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Che Guevara und die „Nürnberger Prozesse“

1952, kurz vor den Präsidentschaftswahlen putschte sich der Armeechef und spätere Massenmörder Fulgencio Batista mit Hilfe der CIA in Kuba an die Macht. Kuba war vor und während der Diktatur Batistas das „Bordell“ der USA. Die USA kontrollierten 75% des Handels. Sie besaßen 90% der Minen des Landes und 50% des Bodens. Die Bevölkerung lebte in Armut, 80% waren Analphabeten und es gab kaum medizinische Versorgung. Während Batistas Amtszeit wurden 20.000 Kubaner und Kubanerinnen, teilweise nach bestialischer Folter, von Batistas Schergen ermordet. Zur Einschüchterung der Bevölkerung wurden viele der Ermordeten aus Autos auf die belebten Straßen geworfen.

Nach dem Scheitern seines „Sturms auf die Moncada-Kaserne“ 1953, sammelte Fidel Castro in Mexico einige „Getreue“, unter ihnen der argentinische Arzt Che Guevara, und versuchte mit 81 Männern und der Yacht „Granma“ Kuba im November 1956 zu erreichen um Batista zu stürzen. Kurz nach der Landung auf Kuba überlebten von den 82 Revolutionären nur 17 Männer. Alle übrigen waren, nachdem sie gefangen genommen und gefoltert wurden, tot. Dieser Gruppe von 17 Rebellen schlossen sich immer mehr Bauern und Bewohner Kubas an, weshalb sie Batistas, von den USA unterstütze, Armee innerhalb von zwei Jahren besiegen konnten. Der asthmakranke Ernesto Guevara de la Serna (14. Juni 1928- 9.10.1967) war als Arzt zu Castros Gruppe gestoßen, erst während der Kämpfe wurde er zum Kommandanten, dem höchsten Rang der Guerilleros, ernannt. Wie in jedem Krieg, so auch in einem Guerillakrieg, kommen Menschen zu Tode. Che Guevara hatte die Verantwortung für seine Gruppe – während der Gefechte gab es wiederholt Entscheidungen die Menschenleben forderten. Verräter, die mit Batistas Armee kollaborierten wurden kurzerhand exekutiert. Durch diese Kollaborationen wurden wiederum viele, auch unbeteiligte, Bauern mit ihren Familien von Batistas Armee und der Geheimpolizei ermordet. Einige dieser Füsilierungen führte Che Guevara persönlich aus. In seinem „Kubanischen Tagebuch“ beschreibt der „Che“ detailliert die Entscheidungen über Leben und Tod. Viele von seinen Mitkämpfern geforderten standrechtliche Erschießungen wurden von “Che” verhindert, solange keine Gefahr für die umliegenden Bauern oder die Revolution bestand. Als seine größte militärische Leistung gilt die Einnahme von Santa Clara mit Camilo Cienfuegos im Dezember 1958. Nachdem alle Kasernen von Santa Clara eingenommen wurden, schickte Batista einen gepanzerten Zug voller Waffen und Munition für seine Soldaten nach Santa Clara. Mit einem Täuschungsmanöver überfiel Guevara mit seinem zahlenmäßig weit unterlegenen Trupp diesen Zug, wobei kein, auch gegnerischer, Soldat ums Leben kam.

Am 13. Januar 1959 weiht Guevara in La Cabana eine militärische Kulturakademie ein, um die Alphabetisierung der Bauern aus seiner Kolonne fortzusetzen. Nach dem Sieg der Revolution kam es zur „Großen Abrechnung“, zu den Schnellgerichtsverfahren gegen die Folterer der Batista-Diktatur, welche von der Bevölkerung und den Medien damals vehement gefordert wurden. In den Medien wurde täglich über neue geheime Friedhöfe, die Ermordung unbewaffneter Jugendlicher und Vergewaltigungen durch das Batista-Regime berichtet. Während der Prozesse und anschließenden Hinrichtungen beschuldigten die USA Kuba, seine Kritiker unterschiedslos zu füsilieren und leiten damit eine massive Kampagne gegen die neue kubanische Regierung ein. Die Exilkubaner und Ex-Folterer der Batista-Diktatur in den USA machten Che Guevara zum „Schlächter von La Cabana“. In La Cabana hatten die revolutionären Gerichte „1“ und „2“ ihren Sitz. Das erste richtete über Batistas Polizisten und Militärs und das zweite, das keine Todesstrafen aussprach, über Zivilpersonen. Den Vorsitz über das Gericht „1“ hatte Miguel Angel Duque de Estrada. Che Guevara gehörte keinem der beiden Tribunale an, jedoch überprüfte er als Garnisonskommandant die Berufungen. Guevara erklärte den kritischen kubanischen Genossen, das Arbenz in Guatemala vor allem deshalb gestürzt werden konnte, weil er seine Armee nicht von illoyalen Elementen gesäubert hatte – ein Fehler, welcher der CIA die Möglichkeit gegeben hatte, sein Regime zu infiltrieren und zu beseitigen. Auf die US-amerikanischen Kampagnen gegen die Tribunale reagiert Fidel Castro in diversen Reden. Castro verglich die Verbrecher der Batista-Diktatur mit den Angeklagten in den „Nürnberger Prozessen“. Im „Nürnberger Prozess“ wurden nach dem zweiten Weltkrieg Politiker und Militärs, sowie Wirtschaftsführer der NS Diktatur angeklagt. Bekanntlich kam es dabei kam es zu vielen Todesurteilen. Beispielsweise wurden Hans Frank, Wilhelm Frick, Alfred Jodl, Fritz Sauckel, Alfred Rosenberg, Joachim von Ribbentrop oder Wilhelm Keitel zum Tod durch den Strang von den Alliierten verurteilt. Neben den „Nürnberger Prozessen“ verurteilten in den drei Westzonen alliierte Militärgerichte insgesamt 5025 deutsche Angeklagte. In 806 Fällen wurden Todesurteile ausgesprochen, von denen 486 vollstreckt wurden. Die Nürnberger Prozesse haben eine Anzahl von Anwälten hervorgebracht, deren revisionistische Verteidigungsstrategien die Einstellung von Teilen der Bevölkerung in Deutschland damals und heute stark beeinflusst haben. Nicht nur rechtsradikale, antidemokratische Gruppierungen kritisieren seit über 60 Jahren diese Todesurteile. Zum 60. Jahrestag der Nürnberger Prozesse meinte der Ex-SDS Mann und heutige NPD/DVU Sympathisant, Bernd Rabehl: „Hier hätten „Killer über Killer zu Gericht“ gesessen. Der Prozess sei lediglich eine „Farce“ gewesen.“

Von 1959 bis 1961 war Guevara Präsident der Nationalbank und von 1961 bis 1965 Industrieminister. Chef der Nationalbank wurde er, weil auf einer Versammlung von Aktivisten, Fidel Castro fragte: ,,Gibt es einen Ökonomisten im Saal?” Guevara hob die Hand, weil er verstanden hatte: ,,Gibt es einen Kommunisten im Saal?” ,,Gut, du wirst Präsident der Nationalbank”, bestimmte Castro. Guevara war ein Bankier, der das Geld als Symbol der Ausbeutung verachtete: ,,Der Lohn ist ein altes Übel, das durch den Kapitalismus entsteht und auch nicht mit dem Sozialismus untergeht. Das Problem wird erst dann ausgemerzt sein, wenn es kein Geld mehr gibt, wenn man am idealen Ziel angekommen ist: dem Kommunismus.” Täglich arbeitete er fünfzehn Stunden in der Bank, und am Wochenende arbeitete er freiwillig bei der Zuckerrohrernte mit, was heutzutage sehr ungewöhnlich erscheinen mag. Die Initiative, freiwillige Arbeit, war eine seiner zentralen Ideen für seine Vorstellung vom „neuen Menschen“. Che Guevara war mitverantwortlich für die Nationalisierung US-amerikanischer Unternehmen, der Enteignung des Großgrundbesitzes und dem ländlichen Siedlungs- und Bildungsprogramm. Sein großer Traum war die Schaffung eines “Neuen Menschen”, der materiellen Interessen entsagt, selbstlos und solidarisch und ewig revolutionär ist. Seine größten politischen Fehler machte Che Guevara wohl in der Zeit als Industrieminister, in dem er sich beispielsweise der Zucker-Monokultur, einer Forderung der Sowjetunion, nicht klar entgegenstellte. Diese Fehlentscheidung der damaligen Zeit wirkt noch heute in Kuba nach, da einige Lebensmittel importiert werden müssen. Die Idee der freiwilligen Arbeitseinsätze scheiterte. Guanahacabibes, war ein kleines Dorf auf der Halbinsel Corrientes, wo es mitten im nichts einen ehemaligen Holzbetrieb gab. Ursprünglich war hier von den Streitkräften ein Arbeitslager eingerichtet, was auch vom Industrieministerium genutzt wurde. Bei Fällen von Disziplinlosigkeit bestimmte das Ministerium das Strafmaß von ein paar Wochen oder Monaten Aufenthalt in Guanahacabibes. Che Guevara meinte dazu:“ Guanahacabibes ist keine feudale Strafe. Nach Guanahacabibes werden keine Leute geschickt die ins Gefängnis gehören. Nach Guanahacabibes werden Leute geschickt, die kleinere oder größere Fehler gegenüber der revolutionären Moral begangen haben, bei gleichzeitigem Verlust des Arbeitsplatzes. Es ist harte Arbeit, aber keine bestialische Arbeit.“ Wenn jemand etwas stiehlt, muss der Dieb ins Gefängnis und der Direktor der ihn gedeckt hat, nach Guanahacabibes. Obwohl diese Lager nichts mit Arbeitslagern in NS-Deutschland oder der Sowjetunion zu tun hatten und Che Guevara oft sonntags die Arbeit mit den Bestraften teilte, hatte das Lager einen üblen Ruf, vor allem unter den mittleren und höheren Kadern des Ministeriums.

Vor und lange Zeit nach 1959 war die ganze kubanische Gesellschaft, die Psychiatrie, die Justiz damals schwulenfeindlich, nicht nur auf Kuba, sondern weltweit. 1960 existierte beispielsweise in der BRD der so genannte Paragraph 175, der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte. Trotzdem bleibt es eine Schande, wie auch die kubanischen Revolutionäre den Homosexuellen begegnet sind. Fidel Castro hat kürzlich persönlich die Schuld für die damaligen Fehler gegenüber den Homosexuellen auf sich genommen. Natürlich ist Kuba keine parlamentarische Demokratie nach westlichem, aber auch keine Volksdemokratie nach östlichem Vorbild. Kuba mit den ehemaligen Ostblockstaaten zu vergleichen, ist völlig falsch. Die Kubanische Revolution von 1959 wirkt bis heute, trotz des Wirtschaftsembargos der USA. Der kubanische Staat garantiert jedem kubanischen Bürger eine kostenlose medizinische Versorgung. Die Säuglingssterblichkeit ist in Kuba niedriger als in den USA. Für humanitäre Hilfsleistungen wurden von der kubanischen Regierung immer wieder Ärzte in andere Länder entsandt. Das hoch entwickelte Bildungssystem ist kostenlos für die kubanische Bevölkerung. Die Einschulungsquote liegt bei 100 Prozent, Analphabetismus geht gegen null. Im Gegensatz zu so gut wie allen mittel- und südamerikanischen Ländern gibt es in Kuba keine “Favelas”. Wenn es in der Region ein Land gibt, in dem Soziale Gerechtigkeit auf der Staatsagenda ganz oben steht, das ist es Kuba. Seit Anfang an versucht die USA im Verbund mit Exilkubanern die Kubanische Revolution rückgängig zu machen. Seit 1959 gibt es Sabotageakte und Bombenangriffe auf Kubanische Kindergärten, Schulen oder andere Einrichtungen, mit vielen Toten. Die USA, unter ihrem Präsidenten Kennedy, planten einen Stützpunkt in Kuba zu errichten, weshalb am 15. April 1961 folgerichtig amerikanische Bomber kubanische Flugplätze bombardierten. Am 17. April landeten in der Schweinebucht die von den USA und deren US-Marine unterstützten Exilkubaner, viele davon ehemalige Folterer des Batista-Regimes. Die Invasion der USA scheiterte, die kubanischen Verteidiger verloren 161 Kämpfer. Zur Verteidigung Kubas wollte die Sowjetunion Atomsprengköpfe auf Kuba stationieren, was fast im 3. Weltkrieg endete, da die USA zwar eigene Mittelstreckenraketen in Europa stationierte, dieses Recht jedoch dem Kontrahenten Sowjetunion, durch Androhung eines Atomkrieges, verwehrte. Nach dem Schweinebuchtdebakel der USA folgten viele US-Mordversuche gegen Fidel Castro, ständig garniert mit Schauermärchen, der amerikanischen und bundesdeutschen Presse über die bärtigen Revolutionäre. Die Ermordung Che Guevaras durch die CIA in Bolivien, nach monatelanger Einkreisung durch die bolivianische Armee, trug maßgeblich zum Mythos Che Guevaras bei. Eine Mythologisierung die dem freien Westen „zuwider“ war und gegen die seit den 60er Jahren angekämpft und angeschrieben wird. Dass Exilkubaner, konservative Medien, die Springerpresse und die US-amerikanische Regierung seitdem versuchen hasserfüllte Medienkampagnen gegen Castro und Kuba zu führen ist verständlich und nachvollziehbar. Seit wenigen Jahren versuchen nun auch einige Lohnschreiber von der TAZ, Zeit oder Gerd Koenen auf das antikubanische Boot aufzuspringen.

Hermann L. Gremliza schrieb 10/2007 in Konkret: „Bei den Deutschen (..), gilt Mao, seit seine Jünger zu seinen Scharfrichtern konvertiert sind, als einer der großen Verbrecher der Weltgeschichte, Hitler mindestens gleich, und mit ihm jeder, der an dem 1917 begonnenen und 1989 verlorenen Gefecht, dem vorerst letzten, irgend teilhatte: Lenin, Stalin, Thälmann, Ulbricht, Honecker, Castro, Ho Chi Minh, Meinhof. Sie alle waren nichts als gemeine Mörder und Menschenschinder, Revolution, Kommunismus bloß Vorwände fürs Ausleben ihrer defekten Charaktere. Der Aufwand, solche Nachricht in die Köpfe zu trichtern, ist beträchtlich. Heerscharen von Journalisten und Professoren waren auszuhalten, eine komplette Lumpenbourgeoisie, Hunderte Institute und Vereine zu gründen und zu alimentieren. Bei einem nur misslang die Aufnahme ins politische Verbrecheralbum: Ernesto Guevara, Che. Der Ernst der Lage, beschrieben von einem, der bei der »Taz« gelernt hat, was er bei Springers »Welt« braucht: Warum Che? Jetzt, wo jeder weiß, dass der Kommunismus ein Nebelreich der Armut und Unterdrückung war (und in Kuba noch immer ist). Jeder weiß, dass der lateinamerikanische Guerillakampf ein grausames Spiel ideologischer Phantasten war (und in Kolumbien noch immer ist). Und dennoch: Che, der Kommunist und Guerillakrieger, gilt als kuchengut wie der Dalai Lama. Während seine Geistesverwandten längst von ihren Betonsockeln gestoßen wurden, prangt Che weiter auf T-Shirts und Postern, eröffnen Bars und Cafés mit seinem Namen. (..)“

Wer Che Guevara einen „Massenmörder“ schimpft, sollte sein Geschichtsverständnis sowie seine eindimensionale Denkweise nochmals überprüfen. Während des zweiten Weltkrieges kamen durch die Sowjet- und  US-Armee viele unbeteiligte Menschen ums Leben. Durch das deutsche „Unternehmen Barbarossa“ wurden 27 Millionen Sowjetbürger zwischen 1941 und 1945 ermordet. Rotarmisten töteten auch aus Rache viele deutsche Zivilisten. US amerikanische Flieger bombardierten beispielsweise versehentlich Prag, allierte Streitkräfte füsilierten auch eigene Soldaten, sie bombardierten Dresden, Köln, Hamburg und viele andere deutsche Städte. War deshalb der Krieg der Alliierten unmoralisch? Hätten die Alliierten mit Lichterketten gegen die deutsche Barbarei protestieren sollen? Wie hätte Kuba seinen Diktator Batista entmachten können? Mit Sitzblockaden oder gemeinschaftlichen Gebeten und Bibelkreisen? Warum nun der Versuch des „irgendwie“ linken Citoyens, Che Guevaras Lebensleistung zu diskreditieren, den Jean Paul Sartre den perfektesten Menschen seiner Zeit nannte? Der Arzt aus Rosario, der als Guerilla-Kommandant, Minister und Schriftsteller und abermals Guerilla-Kämpfer sicherlich Fehler machte, zu viel von sich und seinen Mitmenschen erwartete und neben weitsichtigen Dingen, einiges schrieb, was nicht haltbar war und ist, deshalb Stalinisten und Massenmörder zu bezeichnen, hat nichts mit der Realität zu tun. Was läuft ab, im Kopf des linksliberalen „Che“-Kritikers, wenn er mit den Hinrichtungen Alfred Jodls oder Fritz Sauckels, mit der alliierten Bombardierung Dresdens inklusive der entsprechenden NPD-Empörung der „Kameraden“,  konfrontiert wird? Wenn Linke, Grüne, Sozialdemokraten, meist religiöse Friedensbewegte irgendwann begreifen, dass sie mit ihrem Engagement an unüberwindliche Grenzen stoßen, sie realisieren, dass sie mit ihrer Gesinnung politisch nicht viel, bis überhaupt nichts, erreicht haben, ist es nahe liegend eine gewisse Missgunst, beziehungsweise einen gewissen Hass auf Personen zu entwickeln, die sehr viel für ihre Mitmenschen erreicht haben. Ernesto Che Guevara, der alles riskierend, eben nicht am Schreibtisch, wirkungslose Artikel schreibend, das Elend der Welt beklagte, ist mit seiner Vita ein schmerzhafter Stachel in der wohlfeilen Ideologie, des im „warmen Wohnzimmer sitzenden“, linksliberalen Citoyens.

von fidelche – aus: Che Guevara und die „Nürnberger Prozesse“ (fidelchescosmos)

19 Kommentare leave one →
  1. 13. März 2012 16:19

    Paul Breitner in Konkret-Sport 1982:

    KONKRET: Es gibt viele Fotos von Ihnen, auf denen Sie unter einem Mao-Poster stehen oder vor einem Che Guevara-Sticker. Hat da der Profi einfach an der Karriere und am Image geschnitzt?

    BREITNER: Das ist eine Interpretation, die man nicht kommentarlos hinnehmen kann. Es gibt ein Image, das ich mir schnitze, um Vorteile zu haben. Und es gibt ein Image, das ich mir schnitze, weil ich grad so Lust und Laune hab. Und ich kann nicht behaupten, daß ich mir nun dieses Image aufgebaut hab, um daraus Kapital zu schlagen. Im Gegenteil. Ich hätt mich auch verhalten können wie zum Beispiel der Uli Hoeneß oder manch anderer, der mit mir in dieser Zeit Europameister und Weltmeister geworden ist. Ich hätt mich auch hinstellen können mit keep siniling. Ich bin zwar nicht der nette Junge von nebenan, ich bin bloß der Junge von nebenan. Aber aus der Position, die ich mir erarbeitet hab, konnte ich kein Kapital schlagen. Ich hab mir das Image aufgebaut, weil es mir Spaß gemacht hat. Jahrelang hat mir das unheimlich Spaß gemacht. Dann hat es mich genervt, Zuerst, als ich gemerkt hab, daß es die Leute ärgert, als ich gemerkt hab, da kannst du Leute reizen, verunsichern, hab ich gesagt: und jetzt in die vollen, jetzt noch eine und noch eine. Das ging dann soweit, daß ich mich am Ende in einer Sackgasse angelangt sah. In einer Situation, in der ich schon gar nichts mehr interpretieren konnte. Da war nur noch irgendein Ausspruch da, fertig, auf Wiederschaun. Ich weiß nicht, wo das hingegangen wäre, wenn ich 74 nicht nach Madrid gegangen wär.

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    • 13. März 2012 17:35

      Daß er die Stutzen runter hatte, ohne Schienbeinschoner spielte, mit offenem Visier: allein das war seinen Bart wert. – Breitner, einer der ersten Helden meiner Jugend.

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  2. 13. März 2012 17:28

    Fidelche, ich danke Dir! Komme gerade aus dem Lindenblatt-Archiv mit dem Sonderheft, das damals 8 Mark kostete. Breitner liegt auf dem Titelbild auf dem Boden, übersteigend von roten Stutzen. Sehr modern für damals die Schriftform als ausgeschnittene Polibriefbuchstaben. – Eingelegt in die Konkret sehe ich die fachfremde Rezension der FAZ, wo Torwart Schumacher über Lichtgestalt Beckenbauer über Doping und Sex räsoniert. 24.2.87: „Der ehemalige Nationalspieler Overath kündigte eine Klage an, falls er im Zusammenhang mit Doping-.Vorwürfen genannt werde.“
    Alte Zeitung. Neue Zeitung. Die Geschichte hat: Konkret. – Wann kommt eigentlich ein neues Fußballheft statt dieser hohlen Literaturbeilagen?

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    • 14. März 2012 00:01

      Zustimmung und gute Idee, werde mal dem Gremliza eine Anfrage nach einem neunen Fußballheft ans Herz legen. Zeit wird’s nach über 20 Jahren.

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      • The Violet White Football Sofa permalink
        14. März 2012 00:20

        Ein neues Konkret-Fußballheft fände ich gut. Lila-gerandet wäre nicht schlecht, inhaltlich hätte ich eh keine Bange …

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  3. 16. Juni 2012 01:44

    Michael Pliwischkies schrieb am 15/06/2012 14:39 in MI: „Und nein – falls mir der einsame Kämpfer Fidelche (übrigens interessant – diese Kombination aus den Namen eines Diktatoren und eines Mörders) wieder unterstellen möchte, ich will seiner “habhaft” werden.“

    Pliwischkies bezeichnet Che Guevara als einen Mörder. Wen hat Che Guevara ermordet? Wie viele Menschen hat Che Guevara ermordet? Das sagt Pliwischkies nicht. Auch nicht wie das faschistische Batista-Regime hätte beseitigt werden können. Vielleicht mit christlichen Betkreisen, mit spirituellem Dämonenglauben oder mit Lichterketten-Demonstrationen? Oder hätte das faschistische Batista-Regime gar nicht beseitigt werden dürfen? Und was war mit den „Nürnberger Prozessen“? Waren die Alliierten auch Mörder?

    Vielleicht gibt Pliwischkies noch eine Antwort.

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    • 16. Juni 2012 11:35

      In Dir habe ich ja einen wirklichen Fan. Da du so oft meinen Namen wiederholst, nennst Du vielleicht auch einmal Deinen eigenen echten Namen oder kannst Du nur aus der Deckung heraus …. Mal ehrlich – wie soll denn ein Leser in Deinem Fall an so etwas wie Integrität glauben?

      So leid es mir tut – aber wo ist der Unterschied zwischen Che und seiner kubanischen Polizei und dem faschistischen Batista-Regime in Bezug auf deren Opfer? Ihr werft Teilen der Linken Szene hier (übrigens zu Recht) Antisemitismus vor, hofiert aber gleichzeitig post mortem deren Gallionsfiguren, die ebenfalls wider die Menschlichkeit gehandelt haben. Mord bleibt nun einmal Mord wie Antisemitismus und Rassismus – gleich, ob von links oder rechts verwerflich sind. Es geht im Fall Che auch nicht nur um die Beendigung des Batista-Regimes, es geht auch um die Zeit danach – um Unterdrückung freier Meinungsäußerung, politische Gefangene und der Konsequenz daraus. Was ihr den Freitagsbloggern hier vorwerft, könnt ihr in Teilen auch auf euch selbst anwenden. Ob nun der ach so saubere Osten oder der ach so heldenhafte Che verklärt wird – wo ist der Unterschied.

      Erklärs mir. Für ein Opfer macht es keinen Unterschied, aus welchen Gründen es erschossen wird – tot ist tot.

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    • 16. Juni 2012 12:20

      Du täuschst dich, ich bin kein Fan von dir.

      Nicht alle Soldaten waren und sind Mörder in diesem Sinn. Beispielsweise waren die amerikanischen oder sowjetischen Soldaten im 2. Weltkrieg Befreier, wie auch Che Guevara ein Befreier war. Die internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg versuchten in Spanien den Faschismus zu verhindern, weshalb auch diese Brigadisten keine Mörder deinem Sinn waren. Es ist also völlig unerheblich ob Che Guevara Kubaner oder Argentinier war. Nach dem 2. Weltkrieg gab es viele Prozesse und viele Todesurteile. Ich würde es mir nicht anmaßen die Richter in diesen Prozessen als Mörder zu bezeichnen. Im Übrigen bleibst du die Frage schuldig, wie die Revolutionäre um Castro das Batista Regime hätten stürzen sollen. Und nicht zuletzt: Wenn du das Batista Regime ernsthaft mit dem kubanischen Sozialismus gleichsetzt erübrigt sich jede weitere Diskussion.

      Natürlich hast du Recht für das Opfer macht es keinen Unterschied – tot ist tot. Die Frage ist was hat das jüdische Opfer in Auschwitz oder der sowjetische Zivilist in Leningrad verbrochen um von den Deutschen ermordet zu werden und was haben die Schergen Batistas verbrochen (ohne die Verbrechen der Nazis mit Batista‘s gleichzusetzen) , was hat Adolf Eichmann, Alfred Jodls, Rudolf Höß oder Fritz Sauckel verbrochen um auf die Anklagebank zu kommen. Natürlich bleibt es dir überlassen wie du mit dieser Problematik umgehst. Eine Täter-Opfer-Gleichsetzung kommt für mich jedenfalls nicht in Frage.

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      • 16. Juni 2012 13:05

        Ich habe Täter auch nicht mit Opfern gleichgesetzt. Nur wenn jemand nach der Beendigung eines Unrechts-Regimes beginnt, ähnlich zu handeln, ist das spätestens ab diesem Zeitpunkt nicht mehr zu rechtfertigen. Was dich dazu bringt, in diesem Kontext mit Ausschwitz und Stalingrad zu argumentieren, wird wohl auf ewig Dein Geheimnis bleiben. Es ging um Euren Lieblings-Revolutionär, wenn ich mich recht entsinne. Und wenn Menschen inhaftiert und ggf. hingerichtet werden, weil sie gegen ein Regime sind, dann ist das Mord. Punkt. Das gilt für alle Regime, unabhängig von ihrer Ausrichtung und es muss zwingend für alle Regime gelten. Du allerdings argumentierst so, als würde die Absetzung des Batista-Regimes dieses Handeln rechtfertigen. Sollte ich mich da täuschen, wäre ich erfreut – wenn nicht, muss ich dich als einen Menschenfeind ansehen, weil du eine Sache/Ideologie über das Selbstverwirklichungsrecht und Recht zur freien Meinungsäußerung des Individuums stellst. Dann wiederum stelle ich mir ernsthaft die Frage, was ausgerechnet dich dazu qualifiziert, deine Stimme für Israel und die Juden zu erheben. Ganz genau: Nichts.

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      • 16. Juni 2012 13:39

        Wen konkret hat Che verhaftet und hingerichtet nur weil er gegen das Regime war?

        Nach deiner Logik hätten die Alliierten keinen Naziverbrecher hinrichten dürfen. Ich sehe es wie Breitenberger: Eine Täter-Opfer-Gleichsetzung kommt für mich nicht in Frage. Ich empfehle dir einmal die Biografie von Saukel zu studieren.

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        • 16. Juni 2012 14:16

          Nun wird es absurd. Auf diesen (sorry) Stuss könnte ich erwiedern: „Wen konkret haben denn Adolf Hitler und Streicher verhaftet und hingerichtet?“ Eben deiner Logik der Rechtfertigung entsprechend wären sie also von den Verbrechen des Dritten Reiches freizusprechen.

          Du setzt kollaborierende Bauern also mit Nazi-Verbrechern gleich und legitimierst deren Hinrichtung/Inhaftierung durch das Castro-Regime. Alles klar, fidelche. Mehr wollte ich garnicht wissen und es dürfte auch für deine Leser sehr interessant sein, dies zu erfahren.

          Danke für die Bestätigung der Unmenschlichkeit, die hier nun klar zutage tritt.

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        • 16. Juni 2012 14:33

          Folterer und Schergen des Batista Regimes wurden nach der Revolution in Kuba hingerichtet. Davon rede ich. Und ich setzte die Folterer Batistas nicht mit den Schergen der Nazis gleich. Die Verbrechen hatten eine unterschiedliche Qualität und einen anderen Umfang. Über die Hinrichtungen von Eichmann, Sauckel usw. kann man streiten, wie man über die Hinrichtungen nach der kubanischen Revolution streiten kann. Allerdings dann mit Argumenten.

          Ich werde jedenfalls die Richter der Alliierten nicht verurteilen, wie ich die Richter, die die Folterer des Batista-Regimes verurteilten nicht grundsätzlich als Mörder bezeichnen werde.

          Che Guevara war übrigens kein Richter. Siehe obigen Text:“In La Cabana hatten die revolutionären Gerichte „1“ und „2“ ihren Sitz. Das erste richtete über Batistas Polizisten und Militärs und das zweite, das keine Todesstrafen aussprach, über Zivilpersonen. Den Vorsitz über das Gericht „1“ hatte Miguel Angel Duque de Estrada. Che Guevara gehörte keinem der beiden Tribunale an, jedoch überprüfte er als Garnisonskommandant die Berufungen.“

          Du musst noch viel lernen.

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        • 16. Juni 2012 14:48

          Uneinsichtig bis zum Schluss, weil der Ideolog das tuen muss. Für die „gute Sache“ stirbt sichs eben gerechter.

          Ich bin sehr froh, dass Menschen wie dir nur ein Blog bleibt für ihre kruden Ansichten. Belustigend weiterhin, wie du in gleichem Maße selektiv wahrnimmst, wie du es anderen vorwirfst.

          Chapeau

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        • Der Bassist permalink
          16. Juni 2012 17:37

          Nicht umsonst ziert das Bild von Che T-Shirts, Aufkleber und unzählige positiv besetzte Kunstwerke. – – – Nicht kenne ich so etwas von hier schreibenden Bloggern. Der Grund liegt wohl in der Geschichte, im gesellschaftlichen Movens von Aesthetik und in Kenntnis der Dinge einer ganz schön schönen und auch deshalb widersprüchlichen Biographie und ihrer Bedeutung.
          N.b.: Einen Chapeau Claceur trug Guevara nie!

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        • 16. Juni 2012 18:33

          „Nun wird es absurd.“ Michael, Deine Worte sind zeitgleich Deine Taten dazu. –
          Na ja, Du weist auch in Deiner ‚Endlosschleife argumentloser Stilkritik‘ auf nichts hin, was eben diese begründen könnte; sogar nachgefragt. – Schau mal bei Wiki: ‚Diskussion‘. Das ist irgendwie Austausch von Gleichem. Ist bürgerlich. Hier steht was! Dazu wäre Diskussion etwas zu entgegnen, was auch steht, aber woanders. – Ich deke, Deins steht woanders. Leider. Frag mal treue Gefährten, nicht in der Sache vielleicht, die nicht ganz Deine sei, aber im Stil. Der ist dort nämlich hier ein Deiner.

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        • 17. Juni 2012 11:39

          Ja sicher. Es gab im bundesdeutschen Pseudo-Revoluzzer-Sumpf auch Menschen, die ernsthaft Ho Chi Min riefen – begeistert. Auch Mao-Bibeln wurden verteilt. Fazit: Nur die Idiotie stirbt nie. Oder auch: „Millionen Fliegen können nicht irren – fresst Scheiße“.

          Rainer – sorry – was soll dieser Worte/Taten-Brei? Ich weise hier oftmals auch argumentativ hin. Argumente werden aber nicht aufgenommen – geantwortet wird mit Unterstellungen und 1000 Fragen a la: „Bist du der Ansicht, das… Meinst du nicht, dass… Wie stehst du zu..“ Ich bin hier nicht vor einem Gerichtshof, auch wenn sich der Betreiber gerne als Richter darstellt.

          Speziell an Fidelche in Bezug auf „siehe obigen Text“: Ich habe und werde NIE Deine Elaborate als „Wahrheit“ anerkennen und auf dieser Basis diskutieren. Ich behalte mir vor, glaubhaftere Quellen zu befragen und werde mich nicht auf die Meinung und zusammengeklaubte Textteile eines Anonymen „verlassen“.

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        • 17. Juni 2012 15:25

          Wenn dem einen zu Che Guevara ‚Befreiung/skampf‘ und die ‚antiimperialistische Jugendbewegung der Welt der 60er Jahre‘ einfällt, zu Fidel Castro der Versuch eines sozialen Kuba innerhalb der als Dritte gehaltenen Welt, – so fällt dem anderen ein: ‚Mörder‘, sowie ‚Diktator‘. – – –
          Das ist der ganze Unterschied. Und ich werde den nicht mehr hier begründen. Aufklärung ist wesentlich auch Selbstaufklärung in der Dialektik von Geschichte und interessegeleiteter Geschichtsschreibung. Ideologie finde ich überall. Auch Fälschung/Zuschreibung aus welchen Motiven immer. – Michael Schneider hat mal ein schönes Buch geschrieben: Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom. Der ist derzeit schwarz-rot-gold getüncht. Ich male da nicht mit; und lasse mir doch nicht ausreden, daß der Ball rund ist.

          Ende in diesem Gelände.

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  4. 20. Mai 2014 14:45

    „Generación Y“, der weltberühmte Blog der weltbekannten Dissidentin, ist in 18 Sprachen übersetzt, denn Sánchez hat „jede Menge internationaler Helfer“, das „Time-Magazin und andere Verehrer ernannten sie zu einer der einflußreichsten Menschen auf Erden“ (SZ), weil sie, wenn wir das richtig sehen, u.a. herausgefunden hat, daß Raúl Castro seine Landsleute innerlich verachtet und nicht von irgendeinem Wirrkopf oder der CIA vom Podest geknallt werden will. Das zweite wäre nichts weiter als verständlich, das erste ergibt nur dann einen Sinn, wenn man annehmen will, Raúl und sein Bruder Fidel hätten nur aus Volksverachtung für den höchsten Alphabetisierungsgrad in Lateinamerika (und einen notabene durchaus höheren als in den USA oder Deutschland) gesorgt, weshalb jetzt alle Kubaner und Kubanerinnen in der Lage sind, die Wahrheit über die autoritären Knallköpfe an der Staatsspitze zu lesen, mit denen die hauptberufliche Dissidentin samt Mann denn auch gerechterweise „im Clinch“ (SZ) liegt: „Die Castros lassen das Ehepaar trotz allerlei Hürden gewähren. Unterdessen sind die Aufsätze prämiert worden, als Buch erschienen … Ihre vielen Preise durfte sie nach anfänglichem Reiseverbot bei mehreren Tourneen abholen, früher hatte sie mal in der Schweiz gewohnt“, und auch das unterscheidet den antikommunistischen Dissidenten vom antikapitalistischen: die Dissidenz ist erheblich einträglicher. (..)
    Man kann sagen, Yoani Sánchez, deren neue, von der kubanischen Diktatur wiederum ohne weiteres gewährte Internetzeitung 14Ymedia kurz vor dem Start steht, hat es geschafft, weil sich die Welt für irgendeinen Slumbewohner zwischen Rio und Panama-Stadt zwar einen feuchten Kehricht, fürs kommunistisch geknechtete Kuba aber jederzeit interessiert, und wenn Sánchez mal am Ziel ist und die Brüder und Schwestern aus Miami in Havanna die Favelas ausweisen, wird sie befreit und unverzagt weiterbloggen, für soziale Gerechtigkeit, gegen die Verharmlosung der PCC-Diktatur. „Es wird ein schwieriger Weg“ (Sanchez). Immerhin ist bekannt, wo er endet.

    http://www.titanic-magazin.de/news/gaertners-kritisches-sonntagsfruehstueck-auf-bestem-wege-6488/

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