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Eine ungehörige Analogie

25. Juli 2019

Am 2. Juni 2019 wurde vor seinem Wohnhaus der Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel Walter Lübcke von einem Rechtsextremisten durch einen Kopfschuss aus nächster Nähe ermordet. Der Rechtsextremist Stephan Ernst widerrief zwar sein Geständnis, aber alle Indizien sprechen für seine Täterschaft.

Man darf nun gespannt sein wann endlich der SPD Politiker Heiko Maas der AfD einen Solidaritätsbesuch abstatten wird, wann Lamya Kaddor oder andere Medienprofis verkünden werden, dass der Mord nichts mit einem rechten Weltbild zu tun haben kann, denn rechte Ideologie ist schließlich rechtsstaatlich, wann die Zeitschrift Konkret die Tat mit den schwierigen und unwürdigen sozialen Verhältnissen der Kameraden in Kassel, in einer Welt in der ein Prozent der Menschheit, darunter der „reiche Jude“ Bernard-Henri Lévy, „so viel Vermögen angehäuft haben wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen“, entschuldigt und wann die Kirchen, Gesine Schwan oder die Grünen verkünden werden, nicht alle Rechtsextremisten sind Mörder und Terroristen. Statements dieser Art sind längst überfällig.  Sind denn alle Experten schon in der Sommerpause?

Solcherlei Erwartungen rufen erwartungsgemäß fassungslose und wütende Reaktionen bei entsprechend gepolten Personen hervor. Für die einen ist man deshalb ein „Idiot“, und andere reklamieren für sich, dass niemand bei den Attentaten von Christchurch oder auf der Insel Utoya von westlichen oder christlichen Anschlägen spräche und eine Moschee zu besuchen sei „genauso wenig eine Verteidigung islamistischer Massenmorde.“

Die Anschläge von Christchurch oder auf der Insel Utoya verübten Rechtsextremisten und Heiko Maas besuchte nicht nur eine Moschee, er sprach die islamische Ideologie von jeder Schuld frei, er lobte, bestenfalls aus Ahnungslosigkeit, die Erklärung von Religionsvertretern, Religion hat mit Terror nichts zu tun: „Bibel, Thora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.“

Nach so gut wie jedem islamischen Terroranschlag meinte auch die „Islamwissenschaftlerin“ Lamya Kaddor, das habe nichts mit dem Islam zu tun und wer sich im Februar 2015 in der linken Monatszeitschrift Konkret Solidarität mit den Opfern des islamischen Terrors von Paris erhoffte, hoffte vergebens. Im Gegenteil, die „soziale Frage“ wurde in den Mittelpunkt gestellt und dafür wurde sogar der „reiche Jude“ Bernard-Henri Lévy benötigt. So wurde in Konkret Lévys Artikel in der FAZ kritisiert, in dem dieser fordert, „ein für alle Mal mit dem beschwichtigenden Gerede aufzuhören, das uns so lange schon die nützlichen Idioten eines in die Soziologie des Elends und der Verzweiflung auflösbaren Islamismus vortragen.“ Konkret Herausgeber Gremliza schrieb dazu: „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen, 92 Milliardäre mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einen Meisterdenker kann das nicht erschüttern. Er zählt zur anderen Hälfte, wenn nicht zu dem einen Prozent.“

Selbstverständlich wird auch zukünftig niemand aus Politik oder Massenmedien nach dem nächsten Mord mit rechtem Hintergrund auf die schwierigen sozialen Verhältnisse von Rechtsextremisten verweisen oder feststellen, dass nicht alle Rechtsextremisten Mörder und Terroristen seien und selbstverständlich wird es sich beim nächsten islamischen Terroranschlag  genau andersherum verhalten.  „Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus.“ Nein, er wird sagen: „Ich bin der Antifaschismus“, dieser Satz wird Ignazio Silone zugeschrieben. Silone trifft die aktuelle Misere fast, aber nicht perfekt, für faschistoide Zeitgenossen, die ideologisch motivierte Morde ignorieren, entschuldigen, verharmlosen oder gar rechtfertigen gilt der Satz von Bertolt Brecht: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“.

20 Kommentare leave one →
  1. 25. Juli 2019 17:41

    Der Islam ist antikapitalistisch und antiwestlich, autoritär und totalitär, er ist der andere Faschismus und der fasziniert von links bis rechts. Der Schoß ist fruchtbar noch, leider.

    Gefällt 7 Personen

  2. AddiB permalink
    25. Juli 2019 18:49

    Ein ungehöriger Artikel!
    Hermann Gremliza ist manchmal etwas schwierig zu verstehen, dass ausgerechnet du damit ein Problem haben könntest, will ich nicht so recht glauben.
    Was also treibt dich dazu, Gremliza zu unterstellen, er entschuldige den Terroranschlag in Paris mit den sozialen Verhältnissen der Terroristen?
    Dummes Zeugs. Gremliza setzt sich mit dem schwatzhaften Bernard-Henri Lévy auseinander, der in der FAZ weismachen wollte, der Schwachsinn Religion habe nichts mit dem Irrsinn der gesellschaftlichen Verhältnisse zu tun. Das aber ist eine andere Diskussion.

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    • 25. Juli 2019 20:26

      Ich habe Konkret über 30 Jahre abonniert und denke schon dass ich ihn in seiner 2/2015-Kolumne verstanden habe. Wegen dieser Kolumne habe ich letztlich Konkret gekündigt. Geärgert habe ich mich freilich schon früher öfters, wobei ich die unterschiedlichen Positionen bis zu einem gewissen Grad auch mochte. Die letzten Jahre wurde es allerdings für mich immer unerträglicher. Das was alles nicht in Konkret stand war ohnehin das Hauptproblem, die radikalislamischen Anschläge nach 9/11 wurden meist überhaupt nicht thematisiert und was Gremliza zu 9/11 schrieb war sowieso grenzwertig, war schon Terror-Verharmlosung.

      Ich stehe seit Jahren mit dem Konkret Autor Detlef zum Winkel in einem losem freundschaftlichen Email-Kontakt. Ich möchte hier nicht unseren Mailverkehr öffentlich machen, aber es ist bekannt dass Detlef zum Winkel wegen dieser Kolumne Konkret verließ, er schrieb in der Jungle World folgende Replik:

      FUßNOTEN ZU GREMLIZA

      Die Titelseite der Februarausgabe von „Konkret“ annonciert das Thema „Ich bin Karl – Die verlogene Solidarität mit ‚Charlie Hebdo’“. Um zu unterscheiden, welche Art von Solidarität verlogen ist und welche aufrichtig, wäre es gut, wenn Konkret selber Solidarität üben würde. Danach suche ich vergebens. Gewiss – Tjark Kunstreich empört sich über die Morde von Paris, beschäftigt sich aber nicht mit den Opfern, sondern mit dem Schriftsteller Michel Houellebecq. Bei Hermann L. Gremliza finde ich väterliches Verständnis für Wutgefühle über die Täter und diejenigen, die er kurios als deren „ganze klammheimliche Mischpoche“ bezeichnet. Sein Aber folgt umgehend. Wer sich aus diesem Affekt die Welt erklären wolle, habe kein Hirn im Kopf.

      Ich gehöre zu denen, die anscheinend so bescheuert sind. Die Jihadisten mochte ich schon vorher nicht. Trotzdem ändert sich etwas, wenn KollegInnen neben einem erschossen werden. Wenn man zehn Tomayers auf einen Schlag verliert. Wenn obendrein noch Menschen, die mit „Charlie Hebdo“ zu tun hatten, und Menschen, die damit überhaupt nichts zu tun hatten, sondern zufällig am anderen Ende der Stadt in einem jüdischen Geschäft einkauften, umgebracht werden.
      Terroristische Taten enthalten eine Botschaft. Sie lautet in diesem Fall: euch linkes, jüdisches, antiautoritäres, libertinäres, gottloses Pack, das nichts anderes umtreibt als zu beleidigen, was anderen heilig ist, euch Schmutzfinken, Zeichner und Schreiberlinge haben wir auf der Liste.
      Das ist in Frankreich angekommen. Bei „Konkret“ anscheinend nicht: weder die Botschaft der Terroristen noch die Antwort unglaublich vieler Menschen, die in nahezu jeder französischen Gemeinde für ein Satiremagazin, für ein paar unbekannte Supermarkt-Kunden und Polizisten auf die Straße gegangen sind. Daran ist nichts verlogen, und es ist auch viel wichtiger als die Motivation von vierzig Staatschefs, die sich am 11. Januar in Paris an die Spitze setzen.
      Beim Anblick der politischen Prominenz auf der Straße muss der Blutdruck nicht gleich in die Höhe schnellen. Wem hätte es gedient, wenn Hollande und Merkel zu Hause geblieben wären? Wünschen wir keinen israelischen Ministerpräsidenten auf einer Kundgebung, die endlich ein größeres Zeichen gegen antisemitischen Terror in Europa setzt? Doch, der gehört dahin und er gehört in die erste Reihe, ganz gleich wie sein Name lautet. Obama wird vorgehalten, dass er nicht angereist ist. Wäre er gekommen, würde man ihn deswegen angreifen. Das ist nur Gezänk im Politbetrieb.

      Hermann L. Gremlizas Anliegen ist es, sich mit einem Artikel von Bernard-Henri Lévy auseinanderzusetzen, der ihm das Schlimmste scheint, was in jenen Tagen geschrieben wurde.
      Das Beiwerk der Kritik sticht ins Auge: „Terror und gestärkte Hemden“, „das französische Hemdenmodel“ und die Vermutung, Lévy gehöre zu dem einen Prozent der Weltbevölkerung, das so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99% zusammen.

      Das ist populistischer Sozialkitsch, mit heftigen Ressentiments aufgeladen. Der Text ist reichlich mit Kalauern bestückt. Mich stört nicht der Humor der norddeutschen Tiefebene (pauvreté – Powerteh). Mich irritiert allerdings der markige Ton des Vortrags, der Rückfall in einen Proletkult.
      Muss man eine Pointe an den Haaren herbeiziehen (obscure – obscurantisme)? John Kerry, den Gremliza am Ende zitiert, gebrauchte in Paris die Formulierung „lutte contre l’obscurantisme“, weil er Bushs Parole vom war on terror vermeiden wollte. Das ist auch, von Gremliza unerwähnt, Thema des inkriminierten Artikels von Lévy, der davor warnt, dass Frankreich in die „Fallen tappt, in die sich die Vereinigten Staaten nach dem 11. September verirrten.“

      Vom reichsten Prozent der Weltbevölkerung bin ich durchaus Schlimmeres gewohnt. Obskurantismus meint das Gegenteil von Aufklärung. Hermann L. Gremliza verdreht das zu einer Kampfansage an Finsterlinge, also an die dunkle Haut. Mir gefällt das nicht.
      Zum Skandal wird es, wenn Gremliza die Figur des reichen Juden bemüht, um seine Abneigung gegen die „Je suis Charlie“-Solidarität zu begründen.

      Diese Konstruktion fällt hinter alles zurück, weshalb und wozu ich in den letzten 30 Jahren in „Konkret“ geschrieben habe. Sehen Kritiken jetzt so aus? Religion, so möchte uns Gremliza in matter Anlehnung an Marx („Opium des Volkes“) mitteilen, komme von der Armut. Sie diene den Menschen dazu, Verzweiflung und Perspektivlosigkeit mit Glauben und Heilserwartungen zu betäuben.

      Religöser Fanatismus und religiös begründeter Terrorismus seien die zwangsläufige Antwort auf Gewalt, Krieg und Folter, mit denen das reiche und besitzenden Prozent den Rest der Menschheit niederhält und ausbeutet.

      Nur eine gerechtere Verteilung des Reichtums und eine Anhebung des Lebensstandards für eine Milliarde Menschen könne an der Spirale von immer schlimmeren Anschlägen und noch mehr brutaler Gegengewalt etwas ändern. Dann würde auch der Einfluß der Religionen nachlassen.
      Ich bin dafür und vermute, dass auch Lévy es unterschreiben würde. Das macht die Analyse nicht besser. Lévy behauptet, die neue Zwei-Welten-Theorie mit ihrem zeitlosen Schema von Arm und Reich, Gut und Böse, Gläubig und Ungläubig, Rest-der-Welt gegen USA-EU, sei falsch. Das beantwortet man nicht mit Spekulationen über seinen Kontostand. Womöglich hat er nämlich recht.
      Religion kommt nicht von Armut allgemein, sondern sie gehört zu bestimmten Formen der Armut in bestimmten Formen von Klassengesellschaften. Andernfalls könnten wir alle Aussichten auf irgendeinen Sozialismus oder Kommunismus beerdigen, gewissermaßen gleich mit „Charlie Hebdo“ (oder sie könnten nur noch über den Umweg einer Scharia zum Zuge kommen!). Im übrigen zeugt es von paternalistischer Herablassung, dem Bettler zu unterstellen, Religion liege ihm mehr als Pressefreiheit. Bettler haben an der französischen Revolution teilgenommen. Ich romantisiere das nicht, wende mich nur dagegen, dass es vergessen wird. Der erste bekannt gewordene Bettlerphilosoph sagte: „Das Beste auf der Welt ist die Redefreiheit.“ Aber das war ja nur Diogenes, den muss man nicht ernst nehmen.

      Die zwei großen Weltreligionen bilden in ihrer geläufigen Ausprägung die feudalen Produktionsverhältnisse ab (für die jüdische Religion gilt Anderes. Welche jüdische Feudalgesellschaft hätte sie legitimieren sollen?). Damit sage ich nichts Neues. Aber spätestens die Zäsur von Paris zwingt uns, diese alte Klamotte nochmal anzusehen und uns zu fragen, warum wir sie für alt halten. Warum überholt? Hier stimmt etwas nicht – abgesehen davon, dass generell etwas mehr Bescheidenheit bei der Welterklärung angebracht ist. Denn die Frage hätte man sich schon nach 9/11 stellen können. Wir reden nun schon so lange über Religion. Wir sollten auch mal über den Unterbau reden.

      Viele Zeitgenossen möchten den Feudalismus auf unserer westlichen Zeitachse ein paar Jahrhunderte zurücksetzen. Das verleitet dazu, seine Lebensfähigkeit und vor allem seine Macht zu unterschätzen. Der Feudalismus ist jetzt-und-hier. Ähnlich wie das Kapitel des Nationalsozialismus am 8. Mai 1945 nicht zugeschlagen wurde und das Kapitel des Kapitalismus nicht mit der Oktoberrevolution, war der Feudalismus mit der bürgerlich-demokratischen Revolution nicht erledigt. Er hat ungezählte Male (wir hielten es nicht einmal für nötig, sie zu zählen) zurückgeschlagen, jetzt auch an ihrem ureigensten Ort.

      Deshalb ist es angemessen und aus der Sicht der französischen Kultur ein fast schon genuiner Reflex, dass die Französinnen und Franzosen mit den Parolen von 1789 geantwortet haben.
      Im Übrigen waren es auch die größten Demonstrationen von Menschen verschiedener Hautfarbe sowie religiöser und nicht-religiöser Zugehörigkeiten, die es je in Europa gegeben hat. Danach hat dort niemand gefragt. Paris ist das Gegenmodell zu Dresden.

      Allenfalls geographisch plausibel ist der Pfeil auf Gremlizas Weltkarte, der den Terrorismus mit der Armut verknüpft. Politisch führt das genauso in die Irre wie die Behauptung, Nazis seien bei armen Leuten besonders erfolgreich. Die Realität ist viel einfacher und brutaler: auf die Ermordung von Charb, dem ehemaligen Chefredakteur von „Charlie Hebdo“, war eine Prämie von 100.000 $ ausgesetzt.

      So ist es mit Menschen, die auf einer Fatwa stehen; ein sattes Kopfgeld gehört dazu. Die heutigen Terroristen sind Auftragnehmer. Ihre Auftraggeber verfügen über Fonds, die sie mit Zuwendungen aus dem Netz einiger islamistischer Spendenvereine füllen. Das hat viel mit den Macht- und Verteilungskämpfen in und zwischen den feudalen Ländern zu tun, aber nichts mit einer pervertierten Revolte gegen unerträgliche Armut in der Welt oder in den Banlieues von Paris.

      Alles Lüge? Macht euch nochmal Gedanken. Übt euch in Solidarität, es ist nicht zu spät. Schreibt den Überlebenden von Charlie Hebdo einen Brief, geht der Frage nach, warum die aktuelle Ausgabe des Heftes hierzulande kaum zu kriegen ist und warum sie, wenn doch, nur unter dem Ladentisch verkauft wird, obwohl angeblich 300.000 Stück nach Deutschland gingen. Fragt euch, warum deutschen Linken ein paar Selbstverständlichkeiten so unglaublich schwer fallen. Fangen wir damit an dazuzulernen. „Mach meinen Kumpel nicht an“ bedeutet auch: Knall meinen Kumpel nicht ab.

      Gefällt 4 Personen

    • 25. Juli 2019 21:07

      Die „Fußnoten zu Gremliza“ finde ich in großen Teilen nachvollziehbar, lege so etwas unter „Ärgern über Konkret“ ab und finde es sehr schade, dass m. E. Detlef zum Winkel überreagiert hat. Zorn und Inhalt sind der damals aktuellen Situation geschuldet.
      Du aber diffamierst fast fünf Jahre später in einem Artikel, der mit dem Schlusssatz endet „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ Gremliza als antisemitischen Schreibtischhelfer der Faschisten. Ohne dass dem Leser, der nicht seit 30 Jahren Konkret abbonniert hat, der Kontext erkennbar ist.
      Dass sowas nicht geht, hat auch mit Solidarität zu tun.

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      • 25. Juli 2019 21:35

        So sympathisch dein Einwand ist, ich bleibe dabei, die Gremliza-Kolumne von 2/2015 ist zumindest faschistoid, wenn nicht faschistisch! Gremliza hat bei mir (und nicht nur bei mir) damit eine rote Linie überschritten. Spätestens seit Januar 2015 hat sich Konkret zu einem primitiven antiimperialistischen Blatt zurückentwickelt. Es ist faschistisch die Attentäter von Paris als Opfer des Kapitalismus darzustellen, den Terror als Gegengewalt zu relativieren oder zu entschuldigen und die islamische Ideologie nicht zu thematisieren . „Und so wird es immer weiter gehen: Der Überwachung folgt schärfere Überwachung, der Folter tödliche Folter, der rücksichtslosen Abschiebung brutalere, den Kriegen mehr Kriege. Und also wird es mehr und schlimmere Anschläge geben …“

        Wenn Gremliza seine fehlende Solidarität mit den Opfern von Paris auch noch mit einem reichen Juden garniert ( „Und wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt von irgendwo das französische Herrenmodel Bernard-Henri Levy daher …“) belegt er meiner Meinung eindrucksvoll wohin seine Reise geht. Tut mir leid, so enttäuschend es auch ist, das ist reaktionär und faschistisch und damit zerstört Gremliza sein Lebenswerk. Einige Autoren, wie auch Rainer Trampert oder Detlef zum Winkel haben sich nicht umsonst von Konkret abgewandt.

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      • 27. Juli 2019 10:23

        Das verstehe ich gut. Ich war auch erschrocken als ich im Februar 2015 Konkret las. Im Januar 2015 ermordeten islamische Gotteskrieger in Paris (wie es im Koran den Gläubigen befohlen wird) vier Juden weil sie Juden waren und elf Islamkritiker weil sie Ungläubige waren, die noch dazu die den Propheten beleidigten. Wann wenn nicht dann wäre es an der Zeit gewesen den Islam als das zu kritisieren was er ist, eine faschistische Ideologie. Gremliza tat das nicht, er sah die Ursache der Taten in der Widersprüchlichkeit des Kapitalismus, so argumentierten Kommunisten auch nach dem 2. Weltkrieg, Paul Merker war damals die rühmliche Ausnahme. Bis zum Februar 2015 dachte ich Gremliza spiele in der Liga mit Merker. Seine Kolumne bewies das Gegenteil, siehe hier:

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        • AddiB permalink
          29. Juli 2019 14:58

          Danke, es reicht mir.
          Ich hatte in Reaktion auf deine unsäglich dumme Unterstellung „Man darf nun gespannt sein …wann die Zeitschrift Konkret die Tat mit den schwierigen und unwürdigen sozialen Verhältnissen der Kameraden in Kassel, in einer Welt in der ein Prozent der Menschheit, darunter der „reiche Jude“ Bernard-Henri Lévy, „so viel Vermögen angehäuft haben wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen“, entschuldigt“ gefragt, was dich dazu treibt.
          Das glaube ich jetzt zu wissen, kann ich nicht weiter drauf eingehen, es fehlt mir auf dem Feld der Psychopathologie die Kompetenz. Molnar und andere Schwätzer bestätigen meine Vermutung, helfen aber auch nicht weiter.

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        • 29. Juli 2019 15:55

          Wie schon erwähnt, das war keine Unterstellung. Der ironisch gemeinte Satz „Man darf nun gespannt sein …wann die Zeitschrift Konkret die Tat mit den schwierigen und unwürdigen sozialen Verhältnissen der Kameraden in Kassel … entschuldigt“ belegt nur wie daneben die Kolumne von 2/2015 war.

          Was sagst du denn zu den islamischen Terroranschlägen? Haben die was mit dem Islam zu tun oder doch mehr mit den Widersprüchen des Kapitalismus? Für die Beantwortung dieser einfachen Frage muss man nichts über Psychopathologie wissen. So richtig konkret bist du in deinen Kommentaren nicht geworden. Jetzt ist deine Chance da. Nutz sie einfach mal!

          Gefällt 1 Person

      • 30. Juli 2019 17:26

        „Molnar und andere Schwätzer bestätigen meine Vermutung…“

        Anti-Kapitalismus ist eine Religion heute, deren Gläubige sich wie die meisten Religiösen von der Konkurrenz darauf spezialisiert haben, ihre Phantasien für Realität zu halten.

        Gefällt 1 Person

    • 29. Juli 2019 11:51

      „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen,…“

      Und so weiter. Das ganze an den „Reichtümer anhäufenden“ Milliardären abzuarbeiten ist schon einmal Bullshit.

      Das Problem, das Gremliza und so viele andre Linke haben ist sehr einfach: kapitalistische Globalisierung hat bereits so viel Armut beseitigt und so viele Menschen aus elenden Verhältnissen befreit, dass das Bullshit Ressentiment Gelaber über die „Reichen“ bereits so sehr nach verfaulten antisemitischen Stereotypen riecht, dass ihm das selbst bereits einmal aufgefallen sein müßte. Aber das tut es nicht.
      Gremliza ist natürlich kein Antisemit, sondern ein alter Trottel, der von seinen „Die Reichen sidn böse“ und „Die Armut ist an allem schudl“ genau so wenig weg kommt,wie ein Junkie vom Heroin.

      Das Gerede von der Schere zwischen Arm und Reich und die Beschwerden über die vielen Milliardäre (die meisten im kommunistischen China übrigens) sind Bullshit. Einfach nur Ressentiment geladener Schwachsinn von Linken, die ihren stalinistischen Mordphantasien niemals Goodbye gesagt haben.

      Gefällt 3 Personen

      • 29. Juli 2019 15:49

        Konkret entwickelt sich seit rund 5 Jahren wieder zurück in Richtung antiimperialistisches Blatt. Die guten Jahre hat Konkret also hinter sich. Gremliza war mal einer der ganz großen Intellektuellen, mit Witz und scharfer Analyse. Viele gute Autoren wie Rainer Trampert, Detlef zum Winkel oder Stefan Frank gibt’s in Konkret nicht mehr zu lesen. Charly Hebdo ist tot und der Islam-Versteher Kay Sokolowsy hat gewonnen. Ein Pyrrhussieg.

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  3. 25. Juli 2019 19:23

    Über Frau Kaddor habe ich nun schenkelklopfend bei Stefan Frank gelesen:

    Die Karriere der ehemaligen Hauptschullehrerin Lamya Kaddor ist eng mit dem Aufstieg des Islamischen Staates im Irak und in Syrien verbunden. An der Glückauf-Schule in Dinslaken-Lohberg unterrichtete sie Islamkunde in deutscher Sprache. Als im Klassenzimmer immer mehr Stühle leer blieben, weil ihre Schüler nach Syrien gereist waren, kam sie ins Grübeln. Die fünf IS-Terroristen, die Lamya Kaddor persönlich kannte, hatten nur eine Gemeinsamkeit: Sie alle hatten den Islamunterricht von Lamya Kaddor besucht, als sie beschlossen, in den Dschihad zu ziehen. Das, so folgerte Kaddor, konnte nur eines bedeuten: Die Gesellschaft mit ihrer Islamfeindlichkeit ist schuld.

    Diese Botschaft kommt in Deutschland gut an. So kam es im Leben der Kaddor zu einer ironischen Wendung, die wie kaum eine andere den Zustand des Geistes und der politischen Kultur in diesem Land charakterisiert: Seit sie es bekannt gemacht hat, dass, wer bei ihr Islamkunde hatte, eine stark erhöhte Neigung zeigt, zum Dschihadisten zu werden, ist sie im staatlichen deutschen Rundfunk Expertin für die Frage, was zu tun ist, um die Dschihadisierung von Jugendlichen zu verhindern. Wie sollte man das ausgerechnet von ihr erfahren?

    Vielleicht hatte ein Journalist um die Ecke gedacht: Fragen wir doch Frau Kaddor, dann wissen wir zumindest, wie man es nicht machen darf. Nun wird sie befragt, wann immer sich Muslime auffällig benehmen. „Islamwissenschaftlerin“ wird sie genannt. Dabei haben die Themen, über die sie spricht, mit dem Islam gar nichts zu tun, wie sie sagt. Auf alle Fragen hat sie drei Antworten parat: 1. Das hat nichts mit dem Kulturkreis zu tun. 2. Das hat nichts mit der Mentalität zu tun. 3. Das hat nichts mit dem Islam zu tun.

    Als Beweis stellt sie in der Regel eine weitere Behauptung auf: Die Tat (welche auch immer gerade zur Debatte stehen mag) hätte ebenso gut von Christen, Juden oder Veganern begangen werden können. Gemeint ist fast immer eine von Muslimen verübte Bluttat, die so gravierend ist, dass Lamya Kaddor zugeschaltet werden muss. Sieht man abends ihr Gesicht im Fernsehen, weiß man: Es war wieder kein guter Tag für das Ansehen des Islam. Sie ist der Red Adair für Schuldverlagerung. So wie dieser gerufen wird, um schwierige Brände zu löschen, so rufen Fernsehredakteure Kaddor an, wenn es darum geht, den immer wieder auflodernden Gedanken zu ersticken, dass es Probleme auf der Welt geben könnte, für die der Islam oder die islamische Kultur verantwortlich ist. ….

    Lamya Kaddor: Die Weichspülerin

    Gefällt 6 Personen

  4. chaikagrossmann permalink
    21. August 2019 14:38

    So sehr ich bei der Lektüre auch lachen musste, ist das Problem von Gremliza und vielen anderen Menschen der „Linken“, dass sie dem „Antiimperialismus“ voll auf den Leim gegangen sind. Eine Solidarität mit „Bürgerlichen“ oder „Liberalen“ können sie sich nicht vorstellen, ihr „Kampf“ ging immer für die „Entrechteten“, und nun haben sie komplett die Orientierung verloren und sind bei den Völkischen angekommen. Immerhin demonstrieren R2G mit Rechtsradikalen und Judenhassern gegen die AFD. Das spricht schon Bände.
    Leider nicht zu R2G, die die Kampagnen von Populisten, Antisemiten und anderen unterstützen. Schließlich wollen sie einfach nur gut sein, Wählerstimmen bekommen und sich gegenseitig gratulieren. Die Welt ist komplex, offenbar leider zu komplex für die selbsternannte „Linke“. Da schäm ich mich, mich selbst als Sozialistin zu bezeichnen, immerhin könnte ich nun mit denen in einen Hut geworfen werden, seufz.

    Gefällt 1 Person

  5. AddiB permalink
    21. August 2019 16:59

    Du brauchst dich nicht zu schämen, nach solchen Ergüssen wird dich niemand mit „Linken“ in einen Hut werfen. Warum du dich selbst als Sozialistin bezeichnest, musst du mit dir selbst ausmachen, Aber jede darf sich bezeichnen wie sie will, schließlich ist die Welt komplex und es spricht schon Bände, welchen Blödsinn zu schreiben sich manche Bürgerinnen dieser Welt verpflichtet fühlen, seufz.

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  6. 21. August 2019 18:02

    Ich finde den Kommentar von chaikagrossmann sehr nachvollziehbar. Die fehlende Solidarität mit Charlie Hebdo ist nur ein negatver Höhepunkt von vielen. Früher war die Linke mal das Sturmgeschütz der Religionskritik, die Zeiten sind scheinbar vorbei, was hältst du AddiB von dem folgenden Marx-Zitat:
    „Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“ – Karl Marx, Die Kriegserklärung – Zur Geschichte der orientalischen Frage – Erschreckt es dich?

    Noch eine letzte Frage, eine Antwort würde mich stark interessieren , AddiB: Wie stehst du übrigens zu Jakob Augstein und seinem Freitag?

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    • AddiB permalink
      21. August 2019 20:32

      Meine Antwort ist in den Weiten des Internets verschwunden ich versuche sie zu rekonstruieren:
      Ach Fidelche,
      Marx hat mich noch nie erschreckt. Seine Einschätzung einer extrem reaktionären Ideologie, die seit ihrer Erfindung der Herrschaftssicherung dient, und Religion genannt wird, zeigt seine Weitsichtigkeit.
      Was Jakob Augstein anbelangt, so ist er für mich das größte annehmbare Arschloch, das in der deutschen antisemitischen Liga wirkt, der FREITAG ist wie seine Herausgeber.
      Meine Anerkennung für deine Mühen, diesem Drecksblatt ein wenig Paroli zu bieten.
      Noch Fragen?

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