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Das Kuckucksei von Osnabrück

kuckuckNachdem das Simon Wiesenthal-Center die Badische Zeitung und die Stuttgarter Zeitung wegen ihrer antisemitischen Karikaturen berechtigterweise auf Platz 7 des Antisemitismus-Awards 2013 setzte macht nun eine weitere  Provinzzeitschrift von sich reden. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ meint eine Islamwissenschaftlerin, eine Frau Kückmann, dass die Forderung des israelischen Premiers um Anerkennung Israels als „jüdischer Staat“ unzumutbar sei.

Ulrich Sahm gibt der „Israelkritikerin“ die richtige Antwort:

Unter dem Titel „Israel als jüdischer Staat: Unzumutbare Forderung“ hat die Redakteurin Franziska Kückmann, 30, in der Neuen Osnabrücker Zeitung kommentiert, dass die Forderung des israelischen Premiers um Anerkennung Israels als „jüdischer Staat“ unzumutbar sei.

Ihre „nachdenklichen“ Anmerkungen, ob Juden Religion oder Volk seien, hätte sie in guter deutscher Tradition um „Rasse“ ergänzen können.

Kein zweites Volk der Erde wird an jedem Sonntag in der Kirche so oft erwähnt wie das „Volk Israel“. Und angenommen, die Juden sind „nur“ Religion: Warum haben die Nazis sie zur Rasse erhoben und sogar die katholische Nonne Edith Stein nach Auschwitz geschickt, wie sechs Millionen andere Volksgenossen jenes volklosen Volkes.

Kückmann behauptet, Israel wäre wie Iran ein „Gottesstaat“, wenn „Jude“ religiös definiert würde. „Beide Varianten sind unvereinbar mit dem Anspruch, ein moderner Staat zu sein, und dürfen von der Weltgemeinschaft nicht akzeptiert werden.“

Welcher Staat der Welt hat jemals den Anspruch erhoben, „modern“ zu sein? Und welche Staaten werden von der Weltgemeinschaft „nicht akzeptiert“, weil sie altmodisch oder unmodern sind?

Israel hat zudem das Judentum nie zur Staatsreligion erklärt. Im Gegensatz zu Deutschland, wo der Sonntag gesetzlicher Ruhetag ist und selbst „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ an Karfreitag nicht tanzen dürfen, kann in Israel jeder nach Gusto am Freitag, Sabbat oder am Heiligen Sonntag ruhen.

Unmoderne „Gottesstaaten“ mit dem Christentum als „Staatsreligion“ gibt es mitten in Europa: Vatikanstaat, Liechtenstein, Malta, Monaco, San Marino, Griechenland, Dänemark, Island, Norwegen und England. Die Liste der Staaten mit dem Islam als Staatsreligion ist noch länger.

Kückmann fragt weiter: „Oder ist jüdisch als ethnische Bezeichnung zu verstehen? Dann würde Israel zum Apartheidstaat. Arabische Israelis würden zu Bürgern zweiter Klasse.”

Die Väter des deutschen Grundgesetzes hatten keine Angst, mit der Bundesrepublik einen Apartheidstaat zu schaffen. Schon in der Präambel steht: “Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben. … Damit gilt dieses Grundgesetz für das gesamte Deutsche Volk.”

„Deutsche“ und ein „deutsches Volk“ gibt es also. Ist das eine Ethnie mit theokratischem Einschlag, weil sie sich ihrer “Verantwortung vor Gott” bewusst ist? Gemäß welcher Definition wurden eigentlich sowjetische Staatsbürger aufgenommen und bei ihrer Ankunft mit dem deutschen Pass ausgestattet? Die Wolgadeutschen und andere „Volksdeutsche“ sind nach Hunderten Jahren Abwesenheit in ihre „Heimat“ zurückgekehrt.

Mussten sie sich etwa einem Bluttest zwecks Rassenprüfung unterziehen oder reichte deren Gefühl der Zugehörigkeit zur deutschen Kultur. Denn Deutsch sprachen die Wenigsten von ihnen.

Ob Rasse, „mosaischer Glaube“, ein Volk oder sonst was – die Redakteurin der NOZ verweigert allein den Juden eine eigene Identität, obwohl sie, anders als die Einwohner des Landes Niedersachsen, auf eine 3.000 Jahre lange Geschichte und Kultur zurück schauen.

Kückmanns Vermutung, dass arabische Israelis zu „Bürgern zweiter Klasse“ würden, zeugt von peinlichem Unwissen. So wie im deutschen Grundgesetz Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und Versammlungsfreiheit für „alle Deutsche“ gilt, gibt es in Israel exakt die gleichen Gesetze für „alle israelischen Bürger“: Araber, Drusen, Christen, Beduinen, Tscherkessen wie Juden.

Weder Deutschland noch Dänemark oder England können also den „Anspruch“ erheben, „moderne Staaten“ zu sein. Wenn Israel nur dann von der Weltgemeinschaft akzeptiert werden dürfe, wenn es seine jüdische Identität abstreift, dürften die islamischen Länder (inklusive der palästinensische nGebiete) ebenso wenig von der Weltgemeinschaft „akzeptiert“ werden, solange der Ramadan gesetzlich geregelt wird. Und Deutschland müsste erst mal alle „gesetzlichen Feiertage“ abschaffen. Da fragt sich, was von der Weltgemeinschaft noch übrig bleibt, wenn überall Religion, Kultur oder nationale Identität abgestreift sind.

Unzumutbar ist dieser „nachdenkliche“ Kommentar in einer deutschen Zeitung deshalb, weil er allein den Juden das Selbstbestimmungsrecht und ihrem Staat das Existenzrecht abspricht.

Abschließend sei hier noch ein faktischer Fehler in dem Kommentar erwähnt: Nirgendwo ist den Palästinensern in den Osloer Verträgen die Gründung eines Staates versprochen worden. Falls Kückmann es besser weiß, möge sie doch den Paragrafen nennen und den Wortlaut dieses Versprechens zitieren. Damit würde sie ihren palästinensischen Freunden gewiss helfen, ihre Ansprüche und Forderungen durchzusetzen.

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One Comment leave one →
  1. 7. Januar 2014 18:52

    Wie schrieb vor gut zehn Jahren Hermann L. Gremliza in Konkret: „Angehörige des Kollektivs »die Deutschen« sollten, auch wenn sie, anders als Sie, die Rede vom Volk meiden, weil sie völkisch kontaminiert ist, nicht mit Juden darüber rechten, wie sich die der Mordlust unserer Väter nach Israel Entkommenen nennen wollen. Wer Jude ist und ob sie sich ein Volk nennen sollen, möge bestimmen wer will, nur für die nächsten tausend Jahre eine Menschensorte nicht: Deutsche.

    Israel hat das Judentum nie zur Staatsreligion erklärt, was sicherlich an den säkularen Gründervätern gelegen hat. Ulrich Sahm hat sehr ruhig und sehr gut das Nötige zum Kuckucksei des Osnabrücker Blattes geschrieben.

    Unzumutbar ist dieser „nachdenkliche“ Kommentar in einer deutschen Zeitung deshalb, weil er allein den Juden das Selbstbestimmungsrecht und ihrem Staat das Existenzrecht abspricht, was abschließend zu Untersteichen ist.

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