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Conatus in suo esse perseverandi.* Über Spinozas „Ethik“

11. Januar 2017

„Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt.“

Hegel, Vorrede zur Phänomenologie des Geistes

„Das Bestreben, womit jedes Ding in seinem Sein zu verharren strebt,- ist nichts als das wirkliche Wesen des Dinges selbst.“

Spinoza, Ethik III, 7

 

*Das Streben in seinem Sein zu beharren. (Ethik III, 7)

spinoza_ethica

Faksimile der Erstausgabe der Ethik 1677.

 

Spinoza gehört zu den großen Unbekannten der Philosophiegeschichte. Die Qualifikationen die sein Werk erfahren hat sind so vielfältig wie die Geschichte der philosophischen Ideen selbst und hängen davon ab in welchem Kontext man sich verortet. Ich, um einmal so zu beginnen, habe mich immer für Außenseiter interessiert und ihren Widerstand gegen die opportunistische Konformität bewundert, mit der sie sich gegen alle Hindernisse stemmten, die ihnen aufgezwungen wurden.  Der Außenseiter Spinoza, verstoßen von seiner eigenen Gemeinde, angefeindet von den bigotten Wächtern der öffentlichen Moral, dutzende Male von intellektuell minder Begabten erledigt oder als „toter Hund“ (Lessing) beschimpft ist eine Figur und ein Denker, an dem sich jedes kritische Bewusstsein schulen kann, das wissen will was eine non-konformistische Haltung kostet. Er war kein Held, sondern ein einsamer, isolierter Mann, von dem nicht einmal bekannt ist, ob er je eine physische Beziehung zu irgendeinem anderen Menschen eingegangen ist. Irgendwann nahm er die Einsamkeit an und produzierte etwas Außergewöhnliches. Trotzdem war er nicht verbittert, sondern sprach von Freude, Liebe und Glück, und lebte als einer der sich Hass, Eifersucht, Neid und Zorn entschieden verweigerte. Er war kein Prediger, er sammelte keine Jünger um sich und wollte nicht verehrt werden, er versprach keine Belohnung im Himmel, sondern empfahl bloß sich um die „amor intellectualis dei“, die intellektuelle Liebe zu Gott zu bemühen, die am Ende aller Erkenntnis und allen Wissens stehen würde.

Spinoza lehrt uns, als Menschen und als Teil der Natur in unserem Sein zu beharren, das Ganze und das subtilste Detail mit allergrößter Aufmerksamkeit zu betrachten, nichts für unwichtig zu halten und dennoch die eigene Besonderheit, die eigenen unverwechselbare Präsenz mit aller Energie zu vervollkommnen.

Spinoza schrieb die „Ethik“ in Latein. Alle Passagen, aus denen ich zitiere entstammen der Übersetzung von Jakob Stern aus dem Jahre 1888, die im Reclam Verlag 1990 erschienen ist.

 

1.

In fünf Büchern, beginnend mit Gott, entwickelt Spinoza in Form von Definitionen, Lehrsätzen und Beweisen seine Philosophie. Zwischen den Lehrsätzen werden in den Beweisen und Anmerkungen, den sogenannten Scholien die Prinzipien nochmals ausführlich erläutert und anhand praktischer Beispiele erklärt. Der Aufbau ist strikt logisch und bildet ein Netzwerk, in dem sich alle Teile aufeinander beziehen. Die „Ethik“ ist ein philosophisches System, das einzige das Hegel als gleichberechtigt neben dem seinen  anerkannt hat und eines, das die Stringenz mathematischer Beweise und die Präzision der Naturwissenschaften in Philosophie übersetzen will. Während die meisten vor und nach ihm beim Kleinsten beginnen, von den menschlichen Begierden und Leidenschaften weiter zur Struktur der Gesellschaft gehen um dann aufzusteigen zum Allergrößten, beginnt Spinoza ohne Umschweife beim höchsten Punkt, bei Gott. Die Perspektive ist entscheidend, weil es immer ums Ganze geht und die Sicht darauf niemals außer Acht gelassen werden soll. Spinoza beginnt also bei Gott, den er als  „Deus sive natura“ anspricht. Gott oder die Natur ist „causa sui“, Ursache ihrer selbst, unendlich und unbegrenzt und nur aus sich und durch sich erklärbar. Es gibt kein Außen, nur das selbstreferentielle Feedback des Systems. Schon im Tractatus Theologico-Politicus wandte sich Spinoza gegen einen personalen Schöpfergott, der nur deshalb die Bühne betritt weil sich die Menschen Gott nach ihrem eigenen Bild erschaffen. Die aus Furcht und Unwissenheit Gott (und Göttern) zugeschriebenen Eigenschaften sind Limitierungen des Verstandes, der sich weigert die Unendlichkeit zu denken.  Aber der Gott Spinozas, dem auch Einstein bereit war zu folgen, ist keine Person, kein teleologisches Prinzip das von irgendeinem niedrigen zu einem höheren Punkt aufsteigt, sondern die Natur selbst. Sie ist nach allen Richtungen gleich mächtig und existent. „Denn die Natur ist immer dieselbe, und ihre Kraft und ihr Vermögen zu wirken ist überall gleich.“ (Ethik III, Vorwort) Gott gehorcht Regeln, die seinem eigenen Wesen gemäß sind und damit Naturgesetzen gleichkommen, ja die Naturgesetze selbst sind. „Deus sive natura“ bedeutet, dass Gott absolut und unendlich ist, aber gleichzeitig den eigenen Naturgesetzen verpflichtet. Wunder und Mirakel, wie sie in den heiligen Schriften der Offenbarungsreligionen berichtet werden sind darum schon allein deshalb Unsinn, weil Gott nichts gegen die eigene Logik oder Vernunft der Natur unternehmen kann, die er selbst ist. Gott spricht nicht, handelt nicht und hat keinen anderen Willen als zu existieren und als Natur existiert Gott „sub specie aeternitatis“ (Ethik V, 29), unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit. „Da es nun in der Ewigkeit kein Wann gibt, kein Vorher und kein Nachher, so folgt hieraus, nämlich aus der bloßen Vollkommenheit Gottes, daß Gott nie etwas anderes beschließen konnte oder daß Gott vor seinen Beschlüssen nicht gewesen ist noch ohne sie sein kann.“ (Ethik I, 23)

Ein weiterer Name dafür, den Spinoza in Folge verwenden wird ist Substantia, Substanz. Substantia ist ein Begriff der scholastischen Theologie und hier liegt ein wesentliches Verständnisproblem heutiger Leserinnen und Leser bei der Lektüre Spinozas. Er verwendet alte Sprache, um etwas Neues zu sagen. Die Begriffe und Kategorien der Ethik stammen aus der jüdischen und christlichen Theologie und sind ungewohnt für zeitgenössisches Denken. Die Philosophie des 17. Jahrhunderts löst sich langsam und schrittweise von den Begriffen und Ideen der Theologie, muss aber die Auseinandersetzung mit diesen erst zu Ende bringen.  Spinozas Gegenüber im 17. Jahrhundert, Descartes, verwendet ebenfalls den Begriff der Substanz wenn er die Welt und das Universum beschreibt. Descartes proklamierte allerdings zwei Substanzen, die durch einen vermittelnden Schöpfergott zusammen gehalten werden: die „res cogitans“, das Denken, den Geist und die „res extensa“, die Ausdehnung, den Raum. An diesem Punkt beginnt Spinozas revolutionäre Umwertung aller bisherigen Philosophie. Er proklamiert: „Eine Substanz für alle Attribute“. Deus sive natura sive substantia hat sogenannte Attribute, also Eigenschaften, die die Unendlichkeit der Substanz auf eine einzige Art und Weise ausdrücken. „Das Denken ist also eins von den unendlichen Attributen Gottes, welches das ewige und unendliche Wesen Gottes ausdrückt…“ (Ethik II, 1)

Die Substanz hat unendlich viele Attribute, aber wir kennen nur zwei davon: Denken und Ausdehnung. Mit der in der Philosophiegeschichte als Monismus bezeichneten Wendung, dass es nur eine Substanz für alle Attribute gibt, bricht Spinoza als vermutlich erster Philosoph der Neuzeit mit dem Geist-Körper Dualismus der abendländischen Tradition. Es lassen sich auch durchaus Grundzüge der epikureischen Tradition darin erblicken, obwohl Spinoza weit über Epikur hinausgeht. Ideengeschichtlich lässt sich das Neue an Spinoza als Kritik der Rolle Platons in der Philosophiegeschichte verstehen, die den Geist und die Ideen über alle Maßen betont hat und die Rolle von Körper und physischer Arbeit hintanstellte.  Die materialistische Auseinandersetzung mit einer rein auf Ideen und Geist orientierten Denkweise wird von Spinoza erstmals systematisch mit einer – wenn man so will – ganzheitlichen Interpretation der menschlichen Natur auf den strengen Begriff gebracht. Man kann das als moderner Mensch vielleicht besser verstehen, wenn man es mit den Worten des Hirn und Gedächtnisforschers Eric Kandel betrachtet, der einmal schrieb: „Mind and brain are inseparable.“ Körper und Geist sind keine verschiedenen Dinge, sondern Geist und Ideen entspringen dem Körper, das Denken ist eine Idee des Körpers: „Die Vorstellungen der Dinge sind Erregungen des menschlichen Körpers…“ (Ethik III, 27) Man kann daran sehen, dass es dem Monismus Spinozas darum geht, Hierarchiefragen zu vermeiden, die in dualistischen Prinzipien stecken. Weil es eben unendlich viele Attribute gibt, existiert auch keine Hierarchie unter ihnen. Körper und Geist sind Teil desselben Systems und Denken kann nicht außerhalb einer körperlichen Erfahrung existierend gedacht werden.

Mit einer Radikalität, die sich sonst nur noch bei Nietzsche findet, bricht Spinoza mit den Zuordnungen dualistischer Konzeptionen, die das Geistige über das Körperliche stellen und Verstand versus Sexualität und körperliche Erfahrung in Mann/Frau Gegensätze spalten. Auf diese Weise kritisiert er politische Herrschaft über den Menschen die immer auch quasi natürliche Geschlechtergegensätze und Klassenunterschiede identifiziert. Obwohl Spinoza selbst, hier ganz Kind seiner Zeit bizarrer weise die politische Gleichberechtigung von Frauen ablehnte (Ethik III, 35)[1], denkt seine Philosophie weit darüber hinaus. Die zivilisatorischen Fortschritte des letzten Jahrhunderts, die Homosexualität, Diversity und weibliche Selbstbestimmung kulturell und politisch als untrennbare Eigenschaften demokratischer Gesellschaften etabliert haben sind auf eine gewisse Art und Weise Spätfolgen spinozistischer Philosophie. Spinozas Ethik ist eine Ethik der unverletzbaren Integrität des menschlichen Körpers, seiner Selbstbestimmung und mit dieser der Ausgangspunkt jeder demokratischen Ordnung. Der französische Marxist Etienne Balibar, ein Schüler Althussers schrieb in seinem Text „Spinoza, the Anti-Orwell“[2], dass Spinoza den menschlichen Körper selbst als das größte Hindernis für totalitäre Herrschaft betrachten würde. Herrschaft könne niemals total sein, weil der Körper selbst sich auf Dauer jeder Kontrolle widersetzt, die versucht seine natürlichen Grenzen einzuschränken. Orwells Dystopie beschrieb eine Diktatur, die durch Propaganda eine Sprache schafft, die jeden Gedanken an Widerstand unmöglich macht. Aber wie Spinoza schreibt, kann ein Gedanke bloß durch einen anderen Gedanken begrenzt werden und die Fähigkeit der Körper zur Affektion niemals vollständig durch eine sprachliche Operation kontrolliert. Balibar hat wohlweislich darauf vergessen, dass Spinoza darum nicht nur ein Anti-Orwell, sondern auch ein Anti-Foucault ist.

 

2.

Von den Attributen geht es abwärts zu den Modi, deren wichtigstes Merkmal ist, endlich zu sein. Menschen, Gegenstände, überhaupt alle physischen Phänomene sind Ausdrücke des Modus, der sowohl Substanz als auch Attribute ist, aber eben immer in endlichen und messbaren Kategorien. Jeder Modus wird durch Affekte beeinflusst, die das Vermögen des Modus erhöhen oder reduzieren, weitere (und stärkere) Affekte anzunehmen oder abzugeben. Im hierarchischen System Substanz, Attribut, Modus nehmen Menschen keinen besonderen Platz ein, ganz genau so wie in den Bäumen evolutionärer Abhängigkeiten, in denen Homo Sapiens bloß die Unterart einer Unterart einer weiteren Unterart ist und Natur als abstrakte Struktur keine Unterschiede zwischen Spezies kennt, die eine besondere Rolle rechtfertigen würden. Während der Humanismus der folgenden Jahrhunderte eine Essenz des Menschen propagiert, die religiös als „Krone der Schöpfung“ einen besonderen Platz des Menschen in der natürlichen Ordnung beansprucht und politisch in der Hierarchie der menschlichen „Rassen“ anthropologisch begründet wird, denkt Spinoza Mensch sein als anti-essentialistisches Netzwerk von Körpern und Affekten. Der Unterschied zwischen einem Stein und einem Menschen ist, dass ein Stein in seinem Sein zu beharren bloß eine geringe Menge an Affekten auf sich beziehen kann, während lebendige Strukturen von einfachsten Tieren und Pflanzen aufwärts zu den komplexesten Lebewesen ihr Sein zu beharren gegen und mit einer Vielzahl an Affekten bestreiten. Louis Althusser, der größte marxistische Philosoph des 20. Jahrhunderts formulierte seinen Begriff des Anti-Humanismus auf der Grundlage von Spinozas materialistischer Metaphysik, die den humanistischen Essentialismus als Ideologie einer religiös und rassistisch gefärbten Ausnahmestellung des Menschen in der Natur kritisierte. Althusser stand mit diesen Ideen aber innerhalb der marxistischen Linken weitgehend allein, wenn man Antonio Negri einmal außer Acht lässt. Sowohl christliche Theologie als auch hegelianischer Marxismus haben mit Spinoza das gleiche Problem: es gibt kein Subjekt, das sich telelogisch in der Zeit bewegt. Weder die religiöse Anthropologie einer „Krone der Schöpfung“ noch die gesetzmäßige Vollendung eines revolutionären Subjekts der Geschichte können mit Spinozas Philosophie einen Sinn ergeben. Der Hauptkritikpunkt Hegels, der Spinozas Auffassung von der Substanz eine „morgenländische Anschauung“ nannte, ist, dass es eben nirgendwo in seiner Philosophie ein Subjekt gibt, das die Bewegung des absoluten Geistes zu sich selbst entwickeln könnte. „Diese Spinozistische Idee ist als wahrhaft, als begründet zuzugeben. Die absolute Substanz ist das Wahre, aber sie ist noch nicht das ganze Wahre; sie muß auch als in sich tätig, lebendig gedacht werden und eben dadurch sich als Geist bestimmen.“[3] Spinozas Philosophie ist eine Ablehnung jeder teleologischen Bewegung der Natur, hin zu einem Ziel oder einer Vollendung. Darin steckt auch die viel später aufkommende Theorie chaotischer Systeme, deren innere Dynamik durch unbekannte Variablen unvorhersehbar ist. Das, was man sehen kann ist nur unvollkommen erkennbar und durch eine natürliche Grenze der Erkenntnisfähigkeit bestimmt, aber es gibt bei Spinoza anders als bei Hegel keine Negativität dialektischer Widersprüche. Alles ist, wie Antonio Negri betont hat, „multitudo“ oder Vielheit.

Spinozas Universum besteht ganz einfach gesagt aus einer unbegrenzten Vielzahl an Dingen, von denen sich jedes vom anderen unterscheidet, so gering der Unterschied auch sein mag. Sie konstituieren für sich keine Besonderheit, die unabhängig vom Ganzen zu denken wäre. Menschen sind keine Subjekte, sondern unverwechselbare Singularitäten, die sich zwar isolieren, betrachten, erforschen lassen, aber nur in ihrem strukturellen Eingebundenheit im Netzwerk der Natur erfassbar sind. Dass es ein Prinzip namens „Mensch“ gibt ist reine Abstraktion, die für sich keine Essenz besitzt. Die moderne Evolutionsbiologie, die jeden anthropologischen Exzeptionalismus ablehnt steht Spinoza näher als Hegel, obwohl sich eher Hegels Subjekt zentrierte Auffassung von Geschichte durchgesetzt hat. Es soll hier auch nicht der Eindruck erweckt werden, dass der eine dem anderen vorzuziehen sei, sondern empfohlen werden wie Pierre Macherey es in seinem bis heute nicht ins Deutsche übersetzten Klassiker „Hegel ou Spinoza“ (1979) getan hat, die Unterschiede und Widersprüche zwischen beiden stehen zu lassen. Die Gleichheit (nicht die Identität) der Dinge ergibt sich daraus, dass sie alle gleichermaßen in ihrem Sein zu beharren bestrebt sind, also ihre Existenz und ihr Dasein in sich als Qualität tragen, unabhängig davon wie sie tatsächlich mit ihrer Umwelt interagieren.

„Jedes Ding vielmehr, mag es mehr oder weniger vollkommen sein, wird mit derselben Kraft, mit der es zu existieren angefangen hat, immer in der Existenz verharren können, so daß in dieser Hinsicht alle Dinge einander gleich sind.“ (Ethik IV, Vorwort)

Die Realität als eine unbegrenzte Anzahl von Dingen zu betrachten, die sich durch eine Universalisierung der Differenz beschreiben lässt („Omnis determinatio est negatio“[4]), macht Spinoza zu einem Denker der Immanenz. Das bedeutet einerseits, dass jedes Ding, jeder Modus und jede Modifikation als von inneren Logiken und Strukturen aufgefasst werden muss, die für sich verstanden und untersucht werden sollten und andererseits, dass die Realität kein Jenseits hat, das in irgendeiner Beziehung zu ihm stehen würde. Es gibt wie in der aristotelischen Tradition der Scholastik keinen „ersten Beweger“ mehr, sondern die Definition der Substanz als „causa sui“ erfordert das Verständnis eines Universums, das einerseits nur durch und aus sich selbst erklärbar ist und andererseits aus Phänomenen besteht, die durch ihre eigenen Logiken und Strukturen erkennbar, erforschbar und identifizierbar sein müssen. Die Physik der festen Körper, wie sie im 17. Jahrhundert entwickelt und formuliert wurde, deklariert Objekte, die in determinierten Ordnungen existieren und durch Kräfte und Abhängigkeiten wie Masse, Trägheit, Beschleunigung miteinander vernetzt sind, in der es keine äußeren nicht immanenten Ursachen gibt. Spinozas Immanenzbegriff, ein Universum der Dinge, steht in einer Tradition, die in der Mathematik des 17. Jahrhunderts durch Newton und Leibnitz unabhängig voneinander als Problem des Grenzwerts unendlicher Folgen in der Differentialrechnung formalisiert wurde. Alle Körper, Gegenstände und Modi sind für sich isolierbar, aber selbst bereits Anordnungen, die in weitere diskrete Hierarchien zerlegt werden können. In neuerer Zeit haben die Mathematiker Gregory Chaitin und Stephen Wolfram vor allem mit Rückgriff auf Leibnitz, der in seinem Werk „Monadologie“ eine eigene Version eines „Universums der Dinge“ propagiert, die Idee weiter entwickelt, dass das Universum diskret sei und nicht kontinuierlich[5].

Immanenz ist eine Aufforderung an die Erkenntnisfähigkeit. „Man soll die Welt nicht belachen, nicht beweinen, sondern begreifen.“ lautet einer der berühmtesten Spinoza zugeschriebenen Sätze, die sich zwar in seinem Werk so nicht finden lassen, aber dennoch den Geist ausdrücken, der ihn bewegt hat.

 

3.

Die Konzentration von Spinozas Philosophie auf den menschlichen Körper als Ausgangspunkt jeder Erkenntnis wird im dritten Teil „Über den Ursprung und die Natur der Affekte“ und im vierten Teil „Über die menschliche Unfreiheit und die Macht der Affekte“ ausgearbeitet. Körper, Modi, Gegenstände sind als endliche Entitäten verschiedensten Einflüssen ausgesetzt, sogenannten Affekten und ein Modus ist umso mächtiger je intensiver er von Affekten affiziert wird und je intensiver er selbst andere Modi affizieren kann. Körper und Gegenstände stehen also nicht isoliert, sondern sind prinzipiell durch Affekte miteinander verbunden oder stehen auch im Gegensatz zueinander, aber jedes Objekt hat Wirkungen, erzeugt Gegenwirkungen und wird durch äußere Einwirkungen beeinflusst. Dies entspricht genau dem von Newton erst später formulierten Gesetz der Trägheit. Spinoza ist nur durch diesen engen Kontakt zu einem sich gerade entwickelnden szientistischen Weltbild seiner Zeit zu verstehen, in der er in Prosa übersetzt, was durch Mathematik, Geometrie und der physikalischen Durchdringung der Welt in der Luft lag, aber eben noch längst keine einheitliche und von allen akzeptierte Wahrheit gewesen ist. Die Attribute der Substanz realisieren sich in den Modi als endliche Affekte und Gegenaffekte und weder die Gesellschaft noch der menschliche Verstand kann unabhängig von der physikalischen Realität existieren, auch wenn Menschen in Unkenntnis der wahren Ursachen anderes behaupten mögen. Die Theorie der Affekte beinhaltet eine spezifische Auffassung von Moral. Das Buch heißt „Ethik“, weil es darum geht ein geglücktes und erfülltes Leben zu führen, aber es sind nicht moralische Normen und Vorschriften, die ein solches Leben ermöglichen, sondern die tätige Erhöhung des eigenen Vermögens zu affizieren und affiziert zu werden. Moralische Einsichten kommen nicht aus Geboten, sondern aus adäquaten Ideen. Dazu mehr weiter unten. Die Affekte sind für sich betrachtet ebenfalls Modi, die Substanz und Attribute in endlicher Form ausdrücken. Endlichkeit hat auch zur Folge, dass jeder Affekt natürlich begrenzt ist.

„Endlich in seiner Art heißt ein Ding, das durch ein anderes von gleicher Natur begrenzt werden kann. Ein Körper z.B. heißt endlich, weil wir stets einen andern größeren begreifen. Ebenso wird ein Gedanke durch einen andern Gedanken begrenzt. Dagegen wird ein Körper nicht durch einen Gedanken noch ein Gedanke durch einen Körper begrenzt.“ (Ethik I, Def. 2)

Die Macht der menschlichen Vorstellungskraft wird nicht gering geschätzt, aber sie steht in starkem Widerspruch zu einem ideologischen Konzept, das den Körper abwertet oder bloß als Übergang zu einem anderen Zustand betrachtet. Wir reden vom Geist, aber wir wissen nicht was der Körper kann, sagt Spinoza.

„Was freilich der Körper alles vermag, hat bis jetzt noch niemand festgestellt; d.h., niemand hat sich bis jetzt auf dem Wege der Erfahrung darüber unterrichtet, was der Körper nach den bloßen Gesetzen seiner Natur, sofern sie nur als eine körperliche betrachtet wird, tun kann und was er nicht tun kann, wenn er nicht vom Geiste dazu bestimmt wird.“ (Ethik III, 2)

Es wäre durchaus möglich, an die von Foucault betriebene Kritik der Humanwissenschaften, die in seiner Darstellung zur Disziplinierung und Kontrolle der Körper entwickelt wurde, zu denken, aber Spinoza hätte die gewaltigen Fortschritte in der Medizin und der biologischen Forschung zweifelsohne zustimmend begrüßt. Sein Szientismus war darauf ausgerichtet heraus zu finden, was alles möglich und machbar ist, und dachte dabei noch wenig an möglicherweise negative Folgeerscheinungen. Affekte sind ständig anwesend und drücken sich in Leidenschaften, Phantasien und Begierden ebenso aus wie in physischer Arbeit, sportlicher Anstrengung und täglichen Routinen. Das Netzwerk der Körper steht in ständigem Austausch und ununterbrochener Beeinflussung untereinander und formt sich zu einer politischen Anthropologie. Spinoza denkt das Politische wie fast alle Philosophie als begrenzende Ordnung, das jedoch durch die Ideen der menschlichen Körper ständig in schlechte Balancen kommt. Antonio Negri entdeckte in der „multitudo“ der Affekte, die durch ihre körperliche Lebendigkeit und ihrem Streben im Sein zu beharren die bestehende Ordnung in Frage stellen, seine (post)operaistische Theorie von den „Singularitäten, die gemeinsam handeln“[6].

Alle Körper definieren sich durch die Eigenschaft Affekte aufzunehmen und abzugeben. Dabei gibt es positive Affekte, die das Vermögen (potentia) eines Körpers in seinem Sein zu beharren erhöhen und andere, die dieses Vermögen reduzieren. Die positiven sind solche wie Liebe, Zuneigung, Vertrauen und Freundschaft und die negativen sind Hass, Eifersucht, Neid und Geiz. Die spürbare und sichtbare politische Gewalt seiner Zeit ordnete Spinoza dem Übergewicht negativer Affekte zu, die durch Manipulation und Unterdrückung zur Instrumentalisierung der Massen durch die politische Herrschaft forciert wurde. Dem Leiden, das durch die schlechten Affekte entstehen würde könne jedoch mit adäquaten Ideen begegnet werden. „Ein Affekt, der ein Leiden ist, hört auf, ein Leiden zu sein, sobald wir eine klare und deutliche Idee von ihm bilden.“ (Ethik V, 3) Eine klare und deutliche Idee bedeutet vor allem, dass wir über Ursache und Wirkung Bescheid wissen und diese sinnvoll unterscheiden können. Menschen wissen oft zu wenig über die Ursache ihrer Leiden, Begierden und Wünsche und können diese nicht einordnen, was mehr negative Affekte zur Folge hat. Das bedeutet auch, dass Menschen kaum oder niemals frei sind, wenn man darunter ein gewisses Maß an Kontrolle und Steuerungsfähigkeit versteht, die eine Kenntnis der Ursachen und Logiken der eigenen Persönlichkeit und körperlichen Grenzen voraussetzt. „Die Menschen täuschen sich darin, daß sie glauben, sie seien frei. Diese Meinung besteht bloß darin, daß sie ihrer Handlungen sich bewußt sind, die Ursachen aber, von welchen sie bestimmt werden, nicht kennen. Das also ist die Idee ihrer Freiheit, daß sie keine Ursache ihrer Handlungen kennen. Denn wenn sie sagen, die menschlichen Handlungen hängen vom Willen ab, so sind das Worte, von welchen sie keine Idee haben.“ (Ethik I, 35)

Freiheit muss man sich nach Spinoza durch adäquate Ideen erarbeiten. Die Kontrolle der Leidenschaften und Begierden, oder um es mit Freud zu sagen: Triebverzicht, sind unabdingbare Erfordernisse um überhaupt so frei sein zu können, die natürlichen Begrenzungen des eigenen Körpers wahrzunehmen. Freiheit ist stets die Ausweitung des Vermögens positive Affekte anzunehmen und abzugeben. Adäquate Ideen, die das ermöglichen sollen beschreibt Spinoza so:

„Unter adäquater Idee verstehe ich eine Idee, welche, sofern sie an sich und ohne Beziehung zum Objekt betrachtet wird, alle Eigenschaften oder innerlichen Merkmale einer wahren Idee hat.

Erläuterung: Ich sage innerlichen, um das auszuschließen, was äußerlich ist, nämlich die Übereinstimmung der Idee mit ihrem Gegenstand.“ (Ethik II, Def. 4)

Das „innerliche“ heißt im lateinischen Original „intrinsecas“, also intrinsisch, was ein anderes Wort für „immanent“ ist. Adäquate Ideen sind immanente Ideen über einen Gegenstand. Jedes Objekt ist aus sich als physisches Phänomen zu verstehen und adäquat bedeutet, seine innere Funktionsweise begriffen zu haben.

Menschliche Freiheit ist nicht Isolation und Einsamkeit als Naturzustand, wie man Sartre manchmal böswillig unterstellt hat, und nicht das von Heidegger geprägte Bild durch das Geworfen werden auf die Lichtung sei Freiheit bloß ein Wort für die metaphysische Trennung vom Sein. Auch Kris Kristoffersens berühmte Zeile in „Me an Bobby McGee“, „Freedom’s just another word for nothing left to lose“[7] deckt sich nicht mit Spinozas Haltung dazu. Spinoza denkt Mensch sein auch nicht als Abweichung vom Naturzustand, wie ihn Rousseau später noch propagierte, sondern Menschen sind immer soziale Wesen und sie sind immer schon Teil einer Sozietät, deren Grenzen sie überbrücken können oder auch nicht. Da Freiheit nur aus adäquaten Ideen kommt ist sie auch verwundbar durch inadäquate Ideen, die negative Affekte produzieren, die das Vermögen eines Körpers adäquate Ideen zu entwickeln reduzieren. Demokratie so Spinoza sei deshalb die vernünftigste Regierungsform, weil sie die Balance der Affekte im Auge hätte, um das Vermögen aller zur Freiheit zu erhöhen. Kurz gesagt ist Freiheit für Spinoza das unausgeschöpfte Potential des eigenen Vermögens, das darauf wartet affiziert zu werden. Die einzige dafür in der Philosophiegeschichte akzeptierte Formulierung ist der paradoxe Term „materialistische Metaphysik“.

 

4.

Es sei an dieser Stelle einmal genug. Das fünfte Buch der Ethik, das für Antonio Negri der Höhepunkt der abendländischen Philosophie ist, beschreibt die Wirkungsweise der Affekte im Hinblick auf die Entwicklung ihrer Potentiale zur „amor intellectualis dei“, zur intellektuellen Liebe zu Gott, die im Wesentlichen die Verbindung von wissenschaftlicher Präzision mit der sensibelsten Intuition gleich schaltet. Dass dieses Ideal selbst kein Ziel sein kann, sondern nur ein Nebeneffekt glücklicher Begleitumstände, lässt sich an Spinozas Leben selbst zeigen, das am allerwenigsten von glücklichen Begleitumständen geprägt war. Die Orientierung ist das Leben selbst, nicht ein Zustand darin. Wir sind alle sterblich, aber für Spinoza ist der Tod nichts woran ein freier Mensch denken sollte. „Der freie Mensch denkt über nichts weniger als über den Tod; und seine Weisheit ist nicht ein Nachdenken über den Tod, sondern über das Leben.“ (Ethik IV, 67)

Wo Heidegger mit dem Sein zum Tode wieder eine teleologische Hintertür gegen das Sein einbaute und Sartre sich nie entscheiden konnte ob der Freiheitsimpuls des Existentialismus nicht die Täuschung selbst war, gegen die er ankämpfte, beschließt der einsame und heimatlose Spinoza, dass nichts wertvoller und unschätzbarer ist, als das Sein selbst, so vermittelt und gefiltert durch Ideologie und spinnenartige Dispositive es auch verzerrt sein mag. Zu leben ist das Einzige, das uns in der Immanenz eine Präsenz als Individuen garantiert, und uns dabei in unserem Streben unterstützt in unserem Sein zu beharren.  Conatus in suo esse perseverandi.

 

Verwendete Literatur:

 

Balibar, Spinoza and Politics (1998)

Balibar, Masses Classes Ideas (1994)

Deleuze, Spinoza und das Problem des Ausdrucks in der Philosophie (1993)

Macherey, In a materialist way (1998)

Montag & Stolze (Edit.), The New Spinoza (1997)

Moreau, Spinoza. Versuch über die Anstößigkeit seines Denkens (1994)

Newberger-Goldstein, Betraying Spinoza (2006)

 

[1] Siehe auch: Irvin Yalom, Das Spinoza Problem (2012)

[2] In: Balibar, Masses Classes Ideas (1994)

[3] Hegel, Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie (S. 161)

[4] Jede Bestimmung ist eine Verneinung. (Spinoza an Jelles 1674)

[5] Siehe: Chaitin, Algorithmic information theory (1987) und Wolfram, A New Kind of Science (2002)

[6] Hardt/Negri, Empire (2004) S.123

[7] Freiheit ist nur anderes Wort dafür, dass man nichts mehr zu verlieren hat. (Kris Kristoffersen/Fred Foster, 1969)

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14 Kommentare leave one →
  1. 12. Januar 2017 10:24

    Lieber Jurek, schönen Dank für deinen interessanten Beitrag zur „Ethik“ des jüdischen Außenseiters und Querdenker Spinoza.

    Da sich Spinoza gegen einen personalen Schöpfergott wandte ist er aus atheistischer oder agnostischer Sicht in dieser Frage kaum angreifbar. Auf die Unmöglichkeit eines allmächtigen allwissenden Schöpfergottes komme ich vielleicht später zu sprechen.

    Mit den Begriffen der „materialistischen Metaphysik“ oder „die Eigenschaft Affekte aufzunehmen und abzugeben“ kann ich momentan nicht sehr viel anfangen. Bevor wird dies klären würde mich vor allem interessieren wie in Spinozas „Ethik“ das Verhältnis der Menschen zueinander und ihre Moral definiert wird:

    Für Spinoza sind Menschen ein Teil der Natur und von dieser vollständig determiniert und darum gibt keinen freien Willen. Diese Annahme ist mir bis jetzt unerträglich und mit dem Begriff „vollständig determiniert“ habe ich Probleme. Wenn es so wäre, dann wären Gegenwart und Zukunft vorbestimmt. Der „natürliche“ Egoismus des Menschen kann demnach nie überwunden werden. Beispielsweise die Aufopferung eines Menschen für den Anderen wäre „unnatürlich.“ Der Mensch hat innerhalb dieses Systems keine Verantwortung für sein Tun. Hätte sich Raskolnikov demnach auf Spinoza beziehen können? Meine Frage ist also zusammengefasst, wo ist der kategorische Imperativ bei Spinoza oder gibt es keinen?

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    • 12. Januar 2017 12:26

      Hallo!

      Danke für deine Anmerkung. Die Antwort ist nicht unkompliziert. Beginnen wir zunächst bei „vollständig determiniert“. Es ist wahr, dass Spinoza alle Dinge als von ihrer eigenen Natur vollständig determiniert betrachtet. Man muss das vor dem Hintergrund verstehen, dass im 17. Jahrhundert einerseits die Religion und andrerseits Aberglaube magische Fähigkeiten und übernatürliche Ereignisse noch Bestandteil einer herrschenden Ideologie waren, und der rationalistische Diskurs der Naturwissenschaft sich noch durch gesetzt hatte.
      „Vollständig determiniert“ heißt, dass ich als Mensch nicht außerhalb meiner natürlichen Möglichkeiten handeln kann. Ich kann nicht einfach per Fingerschnipp unsichtbar werden, meine Gestalt verändern, von den Toten auferstehen oder gen Himmel fahren. Auch einen Fuchs kann man nicht durch Erziehung zu einer Gans machen oder Steine dazu bringen die Schwerkraft zu ignorieren. Wenn ich fliegen will, brauch ich adäquate Ideen über die physikalischen Gegebenheiten, ich brauche Modelle wie thermische Strukturen funktionieren und gute Mathematik um zu berechnen, wie viel Kraft ich benötige um mein Gewicht zu überwinden. Determiniert heißt nicht Schicksal, sondern Bewusstsein über eigene Grenzen und die Grenzen der natürlichen Kräfte.
      Der freie Wille, den Spinoza kritisiert ist einer, der sich als Subjekt unabhängig von den natürlichen Grenzen der eigenen Natur wähnt. Seine Idee, dass eine Rede vom freien Willen nur deshalb möglich ist, weil sich Menschen der Ursachen ihres Handelns nicht bewusst sind, steht eben Freud und Nietzsche nahe, nicht dem Voluntarismus Rousseaus.
      Freiheit gibt es nur durch die adäquaten Ideen der Ursache meiner Existenz und meiner Persönlichkeit. Menschen, die krank sind und nicht wissen, was die Ursache ihrer Schmerzen sind, werden durch Magie oder esoterische Heilungspraktiken sehr selten gesünder, sondern meist nur durch Therapien, die sich auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Schulmedizin bewegt. Als unfrei würde Spinoza z.B. Impfgegner bezeichnen oder 9/11 Truther. Und Raskolnikow kann sich deshalb nicht auf Spinoza beziehen, weil einen andern Menschen oder überhaupt ein anderes Lebewesen zu töten mein Vermögen frei und glücklich sein auf jeden Fall senkt. Jeder Streit, in dem negative Affekte wie Hass und Eifersucht und Zorn eine Rolle spielen, machen mein Leben ärmer und schaden meiner Seele. Sie reduzieren meine Fähigkeiten anderen zu vertrauen, und schränken meine Fähigkeit Liebe zu geben ein. Kein Mörder kann glücklich und frei sein.
      Das Vermögen eines Menschen ein gutes Leben zu führen erhöht sich nur mit positiven Affekten, die in einer Sozietät auf Kooperation und Zusammenarbeit beruhen. Raskolnikow ist insofern ein gutes Beispiel, als es um eine Figur geht, die sich als geistig überlegen wähnt und als Subjekt überhöht, weil er die Ursachen seiner Frustration und seines Hasses auf andere nicht klären will oder kann. Er hält sich für frei etwas zu tun, weil er seinen Entschluss über Leben und Tod zu bestimmen als Vorrecht seines Rangs als Subjekt interpretiert. Aber dieses Postulat ist spekulativ und arbiträr und gründet auf keiner adäquaten Idee. Sie ist eine klassische Täuschung des Subjekts, das sich als freien Willen wahrnimmt, ohne die Grenzen und Beschränkungen seiner Persönlichkeit wahrzunehmen. Aber es gibt (bei Spinoza) keine natürliche Überlegenheit eines Dings über das andere. Bloß weil eines stärkere Affekte als das andere entwickeln kann, ist es nicht besser oder schlechter, weil in der Immanenz jedes Ding aus seinen eigenen Ursachen, Strukturen und Logiken betrachtet werden muss. Die einzig korrekte Frage ist: wie funktioniert dieses und wie das und wie kann ich sie miteinander kombinieren um eine Erhöhung der Wirkungen und Affekte zu erreichen?

      Mit Spinoza kann es keine Euthanasie geben, keine menschlichen Rassen und auch keine Geschelchterdifferenz. Gleichheit in einer immanenten Betrachtungswiese fragt nur: sind diese Dinge kommensurabel oder nicht? Und vor allem: wie kann man ihre Fähigkeiten udn Potentiale nutzen, um mir selbst und allen anderen von Vorteil zu sein?

      Die Determinierung durch die Natur, die für Spinoza und das 17. Jahrhundert noch ein Faktum war, ist heute durch Biotechnologie und medizinische Fortschritt nicht mehr so sicher. Das ist ein Unterschied, den man wahrnehmen muss. Cyborrg Technologien, Kryotechniken und transhumanistische Ideen stellen die Natur des Menschen wie wir sie noch kennen in Frage.

      Auf Kant und den kategorischen Imperativ werde ich noch eingehen.

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    • 12. Januar 2017 17:11

      Die Antwort war nicht unkompliziert aber die Antwort hat doch aus meiner Sicht viele Unklarheiten beseitigt und mittlerweile sind mir die „Eigenschaften der Affekte“ auch klar geworden. Jetzt bin ich gespannt auf den „kategorische Imperativ.“

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      • 12. Januar 2017 17:33

        Ich hoffe ich komm bald dazu.

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      • 12. Januar 2017 21:39

        Der kategorische Imperativ beginnt ja mit dem Wort „Handle!“.

        „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

        Das Tätige, das Handelnde ist das was Kant mit Spinoza verbindet. Man ist nicht moralisch, man kann nur moralisch handeln. Dies ist das was bigotte Widerlinge von anständigen Menschen unterscheidet.

        Spinoza sieht es jedoch genau umgekehrt:

        Handle so, dass die allgemeinen Gesetze zu deinem Wollen werden.

        Wille und Leidenschaften, Affekte in denen man ganz wörtlich gesprochen „nicht nachdenkt“ sollen nicht durch Nachdenken ersetzt werden, sondern man soll sich bewusst sein, dass man in den Leidenschaften und im Wollen, die Ursachen nicht ohne weiteres erkennen kann. Adäquate Ideen entstehen dann meist nach der Trennung. Das Erkennen der Abstraktionen, Muster und Gesetze, eben das Entwickeln der adäquaten Ideen muss sich um die wahren Ursachen der Dinge kümmern, die allgemeinen Gesetze wenn man so will erkennen und internalisieren.

        Während bei Kant (und Hegel) eben der tätige Geist als Subjekt zu sich kommt, indem er sein Wollen zu einem allgemeinen Abstrakten macht, das auch für andere gilt, gilt für Spinoza, dass es eben kein Subjekt ist, das die Affekte der Natur auf sich bezieht, sondern dass man immer zum Berg kommen muss, um hinauf steigen zu können.

        Das Ziel der spinozistischen Erkenntnis ist das allgemeine Gesetz und das Ganze intuitiv erfassen zu können, mit wissenschaftlicher Präzision zu fühlen, wie etwas beschaffen ist. Das Kant’sche und Hegel’sche und die ganze Tradition der Philosophie hat mit Gefühlen und Emotionen ja so sein Probleme, Spinoza nicht.

        Emotionalität und Intellektualität sind ein und dasselbe, weil ein Körper mit allen Sinnen und Affekten und eben mit seinem ganzen Körper mit seiner Umwelt interagiert. Ein klassisches Subjekt, das sein Selbstbewusstsein aus seiner intellektuellen Strenge und Präzision bezieht hat zumeist Probleme wenn er (oder sie) sich plötzlich verliebt oder nicht mit seinen/ihren Kindern zu recht kommt oder auch mit seiner/ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert wird.

        Spinoza denkt den Menschen nicht als Subjekt, sondern als Vielheit unter Vielheiten, als Singularität, die ihrerseits wieder in Singularitäten zerfällt.

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    • 12. Januar 2017 20:52

      Lieber Manfred!

      Mir ist beim neuerlichen Durchlesen noch etwas anderes aufgefallen. Ich bin ja im früheren Leben ein Althusserianer gewesen. Die Beschäftigung mit Spinoza kam durch die raren und interessanten Bemerkungen Althussers über den Einfluß des Holländers, die er außerdem immer wieder verbergen musste (oder wollte), weil sie nicht konform gingen mit der marxistischen Orthodoxie. Spinoza galt als großer Philosoph im Marxismus, Marx selbst meinte ja: „Nominalismus ist der Königsweg zum Materialismus.“, wobei er mit Nominalismus die „Ethik“ meint. Nominalismus, eine Erfindung der schloastischen Theologie und z.B. von Duns Scotus (1266-1308) vertreten besagt kurz, dass Sprache und Wirklichkeit nicht identisch sind. Wörter bezeichnen die Dinge, sie sind sie nicht.
      Spinoza und Leibnitz stehen in dieser Tradition. Und Adorno, natürlich, der zwar eher Hegelianer war, aber mit seinen Bemerkungen zur „Nichtidentität“ genau dieses Problem bearbeitete.

      Jedenfalls wurden Spinoza und Sartre übrigens von der sowjetischen Philosophie als „solipsistisch“ bezeichnet, weil sie beide nur um sich selbst kreisen würden und die Arbeiter nicht zur Revolution führen würden, mit ihrem Hirngewichse.

      Althusser übernahm von Spinoza dessen anti-teleologischen Spin und kritisierte als einziger Marxist überhaupt auf der Grundlage des Marxismus selbst den Stalinismus, indem er immer von Hegel sprach, wenn er Stalin meinte. Der größte Einfluss, den Althusser heute hat ist seine Ideologietheorie“, die mit den Begriffen „ideologischer Staatsapparat“ Furore gemacht hat.
      Seine Idee, dass Ideologie materiell ist und notwendigerweise falsches Bewusstsein kommt aus Spinozas Idee, dass Menschen nicht frei sind, wenn sie nicht über die Ursachen ihrer Wünsche und Emotionen Bescheid wissen. Ideologie, wie der Begriff von den Linken gelesen worden ist, ist ein gigantischer Zerrspiegel, in dem jede authentische Realität an der falschen Repräsentation zerschellt. Den Ideologiebegriff zu Ende gedacht würde Freiheit genau das sein, was du in deinem Post als „unerträglich“ bezeichnet hast. Die völlige Determiniertheit der Person durch ein allumfassendes Framework an Machtbeziehungen, in der alles Täuschung, Lüge und Selbstbetrug ist, erscheint tatsächlich unerfreulich.

      Ich glaube ich habe das zuerst nicht richtig verstanden, bin mir aber jetzt sicher. Jedenfalls verwendet Althusser in seinem Ideologie Aufsatz niemals den Begriff der adäquaten Idee, der nach Spinoza einen Ausweg aus der Täuschung bietet. Interessanterweise hat Althusser auch keinen äquivalenten Begriff dafür, um eine Perspektive anzubieten, wie der Schleier der Ideologie überhaupt abgeworfen werden kann. Diese einseitige Sicht auf die Welt der Affekte und Körper, zusammen gehalten durch ein ideologisches Netzwerk der selbst gemachten Täuschung hat großen Einfluss auf Postmoderne und Political Correctness gehabt. Der Grund warum Althusser nur die negative Version der spinozistsichen Lehre übernahm, hat wohl damit zu tun, dass es im Zeitalter der 68er die allumfassende Macht des Kapitalismus heraus zu heben galt und adäquate Ideen scheinen da nicht brauchbar gewesen zu sein. Vierzig Jahre später sieht man die Folgen.

      Jedenfalls bietet Spinoza mit dem naturwissenschaftlich begründbaren adäquaten Ideen ein Modell mit dem die Ideologie wie sie Althusser beschrieb kein allmächtiges Netzwerk ist, oder was Foucault „Macht“ genannt hat, oder auch „Bio-Macht“, ideologische Formationen der materiellen Herrschaft. Der Monismus Spinoza schimmert bei allen durch.

      Es ging mir letztlich so wie vielen anderen: über Althusser (oder auch Deleuze) kam ich zu Spinoza und blieb dort.

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      • 13. Januar 2017 17:45

        Mit Louis Althusser habe ich mich noch überhaupt nicht beschäftigt. Mit seinem Schüler Bernard-Henri Lévy dagegen schon. Lévy gilt ja als eine Art rechter Sartre. Sein berühmtes „Manifest der 12“ richtet sich gegen den Islamismus unserer Zeit.

        Auf jeden Fall sind deine Ausführungen sehr interessant. Ein paar Fragen habe ich noch. Demnächst werde ich sie stellen.

        Beste Grüße

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        • 13. Januar 2017 17:59

          Henry Levy hat Vorlesungen von Althusser besucht, aber ein Schüler war er nicht. Dazu ist er wohl auch zu selbst bewusst.
          Ich mag ihn natürlich, vor allem fand ich sein Buch über Daniel Pearl sehr interessant. Seine öffentliche Auseinandersetzung mit Slavoj Zizek war sehr aufschlussreich.

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        • 13. Januar 2017 20:51

          Ich habe zwar schon längst aufgehört mich mit Marxismus auseinander zu setzen, aber Althusser ist eine Ausnahme. Er war ein hervorragend ausgebildeter Philosoph mit einem unerhört scharfen Verstand. ich persönlich halte ihn tatsächlich für den größten marxistischen Denker des 20. Jahrhunderts, weil man bei ihm lernen kann, immanent zu denken. Seine Stollen ins marxistische Bergwerk berühren fast alle Punkte, die so im Marxismus und dem realen Sozialismus schief gelaufen sind, vor allem wenn man an philosophischer Grundlagenkritik interessiert ist.
          In den 60ern war sein größter innerparteilicher Gegner übrigens Roger Garaudy, der spätere Holocaustleugner. Auch das hat mich immer fasziniert. Althusser verdächtige den Humanismus Garaudys ein primitiver Essentialismus zu sein, der sich nicht über die Konsequenzen klar ist, wenn er Begriffe zu nichts andrem als für politische Rhetorik verwendet.

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        • 14. Januar 2017 10:39

          Die Biographie von Roger Garaudy ist wahrlich bezeichnend. Mit seinem Gut-Böse-Humanismus schaffte es der ehemalige Kommunist Garaudy problemlos erst sich zum bekennenden Christen zu entwickeln um dann zum Islam (Gläubige/Ungläubige) überzutreten. Seine „Israelkritik“ und seine Leugnung des Holocaust passen dann auch wie die Faust aufs Auge.

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      • 14. Januar 2017 11:33

        In der Dialektik der Aufklärung (Begriff der Aufklärung) bezieht sich Adorno auf Spinoza: „Das mythische Grauen der Aufklärung gilt dem Mythos. Sie gewahrt ihn nicht bloß in unaufgehellten Begriffen und Worten, wie die semantische Sprachkritik wähnt, sondern in jeglicher menschlichen Äußerung, wofern sie keine Stelle im Zweckzusammenhang jener Selbsterhaltung hat. Der Satz des Spinoza »Conatus sese conservandi primum et unicum virtutis est fundamentum« enthält die wahre Maxime aller westlichen Zivilisation, in der die religiösen und philosophischen Differenzen des Bürgertums zur Ruhe kommen. Das Selbst, das nach der methodischen Ausmerzung aller natürlichen Spuren als mythologischer weder Körper noch Blut noch Seele und sogar natürliches Ich mehr sein sollte, bildete zum transzendentalen oder logischen Subjekt sublimiert den Bezugspunkt der Vernunft, der gesetzgebenden Instanz des Handelns. Wer unmittelbar, ohne rationale Beziehung auf Selbsterhaltung dem Leben sich überläßt, fällt nach dem Urteil von Aufklärung wie Protestantismus ins Vorgeschichtliche zurück. Der Trieb als solcher sei mythisch wie der Aberglaube; dem Gott dienen, den das Selbst nicht postuliert, irrsinnig wie die Trunksucht. Beiden hat der Fortschritt dasselbe Schicksal bereitet: der Anbetung und dem Versinken ins unmittelbar natürliche Sein; er hat den Selbstvergessenen des Gedankens wie den der Lust mit Fluch belegt. Vermittelt durchs Prinzip des Selbst ist die gesellschaftliche Arbeit jedes Einzelnen in der bürgerlichen Wirtschaft; sie soll den einen das vermehrte Kapital, den anderen die Kraft zur Mehrarbeit zurückgeben.“

        Das Streben nach Selbsterhaltung ist also nach Spinoza und Adorno die höchste und einzige (?) Tugend.Für bestimmte Ideologen könnte dieses Streben als egoistischer Individualismus interpretiert werden. Doch es ist in erster Linie vernünftig. „Selbst und Selbsterhaltung sind identisch.“ Der Mensch ist ein Vernunftwessen, abgesehen vom Selbstmordattentäter, der vor seiner Fahrt ins Paradies mit den 72 Jungfrauen ausruft, ihr liebt das Leben wir lieben den Tod.

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  2. 18. Januar 2017 11:32

    Heute kommt eine Dokumentation über Althusser um 21.50 Uhr in arte. Die Doku dauert eine Stunde, sie ist bereits online und ist noch eine Woche verfügbar:

    http://www.arte.tv/guide/de/060806-000-A/wer-also-war-althusser

    Louis Althussers intellektuelles Abenteuer begann in den späten 50er Jahren mit der Veröffentlichung des Chruschtschow-Berichts. Die Kommunisten sahen darin eine Herausforderung; Althusser machte sich an die Arbeit. Mit seinen Thesen zur Erneuerung des Marxismus weckte er das Interesse seiner Studenten. Seine Überzeugungen sollten die zeitgenössische Philosophie prägen.

    Am 16. November 1980 erwürgte Louis Althusser seine Frau Hélène Rytmann in ihrer gemeinsamen Wohnung in der Rue d’Ulm in Paris. Sein Schweigen nach diesem schrecklichen Verbrechen und sein Tod wenig später hätten ihn mitsamt einer Ära, die nach dem Mauerfall ohnehin abgeschlossen schien, endgültig in Vergessenheit geraten lassen können. Doch heute, im Zeitalter des globalisierten Kapitalismus, findet der Marxismus von Althusser und seinen Schülern jenes Gehör, das ihm von den individualistischen Nach-68ern und den triumphierenden Neo-Liberalen der 80er nie zuteilwurde.

    Die Geschichte von Louis Althusser ist die Geschichte einer Philosophie, die eine ganze Generation von Intellektuellen prägte. Die wenigen Werke zu Marx, Montesquieu und Machiavelli, die er allein oder mit seinen Schülern verfasste, machten ihn neben Lacan, Foucault und Barthes zu einem der wichtigsten Denker der 60er Jahre.

    Auch die lange nur in Eingeweihtenkreisen bekannten Schriften seiner Schüler – darunter Alain Badiou, Jacques Alain Milner, Etienne Balibar und Jacques Rancière – finden heute ein breiteres und jüngeres Publikum.

    Der Film schildert Leben und Werk des Philosophen anhand der Berichte seiner Schüler. Diese machen deutlich, dass Louis Althusser Philosophie als einen Kampf ansah, den sie in ihren Schriften und ihrer philosophischen Praxis weiterführen. Denn jenseits ihres offensichtlichen „Theoretizismus“ war „Die Lektion Althussers“ vor allem eine Aufforderung zum Selberdenken.

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    • 18. Januar 2017 13:13

      Vielen Dank für den Hinweis!

      Ich werd mir die Doku anschauen.Allerdings möchte ich anfügen, dass Alain Badiou zwar ein Teil des Kreises um, aber eigentlich kein Schüler von Althusser gewesen ist. Badiou ist mehr an Heidegger und Lacan interessiert und betreibt in seinen lächerlichen Kommunismus Dramoletten eine Apologie des Stalinismus. Ich fand sein Buch über Paulus sehr interessant, aber einige seine philosophischen Ansätze sind schlicht antisemitisch.

      „Nach Meinung Badious wird die Bezeichnung „Jude“ im politischen Gebrauch sakralisiert. Dabei spielt die Opfer-Ideologie eine entscheidende Rolle. Der Holocaust als unvergleichliches, einzigartiges Ereignis wird zur Begründung einer Ausnahmestellung.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Alain_Badiou

      Jaques Ranciere hingegen war ein Schüler Althussers, der sich bereits Mitte der 70er von ihm distanzierte und in seiner Philosophie eine Rekonstruktion antiker griechischer Ideen und Begriffe betreibt, die wahnsinnig interessant, z.B. „Das Unvernehmen“. In meinen Augen ist Ranciere ein linker Philosoph, der sich vom Marxismus auf eine Art und Weise emanzipiert hat, die für mich vorbildhaft ist.

      https://www.perlentaucher.de/buch/jacques-ranciere/das-unvernehmen.html

      Gefällt 1 Person

    • 21. Januar 2017 22:48

      Ich habe sie mir angesehen, die Doku und Althussers Aufforderung zum Selberdenken. Interessant waren auch die vielen Zusammenhänge von Régis Debray, Fidel Castro über Monika Ertl bis zu Sartre. So kommt eins zum anderen.

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