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Der Kronzeuge

19. Juli 2021

Vor gut 100 Jahren wurde der österreichische Lyriker und Essayist Erich Fried am 6. Mai 1921 in Wien geboren. Erich wuchs in einer jüdischen Familie auf, sein Vater Hugo starb im Mai 1938 an den Folgen eines Verhörs durch die Gestapo. Daraufhin emigrierte Erich Fried über Belgien nach London, wo er bis zu seinem Tod 1988 lebte. Die Großmutter von Fried, Malvine wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine große Bekanntheit verschaffte sich Erich Fried mit seinen Liebesgedichten und seinen Gedichten über das Leben und den Tod.

Im Jahr 1963 wurde Erich Fried Mitglied der überwiegend antizionistischen Gruppe 47 und mindestens so beliebt wie seine Liebesgedichte wurden in den entsprechenden Kreisen seine antisemitischen Gedichte. Frieds Gedichtband „Höre, Israel!“, der nach dem zentralen Glaubensbekenntnis des Judentums „Sch‘ma Israel“ benannt ist, kann heute als Paradebeispiel für linken Antisemitismus angeführt werden: „Wollt jetzt wirklich ihr die neue Gestapo sein die neue Wehrmacht die neue SA und S.S. und aus den Palästinensern die neuen Juden machen? Ihr Hakenkreuzlehrlinge, ihr Narren und Wechselbälge der Weltgeschichte, denen der Davidstern auf euren Fahnen sich immer schneller verwandelt in das verfluchte Zeichen mit den vier Füßen, das ihr nun nicht sehen wollt, aber dessen Weg ihr heut geht!“

Erich Fried war beseelt von seiner Agitation gegen Israel. Noch wenige Monate vor seinem Tod am 6.9.1988 äußerte sich Fried in der „Hamburger Morgenpost“ zu den Anti-Israel-Parolen der besetzten Häuser in der Hafenstraße, wenige Tage zuvor hatte in der Zeitung der jüdische Autor Michel R. Lang dagegen protestiert: „Natürlich ist es traurig und bitter, wenn in Hamburg an den Häusern der Hafenstraße stehen muss ‚Boykottiert Israel‘. Gewiss, man denkt dabei an die Schand-Nazi-Losung ‚Kauft nicht bei Juden‘. Aber, Hand auf’s Herz, wer denkt bei den Verbrechen der israelischen Regierung gegen die Palästinenser nicht auch an die Nazi-Verbrechen gegen die Juden? Solange das nicht aufhört, sind diese Losungen leider notwendig und richtig.“

1975 hat Erich Fried in der „Frankfurter Rundschau“, unter Berufung auf seinen durch die Gestapo ermordeten Vater, in einem offenen Brief den Auschwitzüberlebenden und KZ-Häftling von Speers „Betriebs“ Dora-Nordhausen, Jean Améry kritisiert, weil dieser den NS-Rüstungsminister Speer öffentlich aufgefordert hatte, „sich aus purer Dezenz Schweigen zu gebieten“ und im Stillen zu sühnen. Fried belehrte Amery in einem offenen Brief, um Menschlichkeit, Recht und Gerechtigkeit stünde es „heute in der Bundesrepublik leider nicht so gut, dass wir irgendeinem Menschen raten sollten, nur in Einsamkeit zu bereuen und zu sühnen.“

Erich Fried war nicht nur bestimmten Alt-Nazis wohlgesonnen, er war auch ein großer Freund von Horst Mahler und vor allem Ulrike Meinhof und der RAF. In seinem Gedicht „Die Anfrage“ jammert Fried über die hohen Haftstrafen der RAF.  Erich Fried schrieb weiter in seinem Gedicht „Die Anfrage“: „Mit Verleumdung und Unterdrückung und Kommunistenverbot und Todesschüssen in Notwehr auf unbewaffnete Linke gelang es den Herrschenden eine Handvoll empörter Empörer Ulrike Meinhof Horst Mahler und einige mehr so weit zu treiben dass sie den Sinn verloren für das was in dieser Gesellschaft verwirklichbar ist. Was weiter geschah war eigentlich zu erwarten: Wieder Menschenjagd Wieder Todesschüsse in Notwehr die bekannten Justizmethoden die bekannten Zeitungsartikel und die Urteile gegen Horst Mahler und gegen Ulrike Meinhof …“ Ulrike Meinhof, die ihren Gefängnisaufenthalt mit Auschwitz verglich, die die bestialische Ermordung der israelischen Sportler 1972 duch palästinensische Terroristen rechtfertigte, die Mosche Dajan mit Himmler gleichsetzte, verherrlichte Erich Fried bei ihrer Beerdigung  als die „Rosa Luxemburg unserer Tage“ und als „größte deutsche Frau seit Rosa Luxemburg“. Die Erschießung von Georg von Rauch bezeichnete Fried in einem Leserbrief an den Spiegel als „Vorbeugemord.“ Wie in den Bekennerschreiben der RAF setzte Erich Fried in seinen Gedichten das NS-Regime und die USA gleich. Die Vernichtung der Juden war in Frieds Gedichten eine persönliche Angelegenheit Hitlers und wie in den RAF-Bekennerschreiben relativierte Fried mit seinen USA- und Israel-Gleichsetzungen die NS-Verbrechen.

Neben den Kadern der RAF freundete sich Erich Fried 1983 mit dem Anführer der damaligen Neonazi-Szene Michael Kühnen an, der den Holocaust leugnete, Adolf Hitler verehrte und sich offen zum Nationalsozialismus bekannte. Kühnen gründete mehrere militante rechtsextreme Gruppierungen und im 2. Golfkrieg wollte er an der Seite des Iraks gegen die USA kämpfen. Nach einer geplatzten Talksendung, in der Kühnen ein und ausgeladen wurde, besuchte der jüdische Lyriker Kühnen stundenlang im Gefängnis. Anschließend diskutierten der linke Antizionist und der fanatische Rechtsextremist in 16 Briefen in ernsthaftem, aber sehr freundschaftlichem Ton unter anderem darüber, ob Frieds Großmutter tatsächlich in Auschwitz ermordet wurde. Fried war begeistert vom Holocaustleugner Kühnen, verständig, väterlich bagatellisierte er jede Gemeinheit als Irrtum und jedwede Niedertracht als bloße Unachtsamkeit. In der „Frankfurter Rundschau“ protestierte Fried als “linker Schriftsteller, Kind jüdischer Eltern und Flüchtling vor Hitler“ gegen die Verurteilung des Neo-Nazis Michael Kühnen zu vier Jahren Haft. Das Urteil war laut Fried ungerecht und zeuge von einem Mangel an Feindesliebe, „diesen meines Erachtens subjektiv ehrlichen und keineswegs eingefleischt bösartigen jungen Menschen unbedenklich zum Verbrecher zu stempeln“. Darüber hinaus bot Fried Kühnens Verteidiger an, vor Gericht als „Charakterzeuge“ zugunsten des antizionistischen Rechtsextremisten auszusagen. Der „taz“ teilte Fried mit, Kühnen habe ihn „positiv beeindruckt“, indem er sich „für die SA, aber nicht für die SS“ ausgesprochen habe. Nach seiner Haftentlassung ließ sich Kühnen erneut zum „Führer“ der FAP ausrufen und seine „Antizionistische Aktion“ bekannte sich nach wie vor offen zum nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus: „Ohne Lösung der Judenfrage, keine Erlösung der Menschheit.“ Erst Kühnens Homosexualität brachte seiner Organisation schon im Gefängnis einen ersthaften Richtungsstreit und nachdem Kühnen 1991 an den Folgen seiner Aids-Erkrankung verstarb lösten sich die Kameraden auf und suchten Unterschlupf in anderen rechtsextremen Verbindungen.

Neben seinem Hass auf den demokratischen Staat Israel, seiner Solidarität für diverse Terroristen aus der RAF war Erich Fried mit seiner skurrilen Parteinahme für Neonazis und seiner Großherzigkeit Ex-Nazis gegenüber, ein Musterbeispiel für jüdischen Selbsthass und linken Antisemitismus. Die Liste jüdischer Selbsthasser ist freilich sehr lange. Jüdische „Israelkritiker“ wie beispielsweise Noam Chomsky, Moshe Menuhin, Felicia Langer, Ilan Pap­pe oder Norman Finkelstein sind in Deutschland so populär weil sie den hiesigen Antisemiten als Kronzeugen dienen. Der russisch-jüdische Apostat Jakow Brafman (1824-1879) war Autor des antisemitischen Machwerks von 1869 „Das Buch vom Kahal“. Die jüdische Minisekte Neturei Karta demonstrierte mit Gleichgesinnten im Jahr 2011 in Berlin beim antisemitischen Aufmarsch zum Al Quds-Tag. Beispielshalber setzte sich Noam Chomsky, der Sohn des jüdischen Hebraisten William Chomsky  für den Holocaustleugner Faurisson ein ( „Ich sehe keine antisemitischen Implikationen darin, die Existenz von Gaskammern oder selbst des Holocaust zu bestreiten). Chomsky hält es außerdem für ausgemacht, „dass die Sharon-Regierung ein einziges riesiges Labor zur Züchtung des Antisemitismus-Virus darstellt”. Die Tochter des ehemaligen Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland Evelyn Hecht-Galinski phantasierte von der „Ausrottungspolitik des jüdischen Apartheid-Staates.“

Erich Frieds Hass gegen Israel war grenzenlos, was nicht nur der Band „Höre Israel“ eindrucksvoll belegt. Seine Kumpanei mit den mörderischen antisemitischen Terrorbanden der PLO ging so weit, dem Staat Israel seine Existenzberechtigung abzusprechen und das demokratische Israel mit dem „Dritten Reich“ gleichzusetzen. In einem TAZ-Interview halluzinierte Fried, er glaube, dass „ein Staat Israel, der Bürger verschiedener Rechtsstufen postuliert, eben so wenig Daseinsberechtigung hat wie das Dritte Reich“.

Dazu schrieb Hendryk M. Broder vor vielen Jahren im Spiegel: „Ein leibhaftiger Jude, ein Opfer des Hitlerfaschismus gar, der als Kronzeuge für die »Verbrechen des Zionismus« auftritt, der von Theodor Herzl sagt, er habe mit seinem „Judenstaat“ das Vorbild für Hitlers „Mein Kampf“ geliefert der von der „Nachahmung faschistischer Verhaltensweisen durch Zionisten“ spricht und dabei nur eine Abweichung anerkennt: „Im Unterschied zu den Nazis haben die Israelis bis jetzt keine Gaskammern gebaut“ – ist genau der Alibi-Jude, den eine marode Gesellschaft braucht, um ihre eigene Vergangenheit von den Opfern, die sie produziert hat, bewältigen zu lassen. … Frieds Großherzigkeit Ex-Nazis gegenüber kann vermutlich nur mit der Psychopathologie eines Opfers erklärt werden, das sich, aus Furcht vor weiterer Viktimisierung, vorbeugend bei den Tätern anbiedert. Wenn er sie als gute, besserungsfähige Menschen anerkennt, dann werden sie ihn, so hofft es in ihm, beim nächsten Aufräumen aus Güte und Einsicht verschonen.“

Mit Michael Kühnen und Ulrike Meinhof und Horst Mahler, die mit den Terrorbanden der PLO paktierten, verband Erich Fried, neben der Gegnerschaft zur bestehenden Ordnung vor allem der Hass auf den jüdischen Staat Israel. So ist es keine Wunder, dass für heutige Gegner Israels Erich Fried der perfekte jüdische Kronzeuge ist. In den Großstädten Deutschlands finden deshalb immer wieder antizionistische Happenings mit Lesungen von Frieds „Höre, Israel!“ statt. Eine Gesellschaft die zuerst alles unternimmt um die Juden zu vernichten und dann darüber wacht, dass die überlebenden Juden nicht rückfällig werden, braucht den antisemitischen Juden als „Alibi, Kronzeugen und Projektionsgestalt“ und der überlebende Jude glaubt vermutlich, dass er „bei der nächsten Zugfahrt einen Fensterplatz“ bekommt (H.M. Broder). Was früher der Übertritt zum Christentum war, das ist heute die Konversion zum “Antizionismus.”

Der großartige österreichische Schriftsteller und Auschwitzüberlebende Jean Améry, der Erich Fried intellektuell und moralisch um Lichtjahre überlegen war, erkannte sehr früh. dass der Antisemitismus im Antizionismus enthalten sei „wie das Gewitter in der Wolke“. Améry, der bereits 1977 den Regionalismus als Ideologie- und Ersatzrevolution demaskierte, der, als es die Grünen noch nicht gab, konstruierte „Identitäten“ und „Kulturen“ als gefährliche Ideologie demaskierte, erkannte als einer der ersten, dass es zunehmend die Linke war, die begann, Positionen zu vertreten, die ehemals der extremen Rechten eigen waren. Wenn sich also heutige postkoloniale Pseudolinke, autonome Regionalisten, Marburger Bibelkreise, begeisterte TAZ-Leser und taube Deutschlandfunk-Hörer mit islamischen Antisemiten für den Antizionismus eines Erich Fried begeistern, sei ihnen ins Stammbuch geschrieben was der Auschwitzüberlebende Jean Améry diesem Antizionisten am 26.10.1975 geantwortet hat. Vermutlich hat Erich Fried Amérys Feststellung von der Mitschuld der linken Antizionisten am Genozid einfach nur überlesen:

„Lieber Erich Fried:

Es ist an mir, Ihnen zu danken für den Offenen Brief, den Sie in der FR in Sachen Speer an mich richteten, denn er gibt mir Gelegenheit zu mancher Klärung….

Enger: ich spreche aus dem Hause, eben, wie ich es sagte, als einstiger „persönlicher Angestellter“ des widrigen Mannes, der als Rüstungsminister vollverantwortlich war für alles, was in nazideutschen Rüstungsbetrieben vor sich ging, der also, was immer er heute beteure, selbstverständlich hat wissen müssen, auf welch grausame Weise Hunderttausende in seiner „Schwertschmiede“ zugrunde gingen, der übrigens, wenn die damals umlaufenden Gerüchte stimmen, eben das KZ Dora-Nordhausen (Herstellungsbetrieb der V1- und V2-Waffen) häufig besuchte, u. a. in gerade jenen Tagen, da ich selber dort die Kameraden zuhauf sterben sah. …

Weiter: im Gegensatz zu Ihnen habe ich nicht die BRD im Auge, die mich im Grunde nicht gar so sehr interessiert, von der ich zudem ohnehin weiß, daß sie die Schlächter zart behandelt. – Was ich sehe, was mich bewegt und aufrührt, das ist die weltweite Rehabilitierungswelle, die alle Erinnerungen an Nazismus, Faschismus, Collaboration, Denunziation wegzuschwemmen schon im Begriffe steht….

Herr Speer bereut aufs Lukrativste. Das ist zum Übelwerden, denkt man an jene, die er vernichtete, denkt man aber auch an eine heranwachsende europäische Jugend, die infolge eben solcher Reue-Selbstgefälligkeiten sich am Ende sagen muss, nun ja, so gehe es eben zu in der Welt, Punktum. Und im Film „Portier de nuit“ wird der Nazisadismus zum Faktor sexueller Emanzipation – welch himmelschreiendes Durcheinander von stupider Ignoranz, bewusster Niedertracht, Selbstbemogelung, Merkantilismus, verächtlicher Streberei! …

Ich bin, abstämmig aus Vorarlberg, aufgewachsen in Ober-Österreich, katholisch erzogen, vom Zionismus zumindest ebenso weit entfernt wie Sie. Das ideologisch inspirierte Hora-Tanzen erscheint mir immer noch etwas blöder als der Erzherzog-Johann-Jodler und das Schuhplatteln. Jedennoch: ich stehe in der gegebenen Situation für Israel ein, ungeachtet der rabbinischen Ehegesetze, gegen die alles in mir sich sträubt, ungeachtet auch anderer theokratischer Ärgernisse, die nur noch lächerliche Rückzugsgefechte gegen eine unaufhaltsam fortschreitende Aufklärung sind. Ich stehe, sage ich, ein für Israel, denn in diesem Staate wehrt sich ein Häuflein Verzweifelter gegen eine Welt, in der sich die multinationalen Konzerne mit den neomarxistischen Denkspielern und verwirrten Gewalttätern aufs Herrlichste einig sind. Die sich missverstehende „Linke“, die nicht aufmuckt gegen den grässlichen Gorilla von Uganda, noch gegen den fanatisierten Religionswahnsinnigen Ghadafi, ist allerweilen bereit, „nationale Befreiungsbewegungen“ von der IRA bis zu den bretonischen Autonomisten, jubelschreiend zu begrüßen. Nur wo es sich um die Juden und um Israel handelt, da wird eine für einmal authentische Bewegung einer ewig gemarterten Minorität, die endlich ihre Emanzipation erringen will, zum „Imperialismus“, möglichst zum „verbrecherischen“. Über den Un- und Schwachsinn! Als ob die Israelis sich ihren einzigen „Alliierten“, den sie erleiden müssen und der seinerseits nicht zögern wird, sie zu ihm passender Zeit fallenzulassen, ausgesucht hätten!           .

Dass der Anti-Zionismus, von dem Hans Mayer in seinem Buch „Außenseiter“ so treffend gesagt hat, er sei nichts als anderes als ein Betreiben zum allgemeineren Judenhass, in der Tat verschämt-unverschämter Antisemitismus ist, wissen auch Leute wie Sartre und Mme. Simone de Beauvoir. „Was der Antisemit wünscht und vorbereitet ist der Tod des Juden“, sagte Sartre einst in den „Reflexions“, – Dabei ist es geblieben: und die „antizionistische“ Linke macht sich schon jetzt mitschuldig am Genozid. ..“

Quellen: Erich Fried, Gedanken in und an Deutschland. Essays und Reden | Erich Fried, Höre, Israel. Gedichte und Fußnoten | Jean Amèry Werke Band 7 Aufsätze zu Politik und Zeitgeschichte | Theodor Lessing, Der jüdische Selbsthass | Arno Lustiger, Kurzer Lehrgang über den Selbsthass | Henryk M. Broder, Trauerarbeit vom lyrischen Fließband | Ulrike Meinhof, „Rote Armee Fraktion – Die Aktion des Schwarzen September in München – Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

11 Kommentare leave one →
  1. 19. Juli 2021 23:20

    Bizarr. Seine Freundschaft mit Kühnen, mit Ex-Nazis, sein Antizionismus. Broder meint
    aus Furcht vor weiterer Viktimisierung hat er sich vorbeugend bei den Tätern angebiedert. Da könnte was dran sein.

    Gefällt 3 Personen

  2. Stephan Gärtner permalink
    20. Juli 2021 10:41

    Der große HMB in der Welt:

    Heute kennt jeder zweite Jude einen Antisemiten, der anders ist als die anderen, den er schätzt und, wenn es darauf ankommt, auch verteidigt. Erich Fried hat Michael Kühnen im Knast besucht und hinterher nur Gutes über ihn zu sagen gehabt. Es waren „jüdische Mitbürger“ wie Michel Friedman, Avi Primor, Tom Segev und Micha Brumlik, die Grass gegen den Vorwurf in Schutz nahmen, er wäre ein Antisemit.

    Auch ich kenne einen Antisemiten, den ich mag. Er ist umfassend gebildet, hat gute Manieren, ein Herz für die Armen und Ausgebeuteten und er verjubelt sein Erbe, um ein sieches Zeitungsprojekt am Leben zu erhalten.

    Vor allem das gefällt mir, ist es doch ein ehrenwerter Weg, anderen zu helfen, ohne sie zu Almosenempfängern zu degradieren. Als die Frankfurter Rundschau in Konkurs ging, habe ich gehofft, er würde die FR übernehmen und sie mit seinem „Freitag“ zusammen legen, zur FR am Freitag, abgekürzt FRaFR. Ich habe es sehr bedauert, dass es dazu nicht gekommen ist.

    Sie, Jakob Augstein, sind „my favorite anti-Semite“. Ich meine das weder ironisch noch böse, auch nicht als Vorwurf. Ich würde nie einem Diabetiker vorwerfen, dass er auf Insulin angewiesen ist. Diabetes ist eine Krankheit, der Antisemitismus auch. Und so wie der Diabetiker seine tägliche Dosis Insulin braucht, braucht der Antisemit jeden Tag einen Schuss „Judenblut“ – natürlich nicht wörtlich, nur bildlich – um auf Kurs zu bleiben.

    Sie sind auch der erste Antisemit, an den ich mich persönlich wende. In den 40 Jahren, die ich mich mit diesem Thema beschäftige, habe ich es noch nie getan. Weil ich es für sinnlos halte, eine schwere Krankheit mit Handauflegen behandeln zu wollen.

    Die meisten Antisemitismusforscher glauben, man könnte dem Antisemitismus mit Aufklärung beikommen – welchen Beitrag die Juden zum geistigen, technischen und politischen Fortschritt (Freud! Einstein! Lassalle! Heine!) geleistet haben, wie viel das christliche Abendland dem Judentum verdankt und wie sehr die Juden im Laufe der Geschichte leiden mussten.

    https://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article111852281/Brief-an-meinen-Lieblings-Antisemiten-Augstein.html

    Gefällt 3 Personen

  3. Stephan Gärtner permalink
    20. Juli 2021 10:50

    Zu Fassbinders antisemitischem Stück »Die Stadt, der Müll und der Tod« gab Erich Fried auch seinen Senf: Die Juden, die in Frankfurt gegen das Fassbinder-Stück demonstriert hatten, waren »zum größten Teil auch keine deutschen Juden, sondern sogenannte displaced persons und außerdem »zum allergrößten Teil auch Zionisten«.

    Für Fried also Rumtreiber und Kriminelle

    Gefällt 1 Person

    • 20. Juli 2021 11:24

      Die Fassbinder-Affäre hätte ich beinahe vergessen. 1976 schrieb Fried den Essay „Ist Antizionismus Antisemitismus?“ Darin verteidigt er Fassbinder und leugnet naturgemäß den Antisemitismus der Antizionisten. Fassbinder spricht er frei und halluziniert von einer kleinen höchst ungewöhnlichen Gruppe jüdischer Häuserspekulanten, Bordellbesitzern und Verbrechern. Den Namen Igatz Bubis spricht er zwar nicht aus, aber nur er kann gemeint sein. In dem Essay wettert er gegen Theodor Herzl und stimmt mit Israel Shahak „völlig überein“, dass Zionismus gleichbedeutend mit Rassismus ist. Die Terrorgruppen der Palästinenser nennt er „Palästinensische Freiheitsbewegung“

      Gefällt 2 Personen

  4. Beate Dröhmer permalink
    20. Juli 2021 12:01

    Vielen Dank für diese wichtigen Informationen. Ich kannte nur einige Liebesgedichte von Erich Fried, die mir nun in einem anderen Licht erscheinen.

    Gefällt 1 Person

  5. 20. Juli 2021 12:05

    Erich Fried war mir immer suspekt, seine Weinerlichkeit, seine „Feindesliebe“, sein moralischer Impetus wirket auf mich immer gespielt und vorgetäuscht. In den 80er Jahren hatte er eine für mich völlig unverständliche Medienpräsenz – einerseits ….

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  6. 21. Juli 2021 18:46

    Ich habe Frieds Gedichte immer gehaßt, aber mir war auch nicht klar was für ein antisemitischer Krakeeler dieser Mann gewesen ist. Also danke, Manfred für diesen Beitrag. Es gibt einfach keinen Mangel an dummen, antisemitischen Arschlöchern.

    Antisemiten tendieren immer dazu dem Hass auf die Juden, Israel oder dem Zionismus so intensiv zu leben, dass jedes andere Ziel nur noch irrelevant wird.

    Antisemiten, Antizionisten und ihrer diversen intersektionalen Überschneidungen haben kein Interesse daran Wahlen zu gewinnen, oder auch Kriege, oder sind irgendwie auf ihren Vorteil bedacht, nein: die Vernichtung der Juden wird immer zum einzigen und alleinigen Ziel. Wer moralisch überlegener Antisemit sein will, muß die Juden und Israel so intensiv dämonisieren, dass der Raum für Ausgleich, Kompromiß oder schlichte Relativierung komplett verschwindet.

    Niemand muß Zionist sein, oder Israel unterstützen. Es ist nur auffällig, dass die Feinde Israels keinerlei Maß kennen, weder als simple Realität einer Beziehung in der man die Existenz eines Feindes an sich anerkennt noch irgendeinen Sinn darin sieht einen Konflikt als Verhandlungsposition zu betrachten. Israel soll nicht existieren, aber vor allem darf es nicht existieren, weil seine Existenz bereits die Beleidigung ist, die man mit seiner Vernichtung tilgen will.

    Wäre diese Haltung einfach ein Extremismus wäre es ja kaum der Rede wert, aber sie bestimmt 98% dessen was Aktivismus auf diesem Gebiet ist.

    Frieds absurde Gebrauchslyrik ist bloß der Kitsch für den die Vernichtungsantisemiten kulturell bedient werden wollen. Möge er für immer vergessen werden.

    Gefällt 3 Personen

    • 21. Juli 2021 19:19

      Lieber Jurek, volle Zustimmung. Erich Fried war in den 80er Jahren in den Medien ziemlich präsent. Mich hat in den Interviews und in den Talksendungen in denen er zugegen war, immer seine moralisierende larmoyante Selbsterhöhung genervt. So gut wie jeden Satz hat er damit begonnen ein Verfolgter des Naziregimes gewesen zu sein. Seine absurden Verteidigungen von Ex-Nazis und Neo-Nazis, seine antisemitischen Bezichtigungen gegen Israel, seine Verharmlosungen des Terrors der RAF, seine Leugnung des linken Antisemitismus, so gut wie jede noch absurde These hat er damit eingeleitet.

      Ja mit seiner Agitprop-Lyrik hat er die Vernichtungsantisemiten bedient und leider gibt es noch immer eine ganze Menge Leute die diesen Mist gerne hören und so wäre es sehr schön, wenn der Mist endlich für immer vergessen werden würde.

      PS: Ich habe den Text über Fried nur geschrieben weil ich vor ca. einer Woche in eine Disskussion verwickelt wurde, in der mein Kontrahent den 100. Geburtstag von Fried frenetisch gefeiert hat und Fried von jedem Antisemitismus freigesprochen hat.

      Beste Grüße aus dem aktuell sonnigen Oberbayern

      Gefällt 3 Personen

  7. nussknacker56 permalink
    22. Juli 2021 20:03

    In den Siebzigern besaß ich ein Gedichtbändchen von ihm, an dessen Inhalt ich mich nicht mehr erinnern kann. Er war jedoch zu dieser Zeit jemand, und er erfüllte eindeutig Bedürfnisse des linken Lagers. Auch die Sache mit Kühnen hat ihm nicht wirklich geschadet, was seinen hohen Gebrauchswert für Linke nochmals verdeutlicht. Mir ist niemand aufgefallen, der ihn kritisiert hat. Ich selber war damals zu jung, hatte so gut wie keine Ahnung und war sicher auch nicht völlig frei von den in diesem Umfeld gepflegten antiisraelischen Ressentiments.

    Ein Satz hatte sich mir allerdings eingeprägt: „Die Araber wollen die Juden ins Meer treiben.“ Dieser hat mich, neben ein paar anderen Dingen, davor bewahrt, dass der Hass auf Israel sich auch bei mir einnisten konnte. Neben K-Gruppen-Leuten war es vor allem die DKP und deren Umfeld, die hier ständig das Feuer schürten.

    Gefällt 2 Personen

  8. 2. August 2021 09:52

    Ein aktuelles Beispiel für jüdischen Selbsthass hat Stefan Frank in vier Teilen bei Mena-Watch veröffentlicht. Die „Eingangsfrage“ von Stefan Frank lautet: „Warum der Israelkritiker Omri Boehm in Deutschland so beliebt ist, dass er sogar Bundespräsident Steinmeier bei dessen Israelreise begleiten durfte.“

    https://www.mena-watch.com/die-methode-omri-boehm-juden-als-taeter-teil-1/

    https://www.mena-watch.com/die-methode-omri-boehm-geschichtsklitterung-teil-2/

    https://www.mena-watch.com/die-methode-omri-boehm-teil-3-unsichtbare-araber/

    https://www.mena-watch.com/die-methode-omri-boehm-teil-4-haifa-1948/

    Gefällt 2 Personen

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