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THICK AS A BRICK

10. Februar 2021

Die britische Rockband Jethro Tull wurde 1967, nach dem englischen Agronomen Jethro Tull (1674–1741), einem Erfinder diverser revolutionärer Verbesserungen in der Landwirtschaft, gegründet – von 1968 bis zum Jahr 2003 veröffentlichte die progressive Rockband 23 Studio- und 10 Livealben. Ian Scott Anderson, geboren am 10.08.1947 im schottischen Dunfermline ist Gründer, Frontmann, Komponist und Texter von Jethro Tull und er brachte die Querflöte ins Rockgenre, erst ab 1967 hatte er sich der Querflöte zugewandt und diese autodidaktisch bis zur Virtuosität erlernt. Königin Elisabeth II. ehrte Ian Anderson zum „Member of the Order of the British Empire“, die Edinburgher Heriot-Watt University verlieh ihm 2006 die Ehrendoktorwürde für Literatur und die Ehrendoktorwürde „Doctor of Letters“ erhielt er 2011 von der University of Abertay Dundee. Ian Anderson hat eine Reihe von Soloalben veröffentlicht, unter anderen  Walk Into Light (1983), The Secret Language Of Birds (2000), Rupi’s Dance (2003), Thick as a Brick 2 (2012) und 2014 sein Alterswerk Homo Erraticus. Das Album Homo Erraticus erzählt über den umherziehenden Menschen,  mit Stücken wie The Turnpike Inn von 8.000 Jahren britischer Geschichte, Chroniken, Prophezeiungen und Offenbarungen.

Musikalisch wird Jethro Tull dem Progressive Rock, teilweise dem Blues- und Folk-Rock, mit Einflüssen aus Klassik, Jazz, Weltmusik und elektronischer Musik zugeordnet. Kennzeichnend für die einzelnen Titel ist eine starke Dynamik, häufige Taktwechsel sowie vielfältige Synkopen und Offbeats. Das unverkennbare Markenzeichen von Jethro Tull ist freilich die einbeinig gespielte Querflöte von Ian Anderson. DIe Texte sind  sozialkritisch, skurril, handeln von alltäglichen Begebenheiten, der explodierenden Weltbevölkerung, handeln von alten Obdachlosen, weißen Männern, gewissen Damen, Atomraketen-Fehlalarmen oder von der Umweltverschmutzung als es noch keine grünen Bewegungen gab. Im Jahr 2012 verließ der langjährige Gitarrist Martin Barre die Band und Florian Opahle aus Rosenheim übernahm seinen Part als Gitarrist. Vor einigen Jahren wurde bei Ian Anderson eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung diagnostiziert, weshalb er bemerkte dass seine Jahre als Sänger gezählt wären.

Das erste Album „This Was“  wurde 1968 von Ian Anderson, Mick Abrahams, Glenn Cornick und Clive Bunker  aufgenommen und war noch sehr bluesorientiert. Stand Up folgte 1969, mit Bourrée einer Adaption der Suite für Laute von Johann Sebastian Bach und dem ersten kommerziellen Erfolg Living in the Past im 5/4-Takt. 1970 erschien das Album Benefit. Auf einen Schlag berühmt wurde Jethro Tull mit dem Album Aqualung  im Jahr 1971, mit  dem Klassiker Locomotive Breath. Das Titelbild von Aqualung zeigt einen alten langhaarigen, bärtigen alten weißen Mann, im langen Mantel vor einem düsteren Hintergrund, auf der Rückseite des Albums sitzt er auf einem Bürgersteig neben einem Hund. Der Titelsong Aqualung ist anfangs rockig, wird dann akustisch um am Ende wieder zum Ursprung zurückzukommen. Die Geschichte handelt von einem zerlumpten Obdachlosen namens Aqualung, der im Winter auf einer Londoner Parkbank sitzt. Wie in Ulysses, dem Roman von James Joyces beobachtet er die jungen Mädchen beim Spiel. Später bückt sich der schwer kranke Aqualung nach einer Zigarettenkippe, das Bein tut ihm sehr weh, um danach mühsam zu einer öffentlichen Toilette zu gehen um sich aufzuwärmen.  Nach seiner Rückkehr setzt er sich wieder auf die Bank, die Heilsarmee bietet ihm heißen Tee an. Als die schielende Mary, die sich der Prostitution mit älteren Männern hingibt, auf ihn zugeht flüchtet er, aus Angst vor Gewalt, die er tagtäglich zu spüren bekommt. Später kehrt er wieder zu seiner Parkbank zurück und beginnt zu sterben. In seinem Sterben atmet er schwer und geräuschvoll, wie ein Tiefseetaucher mit seinem Atmungsgerät und während seiner letzten Atemzüge bricht der Frühling aus. Während die ersten Lieder von Obdachlosikkeit und Armut handeln, beschäftigen sich der zweite Teil mit Gott und Religion (My God, Slipstream und Wind up). Das populärste Stück ist zweifellos Locomotive Breath. Vom Intro einer von John Evans gespielten Klavierpassage wird Locomotive Breath mit einem stampfenden Rhythmus, markanten Gitarrenriffen und der rockig geblasenen Querflöte zu einem der Klassiker der Hardrock-Geschichte.

Ein Mann fährt in dem Klassiker auf einer Dampflokomotive ungebremst seinem Untergang entgegen. Der Protagonist des Stücks ist ein „all time looser“, der von seinen Kindern verlassen (sees his children jumping off at the stations) und von Frau und Freunden betrogen (his women and his bestfriend, in bed and having fun) wurde. Locomotive Breath ist eine Analogie zu dem niemals zu stoppenden Zug des Lebens und die Geschichte vom Konflikt des Menschen mit der Moderne und den dadurch entstehenden wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen. “In schleifendem Wahnsinn des Atmens einer Lokomotive rennt der ständige Verlierer kopfüber in seinen Tod. Er spürt das Stampfen des Kolbens, Dampf bricht aus seiner Augenbraue hervor. Der alte Charlie hat den Griff gestohlen, und der Zug hört nicht mehr auf zu laufen.” Weil  „Old Charlie“ (Gott oder Darwin) den „Griff gestohlen“ hat, ist der Zug außer Kontrolle geraten und: „He has got him by the balls.“ Vordergründig handelt Locomotive Breath vom Sterben des ewigen Verlierers, darüberhinaus ist laut Anderson die unaufhörliche unaufhaltsame Lokomotive eine Metapher für die scheinbar unaufhaltsame Bevölkerungsentwicklung mit der daraus folgenden Migration und der Globalisierung.

1974 halten gewisse „Damen“ in „Warchild“ Ausschau nach Fremden, die sie willkommen heißen könnten, wobei ihre Gefälligkeiten zwar gut gemeint aber gezählt sind. Donald Trump wäre für weniger aus dem Amt gejagt worden. SeaLion ist beeinflusst von Blackpools Umweltverschmutzung, in Blackpool wurde bis in die 1980er Jahre das gesamte Abwasser der Stadt ins Meer geleitet. („Riding dirty grey horse go you and I“). Viel Spaß gibt es noch später, 1989 in Rock Island mit Kissing Willie und weniger Spaß  bei Heavy Water und dem verschmutzten Regen in New York. Einigen süßen Träumen folgte 1980 Fylingdale Flyer mit der Frage ob das Frühwarnsystem für ballistische Raketen, die RAF Fylingdales so sicher ist wie immer behauptet wurde.

Das außergewöhnlichste Album, das alle Rahmen sprengende Meisterwerk von Jethro Tull ist zweifellos Thick As A Brick (Dumm wie Bohnenstroh) aus dem Jahr 1972. „Thick As A Brick“ besteht aus einer einzigen Nummer, dauert über 43 Minuten, ist den damaligen Vinylplatten geschuldet in Part eins und zwei geteilt und geprägt von melodischem Hardrock von Klassik, Folk-Rock- Jazz-Elementen und vielen Tempo und Stilwechseln und nicht zuletzt im Stil von Monty-Python präsentiert. Das Album war 1972 in eine nachgemachte Zeitung verpackt, in die englische Kleinstadtzeitung, St. Cleve Chronicle & Linwell Advertise. Laut den Angaben des Zeitungscovers wurde der gesamte Text von dem achtjährigen Schuljungen Gerald Bostock geschrieben und an die Band gesandt, die daraus das Album machte. Als Sohn braver, kirchentreuer bürgerlicher Eltern, soll der Junge ein dichterisches Talent entwickelt haben und deshalb bekam er den Spitznamen „Little Milton“ nach dem Dichter John Milton. Allerdings habe er schon mit acht Jahren unverständliche und angeblich anstößige Dinge gesagt und sei deshalb in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Der Nachwuchs-Literaturpreis wurde Gerald Bostock wegen des subversiven Inhalts wieder aberkannt, mit der Folge, dass der Preis für kindliche Dichtkunst an ein angepasstes kleines Mädchen vergeben wurde.  In der Zeitung wird über die halbe Blatthöhe der gesamte Text der Platte unter der Überschrift „Thick as a Brick. By Gerald ‚Little Milton‘ Bostock“  abgedruckt. In der Einleitung steht: „… drucken wir hier zum Nachlesen für Jedermann … Gerald Bostocks umstrittenes Gedicht ab, das so viele Kontroversen ausgelöst hat (Der Herausgeber)“.  Gerald Bostock ist freilich eine Kunstfigur, hinter der sich Ian Anderson verbirgt, was die Musiker nicht daran hinderte, nach oder vor Konzerten und auch einige Jahre später über Gerald Bostock als eine reale Person zu sprechen.

Neben der obligatorischen Flöte, den akustischen und elektrischen Gitarren, dem Schlagzeug brilliert Thick As a Brick unter anderem durch Geige, Saxophon, Trompete und einem Streichorchester und der frühreife Gerald Bostock ist der Auffassung: „Es macht mir wirklich nichts aus, wenn ihr bis zum Ende durchhaltet. Meine Worte sind nur ein Flüstern – eure Taubheit ein SCHREI. Vielleicht bringe ich euch zum Fühlen, zum Denken kann ich euch jedoch nicht bringen. Euer Sperma ist im Rinnstein – eure Liebe im Ausguss. So reitet ihr euch also selbst über die Felder und macht jeden Kuhhandel mit und/eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein. Und die Sandburgtugenden sind alte weggespült / in der Zerstörung durch die Gezeiten / im moralischen Durcheinander. Der elastische Rückzug läutet das Ende des Spiels ein, als die letzte Woge die neueste Variante enthüllt. Aber eure neuen Schuhe haben abgetretene Absätze und / eure Sonnenbräune blättert rapide ab und / eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein. Und die Liebe, die ich fühle, ist so weit weg: Ich bin ein schlechter Traum, den ich gerade heute hatte -. und du / schüttelst den Kopf und / sagst: »Schade« Schickt mich zurück durch die Jahre und durch die Tage meiner Jugend. Zieht die Spitzengardinen und die schwarzen Vorhänge zu, und sperrt die ganze Wahrheit aus. Schickt mich zurück durch die langen Zeitalter: Lasst sie die Geschichte erzählen. Sehet! Ein Sohn ist geboren – und wir erklären ihn kampftauglich. Er hat Pickel auf den Schultern, und nachts pinkelt er ins Bett. Wir werden/einen Mann aus ihm machen / ihn ein Handwerk erlernen lassen / ihm beibringen / wie man Monopoly spielt und / wie man im Regen singt. Der Dichter und der Maler werfen Schatten auf das Wasser — während die Sonne auf die Infanterie scheint, die von der See zurückkehrt. Der Tatmensch und der Denker: keine Zugeständnisse an den anderen — und das verblassende Licht erleuchtet das Glaubensbekenntnis des Söldners. Das Feuer im heimischen Herd brennt: Das Wasser im Kessel ist kurz vorm Kochen – aber der Herr des Hauses ist weit weg. Die Pferde stampfen – ihr warmer Atem dampft im schneidenden Frost des frühen Morgens. Und der Dichter hebt die Feder, während der Soldat das Schwert wegsteckt. Und der Jüngste der Familie übernimmt das Kommando. Baut Burgen am Meer und fordert die verspätete Flut heraus, sie alle wegzuspülen. Die Rinder weiden ruhig auf dem Gras unten am Fluss, wo die anschwellenden Gebirgsbäche sich vorwärts zum Meer bewegen: Der Erbauer der Burg greift die uralte Absicht auf und er wägt die junge Melkerin, die anbietet, was er braucht. Die jungen Männer des Hauses / haben alle ihren Dienst angetreten und / sind vor einem Jahr nicht zurückzuerwarten. Der unschuldige junge Herr — die Gedanken rasen immer schneller — hat den Plan gefasst, den Mann zu verändern, der er zu sein scheint. Und der Dichter steckt die Feder weg, während der Soldat das Schwert hebt. Und der Älteste der Familie übernimmt das Kommando. Kommt von Übersee zurück und fordert den Sohn heraus, der ihn in die Flucht schlägt. Was machst du, wenn / der Alte weg ist — willst du an seine Stelle treten? — und / dein wahres Ich das Lied singt. Willst du ihn befreien? Niemand da, der dir hilft, Dampf zu machen — und der Wasserstrudel treibt dich weit vom Kurs ab. SPÄTER  Ich bin von der Oberschicht herabgestiegen, um eure verkommene Lebensart zu korrigieren. Mein Vater war ein mächtiger Mann, dem jeder gehorchte. Also, auf geht‘s, all ihr Kriminellen! Ich muss euch zurechtbiegen. genau wie ich es mit meinem Alten gemacht habe Zwanzig Jahre zu spät. Euer Wasser und Brot wird kalt. Euer Haar ist kurz und adrett. Ich werde euch alte richten und werde verflucht dafür sorgen, dass mich niemand richtet. Du rollst deine Zehen ein zum Spaß, während du jeden anlächelst — du erwiderst die starrenden Blicke. Du bist dir nicht bewusst, dass deine Taten nicht vollendet sind. Und du lachst äußerst unbarmherzig, als du uns erzählst, wie wir nicht sein sollen. Aber wie, meinst du, sollen wir erkennen, wohin wir laufen sollen? Ich sehe dich durch den Gerichtssaal schlurfen mit / deinen Ringen an den Fingern und / deinen flaumigen kleinen Koteletten und / deinen Siberschnallenschuhen. Du spielst den harten Burschen und folgst dem Beispiel des Comichelden, der dich die Regeln zurechtbiegen lässt. So! Auf geht‘s, ihr Kindheitsidole! Wollt ihr euch nicht losreißen von den Seiten eurer Comic hefte/eurer Supergauner/und uns allen den Weg zeigen? Also! Macht euer Testament. Wollt ihr nicht? Werdet Mitglied eurer Stadtverwaltung. Wir werden Superman zum Präsidenten haben / lasst Robin den Tag retten. Du setzt auf die Nummer eins, und sie siegt jedes Mal. Die anderen Kinder sind alle zurück getreten und haben dich an die vorderste Stelle geschoben. Und so fragst du dich schließlich, wie groß du eigentlich wirklich bist — und du nimmst deinen Platz ein in einer klügeren Welt, in der es größere Autos gibt. Und du fragst dich, an wen du dich wenden sollst.

So! Wo zum Teufel war Biggles ‚als du ihn letzten Samstag gebraucht hättest? Und wo waren all die Sportler. die dir immer Halt gegeben haben? Sie ruhen sich alle unten in Cornwall aus — schreiben an ihren Memoiren für eine Taschenbuchausgabe des Pfadfinderhandbuchs. SPÄTER Sehet! Ein Mann ist geboren — und wir erklären ihn friedenstauglich. Eine Last wurde ihm von den Schultern genommen mit der Entdeckung seiner Krankheit. Wir werden / das Kind von ihm nehmen / es testen lassen / ihm beibringen / ein Weiser zu sein / alle anderen reinzulegen. ZITAT Wir werden uns eher nach dem Durchschnittlichen als nach dem Außerordentlichen ausrichten / Gott ist eine überwältigende Verantwortung / Wir gingen durch die Entbindungsstation und sahen 218 Babies, die Nylonstrümpfe trugen / Katzen sind im Kommen / im Kommen? Hipgrave Oh, Mac SPÄTER In den klaren, weißen Kreisen des Morgenzaubers nehme ich meinen Platz ein neben dem Herrn der Hügel. Und die blauäugigen Soldaten stehen leicht verfärbt (in ordentlichen kleinen Reihen), tragen Leinengamaschen. Ihre Suspensorien zwicken, sie schleppen sich zum »Stillgestanden!«, sie stehen in der Bürokantine Schlange um belegte Brote. Sagen: Wie geht’s deiner Oma und/dem guten alten Ernie: Er spuckte für seinen Lottogewinn einen Zehner aus. Die Legenden (formuliert in der uralten Stammeshymne) wiegen sich im Schrei der Möwe. Und all die Versprechungen, die sie gemacht haben, werden unter dem stürzenden Sadisten zermahlen. Der Dichter und der Weise stehen hinter dem Gewehr und geben das Signal zum Morgengrauen. Erleuchte die Sonne. Glaubt ihr an den Tag? Ja? Glaubt an den Tag! Die Morgendämmerung, Schöpfung der Könige, hat begonnen; die zarte Venus (einsame Magd) bringt den Zeitlosen. Glaubt ihr an den Tag? Der verblassende Held ist zur Nachtzurückgekehrt—und hochschwanger mit dem Tag bestätigen die Weisen die Vorahnungen des Dichters. Glaubt ihr an den Tag? Ja? Glaubt an den Tag! Lasst mich euch die Geschichten eures Lebens erzählen / von eurer Liebe und den Messerstichen / von der unaufhörlichen Unterdrückung/vom eingetrichterten Wissen / vom Verlangen, zu töten oder getötet zu werden. Ich singe euch von den Verlierern, die auf der Straße liegen, wenn der letzte Bus vorbeifährt. Die Bürgersteige sind leer: Die Rinnsteine färben sich rot — während der Narr seinem Gott im Himmel zuprostet. Also, auf geht‘s, all ihr jungen Männer, die ihr Burgen baut! Sagt uns freundlicherweise die Jahreszeit an, und vereint eure Stimmen in einem höllischen Refrain. Schildert die genauen Merkmale eurer Angst. Lasst mich euch helfen, eure Toten aufzulesen, da die Sünden der Vorfahren / mit dem Blut der Narren und / mit den Gedanken der Weisen und / aus dem Topf unter deinem Bett gefüttert werden. Lasst mich euch ein Geschenk aus Gesang machen, während / der Weise aufstößt und verschwindet / der Narr mit der Sanduhr sich selbst den Garaus macht und / der Kinderreim weiterleiert. Also, auf geht‘s, all ihr jungen Männer, die ihr Burgen baut! Sagt uns freundlicherweise die Jahreszeit an, und vereint eure Stimmen in einem höllischen Refrain. Schildert die genauen Merkmale eurer Angst. Sehet! Der Sommerblitz wirft seine Strahlen nach euch, und die Stunde des Jüngsten Gerichts nahet. Wärt ihr lieber/der Närrin seiner Ritterrüstung oder/der Weisere, der sich aus dem Staub macht? So! Auf geht‘s, ihr Kindheitsidole! Wollt ihr euch nicht losreißen von den Seiten eurer Comichefte / eurer Supergauner und uns allen den Weg zeigen? Also! Macht euer Testament. Wollt ihr nicht? Werdet Mitglied in eurer Stadtverwaltung. Wir werden Superman zum Präsidenten haben/lasst Robin den Tag retten. So! Wo zum Teufel war Biggles als ihr ihn letzten Samstag gebraucht hättet? Und wo waren all die Sportler, die euch immer Halt gegeben haben? Sie ruhen sich alle unten in Cornwall aus — schreiben an ihren Memoiren für eine Taschenbuchausgabe des Pfadfinderhandbuchs. NATÜRLICH So reitet ihr euch also selbst über die Felder und / macht jeden Kuhhandel mit und / eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein.“

Angesichts der heutigen Probleme die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren bräuchte es einerseits einen neuen Jethro Tull und andererseits die Erkenntnis dass die Migrationskrise auch mit der Bevölkerungsexplosion in Afrika zu tun haben könnte.  Die Oberhäupter so mancher Weltreligion propagieren noch immer, so viele Kinder wie möglich zu zeugen und die Politik hat keine Strategie, wie wir unsere Gesellschaften langfristig gestalten könnten. „Die Regulierung der Einwanderung ist längst nicht mehr nur ein Thema der radikalen Rechten. Anders als vielleicht 1950 können wir 2015 allenfalls eine kontrollierte und moderate Immigration zulassen. Die 10 000 Menschen, die zurzeit wöchentlich das Mittelmeer Richtung Italien überqueren möchten, werden von falschen Hoffnungen angezogen und wollen keineswegs in Italien bleiben. Unser Premierminister wiederum versucht sich in einem doppelten Spiel. Er will den Humanitären geben und verspricht, die Royal Navy zu schicken, um die Flüchtlinge zu retten. Aber er wird sie nicht ins Vereinigte Königreich lassen, denn er will eine Wahl gewinnen. Wir sollten jetzt ein Schild ans Hotelfenster hängen, auf dem „alles belegt“ steht“ sagte Ian Anderson in einem Interview vor ein paar Jahren. Anderson bezeichnet sich selbst als einen „mildtätigen Kapitalisten“ und einen „pragmatischen Sozialisten“: „Niemand sollte mehr als eine Million Pfund im Jahr verdienen, sonst wird es obszön. Und wenn doch, muss er es abgeben. Am besten dem Finanzamt.“ In seinem letzten Album „Homo Erraticus“ lässt Anderson nochmals sein Alter Ego Gerald Bostock zu Wort kommen. Nach rund 40 Jahren greift der verhinderte Lyriker Gerald Bostock wieder zur Feder, der „herumirrende Mensch“ bezieht sich auf ein angeblich aufgestöbertes Manuskript. Das Manuskript stammt von einem Ernest T. Parritt, der sich einst als Soldat der britischen Armee in Indien mit Malaria infizierte. In seinem fiebrigen Delirium war er davon überzeugt, seit Jahrtausenden schon viele, teilweise prominente Leben gelebt zu haben und in der Zukunft noch zu leben hat. So untersucht Parritt auf Homo Erraticus Schlüsselereignisse der britischen Geschichte mit Bezügen zu Prophezeiungen bis heute und in die Zukunft. Das einzige existierende Exemplar des Manuskripts geriet in die Hände von Gerald Bostock, der es dichterisch vor dem thematischen Hintergrund der Verdoppelung der Bevölkerung in Afrika und der damit einhergehenden Migration mit Stücken wie Doggerland, Cold Dead Reckoning, After These Wars, The Browning of the Green, New Blood, Old Veins oder Heavy Metals verarbeitete.

So reitet ihr euch also selbst über die Felder und macht jeden Kuhhandel mit und eure Weisen wissen nicht, wie es ist, dumm wie Bohnenstroh zu sein.

 

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch & Fleisch

8 Kommentare leave one →
  1. chaikagrossmann permalink
    10. Februar 2021 12:41

    Auch wenn wir bezüglich Jethro Tull denselben Musikgeschmack teilen, verändert Musik leider nicht die Welt. Die Beherrschung der weiblichen Sexualität und Fruchtbarkeit ist ein wesentliches Element von Herrschaft. Schließlich denken die Affen in Gewehren und eigene Gewehre sind besser. Frauen sind in der Perspektive der Herrschaft ein Instrument, über das auch Frauen verfügen.
    Lass uns Mal ein Horkheimer Seminar abhalten, sobald die Hotels wieder offen sind, können wir das konzipieren oder ich konzipiere und du bist für die Weinbeschaffung zuständig.

    Gefällt 2 Personen

    • 10. Februar 2021 14:42

      Ich denke auch dass nur in bestimmten Zeiten eine bestimmte Musik entstehen kann und nicht umgekehrt. Musik kann die Welt nicht verändern, aber sie kann sie besser machen. Die Beherrschung der weiblichen Sexualität und Fruchtbarkeit ist zweifellos ein wesentliches Element von Herrschaft. Die Fertilität ist in jedem politischen System von entscheidender Bedeutung. Staaten wie China (Ein-Kind-Politik) oder die westliche Welt (Kindergeld, Kinderfreibetrag) versuchen mit den jeweiligen Instrumenten die Fertilität zu beeinflussen. In den meisten afrikanischen Staaten spielt die Religion eine große Rolle und so bekommen die dortigen Frauen im Schnitt 5 bis 6 Kinder. Je mehr Kinder umso ärmer sind die jeweiligen Gemeinschaften. Die Bevölkerung wächst rasant, verdoppelt sich in wenigen Jahrzehnten, da kann keine Wirtschaft mithalten und die Folgen sind bekannt. Wäre interessant was Horkheimer seinerzeit dazu gesagt hat.

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  2. 10. Februar 2021 13:30

    Da bin ich doch gleich wieder an die alten Zeiten erinnert. Progressive Rock vom Allerfeinsten und Anderson hat allen BDS-Boykottaufrufen widerstanden und ist in Tel Aviv aufgetreten.

    Gefällt 1 Person

    • 10. Februar 2021 14:45

      Anderson hat dem großen Druck der Antisemiten widerstanden, aber leider hat er nicht so cool reagiert wie einst Jonny Rotten, er hat Waters auch nicht mit dem Baseballschläger gedroht, er hat sich lauwarm gerechtfertigt, aber immerhin.

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  3. Stephan Gärtner permalink
    11. Februar 2021 17:36

    Hier eine schöne Liveversion von Locomotive Breath:

    Gefällt 2 Personen

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