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Björn Höcke und seine tolldreisten Hofnarren

11. Februar 2020

Nach der Landtagswahl in Thüringen vom 27.10.2019 kam die rechtsextreme AfD unter Björn Höcke und die Linkspartei unter Bodo Ramelow auf 54,4 Prozent der Stimmen. Rot-Rot-Grün fehlten vier Stimmen zur Mehrheit. Nach über drei Monaten Verhandlungen versuchte Thomas Kemmerich von der FDP, mit seinen fünf Prozent, tolldreist die rot-rot-grüne Minderheitsregierung unter Bodo Ramelow zu verhindern, in dem er sich im 3. Wahlgang aufstellen ließ und mit den Stimmen von AfD und der CDU zum Ministerpräsidenten wählen ließ. Die AfD gab ihrem eigenen Kandidaten keine Stimme und der sich verblüfft gebende 5-Prozent-Mann nahm die Wahl an, obwohl vor der Wahl die CDU und die FDP jede Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen und die CDU/FDP gemeinsam nur 26,7 Prozent in der Landtagswahl erreicht haben. Zwanzig  Jahre nach dem Pisa-Schock wurde deutlich dass einige hochrangige FDP und CDU-Politiker inklusive viele ihrer Anhänger selbst die einfachsten Grundrechenarten nicht beherrschen, von der Prozentrechnung ganz zu schweigen. Durch den Coup von AfD, FDP und CDU ist Thüringen nun voraussichtlich für Monate regierungstechnisch blockiert und FDP wie CDU stehen vor einem Scherbenhaufen, den der Steuerzahler wohl bezahlen muss.

Politiker zumeist links von der CDU sprachen von einem Dammbruch. Janine Wissler von der Linkspartei schreibt zum Beispiel einerseits vom „Unfassbaren Dammbruch“ in Thüringen und andererseits schickte Wissler am 26.7.2914 auf einer von der islamistischen IRH veranstalteten Kundgebung  Solidaritätsgrüße in den mit Hakenkreuzfahnen übersäten Gazastreifen. Björn Höcke und Kemmerich werden mit Hitler und Hindenburg verglichen, dabei übersahen die „Experten“ dass nicht Höcke zum Ministerpräsidenten gewählt wurde, sondern der FDP-Mann. Erfurt ist also nicht Weimar, wie die Linkspartei nicht die SED und Ramelow der Sozialdemokratie politisch näher als der Linkspartei ist. Aber auch die AfD ist nicht die NSDAP und jede Gleichsetzung ist eine Verharmlosung des Nationalsozialismus. Die Gleichsetzung von Björn Höcke mit Adolf Hitler passt genauso wenig, wenngleich Höckes Weltbild durchaus als nationalsozialistisch bezeichnet werden kann.

Björn Höcke wurde am 1. April (!) 1972 in Westfalen als Sohn eines antikommunistischen nationalkonservativen Vaters, der die antisemitische Zeitschrift „Die Bauernschaft“ des Holocaustleugners Thies Christophersen abonniert hat, geboren. Geprägt wurde Höcke von den Erzählungen seiner Großeltern, die aus Ostpreußen vertrieben wurden. Im April 2013 war Höcke bei der Gründung der AfD in Thüringen dabei. Mit seiner „Erfurter Resolution“ im März 2015 wurde die Ablösung Bernd Luckes eingeleitet. Höcke war von Anfang an bestrebt die AfD immer weiter nach rechts außen zu treiben. Im Mai 2015 beschloss daher der AfD-Bundesvorstand ein Parteiverfahren mit dem Ziel, Höcke seiner Parteiämter zu entheben und zwei Jahre lang davon auszuschließen. Anfang 2017 beschloss der AfD-Bundesvorstand ein erneutes Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Alice Weidel stimmte wegen seiner Dresdner Rede für das Ausschlussverfahren, doch Höcke überstand beide Verfahren. Höcke gilt als Schüler des Ideologen Götz Kubitschek, mit dem er sich rhetorisch wie ideologisch beim Machtkampf in der AfD abstimmt. Björn Höcke ist der Kopf des sogenannten „Flügels“, der für eine rechts-radikale Ausrichtung der Partei steht. Die Macht von Björn Höcke innerhalb der AfD scheint von Tag zu Tag anzusteigen, ein Parteiausschlussverfahren droht ihm nicht mehr, da niemand innerhalb der Partei dies noch wagt.

Im Jahr 2018 erschien der Gesprächsband mit Björn Höcke und Sebastian Hennig ,„Nie zweimal in denselben Fluss“, darin spricht Björn Höcke von der „Wiederverzauberung der Welt“ und im Sinne der „Konservativen Revolution“ wendet er ich gegen die Werte der Aufklärung, gegen Liberalismus und Universalismus. Höcke kritisiert den Kapitalismus von Rechts, wie einst der NSDAP Wirtschaftsexperte Gottfried Feder oder Alfred Rosenbergs in „Mythus des 20. Jahrhunderts“ von 1930. Höcke teilt wie sie in „gutes Produktionskapital“ und „schlechtes Finanzkapital“: „Mit Kapitalismus meine ich also nicht eine sinnvolle Marktwirtschaft, die in einer erneuerten Volkswirtschaft ihren wichtigen Platz haben wird, sondern die einseitige Dominanz und Extremisierung eines Produktionsfaktors – des Kapitals – unter Vereinnahmung der beiden anderen: Arbeit und Boden. Man kann dieses System mit der Formel zusammenfassen: Geld regiert die Welt! Dagegen stellen sich völlig zurecht linke wie rechte Globalisierungs- und Kapitalismuskritiker.“  Gottfried Feder schrieb im 25 Punkte-Programm der NSDAP ab Seite 22: „Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: “Profit”, sie haben nur eine Sehnsucht: “Kredit”, nur eine Aufwallung: die “gegen die Steuern”, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die “vor den Banken” und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der “Brechung der Zinsknechtschaft”. Gottfried Feder und andere nationalsozialistische Ideologen verstanden unter dem gutem  „schaffenden“ Kapital die einheimischen Betriebe und mit dem schlechten „raffenden“ Kapital den weltweiten Finanzsektor und Börsenhandel, wobei dieser mit dem Judentum gleichgesetzt wurde. Die gängige, antisemitische Verschwörungstheorie behauptete, dass eine globale „Hochfinanz“ als Instrument einer jüdischen Weltverschwörung fungiere, die Politik und Wirtschaft steuert und die Völker ins Verderben stürzt. Müßig zu erwähnen dass auch viele linke Kapitalismuskritiker von Pierre-Joseph Proudhon bis zu Attac in „gutes Produktionskapital“ und „schlechtes Finanzkapital“ aufteilen.

Björn Höcke strebt nach seiner völkischen Idee die Überwindung der Klassen durch die Volksgemeinschaft an: „ich sehe keinen Widerspruch zwischen einer patriotischen und einer dezidiert sozialen Position, im Gegenteil: Es ist die Verantwortung, die man als Patriot für das ganze Volk hat und nicht nur für eine bestimmte Oberschicht. Wir haben […] dafür den Begriff des solidarischen Patriotismus geprägt.“ (S. 245) Björn Höcke deutet an, dass er das Parteiensystem ablösen will und ein instrumentelles Verhältnis zur Demokratie pflegt. Die AfD soll die Parlamente nutzen, um deren Ende herbeizuführen: „Die Überwindung des Parteigeistes und die enge Verbindung mit den neutralen, sachkompetenten staatlichen Institutionen halte ich für entscheidend bei der Lösung der anstehenden Probleme. Bis dahin ist es die Aufgabe der AfD, eine unüberhörbare parlamentarische Stimme und Vertretung der Volksopposition im Land zu sein.“ (S. 232)

Viele Parteigenossen in der AfD haben ein Problem mit der deutschen Geschichte, so verharmlosen und relativieren sie in unterschiedlicher Intensität den Holocaust und die Verbrechen der Nationalsozialisten. Alexander Gauland relativierte beispielsweise den Holocaust und die Zeit des Nationalsozialismus in dem er meinte die Nazis seien „nur ein Vogelschiss“ in 1000 Jahren deutscher Geschichte. Später ruderte Gauland zurück und beteuerte es nicht so gemeint zu haben. Björn Höcke dagegen nannte das Holocaustmahnmahl in Berlin ein „Denkmal der Schande“ und in seiner Rede halluzinierte Björn Höcke weiter: „Wir Deutschen – und ich rede jetzt nicht von euch Patrioten, die sich hier heute versammelt haben – wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat. (..) Und diese dämliche Bewältigungspolitik, die lähmt uns heute noch viel mehr als zu Franz Josef Strauß’ Zeiten. Wir brauchen nichts anderes als eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad! Wir brauchen so dringend wie niemals zuvor diese erinnerungspolitische Wende um 180 Grad, liebe Freunde. Wir brauchen keinen toten Riten mehr in diesem Land. Wir haben keine Zeit mehr, tote Riten zu exekutieren.“

Am 17. Januar 2017 jammerte Höcke in Dresden vor seinen rechtsradikalen Anhängern wegen der alliierten Bombardierung Dresdens, die er mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki verglich, dabei den Naziterror relativierend: “Die Bombardierung Dresdens war ein Kriegsverbrechen. Sie ist vergleichbar mit den Atombombenabwürfen über Hiroshima und Nagasaki. Mit der Bombardierung Dresdens und der anderen deutschen Städte wollte man nichts anderes als uns unsere kollektive Identität rauben. Man wollte uns mit Stumpf und Stiel vernichten, man wollte unsere Wurzeln roden. Und zusammen mit der dann nach 1945 begonnenen systematischen Umerziehung hat man das auch fast geschafft. Deutsche Opfer gab es nicht mehr, sondern es gab nur noch deutsche Täter. Bis heute sind wir nicht in der Lage, unsere eigenen Opfer zu betrauern.“

In einem Interview von 2017 nannte Höcke es ein großes Problem, dass Hitler als „absolut böse“ dargestellt werde. In der Geschichte gebe es kein Schwarz und Weiß. Sogar der schlimmste Schwerverbrecher habe vielleicht irgendetwas Gutes. Auf Nachfrage, was an Hitler gut gewesen sei, erklärte er, er habe nicht gesagt, dass es etwas Gutes an ihm gebe, aber rein logisch sei ausgeschlossen, dass ein Mensch „nur dunkel ist“. Höcke und sein „Flügel“ relativierten das NS-Unrechtsregime des weiteren in einem „Alternativen Bericht“ zur Enquete-Kommission „Rassismus und Diskriminierung“  im September 2019, indem dort eine Dualität zwischen „Rassenwahn der Nationalsozialisten“ und dem „Rassismuswahn der Multikulturalisten“ konstruiert wird. Im Positionspapier „Leitkultur, Identität, Patriotismus“ vom Mai 2018 meint die Thüringer AfD, dass die Aufarbeitung der NS-Diktatur und des Holocausts dazu diene, „die Nation mit ihrer Geschichte verächtlich zu machen“ und „alles Deutsche aus der Welt zu schaffen“, um so „zu einem geschichtslosen Volk zu werden“.

Björn Höcke und seinem Lehrer Götz Kubitschek ist die Israelsolidarität des sogenannten Berliner Kreises innerhalb der AfD um Georg Pazderski und Beatrix von Storch, die unter anderem ein Verbot der Hisbollah fordern und die Bundesregierung für ihre Zusammenarbeit mit dem Iran kritisieren ein Dorn im Auge. Die AfD hat ein Problem mit den toten Juden, bis jetzt hat zumindest die Bundestagsfraktion, aus welchen Gründen auch immer, kein Problem mit den lebenden Juden in Israel, wenn es aber nach Götz Kubitschek und Björn Höcke geht soll sich das ändern, denn das könnte offenbar mehr Wählerstimmen von der NPD und von den anderen Parteien des Bundestages bringen.

Die AfD führt die anderen Parteien immer wieder am Nasenring durch die Manege. Die Vorgänge von Thüringen sind das aktuelle Beispiel dafür. Die momentane Stärke der AfD ist die Schwäche aller anderen Parteien. Eine Große Koalition die seit ihrem Bestehen nicht in dem benötigten Maße auf die Sorgen der Bevölkerung eingeht, die den Iran trotz seiner Menschenverachtung unterstützt, die Israel immer wieder im Stich lässt, die kaum etwas gegen die Zumutungen des Islam unternimmt,  die Jahre dazu braucht eine Grundrente einzuführen, hat ihren unrühmlichen Anteil an den hohen Prozentzahlen der AfD. Die AfD mit Björn Höcke, ihren Holocaustrelativierungen, ihrem Geschichtsrevisionismus und dem übrigen nationalsozialistischen Gedankengut ist zweifellos eine Gefahr für die Demokratie. Die Wahnsinnsaktion des Thomas Kemmerich, inklusive der Fehleinschätzungen von Kubicki und Lindner, könnte das Todesurteil für die FDP gewesen sein, was nicht weiter schlimm wäre, die aktuelle Orientierungslosigkeit der CDU allerdings macht Sorgen, denn mit einem grünen Bundeskanzler Habeck wird man nach sehr kurzer Zeit die schönen Zeiten mit Angela Merkel herbeisehnen.

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33 Kommentare leave one →
  1. 11. Februar 2020 21:09

    Die AfD hat ein Problem mit der deutschen Geschichte und zwar kein kleines. Gaulands Vogelschiss, Höckes „Mahnmal der Schande“, sein Dresden-Mist, seine Nazi Ideologie und Weidel und Konsorten sind auch nicht viel besser. Gegen die Geschichtsvergessenheit der AfD protestiert innerhalb der Partei niemand.

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    • 12. Februar 2020 15:26

      Es protestiert auch niemand in der eigenen Partei gegen die Kommunismus-Nostalgie der „Linken“. Und warum auch?

      Innerhalb eines demokratischen Meinungsspektrums sollten weder AfD noch die „Linke“ in irgendeiner Weise benachteiligt werden oder ihre Meinung nicht sagen dürfen.
      Die AfD ist eine Vertretung für WählerInnen, die sonst nicht vertreten werden und deren demokratisches Votum genau so respektiert werden muß.

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    • 12. Februar 2020 19:48

      „Die AfD hat ein Problem mit der deutschen Geschichte“, fürwahr.

      Nur hat sie in Deutschland als politische Partei dafür nicht den exklusiven Alleinanspruch.
      Genau wie in den anderen Parteien finden sich auch in der AfD, ua., Volltrottel und Antisemiten, und nur weil diese ihre Fratze weniger bemüht verstecken, als die Judenhasser aus allen möglichen anderen Richtungen, macht es sie nicht zu besseren oder schlechteren Antisemiten.

      Wen fürchtet man auf offenem Feld mehr, den frontalen Angreifer, oder den Heckenschützen? Vielleicht ist solche Fragestellung für viele „Normaldeutsche“ vollkommen gleichgültig, für jüdische Deutsche sieht das allerdings anders aus. Auch das mal so geredet.

      Wie dem auch sei, gerade eine (konservative) „Alternative für Deutschland“ kann sich keine Antisemiten in ihren Reihen leisten. Der Schuß geht nach hinten los, die Falschen fühlen sich bestätigt, der Protest gegen die Regierungswillkür wird hintergangen.

      Dennoch stimme ich Jurek sehr zu, daß auch der AfD, und auch der „Mauerschützen-Nachfolgepartei“, eine demokratische Legitimierung zusteht, denn es fühlen sich (nicht so wenige) Bürger dieses Landes ihnen zugewandt, aber nicht zu anderen.
      Ob aus Protest oder sonst was.

      Das muß man, als Demokrat, respektieren.

      Und noch eine Alternative (oder Alternativlosigkeit) mag eine zuviel sein…
      Falls das noch zählt?

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      • 12. Februar 2020 20:48

        Nein, die AFD sind Faschisten ohne wenn und aber. Höcke ist ein Antisemit, das sind die alle. Ihr macht euch alles etwas vor, wenn ihr denkt, dass die Anttimperialisten schlimmer oder gefährlicher sind. Das ist Unfug. Oder besser so ähnlich wie weiland bei der KPD der Weimarer Republik. Die waren sehr aggressiv und verbalradikal auch in ihrer Judenhetze. Dennoch spielten sie letztlich keine Rolle, es sei denn diejenigen, die zur SA übertraten. Aber auch das war nur ein kleiner Teil.
        Aber ich werde euch, so ich nicht vor euch von den Faschisten erschlagen werde, nicht beim Hofgang vorhalten, dass ICH Recht hatte.
        Höcke ist kein Demokrat, die AFD ist eine faschistische Partei und wer die wählt, ist ein Faschist. Und diesen 25 Prozent spreche ich die demokratische Legitimation ab.
        Das heißt nicht, dass ich die Antisemiten bei den anderen Parteien irgendwie verharmlose, im Gegenteil. Ich halte die Friedensbewegung für ein unerträgliches Sammelbecken von BDS Fürsprechern mit dem Ziel Judenmord. Und sämtliche Iranversteher, die die Hizbollah für einen Garant der Stabilität halten, würde ich gern ein Ticket nach Aleppo senden. Oder gleich nach Teheran. Das gilt auch für Freitags für Verschwörungen.
        Nur weil die antisemitische deutsche „Linke“ so unerträglich ist, heißt das nicht, dass 25 Prozent ein Recht auf Faschismus haben. Reisst euch zusammen.

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        • 13. Februar 2020 09:25

          Die schöne Illusion, dass sich die eigene politische Unschuld retten ließe, indem man mit solchen Urteilen ein Viertel der Bevölkerung zu Feinden erklärt ist ein Rezept für die Wiederbeschwörung des Faschismus, nicht seiner Verhinderung. Die Qualifizierung der AFD als einer „faschistischen Partei“ ist eine Bankrotterklärung der deutschen Demokratie. Wenn sie nicht in der Lage sind, eine demokratisch gewählte Partei als solche zu akzeptieren, geben sie alle jenen Israelhassern recht, die Netanyahu einen Nazi nennen und die israelische Politik der „Apartheid“ bezichtigen. Das Falsche an ihrem Argument ist darum, dass sie die strengen Kriterien und harten Urteile, die sie bei der AfD anlegen niemals bei anderen benutzen würden. Wenn man nach diesen Kriterien tatsächlich Politik macht, müßte man etwa die Hälfte aller muslimischen Migranten sofort ausweisen, und so ziemlich alle linken Parteien verbieten.

          Ihre Qualifikation der AfD als „faschistisch“ ist ein Schuss ins Knie, denn er würde bedeuten, dass es die Anti-Zionisten in Zukunft sehr leicht haben werden, die prinzipielle Solidarität mit Israel als „faschistisch“ zu denunzieren.

          Und wie gesagt: sie wenden diese Qualifikation nur innerhalb Deutschlands an. Nach diesen Kriterien ist der Islam eine faschistische Religion und und und die islamischen Kleriker das Äquivalent zur SS. Sie müssten dann auch Anti-Zionismus als Meinugn verbieten und linke Anti-Zionisten zu Staatsfeinden erklären. Kommen sie zur Vernunft!

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        • 13. Februar 2020 10:00

          Jurek sei mir nicht böse, aber ich finde du machst es dir zu leicht. Ich habe kein Problem wenn man die AfD eine faschistische Partei nennt. Was verstehst du unter Faschismus? Wie ihn Zeev Sternhell ideengeschichtlich herleitet oder mehr das „Fünf- Phasen-Modell“ von Robert Owen Paxton.

          In der ersten Phase bei Paxton spielen Intellektuelle und ihre Schriften eine besondere Rolle. In der zweiten Phase kommt es zur Verwurzelung der faschistischen Bewegungen ins politische System. Zur Machtübername kommt es wie in Deutschland und Italien in der dritten Phase vor allem „durch eine Theorie des Versagens und der Irrtümer von Liberalismus und Konservativismus“.

          Es ist ein leichtes das Phasenmodell von Paxton auf die AfD umzulegen. Höcke darf laut Gerichtsbeschluss als Faschist bezeichnet werden, ich würde ihm wie beschrieben eher ein völkisch-nationalsozialistisches Weltbild unterstellen.

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        • 13. Februar 2020 10:45

          „Was verstehst du unter Faschismus?“

          Das Wort „Faschismus“ ist eine Verbalinjurie, aber es bedeutet nichts. Trump ist ein „Faschist“, genau wie Salvini, Strache oder Höcke. Es besagt nichts anderes, als dass man jemanden aus politischen Gründen ablehnt, aber es hat keinen Inhalt. „Faschismus“ ist ein Wort der Vergangenheit, das nur zur Denunziation eines politischen Gegners benutzt wird, damit man ihn oder sie als nicht für zugelassen zur der politischen Debatte erklären kann.

          Die AfD ist gegen den Euro, die EU und gegen alles andere, was die positiven Entwicklungen in Europa in den letzten Jahrzehnten befördert hat. Sie ist gegen Offene Grenzen, Migration und Integration und obwohl ich bei diesen Themen auch sehr skeptisch bin, ist mir Merkels „Wir schaffen das“ lieber als die mieselsüchtige Untergangsstimmung von Rechtspopulisten. Aber das sind politische Inhalte, die ich ablehne und die sie für mich (wäre ich Deutscher) unwählbar machen, nicht eine dubiose Qualifikation als „faschistisch“, mit der ich sie von der politischen Bühne verbannen und dem demokratischen Spektrum ausschließen.

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      • 13. Februar 2020 10:29

        @A.mOr & chaikagrossmann

        Die Unstimmigkeit und das Problem der Einordnung der AfD haben zwei Ursachen, sie hängen wie alles mit Auschwitz zusammen.

        1. In Frankreich fliehen Juden seit Jahren vor dem muslimischen Antisemitismus nach Israel oder in die USA und in Deutschland stehen wir am Anfang dieser Entwicklung. Darum gibt es Juden in der AfD und jüdische AfD-Wähler. Die AfD thematisiert wie keine andere Partei die Gefahren des Islamismus, warum auch immer, höchstwahrscheinlich sind die Reden instrumenteller Natur. Jedenfalls ist es ein Faktum und während die anderen Parteien schweigen, denn für sie ist jede Kritik am Islam Rassismus.

        2. Die besten Reden im Bundestag zu Israel hielt seit 1948 die AfD zu „70 Jahre Gründung des Staates Israel“. Die AfD kritisiert im Bundestag die deutsche Iran-Politik, will die Hisbollah verbieten, kritisiert die Groko weil sie die antisemitischen Schulbücher der Palästinenser und den dortigen Terror finanziert, kritisiert das Abstimmungsverhalten Deutschlands vor der UNO gegen Israel usw, usw. Warum auch immer, die Reden sind ein Faktum.

        Auf der anderen Seite relativiert die Mehrheit der AfD Politiker mehr oder weniger den Holocaust die Geschichte des Nationalsozialismus. Höcke und Gauland sind die Extrembeispiele.

        Die anderen Parteien schweigen über den muslimischen Antisemitismus auch weil sie selbst überwiegend antisemitisch sind und über die „Israelkritik“ der anderen Parteien ist genug gesagt.

        Kurz gesagt: Die AfD hat ein Problem mit den toten Juden und die anderen Parteien haben ein Problem mit den lebenden Juden. Noch gibt es eine Israelsolidarität im Bundestag bei der AfD.

        Es ist also die Schwäche der anderen Parteien das Hauptproblem, ohne diese Schwäche gäbe es die AfD nicht. Dem ganzen widerspricht die Rolle der AfD zum Anschlag von Halle. Ein Rechtradikaler wollte eine Synagoge stürmen und ein Blutbad anrichten, er kam nicht rein und ermordete zwei Passanten. AfD Politiker meinten es waren Biodeutsche die ermordet wurden und keine Juden.

        Noch kürzer gesagt: Wir leben in einer Zeit mit zwei großen Problemen, dem Islamismus und dem Rechtsextremismus.

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  2. chaikagrossmann permalink
    12. Februar 2020 11:43

    Ich denke, dass deine Analyse diesmal etwas kurz greift. Hinter der Teil-Privatisierung der sozialen Systeme, die von GRÜN und Rot getragen worden sind, stand der Neo-Liberalismus. Diese Ideologie führt immer zu autoritären Regimes. Nach 1990 mit der Vereinigung war sie die „Staatsideologie“ zusammen mit Nationalismus. Es sind mehrere Ursachen, die nur zum Teil der SPD anzulasten sind. Die Schwäche der anderen Parteien ist die fehlende Auseinandersetzung mit dem Umgang mit dem NS Erbe. Letztlich ist das genau der Punkt, denn der Grund für das Zusammengehen in Thüringen ist der Anti-Kommunismus der CDU, die Identitätsklammer der Konservativen mit den Nazis wie Höcke. Umgekehrt ist der Anti-Imperialismus die Identitätsklammer der gesellschaftlichen Linken, die Verbindung von Nationalismus, Antisemitismus mit sozialen Inhalten. Beides ist katastrophal. Doch die SPD muss zu ihren Wurzeln zurück, also dort ansetzen, wo sie von Nazis und von der SAP, also Neu-Beginnen, zerstört wurde. Derzeit ist es ein wahl- und Versorgungsverein, der nach Stimmen hascht. Doch nur eine linke emanzipatorische Kraft kann die Demokratie retten. Die müsste wieder das sein, was die SPD mal war:
    die Verbindung zwischen der Intellektualität der liberal-egalitären jüdischen Sozialdemokraten und der Fähigkeit der emanzipatorischen ArbeiterInnen wie Ella Kay zu mobilisieren. Arbeiterbewegung wäre demnach eine Ideologie, eine Zugehörigkeit zu einem Denken, das nichts mit Einkommen zu tun hat.

    Die Linke ist weder emanzipatorisch noch links sondern hat eine völkische Minderheit, die sehr einflußreich ist. Das gilt auch für die grüne Mittelstandspartei, die noch dazu den Staat ausnimmt.
    Die CDU und die FDP sind also rechtskonservativ und wollen die Fleischtöpfe für sich sichern, die Linken und Grünen haben…Probleme und die SPD existiert derzeit nicht. Das ist gefährlich äußerst gefährlich. Aber Politik ist Beziehungsarbeit und in der SPD müsste mensch sehr sehr viel Beziehungsarbeit leisten. Und ich bin keine Pädagogin. Zudem eine auch nicht ausreicht.

    Wir Horkheimer sagt: Demokratie und Sozialismus sind Möglichkeiten, nicht mehr.

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    • 12. Februar 2020 14:24

      Danke für deinen sehr guten und aussagekräftigen Kommentar, dem ich gerne zustimme.

      Den Anspruch die aktuelle politische Lage zu analysieren hatte ich nicht, mir ging es in erster Line um Höcke und die Vorgänge von Thüringen. Im letzten Absatz habe ich kurz angedeutet, dass die hohen Zustimmungswerte auf die Schwäche der anderen Parteien zurückzuführen sind.

      Die CDU kann nicht mit der Linken koalieren, das ist klar aber man hätte sich bedeutend eleganter aus der Affäre ziehen können. Bereits im Vorfeld haben die Parteispitzen versagt.

      Ob die SPD die Kraft aufbringt sich zu erneuern und zu ihren Wurzeln zurückkehrt und gleichzeitig die Probleme unserer Zeit erkennt und anpackt darf bezweifelt werden. Ich würde es mir wünschen, denn wenn es jemals nach 1945 eine emanzipatorische Arbeiterpartei, gespickt mit liberal-egalitären jüdischen Sozialdemokraten gebraucht hat, dann heute.

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    • 12. Februar 2020 19:23

      Das klingt sehr vernünftig, und unterstützenswert.

      Nur, vielleicht bin ich mittlerweile (und wirklich nicht ohne plausiblen Grund) etwas verschreckt; mir scheint, daß die hiesige Politik ihren Vertrauensbonus bei den Bürgern maßlos überzogen hat.

      Die Weimarer Republik war etwas anderes, und es war eine „andere“ Zeit, und es waren „andere“ Menschen und Erfahrungen, aber der Vertrauensverlust der Bürger in die Politik war auch zu jener Zeit eines der Sprungbretter für die Nationalsozialisten.
      (Nicht für die FDP, wohlgemerkt.)

      Ansonsten werde ich öfters schon in den vergangenen Jahren an das Säbelrasseln vor 1914 erinnert. Manchmal, denke ich, kann Musik es einfach besser ausdrücken, und mag’s melodisch nicht jedermanns Geschmack treffen, so werfe ich’s hier dennoch in den Topf:

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  3. 12. Februar 2020 14:46

    Die Israelsolidarität der AfD wird stark übertrieben, aber genau so ihr angeblicher Rechtsextremismus. Die AfD ist eine Partei, die 75 Jahre nach der Shoah eine Wiederherstellung und Normalisierung eines deutschen Patriotismus einfordert, der sich nicht an der schlimmsten Katastrophe der neueren Geschichte zu messen hat, und ich finde, dass dies eine Berechtigung hat. Deutschland ist ein mächtiges Land und ein erfolgreicher Staat, der seiner weltpolitischen Bedeutung entsprechend handeln sollte (und dafür auch die Verantwortung übernehmen, nicht dauernd herum jammern und sich selbst bemitleiden).
    Deutsche sollen patriotisch sein dürfen, und sich im Nationalstolz besaufen dürfen wie alle andern auch. Deutschland wurde durch amerikanische Kultur zivilisiert und nicht durch die offizielle Gedenkkultur. Die Autoiren der „Sezession“ um Götz Kubitschek, der hier auch als „Rechstextremer“ disqualifiziert wird, kann mit Israel als souveränem Staat besser leben, als die meisten Linken, er will halt einen selbstbewußten deutschen Staat, der seine eigene geopolitische Agenda verfolgt. Das ist weder gut noch schlecht, sondern der Gang der Dinge 75 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.

    Die AfD, um das deutlich zu machen, ist nicht Israel-solidarisch, sondern sie akzeptiert den israelischen Staat als eine Tatsache, mit der man umzugehen hat, wie mit jeder anderen Tatsache. Dass als „Nazis“ verunglimpfte deutsche Rechtspolitiker das können, aber die gesamte weltweite Palästinasolidarität nebst der ihr angeschlossenen linken Unterstützer nicht, reicht schon, um eine Partei wie die AfD als „Israel freundlich“ zu bezeichnen. Es ist diese Verhaltensauffälligkeit, mit „Zionismus“ nicht das absolut Böse an sich zu meinen, die die AfD heute zu einer „rechtsextremen“ Partei macht.

    Es versteht sich von selbst, dass ich die AfD niemals wählen würde, genau so wenig wie die FPÖ, aber beides sind demokratische Parteien die einen Teil der Bevölkerung repräsentieren, der ein Recht darauf hat vertreten zu werden. Mit Denunziationen wird man sie nicht schwächer machen.

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    • 12. Februar 2020 16:18

      Bis zur Entstehung der AfD war klar dass, je rechter eine Partei, eine Bewegung, eine Gruppe umso mehr dämonisiert sie Israel, umso mehr war ihr israelbezogener Antisemitismus offenkundig. Das ungewöhnliche an der AfD im Bundestag waren eben die proisraelischen Reden und Anträge. Die AfD brachte einen Antrag gegen die antisemitischen Israel-Boykottkampagne BDS ,sie stimmte geschlossen mit der FDP für einen Antrag, in dem die Bundesregierung aufgefordert wurde sich bei den Vereinten Nationen (UN) von „vorrangig politisch motivierten Initiativen und Allianzen antiisraelisch eingestellter Mitgliedstaaten zu distanzieren und Israel und legitime Interessen Israels vor einseitigen Verurteilungen zu schützen“ Während die Reden der Grünen, der FDP, der SPD, der CDU zum Jahrestag der Gründung Israels im Bundestag sich überkritisch mit Israel auseinandersetzten, war dies bei den Reden der AfD eben nicht so. Die besten Reden im Bundestag zu Israel hielt die AfD, ob nun instrumentell oder nicht, in jedem Fall war das bemerkenswert. Ich habe mir die Mühe gemacht und alle Reden aller Fraktionen mir angehört und ich muss gestehen ich war über die Reden der AfD sehr überrascht.

      Selbstverständlich gestehe ich der AfD zu ihre Wähler in den Parlamenten zu vertreten und selbstverständlich hat dieser Teil der Bevölkerung ein Recht darauf repräsentiert zu werden
      Nur, wie in meinem Beitrag angerissen, in der AfD tobt ein Machtkampf zwischen dem Höcke-Flügel und den eher liberaleren Kräften. Ich finde was Höcke so von sich gibt darf schon kritisiert werden, sein Weltbild würde ich nach wie vor als völkisch-nationalsozialistisch bezeichnen, dafür habe ich auch einige Belege angeführt und ein völkisch-nationalsozialistischesWeltbild hat jedes Recht kritisiert zu werden.

      Meuthen und Bystron kritisierten die Bundesregierung offen dafür, die „Mullahs in Teheran“ zu „hofieren“, während die „offen die Zerstörung Israels und damit einen zweiten Holocaust anstreben“. Kubitschek sieht das eben anders. „Er glaubt, dass Deutschland damit einer weiteren „Regime-Change“-Operation der USA folgen würde, deren Vorgänger „riesige Regionen ins Chaos gestürzt und den Aufwuchs des radikalsten Widerspruchs gegen die ‚westliche Welt‘ gefördert haben: den islamischen Staat und seine Ableger“. Er bezeichnet Meuthen und Bystron als „peinliche Musterschüler“. Selbst der SPD-Kanzler Gerhard Schröder sei „reifer“ gewesen, als er den US-Amerikanern die Unterstützung beim Irakkrieg versagte.“ Das ist eben ein Teil des Machtkampfes in der AfD.

      Ich finde Höckes Reden sollten schon thematisiert werden, von seiner Goebbels-Gestik habe ich ohnehin nicht gesprochen, seine Reden mit seiner Gestik gibt es auf YouTube zu „bewundern“, Denunziation würde ich das nicht nennen. So wie ich es sehe spielt Höcke genau damit.

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      • 12. Februar 2020 17:31

        „Ich finde was Höcke so von sich gibt darf schon kritisiert werden, sein Weltbild würde ich nach wie vor als völkisch-nationalsozialistisch bezeichnen,…“

        Ich habe ja nicht auch nicht gesagt, dass man ihn nicht kritisieren soll. Soll man, muss man. Die Qualifikation selbst als „als völkisch-nationalsozialistisch“ ist problematisch, weil das im heutigen Klima nicht den Inhalt kritisiert, sondern darauf aus ist ihn und was er sagt aus dem Meinungsspektrum auszuschließen.

        Man muss Höcke kritisieren und seine Aussage über den „Vogelschiß“ finde ich skandalös, aber nichts von dem was er sagt schließt ihn aus dem demokratischen Verfassungsbogen aus. Er benutzt problematische Sprache, aber wer benutzt heute keine problematische Sprache, wenn er weiß und männlich ist?

        Man sollte die AfD als das betrachten, was sie ist: eine rechte Protestpartei, die von den moralischen Zeigefingern der anderen Parteien lebt. das ist, wie du richtig geschrieben hast, nicht ihre Stärke, sondern die Schwäche der anderen.

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        • 12. Februar 2020 17:49

          Ich mache nicht mehr als Höckes Weltbild zu kritisieren und wenn Höcke kein völkisches nationalsozialistisches Weltbild hat, wer dann? Der „Vogelschiss“ stammt nicht von Höcke, sondern von Gauland und der ist zurückgerudert. Höcke spricht vom „Denkmal der Schande“, vom „Schuldkult“, teilt „gutes Produktionskapital“ und „schlechtes Finanzkapital“, relativiert den Holocaust und die NS-Barbarei. Er stellt sich gegen die Entmythologisierung der Moderne, beschwört die Volksgemeinschaft, fordert einen „radikalen Systemumsturz“ und will das Parteiensystem ablösen.

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        • 12. Februar 2020 20:49

          @M. Breitenberger.

          (*räusper) Nimm’s mir bitte nicht krumm, aber wenn man „Denkmal der Schande“ aus Höckes Kontextualisierung herausnimmt, was selbstverständlich nicht geht, dann ist das als Bezeichnung immer noch treffender, als der „Idiotenstolz“ von Leuten, die „ein Mahnmal, um das uns andere Völker beneiden“-Sorgen haben.
          (Vielleicht ist’s letztlich auch gleich?
          Wenigstens in Höckes Kontextualisierung muß man das einfach übel finden, wenn man nicht gerade Nationalsozialist oder Anarchist ist.)

          Nu, nimm’s als makabren Scherz.
          Juden sind in diesem Land doch oft nichts anderes als Spielzeuge wider Willen (speaking of: Instrumentalisierung) für Idiotenstolz, Größenwahn, und allerlei weiterem Übel.
          Bei den Nachbarn ist das auch nicht anders, nur eben nicht so deutsch.

          Und sogar in Yad Vashem kann ein deutscher Bundespräsident nichts anderes bieten als „Spiele“*.

          Da werf ich doch lieber der Schaumgeborenen meinen Rettungsring (Speck?) hin!
          Und hoff mal, daß es nicht „aus Versehen“ ein Kondolenzkranz war.

          Was Gaulands „Vogelschiß“ angeht, dessen Kontextualisierung (auf den ersten Blick?) einleuchtender erscheint, so ist das mit Höckes Ansichten nicht auf eine Stufe zu stellen, aber es ist ein grober Tiefschlag gegen (mindestens! Nur bei weitem nicht nur) die Juden.

          Genau bei solchen Dingen stimme ich Boschinger (11. Februar 2020 21:09) oben zu 101% zu, gilt klarerweise auch für Höcke.

          „Deutsche Geschichte“, wie auch immer das genauer zu verstehen sei, als Gegengewicht zu einem „Vogelschiß“ (mit Abermillionen Toten, alleine sechs Millionen industriell ermordeten Juden, darin sind nicht die gefallenen jüdischen Soldaten und Partisaner eingerechnet!) zu stilisieren, das kann nur jemanden mit einem Vogelnest im Kopf formulieren.

          (*Da, denk ich mir, gebe ich mal aktuelle Nachrichten hinzu, vielleicht liest Steinmeyer hier ja mit?:
          http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/275869? -> EU-ropäische Nächstenliebe, wie gewohnt.
          http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/275866? -> Arabisch-palästinensische Bescheidenheit, wie gewohnt.
          http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/275889? -> Mullah-„iranisches“ Pausenbrot während der Abschlachtung, Folter und Vergewaltigung der (meist jungen) Iraner.
          Wie abstoßend! (Da bleibt keine Ironie mehr übrig.)

          Haben wir noch’n paar Kondolenzkränze übrig, oder tut’s auch ein Rettungsring?
          Oder doch lieber noch’n bisschen mehr deutsches Steuergeld für den Tod von Juden und Iranern?

          Wie ist’s denn heute so mit dir, du armes Deutschland?)

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    • 12. Februar 2020 19:06

      (@Jurek Molnar, Leser.)

      Und das ist es doch, was den meisten Leuten mit den lauten Stimmen zu der Thematik zu fehlen scheint: die Fähigkeit (oder wenigstens: die Mühe) zur Reflexion (ja, Jurek, die liebe Selbstkritik!;-), um sachlich zu Ergebnissen zu finden, die dem demokratischen Wesen der Republik (und damit ihrer Staatsbürger) gerecht* wird.
      Und eben den Extremisten von allen Seiten den Wind aus den Segeln zu nehmen, solange das überhaupt noch im Bereich des Möglichen liegt.
      (*„gerecht wird“, ein wenig bitter schmeckt mir diese Formulierung schon, denn hier drückt sich möglicherweise mehr mein Wunschdenken aus, als die tatsächlichen Vorgänge hergeben?)

      Ein Problem dabei ist sicher die ebenso extremistische Politik einer „grünen Merkel“ und ihrer Unterstützer, die aus nachvollziehbaren Gründen ein Problem haben mit der Vernunft, dem klaren Verstand, und auch eben dem „geschundenen Bauch“ (alias „Herz“) der Leute, die in diesem Land gezwungenermaßen vor einem Karren gespannt werden, der mit ihrem Demokratie-Verständnis nicht kompatibel ist, vielleicht auch nur „gefühlt“. Es ist schließlich nicht jedermanns Sache derzeit auch nur einen groben Überblick zu behalten.

      So gruselig das ist, die als „Rechtsradikale“ bezeichneten scheinen für Juden (trotz aller „zentraljüdisch geäußerten“ Aussagen) die geringste Sorge in diesem Land.
      Die tatsächlichen „beinharten“ Neo-Nazis marschieren Seite an Seite mit den Mohammedanern bei ihren „Juden-ins-Gas!“-Machtdemonstrationen. Das ist bekannt, aber es wird stets vergessen es zu betonen, es wird ja nirgends erwähnt.
      Dafür sieht man die Neo-Nazis bei der AfD umso fokussierter, und diese fischen selbstverständlich bei den vom derzeitigen Deutschland Frustrierten um Wählergunst.

      Hier ist pure Heuchelei -Doppelstandards- am Werk, gerade so, wie auch der offizielle Umgang der derzeitigen BRD mit dem Staat Israel es vorzeichnet.

      Meinen Respekt, Jurek.

      (PS & off-topic/ trotz den vielen interessanten, und diskussionswürdigen Aspekten, zB., umseitig, kann ich leider nie so genau sagen, ob ich es schaffe darauf noch näher einzugehen, bzw., meine eigenen Gedanken dazu zu formulieren, schließlich, ist wohl nicht so schwer zu erkennen, da gibt’s noch mehr.
      Wie dem auch sei, zumindest lese ich öfters als ich schreibe, und es ist mir in diesem Blog, inklusive dem Kommentarbereich, ein ehrliches Vergnügen gewitzten Verstand zu beobachten, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, bzw., sein sollte.

      Hier im „Orchideen-Blog“ passiert die demokratische Debatte, offenbar basierend auf einer einfachen und wahren Küchenweisheit, nämlich die Dinge auf den Tisch zu legen, damit man sie (auf)klären kann, die so dringend benötigt und (wohl auch) vermißt wird im weiten Deutschland-Rund, wo die Extremisten das „große Gespräch“ bestimmen, einfach durch Lautstärke, Penetranz und taktische Impertinenz.

      Nicht nur das, und selbstverfreilich speziell nochmal Manfred mit angeredet, es ist auch -mindestens mir- ein Hoffnungsschimmer in einer zunehmenden Düsternis, die sich über mein geliebtes Europa -definitiv ist nicht die EUristokratie von mir gemeint- ausbreitet.)

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  4. 12. Februar 2020 15:10

    Bei allen Fehlern der FDP sollte man den Untergang einer liberalen Partei, auch wenn es derzeit erhebliche Unterschiede von Schein und Sein gibt, niemals herbeiwünschen. Das Widererstarken der SPD halte ich für Wunschdenken, weil ihr schlichtweg die Arbeiterschaft abhanden gekommen ist.

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    • 12. Februar 2020 16:21

      Gegen eine liberale Partei im besten Sinne wäre nichts einzuwenden, dazu gehören dann aber auch professionelle Politiker, die aktuellen erinnern leider sehr stark an Brüderle und Rösler und teilweise sogar an Werner Naumann.

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  5. 12. Februar 2020 21:12

    Ihr Lieben, die FDP ist keine liberale Partei, sie ist eine nationalliberale Partei. Der letzte Liberale war Ralf Dahrendorf und der ist tot. Ich finde es bemerkenswert, dass ihr alle die AFD unterschätzt. In Anbetracht der Judenhetze, die von der Friedensbewegung und der gesellschaftlichen Linken ausgeht, verstehe ich das aber ich halte das für falsch. Übrigens ist Sozialdemokratie keine „Arbeiterpartei“ obgleich es schon noch ArbeiterInnen gibt. Der Klassenbegriff hat sich aber gewandelt, während die Ideologie niemals eine für ArbeiterInnen allein war. Ich erinnere an Horkheimer, der stand wie ich dem Marxismus sehr nahe und wollte nicht „die Arbeiter“ erreichen, das wäre weniger als Vulgärmarximus.

    Schaut euch das Programm an, das die AFDler vertreten, es ist ein antiemanzipatorisches Projekt. Frauenfeindlich, Behindertenfeindlich, ultraneoliberal. Lasst euch nicht von Frau von Storch täuschen, das ist eine Strategie, auf die sogar Bibi reingefallen ist, der obgleich er ein Konservativer ist, sonst sehr hellsichtig ist. Frau von Storch, will damit ihre antiemanzipatorischen Inhalte verschleiern.
    Das Problem der gesellschaftlichen Linken und auch mein Problem ist, dass niemand begreift, dass die DDR ein im Kern völkischer Staat war. Völkisch ist die Verbindung von Nationalismus, Sozialfürsorge mit Antisemitismus/Rassismus und genau das war die Grundideologie des sogn. Antiimperialismus. Das ist eine Diskreditierung des Sozialismus, der immer noch eine sehr positive Ideologie ist.

    Weil Israel von arabischen Faschisten täglich bedroht und beschossen wird, die ihrerseits auch noch von Martin Schulz oder Gabriel oder Frau Wagenknecht oder Schlimmeren bejubelt werden, ist die AFD keine demokratische Partei. Sie sind Faschisten und ihre Wählerschaft auch. Vergesst nicht, es gibt unterschiedliche Häuser.
    Und weder FDP noch CDU und schon gar nicht CDU sind akzeptable Parteien. Oder demokratisch. Ja ich weiß, wir sind uns einig, die Grünen auch nicht die Iranversteher sowieso nicht. Und Martin Schulz sowieso nicht oder Gabriel, schauder…

    Also wer gründet mit mir eine neue Partei mit emanzipatorischen Inhalten? Oder revolutioniert die SPD?

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    • 13. Februar 2020 10:33

      Verzeihen sie mir, dass ich ihnen erneut widersprechen muss, aber würde man ihre Beurteilung tatsächlich großflächig anwenden, dann gibt es in Deutschland keine „akzeptablen“ (was in meinem Buch „demokratisch“ bedeutet) Parteien gibt und die deutsche Demokratie wie sie zumindest im Westen seit 1945 und im gesamten Deutschland seit 1992 existiert, eine Farce ist.

      Ich kann das nicht so stehen lasen.

      Die Verzweiflung über „ultraneoliberale“ Politik ist der Ausdruck des frustrierten linken Mainstreams darüber trotz seiner kulturellen Hegemonie politisch unbedeutend zu sein und einfach nicht mehrheitsfähig. Die Linken haben den Faschismus nicht besiegt, und den krieg nicht gewonnen. Das waren die USA und der amerikanische „Neoliberalismus“. Nicht die sozialistischen Terrorstaaten haben die Welt besser gemacht, sondern amerikanische Popkultur und westliche kapitalistische Konsumkultur.

      Es sind die Linken, die gegen den Faschismus verloren haben und es war die Sowjetunion, die mit Hitler einen Pakt einging. Nichts, aber auch gar nichts ist von einer Linken zu erwarten, die die AfD als „faschistisch“ qualifiziert, aber nicht den Antisemitismus ihrer stalinistischen Vergangenheit reflektieren will.

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    • 13. Februar 2020 11:08

      @chaikagrossmann
      Keine Frage die AfD ist ein antiemanzipatorisches Projekt, ultraneoliberal, für Atomkraft, Frauenfeindlich („Abtreibung ist KEIN Menschenrecht“) usw.

      Wie schon an anderer Stelle geschrieben, es gibt Juden in der AfD und jüdische AfD-Wähler weil die AfD im Gegensatz zu den anderen Parteien den muslimischen Antisemitismus anprangert und weil die AfD im Bundestag die besten Reden zu Israel hielt.

      Es bleibt darüber hinaus vor allem der Geschichtsrevisionismus der AfD und die antisemitische Holocaustrelativierung.

      Demokratisch sind meiner Meinung alle Parteien im Bundestag, solange sie noch vom Verfassungsgericht nicht verboten sind, und ich sehe aktuell keine Anzeichen dass dies in nächster Zeit auf der Tagesordnung stehen könnte.

      @Jurek Molnar
      Die USA und der amerikanische „Neoliberalismus“ waren ein Teil der Befreiung vom Nationalsozialismus der andere Teil war die Sowjetunion. Die Sowjetunion hat Auschwitz befreit. Die Sowjetunion hatte darüber hinaus die meisten Menschenleben zu beklagen, wenn man sich die Neuaufteilung Europas nach 1945 ansah, dann war die Sowjetunion nicht nur der moralische Sieger. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion gab es dann die Neuaufteilung Europas, aber das ist eine andere Geschichte. Der Hitler-Stalin-Pakt hatte eine Vorgeschichte, unter anderem das Münchner Abkommen, den Spanischen Bürgerkrieg, die deutsch-polnischen Verträge.

      Der Antisemitismus der Linken von Proudhon, Sorel über Stalin, die Sowjetunion bis hin zur Linkspartei ist unbestritten, dafür lege ich für alle der hier Mitdiskutierenden die Hand ins Feuer.

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      • 13. Februar 2020 12:12

        Die Sowjetunion unter Stalin hat mit Hitler paktiert, Vorgeschichte hin oder her. Und dass die SU die meisten Menschenleben zu beklagen hatte, liegt daran dass Stalin die Sowjetunion schutzlos und unvorbereitet der Wehrmacht preisgab. Man kann das nicht einfach so wegrationalisieren, aber bei der AfD sofort die Wiederkehr des Nationalsozialistischen herbei reden. Da muss es doch eine vernünftige Art und Weise geben, politisch bessere Qualitätsurteile abzugeben.

        Wenn man bei Höcke und Gauland den Faschismus sehen will, dann ist es unredlich die Relativierungsmaschine bei der Sowjetunion und den kommunistischen Massenmorden des 20. Jahrhunderts anzuwerfen.

        Die Qualifizierung der AfD als „faschistisch“ ist willkürlich und hat keine Grundlage in der Politik der Partei selbst. Die wütende Ausgrenzung der AfD oder auch der FPÖ kommt daher, dass die Linke Hegemonie heute zwar ihre Feinde denunzieren kann, aber den Holocaust nicht verhindern und den Faschismus nicht besiegen konnte. Würde man diese Beurteilung universal anlegen, müsste man kommunistische Parteien sofort verbieten und Muslime flächendeckend ausweisen, denn der tatsächlich faschistische (das heißt der Krieg, Zerstörung und Vernichtung propagierende und aktiv unterstützende) Cluster weltweit sind muslimische Kleriker und Regime, die Israel, den Westen und alle Ungläubigen bekämpfen möchten.

        Niemand von uns würde eine solche Politik wollen und ich würde sie niemals unterstützen, also bin ich auch bei der AfD nicht dafür.

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      • 13. Februar 2020 15:52

        Die Sowjetunion hatte 27 Millionen Menschenleben zu beklagen weil Nazi-Deutschland von 1941 bis 1944 einen rassebiologischen Vernichtungskrieg gegen Juden, Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung geführt hat. Der Überfall auf die Sowjetunion wurde von der deutschen Propaganda als europäischer Kreuzzug zur Verteidigung der europäischen Kultur gegen den „jüdischen Bolschewismus“ gefeiert. Dieser Krieg verlange ein „rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden und die restlose Beseitigung jedes aktiven und passiven Widerstandes“. Mit diesem Aufruf zum Massenmord, sowie dem sogenannten „Kommissarbefehl“ und dem „Kriegsgerichtsbarkeitserlass“ wurden deutsche Offiziere und Mannschaften zur Ermordung aller verdächtigen sowjetischen Zivilisten ermächtigt. Im sogenannten „Generalplan Ost“ sollte eine deutsche Ordnung durchgesetzt werden. Zur Tötung vorgesehen waren vor allem die sowjetischen Kriegsgefangenen. Von den insgesamt 5,7 Millionen Gefangenen starben drei Millionen nach ihrer Gefangennahme indem sie verhungerten, erfroren, an Seuchen starben oder auf Todesmärschen erschossen wurden. Von den 27 Millionen Sowjetbürgern wurden mehr als die Hälfte hinter der Front ermordet, ehe es der Roten Armee gelang Auschwitz und die Sowjetunion zu befreien. Deutschland verfolgte und ermordete systematisch und mit industriellen Methoden über sechs Millionen Juden unter anderem in Konzentrationslagern und Vernichtungslagern, wie beispielsweise Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor oder Majdanek. In den großen deutschen Vernichtungslagern wurden weit über drei Millionen Juden durch Vergasung in Gaskammern fabrikmäßig ermordet oder massenhaft erschossen.
        Die deutsche Wehrmacht ermöglichte nicht nur den Betrieb von Auschwitz, sie verübte darüber hinaus unzählige Massaker. Die größte einzelne Mordaktion im zweiten Weltkrieg geschah unter der Verantwortung der Wehrmacht in Babi Jar bei Kiew, bei der am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 Juden ermordet wurden. Eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Krieges gegen die Sowjetunion war die „Blockade von Leningrad“. Vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 wurde die sowjetische Stadt Leningrad von den deutschen Soldaten der Heeresgruppe Nord belagert. Die Leningrader waren während der Belagerung auf ständiger Nahrungssuche. Gegessen wurden eispielsweise Klebstoff, Tapetenkleister oder Lederwaren. Ab November 1941 gab es in Leningrad weder Katzen oder Hunde noch Ratten und Krähen. Während der 900-tägigen Belagerung kamen etwa 1.100.000 LenigraderInnen ums Leben, die meisten starben an Unterernährung und Unterkühlung. Über zwei Millionen sowjetische Soldaten starben in der längsten Schlacht des zweiten Weltkriegs und retteten Leningrad und seine Menschen vor der Vernichtung.

        Die Verantwortung für Auschwitz und für den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion hat also Nazideutschland und sonst niemand. Genauso gut könnte man Israel vorwerfen einfach nur bessere Raketenabwehrsysteme zu installieren, dann gäbe es keine Opfer bei den Raketenangriffen von Hamas und Hisbollah. Verantwortlich für die Morde sind die Mörder, sind die Angreifer.

        In meinem Beitrag schreibe ich: „Aber auch die AfD ist nicht die NSDAP und jede Gleichsetzung ist eine Verharmlosung des Nationalsozialismus. Die Gleichsetzung von Björn Höcke mit Adolf Hitler passt genauso wenig, wenngleich Höckes Weltbild durchaus als nationalsozialistisch bezeichnet werden kann.“

        Wenn Höcke und Gauland die Verbrechen des Nationalsozialismus verharmlosen. leugnen oder relativieren, dann dürfen sie nicht jammern wenn man ihnen ein nationalsozialistisches Weltbild vorhält. Die Aussagen von Höcke, Gauland und Co. sind Grundlage für die Kritik an der AfD. Wenn Höcke und Gauland nicht meinen was sie sagen, dann sollen sie besser überlegen was sie sagen. Wie soll man aus der Geschichte lernen wenn man die Verharmlosung und Relativierung des größten Menschheitsverbrechen nicht entsprechend kritisieren darf?

        Die kommunistischen Massenmorde und der kommunistische Antisemitismus sind ein anderes Thema, das man nicht mit den Verbrechen des Nationalsozialismus vermischen und sie damit relativieren darf.

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        • 13. Februar 2020 16:35

          ich habe nichts relativiert, sondern lediglich eine Tatsache fest gestellt: Die 27 Millionen Toten der Sowjetunion wären nicht notwendig gewesen, hätte Stalin nicht zuerst den Pakt mit Hitler geschlossen, was die Juden Polens der Vernichtung auslieferte und nachdem er zwischen 1939 und 1941 die Hälfte seines Offizierskorps ausradiert hatte, die sowjetische Bevölkerung schutzlos der Nazikriegsmaschine auslieferte.

          Der Vernicht8unsgkrieg der Nazis hätte niemals solche Ausmaße annehmen könne, auch die Shoah wäre zu verhindern gewesen, wäre für Stalin und die sowjetische Führung Antifaschismus jemals mehr als ein Lippenbekenntnis gewesen.

          Ich verstehe nicht, warum man dieses bluttriefende Monster, das nach den Kriterien, die man bei der AfD anlegt, mit „völkisch“ und „faschistisch“ noch gut bedient wäre, ständig versucht aus seiner historischen Verantwortung zu nehmen.

          Wenn man Auschwitz nicht als Verantwortung und Versagen aller Kriegsteilnehmer betrachtet, das Verbrechen, das deutsche Täter und Kollaborateure begingen und das Versagen aller anderen, die es nicht verhindern konnten, ist es nicht mehr das singuläre Verbrechen, als das man es betrachten muss.

          Stalin hätte Auschwitz verhindern können. Die Sowjetunion hätte mit viel weniger Kriegstoten die Nazis davon abhalten können, so viele Juden zu ermorden, wäre sie vorbereitet in den Krieg gezogen. Es ist eben nicht etwas anderes, sondern die Verbrechen der Nazis und die des kommunistischen Terrorstaates bedingen einander. Sie sind weder historisch noch politisch voneinander zu trennen, weil beide nicht möglich ohne den anderen gewesen wären.
          Die Teilung Polens ermöglichte den Nazis aber ab 1941 systematisch zu betreiben, was vorher eine unkoordinierte und bruchstückhafte Vorstufe zum Massenmord in KZs und Gaskammern gewesen ist.

          Und ich sage dies nochmals: wer die AfD als „faschistisch“ bezeichnet, muss noch weit mehr Leute als faschistisch nennen und die Kritik weiter treiben.

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        • 13. Februar 2020 17:29

          Zuallererst ist festzuhalten, dass Höcke, Gauland und Konsorten den Holocaust, die Verbrechen Nazideutschlands relativieren, verharmlosen oder leugnen. Vom „Vogelschiss“ über das „Mahnmal der Schande“ bis zur „dämlichen Bewältigungspolitik“ Wer so etwas sagt darf sich nicht beschweren wenn ihm diese Aussagen um die Ohren gehauen werden.

          Selbst wenn Stalin 75 Prozent seines Offizierskorps ermordet hätte, gäbe es kein Recht der Welt die Sowjetunion zu überfallen und sechs Millionen Juden zu ermorden. Alle Fehler während des Krieges Stalins und seiner Generäle sind keine Entschuldigung, sind kein Freibrief für die Verbrechen Nazideutschlands. Mörder bleiben Mörder und Angreifer bleiben Angreifer und die systematische fabrikmäßige Ermordung von sechs Millionen Juden bleibt ein singuläres Menschheitsverbrechen.
          Selbst wenn eine Frau halbnackt und unbewaffnet abends durch einen Park geht hat niemand das Recht sie zu überfallen. Die Vermischung von Tätern und Opfern, eine Täter-Opfer-Umkehr halte ich wie immer für absolut unzulässig.

          Wir haben in dieser Frage offenbar einen unauflösbaren Dissens. Ich werde dich sicher nicht überzeugen, distanziere mich eindeutig von deiner These und halte von daher fest: Ich lehne jede Geschichtsklitterung die in Richtung Nolte geht ab. Ernst Nolte war bekanntlich der Ansicht: „Vollbrachten die Nationalsozialisten, vollbrachte Hitler eine ‚asiatische‘ Tat vielleicht nur deshalb, weil sie sich und ihresgleichen als potentielle oder wirkliche Opfer einer ‚asiatischen‘ Tat betrachteten? War nicht der ‚Archipel Gulag‘ ursprünglicher als Auschwitz? War nicht der ‚Klassenmord‘ der Bolschewiki das logische und faktische Prius des ‚Rassenmords‘ der Nationalsozialisten? Sind Hitlers geheimste Handlungen nicht gerade auch dadurch zu erklären, daß er den ‚Rattenkäfig‘ nicht vergessen hatte? Rührte Auschwitz vielleicht in seinen Ursprüngen aus einer Vergangenheit her, die nicht vergehen wollte?“

          Die Rote Armee hat Auschwitz mit millionenfachen Menschenopfern befreit. Das ist ein Faktum und alles andere ist Spekulation. Wer will wie beweisen dass es ohne Stalin kein Auschwitz gegeben hätte?

          Ohne den Hitler-Stalin-Pakt hätte Hitler bereits 1939 die Sowjetunion angegriffen, ohne den 2-Frontenkrieg hätte Nazideutschland die Sowjetunion besiegt, in Auschwitz wären nicht sechs sondern wie geplant alle Juden Europas Juden ermordet und wir würden hier nicht frei schreiben weil Nazideutschland den Krieg nicht verloren hätte.

          Und ich sage nochmals, die AfD ist nicht die NSDAP und Höcke ist nicht Hitler, aber Höcke hat ein völkisches nationalsozialistisches Weltbild, er relativiert den Holocaust, will das „Denkmal der Schande“ in Berlin am liebsten ausradieren. Höcke als faschistisch zu etikettieren ist zu wenig, sein Gedankengut ist völkisch nationalsozialistisch.

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  6. Steve permalink
    17. Februar 2020 13:49

    Ein bundesweiter Umfrage-Schock für die FDP jagt den anderen. Die FDP kratzt jetzt bundesweit an den 5 Prozent. In Hamburg kommende Woche dürfte es nicht reichen. Kemmerich hat seiner Partei einen Bärenddienst erwiesen.

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  7. 17. Februar 2020 19:53

    @chaikagrossmann (12. Februar 2020 20:48):
    „Oder besser so ähnlich wie weiland bei der KPD der Weimarer Republik. Die waren sehr aggressiv und verbalradikal auch in ihrer Judenhetze. Dennoch spielten sie letztlich keine Rolle,…“
    Das ist kein vernünftiges Argument.
    Nur weil die KPD der NSDAP „unterlag“ (salopp: ein Antisemit unterlag dem anderen Antisemiten; wie bedauerlich ist das denn?) macht das deren Antisemitismus nicht besser oder weniger gefährlich. Antisemitismus hat stets zum Endziel die Vernichtung der Juden. Juden hilft es nicht, sich in dieser oder jener (zB., politischen) Spur zu befinden. Du denkst vielleicht, weil Kommunisten „assimilierte Juden“ nicht aus „rasseideologischen“ Gründen ermorden würden*, wären sie weniger gefährlich für jüdisches Leben?
    Warum dann, zB., Chanuka?
    Das bezieht sich zwar auf Ereignisse im Land Israel/Juda, eine wahrlich andere Geschichte, nur zum Nachdenken mag ich es hier mit einwerfen.
    (*Und: der wohl nicht so freundliche Onkel Stalin -war der Kommunist?- hatte offenbar eine andere Auffassung, und alleine sein „frühzeitiger“ Tod 1953 hinderte ihn an der umfassenden und finalen antijüdischen Säuberung, die fest zu seiner Lebensplanung gehörte.
    Die These könnte also sein: Weil er „zu früh/rechtzeitig genug“ starb war er ein „etwas besserer Mensch“ als Hitler? Wie kann ich nicht sarkastisch, ja zynisch, werden mit solchen Thesen?
    Einfach den Mund halten? )

    @chaikagrossmann:
    „ Nur weil die antisemitische deutsche „Linke“ so unerträglich ist, heißt das nicht, dass 25 Prozent ein Recht auf Faschismus haben.“

    Mal abgesehen davon, daß es ziemlich offenbar eine unschöne Unterstellung ist jenen „25%“ Faschismus zu unterstellen (auch, wenn es eine so leere Formulierung mittlerweile scheint, so ist der pejorative Charakter zweifellos der entscheidende), gibt es eine einfache Antwort selbst für den Extremfall: doch!

    Nu, spinnt der, der hier schreibt? Ist er gar selbst ein Faschist oder Nationalsozialist (wie das für unsere Freunde aus der „Israelkritiker“-Szene eine dumpfe Gewißheit ist!)?

    Ein wenig im Kreis drehen wir uns schon, klar. Es muß einfach möglich sein in einer tatsächlichen Demokratie, daß der Demos mitreden kann, nicht muß. Und wenn diese sogenannten „Faschisten“ nicht mitreden dürfen, weil „Antifaschisten“ dann „ein bisschen Krieg“ wittern, ohne mal zu überlegen, warum sie (selbst „selbstverständlich“) mitreden dürfen (oder schlicht die ganze Regierung unter sich aufteilen dürfen), dann sucht sich der 25%ige Faschist andere Wege um Gehör, und sei’s eben irgendwo neben dem Keller, wo die anderen zum Lachen sich verstecken.
    Und diese Formulierung, nebenbei, ist nicht nur so ein wenig Freiheit der Albernheit, man lese mal zu dem Aspekt „Lachen“ (und „Trauer“, und zuviel Co2 durch Minibusse und „Patrols“) in folgendem Artikel:
    https://www.zeit.de/kultur/2020-02/iran-krieg-regime-haft-gefaengnisse-maddah-gesaenge/komplettansicht?

    Wenn das nicht genügt, dann tut’s vielleicht auch „Als das Lachen tödlich war“ von Ralph Wiener.
    Nur so als Beispiele.

    Niemand hier unterschätzt die „Gefahr von rechts“, oder habe ich was verpaßt?
    Und doch sind es die „echten“ Neonazis, die mit den Mohammedanern in Deutschland durch die Straßen ziehen um „Juden ins Gas!“ zu fordern*. Geht wohl nicht an den Weihnachtsmann, solches (hier also doch „demokratisches“??) Begehren, und auch zu Purim wissen wir, was diesen Leuten zusteht.
    (*Hitler-AlHusseini, die Verbindung ist nicht verschwunden, auch wenn die angesprochenen Namensträger neulich verstorben sind, so eben nicht ihre Anhänger.)

    Und, soweit ich weiß, die AfD marschiert da nicht mit.
    Einzelne -zu viele- aus ihren Reihen mögen es sich wünschen, mag sein.
    Und der angesprochene Aspekt der „Israel-Instrumentalisierung“ ist auch im Auge zu behalten, bei ALLEN Parteien.

    Die Gefahr einer Ermächtigung, so wie Hitler und seine Bande es vorgeführt haben, die ist gerade in der Demokratie nach wie vor gegeben, man verhindert das aber nicht, indem man die eine Schweinerei bemüht ignoriert, und die andere massik aufbläst.
    Das stinkt nach Hysterie. Wem sollte solches helfen?

    @chaikagrossmann:
    „Reisst euch zusammen.“

    Das könnte als „Kaderzwang“ (der Zusammenhänge wegen, wie sie hier besprochen werden) verstanden werden, für mich persönlich keine Option, „lead or follow“ hat mit demokratischem Verständnis nichts zu tun. Wenn die Mehrheit der (lauten) Deutschen nur nicht dieses „lead or follow“ so verinnerlicht hätten, dann wäre es möglich gelebte Demokratie hier zu erleben, und nicht die Steinigung der hellen Köpfe.

    Mein Eindruck ist, daß „die Deutschen“ schon auf der richtigen Spur waren, bis dann vor etwa drei Dekaden die Weichen zum „inneren Untergang“ gelegt wurden.
    (Und ich selbst war dumm und jung genug, daß nicht früh genug erkannt zu haben.)
    Diesen „Verdienst“ können sich nicht einmal die Neonazis (nach 1945, und trotz Hitlers Empfehlung, daß „die Deutschen“ den Untergang als „Schwächlinge“ verdient hätten) selbst zuschreiben, sondern meine „falschen Freunde“ mit ihrem „Nie wieder (Nazi)!“-Trick.
    Der „relative Wohlstand“ täuscht viele Otto-Normal-Bürger noch darüber hinweg, daß die Büchse der Pandora nun ausgegossen wurde, nachdem man Jahrzehnte darauf hinarbeitete.

    Wie dem auch sei, ich verstehe die letzte Mahnung von Dir als echte Sorge.
    Kennst Du dieses Lied?

    Wo wir das Vergnügen hier haben können, der wunderschönen Stimme von Ofra Haza, sel.A., zu lauschen, möchte ich auch auf das Lied „im ninalu“ (von Shalom Shabazi) hinweisen, welches durch ihre Interpretation weltweite Bekanntheit erlangte, und auch die „bösen Deutschen“ haben dieses Lied offenbar sehr geliebt, wenn sie wohl auch den Text nicht verstanden haben mögen.
    Dazu sage ich nur: Rechtschaffenheit hilft zu hoffen, daß „auch dir“ (bitte bei mir den Unterschied zwischen Großschreibung – direkte Anrede, Kleinschreibung – allgemeine Anrede, beachten) das „Tor zum Himmel“ offen steht.

    Und wieder ganz direkt , großes „Du“, Deine Mühe um Rechtschaffenheit (es ist die aufrechte Mühe die es ermöglicht und kein „genetischer Bonus“) ist kaum anzuzweifeln, kann man hier doch nachlesen. Nur, bitte, orientiere dich so gut du kannst an der jüdischen Lehre, beurteile eine Lage erst dann, wenn du allen Beteiligten den Raum gegeben hast, ihre Perspektive zu zeigen.
    Das ist angemessen, und der geeignete Weg um auch den anderen Rechtschaffenheit zu erleichtern.
    Die Feinde, wenn sie auch mit Tricks und Lügen ihre Absichten zu verschleiern suchen, wirst Du (und du) erkennen wenn die Zeit ist. Bemühe Dich nicht blind in die Falle zu laufen, gerade so, wie Du es uns auch empfiehlst.

    Die „Rechtspopulisten“ im Europa dieser Tage sind, soweit ich in der Lage bin das zu beurteilen, nicht Amalek. Das bedeutet mitnichten, daß Amalek verschwunden ist; vergessen wir nicht Amalek!, es ist präsent wie vor über 3000 Jahren. Auch in ihren, zwischen ihren, Reihen, den Reihen des „rechten“ Protests.

    Unsere Gnade von einst, entgegen dem Befehl (und wieder, der Wille des Menschen ist frei, auch der Wille Gnade zu üben), ist auch ein Grund, daß der mörderische Judenhass noch heute so gefährlich und real ist.
    Der Feind „bedankt“ sich mit Feindschaft.
    Doch der unerkannte Freund in ihren Reihen sollte nicht verraten und ausgeliefert werden als vermeintlicher Feind, indem wir ihn via Sippenhaft und hochmütigen Allgemeinurteilen verdammen im Haus des Feindes zu leiden.
    Erinnere dich, einst waren wir Fremde… ( …und sind es noch heute.)

    Die Kinder von Esaw und Jishmael sind Amaleks Verlockungen erlegen, weil sie es als Preis für ihre Vormachtsbestrebungen bezahlen, weil sie gierig und hochmütig sind, und selbstgerecht, und die Zehnworte mißachten.

    Anders gesagt, es ist ein altes Übel unter den Menschen, weshalb wir die Zehnworte haben um uns entgegen dem im Menschen angelegten jezer hara richtig zu entscheiden. Wir haben den Verstand und das Herz, wir haben das Licht der Torah. Wir sind nicht angewiesen auf die Verlockungen hintertriebiger Menschen, die für sich entschieden haben böse gut zu nennen, und Lüge Wahrheit zu nennen, und die Rechtschaffenden zu verteufeln.

    (Du hast von Deiner marxistischen Orientierung erzählt.
    „Marxismus, Sozialismus“, usw., alleine brauchen nicht, mit etwas Flexibilität, einer „jüdisch-aufrechten Gesinnung“ widersprechen, es hat schließlich einen tieferen Grund, warum „linke“ Ideale auch viele Juden anspornen zu, zB., sozialem Engagement. Das ist ein Element der Nächstenliebe, ein Fundament des Judentums. Bis heute lebendig über tausende von Jahren geübt. Keine „Instrumentalisierung“ oder dergleichen, sondern wahrhaft gelebtes Judentum, auch im, und vom, Staat Israel. Warum also will man uns zerstören?)

    PS/ chaikagrossmann, bist Du J. aus B.? Zumindest rede ich Dich als Jüdin an. Sollte ich mich dahingehend getäuscht haben, dann sind meine Worte doch nicht falsch. Aber dann magst Du vielleicht garnicht verstehen wovon ich rede. Dann bitte ich um Verzeihung, wenn es Dein Unverständnis, vielleicht sogar Ärger?; erregen sollte.
    Jude oder nicht, wer ohne Not sich Feinde auserwählt, und zum Kampf gegen jene aufstachelt, der ist (im „besten“ Falle) einfach sehr dumm.

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  8. nussknacker56 permalink
    18. Februar 2020 21:00

    Klar ist, dass die AfD aus verschiedenen Gründen nicht wählbar ist. Aber ist sie wirklich eine faschistische Partei? Wenn ja, war die CDU/CSU damals (1950–1980) ebenfalls eine faschistische Partei? Auch in deren Mitgliederschaft gab es Antisemiten, ehemalige NSDAP-Mitglieder in höchsten Funktionen und einen Ex-Marinerichter als Ministerpräsidenten.
    Die inflationäre Verwendung des Wortes „faschistisch“ und damit dessen Entwertung halte ich für sehr problematisch. Diese Bezeichnung ersetzt bei sehr vielen eine wirkliche Auseinandersetzung bzw. eine genaue Analyse.

    Ist die Haltung der AfD gegenüber Israel tatsächlich eine rein instrumentelle? Wenn das so wäre, müsste diese Partei dann nicht ein vollkommen homogener geschlossener Block sein – was ich so nicht erkennen kann. Wahrscheinlicher ist: Ein Teil hat ein instrumentelles oder taktisches Verhältnis dazu, ein anderer Teil meint es im weiteren Sinne „aufrichtig“ und ein dritter Teil hat keine Meinung dazu und schließt sich der Mehrheit an.

    Eines ist für mich allerdings ebenso klar wie die Nichtwählbarkeit der AfD: Der Hass auf Israel ist in anderen Parteien (Linke, SPD, Grüne) wesentlich(!) virulenter und vor allem prägen diese unsere Gesellschaft in einem deutlich stärkeren Ausmaß. Die linke, linksliberale, liberale und z.T. auch konservative Presse hat den Hass auf Israel in einem ungleich stärkeren Ausmaß über viele Jahrzehnte hinweg angefeuert. Man denke nur an Spiegel, Zeit, SZ, FR und all die anderen Blätter, die ihre Leserschaft Tag für Tag mit entsprechenden „Informationen“ beliefern. Diese Tatsachen werden viel zu wenig problematisiert, in der Regel stößt man sich zwar daran, um sie anschließend umso schneller wieder hintenanzustellen.

    Besonders absurd ist, dass diese Klientel sich einbildet, sie sei ganz vorneweg gegen den Antisemitismus. Dabei sind sie lediglich gegen dessen vergangene Form, den Nationalsozialismus und heute gegen den vulgären Antisemitismus der Neonazis. Also gegen etwas, das von ihnen so gut wie nichts abverlangt. Beim heute relevanten israelbezogenen Antisemitismus dagegen findet man sie fast durchgehend auf der Seite derer, die diesen mit spürbarem Erfolg weiterverbreiten und vertiefen.

    Nicht selten habe ich den Eindruck, dass sie mit ihrem billigen Bekenntnis gegen Antisemitismus am liebsten die Jacke schmücken möchten und sich dazu in der Annahme sonnen wollen, sie hätten sich seinerzeit als heldenhafte Widerstandskämpfer hervorgetan und ihr Verhalten wäre ganz anders gewesen als es bei ihren Großeltern der Fall war. Dafür gibt es nur leider überhaupt keinen Anhaltspunkt.

    Gefällt 2 Personen

    • 19. Februar 2020 09:51

      „Besonders absurd ist, dass diese Klientel sich einbildet, sie sei ganz vorneweg gegen den Antisemitismus. Dabei sind sie lediglich gegen dessen vergangene Form, den Nationalsozialismus und heute gegen den vulgären Antisemitismus der Neonazis. Also gegen etwas, das von ihnen so gut wie nichts abverlangt. Beim heute relevanten israelbezogenen Antisemitismus dagegen findet man sie fast durchgehend auf der Seite derer, die diesen mit spürbarem Erfolg weiterverbreiten und vertiefen.“ Genau das ist der allesentscheidende Punkt.

      Gefällt 1 Person

      • 19. Februar 2020 15:26

        Fürwahr, @M. Breitenberger.
        Ergänzen mag ich noch zu Folgendem.

        „Nicht selten habe ich den Eindruck, dass sie mit ihrem billigen Bekenntnis gegen Antisemitismus am liebsten die Jacke schmücken möchten und sich dazu in der Annahme sonnen wollen, sie hätten sich seinerzeit als heldenhafte Widerstandskämpfer hervorgetan und ihr Verhalten wäre ganz anders gewesen als es bei ihren Großeltern der Fall war. Dafür gibt es nur leider überhaupt keinen Anhaltspunkt.

        Der Text von nussknacker56 insgesamt stimmt von vorne bis hinten, und der oben rezitierte letzte Absatz daraus bringt den Heldenmut jener Deutschen brillierend auf den Punkt, wie ihn, zB., die Polen seit September 1939 so zu schätzen wissen. Da hilft auch keine Marienburg-Bewunderung mehr das auszubügeln. Radio Gleiwitz ruft um Hilfe! Radio Gaga zerstreut den Gedanken…

        Gefällt 2 Personen

  9. 19. Februar 2020 22:18

    Kannte ich bislang nicht den Mann, finde jedoch seinen Artikel, der gut zu unserem Thema hier paßt, interessant und lesenswert.
    https://www.reitschuster.de/post/afd-wahn

    Liken

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