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Der Krieg der DDR und der westdeutschen Linken gegen Israel

8. Mai 2020

Zum 75. Jahrestag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus

Heute vor 75 Jahren, am 8. Mai 1945 wurde Europa, nach 65 Millionen Toten und dem Völkermord an den europäischen Juden, durch die Alliierten vom Nationalsozialismus befreit. Neben tausenden jüdischen Partisanen und Widerstandskämpfern in Ost- und Westeuropa dienten 1.406.000 Juden in den regulären Armeen der Alliierten. Innerhalb des Deutschen Reiches gab es von Anfang an Widerstand gegen Hitler, neben Einzelkämpfern wie Georg Elser,  war vor allem die „Roten Kapelle“ um den Kommunisten Leopold Trepper eine wirkungsstarke Gruppe. Mehr als die Hälfte der Mitglieder dieser Widerstandgruppe waren Juden und viele waren Kommunisten. Die meisten Mitglieder der „Roten Kapelle“ wie Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack oder Hans Coppi bezahlten wie Georg Elser ihren Widerstand mit dem Leben.

Deutschland wurde geteilt und viele der überlebenden Juden wanderten 28 Jahre nach der San Remo Konferenz in das am 14. Mai 1948 gegründete Israel aus. Noch in der Gründungsnacht überfielen fünf arabische Staaten Israel und seither versuchen die antisemitischen Nachbarn die Juden ins Meer zu treiben. Gäbe es ein ungeschriebenes Gesetz nach dem Holocaust, so würde es lauten: Keine deutsche Regierung oder politische Gruppierung darf jemals Juden töten oder ihnen Schaden zufügen, noch darf sie jemandem dabei behilflich sein, Juden zu töten oder ihnen Schaden zuzufügen. Die Deutsche Demokratische Republik und ein Großteil der westdeutschen Linken vertraten eine gegensätzliche Sichtweise. Der US-amerikanische Historiker Jeffrey Herf untersuchte die Feindseligkeiten der DDR und der westdeutschen radikalen Linken gegenüber Israel,  von der antisemitischen Propaganda über Waffenlieferungen an arabische Staaten, bis hin zum Schulterschluss mit der terroristischen PLO.

Die Gründung Israels wurde vor allem durch die Sowjetunion, auch aus geopolitischen Interessen vorangetrieben, die wichtigste militärische Hilfe kam nach dem ersten arabischen Überfall aus der CSSR. Zwei Jahre später änderte der Ostblock seine Politik grundlegend und Israel wurde als Verbündeter der westlichen Welt nun zum Feind. In der Sowjetunion kam es zu Säuberungen und Scheinprozessen gegen jüdische Kommunisten und in Prag wurde Rudolf Slánský vorgeworfen, Teil einer zionistischen Verschwörung zu sein. Der polnische kommunistische Antisemit und Innenminister Mieczysław Moczar, der 1946 während des Pogroms von Kielce dort Polizeichef war, organisierte in den 1960er Jahren in Polen den „Kampf gegen den Zionismus“ und legte eine Kartei aller Polen jüdischer Herkunft an um diese entsprechend verfolgen zu können. In Ost-Berlin musste Paul Merker für zwei Jahre ins Gefängnis Hohenschönhausen weil er sich vergeblich für Wiedergutmachungszahlungen an jüdische Holocaust-Überlebende und die Unterstützung Israels eingesetzt hat und Leopold Trepper verbrachte über 10 Jahre in Stalins Kerkern bevor er nach Israel auswandern durfte.

Mit dem Ausschluss Jugoslawiens aus der Komintern wurde im Ostblock verschärft jede Abweichung unterdrückt, dafür war neben dem amerikanischen Imperialismus, dem Titoismus der Zionismus der  zentrale Angriffspunkt. Im „Neuen Deutschland“ wurde nun beinahe wöchentlich von der „Dollarzinsknechtschaft“, den  „zionistischen Monopolkapitalisten“ und der der „imperialistisch-zio­ni­st­i­sch­en“ Unterwanderung berichtet. Am 15. Juli 1967 hielt Walter Ulbricht zum Beispiel eine Rede in Leipzig in der er Israel mit Nazideutschland verglich. Israel wurde in den DDR-Medien dämonisiert und delegitimiert, der Zionismus als „faschistische Ideologie“ denunziert und in unzähligen Reden machten politische Funktionsträger der DDR kein Hehl aus ihren antiisraelischen Ansichten. Verteidigungsminister Heinz Hoffmann besuchte beispielsweise mit seiner Delegation vom 19.-14. Oktober 1971 Syrien und versicherte den dortigen Pressevertretern: „Wir sind überzeugt, dass sie in ihrem Kampf gegen den Feind siegen werden. Wir kämpfen gegen einen gemeinsamen Feind.“ Wer dieser Feind war ließ Hofmann nicht im Unklaren, Israel und die USA sollten besiegt werden. Nach dem Treffen lieferte die DDR unverzüglich 2.200 im eigenen Land gefertigte Kalaschnikows für den erhofften Sieg.  Nach dem Sechstagekrieg schickte die DDR Jagdflugzeuge, Panzer, Scharfschützengewehre, Panzerabwehrgeschütze, Granatwerfer, Kalaschnikows, Tretminen nach Ägypten und Syrien. Als Israel einem zweiten Holocaust so nahe war wie nie, während des Jom-Kippur-Krieg 1973, als es fast zu einer militärischen Niederlage des jüdischen Staat und damit zur Auslöschung seiner Existenz gekommen wäre, waren ostdeutsche MIG-Jagdflugzeuge auf Befehl Honeckers auf syrischer Seite im Einsatz. Die DDR-Piloten blieben in Aleppo und wurden durch sowjetisches Personal ersetzt. Nach ihrer Heimreise bekamen die DDR-Piloten eine Ehrenmedaille, verliehen wurden diese durch einen Major Biedermann (der hieß tatsächlich so) ! Die extremsten und radikalsten Feinde Israels wurden von der DDR mit Waffen und bei der Ausbildung von deren Streitkräften unterstützt.

Zwischen 1967 und 1989 lieferte die DDR „Solidaritätsgüter“ zum Teil kostenfrei an die arabischen Staaten und an die militanten Palästinenserorganisationen, die sich mit Israel im Krieg befanden: 750.000 Kalaschnikow-Sturmgewehre, 120 MiG-Jagdflugzeuge, 180.000 Tretminen, 235.000 Granaten, 25.000 Panzerbüchsen (RPG) und 25 Millionen Patronen unterschiedlicher Kaliber. Darüber hinaus reparierten und warteten ostdeutsche Mechaniker in diesen Jahren 350 MiG-Jagdflugzeuge der irakischen und syrischen Luftwaffe. Von 1972 bis 1989 absolvierten über 3000 ausländische Militärkader eine Ausbildung an ostdeutschen Militärschulen, darunter mehrere hundert aus Syrien, Irak, Libyen und der PLO. Schließlich schickte Ost-Berlin weitere Ausrüstungsgegenstände für militärische Zwecke: Ferngläser, Zelte, Fallschirme, Rundfunkgeräte, Feldlazarette, Zünder und Sprengstoffe. Unzählige verletzte arabische Terroristen und Soldaten wurden in den Krankenhäusern der DDR gesund gepflegt.

Im Jom-Kippur-Krieg von 1973 trat der Gegensatz zwischen der ostdeutschen Parteinahme für die arabische Seite und der Neutralitätspolitik der Regierung Brandt eindeutig zutage. In den Wochen, als die Ostdeutschen ihre tödlichen Waffen gegen Juden in Schiffen nach Syrien schickten, bestand die Bundesrepublik darauf, dass Israels Schiffe die westdeutschen Häfen verließen und verweigerte amerikanischen Flugzeugen auf westdeutschen Militärbasen die Erlaubnis zum Nachtanken. Mitten in den Terrorkampagnen der PLO gegen israelische Dörfer und Zivilisten intensivierte die Sowjetunion und die DDR zwischen 1970 und 1982 die Waffenlieferungen und militärische Ausbildung für die Terroristen, die den Libanon als Basis für ihre Angriffe nutzten. Waffen aus Ostdeutschland gelangten genauso an die PFLP und PDFLP, Organisationen, die sich ihrer Beteiligung an den tagtäglichen grausamen Aktionen gegen israelische Zivilisten rühmten.

Der Auschwitz-Überlebende Heinz Galinski und damals Vorsitzender des Zentralrates der Juden, schrieb nach dem Jom-Kippur-Krieg einen öffentlichen Brief an Erich Honecker, in dem er diesen an seine Vergangenheit als Antifaschist erinnerte und fragte, weshalb die DDR-Berichterstattung derart infam und voller Hass klassische Motive des Antisemitismus aufnehme. Eine Antwort Honeckers blieb aus, wie von selbst ernannten Antifaschisten über ihren linken Antisemitismus bis heute nur ohrenbetäubendes Schweigen zu vernehmen ist.

Auffallend waren besonders die intensiven Bindungen der DDR zu Syrien und dem Irak. In Syrien wie im Irak regierte die Baath-Partei, eine 1940 gegründete sozialnationalistische Bewegung, die sich die NSDAP zum Vorbild nahm, und deren Anführer aus ihrer Begeisterung für Hitler und die NS-Judenvernichtung kein Hehl machten. International gesuchte NS-Kriegsverbrecher wie der wichtigste Mitarbeiter Eichmanns, der SS-Hauptsturmführer Alois Brunner fanden zu hunderten Zuflucht in Syrien oder Ägypten. Für die „antifaschistische“ SED-Führung waren Alois Brunner und Konsorten kein Hinderungsgrund, zu den syrischen Führern „brüderliche“ Beziehungen auf der Basis „antiimperialistischer Solidarität“ zu unterhalten. Der Nachfolger von Amin al-Husseini, der Top-Terrorist Jassir Arafat wurde mehrmals in Ost-Berlin wie ein Staatsgast empfangen. Am 2.8.1973 eröffnete die Terrororganisation der PLO offiziell ein Büro in Ostberlin um die Kontakte zu intensivieren und 1980 unterzeichnete die Staatsicherheit offizielle Kooperationsvereinbarungen mit Abu Ayad. dem Chef des PLO Sicherheitsdienstes. Die Akten der Behörden von Heinz  Hoffmann, Willi Stoph und Gerhard Weiß enthalten unzählige Details der Zusammenarbeit zwischen der DDR und den arabischen Staaten inklusive diverser Terrororganisationen, die alle nur das Ziel hatten Israel zu vernichten.

Die überlebenden Kommunisten in Ostdeutschland hatten, wie große Teile der aktuellen Linken nie wirklich das Wesen und die Ursprünge des Judenhasses begriffen. Ihre Feindseligkeit gegenüber Israel steckt(e) voller Klischees und Stereotypen über die „Boshaftigkeit des jüdischen Staates“, seine „Arglist und sein enormes konspiratives Potenzial“. Große Teile der Linken sehen noch heute eine Verbindung zwischen den Juden und dem Kapital und Betonlinke bezeichnen noch heute Israel als den „Brückenkopf des amerikanischen Imperialismus.“

Für die radikale westdeutsche Linke war die DDR stets ein willkommener Rückzugsort und ihr Antizionismus stand dem der DDR in keiner Weise nach. Anders als bei der DDR, die von der Politik des Ostblocks dominiert war, waren es in Westdeutschland ideologische Überzeugungen die zu zum Hass gegen Israel führten, wobei die DDR der einzige Ostblockstaat war, der keine diplomatischen Beziehungen mit Israel aufgenommen hat. Dieter Kunzelmanns Appelle an seine Genossen aus dem Jahr 1969, ihren „Judenkomplex“ endlich zu überwinden und die gegen Israel kämpfenden „Fedajin“ zu unterstützen, sind bahnbrechende Texte des westdeutschen linksradikalen Antisemitismus und Hasses auf Israel.

Beispielgebend ist auch der Essay Ulrike Meinhofs von 1972, in dem sie sich für den Terroranschlag des „Schwarzen September“ auf die israelischen Athleten bei den Olympischen Spielen in München als eine „antiimperialistische, antifaschistische und internationalistische“ Aktion begeistert.  Der Hass auf Israel oder die Forderung Israel auszulöschen war in radikalen linken Kreisen ab 1967 die Normalität in Westdeutschland. In einschlägigen linken Publikationen wie im „Arbeiterkampf“ war 1973 zu lesen: „Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung des „Zionistischen Staates.“ Der „Rote Morgen“ halluzinierte  im November 1974: „Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“  und die „Autonome Nahostgruppe Hamburg“ meinte 1989: „Der Zionismus – der Feind aller Menschen.“ Interim, 6 titelte 1992: „Sieg im Volkskrieg“; Israel muss weg!“ und in Jakob Augsteins „Freitag“ phantasierten Publizisten 2010 vom „israelischen Apartheidstaat“, vom „KZ Gaza“, der „viehischen Gewalttätigkeit Israels“ oder der „wohlgezielten Schlachtung von Klein- und Schulkindern.“ Die „Rebellen“ der RAF von Ulrike Meinhof bis Andreas Baader ließen sich in palästinensischen Lagern mit Hitlerbildern in den Unterkünften ausbilden und die linken Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann der „Revolutionären Zellen“ entführten ein französisches Flugzeug und selektierten in Entebbe Juden von Nichtjuden. Beispiele dieser Art liesen sich beliebig fortsetzen.

Die judenfeindliche Ideologie von Ulrike Meinhof, Wilfried Böse oder Heinz Hoffmann ist innerhalb großer Teile der Linken weiterhin präsent und nicht nur dort. Aktuell jammert die Süddeutsche Zeitung stellvertretend für das links-liberale Spektrum weil ein postkolonialer Holocaustrelativierer und antizionistischer Israelhasser, ein Achille Mbembe in der Kritik steht. Für die Verteidiger von Mbembe darf nur über den rechten Antisemitismus von Halle gesprochen werden, der linke und der islamische Judenhass muss unter der Decke bleiben, muss tabuisiert werden, denn ansonsten könnte das eigene Weltbild ins Wanken kommen. Postkoloniale, antiimperialistische Linke hatten nie einen Begriff von Antisemitismus und wie die extreme Rechte keinen von der Spezifik des Holocaust und von daher rührt vermutlich auch ihre verschwörungstheoretische Delegitimierung jüdischer Selbstverteidigung. Den ideologischen Gehalt, die Geschichte, sowie das Wesen des Antisemitismus ignorierend, phantasieren postkoloniale Linke, der Rassismus sei ein Antisemitismus gegen Araber oder Muslime. Die übelsten Vertreter dieser Spezies relativieren den Holocaust in dem sie ihn mit kolonialen Massakern oder der Apartheid in Südafrika gleichsetzen. Dabei ist der Zionismus eine Reaktion auf den europäischen, arabischen und islamischen Antisemitismus, er ist die Antwort auf eine jahrhundertelange Verfolgungsgeschichte, insbesondere auf den nationalsozialistischen Völkermord. Ganz nebenbei übersehen die postkolonialen Nachfahren von Ulrike Meinhof und Erich Honecker dass die israelische Staatsgründung ein antikolonialer Akt war.

Pseudolinke macht es fassungslos wenn einem arabischen Terroristen oder einem islamischen Gotteskrieger ein Haar gekrümmt wird, sie halluzinieren von Rassismus wenn die Zumutungen des Islam kritisiert werden, für sie ist tatsächlicher oder vermeintlicher Rassismus das größte Problem dieser Welt und von daher schauen die postkolonialen Linken verschämt zu Boden wenn in Tel Aviv, in Paris oder in Berlin ihre Kameraden Juden, Islamkritiker und Ungläubige massakrieren oder islamisch sozialisierte Flüchtlinge in Europa Juden und Frauen jagen. So verwundert es auch nicht wenn sich postkoloniale Linke nach dem alten Motto „Wehrt euch, kauft nicht bei Juden“ in der grenzdebilen BDS-Bewegung engagieren.

Der linke österreichische Schriftsteller, Widerstandskämpfer und Auschwitzüberlebende Jean Améry beschwor bereits 1969 die antisemitische Linke, wie man heute weiß, vergeblich: „Der Antizionismus ist ein von Grund auf reaktionäres Phänomen, das von den revolutionären progressistischen antikolonialistischen Phrasen über Israel verschleiert wird”, sagte neulich Robert Misrahi, ein französischer Philosoph, der, gleich dem vorhin zitierten Claude Lanzmann, zur weiteren Sartre-Familie gehört. Der Augenblick einer Revision und neuen geistigen Selbstbestreitung der Linken ist gekommen; denn sie ist es, die dem Antisemitismus eine ehrlose dialektische Ehrbarkeit zurückgibt. Die Allianz des antisemitischen Spießer-Stammtisches mit den Barrikaden ist wider die Natur, Sünde wider den Geist, um in der vom Thema erzwungenen Terminologie zu bleiben. Leute wie der polnische General Moczar können sich die Umfälschung des kruden Antisemitismus zum aktuellen Anti-Israelismus gestatten: Die Linke muss redlicher sein. Es gibt keinen ehrbaren Antisemitismus. Wie sagte Sartre vor Jahr und Tag in seinen “Überlegungen zur Judenfrage”: “Was der Antisemit wünscht und vorbereitet, ist der Tod des Juden.”

Quelle: Jeffrey Herf – Unerklärte Kriege gegen Israel: Die DDR und die westdeutsche radikale Linke, 1967-1989

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

10 Kommentare leave one →
  1. Paul Sopiel permalink
    8. Mai 2020 00:42

    Es ist eine Schande wie in Deutschland in Ost und in West mit seiner Verantwortung umgegangen wurde. Ostdeutsche schicken MiGs nach Syrien um Juden zu ermorden und ein paar Jahre später entführen Westdeutsche ein Flugzeug und selektieren wieder Juden.

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  2. 8. Mai 2020 00:50

    Danke für den Beitrag, genau das Richtige zum 8. Mai.

    Gefällt 5 Personen

  3. 8. Mai 2020 08:51

    Ja, der perfekte Beitrag zum 8. Mai.

    Dazu passt: Der Bundesbeauftragte für das jüdische Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, wird derzeit aus einschlägig bekannten Kreisen angegriffen, weil er den Antisemitismus des Mbembe kritisiert hat. Die „einschlägig bekannten Kreise“ werden es nie kapieren.

    https://www.mena-watch.com/unterstuetzung-fuer-antisemitismus-beauftragten-des-bundes-dr-felix-klein/

    Gefällt 3 Personen

    • 8. Mai 2020 09:19

      Die Verteidigungsreden für den „Israelkritiker“ Mbembe aus den „einschlägig bekannten Kreisen“ sind ein weiterer Beleg wie wenig aus der Geschichte gelernt wurde.

      Gefällt 1 Person

  4. Anaxago permalink
    8. Mai 2020 11:22

    Felix Klein, der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung ist dafür, wie das Auschwitz-Komitee, den 8. Mai zum Feiertag zu machen.

    Weil der Umgang mit dem Erbe des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs „so zentral ist für die deutsche Identität und das auch bleiben muss, ist es angemessen, dem Ende des Krieges mit einem eigenen Feiertag zu gedenken“, sagte Klein.

    Gefällt 1 Person

  5. 8. Mai 2020 14:58

    Durch die Ergebnisse meiner Forschungsarbeit in den Archiven des BStU kam ich zu gleichen Ergebnissen wie Jeffry Herf: „Die braune Saat. Antisemitismus und Neonazismus in der DDR“. Bei mir erscheinen jedoch die Neonazis, die die Spitzte der rechten Bewegung darstellten. Selbstverständlich propagierte diese Rechte einen brutalen Antisemitismus und die etwa 700 antisemitischen Propaganda- und Gewalttaten. darunter befinden sich rund 150 Schändungen jüdischer Gräber und Friedhöfe.

    Gefällt 3 Personen

    • 8. Mai 2020 16:43

      Ich kenne einige ihrer Texte über die rechten Bewegungen in der DDR. Der Neonazismus in der DDR wurde von der Führung freilich stets unter dem Deckel gehalten da es in einem antifaschistischen Staat so etwas nicht geben durfte.

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  6. 12. Mai 2020 11:14

    Alan Posener gestern furios und grandios in der Welt („Der Fall Mbembe ist längst ein Fall seiner Apologet*innen geworden“) An der Causa Mbembe zeigt sich, wie wichtig und unverzichtbar die Stelle eines Beauftragten gegen Antisemitismus ist und es zeigt sich auch, dass Felix Klein der richtge Mann für diese Aufgabe ist:

    „Gelobt wird ein Antisemit, gehen soll der Beauftragte gegen Antisemitismus? (..)

    Herrscht in Deutschland ein „Klima der Angst“? Das behaupten 37 jüdische Kunstschaffende und Gelehrte in einem Brief an Innenminister Horst Seehofer. (..) Angeblich gehe die Angst um, weil der Beauftragte der Bundesregierung für den Kampf gegen den Antisemitismus, Felix Klein, den Philosophen Achille Mbembe „schändlich angegriffen“ habe. Dies füge sich in ein „Muster“ der Verwendung des Antisemitismusvorwurfs als „Waffe gegen Kritiker der israelischen Regierung“ und „Aktivisten“ für die Rechte der Palästinenser. Klein arbeite „in Synergie mit der israelischen Regierung“. Er müsse daher entlassen werden.

    Es ist wohl das erste Mal in der Bundesrepublik, dass jemand seinen Job verlieren soll, weil er zu eifrig den Antisemitismus bekämpfe. Die Vorwürfe gegen Klein sind absurd. Niemand muss in Deutschland Angst haben, Israel zu kritisieren. Auch unzutreffende, überzogene, unfaire, ja selbst antisemitische Kritik ist von der Meinungsfreiheit gedeckt. Niemand ist deshalb angeklagt, bestraft oder – wie es Felix Kleins Feinde fordern – entlassen worden. Wer aber austeilt, muss einstecken können. Es gibt kein Recht auf Kritik ohne Widerspruch. Schon gar nicht gibt es ein Recht auf öffentliche Förderung des Antisemitismus.(..)

    Klein kritisierte, dass Mbembe den Eröffnungsvortrag bei der hoch subventionierten Ruhrtriennale halten sollte, obwohl Mbembe die vom Bundestag als antisemitisch bezeichnete „Boycott, Divestment and Sanctions“-Bewegung (BDS) unterstütze. Der Bundestag fordert, BDS-Aktivisten keine staatliche Unterstützung zu gewähren. Klein waltete also nur seines Amtes, als er gegen den geplanten Auftritt Mbembes protestierte. Mbembe hat wiederholt Kleins Vorwurf bestritten. Dabei hat er 2015 eine BDS-Resolution mitunterzeichnet; als Star-Autor ein Vorwort für das Buch „Apartheid Israel“ verfasst, dessen Einnahmen der BDS-Bewegung zukommen; darin zur „weltweiten Isolation“ Israels aufgerufen; und 2018 an seiner südafrikanischen Universität die Ausladung der israelischen Psychologin Shifra Sagy erzwungen, die an einer Konferenz über die Traumata von Rassismus und Kolonialismus teilnehmen sollte. (..)

    Mbembe hat also gelogen. Trotzdem haben in einer zweiten Resolution bekannte Gelehrte – darunter Wolfgang Benz und Micha Brumlik – zur Solidarität mit ihm aufgerufen. (..)

    Bei Mbembe kommt beim Vergleich Israels mit dem Apartheidregime heraus: Israel betreibe eine „fanatische Politik der Zerstörung, die darauf abzielt, das Leben der Palästinenser in einen Ruinenhaufen zu verwandeln oder in einen Abfallhaufen, der gesäubert werden soll. In Südafrika erreichten die Schutthaufen nie solche Ausmaße.“ Ist dieser Vergleich „analytisch“? Nein, er ist demagogischer Unsinn.

    Warum aber sind die Israelis so „fanatisch“? Der mit christlichen Vorurteilen gegen Juden erzogene Mbembe schrieb 1992 in „Israel: die Juden und wir“, die Juden hätten „den krankhaften Willen zum Nichts“ internalisiert, der für die Täter des Holocausts kennzeichnend gewesen sei. Aus jüdischen Opfern seien so israelische Täter geworden. Ist dieser Vergleich „analytisch“? Nein, er ist eine demagogische Diffamierung. 2012 sagte Mbembe bei einer „Mahnwache“ für tote palästinensische Kinder: „Wenn der Holocaust das Desaster des 20. Jahrhunderts war, so ist Palästina der größte Skandal unserer Zeit.“ Ist dieser Vergleich „analytisch“? Nein, er ist eine demagogische Ungeheuerlichkeit.

    In seinem Aufsatz „Necropolitics“ (2003) definiert er in Anlehnung an den Philosophen Michel Foucault Souveränität als „das Recht zu töten“. „Nekropolitik“ ist dementsprechend die Entscheidung, wer leben und wer sterben soll. Foucault sah im NS-Staat das vollkommenste Beispiel dieser Entscheidungsgewalt. Mbembe aber sieht die Nekropolitik in der ganzen Moderne am Werk: im Kolonialismus, in der Französischen Revolution, bei Marx und Stalin, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, in der Apartheid und im Kosovokrieg aufseiten der Nato. Jedoch: „Die vollkommenste Form der Nekromacht ist die heutige koloniale Besetzung Palästinas.“ Diese Besetzung – Mbembe lässt offen, ob er das frühere Mandatsgebiet Palästina einschließlich Israels oder nur die Westbank meint – sei „heiliger Terror“. Die israelische Identität sei begründet durch „die Anbetung einer Gottheit“ und die Feindschaft gegen andere Gottheiten. Der Selbstmordattentäter hingegen – also der zur Ermordung von Juden losgeschickte Terrorist – wähle im Sinne Martin Heideggers die Freiheit des „Seins zum Tode“ und „arbeitet im Zeichen der Zukunft“. Sein „Märtyrertod“ bedeute „die Erlösung von Terror und Gefangenschaft“. Ist das ein „analytischer“ Vergleich? Nein, es ist christlicher Antijudaismus, verbunden mit der philosophisch verbrämten Apologie des Massenmords.

    Achille Mbembe hat das Recht, seine Ansichten kundzutun. Wenn aber Felix Klein meint, dass Deutschland ihn nicht hofieren sollte, verdient er Unterstützung statt Maulkorb und Berufsverbot. So sehen es der Zentralrat der Juden und alle wichtigen jüdischen Organisationen Deutschlands. Der Fall Mbembe ist längst ein Fall seiner Apologet*innen geworden.“

    https://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article207880599/Leitartikel-Absurd-ist-noch-zu-tief-gegriffen.html?

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  7. 18. Mai 2020 16:41

    „Mbembe aber sieht die Nekropolitik in der ganzen Moderne am Werk: im Kolonialismus, in der Französischen Revolution, bei Marx und Stalin, im Ersten und Zweiten Weltkrieg, in der Apartheid und im Kosovokrieg aufseiten der Nato. Jedoch: „Die vollkommenste Form der Nekromacht ist die heutige koloniale Besetzung Palästinas.“ “

    Eine ganz wesentliche und schwer zu beantwortende Frage ist, warum jemand solch einen kompletten Bullshit hinschreibt, ohne vor Scham im Boden zu versinken. Warum schreibt man so etwas?
    „Die vollkommenste Form der Nekromacht ist die heutige koloniale Besetzung Palästinas.“

    Jeder, der das hinschreibt und diesen Satz bewußt formuliert und darüber vorher nach gedacht hat, muß wissen, dass das einfach nur Blödsinn ist und so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil stimmt. Er könnte sagen: „Die heutige koloniale Besetzung Palästinas ist eine Form der Nekromacht.“ Das ist zwar immer noch bescheuert und ein hirnloser Bullshit, aber es ist eine zulässige Meinung, der man ein Argument entgegen setzen müßte, das nicht mit „Fucking idiot!“ beginnt.
    Aber „die vollkommeste Form“ ist derart bescheuert, dass es kaum vorstellbar erscheint wie Achille Mbembe ernst nehmen zu können.
    Der Superlativ („die vollkommenste Form“) ist ein Verweis darauf, dass es nicht um ein Argument geht,. Es geht um Dämonisierung, die faktische Auseinandersetzung für ein Hindernis hält, das unnötige Reibungsverluste erzeugt. Nach Harry Frankfurt ist so ein Sprechakt „Bullshit“. Er wird gemacht, um etwas zu verbergen, indem es auf etwas zeigt, was für die Absicht unwichtig ist. Es geht also nicht um Israel oder gar die Juden, sondern Mbembe versucht mit solchen Sätzen ein Ticket im intersektionalen Judenhasserklub zu ergattern, das solche Antisemitismen mit Lehrstühlen und Professuren auf großen Universitäten belohnt. In den USA wäre er längst mit einer lebenslangen Anstellung ausgestattet worden. Dass Deutschland hier nicht mitspielt ist dem Land hoch anzurechnen. Es gibt tatsächlich Grenzen, die eingehalten werden.

    Die vollkommenste Form von Antisemitismus ist, sich als Opfer einer zionistischen Verschwörung zu fühlen, wenn man sagt, die Juden sind unser Unglück. Das hat doch so oft funktioniert, ausgerechnet hier nicht. Deutschland ist viel weiter als wir oft denken.

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