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Der Spiegel, Rudolf Augstein und die Nation

25. August 2012

Nach Ende des Krieges brachte Rudolf Augstein das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ heraus. Der Träger des Eisernen Kreuzes 2. Klasse hat die deutsche Nachkriegsgeschichte geprägt wie sonst nur die einflussreichen Politiker deren Kontrahent und Wegbegleiter er war. 1972 und 1973 saß der Nationalliberale Rudolf Augstein für die FDP, der er seit 1957 angehörte, im Bundestag. Die CDU war ihm zu bürgerlich und Adenauer bekämpfte er, weil dieser ihm nicht national und konservativ genug war. Der Weltkriegsleutnant hatte in den Anfangsjahren des „Spiegel“, neben anderen Nazi-Schergen, dem ersten Gestapo-Chef Rudolf Diels und einem engen Mitarbeiter des Leiters der Kriminalpolizei im Dritten Reich, Bernhard Wehner Posten als Ressortleiter verschafft. Diels war unter anderem für eine Massenverhaftungswelle in der Nacht des Reichstagsbrands verantwortlich, die vor allem Kommunisten und Sozialdemokraten traf. Die beiden Altnazis prägten die Line des „Spiegels“, mitunter indem sie ihre eigenen Taten in diversen Spiegel-Storys rechtfertigten. Bereits 1949 wurde Erich Mielke im „Spiegel“ als Doppelmörder „entlarvt“, eine Woche später schrieb der Gestapo-Chef Rudolf Diels seine Nazi-Rechtfertigungs-Serie „Die Nacht der langen Messer fand nicht statt„, dessen Leute aus Zeugen das Geständnis heraus folterten, das Mielke als Doppelmörder belastete. Mit „Enthüllungsjournalismus“ sollten später die „Stasi-Agenten“ Manfred Stolpe und Gregor Gysi zu Strecke gebracht werden. Gregor Gysi wurde in einer Titelgeschichte  als „Drahtzieher“ bezeichnet. In dieser „Spiegel-Titelgeschichte“ wurden alle antisemitischen Klischees zusammengetragen, um einen jüdischen Parteiführer, der im Verdacht stand, die Wiedervereinigung zu hintertreiben, als verschlagenen, unsauberen, geldgeilen und kaltintellektuellen „Winkeladvokaten“ zu präsentieren.

Bereits 1950 forderte der junge Augstein im „Spiegel“, man möge doch Kriminalbeamte mit einem SS-Rang, die ins Reichssicherheitshauptamt übernommen wurden, in den bundesdeutschen Polizeidienst aufnehmen. In den Spiegelserien dieser Zeit wurde etwa Arthur Nebe, der in der NS-Zeit Vergasungen anordnete, der Held einer 30-teiligen „Spiegel“-Serie über „Glanz und Elend der deutschen Kriminalpolizei„. Über Nebe, den Augstein für bedauernswerter als seine Opfer bemitleidete, schrieb der Spiegel-Herausgeber verständnissvoll: „Wir sind alle Nebes“. In einer anderen Spiegelserie, für die später Augstein vor den Kadi musste, regten sich die ehemaligen SS-Hauptsturmführer und damaligen Spiegel-Journalisten Georg Wolff und Horst Mahnke über die “jüdischen Kaffeeschmuggler in der BRD“ auf. Als die jüdische Kultusgemeinde dagegen klagte, schrieb Augstein über den Prozess unter Zuhilfenahme aller antijüdischen Klischees, derer er fähig war und machte anschließend  die beiden SD-Leute zu Ressortleitern seines  Deutschlandmagazins. Mahnke war während des Nationalsozialismus die rechte Hand von Franz Alfred Six, eines gerichtsnotorischen Massenmörders, was Augstein wusste, ihn aber offensichtlich nicht störte.

Als sich der Spiegel unter dem Titel „Bedingt abwehrbereit“ Sorgen um die Verteidigungsfähigkeit der BRD machte, ließ Franz Josef Strauß im Oktober 1962 Augstein und sieben andere Mitarbeiter unter Verdacht des Landesverrats festnehmen. Der Mythos von Augstein und dem demokratierehaltenden „Spiegel“ war geboren. Durch seinen Kampf gegen Strauß bekam Augstein ein vermeintliches linkes, liberales Image. Ein kurzes linkes Intermezzo gab es tatsächlich in den 1970er Jahren, mit der Revolution einiger Redaktionsleiter, die allerdings wegen ihrer Revolte entlassen wurden. Infolge dieser Revolution verschenkte Augstein 50 Prozent des Spiegels an seine Angestellten.

Rudolf Augsteins Artikel blieben durchtränkt mit nationalem Ressentiment, wie später in seinem Wiedervereinigungs-Artikel “Wir sind ein Volk”: „Die Stunde Null, von uns allen so sehnlichst herbeigefürchtet, sie ist da“. Die Alliierten müssten endlich aufhören „alle nur denkbaren Machtmittel“ einzusetzen, um „eine Neu-Vereinigung zu verhindern“, so Rudolf Augstein im „Spiegel“. Nach der sogenannten Wiedervereinigung beschwerte sich Rudolf Augstein lange vor Walser bitter über die „Auschwitz-Keule: “…Aber es dürfen sich nun nicht dieselben Leute, die uns und denen, die nach uns kommen, die Erinnerung an die Rampe von Auschwitz für immer ins Gedächtnis brennen wollen – was nach aller menschlichen Erfahrung erfolglos bleiben muß -, den Palästinensern gegenüber als “Herrenmenschen” aufführen. Ich habe längst gelernt, daß einer ein Antisemit ist, der die Politik des Staates Israel kritisiert, ich weiß es seit dem Sechstagekrieg im Jahre 1967. Doch lasse ich mich trotzdem nicht davon abbringen, daß der Tod eines jüdischen Kindes, einer jüdischen Frau, eines jüdischen Mannes nicht mehr ins Gewicht fällt als der Tod eines arabischen Kindes, einer arabischen Frau, eines arabischen Mannes.“

Rudolf Augstein und der „Spiegel“ hatten mit Juden im Allgemeinen und mit Israel im Besonderen ein offensichtliches Problem. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges und unter dem Eindruck des israelischen Libanon-Feldzugs schrieb Augstein 1982 im Spiegel Nr. 29 was ansonsten an jedem antisemitischen Stammtisch zu hören war: „An die 40 Kilometer Pufferzone im Libanon hätten die Europäer, und namentlich die Deutschen, den Israelis aus schlechtem Gewissen noch gutgebracht. Sie haben ja nichts zu sagen, ich weiß, aber sie werden ja schließlich dafür zur Kasse gebeten.“

War es auch Schuldabwehrantisemitismus, war es Erinnerungsabwehr  als Börnepreisträger Augstein im „Spiegel“ schrieb: “Was hätte ein Nicht-Nazi denn tun können? Er hätte als ein Held und Heiliger das tun können, was die Opfer selbst auch nicht getan haben, die Helden und Heiligen immer ausgenommen. Er hätte sich für seinen biblisch Nächsten opfern können, mit seinem Leben. Das haben die Deutschen, das haben die Juden nicht getan. Kein moralischer Unterschied also zwischen der schweigenden Mehrheit der Deutschen und der schweigenden Mehrheit der Juden“?

Inwieweit antisemitische Klischees im „Deutschlandmagazin“ eine Rolle spielten hat Rolf Behrens in seinem Buch „Raketen gegen Steinewerfer“ – die Berichterstattung des Spiegels bezüglich Israels in dem Zeitraum der Intifada von 1987 – 1992 und der „Al-Aqusa-Intifada“ von 2000-2002 untersucht. In diesen 345 Artikeln des „Spiegels“ wird der Staat Israel stereotyp als brutaler, expansiver und rassistischer Staat voller Missstände dargestellt, dessen Gesellschaft innerlich zerrissen sei und sich im Niedergang befinde. Der Spiegel überschreite vielfach die Grenze die legitime Israel-Kritik und Antisemitismus trennt. Die Israel-Berichterstattung des „Spiegel“ ist im untersuchten Zeitraum unabhängig von den Fakten von auffälligen immer wiederkehrenden Stereotypen bestimmt. Beispielsweise hätten die Juden eine Religion der Rache, während die islamische Religion schon immer tolerant gewesen sei. Insgesamt 269 Stereotype wurden bei der Untersuchung erhoben. Bei der Untersuchung auf antisemitische Ideologeme wurden von Rolf Behrens 21 Fälle bezüglich „typisch jüdischem“ Wesen oder Aussehen (Beispiel: „die traditionelle jüdische Unfähigkeit, Realitäten zu akzeptieren“), 20 Fälle von Vergleichen zwischen Israel und dem Nationalsozialismus (Beispiel:„Was die Deutschen getan haben, war etwas ganz Übles. Aber wir können uns nicht erinnern, dass sie auf die Straße gegangen wären, um Leuten die Arme und Beine zu brechen“) dokumentiert. Außerdem wurde den israelischen Politikern acht Mal unterstellt sie nutzten den Holocaust für ihre Zwecke aus und in 13 Fällen wurden Hinweise auf eine jüdische Weltverschwörung konstruiert.

Der ehemalige Spiegel-Redakteur Hellmuth Karasek wurde mit der Studie konfrontiert und antwortete auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung warum er Mitte der 8oer Jahre bestritten habe, der Spiegel sei antisemitisch: „Ich habe mich eben getäuscht. Wir waren blind damals“.

Stets stellte der Spiegel das Scheitern des Zionismus fest und den Fortbestand des Judenstaates in Frage. So schreibt Rudolf Augstein beispielsweise in Ausgabe 11/1988: „Man wird dem Faschismusforscher Ernst Nolte recht geben müssen (…), der schon 1978 von einem „Scheitern“ der großen Ideologie des Zionismus schrieb“. 2002 veröffentlicht Reuwen Moskowitz seinen Text „Israel am Abgrund“ im Spiegel und schreibt: „So malen manche Intellektuelle jetzt das schreckliche Szenario eines Untergangs Israels an die Wand: In einer Welt des wachsenden islamischen Fundamentalismus und der arabischen Frustration durch die stets ungeheure israelische Überlegenheit kann Israel nicht überleben.“

Rudolf Augstein prophezeite regelmäßig einen von Israel ausgelösten „ebenso entsetzlichen, wie in seinen Auswirkungen unüberschaubaren Krieg“. Israel drohe sich selbst durch einen moralischen Verfall der Gesellschaft zu zerstören, so die stereotype Behauptung im Spiegel. In der Ausgabe 6/1989 schreibt Swee Chai Ang in „Die brutale Unterdrückung des Palästinenseraufstandes durch Israels Armee“:Israel, ein Land, das ich mein Leben lang geliebt und geachtet hatte, war plötzlich zu einem erbarmungslosen Ungeheuer geworden.“ Kaum ein Text kommt ohne feststehende und bewertende Vorstellungsbilder aus, die den vorgefassten Meinungen von Journalisten und Lesern entsprechen (Mittelwert: 0,96 Stereotype pro Artikel).

Juden werden im Spiegel als rachsüchtig dargestellt, dazu passt die oft wiederholte Darstellung, das israelische Militär wende grundlos Gewalt an. Die israelischen Soldaten werden als blutrünstige Mörder dargestellt, die Unschuldige auf grausame Art quälen und töten. So berichtet der Spiegel von einem palästinensischen Jungen, dem israelische Soldaten etwas zugeworfen hätten, das „wie dunkle Schokoladenstücke“ ausgesehen habe. Als er den Gegenstand aufgehoben habe, sei ihm eine Stichflamme ins Gesicht geschossen und habe ihm Haut und Haar verbrannt. Im „Spiegel“ 50/1988 steht: „Für die Ärzte und das Pflegepersonal (…) besteht kein Zweifel: Die israelischen Besatzer hätten sich eine neue teuflische Waffe einfallen lassen, um die Bevölkerung der besetzten Gebiete zu terrorisieren“. Israels Armee erscheint im Spiegel als aggressive Streitmacht, die grundlos und unangemessen exzessive Gewalt ausübt. Diesen Eindruck nährt ein charakteristisches Berichterstattungsmuster des Magazins: In den untersuchten Artikeln werden extrem selten Hintergründe zu Israels Kriegen genannt. Insgesamt 23-mal werden die Waffengänge ohne Nennung von Ursachen erwähnt, in nur drei Fällen werden überhaupt, allerdings lückenhaft und tendenziös, Erklärungen für den Ausbruch und/oder die Resultate eines Krieges genannt.  So heißt es im Spiegel 3/2.001: „Als der Spross einer armenischen Familie 1950 in der Altstadt geboren wurde, gab es dort keine Juden. Die ersten Israelis, die Aghassarian kennen lernte, waren die Soldaten, die 1967 die Altstadt eroberten“. Der „Spiegel“ verschweigt, warum es 1950 in der Jerusalemer Altstadt keine Juden gab: Sie waren zwei Jahre zuvor nach jahrhundertelanger, ununterbrochener Präsenz von jordanischen Truppen vertrieben worden.

Insgesamt 17-mal wird der für die heutige Situation maßgebliche Sechstagekrieg ohne Nennung von Gründen und Anlass erwähnt. In der Titelgeschichte unter der Überschrift „Auge um Auge. Der biblische Krieg“, die im April 2002, während Israels Militäroffensive in der Westbank, beschreibt das Magazin den Sechstagekrieg als israelischen Angriffskrieg, der von Israel mit ausdrücklicher Expansionsabsicht geführt worden sei. Dass Ägypten Anfang Juni 1967 die Zufahrt zu Israels Hafen Eilat blockierte, 100 000 Soldaten, 1000 Panzer und 500 Artillerie-Geschütze auf die Sinai-Halbinsel nahe Israels Grenze verlegte, Ägyptens Präsident Nasser ankündigte, dieses Mal werde Israel vernichtet, und Truppen aus Jordanien, Syrien und dem Irak Israel in einer Überzahl von 3: 1 an allen Grenzen umzingelten, schreibt der Spiegel nicht. Über alle untersuchten Jahre erzeugte der Spiegel vor allem das Feindbild des Ministerpräsidenten Arik Scharon nicht nur mit Bezeichnungen wie „Superfalke“, „Schlächter“, „nationalistischer Demagoge“.

Jakob Augstein vertritt nach dem Tod von Rudolf Augstein als alleinvertretungsberechtigter Dauertestamentsvollstrecker in der Gesellschafterversammlung des Spiegel-Verlags den Anteil der Familie Augstein und bestimmt so den zukünftigen Weg des „Spiegels“ mit. Am 06.04.2012 stimmt Jakob Augstein in seiner Spiegel-Online-Kolumne Es musste gesagt werden dem antisemitischen Gedicht von Günter Grass zu: “Sie bezeichnen eine Zäsur. Es ist dieser eine Satz, hinter den wir künftig nicht mehr zurückkommen: “Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.” Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist. Und weil ein Deutscher ihn sagt, ein Schriftsteller, ein Nobelpreisträger, weil Günter Grass ihn sagt. Darin liegt ein Einschnitt. Dafür muss man Grass danken. Er hat es auf sich genommen, diesen Satz für uns alle auszusprechen.” Zwei Monate später am 04.06.2012 bringt Jakob Augstein die Nicht–Rettung von Schlecker direkt mit deutschen Rüstungsgeschäften mit Israel in Verbindung “Schlecker-Frauen” als Opfer der israelischen Atompolitik. Außerdem gibt Jakob Augstein die antizionistische Wochenzeitung „derFreitag“ heraus.

Bei aller Kritik gab es auch wenige Lichtblicke im Deutschlandmagazin. Henryk M. Broders Artikel sollten scheinbar das antisemitische Image des Magazins verwischen und so konnten einige entgegengesetzte Artikel platziert werden, bis Broder seine Schuldigkeit getan hatte und nichts mehr im „Spiegel“ publizierte. Ein Highlight war zweifellos der Broder-Artikel “Einigkeit und Recht und Gaza“, in dem er die nationale Selbstfindung in der Resolution des Bundestages zur Lage in Gaza erkannte.

Der Spiegel ist als meistzitiertes Medium erwiesenermaßen der wichtigste Meinungsführer und Themensetzer in der deutschen Presse- und Rundfunklandschaft. Weit über zwei Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung ist israelfeindlich eingestellt, was viele Umfragen belegen, neben dem weitverbreiteten sekundären Antisemitismus dokumentiert die Studie von Rolf Behrens ein weiteres Erklärungsmuster für diesen Zustand. Ein „liberales, im Zweifel linkes Blatt“, wie Rudolf Augstein ihn einst genannt hat, war der „Spiegel“ nie, sondern immer nur das Stimmungsbarometer des analphabetisierten, antisemitischen, wiedernationalisierten Kleinbürgertums.

Quellen: Otto Köhler – Rudolf Augstein Ein Leben für Deutschland, Rolf Behrens – „Raketen gegen Steinewerfer“ Das Bild Israels im Spiegel

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42 Kommentare leave one →
  1. 25. August 2012 19:02

    Also ich bin ja eigentlich kein Fan von Karasek, aber wenn er auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung warum er Mitte der 8oer Jahre bestritten habe, der Spiegel sei antisemitisch sagt: “Ich habe mich eben getäuscht. Wir waren blind damals”, dann macht ihn das erstens sympathisch und zweitest heißt das schon was.

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  2. 25. August 2012 23:18

    Für die FDP seit ´57: ja, da war sie noch sehr national, die liberale Honoratiorenpartei. Gab es da schon den rechtsliberalen Flügel, also die linksliberale Positionen eines Baum, einer Hamm-Brücher? Ich glaube nicht.
    Über die personelle Besetzung der frühen Spiegelredaktionen hat die Konkret immer wieder berichtet, aber zur Kenntnis kam das doch nur den sowieso der Aufklärung Zugewandten. Meistens gingen solche Berichte, die eigentlich regelmäßig einen Skandal hätten provozieren müssen, am Arsch der Restmedien vorbei.
    Wie der Spiegel des Rudolf Augstein es geschafft hat, sich ein eher linkes oder doch linksliberales Image zu verschaffen, ist mir absolut schleierhaft. Ich weiß aber, daß viele Alphabeten dennoch nicht lesen können noch wissen wollen.
    Seit der Wiedervereinigung lese ich den Spiegel nicht mehr, jedenfalls nicht mehr als ganze Zeitschrift, im Print sowieso nicht mehr und also fast nur noch auf (negativen) Zuruf. – Ein akademischer Lehrer hat mir mal gezeigt, wie er den Spiegel liest. Der war gerade in der Post, sagte er, er müsse kurz durchgucken, blätterte die Seiten etwa zwei Minuten weg und warf das abonnierte Blatt in den Papierkorb.
    Ein Vorbild!

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    • 25. August 2012 23:29

      Das Buch von Behrens, das feststellt: „[Im Spiegel] wird der Staat Israel stereotyp als brutaler, expansiver und rassistischer Staat voller Missstände dargestellt, dessen Gesellschaft innerlich zerrissen sei und sich im Niedergang befinde.“ Ich glaube das blank, daß es so ist, und würde aufgrund meiner Leseerfahrung auch nichts anderes erwarten. Das wäre ja auch Unsinn bei aller kritischen Theorie.

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    • mentalpunker permalink
      25. August 2012 23:34

      Gibt es da nicht dieses gefälschte Foto, das beweisen sollte, daß Augstein mit Dutschke auf einem Podium sympathisch-kritisch im Zuge der 68er mitdiskutiert? – Da macht sich der Spiegel nochmals zum aktuellen Mainstreammedien. Wie immer.

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      • Erich Gengerke permalink
        28. August 2012 18:40

        „Gibt es da nicht dieses gefälschte Foto, das beweisen sollte, daß Augstein mit Dutschke auf einem Podium sympathisch-kritisch im Zuge der 68er mitdiskutiert?“

        @mentalpunker

        Vielleicht darf ich Ihnen zu Ihrem Kommentar ein wenig Doku-Material an die Hand geben.

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      • mentalpunker permalink
        29. August 2012 11:56

        Ja, das erinnert mich: Auf einem Foto im Der Spiegel sitzen Augstein und Dutschke nebeneinander auf dem Podium, so wie oben verlinkt; bloß hat Der Spiegel das Transparent oben weggeschnitten, worauf sinngemäß zu lesen ist: Spiegel lügt! (Ich suche noch einen Beleg.)

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      • 29. August 2012 15:03

        Von der „Bild am Montag“ bis zur „Bild am Freitag“ und alle ham sie ihre nützlichen Idioten, die sie kaufen und mitmachen, die ungelernten Blödmannsgehilfenanwärter, Mitmachen wollt ich nie.

        Eua Erwin

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      • 30. August 2012 09:13

        Klasse Antwort die der mentalpunker dem Erich Gengerke an die Hand geben hat.

        Ich finde es prima, dass hier in MI so viel zur Aufklärung beigetragen wird, in unserer medienbeherrschten Welt.

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        • Erich Gengerke permalink
          6. September 2012 20:13

          @fidelche

          >Klasse Antwort die der mentalpunker dem Erich Gengerke an die Hand geben hat….bloß hat Der Spiegel das Transparent oben weggeschnitten, worauf sinngemäß zu lesen ist: Spiegel lügt! (Ich suche noch einen Beleg.)<

          Die Veranstaltung fand übrigens im Hamburger Audimax statt. Ich kann mich noch recht gut erinnern.

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    • 26. August 2012 18:01

      Stimmt, die FDP war 57 sehr national. Das ist noch milde ausgedrückt. Stimmt auch, mit der Wiedervereinigung hat Augstein alle letzten Skrupel der 70er Jahre verloren. Siehe Augsteins Zitate aus der Zeit.

      Jedenfalls mach sein Sohn Jakob in seinem Sinne weiter wie es scheint. Vielleicht sogar noch eine Stufe extremer. Auf die Idee mit den „Schleckerfrauen“ wäre vermutlich nicht mal Rudolf gekommen.

      Aus meiner Sicht wollten/wollen beide, Rudolf und Jakob nicht aufklären und progressiv verändern, sondern die alten Ressentiments die alten Zustände weiterleben lassen und sogar verstärken. Regression statt Fortschritt war und ist die Devise. Diese Bourgeoisie ist erzkonservativ und national.

      Warum sollten sie auch was verändern wollen, so ohne theoretisches, sozialistisches Fundament? Warum sollte Augstein aus dem „Spiegel“ oder aus dem „Freitag“ ein linkes, fortschrittliches, humanistisches Blatt machen?

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  3. MEMO permalink
    26. August 2012 11:15

    Also wenn ich mir alte Reden der Bundestagsparteien aus den 1960ern +/- 10 Jahre ansehe/höre, fährt mir grundsätzlich der Schreck in die Glieder. Die Art zu sprechen, die Wortwahl – all das ist national, bezieht sich und entnimmt aus dem Vokabular des Dritten Reiches und der Zeit davor. Das ist auch durchaus kritikwürdig und zeigt, wie schwierig ein sich davon entfernen ist – vom Jahrzehnte lang Erlernten. Gleiches zeigt sich auch mit Blick auf die Ex-DDR, die in der Rettung faschistoider Gesellschaftsideale ganze Arbeit geleistet und die Gesellschaft dahingehend noch viele Jahrzehnte indoktrinierte. Zu dieser Betrachtung gehört aber auch der differenzierte Blick darauf, welche Entwicklung seit dem stattgefunden hat und – ja – natürlich auch, welche nicht. Spannend wird es aber erst in den jüngeren Generationen. Zwar sind diese vom manipulierten Denken ihrer Eltern vordergründig emanzipiert, doch schwingt immer noch Einiges mit. Aber auch hier wird es fraglich. Schwingt wirklich überkommenes Denken mit oder handelt es sich um einen allzu menschlichen Reflex, in immer wieder die gleichen Fallen zu tappen? Ist dem so, wäre die Frage nach der Vermeidung zu stellen, also einer wirklichen Emanzipation davon, einer Weiterentwicklung.

    Und sonst so? Natürlich ist der Spiegel ein Mainstreammedium – was soll er bei der Auflagenhöhe denn sonst sein? Gleiches gilt für die opportunistische Zeit oder auch die Welt als neoliberaler Antagonist. Für all diese Blätter – selbst den Freitag und das ND ist der Mainstream letzlich die Verheißung monetären Glücks, was eben auch ihrem wirtschaftlichen Ziel geschuldet ist. Zudem wäre es durchaus ratsam, einen generellen Blick auf die Medienlandschaft zu werfen. Wieviel Unterschied ist denn überhaupt noch zu entdecken? Oder anders herum gefragt – was ist noch nicht Holzbrinck oder gehört zu einem anderen Monolithen der Meinungsmaschinerie? Wir erleben einen sich immer weiter verstärkenden Gleichschaltungsprozess auf der Basis von Aufkäufen/Zusammenschlüssen. Wie kann es da etwas anderes als den Mainstream geben?

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    • MEMO permalink
      26. August 2012 11:21

      Nachtrag

      Es gab eine Zeit, da funktionierte das Bild eines Mediums und seine Akzenptanz über den Unterschied zu den anderen Blättern. Es definierte sich über eine eigene Haltung, eigene Recherche und einen investigativen Ansatz, um sich abzuheben.

      Heute funktioniert ein Großteil der Medien nur noch über ein „me too“, weil Redaktionen zusammengefasst werden, redaktionelle Tätigkeit sich oftmals in der Paraphrasierung von DPA-Tickern erschöpft und eine wirklich eigene Haltung viel zu riskant wäre.

      Tja.

      Aus diesem Grund habe ich seit 3 Jahren keine einzige gedruckte Zeitung mehr erworben und werde das auch zukünftig nicht tun, sofern sich hier nichts ändert. Jack Trout schrieb einmal in Bezug auf das „Erfolgreich sein“: Differenzieren oder verlieren. Damit hatte er vollkommen Recht und eben wegen dieser fehlenden Differenz sehe ich auch keinen Grund mehr, eine Zeitung oder ein gedrucktes (Politik/Gesellschafts)-Magazin mehr zu erwerben.

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    • 26. August 2012 17:40

      Zustimmung, was du über die Medienlandschaft schreibst. Klar in erster Linie wollen alle Geld verdienen und deshalb schreiben sie das was die Leser lesen wollen. Vor einiger Zeit hast du sinngemäß geschrieben meine verbissene Kritik am „Freitag“ wäre sinnlos, da diese Zeitung eh keine Breitenwirkung hat, was richtig ist.

      Der Spiegel hat sehr wohl eine Breitenwirkung, ist sicherlich der wichtigste Meinungsführer in Deutschland. Wenn nun der wichtigste Meinungsführer extrem israelkritisch bis antisemitisch ist, was die Studie von Rolf Behrens beweist, dann hat das auch Auswirkungen auf die Leserschaft und somit auf die Gesellschaft.

      Wenn Augstein Nazischergen zu seinen Ressortleitern macht, wenn er fünf Jahre nach Auschwitz im Spiegel gegen jüdische Kaffeschmuggler hetzen lässt, dann ist es auch naheliegend, dass er ein Problem mit Juden hat und dementsprechend über den Judensaat berichtet oder berichten lässt.

      Mir ging es darum aufzuzeigen, dass der Spiegel kein “liberales, im Zweifel linkes Blatt” ist und dass der Antisemitismus und die Israelfeindschaft in unserer Gesellschaft seine Gründe auch in unserer Medienlandschaft haben. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Jakob Augstein der Verleger des „Freitags“ ist.

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      • MEMO permalink
        26. August 2012 17:58

        Ok, dennoch würde ich die Zeitschine beachten. Augstein sen. „machte“ diese Leute zu Ressort-Leitern, nicht „macht“. Das ist alles schon ein Weilchen her. Das Augstein junior Verleger des Freitag ist, hat vermutlich salonlinks-motivierte oder sozialromantische Gründe. Ich denke nicht, dass der Grund darin zu finden ist, dass er seinen Vater kopieren will. Dazu fehlt ihm ganz aug-einscheinlich auch das Talent, wie die Entwicklung des Freitag zeigt. Das die Berichterstattung über Israel mehr als fahrlässig einseitig ist – keine Frage. Das lässt sich kaum unter den Teppich kehren, auch, wenn unter der fliegenden Variante retativ viel Platz ist.

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      • 26. August 2012 18:32

        Klar ist das eine Weile her. Rudolf Augstein ist jedenfalls Rechtsaußen gestartet und hat sich nicht sehr weit in die linke Richtung bewegt. Durch die Umstände der Zeit (Mehr Demokratie wagen) gab es für eine sehr kurze linksliberale Zeit im Spiegel.

        Näher bei uns in der Zeitachse und sehr entscheidend für mich, ist die Studie von Rolf Behrens. Mit dieser Studie wird der Antisemitismus des Spiegels zumindest in dem Zeitraum von 1987 – 1992 und 2000-2002 belegt. Wenn ich die Kriterien und die wissenschaftlichen Methoden von Rolf Behrens bei Jakob Augsteins „Freitag“ anlegen würde, dann könnte ich sehr leicht ein bedeutend eindeutigeres Ergebnis vorlegen als dies Rolf Behrens gelang. Mir ist klar, dass ich damit die Antizionisten des „Freitags“ nicht überzeugen könnte, denn auch mit Wissenschaft lassen sich die Freitagsavantgardisten vermutlich nicht von ihrem Wahn abbringen, reizen würde es mich trotzdem sehr.

        Beim fehlenden Talent von Jakob Augstein stimme ich dir zu,da war ihm sein Vater weit voraus, bei aller Kritik an Rudolf Augstein.

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      • 26. August 2012 22:22

        „Die Geschichte aller bisherigen Mainstream- und Gegenöffentlichkeitsmedien ist eine Analogie der Geschichte der Klassenkämpfe.“ (Freund Karl in seinen Gedanken zu konkreten Paralleluniversen)

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      • 26. August 2012 22:31

        Oder mal doch Marx genau, aus dem achtzehnten Brumaire:
        „Die Menschen (Medien) machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie (Menschen/Medien) eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen.“ – Und wen und was und welche Sprache sich Augstein alles geborgt hat, steht ja oben im Artikel …

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  4. 26. August 2012 12:14

    Gerne lese ich hier seit einer Weile aufmerksam mit und lerne dabei fortwährend dazu. Viele Begebenheiten aus der „Urzeit“ des Spiegels waren mir unbekannt. Die Israelfeindlichkeit des Spiegels, die beschwichtigende und nachlässige Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Unterschied zur Hexenjagd gegen vermeintliche Stasispitzel dagegen nicht.

    Das vernichtende Ergebnis was die Nahostberichterstattung des Spiegels anbelangt trifft notabene vermutlich auch auf die Süddeutsche Zeitung zu.

    Die „Al-Aqsa-Intifada“ hat ab 2000 zu einer Verschärfung des Kritik-Tons in den deutschen Medien insgesamt geführt. Nach der Arafats Ablehnung der Clinton-Barak-Vorschläge transportierten die deutschen Medien überwiegend ein einseitiges antiisraelisches Bild: Israel war für die „Besatzung“ an den Pranger zu stellen und die arabischen Terroristen waren ohne Rücksicht auf die Realitäten eben keine Terroristen mehr. Welche Rolle der „sekundäre“ Schuldabwehr-Antisemitismus der nicht-jüdischen Deutschen spielte, die sich durch maßlose Vergleiche zwischen Israel und Hitlerdeutschland vielleicht entlastet fühlen wollten sei dahingestellt.

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    • 26. August 2012 17:47

      Richtig, die Süddeutsche Zeitung gehört neben dem Spiegel zu den Meinungsführern in der deutschen Medienlandschaft und die SZ ist vermutlich noch israelkritischer als der Spiegel. Es ist kein Zufall, dass Katajun Amirpur ihre Beschwichtigung vom Übersetzungsfehler Ahmadinejads in der SZ veröffentlichte.
      Nach der „Al-Aqsa-Intifada“, nach der deutschen Wiedervereinigung und nach dem zweiten Irak-Krieg kam es zu Verschärfungen in der deutschen Berichterstattung gegen Israel.

      Der sekundäre“ Schuldabwehr-Antisemitismus spielt aus meiner Sicht die größte Rolle in Deutschland.

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  5. 27. August 2012 11:09

    Die Zitate im Spiegel sind ein wahres Feuerwerk an Judenfeindlichkeit. In der Antisemitismus-Skala ganz oben steht für mich folgende Aussage: „Was die Deutschen getan haben, war etwas ganz Übles. Aber wir können uns nicht erinnern, dass sie auf die Straße gegangen wären, um Leuten die Arme und Beine zu brechen“

    Ich füge ein weiteres Schuldabwehrzitat hinzu: Rudolf Augstein schrieb im Spiegel 1998 zur Mahnmaldiskussion:

    „Es hilft nichts. Wir, die Zeitgenossen, können nicht vergessen, was zwischen 1933 und 1945 geschehen ist und was wir uns nach dem Krieg in einem schmerzhaften Prozeß aneignen mußten. In uns, die wir von der „Endlösung“ nichts wußten, sträubte sich alles, und es dauerte, bis wir uns als Deutsche zu der Erkenntnis durchringen konnten, daß ein einmaliges Verbrechen geschehen war. Helmut Schmidt, ehemals Oberleutnant im Luftfahrtministerium Hitlers, heute fast 80 Jahre alt, bekannte, er habe von den Verbrechen und der Judenvernichtung erst nach dem Krieg erfahren.

    Nun soll in der Mitte der wiedergewonnenen Hauptstadt Berlin ein Mahnmal an unsere fortwährende Schande erinnern. Anderen Nationen wäre ein solcher Umgang mit ihrer Vergangenheit fremd. Man ahnt, daß dieses Schandmal gegen die Hauptstadt und das in Berlin sich neu formierende Deutschland gerichtet ist. Man wird es aber nicht wagen, so sehr die Muskeln auch schwellen, mit Rücksicht auf die New Yorker Presse und die Haifische im Anwaltsgewand, die Mitte Berlins freizuhalten von solch einer Monstrosität.“

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-7085973.html

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  6. 28. August 2012 12:34

    Mannomann, diese Studie von Rolf Behrens belegt eindeutich und wissenschaftlich den Antisemitismus von Augsteins Spiegel. Der Hellmuth Karasek hat dat auch noch an prominenta Stelle zugegeben. Dat is schon ein Ding.

    Wenn da Spiegel antisemitisch ist, wat ist dann da „Freitag“ von dem Jakob Augstein?

    Muss da wirklich noch erst eine Studie gemacht werden oda reichen die Artikel da Freitag-Avantgardisten und da Freitag-Redakteure und die Villa im Tessin, wat wir hier alles bei da Mission Impossible lesen haben können?

    Gibt es eigentlich eine Steigerung zu „antisemitische Zeitung“?

    Dat frach ich mich wirklich!

    Tschüssikowski und viele ganz liebe Grüße
    Eua Erwin aus Wanne Eickel

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    • 28. August 2012 14:04

      Mensch Erwin,
      danke für diese klaren und guten Gedanken. Wir Bayern wären nicht auf die Frage gekommen ob es eine Steigerung von Antisemitismus gibt. Wenn der Spiegel, wie Karasek indirekt bestätigt hat, antisemitisch ist, was ist dann der Freitag?

      Im Spiegel hat immerhin Broder Artikel wie “Einigkeit und Recht und Gaza“ veröffentlichen dürfen, was in Augsteins „Freitag“ ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre.

      Im Spiegel hat soweit ich weiß kein Redakteur vom „Paria-Staat“ Israel gesprochen und im Spiegel hat man soweit ich weiß keine Sätze wie, „.. die Lage wurde von zionistischen Schlächtern absichtsvoll und systematisch herbei geführt, viele von ihnen haben sich dazu bekannt. Die Errichtung des KZ Gaza zementierte diese Lage noch einmal…“ oder “Wenn ein Terrorist eine Bombe auf einen israelischen Bus schmeißt, wird er keine Unschuldigen treffen” lesen können.

      So gesehen ist deine Frage sehr berechtigt.

      Vielen Dank für deine Gedanken und viele Grüße an deine Erna

      Dein Breitenberger

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  7. 1. September 2012 12:22

    Zur empirischen Untersuchung schreibt Rolf Behrens einführend in „Raketen gegen Steinewerfeer“ zur qualitativen Inhaltsanalyse:

    „Die qualitative Inhaltsanalyse ist für die Ermittlung von Nationenbildern sinnvoll und für nachvollziehbare, umfassende Aussagen unerlässlich. Die in Kapitel 6.1.1 vorgestellte quantitative Inhaltsanalyse ist zwar in der Lage, die Häufigkeiten grundsätzlicher Daten zu erheben, die Beziehungen zwischen einzelnen Variablen zu verdeutlichen und einen Einblick in inhaltliche Merkmale von Aussagen zu geben.

    Jedoch mangelt es der quantitativen Untersuchung an analytischer Schärfe. Speziell bei zwei Fragestellungen ist ohne eine qualitative Vorgehensweise eine valide Aussage nicht zu leisten: Zum einen erschließen sich Stereotype und ihre Bedeutung meist erst aus dem Kontext einer Aussage. So kann es sein, dass ein Text zwar Stereotype enthält, es muss sich deshalb aber noch nicht unbedingt um eine Berichterstattung handeln, die wegen unzulässiger Vereinfachungen zu bemängeln wäre. Denn es ist durchaus möglich, dass in einem solchen Artikel Stereotype zwar genannt, aber gleichzeitig konterkariert, kritisiert oder gar aufgelöst werden.

    Zum anderen kann der schwer wiegende Vorwurf des Antisemitismus nicht durch eine rein quantitative Untersuchung bestätigt oder zurückgewiesen werden. So gilt zunächst für antisemitische Ideologeme die gleiche Argumentation wie oben für Stereotype. Generell sollen in dieser Arbeit mögliche antisemitische Begriffe und Argumentationsweisen stets präzise benannt werden — mit Textstellen, Absendern und Kontext etwaiger Ideologeme.
    Ziel der qualitativen Analyse ist es demnach in erster Linie, Stereotypen und eventuelle antisemitische Ideologeme in ihrem Wortlaut und Kontext zu untersuchen. Darüber hinaus ermöglicht nur eine qualitative Vorgehensweise eine Aussage über die Ausgewogenheit der untersuchten Artikel: Dabei soll beispielsweise geprüft werden, ob das journalistische Prinzip der Nennung von Meinung und Gegenmeinung greift. Ferner können auch Bewertungen in den Texten nur durch eine qualitative Vorgehensweise valide untersucht und in der Auswertung veranschaulicht werden.

    Bei der Erhebung von Stereotypen, antisemitischen Ideologemen und Bewertungen ist in der Untersuchung das sogenannte „hostile media phenomenon“ zu Problematisieren. Dieser Begriff bezeichnet die Erscheinung, dass die Meinung der Medien stets gegenteilig zur eigenen Position verstanden werde. Die verzerrte Wahrnehmung eines Gegenstandes kann dementsprechend zu einer selektiven Evaluation führen. Generell gilt: Je mehr Kenntnisse ein Individuum zu einem Thema hat, desto eher werden Medieninhalte als gegen den eigenen Standpunkt gerichtet aufgefasst (Kunczik 1990: 44f.).

    Dieses Phänomen ist bei der Durchführung der Inhaltsanalyse zu bedenken, stellt jedoch keinen Hinderungsgrund für die Verwirklichung des Forschungsvorhabens dar — so lange sich der Untersuchende der Problematik bewusst ist.

    In Hinblick auf Effizienz, Transparenz, Validität und intersubjektive Nachvollziehbarkeit der empirischen Untersuchung wurde vor Beginn der Analyse sowohl ein Pretest als auch eine Intercoderreliabilitäts-Prüfung durchgeführt. So wurden die Kriterien für die quantitative und qualitative Inhaltsanalyse festgelegt und das Codebook sowie die Schlüsselpläne bis zu ihrer endgültigen Form überarbeitet.“

    Kurz gesagt, die wissenschaftliche Untersuchung des Spiegels hat Hand und Fuß.

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  8. 1. September 2012 12:25

    Otto Köhler schreibt am Ende seines Buches „Rudolf Augstein – Ein Leben für Deutschland“:

    „Es gab eine Chance für einen anderen Augstein, für einen anderen Spiegel, bevor noch die erste Nummer erschienen war. Im Herbst 1946 wurde Hans Mayer, damals Chefredakteur für Politik und Nachrichten bei Radio Frankfurt in der US-Zone — 1948 zog er sich resignierend auf einen Lehrstuhl für Literaturgeschichte in Leipzig zurück —, von den englischen Militärbehörden nach Lüneburg eingeladen. Er traf dort auf Landsleute, die ihn offensichtlich nicht mochten. Gefühle, die er erwiderte: »Ich war als Emigrant zurückgekehrt und fragte mich bei jeder Begegnung, wem ich da eigentlich die Hand gebe.« In Lüneburg waren es »meist junge Leute, ganz unähnlich dem Typ, den sich amerikanische Kontrolloffiziere auszusuchen pflegten«.

    Ein Mr. Chaloner sagte ihm, worum es ging, um ein Vorgespräch für die Gründung eines neuen Magazins nach der Art von Time in den USA. Mayer erzählt:

    »Ein junger blonder Mann, sehr gescheit offensichtlich, wurde mit mir bekannt gemacht: der sollte das Blatt herausgeben, wenn möglich zusammen mit mir. Wir verbrachten die Zeit bis zu meiner Abreise mit höflichem und gequältem Gespräch.«

    Im Frühjahr 1961 auf der gemeinsamen Tagung der beiden deutschen PEN-Zentren aus Ost und aus West in Hamburg, kam Augstein auf ihn zu: »Erinnern Sie sich noch an Lüneburg?« — »Damals habe ich mein Glück verspielt«, meinte Mayer lachend, »sonst wäre ich heute ein reicher Mann.« Augstein erwiderte höflich und höhnisch: »Und wir hätten ein literarisch hochstehendes Blatt.«

    Mayer in seinen Erinnerungen: »Für mich steht fest: es wäre nicht gegangen. Ich nehme an, dass der Partner genauso gedacht hat in Lüneburg. Trotzdem: Es war die große Chance.«

    Mayer ahnte nicht, wie recht er hatte, als er dies schrieb. Es wäre eine Chance für uns alle, für dieses Land gewesen, wenn nicht die Diels, die Mahnke und die Wolff, die Herren von Gestapo und aus dem Reichssicherheitshauptamt den noch leicht beeinflussbaren jungen Augstein geformt hätten, sondern ein Hans Mayer — was für ein Spiegel wäre daraus geworden.“

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    • 1. September 2012 15:38

      Hans Mayer – was für eine Biographie. Hab grad noch mal den Wiki-Eintrag gelesen. – – –
      »Ich war als Emigrant zurückgekehrt und fragte mich bei jeder Begegnung, wem ich da eigentlich die Hand gebe.«

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    • 2. September 2012 16:37

      „Es wäre eine Chance für uns alle, für dieses Land gewesen, wenn nicht die Diels, die Mahnke und die Wolff, die Herren von Gestapo und aus dem Reichssicherheitshauptamt den noch leicht beeinflussbaren jungen Augstein geformt hätten, sondern ein Hans Mayer — was für ein Spiegel wäre daraus geworden.”

      Die Chance hat Rudolf Augstein vergeben, wie so manch anderer „..“ auch.

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    • 4. September 2012 17:01

      „….die Herren von Gestapo und aus dem Reichssicherheitshauptamt den noch leicht beeinflussbaren jungen Augstein geformt hätten, sondern ein Hans Mayer….“

      Was wohl aus Jakob Augstein, dem „Freitag“ und seinen Avantgardisten geworden wäre, wenn die Chance im Jahre 2010 genutzt worden wäre …

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  9. Erich Gengerke permalink
    6. September 2012 20:29

    >Dennoch verschließt der Biograf die Augen nicht vor den Stärken Augsteins. Spätestens nach der „Spiegel“-Affäre sei der ein wirklicher Demokrat und damit Vorkämpfer einer liberaleren Republik geworden.Letzten November schrieb ich an dieser Stelle: »Oberst Klein hat Zukunft.« Daß diese Zukunft so schnell und so zielführend über uns hereinbricht, konnte ich mir nicht vorstellen. Ich hatte nicht hinreichend mit der, wie auch immer zu qualifizierenden, Energie des Verteidigungsministers Thomas de Maizière gerechnet, der alles daran setzt, sich als tatkräftiger Nachfolger der Bundeskanzlerin zu empfehlen. Er will, wie soeben bekannt wurde, das heimtückischste Mordinstrument, über das die Freie Welt verfügt, in den Dienst der Bundeswehr – oder auch umgekehrt – stellen: die Tötungsdrohne, die ohne gerichtliches Verfahren auf das Kommando eines Militärbefehlshabers aus heiterem Himmel töten kann, Targeted Killing nennt sich das: gezielte Tötung, angeblich nur von Terroristen, wie sie ursprünglich auch Oberst Klein umgebracht haben wollte.<

    Quelle:
    http://www.sopos.org/aufsaetze/5030d80224997/1.phtml

    Hier kann man Köhler hi und wieder mal beim recherchieren antreffen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Staats-_und_Universit%C3%A4tsbibliothek_Hamburg

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  10. Der Bassist permalink
    25. September 2012 20:29

    Ich denke, Jakob Augstein (eher „irgendwie“ als „links“ in seinem nun auch heftig Broder-kritisierten ‚derFreitag‘) macht einfach bedingungslos nichtkapitulierend weiter:
    nämlich bei S.P.O.N. – Im Zweifel links, 24.9.12 „Kennen Sie Kohl“.
    „In dieser Woche wird Helmut Kohl gefeiert. Eine gute Gelegenheit für Linke, mal eine Schweigeminute einzulegen. Keinen haben sie gründlicher missverstanden als den Riesen von Oggersheim, der ihnen einen Traum erfüllte: Er hat Grenzen eingerissen.“
    „Ein Mann geht bei lebendigem Leib in die Geschichte ein.“
    „Gibt es einen Politiker, der mit mehr Spott und Häme übergossen wurde als Helmut Kohl?“
    „Weil Kohl uns gelehrt hat, dass Intelligenz nichts mit Intellektualismus zu tun hat und der Erfolg in der Politik nicht den glänzenden Rednern zukommt. Kohl ist der bisher erfolgreichste deutsche Bundeskanzler …“
    „Die Erinnerung an Kohl steht für eine Politik der Integration, in Europa, in Deutschland. Es ist ein Paradox, dass ausgerechnet der Mann, den die Linken als „Birne“ verspotteten, heute zur Leitfigur eines linken Traums taugt – er gilt als einer, der Grenzen eingerissen hat.“
    _____Und wer hat dem Freitag-Augstein die Grenzen politischer Vernunft ‚irgendwie‘ eingerissen? – Ich jedenfalls nicht!

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    • 25. September 2012 20:40

      Diese Spiegel-Kolumne (im Umfeld der anderen Deppen) des Anteileigners der MontagsBILD ist die Eindeutigkeit seiner politischen Anschauung ‚irgendwie‘ selbst:
      „Kohl hat keinen Fehler gemacht.“ Tja …
      und Jakob Augstein macht auch keinen kohlschen …

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    • 25. September 2012 22:27

      Wenn Kohl der bisher erfolgreichste deutsche Bundeskanzler war, dann ist Augstein der wichtigste Freund Israels.

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      • Der Bassist permalink
        26. September 2012 16:01

        😉 quat dingsde errate sum bumm (Logikseminar am Freitag)

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  11. Cornick permalink
    11. Oktober 2012 16:09

    Wenig Feierlaune – http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513907.html – bei R. Augstein und Kameraden am vierzigsten Jahrestag des Kriegsendes.

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  12. 29. November 2012 09:15

    Gute Nachrichten aus der Medienbranche:

    Starke Unruhe in einem der Flaggschiffe des deutschen Journalismus: Der Geschäftsführer der Hamburger „Spiegel“-Gruppe, Ove Saffe, hat einen Sparkurs für den Verlag angekündigt. „Wir müssen sparen und die Kostenstrukturen so gestalten, dass die Spiegel-Gruppe trotz rückläufiger Umsätze solide Ergebnisse erwirtschaftet“, sagte Saffe der „Süddeutschen Zeitung“.

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  13. Zahal permalink
    5. Januar 2013 20:47

    dabei bejubelte ausgerechnet der Spiegel 1967 in zwei Artikeln:

    Sie rollten wie Rommel. siegten wie Patton und sangen noch dazu. „Dies ist eine singende Armee. Ihre Krieger singen wie die Helden Hemingways“, staunte Kriegskorrespondent James Reston.

    In 60 Stunden zerschlugen die gepanzerten Söhne Zions den arabischen Einkreisungsring um Israel, scheuchten sie die panarabischen Propheten aus ihren Großmacht-Träumen, stürzten sie Ägyptens Nasser in niltiefes Jammertal. Der Pharao nahm die Verantwortung für den verlorenen Krieg auf sich und jonglierte mit seinem Rücktritt.

    Während Nassers Radio noch gelobt hatte: „Wir werden jeden Daumenbreit, jedes Sandkorn unseres Bodens verteidigen“, zogen Nassers Helden die Schuhe aus, um auf Sinai-Sand flotter fliehen zu können. Wie 1956 erbeuteten die Israelis neben Tanks und Kanonen Tausende Paar Militärstiefel der schuhungewohnten Fellachen.

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394367.html

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  14. Zahal permalink
    5. Januar 2013 20:49

    Artikel Nummer zwei:

    Blitz und Blut

    Mit einem Blitzkrieg, der schneller gewonnen wurde als je ein deutscher Sieg. eroberten die Israelis in der vergangenen Woche die Halbinsel Sinai und die ganze Bundesrepublik. Mit einer Musterdemonstration stählernen Soldatentums für die Deutschen seit je die imponierendste aller Eigenschaften — schossen sie sich in die Herzen jenes Volkes. in dessen Namen einst alle Juden ausgerottet werden sollten.

    Ausgerechnet Juden, die deutsche Nazis für feig. faul und verkommen hielten, gewannen im Gegensatz zu deutschen Herrenmenschen schon zum drittenmal den Krieg gegen eine erdrückende Übermacht. Ausgerechnet Juden riefen deutschen Veteranen ihren Rommel in Erinnerung und erwiesen sich als wahre Wüstenfüchse.

    Alles auf Nazimanier gedeutet: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46394369.html

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  15. 13. Februar 2013 15:49

    Gysi und die Stasi – eine endlose Geschichte von Peter Nowak

    [..] Trotzdem stellen sich auch jetzt schon einige Fragen. Was bewegt das Welt-Investigationsteam mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende der DDR der Frage, ob Gysi wissentlich mit der Stasi zusammengearbeitet hat, eine solche Bedeutung zuzumessen? Schließlich ist längst bekannt, dass es eine Zusammenarbeit gab – die Frage ist, ob Gysi damals wusste, dass es sich um die Stasi handelte oder ob er andere Staatsorgane hinter seinen Gesprächspartnern vermutete.

    Gysi arbeitete in der DDR als Rechtsanwalt und hatte in dieser Funktion Kontakte zu den damals real existierenden Staatsorganen. Wenn in dem Vorspann in der Welt suggeriert wird, die Medien in Deutschland würden Gysi schonen wollen, dann offenbart sich damit das Weltbild von einer linken Medienmacht, wie es eigentlich sonst nur in Kreisen der alten und neuen Rechten vorhanden ist. Tatsächlich gibt es nur wenige Medien, die das Thema Gysi und die Stasi nicht thematisieren. Und sie bleiben dabei durchaus nicht immer sachlich. So veröffentlichte Der Spiegel in den 1990er Jahren einen Titel zu Gysi, in dem Kritiker ein Spiel mit antisemitischen Codes sehen. [..]

    http://m.heise.de/tp/blogs/8/153714
    http://www.heise.de/tp/blogs/8/print/153714

    Peter Nowak verlinkt auf deinen Artikel fidelche. Nicht schlecht.

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    • 13. Februar 2013 17:24

      Vor Wahlen versuchen die „Investigativ-Journalisten“ einfach alles. Danke für den Hinweis, obwohl ich mir von dem Link nichts kaufen kann, stimme ich Nowak zu, vor allem dem letzen Abschnitt:

      „Auffällig ist auch, dass es in Westdeutschland in den ersten zwei Jahrzehnten keine großen Diskussionen über die Kontakte der damaligen Politiker zu den Staatssicherheitsorganen des nationalsozialistischen Regimes gab, das bekanntlich anders als die DDR nicht Akten-, sondern Leichenberge hinterlassen hat. Ein Investigativ-Team der Welt ist dazu nicht bekannt.“

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