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Stolpersteine und „Gedenk-Täter“

Gunter Demnig mit seinem ersten (antiamerikanischen) Kunstwerk: USA-Flagge mit Totenköpfen anstatt Sternen.

Sogenannte Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit seinen Stolpersteinen will er an das Schicksal der Menschen erinnern, die im Nationalsozialismus ermordet wurden. Die Stolpersteine sind Betonsteine in Würfelform, mit einer Kantenlänge von rund zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine spezifisch beschriftete Messingplatte befindet. Für die Herstellung und Verlegung der Stolpersteine müssen sogenannte Paten 120 Euro bezahlen. Vor den jeweiligen Wohnhäusern der NS-Opfer werden dann die Gedenksteine in das Pflaster des Gehweges eingelassen. Bis zum Jahr 2015 wurden seit 1992  rund 50.000 Stolpersteine verlegt.

Laut Demnig sollen den NS-Opfern, die in den Konzentrationslagern zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben werden. Das Bücken, um die Texte auf den Stolpersteinen zu lesen, soll zudem eine symbolisierte Verbeugung vor den Opfern sein. Überdies soll die Markierung der Deportierungsorte die oftmals vorgebrachte Schutzbehauptung in Frage stellen, wonach man von den Deportationen nichts mitbekommen habe.

Demnigs „hochmoralische Betroffenheitskunst“ ist sehr umstritten. Die schärfste Kritikerin der Stolpersteine ist die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern und ehemalige Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Charlotte Knobloch, sie folgert die Opfer werden nochmals „sprichwörtlich mit Füßen getreten.“ Auf einer offiziellen Gedenkfeier auf dem Münchner Jacobsplatz attackierte sie die Befürworter der Stolpersteine als „Gedenk-Täter.“ In München wurden die Stolpersteine entfernt, weil die jüdische Gemeinde und der Stadtrat gegen das „Kunstprojekt“ sind. In vielen anderen Städten müssen die jeweiligen Hauseigentümer und die Angehörigen der Opfer zustimmen, bevor die Stolpersteine verlegt werden.

Es gab bereits einige Klagen von Hinterbliebenen gegen die Verlegung von Stolpersteinen. In Frechen bei Köln protestierten überlebende deutsche Juden wirkungslos gegen die Verlegung von Stolpersteinen. Die in den USA lebenden Angehörigen befürchteten, dass die Erinnerung an ihre Familien mit „Füßen getreten wird.“ Viele Angehörige sind zudem empört, dass auf einigen Stolpersteinen „Nazijargon“ und Begriffe wie „Rassenschande“, „Gewohnheitsverbrecherin“ oder „Volksschädling“ zu lesen sei.

Viele Kritiker der Stolpersteine fragen sich, ob es nicht sinnvoller wäre die Namen der jüdischen Opfer auf  Gedenktafeln an den Hauswänden zu platzieren? Charlotte Knobloch meint dementsprechend: „Würdiges Gedenken kann nicht auf dem Boden, sondern muss auf Augenhöhe stattfinden.“ Ein weiteres Argument gegen die Stolpersteine ist die Abnutzung der Messingplatten. In wenigen Jahrzehnten werden nur noch wenige Namen zu lesen sein. So gäbe es eine weitere Alternativen zu den Stolpersteinen: In Lörrach hat die Stadt beschlossen, eine Metallstele am Ort der 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge zu errichten, auf der die Namen der Lörracher Opfer zu lesen sein sollen.

Der Künstler Demnig hat laut eigenen Angaben keine Zeit mit den Angehörigen zu diskutieren, wie er auch aus seinem Antiamerikanismus kein Hehl macht. Stolz bezeichnet Gunter Demnig seine „erste politische Arbeit“ eine stilisierte US-Flagge, auf der er die Sternchen durch Totenköpfe ersetzt hat. So ist es auch kaum verwunderlich dass die Stolperstein-Initiativen viele radikale antiisraelische Aktivisten in ihren Reihen haben.

Die „Volks-Genossin“ Inge Höger von der Linkspartei, die mit den islamfaschistischen Grauen Wölfen auf der „Mavi Marmara“ unter „Tod den Juden“-Rufen gegen Israel auf dem Frauendeck losfuhr, die sich mit einem Palästina-Schal ohne Israel ablichten ließ, ist Patin für einen Stolperstein. Mit diesem Stolperstein meint sie vermutlich den Antisemitismus-Vorwurf nun erfolgreich hinter sich gebracht zu haben. Inge Höger ist damit nicht alleine. In deutschen antizionistischen Zeitungen wo beinahe täglich das Ende Israels herbeigesehnt wird, wo Boykottaufrufe gegen Juden aus Israel initiiert werden, wo von „zionistischen Schlächtern“, vom „KZ Gaza“ halluziniert wird und damit eine typisch deutsche Täter-Opfer-Umkehr unter dem Beifall der übrigen Antizionisten vorgenommen wird, genau dort wird das „Kunstprojekt“ von Gunter Demnig bejubelt. Deutsche Antizionisten verehren in erster Linie tote Juden und daran wird sich wahrscheinlich auch in den nächsten tausend Jahren nichts ändern.

Über die „Wiedergutwerdung der Deutschen“ schrieb der deutsche Journalist und Essayist Eike Geisel bereits 1988 in „No Business like Shoahbusiness”:

„Keine Gemeinde ist mehr ohne Judenreferent, jeder Sender hat seinen Vernichtungsexperten – die Nazis hätten sich die Finger nach so viel Fachleuten geleckt. Durch deren vereinigte Anstrengung gibt es zwar in der Bundesrepublik nicht weniger Antisemiten, nur weniger Arbeitslose, aber es wird durch sie noch einmal bestätigt, was zur Erfahrung der letzten Jahrzehnte gehörte: dass Erinnerung in Deutschland die höchste Form des Vergessens darstellt.“

Autor: Manfred Breitenberger am 22.10.2012 (Bild-Update 1.7.2015)

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49 Kommentare leave one →
  1. 22. Oktober 2012 15:06

    Hin und wieder gibt es im „Freitag“ auch mal andere Positionen. Ein „Presto“ schreibt am 21.10.2012 17:43:
    @goedzak
    „Die Stolpersteine halte ich für eines der gelungensten öffentlichen Kunstprojekte überhaupt (Frau Knobloch hat da in meinen Augen Unrecht).“
    Es geht bei dieser Debatte mitnichten um die Argumentation Knoblochs. es stehen noch viele weitere Punkte gegen die Stolpersteine. Das alles kann man bei Wikipedia nachlesen.
    Es geht zum Teil um die Tatsache, dass die hinterbliebenen gar nicht gefragt werden, ob sie die Details ihrer Lieben auf dem Boden sehen wollen, von den ermordeten mal ganz zu schweigen.
    Ein anderer Punkt ist die Tatsache, dass viele dieser Steine täglich so oft mit Füßen getreten werden, dass sie schnell unschön aussehen . ein ähnliches Argument also, wie Knoblochs.
    Was würden Sie sagen, wenn man beispielsweise ungefragt die Grabsteine oder den Nachlass Ihrer Großeltern fotografiert, als Collage und Kunst deklariert und zu allem Überfluss auch noch ins Internet stellt? Nur, weil sie Fremden „so wundervolle“ Geschichten erzählen könnten? Das hat etwas von Voyeurismus oder „german gaze“, der als Kunst verkauft wird.
    Ich finde es geschmacklos.


    „… eines der gelungensten öffentlichen Kunstprojekte überhaupt … „
    Das halte ich dann doch für etwas überzogen. Vor allem wenn es von einem Antizionisten im „Freitag“ kommt. Kann es sein, dass er auf Inge macht? Aber ansonsten: Stark, der Komiker!

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    • Math permalink
      9. November 2012 17:58

      Hier wieder ein bedauernswerter aktueller Fall, bei dem vermutlich Rechtsextremisten Stolpersteine entfernten.
      http://www.ndr.de/regional/mecklenburg-vorpommern/stolpersteine127.html

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    • Neuhaus permalink
      9. November 2012 20:48

      Was meinst Du, Math, sind dann die Stolpersteine doch eher der Aufklärung zugeneigt oder Knobloch-gemäß doch nicht angemessen? Wie schätzt Du das Kunstprojekt von Demnig ein, der über ‚Künstler forschen Auschwitz‘ sich zu den Stolpersteinen selbstaufklärend entschlossen hat?

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    • 12. November 2012 11:56

      Auf diese NDR Seite hat ebenfalls dieser Georg von Grote, der sich immer unschuldiger fühlt wenn er nach Israel reist, im „Freitag“ verlinkt. Dieser Vorgang macht deutlich was ich unter „Gedenktätern“ verstehe.

      Als ich im „Freitag“ auf eine den terroristischen Islamismus verharmlosende Aussage die Autorin fragte, ob sie ihre „Weiblichen Göttlichen“ dazu inspiriert haben, schrieb Speichellecker „Goedzak“ unter meine Frage, dass ich ein „dreckiger Kotzbrocken“ und die Antisemitin Rahab die klügste Frau in Augsteins „Freitag“ sei. Zugleich meinte „Goedzak“, dass es eine “Selbstreinigung” für ihn wäre, wenn er mich im „Freitag“ beleidigen könne. Natürlich hat die Moderation des „Freitags“ „Goedzak“ deshalb nicht diszipliniert. Im umgekehrten Fall wäre ich sofort rausgeflogen.

      Unter so gut wie jeden von „Rahab“ initiierten Boykottaufruf gegen Juden in Israel, unter jede Verharmlosung islamistischen Terrors gegen Israel schrieb „Goedzak“, dass er das klasse fände. Wenn nun so jemand über Stolpersteine schreibt, erzeugt dies bei mir ähnliches Unbehagen, wenn Grote dies macht.

      Über das Berliner Holocaust-Mahnmal meinte Professor Eberhard Jäckel in einer irren Aussage: „Es gibt Völker, die uns um das Mahnmal beneiden.“ Die iranische Regierung beneidet bekanntlich die Deutschen um den Holocaust. Wenn ich mir nun ansehe wie die „Freitagsavantgardisten“ von Rahab über Goedzak bis Georg von Grote sich zum iranischen Regime verhalten, dann kauf ich ihnen ihre „Patenschaft“ für Stolpersteine einfach nicht ab. Sich für tote Juden einzusetzen und gegen die überlebenden Juden zu agitieren belegt die Parole der Antisemiten nach 1945: „Tote Juden sind gute Juden und lebende Juden sind böse Juden.“ Die Gründe für dieses Verhalten sind vielfältig wobei ich selbstverständlich die Unterschiede zwischen Grote und „Goedzak“ sehe.

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  2. MEMO permalink
    22. Oktober 2012 16:01

    Dieser Logik folgend lässt sich jede Erinnerungskultur umdeuten und verächtlich machen, denn man müsste doch fragen und absolut sicherstellen, dass sie nicht nur dazu dient, dass Antisemiten sich relativieren können. Hat eigentlich einer der Betreiber dieses Blogs eine Erlaubnis eingeholt, sich hier für das Thema einzusetzen und noch dazu in dieser Form? Oder könnten Hinterbliebene oder israelische Staatsbürger diese Bevormundung und Aneignung der Deutungshoheit über ihre Konflikte und ihr Leben als Übergriffigkeit ein paar typischer Deutscher schlechten Gewissens begreifen? Fragen über Fragen.

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  3. rainer kühn permalink
    22. Oktober 2012 16:08

    Stimmt, im Freitag ist nicht alles schlecht! –
    Btw.:
    Die ersten „Stolpersteine“ in München hat der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits 2010 in Bogenhausen verlegt. Eine Schüler-Initiative des Luisengymnasiums hatte das Schicksal des jüdischen Ehepaars Siegfried und Paula Jordan erforscht, das von den Nazis aus dem Haus in der Mauerkircherstraße 13 verschleppt und in den Tod geschickt wurde, und Geld für eine „Stolperstein“-Patenschaft gesammelt.
    Die Verlegung erfolgte ohne behördliche Genehmigung. Ausdrücklich gewünscht war sie von Peter Jordan, dem aus England angereisten Sohn des ermordeten Ehepaars. Danach gab es zahlreiche Anfragen von Bürgern sowie Überlebenden, die sich Gedenktafeln für ihre getöteten Familienmitglieder wünschen.
    Wiederholt bezeichnete Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, es als „unerträglich“, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und auf denen mit Füßen „herumgetreten“ werde. Im Gespräch mit der Süddeutschen bekräftigte sie ihre Haltung. Sie gehe zwar davon aus, dass die kleinen Messing-Gedenktafeln „gut gemeint“ seien und billige „jedem zu, dazu eine andere Meinung zu haben als ich“. – Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) begründet seine Ablehnung mit der Befürchtung einer „Inflationierung der Gedenkstätten“. – – – Das allerdings hört sich, für München gesagt, schon toll an!

    Zu Goedzak, nicht zu Inge, verweise ich mal auf meinen Kommentar von eben bzw. gerade bei den Unterschätzten … https://thinktankboy.wordpress.com/2011/06/21/unterschatzte-publizisten-5-goedzak/#comment-20055

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    • 22. Oktober 2012 16:41

      Was Ude sagt ist freilich nicht einfach nachvollziehbar und gut gemeint könnte das Projekt von Demnig schon sein. Die Hinterbliebenen haben jedenfalls aus meiner Sicht das Recht sich gegen einen Stolperstein mit dem Namen ihrer Angehörigen auszusprechen. Sie sollten vor der Verlegung gefragt werden. Wenn Hinterbliebene erfolglos gegen Stolpersteine klagen, macht mich das nachdenklich. Ich finde die Kritik von Frau Knobloch hat was und kann nicht so einfach vom Tisch gewischt werden. Im Übrigen würde ich die Stolpersteine nicht als Kunst begreifen. Nicht zuletzt wegen meinen Erfahrungen im „Freitag“ (auch mit Goedzak): Antizionisten die sich keinen Deut um das Überleben der Juden in der Jetztzeit scheren, im Gegenteil für die Mörder Position beziehen, nehme ich ihr Gedenken nicht ab.

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    • rainer kühn permalink
      22. Oktober 2012 17:03

      Zu OB Ude; freilich: München, wo die beiden einzigen auf öffentlichem Grund verlegten Stolpersteine wieder aus dem Bürgersteig der Mauerkircherstraße entfernt wurden, da der Stadtrat und die jüdische Gemeinde gegen Stolpersteine sind. Die beiden entfernten Stolpersteine kamen nach einer Zwischenstation auf dem jüdischen Friedhof in die Münchner Musikhochschule und sind nun Teil einer künstlerischen Installation. In München gibt es nur Stolpersteine auf Privatgrund. 120 Stolpersteine für Münchener Opfer wurden bereits hergestellt und können nicht verlegt werden. (Wiki)
      Die Gegenstimmen kann ich nicht nachvollziehen, aber wenn die Stolpersteine aufrühren beim Mahnen/Gedenken, so haben sie doch einen Kunstcharakter erreicht. Wenn man dann liest, daß Vermieter Wertminderung befürchten oder Mieter Angst vor rechtradikalen Übergriffen haben, sind die Steine erst einmal verlegt, dann ist das doch bohrend; oder schlagend! – Jedensfalls eine aktionistische Kunstform, die richtig ins immer noch Falsche eingreift, wo meine ‚gut gemeinte‘ Formulierung hier ja schon ohnmächtig ist gegen den Sinn dieses Mahnens vor jedem Ort.

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    • 22. Oktober 2012 17:42

      „Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, würde sie Wulst heißen“, meinte mal Max Liebermann. OK, meinetwegen Kunst auch weil er auch unter Polizeischutz die Steine verlegte und weil die Steine von Neonazis beschmutzt werden und weil Hauseigentümer Wertminderung befürchten. Und Kunst auch weil Demnig den Verdienstorden der BRD bekam?

      Es gibt einen Film (von Dörte Franke, der Tochter von Demnigs Mitarbeiterin und Lebensgefährtin Uta Franke) über die Stolpersteine, in dem zwei Hamburgerinnen hingebungsvoll damit beschäftigt sind, die Messingoberflächen der Stolpersteine vor einem Mietshaus blank zu putzen, und versuchen, weitere „Putzpatinnen“ anzuwerben, um dergestalt, eine Art Psychohygiene betreibend, mit der Schuld zurechtzukommen, die sie, wie die Frauen meinen, von ihren Nazivätern ererbt haben. Eine vermeintlich gelungene „deutsche Vergangenheitsbewältigung“?

      „Egal, wie schlecht diese Kunst ist, sie erinnert uns doch immer daran, wo wir leben, wer wir sind“ (Stefan Ripplinger).

      „Doch es gibt anderes an Demnig, was einem wenig sympathisch erscheint: sein zuweilen geckenhaftes Auftreten, das an einen Lonesome Urban Cowboy erinnert, sein Betroffenheitsgedusel: »Mit dem Menschen Jesus hätte ich mich gut verstanden, bei einem Glas Rotwein.« Vor allem aber sein empathischer Kunstbegriff, der mit esoterischem Geraune daherkommt: »Jeder Stein muß per Hand einzeln gefertigt werden, so daß wirklich das Individuum wieder zurückkehrt.«
      Da erscheint es nur passend, daß Demnig sich »nicht als links bezeichnen« würde, das ist ihm »zu platt«. Was ihn hingegen antreibe, sei »einfach nur ein humanitäres Gefühl«. Da muß die Frage erlaubt sein, ob man allein damit dem gewählten Gegenstand, den Verbrechen des Nationalsozialismus, gerecht werden kann. Da wundert es auch nicht mehr, daß Demnig als seine »erste politische Arbeit« eine stilisierte US-Flagge nennt, auf der er »die Sternchen durch Totenköpfe ersetzt« habe. Vermutlich ebenfalls aufgrund eines »humanitären Gefühls«. Bereits die Titel vieler seiner Werke geben einen deutlichen Hinweis darauf, daß er seine mehr gutgemeinten als guten »Kunstaktionen« und »Interventionen« als hochmoralische Betroffenheitskunst verstanden wissen will: »Duftmarken«, »Blutspur«, »Ariadne-Faden«, »Flaschenpost«. Klar, der Mann hat Kunstpädagogik studiert. Und sein an den sozialdemokratischen Politkitsch von so zweifelhaften Figuren wie Klaus Staeck gemahnendes Schaffen hinterläßt beim Betrachter ein ungutes Gefühl. Da fühlt sich einer berufen, die Menschheit zu verbessern, indem er ihr »Denkanstöße« gibt. »Gunter Demnig hat eine künstlerische Ausdrucksform gefunden, die für viele Themen der Erinnerungskultur anschlußfähig ist« (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln: Stolpersteine. Gunter Demnig und sein Projekt, Hermann-Josef-Emons-Verlag). Übersetzt heißt das so viel wie: Oben kommt die soziale Problematik oder das historische Unrecht hinein, dann einmal kräftig durch den Nachdenklichkeitsfleischwolf gedreht, unten kommt die schmackhafte Kunstwurst heraus resp. ein Kunstwerk, »zu dem man gerne hingeht« (Gerhard Schröder). Wo man etwas Schönes zum Anfassen und Angucken hat. Und wo der Herr Bürgermeister ein rotes Band durchschneiden und der Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer sich gleichwohl sinnierend hineinvertiefen kann.“
      (Thomas Blum – Konkret 11/08)

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      • MEMO permalink
        22. Oktober 2012 18:16

        Kunst kommt von Können? Gehts eigentlich noch ein wenig mehr spießiger und reaktionärer? Himmel hilf. Sorry, aber das Kulturverständnis schlägt nun echt dem Fass den Boden aus. Das ist ja gerade mal 1960er.. wenn überhaupt.

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      • 22. Oktober 2012 22:05

        „…dem zwei Hamburgerinnen hingebungsvoll damit beschäftigt sind, die Messingoberflächen der Stolpersteine vor einem Mietshaus blank zu putzen, und versuchen, weitere „Putzpatinnen“ anzuwerben, um dergestalt, eine Art Psychohygiene betreibend, mit der Schuld zurechtzukommen, die sie, wie die Frauen meinen, von ihren Nazivätern ererbt haben.“

        Das hörte ich schon an anderer Stelle, dass in den Metropolen so hingebungsvoll die Messingtafeln geputzt werden. Ob’s hilft?
        Der Günter-Grass-Experte Grote meinte einst in Augsteins Freitag: “Je öfter ich in Israel war, desto unschuldiger fühlte ich mich.” Vielleicht überrascht der Grote demnächst mit einem Putzmittel-Tipp.

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        • MEMO permalink
          23. Oktober 2012 09:18

          Bezüge herstellen, wo keine sind, finde ich auch immer extrem fair.

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      • 22. Oktober 2012 22:14

        Bei einem Glas Rotwein will der Herr Demning mit Jesus seinen esoterischen Kunstbegriff diskutieren? Was heute so alles Kunst ist? Eine stilisierte US-Flagge, auf der er »die Sternchen durch Totenköpfe ersetzt« hat? Betroffenheitskunst? Humanitäres Gefühl? Naja, inne Kunstuni braucht man glaub ich kein Mathe. Mit Esoterik hab ich nicht so viel am Hut, dafür verstehe ich den Witz, „Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, würde sie Wulst heißen“ schon, aber Wanne ist auch keine Metropole.

        Euer Erwin

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        • MEMO permalink
          23. Oktober 2012 09:21

          Dann viel Vergnügen mit dem kunsthandwerklich perfekt ausgeführten röhrenden Hirsch im Wohnzimmer. Passt auch viel besser zum doppelt gebrannten handwerklich sauberen deutschen Schnäpsken.

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      • 22. Oktober 2012 23:12

        Zu den Stolpersteinen habe ich eine ambivalente Haltung. Vieles spricht für dieses Gedenken einiges dagegen. Entscheidend ist für mich das Einverständnis der Hinterbliebenen, der jüdischen Gemeinden der jeweiligen Städte. Ich sehe einige Alternativen zu diesen Stolpersteinen ohne das Engagement von Demnig diskreditieren zu wollen.

        Erinnern und Gedenken an die deutschen Verbrechen im Nationalsozialismus ist wichtig, wichtiger ist die Verhinderung des neuen Holocaust, das Ziehen der Lehren aus der Geschichte. Mit der potentiellen iranischen Atombombe wird diese Gefahr real. Wenn Antizionisten und Antisemiten, die das Ende des Judenstaates und den Tod des Juden wünschen, sich für die Stolpersteine einsetzen wird diese Art von Erinnerungskultur unglaubwürdig und so aus meiner Sicht zur Farce.

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        • MEMO permalink
          23. Oktober 2012 09:35

          Auf den ersten Reflex hin möchte man dir beipflichten, nach näherer Überlegung aber eben nicht. Ein Grund hierfür ist, dass man es – so zynisch sich das anhören mag – Opfern das alleinige Verfügungsrecht nicht überlassen darf. Wie in anderen Zusammenhängen auch, neigen Opfer oftmals dazu, Erinnerung abzulehnen, weil man es nicht mehr thematisieren möchte oder eine Art Scham eine Rolle spielt, Verdrängung einsetzt. So benötigen z.B. Vergewaltigungsopfer oft viel Zeit, um überhaupt gegen ihre Peiniger handeln zu können – und Unterstützung. Manche zeigen es auch nie an, weil sie lieber vergessen würden, was ihnen geschah. Die Folge wäre ein Informationsentzug und ein opferseitiges „unter den Teppich kehren“. Deiner Argumentation folgend dürfte also kein Dritter, z.B. ein Staatsanwalt gegen den Vergewaltiger vorgehen, weil das Opfer es nicht möchte? Was die jüdischen Gemeinden betrifft, hebt es sich ohnehin auf, weil auch sie – wie der Steinsetzer – im Grunde nicht über die Opfer verfügen können/dürfen. Auch die Verhinderung der Steine durch sie wäre also eine Entmündigung der Opfer.

          Wenn ich einmal einfach annehme, dass Antizionisten und Antisemiten sich für Stolpersteine einsetzen, wie du es behauptest, wird die Erinnerungskultur deswegen noch nicht unglaubwürdig. Unglaubwürdig sind dann allenfalls die Antizionisten und Antisemiten, die behaupten, die Stolpersteine wären ihnen wichtig. Das ist die eigentliche Farce und bezeichnet recht gut und eindeutig die Krux Deiner Sichtweise, die letztlich den ewig Gestrigen hilft, weil sie diesen das Recht zuspricht, zu deuten.

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        • 23. Oktober 2012 10:23

          Es geht bei diesem Thema nicht um Strafverfolgung sondern um Erinnerungskultur. Der Staat hat auch kein Recht dir vorzuschreiben was du auf den Grabstein deiner Eltern schreibst. Die Hinterbliebenen müssen gefragt werden, falls sie überhaupt noch vorhanden sind.

          Die Stolperstein-Erinnerungskultur wird durch die Antisemiten/Antizionisten nicht grundsätzlich unglaubwürdig, sondern nur sie selbst in den Fällen ihrer Beteiligung! In unserem Beispiel eben die Freitagsblogger Goedzak und Georg von Grote, sowie die Frauendeckpassagierin Inge Höger. Diesen Leuten ist das bedrohte Überleben der Juden in Israel offenbar egal, sie sind auf der Seite der Mörder, von der Hamas bis zu Ahmadinejad. Wer in Deutschland Boykottaufrufe gegen lebende Juden und zugleich Stolpersteine für von Deutschen ermordeten Juden unterstützt hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Du und die überwiegende Anzahl von Stolperstein-Unterstützern seid nicht gemeint.

          Das alles unabhängig von meinem ambivalenten Verhältnis zu den Stolpersteinen, das ich in dem Beitrag und in obigen Kommentaren versucht habe deutlich zu machen .

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        • MEMO permalink
          23. Oktober 2012 15:08

          Was hat der Staat nun wieder damit zu tun? Es ist wirklich schwierig, angemessen zu reagieren, wenn Du einige Dinge permanent durcheinander schmeißt.

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        • 23. Oktober 2012 15:11

          „Was hat der Staat nun wieder damit zu tun?“

          Du solltest mal besser deine eigenen Kommentare lesen. Du meintest: … Argumentation folgend dürfte also kein Dritter, z.B. ein Staatsanwalt gegen den Vergewaltiger vorgehen…

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        • MEMO permalink
          23. Oktober 2012 17:27

          Der Staatsanwalt i.S.d. Gerichtsbarkeit, nicht i.S.d. Staates. Gewaltenteilung – schon gehört?

          Aber egal. Spannend aus meiner Perspektive wäre eher, ob sich bei Menschen mit antisemitischen „Tendenzen“ „etwas tut“, wenn sie z.B. durch Stolpersteine für das Thema sensibilisiert werden. Das finde ich viel interessanter. (Das nun ein hakenkreuztattootragender Glatzkopf keine Wandlung vollziehen wird, ist mir auch klar.) Mir geht es um den latenten Antisemitismus und da hege ich zumindest Hoffnungen. Wäre dem nicht so, wäre vermutlich jegliche Erinnerungskultur nutzlos – egal, ob ihr zugestimmt wird oder nicht. Überzeugte muss man schließlich nicht mehr überzeugen.

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        • rainer kühn permalink
          23. Oktober 2012 23:47

          „Spannend aus meiner Perspektive wäre eher, ob sich bei Menschen mit antisemitischen ‚Tendenzen‘ ‚etwas tut‘, wenn sie z.B. durch Stolpersteine für das Thema sensibilisiert werden.“ – – – Heikle Frage: Demnig selber hat in Interviews gesagt, daß etwa in Frankreich die Ablehnung der Steine bisher dadurch motiviert sei, daß es Kollaboration gab und die Steine neue historische Aufarbeitung in ein von Nazis überfallenes Land tragen würden. In Deutschland sei die Ablehnung weit überwiegend im rechten Spektrum zu finden.
          Kurz: Ich denke, die Widerstände gegen diese Stolpersteine sind eher auf den Seíten zu finden, denen das Gedenken an Naziopfer überhaupt ein Stolperstein ist, und da sind ja schon viele Ablehnungsmotive zusammengekommen. Eben aus den notorischen 20 Prozent der Bevölkerung.
          Klar, ‚Betroffene‘ – ein schiefes Wort – haben ein großes Einspracherecht, aber die Haltung der jüdischen Gemeinde in München etwa betrifft das ’normal Obszöne‘ jeder Gedenkkultur, immer sehr befragenswert, aber nicht sehr herausgehoben für die Demnigschen Steine. – Überall wird die Erinnerung und ihre öffentlichen Male geschändet, weil die Welt falsch ist, weil der NS fortwest. Das kann akut nicht verhindert werden.
          Ich sehe jedenfalls kein Bedenken, daß die Gültigkeit des Stopersteinprojektes wesentlich erschüttern kann. Bei den Ablehnern sind es mehrheitlich ‚Gründe‘, die in Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Abwehr münden, auch konkret zerstörerisch.

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        • 24. Oktober 2012 11:55

          Rechte Antisemiten, Nazis und Rechtsradikale sind gegen die Stolpersteine, schänden und zerstören sie weil sie den Holocaust leugnen, verharmlosen oder relativieren. Außerdem wollen viele Deutsche, die nicht nur im Rechtsaußen-Spektrum zu suchen sind, einen Schlussstrich ziehen. Zweifellos sind diese rechten bis bürgerlichen Leute, die vermutlich weit mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachen, dass stärkste Argument für die Stolpersteine.

          Linke Antisemiten sind für die Stolpersteine, weil sie die toten Juden lieben, jedoch mit den lebenden Juden ein Problem haben. Denn die lebenden Juden in Israel wehren sich, in Ungleichheit zu den ermordeten Juden auf den Stolpersteinen. Oftmals hat es den Anschein, dass sie mit ihrem Gedenken den Antisemitismus-Vorwurf hinter sich bringen wollen. Sollte irgendwann die iranische Atombombe über Tel Aviv gezündet werden, dann wird sich Inge Höger sicherlich als Patin für ein Denkmal zur Verfügung stellen. Vermutlich wird es dann auch wieder „Putzpatinnen“ für solcherlei Psychohygiene geben.

          Unabhängig davon, meine ich behaupten zu können, noch vor jedem Stolperstein stehen geblieben zu sein, um mich zu bücken, zu lesen, zu gedenken und mir die Umgebung, die Hausfassade lange angesehen zu haben.

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    • rainer kühn permalink
      22. Oktober 2012 18:51

      MI macht Nachlesen, Netzrecherche, Meinungsbildung:
      „Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen.“ (Gunter Demnig)
      „Einen ersten mit einer Messingplatte versehenen und beschrifteten Stein ließ Demnig am 16. Dezember 1992, dem 50. Jahrestag des Befehls Heinrich Himmlers zur Deportation der ‚Zigeuner‘, vor dem Historischen Kölner Rathaus in das Pflaster ein. Auf dem Stein zu lesen sind die ersten Zeilen dieses Erlasses. Demnig mischte sich mit diesem Stein in die Diskussion um das Bleiberecht von aus Jugoslawien geflohenen Roma ein.“ (Wikipedia)
      „Der Pfarrer der Antoniter-Gemeinde in Köln (da, wo das Antikriegsmal Ernst Barlachs, das 1937 von den Nazis als entartet zerstört wurde, in einem weiteren Guß aus einer geretteten Werkform hängt: der Güstrower Engel) animierte Demnig weitere Steine zu verlegen, um ein Zeichen zu setzen. 1994 kam es so zu einer ersten Ausstellung von 250 Stolpersteinen in der Antoniterkirche in Köln.“ (Wiki, von mir erweitert. Ein motivationaler Ursprung liegt also in den verfemten Antikriegsmalen der Weimarer Republik.)
      „Im Folgejahr beteiligte Demnig sich an der Ausstellung Künstler forschen nach Auschwitz in Berlin-Kreuzberg und verlegte in der dortigen Oranienstraße ebenfalls ohne Genehmigung 51 Steine. Behördlich genehmigt konnte er die ersten zwei Steine am 19. Juli 1997 auf Einladung von Gedenkdienst-Gründer Andreas Maislinger in St. Georgen bei Salzburg verlegen.“ (Wiki)
      „Eine wichtige Hilfe heute stellt neben den lokalen Archiven und historischen Adressbüchern die Datenbank der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem dar. – Finanziert werden die Stolpersteine durch private Spenden. 2012 kostet ein Stein inklusive Verlegung 120 Euro.“
      Folge des Nichtnachlassens: Inzwischen ist das Projekt das weltweit größte dezentrale Mahnmal.
      Und über 27.000 Stolpersteine sind inzwischen in Deutschland verlegt.
      Sie liegen direkt vor dem letzten frei gewählten Wohnort eines Opfers. (stolpersteine.com)
      Der Künstler redet als Person. Sein Werk redet als Kunst.
      Da gehe ich mit Stefan Ripplinger: “Egal, wie schlecht diese Kunst ist, sie erinnert uns doch immer daran, wo wir leben, wer wir sind.” Und diese Kunst will eher ein Mahnmal sein, und entwicklet sich auch als solches.

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    • rainer kühn permalink
      23. Oktober 2012 14:48

      „Manchmal denke ich, mich könnte nichts mehr umhauen. Aber dann stehe ich da und weine.“
      Am Samstag wird Demnig übrigens 65 Jahre alt. Im Januar will er 20 Stolpersteine für französische Zwangsarbeiter in Hamburg legen. „Parallel dazu sollen Stolpersteine in ihren Heimatorten verlegt werden“, sagte er soeben der Nachrichtenagentur dapd. In Frankreich stößt sein Projekt bisher auf Ablehnung, in La Boule und Paris etwa. „Es hieß immer wieder: Nein, wir haben doch schon eine Tafel auf dem Friedhof.“ Seit 16 Jahren ist das Projekt inzwischen an fast 800 Orten im In- und Ausland realisiert. Es hat in dieser Zeit auch Beschädigungen erfahren. Demnig: „Der Höhepunkt war vor wenigen Wochen in Wismar. Da haben Neonazis gezielt gefräste Stahlplatten mit Namen von SS-Leuten drüber montiert. Ausgerechnet am nächsten Tag gab es eine Führung. Die Teilnehmer waren entsetzt. Aber die Beschädigungen gehören dazu. Rund 90 Vorfälle bei 37.000 Stolpersteinen.“ (Zusammengestellt nach report-k.de)

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    • rainer kühn permalink
      24. Oktober 2012 00:05

      Noch eine Notiz der Behinderung bzw. Erschwerung des Stolpersteinprojekt, das anfangs ja ohne Genehmigungen begonnen wurde im aktuellen politischen Kampf für Bleiberechte von Sinti und Roma, und sich dann infolge der Auseinandersetzung mit Auschwitz historisch erweiterte. Aktueller Eingriff, nicht geschichtslos:
      „Demnig soll ab sofort 19 Prozent Mehrwertsteuer auf seine Steine statt wie bisher den ermäßigten Satz von sieben Prozent zahlen. Ursprünglich wollte das Finanzamt, das in den Steinen in Massen gefertigte Hinweisschilder, aber keine Kunst sieht, von ihm sogar eine Steuernachzahlung in Höhe von 150 000 Euro, was für ihn »den Ruin« bedeutet hätte, wie Demnig gegenüber der ARD erklärte. Ein Beitrag des Magazins »Monitor« indes löste einen Proteststurm aus, woraufhin die Finanzbehörden zumindest in Sachen Nachzahlung einen Rückzieher machten. Gleichwohl bleibt es dabei, dass für die Stolpersteine, die ab dem kommenden 1. Juli verlegt werden, der höhere Mehrwertsteuersatz gilt und ihre Verlegungen keine Kunstaktionen mehr sind.“ (Gießener Allgemeine vom 21.6.2011)

      Zitiert wird von der Gießener Unterstützergruppe Professor Kaspar König vom Museum Ludwig (Köln): »Die Stolpersteine sind ein Kunstprojekt, bei dem mit minimalem Aufwand und ganz konkret Erinnerungsorte unseres deutschen Traumas und zugleich der Tod einer Person markiert werden. Dies hat bislang keine andere Form der Aufarbeitung geschafft.« Dem Statement von Kaspar König, 77 bis 07 auch Kurator der Münsterschen Skulptur Projekte, stimme ich zu.

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  4. rainer kühn permalink
    22. Oktober 2012 17:23

    Einfach mal ein paar Akzente für Stolpersteine in Münster:
    In Münster engagiert sich der Geschichtsverein „Spuren finden“ im heutigen Geschichtsort der Villa ten Hompel für das ‚Projekt Stolpersteine‘. Stolpersteine bewirken – wenigstens bei mir – immer einen Stop; wer drüber hinwegeht, geht ohnehin über alles hinweg.
    „Die Uni Münster rückt ihre nationalsozialistische Vergangenheit stärker ins öffentliche Bewusstsein. Zwei Stolpersteine erinnern ab Samstag (6. November 2010) an den verfolgten und schließlich ermordeten Professor Hermann Freund. Der eine liegt vor der alten Wirkungsstätte Freunds, dem heutigen Institut für Pharmakologie und Toxikologie, vor Freunds letzter Wohnung an der Annette-Allee.“
    „Die Aktion ‚Stolpersteine‘ unter Federführung von Gunter Demnig kämpft gegen das Vergessen. Dazu werden vor den Häusern, in denen Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, politisch oder wegen ihres Glauben Verfolgte, Homosexuelle oder Euthanasie-Opfer lebten, und die von den Nazis deportiert und ermordet wurden, Pflastersteine aus Messing eingesetzt. Die Namen, das Geburtsdatum, das Sterbedatum und der Sterbeort der Opfer des Nationalsozialismus.“ (http://7grad.org/Exkursionen/Muenster/Stolpersteine/stolpersteine.html)
    „In Münster und im Münsterland sind 2004 die ersten Stolpersteine von Gunter Demnig verlegt worden.“ (http://www.muenster.org/spurenfinden/08_stolpersteine/)

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  5. rainer kühn permalink
    24. Oktober 2012 00:16

    Ich will´s jetzt hinschreiben, zur Illu:
    ‚Das Leben ist schön.‘
    Wunderbarer Film.
    Eine Form von Kunst.

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    • MEMO permalink
      24. Oktober 2012 10:08

      Ich habe den Film gesehen, schon vor längerer Zeit. Aktuell gesehen habe ich das Theaterstück „Vergessene Biografien“. Fotos davon siehe FB. Auch eine Form von Kunst und eine Möglichkeit, aufzuklären, zu erinnern und begreifbar zu machen. Entscheidend ist hier aber, dass die Mehrheit der Rollen mit berliner jugendlichen Laiendarstellern besetzt sind.

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    • 24. Oktober 2012 12:03

      Ich fand den erschütternden Film von Benigni ausgezeichnet, er berührte mich trotz seiner dem Thema geschuldeten Ambivalenz. Die Würde der Opfer wurde zu keinem Zeitpunkt dieses Kunstwerkes verletzt. Eine hohe Form von Kunst.

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  6. 24. Oktober 2012 12:20

    Im Mai 1945 wurden 61 KZ-Häftlinge nach einem Todesmarsch an einem Waldrand von ihren Wachmannschaften in Oberbayern erschossen. Unter den Toten waren wehrlose Männer, Frauen und Kinder. Die Wachmannschaften warfen nach ihrer Tat ihre Waffen weg und liefen davon. Eine Gedenkstätte erinnert an die Tat. Die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ hält zu jedem Jahrestag eine Gedenkfeier ab. Einer der bei jeder dieser Gedenkfeiern dabei ist, ist nun aus der Linkspartei ausgetreten, weil diese „dem faschistischen Staat Israel viel zu viele Zugeständnisse“ macht, so der „Antifaschist“.

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    • MEMO permalink
      24. Oktober 2012 12:48

      Nun – man kann sich eben nicht immer aussuchen, welche „Geister“ ihr Lob über andere ausschütten. Der Linke, den du meinst… ich habe von diesem Menschen noch nichts auch nur ansatzweise Kluges gelesen. Aber wie gesagt – nur, weil dieser Mensch offenbar reichlich verwirrt ist, ist es der Rest nicht zwingend auch.

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    • 24. Oktober 2012 12:59

      Den „Linken“ den ich zitierte, den kennst du nicht. Er kommt aus der Region, in dem die Erschießung stattfand. Ich kenne so gut wie alle Antifaschisten die jährlich auf dieser Gedenkfeier sind und in abgeschwächter Form „denken“ einige wie der von mir zitierte „Antifaschist“. Ich behaupte nicht, dass der Rest so denkt wie er.

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      • MEMO permalink
        24. Oktober 2012 13:48

        Ok, Danke für die Richtigstellung. Dann habe ich das mit einer anderen Meldung durcheinander geschmissen.

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    • rainer kühn permalink
      24. Oktober 2012 18:52

      Das ist sehr bedauerlich, bedenkenswert, unfaßbar (‚unsagbar‘)… wenn aus dem VVN/BdA solches festgestellt werden muß. – – – Um mal einfach zu erinnern: Kritische Theoretiker wissen sich zwar als Historiker, als Analytiker von Geschichtspolitik, sehen im Vordergrund aber die aktuellen Auseinandersetzungen (um hier nicht Klassenkämpfe zu sagen), die jedoch viel mit dieser ’nichtvergehenden Vergangenheit‘ zu tun haben.

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  7. 7. November 2012 15:24

    Norman Paech von der Linkspartei sitzt im Auschwitz-Komitee und mahnt dort gegen das Vergessen. Im nächsten Augenblick unterstützt er den Kampf der Hamas gegen Israel. Solches Andenken ist nichts weiter als eine Tarnkappe für Antisemitismus.

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  8. 20. Oktober 2014 17:23

    „4.706 Steine gibt es dort inzwischen, die Opfergruppen haben sich von Juden über Homosexuelle und Zwangsarbeiter auf Menschen erweitert, die den Nazis als „Asoziale“ galten – Prostituierte, Hausierer, Bettler und Kleinkriminelle, die die Nazis „Gewohnheitsverbrecher“ oder „Volksschädling“ nannten oder der „Rassenschande“ bezichtigten. Sie waren Opfer der NS-Justiz und nicht wie die Juden der NS-Rassenideologie.

    Diesen Unterschied wollte Gunter Demnig auf den Stolpersteinen zeigen – allerdings wählte er eine umstrittene Form: In einfachen Anführungszeichen hat er den Verurteilungsgrund im Vokabular der Nazi-Justiz wiederholt. ’Gewohnheitsverbrecherin‘ stand also auf dem Hamburger Stein für Erna Lieske.

    „Als ich das sah, war ich total geschockt“, sagt Enkelin Liane. „Wie kann man ausgerechnet auf einem Gedenkstein die Sprache der Täter verwenden?“ Und die Diffamierung der Nazis fortsetzen, in die sich die Enkelin plötzlich mit hineingesogen fühlte. Denn Liane Lieske wohnt im selben Stadtteil, nicht weit vom Stein, fühlte sich bloßgestellt und dachte: Jetzt kann jeder sehen, meine Großmutter war eine sogenannte Gewohnheitsverbrecherin, und das ist ohne mein Einverständnis öffentlich gemacht worden.

    In der Tat, räumt Hamburgs Stolperstein-Organisator Peter Hess ein, habe er nicht nach Angehörigen gesucht. Dabei wäre es leicht gewesen, Liane Lieske steht im Telefonbuch. Und sie wollte einen anderen Stein, ohne NS-Vokabular. Sie kontaktierte das Hamburger Institut für die Geschichte der deutschen Juden, das mit der Landeszentrale für politische Bildung ein NS-Opferbiografien-Projekt betreut und dem Stolperstein-Organisator Peter Hess eine Internetseite „geschenkt“ hat, wie er sagt. “

    Ein kritischer taz-Beitrag über die „agierende“ Umsetzung der Stolperstein-Idee.
    https://www.taz.de/Erinnerung-an-NS-Opfer/!147981/

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    • 22. Oktober 2014 16:12

      Mal ein guter Artikel in der TAZ. Das Thema ist vielschichtig. Stolpersteine haben ein für und wider. Ich bin mit meiner Position sehr nahe bei Frau Knobloch. Auf die dubiose Rolle des Stolpersteinerfinders Gunter Demnig habe ich in obigen Kommentaren bereits hingewiesen.

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  9. Emser permalink
    23. Oktober 2014 20:39

    Die »Wiederjudmachung« Deutschlands, wie die Allgegenwart jüdischer Themen in den Medien von jenen bezeichnet wird, die in regelmäßigen Abständen den Deutschen erklären, daß Auschwitz kein Sanatoriumsaufenthalt für sie war, ist inzwischen zu einem flächendeckenden Arbeitsbeschaffungsprogramm geworden. Keine Gemeinde ist mehr ohne Judenreferent, jeder Sender hat seinen Vernichtungsexperten – die Nazis hätten sich die Finger nach so viel Fachleuten geleckt. Durch deren vereinigte Anstrengung gibt es zwar in der Bundesrepublik nicht weniger Antisemiten, nur weniger Arbeitslose, aber es wird durch sie nocheinmal bestätigt, was zur Erfahrung der letzten Jahrzehnte gehört: daß Erinnerung in Deutschland die höchste Form des Vergessens darstellt.

    Eike Geisel, No Business like Shoahbusiness 1988

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  10. 1. Juli 2015 12:33

    Zu den Stolpersteinen gibt es einige gute Artikel bei Schlamassel Muc:

    Gegen Stolpersteine! Solidarität mit der Israelitischen Kultusgemeinde!
    http://schlamassel.blogsport.de/2014/10/14/gegen-stolpersteine-solidaritaet-mit-der-israelitischen-kultusgemeinde/

    und hier noch einige:
    http://schlamassel.blogsport.de/index.php?tag=stolpersteine

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  11. 29. Juli 2015 12:17

    Stolpersteine: Münchner Stadtrat zeigt Demnig die rote Karte

    Nach einer kurzen und nahezu erwartbaren Debatte hat der Münchner Stadtrat das Stolperstein-Projekt von Gunter Demnig heute um 11:25 Uhr erneut abgelehnt. Die Entscheidung könnte Signalwirkung auch für andere deutsche Städte haben, die noch um eine Entscheidung ringen.

    http://schlamassel.blogsport.de/2015/07/29/stolpersteine-muenchner-stadtrat-zeigt-demnig-die-rote-karte/

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  12. Zsuzsi Weinmann permalink
    13. Oktober 2015 12:13

    Gedenken ist kein Geschäft, Gedenk-Täter!

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