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Israels Krieg

israelskriegDass die Welt ein antisemitischer Ort ist, liegt, sagt der Antisemit, an den Juden. Und was er da ausnahmsweise hat, ist: recht. Tatsächlich resultiert sein allgegenwärtiger Hass aus der erlebten Überlegenheit seines durch Jahrtausende unfreiwilliger Welterfahrung zur geistigen und materiellen Elite erwachsenen Feindes.

Das hört der Antisemit aber gar nicht gern. Und so versuchte er – wie Abgeordnete der Union im November 2003 anlässlich des Falls ihres Kollegen Martin Hohmann -, den Antisemitismus als „Ausdruck eines Minderwertigkeitskomplexes“ herunterzuspielen. Es ist aber kein Komplex, keine Fehlleistung, Neurose oder Zwangsvorstellung, es ist wirkliche, historisch erworbene Minderwertigkeit, die ja der Antisemit wie selbstverständlich anerkennt, wenn er, ohne Auftrag vertreten durch seine Hisbollah, verlangt, Israel solle die zwei entführten Soldaten für eine Vielzahl arabischer Kämpfer austauschen. Vor zwei Jahren bezifferte Scheich Nasrallah den Wert von 435 seiner Gotteskrieger auf den eines jüdischen Geschäftsmanns und der Leichen dreier israelischer Soldaten.

Der Antisemit, sagt Sartre, will den Tod des Juden. Der arabische Antisemit will ihn hier und jetzt. Mancher mag, wenn er ein Geschäft wittert, die Entschärfung oder gar Streichung dieses Programmpunkts sich abhandeln lassen – es geschieht stets mit dem Augenzwinkern: nicht so gemeint. Die Liquidierung Israels stand auf dem Programm der PLO, sie steht auf dem Programm der Hamas, des Dschihad und der Hisbollah, ja sie ist ihr idealer Lebenszweck. Die iranischen Sponsoren ihres Terrors wiederholen es täglich: „Wir hatten das ja schon immer gesagt, dem zionistischen Regime kann man nicht trauen, und weder Roadmap noch Anerkennung Israels können zu einem gerechten und anhaltenden Frieden führen … Israel war, ist und bleibt ein Krebstumor in der Region.“ Der jüngste Konflikt sei „ein Verzweiflungsakt der Zionisten, deren verfaultes und geschwächtes Regime am Rande des Zusammenbruchs steht … Die erneuten zionistischen Verbrechen haben bewiesen, dass der Widerstand dieser Gruppen (Hamas, Dschihad und Hisbollah) der einzige Weg zum endgültigen Sieg ist.“

Der Krieg, dessen jüngste Schlacht gerade begonnen hat, war mit der Gründung des Staates Israel erklärt. Er ist mit der Wende der Weltpolitik, die den Paten der arabischen Sache, der auch ihr Vormund war, frühpensioniert hat, an allen Fronten ausgebrochen. Ob es ihn führen will, ist Israel nicht gefragt, nur, wie es ihn führen kann. Es hat sich bei israelischen Politikern die Ansicht durchgesetzt, dass die Juden nur dann in ihrem Staat in Sicherheit seien, wenn sie auf dem Flecken Wüste am Rand des Osmanischen Reichs und des britischen Mandatsgebiets, das die Vereinten Nationen ihnen nach dem Holocaust als Staatsgebiet zugewiesen und das sie durch eigene Tüchtigkeit und mit Hilfe der USA zu einer Oase gemacht haben, für sich blieben, geschützt durch einen Zaun vor jenen, die – dem Gesäusel mancher ihrer Diplomaten zum Trotz – nichts sehnlicher wünschen als der Juden Tod.

So schwer es dem Freund des Friedens fallen mag, das zu begreifen: Israel führt nicht Krieg, wie die Deutschen ihre Kriege geführt haben und führen, nicht um Raum für ihr Volk ohne Raum, um den Zugriff auf Rohstoffe oder um weltpolitische Bedeutung. Israel führt Krieg, um den Juden, die der Hass der Völker nach Palästina getrieben hat, endlich ein Leben in Sicherheit zu bieten. Die Juden versuchen nicht, andere unter ihre Herrschaft zu zwingen oder zu ihrem Gott zu bekehren. Sie versuchen, sich zu retten. Ob ihre Regierung das immer auf die vernünftigste Weise tut, mag bezweifelt werden. Welche Regierung täte das?

Israel, heißt es zwischen Paris und Moskau, habe zwar das Recht, sich zu verteidigen, reagiere aber überzogen und ohne Rücksicht auf unschuldige Zivilisten. Welche Reaktion auf Angreifer, die mit den Juden verfahren wollen wie der Chirurg mit dem Tumor, halten die Herren Chirac und Putin wohl für angemessen? Tatsächlich sind gestern allein 43 Libanesen ums Leben gekommen, an einem Tag, an dem muslimische Gotteskrieger in dem irakischen Flecken Mahmudija 56 muslimische Marktbesucher ermordet haben. Tage zuvor hatten in Bombay andere muslimische Kämpfer in einer Minute 182 Menschen getötet – Taten, von denen die Regierungen in Paris, Berlin und Moskau so wenig Aufhebens machen, dass man meinen könnte, sie hielten die Opfer nicht für Menschen. Nie vergessen Nachrichtensprecher den Hinweis, es seien Zivilisten gewesen, die durch israelische Waffen getötet wurden. Jeder tote Zivilist verdient Trauer. Immerhin könnte bedacht werden, dass die Leute von der Hamas, der Hisbollah, vom Dschihad und den Al-Aksa-Brigaden, bis zu dem Augenblick, da sie den Sprenggürtel zünden, um eine jüdische Hochzeitsgesellschaft in Blut zu ersäufen, unschuldige Zivilisten sind, Jugendliche, Abiturienten, Schüler und, erwischt sie eine Kugel vor ihrer Tat, in den Nachrichten fast noch Kinder. Nur selten wagen sich die Gotteskrieger an israelische Militärpersonen, es ist nicht der Soldat, den sie töten wollen, es ist der Jude. Auch die israelische Armee tötet leider Zivilisten, aber nicht weil sie Araber töten will, sondern weil Allahs Helden sich am liebsten hinter ihren Frauen und Kindern verstecken.

Mit Israels Krieg beginnt eine neue Zeit. Der Plan, den Staat der Juden durch seinen Rückzug erst aus dem Süden des Libanon, dann aus Gaza und der Westbank von seinen Feinden zu separieren, sich hinter einem Zaun in Sicherheit zu bringen und die Palästinenser ihren Dreck alleine machen zu lassen, konnte nur gelingen, wenn der Feind nicht über Waffen verfügte, über die Grenze hinweg zuzuschlagen. Nun hat sich gezeigt, dass in Gaza große Mengen Granaten bereitliegen, mit denen israelische Dörfer angegriffen werden, und dass die Hisbollah vom Iran mit Raketen aufgerüstet wurde, die Jerusalem treffen können. Und nicht nur die großen Töne, die Ahmadinedjad und Nasrallah spucken, sondern Fortschritt der Technik und Skrupellosigkeit des Waffenhandels lassen befürchten, dass bald jede antisemitische Zelle in der Umgebung sich in den Besitz gefährlichster Waffen bringen kann.

Das Ziel des Kriegs, den Israel jetzt führt, ist deshalb die dauerhafte Entwaffnung derjenigen seiner Feinde, die nicht als Staaten handeln und zur Verantwortung gezogen werden können. Dieser Krieg, der lange dauern und mit sehr wechselndem Einsatz geführt werden kann, endet entweder – und im besten Fall – mit der vollständigen Entwaffnung von Hamas, Dschihad, Al-Aksa-Brigaden und Hisbollah oder mit einem ganz anderen Krieg, in dem Israel jene Staaten, die eine zweite „Endlösung der Judenfrage“ betreiben, Syrien und den Iran allen voran, mit jeder Waffe angriffe, die ihm zu Gebote steht. Oder aber, Kriege können auch verlorengehen, mit Israels Untergang und also dem einer besseren Welt.

Aus Konkret 08/06, S. 9 von Hermann L. Gremliza

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21 Kommentare leave one →
  1. 13. Januar 2012 14:36

    2006 waren es zwei entführte israelische Soldaten, im letzen Jahr war es Gilad Schalit. In diesen knapp sechs Jahren sind die Deutschen in ihrer Kritik an Israel wesentlich frecher geworden. Die Tabubrecher Hohmann und Co waren die Vorreiter.

    Aktuell sind die Orthodoxen in Israel das Thema Nr.1 für die deutschen“ Friedenkämpfer“. Dass in Israel mehrere tausend Menschen, unterstützt von Präsident Schimon Peres, gegen die Übergriffe ultraorthodoxer Juden auf säkulare Bürger protestiert haben wird kaum zur Kenntnis genommen. So gut wie alle ultraorthodoxen Extremisten wurden sofort verhaftet und später verurteilt. Geschlechtertrennung in Bussen ist in Israel gesetzlich verboten. Die israelische Regierung bekämpft diesen Extremismus.

    In der FAZ scheibt ein Wolfgang Günter Lerch vom „Antagonismus zwischen Jerusalem und Tel Aviv“. Dass es in Jerusalem auch eine „Love-Parade“ gibt scheint der Herr Lerch nicht zu wissen. Wahrscheinlich meint er damit das arabische Viertel in Jerusalem.

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    • 15. Januar 2012 21:21

      Nach den Ausschreitungen von Ultraorthodoxen in der Kleinstadt Beit Shemesh wird in Israel über den Einfluss der religiösen Extremisten auf Politik und Gesellschaft diskutiert. Dass sich das Land mitten in einem »Kulturkampf« befinde, behaupten allerdings eher ausländische Medien, schreibt von Ulrich W. Sahm in der Jungle World. Am Ende schreibt Sahm: „Ein leidenschaftlich vorgetragenes Argument zur Gestaltung der eigenen Zukunft, je nach Weltanschauung und poli­tischer Position, ist jedoch nicht vergleichbar mit der Neigung deutscher Medien, die Überlebensfähigkeit Israels infrage zu stellen. Problematisch ist die Tendenz vieler deutscher Journalisten, fast nur die Vertreter einer ausgeprägten Richtung zu zitieren wie etwa Tom Segev, Uri Avnery, Mosche Zuckermann, Amira Hass oder Gideon Levy, die sich in ihren Anschauungen kaum unterscheiden und keinesfalls den »Mainstream« repräsentieren, der Israels Weg bestimmt, solange das Land eine Demokratie ist.“

      http://jungle-world.com/artikel/2012/02/44644.html

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  2. 14. Januar 2012 11:40

    Richtig ein jeder tote Zivilist verdient Trauer, aber die Leute von der Hamas, der Hisbollah, vom Dschihad und den Al-Aksa-Brigaden, die den Sprenggürtel zünden, um eine jüdische Hochzeitsgesellschaft in Blut zu ersäufen sind keine Zivilisten.

    Ich weine „Allahs Helden“, die sich am liebsten hinter ihren Frauen und Kindern verstecken keine Träne nach. Jene Staaten, Bewegungen und Sympathisanten, die eine zweite „Endlösung der Judenfrage“ vorbereiten, betreiben oder unterstützen müssen geächtet werden.

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  3. 25. Mai 2012 13:17

    Pax Christi: „Kauft nicht bei Juden“.

    Mannomann. Die Christen sind immer noch sauer weil de Juden angeblich ihren Herrn Jesus gekreuzigt habn.

    http://www.paxchristi.de/news/kurzmeldungen/one.news.km/index.html?entry=page.news.km.854

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    • 28. Mai 2012 19:00

      Dazu: Boykottiert Pax Christi!

      http://networkedblogs.com/y7eZD

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  4. 9. Juli 2012 19:43

    Im Zuge von neuen Verschwörungstheorien um Arafats Tod wurde bekannt, dass sein Mausoleum wieder umgebaut wird – mit EU Geldern.

    http://www.israelnetz.com//arabische-welt/detailansicht/aktuell/zweifel-wegen-giftfunden-in-arafats-waesche/#.T_dJes1Z_VU

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  5. 18. Juli 2012 17:23

    Am Donnerstag, dem 12. Juli 2012 fand in München eine antiisraelische Progandaveranstaltung unter Teilnahme des Mitglieds des israelischen Parlaments Frau Haneen Zoabi statt. Sie sagte in München: „Ziel ist nicht die Gleichberechtigung in Israel, sondern der Kampf gegen Israel … das Problem sind nicht die Grenzen von 1967, sondern die von 1948.“

    Zoabi akzeptiert den Staat Israel nicht, weil dieser sich als jüdischer Staat verstehe und spricht von „politischem Rassismus“. Offen ruft sie zur Abschaffung des jüdischen Staates auf.

    http://israeldossiers.wordpress.com/2012/07/15/sehr-geehrter-israelischer-botschafter-in-deutschland/

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    • 19. Juli 2012 10:47

      Beachtlich, wenn man bedenkt, dass die deutschen Antisemiten immer vom rassistischen Staat Israel schwafeln. Der Beifall in München überrascht nicht.

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    • MEMO permalink
      19. Juli 2012 11:48

      Erfreulich daran ist eigentlich nur, dass hier eindrucksvoll bewiesen wurde, dass München nach wie vor Zentrum der Bewegung ist. (Sorry – ein Retour an Breitenbergers „Berlin – Zentrum der Bewegung“. Musste einfach sein.)

      Ich habe es im anderen Artikel schon erwähnt – derlei Mist findet sich in nahezu allen Foren, verteilt über die gesamte Presselandschaft. Aber auch das war eigentlich zu erwarten. Wobei ich finde, dass man Netanjahus Verdacht auch vorsichtig betrachten muss. Bewiesen ist erst einmal noch nichts und er befindet sich im Dauerwahlkampf. Da ist die Anschuldigung an den Iran nachvollziehbar, als Reflex. Wichtig ist, die wirklichen Täter zu ermitteln – wer auch immer es war.

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    • 19. Juli 2012 14:06

      Bei Rainer Kühn habe ich gelesen wie die antisemitische Freitagscommunity darüber „denkt“:

      http://www.freitag.de/autoren/schlesinger/eklat-bei-den-palaestinatagen-muenchen

      Die „Dieter Kunzelmanns“ des antizionistischen “Freitags“ sind unverbesserlich!

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    • MEMO permalink
      19. Juli 2012 14:59

      Das ist falsch. Der Schlesinger-Artikel und die Kommentare zeigen erst einmal, dass eine undifferenzierte Schwarz-Weiß-Sicht zu nichts führt, außer zu einer Verhärtung der Fronten. Es wäre dem Konflikt und den Opfern auf allen Seiten gegenüber angemessener und fairer, wenn Ihr Eure Freitags-Aversion nicht permanent als höherwertig einstufen würdet. Letztlich kann man, wohlwollend, die Argumentation von Frau Zoabi so lesen, wie die Kritik vieler Menschen, die sich in Deutschland für Migrantengleichberechtigung einsetzen. Hier wie dort kommt es zu Entgleisungen und Fehleinschätzungen, was das Anliegen selbst jedoch erst einmal nicht negiert. Wie so oft, bemerke ich auch hier eine engengte Sicht auf die Problematik, die sich allein auf das Aufspüren von vermeintlich Schuldigen oder Mittätern reduziert, um „festzustellen“. Das aber kann auch nicht im Interesse der israelischen Bürger sein, die mit ihren Mitbürgern palästinensischer Abstammung zusammen leben müssen. Hierauf – auf einen zukunftsorientierten Interessenausgleich – muss sich die Diskussion konzentrieren und nicht auf reflexhafte Dämonisierung. Dieser Ausgleich, das Gespräch, das Aushandeln, dient in letzter Konsequenz den Interessen Israels. Ich frage mich ernsthaft, was daran so schwer zu verstehen ist.

      Ein klitzekleines Beispiel aus einem anderen Kulturkreis
      In Albanien war lange Zeit die Blutrache ein gängiges Mittel in der Auseinandersetzung. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Wurde jemand vergewaltigt oder ermordet, musste mit dem Blut des Täters bezahlt werden. Die Folge war eine Eskalation der Gewalt und nie eine Verbesserung der Situation. Das war Tradition. Heute ist man dazu übergegangen, dass Vermittler hinzu gezogen werden, die sich mit beiden Familien über einen Ausgleich, der meist finanzieller Natur ist, unterhalten, um derartige Eskalationen zu vermeiden. Dei Moderatoren sind meist „Ehrenmänner“, auf deren Wort gehört wird. Zwar sind beide Seiten hinterher immer noch „verfeindet“, doch der Endloskreislauf der Blutrache wurde durchbrochen. Sie können sich also nach wie vor nicht leiden, aber eben ohne Angst ihr Leben leben. Es funktioniert also, aus diesen Gewaltspiralen auszubrechen – Tradiertheit hin, Tradiertheit her.

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      • Der Bassist permalink
        19. Juli 2012 15:49

        Zum letzten Absatz:
        Den Endloskreis von Rache durchbrechen; ja: Zivilisation – als Gegensatz von Barbarei. Etwas aushandeln können, etwas weglegen können, zurückstehen können, Worte moderierend sein lassen. Alles richtig und zielgebend; – solange es aber diese ollen ‚antagonistischen Gegensätze‘ gibt, wird das ’normale Maß des Menschlichen‘ samt seiner gewaltigen Notwendigkeiten nicht erreicht werden. – Will sagen, Einzelpersonen werden sich immer kloppen, auch in der besten aller erreichbaren Welten. Aber nicht mehr Gruppen(vertreter/repräsentanten).

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      • 19. Juli 2012 17:53

        Memo schrieb: „Letztlich kann man, wohlwollend, die Argumentation von Frau Zoabi so lesen, wie die Kritik vieler Menschen, die sich in Deutschland für Migrantengleichberechtigung einsetzen.“

        Hahaha, Frau Zoabi nannte Israel einen “rassistischen und faschistischen Staat“. Als eine Studentin darauf einen Zwischenruf wagte schrie Zohabi: „Du bist auch eine faschistische Person!“

        Komisch, dass das antisemitische Gesindel im „Freitag“ das nicht thematisierte.

        Es ist also nicht falsch wenn ich schreibe: Die „Dieter Kunzelmanns” des antizionistischen “Freitags” sind unverbesserlich!

        Wenn in Deutschland die Vertriebenenverbände oder irgendwelche Nazis die Grenzen von 1914 oder von 1939 fordern, schwafelst du dann auch von einem „zukunftsorientierten Interessenausgleich“?

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        • Der Bassist permalink
          19. Juli 2012 18:03

          Auch dem letzten Absatz (von Breitenberger) stimme ich im Insgesamt zu. Und gerade darin gegen die von mir verhaßten aktuellen ‚Differenzierer‘. – Erst mal bitte das Große und Ganze. Und dann erst: Kleinkrieg!

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        • MEMO permalink
          20. Juli 2012 10:28

          Das Schöne an Sprache ist ja, dass sie selbst dann zuweilen schwierig zu verstehen ist, wenn Gleichsprachige miteinander sprechen. Kommen weitere Sprachen dazu, bleibt oft nur Interpretation. Ich lese in diesem Zusammenhang verschiedene Interpretationen, die mir aber nicht belegen können, was „wirklich“ gemeint war. Sie sprach von „to concentrate“, was erst einmal nicht falsch ist und den Zusammenhang mit KZs eigentlich nur für uns so naheliegend macht.

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        • 20. Juli 2012 12:56

          Unbestritten ist: Frau Zoabi nannte Israel einen “rassistischen und faschistischen Staat“. Frau Zoabi beleidigte justiziabel eine Studentin: „Du bist auch eine faschistische Person!“ Frau Zoabi sagte: „Ziel ist nicht die Gleichberechtigung in Israel, sondern der Kampf gegen Israel … das Problem sind nicht die Grenzen von 1967, sondern die von 1948.“

          Klar, dass die „Judenfreunde“ im „Freitag“ dabei feuchte Hosen bekommen.

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    • 19. Juli 2012 18:15

      Ich empfehle den Artikel von Schlamassel.muc – „Tumult im Gasteig: Jüdische Studierende lassen sich den Mund nicht verbieten“ :

      ….. Die zirka ebenfalls einstündige Debatte ist vorerst geprägt von Fragen der jüdischen Studierenden im Publikum, die einer vorsichtigen Schätzung nach in etwa zu zwanzigst erschienen sind. Schon ihre ersten Fragen an die Referentin kommentiert das Publikum mit Gelächter und Zwischenrufen. Zoabi weigert sich, manche Fragen zu beantworten. Auf die Frage beispielsweise, wie sie über das gleichberechtigende Vorhaben denke, dass in Zukunft alle Israelis – also auch alle arabischen Israelis – Militärdienst leisten sollen, gibt die Referentin keine Antwort. Das Ignorieren der Fragen erregt den Unmut der Studierenden. Gleichsam steigert sich Zoabi, die mittlerweile Teile ihres Kostüms von sich geworfen hat, immer stärker in die Verbalradikalität: „Schritt für Schritt wird Israel weniger demokratisch, Schritt für Schritt wird Israel immer faschistischer!“ ruft sie und reagiert auf den folgenden kritischen Zwischenruf einer Studentin harsch mit: „Du bist auch eine faschistische Person!“ Die strafrechtlich relevante öffentliche Beleidigung führt nicht zu einer Zurechtweisung Zoabis. Es folgen Forderungen aus dem Publikum, die Studentin solle unverzüglich den Raum verlassen. „Das ist ein Indikator für politischen Terrorismus! Was sie hier machen, ist ein tägliches Beispiel in der Knesset“, wirft Zoabi den Studierenden an den Kopf.

      Der laute Applaus des Publikums treibt die Knesset-Abgeordnete weiter an: „Es ist so hässlich, Gaza zu bombardieren […] und zu behaupten, die Hamas sei eine terroristische Vereinigung. Der Hauptterrorismus in der Region ist die israelische Politik und die Besatzung“, sagt sie. Ihre Stimme hat sich mittlerweile schrill gefärbt, auf dem Stuhl hält es Zoabi schon länger nicht mehr. Den Zwischenrufen der Studierenden, die diese und ähnliche Aussagen nicht unkommentiert im Raum stehen lassen wollen, wird seitens des Publikums mit „Seien Sie ruhig da oben!“, „Halt die Klappe!“, „Ruhe!“, „Keiner will sie hören!“, „Raus!“ oder krachledern mit „Hoit amoi dei Mei!“ begegnet. Doch die Studierenden sind nicht still.

      Zoabi weicht vielen der Fragen aus und berichtet stattdessen von einem Vorhaben. Israel möchte 800.000 Beduinen aus der Negev-Wüste „konfiszieren“, um sie zu „konzentrieren – erinnern sie sich – zu konzentrieren! In einem speziellen Gebiet.“ Nach der deutlichen Anspielung auf die nationalsozialistischen Konzentrationslager wirf ein Besucher ein, Zoabi solle doch gleich aussprechen, dass sie die Israelis für die neuen Nazis halte. Zoabi: „Israel betreibt eine rassistische und faschistische Politik, das ist die richtige Beschreibung.“ Dann gibt sie dem Publikum noch einen Rat in Sachen Antisemitismus mit auf den Weg:
      „Eure Pflicht als Europäer, als Deutsche, ist, nicht auf die politische Erpressung einzugehen. Wann immer ihr die Unterdrückung oder Besatzung der Israelis kritisiert, dann nennen sie euch antisemitisch. Genauso machen sie es in Israel auch. Das Wichtigste ist, nicht darauf einzugehen. Seid nicht empfindlich! Das ist eure Pflicht gegenüber der Demokratie!“ …

      Am besten den ganzen Artikel lesen und dann über das Freitagsgesindel lachen.

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      • Der Bassist permalink
        19. Juli 2012 18:27

        Für mich ein plausibler, meinen westfälischen Erfahrungen gleichzuordnender Bericht. Danke.

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  6. 24. Oktober 2012 17:12

    Seit dem frühen Mittwochmorgen haben palästinensische Terroristen aus dem Gazastreifen mehr als 60 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert. Die Raketen detonierten in den Bezirken Eshkol und Chof Ashkelon…

    Drei Menschen wurden Medienberichten zufolge verletzt, zwei von ihnen schwer. Bei allen drei Verwundeten handelt es sich um ausländische Arbeiter. Fünf Häuser wurden von den Raketen getroffen.

    Der Schulunterricht wurde heute im Süden Israels abgesagt.

    Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (ZAHAL) haben Angriffe gegen Stellungen der Terroristen begonnen, von denen aus die Raketenangriffe erfolgt waren. Drei Treffer wurden bereits vermeldet.

    Sieben Raketen wurden in der Region um Ashkelon durch das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ abgefangen.

    Präsident Shimon Peres, der sich am Morgen bei einem Beileidsbesuch bei der Familie des ermordeten Soldaten Majdi Halabi in Daliyat al-Karmel befand, äußerte sich ebenfalls zur Lage im Süden des Landes. Peres erklärte:

    „Leider wurde gestern ein Offizier von ZAHAL verletzt, und ich wünsche ihm und seiner Familie eine schnelle Genesung. Die Lage im Süden ist unerträglich. Wir werden nicht tatenlos dasitzen, wenn wir beschossen werden. Wir würden uns freuen, wenn Gaza aufgebaut wird und prosperiert, wir möchten den Einwohnern von Gaza nicht schaden – doch ihre Führer müssen wählen, ob Gaza eine Stadt des Aufbaus oder eine Stadt des Terrors sein soll, entweder wird gebaut oder geschossen. Israel wird entschieden handeln, wenn das Leben seiner Einwohner in Gefahr ist, alle Einwohner des Südens haben genauso das Recht, nachts ruhig zu schlafen wie die übrigen Einwohner des Staates Israel.“

    Und was schreiben die deutschen Mainstream-Medien dazu? Das ZDF meint die Lage habe sich verschärft. Kein Ton davon wer der Aggressor war.

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    • 24. Oktober 2012 17:18

      So sieht es aus wenn die Hamas ihre Raketen auf den Süden Israels abschießt. Die „Avantgardisten“ in Augsteins „Freitag“ oder Linksparteimitglied Norman Paech sprechen dabei übrigens von “selbstgebastelten Neujahrsraketen“

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  7. 15. Dezember 2012 15:18

    Die Israelis wollen in wüster Ödnis ein paar Häuser bauen. Statt dies als zivilisatorische Leistung und nach all den Bomben und Raketen des arabischen Terrors konstruktiv als »Aufbau Nahost« zu würdigen, hyperventiliert die Weltgemeinschaft in vervollkommneter Ein- und Niedertracht.

    ARTHUR BUCKOW schreibt in Lizas Welt über die „Einstaatenendlösung“ am Ende seines Artikels:

    „…..Doch bei aller taktischen Differenz sind sich Bundesregierung und Opposition einig darin, dass Netanjahus Ankündigung zum Wohnungsbau einen willkommenen Anlass zu »legitimer Israelkritik« bietet. Während einige EU-Staaten die israelischen Botschafter einbestellten, um Protestnoten zu übergeben, übernahm das hierzulande die Kanzlerin gegenüber dem israelischen Ministerpräsidenten persönlich und bekundete auch noch in der gemeinsamen Pressekonferenz die »Nichtübereinstimmung«.

    Viele Medien sekundierten erwartungskonform, manche übererfüllten ihre deutsche Pflicht sogar deutlich. So titelte die Süddeutsche Zeitung: »Netanjahu gegen die ganze Welt«. Das gleicht in Stil und Tenor den Qualitätsmedien deutscher Provenienz, wie sie einst ein Julius Streicher verantwortete, und auch die publizierte Demagogie ist so konsensstiftend wie seinerzeit im Stürmer, weshalb die Empörung der geneigten Leserschaft ausbleibt. Der Jude an sich – verkörpert heute in Benjamin Netanjahu – stellt sich als Widersacher und Bedrohung schlicht gegen die ganze Welt, so argumentiert die Süddeutsche: rachsüchtig, wie er nun einmal ist, den Bogen überspannend, den Rechtsbruch als jüdisches respektive zionistisches Ritual pflegend, trotzig und größenwahnsinnig. Es werde der »Beistand der letzten Verbündeten riskiert«, denn »diesmal hat Israel nicht nur die Palästinenser bestraft, sondern die ganze Welt herausgefordert«, es seien nun endlich »der Regierung Netanjahu die Grenzen zu zeigen«.

    Hinter dieser Argumentation nicht originären Antisemitismus zu erkennen, kann nur bedeuten, ihn absichtsvoll verkennen zu wollen und so zu salvieren. Hinter dieser Argumentation nicht die Drohung zur Vernichtung zu sehen, heißt, eben diese Barbarei zu akzeptieren und tendenziell zu affirmieren. Was das eigentlich Beste für die Juden wäre, was also heute »Israels ureigene Interessen« sind, das weiß niemand so gut wie der Antisemit – und darum ist auch dieses Argument in der Süddeutschen Zeitung obligatorisch. Um das im Grunde nur variierte Immergleiche im alten und neuen, im selbstbewussten und im empirischen Antisemitismus zu durchschauen, braucht es kein Studium an einem deutschen Zentrum für Antisemitismusforschung, dieses ist der Erkenntnis vielmehr abträglich. Alles, was es braucht, ist einen Funken kritisch und begrifflich operierende Restvernunft.

    Das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist an dieser Restvernunft übrigens gänzlich unbeteiligt, im Gegenteil: Es ist in der Phalanx der Demagogen arbeitsteilig für die Bilder zuständig. Nein, es werden keine jüdischen Nasen mehr gemalt, sondern vielmehr jüdisches Land, das wie ein gewaltsamer Keil das Westjordanland spaltet. Die neue Botschaft ist im Grunde die alte, nur spiegeln sich heute die Erfolge der Waldorf-Pädagogik wider: Der Pinsel wird politisch korrekt, sehr emphatisch und höchst fantasievoll gegen die Juden respektive ihren Staat geschwungen. Die Ironie der Illustration ist, dass Israel ausgerechnet in der grünen Farbe des Islams ausgemalt erscheint, während orangenes ZDF-Logo und orangene Palästinensergebiete gestalterische wie geistige Nähe bekunden.

    Ratlos

    Alles Antisemiten? Was sonst! Nur weil der Begriff des empirischen Antisemiten so viele trifft, heißt es nicht, dass er unscharf ist. Er klärt vor allem darüber auf, dass der Wahnsinn längst epidemisch wurde und global wirkt. Das ist der alte neue Weltgeist, auch wenn Hegel ihn noch anders bestimmte.

    Nimmt man diese Einsicht nun ernst, verbietet sich jeder politische Rat an die Israelis. Egal, was sie tun – in den Augen des Antisemiten ist es falsch. Jede Härte, jedes selbstbewusste Auftreten, jedes autonome Handeln gilt als rücksichtslos, gefährlich und bedrohlich. Jedes Zugeständnis aber wird als Schwäche interpretiert, jedes Entgegenkommen als ungenügend, jede Diplomatie als bloß taktisch. Man kann und soll also den Israelis nichts raten. Man darf sie aber bestärken: das zu tun, was sie für sich für das konkret Beste im allgemeinen Schlechten erachten. Was genau das ist, wissen sie noch immer besser als alle anderen.“

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