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Tibet, der Dalai Lama und die Menschenrechte

 „Ein Empfang des Dalai Lamas hat für die Gastgeberländer einem Bericht zufolge in der Regel zweistellige Exporteinbußen nach China zur Folge. Wie die “Wirtschaftswoche” unter Berufung auf eine unveröffentlichte Studie der Universität Göttingen am Samstag berichtete, hält der Einbruch der Exporte in die Volksrepublik im Durchschnitt zwei Jahre nach einem Besuch des geistlichen Oberhauptes der Tibeter an“, berichte Reuters am 27.10.2010. Der  Hype um den Dalai Lama birgt für die europäischen Wirtschaftmächte von daher gewisse Risiken. Nichts desto trotz wird, nicht nur von deutschen Esoterikern, der Dalai Lama mit seinem lamaistischen Gottesstaat verherrlicht. Vor allem in deutschen Medien wird der tibetanische “Gottkönig” einmütig hofiert. Über die Unruhen im März 2008 berichteten die westlichen Medien ebenfalls relativ einheitlich. „China schießt auf trauernde Mönche“ und ähnliche Schlagzeiten beherrschten die westliche Medienwelt. Was war geschehen?

Angeführt von, mit Schlagstöcken bewaffneten Mönchen, verwüstete im März 2008  der buddhistische Mob die Straßen in Tibet. Sie skandierten antichinesische Parolen und schlugen Fensterscheiben ein. Busse, Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge wurden umgeworfen und viele Geschäfte angezündet. Die Kaufleute, meist chinesischer Abstammung, in den Geschäften verbrannten qualvoll. Molotowcocktails flogen nicht nur in Polizeiwachen, sondern auch in Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser. Die Polizei hatte große Mühe sich gegen den Mob durchzusetzen. Dazu schreibt Colin Goldner: “Außer Rand und Band geratene Mönchshorden brachen blutige Straßenkämpfe vom Zaun, an denen sich immer mehr tibetische Jugendliche beteiligten. Es gab zahlreiche teils schwer Verletzte sowohl auf tibetischer als auch auf chinesischer Seite. Noch bevor irgendwelche sicheren Informationen aus Lhasa vorlagen, wurde von Tibet-Unterstützergruppen weltweit die chinesische Führung für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich gemacht. Die Rede war, gestützt auf TPUM-Verlautbarungen und Mitteilungen des US-Senders Radio Free Asia, vom absolut friedfertigen Protest des »tibetischen Volkes« gegen die chinesische Militärdiktatur. Der Protest sei brutal zusammengeknüppelt und niedergeschossen worden, was, beklagenswert, aber verständlich, im Einzelfall – TV-Bilder wild um sich schlagender, Steine und Brandbomben werfender Tibeter mussten schließlich gerechtfertigt werden – zu gewaltsamer Not- und Gegenwehr geführt habe.“ Was hätten die westlichen Medien geschrieben wenn deutsche Pfarrer nach dem Vorbild der buddhistischen Mönche ihre Vorstellungen mit Gewalt hier durchzusetzen versuchten? Hermann L. Gremliza fragte in Konkret:“Was, wenn die mit der schwarz-grünen Koalition in der Hansestadt Unzufriedenen sich dadurch aufgefordert fühlten, ihren Protest bei einer Demonstration auf dem Jungfernstieg nach dem Vorbild der buddhistischen Mönche von Lhasa zu äußern? Und wie konnte ein meschugger Wanderprediger zum Tabernakel der Weltmoral avancieren?“

Bereits Heinrich Himmler, der Führer der SS, war der Meinung, dass die Juden in ihrer Vernichtung durch die Nationalsozialisten für schlechte Taten in früheren Epochen bestraft würden. Das SS Mitglied Heinrich Harrer, lebte von 1944 bis 1951 in Tibet, war lebenslang mit dem Dalai Lama befreundet. Der tibetische Buddhismus benutzt die Karma-Lehre sehr gezielt als individuelle und soziale Zuchtrute. Mit Bestrafungsphantasien, inklusive Teufel, Dämonen und Hölle, werden die Gläubigen vor dem Abweichen vom Pfad der Tugend gewarnt. Dazu kommt eine extreme negative Haltung des tibetischen Buddhismus zu Frauen. Für die spirituelle Vervollkommnung des Mannes  ist die Frau Mittel zum Zweck. Der tibetische Buddhismus zeichnet sich von daher, durch Dämonenglauben, den systematischen Missbrauch kleiner Kinder und frauenverachtende tantrische Rituale aus. Die „sexualmagischen, spirituellen“ Praktiken des tibetischen Tantra shließen die Vergewaltigung von jungen Frauen und sexuellen Kindesmissbrauch mit ein. Für seine  „spirituellen Entwicklung“ missbrauchen die tibetischen Buddhisten Mädchen und junge Frauen, wobei die Mädchen und jungen Frauen für die Erleuchtung des Lamas bestimmte Kriterien, von der Hautfarbe bis zur Beschaffenheit der Vagina,  erfüllen müssen.

Als China 1950 den lamaistischen Gottesstaat Tibet  befreite, waren die Lebensbedingungen der Tibeter entsetzlich. Die Chinesen fanden ein Land vor, das die „letzten 200 Jahre verpasst“ hatte. Für die große Masse der Tibeter bedeutete die Mönchsdiktatur die „Hölle auf Erden“, die erst mit dem Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee endete.

Die überwiegende Mehrzahl der Tibeter lebte in extremer Armut. Die Bevölkerung wurde von den Mönchen bis aufs Letzte ausgebeutet. Kontrolliert wurde das Land von der Mönchspolizei (Zimzag) und den Mönchssoldaten (Dob-Dobs). Außerhalb der Klostermauern konnte niemand lesen, ein Sozial- oder Gesundheitswesen für die breite Masse der Bevölkerung gab es nicht. Gleichzeitig besaß die Mönchselite unermessliche Geld- und Sachwerte und brauchte auf keinerlei Luxus zu verzichten. Gesetzgebung, Gerichtsbarkeit, Polizei und Militär lagen ebenso in den Händen der „Gelbmützen-Mönche“, wie Bildungs- und Gesundheitswesen, sowie jede übrige Verwaltung.  Der relativ kleinen Ausbeuterschicht (ca. 2 Prozent) in den Klöstern und Palästen, stand die große Masse der „Leibeigenen“ und „unfreien Bauern“ gegenüber. Die Steuer- und Abgabenlasten, die diesen Menschen aufgebürdet wurden, nahmen ihnen jede Chance einer menschenwürdigen Existenz. Schuldknechtschaft und Sklaverei waren im  Tibet des Dalai Lama für 98 Prozent der Menschen „Normalität“. Es gab außerhalb der Klöster keine Schulen und keinerlei Gesundheitsversorgung, die Säuglingssterblichkeit lag bei 50 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung der  Erwachsenen lag  bei 35 Jahren.

Tibeter, die beispielsweise aus Hunger etwas stahlen, wurden öffentlich abgeurteilt. Für Diebstahl wurden die Hände abgehackt. Jedes Kloster des Dalai Lama verfügte über eine eigene Folterkammer.  Zu den bis 1950 üblichen Strafmaßnahmen zählten öffentliche Auspeitschung, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, Ausstechen der Augen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe und dergleichen. Im „alten Tibet“ durfte  eine Frau bei Ehebruch völlig legal von ihrem Ehemann getötet werden. In den stallähnlichen Behausungen, wo sich Menschen und Tiere in trauriger Gemeinschaft lebten und  in Fäkalien und Unrat lebten, gab es keine Fenster, der Boden bestand aus festgetretenen Kuhfladen.

Die Tempel des Dalai Lama sahen natürlich völlig anders aus. Die in unglaublicher Pracht ausgestatteten Klöster, Tempel und Paläste (allein der Potala, Winterresidenz des Dalai Lama, verfügte über mehr als 1.000 Prunkräume) des Dalai Lama erlaubten dem „Gottkönig“ und seinen Gelbmützen-Mönchen ein angenehmes Leben. Colin Goldner schreibt über die Zeit nach dem chinesischen Einmarsch: „Im März 1959 rotteten sich in Lhasa an die 30.000 Menschen vor dem Sommerpalast des Dalai Lama zusammen, darunter Chusi-Gang-druk-Kämpfer sowie die komplette Mönchskoterie der Großklöster Drepung, Sera und Ganden. Die Führungsschicht der feudal-klerikalen Ausbeuterklasse fühlte sich durch die angekündigten Bodenreformen der chinesischen Kommunisten in ihren Privilegien bedroht: Wie in östlichen Landesteilen bereits praktiziert, war auch für die Provinz Ü-Tsang mit ihrer Hauptstadt Lhasa vorgesehen, den Grundbesitz der Adelsfamilien und der Großklöster zu enteignen und an bisherige Sklaven, Leibeigene und unfreie Bauern zu verteilen. Noch bevor die Truppen der Volksbefreiungsarmee eingriffen, machte sich der Dalai Lama, unterstützt von der CIA, mit drei Dutzend seiner engsten Mitarbeiter und mehreren Familienmitgliedern aus dem Staub. Begleitet von rund 350 Soldaten der tibetischen Armee und 50 Chusi-Gangdruk-Kämpfern begab er sich in die Klosterfestung Lhüntse Dzong unweit der indischen Grenze und von dort aus ins indische Exil. Vorausgeschickt hatte er rund 60 mit Goldstaub und Silberbarren gefüllte Kisten aus den Schatzkammern des Potala. Das Edelmetall wurde auf dem Devisenmarkt in Kalkutta verkauft, wo es den für die damalige Zeit ungeheuren Ertrag von rund acht Millionen US-Dollar – nach heutiger Kaufkraft etwa 55 Millionen US-Dollar – erzielte, wobei, wie sich später herausstellte, die Tibeter noch ordentlich über den Tisch gezogen worden waren.  In Tibet ging der Terror der Chusi Gangdruk unvermindert weiter. Erst zehn Jahre später, als die USA in der Ära Nixon/Kissinger ihr Handelsinteresse an China entdeckten, stellte die CIA die Unterstützung des tibetischen Untergrundkampfes ein. Nach dem Ausstieg des US-Geheimdienstes übernahm ab Anfang der Achtziger eine andere US-Organisation die Finanzierung der antichinesischen Aktivitäten des Dalai Lama: die sogenannte National Endowment for Democracy (NED), die ihm seither jährlich einen Betrag von zwei Millionen US-Dollar überweist. Die NED, begründet unter Ronald Reagan als »halbstaatlicher Arm der US-Außenpolitik«, ermöglicht der Regierung beziehungsweise dem Kongress die indirekte Weitergabe von Mitteln aus dem US-Haushaltsbudget an Nicht-US-Organisationen. Auch aus anderen US-Töpfen fließen »Seiner Heiligkeit« seit je Millionen zu, zudem steht er auf der payroll des milliardenschweren US-Investmentbrokers und selbsternannten Philanthropen George Soros, der auch die Solidarnosc oder die Charta 77 finanziert hatte.“

Für den Mönchsnachwuchs im „alten Tibet“ wurden Kinder schon ab drei oder vier Jahren für die Klöster rekrutiert. In Tibet selbst ist die Rekrutierung von Kleinkindern seit den 1960ern verboten, was der Dalai Lama als gezielte Vernichtung der Mönchskultur durch die chinesischen Kommunisten geißelt. So schreibt Colin Goldner über den Gottkönig: „Bei Lichte besehen ist der Dalai Lama – wie alle „Heiligkeiten“, egal welcher Glaubensrichtung – in der Tat eine Witzfigur, die an Karma und Wiedergeburt glaubt, an Astrologie, Hellseherei, Psychokinese und jedweden sonstigen Esoterik-Unsinn – einschließlich der Fähigkeit tibetischer Mönche, frei durch die Luft zu fliegen. Zugleich aber dürfen seine extrem rechtslastigen Positionen, auch seine eklatante Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit, nicht unwidersprochen bleiben, zumal er trotz – oder vielleicht gerade wegen- des Unfugs, den er erzählt, über enormen gesellschaftlichen Einfluss verfügt.“

Die Verbrechen und der Irrsinn des Dalai Lama und seines Gelbmützen-Regimes sind keine Entschuldigung für die vergangenen und aktuellen Menschenrechtsverletzungen Chinas. China hat  im Jahr 2009 knapp 90% aller Hinrichtungen weltweit vollzogen. Bezüglich der Menschenrechtsfrage hat der Dalai Lama allerdings kaum einen Grund  mit dem Finger auf China zu zeigen. Das „alte Tibet“, das die antichinesischen Aktivisten  und westlichen Esoteriker so gern wiederhaben möchten, war keineswegs „friedvoll und harmonisch“, wie der Dalai Lama und seine Anhänger ständig behaupten. Das der Dalai Lama weltweit höchstes Ansehen genießt und der von ihm vertretene Buddhismus mit absoluter Gewaltfreiheit und Toleranz in Verbindung gebracht wird, passt schlecht zusammen mit diktatorischen Maßnahmen, Beamtenwillkür, Gehirnwäsche und paranoidem Dämonenglauben und kriecherischer Servilität, Sklaverei, Leibeigenschaft, Hunger, Krankheiten, Mangel an jeglicher Hygiene, grausamen Strafen, Folter, Angst und Gewalt. Religiöse EsoterikerInnen werden dies allerdings nie begreifen, da sie in einer „anderen Welt“ leben.

Quelle: Colin Goldner: Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs, Alibri Verlag Aschaffenburg
M. Hammerschmitt: Dalai Lama – Colin Goldner

von fidelche

Erstveröffentlichung in Fidelches Cosmos am 15.12.2010

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siehe auch: Lizas Welt – Der freundliche Skinhead und M. Hammerschmitt – Dalai Lama / Colin Goldner

72 Kommentare leave one →
  1. 13. März 2012 15:57

    „Am Jahrestag des tibetischen Volksaufstandes von 1959 hat sich erneut ein junger tibetischer Mönch in Südwestchina mit Benzin übergossen und angezündet. (..)Vor vier Jahren waren an dem Tag ebenfalls schwere Unruhen ausgebrochen. Es war die 27. Selbstverbrennung seit 2009. Der Protestakt in Aba in der Provinz Sichuan wurde erst mit Verspätung bekannt, da die Unruheregion streng abgeriegelt ist. Der junge Mönch stammte aus dem Kloster Kirti in Aba. Mehrere hundert Mönche des Klosters mussten sich nach Angaben von Exil-Tibetern in den vergangenen Monaten einer Umerziehung unterziehen.“, schreibt heute die SZ.

    Hierzulande überbieten sich Politiker aller Couleur mit Lob für die »konsequent gewaltfreie Haltung Seiner Heiligkeit«, von Kurt Beck und Angela Merkel bis zu Guido Westerwelle und Claudia Roth. Mit Ulrike Eifler, ihres Zeichens Parteivorsitzende in Hessen, stimmt auch Die Linke ein in den Chor derer, die die antichinesische Propaganda aus Dharamsala nachplappern. Sogar die NPD entdeckte Gemeinsamkeiten: Die »klar nationalistischen Positionen des Führers vom Dach der Welt« seien beispielgebend. Der solchermaßen Gelobte hat allerdings bislang noch nicht erklärt, ob er mit seinen völkischen »Tibet-den-Tibetern«-Parolen nur die Ausweisung von Han-Chinesen aus Groß-Tibet im Sinn hat oder ob auch nichttibetische Minderheiten wie Bai, Dengba, Hui, Lhoba, Monba, Mongolen, Naxi, Sherpa oder Uiguren aus dem Land getrieben werden sollen.“, schrieb Colin Goldner 2008 in „Der Schein heiligt die Mittel“ (Konkret 05/08).

    Ich stimme Colin Goldner natürlich zu und mache mir mal wieder meine Gedanken über den deutschen Mainstream.

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    • 14. März 2012 11:20

      Der Dalai Lama (seine Heiligkeit!) mit seinen brandschatzenden tibetischen Anhängern und seine hiesigen Bewunderer waren mir schon immer suspekt. Mittelalterlicher Wahn und Okkultismus gepaart mit Terror und Despotie, eine gefährliche Mischung.

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  2. 13. März 2012 17:10

    Der 14. Dalai Lama war vor 15, 16 Jahren in Münster, genaugenommen 1998. Eine Friedenskapelle im Gewerbegebiet Loddenheide zeugt davon und die Friedenskastanie, die er höchstselbst in den unfruchtbaren Bocden gesetzt hat, auch ein Stein mit eingemeißelter Gedenkschrift macht seine Niederkunft in MS bleibend. Das Gewerbegebiet ist modern, sehr schön, sehr grün, mit KInderspielsplätzen, Pizzastation und Coffee to go. Schafe weiden dort, Hunde kacken dort, ich fotographiere. – Ja, der Dalai Lama, der 14., (2007 Ehrendoktor der seltsam gewordenen hiesigen WWU), der hat uns Münsteranern nur Tolles gebracht: Einen Gewerbepark mit Grün, für Kinderreiche samt Gebetkapelle und Pommes Rotweiss. Schalen weggeworfen. (Siehe Wiki)

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    • Der Bassist permalink
      14. März 2012 00:26

      Kühn meint Wiki ‚Loddenheide‘. Krasse Bilder im Gewerbe.
      (Ich selbst halte den Dalai für einen Depp für die alternativen Deppen.)

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  3. 14. März 2012 12:49

    Und wieder ein schöner stagnationsbefürwortender Artikel, der – Zitat RHP – „an der Hand endet“. Die Frage ist einmal wieder, wogegen er sich eigentlich richtet und vor allem, wofür er steht. Ich vermute, der gottgleiche Führer des heiligen sozialistischen chinesischen Großreiches soll verteidigt werden. Oder wie?

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    • 14. März 2012 12:51

      Im Originalartikel steht im letzten Absatz:

      Die Verbrechen und der Irrsinn des Dalai Lama und seines Gelbmützen-Regimes sind keine Entschuldigung für die vergangenen und aktuellen Menschenrechtsverletzungen Chinas. China hat im Jahr 2009 knapp 90% aller Hinrichtungen weltweit vollzogen. Bezüglich der Menschenrechtsfrage hat der Dalai Lama allerdings kaum einen Grund mit dem Finger auf China zu zeigen. Das „alte Tibet“, das die antichinesischen Aktivisten und westlichen Esoteriker so gern wiederhaben möchten, war keineswegs „friedvoll und harmonisch“, wie der Dalai Lama und seine Anhänger ständig behaupten. Das der Dalai Lama weltweit höchstes Ansehen genießt und der von ihm vertretene Buddhismus mit absoluter Gewaltfreiheit und Toleranz in Verbindung gebracht wird, passt schlecht zusammen mit diktatorischen Maßnahmen, Beamtenwillkür, Gehirnwäsche und paranoidem Dämonenglauben und kriecherischer Servilität, Sklaverei, Leibeigenschaft, Hunger, Krankheiten, Mangel an jeglicher Hygiene, grausamen Strafen, Folter, Angst und Gewalt. Religiöse EsoterikerInnen werden dies allerdings nie begreifen, da sie in einer „anderen Welt” leben.

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      • 14. März 2012 13:08

        Ich sehe das „alte Tibet“ keineswegs als Himmelreich an. Allerdings sollte man es isoliert betrachten und nicht mit China vermengen. Darauf wollte ich hinaus. Es ist zudem höchst fraglich, ob der derzeitige Dalai Lama dieses „alte Tibet“ wieder installieren würde, bzw. welche Teile er meint, wenn er sich für Tibet einsetzt. Das halte ich aber zum jetzigen Zeitpunkt für nachrangig, denn im Vordergrund steht – zu Recht – das aggressive Regime in China. Natürlich ist mir klar, dass Tibet niemals von China losgelassen werden wird. Aber wie gesagt – es ergibt keinen Sinn, den Dalai Lama nun mit den Zuständen vor der chinesischen Anektierung in Verbindung zu bringen. Das wäre dann anhand der Praxis im Nachhinein zu klären. Ich bin mir sicher, dass das „alte Tibet“ im politischen Sinne sicher nicht mehr auferstehen würde, wohl aber das „alte eigenständige Tibet“ erwünscht ist.

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      • 14. März 2012 15:19

        Ich sehe es erst mal so, dass China Tibet befreit hat. Der völkerrechtliche Status von Tibet ist umstritten. Im Kaiserreich gehörte Tibet zu China. Später folgten Bürgerkrieg und die Verbrechen der Japaner in China mit den entsprechenden Gebietsverschiebungen.

        Natürlich trägt der Dalai Lama die Verantwortung für die Verhältnisse in seinem Land, wer denn sonst? Was abging im vorchinesischen Tibet habe ich detailliert beschrieben. Mit welcher Begründung und mit welcher Legitimation sollten die Gelbmützen wieder die Macht in Tibet übernehmen?

        Mich interessieren vor allem die hiesigen Fans seiner „Heiligkeit“ mit ihren „Free Tibet“ Autoaufklebern und Heinrich Harrer-Fanclubs. Ich gehe davon aus, dass sie keine Ahnung von den Verbrechen des Dalai Lama im „alten Tibet“ haben oder diese einfach verdrängen. Als die tibetanischen Mönche 2008 brandschatzend durch die Straßen zogen und chinesische Kaufleute in ihren Läden verbrannten, verurteilten die westlichen Medien die chinesische Polizei für ihr Einschreiten. Man stelle sich mal vor in Berlin würden evangelische oder katholische Popen die Bevölkerung für ihre Ziele aufhetzen und türkische Gemüsehändler anzünden und mit ihrem Mob durch die Straßen ziehen. Was würden dieselben Berichterstatter dann sagen, wenn eventuell die deutsche Polizei dagegen einschreiten würde?

        Übrigens stehen die tibetanischen Esoteriker in engem Zusammenhang mit der internationalen Theosophen-Szene, also Rudolf Steiners Anthroposophie. Logisch ihre Karma-Lehre verbindet. Beispiel: Ein Behinderter, ein Krebskranker oder ein Holocaustopfer ist nach der Karmalehre selbst schuld für sein Schicksal, denn in seinem früheren Leben hat er gefehlt, so die religiösen Fanatiker von Steiner bis zum Dalai Lama.

        Von den ganzen faschistischen Verbindungen, von der Frauenverachtung usw. rede ich jetzt noch gar nicht. Ich sehe nur die Irrationalität, die mich irgendwie fasziniert, egal ob die bei durch geknallten Hamasverstehern, Antizionisten oder Fans seiner „Heiligkeit“ zu beobachten ist. Wir leben halt in einer verrückten Welt.

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        • 14. März 2012 17:47

          Aha – die Chinesen haben Tibet befreit, vermutlich von sich selbst. Sorry, aber diese Geschichtsklitterung ist so dermaßen lächerlich, dass es sich noch lohnt, darauf weiter einzugehen. Aber das ist vielleicht das Problem, wenn man in der Vergangenheit denkt und in der Gegenwart argumentieren muss – es kann nur scheitern. Und was haben die Hamasversteher und Antizionisten nun wieder damit zu tun? Du versuchst wirklich jedes Thema auf Deinen Freitagianer-Tick um zudeuten. Und dabei bist du wirklich noch so naiv in deiner Argumentation, ausgerechnet dem führergläubigen China zu unterstellen, es hätte Tibet befreit…. echt ohne Worte. Da könnte man ja auch behaupten, Adolf Hitler hätte damals Polen „befreit“ oder Idi Amin Uganda.

          Im Übrigen, werter fidelche, wäre es an den Bürgern Tibets, zu bestimmen, wen sie dort an der Macht sehen möchten. Sie alltein besitzen die Legitimation dazu.

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    • 14. März 2012 19:20

      MP: „ein schöner stagnationsbefürwortender Artikel“. Wunderbar hingeschrieben! Ich liebe solche Sentenzen. –
      Aber: Ist die Stagnation nicht eine objektive? Der Buddhismus, gar die Heilsfigur des Dalai, nicht bloß eine letzte Zuflucht nach dem Scheitern der ganzen Friedenreligionen für den wohlmeinenden reichen Westler? So eine Alternativreligion eben, zur Philosophie geadelt? –
      Ich gebe zu: In allem Wandel brauche auch ich einen Halt, etwas, das für immer stagniert sozusagen: Bei mir ist das das bis zur Dritten Liga schon durchkapitalisierte WUNDER Fußball, Marke lila-weiß. Immerhin ein Gott, den man auch mal auspfeifen darf …

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      • 15. März 2012 09:30

        Jedwelche Fokussierung ist ein Werkzeug. Sie kann ein Hammer sein. Ihn kann man nutzen, um Fenster zuzunageln, man kann ein Haus damit bauen, aber anderen auch den Kopf einschlagen. Fangesänge, Gebete sind auch nur Meditationen und damit nicht allzu unbuddhistisch. Ob man nun vermarxt, verpohrt oder traditionell vergötternd verbrämt… sind wir alle ein klein wenig wie Gelbmützen. Dabei hört man es rufen: Rot ist die richtige Farbe, nein Lila, nein Grün, nein Gelb….

        Der Buddhismus ist in erster Linie eine Philosophie und damit steht die Lehre, wie andere auch, im Wettbewerb, bzw. kann Ansätze liefern. So, wie man aus jeder Philosophie lernen kann, funktioniert das auch mit dem Buddhismus, wobei 99% einfach Geschmacksache ist.

        Und gerade hier ist das Thema heikel. Denn – wären wir konsequent – müssten wir mit der Kritik am Buddhismus auch das Christen- und das Judentum mit gleicher Härte kritisieren, da sich die Glaubensrichtungen – wie auch die des Islam – in ihrer Funktion in nichts unterscheiden. Allein das, was ihre Vertreter daraus machen, ist entscheidend.

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        • 24. Juni 2012 09:58

          Is schon komisch dat die Tibet-Solidaritäts-Komitees nix üba die „Weisheitsgefährtinnen” und dat Vajroli schreiben. Diesa tibetanische Buddhismus ist in ersta Linie keine Philosophie sondan ein esoterisches Sammelsurium von Varückten.

          Von diesen Gelbmützen kann man nix lernen, höchstens wie es nicht geht.

          Erwin

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        • 25. Juni 2012 09:26

          Wer heutzutage vom tibetanischen Gelbmützen-Buddhismus wissen will, ob braun die falsche Farbe ist, der bekommt die falschen Antworten und dem ist ohnehin nicht zu helfen.

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  4. 15. März 2012 10:54

    @Michael Pliwischkies (14/03/2012 17:47 &15/03/2012 09:30)
    Die USA und die Sowjetunion haben Deutschland 1945 befreit, obwohl die USA später in Vietnam schwere Verbrechen begangen haben und die Sowjetunion nicht aus lupenreinen Demokraten bestand. Ich bin der festen Überzeugung, dass der 8. Mai 1945 eine Befreiung war, wohl wissend dass der 8. Mai für einige Deutsche als eine Niederlage empfunden wurde und wird. Damit will ich die Verbrechen der Gelbmützen nicht mit den Nazis gleichsetzen, aber die Folterkammern in den Klöstern des Dalai Lama, das Handabhacken für Diebstahl, das Herausreißen der Zungen, das Ausstechen der Augen, das Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe, die Sklaverei, die stallähnlichen Behausungen, das „Schulsystem“ des Dalai Lama, das „Gesundheitssystem“ des Dalai Lama, die Frauenverachtung im Gelmützensystem, usw. lassen für mich nur den Schluss zu dass China die Tibeter von ihrem faschistoiden, reaktionären, menschenverachtenden System befreit haben. Damit sage ich noch nichts über die Menschenrechtsverletzungen im kapitalistisch organisierten China, worüber sich Mao übrigens im Grab vor Gram umdrehen dürfte.

    Wenn hierzulande Leute an die Wiedergeburt glauben und meinen sie würden für Fehler in diesem Leben im nächsten Leben bestraft werden, wie dies in der Karma-Lehre des tibetanischen Buddhismus und bei Rudolf Steiner „gelehrt“ wird, Behinderte also für ihr Schicksal selbst schuld sind, dann hat das nicht mit Geschmacksfragen zu tun, sondern mit Inhumanität. Es gibt verschiedene Schattierungen im Buddhismus, der tibetanische gehört zu den menschenverachtendsten Erscheinungen dieser Religion.

    Der Dalai-Lama als „Gottkönig“ Tibets ist nicht demokratisch legitimiert, er wurde wie alle seine Vorgänger durch astrologische und sonstiger Zufallsdeutungen ausgewählt. Wer die Gebote in dem Konglomerat aus Geister- und Dämonenglauben, verbunden mit menschenunwürdigen Unterwerfungsritualen nicht befolgt, kommt in eine der 16 Höllen.

    Wesentlicher Bestandteil des Ritualwesens im tibetanischen Buddhismus ist die Einnahme unreiner Substanzen(Stier-, Hunde-, Elefanten-, Pferde-, Menschenfleisch, sowie die fünf Arten von Nektar Kot, Gehirn, Sexualsekret, Blut, Urin).

    Frauen haben im tibetischen Buddhismus nichts zu melden, sie sind Dienerinnen und sie haben zu gehorchen. Für die spirituelle Vervollkommnung des Mannes sind Frauen nur das Mittel zum Zweck. Der sexuelle Missbrauch von Mädchen und jungen Frauen ist dafür unabdingbar. Den missbrauchten Frauen wird vorgegaukelt, der sexuelle Kontakt mit dem „Meister“ bringe religiöse Vorteile.

    Mit der bereits erwähnten Karma-Lehre wurden und werden bestimmte Gruppen von Menschen ausgegrenzt und diskriminiert: „Sie hätten eben früher nicht so böse sein sollen.“ Die „soziale“ Interpretation der Karma-Lehre übernahm auch Heinrich Himmler, ein großer Fan des tibetanischen Buddhismus, er war der Meinung, dass die Juden in ihrer Vernichtung durch die Nationalsozialisten für schlechte Taten in früheren Epochen bestraft würden. Aktuelle Esoteriker „argumentieren“ in dieselbe Richtung.

    Übrigens, in einer der 16 Höllen werde man „mit einem brennenden, spitzen Pfahl vom Anus her durchstoßen, bis dieser wieder am Scheitel austritt“. In einer anderen falle man in einen „wie ein Leichnam stinkenden Sumpf“ aus Exkrementen, um bis zum Hals darin zu versinken; zugleich werde man „von den scharfen Schnabeln der in diesem Sumpf lebenden Insekten bis aufs Mark zerfressen und zerpickt. Der „Gottkonig“ ist nicht nur überzeugt von Karma und Wiedergeburt, auch glaubt er unbeirrbar, neben den 16 Höllen an Astrologie, Hellseherei und Psychokinese.

    Michael, meinetwegen können die Gegner der Aufklärung an den Osterhasen glauben, die Parole der Hamas (ihr liebt das Leben, wir lieben den Tod) klasse finden, an die Wurzelrassentheorie von Rudolf Steiner glauben, die „Hochzucht des Menschengeschlechts“ wie Silvio Gesell fordern oder die Karma-Lehre und das „Sozialsystem“ seiner “Heiligkeit“ bejubeln, ich behalte mir trotzdem das Recht vor, mich darüber lustig zu machen und diesen menschenverachtenden Wahn zu kritisieren. Bei allem Verständnis in unserer immer komplizierter werden kapitalistisch organisierten Welt für die Nöte der Menschen und der damit einhergehenden, vermeintlichen letzen Zuflucht in Esoterik, Religion und Antisemitismus, sehe ich große Gefahren in diesem „Denken“.

    Wer diese esoterischen Theorien oder die antisemitische Ideologie nicht kritisiert, sie gar verharmlost, macht sich meiner Meinung, zum Kombattanten dieser Menschenfeinde.

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    • 15. März 2012 11:32

      Und hier haben wir einmal mehr dein übliches Durcheinanderwerfen, dass es selbst bei grundsätzlicher Zustimmung (Religionskritik) unmöglich macht, das auch zu tun. Weiter gipfeln deine Ausführungen einmal mehr in Sittenhaft nach dem Motto „Wer nicht kritisiert, macht sich mitschuldig und Kritik muss natürlich fidelche-konform angebracht werden.“ Auch das hier von dir zurecht kritisierte Endzeithöllengeseiere findet sich in jeder Religion wieder – übrigens auch in der Jüdischen. Folglich müsstest du – wie ich bereits ausführte – auch die Juden vom jüdischen Glauben, die Moslems vom Islam und die Christen vom Christentum befreien und ihre Religionen als verwerflich ansehen, denn – was die Aussicht auf die Hölle betrifft und die Strafen Gottes, sind auch sie menschenfeindlich und nutzen diese Glaubensbestandteile als Druckmittel. In jeder Religion werden bestimmte Menschen ausgegrenzt – im Zweifelsfall natürlich die Ungläubigen, was oft nicht einmal religiöse sondern traditionelle Gründe hat. Religionen sind grundsätzlich Sekten, respektive esoterisch – da macht keine Religion eine Ausnahme. Ergo wäre von Dir nicht nur der Buddhismus zu kritisieren, sondern jede Religion – ohne Ausnahme. Jede Religion führt dem „besseren Menschen“ das Wort, der Reinheit, widmet sich demnach der „Hochzucht“.

      Das Himmler ein Fan des Buddhismus war, ist übrigens ein völlig sinnfreie Aussage. Im Deutschland, in der Welt, dieser Tage, war alles „Exotische“ interessant – und zwar für all jene, die sich eine Beschäftigung damit monetär leisten konnten. Das Fremdartige, die Mystik zog magisch an und zwar nicht nur Nazis. Er hätte auch Voodoo oder irgend eine andere Richtung wählen können. Die notwendigen „argumentativen Werkzeuge“ liefert nahezu jede Glaubensrichtung, wenn es darum geht, Menschen zu diskreditieren. Diese Möglichkeit wohnt religiöser Logik einfach inne.

      Was ich an deiner ganze Kritik nicht verstehe, ist, dass du überall sekundären Antisemitismus vermutest oder belegt sehen willst, aber selbst hier eine Glaubensform als esoterisch kritisierst, wo doch Glaube generell ohne Esoterik nicht überlebensfähig ist, denn es handelt sich nur um einen anderen Namen für die gleiche Sache. Demnach wäre auch der jüdische Glaube Esoterik, wie der Islam und das Christentum. Ist das jetzt deine Form des sekundären Antisemitismus?

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    • 15. März 2012 12:23

      Du vergisst, Tibet war ein Gottesstaat wo der religiöse Wahnsinn Gesetz war. Ich wiederhole, in einem Gottesstaat werden alle angesprochen Dinge, z.B. die Vergewaltigungen, die bestialischen Strafen usw. angewandt. Im Übrigen habe ich nur einen Bruchteil des Wahnsinns dokumentiert.

      Viele Religionen grenzen aus, das ist richtig, aber du hast den Gedanken und die Konsequenzen hinter der Karma-Lehre vermutlich nicht ganz verstanden.

      Die Nazi-Ideologie und der tibetische Lamaismus waren kompatibel. SS-Obersturmbannführer Heinrich Harrer war der Ziehvater des aktuellen Dalai Lama. Die vielfältigen Verbindungen von Nazideutschland ab 1936 zu den tibetischen Regierungsstellen würden hier den Rahmen sprengen. Stichwörter wären, das „Ahnenerbe“ , das “Tibet-Institut“, später „Sven-Hedin-Institut für Innerasien und Expeditionen“.

      Was du am Ende über sekundären Antisemitismus schreibst ist völlig sinnfrei, sorry darauf kann ich nicht eingehen. Nur so viel: Esoterik ist was anderes als sekundärer Antisemitismus und ein Gottesstaat (mit den Eigenschaften die ich beschrieb) wie der damalige in Tibet (oder der heute im Iran) ist was anderes als beispielsweise das demokratische, laizistische Frankreich mit seinen Menschen, die sich teilweise zur christlichen Religion bekennen.

      PS: Im Judentum gibt es soweit ich weiß keine Hölle (kein festes Dogma).

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    • 15. März 2012 14:06

      Fidelche, es ist billig, ständig zu unterstellen, etwas nicht ganz verstanden zu haben. Das habe ich sehr wohl und ich beschäftige mich nicht erst seit gestern damit. Im krassen Gegensatz zu dir bin ich aber sehr wohl in der Lage, das Heutige anzuerkennen und versetze mich nicht bei jeder Gelegenheit in eine Dritte-Reich-Szenerie, was auch völlig unangemessen ist. Aber nun direkt zu deinem Text.

      „Du vergisst, Tibet war ein Gottesstaat wo der religiöse Wahnsinn Gesetz war. Ich wiederhole, in einem Gottesstaat werden alle angesprochen Dinge, z.B. die Vergewaltigungen, die bestialischen Strafen usw. angewandt. Im Übrigen habe ich nur einen Bruchteil des Wahnsinns dokumentiert.“

      Nein, das vergesse ich nicht, allerdings erkenne ich das „war“ an. Deiner Logik nach folgend wäre kein Glaube reformierbar – und zwar grundsätzlich nicht. Auch Deutschland war einmal ein Gottesstaat und alle Strafen und Regeln des Christentums fanden Anwendung – also Folter, Verbrennungen, Erhängungen, Inhaftierungen, etc.

      „Viele Religionen grenzen aus, das ist richtig, aber du hast den Gedanken und die Konsequenzen hinter der Karma-Lehre vermutlich nicht ganz verstanden.“

      Das ist falsch. ALLE Religionen grenzen durch ihre Zugehörigkeitslehre grundsätzlich aus. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal einer einzelnen Religion oder Philosophie.

      „Die Nazi-Ideologie und der tibetische Lamaismus waren kompatibel. SS-Obersturmbannführer Heinrich Harrer war der Ziehvater des aktuellen Dalai Lama. Die vielfältigen Verbindungen von Nazideutschland ab 1936 zu den tibetischen Regierungsstellen würden hier den Rahmen sprengen. Stichwörter wären, das „Ahnenerbe“ , das “Tibet-Institut“, später „Sven-Hedin-Institut für Innerasien und Expeditionen“.“

      Dieser Umstand ist bekannt, ändert aber nichts daran, dass es absolut keinen Sinn ergibt, über das heutige Tibet und die Wünsche der Menschen auf der Basis dieser Ereignisse zu diskutieren. Das ist schlicht und ergreifend erst einmal belanglos. Es wäre nur dann relevant, würde exakt dieser Zustand wieder hergestellt werden oder bestünde exakt diese Absicht. Auch hier argumentierst du im Prinzip wieder auf dem Level der „Erbsünde“, sprichst einer Ethnie die Fähigkeit zur Weiterentwicklung ab – übrigens etwas, was ich als „rassistisch“ begreife.

      „Was du am Ende über sekundären Antisemitismus schreibst ist völlig sinnfrei, sorry darauf kann ich nicht eingehen. Nur so viel: Esoterik ist was anderes als sekundärer Antisemitismus und ein Gottesstaat (mit den Eigenschaften die ich beschrieb) wie der damalige in Tibet (oder der heute im Iran) ist was anderes als beispielsweise das demokratische, laizistische Frankreich mit seinen Menschen, die sich teilweise zur christlichen Religion bekennen.“

      Diese Antwort war vorhersehbar, da du keine Antwort geben kannst. Jetzt kommst du mit Frankreich um die Ecke – das sind Ausflüchte, die du benötigst, weil du mit mit zweierlei Maß misst, was eben auch der Grund dafür ist, dass deine gesamte Argumentation sicht oft genug ad absurdum führt. Dein ständiges Berufen auf das damalige Tibet führt dich auch nicht weiter, da du das „damalig“ geflissentlich ignorierst, aber versuchst – wenn auch etwas krampfhaft – es als heute mögliches oder gewolltes hinzustellen. Ich habe nirgendwo geschrieben, dass Esoterik sekundärer Antisemitismus sei. Ich schrieb, dass jeder Glaube Esoterik ist – im Grunde – und daher auch jeder Glaube gleichwertig zu kritisieren ist. Das genau tust du aber nicht und darin liegt der an dich gerichtete Vorwurf. Hinzu kommt die von dir fast schon zelebrierte Ungleichheit in der Bewertung von Religiosität und deren Auslebung. Was du in einigen Religionen relativierst, bestimmst du im Buddhismus als absolut, obwohl derartige Vorstellungen auch dort als symbolisch angesehen werden.

      PS: Im Judentum gibt es soweit ich weiß keine Hölle (kein festes Dogma).
      Vgl. bitte Buch Henoch

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    • 15. März 2012 15:55

      Ich bin Atheist und kritisiere Religionen. Der tibetanische Buddhismus ist eine Sonderform im Buddhismus, auch weil die Gelbmützen bis Mitte des letzten Jahrhunderts die politische Verantwortung in Tibet trugen. Ich kann nichts Positives am tibetanischen Buddhismus erkennen. Ich wundere mich daher, dass so viele westliche Esoteriker den „Gottkönig“ so huldigen wie sie ihn huldigen.

      Eine Karma-Lehre gibt es in den theistischen Religionen nicht. Mich würde also interessieren was du von der Karma-Lehre hältst. Ist sie menschenverachtend oder nicht?

      Wie die meisten Religionen ist auch der tibetanische Buddhismus frauenfeindlich, oder was hältst du von den inneren „Mysterien“ des tantrischen/tibetischen Buddhismus?

      Für den Mönchsnachwuchs im „alten Tibet“ wurden Kinder schon ab drei oder vier Jahren für die Klöster rekrutiert. In Tibet selbst ist die Rekrutierung von Kleinkindern seit den 1960ern verboten, was der Dalai Lama als gezielte Vernichtung der Mönchskultur durch die chinesischen Kommunisten geißelt. Ich halte es mit Colin Goldner der über den Gottkönig sagte:“Bei Lichte besehen ist der Dalai Lama – wie alle „Heiligkeiten“, egal welcher Glaubensrichtung – in der Tat eine Witzfigur, die an Karma und Wiedergeburt glaubt, an Astrologie, Hellseherei, Psychokinese und jedweden sonstigen Esoterik-Unsinn – einschließlich der Fähigkeit tibetischer Mönche, frei durch die Luft zu fliegen. Zugleich aber dürfen seine extrem rechtslastigen Positionen, auch seine eklatante Frauen- und Homosexuellenfeindlichkeit, nicht unwidersprochen bleiben, zumal er trotz – oder vielleicht gerade wegen- des Unfugs, den er erzählt, über enormen gesellschaftlichen Einfluss verfügt.“

      Übrigens, am 4. Februar 1997 haben sich tibetanische Mönche im Palast des Dalai Lama auf grausige Weise gegenseitig abgeschlachtet und den Opfern wie Tieren beim Metzger die Haut abgezogen. Bizarr ist auch die Beziehung zwischen dem Dalai Lama und Shoko Asahara, dem Gründer der Aum-Sekte (Giftgasattentate in Japan). Der Dalai Lama nannte die Ziele dieser Gruppe öffentlich als „schätzenswert“.

      http://www.gottkoenig.de/
      http://hpd.de/node/5212

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      • 15. März 2012 22:27

        Es ist für mich so: Ich kenne liebe Leute, die am Buddha was finden, und die ein soziales Leben darum führen, gerade auch für andere. Kenne auch mehr und weniger Christen, die ums Kreuz und auch nicht nur deshalb ein soziales Gewerk machen, mit anderen.
        Komme ich ihnen mit echter Realgeschichte, etwa wie von Fidelche hier referiert, oder mit der Kriminalgeschichte des Christentums, von Karl-Heinz Deschner vielbändig hingeschrieben, winken sie ab. – Der Ausschluß gilt dann mir, nicht der von ihrer Ideologie legitimierten und dokumentierten (alten) Welt. Es ist schwierig, – Metapher: – der Taufe ihre Hölle zu sagen. Ihre!
        Auch Zivilisation hat ihre Barbarei, ja. Aber Zivilisierung, Säkularisierung, Angstnahme, reales Leben, das ist ein humanes Ziel, ein humanes Denken.
        Alle Religion, alle Philosophie bloß mit einer Idee ist dagegen Versklavung des Humanen. Bis jetzt denkt nur eine kritische Theorie gegen den allumfassenden Aberglauben an.

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      • 16. März 2012 10:56

        In dem Text und in meinen Kommentaren beziehe ich mich vor allem auf den Lamaismus, also den tibetischen Buddhismus. Die Buddhisten in den anderen Ländern leben ihre Religion soweit ich weiß relativ friedlich aus. Ich gestehe natürlich allen gläubigen Menschen zu, dass sie ihre Religion in ihren eigenen vier Wänden ausleben können wie sie wollen, denn das geht mich nichts an. Es ist wenig oder nichts dagegen einzuwenden wenn Gläubige in schwierigen Lebensumständen oder aus welchen Gründen auch immer spirituell im Buddhismus oder in welcher Religion auch immer Halt, Glück oder was auch immer finden.

        Wenn Religion aber missionieren will, wenn Religion ihre Ideologie politisch durchsetzen will, wenn sie gesellschaftspolitisch agiert, wenn sie die eigenen Anhänger, die Bevölkerung gegen Andersdenkende aufhetzt, wenn sich Religion finanzielle oder materielle Vorteile durch Märchenstunden ergaunert, dann hört der Spaß auf.

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        • 16. März 2012 11:12

          Was die Missionierung betrifft – in ihrer radikalen Form – besteht zwischen uns Einigkeit. Das sehe ich genauso. Was die „Ergaunerung“ von finanziellen und materiellen Vorteilen betrifft, sehe ich Religion wie jede andere Verkündung – ob nun für Gott oder die absolut neuen Sneaker. Es ist ein Angebot – jeder kann es annehmen, niemand muss. Ich finde es generell nicht verwerflich, wenn Menschen meditativ Halt finden – ob nun in positiven oder negativen Situationen, solange sie andere nicht an diesen Halt festnageln wollen.

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        • 16. März 2012 13:27

          Bezüglich der „Werbeaktionen“ für Gott oder die „absolut neuen Sneaker“ würde ich dir in Zentraleuropa weitgehend zustimmen, wobei in vielen Fällen bei uns bereits im Kindesalter für Gott oder die Religion Menschen indoktriniert werden und viele zwanzig oder mehr Jahre brauchen um sich von ihrer Religion zu entpflichten. Aber immerhin, sie können sich aus ihrer „selbstverschuldeten Unmündigkeit“ relativ leicht befreien.

          Anders sieht es in der restlichen Welt aus. Wenn ein Muslim im Iran, in Pakistan oder in Saudi Arabien eines Tages auf die islamischen „Werbeaktionen“ für Gott pfeifen würde und mit seiner Religion nichts mehr zu tun haben will, dann droht ihm die Todesstrafe oder eine Fatwa seiner Glaubensgemeinschaft, während der Sneaker-Hersteller auf diese Morddrohung nicht zurückgreifen kann.

          Wenn ein tibetanischer Gelbmützenmönch während der Vergewaltigung eines 12-jährigen Mädchens, diesem erklärt, wenn sie nicht schreie bekomme sie ein gutes Karma und damit nach ihrer Wiedergeburt ein besseres Leben, hat dies eine andere Qualität als wenn ein Sneaker-Hersteller dir verspricht, mit diesen Schuhen kannst du über sieben Berge gehen.

          Wie du finde ich es nicht verwerflich, wenn Menschen meditativ Halt finden solange sie dies in ihren eigenen vier Wänden machen und niemanden ihre Religion aufzwingen wollen, wenn sie öffentlich dafür werben, muss Kritik an ihrem Aberglauben erlaubt sein und sei diese Kritik noch so provokativ. Der Karikaturenstreit, oder die Anzeigen der Konservativen wegen Blasphemie gegen die Satirezeitschrift Titanic, zeigen wie intolerant, mörderisch und humorlos Religionen sein können.

          Übrigens ist die jüdische Religion die einzige theistische Religion die nicht missioniert. Wenn ein Jude nicht mehr Jude sein will, dann hat er von seiner Glaubensgemeinschaft kaum etwas zu befürchten. Juden dürfen sich auch über ihre Religion lustig machen, was aber nichts daran ändert dass ich radikalorthodoxe Juden mit ihrer mittelalterlichen Sexualmoral genauso lächerlich empfinde wie seine „Heiligkeit“ aus Tibet.

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        • 16. März 2012 20:36

          Ich halte es für nicht ausgeschlossen mit neuen Sneaker sieben Berge zu schaffen …

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        • 17. März 2012 11:38

          Nun ja. Fanatiker ähneln sich in allen Religionen oder auch Nicht-Religionen (Kommunismus, Nationalsozialismus, etc.). Und ob der Gelbmützige einem Mädchen erklärt, ihr Karma würde durch Stille während der Vergewaltigung besser oder ein Zölibats-Held hier in Deutschland erklärt einem kleinen Jungen, er dürfe nichts sagen, macht keinen großen Unterschied. Die Frage ist, ob der Umkehrschluss zulässig ist oder ob sich derlei Verhalten nicht auch ohne Religion zeigen würde – und wie wir anhand von Statistiken wissen, zeigt es sich. Der Onkel oder der beste Freund der Familie argumentiert ja oftmals ähnlich.

          Die Frage ist oftmals – im Sinne der Realität – wie man eine Sekte derart modernisiert, weiterentwickelt, dass sie mehr zur Menschheit im positiven Sinn passt. Natürlich ist das etwas widersprüchlich, da eine „reine Lehre“ immer menschenfeindlich ist. Da der Mensch jedoch in weiten Teilen diesen Halt will, muss man eben dafür Lösungen finden.

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        • 17. März 2012 15:05

          „Fanatiker ähneln sich in allen Religionen oder auch Nicht-Religionen (Kommunismus, Nationalsozialismus, etc.).“ Sagt Michael Pliwischkies, und ich stimme zu, vollständig.
          Wir sind jetzt aber von Religions(geschichts)kritik, Kapitalismuskritik, also von konkreten Sachen zur Kritik, vom tibetischen Buddhismus, schon wieder bei der Zivilisationskritik überhaupt. – –
          Fanatiker sind keine Fans von irgendwas, sondern autoritäre Charaktere, Dogmatiker und Egoisten: Betonierte im Unwesen. Missionare, Gewaltbereite. –
          Und jetzt: Solche Leute gibt es vielleicht überall, in jeder politischen Richtung, ich glaube aber, daß eine Differenzierung dahingehend erfolgen kann und muß, daß Aufklärung zu weniger A-Sozialität führt, zu weniger Fanatismus, weniger Gewalt, weniger Macht.
          DESHALB finde ich die Klammer nicht gut, die absolute Gegensätze zusammenschweißt. Anders: Gewalt ist nicht Gewalt. Jedenfalls nicht in der eh falsch eingerichteten Welt. Es gibt Gewalt zur Unterdrückung, und es gibt Gewalt zur Befreiung. Daran vorbei gehen nur HERRSCHENDE Redner.

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        • 17. März 2012 15:13

          Doch – eben genau. Gewalt ist Gewalt – immer. Es existiert keine „gute“ Gewalt. Das ist nämlich genau der Irrglaube, der immer wieder neue Gewalt schafft.

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  5. 18. März 2012 00:41

    @ Michael Pliwischkies (17/03/2012 11:38)

    Ich sehe Unterschiede zwischen dem missbrauchten Jungen durch den „guten „ Onkel und der Frauenverachtung im tibetischen Buddhismus. Die westlichen Gesellschaften lehnen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen durch den „Onkel“ ab, während das spirituelle Endziel des tibetischen Buddhismus scheinbar nur durch den sexuellen Missbrauch erreicht werden kann, wobei der Dalai Lama empfiehlt, die Abgründe seiner Religion den Unbefangenen und Uneingeweihten nicht allzu deutlich vor Augen zu führen. In diesem Punkt unterscheidet sich der tibetische Buddhismus von anderen Formen des Buddhismus. Ich empfehle in dem Zusammenhang das Buch von Colin Goldner – Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs. Goldner schreibt auf Seite 160:

    “Die als Sexgefährtinnen in Frage kommenden Frauen müssen bestimmte Kriterien erfüllen: Laut tantrischer Lehre solle die Songyum mit „Anmut und Jugend“ ausgestattet sein und aus gutem Hause stammen. Ihre Haut dürfe nicht zu dunkel und nicht zu hell sein und ihrer Vagina müsse ohne Unterlass ein Duft wie von verschiedenen Lotusarten oder süßem Lilienholz entströmen. In einem Tantratext werden fünf Arten von Sexgefährtinnen – gerne auch „Weisheitsgefährtinnen“ genannt – unterschieden: Die Achtjährige, die Zwölfjährige, die Sechzehnjährige, daneben die Zwanzig- und die Fünfundzwanzigjährige; jede Altersstufe diene ganz bestimmten Zwecken. Lama Chöpel rät davon ab, „mit Gewalt in ein junges Mädchen einzudringen“, das sich zu sehr wehre; es könne dies die Geschlechtsteile verletzen (was sie womöglich für weitere Praktiken unbrauchbar mache). Ratsam sei es in solchem Falle, sich lediglich zwischen ihren Schenkeln zu reiben. Allemal empfehle es sich, Kinder vor dem Geschlechtsverkehr mit etwas Honig oder Süßigkeiten zu beschenken; ältere Mädchen, so ein Ratschlag an anderer Stelle, ließen sich sehr probat auch mit Wein gefügig machen. Im Übrigen sei es durchaus rechtens, ein Mädchen, das die sexuelle Vereinigung verweigere, dazu zu zwingen. Mit Frauen fortgerückten Alters, so die Lehrer des Tantra, solle tunlichst nicht praktiziert werden: ab dreißig gelten Frauen als Manifestationen bösartiger Geister; ab Ende dreißig werden sie nur noch als „Hundeschnauze, Saugfresse, Schakalfratze, Tigerdrachen, Eulengesicht“ und dergleichen bezeichnet.”

    Ein paar Seiten weiter schreibt Goldner über die sexualmagisch fundierte Allmachtslehre des Lamaismus: “Den tantrischen Lehrtexten geht es stets um die Transformation sexueller Energie in Macht, von Macht über einzelne Personen bis hin zur phantasmagorischen Macht, auf das Geschehen des Universums Einfluss zu nehmen. Zur Freisetzung derartiger All-Macht, die jede Polarität des Seins transzendiert, bedarf der männliche Lama spezifisch weiblicher Energie. Diese Energie, in den Vorstellungen des Tantrismus ein durchaus materiell zu verstehendes „Elixier“, sucht der Lama sich mittels rituellen Sex-Kontaktes zu Frauen anzueignen. In der Absorption der weiblichen Energie – diese wird vor allem in Menstruationsblut oder Vaginalsekret gewähnt – könne der Lama eine Art mystischer „Doppelgeschlechtlichkeit“ aufbauen, die die Urkräfte des Kosmos (tib.: Yab/Yum) in ihm integriere und eben dadurch ins Omnipotente steigere. Ziel ist es, zum Adibuddha zu werden, zum Herrn allen weltlichen und überweltlichen Geschehens. Interessant sind insofern die Ritualgegenstände, mit denen die Lamas bei ihre öffentlichen Zeremonien hantieren: in der Rechten führen sie stets das phallussymbolische Diamantszepter (sanskrit: Vajra), in der Linken die vaginalsymbolische Glocke (sanskrit: Gantha): der Lama versteht sich als Herr des männlichen wie auch des weiblichen Prinzips, er ist Mann und Frau.”

    Ich habe meine Informationen über den tibetischen Buddhismus in erster Linie aus Goldners Buch, ansonsten habe ich mich kaum mit dem Buddhismus befasst. Mir geht es in erster Linie um die unkritische westliche Verehrung des Dalai Lama und seiner Esoterik, wofür ich kein Verständnis habe. Im Übrigen idealisiert seine „Heiligkeit“ die Zustände im damaligen „alten“ Tibet noch heute. ( http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/1997/erste6852.html )

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    • 18. März 2012 10:26

      Ergänzung 1 – Über die die Gebote, Praktiken und Begebenheiten von „Sexualität und Tantra“ für die tibetanischen Buddhisten schreibt Goldner ab Seite 163 weiter:

      Das Entscheidende des Sexualkontaktes zwischen dem Lama und seiner „Weisheitsgefährtin“, wie der Dalai Lama darlegt, sei (zunächst) die kategorische Verhinderung des Samenergusses: das „männliche Elixier“ müsse unbedingt im Körper zurückgehalten und dort mit dem anzuzeigenden „weiblichen Elixier“ verbunden werden. Laut tantrischer Lehre beginne bei sexueller Erregung das Sperma, das normalerweise in einer mondsichelförmigen Schale unterhalb der Schädeldecke aufbewahrt werde, tropfenweise aus dieser heraus- und in den Penis hinabzufließen (Es geht immer nur um die männliche Sichtweise). An der Spitze des erigierten Penis sei der Samen festzuhalten, er dürfe unter keinen Umständen ausgestoßen werden. Die Kontrolle des Spermaausstoßes müsse durch ständiges Üben — zunächst alleine, auf höherer Stufe mit einer Gefährtin erlernt und verbessert werden. Komme es trotz aller Kontrolle — neben Atemanhalten gilt als bevorzugte Technik das Ausüben von Druck auf den Samenleiter — zur Ejakulation, so sei das Sperma (sofern man mit realer Frau übe) mit der Zunge oder mit dem Finger aus der Vagina zu entfernen und zu schlucken. Erlaubt sei in solchem Falle auch, das Ejakulat aus der Vagina in einen Totenschiidel fließen zu lassen und diesen dann leer zu schlürfen.“

      Das erstrebte „weibliche Elixier“, so die Vorstellung des Tantra werde (auf magisch-mystische Weise) durch den in die Vagina eingeführten Penis aufgesogen. Das an der Spitze des Penis stehende Sperma vereinige sich mit den absorbierten weiblichen Fluiden und Steige als „Medizin ewigen Lebens“ zum Schädeldach hinauf. Der Lama trage nun beide Lebenselixiere in sich, er werde, wie Trimondi/Trimondi schreiben „zu einem `aus sich selbst Geborenen‘, [er] hat den Fluch der Wiedergeburt überwunden und sie durch die esoterische Vision der Unsterblichkeit ersetzt“. Das Gebot der Spermaretention gilt allerdings nicht auf allen Stufen tantrischer Ritualpraxis. Auf den höchsten Stufen der Einweihung kann und darf der Praktiker nach Belieben ejakulieren. Mittels bestimmter Techniken, Vajroli genannt, sei es ihm möglich, den in die Vagina seiner „Weisheitsgefährtin“ entlassenen Samen, vermischt mit deren Fluiden Vaginalsekrete und/oder Menstruationsblut —, durch seinen „Peniskanal“‚ zurückzuziehen.

      Auf den weiteren Seiten beschreibt Goldner wie der derzeitige 14. Dalai Lama, der „höchste Lehrmeister des Tantra“ diese Praktiken mühsam erlernt hat und erzählt von den Tipps und Tricks, die seine „Heiligkeit“ diesbezüglich weiterverbreitet. Auf jeden Fall scheint es eine tolle Sache zu sein mit seinem Penis Menstruationsblut, Samen und Vaginalsekret in den eigenen Körper zurück zuziehen und dagegen ist auch gar nichts einzuwenden (wer daran glauben will, warum denn nicht), problematisch ist halt, dass die „Weisheitsgefährtinen“, sehr, sehr jung sein müssen, damit die Gelbmützen „unsterblich“ werden können.

      So gut wie alle Religionen haben irgendwie ein Problem mit Sexualität.

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    • 18. März 2012 10:33

      Ergänzung 2- In Konkret 9/2000 schreibt Colin Goldner in „Bewußtsein ohne Gehirn“ über seine „Heiligkeit“:

      …. Auf die Frage, in einem Interview von 1997, ob er von der Verstrickung seines Freundes Heinrich Harrer in das Naziregime gewußt habe – Harrer war als SA-Mann (seit 1933!) und späterer SS-Oberscharführer überzeugter Nazi gewesen – , gab der Dalai Lama tiefen Einblick in seine Art von Geschichtsverständnis: »Natürlich wußte ich, daß Harrer deutscher Abstammung war – und zwar zu einer Zeit, als die Deutschen wegen des Zweiten Weltkrieges weltweit als Buhmänner dastanden. Aber wir Tibeter haben traditionsgemäß schon immer für Underdogs Partei ergriffen und meinten deshalb, daß die Deutschen gegen Ende der vierziger Jahre von den Alliierten genügend gedemütigt worden waren.« Geleugnet werden auch die Begegnungen mit Miguel Serrano, dem langjährigen Vorsitzenden der »Nationalsozialistischen Partei« Chiles. Serrano, ehedem Botschafter Chiles in Österreich, gilt als Vordenker des »Esoterischen Hitlerismus«; in seinen Publikationen halluziniert er, der »Führer« sei nach wie vor am Leben und plane, von einer unterirdischen Basis in der Antarktis aus mittels einer riesigen Ufo-Flotte das »Dritte Reich« zu vollenden. Auch auf Serranos Œuvre hat tibetisch-buddhistischer Obskurantismus enormen Einfluß ausgeübt.

      Von alledem am wenigsten Ahnung haben wollte die Münchner SPD, die sich vor Begeisterung fast überschlug, als es ihr unlängst gelang, den tibetischen Gottkönig zusammen mit Otto Schily auf ein Podium zu setzen. Weltweit ließ sie das Gespräch der beiden via Internet übertragen. Was denn Bewußtsein sei, las Schily seine Stichworte vom Blatt, wie es entstehe und ob es welches geben könne ohne Gehirn. Endlose Schwadronaden, Gekichere, Faxen ins Publikum. Fragen nach den undemokratischen Strukturen und autokratischen Herrschaftsmustern in der exiltibetischen Kommune, nach der Unterdrückung religiöser Minderheiten, der Unterschlagung von Spendengeldern, der bewußten Fälschung tibetischer Geschichte, nach der vorsätzlichen Verschärfung der Konflikte mit Peking kamen ebensowenig vor wie Fragen nach dem Mißbrauch von Kindern bei der Rekrutierung monastischen Nachwuchses, der sexuellen Ausbeutung von Mädchen und Frauen, der Repression gegen Homosexuelle, der Rechtfertigung von Todesstrafe und Euthanasie. Wer solche Fragen stelle, so Otto Schily, habe »Haß im Denken«, mit solchen Leuten gebe er sich grundsätzlich nicht ab.

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    • 18. März 2012 12:11

      Weißer Mann spricht mit gespaltener Zunge. Kindesmissbrauch unterscheidet sich in nichts von Kindesmissbrauch, denn hier zählt nur die Opfersicht, nicht die Täterperspektive. Ja, mehrheitlich lehnen „wir“ diese Handlungen ab, dennoch verkauft sich „Teenie-Sex“ in Hochglanzhüllen oder im Netz ausgesprochen gut – leider. Für das Opfer spielt es keine Rolle, ob der „Onkel“ auf Basis seiner „Autorität“ oder der Gelbmützenmann aufgrund seiner „Autorität“ ein Verbrechen an ihm/ihr verübt. Basis ist in beiden Fällen die „Anziehungskraft des Unschuldigen“ und das ist das Verwerfliche daran. Inwieweit und wie das Handeln durch esoterischen Schwachsinn, Glaubensgerede oder irgendeine andere „gutmeinende“ Erklärung gerechtfertigt werden soll, ändert im Prinzip nichts.

      Zu Deiner Quelle: Du hast das Buch eines Psychologen gelesen. Das ist erst einmal in Ordnung. Allerdings ist eine Quelle als Fundamentalkritik ein wenig dürftig. Da der Dalai Lama alles auf seine Weise interpretiert und verphilosophiert, müsste man hier erst aus vielen Perspektiven entschlüsseln und natürlich auch vom eigenen imperialistischen Denken Abstand nehmen, was die Bewertung betrifft. Ich möchte derlei Handeln natürlich nicht rechtfertigen, nur steht es mir auch nicht zu, aus westlicher Perspektive vollumfänglich ein gänzlich anderes Gesellschafts- und Denksystem zu verurteilen.

      Die Reaktion von Schily ist natürlich pure Idiotie und auch verantwortungslos – keine Frage. Aber von diesem Menschen halte ich ohnehin wenig bis nichts.

      Was den Führer betrifft, könnte ich mir übrigens auch gut vorstellen, dass einige amerikanische Nazis bei ausreichenden Spendengeldern versuchen könnten, ihn an einem Mäuserücken nachzuzüchten. Mit intaktem genetischen Material hat das mit einem Ohr ja schon funktioniert, was dann dort wuchs.

      Ok – blöder Scherz. Manche Dinge müssen aber eben raus, bevor sie sich unter der Schädeldecke sammeln und Druck aufbauen – hat auch der Dalai Lama erkannt.

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    • 18. März 2012 23:41

      @Michael Pliwischkies 18/03/2012 12:11

      Aus der Opfersicht magst du richtig liegen, allerdings diskutieren wir hier über die Verbrechen des Dalai Lama und seiner Religion und da interessieren natürlich vor allem die Taten der Täter. Die katholische Kirche jedenfalls, die mir wahrlich nicht sympathisch ist, ruft in ihren Schriften nicht zum Kindesmissbrauch auf, die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle haben zu einem Imageverlust geführt. Immerhin entschädigt die katholische Kirche nun seine Opfer. Der Kindesmissbrauch mit den rituellen Sex-Kontakten ist dagegen Bestandteil des tibetischen Buddhismus. Das ist der entscheidende Unterschied. Die Missbrauchsfälle des tibetanischen Buddhismus werden hierzulande allerdings kaum thematisiert, sie werden vertuscht. Die westlichen Dalai-Lama-Fans leugnen vermutlich den Wahnsinn. Die tantrischen Vorgaben für die Lamas sind nur kleiner ein Teil, den ich thematisierte, ich hätte auch über die „Lilienfüße“, die durch extremes Einbinden und Knochenbrechen bei Mädchen erzeugt werden, reden können. Die chinesische Regierung hat diese Praktiken alle verboten, was die Gelbmützen natürlich bis heute nicht akzeptieren.

      Colin Goldner ist zwar Psychologe, sein Buch ist jedoch keineswegs ein psychologisches Werk. Lies es doch und du wirst mir zustimmen. Die Verbrechen des Dalai Lama und seines Buddhismus können nicht uminterpretiert werden, sie sind Realität. Über Schily sind wir uns einig, er ist in einem anthroposophischen Elternhaus aufgewachsen und hat entsprechende Dinge von sich gegeben. Der Dalai Lama hat, vermutlich wegen großer ideologischer Übereinstimmung, enge Kontakte zur Theosophie und Anthroposophie.

      Ich finde, wenn wir zu Recht die Hinrichtungspraxis und die Menschenrechtsverletzungen Chinas, trotz unseres „eigenen imperialistischen Denkens“, kritisieren können, dann sollte es doch auch möglich sein die offensichtlichen Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen des tibetanischen Buddhismus, des Dalai Lamas zu kritisieren. Wir sollten uns außerdem die Frage zu stellen, weshalb der Dalai Lama bei uns im Westen offensichtlich Narrenfreiheit hat.

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      • 19. März 2012 00:01

        Ich hab´ zwar den Goldner nicht gelesen, aber einige der von Dir referierten Sachen woanders. Buddhismus ist für unseren Westen bloß eine geschönte Legende, ja, eine vermeintlich bessere (!) religiöse Erzählung.

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      • 19. März 2012 00:17

        Also

        Ich komme gerade aus seinem sehr interessanten Gespräch, will aber dennoch kurz antworten.

        Es spielt für mich keine Rolle, ob ein Verhalten sektirerisch angeordnet ist oder sich entwickelt hat, was seine Verwerflichkeit betrifft. Allein die Fakten zählen. Was den Buddhismus betrifft, gelten aus meiner Perspektive die gleichen Regeln in Bezug auf seine Bewertung, die für alle anderen Religionen auch gelten – Christentum, Islam, jüdischer Glaube. Sie ALLE sind irrational.

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    • 18. März 2012 23:47

      Ich hab gestan mit meina Erna und Vajroli versucht den Samen, die Vaginalsekrete und dat Menstruationsblut wieda zurückzuziehn. Hat nich geklappt. Ich hab danach mit Erna ein Schnäpsken gezwitschert.

      Euer Erwin

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      • 19. März 2012 00:13

        Fresse, Erwin ^^

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      • 19. März 2012 12:08

        Dieses tantrische „Sperma-Vaginalsekret-Menstruationsblut-durch- den-Penis-wieder zurückziehen“ beherrschen nur die besten tibetanischen „Eingeweihten“. Ist echt sauschwer, Erwin.

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      • 14. Mai 2012 16:24

        Jetzt had et endlich geklappt.
        Euer Erwin.

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      • 7. Juli 2012 00:10

        Beschnitten flutscht es wie geschmiert mit de Vajroli, dem Samen, die Vaginalsekrete und dat Menstruationsblut wieda zurückzuziehn. Danke Dalai, danke ihr Gelbmützen für die suppa, suppa, suppa Lehre. Erna is begeistert.

        Viele Grüße aus Wanne nach Potala – ich werd bald ne Kerze aufstecken

        Euer Erwin

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        • mentalpunker permalink
          7. Juli 2012 00:19

          ich denke, der sinn des penis wird heutzutage überbewertet.

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        • 7. Juli 2012 00:28

          Mein lieba Mentalpunka, nach meinen neuesten Erfahrungen halte ich ihn für unterschätzt. Hüslmanns Festtagsbier und mein eltfa Finga sind meine Götta.

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  6. 6. April 2012 01:41

    Der Dalai Lama ist eine Witzfigur!

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  7. 15. Mai 2012 14:49

    Dalai Lamas werden nicht gewählt, sondern von den religiösen Machthabern als »Reinkarnationen« (der buddhistischen Mythenfigur Chenrezi) in hilflosen Kleinkindern aufgespürt. Dabei helfen verschiedene astrologische, okkulte und andere esoterische Methoden. Der Inhalt der Gelbmützenlehre, jener spezifischen Form des tibetischen lamaistischen Buddhismus, ist der übliche Geister- und Dämonenglauben mit viel Angst und entwürdigenden Unterwerfungsritualen.

    Der ständig grinsende, ach so gewaltlose Gelbmützen-Häuptling, der es schafft, seinen deutschen Fans mehrstündige Vorträge über Nichts zu halten, ohne daß sie ihre Leere im Kopf spüren, ist der Führer einer repressiven, äußerst gewaltvoll herrschenden Clique. Bis in dieses Jahrhundert waren Folter und körperliche Verstümmelungen übliche Praxis gegen unbotmäßige Untertanen.

    Als ich mit dem Journalisten Colin Goldner anläßlich des Besuchs des Herrn Gyatsu im Juni 1996 in der BRD für die taz einen kurzen Kommentar schreibe (nach zahllosen Pro-Dalai-Lama-Darstellungen im Blatt wurde uns lediglich ein winziger Text gestattet), schäumen die Gläubigen vor Wut. Ihre dümmste Unterstellung ist, wer gegen den Dalai Lama sei, sei für die chinesische Militärdiktatur. Als ob jemand, der ernsthaft gegen die chinesischen Repressionen kämpfen will, positiv zum tibetischen lamaistischen Feudalismus stehen müßte.

    Am meisten erregte Herrn Gyatsus deutsche Fans unsere »Religionsfeindlichkeit«, die »Mißachtung der spirituellen Verwurzelung der tibetischen Volksseele« und der buddhistischen »Weisheitslehre«: einer hörte gar die »Slogans der Roten Garden der sogenannten Kulturrevolution«. Nicht »Zufallsdeutungen«, sondern »präzisen Angaben« seines verstorbenen Vorgängers zufolge sei der 14. Dalai Lama als dessen kindliche Reinkarnation gefunden worden. Wir durften als AutorInnen des Kommentars auf die Flut von dummen und diffamierenden Leserinnenbriefen nicht einmal mehr mit einem kurzen Leserbrief antworten! Dafür »bestellte« die taz gleich »daraufhin einen Beitrag über die Rolle des Dalai Lama in der tibetischen Gesellschaft«, wie aus den Mitteilungen der Tibet Initiative Deutschlande. V. Nr. 11 vom Juli 1996 zu erfahren ist. Linke Kritik an religiösem Feudalismus wird zensiert, eine früher linke Tageszeitung bestellt sich ihre Beiträge bei den Anhängerinnen des Feudalsystems selbst. — Warum nicht gleich Beiträge übers Auto aus der PR-Abteilung von Mercedes, über Pharmazeutika direkt bei Hoechst?

    Mit Religion und der »völkisch-spirituellen Verwurzelung« irgendwelcher Seelen habe ich tatsächlich nichts im Sinn: aufschlußreich aber, daß dies die Ideologie eines Großteils der Tibet-UnterstützerInnen-Szene zu sein scheint. Mit der Esoterik klaut sich das deutsche Bürgertum Fragmente aus Religionen aller Art, die seinem Interesse an sozialer Ungleichheit und Sicherung der eigenen Privilegien entsprechen, zumindest nicht abträglich sind. Antisemitische, ariosophische und extrem rassistische theosophische Gruppen haben Hitler in die theosophische »Große Weisse Bruderschaft« (»Weisheitslehre«) eingereiht, wo er auf Jesus, Buddha, Krishna und Mahatma Gandhi trifft. In Tibet soll es in den vierziger Jahren eine Hitler-UnterstützerInnen-Szene gegeben haben. Der Dalai Lama, der auf die Frage nach diesem merkwürdigen Phänomen noch nie eine Antwort geben wollte, hat in seinen Ausbildungsstätten inzwischen Zehntausende von Menschen »erleuchtet«, beziehungsweise ihnen diese Erleuchtung doch zumindest innerhalb von sechzehn Leben versprochen.

    Manch eineR behauptet, der Dalai Lama sei inzwischen zu demokratischen Auffassungen konvertiert und habe politische Macht abgegeben. Einer Überprüfung hält diese Propaganda nicht eine Minute stand:
    – Seine Reisen dienen Herrn Gyatsu der Untermauerung seines Alleinvertretungsanspruches und dessen der hinter ihm stehenden feudalreligiösen lamaistischen Elite.
    – Herr Gyatsu hat bisher kein konkretes Konzept vorgelegt, wie die Menschen in Tibet eine Grundlage für eine wirkliche Selbstbestiminung erlangen könnten, die sich ja auch gegen den Herrschaftsanspruch der Lamas richten müßte. Die angebliche Demokratisierung der Strukturen der Exilregierung kann eine rein taktische Entscheidung sein, die Feudalherrschaft in Tibet existiert weiter. Abgesehen davon ist die Exilregierung durchgängig mit hochrangigen Lamas besetzt.
    – Wie demokratisch ist einer, der sich für eine »Reinkarnation« hält und sich »Seine Heiligkeit« titulieren läßt?
    – Der Dalai Lama ist weltweit mit rechtsextremen und antisemitischen EsoterikerInnen im Gespräch, mit ihnen befreundet, läßt sich von ihnen unterstützen und unterstützt sie. Texte des Dalai Lama werden in rechtsextremen Verlagen veröffentlicht, was er — wenn er es denn wollte — leicht verhindern könnte.
    – Unter denen, die er unterstützte, ist der rechtsextreme japanische Sektenführer Shoko Asahara, verantwortlich für die U-Bahn-Attentate in Tokio.
    – Der »Ozean der Weisheit« verweigert seit Jahren die Antwort auf die Frage nach der historischen Hitler-UnterstützerInnen-Szene in Tibet. Tibet war der Ort von spirituellen Projektionen für unterschiedliche Strömungen des europäischen Okkultismus einschließlich einiger SS-Führungsfiguren. Die von Himmler 1935 gegründete Forschungs- und Lehrgemeinschaft SS-Ahnenerbe soll, auf der Suche nach einer »spirituell hochstehenden Superrasse«, 1938/39 sogar eine Geheimexpedition nach Tibet unternommen haben. Man halluzinierte von einer »okkulten Achse Berlin-Lhasa«.

    Die tibetische Exilregierung will zurück an die vollkommene Macht. Dafür ist internationale PR nötig. Im Innern geht es darum, »den Widerspruch zwischen Kommunismus und Kapitalismus auszunutzen, um mit allen Mitteln, auch dem des bewaffneten Aufstands, Reformen in Tibet zu verhindern«, sagte ein Mitglied der tibetischen Regierung auf einer geheimen Beratung 1956 in Tschamdo.Mit »Reformen« ist alles gemeint, was die Macht der Klöster in Frage stellen könnte. Aus diesem Kreis entstand die tibetische Exilregierung.

    Eine weltliche Macht gab es in Tibet, als Könige von Dalai Lamas Gnaden in seinem Auftrag regierten, aber nicht herrschten. So wird es wohl gemeint sein, wenn davon gesprochen wird, die weltliche Macht irgendwann einmal abzugeben, was einige Dalai-Lama FreundInnen schon in haltlose Verzückung versetzt. Nichts wird in Tibet von den Lamas getan, um auch nur die vage Möglichkeit selbst der biedersten bürgerlich-republikanischen Struktur vorzubereiten.

    aus: Entspannt in die Barbarei – Esoterik, (Öko)Faschismus und Biozentrismus von Jutta Ditfurth

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  8. 19. Mai 2012 16:57

    Der Dalai Lama gastiert ab 25. Mai in Wien. Von Colin Goldner gab es gestern in Wien einen kritischen Vortrag.

    Bis weit ins 20. Jh. hinein waren in Tibet unter der lamaistischen Diktatur Folter und Mord an der Tagesordnung. Die Gelbmützensekte der der Dalai Lama angehört, führte Kriege um Macht und religiösen Einfluß. Er selbst rechtfertigt persönlich die extrem frauenfeindlichen Praktiken des tibetischen Buddhismus, befürwortet Gewaltanwendung an Kindern, vertritt homophobe Positionen und betreibt aktiv Geschichtsfälschung um seine eigene Rolle und die der religiösen monastischen Elite Tibets während und vor der Besetzung durch China zu rechtfertigen. Von einer toleranten oder gar humanistischen Grundhaltung kann keine Rede sein.

    Colin Goldner, Psychologe und Autor des kritischen Tibet-Standardwerks „Da lai Lama – Fall eines Gottkönigs“ spricht in seinem Vortrag über das alte Tibet unter der Herrschaft der Lamas, über die wesentlichen Glaubensinhalte des tibetischen Buddhismus, und untersucht die vielgerühmten „Weisheiten“ des Dalai Lama, die sich bei näherer Hinsicht als inhaltslose bzw. offen rechtslastige Allgemeinplätze entpuppen.

    http://www.freidenker.at/index.php/blog/947-hinter-dem-laecheln-des-dalai-lama.html

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  9. 7. Oktober 2012 18:39

    Es muss nicht immer Antisemitismus sein. Auch Gelbmützen-Esoteriker gibt es wie Sand am Meer.

    Die praktizierende Buddhisten Judith Holofernes und Pola Roy (keine SS-Mitglieder) setzen sich seit Jahren für Tibet ein. Ob die mehr von Tibet verstehen wie eine Kuh vom Seiltanzen?

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    • 7. Oktober 2012 19:20

      Münster ist eine Hochburg des Buddhismus, seit es die Grüne Partei hier gibt (80er Jahre noch GAL). Im Gewerbepark Loddenheide (zugegeben: sehr schön und fast ein Ausflugsziel) wächst nicht nur seit bald fünfzehn Jahren ein Baum daher seit des Lamas Ankunft und Pflanzung, auch der FriedensGinko im Rathausinnenhof, Platz des Westfälischen Friedens, verweist auf eine Religion, die mit diesem historischen Frieden gar nichts zu tun hat. –
      Sie sind alle durch und toll vor dem Herrn, gerade die Damen; dabei kann 1648 durchaus als Beginn human-vernünftiger und also nichtreligiöser Politik bestimmt werden …
      Aber: Wer will das wissen?

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    • 8. Oktober 2012 10:09

      Bereits 2007 war bei Lizas Welt – „Der freundliche Skinhead“ zu lesen:

      „Hinter der Botschaft des Dalai Lama verberge sich bei näherer Betrachtung „eine durch und durch unfriedliche und undemokratische Praxis“: „Einerseits ist das so genannte geistige und politische Oberhaupt der Tibeter nie demokratisch gewählt worden. Als kleiner Junge wurde er auf Grund eines okkultistischen Rituals zum Staatsoberhaupt erkoren. Zum anderen billigte der ‚gewaltfreie’ Dalai Lama den von 1958 bis 1973 gegen die Chinesen geführten bewaffneten tibetischen Untergrundkampf und begrüßte die indische Atombewaffnung.“ Weiterhin schlössen „die ‚sexualmagischen, spirituellen’ Praktiken des tibetischen Tantra die Vergewaltigung junger Frauen und sexuellen Kindesmissbrauch ein“, und die „freundschaftlichen Beziehungen der buddhistischen Herrscher Tibets zu den Nationalsozialisten“ fänden ihre Fortsetzung in den guten Beziehungen des Dalai Lama zu Vertretern rassistischer und antisemitischer Esoteriksekten: „So war Shoko Asahara, Gründer der japanischen AUM-Sekte und Hauptverantwortlicher für den tödlichen Giftgasanschlag auf die U-Bahn von Tokio im März 1995, ein Schützling des Dalai Lama.“

      Möglicherweise wissen die Lama-Anhänger und Esoterik-Freaks davon nichts, möglicherweise billigen sie all dies aber auch oder nehmen es zumindest in Kauf. Das Ergebnis bleibt jedoch das gleiche; Claudia Barth brachte es auf den Punkt: „Der Tibet-Boom ist ein eindrucksvolles Beispiel, wozu die grundsätzliche Ablehnung der erkennenden Ratio, also der Wissenschaft, führen kann. Wer das wissenschaftliche, vernünftige Denken verwirft, wendet sich gegen die Grundwerte der Aufklärung und damit gegen die Grundidee der modernen bürgerlichen Gesellschaft. Die Anhängerschaft des Dalai Lama landet im Ergebnis ihrer linear-historischen Rückwärtsgewandtheit wieder in der vor-demokratischen Gedankenwelt des Feudalismus.“ (S. 149) Und in der haben durchaus auch Popstars ihren Platz.“

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        8. Oktober 2012 10:34

        Sicher ist einige Kritik gerechtfertigt. Was mich bei derlei Betrachtungen nur immer wieder abstößt, ist das Messen mit zweierlei Maß. Ich kann den Widerstand einer Ethnie nicht verdammen und den anderer Ethnien gut heißen und als gerechtfertigt ansehen – nur, weil ich die jeweiligen „Führere“ als in meinem mitteleuropäischen Sinn als demokratisch legitimiert ansehe oder nicht. Das ist eine imperialistische und gleichsam vermessene Grundhaltung. Auch, dass der Dalai Lama nicht demokratisch legitimiert ist/war, liegt erst einmal nicht in seiner, sondern in der Verantwortung der Tradition des Landes. Worin die Intervention Chinas legitimiert war, wäre zu klären, denn auch hier besteht ein nichtdemokratisches und gleichsam feudalistisches System, welches durch ebenso nicht-demokratische politische Feudalherren besteht. Kurzum – mir greift die Kritik zu kurz, auch, weil sie aus rein europäischer Perspektive formuliert wird.

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      • 8. Oktober 2012 11:45

        Nein, keinerlei zweierlei Maß. Wenn hierzulande die christlichen Kirchen sexuellen Kindesmissbrauch als Gebot in ihre Religion offiziell einführen würden, dann würde ich dies anprangern. Die Verbrechen des Dalai Lama und seiner Ideologie sind zu verurteilen und nicht wie es die hiesigen Esoteriker tun zu verklären.

        Die östlichen Territorien Tibets unterstanden bereits 1720 unter mandschurischer und ab 1912 nationalchinesischer Kontrolle. Zur Geschichte Tibets ist es unverzichtbar Goldner zu lesen. Zugegeben, auch die Kaiser von China waren nicht demokratisch legitimiert, wofür auch die Kaiser von China nichts konnten.

        Die Frage ist doch wieso es hierzulande so viele Fans des Dalai Lama gibt, wo doch nichts an ihm zu bewundern ist. Die Grundwerte der Aufklärung werden von diesen Esoterikern ignoriert und wie auch bei den Anhängern Rudolf Steiners (viele Überschneidungen zum Gottkönig) werden die Andockmöglichkeiten zu brauner Ideologie oft in Anspruch genommen. Heinrich Harrer, die SS, die Naziideologie, die Frauenverachtung, die AUM-Sekte und ihr Giftgasanschlag auf die U-Bahn von Tokio, das alles sind keine Zufälle.

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          8. Oktober 2012 12:54

          Menschen „fahren nun mal“ auf Exotik „ab“, auch, wenn es an ihr – objektiv betrachtet – genug zu kritisieren gäbe. Man darf auf der anderen Seite aber auch nicht den Fehler begehen, Ethnien und ihre Eigenarten in Bausch und Bogen zu verdammen. Auch, wenn es einem noch so wenig behagt, besitzen auch sie ein Recht auf Selbstbestimmung und diese bedarf nicht der Legitimation durch uns. Jede Tradition/Religion besitzt auch positive Aspekte, die es zu beachten gilt. Das ist mal einfacher (meist, weil sie einem näher stehen), zuweilen schwerer, weil sie zu weit weg sind – inhaltlich wie geografisch. Man kann sie nicht einfach nur aus der westlichen Perspektive betrachten – das Taten Menschen wie Steiner und Harrer auch und es war gleichsam falsch. Wenn wir über Humanismus und Menschenrecht diskutieren, gehört dazu auch das Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung und diese wird ihnen von den Chinesen nach wie vor verwehrt. Das es gute Argumente gegen den Dalai Lama gibt, darf nicht dazu führen, diesen Menschen ihr Recht abzusprechen. Humanismus bedeutet auch, die Lebensziele und Wünsche anderer Menschen zu respektieren, differenziert zu betrachten und sich selbst nicht über sie zu erheben. Sonst verkommt auch dieser Ansatz nur zu einem Mittel der Repression und pervertiert zu einer hohlen Phrase.

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        • 8. Oktober 2012 13:19

          Ich lehne nicht die Ethnien ab, sondern menschenverachtende Eigenarten und das zugegeben in Bausch und Bogen.

          Öffentliches Auspeitschen, das Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen, Ausstechen der Augen, die spirituellen’ Praktiken des tibetischen Tantra, die Vergewaltigung junger Frauen und der sexuelle Kindesmissbrauch (was alles für die Gelbmützen essentiell ist), das Verharmlosen der Nazibarbarei, sind Eigenarten die ich nach wie vor in Bausch und Bogen, zugegeben in meinem westlichen Sessel, ablehne.

          Da mache ich keine Zugeständnisse. Wer es anders sieht soll es anders sehen und Esoteriker sehen es anders, das weiß ich.

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          8. Oktober 2012 13:53

          Ich für meinen Teil gestehe einer „Kultur“ zumindest Entwicklungsmöglichkeiten zu. Deswegen bin ich noch kein Esoteriker. Die von Dir genannten Praktiken lehne ich ebenfalls kategorisch ab, versteige mich aber nicht soweit, eine „Kultur“ grundsätzlich abzulehnen, mitsamt all ihrer Aspekte. Du kritisierst verkürzte Kapitalismuskritik – hier kritisierst Du selbst wieder verkürzt. Wenn Du nur die menschenverachtenden Praktiken ablehnst, bin ich ganz bei Dir – nur formulierst Du dann eben – gelinde gesagt – etwas ungeschickt oder missverständlich.

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        • 8. Oktober 2012 17:24

          Verkürzte Kapitalismuskritik ist ein feststehender Begriff der nicht von mir stammt, nichtsdestotrotz zu den wichtigen Fragen unserer krisenhaften Zeit gehört. Siehe Antisemitismus-Forschung – struktureller Antisemitismus. Bei der verkürzten Kapitalismuskritik wird einzig der Bankensektor als Übel des Kapitalismus herangezogen um diesen zum Sündenbock für die Krise des Systems zu machen.

          Ich kritisiere den tibetanischen Buddhismus wie ich den deutschen Nationalsozialismus, den spanischen Faschismus, den terroristischen Islamismus, die Religionen im Allgemeinen kritisiere. Ich bestreite nicht, dass bei meiner Kritik auch mögliche „positive Seiten“ der jeweiligen Ideologien unterbelichtet sind. So gestehe ich zu, dass viele NSDAP Mitglieder ihren deutschen Nachbarn des Öfteren mit einer Tasse Zucker oder Mehl ausgeholfen haben oder dass die islamistische Hamas Suppenküchen im Gazastreifen eingerichtet hat oder dass der Dalai Lama das Wort Frieden oft in den Mund nimmt. Allerdings bin ich der Ansicht, dass dies nur Nebensächlichkeiten sind, die von der grundsätzlich braunen Ideologie nur ablenken.

          So wie ich es sehe bin ich mit meinem Urteil über den tibetanischen Buddhismus extrem nahe bei Colin Goldner, Claudia Barth, Marcus Hammerschmitt oder Lizas Welt. Falls ich tatsächlich zu ungeschickt formuliert habe, dann ist es jedermann/frau unbenommen bei diesen Leuten nachzulesen, freilich um dann vermutlich zu demselben Ergebnis wie ich zu kommen.

          Ich bleibe dabei: Bei esoterischen, faschistoiden, mittelalterlichen, menschenverachtenden, frauenverachtenden Religionen sehe ich keine Entwicklungsmöglichkeiten für eine humanere Welt. Ich frage mich abschließend, was ist so positiv am tibetischen Buddhismus, dass es die von Colin Goldner kritisierten Fakten aufheben könnte?

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          8. Oktober 2012 18:33

          Es geht nicht um die Aufhebung von Fakten sondern darum, dass es unsinnig ist, eine Ethnie spirituell „entkernen“ zu wollen. Menschen besitzen nicht nur ein Recht auf Wasser und Brot, sondern auch auf ihre Spiritualität, die erst einmal nichts Negatives sein muss. Über den bescheuerten Vergleich mit der NSDAP lasse ich mich nicht aus – der spricht für sich. Natürlich kann man auf Deiner Ebene argumentieren und feststellen, dass jede Religion/Tradition grundsätzlich menschenverachtend ist, weil sie sich über den Menschen stellt. Das gilt dann aber auch für jegliche Ideologie, für jegliche Sichtweise der Welt. Das das keinen Sinn ergibt, dürfte selbst Dir einleuchten. Eine Entwicklungsmöglichkeit sehe ich immer dann, wenn Menschen es schaffen, ihre spirituellen UND menschlichen Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Dafür kann man an Klangschalen klöppeln oder auch vor einem Kreuz auf die Knie fallen. Letztlich ist das alles nur eine Form der Meditation und nicht weiter kritikwürdig. Ob verkürzte Kapitalismuskritik ein feststehender Begriff ist, interessiert mich nicht, wenn ich Verkürzung kritisiere, was ich in jedem Diskurs tue, denn sie führt nur hin zum Extrem. Zudem nimm doch bitte zur Kenntnis, dass sich Begrifflichkeiten seit je her verwandeln und verändern, infrage gestellt werden oder nicht mehr statthaft sind – siehe „Rasse“. Vielleicht kann es – wo Du die Möglichkeit einer Weiterentwicklung und eines Wandel so sehr negierst – aber auch daran liegen, dass Du selbst permanent auf der Suche der absoluten Wahrheit bist. Nur gibt es die eben nicht – nirgendwo. Und das ist auch ganz gut so.

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        • 8. Oktober 2012 19:35

          Ich bringe gerne Wolfgang Pohrt in die Diskussion. Der hatte immer etwas gegen Ethnologen und Kulturforscher, die alles gleichmachen wollten; – als wenn es neben der europäischen Herschaftsgeschichte nicht auch die aufklärerische gäbe. Als wenn jede Lebensform human wäre. – Gut, Bildung wird nun im Kontinent ihrer Erfindung mit kapitalistischem Motiv verkürzt; aber auch dagegen fragte Pohrt, ob es nicht im Sinne von Bildung sinnreicher wäre, Schulungszeiten sogar zu verlängern? – Ich schließe mich dem an; und mit Walter Benjamin auch nicht: Es ist ja alles offenbar, und es fehlt nur das Tun. Der Rest ist nicht richtige Soziologie, sondern humanes Umwälzen.

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        • 8. Oktober 2012 21:31

          Ich gebe es ja zu. Mit Spiritualität hab ich nicht am Hut und ich will mich da auch nicht weiter damit befassen. Mich interessieren eigentlich mehr die Anhänger des Gottkönigs hierzulande und ihre Ignoranz gegenüber den Verbrechen des tibetanischen Buddhismus.

          Ich differenziere übrigens zwischen den Religionen. Es gibt Religionen die domestiziert wurden und es gibt Religionen, die nach wie vor in ihrem mittelalterlichen Koordinatensystem leben. Religionsgemeinschaften brauchen Druck, den Druck der Aufklärung. Wie bereits erwähnt, mir ist nach wie vor nicht klar was am tibetanischen Buddhismus so toll ist, dass es die Hysterie der hiesigen Fans rechtfertigt.

          Und nochmal: Ich bin supertolerant: Wer an Ufos, die Mutter Gottes, an Feen und Kobolde, Wurzelrassen, die sexualmagischen, spirituellen’ Praktiken des tibetischen Tantra glauben will soll es tun, ich kann damit nichts anfangen und schau mir in der Zwischenzeit einen Spot von Gerhard Polt an:

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          9. Oktober 2012 08:51

          Grandioses Verkaufstraining.

          Ich denke, mit den hiesigen Anhängern des Gottkönigs verhält es sich, wie mit allen herumfantasierenden Fans „exotischerer Kulturen“ – will heißen, Kulturen, in denen sie nicht leben müssen und die sie nur aus diesem Grund ganz toll finden können. Siehe auch Islam-Diskussion. Ihr Blick darauf ist meist ebenso undifferenziert wie der der Gegner. Ich bin auch kein Befürworter des Dalai Lama, was seine Wiedereinsetzung betrifft, aber ein Befürworter der Selbstbestimmung der Tibeter.

          Mir persönlich liegt Religion fern, doch ich akzeptiere es, wenn ein Mensch einer Lehre anhängt, solange er andere damit nicht unter Druck setzt und auch nicht versucht, ihnen ein Lexikon zu verkaufen. Übergriffigkeiten religiöser Gruppen stören mich generell – das gilt nicht nur für Aspekte des tibetanischen Buddhismus, das gilt für den Islam, den jüdischen Glauben und für das Christentum gleichsam. Die von Dir angesprochene Domestizierung geht mir übrigens immer noch nicht weit genug – noch lange nicht.

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        • 9. Oktober 2012 11:11

          Zugegeben, mein Satz mit der Domestizierung war unpräzise. Ich berichtige: Es gibt Religionen die teilweise domestiziert wurden und es gibt Religionen, die nach wie vor in ihrem mittelalterlichen Koordinatensystem leben. Die Trennung von Staat und Kirche ist Grundvoraussetzung für ein Minimum an Humanität. Wie es der Name schon sagt, bei Gottesstaaten, beispielsweise im Iran oder in Tibet vor 1950, ist und war dies nicht der Fall. Es ist schon schlimm genug wenn die Herrschenden Brüderle, Söder oder Putin heißen, wenn ihre Namen aber Ahmadinejad, Chamenei oder Dalai Lama lauten, dann erscheinen die Erstgenannten als liebenswerte Humanisten.

          In unseren Breiten gibt es offenbar viele Menschen die mit unserer modernen westlichen Welt so wenig zu recht kommen, dass sie sich nach der starken, religiösen, strafenden, liebenden, mittelalterlichen, geheimnisvollen, magisierten Hand sehnen. Wenn religiöse Menschen durch ihren Glauben anderen Menschen keinen Schaden zuführen, dann ist ihr Tun nicht weiter verwerflich. Die mittelalterliche Praxis im ehemaligen Gottesstaat Tibet, für die die Dalai Lamas mit ihrer autoritären Sekte die Hauptverantwortung tragen, ist ein Beleg des Gegenteils.

          Religionen oder „Götter“ bringen der Menschheit keine Verbesserungen der Verhältnisse (im Gegenteil), das müssen die Menschen schon selbst in die Hand nehmen.

          PS: An der repressiven Tibet-Politik Chinas gibt es einiges zu kritisieren, was jedoch den Separatismus der Gelbmützen und die Blindheit der europäischen Unterstützer nicht rechtfertigt. Was wäre los in Deutschland, wenn katholische Pfarrer plündernd durch die Straßen ziehen, blutige Straßenkämpfe vom Zaun brechen und ausländische Warenhäuser inklusive Inhaber anzünden würden? Wenn dann die Polizei versuchte den religiösen Mob zu stoppen, gäbe es dann auch Proteste der Tibet-Unterstützergruppen? Siehe dazu die Einleitung in Tibet, der Dalai Lama und die Menschenrechte

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        • 9. Oktober 2012 18:50

          Natürlich gibt es heute ‚gute Seiten‘, gut gewordene Seiten aus keinem eigenen Zutun der langen Kriminalitätsgeschichte institutionalisierter Religion. In den Gotteshäusern der Innenstadt ist durch Passivität im Umwälzen der wirklichen Welt endlich Ruhe. Und sie herrscht nicht einmal; ist nur da, zur kurzweiligen Flucht; Einkehr, sagen sie Gutmeinenden eher; aber doch gegen das Außen, das Wirkliche abgedreht noch immer. – Aber dann und deshalb der Religion ein Loblied oder wenigstens keinen Tadel singen? Die mit Blut solche Gotteshäuser gebaut hat im Motto des Vergebens und Vergessens? Solche Enklave loben, bloß, weil draußen der ganz normale säkulare Terror weiterhin herrscht, das wäre doch auch dumm, oder.
          Früher, als ich noch Getaufter war, redeten relativ Vernünftige von einem Dritten Weg, (hört sich jedoch auch irgendwie spirituell an) statt sich einfach zu entscheiden. Nicht ein dritter Weg: die Alternative wurde verraten! Und Befreiungstheologie ist so etwas ähnliches wie ein Godesberger Programm. –
          Das gilt im Prinzip für alle Religion. Überall kommen Leute mit Wasser, wollen den Zorn löschen, wollen den Stein wässern; und verwässern doch nur: alles.

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        • Der Bassist permalink
          9. Oktober 2012 22:39

          „Es gibt aber Wahrheiten, die man durch Beweise und Argumente verwässert und um ihren Gehalt bringt. Man spricht ihnen damit die Evidenz ab, die sie besitzen, und bringt sie um ihren Stachel.
          Man unterschlägt, daß es sich dabei nicht um esoterische Produkte höherer Einsicht, sondern um Selbstverständlichkeiten handelt, und gerade im anstößigen Charakter von Selbstverständlichkeiten, die keiner zugeben will, liegt die Wahrheit von Erkenntnissen, die eigentlich sehr trivial sind –
          wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. – – –
          Begründen heißt stets auch zugeben, daß es sich um eine Sache handelt, die divergierende Meinungen duldet und über die sich reden läßt. Bei jeder Sache ist dies aber keineswegs der Fall.“ (Wolfgang Pohrt)

          Und weiter im Text: „über die Todesstrafe, über die Frage, ob Juden oder Schwarze Menschen sind, und ob an der Astrologie nicht vielleicht doch was dran ist, lassen wir gar nicht erst mit uns reden.“

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        • mentalpunker permalink
          9. Oktober 2012 23:17

          Das Zitat gilt auch noch heute (https://thinktankboy.wordpress.com/2012/03/06/kapitalismus-das-ewige-reh/). Evidenz muß nicht bewiesen werden. Oder wie Horkheimer gegen seine Profession sagte: Wissenschaft ist etwas ganz anderes als: Erkenntnis!

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  10. MEMO permalink
    9. Oktober 2012 11:51

    Ich schreibe mal hier weiter und bezieht mich auf: „An der repressiven Tibet-Politik Chinas gibt es einiges zu kritisieren, was jedoch den Separatismus der Gelbmützen und die Blindheit der europäischen Unterstützer nicht rechtfertigt. Was wäre los in Deutschland, wenn katholische Pfarrer plündernd durch die Straßen ziehen, blutige Straßenkämpfe vom Zaun brechen und ausländische Warenhäuser inklusive Inhaber anzünden würden? Wenn dann die Polizei versuchte den religiösen Mob zu stoppen, gäbe es dann auch Proteste der Tibet-Unterstützergruppen?“

    Der Vergleich hinkt. Die indigene Bevölkerung wehrt sich nach wie vor gegen die Besetzung des Landes, denn um nicht mehr oder weniger handelt es sich im Fall Tibet. Unabhängig vom religiösen Popanz ist es nun einmal so, dass China Tibet besetzt hält. Und ja – hier ist Widerstand legitim. Nebenbei bemerkt passt das auch nicht so recht zusammen. Du stellst in Deinem Text die Anektion Tibets durch China de facto als einen rechtmäßigen Zustand dar, der nur insofern kritikwürdig ist, dass die Art und Weise Mängel aufweist, kritisierst in anderen Artikeln aber vehement das Eingreifen von Nato-Truppen im Ex-Jugoslawien. Irgendwie – so meine ich – sollte man sich schon entscheiden. Entweder ein Eingreifen ist legitim, dann sollte man klären, unter welchen Bedingungen es geschieht oder eben nicht. Im Fall Jugoslawiens „herrscht“ dort wieder die Bevölkerung – im Fall Tibets nicht. Vielleicht wäre der auch vergleichbarer mit dem Überfall Deutschlands auf Polen. Sorry, Fidelche, aber hier von Separatismus zu schreiben, ist nicht angemessen. Tibet ist auch nicht das Baskenland, sondern wurde von den Truppen des Massenmörders Mao überfallen.

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    • 9. Oktober 2012 13:10

      Ich kritiser(t)e den Separatismus in Jugoslawien, die entsprechende Parteinahme Deutschlands für Kroatien usw, wie ich den Separatismus der tibetanischen Mönche und die entsprechende Parteinahme der USA, Indiens, Großbritanniens usw. für diesen Separatismus kritisiere. Es gab nie einen kroatischen Staat, bis auf die faschistische Ausnahme 1941.

      Ähnlich die Geschichte Tibets. Neuere Geschichte: Britischer Tibetfeldzug 1903 – 1907, Vertrag von Petersburg, Japanisch-chinesische Kriege bis 1945. Die USA, bzw. der CIA unterstützte die tibetanischen Mönche in ihrem Krieg gegen die Chinesen. 87.000 Tote habe es damals gegeben, behauptet der Dalai Lama; „eine Differenzierung nach Kampfparteien unterlässt er wohlweislich, was die Suggestion nährt, es habe sich ausschließlich um tibetische Opfer gehandelt: Laut Report des US Joint Publications Research Service in Washington waren indes drei von vier der insgesamt 65.000 Toten Chinesen” (Goldner, S. 142 f.).

      Eine weitere Frage wäre dann, wo laufen die Grenzen Tibets? Zwischen 1913 und 1951 gab es eine „de-facto-Unabhängigkeit“ wegen der japanischen Invasion und wegen des chinesischen Bürgerkrieges. Das damalige von Lhasa kontrollierte ‚politische’ Tibet war nur etwa halb so groß wie die heutige autonomen Region Tibet.

      Laut chinesischer Regierung ist Tibet ist ein Teil Chinas und viele gute Argumente dagegen gibt es nicht, was sogar die UNO weiß. “Vor dem Einmarsch der Chinesen 1950 hatte kein Staat Tibet als selbstständiges völkerrechtliches Subjekt anerkannt. Verträge zwischen Großbritannien und China bekräftigten auf allerdings widersprüchliche Weise, dass Tibet zwar unabhängig sei, aber chinesischer Oberherrschaft unterstehe.“ (Die Komplexität der Tibetfrage)

      Der Widerstand des tibetischen religiösen Mobs, der chinesische Händler oder Siedler in zweiter oder dritter Generation ermordet und ihre Häuser abfackelt ist deshalb nicht legitim. Jetzt mal ganz abgesehen vom religiösen Wahn des tibetischen Buddhismus.

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    • MEMO permalink
      9. Oktober 2012 22:37

      Also zählt Geschichte erst ab 1900? Irgendwie lustig, aber irgendwie auch falsch.

      Nein, es gab keinen kroatischen Staat und doch war Jugoslawien ein Vielvölkerstaat, der auseinander brach, was von Massakern begleitet wurde. Ein Eingreifen ist dann also illegitim? Gut zu wissen, was Deine Lesart des Humanismus bedeutet.

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      • 9. Oktober 2012 23:34

        Tibet. Mich interessiert vor allem – weil ich sonst auch überhaupt nicht ändernd eingreifen kann – die Ideologie im Land meiner Heimatkunde. Das arme von China unterdrückte Tibet – der bemitleidenswerte Dalai Lama – die säkuläre Göttlichkeit zur Ruhe kommender Philosophie – die Pflanzungen in Münster in heiter-dümlicher Bekundung der Dämlichen – zumeist Damen – hier, bei mir im westfälischen Münster.
        Diese Leute, die daran, an dieser Ideologie und also der ausgeblendeten realhistorischen Kriminalität, etwas finden, sind doch die, die jeder Normale, … und etwa nicht … und warum … – – –
        Na, sie sind nicht nur dumm, sie fördern außerhalb ihres bürgerlichen Kreises Kriminalilät, die sie sich ganz bürgerlich für ihr eigenes kleines Umfeld verbitten würden. Vorm Kreuz ihrer scheiß Kirche.
        Weit weg soll sein das Böse – und – jaja – auch das Gute …

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      • MEMO permalink
        10. Oktober 2012 10:02

        Naja Rainer. Ist das nicht immer so? Vermutlich liegt das an einer Art Sehnsucht weg vom Pragmatismus unserer Lebenswelt hin zu etwas „Gefügterem“ und „Höherem“. Stell Dir doch einmal die Frage, warum gerade Konvertiten zum Islam oftmals derart fundamental sind – natürlich hier, nicht dort. Das sind alles Aneignungen. Eigentlich aber haben diese mit Toleranz oder Verständnis nicht das Geringste zu tun. Schlimmer noch – sie verwehren dem Ursprung die Entwicklung, weil dieser dann ja nicht mehr „authentisch“ wäre. Dabei könnte ich mir durchaus vorstellen, dass der Dalai Lama möglicherweise selbst ein Regieme, wie es früher bestand, garnicht mehr wiederbeleben würde. Und jetzt rate, wer ihn dafür dann kritisieren würde. Genau – die, die jetzt für Tibet demonstrieren.

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      • 10. Oktober 2012 12:39

        Massaker gab es während des Jugoslawienkrieges auf beiden Seiten und die vor allem nach der Bombardierung der NATO. Vor der NATO-Bombardierung kamen 69 Menschen im Kosovo ums Leben, 35 davon waren Serben, die von der faschistischen UCK ermordet wurden. Deutschland und die NATO haben einseitig Partei ergriffen und durch die Bombardierung kam es erst zum Massensterben. Das Zusammenbrechen des Vielvölkerstaates wurde außerdem von Deutschland massiv unterstützt. Im „Salon Hunzinger-Scharping“ wurde während der Bombardierung die Beute verteilt. Humanismus ist was anderes.

        Tibet: Im tibetanischen Gottesstaat wurden die Menschen vom Dalai Lama und den Mönchen bist aufs das Letze ausgebeutet. Niemand konnte lesen, es gab kein Sozial- oder Gesundheitswesen im „Staate“ des Dalai Lama. Gleichzeitig besaß der Dalai Lama und die Mönche unermessliche Geld- und Sachwerte. Allein der Potala, die Winterresidenz des Dalai Lama, verfügte über mehr als 1000 Prunkräume. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag vor 1950 in Tibet unter 35 Jahren. Bis 1950 durfte eine Frau bei Ehebruch völlig legal von ihrem Ehemann getötet werden, bei Diebstahl lauteten die Urteile, Abschneiden von Gliedmaßen, Herausreißen der Zungen usw. Bis 1950 lebten über 90 Prozent der Tibeter in stallähnlichen Behausungen, wo Menschen und Tiere in trauriger Gemeinschaft und in Fäkalien und Unrat lebten. Für die spirituelle Vervollkommnung des Mannes ist die Frau im tibetanischen Buddhismus Mittel zum Zweck. Der tibetische Buddhismus zeichnet sich zudem durch Dämonenglauben und wie mehrfach angesprochen durch den systematischen Missbrauch kleiner Kinder und frauenverachtende tantrische Rituale aus.

        Ich frage mich deshalb nach wie vor, wo ist das Positive am tibetanischen Buddhismus und falls es existiert, wie kann es konkret benannt werden, was die obigen „negativen Begleiterscheinungen“ aufwiegen könnte?

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      • MEMO permalink
        11. Oktober 2012 10:44

        Einseitig Partei ergriffen? Beute verteilt? Welche Beute? Von was schreibst Du? Was wurde aufgeteilt – die Restbestände selbstgebrannten Schnapses? Nun ja – hier wirds mir wieder mal zu ideologisch und zu einseitig. Mit Sicherheit kann wohl angenommen, dass die Konflikte zwischen den Ethnien nicht Folge der Intervention war. Die bestanden schon vorher, wurden aber unterdrückt, brachen dann aus und bestehen mal mehr oder weniger offen artikuliert bis heute, sind aber weitgehend „befriedet“. Massive Nationalismen bestehen bis zum heutigen Tag – auch eine Folge der Intervention? Wohl kaum.

        In Teilen der Welt leben noch heute Menschen unter unwürdigen Bedingungen – aus unserer Sicht – und natürlich waren die Verhältnisse in Tibet alles andere als ideal. Das ist keine Frage. Aber auch hier gilt – wir schreiben das Jahr 2012, nicht das Jahr 1950 – und wir müssen nach heutigem Stand der Dinge werten und Perspektiven eruieren, nicht nach dem von 1950 und davor. Zudem kann man diese Zustände dem heutigen Dalai Lama, der damals noch ein Kind war, kaum zum Vorwurf machen. Die positiven Aspekte müssen also die damaligen Zustände, die heute vermutlich keine Begleiterscheinung mehr wären, garnicht aufwiegen. Auf dieser Basis kann man das nicht diskutieren.

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      • 11. Oktober 2012 12:05

        Die Nato-Luftangriffe auf Serbien haben einen Sachschaden von rund 120 Milliarden US-Dollar verursacht. Mehr als 200 Fabriken, 50 Krankenhäuser, 190 Schulen, 50 Brücken sind zerstört worden. Im neuen jugoslawischen Markt waren das satte Aufträge für den deutschen Außenhandel. Übrigens wurde 1999 in Montenegro die DM eingeführt. Das Thema ist hier aber nicht die Zerschlagung Jugoslawiens.

        Stimmt, von 1950 bis 2012 haben die Chinesen die Zustände geändert und zwar gegen den Widerstand der Mönche, der bekanntlich bis heute anhält. Fakt ist, für die Zustände vor 1950 in Tibet waren die Mönche und die Dalai Lamas verantwortlich. Richtig, Tendzin Gyatsho ( glaubt an Reinkarnation, seine eigene Wiederkehr und an Dämonen, begründet den sexuellen Missbrauch der Mönche, weil die Kinder „ihre spirituellen Lehrmeister zu sehr verwöhnen“ usw.) war noch ein Kind am Anfang seiner Regierungszeit. Wenn ich mir allerdings anhöre was der „Gottkönig“ heutzutage zu der Zeit vor 1950 in Tibet sagt, dann bezweifle ich deinen Optimismus:

        „Vor dem Einmarsch der Chinesen wurden in Tibet das ganze Jahr hindurch viele traditionelle Feste gefeiert. Diese hatten meist religiösen Charakter, galten aber nicht nur für die Mönche, sondern wurden von der ganzen Bevölkerung mitgefeiert. Die Bevölkerung verbrachte diese Feste, indem sie aß, trank, sang, tanzte, Spiele spielte und zwischendurch betete.“ Bei den alljährlich veranstalteten Opernfestspielen etwa, zu denen Menschen aus allen Teilen des Landes nach Lhasa geströmt seien, habe man sich besonders gut amüsiert – „etwas, was die Tibeter von Natur aus gut können. (…) Was für eine glückliche Zeit das war! Die Leute schwatzten während der Aufführungen und waren mit den Liedern und Tänzen so vertraut, daß sie jede Szene schon auswendig kannten. Fast jeder hatte etwas zum Essen dabei und natürlich Tee und Chang und alle gingen umher, wie es ihnen gerade paßte. Junge Frauen stillten ihre Babies, und kleine Kinder liefen kreischend und lachend herum.“ Es sei der „fortwährende Einfluß des Buddhismus“ gewesen, der eine „Gesellschaft des Friedens und der Harmonie“ hervorgebracht habe: „Wir waren schlicht und einfach glücklich.“

        Weitere Infos zur Ideologie, zur Realitätsverweigerung und zum Wahn des „Gottkönigs“ hier.

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  11. 27. Mai 2014 12:49

    Da uns wieder einmal eine Mail wegen dieses Artikels mit diversen verschwörungstheoretischen Unterstellungen und der Frage nach den Quellen erreicht hat gibt es dazu hier folgende Erklärung:

    1. Die Quellen sind angegeben. Trotzdem hier noch einmal die Hauptquelle: Colin Goldner: Dalai Lama – Fall eines Gottkönigs, Alibri Verlag Aschaffenburg
    2. Um Missverständnissen vorzubeugen wurde nun der vollständige Artikel gepostet.
    3. Hier gehts zum erstveröffentlichten Originalartikel:
    3. Antisemitische, verschwörungstheoretische und antiamerikanische Mails werden nicht beantwortet.
    4. Informationen über Antisemitismus und Israel gibt es hier auszuwählen.

    MfG
    Die MI Redaktion

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  12. 1. Juni 2017 08:23

    Ich bin durch die Verlinkung auf diesen Artikel von Peter Nowak auf Heise.de hierher angekommen: Interessanter und informativer Artikel. Vieles wusste ich nicht.
    Es scheint mir überhaupt ein interessanter Blog zu sein.

    Auch Peter Nowak ist immer wieder lesenswert:

    https://www.heise.de/tp/features/Berlin-und-die-Phrase-von-der-werteorientierten-Aussenpolitik-3730649.html?seite=2

    Vielen Dank.

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