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Die Belagerung Leningrads

22. Juni 2013

VernichtungskriegHeute vor 72 Jahren, am 22. Juni 1941 begann der deutsche Überfall auf die Sowjetunion, das „Unternehmen Barbarossa“. Dabei führte die deutsche Wehrmacht von 1941 bis 1944 einen rassebiologischen Vernichtungskrieg gegen Juden, Kriegsgefangene und die Zivilbevölkerung, dem Millionen zum Opfer fielen. Der Überfall auf die Sowjetunion wurde von der deutschen Propaganda als europäischer Kreuzzug zur Verteidigung der europäischen Kultur gegen den „jüdischen Bolschewismus“ gefeiert.  Dieser Krieg verlange ein „rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden und die restlose Beseitigung jedes aktiven und passiven Widerstandes“.  Mit diesem Aufruf zum Massenmord, sowie dem sogenannten „Kommissarbefehl“ und dem „Kriegsgerichtsbarkeitserlass“ wurden deutsche Offiziere und Mannschaften zur Ermordung aller verdächtigen sowjetischen Zivilisten ermächtigt. Im sogenannten „Generalplan Ost“ sollte eine deutsche Ordnung durchgesetzt werden. Zur Tötung vorgesehen waren vor allem die sowjetischen Kriegsgefangenen. Von den insgesamt 5,7 Millionen Gefangenen starben drei Millionen nach ihrer Gefangennahme indem sie verhungerten, erfroren, an Seuchen starben oder auf Todesmärschen erschossen wurden. 27 Millionen Sowjetbürger wurden durch den deutschen Überfall ermordet, mehr als die Hälfte davon hinter der Front, ehe es der Roten Armee gelang Auschwitz und die Sowjetunion zu befreien.  Die deutsche Wehrmacht ermöglichte nicht nur den Betrieb von Auschwitz, sie verübte darüber hinaus unzählige Massaker. Die größte einzelne Mordaktion im zweiten Weltkrieg geschah unter der Verantwortung der Wehrmacht in Babi Jar bei Kiew, bei der am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 Juden ermordet wurden. Eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Krieges gegen die Sowjetunion war die „Blockade von Leningrad„.

Vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 wurde die sowjetische Stadt Leningrad von den deutschen Soldaten der Heeresgruppe Nord belagert, von seinen maritimen Nachschubwegen abgeschnitten und einer totalen Seeblockade unterworfen.  Am 8. September 1941 schloss sich der deutsche Belagerungsring um die Stadt. Das ab Oktober 1941 einsetzende Massensterben der Leningrader war erklärtes Hauptziel der Belagerung.  Das Ziel der Deutschen war die Leningrader Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen. Wer aus der belagerten Stadt auszubrechen versuchte, wurde erschossen. Es wurden Minengürtel gelegt. Die Bevölkerung sollte durch Bombenangriffe und Artilleriefeuer zermürbt werden. Gezielt schossen die Deutschen auf Lebensmittellager, Fabriken, Krankenhäuser, Versorgungsunternehmen und Wasserwerke.

Leningrad war für Hitler nicht nur das Symbol russischer Staatlichkeit und Großmacht sondern auch die „Wiege des jüdischen Bolschewismus“. Deshalb sollte die Stadt wie Moskau nach ihrer Eroberung gänzlich zerstört werden. Franz Halder, der Chef des Generalstabs notierte zwei Wochen nach Beginn des Krieges, in seinem Tagebuch nach einer Unterredung mit Hitler: „Der feststehende Entschluss des Führers ist es, Moskau und Leningrad dem Erdboden gleichzumachen, um zu verhindern, dass Menschen darin bleiben, die wir dann im Winter ernähren müssten.“

Leningrad war neben Moskau die modernste und größte Stadt der Sowjetunion. Unmittelbar vor dem Krieg lebten dort knapp drei Millionen Menschen.  Die Leningrader waren während der Belagerung auf ständiger Nahrungssuche. Gegessen wurden beispielsweise  Klebstoff,  Tapetenkleister oder Lederwaren. Ab November 1941 gab es in Leningrad weder Katzen oder Hunde noch Ratten und Krähen. In der verhungernden Stadt brach die Strom- und Wasserversorgung zusammen. Die Wohnungen konnten mitten im Winter nicht mehr beheizt werden. Das System der Leichenabholung und Bestattung brach im Januar 1942 zusammen, Tausende von Toten blieben in den Wohnungen und Krankenhäusern liegen.   In den Milizunterlagen, die 2004 veröffentlicht wurden, wurden für das Jahr 1942 2.000 Verhaftungen wegen „Leichenfresserei“ und „Menschenfresserei“ bestätigt, schreibt Erich Später in „Der dritte Weltkrieg“. „Am 9. Dezember 1941 gelang es der Roten Armee, den Verkehrsknotenpunkt Tischwin zurückzuerobern. Damit verbesserten sich die Möglichkeiten, Leningrad über den Ladogasee zu versorgen. Als das Eis des Sees Anfang Januar endlich dick genug war, um LKWs zu tragen, konnte die Stadt allmählich besser versorgt werden. Die »Straße des Lebens« war 45 km lang, 30 km führten über den zugefrorenen See. Die deutsche Armee versuchte mit allen Mitteln, diese Lebensader zu zerstören und die Stadt weiter abzuschnüren“, so Später weiter.  Während der 900-tägigen Belagerung kamen etwa 1.100.000 LenigraderInnen ums Leben, die meisten starben an Unterernährung und Unterkühlung.  Über zwei Millionen sowjetische Soldaten starben in der längsten Schlacht des zweiten Weltkriegs und retteten Leningrad und seine Menschen vor der Vernichtung.

Weil Helmut Schmidt als Offizier an der Belagerung Lenigrads teilgenommen und sich wiederholt „kritisch“ gegenüber der israelischen Politik geäußert hat, ließ der israelische Premierminister Menachem Begin 1981 dem deutschen Kanzler ausrichten, „wer als Offizier am Vernichtungskrieg an der Ostfront teil­genommen hat, sollte zu den Problemen im Nahen Osten ein für allemal den Mund halten“. Das scheint beim ehemaligen Oberleutnant der Wehrmacht aber auf taube Ohren gestoßen zu sein, da der „beliebteste deutsche Politiker der jüngeren Geschichte“ mit  26 europäischen Ex-Politikern Ende 2010 mit einem Aufruf Israel diktieren wollte, wie es sich beim Siedlungsbau und bei der Verhin­derung der weiteren Aufrüstung im Gaza-Streifen zu verhalten habe. Helmut Schmidt, der gegen seine Partei den sogenannten Nato-Doppelbeschluss durchsetze, was in Deutschland die Stationierung atomar bestückter Mittelstreckenraketen gegen die Sowjetunion zur Folge hatte, war der Meinung, dass Deutschland keine Verantwortung für Israel habe und deshalb plädierte er mit seinem ehemaligen  Leningrad-Kameraden Richard von Weizsäcker sowie diversen SPD-Spitzenpolitikern für „Sanktionen“ und „konkrete Maßnahmen“ – nicht etwa gegen das iranische Regime oder seine Verbündeten Hamas und Hisbollah, die Israel vernichten wollen, sondern gegen den jüdischen Staat.

Kaum überraschend solidarisierten sich parteiübergreifend Politiker von Herbert Wehner bis Helmut Kohl und Medienvertreter von der FAZ bis zum Spiegel mit dem deutschen Kanzler. Als Deutscher hatte man es nicht leicht im Krieg, wie man bereits zur “Stunde Null” gerne zu sagen pflegte und vermutlich genau aus diesem Grund fühlen sich viele Deutsche zum Weltfriedensrichter verpflichtet. Antikommunismus, Judenfeindlichkeit und die Toleranz bei rechter Gewalt sind scheinbar wie Befehl, Gehorsam, Pünktlichkeit und Pflichtbewusstsein Bestandteile deutscher Sekundärtugenden. In den Zeiten der NSU Morde wird ein Zentralregister gegen Linke eingeführt und während der Iran seine Vernichtungsphantasien gegen Israel formuliert folgt die überwältigende Mehrheit der Deutschen ihrem „Lieblingskanzler“ Helmut Schmid, indem sie „Sanktionen“ und „konkrete Maßnahmen“ gegen den von antisemitischen Islamisten bedrohten Judenstaat einfordert.

Quellen:  Stephan Grigat – Postnazismus revisited: Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert – Mai 2012 | Erich Später – Der dritte Weltkrieg – Konkret 2011 | Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944 – Katalog zur Ausstellung – Hamburger Edition-1996

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5 Kommentare leave one →
  1. 8. August 2013 12:34

    “Soldatenfriedhöfe sind eine mitmenschliche Notwendigkeit. Aber warum müssen die Toten fein säuberlich getrennt nach ihrer nationalen Zugehörigkeit beerdigt werden? Sind sie nicht gleicherweise Opfer jenes imperialistischen Wahns, der in dem fürchterlichen Zweiten Weltkrieg sein Ende noch nicht gefunden hat? Sind sie nicht alle gleich tot?”

    Helmut Schmidt in der „Zeit“.
    Darum ist er so beliebt in Deutschland.

    http://www.zeit.de/2009/47/01-Volkstrauertag

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  2. RobGärt permalink
    15. August 2013 18:06

    Wehrmachtssoldat und Literaturnobelpreisträger GraSS sprach mal von 6 Millionen in sowjetischer Kriegsgefangenschaft ermordeter deutschen Soldaten.
    Geschichtsrevisionismus vom SPD-Wahlkämpfer.

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  3. 11. November 2015 10:54

    Weil Helmut Schmidt als Offizier an der Belagerung Lenigrads teilgenommen und sich wiederholt “kritisch” gegenüber der israelischen Politik geäußert hat, ließ der israelische Premierminister Menachem Begin 1981 dem deutschen Kanzler ausrichten, “wer als Offizier am Vernichtungskrieg an der Ostfront teil­genommen hat, sollte zu den Problemen im Nahen Osten ein für allemal den Mund halten”.

    Gerne gelesen.

    Gefällt 1 Person

  4. E. Palkie permalink
    11. November 2015 17:11

    Nach dem Krieg versicherte Helmut Schmidt, dass er von Anfang an gegen das Naziregime gewesen sei. Die Biographie von Sabine Pamperrien „Helmut Schmidt und der Scheißkrieg – 1918 bis 1945“ widerlegt diese Behauptung.

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