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Regressive Kapitalismuskritik

Im 19. Jahrhundert wollte der Anarchist und Frühsozialist Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865)  den Kapitalismus abschaffen, zugunsten einer „wirklichen Marktwirtschaft“ mit Äquivalententausch. Proudhon sah in der Herrschaft des Zinses das größte Übel des Kapitalismus. Gäbe es das zinstragende Kapital nicht mehr, so dachte Proudhon, dann gäbe es auch keinen Kapitalismus mehr. Deshalb wollte er ein nicht verleih- und verzinsbares „Arbeitsgeld“ einführen. Die entsprechende Abschaffung des Zinses hatte antisemitische Vorstellungen zur Konsequenz, die Proudhon in seinen  Texten zur »Tauschbank«  beschrieb. 1849 versuchte Proudhon mit der Gründung einer „Volksbank“, mit zinslosen Krediten, sein Reformprogramm in die Praxis umzusetzen. Proudhon‘s Antisemitismus sah in den Juden die wichtigste Quelle für das Unglück der Nation. Sein Rassismus kam zudem in der Beschreibung Schwarzer als minderwertige Rasse zum Ausdruck.  Proudhon hatte großen Einfluss auf Georges Sorel, den Vordenker des Syndikalismus. Auf Sorel wiederum beriefen sich viele Intellektuelle des Leninismus als auch des revolutionären Syndikalismus, von denen einige zum Faschismus übertraten. Auf die Frage, welchem von seinen Lehrmeistern er am meisten verdanke, nannte der ehemalige Sozialist Benito Mussolini, Sorel.

Gottfried Feder (1883-1941), Wortführer der NSDAP Wirtschaftpolitik,  schrieb 1927 deren 25 Punkte Grundsatzprogramm, welches bis 1945 Gültigkeit hatte. In dieser Schrift steht auszugsweise: „Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: „Profit“, sie haben nur eine Sehnsucht: „Kredit“, nur eine Aufwallung: die „gegen die Steuern“, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die „vor den Banken“ und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der „Brechung der Zinsknechtschaft“. Die NSDAP unterschied  zwischen gutem „schaffenden und bösem raffenden Kapital“. Das böse „raffende Kapital“ war bei der NSDAP das „internationale Finanzjudentum“

Die Gewerkschaft Verdi, teilweise offenbar immer noch mit Proudhon verbunden, hat vor einigen Jahren eine Broschüre herausgegeben, Finanzkapitalismus, Geldgier in Reinkultur!Darin geht es um Hedgefonds und andere „Heuschrecken“. Quintessenz dieser Broschüre ist letztendlich die Unterscheidung von gutem „schaffenden Kapital“ und bösem „raffendem Kapital“. Das böse „raffende Kapital“ ist demnach der internationale Finanzkapitalismus. Die Verschmelzung von Produktionskapital und Finanzkapital ist offenbar noch nicht jedem bei Verdi bewusst.   Zeev Sternhell schreibt in seinem Buch, „Die Entstehung der Faschistischen Ideologie: “Die Wurzeln des Faschismus liegen in der radikalen Linken am Beginn des 20. Jahrhunderts. Dessen führende Theoretiker waren ganz überwiegend „rechte Leute von links“, die aus dem revolutionären Syndikalismus hervorgegangen waren.“ Durch den Bruch mit der Marxschen Ökonomie, der Gleichsetzung des revolutionären Subjekts mit der Nation, gaben, die erwähnten Frühsozialisten mit ihren Theorien Anknüpfungspunkte für eine rechte Ideologie (Faschismus, Nationalsozialismus, Antisemitismus), die leider von vielen, auch innerhalb der Linken, kritiklos angenommen wird.

aus: Proudhon, Gesell, Feder, Marx und die regressive Kapitalismuskritik

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3 Kommentare leave one →
  1. 6. Oktober 2011 21:55

    Bei Attac gibt es jetzt ein Bankentribunal:
    http://www.attac.de/aktuell/krisen/bankentribunal/

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  2. 8. Oktober 2011 00:51

    Halbe Stunde Ideologie? Bitte schön!
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/1459032/Wie-tickt-..-Jakob-Augstein?

    Ich finde, hier ist eine regressive Kritik in einer guten halben Stunde gut vorgestellt, falls man mit Wissen & Erfahrung hören kann: die Phrasen der bürgerlichen Kritik, die Selbstüberhebung der Medienmacher, das Gutmenschengemenschel in knallharten Politikfolgen in verleumdeter Realität.
    „Sie haben den Freitag gekauft?!“ fragt der Interviewer.

    Ja, er hat den Freitag ‚gekauft‘.
    Und er, Jakob Augstein sagt, der Blogger ist auf sympathetischer gewollter Nulllinie mit dem Redakteur.

    Das finde ich, Rainer Kühn, auch.

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    • 8. Oktober 2011 01:47

      …und Weltbild hat er auch keines, der Jakob. Warum auch?

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