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Arno Lustiger und der jüdische Widerstand

Der Shoah-Überlebende und Widerstandskämpfer Arno Lustiger (1924 -2012 ) hat als Historiker große Beiträge zur Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte des jüdischen Widerstands zur Zeit des Nationalsozialismus geleistet.  Nach dem Einmarsch deutscher Truppen ging Arno Lustiger in den Widerstand und wurde verhaftet. Er überlebte sechs Konzentrationslager und zwei Todesmärsche. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs blieb er in Frankfurt, forschte und schrieb zum Spanischen Bürgerkrieg, zum jüdischen Widerstand sowie zur stalinistischen Judenverfolgung.

Der bekennende Zionist Arno Lustiger legte sich mit prominenten Israelgegnern, von Günter Grass, Rupert Neudeck, Alfred Grosser bis Noam Chomsky, an und kritisierte stets den als Antizionismus verschleierten Antisemitismus. Gegen die Behauptung die Juden hätten sich nicht gegen ihre Vernichtung durch ihre Feinde gewehrt schrieb Arno Lustiger Zeit seines Lebens an.

Zu den Hauptwerken Arno Lustigers zählen:

„Rotbuch: Stalin und die Juden“ – Arno Lustiger zeichnet in diesem Buch das Schicksal der Juden im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Er schreibt über die Gründungsphase, die Aktivitäten, das Schicksal, die Rehabilitierung des sowjetischen Jüdische Antifaschistische Komitees (JAFK), die so genanten Ärzteprozesse und den antizionistischen Antizionismus Stalins.

„Zum Kampf auf Leben und Tod! Vom Widerstand der Juden in Europa 1933-1945“ , wo er in zahlreichen Gesprächen mit Überlebenden, Dutzenden von Kurzbiographien und autobiographischen Berichten von jüdischen Gettokämpfern, Partisanen, Saboteueren, Rettern, Soldaten, Fallschirmspringern  erstmals das Gesamtbild des jüdischen Widerstands gegen die Nazis in ganz Europa kennzeichnet.

„Schalom Libertad!“ Juden im Spanischen Bürgerkrieg. Arno Lustiger berichtet erstmals über die 6000 Frauen und Männer jüdischen Glaubens die im spanischen Bürgerkrieg für die Republik gegen die Faschisten kämpften.

Gestern, am 15. Mai 2012 ist Arno Lustiger nach langer Krankheit gestorben.

11 Kommentare leave one →
  1. 17. Mai 2012 00:12

    Die stalinistischen „Säuberungen“ und Schauprozesse in den 30er Jahren hatten bereits antisemitische Züge. Der traditionelle russische Antisemitismus wurde von Stalin für seine innenpolitische Machtpolitik funktionalisiert. Der Auftakt für die antijüdische „Säuberungen“ nach dem 2. Weltkrieg bildete die Ermordung des großen jüdischen Schauspielers Shlomo Michoels durch Stalins Geheimpolizei im Januar 1948. Michoels war Vorsitzender des Jüdischen Antifaschistischen Komitees. Kurz darauf wurde das JAFK verboten. Am 12.8.1952 wurde auf Befehl Stalins die Elite der jiddischen sowjetischen Schriftsteller, darunter die weltberühmten Dichter Perez Markisch, ltzik Fejfer und David Bergelson, hingerichtet. Laut Arno Lustiger, ein einzigartiger Vorgang in der Weltliteratur.

    Arno Lustiger: Rotbuch: Stalin und die Juden

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  2. 17. Mai 2012 12:45

    Die Jüdische Brigade

    Vier lange Jahre forderten die Juden Palästinas eine eigene Einheit innerhalb der britischen Armee, die der Truppenstärke der jüdischen Freiwilligen entsprechen sollte. Doch immer wieder wurde: Vorschläge abgelehnt. War es Rücksichtnahme auf die Araber die Furcht der britischen Generäle und des Kolonialministeriums, diese Truppe könnte nach dem Krieg den Nucleus eines unabhängigen jüdischen Staates bilden, was à tout prix verhindert werden sollte? Erst das Bekanntwerden der Massenmorde an den Juden Europas ließ dann im Laufe des Jahres 1942 alle Argumente wider den Kampf der Juden gegen die Mörder ihres Volkes als die faulen Ausreden erscheinen, die sie von Anfang an gewesen waren. Endlich beschloß das britische Verteidigungsministerium am 20 September 1944 die Aufstellung der Jewish Brigade Group, der jüdischen Brigade, die aus drei Infanterieregimentern mit den entsprechenden Hilfstruppen bestand und eine Mannschaftsstärke von 5.000 Soldaten, alles Freiwillige, hatte. Bataillonskommandeure waren Broten, Kompaniechefs jüdische Offiziere. Kommandeur der Brigade wurde der jüdische General Ernest Benjamin, der 1900 in Toronto in Kanada geboren wurde. Er war Absolvent der Kriegsakademie und des Generalstabscollege in England und diente zwischen den Weltkriegen in der Türkei, Singapur, Madagaskar und Kairo. Die Brigadesoldaten trugen den Davidstern als Emblem am Ärmel, die Kommandosprache war Hebräisch. Bei jedem Morgenappell wurde die zionistische blau-weiße Flagge mit dem Davidstern gehißt. Die Brigade hatte eigene Frontzeitungen, Soldatenclubs, Militärrabbiner etc. Das palästinensische Symphonieorchester gab mehrmals Konzerte in improvisierten Arenen in der ägyptischen und libyschen Wüste.

    Nach kurzen Übungen in Ägypten kam die Brigade im November 1944 als Teil der 8. Britischen Armee zum Einsatz in Italien. Die Brigade kämpfte bei Alfonsini, wo sie viele deutsche Gefangene machte. Später kämpfte die Brigade am Fluß Senio gegen eine deutsche Fallschirmjägerdivision. Es gab Tote und Verwundete, 100 Soldaten erhielten Auszeichnungen. Im Mai 1945 erreichte die Brigade Norditalien, wo sie zum ersten Mal mit Überlebenden des Holocaust in Kontakt kam.

    Die Begegnung der Soldaten mit dem Davidstern am Ärmel mit den befreiten KZ-Häftlingen gehört zu den bewegendsten Ereignissen der jüdischen Geschichte. Nach dem Waffenstillstand schwärmten die Brigadesoldaten auf der Suche nach jüdischen Überlebenden in ganz Europa aus. Ohne ihre militärischen Pflichten zu vernachlässigen, bauten sie eine komplexe Infrastruktur auf, die die Unterstützung der Insassen in den DP-Lagern in allen westeuropäischen und einigen osteuropäischen Ländern gewährleisten sollte. Die Brigade wurde in Italien, Jugoslawien und Österreich stationiert. Später wurde sie nach Holland und Belgien verlegt. Mehrere Brigadesoldaten waren an der Gründung der geheimen Flucht- und Einwanderungsorganisation Bricha beteiligt, die eine massive illegale Einwanderung nach Palästina organisierte. Die Briten versuchten dies unter allen Umständen zu verhindern. Aus diesem Grund kam es zu Spannungen zwischen dem jüdischen Offizierskorps der Brigade und dem Oberkommando – und aus ehemaligen Alliierten, die auf allen Schlachtfeldern zusammen gekämpft hatten, wurden plötzlich Feinde. Im Sommer 1946 wurde die Brigade nach Palästina verlegt und die Soldaten kurz darauf demobilisiert. Die Soldaten der Brigade kämpften mutig gegen den Nazigegner, stärkten den Lebenswillen der Überlebenden des Holocaust und halfen ihnen bei der Einwanderung nach Palästina, wo sie die physischen und seelischen Wunden der Verfolgung heilen konnten. Alle Stabschefs der israelischen Armee von Jadlin und Maklew über Laskow bis Dajan u. a. waren Offiziere der Brigade oder der britischen Armee.

    Aus: Arno Lustiger – Zum Kampf auf Leben und Tod – Das Buch zum Widerstand der Juden in Europa 1933-1945 – Kap. XII Palästina

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  3. 17. Mai 2012 13:12

    „Wenn die Araber die Waffen endlich niederlegen, wird es keinen Krieg mehr geben. Aber wenn Israel die Waffen niederlegt, wird es kein Israel mehr geben.“

    Arno Lustiger

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  4. 17. Mai 2012 14:10

    Gestern wiederholte BR alpha ein Interview mit Arno Lustiger. Der Schriftsteller im Gespräch mit Marion Glück-Levi, vom 13.08.1999:

    http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/alpha-forum/arno-lustiger-gespraech100.html

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  5. galut permalink
    18. Mai 2012 21:59

    Vielleicht kein überragender Historiker, doch hat er ein wichtiges Thema ins Bewusstsein gehoben, nämlich dass es sehr wohl jüdischen Widerstand gab und die Juden sich also nicht wie Schafe haben abschlachten lassen. Das zu wissen, ist tröstlich.

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    • 19. Mai 2012 01:11

      Außerdem finde ich es erwähnenswert, dass Juden während des Nationalsozialismus auf der richtigen Seite standen. Zwei Millionen Juden kämpften, laut Arno Lustiger in regulären Einheiten, als Partisanen, als Gettokämpfer, als Saboteure, als Fallschirmspringer gegen die Nazibarbarei. 6000 jüdische Freiwillige, oft in eigenen Einheiten zusammengefasst, aus vielen Ländern dieser Erde, kämpften gegen die spanischen Faschisten für die spanische Republik.

      Das alles kann man vom Großmufti von Jerusalem und seinen Untergebenen nicht behaupten. Hitlers arabische Kombattanten hatten denselben Feind, die Juden und sie teilten sich die Beute schon vor der Erlegung des Bären auf. Als die deutschen Truppen vor el-Alamein standen markierten die „Palästinenser“ die jüdischen Häuser um ihre Besitzansprüche nach der erhofften Ermordung der Juden geltend zu machen.

      Das alles hören die deutschen, antisemitischen, „friedliebenden“ Antizionisten nicht gerne. Trotzdem sollte man es ihnen nicht ersparen.

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  6. 24. Mai 2012 15:23

    Zum Tod des Historikers Arno Lustiger, der sich mehr für die Opfer des Antisemitismus als für die Antisemiten interessierte, schreibt Tjark Kunstreich heute in Jungle World:

    Dieses Interesse an den Juden des Ostens, zu denen er selbst gehörte, und dem ungeheuer­lichen Verrat der Kommunisten, insbesondere Stalins, an ihnen, war das Thema seines Lebens. Nachdem die Töchter aus dem Haus waren und Lustiger genug Geld verdient hatte, um nicht mehr arbeiten zu müssen, begann er ­Mitte der achtziger Jahre mit seinen historischen Forschungen. Sein erstes Buch »Schalom Libertad« erschien 1989 und widmete sich der Beteiligung von Juden am Spanischen Bürgerkrieg. Dass in der kommunistischen wie in der anarchistischen Geschichtsschreibung des Krieges die Beteiligung der Juden ausgeblendet wurde, veranlasste ihn zu einer akribischen Aufrechnung – mit dem Ergebnis, dass die Beteiligung der Juden an der Verteidigung der Republik im Vergleich zu den Angehörigen anderer Nationen überdurchschnittlich hoch war.

    http://jungle-world.com/artikel/2012/21/45521.html

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    • Der Bassist permalink
      25. Mai 2012 14:52

      Ist Geschichtsschreibung denn nie objektiv! mag man schreien. Und rhetorisch: Wie lange noch!

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  7. 30. Mai 2012 14:59

    In „Schalom Libetad!“ schreibt Arno Lustiger im Kapitel, „Wie viele Juden kämpften in Spanien?“:

    Viele Spanienkämpfer konnten nicht erfasst werden, weil sie bereits im Juli 1936 nach Spanien kamen und in den Arbeitermilizen der verschiedenen Parteien kämpften, ohne an einer Stelle zentral registriert worden zu sein. Viele von ihnen fielen schon vor der Gründung der Internationalen Brigaden im Oktober 1936. Die Ladino sprechenden Juden meldeten sich nicht bei den internationalen, sondern spanischen Einheiten, weil Spanisch ihre Muttersprache war. Dolmetscher, Journalisten, Ingenieure waren nirgendwo zentral erfasst und wurden zum Beispiel in der Sowjetunion, die viele Meister und Facharbeiter in die Fabriken und Montagewerke Spaniens schickte, niemals gewürdigt selbstverständlich auch nicht die Juden unter ihnen.

    In der Zeitschrift »Catalans« vom 30. Juni 1937 spricht Ieon Azerrat Cohen (Ben Krimo) von 6 000 Juden in den Internationalen Brigaden. Josef Toch nennt die Zahl von 7.758 jüdischen Freiwilligen in Spanien, bei einer jüdischen Weltbevölkerung von 16,5 Millionen im Jahre 1936. Toch gibt folgende Zahlen jüdischer Spanienkämpfer:

    Aus:
    Polen…………………………………………………..2 250
    USA ……………………………………………………1 236
    Frankreich……………………………………………1043
    Großbritannien……………………………………….214
    Palästina ……………………………………………….267
    Ungarn, Österreich, Tschechoslowakei,
    Jugoslawien, Kanada, Italien,
    Skandinavien, Deutschland……………………..1093
    Aus anderen Ländern…………………………….1 602
    Aus der Sowjetunion…………………………………..53
    Hieraus resultiert die Gesamtzahl von………7 758

    Toch hält diese Zahl für zu niedrig, da die Juden in vielen Ländern ihre Namen geändert haben und deshalb in den Karteien und Listen der Internationalen Brigaden nicht identifiziert werden können.

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