ist aber auch schwer erträglich. Ich habe deshalb in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass 60-jährige linke Antisemiten schwerer von ihrem Wahn zu befreien sind als 16-jährige angehende Rechtsradikale, wobei auch hier immer wieder Ausnahmen die Regel bestätigen dürften.

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      • 21. November 2011 14:13

        Nachtrag 2:
        Genau das Negative war das Positive, dieses Bewusstsein des Nichtmitmachens, des Verweigerns; die unerbittliche Analyse des Bestehenden, das ist eigentlich das Wesen der kritischen Theorie.

        Leo Löwenthal – Mitmachen wollte ich nie

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    • 21. November 2011 14:41

      Nun gut – dann mach ich mir mal die Mühe:

      ————— schnipp ————-
      @Michael Pliwischkies
      Beispiel Ken Jepsen: Er sagt, „Deutschland sei ein Außenposten und ein Vasall der USA, er meint in Palästina sollten die Israelis ein Yad Vashem bauen, in dem für all die palästinensischen Opfer gedacht werden soll, die durch israelische Besatzung umgekommen sind“, ein zukünftiger israelischer Präsident“ solle dort niederknien, „wie einst Willy Brandt“ in Warschau.“
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      Das mag Ken Jebsen so hinstellen, artikulieren. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem er erklärt, es in einem herabwürdigenden oder einseitigen Kontext so zu meinen, bleibt es nichts weiter als eine fahrlässige Äußerung, die eben ihre Fahrlässigkeit durch den fehlenden Kontext erlangt. Damit keine Missverständnisse aufkommen – ich halte die Äußerungen dieses Schwaflers für naiv und dumm, aber eben noch nicht für grundsätzlich antisemitisch. Allerdings ist und bleibt es „Fischen im Trüben“, wie er es wohl gemeint haben mag. Er könnte der (idiotischen, weil unrealistischen) Ansicht sein, ein „Yad Vashem, an dem ein zukünftiger israelischer Präsident kniet“, könnte den gleichen aussöhnenden Effekt haben, wie seinerzeit der Kniefall Brandts. Ist diese Sicht dumm? Kann sein. Ist sie antisemitisch? Nein.

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      Für die Diskussion solltest du verschieden Fragen klären:
      1. Wie tolerant soll man gegenüber Antisemiten (linken und rechten) und rechtsradikalen Mördern sein?
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      Im Fall eines ausgewiesenen Antisemitismus jedwelcher politischer Coleur und rechts- oder (ich erweitere) anderen politisch motivierten Morden ist KEINE Toleranz zu üben. Was ist das für eine Frage?

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      2. Ken Jepsons obige Aussagen sind für dich kein Antisemitismus, so gut wie alles was ich hier ausführlich und begründet über linken Antisemitismus geschrieben habe bestreitest du. Die Definition der EUMC lehnst du ab. Wie also definierst DU Antisemitismus? Sind nur Leute Antisemiten, die eigenhändig Juden in Gaskammern schickten, oder wie ist deine Definition?
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      So gut wie Alles ist unwahr, aber eben nicht Alles wäre wahr. Als einen Antisemiten definiere ich den, der auf Grundlage eines Glaubens oder einer Ethnie eine Minderwertigkeit oder Gegnerschaft argumentiert und auf dieser Grundlage agumentiert oder handelt – salopp gesprochen. Ein Antisemit ist grundsätzlich aber nicht der, der z.B. die Finanzwirtschaft kritisiert oder den Kapitalismus, sich dann anhören darf, dass man auch zu Zeiten des Nationalsozialismus diese Kritik geübt hat, weil man die Position vertrat jüdisch = finanzwirtschaft/kapitalistisch/ausbeuterisch – und diese Gleichung nun mitgeschleppt wird. Dieses Mitschleppen eines antisemitischen „Arguments“ ist schlichtweg dumm und wendet sich im Grunde WIEDER gegen die, die schon einmal darunter litten – unter dieser himmelschreienden und menschenverachtenden Einfalt.

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      3. Ist es nicht so, dass für linke Antisemiten tote Juden gute Juden sind und die große Mehrheit der lebenden Juden böse Juden sind? Inge Höger setzte Stolpersteine (Messingplatten für jüdische NS-Opfer) und fährt dann mit rechtsradikalen „Grauen Wölfen“ auf der Marmi Marmara Richtung Israel.
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      Tut mir leid. Darauf antworte ich nicht, denn ich lasse mir keine vorgegebenen Antworten unterjubeln. Das haben schon ganz Andere versucht und sind kläglich gescheitert.

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      4. Dein Gruppenbeispiel sagt nichts über den Antisemitismus der arabischen Welt, nichts über den Vernichtungswillen gegen Israel der entsprechenden „Führer“, nichts über die faschistische, islamistische Ideologie von Hamas und Co. Dein Gruppenbeispiel ist eine groteske Milchmädchenrechnung ohne realen Bezug. Legst du dieselben Maßstäbe an Israel an, wenn du dies außer Acht lässt?
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      Stimmt – es soll auch gar nichts darüber aussagen, weil es im Grunde nicht relevant ist, wenn man einen lösungsorientierten Ansatz verfolgt, ja, nicht einmal relevant sein darf. Ich lege grundsätzlich einen gewählten Maßstab an alle Beteiigten an und das muss man auch. Ich befinde mich weder in einem Privatkrieg mit Israel, noch in einem mit der Hamas. Ich nehme lediglich zur Kenntnis, dass die Politik, die beide Seiten dort betreiben, erhebliche Nachteile für die jeweilige Bevölkerung mit sich bringt und verhalte mich eben gerade NICHT rassistisch, wenn ich dies so sehe. Es steht mir auch nicht zu, hier parteiisch zu sein. Ich kann nur danach urteilen, ob ein bestimmtes Vorgehen im Sinne der Zukunftssicherung für die jeweilige Bevölkerung sinnvoll ist oder nicht.

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      Ich habe so gut wie alle Diskussionen zwischen „Antideutschen“ und Antiimperialisten seit 1990 verfolgt, im Gegensatz zu fast allen Freitagsbloggern. Als ich vor knapp zwei Jahren dort auftauchte und linken Antisemitismus zum Thema machte drehte diese Community incl. Moderation durch. In dieser Community gab es kaum jemanden der sich intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigte. Ich fand nur Schulwissen 12. Klasse und R. Kühnl vor. Goldhagen und andere Historiker waren „Böhmische Dörfer“ für die Freitags-Avantgarde. Wer als Deutscher meint nur Hitler, die „Marionette des Großkapitals“ und die NSDAP tragen Verantwortung für Auschwitz und die komplette Arbeiterschaft war das ersten Opfer von Hitler ist natürlich anfällig für Antisemitismus und Nationalismus.
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      Ich habe nie, zu keinem Zeitpunkt, bestritten, dass linker Antisemitismus wie auch linker Rassismus existiert. Und ich meine auch nicht – im Gegenteil; ich halte es für töricht – dass nur Hitler und die NSDAP die Verantwortung trugen. Es ist jedoch auch billig, die Gesamtbevölkerung als verantwortlich zu bezeichnen, denn auch sie ist nur ein Ergebnis eines Werdens und DAS gilt es zu ergründen, um derlei DENKEN UND HANDELN in Zukunft zu vermeiden. Das jedoch funktioniert auf der Basis von reinen Schuldzuweisungen genau so wenig wie über Kniefälle.

      Und BITTE: Die permanente Berufung auf Historiker, also Interpreten und Nachahmer (Nachahmung als künstlerisches Prinzip ist in Ordnung, hier ist sie es nicht), ist auch nicht zwingend ein schlagendes Argument. Auch, wenn sie zitierfähig sind, heißt das noch lange nicht, dass es sich so verhält/verhielt.

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      Also nochmal, bevor Lösungsansätze diskutiert werden, können muss Einigkeit in der Definition von Antisemitismus, Rechtsradikalismus und der aktuellen politischen Lage bestehen. Ansonsten musst du dir die Frage stellen, wie du mit deiner Argumentation weiterkommst.
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      Nein und noch mal nein. Lösungsansätze für ein zukunftsorientiertes, faires und konfliktfreies Miteinander der Völker können nicht auf der Basis von Urteilen, sondern nur und ausschließlich auf der Basis von Gleichheit, Zukunftsorientierung und Fairness geführt werden. Ein Gesellschaftsmodell ohne Rechts-/Linksradikalität und Antisemitus darf nicht auf der Basis einer Verurteilung stehen, denn der Verurteilte findet – leider – immer Sympathisanten. In einem entsprechenden Gesellschaftsmodell kämen derlei Aspekte gar nicht erst vor und dies kann nur ein gemeinsamer Entschluss sein.

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      • 21. November 2011 16:11

        @Michael Pliwischkies
        Zu 1. Mit der „Yad Vashem-Forderung“ setzt Jepsen den deutschen 6-millionenfachen Judenmord mit der Verteidigung Israels gleich, bei der es durchaus unschuldige arabische Opfer gab. Laut EUMC ist das antisemitisch, daran halte ich mich. Ich halte deine Beurteilung für zu tolerant.

        Zu 2. Es geht mir jetzt nicht um verkürzte Kapitalismuskritik, das wäre ein weites Thema, sondern um die Definition der EUMC. Möllemann, Karsli, Hohmann, Kunzelmann, Chavez wären nach deiner Definition keine Antisemiten. Das älteste antisemitische Pamphlet, die „Protokolle der Weisen von Zion“ die eine jüdische Weltverschwörung belegen sollen, im arabischen Raum millionenfach vertrieben werden, wären nach deiner Definition nicht antisemitisch.

        Zu 3. Ich wollte dir nichts unterjubeln, nur an einem Beispiel den Kommentar von Selcarim untermauern.

        Zu 4. Natürlich ist es relevant, wenn du in einem Konflikt Stellung beziehst (und du machst das, auch wenn du scheinbar neutral bleibst) und beispielsweise die Ideologie der Hamas in dein Urteil nicht mit einbeziehst ist dieses Unterschlagen dieser Fakten unredlich. Genauso hätte man 1935 argumentieren können die Juden hätten sich besser assimilieren müssen, dann hätte Hitler ihnen nichts getan. Hitler und die Hamas haben die Vernichtung der Juden schriftlich und mündlich angekündigt.

        Wenn du schreibst „ich habe nie, zu keinem Zeitpunkt, bestritten, dass linker Antisemitismus wie auch linker Rassismus existiert“ würde mich interessieren an welchem Beispiel du linken Antisemitismus festmachst. Und – was verstehst du unter „linkem Rassismus“?

        Dein letzter Absatz ist sehr idealistisch, ich fürchte kapitalistische Regierungen orientieren sich an Gewinnmaximierung wie auch ihre entsprechenden Unternehmen und islamistische Regierungen, die auch kapitalistisch organisiert sind, halten eher wenig von Gleichheit, Freiheit und Schwesterlichkeit.

        PS: In Israel steht Homosexualität nicht unter Todesstrafe, wer sich vom Judentum lösen will ist nicht mit dem Tode bedroht und in Israel dürfen Frauen einen Minirock tragen, wenn sie wollen. Das sollte eigentlich nicht der Rede wert sein, ist es aber leider.

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      • 21. November 2011 16:50

        Sorry – so gern ich das weiter thematisieren würde, ist es zeitlich einfach nicht machbar. Du verlangst implizit von mir, dass ich mir alle Vorgänge, die du dort aufzählst (Möllemann etc.) wieder hervorkrame, um anhand dessen Unterschiede aufzuzeigen. Dieses Diskutieren an derlei Beispielen entlang führt zu nichts und ist in höchstem Maße interpretativ. Im Gegensatz dazu fürchte ich langsam, dass Dir eine klare Definition und ein Lösungsansatz fehlt, mal abgesehen vom EUMC-Katalog, was mir – weil rückwärtsgewandt – jedoch zu dürftig ist und keine Lösungen aufzeigt, sondern lediglich Verurteilungen je Interpretationslage und Geschick ermöglicht.

        Mein Vorschlag: Entwickel eine schlüssige Theorie, die eine angemessene Betrachtung der Situation ermöglicht und stell sie vor. Aber lass doch bitte mal das permanente Name-Dropping, was übrigens auch eine gewisse Unredlichkeit (diese Vokabel bemühtest du ja) impliziert, da eine Gegenargumentation so eben nicht leistbar ist – zeitlich.

        Zu Deinem Punkt 4. Ja, die Hamas hat das angekündigt, wie sie viel angekündigt hat. Folgt man einer Kriegs-Rhetorik, muss man das auch immer wieder herunterbeten – indes; es hilft niemandem weiter und eröffnet auch keine Perspektiven.

        Woran ich linken Rassismus festmache? Ok – auch, wenn ich mich wiederhole. Ich nutzte den Begriff, damit es verständlicher wird, womit ich mich wohl geirrt habe. Aber jetzt.

        Es existiert KEIN linker, rechter, mittiger, oberer, unterer oder Whatever-Antisemitismus. Was existiert, ist Antisemitismus und es ist völlig (salopp ausgedrückt) SCHEISSEGAL, ob dieser von einem Linken, einem Rechten oder von jemand vom Mond zum Ausdruck gebracht wird. So falsch wie gefährlich bleibt er immer, egal, von wem er ausgeht und niemand ist – leider – derzeit davor gefeiht, in diesen Bereich zu geraten – und das übrigens weltweit, immer noch.

        Die Preisfrage also mit Bitte um Definition OHNE einen Verweis auf Hempels Schwester oder Mölleberts Bruder oder gar die EUMC – worin liegt die Struktur des Antisemitismus? Es muss eine geben, Fidelche. Denn gibt es sie nicht – in unabhängiger Form – gäbe es ja keinen Antisemitismus. Da es ihn aber gibt… Und wenn man diese Struktur, die Funktion kennt, DANN und erst dann, kann man ihm begegnen.

        Übrigens spielt es während der Eruierung von Gesellschaftsentwürfen keine Rolle, ob Regierung X oder Y gerade etwas dagegen hätte. Wäre das ein Grund, würden wir immer noch Mammuts mit Steinen jagen.

        Zum PS: Jetzt wirst Du naiv. Es ist kein sonderliches Geheimnis, dass es auch starke konservative jüdische Kräfte gibt, die ein gewisses Problem mit Homosexuellen und Miniröcken haben. Also stell es doch bitte nicht so dar, als wäre in Israel alles „Tutti“, nur, weil man xyz formal betrachtet darf. Du vermengst auch hier Bevölkerung, Sitten/Gebräuche und Administration. Natürlich werden Menschen von Gesetz wegen dort nicht mit dem Tode bedroht. „Alles easy“ ist aber eben auch nicht richtig.

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        • 22. November 2011 10:47

          Ich finde, wenn man schon andauernd dieselben Antisemiten entlarvt und sich dabei sehr sicher ist, dann sollte man sie auch anzeigen.

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      • 21. November 2011 17:26

        @ Michael Pliwischkies
        Im Gegensatz zu dir habe ich eine Definition, deine habe ich doch widerlegt oder willst du im Ernst behaupten die „Protokolle der Weisen von Zion“ sind nicht antisemitisch? Ich verlange von dir überhaupt nichts, du musst dich nicht mit Möllemann beschäftigen, wenn du Jepsens Aussage für nicht antisemitisch hältst wird es bei Möllemann, Karsli usw. nicht viel anders sein.

        Tut mir leid wenn ich dir das so sagen muss, aber du hast dich meiner Meinung zu oberflächlich mit der Thematik beschäftigt. Ich schlage dir mal vor, wenn du meine Texte nicht lesen willst, den Wikipedia Eintrag über Antisemitismus vor und nach 1945 und die Einträge über Antisemitismus bei der Bundeszentrale für politische Bildung durchzulesen. Das dürften ziemlich unverfängliche Quellen sein. Dort wirst du von Antizionistischem Antisemitismus, von Sekundärem Antisemitismus, von Antisemitismus von links, von islamistischen Antisemitismus und von Antisemitismus in der DDR lesen können.

        PS: Dass es konservative Kräfte in Israel gibt bestreite ich nicht. Uns sollten aber die aktuellen Fakten interessieren, oder? Die sind eben so wie ich sie beschrieben habe und diese gesellschaftspolitischen Fakten gehören bei einer redlichen Untersuchung des Konfliktes auch dazu. So wie ich dich einschätze willst du keinen Gottesstaat in ganz Palästina, keine Scharia, aber Miniröcke und freie Sexualität, das würdest du aber mit der Hamas kaum bekommen.

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        • 22. November 2011 10:16

          Fidelche, mal ganz ernst: Was kommt danach? Nach dem Enttarnen von Antisemiten? Warum zeigst Du die Leute, wie Rahab, Ebertus usw. nicht an, wenn Du ihnen Antisemitismus nachweisen kannst? Wenn Dir das so wichtig wäre, hättest Du dieses schon längst getan.

          Wie soll das weitergehen, Du bietest keine Lösungsvorschläge an. Wie soll man sich verhalten, wenn man in der Bahn sitzt und ein Jugendlicher Antisemitisches sagt? Soll ich ihn nun bis in seine Schule folgen und die Schulleitung informieren? Ab wieviel Jahren gilt man als Antisemit, man wird schließlich nicht als einer geboren. Oder sollte man erst Leute ab 18 anzeigen? Oder sollen sich besser die Lehrer und Sozialarbeiter darum kümmern?

          Was mache ich, wenn ich mal wieder an der Kölner Klagemauer vorbeigehe? Bleibe ich stehen und kläre die Antisemiten auf, oder gehe ich weiter und freue mich insgeheim, dass ich keiner bin?

          Ich kann hier keine Lösungsansätze erkennen.

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        • 22. November 2011 12:26

          @Goreflex
          Sag mir einen Paragraphen der Antisemitismus verbietet! Hast du denn überhaupt nichts bezüglich des NPD-Verbotsverfahren mitbekommen? Das hat zwar nur indirekt mit Antisemitismus zu tun, aber zeigt doch eindeutig was in Deutschland Meinungsfreiheit bedeutet. Ich hab mir mal kurz überlegt den Freitag wegen Volksverhetzung anzuzeigen, das aber gleich wieder fallengelassen, weil es mir nichts bringt und ich ungern Leute anzeige. Das hat was mit meinem Weltbild zu tun. Mir geht es um Aufklärung und nicht darum Rahab oder Ebertus anzuzeigen. Letztlich sind mir diese Personen egal, mir geht es um die Ideologie die diese Leute repräsentieren, sechzig Jahre nach Auschwitz in Deutschland.

          Ich soll dir Lösungsansätze anbieten und dir Verhaltensregeln in der Bahn geben?? Goreflex, ich bin nicht dein Vormund! Das musst du selbst entscheiden, was du einem Antisemiten in der Bahn sagst. Du musst erst mal hier mitdiskutieren. Was ist deine Position? War Ströbeles Aussage 1991 antisemitisch oder nicht? Du warst 1991 vermutlich zu jung, aber was hättest du für ein Gefühl gehabt als Juden 1991 mit deutschem Giftgas bedroht wurden? Wie definierst du Antisemitismus? Was sagst du zur EUMC-Definition?

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      • 21. November 2011 17:39

        Irgendwie dreht sich das im Kreis. Ich schrieb von Deiner klaren Definition und Du kommst mir mit Sekundärliteratur (Protokolle). Und schon wieder Dein „wenn – dann“-Konstrukt. Wenn eine Frucht rot ist, muss sie eine Erdbeere sein = Wenn ich Jebsen nicht für einen Antisemiten halte, halte ich Möllemann auch nicht dafür. Sorry, aber das ist Nonsens, was die „Beweisführung“ betrifft.

        Ich habe übrigens einige Quellen gelesen und stehe ihnen, weil sie ein Politikum darstellen und tendenziös iSv absichtsvoll sind, natürlich kritisch gegenüber. Du nicht – und das unterscheidet uns.

        Im PS widersprichst Du Dir übrigens. Was den Gottesstaat betrifft, liegt es in der Verantwortung der Palästinenser, ob sie ihn wollen oder nicht. Das ich ihn als Option nicht mag, ist eine Sache – ich muss dort aber auch nicht leben. Nur, wer gibt MIR das Recht, bestimmen zu wollen, wie Menschen mehrere tausend Kilometer entfernt leben wollen? Das müssen und sollen sie selbst entscheiden – auch unabhängig von meiner Meinung darüber.

        Was ich will, spielt keine Rolle. Würde es nach mir gehen, gäbe es weder Christen-, noch Judentum, keinen Islam, keine Religion – nirgendwo, denn – zumindest in meinen Augen sind sie alle verwerflich, ausnahmslos.

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        • 21. November 2011 17:42

          Ach ja. Bin ich jetzt eigentlich auch Antisemit, weil ich den jüdischen Glauben in meine Kritik mit einbezog, was die Verwerflichkeit betrifft und darf ich das nur vom Christentum und dem Islam behaupten oder ist es ok, wenn ich die jüdische Religion in ihrer Funktion als Religion ebenfalls als verwerflich betrachte?

          Hm?

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        • 21. November 2011 18:02

          Ich gehe davon aus dass nicht alle Palästinenser einen Gottesstaat wollen, diesen säkularen Leuten wird er aber aufgezwungen und den Juden und Christen würde dieser islamische Gottesstaat auch aufgezwungen und da bin ich dagegen – also kein Widerspruch von mir im PS. Ich bin übrigens auch gegen einen Gottesstaat in Ägypten, auch wenn er „demokratisch“ legitimiert wird. Demokratie ist für mich mehr als nur die Erlaubnis eine wahnsinnige Regierung zu wählen.

          Wenn du den jüdischen Glauben kritisierst oder dich über ihn lustig machst bist du natürlich kein Antisemit, das macht Broder auch. Ich auch. Wie gesagt, du hast die Definition von Antisemitismus nicht verstanden. Es gibt sehr viele jüdische Atheisten, beispielsweise H. M. Broder oder Jean Améry die Religion ablehnen oder sich darüber lustig machen.

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        • 21. November 2011 19:55

          “ Wie gesagt, du hast die Definition von Antisemitismus nicht verstanden. “
          Und wie ist es mit den Jugendlichen in der Bahn, die „Judenschwein“! oder „Spasti“ brüllen? Sind sie Antisemiten? Oder die Eltern? Oder wer? Oder gar der liebe Poor, der dem Streifzug und der anderen Mädchen hörig ist? Wer ist verantwortlich? Was sagt die liebe „Gästin“ dazu, was zu machen ist?

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        • 21. November 2011 20:51

          Hey, soll ioch denen malö was Dialektisches erzählen oder ein Abo von der Konkret schenken?

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        • 22. November 2011 10:21

          Fidelche, wenn Du so genau definieren kannst, wer Antisemit ist, warum zeigst Du die Betreffenden dann nicht an?

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        • 22. November 2011 11:59

          Die Frage des Anzeigens. Hm. Es ist die Frage danach, wo die Toleranz endet. Aber man möchte doch lieber überzeugen, etwas bewegen? (Gegen Waende anreden :-)). Naja, bei Rahab und speziell bei Alien müsste man schon an Anzeigen denken. Aber so lange wie möglich net.

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    • 24. November 2011 00:05

      Erst haben sie ihn verteidigt, jetzt haben sie sich von ihm getrennt. Der RBB hat die Zusammenarbeit mit Moderator Ken Jebsen, der im Verdacht stand, sich antisemitisch geäußert zu haben, nun doch beendet.

      http://www.tagesspiegel.de/medien/rbb-trennt-sich-von-moderator-ken-jebsen/5879924.html

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      • 24. November 2011 12:09

        Gelesen. Dazu kann man jetzt stehen, wie man will. Das beweist lediglich, dass dem Sender Jebsens Art der Darstellung sich als nicht mehr tragfähig für das Sendekonzept erweist und die Kündigung bezog sich „jetzt“ auch nicht mehr auf den seltsamen Antisemitismusvorwurf, sondern um fortlaufende Verstöße gegen Absprachen. Das sollte man korrekter weise mit transportieren.

        Für fragwürdig halte ich allerdings die Schadensfreude von Seiten Broder, der dann auch noch schrieb „die Hörer bleiben“ und diese als wörtlich „rot-braunen Mob“ bezeichnete. Ich frage mich ernsthaft, was er damit zu erreichen gedenkt? Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich angesichts dieser Verhaltensweisen mit meiner Bezeichnung „Berliner Rampensäue“ total richtig lag.

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        • 24. November 2011 13:17

          Der TS schreibt: „In der Sendung „KenFM“ liefen in den vergangenen Monaten mehrere nicht ausreichend redaktionell geprüfte und abgenommene Beiträge.“ Sie waschen ihre Hände in Unschuld, so verstehe ich es zumindest. Ich verteidige Broder nicht grundsätzlich, aber wer sich diesen Ken gerne angehört hat ist für mich schon mit den Avantgardisten der Freitagscommunity zu vergleichen. „Rot-brauner Mob“ gehört allerdings nicht zu meinem Vokabular, ich hätte es anders ausgedrückt.

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        • 24. November 2011 13:36

          Ich habe mir ein paar Beiträge von Jebsen angehört – schon allein, um zu wissen, was kritisiert wird. Mehrheitlich sind die Beiträge aus meiner Perspektive – gelinde gesagt – reißerisch und auf eine dümmlich-plakative Art neunmalklug. Letztlich aber sind sie ein Medien-Produkt und müssen, um bei einer mehrheitlich jugendlichen Konsumentengruppe so oder so ählich aufgebaut sein. Was die verschwörungstheoretische Attitüde betrifft, ist das, was dort gesendet wurde, jedoch gar nicht so erstaunlich und ähnliche Konstruiererei finde ich auch hier und zuweilen auch bei mir – allerdings mit einer anderen „Stoßrichtung“. Insgesamt aber bietet der Fall Jebsen (oh, wie sich das wieder liest) einen guten Grund, die eigenen „Logeleien“ einmal zu hinterfragen.

          Rot-brauner Mob ist als wertende Aussage einfach dumm. Wer Jebsen einfach aus Gründen der Unterhaltung gehört und sich dabei vermutlich von Zeit zu Zeit auch gekringelt hat, den kann man als Hörer noch lange nicht als rot-braun diskreditieren. Zudem sind Jebsens Beiträge nicht grundsätzlich politisch gewesen. Man überhöht seine Wirkung hierdurch meiner Auffassung nach auch auf eine illegitime Art.

          PS: In seinen Facebook-Stream habe ich geschrieben, dass ich hoffe, dass Broder und er dennoch weiter machen, weil ich mich dabei so „Berlin“ fühle. Mental medial sind sie ja doch irgendwie Brothers in Arms.

          Ganz ehrlich – ich habe nichts gegen Broder. Einige seiner Beiträge halte ich auch für ausgesprochen gut, weil er rücksichtslos nicht nur einen Finger, sondern zuweilen beide Hände in die Wunde rammt, was manchmal eben nötig ist. Allerdings macht er Vieles wieder zunichte – durch eine selbstgerechte und zynische Komponente, die eine Annahme schwierig macht und das Geschriebene oder Gesagte nicht als Alternative aufzeigt. Ein Journalist und Publizist sollte aufmerksam machen, aber sich nicht als Scharfrichter gerieren.

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        • 24. November 2011 17:32

          Ja, ohne Einschränkung. – Trotzdem zwei trotzköpfige Anmerkungen:
          a) Wichtig in der Propaganda/Ideologie’bildung‘ ist, offen Politisches zu vermeiden (das Rühmann/frau-Heesters-Syndrom). Wirksam – fragen Sie alle Propagandaminister Ihrer Wahl – sind ‚Qualität’sfilme zum Schmusen, die am besten desFreitags laufen, von der Hauptstadt bis in die Provinzen.
          b) Auch, wer den Schrott als Schrott erkannt hat, kann nicht vom Schrottplatz fliehen. (Metapher/hier ein Schrottorno) Wer den ersten Kotflügel wirft, bekommt sogleich eine Stoßstange an den Kopp! (daher: Praxisverbot! – Alternative: Fahrradschrottplätze oder [neu!!!] Elektronikschrott. – – – Bleibt aber alles auf dem einen Schrottplatz.)
          c) Scotty, Energie!

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        • 24. November 2011 17:32

          Ich teile nicht alles was Broder schreibt: Was er über (linken) Antisemitismus und Islamismus bisher geschrieben hat diente und dient zweifellos der Aufklärung, vor allem sein Buch „Der ewige Antisemit: Über Sinn und Funktion eines beständigen Gefühls“ ist sehr zu empfehlen. In „Hurra, wir kapitulieren!“ schreibt er wie ich finde ausgesprochen witzig. Dass Broder für Israelgegner und Hamasversteher ein rotes Tuch ist, ist sehr verständlich weil diese Leute in erster Linie seine Zielscheibe sind und sie sich argumentativ kaum wehren können.

          Broder verdient sein Geld mit schreiben, sein Stil ist gnadenlos, seine Argumente sind meist logisch und seine Vergleiche meist treffend. Darum kaufen die Leute seine Bücher. Ich finde es legitim was er macht. Langweilig ist er jedenfalls nicht. Man sollte sich mit seinen Argumenten auseinandersetzen, es lohnt sich fast immer.

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        • 24. November 2011 17:45

          Rainer, Punkt a) – (Propaganda/Ideologie’bildung’) möchte ich ausdrücklich zustimmen.

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        • 24. November 2011 18:41

          Fidelche, zu Deinem um 17:32: Für mich ist das schon ein richtiger + wahrer + medienbewußter Größenwahn: die Achse des Guten, mit der Achslast auf Henryk M. Broder. Bei allem – und wirklich aufgefallen ist er mir zuerst im Fernseh – Das ist er also! -: es wäre Quatsch, ihn grundsätzlich zu kritisieren.
          Er spielt die Klaviatur der Medien? Endlich einer, der´s richtig macht!
          (Und viel besser als ein kaspernder Fritz Teufel damals …)
          Er hat prominente Feinde? An denen kannst Du einen Freund erkennen!
          Er schreibt nicht in Deiner Lieblingszeitung? Ach, ich drück´ auch manchmal der Arminia die Daumen …
          Kurz: Wer diesen medialen Größenwahn nicht füllen will (also Bohlen, Kerner, Lanz, Will, Maybritt oder Poschmann sein will), kann aber die Wahnsinnigen bei seinem Auftritt durch einfache Anwendung seines Geistes im Regen stehen lassen, den medialen ‚Anstand‘ (der genau der Dreck ist) unterlaufen. Und weil er das immer weiter mir sympathisch machen wird, gehe ich mit ihm wie mit meinem Verein durch Sieg und Niederlage in die rote, äähhh, lila-weiße: Zukunft. So!
          {Hier – in diesen extra geschweiften Klammern – kann eine beliebige Vereinshymne von Lesern gesungen werden. Viel Spaß!}

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        • 24. November 2011 21:49

          Rainer, stimmt in meiner Lieblingszeitung darf der Broder nicht schreiben, da hat der Herausgeber was dagegen, wobei es zuletzt versöhnlichere Töne gab. Broder ist ein seltener Medienprofi, er kann mit Argumenten, Witz und Rhetorik seine Gegner unterhaltsam auf Distanz halten, was nur sehr wenige können. Bei seiner „Achse“ liegt die Achslast zumindest aus meiner Sicht zu 99 Prozent bei ihm.

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        • 25. November 2011 10:13

          fidelche schrieb am 24/11/2011 um 17:32 Uhr u.a.
          „Ich teile nicht alles was Broder schreibt: Was er über (linken) Antisemitismus und Islamismus bisher geschrieben hat diente und dient zweifellos der Aufklärung (…)“

          ———-

          Guten Morgen fidelche,

          ausgezeichneter Kommentar, dem ich mich komplett anschließen kann, mit einigen Ergänzungen …

          Ich „kenne“ Broder schon aus seiner „Schmuddelzeit“, die ihm den Vorwurf einbrachte ein „Pornoautor“ zu sein (ja, aufgrund meines Alters habe ich Pardon, Spontan, St. Pauli Nachrichten und Konkret (schon unter Röhl-Meinhof) gelesen, damals, war „Sex & Crime“ der Lockstoff – es war die Zeit der sog. „sexuellen Revolution -, um (männliche) Leser auch an die politischen Texte heranzuführen (und diese politischen Texte, besonders die von Ulrike Meinhof, hatten es wirklich in sich …).

          Henryk M. Broder und seine Wandlung vom „linken Sponti“ zum „Kabarettisten und Zyniker“ lässt sich vermutlich am besten verstehen, wenn man sich seine Vita – und besonders die seiner Eltern und Angehörigen – ansieht http://bit.ly/d4XW5B

          Ich hatte das immer „im Hinterkopf“, wenn ich mich ‚mal wieder über Broder geärgert hatte, z.B. hier http://bit.ly/m8zryQ Hinzu kommt …, ich habe in der Nachbarschaft einen Ladenbesitzer, bei dem ich das Futter für unseren Papagei kaufe, der Broder täuschend ähnlich sieht und auch fast genauso redet, wie dieser. Ich habe dem Mann das zwar noch nie gesagt, denke aber er weiß es selbst. Und da ich diesen Ladenbesitzer sehr mag und mich regelmäßig mit ihm über Israel, Schwule und Politik unterhalte, bin ich – was Broder angeht – immer auch ein wenig „befangen“ 🙂

          Gruß und schönes Wochenende!
          selcarim

          PS Broder verpackt seine oft messerscharfen Analysen der Verhältnisse wohl auch darum häufig in Ironie und Sarkasmus, weil er weiß, dass kaum etwas von den Menschen/Lesern/Hörern so ungern angenommen wird, wie stinklangweilige, besserwisserische, Belehrungen (das darf gern, so ganz nebenbei, auch als meine eigene kleine Selbstkritik verstanden werden :-))

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        • 25. November 2011 11:20

          Selcarim, sehr schön! Von deiner Wiki-Verlinkung gefällt mir folgender Absatz besonders gut:

          „Bereits Broders 1986 erschienenes Buch Der ewige Antisemit führte zu einer heftigen Kontroverse. Broder richtete seine Analysen nicht auf den extremistischen Rand der Gesellschaft, sondern auf linke und bürgerliche Positionen. Antisemitismus sei ein Amalgam verschiedener, sonst entgegengesetzter Positionen, die nicht wie ein Vorurteil auf wahrgenommene oder projizierte Eigenschaften, sondern als Ressentiment auf die Existenz von Juden und des Staates Israel zielten. Broder schreibt dazu:

          Linke Antisemiten, die ihren Marx gelesen haben, können Juden nicht leiden, weil sie Kapitalisten, Ausbeuter und Unternehmer sind. Rechte Antisemiten, die sich auf Dühring, Stoecker oder Marr berufen, hassen Juden, weil sie Revolutionäre, Sozialisten und Skeptiker sind, Träger des zersetzenden Geistes, eine Gefahr für das Abendland, die Moral und das freie Unternehmertum. Gläubige Menschen mögen Juden nicht, weil viele Juden Ketzer und überzeugte Atheisten sind. Freigeister nehmen es den Juden übel, dass sie immer noch an ihrem alten Glauben festhalten. Feministinnen, die keine Zeile von Thomas von Aquin oder Franz von Assisi gelesen haben, sind über die notorische Frauenfeindlichkeit des Judentums voll im Bilde. Tierschützer und Vegetarier regen sich über das koschere Schächten der Tiere auf. Internationalisten machen Juden den Vorwurf, dass sie einen eigenen Staat gegründet haben, und Nationalisten bemängeln, dass noch nicht alle Juden geschlossen hingezogen sind. So sucht sich ein jeder aus, was ihm gerade passt, um seine Leidenschaft zu befriedigen. Egal worum es geht: Der Jud’ ist schuld!“

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        • 25. November 2011 11:57

          @fidelche

          So ist es! Und genau deshalb, wegen des irrationalen Charakters von Antisemitismus und übrigens auch Homophobie, ist es so enorm schwer dem dauerhaft mit Argumenten zu begegnen.

          Irrational kommen dann auch solche Einwürfe, wie dieser daher:
          „Du bist mir sympathisch, ‚obwohl Du ein Jude / ein Schwuler bist‘, aber …, Du bist eben auch kein typischer ….“ Und wenn ich, im Gespräch mit jemandem an diesem Punkt angekommen bin, bestelle ich mir meistens einen doppelten Schnaps und versuche mich möglichst bald (auf Nimmerwiedersehen) von meinem „Gesprächspartner“ zu verabschieden.

          Ich darf vielleicht noch einmal in Erinnerung rufen:
          Antisemitismus und Homophobie sind ein Problem der Antisemiten und Homophoben, worunter allerdings Juden und Schwule massiv zu leiden haben. Den „paranoiden, psychisch gestörten Kranken“ aber ist ihre Störung selbst kaum bewusst, solange sie sich mit der „schweigenden Mehrheit“ im Einklang glauben.

          PS Ach übrigens …, in Russland wird ein Gesetz vorbereitet, dass die „Werbung“ für oder die „Zurschaustellung“ von (z.B. das Hand-in-Hand-Gehen) Homosexualität unter schwere Strafen stellen soll. Wir lernen daraus: Eines von Russland’s Hauptproblemen besteht, nach Meinung der Mächtigen, offenbar in der – in weiter Ferne liegenden – Gleichberechtigung für schwule Männer und lesbische Frauen. Na, darauf einen Wodka (Alkoholismus ist ja bekanntlich in Russland kein nennenswertes Problem :-)) http://bit.ly/ti9If5

          ach und … , bevor ich es vergesse, in Polen wurde ein homophobes Symbol als „Trademark“ für eine rechtsextreme Partei geschützt (nur zur Erinnerung, Polen ist EU-Mitglied und dort gilt die EU-Antidiskriminierungsrichtlinie) http://bit.ly/tmPHoq

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  6. 21. November 2011 17:17

    Nachtrag und zwar zu:
    „Zu 1. Mit der „Yad Vashem-Forderung“ setzt Jepsen den deutschen 6-millionenfachen Judenmord mit der Verteidigung Israels gleich, bei der es durchaus unschuldige arabische Opfer gab. Laut EUMC ist das antisemitisch, daran halte ich mich. Ich halte deine Beurteilung für zu tolerant.“

    DAS ist unredlich, Fidelche. Weil Person „a“ etwas sagt und dies „Deiner Meinung nach“ „b“ bedeutet, was laut Definition von „x“ „y“ ist, ist Person „a“ „y“ – und zwar unabhängig davon, ob Deine Aussage „b“ überhaupt stimmt. Schopenhauer würde mal wieder in die Hände klatschen.

    Sei redlich und schreibe, Jebsen ist für Dich wegen des Yad Vashem-Blödsinns Antisemit, weil Du den Gesamtzusammenhang so „interpretierst“, aber führ doch jetzt nicht die EUMC an. Oder steht dort explizit, dass das, was Jebsen aussagte, eine Gleichsetzung ist? Nicht, dass es das besser machen würde…

    Und noch etwas. Wäre seine Aussage denn legitim, wenn Israel 6 Millionen Araber ermordet hätte? Liegt es also an der Menge?

    Wenn jemand sagt/schreibt: „Ein zukünftiger Präsident Israels sollte an einem Yad Vashem für die getöteten Palästinenser knien.“, ist das natürlich (und das schreibe ich jetzt zum vermutlich 100sten Mal, völlig dämlich ausgedrückt. Aber… es wäre ohnehin erst nach einer wirklichen Annäherung der Völker möglich, ein derartiges SYMBOL zu errichten, was übrigens dann gar nicht so viel mit NS-Verbrechen zu tun hätte. Tausch einfach Yad Vashem gegen „Mahnmahl für die Opfer“. Eigentlich kann man für Israelis und Palästinenser nur hoffen, dass sie genau das eines Tages schaffen. Und ich schreibe hier auch ganz bewusst – die Palästinenser und NICHT die Hamas. Die ist auf lange Sicht gesehen in ihrer heutigen Form völlig unbeutend. Ohne einen Ausgleich mit Annäherung und gegenseitiger Akzeptanz wird es im Nahen Osten keinen Frieden geben, sondern nur Verlierer.

    Kleine Provokation: Vielleicht wäre es irgendwann auch gut, wenn die getöteten Palästinenser gleich dort – Yad Vashem – mit geehrt und bedacht würden, gemeinsam. Und zwar ganz einfach deswegen, weil bis heute alle Genannten Opfer von Rassismus, Antisemitismus, Ignoranz und Imperialismus europäischer Prägung sind. Das wäre doch mal was Verbindendes.

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    • 21. November 2011 17:52

      @ Michael Pliwischkies
      Deinem ersten Einwand kann ich zustimmen, das hätte ich so schreiben können.

      Dein zweiter Einwand ist Blödsinn. Israel wurde angegriffen und hat sich verteidigt, die arabischen Opfer sind zu bedauern, aber wenn mich jemand angreift schlage ich zurück. Ich vermute du würdest nicht anders handeln. Außerdem kamen eben keine 6 Millionen Araber um. Diese hypothetische Frage ist unredlich.

      Deine „Provokation“ ist in vielerlei Hinsicht falsch, wie ich es für falsch gehalten habe in Berlin eine Gedenkstädte für die Opfer von Auschwitz mit den Opfern der Vertreibung der Deutschen aus den Ostgebieten einzurichten.

      Die Palästinenser sind eben keine Opfer von Rassismus, Antisemitismus, Ignoranz und Imperialismus europäischer Prägung. So eine Aussage halte ich für geschichtsfälschend. Die Palästinenser sind Opfer, ihrer eigenen Führer, ihrer eigenen Regierungen und ihrer arabischen Freunde. Die Palästinenser die dies erkennen und aussprechen wurden und werden von ihren eigenen „Brüdern“ gefoltert und ermordet. Den israelischen Anteil am Leid der Palästinenser bestreite ich nicht, dieser Anteil ist aber im Verhältnis gering und meistens von den Palästinensern selbst verschuldet.

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      • 21. November 2011 17:59

        Verstehe – die Palästinenser wurden also am Tag X über den Gebieten mitsamt ihrer Führer abgeworfen und eine Entwicklung hin zum Heute fand nicht statt? Es gab keine Kolonialpolitik?

        Der Anteil ist gering und dann auch noch zumeist von den Palästinensern selbst verschuldet, schreibst Du. Wie sieht es dann mit dem Selbstverschulden der israelischen Siedler aus?

        Kurz zwischendurch: Ich denke, zwischen uns besteht Einigkeit darüber, dass es den Antisemitismus und Rassismus zu bekämpfen gilt. Allerdings besteht, was den Weg dorthin betrifft, scheinbar alles Andere 🙂

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      • 21. November 2011 18:16

        Du hast vom Imperialismus europäischer Prägung gesprochen. Das Osmanische Reich existierte von 1299 bis 1923. Dann erster Weltkrieg – Türkei – Teilung Palästinas – 1923 wurde Jordanien (80 Prozent Palästinas) abgetrennt!! Bis zur Gründung Israels waren die Briten die imperialistische Macht in Palästina, das stimmt. Unter dieser Kolonialpolitik litten die Juden in Palästina nicht weniger.

        Die Juden (2 Millionen) kämpften während des zweiten Weltkrieges auf der Seite der Alliierten, die Palästinenser auf der Seite Deutschlands. Die Palästinenser haben auf das falsche Pferd gesetzt und trotzdem hätten sie einen zweiten eigenen Staat bekommen. Das wollten sie aber nicht, sie wollten die Juden 1948 ins Meer treiben.

        Wenn es etwas an Israel zu kritisieren gibt, dann teilweise die Siedlungspolitik. Aber nicht wie es in deutschen Mainstream-Medien und antizionistischen Postillen fast täglich zu lesen ist. Denn die Israelis haben meiner Meinung schon das Recht bei der Wohnungsnot in ihrer Hauptstadt Wohnungen zu bauen. Ich schreibe demnächst mal ein Blog über die israelische Siedlungspolitik.

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  7. 21. November 2011 20:49

    Hey, tolles Sonnengottauge da in der Collage von der Emma mit dem Oscar.
    Was würde die Freundin von Poor on Ruhr sagen, die Gästin?

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  8. 21. November 2011 22:28

    Zurück zum Eingangstext:
    Deutschland verhalf Saddam Hussein die Reichweite seiner Scud-Raketen zu erhöhen und zur einer eigenen Giftgasproduktion. Obwohl Israel nicht an diesem Krieg beteiligt war feuerte Hussein Scud-Raketen auf Israel ab und drohte mittels Giftgas Israel auszulöschen. Wolfgang Pohrt forderte die israelische Atombombe, Gremliza forderte, dass der Irak der Fähigkeit beraubt werden muss, Israel – wie von Saddam angekündigt – anzugreifen und zu liquidieren.

    Der linke, grüne Ströbele meinte:„Die irakischen Raketenangriffe sind die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels“ und die deutschen Friedensdemonstranten malten „Heute Bagdad, gestern Dresden“

    Antisemiten gegen „Antideutsche“ – Nazis gegen Juden –
    Deutschland, einig Vaterland!

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    • 22. November 2011 09:00

      Kurz nachdem Saddam Hussein angedroht hatte, er werde Israel in ein großes Krematorium verwandeln, lehnte es Gerhard Schröder ab, an einer Solidaritätskundgebung für Israel teilzunehmen, da in dem Aufruf zu der Kundgebung ein Waffenstillstand nicht gefordert wurde.
      —–
      Und auf die Frage nach den irakischen Raketenangriffen auf Israel sagte Alice Schwarzer: „Die sind sehr dramatisch, die sind an sich dramatisch, also gefährdete und tote Menschen sind, ist immer schlimm, die sind in bezug auch für uns Deutsche, denn die Tatsache, daß Israel existiert und Gott sei Dank existiert, hat ja auch etwas mit dem Holocaust und dem Faschismus zu tun, besonders schmerzlich. Aber ich glaube, daß das sicherste auf die Dauer für Israel wäre, eine friedliche Koexistenz mit seinen Nachbarländern, alles andere bringt Israel nicht weiter . . .“
      —————-
      Diese neue deutsche Unschuld, die linke Variante der Gnade der späten Geburt, hat auch Hans Christian Ströbele dazu gebracht, einen Satz zu sagen, den er noch heute inhaltlich für richtig und nur für unglücklich formuliert hält: „Die irakischen Raketenangriffe auf Israel sind die logische, fast zwingende Folge der israelischen Politik.“
      Nur ein paar Tage vor diesem Satz sagte er in einem Telefongespräch mit dem grünen Kreistagsabgeordneten in Tübingen, Christian Vogt-Moykopf: „Wenn ich eine Eskalation des Krieges damit verhindern könnte, daß eine Million Juden sterben müßten, würde ich das in Kauf nehmen.“ Anlaß für das Telefonat und die Äußerung, für die Vogt-Moykopf die Hand zum Eid hebt, war ein Brief, den einige baden-württembergische Grüne, darunter auch Vogt-Moykopf, an den israelischen Botschafter in Bonn geschrieben und in dem sie sich für die Lieferung von „Patriot“-Raketen an Israel ausgesprochen hatten. „Nach dem Bekanntwerden unseres Briefes rief mich Ströbele im Landtag an. Er sagte, ich sei doch sonst immer ein ,so vernünftiger Mensch“ gewesen, und er verstehe gar nicht, wie ich die Lieferung von Patriots und in bestimmten Fällen die Entsendung von Truppen ,in diesen Staat“ befürworten könnte . . . Jede Waffenlieferung nach Israel würde eine ,Eskalation des Krieges und der Konflikte im Nahen Osten überhaupt“ nach sich ziehen . . .

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13491166.html

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  9. 21. November 2011 22:40

    Die linken Antisemiten, die im Jahre 2009 den Lanzmann Film „Warum Israel“ in Hamburg verhindern wollten, bekamen im November 2011 milde Strafen. Die militanten antizionistischen Israelhasser hatten sich vor dem Eingang des „B5“- Kinos aufgebaut, Personen, die den Film sehen wollten, den Zugang zum Kino verstellt und sie unter anderem als „Judenschweine“ und „Schwuchteln“ beschimpft. Mehrere Besucher wurden durch Faustschläge verletzt.

    Die NPD, das ist die Partei die den Zwickauer Terroristen ideologisch nahe steht, machte den linken Antisemiten ein Angebot zur Zusammenarbeit. Als Beispiele nannte die NPD den „geistigen Widerstand gegen den Kapitalismus, gegen die Ausbeutung sozial benachteiligter Angehöriger unseres Volkes sowie den Kampf gegen politische Repression, internationale Kriege der USA und die Zersetzung der geistigen und kulturellen Substanz unseres Volkes“. Auf der NPD-Seite steht außerdem: “Die Frage für die Zukunft lautet nicht mehr, ob man sich politisch als „links“ oder „rechts“ einordnet, sondern vielmehr, wie man sich zu unserem deutschen Volk und Land positioniert.“

    Ob da „Wir müssen reden“ noch viel hilft?
    Was sagen die Avantgardisten zum Urteil? Sind sie fro(h)?

    http://lizaswelt.net/2011/11/20/nachsicht-mit-dem-schlaeger/

    http://www.npd-hamburg.de/aktuelles/nachrichten/diskussionsangebot-10082010_944.html

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  10. Das Kind permalink
    22. November 2011 01:09

    @ fidelche,

    Merkst Du eigentlich nicht, dass Michael Pliwischkies Deine Texthubereien jetzt schon in mehreren Blogs bei MI, ganz ähnlich, wenn auch in umfangreicherer Weise erfolgreich auseinandernimmt, wie Dir das schon einmal so „unrichtiger“, ja „ungerechterweise“ an anderem Ort geschehen ist?

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    • 22. November 2011 10:08

      @Uwe Theel (Das Kind)
      Uwe, willst du allen Ernstes behaupten dass ihr im Freitag ein einziges Argument gegen mich vorgebracht habt? Außer Beleidigungen und antisemitischen und sozialdarwinistischen Kommentaren und Ansichten war da wenig. Hast du eigentlich mitbekommen, dass nun sogar ein Redakteur des Freitags Silvio Gesells Theorien sozialdarwinistisch bezeichnet? Was sagst du dazu? Schlimm, oder? Wird der nun auch rausgeworfen? Was meinst du?

      Ich meine schon, nicht nur hier, vielfach linken Antisemitismus mit Argumenten und Fakten belegt zu haben, den du ja immer bestritten hast. Michael Pliwischkies hat eine völlig andere Position wie ich, das ist richtig, mit ihm kann man aber weitgehend fair diskutieren, was im Freitag nicht möglich war.

      Die linken Antisemiten die den Film „Warum Israel“ verhindern wollten sind nun verurteilt worden. Hast du es mitbekommen? Du erinnerst dich doch, das Geschehen vor dem B5-Kino war eines meiner Argumente.

      1991 wurde Israel mit deutschem Giftgas bedroht. Sechs Wochen liefen Juden in Gasmasken herum. Saddam Husseins Raketen, angefertigt mit deutscher Hilfe, schlugen in Israel ein,Ströbele und andere Linke nannten das eine „logische Konsequenz der israelischen Politik“. Was hast du zu dieser Zeit gedacht, lieber Uwe? Alles schon vergessen, oder? Übrigens, das Hauptproblem der Freitagscommunity ist meiner Meinung dass sie kaum über den Nationalsozialismus informiert ist. Reinhard Kühnl ist zu wenig. Ihr müsst mal Mommsen, Kershaw, Poliakov und Goldhagen lesen.

      Viele Grüße
      fidelche

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      • 22. November 2011 10:30

        Kleine Ergänzung

        Zusätzlich als Lektüre empfohlen sei:
        http://d-nb.info/960271767

        und für Lesefaule zusätzlich:

        http://d-nb.info/985819960
        Titel Wie wäre es, gebildet zu sein? [Tonträger] / Peter Bieri. Sprecher: Peter Bieri

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      • 22. November 2011 12:36

        Von Peter Bieri hab ich „Das Handwerk der Freiheit“. Hab es aber noch nicht zu Ende gelesen. Sein Roman „Nachtzug nach Lissabon“ ist auch nicht schlecht. Peter Bieris Thesen sind existenzialistisch, in Richtung Sarte gehend würde ich sagen und von daher sehr gut.

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        • 22. November 2011 12:50

          Na, wenn du ihn schon kennst – er hatte in Berlin übrigens eine Professur (analytische Philosophie) – dann empfehle ich Dir doch glatt mal das neueste Werk, welches sich übrigens auch auf „Das Handwerk der Freiheit“ bezieht. „Wie wollen wir leben?“ besteht aus drei Vorlesungen, die er in der Akademie Graz gehalten hat und kommt sehr gut auf den Punkt.

          Ich fürchte allerdings, dass sich Viele trotz der Schlüssigkeit der Thesen, dem dennoch nicht stellen werden, da man dann eben doch ein klein wenig über den eigenen Schatten springen muss. Da bin ich doch eher skeptisch.

          Klappentext: Peter Bieris philosophische Betrachtungen werfen ein neues Licht auf die Themenkreise der Selbsterkenntnis und der kulturellen Identität. Eine wunderbare Auseinandersetzung mit der Würde des Menschen und eine wahrlich fesselnde Analyse.

          Das Motto der Vorlesungen war: UNRUHE BEWAHREN

          Ist doch treffend….

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        • 22. November 2011 13:14

          Ja, Bieri „kenne“ ich. Im „Handwerk der Freiheit“ stellt Bieri die Fragen: Was bedeutet es für einen Menschen frei zu sein? Wie frei sind wir überhaupt in unserem Willen? Bedeutet es Unfreiheit, wenn unser Wollen durch eine Lebensgeschichte mit all ihren Zufälligkeiten bedingt ist? Was für eine Freiheit setzen wir voraus wenn wir Menschen moralisch beurteilen und zur Verantwortung ziehen? Diese Fragen hab ich mir natürlich auch bei Uwe Theel, Rahab und Co. gestellt bevor ich sie „verurteilt“ habe.

          Aber das alles gehört eigentlich in das Blog – Jean-Paul Sartre und der atheistische Existentialismus.

          Mit Louis Levy habe ich übrigens im Roten Salon über das Freiheits-Thema und Bieri diskutiert.

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        • 22. November 2011 18:30

          Nochmal ergänzend, obwohl OT, was für eine Freiheit setzen wir voraus wenn wir Menschen moralisch beurteilen und zur Verantwortung ziehen. Ich nehme mal das Beispiel Ebertus mit dem ich nie in einem Forum kommuniziert habe. Dieser Mensch ist begeisterter SZ-Leser, die SZ ist unter den bürgerlichen Medien bekanntlich die israelkritischste Zeitung. Dann erfährt er zum ersten Mal über den „Freitag“ etwas von den „Tabublogs“, liest hier über linken Antisemitismus und weiß überhaupt nicht wie ihm geschieht. Er hat sich mit Antisemitismus nie beschäftigt, wie er selbst schreibt, so schlägt er wie ein taumelnder Boxer Luftlöcher und reitet sich unbeabsichtigt immer mehr in ein antisemitisches Ressentiment, ohne dies eigentlich zu wollen. Er weiß eigentlich nichts um mitreden zu können, will aber unbedingt mitreden. Im Prinzip ist er nicht verantwortlich für sein Scheiben weil er unmündig ist. Ebertus hatte letztendlich nie eine Chance (auch von mir) bekommen sich ohne Gesichtsverlust zu befreien. Diesen Vorwurf muss ich mir machen. Leute wie ihn ins Abseits gedrängt zu haben tut mir leid.

          Etwas anders sieht es bei Rahab aus, sie weiß viel, liest viel, größtenteils natürlich sehr alte religiöse Bücher, vor allem den Tanach im Original, vermutlich kann sie den Tanach auswendig aufsagen. Sie lebt in dieser religiösen, längst vergangenen Welt der Jahrtausende alten Bücher, glaubt an weibliche Göttliche, glaubt fest an die Gebote des Tanach und unterwirft sich so freiwillig den frauenfeindlichen Gesetzen von Bibel und Koran. Inwieweit sie Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen kann weiß ich nicht, das ist ihr Geheimnis. Sie weiß jedenfalls von was sie spricht und glaubt fest an ihre Worte. Sie ist also verantwortlich für ihr Schreiben, jedenfalls bedeutend verantwortlicher als Ebertus es jemals war. Ein moralisches Urteil ist in diesem Fall bedeutend leichter zu fällen.

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        • 23. November 2011 12:57

          Inwieweit sie Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen kann ist kein Geheimnis. Damals in Ligurien hat de Christa et versucht, dat gab vellaicht an Tohuwabohu, dat Panzamädchen und de Oberlehra waren begeistat. Ich hab Fotos gemacht

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        • 24. November 2011 08:27

          Hiea dat Foto von Christa bei de Arbeit, damals in Ligurien – Wahnsinn wie da alle mitmachten:
          Ligurien

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    • 22. November 2011 10:23

      Ähem.

      Ich nehme nichts – im destruktiven Sinn – auseinander, ich dekonstruiere, wenn überhaupt – mit dem Ziel der Klärung. Kleine Rauchwölkchen auf meiner oder auch auf der Trinitäts-Seite sollte man nicht überbewerten. Die ergeben sich in derlei Diskussionen zwangsläufig, deuten jedoch nicht auf ein wirkliches Feuer hin.

      An einem anderen Ort eskalierte die „Diskussion“, bzw. das „Auseinandernehmen“ und das geschieht eben gerade hier (bis auf ein paar Aussetzer und Spitzen) nicht.

      Lass es mich so ausdrücken:

      Was sich hier abspielt, ist ein Ringkampf – zuweilen mit Härte, manchmal tut es weh – aber es bleibt grundsätzlich fair und man hält sich an die Regeln, die eigentlich allgemeingültig sein sollten. Ansonsten schreiten die Ringrichter ein oder das Publikum buht.

      Was sich an anderer Stelle abspielte, war leider ein Straßenkampf mit „Tritten in die Fresse“.

      Unterschied verstanden? Gut.

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  11. 22. November 2011 09:34

    „Demokratie ist für mich mehr als nur die Erlaubnis eine wahnsinnige Regierung zu wählen“
    Das und die Bemerkungen zur Siedlungspolitik! merci 🙂 Hab aber den ganzen Thread mit Gewinn gelesen – ja auch danke M.P.s staendigem Nach“stochern“ (?), denn Diskurs ist wichtig und darin ist dieses Forum höchst lebendig.
    @Das Kind: es geht eben grad net um „auseinandernehmen“. Waere es nicht vermutlich zu spaet, würde ich da eine Autoschlosserlehre nahelegen: dort kann man sinnvoll auseinandernehmen……..

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  12. Der Bassist permalink
    22. November 2011 20:45

    Wolfgang Pohrt hält heute, seit langem, Deutschland für ein schwaches Land, militärisch, weil für den Kriegsdienst kaum Leute zu haben sind, weil die Weinerlichkeit einer komplett apolitischen Friedensbewegung auch innenpolitisch bis in die alternativen Wohnzimmer durchschlug. Er hat über dieses Urteil – schon einige Jahre alt – wohl seine Publizistik eingestellt. Ich prüfe das gerne noch mal nach und berichte. – Freilich, diese Nation macht exportierend weiter, aber das ist Ökonomiehistorie. Echte Betriebe, Stahl, Waffen … zielgerichtet.

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    • 22. November 2011 22:31

      In seinem Artikel, „Der Täter als Bewährungshelfer“ machte Pohrt auf eine eigenartige Diskrepanz aufmerksam: „Nirgends wurde ein militärisches Eingreifen in Jugoslawien vehementer gefordert als in den vormals auf Frieden um jeden Preis bedachten deutschen Öffentlichkeit, und kein Blatt, nicht mal die FAZ, schlug dabei schärfere Töne an als die vormals linksalternative und auf Pazifismus eingeschworene taz.“

      Als es 1991 ums Überleben des Judenstaates ging, als Hussein mit deutschem Giftgas Israel liquidieren wollte meinten die „Friedenskämpfer“ dieses jüdische Opfer müsse in Kauf genommen werden, um so fanatischer waren die „Friedenskämpfer“ dagegen für Krieg im Jahre 1999, als sie Jugoslawien fast ein halbes Jahr lang bombardieren durften. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

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  13. 22. November 2011 22:49

    Eike Geisel meinte 1991 in einer von Oliver Tolmein geleiteten Diskussion zu Ströbeles Äußerung während des Irakkrieges:

    … so läßt sich die gegenwärtige Attitüde, nicht nur daß Israel selbst Schuld, sondern auch der uneingestandene Gedanke, daß Israel überhaupt Schuld sei, nicht mehr einfach aus vielleicht zweifelhaften Motiven oder, wie viel früher in Deutschland, aus niedrigen Beweggründen erklären. Im Namen des Friedens gegen Israel zu sein, ist genau das Quantum moralischer Nachrüstung, dessen die Friedensbewegung bedurfte, um sich ein gutes Gewissen zum Ressentiment zu machen.
    Dieses Ressentiment hat vorgeblich alle praktischen und politischen Beweggründe abgestreift. Es kommt aus den allermenschlichsten Sphären, aus der Friedensliebe. Es ist so universell wie moralisch. Dieser moralische Antisemitismus beschließt die deutsche Wiedergutwerdung insofern, als sich durch ihn die Vollendung der Inhumanität ankündigt, nämlich die Banalität der Guten. Bei den ersten Demonstrationen gegen den Golfkrieg kam das Wort Gas nicht vor und erst recht nicht, wen es bedroht. Und wer das heute leugnet, der lügt sich die Wirklichkeit zurecht. Um so heftiger hingegen war die Forderung zu hören, dem Diktator bei der Ausführung seines von ihm angedrohten Massenverbrechens, nämlich Israel in ein einziges Krematorium zu verwandeln, nicht in den Arm zu fallen.

    Die mit der Friedensforderung behauptete Anteilnahme am Schicksal der irakischen Bevölkerung war indes nicht so selbstlos, wie sie sich gab, sondern verriet unmißverständlich, daß es sich dabei um einen vorausschauenden Rückblick handelte. Am Irak sollte nicht vollstreckt werden, was den Deutschen bereits widerfahren war. »Berlin-Bagdad« war auf den Transparenten zu lesen, und an dieser pazifistischen Achse wurde schon vor Ablauf des Ultimatums geschmiedet. »Schlimmer als die Hölle von Dresden kann das auch nicht werden«, bekannte eine 77-jährige aus Trier Anfang 91 auf einer Pressekonferenz vor ihrem Einsatz im Gulf Peace-Team, das von den Irakis wieder nach Hause geschickt wurde. Denn die Wiederholung des Zweiten Weltkriegs spielte sich nun auf Deutschlands Straßen ab…..“

    „Antideutsche“ gegen Antiimps, so fing es an.

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  14. Der Bassist permalink
    22. November 2011 22:52

    Wolfgang Pohrt sprach bei einer Veranstaltung des Bündnisses gegen Antisemitismus und Antizionismus (www.bgaa.net) am 30. September 2003 in Berlin, Auszüge aus seinem Eröffnungsbeitrag:

    Meine Damen und Herren, der 3. Oktober ist ein Feiertag, für den Normalmenschen hier ein Baustein in der Urlaubsplanung und der Gestaltung von Freizeit. Man fragt nicht, woher das kommt, man ist froh, daß man’s kriegt. Es kennt sich doch keiner mehr aus im Kirchenjahr und noch viel weniger bei den historischen Daten. Ich muß gestehen, daß es mir ähnlich ging und ich schwer ins Grübeln kam, was mit dem »verflixten 13. Jahr«, von dem in der Einladung zu dieser Diskussion gesprochen wurde, wohl gemeint sein könne. Es dauerte eine Weile, bis ich begriff, daß das Ihre Zeitrechnung ist und demnach die Wiedervereinigung wohl 1990 stattgefunden haben müsse.
    Voriges Jahrhundert, wie lang ist es nun schon her. Kinder, die damals fünf waren, sind heute 18, und wenn man sie nach der Wiedervereinigung fragt, gucken sie verlegen und erfinden drollige Geschichten. Bei einem älteren Mann wie mir ist es natürlich anders, es geht einem so manches durch den Sinn.
    Die Einheit – das war doch, als die Ossis so verrückt nach der D-Mark waren. Und heute haben sie den Euro, wenn sie nicht gerade pleite sind. Denen im Westen ging es auch nicht besser. Erst mußten sie die D-Mark mit den Habenichtsen aus der Zone teilen, dann sind sie ihr Geld ganz losgeworden, das »wahre Gemeinwesen«, wie es bei Marx irgendwo heißt. […]
    Mir kommt es vor, als wäre man in einen geschichtslosen Zustand eingetreten. Er fing damit an, daß jeder Tag als ein historischer angepriesen wurde, als ahnte man schon, daß es fortan mit der Geschichte vorbei sein würde. Das Fernsehen hat dabei sicher eine Rolle gespielt, es ist ein großartiger Vernichter von Geschichte und Kultur, was reinkommt, ist erledigt. […]
    Zur Rechtfertigung des Jugoslawienkriegs hatte man sich sinngemäß auf Adornos Diktum berufen: »Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.«
    Einfache Regel: Wenn man was ganz Fieses tun will, muß man nur sagen, es sei nötig, um ein zweites Auschwitz zu verhindern. Mit Auschwitz könnte man heute einen Präventivkrieg gegen Israel zwecks Verhinderung eines Genozids an den Palästinensern begründen. Genozid nämlich ist alles, was die Machthaber und die Medien zu einem solchen deklarieren. Zur Not reichen 50 gut zurechtgemachte und effektvoll ausgeleuchtete Leichen, wenn das Fernsehen sie zur besten Sendezeit präsentiert. Aber sogar das ist eigentlich auch schon wieder überflüssig, weil das warum keinen wirklich interessiert, wenn was passiert. […]
    Ich hatte also keine Lust, die hundertfünfzigste flammende Anklage gegen die Schweinerei zu fabrizieren. Irgendwann fängt man an, sich bei dieser nutzlosen Tätigkeit etwas dämlich zu fühlen. [..]
    Wirklich neu und niederschmetternd war vielmehr eine ganz andere Lehre, die aus dem Jugoslawienkrieg gezogen werden mußte. Gewiß hatten deutsche Medien, Diplomaten, Kirchen etc. die propagandistische Vorarbeit geleistet. Gewiß hatten sie anfangs in vorderster Front gehetzt, geschürt, intrigiert. Aber wie wenig hätte diese deutsche Propaganda doch bewirken können, hätte sie sich nicht schließlich als Sprachrohr aller erwiesen, als Sprachrohr der sogenannten zivilisierten Welt. […]
    Wirklich neu und niederschmetternd war vielmehr eine ganz andere Lehre, die aus dem Jugoslawienkrieg gezogen werden mußte. Gewiß hatten deutsche Medien, Diplomaten, Kirchen etc. die propagandistische Vorarbeit geleistet. Gewiß hatten sie anfangs in vorderster Front gehetzt, geschürt, intrigiert. Aber wie wenig hätte diese deutsche Propaganda doch bewirken können, hätte sie sich nicht schließlich als Sprachrohr aller erwiesen, als Sprachrohr der sogenannten zivilisierten Welt. […]
    Und man fragt sich, wie es denn eigentlich möglich war, daß Nazideutschland ganz Europa unterwerfen konnte, wenn es bei den Unterworfenen nicht eine gehörige Portion Einverständnis damit gab.
    Im Jugoslawienkrieg sahen wir die Allianz oder die Weltgemeinschaft oder die Gemeinschaft der zivilisierten Staaten als Meute, wie sie ein Opfer aussucht, aufbaut und schließlich mit unglaublicher Gewalt über es herfällt. Irgendwie waren es alle. Nur, weil es so viele waren, haben sie es überhaupt geschafft. Das Problem besteht nicht darin, einen Bösen zu finden – die gibt es massenhaft. Das Problem ist, daß man keinen Guten findet. […]
    Also finde ich es fast rührend, wenn ich lese, daß Sie den 3. Oktober mit einer Demonstration begehen wollen und eine Ihrer Parolen dabei »Deutschland verraten!« heißt. Himmel, waren das Zeiten, als so was noch möglich war. Kein Verrat ohne Treue, und beides nicht ohne König, Familie, Volk und Vaterland. […]
    Stuttgart zum Beispiel hat in der Altersgruppe unter 18 Jahre einen Ausländeranteil zwischen 35 und 40 Prozent. Es gibt Spielplätze, wo türkische Kinder von anderen Eintrittsgeld verlangen. Es gibt in den Gemeinden des Umlands Wohngebiete, die ein einheimischer Jugendlicher besser meidet, nicht weil er ein Faschist wäre, sondern weil türkische Jugendclans dort ein bißchen Bande spielen und mit harter Hand Revierverteidigung üben. Was die Ressentiments gegen Ausländer betrifft, so sprechen übrigens Indizien dafür, daß sich dergleichen derzeit am stärksten bei türkischen Jugendlichen entwickelt, nämlich ein ausgeprägter Deutschenhaß. Ein fröhliches Kräftemessen also, aber keineswegs »alltägliche rassistische Gewalt« dergestalt, daß deutsche Täter ausländische Opfer quälen.
    Überhaupt hat der Vorwurf, die Deutschen seien noch immer Antisemiten und Ausländerfeinde, einen Haken. Man kann ihn nicht zu oft und zu lange erheben, ohne daß er in Affirmation umschlägt. Irgendwann klingt er einfach wie »Die Katze läßt das Mausen nicht«. Und wurde diese Feststellung einmal getroffen, so ist der Katze kein Vorwurf mehr daraus zu machen, daß sie ihrer Wesensbestimmung folgt und Mäuse fängt. Also die Katze entfernen oder die Mäuse vor ihr warnen, aber mit der Katze hadern hat keinen Sinn. […]
    Gestehen muß ich folglich, daß ich derzeit nicht in der Lage bin, irgend etwas hervorstechend Fremdenfeindliches oder Antisemitisches zu erkennen, das aus der Tiefe der deutschen Seele kommen und sich dort aus ergiebigen Quellen speisen würde. Irgendwo wurden mal Walser/Reich-Ranicki und Möllemann/ Friedman erwähnt. Ich halte das für läppisch.
    Andere Dinge sind weitaus ernster. Ein ständiges Ärgernis sind hier Nachrichtensprecher, die stets von Angriffen israelischer Soldaten auf palästinensische Flüchtlingslager erzählen, wenn das Ziel der Angriffe eine Ortschaft war, wo vor 50 Jahren vielleicht mal die Zelte und Baracken eines Flüchtlingslagers standen. Diese gebetsmühlenhafte anti-israelische Propaganda, immer mit einem petzerischen Unterton, bewirkt derzeit zwar wenig, sie ist aber steigerungsfähig, wie das Beispiel Jugoslawien lehrt. […]
    Man versteht das besser, wenn man sich vor Augen hält: Für Deutschland war die Wiedervereinigung das Ende des Traums von der Einheit. Der Traum war also weg, und kurz danach ging die Nation denselben Weg. Keine Einheit nämlich ohne Zusammenbruch des Ostblocks, und der allein hatte den Nationalstaat als solchen weit über sein historisches Verfallsdatum hinaus konserviert. Statt souveräner Nationen war das Ergebnis des Zusammenbruchs ein ganzer Sack voll Übernahmekandidaten, Deutschland vorneweg. Bald werden auch die letzten der jungen unabhängig gewordenen Republiken mit Euro zahlen. Sie haben nichts Besseres verdient.
    Und jetzt? Weder Kulturnation noch Nationalstaat Was sind die Themen, welche das Land bewegen? Die Rente, der Zahnersatz und das Dosenpfand.

    Soweit der wunderbare Wolfgang Pohrt, dessen Offline-Gesamtwerk gleich neben der CD-Rom-Ausgabe der gleichsam wunderbaren Konkret auf meinem Regal steht, und die mir den Auszug oben erst handlich gemacht hat. Aber:
    Hermann L. Gremliza hat auf einen langjährigen Autor der einzigen linken Publikumszeitschrift entgegnet, und nun auch daraus ein paar Auszüge:

    Die Provokation der Gutwilligen war stets das Stilmittel Ihrer Kritik. […]
    Einst, in Ihren Artikeln über den Krieg gegen Jugoslawien, war als Antreiber und Organisator allein Deutschland in Betracht gekommen. Wie ich hatten auch Sie gehofft, daß weder die Franzosen und Briten noch gar die USA sich von der deutschen Politik in diesen Krieg ziehen lassen würden. Jetzt sagen Sie, die Deutschen hätten nichts gegen Jugoslawien vermocht, wären sie in dieser Sache nicht »das Sprachrohr der zivilisierten Welt« gewesen. Richtig bleibt das Gegenteil: Die »zivilisierte Welt« lebte noch heute mit Jugoslawien in Frieden, hätte nicht die deutsche »Perfidie« sie in den Krieg manövriert. Washington ließ sich verleiten, in diesem Krieg somewhere east of Heidelberg, in einer Gegend, die der Präsident nicht mal vom Hörensagen kannte, durch die Vorführung spektakulärer militärischer Überlegenheit aller Welt zu zeigen, daß keine andere Macht an die amerikanische heranreicht.
    Deutschland stand und steht weder allein gegen alle noch handelt es im Auftrag aller. Es verfolgt seine Interessen, mit allen, gegen alle. Das ist die Regel. Und was, lieber Herr Pohrt, sind das für Begrifflichkeiten!? »Dies Böse«, »die Welt, die eine Untat braucht«? Müssen wir nun fromm werden? »Was mir da etwas wirr und ungeordnet durch den Kopf geht« – mit dieser captatio benevolentiae (oder soll ich sagen: mit diesem Jagdschein?) will ich einen Kritiker Ihres Formats nicht davonkommen lassen.
    Ausländer in Deutschland: Wem ginge das sentimentale, das evangelische Geseire nicht auf die Nerven, das uns Ausländer als bessere Menschen verkauft und jede Abwehr dieser Zumutung als Rassismus ausruft. Und warum nicht einräumen, daß die Gefahr für Leib und Leben, der Ausländer in Deutschland ausgesetzt sind, nicht die Dimension angenommen hat, die in den ersten Jahren nach der Wende zu befürchten war. [..]
    Wie der deutsche Mob auf Fremde reagiert, wenn er weder Strafe noch Gegenwehr zu fürchten hat, erlebt jeder Schwarze, der sich auf den Straßen einer ostdeutschen Kleinstadt blicken läßt.
    Sie können nichts »hervorstechend Antisemitisches« an unseren Landsleuten erkennen. »Andere Dinge« seien »weitaus ernster«, insbesondere die Berichterstattung über Israel, die sie »lästig« und »ein Ärgernis« nennen, die jedoch, soweit Sie informiert seien, ein EU-weites Phänomen sei, weder aus der Bevölkerung komme noch besonders stark auf sie einwirke. Da waren Sie nun der Wahrheit so nahe (daß nämlich der deutsche Antisemitismus tagtäglich am Staat der Juden sich austobt) – und plötzlich haben alle guten Geister der historischen Erfahrung Sie verlassen. Noch 1930 hatten die europäischen Juden Deutschland einhellig für das Land des Kontinents gehalten, mit dessen Antisemiten sich leben lasse. […]
    Nie hat es nach 1945 eine Partei gewagt, einen Juden für ein Regierungsamt vorzuschlagen, und auch die Führungspositionen in der Gesellschaft sind besetzt, als wären die Nürnberger Gesetze noch in Kraft. Dennoch meinen 20 Prozent der Deutschen, die Juden hätten zuviel Einfluß, lehnen 28 Prozent Juden als Nachbarn ab, wollen 22 Prozent der Deutschen »lieber keinen Juden« als Nachbarn haben. […]
    (Manchmal helfen eigene Erlebnisse: Ich habe in einer Hamburger Kneipe mithören müssen, wie am Nebentisch ein halbes Dutzend Redakteure des »Spiegel«, darunter Ressortleiter, sich erzählte, daß sich »so frech wie Friedman in Deutschland nur ein Jude aufführen darf« und was für einen Unsinn man »unserem Hausjuden Broder« wieder habe durchgehen lassen.) [..]
    Tatsachen, sagte man beim »Spiegel«, stören den Schwung der Story, und nur was man erfindet, hat man exklusiv. Es gibt eine Originalität, hinter deren Tödlichkeit die Langeweile verblaßt.
    Ihr Hermann L. Gremliza

    So entgegnete der Herausgeber der Konkret, im Oktober 1974 übernahm er das Blatt, und gibt es glücklicherweise heute noch heraus. – Ich denke, beide Reden sind nicht gratis zu bedenken.

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    • 22. November 2011 23:11

      @Der Bassist
      Sehr schön herzitiert. Hoffentlich wird es keinem beim lesen schwindelig. Besonders schön der Gremliza mit: „Nie hat es nach 1945 eine Partei gewagt, einen Juden für ein Regierungsamt vorzuschlagen, und auch die Führungspositionen in der Gesellschaft sind besetzt, als wären die Nürnberger Gesetze noch in Kraft.“

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  15. 23. November 2011 06:49

    „Das Fernsehen hat dabei sicher eine Rolle gespielt, es ist ein großartiger Vernichter von Geschichte und Kultur, was reinkommt, ist erledigt.“
    Danke, Der Bassist, für Zitate und Mühe.

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  16. 23. November 2011 12:41

    Sehr schöne Zitatensammlung. Ich muss diese Arbeit des Zusammentragens an dieser Stelle einmal ausdrücklich loben, diese grandiose Recherche, diese nahezu guttenbergieske Zielstrebigkeit.

    Und wo bleibt nun die wirkliche Eigenleistung in der Sache? Das Zusammenklauben anderer Stimmen alleine kann es ja wohl nicht sein.

    Und außerdem meinte Werner Bechtesmerder-Horkendetsch anlässlich der Magenhersel-Woltanberg-Preisverleihung im der Kategorie „Interkulturelle Kompetenzen vor dem HIntergrund sozial orientierter Getreidezuchtprogramme in der südlichen und westlichen Mongolei“ während seiner bahnbrechenden Rede: »… und aus diesem Grund habe ich zu keinem Zeitpunkt auch nur mit dem Gedanken gespielt, Weizensamen der dritten Generation in die Böden vor Ort auszubringen, da man die helle, ja nahezu blonde Farbe des Getreides eine unzulässige Provokation der indigenen Bevölkerung darstellt…«

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    • 23. November 2011 16:19

      Nun, da empfehle ich diese NGO, nämlich das Institut für zitatfreies Denken.
      Es fördert eigenständige Bewußtseinsprozesse in selbstkulturellen und vollkommen zitatfreien Uni-Texten. Seine Aufgabe: Generating Think Tank beta_2011_001.
      Webseite: http://on.fb.me/iGR47P
      🙂
      Danichfür.

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    • 23. November 2011 19:03

      @Michael Pliwischkies
      Goreflex wollte hier mal wissen was „Antideutsche“ sind. Das Blogthema ist Israel, die „Radikale Linke“ und die „Antideutschen“. Die „Radikale Linke“ löste sich vor allem wegen der Positionen von Gremliza und Pohrt auf. Die „antideutsche Ideologie“ entwickelte sich in verschiedenen Abstufungen weiter. Für das Verständnis was Antideutsche waren oder sind, sind die Umstände und die Diskussionen während des Irakkrieges mit der Giftgasbedrohung Israels sehr gewichtig. Von daher halte ich die langen Originalzitate der „entscheidenden Herren“ für bedeutsam um eine differenzierte Sicht der Fragen zu ermöglichen. Ich gehe davon aus, dass viele Avantgardisten, die hier auch mit buchstabieren, kaum Texte von Pohrt gelesen haben.

      Viele Antiimperialisten, Nationalbolschewisten und andere dogmatische Linke bezeichnen, wenn sie nicht mehr weiterwissen, ihr Gegenüber als „Antideutschen“. In dem Zitat von Pohrt und der Gegenrede von Gremliza ist sehr schön die Differenz zu erkennen. In der Zeitschrift Bahamas wird George W. Bush als „Man of Peace“ bezeichnet und die Kriege der USA werden als „antifaschistische Waffengänge“ bezeichnet, wofür ich kein Verständnis habe. Das Spektrum ist also sehr breit.

      In der Zeitschrift Konkret kamen und kommen beide Positionen zu Wort, was ich für sehr richtig und wichtig im Sinne der Wahrheitsfindung empfinde. Bei Antisemitismus, Querfrontdenken und Nationalbolschewismus sind für Konkret, wie auch für mich die Grenzen überschritten. Auf Grund des nun sichtbaren rechten Terrors und dem damit verstrickten Verfassungsschutz ist das Blogthema aktueller denn je.

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      • 24. November 2011 13:11

        Interessant in dem Zusammenhang sind natürlich die linken antisemitischen Gruppen wie „Linksruck“, nun Marx21 oder „AIK“ Wien, die beide auch bei Attac engagiert waren oder sind. Die „Antiimperialistische Koordination“ (AIK) aus Wien, die mittlerweile von rechtsextremer Seite hoch geachtet wird, hat gute Kontakte zur Tageszeitung Junge Welt. Terror und Gewalt von Seiten der Palästinenser werden von diesen Gruppen als legitimer Widerstand betrachtet.

        Thomas Haury schreibt dazu in „Der neue Antisemitismusstreit der deutschen Linken“ über die AIK, Linksruck und Attac:“Während die MLPD sie jedoch immerhin mit der lauen Begründung, sie seien politisch kontraproduktiv, ablehnt, erklärt der Linksruck: „Wir stehen bedingungslos an der Seite des palästinensischen Widerstandes“. Er begrüßt die Hamas als antiimperialistischen Bündnispartner: „Der militante Islam liegt richtig, wenn er den westlichen Imperialismus und sein Werkzeug im Mittleren Osten, den Zionismus, als Feind benennt. Er liegt richtig, wenn er einen ausgeweitete Kampf gegen diesen Feind fordert.“ Die AIK feiert gar die erste weibliche Selbstmordattentäterin als Märtyrerin, „die für ihr Volk lebte und starb“. So weit mag die Junge Welt nicht gehen, aber über Ted Honderichs Rechtfertigung der Selbstmordattentate auf die israelische Zivilbevölkerung als moralisch legitimierbare Taten befindet sie: „Darüber läßt sich diskutieren.“

        http://www.antiimperialista.org/de/activities
        http://www.gegendenantisemitismus.at/00012003.php

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      • 24. November 2011 13:24

        Über derlei „gequirlte Scheiße“ lässt sich gar nicht diskutieren. Aber um es hier an dieser Stelle einmal deutlich zu wiederholen. Ich habe ein erklärtes Problem mit Extremismus jedwelcher Art und mir ist es völlig gleich, ob dieser in ein „linkes“ oder „rechtes“ Gewandt schlüpft, um seine einfältigen Mitstreiter zu aquirieren. „links“ wie „rechts“ sind an diesem Punkt ohnehin nur noch belanglose Hüllen für eine menschenverachtendes Mentalität.

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  17. 30. November 2011 14:20

    „Der militante Islam liegt richtig, wenn er den westlichen Imperialismus und sein Werkzeug im Mittleren Osten, den Zionismus, als Feind benennt. Er liegt richtig, wenn er einen ausgeweitete Kampf gegen diesen Feind fordert.“

    Diese Linksruckgruppe nennt sich nun Marx21:»Wir verweigern uns der bedingungslosen Solidarität mit Israel« . So kann man es auch nennen. LOL

    http://marx21.de/content/view/1166/32/

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  18. 4. Dezember 2011 11:11

    November 2011 – Antizionisten und Hamasversteher bei der Arbeit in Berlin im Galeria Kaufhof:

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    • 4. Dezember 2011 13:16

      Naive Mitteleuropäer während ihres narzistischen Protestes, die nicht wissen, was sie damit eigentlich anrichten. Peinliche Angelegenheit.

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    • 4. Dezember 2011 23:16

      Wie ein roter Faden ziehen sich Boykottaufrufe gegen Juden durch die Geschichte Deutschlands, von der Kaiserzeit, über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus bis in unsere Zeit.

      1897 musste Arnold Zweigs Vater sein Sattlergeschäft aufgeben, weil das preußische Kriegsministerium Festungskommandanten Einkäufe bei jüdischen Kaufleuten verbot. 1933 gab es, neben vielen anderen jüdischen Geschäften eine Boykottaktion der Nazis gegen das Berliner Kaufhaus Wertheim. 2011 nun die Aktion gegen Galeria Kaufhof weil dieses Kaufhaus jüdische Waren vertreibt. Boykottaufrufe gegen Israel gab und gibt es mehrfach im „Freitag“, in diversen linken und rechten Medien und von einigen Politikern der Linkspartei. Dieter Graumann vom Zentralrat der Juden in Deutschland hat der Partei “Die Linke” wegen dieser Boykottaufrufe (z.B. von Hermann Dierkes) Antisemitismus vorgeworfen. Der aus der alten DDR kommende Israel-Hass lebe weiter und werde durch “Die Linke” vor allem im Westen Deutschlands gepflegt, so Dieter Graumann.

      Die Boykottaufrufe gegen Juden bis 1945 waren wie die Boykottaufrufe gegen Israel im Galeria Kaufhof antisemitisch motiviert. Die Aktivisten im Galeria Kaufhof waren vermutlich keine Nazis, von daher gibt es sicherlich Unterschiede, gleichwohl schließe ich mich Dieter Graumanns Kritik an. Boykottaufrufe gegen Israel sind antisemitisch, unter anderem weil Israel kein Apartheidstaat ist.

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      • 5. Dezember 2011 09:58

        Ich schließe mich dem vorerst natürlich nicht an, da ich von einer Handlung nicht direkt auf ein Motiv schließen kann. Allerdings kann auch ich in Israel keinen Apartheitsstaat erkennen. Dennoch basiert die Deutung „Apartheitsstaat“ auf den gleichen argumentativen Mustern wie die der Feststellung eines Antisemitismus bei Vielen.

        Was einige »Linke« streng östlicher Prägung betrifft, ist allerdings sehr wohl ein Antisemitismus erkennbar. Dem möchte ich gar nicht widersprechen. Das manche Linke dazu neigen, so weit nach links zu gehen, bis sie auf einmal rechts angekommen sind, schrieb ich ja schon einmal. Im Freitag bin ich damals dafür schon recht heftig angefeindet worden. Ich würde das, was dabei herauskommt, trotzdem lieber als dumpfen kleinbürgerlichen Rassismus benennen, denn genau das ist es letztendlich.

        Ohne jetzt die Bürger der Ex-DDR unter Generalverdacht zu stellen, was unfair wäre. Trotzdem: In Welchem Teil Deutschlands konnte „echtes, braves, anständiges Deutschtum“ denn so lange gepflegt werden? Man beachte nur die Stereotype, die präsentiert wurden – die lupenreinen Arbeiter und Bauern, voller Anstand und Moral, stets fest verwurzelt in der sauberen sozialistischen Welt. Diese pervertierte Weltsicht hat nicht nur unter Ex-DDR-Bürgern und ihren Nachkommen Anhänger, denn sie wurde über Jahrzehnte propagiert, einer Gehirnwäsche gleich. Das das tiefer greifende Folgen hat, ist nachvollziehbar.

        Ich denke, es ist noch viel mehr politische Aufklärung nötig, als allgemein angenommen.

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      • 5. Dezember 2011 11:21

        @metropolenmond
        Klar, alles eine Frage der Definition. Du nennst es „dumpfen kleinbürgerlichen Rassismus“, ich bezeichne es als Antisemitismus. Das Thema Nationalismus in der DDR wäre ein weites Feld. Ich kann natürlich den westdeutschen Nationalismus bis 1989 nicht freisprechen, den späteren gesamtdeutschen schon gar nicht, aber was du über „Anstand und Moral“ der Ex-DDR schreibst ist schon nachvollziehbar.

        Dem Obigen von mir (der aus der alten DDR kommende Israel-Hass lebe weiter) wiederspricht, dass die aktuellen Linksparteimitglieder der Ex-DDR bezüglich Israelhass wesentlich gemäßigter sind als die „West-Linken“. Von daher sind die Linken der Ex-DDR was Israel anbelangt eventuell lernfähiger als die Westler. Dierkes, Paech, Hoeger usw. kommen alle aus dem Westen. Ich vermute, der staatliche Antizionismus in der DDR hat bei vielen aktuellen Linksparteimitgliedern der Ex-DDR teilweise eine Gegenreaktion ausgelöst.

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  19. 5. Dezember 2011 10:51

    Es hat – bei aller Unverfrorenheit, mit der die *Apartheid-Lüge wider besseres Wissen wiederholt wird – schon fast etwas morbide makabres, wenn ausgerechnet in einem, unter den Nazis „arisierten“, ehemals jüdischen Kaufhaus (von Leonhard Tietz 1879 in Stralsund gegründet, als zunächst kleines Geschäft für Garne, Knöpfe, Stoffe und Wollwaren, mit nur 25 qm Verkaufsfläche. Später dann im Jahre 1891 eröffnete Tietz in Köln, Hohe Straße ein kleines Filialkaufhaus und verlegte den Firmensitz dorthin. 1905 wurde die Leonhard Tietz AG gegründet, Vorläufer des heutigen Kaufhof, der sich z.Z. noch im Mehrheitsbesitz der Düsseldorfer METRO AG befindet. Als der Firmengründer Leonhard Tietz 1914 starb übernahm sein ältester Sohn die Firmenleitung, Quelle: Wikipedia) heute zum Boykott von Waren aus Israel aufgerufen wird. Da kann ich nur noch kotzen!

    Und noch eine Ironie der Geschichte, die METRO AG will sich schon seit einiger Zeit vom Kaufhof trennen und als neuer Käufer ist u.a. der jüdische Karstadt-Retter **Nicolas Berggruen, Sohn des berühmten Berliner Kunstsammlers Berggruen (Karstadt stand vor dem Konkurs und Berggruen sagte zu, alle Arbeitsplätze zu erhalten) im Gespräch …

    * „Propaganda – Die Apartheid-Lüge“, Jüdische Allgemeine 01.09.2011 http://bit.ly/uclp3E

    ** „Interview mit Karstadt-Investor Berggruen – Ich habe nichts erreicht“, taz 14.07.2010 http://bit.ly/v7AoGt

    PS Nein, ich trete nicht aus der Partei DIE LINKE. aus, sondern ich kritisiere (viel wirkungsvoller, wie ich meine) bestimmte unsägliche Altlasten dieser Partei von innen heraus. Btw …, mein ausführlicher Kommentar zum Parteienscheck DIE LINKE. folgt demnächst, wenn ich wieder etwas mehr Zeit aufbringen kann. Im Augenblick kommentiere und lese ich sehr wenig im Internet (berufliche Gründe).

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    • 5. Dezember 2011 10:55

      Nachtrag:

      Ich wiederhole es …
      Niemals werde ich Antisemiten die Deutungshoheit darüber geben zu definieren, was Antisemitismus ist, genauso wenig wie ich Rassisten oder Homophoben zugestehe Rassismus und Homophobie zu erklären.

      Diejenigen, aber die (potenzielle) Opfer von Antisemitismus, Rassismus und Homophobie sind, haben jedes Recht der Welt Antismitismus, Rassismus und Homophobie als solche zu bezeichnen und kenntlich zu machen!

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    • 5. Dezember 2011 11:30

      Selcarim, volle Zustimmung! Danke für die Verlinkung auf den sehr guten Artikel der „Jüdischen Allgemeinen“ zur „Apartheid-Lüge“:

      “Der Religionsphilosoph Abraham Joshua Heschel schrieb, dass es nicht die Maschinerie war, sondern Worte, die Auschwitz hervorbrachten. Der neue Judenhass, der heute in Zeitungen, Büchern, an Universitäten und bei kulturellen Veranstaltungen dominiert, ist genauso hartnäckig wie Kunststoffmüll. So wie Nylon und Plastik wird er auch nach Generationen noch nicht verschwunden sein. Er produziert Tod und Tragödien.“

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      • 5. Dezember 2011 12:19

        Naja. Ich werde einen Teufel tun, und Demagogen – gleich welcher Coleur – die Deutungshoheit überlassen, da ihre Motive zumeist verwerflich sind. Zudem erscheint mir die Formulierung „Neuer Judenhass“ ein wenig „kokett“.

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      • 5. Dezember 2011 12:29

        Ich weiß nicht was der Religionsphilosoph Heschel sonst noch sagt. Den zitierten Satz kann ich jedenfalls nachvollziehen. Judenhass wurde in der Vergangenheit immer erst mit Worten verbreitet, die Taten folgten später den meist hetzerischen Worten.

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      • 5. Dezember 2011 13:39

        Ich kann den zitierten Satz nicht nachvollziehen, weil er leichtfertig ein Bild zeichnet, welches so nicht stimmig ist. Heschel überzeichnet und interpretiert auf eine verantwortungslose Art und Weise, die „auch“ der Vergangenheit nicht gerecht wird. Das ist fahrlässig und relativiert unzulässig das, was im Dritten Reich und davor geschah, trägt überdies nicht zur Verständigung bei. Ich kenne seine Motive hierfür nicht, halte es aber für unklug, so zu handeln, es sei denn, man ist lediglich auf Applaus für markige Worte aus.

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  20. Feuervogel permalink
    7. Dezember 2011 15:31

    Antiisraelismus hat längst Einzug in den Bundetag gehalten; spätestens mit der Teilnahme von Bundestagsabgeordneten der Partei Die Linke an der Gaza-Flottille, welche gewaltsam die Blockade von Gaza über den Seeweg durchbrechen wollte. Negative Konsequenzen zog dies für die teilnehmenden Politiker nicht nach sich. Im Gegenteil, ihre Aktion war propagandistisch erfolgreich, wie auch der Beschluss des Deutschen Bundestages zur Gaza-Blockade im Nachgang zeigt.

    Wundern tut dies alles nicht. Spiegelt die Politik doch nur die Meinung der Bevölkerung wieder. Laut einer Umfrage von Emnid, die N24 am 11. November veröffentlicht hat, fordern 83 % der Deutschen, dass sich Deutschland, sollte es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran kommen, neutral verhalte. Nur 16 % der Deutschen sprechen sich hiernach für eine militärische Unterstützung Israels gegen Iran aus.

    Laut einer Studie der Fakultät für Erziehungswissenschaft am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von Prof. Dr. Andreas Zick, Stand 2011, ärgerten sich 63 % der Deutschen im Jahre 2008 darüber, dass ihnen die Verbrechen der Nazis noch heute vorgehalten würden und 57.3 % der Deutschen waren im Jahr 2010 der Meinung, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_nase_und_die_hosen_voll/

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    • 7. Dezember 2011 23:03

      „Laut einer Studie der Fakultät für Erziehungswissenschaft am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von Prof. Dr. Andreas Zick, Stand 2011, ärgerten sich 63 % der Deutschen im Jahre 2008 darüber, dass ihnen die Verbrechen der Nazis noch heute vorgehalten würden und 57.3 % der Deutschen waren im Jahr 2010 der Meinung, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe.“

      Diese Zahlen wundern mich nicht. Gefühlsmäßig hätte ich statt 63 % – 83% und statt 57.3 % – 77.3% vermutet. Jedenfalls ist die Mehrheit der Deutschen national, geschichtsvergessen und antijüdisch (große Teile der „Linken“ inkludiert). Meine Rede.

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      • Reflexione Galore permalink
        3. Januar 2012 15:00

        Und inwieweit korrelieren die 63% mit den 57,3% ?

        Man kann auch behaupten, es gäbe einen kausalen Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Aggressivität von Kindern. Deshalb sind die Kinder noch lange keine potentiellen Amokläufer.

        Das ist nicht mehr als ein Hinweis, aber kein hinreichender Beleg.

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  21. 23. Dezember 2011 09:47

    Auszug aus Broders Rede zur Verleihung des Ehrenpreises der DIG am 8.12. in Aachen:

    Indem ich mich, wie Sie es sagen, für das Existenzrecht Israels einsetze, vertrete ich sehr bewusst meine eigenen Interessen, vor allem mein Interesse nach Sicherheit. Die meisten Juden, die in der Diaspora leben, sind überzeugt, dass Israel sie braucht. Also machen sie zweimal im Jahr Urlaub in Tel Aviv, spenden ab und zu etwas für einen Kindergarten in Sderot und lassen sich auf dem Ölberg begraben. Das ist der real existierende Zionismus, eine Art Spaß für die ganze Familie. Dabei käme Israel auch ohne die Almosen aus der Diaspora gut über die Runden. Wir sind es, die Israel brauchen, wir, die Juden in der Diaspora, nicht als eine Rettungsinsel für den Notfall, über den keiner spricht aber auch niemand ausschließen kann, sondern als Garant für die weitere Existenz der Diaspora. Klingt absurd, ist aber so.

    Wenn es Israel nicht gäbe, wären nicht nur die Antizionisten am Ziel ihrer Träume, auch die ganz gewöhnlichen Antisemiten würden auftrumpfen. Israel dient als Blitzarbeiter und als Firewall, es zieht den Furor der Antizionisten auf sich und sorgt allein dadurch, dass es da ist, dafür, dass sich die Antisemiten nicht zu weit aus der Deckung wagen. Hätte es Israel schon 1939 gegeben, wären die Nazis kaum auf die Idee gekommen, die Endlösung der Judenfrage in Angriff zu nehmen. All die hübschen Kartenhäuser, in und zwischen denen es wir uns gemütlich eingerichtet haben – die Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die rituale zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz und zum Jahrestag der Kristallnacht – würden lautlos in sich zusammenbrechen.

    Ich erinnere Sie nur an die deutsche Haltung im Jom Kippur Krieg 1973, als Israels Überleben an einem dünnen Faden hing. Da erklärte sich die Bundesrepublik für “neutral” und untersagte es den Amerikanern, militärischen Nachschub für Israel über deutsche Häfen zu verschiffen. Zugleich erklärte der von Gewissensbissen geplagte Bundeskanzler Willy Brandt, eine “Neutralität der Herzen” könne es nicht geben und bot “humanitäre Hilfe” für den Fall an, der eingetreten wäre, wenn die Araber gewonnen hätten. Humanitäre Hilfe. Die Bundeswehr hätte Decken und Milchpulver in das Kriegsgebiet geflogen und ein paar jüdische Vollwaisen wären von christlichen Einrichtungen in Deutschland aufgenommen worden. Das wäre die humanitäre Hilfe gewesen, ein Ausdruck der besonderen historischen Verantwortung und der herzlichen Verbundenheit zwischen Bonn und Jerusalem.

    So lange es Israel gibt, können die Juden in Europa und in Deutschland vor sich hindösen, Museen bauen, Mahnmale absegnen, Toleranzpreise an Politiker verleihen und das Gefühl genießen, eine Dauerfete auf einem Friedhof zu feiern.
    Was mich angeht: Ich komme mir etwas seltsam dabei vor, einen Preis dafür zu bekommen, dass ich mich für das Existenzrecht Israels einsetze. Es ist, als würde ich einen Preis dafür bekommen, dass ich an einer roten Ampel halte, meinen Müll nicht vor der Tür meiner Nachbarn entsorge und meine Frau nicht verhaue, für das Selbstverständliche also. Außerdem hat noch niemand einen Preis dafür bekommen, dass er sich für das Existenzrecht Belgiens, Mazedoniens oder Transnistriens eingesetzt hätte. Sich aber für das Existenzrecht Israels einzusetzen, ist offenbar so außergewöhnlich, dass es mit einem Preis belohnt werden muss.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/es_geschieht_nichts_gutes/

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  22. 9. November 2012 09:56

    Gedenktag 8.11.2012:

    Der Sozialist Kurt Eisner war der Kopf der Novemberrevolution von 1918 in Bayern. Er war der erste Ministerpräsident des von ihm ausgerufenen Freistaates Bayern.

    In der Nacht zum 8. November 1918 rief Eisner in der ersten Sitzung der Arbeiter- und Soldatenräte im Mathäserbräu die Republik Bayern als Freistaat aus und erklärte das herrschende Königshaus der Wittelsbacher für abgesetzt: „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt! Bayern ist fortan ein Freistaat!“

    Am 21. Februar 1919 wurde er von Graf von Arco auf Valley von der deutsch-völkischen antisemitischen Thule-Gesellschaft ermordet.

    Der Mörder erklärte später: „Eisner ist Bolschewist, er ist Jude, er ist kein Deutscher, er fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken und Fühlen, ist ein Landesverräter.“ Für Graf von Arco auf Valley war Eisner ein typischer Antideutscher.

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  23. 20. August 2013 15:36

    Das Antisemitismus-Problem in der Linken (und darüber hinaus) spiegelt sich in Befindlichkeiten, die auf ein tief verwurzeltes Wahrnehmungsschema zurückgehen. Offenbar finden in jeder Generation aufs Neue engagiert-empörte Menschen Gefallen an einer Art mentalen Landkarte des Antisemitismus, die ihnen in unübersichtlichen und ungewissen Zeiten Sicherheit verheißt. „Die Juden sind unser Unglück!“, war die Überzeugung des nationalliberalen Historikers Heinrich von Treitschke im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. „Der Staat Israel ist das Problem!“, hören und lesen wir heute von jenen, keineswegs nur linken Erben Treitschkes, die den politischen Antizionismus in Deutschland repräsentieren. Im Rahmen eines globalisierungskritischen Volksfrontbündnisses von links bis rechts könnte sich eine postmoderne Linke, die um ihre Legitimation kämpft, daran gewöhnen, „die Juden“ bzw. „den Staat Israel“ als Verkörperung abstrakter (umhervagabundierender) Kapitalflüsse wahrzunehmen – und für zunehmende soziale Verwerfungen im 21. Jahrhundert verantwortlich zu machen. Die Konsequenzen eines solchen Szenarios wären, vor dem Hintergrund einer jahrhundertelangen Geschichte der Judenverfolgung, unabsehbar. Man kann nur hoffen, dass sich besonnene Milieu-Angehörige dieser Problematik selbstkritisch stellen – in einer Zeit, in der die Israelis noch immer um ihre staatliche Existenz in den Grenzen von 1948 kämpfen müssen.

    http://www.compass-infodienst.de/Martin_Kloke__Israel_-_Alptraum_der_deutschen_Linken.2400.0.html

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