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Auschwitz und die deutsche Schuldabwehr

28. Dezember 2011

David Olère 1946Mit den „Nürnberger Gesetzen“ von 1935 bestimmte das Deutsche Reich wer Jude sei. Deutschland verfolgte und ermordete systematisch und mit industriellen Methoden über sechs Millionen Juden während der bisher größten Katastrophe der Menschheitsgeschichte. In den großen deutschen Vernichtungslagern wurden weit über drei Millionen Juden durch Vergasung in Gaskammern fabrikmäßig ermordet oder massenhaft erschossen.  Deutsche profitierten von dieser Vertreibung und Ermordung der Juden in dem sie jüdische Häuser, Wohnungen, Besitz und die Arbeitsplätze der deportierten Juden übernahmen. Deutsche, vom fanatischen Antisemiten bis zum unpolitischen Bürokraten, waren die willigen Vollstrecker dieser Mordmaschenerie, wobei nicht alle Deutschen am Holocaust direkt oder indirekt beteiligt waren, aber es waren genug, um von „den Deutschen“ als den Tätern zu sprechen. An der Rampe von Auschwitz-Birkenau wurden die deportierten Juden selektiert, Familien für immer getrennt. Arbeitsfähige Juden kamen in das Konzentrationslager, alte oder kranke Menschen, Kinder sowie Frauen mit Kleinkindern wurden in der Regel als „arbeitsunfähig“ eingestuft und direkt nach ihrer Ankunft in Auschwitz in den Gaskammern ermordet. Es war die Politik der SS  jüdische Häftlinge dazu zu zwingen, beim Massenmord an ihren jüdischen Mitgefangenen mitzuarbeiten. In Auschwitz-Birkenau löste die Bezeichnung „Sonderkommando“ bei erfahrenen Häftlingen Angst und Schrecken aus, da bekannt war, dass dieses Kommando bei „Sonderbehandlungen“, der Tarnbezeichnung für den Massenmord und die restlose Beseitigung der Opfer, eingesetzt wurde. Der Gymnasiast Filip Müller aus der Tschechoslowakei und der zwanzigjährige Shlomo Venezia aus Griechenland wurden dem Häftlings-Sonderkommando in den Krematorien und Gaskammern zugeteilt. Als jüdische Zeugen der Massenvernichtung wurden die Mitglieder des Sonderkommandos in der Regel nach wenigen Monaten erschossen. 1944 gab es eine Revolte des Sonderkommandos, die blutig niedergeschlagen wurde, wobei von den  661 eingesetzten Sonderkommando-Häftlingen 451 Mann während des Aufstands ermordet wurden. Von den 2.200 jüdischen Häftlingen der Sonderkommandos überlebten 110 das Kriegsende, in dem sie sich 1945 im Chaos der Lagerauflösung aus ihrer Isolierbaracke ins Männerlager schmuggeln konnten.

David Olère 1946Die jüdischen Häftlinge der Sonderkommandos wurden gezwungen ihren jüdischen Mitgefangenen beim Entkleiden in den Umkleideräumen vor der Gaskammer zu helfen, sie zu beruhigen und Gebrechliche in die Gaskammern zu tragen. Im Entkleidungsraum waren an den Wänden nummerierte Kleiderhaken, darunter standen Bänke, auf die sich die Leute beim Ausziehen setzen konnten. Um sie noch mehr zu täuschen, sagten ihnen die Deutschen, sie sollten sich die Nummer gut merken, damit sie ihre Sachen „nach dem Duschen“ besser wiederfinden können. Verlor ein Mitglied des Sonderkommandos während des Entkleidens ein Wort über den bevorstehenden Tod, wurde er bei lebendigem Leibe in die Verbrennungsöfen gesteckt. Einige Mitglieder des Sonderkommandos begingen Selbstmord indem sie sich selbst in die Verbrennungsöfen warfen.  Nachdem die Türe zur Gaskammer geschlossen war warf ein SS Mann das Zyklon B in einen Schacht. Der Todeskampf, die Todesschreie, das Weinen, der qualvolle Tod der Menschen dauerte zwischen zehn und zwölf Minuten. Nach weiteren zwanzig Minuten mussten die Sonderkommandos die Toten aus der Gaskammer holen. Die Menschen waren ineinander gekeilt, bei manchen Opfern waren die Augen aus den Höhlen getreten. „Das Gas stieg von unten nach oben und alle wollten Luft haben, selbst wenn sie dafür übereinandersteigen mussten. Das taten sie so lange bis der letze tot war“, schreibt Shlomo Venezia. Shlomo Venezia und die Männer der Sonderkommandos mussten anschließend die Leichen der Opfer in allen Körperöffnungen auf Wertsachen untersuchen, den Opfern die Goldzähne ziehen, den ermordeten Frauen die Haare schneiden und die Leichen anschließend zu den Verbrennungsöfen zu bringen. Nachdem die Gaskammern leer waren mussten sie von Blut und Exkrementen gereinigt werden um ihn für die nächste Gruppe von selektierten Juden vorzubereiten. In den Entkleidungsräumen mussten sie die verbliebene Habe der Opfer einsammeln und zum Weitertransport vorbereiten. Bei Erschießungsaktionen auf dem Krematoriumsgelände oder im Hinrichtungsraum mussten sie die Opfer ablenken und festhalten. Die jüdischen Sonderkommandos arbeiteten in zwei Schichten, damit die Vernichtung der Juden Tag und Nacht aufrecht erhalten werden konnte.

David Olère 1946Bei den Ermordungen in den Gaskammern von Lagerinsassen verzichteten die Deutschen auf ihre Lüge von der Desinfektion. Filip Müller berichtet von der Ermordung von 600 tschechischen  Juden des „Familienlagers“ Auschwitz: “…Aber bevor sie weiterdenken konnten, fuhr Voß schon fort: „Alles wird viel leichter sein, wenn ihr euch schnell auszieht und dann in den Raum nebenan geht. Oder wollt ihr es euren Kindern die letzten Augenblicke unnötig schwermachen?“ Die Menschen hatten jetzt aus dem Mund ihres sich besorgt gebenden Henkers unmissverständlich und unverblümt gehört, was ihnen bevorstand. Viele wandten sich ab, vor Furcht zitternd. Die Stimmen wurden leise und verkrampft, kaum eine Bewegung der Menschen war noch natürlich. Ihre Augen blickten starr mit durchdringender Schärfe, wie hypnotisiert. Eltern nahmen ihre Kinder in die Arme, tödlicher Ernst erfüllte den Raum. Die meisten fingen jetzt an, sich auszuziehen, während einige wenige noch zögerten. Als die Henker das bemerkten, trieben und stießen sie die Leute mit Schlägen und Stößen aus dem Auskleideraum in die Gaskammer, ohne Rücksicht darauf, ob sie ihre Kleider schon abgelegt hatten oder nicht. Wer sich widersetzte, auf den wurde erbarmungslos und brutal eingeschlagen. Die wehrlosen Männer hatten sich um die Frauen und Kinder geschart, um sie vor den Schlägen und vor den Bissen der Hunde zu schützen. Auf der engen Fläche des Auskleideraumes, auf dem die Menschen zusammengedrängt worden waren, kam es jetzt zu einem Chaos. Die Opfer stießen und schoben sich gegenseitig, traten sich auf die Füße, Blut spritzte, SS-Männer schrien und schlugen wild mit Knüppeln, Hunde bellten wütend und bissen um sich. Plötzlich hob eine Stimme zu einem Gesang an, der immer stärker wurde und bald zu einem mächtigen Chor anschwoll. Die Menschen hatten begonnen, die tschechoslowakische Nationalhymne »Kde domov muj« zu singen. Anschließend ertönte das jüdische Lied »Hatikvah«. Auch während dieses Gesangs hörten die SS-Männer nicht roh und brutal auf die Menschen einzuschlagen. Sicher betrachteten sie den Gesang als eine Art letzten Protestes gegen das Schicksal, das sie ihnen zugedacht hatten und vor dem es kein Entrinnen gab.“  Und die »Hatikvah«, so Filip Müller, die heutige Nationalhymne des Staates Israel, bedeutete für sie einen Blick in die Zukunft, eine Zukunft freilich, die sie nicht mehr erleben durften.

Ein Teil der Juden wurden nicht in den Gaskammern ermordet sondern in Erschießungsräumen hingerichtet. Filip Müller schildert in seinem Buch „Sonderbehandlung“ die Ermordung einer jungen Mutter und ihrer kleinen Tochter: “Als sie schließlich von einem der SS-Leute in den Erschießungsraum geführt wurde, nahm sie ihr Töchterchen auf den Arm und drückte es zärtlich an die Brust. Dabei vergaß sie sogar, sich von ihrem Mann, der in der Nähe stand, zu verabschieden. Offenbar war sie nur noch von dem Gedanken beherrscht, die Schrecken des unmittelbar bevorstehenden Endes von ihrem Kind fernzuhalten. Sie stand jetzt vor der Hinrichtungswand und presste ihr Kind fest an sich. Die Frau wartete mit geschlossenen Augen ungeduldig auf das Ende, wartete und wartete, dass endlich der tödliche Schuss fiel und sie von diesem qualvollen Leben aus einer ihr feindlichen in eine bessere Welt beförderte. Sie dachte wohl nicht daran, dass sie ihr Kind mit zu Boden reißen und es vielleicht unter sich begraben könnte. Das wollte sie sicher nicht. Aber noch weniger wollte sie offenbar den Mord an ihrem Töchterchen miterleben.“

Viele Auschwitzüberlebende, so auch Shlomo Venezia, wurden nach ihrer Befreiung  Bürger des neuen jüdischen Staates Israel. Noch in der Gründungsnacht erklärten Ägypten, Saudi-Arabien, Jordanien, Libanon, Irak und Syrien dem neuen Staat Israel den Krieg. Nach der Gründung der israelischen Armee im Mai 1948 machten Holocaustüberlebende etwa die Hälfte der israelischen Streitkräfte und ein Viertel derer, die im Kampf fielen aus. Etwa 1.170 Holocaustüberlebende fielen im Kampf gegen die arabischen Angreifer. Viele deutsche NS-Schergen der Konzentrationslager konnten mit Hilfe der Katholischen Kirche in befreundete Länder nach Südamerika oder vor allem in den Nahen Osten fliehen, von wo aus sie die Juden nun mit Hilfe ihrer arabischen Freunde weiter bekämpfen konnten.

Die Deutschen wollten wenige Jahre nach dem Krieg nichts von ihren Verbrechen hören. Viele „Leistungsträger“ des NS-Systems,von Hans Globke, über Reinhard Gehlen, Hanns-Martin Schleyer  bis Hans Filbinger, wurden geräuschlos in die Bundesrepublik integriert.  Die Deutschen fühlten sich schnell selbst als Opfer. Von den alliierten Bombardierungen Dresdens, dem amerikanischen „Völkermord“ an den Indianern und dem „Völkermord“ der Israelis an den „Palästinensern“ war nun an deutschen Stammtischen die Rede. Der CDU Politiker Martin Hohmann nannte die Juden im Jahre 2003 ein „Tätervolk“. Martin Walser sprach 1998 in der Paulskirche von der „Moralkeule Auschwitz“. In scheinbar „linken“ Communitys wurde und wird vom „Apartheidstaat Israel“, von der „skurrilen Daseinsberechtigung Israels“ und vom „Paria-Staat Israel“ gesprochen. Es gäbe, so die sonderbare, berechnende Meinung gewisser Deutscher, eine jüdische Religionsgemeinschaft aber kein jüdisches Volk. Wenige Jahrzehnte nach den „Nürnberger Gesetzen“ sind es wieder Deutsche die sich berufen fühlen zu wissen wer Jude ist und ob sie sich ein Volk nennen dürfen. Für diese Deutschen war der Holocaust eine Variante von Fremdenfeindlichkeit, sie wollen nicht verstehen, dass jahrhundertelange antijüdische Verfolgungen mit antijüdischen Pogromen und vor allem die Shoah für die Juden in Israel oder in der Diaspora emotionale Bindungen einbrannten wie sie keinem anderen Kollektiv anhaften. Seine Auschwitznummer 172 364, schrieb einst der Atheist Jean Améry, lese sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gebe zudem gründlicher als diese Auskunft über eine jüdische Existenz.

Vermutlich hat die „Täter-Opfer-Umkehr“ dieser Deutschen mit einer tief innewohnenden Schuldabwehr zu tun, was sicherlich in jedem Einzelfall nachzuprüfen wäre. Nach zwei angezettelten Weltkriegen und dem industriellen Massenmord an den Juden meinen viele Deutsche sie haben es sich verdient die Vormundschaft und das Sorgerecht für das Opfer zu übernehmen. Die „Erziehung nach Auschwitz“ erscheint gescheitert, die grauenvollen Erlebnisse von Filip Müller und Shlomo Venezia tangieren viele Deutsche kaum. Über sechzig Prozent der Deutschen sahen laut Umfragen im Jahre 2010 im jüdischen Zwergstaat die Hauptgefahr für den Weltfrieden.

Quellen: Filip Müller – Sonderbehandlung, Shlomo Venezia – Sonderkommando, Jean Améry – Jenseits von Schuld und Sühne

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202 Kommentare leave one →
  1. 28. Dezember 2011 13:36

    Ich (Agnostiker) habe in einer rhodischen Synagoge (nebenbei: der ältesten Griechenlands) eine Begegnung zweier völlig fremder Juden beobachtet. In dieser Synagoge wurden alle Besucher nach ihrer Herkunft gefragt. Einer, der angeblich aus Polen kam, streifte sich mit einer Handbewegung den Ärmel vom Unterarm und zeigte dem Fragenden seine Auschwitznummer, worauf dieser wortlos und sichtlich betroffen, den am Unterarm Entblößten in den Arm nahm. Die beiden „Fremden“ standen unendlich lange Sekunden so verharrend und tief bewegt, in einer plötzlich mir klar werdenden Verbindung, die ich auch als gemeinsames Bewusstsein und Erbe beschreiben würde. Noch Meter entfernt, war auch ich tief von deren Begegnung betroffen, gerührt und aufgewühlt. Ich sah, dass die beiden eine spontane Zusammengehörigkeit empfanden, sich unversehens als Teile EINES „Volkes“ verstanden, wie dies nur unter dem gemeinsamen Bewusstsein und Wissen von Auschwitz möglich ist, einem singulären Ereignis, ein verbindendes Element, das keine andere Religion und Kultur in dieser Tragweite kennt. Wer die Singularität von Auschwitz nicht begreift, der wird auch nie begreifen, was Israel, den einzigen Zufluchtsort auf der Erde, ausmacht und was es bedeutet. Als ich nach meiner Herkunft (Deutschland) gefragt wurde, empfand ich nur Schuld und Scham, obgleich ich zur Tatzeit noch nicht mal lebte. Ich werde dieses Erlebnis und diese Beobachtung nie vergessen.

    lg LL

    PS: Ich denke, hier, in diesem „Asyl“, ist dieser Kommentar besser aufgehoben!

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  2. 28. Dezember 2011 13:50

    Vermutlich wird man nun über mich herfallen. Dennoch: Das Hauptproblem sehe ich in der Schuld und ihren Folgen und zwar dahingehend, dass eine Schuld nur abgewehrt werden muss/kann, wenn man sie trägt/tragen muss. Dabei trägt die Schuldzuweisung an „die Deutschen“ wesentlich dazu bei, dass – gelinde gesagt – sonderbare Abwehrreaktionen die Folge sind.

    Kein Volk dieser Erde trägt in seiner Gesamtheit die Schuld an etwas. Wäre das so – und das gebietet schon die Logik – würde das gleichsam bedeuten, dass auch die Opfer eine Schuld trügen, denn es existiert nur Aktion-Reaktion. Zudem verkürzen derartige Sichtweisen unzulässig, da sie den „Zeitgeist“ und „Abhängigkeitsmechanismen“ außer acht lassen, die für die Beurteilung jedoch wichtig sind – insbesondere im Hinblick darauf, Derartiges für alle Zukunft zu vermeiden. Damit will ich das Hitler-Deutschland keineswegs entschuldigen, denn eine Entschuldigung hierfür kann es nicht geben, gibt es nie. Für wichtiger als die ewige Verurteilungslogik jedoch halte ich das Ergründen der Voraussetzungen, die derartige Geschehnisse erst ermöglichten, um diese nie wieder zu schaffen. Natürlich ist es legtim, vor dem Hintergrund oben genannter Schicksale ergriffen zu sein, bestürzt und auch zu verurteilen – die Frage ist nur, was man verurteilt. Die „Deutschen“ als „Rasse“? Geht man dann nicht dem gleichen Monster der Menschheitsgeschichte auf den Leim? Derartige Katastrophen menschlicher Existenz sollten vielmehr Anlass sein, diese zu hinterfragen und eine Evolution zum Besseren zu ermöglichen, sich den Abgründen, die jeder in sich trägt, zu stellen, statt so zu tun, als wäre es mit einer fortlaufenden Verurteilung geschehen. Das ist es nämlich nicht.

    Meine Haltung dazu ist, dass niemand meiner oder späterer Generationen eine Schuld am Holocaust trägt. Wäre dem so, würde das eine Art „genetischen Fehler“ unterstellen und wäre purer Rassismus. Allerdings gebietet es die Geschichte dennoch, dafür Sorge zu tragen und sich dafür zu engagieren, dieses „Denken“ überall dort zu bekämpfen, wo es sich zeigt und aufgrund der Erkenntnisse aus dieser Zeit eine Wiederholung – und sei es nur im Ansatz – zu verhindern. Darin liegt keine Schuld, sondern eine Chance.

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    • 28. Dezember 2011 16:32

      Niemand hat behauptet dass jemand aus deiner oder einer späteren Generation Schuld am Holocaust hat. Leider ist jedoch zu konstatieren dass eine klare Mehrheit dieser Generationen so gut wie nicht aus dem Holocaust gelernt hat. Wer vom „Apartheidstaat Israel“, von der „skurrilen Daseinsberechtigung Israels“ und vom „Paria-Staat Israel“ spricht und Boykottaufrufe gegen Israel initiiert, bekämpft dieses antisemitische „Denken“ natürlich nicht, er oder sie fördert es, er oder sie ist Teil dieses „Denkens“.
      Wer sich wenige Jahrzehnte nach den „Nürnberger Gesetzen“ berufen fühlt zu wissen ob sich die Juden ein Volk nennen dürfen, wer abstreitet, dass der Holocaust ein Völkermord war, hat diese Chance von der du sprichst vertan. Siehe meinen Kommentar weiter unten.

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    • 28. Dezember 2011 19:00

      Du schreibst: „Leider ist jedoch zu konstatieren dass eine klare Mehrheit dieser Generationen so gut wie nicht aus dem Holocaust gelernt hat.“

      Du begründest das mit einigen Bloggern im Freitag? Hallo?! Du kannst doch nicht ernsthaft Schreiber eines Nischenmagazins als Zeugen für eine Mehrheit heranziehen.

      Das ist genau die Art Beweisführung, die ich an Dir bemängele und das auch immer tun werde. Es ist einfach unlauter. Irgendwelche Blogger eines irgendwie linken Meinungsmediums sind nicht die „Mehrheit“ – schon gar keine klare.

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      • 28. Dezember 2011 23:32

        Michael Pliwischkies, nein –
        ich begründete das nicht nur mit den Bloggern des „Freitag“. Ich brachte nur ein paar Beispiele aus dem „Freitag“. Ich sprach auch von Hohmann, von Walser, von Globke, von Schleyer und von 60 Prozent der Deutschen, welche in Israel die Hauptgefahr für den Weltfrieden sehen. Ich hätte auch Möllemann, Blüm oder Jenninger nennen können. Mit seiner antijüdischen Position ist der „Freitag“ natürlich nicht alleine, dazu musst du dir nur die Foren oder die Leserkommentare der Zeit, der TAZ oder der SZ ansehen.

        Übrigens, am 30.6.2010 gab es einen gemeinsamen Antrag von CDU/CSU, SPD, FDP und „Die Grünen“, „Ereignisse um die Gaza-Flottille aufklären – Lage der Menschen in Gaza verbessern – Nahost-Friedensprozess unterstützen“. Der Antrag wurde von den deutschen Volksvertretern inklusive der Linkspartei angenommen. „Jetzt ist etwas Besonderes passiert, das ich hier gewürdigt wissen will“, sagte Wolfgang Gehrke von der Linkspartei. „Wir werden diesem Antrag zustimmen.“
        Der kategorische Imperativ Adornos ist ein Fremdwort für diese Leute.
        Es scheint: Wenn es um Israel geht gibt es keine Parteien mehr sondern nur noch Deutsche!

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      • 29. Dezember 2011 07:22

        Wer ist Walser? Aber im Ernst. Wer sind die 60 %? Woher stammt diese Zahl?

        Was den Antrag betrifft, kenne ich seinen genauen Wortlaut nicht. Am Titel des Antrags lässt sich erst einmal nichts Ehrenrühriges erkennen. Fakt ist, dass Ereignisse in Nahost von allen Seiten betrachtet und untersucht werden müssen. Einseitigkeit würde den Konflikt lediglich verschärfen und von diesen Scharfmachern gibt es dort auf beiden Seiten genug.

        Deine Schlussfolgerung ist übrigens wie immer purer Populismus – auf deine Zielgruppe bezogen – oder wie du es ausdrücken würdest: Eine Verkürzung.

        Es gibt nicht nur Deutsche. Die gibt es nie. Daran ändert sich auch nichts, wenn einem Antrag von allen Parteien des Bundestages entsprochen wird. Es gibt auch nicht die Israelis oder die Palästinenser, die auf einmal alle das gleiche wollen, nur, weil ihre Vertreter einen Beschluss fassen. Beschäftige dich mal näher mit Demokratie – Zeit wirds.

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    • rainer kühn permalink
      28. Dezember 2011 19:26

      „Kein Volk dieser Erde trägt in seiner Gesamtheit die Schuld an etwas.“
      Ich habe nur diesen Satz gelesen, nicht den Beitrag noch nicht, und LLs Comment darüber nur überflogen, weil ich den Bericht schon kannte – also, ich antworte nur auf diesen Satz.
      Mich stören die Worte ‚Volk‘, ‚Erde‘, ‚Gesamtheit‘, ‚Schuld‘. Einzeln und im Zusammenhang.
      Der Satz freilich ist wohl standhaft gegen historische Wahrheit.
      Aber er ist schräg, irgendwie.
      Meine Lesart: Der Satz entschuldet die Deutschen.
      Die Deutschen bleiben mir historisch entschiedene wie kriegsverloren unentschiedene Nazis, dieser allumfassende Prozentsatz des todesstrafenden Autoritären.
      Sie tragen Schuld, gesamte, nicht „die Nazis“, was im Deutschen eine Entlastungsformel ist.
      Nazideutschland wollte die Erde, die Welt, den Großraum seiner Rassenkunde unterwerfen.
      Deutschland, die Deutschen, herfallend über alle, auch im Namen des Nazitums, Tums.
      Gesamtheit der Schuld.
      Ja.
      Und Opposition? Nicht mal die Offiziere konnten waffentriefend treffen,
      weil sie selbst im Attentat mit solcher Hitlerwelt zitterten.
      Die größte Deppenopposition hatte natürlich auch dieses bekloppte Deutschland.
      Und wenn sie gewonnen hätte, wäre es genauso weitergegangen.
      Das ist das Schlimme.
      ___

      8. Mai 45
      Befreiung
      Vom Westen aus
      Vom Osten aus

      __
      Heute nachrechnen.
      Aber wo werden die Taschenrechner produziert?

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      • 30. Dezember 2011 00:06

        Die dümmsten Mitlesenden sind übrigens @Sweetheart und @ForenBoy, die das auch anderswo dankenswerterweise dokumentieren.

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        • 30. Dezember 2011 00:14

          Wobei @ForenBoy zudem seine ganze selbstverschuldete Verächtlichkeit auch auf einem Blog ausspuckt, wo auch hier bekannte Blogger schon den Roten Teppich mir unversöhnlich via Mitmachen ausgerollt haben. | Grenze

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        • 30. Dezember 2011 00:35

          Mittätern.

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    • 28. Dezember 2011 19:58

      Hallo Michael, ich gebe Dir Recht, dass wir Deutschen aus der (Hitler-Deutschland-) Nachfolgegeneration zwar keine Schuld tragen, jedoch sehe ich eine besondere Verantwortung. Du sprichst von „Abhängigkeitsmechanismen“ und ich denke, Du meinst damit diese besondere Verantwortung, oder? Adorno hat dazu einen neuen (nach Kant) kategorischen Imperativ formuliert, sein Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe. Dieser neue kategorischen Imperativ gilt für alle, für die Deutschen als die Erben (Hitler-Deutschlands) aber im Besonderen.

      lg LL

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    • 29. Dezember 2011 13:56

      @Michael Pliwischkies (29/12/2011 07:22 )

      1. Ich schrieb im ersten Absatz: „..wobei nicht alle Deutschen am Holocaust direkt oder indirekt beteiligt waren, aber es waren genug, um von „den Deutschen“ als den Tätern zu sprechen.“ Natürlich gab es viele deutsche Homosexuelle oder deutsche Kommunisten/Sozialdemokraten unter den Opfern Nazideutschlands. Natürlich gibt es heute in Deutschland Kräfte gegen Antisemitismus und Reaktion, z.B. Konkret, Jungle World, Bak Shalom in der Linkspartei und viele andere. Für Auschwitz waren die Deutschen verantwortlich, das irgendwie wegzudiskutieren zu wollen halte ich für, vorsichtig ausgedrückt, unverantwortlich.

      2. Das Meinungsforschungsinstitut EOS Gallup Europe hatte im Auftrag der EU-Kommission eine Umfrage durchgeführt. In Deutschland sahen 65 Prozent der Befragten in Israel eine Gefahr für den Frieden.

      3. Der Antrag der Bundestags-Fraktionen war sehr einseitig. Es ging vor allem um die israelische Aktion, kaum um die antiisraelische Aktion der türkischen Hamasversteher auf der Free-Gaza-Flotte. Es wurde die Aufhebung der Blockade gefordert, wie viele Waffen die Hamas dann in den Gazastreifen schmuggelt war den deutschen Abgeordneten von der Linkspartei bis zur FDP egal. Einigkeit und Recht und Gaza!

      4. Ich belege meine Thesen mit Fakten. Die 65 Prozent in der Umfrage sind Faktum, Auschwitz ist Faktum. Die Aussagen von Walser bis zu den „Freitagsavantgardisten“ sind Faktum. Gerne liefere ich dir entsprechende Aussagen aus den Zeit- oder TAZ-Foren. Ich finde das übersiehst du alles. Der Bundestag wird von Deutschen gewählt. In der Weimarer Republik gab es Wahlen, mit bestimmten Mehrheiten. Es gab auch Wahlen und Abstimmungen von 1933 bis 1939. Hitler erhielt zu der Zeit um die 90 Prozent Zustimmung. Zugegeben, es waren 1938 keine demokratischen Wahlen wie wir sie uns vorstellen, trotzdem hat das alles eine gewisse Aussagekraft.

      5. Ich bin der Meinung, dass Antisemitismus vor 1945 Populismus war und seit 1945 Populismus ist. Wer gegen Israel ist, liegt im Mainstream. Populisten sind diejenigen die vom „größten Freiluftgefängnis Gaza“ oder vom „Apartheidstaat Israel“ sprechen! Damit erreicht man die Lufthoheit an den reaktionären Stammtischen Deutschlands.

      6. Eine Frage an dich: Sind die Aussagen von Hohmann, Walser, die Aussagen vom „Apartheidstaat Israel“, von der „skurrilen Daseinsberechtigung Israels“ vom „Paria-Staat Israel“, die Behauptung es gäbe kein jüdisches Volk mit einer deutschen Schuldabwehr zu erklären? Empfindest du diese Hetze wenige Jahre nach Auschwitz nicht als widerlich? Glaubst du bei diesen Leuten gab es eine erfolgreiche „Erziehung nach Auschwitz“ (Adorno)?

      7. In einer Demokratie sind Mehrheiten von Bedeutung. Wusstest du das nicht? Zur Demokratie gehört meiner Meinung auch, vor allem nach Auschwitz, vor allem in Deutschland, nicht gegen Juden zu hetzen und sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen, um dann Lehren daraus zu ziehen. Wenn es dir so Ernst ist mit der Demokratie, dann solltest du dich mal mit dem Scheitern der Weimarer Republik und der Politik Deutschlands von 1933 bis 1945 auseinandersetzen. Zeit wird’s.

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  3. 28. Dezember 2011 13:54

    Damit das Vergangene, das nicht mehr sicher vor der Gegenwart ist, nicht nochmals dem Vergessen geweiht ist, noch ein Bild von Befreiten:

    lg LL

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  4. 28. Dezember 2011 16:12

    Wenn deutsche Feministinnen des „Freitags“(Rahab), die zu Boykottaufrufen gegen Israel aufrufen, behaupten es gäbe kein jüdisches Volk, weshalb der Holocaust kein Völkermord war und gleichzeitig den Holocaust mit Aussagen, „dass es in Hama nicht sehr viel heimeliger ausgesehen haben wird als in Bergen-Belsen und in Sinjar nicht sehr viel appetitlicher als in Dresden“ relativieren, stellt sich für mich die Frage ob diese Aussagen mit Schuldabwehr-Antisemitismus begründet werden können oder diese Aussagen woanders ihren Ursprung haben könnten. Wenn die diversen deutschen Israelkritiker, die Israel das Existenzrecht absprechen nun im „Freitag 1.0“ und im „Freitag 2.0“ mit einer geradezu fanatischen Inbrunst darauf bestehen, dass die Verbrechen und massenhaften Ermordungen der Türken gegen die Armenier im Jahre 1915/16 als Genozid bezeichnet werden müssen frage ich mich woher diese fanatisierte Leidenschaft rührt und welchen Zweck sie erfüllen soll.

    Für die „Forenboys“ und die „Forengirls“ des Netzes sind die Verbrechen Stalins, die Verbrechen der Türken, die Verbrechen der Amerikaner und die „Verbrechen“ der Juden so schrecklich, dass sie ganz vergessen, und ich unterstelle sie machen dies in voller Absicht, dass sie im Nachfolgestaat, im Rechtsnachfolgestaat Nazideutschlands leben, was ihre Relativierungen (günstigstenfalls aus Unkenntnis) der deutschen Verbrechen, aus meiner Sicht, verwerflich erscheinen lässt.

    Wer vom „Apartheidstaat Israel“, von der „skurrilen Daseinsberechtigung Israels“ und vom „Paria-Staat Israel“ spricht hat die Lehren von Auschwitz nie gezogen. Bei diesen Leuten ist die „Erziehung nach Auschwitz“ gescheitert.

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    • 30. Dezember 2011 16:23

      Man verfolge nur den Thread von Muhabbeci über die Armenier, und wie unser Panzermaedel ma wieder insistiert (naja, sie hat Uni). Der arme Mustafa kann einem leid tun. In ungewohnter Rolle :-))
      http://www.freitag.de/community/blogs/muhabbetci/voelkermord-ja-oder-nein?searchterm=muhabbetci

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      • 30. Dezember 2011 16:30

        und besonders interressant, dass der hetiritter/sozenschreck unserm panzermaedel ausdrücklich beipflichtet……
        womit wieder einmal klar wird, zu welcher politischen Seite unser ttg neigt („nimm das sofort zurück!“)

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        • Reflexione Galore permalink
          31. Dezember 2011 00:38

          Bitte? Was ist das für eine Logik, Hibou:
          Ein rechter Metatroll, der sich immer wieder beim Freitag anmeldet stimmt TTG zu und dann ist SIE dafür verantwortlich, dass er sie durch SEINE Beipflichtung zu einer Rechten (oder so?) macht?

          Genau dasselbe hat haben übrigens Streifzug und Co. gegenüber derDonnerstag (und anderen) getan – um ihm weiterhin rechte Gesinnung zu unterstellen.

          Davon mal abgesehen, ist tatsächlich nicht automatisch alles falsch und rechts, was dieser Troll von sich gibt. Was, nebenbei bemerkt, auch genau sein „Trick“ ist. Wobei wir wieder bei der Frage wären, ob man sich nun mit Andersdenkenden unterhält, oder nicht. Und vor Allem: Ob man sich auf eine SEITE schlägt, was hier ja offenbar immer mehr propagiert wird.

          Was TTG betrifft, labert sie wenigstens weniger Müll als andere „Damen“.

          Abgesehen davon ist der Freitag dafür verantwortlich, sich und seine Blogger nicht von diesem Troll verarschen zu lassen. Die kommen nämlich ihrer Moderationaufgabe nicht nach und nehmen in Kauf, dass Leute, die neu sind oder weniger lesen, veräppelt werden von dem. Und sich die Zeit stehlen lassen.

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        • 3. Januar 2012 07:49

          „Was TTG betrifft, labert sie wenigstens weniger Müll als andere „Damen“
          ??? echt?

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    • Spinderella permalink
      5. September 2012 00:33

      „Bei diesen Leuten ist die ‚Erziehung nach Auschwitz‘ gescheitert.“

      Gott sei Dank. Mögen es noch viel mehr Menschen werden, die sich nicht mehr von dieser Ersatzreligion beeinflussen lassen.
      ——-
      Zu Dokumentationszwecken haben wir diesen Kommentar freigegeben um den MI-Lesern den Intellekt und die braune Gesinnung von Antisemiten nicht vorzuenthalten. Zukünftige Kommentare von „Spinderella“ (vermutlich eine enttäuschte Freitagsantizionistin) landen im Spamfiler.
      Die sonstigen reaktionären Kommentare „Spinderella“ sind bereits im Spamordner.

      Die MI Redaktion

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  5. wwalkie permalink
    29. Dezember 2011 13:42

    Bezüglich des Völkermords an den Armeniern, den Sie in syntaktischer Verbiegung als „Verbrechen und massenhafte Ermordungen der Türken gegen die Armenier“ zu relativieren belieben (die deutsche Kollaboration generös weglassend), möchte ich Sie an die „fanatisierte Leidenschaft“ eines gewissen Adorno erinnern, der in der von Ihnen erwähnten „Erziehung nach Auschwitz“ ziemlich zu Beginn schrieb: „Schon im ersten Weltkrieg haben die Türken – die sogenannte Jungtürkische Bewegung unter der Führung von Enver Pascha und Talaat Pascha – weit über eine Million Armenier ermorden lassen. Höchste deutsche militärische und auch Regierungsstellen haben offensichtlich davon gewusst, aber es strikt geheim gehalten. Der Völkermord (!) hat seine Wurzel in jener Resurrektion des angriffslustigen Nationalismus, die seit dem neunzehnten Jahrhunderts in vielen Ländern sich zutrug.“

    Es ist also ohne Zweifel im Sinne Adornos, mit Leidenschaft gegen Negationisten und Revisionisten zu argumentieren (was das Unerträgliche auszuhalten bedeutet) und gegen „den gesellschaftlichen Druck“ zu kämpfen, „der die Menschen zu dem Unsäglichen treibt, das in Auschwitz nach weltgeschichtlichem Maß kulminierte.“ Verzerrte, nur auf Personen fixierte Wahrnehmung hilft wahrlich nicht weiter. Dafür ist die Sache nach wie vor zu ernst.

    Trotz alledem
    Bonne année 2012

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    • 29. Dezember 2011 14:41

      Der Völkermord hat seine Wurzel in jener Resurrektion des angriffslustigen Nationalismus, die seit dem Ende des 19.Jahrhunderts in vielen Ländern sich zutrug.“ Natürlich stimmt dieser Satz („der Völkermord hat seine Wurzel“) und natürlich habe ich auch Werfels Buch „Die 40 Tage des Musa Dagh“ vor langer Zeit gelesen und natürlich gab es eine deutsche Kollaboration. Es ist vieles richtig was sie schreiben, nur scheinen sie den Kontext meines Kommentares übersehen zu haben.

      Wenn Freitags-Antisemiten einerseits behaupten der Holocaust war kein Völkermord weil es angeblich kein jüdisches Volk gäbe, in ihrer antijüdischen Hetze Auschwitz ignorierend vom „Apartheidstaat Israel“, von der „skurrilen Daseinsberechtigung Israels (Ebertus)“, vom „Paria-Staat Israel (Herden)“ sprechen, mit Aussagen „dass es in Hama nicht sehr viel heimeliger ausgesehen haben wird als in Bergen-Belsen und in Sinjar nicht sehr viel appetitlicher als in Dresden“ (Rahab) den Holocaust relativieren, dann aber gleichzeitig mit einer wahren Inbrunst den Massenmord an den Armeniern als Genozid definiert haben wollen, dann löst das bei mir schon eine gewisse Verwunderung aus.

      Das Thema dieses Blogs ist Auschwitz und die deutsche Schuldabwehr! Ich weiß nicht wie es ihnen ergeht, mich widert es an, wenn Freitagsblogger (und nicht nur die) wenige Jahrzehnte nach den „Nürnberger Gesetzen“ sich berufen fühlen zu wissen wer Jude ist und ob sie sich ein Volk nennen dürfen. Mich widerte es an wenige Jahrzehnte nach Auschwitz die antijüdische Hetze und die Holocaustrelativierungen im „Freitag“ (und nicht nur dort) lesen zu müssen.

      Trotz alledem
      Ihnen ein gutes neues Jahr 2012

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    • rainer kühn permalink
      29. Dezember 2011 19:06

      Ich empfinde es als sehr schön und trostreich für mich, daß mein vielleicht schon Volkszeitungskommilitone wwalkie sich mit Bedenkenswertem diskutierend wieder hier, im Abseits des Boulevards, meldet als Stimme, die etwas zu sagen hat. Seinen Satz: „Verzerrte, nur auf Personen fixierte Wahrnehmung hilft wahrlich nicht weiter. Dafür ist die Sache nach wie vor zu ernst.“ möchte ich unterstreichen.
      Denn ob etwa Rahab etwas gesagt hat – was ich kopfschüttelnd gelesen habe und was derSamstag hier in unserer MI gerade auch als Dokument zitiert hat -: das ist wirklich nicht der Rede wert, wobei ich nicht einmal den geworfenen Inhalt meine, sondern zuvörderst die inhumane sprachliche Form. Von Rahab. Auch den weiteren Damen. Und mitreisenden Herren.
      Was hilft weiter; das auszuhalten: was in der aktuellen Welt und den Medien geschieht – ja, ich habe keine bis wenig Ahnung, aber wenn wwalkie mitdenkt, liest und mitteilt, und zitiert, etwa wie oben, dann möchte ich doch wieder die orthodoxe kritische Theorie empfehlen und deren wenige Originalrezipienten, die sie denkend weiterschreiben: als Kritik. Des Ganzen. Nicht der Einzelnen.

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    • 30. Dezember 2011 14:21

      Nochmal zu der Bemerkung über die angeblich „verzerrte, nur auf Personen fixierte Wahrnehmung“: Mit seiner „Moralkeule-Auschwitz-Rede“ 1998 in der Paulskirche hat die Einzelperson Martin Walser gesellschaftliche Veränderungen angestoßen. Die „Moralkeule Auschwitz“ verurteilten nach ihm weitere Einzelpersonen, wie Finkelstein oder Zuckermann in ihren Büchern, worauf sich die Antisemiten dieses Landes freudig berufen. In den einschlägigen Foren wird scheinbar hemmungslos gegen den Judenstaat gehetzt und jede Gegenrede mit der Auschwitzkeule / Antisemitismuskeule abgetan.

      Die Einzelperson Ernst Nolte löste 1986 mit einem Beitrag in der FAZ (Holocaust / ‚asiatische‘ Tat – Deutsche / potentielle Opfer Stalins) den Historikerstreit aus. Nolte faselte später vom „Europäischen Bürgerkrieg 1917–1945“. Laut der Einzelperson Nolte zeigte der Luftangriff auf Hamburg 1943 einen „Vernichtungswillen der Alliierten gegenüber der deutschen Zivilbevölkerung“. Nolte meinte, die Aufmerksamkeit für den Holocaust lenke von anderen NS-„Tatbeständen“, etwa der Euthanasie und Behandlung der russischen Kriegsgefangenen, und von gegenwärtigen Fragen ab, etwa nach dem ungeborenen Leben (Abtreibung) und danach, ob die sowjetische Besetzung Afghanistans Völkermord sei. Nolte bezeichnete Martin Hohmann, der wegen seiner als antisemitischen Rede aus der CDU ausgeschlossen worden war, einen tapferen und respektablen Streiter für Meinungs- und Gewissensfreiheit.

      Alle diese Einzelmeinungen dieser und vieler anderer vergleichbarer Einzelpersonen ergeben ein Gesamtbild. So dubios und umstritten diese Meinungen der Walsers und der Hohmanns für viele in der Entstehungszeit waren, nach und nach haben sich diese reaktionären Positionen zumindest teilweise einen festen Platz in vielen Köpfen der deutschen Gesellschaft erobert, was in vielen Artikeln und Kommentaren hier bei „Mission Impossible“ nachgewiesen wurde.

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    • 31. Dezember 2011 10:10

      @wwalkie, ich kann Deinen Satz „Verzerrte, nur auf Personen fixierte Wahrnehmung hilft wahrlich nicht weiter.“ in Bezug auf das Blog nicht nachvollziehen. Es handelt sich um eine abgehobenes geistiges Ideal, das mit Praxis nichts zu tun hat. Eine dialektische Denkart oszilliert zwischen Allgemeinem und Besonderem. fidelche belegt seine Thesen von der „deutschen Schulabwehr“ und der gescheiterten „Erziehung nach Auschwitz“ gerade nicht durch eine „nur auf Personen fixierte Wahrnehmung“ sondern durch das Faktum des weit verbreiteten Antisemitimus, das er mit statistischen Umfragen (Meinungsumfrage der EOS Gallup Europe im Auftrag der EU-Kommission) begründet. Die Nennung von Einzelpersonen soll, so wie ich es verstehe, nur im Besonderen antisemitische Tendenzen von „public figures“ aufzeigen und die bereits begründete These weiter untermauern. Ein Schweigen zu Prominenten, die sich antisemitisch äußern, erfüllt Adornos kategorischen Imperativ sicher nicht. Mich hätte deshalb interessiert, woran Du diesen Deinen Satz „Verzerrte, nur auf Personen fixierte Wahrnehmung hilft wahrlich nicht weiter.“, der von Rainer sogar noch „unterstrichen“ wird, HIER festmachst?

      lg LL

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  6. 29. Dezember 2011 15:53

    Danke für den bewegenden Artikel.Über die deutsche Schuldabwehr gibt es von Olaf Kistenmacher einen guten Vortrag, der auf freie-radios.net zu hören ist.
    Als „sekundären Antisemitismus“ bezeichnet die Kritische Theorie eine Judenfeindschaft, die erst nach 1945 entstanden ist. Dieser Erklärungsansatz wird oft für den Antisemitismus in der politischen Linken herangezogen, denn er benennt die besonderen Motive, die gerade nach 1945 für eine antifaschistische Linke zentral sind. Um Schuldgefühle abzuwehren, setzten radikale Linke die Politik des Staates Israel mit der Shoah gleich.

    http://freie-radios.net/45355

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    • 29. Dezember 2011 22:26

      Danke für den Vortrag von Olaf Kistenmacher, der zwar von Fußball keine Ahnung hat, aber Kritische Theorie so auslegt wie ich sie gelernt habe. Der Anschlag der Tupamaros im jüdischen Gemeindehaus gehört dazu. Die Kritik an diesem Anschlag könnte zwar auch als eine verzerrte, auf Personen fixierte Wahrnehmung interpretiert werden, was der Wahrheitsfindung aus meiner Sicht jedoch nicht im Wege steht.

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  7. 29. Dezember 2011 21:12

    Mich interessiert eigentlich heute noch zu vörderst nur die geräuschlose Integration der Täter und tätigen Mitläufer in die Nachfolgerepublik, in der ich geboren bin. Genau solches Interesse hat kritische Theorie gelehrt, nicht ein bloß historisches. Die Zeit der Taten habe ich studiert, an der WWU Münster und weiter im Privat- und Arbeitsleben. In den siebziger Jahren waren die Nazi-Täter nochmals hochpräsent, durch Gegentäter, in den offiziösen Nachrichten und den Untertischverkäufen, in den 80er Jahren verfuselte schon alles in bloßen und blanken Debatten, die theoretisch der Worteterrorist Habermas angezettelt hat. – Reden ist Gold, Schweigen ist Silber, Leben ist auch mal Draufhauen. Ein No go bestimmen. Bürger sind dazu nicht in der Lage. Bürger gehen und grüßen auf ihrem Bürgersteig. Mit Bürgersteigkarte.

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  8. 29. Dezember 2011 21:16

    Umfragen, wie die von der EU-Kommission in Auftrag gegebene, könnten Detlef Claussen, einem Vertreter der dritten Generation der kritischen Theorie, als Prämisse gedient haben, wenn er die Überzeugung, dass Antisemitismus das Unnormale sei, als FALSCH beschreibt.
    Adorno-Schüler Claussen erklärt: „In der modernen Gesellschaft ist im Gegenteil Antisemitismus das Normale; Sehnsucht nach Normalität, die jeder an sich für legitim hält, produziert neuen Antisemitismus. Einverständnis mit dem status quo bedeutet deswegen auch immer Einverständnis mit dem real existierenden Antisemitismus. Deswegen die Tendenz, den real existierenden Antisemitismus zu leugnen – oder wenn man ihn schon nicht leugnen kann – zu marginalisieren…[…]…Wenn eine Gesellschaft antisemitisch ist, produziert sie naturwüchsig in jedem Mitglied der Gesellschaft Antisemitismus. Beim Entstehungsprozess antisemitischen Bewusstseins spielen deswegen reale Juden, ob tot oder lebendig, überhaupt keine Rolle.“ Das wäre ein klassischer „circulus vitiosus“!

    lg LL

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    • 29. Dezember 2011 22:27

      Eben, das ist es: richtig zitieren. Und ‚baff‘ der blöde blödgehaltene zeitbelesene Alt-Kanzler-Schmidt-Bürger. Die olle Scheißsozialdemokratie. – Ach, Träume. Nur die Kommunisten werden jemals ein wirklich gutes Fußballspiel hinlegen.

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    • 29. Dezember 2011 22:55

      Danke Louis Levy,

      wieder mal ein Kommentar dem ich voll zustimme. Die Tendenz, den real existierenden Antisemitismus zu leugnen oder zu marginalisieren habe ich schon oft erlebt, auch hier. Von dem Vertreter des Freitags, der sich scheinbar gerne mit Kritischer Theorie beschäftigt, habe ich bisher noch kein Wort gegen die Antisemiten in seinem Forum gehört, den Ernst der Sache nicht erkennend. Ich empfehle deshalb mal ein Buch von Detlev Claussen in die Hand zu nehmen, am besten „Grenzen der Aufklärung – Die gesellschaftliche Genese des modernen Antisemitismus“

      Die Umfrage der EU-Kommission mit den 65 Prozent ist ein Beleg von vielen. Die zitierten Einzelaussagen sind die Spitze eines Eisberges. Ignaz Bubis kritisierte Walser sehr berechtigt, auch wenn so mache ihm falsche Wahrnehmung vorwarfen.

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    • 30. Dezember 2011 14:03

      Detlev Claussen schreibt am Ende von „Grenzen der Aufklärung“:
      Das Bewusstsein, nicht das Gefühl, das schon längst kalt geworden ist beim Betrachten des Grauens, verlangt nach Versöhnendem. Ein Aufstand am Ende, vielleicht im Angesicht der Befreiung. Doch schon die Arbeit gehörte in Auschwitz zum Plan des Todes. Arbeit macht nicht frei; Kampf kann nur noch Irreales bedeuten. Die letzten KZ-Aufstände, die von ganz wenigen Einzelnen, die noch nicht von der Knochenmühle zermartert waren, versucht wurden, haben etwas Marginales angesichts der Massenvernichtung. Marek Edelman, der zu den wenigen gehört, die den ungleichen Kampf 1943 im Warschauer Ghetto aufnahmen, erregt sich über die Unterstellung, die Juden hätten sich abtransportieren lassen wie die Lämmer zur Schlachtbank. Hanna Krall berichtet: »Mein Kind, sagt er zu mir, „Du musst das endlich verstehen. Diese Menschen gingen ruhig und würdevoll. Es ist schrecklich, wenn man so ruhig in den Tod geht. Das ist wesentlich schwieriger als zu schießen. Es ist ja viel leichter, schießend zu sterben, es war für uns viel leichter zu sterben, als für einen Menschen, der auf den Waggon zugeht und dann im Waggon fährt und dann eine Grube für sich gräbt und sich dann nackt auszieht . Verstehst Du das jetzt?“ fragt er. „ja“, sage ich, „es fällt uns auch viel leichter, ihren Tod mitanzusehen, wenn sie schießen, als wenn sie Gruben für sich selbst ausheben.“ Der Anblick der in den Tod gehenden Menschen ist schier unerträglich; aber er eröffnet – anders als die Leichenberge von Bergen-Belsen – Möglichkeiten zu erinnern, was gewesen ist. Allein in der Erinnerung liegt die Chance, den kategorischen Imperativ nach Auschwitz zu einem bewussten Inhalt des Lebens zu machen, ohne die Ermordeten verraten zu müssen, weil die Gefühle es nicht ertragen. Die Befreiung kann nicht aufheben, was geschehen ist. Wenn Auschwitz die bürgerliche Anthropologie verändert, die Grenze des Todes in das Leben vorgeschoben hat, dann kann nur die bewusste Erinnerung erkennen, dass Zeit die Wunden nicht heilt. Was wir können, ist, zu erinnern, was war, und den kategorischen Imperativ ernstzunehmen: »Denken und Handeln so einzurichten, dass Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts Ähnliches geschehe.«

      Wer in den diversen moderierten Foren diverser Zeitungen gegen die Holocaustüberlebenden und deren Nachfahren tagtäglich auf unerträgliche Weise hetzt, den Staat der Überlebenden des Holocaust „Apartheidstaat“ nennt, Boykottaufrufe gegen sie initiiert, den mörderischen Antisemitismus der Nachbarstaaten Israels ignoriert, hat aus meiner Sicht den kategorischen Imperativ Adornos nie ernstgenommen.

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      • 30. Dezember 2011 17:59

        Nach Brechts Formel „Wer die Wahrheit nicht kennt, ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.“ möchte ich ein besonderes Augenmerk auf sogenannten Intellektuellen, denn in Wahrheit gibt es nur sogenannte, werfen, deren Missachtung des neuen kategorischen Imperativ ungleich schwerwiegender zu bewerten ist. Gefordert ist deshalb eine Regeneration kritischer Intellektualität, die sich endlich unter dem von Adorno formulierten neuen kategorischen Imperativ stehend begreift!

        lg LL

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  9. 30. Dezember 2011 13:50

    1982 schrieb Wolfgang Pohrt in der TAZ – Entlastung für Auschwitz:

    Die Juden in Deutschland sind tot, vernichtet, es gibt sie nicht mehr. Dennoch gerät man hier leicht in den Verdacht, einer zu sein. (….) Wer Menachem Begin gegen die beleidigte Volksgemeinschaft in Schutz nimmt, muss ein Jude sein. Als solcher hat er die Pflicht, zu beweisen, dass er ein guter Jude ist, d.h. er muss sich vom Zionismus distanzieren. Die Bitte, den Arier-Nachweis vorzuzeigen, schwingt verstohlen auch in der bei allen linken und alternativen Versammlungen und Diskussionen mittlerweile üblichen Standardfrage mit, wer er denn eigentlich sei. Die Frage ist leicht zu beantworten, ganz ohne Ahnenforschung: So sicher, wie man kein Jude im Sinne von vor 1933 ist – denn diese Juden existieren nicht mehr -, so sicher ist man einer im Sinne von nach 1933. Man hat nämlich damals den Begriff »Halbjude« eingeführt, einen Begriff, der nach weiterer Differenzierung verlangt, und je weiter diese Differenzierung getrieben wird, desto größer wird auch die Anzahl der Juden, spätestens beim Promillejuden ist dann aus Gründen statistischer Gesetzmäßigkeit wohl jeder dabei. Stets folgert aus dem Ideal absoluter Reinheit die deprimierende Diagnose: Totalverseuchung. Totalvernichtung inklusive der eigenen Bevölkerung, war konsequenterweise die Therapie.

    Wenn also, nach Auschwitz, die Juden alle und niemand sind, gegen wen richtet sich dann der Antisemitismus in Deutschland? Er richtet sich nicht gegen jene Deutschen, die beträchtlichen inszenatorischen Aufwand betreiben müssen, um als Juden zu gelten, sondern er richtet sich gegen Israel, und die Rehabilitierung Deutschlands als Nation ist sein Zweck. Weil gerade die Linken hier weder den Nationalsozialismus noch Auschwitz begriffen haben, weil sie ersteren mit einem besonders tyrannischem Regine und letzteren mit einem besonders grausamen Blutbad verwechseln, deshalb haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben, das Unrecht, welches sie anderswo entdecken, könne Deutschland entlasten. Wenn sich die deutsche Vergangenheit schon nicht verteidigen und rechtfertigen lässt, dann soll wenigstens niemand besser sein, und schon gar nicht die Juden. Die Annahme, der Zionismus könne diesem Nachweis dienen, hat ihn für die westdeutsche Linke so außerordentlich und weit über das Maß seiner realen Bedeutung hinaus interessant gemacht. Dreihundert von der südafrikanischen Polizei in Soweto erschossene Schüler kümmern niemand. Drei erschossene Schüler in Hebron machen die westdeutsche Linke vor Empörung fassungslos. Die Unterdrückung und Verfolgung der Palästinenser durch Israel wird so genau beobachtet und so leidenschaftlich angeprangert, weil sie beweisen soll: es gibt keinen Unterschied. So merkt die westdeutsche Linke nicht, dass ihr der Unterschied zwischen Deutschland und den anderen Nationen mit jedem Versuch, ihn zu verwischen und zu tilgen, nur umso kolossaler entgegentritt. (…)

    Das schrieb Pohrt wohlgemerkt 1982, zu der Zeit des Libanonkrieges, in einer Zeit in der die israelische Regierung zweifellos einige Fehler machte.

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    • derSamstag permalink
      31. Dezember 2011 12:00

      „Weil gerade die Linken hier weder den Nationalsozialismus noch Auschwitz begriffen haben, weil sie ersteren mit einem besonders tyrannischem Regine und letzteren mit einem besonders grausamen Blutbad verwechseln, deshalb haben sie die Hoffnung nicht aufgegeben, das Unrecht, welches sie anderswo entdecken, könne Deutschland entlasten.“

      Dieser 30 Jahre alte Satz hat noch immer seine Gültigkeit, leider.

      Ich wünsche ein gutes neues Jahr.

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    • 31. Dezember 2011 13:45

      Dazu passt: Die Wochenzeitung »Die Zeit« berichtet im Jahre 2000 über die Ergebnisse einer Emnid- und einer Forsa-Befragung. Demnach „können rund zwei Drittel der 14- bis 18-jährigen Deutschen mit dem Begriff Holocaust nichts anfangen. Bei den Volks- und Hauptschülern sind es sogar 87 Prozent, die von der Schoah keine Ahnung haben, unter jungen Menschen mit Abitur oder Fachhochschulreife immerhin noch 43 Prozent.“

      http://www.zeit.de/2000/33/Holocaust_-_was_soll_das_sein_

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    • 2. Januar 2012 12:25

      Pohrts Satz vom „besonders grausamen Blutbad „ trifft den Nagel auf den Kopf. Für einen Großteil der Deutschen ist der Holocaust eine Variante der allgemeinen Fremdenfeinlichkeit. Sie haben die Singularität von Auschwitz, sie haben Auschwitz und den Nationalsozialismus nicht begriffen. Die Einzigartigkeit und das Ineinandergreifen von der Wannseekonferenz, den Transporten in Viehwagons, der flächendeckenden mit deutscher Gründlichkeit durchgeführten Suche nach jüdischen Opfern in Europa, den Gaskammern, den Massenerschießungen, der Verarbeitung von Haaren und Goldzähnen der Opfer, eingebettet im Überfall Deutschlands auf Europa und die SU mit dem „Unternehmen Barbarossa“ mit 25 Millionen ermordeter Sowjetbürger wollen diese Deutschen nicht erkennen. Dafür machen sie das Opfer zum Täter. Was gibt es für sie schöneres als Israel zu kritisieren? Artikel in Massenmedien wie der TAZ mit Aussagen wie, „Wir Israelversteher“ oder “ Israels rechte Regierung instrumentalisiert den Holocaust für ihre Politik. Gerade viele Deutsche zeigen sich für diese Propaganda sehr empfänglich“(Daniel Bax) sind Labsal für die geschundenen deutschen Seelen.

      Unrecht, welches sie anderswo entdecken, bei den Türken, bei den Amerikanern, bei Stalin oder am besten bei den Juden in Israel könne Deutschland sehr schön entlasten, so die Deutschen, die den „Juden Auschwitz nie verzeihen werden“.

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    • Amon permalink
      2. Januar 2012 15:32

      Im Januar 1942, also vor 70 Jahren trafen sich in der Villa Wannsee 15 Teilnehmer zum Arbeitstitel „Die Endlösung der Judenfrage“. Das Ergebnis dieser Konferenz war derbeispiellose Völkermord an sechs Millionen Juden in Europa.

      Es versammelte sich dort keineswegs ein ungebildeter Mob von verrohten Nazis, es waren deutsche promovierte Juristen, Volkswirte und Theologen. In sieben der 15 Lebensläufe wird kann explizit auf den christlich-religiösen Hintergrund der Eltern hingewiesen werden. Bei den Treffen selbst herrschte „deutsche Reinkultur“: „Das geht eben sehr ruhig, sehr freundlich, sehr höflich, sehr artig und nett zu- es werden nicht viele Worte gemacht.
      „Es wurde Cognac gereicht durch die Ordonanzen und dann war die Sache ebenvorbei“, erinnerte sich Adolf Eichmann bei seinem Verhör in Israel 1960 an die Sitzung, die das Todesurteil über elf Millionen Menschen fällte. Auch wenn während der Sitzung Klartext geredet wurde und von Vergasung, Erschießung und Zu-Tode-Schinden die Rede war, spiegelt sich dies im Protokoll lediglich als „Sonderbehandlung“ wieder. Dass das „Land der Dichter und Denker“, das kulturelle Herz Europas, in dem beispielsweise der Buchdruck erfunden wurde, zum Ort der Verbrennung von Büchern, Synagogen und der Judenvernichtung in ganz Europa wurde ist bis heute unfassbar und sprengt das menschliche Verstehen.

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    • 4. Januar 2012 17:28

      Dazu passt auch:
      „Antiisraelismus hat längst Einzug in den Bundetag gehalten; spätestens mit der Teilnahme von Bundestagsabgeordneten der Partei Die Linke an der Gaza-Flottille, welche gewaltsam die Blockade von Gaza über den Seeweg durchbrechen wollte. Negative Konsequenzen zog dies für die teilnehmenden Politiker nicht nach sich. Im Gegenteil, ihre Aktion war propagandistisch erfolgreich, wie auch der Beschluss des Deutschen Bundestages zur Gaza-Blockade im Nachgang zeigt.

      Wundern tut dies alles nicht. Spiegelt die Politik doch nur die Meinung der Bevölkerung wieder. Laut einer Umfrage von Emnid, die N24 am 11. November veröffentlicht hat, fordern 83 % der Deutschen, dass sich Deutschland, sollte es zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran kommen, neutral verhalte. Nur 16 % der Deutschen sprechen sich hiernach für eine militärische Unterstützung Israels gegen Iran aus.

      Laut einer Studie der Fakultät für Erziehungswissenschaft am Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung von Prof. Dr. Andreas Zick, Stand 2011, ärgerten sich 63 % der Deutschen im Jahre 2008 darüber, dass ihnen die Verbrechen der Nazis noch heute vorgehalten würden und 57.3 % der Deutschen waren im Jahr 2010 der Meinung, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe.

      Nimmt man diese Zahlen, erkennt man, dass die deutsche Staatsräson betreffend die Sicherheit Israels zur Floskel verkommen ist. Auch das stetige „nie wieder“ der Deutschen offenbart sich als inhaltsleer, wenn 83% der Deutschen wollen, dass sich Deutschland heraushält, wenn der Iran seine Vernichtungsandrohungen gegen den jüdischen Staat wahr machen sollte. “

      http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_nase_und_die_hosen_voll/

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  10. Michael L. permalink
    2. Januar 2012 16:14

    Obwohl ich schon extrem viele Schilderungen von den Zuständen in den Konzentrationslagern und Vernichtungslagern gelesen, gehört und gesehen habe, bin ich jedes Mal von Neuem erschüttert, wozu die Kreatur Mensch fähig ist, wenn es darum geht, anderen Menschen Leid und/oder den Tod zuzufügen. Dass es noch immer so viele Deutsche gibt, die ohne jede Empathie ohne jede Scham von den Juden als „Tätern“ sprechen oder Israel als einen “ Apartheitsstaat“ verurteilen, will mir einfach nicht in den Kopf, macht mich fassungslos.

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    • 3. Januar 2012 12:25

      Mir geht es ähnlich @Michel L.
      Dazu kommt die unerträgliche Vorstellung, dass Holocaustüberlebende in der israelischen Armee wenige Jahre nach ihrer Befreiung ihr Leben für den Staat Israel lassen mussten. Die in dem Artikel angerissene seit Jahrzehnten vorherrschende antijüdische Hetze gegen den Staat Israel bewirkt bei mir schweren Brechreiz.

      Ralph Giordano nennt es „zweite Schuld“, „von der Last Deutscher zu sein“: „Der Leichenberg im Keller der deutschen Geschichte fragt nach dem Befinden weder der Tätergenerationen noch ihrer Kinder und Kindeskinder. Er ist da. …

      Kritik an Israel? Jederzeit! Aber für Deutsche, auch für die schuldlos beladenen Söhne, Töchter und Enkel, kann sie nur durch den Filter jener geschichtlichen Skrupel erfolgen, die jede aufrichtige Beschäftigung mit der Nazizeit unweigerlich hervorrufen muss. Die »Unbefangenheit« des linken Antisemitismus gibt sich nicht weniger verlogen als die elterliche. Jugendstatus und demonstratives Pochen auf Schuldlosigkeit beeindrucken nicht. Unbefangen kann nur der sein, der sich in all diesen Fragen zuvor als befangen erklärt hat.“

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    • 3. Januar 2012 12:58

      Nö – das kann sie nicht.

      Ich bin ein Sohn und nicht beladen und lasse mir das auch nicht aufoktruieren. Der Sohn eines Mörders oder Vergewaltigers ist an den Taten seines Erzeugers ebenso wenig schuld, wie wir es am Dritten Reich sind. Wenn man überhaupt von Beladenheit reden kann, dann im Sinne einer gemeinsamen Gegnerschaft, denn beladen ist hier die gemeinsame Geschichte mit einem Verbrechen. Das heißt aber eben genau das: Gemeinsam. Es kann aber nicht heißen, dass ich mich als jemand, der zufällig hier geboren wurde, permanent erklären muss, bevor ich HEUTIGE Politik kritisiere. Mich unterscheidet NICHTS von einem Amerikaner, Italiener, Schweizer oder auch Israeli, was mein Leben im Hier und Jetzt mit seinen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen betrifft und damit existiert kein: „Aber für Deutsche,…“. Es ist absurd, einem heutigen Bürger so zu begegnen, ihn mit dem „Leichenberg“ zu konfrontieren. Wäre er in den USA geboren worden, würde niemand diese Forderung aufstellen – dann wäre er einfach Amerikaner. Ein Bürger, dessen Eltern irgendwann ausgewanderten, wäre dieser dann auch „beladen“, weil er deutsche Vorfahren hat? So leid es mir tut – aber dieses Denken ist primitives Rassendenken, denn es impliziert eine „genetisch“ begründete Charakterisierung. Es ist eine Aussätzigen-Rhethorik, die unterstellt, dass – weil jemand deutsche Eltern hat – für ihn „andere Regeln“ gelten, als für den Rest der Welt.

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    • 4. Januar 2012 14:38

      @Michael Pliwischkies
      Weiter oben hast du bestätigt, dass es eine besondere deutsche Verantwortung gibt, dass der neue kategorische Imperativ für die Deutschen als die Erben (Hitler-Deutschlands) besonders gilt. Mit deinen Kommentaren, insbesondere dem vom 03/01/2012 12:58 negierst du dich selbst.

      Nur zur Info in den USA gab es keinen Holocaust, keine „Nürnberger Gesetze“ und auch keine Wannseekonferenz. Den Holocaust gab es in Deutschland. In Berlin gibt es viele Häuser in denen jüdische Familien gewohnt haben, die deportiert und dann in Auschwitz vergast wurden. Vielleicht liegt eines dieser Häuser in deiner Nachbarschaft.

      Im Übrigen bin ich nicht auf alle Aussagen in deinen letzten Kommentaren eingegangen. Ich distanziere mich an dieser Stelle ausdrücklich von deinen Ansichten in den Blogs „Auschwitz und die deutsche Schuldabwehr“ und „Sekundärer Antisemitismus“!

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      • 4. Januar 2012 15:12

        Das Eine hat mit dem Anderen nur bedingt etwas zu tun. Ein Staat oder sagen wir – eine Geografie – besitzt eine Geschichte und da die Vorkommnisse hier stattfanden, erscheint es mir als angemessen, hieraus zu lernen und Ähnliches für die Zukunft zu verhindern. Daraus erwächst eine besondere Verantwortung, was ich auch nicht bestreite. Diese gründet sich aber nicht auf der Schuld „der Deutschen“. „Die Deutschen“ – und dabei bleibe ich – sind nicht schuld am Holocaust. (Diesen Satz kannst du jetzt wieder aus dem Zusammenhang reißen und mir dann auch mal Holocaustleugnung unterstellen.) Schuld daran waren die Menschen, die seinerzeit daran – in welcher Form auch immer – beteiligt waren und niemand sonst.

        Ob du dich von meinen Aussagen distanzierst, ist mir – gelinde gesagt – völlig gleichgültig. Niemand zwingt dich dazu, sie zu teilen, wie auch ich nicht gezwungen bin, deine zu teilen.

        Allerdings verstehe ich zuweilen deine radikalen Formulierungen nicht. Ich benötige – scheinbar im Gegensatz zu dir – dieses Schuldeingeständnis nicht, um konsequent gegen Rassistisches in jeglicher Form vorzugehen. Das tue ich nicht, weil ich mich irgendwie „schuldig“ fühle, sondern weil mich derlei anwidert. Ich wehre auch keine Schuld ab, wenn ich israelische Politik ggf. kritisch betrachte. Diese kritische Betrachtung ändert nämlich nichts daran, das ich diesen souveränen Staat natürlich anerkenne.

        Was ich aber niemals tun werde, ist, Kritik zu unterlassen, weil der Kritisierte oder Angehörige in der Vergangenheit einmal großes Leid erfahren haben. Übrigens ist auch das ein Teilaspekt der Anerkennung. Diese äußert sich nämlich nicht in „Persilscheinen auf Basis der Vergangenheitsbewältigung“, sondern darin, einen Staat wirklich vollwertig anzuerkennen – mit allen Rechten und auch Pflichten in einer modernen Staatengemeinschaft.

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  11. G.H. permalink
    4. Januar 2012 10:01

    Ernst Nolte schreibt in „Der kausale Nexus“ 2002: „Zwar ist eine Annahme, welche die Vergasung als »Einschläferung« aufzufassen scheint und in einem bekannten SS-Dokument auch wörtlich so verstanden wird, all denjenigen unerträglich, welche die Singularität von Auschwitz in exzessiver Grausamkeit sehen wollen, aber sie dürfte mehr Kraft des Wahrscheinlichmachens haben als die Berichte von Dr. Nyiszli, Filip Müller und Elie Wiesel.“

    Laut Nolte war die systematische Judenvernichtung eine „begreifliche Folge der Oktoberrevolution und des angeblich mehrheitlich von Juden befehligten Massenmords an Bürgern und Bauern in der UdSSR“. Nolte, der Prototyp für “deutsche Schuldabwehr”.

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    • 4. Januar 2012 17:55

      „…angeblich mehrheitlich von Juden befehligten Massenmords an Bürgern und Bauern in der UdSSR“

      Wahnsinn!

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      • 5. Januar 2012 13:05

        Hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Juden_in_Russland

        Das ist ja genau der Punkt. Sicherlich kann man nicht aufhören, auf das Dritte Reich zu verweisen und die Vorkommnisse auch zu thematisieren. Das ist schon gut und richtig so. Allerdings greift das meines Erachtens zu kurz – und das schreibe ich nicht, weil ich das Deutschland dieser Zeit „entschulden“ möchte (Im Sinne von: „Die anderen haben aber auch was gegen die Juden gehabt). Ich schreibe es, weil es nichts bringt, sich über den damaligen deutschen Antisemitismus zu echauffieren und ihn auch im Hier und Heute auszumachen, wenn man dabei den Gesamteuropäischen außer Acht lässt. Das birgt die Gefahr in sich, dass sich dieses Denken in „unbeobachteteren Ländern“ bequem über die Zeit retten kann. Und das halte ich für ein hohes Risiko. Hier erscheint es in der Diskussion oft so, als gäbe es nur deutschen und palästinensischen Antisemitismus – aber eben genau das ist falsch und diese Fokussierung lässt Rassisten und Antisemiten in anderen Ländern meines Erachtens zu viel Luft, um ihren Mist in die Welt zu blasen.

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  12. Jackson permalink
    5. Januar 2012 13:04

    Max Horkheimer schrieb zur Täter-Opfer Umkehrung, in den das individuelle wie das kollektive Moment gehört, folgenders:

    „Verletzter Stolz bedeutet eine Wunde im Kollektiv nicht weniger als im Individuum. Die Juden, die die Opfer waren, sie sind mit dem Gedanken an die Katastrophe verknüpft, mit der von Deutschen wie mit der an Deutschen geübten Gewalt. Im Unbewussten werden die Rollen vertauscht. »Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig.« Narzißtische Kränkung zu überwinden, ist überaus schwer, und noch die Generation, die gar nicht beteiligt war, leidet an der Wunde, die sie selbst nicht kennt.“

    http://www.hagalil.com/antisemitismus/kritische-theorie/052.htm#_ftn207

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    • 5. Januar 2012 13:16

      Max Horkheimer starb 1973 und war Sozialphilosoph. Er starb, als ich gerade 7 war. Wie will er etwas von meinen „Wunden“ wissen oder von denen, die noch später geboren wurden? Natürlich ist es verständlich, dass er das vor seinem fachlichen und eigengeschichtlichen Hintergrund so sah, doch ist das eben nicht einfach adaptierbar.

      Für mich ist die Frage nach Tätern und Opfern ganz eindeutig beantwortet. Die Täter waren die Nationalsozialisten und ihre Helfer, die Opfer Menschen jüdischen Glaubens/Abstammung, weitere stigmatisierte Ethnien und politische Gegner. Das kränkt mich nicht und ich fühle mich auch zu keiner Abwehr genötigt, denn „mein“ Deutschland ist nicht das der 1930er und 1940er Jahre. Mein heutiges Deutschland kennt kein „Kollektiv“ in dieser Form. Aber vielleicht kann man Horkheimer nachvollziehen, wenn man ihm zugesteht, selbst noch in einem Kollektiv verhaftet gewesen zu sein.

      Letztlich denke ich, dass der Hinweis dennoch gut ist, weil er eine Möglichkeit aufzeigt – nämlich die der Abkehr von eben diesem nationalistischen und – narzistischen – Kollektiv hin zu einem offenen freien Staat, der eine Eigendefinition auf dieser Basis nicht nur nicht zulässt, sondern überflüssig macht auf der Basis eines Wertewandels.

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    • 5. Januar 2012 14:51

      Max Horkheimer starb 1973, stimmt, aber was er sagte trifft heute genauso zu, nein trifft heute mehr denn je zu. Wie sonst wäre der heutige deutsche Hass gegen Israel zu erklären.

      Offener Brief an die israelische Botschaft

      Die Linkspartei – „derFreitag“ und ihr antisemitischer Antizionismus

      Gleichschaltung und „feiger Hass“ nach dem „Stopp“ der „Mavi Marmara“

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      • 5. Januar 2012 15:11

        Sorry – aber die ewigen Verweise auf deine eigenen Artikel, also deine eigene Sicht, belegen nichts, zumal sie meist auf Einzelmeinungen aus dem Freitag aufbauen. Und nein – es trifft so nicht mehr zu. Dem widerspreche ich vehement. Mir ist zudem der unterstellende Gebrauch des Wortes Hass ein wenig zu inflationär. Auf wessen Seite hier mehr Hass existiert, wäre noch zu diskutieren.

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      • 5. Januar 2012 15:37

        Stephan Krammer vom Zentralrat der Juden spricht sogar vom „feigen Hass“. In den von mir verlinkten Artikeln geht es sehr viel um den Israelhass der Linkspartei. Ich kann tausende weitere Beispiele bringen: Die deutsche Selektion von Juden in Entebbe, die Bombe von deutschen Linken im jüdischen Gemeindehaus, Norbert Blüms Aussage vom israelischen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser, Möllemanns Aussagen gegen Friedmann und Scharon, die Verhinderung des Lanzmann Filmes „Warum Israel“ in Hamburg, die Aussage des AK („Der Konflikt im Nahen Osten kann nicht anders gelöst werden als durch die Zerschlagung, des Zionistischen Staates“), Israel – „die blutrünstige und machtgierige Bastion gegen die Völker“ (Roter Morgen (KPD/ML), Der Zionismus –„der Feind aller Menschen“ (Autonome Nahostgruppe Hamburg), „Sieg im Volkskrieg“; Israel muss weg! (Interim,6) usw, usw. Vom Antisemitismus in den ganzen rechtsradikalen Medien wie NPD und Co. rede ich jetzt noch gar nicht.

        Dann kommen die Umfragen: Über sechzig Prozent der Deutschen sahen laut Umfragen im Jahre 2010 im jüdischen Zwergstaat die Hauptgefahr für den Weltfrieden. Knapp 60 Prozent der Deutschen meinen, dass Israel einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führe. Usw.

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        • 5. Januar 2012 15:54

          Mich stören nicht die durchaus berechtigten Hinweise auf die Aussetzer diverser Akrobaten – mich stört deine negative und unproduktive Gleichmacherei.

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      • 5. Januar 2012 18:00

        Michael Pliwischkies (05/01/2012 15:54)
        Die Frage ist nun wie kann irgendjemand irgendetwas belegen, wenn er keine Einzelaussagen und keine Umfragen für eine These heranziehen darf. Ich habe den geschichtlichen Hintergrund (Auschwitz) aufgezeigt, der von dir nicht bestritten wird und ich habe die deutsche antiisraelische Tendenz mit Umfragen und vielen „Einzelaussagen“ von bedeutenderen und unbedeutenderen Israelgegnern zur Untermauerung angeführt. Desweiteren habe ich die Bundestagsabstimmung vom 30.6.2010 mit dem einstimmigen israelkritischen Beschluss aller Parteien (wann gab es das schon mal) ins Spiel gebracht. Außerdem habe ich auf die wissenschaftlichen Untersuchungen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung hingewiesen. Tut mir leid aber welche Argumente hast du entgegenzusetzen?

        65 Prozent der Deutschen sind laut obigen Umfragen Israelgegner, es bleiben 35 Prozent. Viele von den 35 Prozent dürften unpolitisch sein und keine Meinung haben. Einige, vielleicht viele davon haben sich mit der Geschichte Deutschlands und Israels beschäftigt und äußern sich nicht antisemitisch. Aufgeklärte Menschen sprechen nicht vom „Apartheidstaat Israel“, von der „skurrilen Daseinsberechtigung Israels“, vom „Vernichtungsfeldzug der Israelis gegen die Palästinenser“ und machen nicht mit bei Boykottaufrufen gegen Juden. Wo siehst du dabei Gleichmacherei bei mir?

        Ich kritisiere antisemitische Aussagen, frage mich was die Motivation dieser judenfeindlichen Ausführungen sein könnte und das muss gut 60 Jahre nach Auschwitz erlaubt sein. Broder, Gremliza, Pohrt, Geisel, Küntzel, Haury, Poliakov, Bierl, Claussen , Feuerherdt, Frank, Tarrach, Scheit usw. machen und machten dass auch, nur viel besser als ich, aber die verdienen oder verdienten auch ihr Geld damit.

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        • 5. Januar 2012 18:37

          Das Problem ist, dass du Israel-Kritik im Grunde mit Israel-Feindschaft gleichsetzt. Das ist reine Agitation – mehr nicht. Du differenzierst nicht ausreichend – jedenfalls meiner Meinung nach nicht in Bezug auf dieses Thema, welches grundsätzlich mit reichlich Empfindlichkeiten ausstaffiert ist. Klar – du kannst für Deine Äußerungen von einigen Leuten Bestätigung einfahren – nur hilfreich im Sinne einer Verbesserung sind sie auch weiterhin nicht.

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        • 5. Januar 2012 18:39

          Oder anders herum gesagt: Leute wie du zementieren – trotz ihrer (ich unterstelle das einfach mal) guten Absichten einen Konflikt, den es eigentlich aufzulösen gilt. Sie tun das durch einen in Bausch und Bogen verurteilenden und aburteilenden Sprachgebrauch, gegen den sich viele Bürger schon aus Prinzip zur Wehr setzen müssen. Gratulieren werde ich dir dazu nicht und kann nur darauf hinweisen, dass der Name dieses Blogs völlig zu Recht so gewählt ist. Aber vermutlich anders, als du ihn dir gedacht hast.

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        • 6. Januar 2012 11:09

          @Michael Pliwischkies (05/01/2012 18:37)
          Ich habe nichts gegen faire, konstruktive Israelkritik, wer aber Israel mit dem deutschen verbrecherischen NS-System gleichsetzt oder antijüdische Boykottaufrufe gegen Israel initiiert und die „Charta der Hamas“ letztendlich ignoriert „argumentiert“ antisemitisch und dagegen habe ich etwas.

          Meinst du tatsächlich mit einer antisemitischen Verteufelung Israels und der gleichzeitigen Verharmlosung des arabischen Vernichtungswillens gegen den Judenstaat wird der Nahostkonflikt aufgelöst? Meinst du ernsthaft mit Antisemitismus kann man den Nahostkonflikt lösen?

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        • 6. Januar 2012 12:47

          Hör doch mal mit der Unterstellerei auf, Fidelche. Hat dir der Herr dort droben keine besseren rhetorischen Werkzeuge mit auf den Weg gebeben? Ich habe das zu keinem Zeitpunkt behauptet und würde das auch nicht tun. Meine Kritik richtet sich gegen das nationalistische Gedankengut und den Unwillen, einen echten Frieden herbei zu führen – und zwar auf beiden Seiten. Ich äußere mich weder antisemitisch, noch antizionistisch. Ich spreche allerdings beiden „Völkern“ (ich bezeichne sie mal verkürzt so) das Recht zu, ihr Leben dort leben zu dürfen. Hierzu bedarf es einer Lösung, die eben keinem Nullsummenspiel gleichkommt. Denn eines dürften oder sollten wir aus der Geschichte gelernt haben – das diese „Siege“ immer nur eine Vorbereitung auf die nächste Schweinerei sind. Auch die Verlierer stehen im Moment des Siegestaumels schon fest – es sind die, die es immer sind.

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  13. 5. Januar 2012 13:15

    Ein zentrales Ziel der Nationalsozialisten war es, das gesamte Judentum Europas auszulöschen. Erst mit dem Sieg der Alliierten konnte dieser Vernichtungskrieg endgültig gestoppt werden. Für die wenigen jüdischen Überlebenden gab es oftmals nur eine Hoffnung: Der neue Staat Israel, der sie zukünftig vor antisemitischen Übergriffen schützen sollte. Während die Deutschen die Trümmer ihres Weltkriegs-Verbrechen wegschaufeln, erklären mutige Menschen in Tel Aviv die Gründung Israels. Deshalb stehen beide Ereignisse in enger Verbindung zueinander. „Wer von Israel spricht, darf von der Massenvernichtung der europäischen Juden nicht schweigen.” (Detlev Claussen)

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    • 5. Januar 2012 14:46

      „Wer von Israel spricht, darf von der Massenvernichtung der europäischen Juden nicht schweigen.”

      Detlev Claussen war von einigen Wochen in München, mit mir als Zuhörer und ich stimme ihm nicht nur hierbei zu.

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  14. 6. Januar 2012 11:03

    @Michael Pliwischkies (05/01/2012 18:39)
    Bei dem Thema Nationalsozialismus und Auschwitz lasse ich mich auf keine Kompromisse oder Zugeständnisse ein. Dafür ist die Sache nach wie vor zu ernst. Deutsche „Weltfriedensstifter“ müssen damit leben, entlarvt zu werden, egal ob sie aus dem linken, dem rechten, dem friedensbewegten oder dem bürgerlichen Lager kommen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, verweise ich (ich weiß ich tat dies schon oft) auf den (diesmal) fast vollständigen (auf Personen fixierten) Text (mit Einzelmeinungen) von Wolfgang Pohrt. Hier der großartige, zeitlose Text von Wolfgang Pohrt der 1982 vergeblich der TAZ angeboten wurde:

    Der Täter als Bewährungshelfer

    Aus einem »Aufruf für den israelischen Rückzug aus dem Libanon«, unterzeichnet von der üblichen VIP-Riege: »Wir bekennen uns zur historischen Verantwortung der Deutschen gegenüber den Juden. Dies darf aber nicht bedeuten, dass wir eine Politik der Gewalt tolerieren, die anderen grundlegende Rechte verweigert.«

    Aus einer Petition der niedersächsischen Grünen, in der Ministerpräsident Albrecht gebeten wird, »alle Möglichkeiten auszuschöpfen, die geeignet sind, einen Stillstand der israelischen Aktionen zu bewirken«: »Wir sind der Meinung, dass wir Deutschen eine besondere Verantwortung haben, wenn es darum geht, Praktiken einer Ausrottungspolitik verhindern zu helfen.«

    Genscher in Jerusalem: »Der Frieden im Nahen Osten ist auch unserer eigener Frieden.«

    Karl-Heinz Janßen in der Zeit zum Umstand, dass die Libanon-Invasion zwei Stunden nach Genschers Abreise aus Jerusalem begann: »Augenfälliger lässt sich die Ohnmacht deutscher (und europäischer) Friedenspolitik im Nahen Osten nicht demonstrieren.« Karl-Heinz Janßen weiter: »Ebenso wie den Israelis ist unser Volk den arabischen Palästinensern verpflichtet.«

    Oder anders gesagt: Vormundschaft und Sorgerecht für das Opfer werden dem Täter zugesprochen. Mit den Verbrechen, die Deutschland an den Juden und an der Menschheit beging, hat es sich eigenem Selbstverständnis gemäß das Vorrecht, die Auszeichnung und die Ehre erworben, fortan besondere Verantwortung zu tragen. Der Massenmord an den Juden verpflichte, so meint man, Deutschland dazu, Israel mit Lob und Tadel moralisch beizustehen, damit das Opfer nicht rückfällig werde. Zwei angezettelte Weltkriege böten, so meint man weiter, die besten Startbedingungen, wenn es um den ersten Platz unter den Weltfriedensrichtern und Weltfriedensstiftern geht — frei nach der jesuitischen Devise, dass nur ein großer Sünder das Zeug zum großen Moralisten habe. Je schrecklicher die Sünde, desto tiefer die Buße und Reue, je tiefer die Buße und Reue, desto strahlender am Ende die moralische Überlegenheit. Dass Deutschland es den anderen Völkern doch noch einmal zeigen werde – ihnen zeigen, wie man ohne Waffen lebt – ist der Gedanke, der Helma Sanders‘ eigenem Eingeständnis zufolge an der Friedensbewegung fasziniert.

    Kein Anspruch auf moralische Überlegenheit freilich, der nicht irgendwann politische Machtansprüche begründet: »Der Frieden im Nahen Osten ist auch unser eigener Frieden«, erklärt besitzergreifend der Weltfriedensstifter und beklagt seine Ohnmacht – als würden nicht alle Kriegsgreuel vor den Schrecken jenes Friedens verblassen, den Deutschland in Polen, in Frankreich und Holland erzwungen hatte, als es die Macht dazu besaß.

    Die KdF-Theologie, welche den Bock zum Gärtner macht, mag die Deutschen beglücken. Anderswo wird man hoffentlich wissen, dass Deutschland das Recht, eine besondere Verantwortung zu tragen, für alle Zeiten verloren hat.
    [..]
    Statt dass die anderen Länder die deutsche Position zurückgewiesen hätten, haben sie sämtlich diese Position übernommen. Weltweit spielen inzwischen die Täter sich als Bewährungshelfer auf. Ausgerechnet die USA, deren Konzerne mit Regierungshilfe in Mittel- und Südamerika die Folter-Regimes reihenweise installierten, wollen mittels Seeblockade, Handelsembargo und Interventionsdrohung in Haiti die Demokratie erzwingen. Ausgerechnet Frankreich, dessen Armee während des Algerienkriegs sich im Folterkeller die Siege verschaffte, welche die Nation seit einem Jahrhundert an der Front nicht mehr gewann, mahnt die Einhaltung der Menschenrechte an. Während der Friedensbewegung schon fiel Beobachtern auf, dass der ökologische, pazifistische und moralische Rigorismus des vermeintlich besseren Deutschlands in der Tradition von Weltherrschaftsansprüchen stand, die nur diesmal nicht unter Verweis auf die militärische Potenz oder den Bedarf an Lebensraum, sondern auf geistige und moralische Überlegenheit angemeldet wurden. Ähnlich verhielt sich übrigens der ganze Westen, dessen ideologische Hauptwaffe bei der Zersetzung des Ostblocks die sogenannten Menschenrechte waren, welche sich mit Massenelend und Hungertod zwar bestens vertragen, überhaupt nicht aber beispielsweise damit, dass ein Sacharow seine Gedanken bloß seiner Frau erzählen und sie im Fernsehen oder in Zeitschriften nicht propagieren darf.

    Im Irak-Krieg noch, kurz nach der Wiedervereinigung, taten die Deutschen sich durch pazifistischen Rigorismus hervor. Seither wird das Rechtfertigungsmuster allmählich den veränderten Machtverhältnissen angepasst, also der Tatsache, dass Deutschland nach Wiedergewinnung seiner vollen Souveränität auch militärisch wieder mitreden kann. Beim moralischen Rigorismus ist es zwar geblieben, nur dass er jetzt nicht mehr der Verurteilung von militärischen Interventionen dient, sondern ihrer Rechtfertigung.

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    • 6. Januar 2012 12:41

      Tja – Fidelche – da sind wir eben unterschiedlicher Meinung. Ich lehne den Begriff des Tätervolkes kategorisch ab, egal, wo er auftaucht. Es gibt kein Tätervolk – nie und nirgendwo, denn allein dieser Begriff ist Zeugnis krudesten Rassendenkens. Ich gehöre keinem Tätervolk an, kein Amerikaner gehört einem an und auch kein Palästinenser und auch kein Israeli. Es existiert oder es darf keine Möglichkeit des Abwälzens der Verantwortung vom Individuum hin auf einen Volks- oder Rassebegriff geben – weder im „positiven“, noch im „negativen“ Sinn, denn genau an diesem Punkt beginnt das Elend.

      Dieses „Bock zum Gärtner machen“, wie im Text, unterstellt jedoch, dass jeder Bundesbürger, der sich kritisch zum Thema Nahost äußert, im Grunde immer noch ein Nazi ist. Und mit Verlaub – das ist menschenverachtend und dumm. Das Sorgerecht wird auch nicht dem Täter zugesprochen – auch wenn ich mich hier wiederhole -, denn Deutschland als Geografie ist nicht der Täter. Täter war eine damalige widerwärtige Ideologie und ihre damaligen Vertreter. Bei allem, was du hier anführst, müsstest du dir übrigens auch selbst den Schuh anziehen, ein Täter zu sein, der sich eigentlich nicht äußern darf, denn auch du übernimmst hier ein „Sorgerecht“ und „überhebst“ dich im Sinne der Äußerungen er von dir angeführten Zeugen.

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      • Reflexione Galore permalink
        6. Januar 2012 13:51

        Erinnert mich an Muhabbetci, der „die Amis“ als Tätervolk darstehen lassen wollte. Stichwort Abu-Ghuraib. Oder an GeroSteiner, der auch stets fleissig darum bemüht ist, Amis und Deutsche negativ darzustellen.

        Indivuduum passt eh nicht mit Kommunismus zusammen, Michael.

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      • 6. Januar 2012 16:50

        Michael Pliwischkies schrieb am 06/01/2012 um 12:41 Uhr u.a.
        „(…) Täter war eine damalige widerwärtige Ideologie und ihre damaligen Vertreter …“

        Michael, Du irrst.
        Es gab eine breite, eine mehrheitliche Zustimmung zum Massen-/Völkermord innerhalb der deutschen Gesellschaft. Vielleicht darf ich nochmals auf „Hitlers willige Vollstrecker“ von Goldhagen verweisen? Die Lektüre könnte evtl. auch Dir die Augen ein wenig öffnen …

        Gruß
        selcarim

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 17:13

          Und worin siehst du die Gründe für diese „deutsche“ Zustimmung? Trugen diese Deutschen Gewalt-Gene in sich oder haben sie ein höheres Gewaltpotential als andere „Völker“? Und wenn, warum?

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 17:20

          Ab welchem Punkt kann, darf, sollte, muss man einem bestimmten „Volk“ mehr verbrecherisches Potenzial nachsagen als einem anderen? Und wie wird dieser punkt belegt? Schon allein durch das Wort „Volk“ mit der entsprechenden Landeskennung davor?
          Für mich ist es völkisch, zu behaupten, ein Volk sei gegenüber einem anderen brutaler o,Ä., vor allem dann, wenn ich keine Beweise für ein solches „völkisches“ Potenzial vorbringen kann, das angeblich existiert und vermeintlich nur ganz bestimmten „Völkern“ innewohnt. Dann können es ja nur die Gene sein, oder was ist es sonst? Wer so „argumentiert“, wissen wir nur allzu gut.

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        • 6. Januar 2012 17:44

          „(…) Täter war eine damalige widerwärtige Ideologie und ihre damaligen Vertreter …“

          Ja genau. Ich habe nirgendwo festgelegt, wer seine Vertreter waren. Aber wann man sich zu einem Vertreter einer „Sache“ oder eines „Glaubens“ macht, muss ich dir jetzt nicht erklären, oder? In dem Moment, indem man eine Haltung vertritt, also gutheißt, ist man ein Vertreter dessen. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie es dazu kam. Ich spreche hier die damalige Bevölkerung also nicht frei, indem ich auf einige Wenige verweise. Eben darum irre ich auch nicht. Es gab diese willigen Vollstrecker, wie Goldhagen sie nennt. Das lässt aber dennoch nicht zu, dass man dieses einfach ins Hier und Heute transferiert.

          Die „Logik“, die hier oft propagiert wird – leider, weil sie naiv ist – würde bedeuten, dass ein Mörder nur Mörder zeugen kann, man also auch seine Nachkommen direkt inhaftieren müsste. Diese „Logik“, die ich ich mal als gutmeinendes Stammtischgefasel vom Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt, benennen möchte, lässt einen Wandel nicht zu – sie schreibt fest. Damit könnte man sie – schlösse ich mich ihr an – diese eigentlich als „typisch deutsch“ bezeichnen. Diese „Logik“, die hier propagiert wird (in Teilen) ist nichts weiter als lupenreiner Rassismus.

          Und das kritisiere ich.

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        • 6. Januar 2012 18:00

          Reflexione Galore schrieb am 06/01/2012 um 17:13 Uhr u.a.
          „(…) Und worin siehst du die Gründe für diese „deutsche“ Zustimmung? (‚zur faschistischen Ideologie – aka Herrenmenschentum, rechtsextremen Verschwörungstheorien, Blut- und Boden-Denken, Angst vor ‚Zersetzung des ‚deutschen Volkskörpers‘ durch schwule Männer und Juden etc.) …

          Wenn ich das wüsste, @Reflexione Galore, würde ich Michael nicht danach fragen …

          Vielleicht liegt es daran (ich erwähnte es in einem früheren Kommentar), dass demokratische Strukturen in diesem Land nicht erkämpft wurden und daher vielleicht nicht für besonders verteidigenswert gehalten werden?

          Vielleicht ‚glaubst‘ Du mir einfach folgende Schilderung:
          Ich wurde 1950 geboren; ich habe die Alt-Nazis noch hautnah erlebt (in Behörden, Gerichten, Schulen, Gesundheitsämtern etc.). Sobald ich durchblicken ließ (ich outete mich bereits mit 16 Jahren als schwul), dass ich homosexuell bin, bemerkte ich dass diese Leute nichts, aber auch gar nichts von ihrem Obrigkeitsdenken abgelegt hatten. Der Spruch: „Euch hätte man bei Adolf vergast“ habe ich nicht nur einmal zu hören bekommen …

          Und dann … war ich erstmals in Amsterdam:
          Es lagen Welten zwischen Deutschland und den Niederlanden. In Amsterdam war man in Sachen Anerkennung von Homosexualität als Selbstverständliuchkeit etwa 20-30 Jahre gegenüber Deutschland im voraus.

          Zurück in Deutschland fiel mir jedesmal auf, wie sehr hier Regeln befolgt wurden. wie wenig sie in Frage gestellt wurden und wie sehr man gegenüber
          einem ‚Vorgesetzten‘ kuschte. Während meiner Berufsausbildung – in der ich mich bereits mit Antisemiten und Homo-Hassern anlegte – waren einige jüdische Kollegen, die einzigen, die mir beistanden …

          So etwas habe ich während meiner vielen Aufenthalte in den Benelux-Staaten, in Skandinavien, Großbritannien und anderswo niemals in diesem Ausmaß erlebt.

          Dass ich einen nicht-deutschen Lover & Friend habe, ist sicher, in diesem Zusammenhang gesehen, auch kein Zufall …

          An Auswanderung habe ich übrigens sehr, sehr oft gedacht …

          Gruß
          selcarim

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 19:15

          @selcarim, 06/01/2012 18:00:

          Ich glaube dir alles! Auch, da meine Familie und Freunde ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Meine Mutter dürfte etwa ein Jahr älter sein als Du und ich weiß auch, dass es Unterschiede zu Land- und Stadtleben und zu diesem Scheiß-Deutschland gibt. Nur glaube ich nicht, dass „den Deutschen“ oder sonst einem „Volk“ ein besonderes Potenzial zur Obrigkeitshörigkeit oder Brutalität usw. innewohnt, denn wenn ich darüber weiter nachdenke, müsste es dafür ja Ursachen geben. Und genau da bin ich dann sehr schnell – da es sich anders ja nicht belegen lässt – bei Genetik, wenn in diesem Zusammenhang von „Volk“ gesprochen wird. Egal, zu welchem „Volk“ ein Mensch gehört. Um soetwas auszumachen, müssten viel mehr Variablen berücksichtigt werden, als eigene Erfahrungen, die ich Dir auf keinen Fall abspreche, auch wenn sie nicht unbedingt Einzelerfahrungen sind. Der Begriff „Tätervolk“ ist also nicht nur Blödsinn, sondern auch mit Vorsicht zu genießen, da gefährlich – in meinen Augen unlogisch und überflüssig. „Das Böse“ ist doch nicht vererbbar! und genau da setzt Fidelche mit seinem Begriff „Volk“ an, was mehr als seltsam anmutet!

          Es gibt zahlreiche (sozial-)psychologishe Studien, dass Autoritätshörigkeit, Gruppenzwang, Rassismus, Vorurteile und ähnliche Phänomene unabhängig von „Volk“ oder anderen Gruppierungen, die durch Fortpflanzung zustande gekommen sind, also nicht biologisch oder vererbbar zu begründen sind. Menschen ticken so, es sind äußere Einflüsse, die dieses bewirken. Es ist menschliches Verhalten. Stichwort „kognitiver Geizhals“. Da sind die Leute sich sehr ähnlich, im Menscheln, egal, welche unterschiedlichen Gene sie in sich tragen. Besonders in Extremsituationen marschieren Menschen blöderweise im Gleichschritt und entscheiden sich für die Seite, die sie für richtig halten. Die Gründe sind vielfältig, aber sicher ist, dass ein Groß sich unbewusst abspielt. Das soll keine Rechtfertigung für schlimme verbrechen sein, sondern aufzeigen, dass dieses negative potenzial in jedem Menschen steckt, unabhängig von seinem „Volk“, dass ihm genetisch/biologisch auf irgendeine Weise gleicht.

          Btw: Hab mir sagen lassen, dass bes. französische Historiker an psychologisch-geschichtlicher Forschung interessiert sind.

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 19:17

          „… bei Genetik, wenn in diesem Zusammenhang von „Volk“ gesprochen wird.“
          Damit meine ich den Zusammenhang hier bei MI, nicht bezogen auf den vorherigen teil des Satzes.

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 19:37

          Dazu würde ich gerne ein Gedankenkonstrukt draufsetzen, das so nicht stimmen muss, aber natürlich zutreffen könnte. Es ist nur ein Konstrukt, das Leser denken könnten.

          Antisemiten würden ihren eigenen Antisemitismus ebenso abstreiten wie Antideutsche ihr Antideutschtum. Auch hier sind die Gründe menschlicher Natur.
          Lassen wir uns doch mal den Begriff „Antideutscher“ ohne Hintergrundwissen dazu aufdröseln. Es ist jemand, der gegen Deutsche und Deutschland ist. Nur, gegen was genau? Gegen Deutsche als „Volk“, das genetisch aus einer Generation von Nazis und Verbrechern entstand und nun potentielle Verbrecher sind? Wie wäre das zu begründen, wenn nicht genetisch? welche alternative gäbe es?
          Oder ist ein Antideutscher vielmehr jemand, der seine Schuldabwehr in die Tat umsetzt, indem er (nach seiner „Volks-„Denke) andere „Deutsche“, die ihre Schuldabwehr kontra Israel/ „Juden als Sündenbock für das das gesamte Weltübel“ zelebrieren, krampfhaft und durch Unterstellungen entlarven will?

          Fidelche wurde diese Eigenschaft von vielen Seiten Unterstellt, er hat sich gewehrt und versucht, es differenziert zu erläutern. wenn ich mir nun seine Definition von „Volk“ ansehe, passt eine menge nicht zusammen.

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    • Jackson permalink
      6. Januar 2012 16:21

      Die Täter und ihre Nachfahren fühlen sich nicht etwa trotz, sondern offenbar gerade wegen der deutschen Geschichte ganz besonders zum Einschreiten gegen Israel berufen. Karl-Heinz Janßen beklagte die „deutsche Ohnmacht“ im Nahen Osten und die Verpflichtung des „Deutschen Volkes“!

      Die niedersächsischen Grünen sprechen von einer „ besonderen deutschen Verantwortung“ die israelischen „Praktiken einer Ausrottungspolitik“ zu verhindern! Ausrottungspolitik betrieb Nazideutschland, aber niemals Israel!

      Eine kompetente und scharfe Kritik von Wolfgang Pohrt aus dem Jahr 1982. Von einem „Tätervolk“ habe ich nichts gelesen.

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      • 6. Januar 2012 17:23

        Dann wird es ja, nachdem seit 1982 schon ein Weile her ist, Zeit, sich eigene Gedanken zu machen. „Die Täter und ihre Nachfahren“ – auch hierin zeigt sich das krude Denken, was solchen Aussagen zugrunde liegt.

        Tätervolk – diesen Begriff führte der Blogbetreiber hier an – mehrfach.

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 17:27

          Trägt der Sohn eines Vergewaltigers „das Böse“ in sich? Sollte er sich selbst anketten, weil andere behaupte, es läge in der Familie? Was bedeutet das, „in der familie“? Können ja nur die gene sein, oder?

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        • 6. Januar 2012 19:22

          @Michael Pliwischkies
          Ich schrieb in meinem Artikel:“Der CDU Politiker Martin Hohmann nannte die Juden im Jahre 2003 ein „Tätervolk“. Ansonsten habe ich das Wort „Tätervolk“ nirgends geschrieben. Wie wäre es, wenn du deine Unterstellungen unterlassen würdest?

          @Michael Pliwischkies & Reflexione Galore
          1.)Wie wäre es wenn ihr Pohrts Artikel mit der Aussage der Grünen (israelischen „Praktiken einer Ausrottungspolitik“) in Zusammenhang bringen würdet?

          2.)Habt ihr euch schon mal gefragt warum Auschwitz von Deutschen begangen wurde und nicht von Italienern oder Spaniern?

          3.) Findet ihr den Titel des Blogs (deutsche Schuldabwehr) nicht sehr treffend?

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        • 6. Januar 2012 19:37

          „2.)Habt ihr euch schon mal gefragt warum Auschwitz von Deutschen begangen wurde und nicht von Italienern oder Spaniern?“

          Ist doch glasklar, Fidelche. Weil es in den Genen des „Deutschen Volkskörpers“ liegt. Wie kannst du sowas nur fragen.

          Der Rest verzeihe mir meinen Sarkasmus.

          „3.) Findet ihr den Titel des Blogs (deutsche Schuldabwehr) nicht sehr treffend?“

          Nein. Er ist anachronistisch, wenig zielführend und salopp ausgedrückt: dumm.

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 19:54

          fidelche schrieb: 2.)Habt ihr euch schon mal gefragt warum Auschwitz von Deutschen begangen wurde und nicht von Italienern oder Spaniern?

          Ja. Und da es kaum wissenschaftliche Belege, z.B. psychologische Ergebnisse dazu gibt, dachte ich mal kurz daran, dass es ja eine andere Antwort geben könnte. Meine Idee dabei war die mit den Genen. Diese habe ich aber aus drei Gründen verworfen:
          1_Gründe/Antworten in diesem Zusammenhang mit Genetik = völkisch zu rechtfertigen, ist rassistisch und unlauter.
          2_Es gibt keine Volksgene, die verbrecherisches Potential in sich tragen und sich weiter vererben – außer bei psychischen (Erb-)Krankheiten, wie z.B. Sadismus, etc.. Und dieser Prozentsatz ist gering und betrifft kein bestimmtes „Volk“. Andere „körperliche“ Erbkrankheiten allerdings schon, aber das nur am Rande.
          3_Da es anmutet, als sei durch diese indirekten Behauptungen Fidelche selbst obrigkeitshörig (gegenüber Verfassern [alter] Texte, von denen er Fan ist) und rassistisch (durch indirekte Ablehnung oder Unterschätzung menschlicher Verhaltensweisen/psychologischer Untersuchungen und Phänomene, die nichts mit Vererbung und/oder irgendwelchen „Völkern“ zu tun haben).

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        • 6. Januar 2012 20:05

          @Michael Pliwischkies
          1.)Ich stelle fest, dass du dich nicht zu deiner Unterstellung („Tätervolk“) äußern möchtest.
          2.)Ich stelle fest dass du auch die 2. Frage nicht beantworten kannst und deshalb nur mit Zynismus kommentierst.
          3.) Ich stelle fest dass du auch die 3. Frage nicht beantworten kannst. Zu deiner Beleidung möchte ich nichts sagen.
          4. Ob deine Aussage vom“ rassistischen Staat Israel“ etwas mit Schuldabwehr zu tun haben könnte, kann ich natürlich nicht beweisen. Ich möchte dies mir auch nicht anmaßen. Vielleicht machst du dir selbst einmal Gedanken über diese deine Aussage.
          5.) Ob die deutschen Boykottaufrufe gegen den Staat Israel etwas mit Schuldabwehr zu tun haben, kann ich nur vermuten.

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 20:06

          Fidelche schrieb: „Findet ihr den Titel des Blogs (deutsche Schuldabwehr) nicht sehr treffend?“
          Ohne den dazugehörigen Text, ja, denn ich denke, dass es sie gibt, die deutsche Schuldabwehr. Hoffentlich denken das viele. Nur muss genauer untersucht werden, was es damit auf sich hat. Auch Freud hat Dinge behauptet, die logisch erscheinen und auf viele Einzelne zutreffen, aber das ist kein Beleg oder Beweis. Und schon gar nicht kann man Gemeinsamkeiten/Korrelation in den Raum werfen, indem man eher verschwurbelt von etwas „Völkischem“, das dem deutschen „Volk“ angeblich innewohnt, spricht, das auf Genetik/Vererbung zielt.

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        • Reflexione Galore permalink
          6. Januar 2012 20:13

          Btw: Zum „Bösen“, bzw. „Unheimlichen“ gibt es auch sehr logisch wirkende und zum Teil zutreffende Theorien (u.a. von Freud), aber auch hier ist schon erkennbar, dass dieses Attribut absolut multikulti ist.

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        • 6. Januar 2012 20:14

          @Reflexione Galore
          Die Unterstellung vom „völkischen deutschen Volk“, das auf „Genetik/Vererbung“ zielt , ist auf deinem Mist gewachsen. Ich habe mit keinem Wort von Genetik gesprochen. Offenbar bist auch du argumentativ am Ende.

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        • 6. Januar 2012 20:50

          Das wird eine Endlosdiskussion.

          Es waren keine deutschen Aufrufe zum Boykott, sondern Aufrufe einer kleinen Gruppierung, die zum Teil aus Bundesbürgern besteht. Du aber schließt, bzw. nutzt es rhetorisch so, dass es immer das Ganze ist, was aufruft, verurteilt, angreift etc. pp.

          Es bestürzt mich, dass dir das selbst nicht auffällt.

          Wenn ich schreibe, dass ich einen Titel als dumm empfinde, bringe ich damit nicht zum Ausdruck, dass ich den Autoren für dumm halte. Dumme Überschriften und Texte habe ich selbst auch schon verfasst – sowas soll vorkommen. Aber wenn du mit Kritik nicht umgehen kannst, frag halt nicht mehr.

          Zum Rest äußere ich mich später noch eingehender.

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        • 7. Januar 2012 20:09

          Acht Off Topic Kommentare von Reflexione Galore wurden in die neue F-Rubrik „Off Topic“ verschoben. Wir bitten zukünftig an der Sache zu diskutieren und behalten uns das Recht vor Off Topic Kommentare von Reflexione Galore nicht mehr zu veröffentlichen. Wieso Reflexione Galore diese acht Kommentare nicht in einem Kommentar gepostet hat ist offensichtlich. Sie will die Diskussion zerstören, bzw. schwer leserlich machen.

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  15. 7. Januar 2012 10:37

    @Michael Pliwischkies (06.01.2012 um 20:50)
    Natürlich gab es deutsche Boykottaufrufe gegen Israel. Die Bremer Linkspartei vor Lidl Läden in Bremen, Rahab und Konsorten im Freitag, Dierkes in Duisburg usw. Mir geht es um diese Deutschen die einen Warenboykott gegen Juden unterstützen, dabei ist es egal ob es 200 oder 2.000.000 sind. Ich habe geschrieben: „Ob die deutschen Boykottaufrufe gegen den Staat Israel etwas mit Schuldabwehr zu tun haben, kann ich nur vermuten.“ Dieser Satz bezieht sich eben auf die Leute in Deutschland die Boykottaufrufe gegen Israel unterstützen.

    Es geht bei der „deutschen Schuldabwehr“ hier nicht um alle Deutschen, sondern in erster Linie um die Deutschen die gegen den Staat Israel hetzen, vom „Apartheitsstaat Israel“, „vom Vernichtungsfeldzug gegen die Palästinenser“, usw. reden. Die Frage die es zu klären gilt ist, warum sie gegen Israel hetzen. Eine Erklärung wäre Schuldabwehr auch als Erinnerungsabwehr bezeichnet, beides Begriffe aus der Antisemitismusforschung.

    Nochmal zur Klarstellung deiner Unterstellung, ich habe hier nie vom deutschen „Tätervolk“ gesprochen. Martin Hohmann hat vom „jüdischen Tätervolk“ geschrieben und musste deshalb die CDU verlassen.

    Wenn die niedersächsischen Grünen in Wolfgang Pohrts Text bezüglich Israel meinen: »Wir sind der Meinung, dass wir Deutschen eine besondere Verantwortung haben, wenn es darum geht, Praktiken einer Ausrottungspolitik verhindern zu helfen«, ist die Frage nach der Motivation einer solchen Aussage aus meiner Sicht berechtigt. Wolfgang Pohrt vermutet (auf seine scharfe Art) „sekundären Antisemitismus“ (Schuldabwehr, Erinnerungsabwehr).

    Für viele hier in diesem Thread ist das Thema Schuldabwehr (sekundärer Antisemitismus) offenbar ein sehr sensibles Thema oder eventuell sogar „Neuland“. Auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen, bin ich davon überzeugt, dass der Titel „Auschwitz und die deutsche Schuldabwehr“ und der entsprechende Text, mit den entsprechenden Kommentaren sehr nötig waren und sehr viel zur Klärung gewisser Fragen beigetragen haben.

    Auf die ausstehende Beantwortung der Fragen 1 bis 5 bin ich natürlich sehr gespannt.

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    • derSamstag permalink
      7. Januar 2012 14:39

      Fidelche, ich vermute der Begriff „Schuldabwehr“ wurde von einigen falsch verstanden. Der Alternativbegriff „Erinnerungsabwehr“ wäre einfacher zu verstehen gewesen.

      Der Verweis auf Jochen Böhmer „Sekundärer Antisemitismus“ ist klasse:

      „Die erste große Manifestation dieses „Schuldabwehrantisemitismus“ in der Berliner Republik war die Walser-Rede in der Frankfurter Paulskirche 1998. Walser sprach in seiner Laudatio vom Holocaust als eine „Dauerrepräsentation unserer Schande“, von einer „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“. Auschwitz sei ein „jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel“ um „alle Deutschen“ zu verletzen. Die 1.200 Zuhörer – die Elite Deutschlands – stand auf und applaudierte „stürmisch“. Nur Friedrich Schorlemmer, Ignatz Bubis und seine Frau blieben sitzen. Auch Walser galt bis dahin als ein „Linker“, als progressiver Intellektueller.“

      http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/nachkriegsdeutschland/rechtsradikalismus-und-antisemitismus-nach-1945/694.html

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    • Jackson permalink
      7. Januar 2012 17:43

      Chapeau, fidelche!
      Gratulation zu diesem Blog und zur Gelassenheit, der Ruhe und der großen Geduld bei der Beantwortung der vielen Kommentare. Dass die Deutschen nie so außer sich geraten, wie wenn sie zu sich kommen wollen, hat schon Tucholsky festgestellt.

      Henryk M. Broder über W. Pohrt: Pohrts Verdacht, daß auch linke Reaktionen weniger von der Wirklichkeit des letzten Nahost-Krieges bestimmt werden, sondern eher von dem Bedürfnis jener „ab Jahrgang 45“, die Sünden der eigenen Väter durch den Verweis auf das jetzige Verhalten der väterlichen Opfer auszugleichen, wurde durch die Reaktion der Angesprochenen zur Gewißheit verdichtet.

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14023043.html

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    • 8. Januar 2012 13:46

      Natürlich ist das Thema sensibel, wie es eine Unterstellung auf dieser Basis immer ist und wer möchte sich derlei schon permanent vorhalten lassen, schließlich handelt es sich um eine Erbsünden-Rhetorik, die der katholischen Ur-Lehre zur Ehre gereichen würde. Langsam belustigt mich die permantente Wiederholung der immer gleichen Floskeln übrigens ziemlich. Ich bemühe mich, dennoch ernst zu bleiben, obwohl es – zugegeben – langsam schwer fällt. Damit wehre ich übrigens keine Schuld ab – nur fordert es ein gerüttelt Maß an Selbstdisziplin, eine Diskussion noch ernst zu nehmen, die sich immer wieder auf die gleichen Statements beruft und diesen hemmungslos applaudiert, ohne sie in Frage zu stellen. Das wäre aber ein angemessener Umgang damit. So versandet sie in sinnloser „voller Zustimmung“ im hexenjägerischen „Jawoll-Geheul“.

      Wie gesagt – ich kann die hier her gezerrten Statements in ihrem zeitlichen Kontext durchaus verstehen, denn auch ich hatte in meinem Umfeld einen Onkel, dessen Haus ich nicht mehr betreten durfte, nachdem ich ihn (übrigens berechtigt) „Nazi-Schwein“ nannte. Auf den hätten die Zuschreibungen auch wunderbar gepasst. Nur ist das eben auch schon ein Weilchen her und die heutige Generation tickt in einer anderen Welt vor sich hin. Aber gut – mögen Broder und Ihr weiter dahin dümpeln, in wohlgeformter Küchentischpsychologie und rassischer Verhaftung in der Vergangenheit. Und natürlich sind eure Thesen in sich schlüssig – keine Frage. Allerdings auch nur, weil sie genug auslassen. Weil… um einmal einen bekannten Dichter zu zitieren… nicht sein kann, was nicht sein darf.

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    • 8. Januar 2012 14:07

      „Walser sprach in seiner Laudatio vom Holocaust als eine „Dauerrepräsentation unserer Schande“, von einer „Instrumentalisierung unserer Schande zu gegenwärtigen Zwecken“. Auschwitz sei ein „jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel“ um „alle Deutschen“ zu verletzen.“

      Hierbei handelt es sich übrigens um ein gutes Beispiel. Walser ist ein durchaus bewundernswerter Schriftsteller, eigentlich ein Meister des Wortes. Und doch ist seine Aussage nicht als Beweis zulässig, denn auch ihn muss man im zeitlichen Kontext begreifen. Da redet einer, der selbst dieser Zeit entstammt, der sie mitgemacht hat, der natürlich über gewisse Empfindlichkeiten verfügt und eine kriegs- und nachkriegsdeutsche Vita hat. Natürlich besitzt er eine ganz andere Wahrnehmung als ich und verfügt auch über ganz andere Wurzeln, war anderen Entwicklungen ausgesetzt. Er spricht von einer „Dauerrepräsentation unserer Schande“, was unterstellt, dass jeder von dieser Schande betroffen ist, sie ein Bindeglied ist. Schon hier irrt er, denn diese „Schande“ bindet mich nicht ein. Es ist nicht meine Schande, um die es hier geht, denn die Vorgänge fanden nicht in meiner Generation statt, ich war weder als Person, noch zeitlich daran beteiligt. Zudem kann ich nicht einmal mit dem Begriff „Deutscher“ in einem ethnischen Kontext etwas anfangen. Das wäre auch ein großer Fehler, denn dann müsste ich rassistisch denken und auch „den Juden“ Eigenschaften zuschreiben, auch „den Moslems“ oder „den Buddhisten“. Ihre Individualität und ihre Entwicklungsmöglichkeiten, wie meine, zählen dann also nicht mehr, sind nicht existent. Das aber – diese Sicht – begreife ich als Unrecht und so hat auch Walser in diesem Moment Unrecht gesprochen. Dieses Mittel wird auch nicht eingesetzt, um „alle Deutschen“ zu verletzen, sondern, um ein „Deutschtum“ zu definieren und über die Zeit zu retten – wider besseren Wissens. Mich persönlich kann niemand dadurch verletzten, dass er sagt, „die Deutschen“ wären so oder so. Jemand kann mich lediglich beleidigen und angreifen, indem er mir sagt, ich sei von so etwas wie „Erbsünde“ betroffen, und zwar, weil er mir damit meine Individualität abspricht und mich in einem Konstrukt verhaftet, dem ich nicht angehöre, denn meine „Wurzeln“ (um mal dem hier gefrönten völkischen Denken zu entsprechen) liegen in Litauen. Völlig absurd wird es allerdings, zieht man die in die Betrachtung mit ein, die nach 45 in Deutschland eingewandert sind, über eine deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, wie deren Kinder. Müssen sie alle „in Schande“ leben und diese „Schande“ permanent abwehren oder sind sie raus? Was ist mit denen, die aus „Mischehen“ entstanden? Sind sie nur zum Teil eine „Schande“ oder können sie sich auf ihren „nicht-deutschen“ Elternteil berufen? Ich denke, dass diese – ich gebe es zu – provokanten Fragen deutlich aufzeigen, wo das Problem in dieser Diskussion zu verorten und wie absurd sie eigentlich ist.

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    • 8. Januar 2012 18:05

      @Michael Pliwischkies 08/01/2012 14:07
      Stimmt, es gibt keine „Erbsünde“ und du bist nicht verantwortlich für die Taten des Deutschen Reiches. Aber du lebst in Deutschland und genießt alle Vorteile die dir der deutsche Staat gewährt. Der heutige Wohlstand Deutschlands hat etwas zu tun mit der deutschen Vergangenheit. Die NS-Zwangsarbeiter wurden beispielsweise sehr lange nicht entschädigt, von den geringen Entschädigungszahlungen an Israel hast auch du profitiert, usw., usw. So zu tun als ob du als nachgeborener Deutscher so wenig mit der deutschen Geschichte zu tun hast wie beispielsweise ein Guatemalteke ist widersinnig.

      Wenn aber beispielsweise Deutsche nach 1945 Boykottaufrufe gegen Juden initiieren oder dabei mitmachen oder nichts dagegen sagen, oder Israel einen „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ vorwerfen, was rein gar nichts mit der Realität zu tun hat, spricht einiges dafür dass es sich um Erinnerungsabwehr handeln könnte.

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  16. 8. Januar 2012 14:35

    Zu deinen „Fragen“, die ich hier bewusst in Anführungszeichen sezte. Da du scheinbar nicht anders kannst, will ich dir den Gefallen tun und auf dein Befragungsspiel eingehen:

    1.)Ich stelle fest, dass du dich nicht zu deiner Unterstellung („Tätervolk“) äußern möchtest.

    Du beschreibst es so und ich kann es dir – sobald ich die Zeit dazu finde – gerne einmal herleiten.

    2.)Ich stelle fest dass du auch die 2. Frage nicht beantworten kannst und deshalb nur mit Zynismus kommentierst.

    Weil deine Frage eine für dich statthafte Antwort bereits beinhaltet und das weißt du. Mehr als Sarkasmus hat diese Frage auch nicht verdient. Bereits deine Fragestellung ist als solche rassistisch und geschichtlich nicht haltbar. Ich könnte darauf eine ganze Abhandlung über die politischen Verhältnisse in Deutschland und Europa, über Machtstrukturen, ihre Mechanismen, die Geschichte der Judenverfolgung in Europa verfassen – es würde nichts helfen, denn du würdest immer wieder darauf zurück kommen, dass es irgendwie „am Deutschen Selbst“ liegen muss. Also erspare ich mir das.

    3.) Ich stelle fest dass du auch die 3. Frage nicht beantworten kannst. Zu deiner Beleidung möchte ich nichts sagen.

    Zu der „Beleidigung“ habe ich mich ja bereits geäußert, wobei die Überschrift in Verbindung mit dem darauf folgenden Text eher eine Beleidigung des nicht ganz dummen Lesers ist. Ich jedenfalls bin der Auffassung, dass dir das Thema hier ein gutes Stück aus dem Ruder gelaufen ist.

    4. Ob deine Aussage vom“ rassistischen Staat Israel“ etwas mit Schuldabwehr zu tun haben könnte, kann ich natürlich nicht beweisen. Ich möchte dies mir auch nicht anmaßen. Vielleicht machst du dir selbst einmal Gedanken über diese deine Aussage.

    Meine Aussage vom „rassistischen Staat Israel“? Was soll dieser Unsinn? Ist das nun das von dir übliche zelebrierte Spiel: Ich unterstelle ein Zitat oder zitiere interpretativ, in der Hoffnung, etwas würde hängen bleiben? Ich habe DIR rassistisches Denken unterstellt – als Provokation, in der Hoffnung, du würdest deine eingleisige Sicht einmal hinterfragen. Den Staat Israel habe ich nicht als „rassistischen Staat“ bezeichnet, denn es gibt keinen rassistischen Staat – weltweit. Wie oft soll ich das eigentlich noch wiederholen?

    5.) Ob die deutschen Boykottaufrufe gegen den Staat Israel etwas mit Schuldabwehr zu tun haben, kann ich nur vermuten.

    Stimmt – das kannst du nur vermuten. Allerdings vermutest du gebetsmühlenhaft und das macht es schwierig. Ist es eine Art Fokussierung, Scheuklappendenken, Ignoranz, etwas Esoterisches?

    Ich versuche einmal es zu erklären: Wenn ich wissen will, warum sich eine Gruppe Menschen oder ein Individuum so oder so verhält, muss ich alle möglichen Gründe mit einbeziehen und sie auf ihre Wahrscheinlichkeit anhand der Fakten überprüfen. Ein Vorgehen, in dem ich einen einzelnen Grund befürworte und mich auf die Suche nach Bestätigung mache, mag zwar das Ego füttern, bringt einen aber der „Realität“ kein Stück näher. Dazu gesellt sich noch der Umstand, dass 100 Leute eine Sache fordern, aber völlig unterschiedliche Beweggründe haben. Diese nur an der Forderung fest zu machen, hilft nun auch nicht weiter, wenn man die Folgen bedenkt, das zugrunde liegende Kalkül aber nicht ermittelt.

    Und nun stelle ich eine Frage an dich.

    Wie würdest Du Rassismus und Antisemitismus definieren, der eine Kritik an denen zulässt, die sich durch ihn angefeindet sehen oder auch werden? Irgendwo wirst du „sauber“ trennen müssen, denn jeder hat im Grunde Kritik „verdient“. Ich stelle diese Frage mit der Bitte um eine eigene begründete Haltung und die Vermeidung einer rassischen Begründung.

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    • 8. Januar 2012 18:23

      @ Michael Pliwischkies 08/01/2012 14:35
      Fakt ist nun mal dass Auschwitz von Deutschen begangen wurde und nicht von Italienern oder Spaniern. Das ist nicht zu ändern, damit müssen wir (du und ich) leben. Antisemitismus gab es auch anderswo, in Russland beispielsweise gab es Pogrome, dass stimmt, aber auf die Idee alle Juden weltweit mit fabrikmäßigen Methoden auszurotten und diese Idee mit deutschen Tugenden in die Tat umzusetzen kam niemand, außer den Deutschen. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein. Es gab einmal das böse Wort von den „Sekundärtugenden“. Ich bin mir nicht sicher ob diese „Sekundärtugenden“ in den Boykottaufrufen gegen Israel mitschwingen.

      Beim überfliegen von „Freitag 2.0“ habe ich einige eigenartige Dinge von dir gelesen. Ein Beispiel vom 16.12.11 um 17.09: „…Ich stehe der derzeitigen Politik Israels keineswegs positiv gegenüber, wie ich das nie tue, wenn eine Administration rassistisch-nationalistisch agiert. Das jedoch ist eine ganz andere Frage. Es geht mir auch nicht darum, erklären zu wollen, dass es sich um gleiche „Gegner“ handelt – indes wäre es mir lieber, die Gegnerschaft würde sich auflösen. Das man die Macht, die ein Staat Israel besitzt, kaum mit der vergleichen kann, über die die Palästinenser verfügen, ist wohl kaum bestreitbar…

      Diese deine Aussage gegen die demokratisch legimitierte Regierung Israels halte ich für unangebracht. Ich will dich trotzdem nicht mit den anderen „Avantgardisten“ vergleichen. Wie ich dich verstehe, sind in deiner Sicht beide Seiten in dem Konflikt irgendwie gleich schuld. Natürlich halte ich auch das für falsch und eine völlige Verkennung der Tatsachen. Die Hamas und ihre Verbündeten im Iran, sowie den arabischen Ländern und große Teile der PA wollen Israel vernichten, das haben sie seit vielen Jahren bewiesen. Von einer israelischen Regierung wirst du kein vergleichbares Dokument wie die „Charta der Hamas“ und keine aggressive, kriegerische, grundlose Angriffsaktion vorweisen können. Wenn die Palästinenser die Waffen niederlegen gibt es Frieden, wenn die Israelis die Waffen niederlegen, werden sie ins Meer getrieben. Dass wir uns nicht falsch verstehen, auch ich bin auch für einen zweiten eigenen „Palästinenserstaat“, wohl wissend (mit Grausen) was die Palästinenser für ein Gesellschaftsmodell anstreben.

      In der Antisemitismusforschung wird der „Schuldabwehrantisemitismus“ als die in Deutschland am weitesten verbreiteten Form des Antisemitismus gesehen. Schuldabwehrantisemitismus gibt es logischerweise so gut wie nur in Deutschland. Freilich können auch religiöse Motive eine Rolle spielen (Juden als Gottesmörder usw.). Ich schrieb das in meinem Text – das muss im Einzelfall geprüft werden. 65 Prozent der Deutschen sehen absurderweise in Israel eine Gefahr für den Weltfrieden. Mich interessiert warum das so ist oder warum groteskerweise die niedersächsischen Grünen vom „Vernichtungskrieg Israels“ gesprochen haben.

      Ehrlich gesagt deine Frage an mich verstehe ich nicht ganz. Ich habe Antisemitismus mehrfach definiert. Was viele nicht wissen: Antisemitismus hat nach 1945 so gut wie nichts mit Rassismus zu tun. Mir ist klar, dass Israelgegner nicht erfreut sind wenn ich ihren ihre Zitate um die Ohren haue. Das kann ich aber nicht ändern. Die Lehre die ich aus Auschwitz gezogen habe ist, dass ich nicht wegsehe wenn in Deutschland Leute grundlos gegen Juden hetzen. Antisemitismus ist irrational, deswegen auch sehr schwer heilbar. Wenn dir die Antwort nicht reicht, stell mir die Frage bitte etwas klarer.

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      • 8. Januar 2012 19:16

        Ob du sie für unangebracht hältst, die Aussage, ist ja erst einmal belanglos. Allerdings habe ich – und das belegt das Zitat – zu keinem Zeitpunkt von einem „rassistischen Staat Israel“ geschrieben. Und nur darum geht es. Es ist nämlich keineswegs das Gleiche und ich unterscheide zwischen einem Staat und seiner Administration – die – wie du richtig anmerkst, demokratisch legitimiert ist, aber eben auch wieder wechseln kann – der Staat aber nicht, der bleibt. Und selbst der Administration habe ich keinen grundsätzlichen Rassismus unterstellt, sondern kritisiert, dass sie rassistisch-nationalistisch agiert. Zumindest der derzeitige Premier ist für entsprechende Aussagen hinreichend bekannt. Und ja – man kann die Macht (militärisch) Israels nicht mit der der Palästinenser vergleichen, was aber nicht heißt, dass die Palästinenser nun die „Armen“ sind und deswegen nichts dafür können. Auch sie tragen ihren nicht unerheblichen Teil zum Konflikt bei. Der einzige Unterschied zwischen uns ist diesbezüglich, dass ich mich um eine gewisse Neutralität bemühe. Die Frage ist nicht die nach Schuld am Konflikt, sondern die nach der Auflösung dessen Jedenfalls ist das das für mich entscheidende.

        Und nein – es sind nicht beide Seiten gleich „schuld“. Die Schuldfrage stelle ich aber auch ganz bewusst nicht, weil sie niemanden weiter bringt. Beide Parteien kennen gemäßigtere Kräfte und eben das Gegenteil. Beide Seiten haben sich zu Taten hinreißen lassen, und zu Aussagen, die in der heutigen Welt eigentlich nichts mehr zu suchen haben sollten. Soweit, so schlecht. Es ergibt aber keinen Sinn, diese „aufzurechnen“ und weiter Ping-Pong zu spielen.

        Zum Schuldabwehr-Punkt habe ich mich jetzt hinlänglich geäußert und mag den Punkt nicht noch weiter aufblähen. Der Textbrei wird sonst irgendwann doch arg unübersichtlich.

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      • 9. Januar 2012 11:54

        @Michael Pliwischkies (08/01/2012 19:16)
        Stimmt, ich halte deine Aussage für nicht akzeptabel. Du müsstest erst mal belegen, wieso du der Regierung Netanjahu Rassismus unterstellst. Hat die Regierung Netanjahu irgendein rassistisches Gesetz beschlossen? Was macht die Regierung Netanjahu anders als die Regierungen Olmert, Peres oder Meïr? Was hast du für handfeste Belege für deine schwere Beschuldigung? Ob deine Behauptung von der „rassistischen israelischen Regierung“ etwas mit Erinnerungsabwehr zu tun haben könnte musst du selbst entscheiden, dafür kenne ich dich zu wenig, wobei ich zugebe mir so meine Gedanken zu machen.

        Deine angeblichen Bemühungen um die Auflösung des Nahostkonfliktes sind für mich unglaubwürdig bei deiner Wahrnehmung des Konfliktes, weil du den antisemitischen Vernichtungswillen der israelischen Nachbarn offenbar nicht erkennen willst.

        Schuldabwehr, oder nenne es Erinnerungsabwehr wird bei jemandem erst dann deutlich wenn überzogene antiisraelische Positionen und Aussagen vertreten werden. Aus deinen Kommentaren hier in diesem Thread habe ich gewissermaßen Erinnerungsabwehr (Schuldabwehr) herausgelesen, allerdings hast du hier bei MI nie überzogene antiisraelische Positionen gepostet.

        Um die deutsche „Schuldabwehr“ noch einmal zu verdeutlichen greife ich auf Freitag 1.0 zurück, wohl wissend, dass du damit nichts zu tun hast und wohlwissend, dass der Freitag 1.0 nicht repräsentativ im linken/linksliberalen Spektrum ist. Also nur als Beispiel: Im Freitag gab es ein Blog, mit 481 Kommentaren, da versuchten die Freitagsantisemiten „Gott“ Auschwitz in die Schuhe zu schieben. Dieselben Leute die in anderen Blogs gegen Israel hetzten, Boykottaufrufe gegen Juden in Israel initiierten diskutierten brühwarm die Frage, warum Gott Auschwitz nicht verhindert habe. Ich habe den begründeten Verdacht, dass es sich bei dem Antisemitismus des „Freitag“ bevorzugt um Schuldabwehrantisemitismus (sekundären Antisemitismus) handeln könnte.

        Im Übrigen wollte ich mich bei dir bedanken, dass deine Kommentare hier nie Off Topic waren. Nicht nur hier auch in allen anderen Blogs hast du eng am Thema des jeweiligen Blogs diskutiert. Bei allen inhaltlichen Differenzen wollte ich dir das schon lange mal sagen.

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      • 9. Januar 2012 13:00

        Du liest nicht aufmerksam. Ich habe nichts von einer „rassistischen Regierung“ geschrieben, sondern dass sie rassistisch-nationalistisch agiert. Aber davon abgesehen, versuchst du auch hier – wie bei jeder Kritik – die Erinnerungsabwehr oder Schuldabwehr ins Feld zu führen – als Totschlagargument iSv; wenn „ein Deutscher“ kritisiert, muss es einfach aus diesem Grund sein. Das macht es auch so müßig, mit dir darüber zu diskutieren, in deiner Festgefahrenheit.

        Zum Thema Anerkennung des Vernichtungswillens. Doch doch – ich erkenne diesen Willen bei einigen Vertretern der palästinensischen und arabischen Staaten und Glaubensvertretern durchaus an. Das ändert aber nichts daran, dass dort auch Menschen leben, die eben nur leben möchten – nichts sonst. In deiner Argumentation haben nur sich gegenüberstehende Monoliten Platz und du reduzierst Populationen auf ihre Wortführer. Dieser Logik entsprechend müsste man auf Basis simpelster „Gerechtigkeit“ einen Genozid initiieren und die Palästinensergebiete und den Iran auslöschen. Das jedenfalls wäre die einzige logische Konsequenz. Deine gesamte Argumentation schürt subtilen Hass. Sie bietet keinerlei Lösungen, keine Perspektiven. Ich halte das aber für ein Zeichen von Überengagiertheit und kenne diese Reflexe auch aus eigener Erfahrung. Dennoch möchte ich das an dieser Stelle einmal anführen. Oder anders ausgedrückt: Gegen Betonbloggen hilft kein Betonbloggen.

        Was die Motive für das, was du als Schuldabwehr bezeichnest betrifft, wird es schwierig und wird es immer bleiben. Man kann Menschen leider – oder auch zum Glück – nicht hinter die Stirn gucken. Wir sehen oder lesen nur das, was sie vordergründig tun, von sich preis geben. Welche Ursache wirklich dahinter steckt, bleibt weitgehend im Verborgenen. Was die Schuldabwehr/Erinnerungsabwehr betrifft, hätte ich dir in den 70/80ern noch vollkommen Recht gegeben – bei der Generation, die damals in meinem heutigen Alter war. Nur so einfach ist es eben nicht mehr. Meine Vermutung ist eher die, dass Einige einen Willen zum Engagement haben und den vermeintlich schwächeren helfen wollen, in einer Art Gutmenschenrausch, weil sie sich dann besser oder zumindest gebraucht fühlen. Sie demonstrieren für die Palästinenser aus den gleichen Motiven, wegen denen andere Menschen für die Rechte von Kampfhunden demonstrieren (ich möchte hier nun aber nicht den Palästinenser mit Kampfhunden vergleichen – darum geht es auch nicht, sondern um die Motivation). Der „Unterlegene“ soll Schutz erfahren – dafür macht sich der Engagierte stark, verdrängt aber die Probleme, die der „Unterlegene“ selbst verantwortet, damit seine Position nicht gefährdet wird. Das ist erst einmal nichts Ehrenrühriges, schreit aber förmlich nach Aufklärung. Dabei bringt es aber keinen Gewinn, wenn ich denen nun ständig anachronistische Vorhaltungen mache. Diese können sie nämlich nicht verstehen, da sie sich in diesem Abhängigkeitgeflecht gar nicht befinden.

        Was den Freitag betrifft – du wirst in jedem Forum, wenn es um dieses Thema geht, immer jemanden finden, der so einen Unsinn von sich gibt – sei es aus Reflex, Unbedachtheit, Unwissen. Das kann man durchaus kritisieren, es ist aber unzulässig, auf dieser Basis hochzurechnen – meiner Meinung nach.

        Was den Punkt „off topic“ betrifft – mir gefällt der Off-Topic-Blog nicht, was ich dort auch schon schrieb. Nicht, weil ich Off-Topic-Kommentare mag, sondern weil er Personen bloßstellt, inhaftiert und losgelöst aus dem Kontext hinstellt. Das mag ich grundsätzlich nicht sonderlich und halte es für keinen guten Stil. Ansonsten – nichts zu danken. Das Thema ist – jedenfalls aus meiner Perspektive – für Off-Kommentare – zu ernst. Die Entwicklung in Nahost spielt schließlich auch für Europa eine entscheidende Rolle. Ein kurzer Blick auf ein Landkärtchen macht das deutlich.

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      • 9. Januar 2012 16:28

        @ Michael Pliwischkies
        Du solltest dann irgendwann begründen warum deiner Meinung die Regierung Netanjahu „rassistisch-nationalistisch agiert“. Hat die Regierung Netanjahu irgendein rassistisches Gesetz beschlossen? Was macht die Regierung Netanjahu anders als die Regierungen Olmert, Peres oder Meïr?

        Was du über das Auslöschen der Palästinensergebiete schreibst ist völliger Unsinn und durch nicht zu belegen. Die Politik Israel oder des Westens hat zu keiner Zeit Anlass zu solchen Horrorszenarios gegeben. Ich schrieb es bereits früher, mit Antisemitismus kann man den Konflikt nicht lösen und ich meine nicht dich damit.

        Die Frage ist doch warum die Gutmenschen, wie du sie nennst nicht für den Südsudan oder für die Opposition in Syrien oder damals gegen den Völkermord an den Tutsi in Ruanda demonstrieren, warum ausgerechnet gegen Israel?

        Ich habe ausdrücklich geschrieben, dass ich mit dem „Auschwitz Blog“ des Freitags nur ein Beispiel bringe, dass dieses Blog natürlich ein Extrembeispiel war und dies so niemals in der TAZ oder in der Zeit abgelaufen wäre dürfte uns beiden klar sein. Diese Mischung aus Israelgegnerschaft und (christlicher/islamischer/feministischer) Religiosität in der Freitagscommunity dürfte ziemlich einmalig in der deutschen Medienlandschaft sein.

        Von der MI-Reaktion weiß ich, dass es einige Vorwarnungen gab, bevor das Off Topic Blog eingerichtet wurde. Wie du selbst schreibst, in diesem Blog sind Off Topic Kommentare äußerst unangebracht.

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      • 9. Januar 2012 17:12

        Nur kurz, da ich am Web 2.0 arbeite *g:

        „Die Frage ist doch warum die Gutmenschen, wie du sie nennst nicht für den Südsudan oder für die Opposition in Syrien oder damals gegen den Völkermord an den Tutsi in Ruanda demonstrieren, warum ausgerechnet gegen Israel?“

        Auch hier ist der Rückschluss unzulässig. Menschen – so ticken sie nun mal – beginnen, sich für etwas zu engagieren und kümmern sich darum. Dann sind ihre Ressourcen dort gebündelt.Ich könnte dich auch fragen, warum du dich für Israel engagierst und nicht für Ruanda oder den Südsudan. Ist das ein Beleg für deine Gegnerschaft zum Südsudan oder zu Ruanda? Nein, sicherlich nicht, denn das bedeutet so ziemlich genau nichts. Anders herum – woher willst du wissen, dass jemand, der Israel kritisiert, zeitgleich in einer Gruppe auch Engagement in Sachen Sudan zeigt? Ist es vielleicht nur deswegen nicht vorhanden, weil du nur sein Engagement in Sachen Palästina wahrnimmst, weil es dein Thema ist? Wie gesagt – ich wäre vorsichtig mit derlei Logeleien – Weil Äpfel rot sind, ist alles, was rot ist, ein Apfel. Das stimmt weder bei den Äpfeln, noch bei Menschen.

        Was das Rassistische betrifft – wie würdest du ihn sonst werten?
        http://de.wikipedia.org/wiki/Israelische_Sperranlagen_%28Westjordanland%29

        Auch die Ehegesetzgebung in Israel spricht Bände, was den Nach/Zuzug von Ehepartnern betrifft.

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      • 9. Januar 2012 17:58

        @Michael Pliwischkies (09/01/2012 17:12)
        Gut was du in deinem Eingangsstatement schreibst kann man so sehen, ich bin da etwas kritischer.

        Was das Rassistische betrifft: Wegen der israelischen Sperranlagen nennst du die israelische Regierung rassistisch? Ist das dein Ernst? Der Bau der Sperranlagen wurde bereits 2003 begonnen. (1994 unter Rabin um den Gazastreifen). Unter den Ministerpräsidenten Scharon, Olmert und Netanjahu, unter Mitwirkung der Arbeiterpartei. Wenn Netanjahu für dich deshalb „rassistisch agiert“, dann haben das auch Rabin, Olmert und die Arbeitspartei getan. Das ist dir schon klar, oder?

        Die Sperrvorrichtung schützt die israelische Bevölkerung vor islamistischen Selbstmordattentätern. Über den teilweisen Verlauf der Sperranlage kann man streiten, aber ich habe grundsätzlich vollstes Verständnis für diese Sperranlage, oder wie würdest du die israelische Bevölkerung vor islamistischen Terroristen schützen? Ich vermute dir ist nicht ganz klar wie groß der Vernichtungswille der Hamas und ihrer Selbstmordkommandos im Gazastreifen ist. Seit dem Bau der Einrichtung können die Mörder nicht mehr so leicht über die Grenze, so dass diese Attentate fast auf null zurückgegangen sind. Diese Sperranlage hat nichts mit Rassismus zu tun, sie dient dem Schutz der israelischen Bevölkerung vor wahnsinnigen Terroristen.

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        • 10. Januar 2012 10:53

          Er schützt aber nicht nur gegen Irre, er stigmatisiert auch und schränkt, bzw. verhindert, ein normales Miteinander derer, die es wollen, überzeugt die, die bis dato noch für ein Miteinander waren vielleicht vom Gegenteil. Und ja, über den Verlauf, wie über die Grenzverlaufentwicklung allgemein, wie über die Siedlungspolitik, lässt sich gewiss streiten. Das der „Zaun“ auch schützt, bestreite ich natürlich nicht. Aber er tut eben nicht nur das.

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        • 10. Januar 2012 11:18

          @Michael Pliwischkies
          Deinem Kommentar vom 10/01/2012 10:53 stimme ich uneingeschränkt zu, leider ist diese Sperranlage notwendig.

          Die Frage bleibt, haben deiner Meinung Olmert, Scharon, Barak, Peres und Rabin auch „rassistisch agiert“? Sie alle haben wie Netanjahu die Verantwortung für diese Sperranlage. Rabin war sogar der „Erfinder“ dieser Sperranlage! Hat Rabin deshalb rassistisch agiert? Ich kann mir nicht vorstellen, dass du diese Frage bejahen wirst und bitte dich deshalb deine Aussage von einer „rassistisch agierenden“ israelischen Regierung zu überdenken.

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        • 10. Januar 2012 13:12

          Warum sollte ich die Frage nicht bejahen. Menschen agieren durchaus einmal rassistisch. Das weißt sie jedoch nicht zwingend als Rassisten aus. Genau das macht die Sache mit dem Rassismus ja so schwierig. Der kümmert sich nämlich nicht um die „anderen“ Motive oder die Sachzwänge. Er ist dann einfach da – ob man das nun gewollt hat oder nicht, ob man nun Rassist ist oder nicht. Das ist die ihm innewohnende Gefahr. Darum war die Rede von „rassistisch agierend“ und ausdrücklich nicht von „rassistischer Administration Israels“.

          Der „große“ Rassismus ist immer leicht zu entdecken, denn er ist öffentlichkeitsgeil wie z.B. im Fall des iranischen Premiers, wenn er die Amerikaner als Satane bezeichnet. Der kleine Rassismus ist viel interessanter – der Alltägliche, der sich in Empfindungen versteckt und Handeln infiltriert. Vor diesem Rassismus muss man sich hüten. Übrigens existiert meiner Auffassung nach auch ein „positiver Rassismus“, der nicht minder gefährlich ist. Es ist der, der freispricht und einer Ethnie aufgrund ihrer selbst in ihrer Gesamtheit Rechte zubilligt oder ihnen besonders positive Eigenschaften unterstellt. Das lässt sich bei Dritte-Welt-Läden-Kunden oft beobachten, die gar nicht merken, dass sie mit ihrer Lobhudelei über die „guten und ehrlichen Wilden“ (ok, das ist provokant ausgedrückt) in exotischem Überschwang auch nur Rassismus postulieren, ebenso wie mehr oder weniger wohlhabende Männer des Westens, die sich für eine asiatische Frau interessieren, weil sie aufgrund ihrer „Rasse“ als besser geeignet scheint, ihre Ansprüche zu erfüllen.

          Vor diesem Hintergrund – meinem – ist das Freisprechen Israels genau so wie das Freisprechen der Palästinenser von Kritik, zu welchem Grad auch immer, ebenfalls eine Form des Rassismus, geschieht das auf der o.g. Basis. Nun räumst du zwar ein, dass es an Israel genug zu kritisieren gäbe und das auch in Ordnung sei, betonst auf der anderen Seite aber immer wieder, dass Kritik gerade von Deutschen und ihrem geschichtlichen Hintergrund usw. usf. Ich kann das zwar nachvollziehen, halte es aber im Sinne einer Problemlösung für wenig förderlich. Will heißen – je länger man in der Urteilsphase verharrt, desto weiter zögert man eine Lösung heraus, weil der Weg dahin vorhaltungsbasiert emotionalisiert verstellt bleibt.

          Ich hoffe, dir ist jetzt etwas klarer, worauf ich hinaus will.

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        • 10. Januar 2012 14:11

          Gut es ist jetzt etwas klarer und einigem stimme ich sogar zu. Nur mit dieser Position kannst du auch schlecht die Boykottaufrufe gegen Juden von 1935 verurteilen, denn die Nazis waren doch auch Menschen und hatten auch Interessen. Letztendlich landest du mit dieser (realitätsfernen) „Versöhnen statt Spalten“-Position im Nihilismus.

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        • 10. Januar 2012 16:06

          Nö, das sehe ich anders und ich bewerte die Boykott-Aufrufe in den 30ern natürlich anders und sie sind auch anders zu bewerten. Vielmehr finde ich die Art der Kriminalisierung durch geschichtsferne Gleichmacherei sehr riskant. Du willst doch wohl nicht die naiven Boykotteure von heute mit den Nazis ’35 gleichsetzen – also nicht ernsthaft.

          Ich halte übrigens die „Spalten statt Versöhnen“-Position für realitätsferner in Bezug auf ein zu erreichendes positives Ziel. Es existiert letztlich auch keine Alternative zu einer Versönung, will man einen dauerhaften Frieden erreichen. Die einzig andere – theoretisch – denkbare Alternative zur Versöhnung oder Annäherung ist entweder ein finaler Krieg, was einem Völkermord gleichkäme oder die absolute Abschottung nach außen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das gewollt wäre.

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        • 11. Januar 2012 11:13

          @Michael Pliwischkies
          Natürlich sind die Boykottaufrufe gegen Juden von 1935 und 2011 nicht identisch. Die Nazis hatten schon mal andere Uniformen an und weil es in Deutschland kaum mehr Juden gibt richtet sich der Boykott gegen die Juden in Israel. Beiden gemeinsam ist das Motiv: Antisemitismus.

          Den finalen Krieg will die Hamas und der Iran, die „Abschottungspolitik“ Israels ist das Gebot der Stunde, da es um Menschenleben geht. Wenn Selbstmordattentäter sich in israelischen Schulbussen in die Luft sprengen, muss der israelische Staat versuchen dies zu verhindern. Die Schuld an den Attentaten hat nicht Israel sondern die Gegner Israels. Aber das haben wir bereits zur Genüge diskutiert.

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  17. 8. Januar 2012 16:22

    Hallo Michael,
    Du gebrauchst „gebetsmühlenhaft“ anscheinend nur, weil Dir fidelche in Begründungen voraus ist? Deine Einlassungen sind nicht sehr erleuchtend?
    Gruss
    hibou

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    • 8. Januar 2012 16:29

      Hallo Hibouh. Wenn du das so siehst, ist das eben so. Ich lese Beründungen a la Fidelche seit vielen Jahren und sie bieten keinerlei neue oder gar zukunftsweisende Erkenntnisse. Sie widmen sich ausschließlich einer „Schuldfrage“ und merken nicht einmal, dass sie schon in der Mottenkiste der Geschichte liegen. Auf mich wirken sie sogar „andienend“, was mich übrigens stört. Wer wissen will, muss sich auseinander setzen und nicht beifallheischend „ewige Gesetze“ herunterbeten oder „genehme Vertreter“ zitieren – und wenn man sich noch so wohl darin fühlt, weil man ja bestätigt wird.

      Aber gut. Vermutlich ist das wirklich ein Generationenproblem oder hat etwas mit der jeweiligen Sozialisierung zu tun. Das ist nicht als Vorwurf gemeint.

      Ich jedenfalls gebe mich nicht damit zufrieden, dass X oder Y eine Auffassung vertritt und schließe mich ihr an, weil es wohlfeiler Konsens ist. Das ist mir zu primitiv.

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      • Reflexione Galore permalink
        8. Januar 2012 16:57

        In fact, social perceivers who try to suppress a stereotype may later be troubled by rebound-effects that makes stereotypic content even more accessible and consequently influence their judgment and behavior in subsequent tasks (Macrae, Bodenhausen, Milne, & Jetten, 1994).

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      • 9. Januar 2012 06:05

        Durch Deine Reaktion zeigst Du – nach meinem Erachten – dass fidelche Recht hat, denn Du betreibst „Schuldabwehr“. „Ich weigere mich, mit dem Holocaust irgendwas zu tun zu haben, bin ja viel spaeter geboren“ oder so….
        Aber ist ja ok, Diskussion soll ja sein. Waere schlecht bestellt um den Fakt, wenn alle nur beipflichten würden. Du verlangst einem die stringenten Begründungen ja ab 🙂
        „Mottenkiste“ ist auch wieder so ne Floskel. Nach Belieben einzusetzen. Ich höre dann immer gleich auch „fieberhaft wurde nach den Opfern gesucht, damit ihnen schnell und unbürokratisch geholfen werden kann“. Nun möchtest Du bestimmt net son Mainstreamformulierer sein?
        Ich bin zwar kein Deutscher, habe aber sehr lange in Deutschland gelebt und gearbeitet. Ich kann Dir versichern – aber das weisst Du ja selbst – dass sowohl die aeltere als auch die jüngere Generation noch immer dieselben bescheuerten Frühstücksgespraeche führt, naja, und die Stammtische…. Es hat sich nicht viek geaendert, und ein neues Nazireich ist im Bereich des Möglichen. Und das im Land der Konzentrationslager? Da sollten wir uns klar darüber sein……

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        • 9. Januar 2012 06:09

          und da hat fidelche vollkommen recht, unter anderem darauf hinzuweisen, dass selbst unsere „linken“ Leute, oder zumindest das Gros von ihnen, diese ach so multikultigen und „antirassistischen Zeitgenossinnen, sehr schnell mit ihrer Menschenliebe am Ende sind, wenn es um Juden geht….

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        • 9. Januar 2012 12:31

          Nein, ich betreibe keine Schuldabwehr iSv Fidelches Definition. Ich trage einfach keine Schuld und ich versuche auch nicht, Israel oder Angehörigen des jüdischen Glaubens eine Schuld nachzutragen oder aufzuerlegen, um meine zu relativieren – das ist nämlich mit der hier diskutierten Schuldabwehr – salopp ausgedrückt – gemeint. Und ja – natürlich kenne ich diese bescheuerten Stammtischgespräche – ich begebe mich ja ganz bewusst dort hinein und rede ggf. dagegen an. Ich kenne dieses Dummgerede allerdings auch aus Italien, Frankreich, den USA und anderen Ländern. Daher ist es mir zu einfach, der drohenden Renaissance des Nazitums das Wort zu reden. Leider bin ich zu dem Schluss gekommen, dass diese „Scheiße“ grundsätzlich in den Köpfen vieler Menschen verankert ist – unabhängig von ihrer geografischen oder sozialen Herkunft. Und genau dort sehe ich auch das Problem und auch darin, dass es dafür keine Lösung gibt – außer einer „Endlösung“ vielleicht (man verzeihe mir das geschmacklose Wortspiel). Also kann es nur darum gehen, wie man mit diesen „sonderbaren Reflexen“ umgeht und wie man sie lenkt, damit sie keinen zu großen Schaden anrichten.

          Was die Linken betrifft, endet ihre Toleranz oftmals beim ersten Andersdenkenden, der sofort als Feind erkannt wird. Sie endet auch dann, wenn in sich in ihr nach Biobrot duftendes Altbautreppenhaus ein Wölkchen türkischer Küchendüfte einschleicht. Zumeist überlebt die Toleranz nur im Ambiente der Unbetroffenheit, solange der eigene Schutzraum nicht „gefährdet“ ist. So kann man seinen Toleranzanspruch in charmanter Schutzatmosphäre ausleben und damit hausieren gehen.

          Was das neue Nazireich betrifft, halte ich das für – sorry – ausgemachten Blödsinn. Was du kritisierst, ist das „ganz normale“ Kleingeister-Sozialneid-Geschrammel, welches es – schrieb ich ja bereits – in jedem Land gibt. Für ein neues Nazireich braucht es schon etwas mehr als dümmlichen Abwehr-Konservativismus.

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  18. 10. Januar 2012 17:17

    Dein Wort in Allahs Ohr! (das mit dem Nazireich). Nur schnell apropos Renaissance: (is es off-topic?)

    “Wir gehen in den Reichstag hinein, um uns im Waffenarsenal der Demokratie mit deren eigenen Waffen zu versorgen. Wir werden Reichstagsabgeordnete, um die Weimarer Gesinnung mit ihrer eigenen Unterstützung lahm zu legen. Wenn die Demokratie so dumm ist, uns für diesen Bärendienst Freifahrkarten und Diäten zu geben, so ist das ihre Sache…” ( Joseph Göbbels, 1928 )
    “Die Demokratie ist nur ein Zug auf den wir aufspringen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.” ( R.T.Erdogan )

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  19. 10. Januar 2012 18:39

    Ein „Hallo“ in die Runde! Es hat mich einiges Nachlesen gekostet, hier wieder mitreden zu können.

    Als erstes verwundert mich bei Michael, dass er des Sperranlagenbaus wegen (einziger Grund?) die israelische Administration (welche?), als „rassistisch-nationalistisch agierend“ verurteilt. Vielleicht könnte Michael noch genauer begründen, warum er dem israelischen Schutzbedürfnis und der Aggression von Seiten der Hamas so wenig Gewicht beimisst, dass er die israelische Administration noch vor der Hamas und der PA „rassistisch-nationalistisch agierend“ nennt?

    In Deinem Kommentar vom 08.01.2012, 19.16 h schreibst Du, Michael, „Die Schuldfrage stelle ich aber auch ganz bewusst nicht, weil sie niemanden weiter bringt. Beide Parteien kennen gemäßigtere Kräfte und eben das Gegenteil. Beide Seiten haben sich zu Taten hinreißen lassen, und zu Aussagen, die in der heutigen Welt eigentlich nichts mehr zu suchen haben sollten. Soweit, so schlecht. Es ergibt aber keinen Sinn, diese „aufzurechnen“ und weiter Ping-Pong zu spielen.“

    Dazu möchte ich zu bedenken geben, dass man aus logischen Gründen, wie bei Gericht, nur zusammen MIT KLÄRUNG DER SCHULDFRAGE“ urteilen kann. Ein Urteil zur israelischen Administration ohne Klärung der Schuldfrage kann nur auf Sand gebaut sein. Auffällig für mich ist außerdem, dass Israel nur „Pong“ spielt, beim Tischtennis aber jeder mal Aufschlag hat!

    Dass „Einige einen Willen zum Engagement haben und den vermeintlich schwächeren helfen wollen, in einer Art Gutmenschenrausch…“ halte ich für wahrscheinlich, wahrscheinlicher noch ist es dann, wenn dieser „Wille zum Engagement“ gepaart mit einer möglichen „Entschuldungsempfindung“ ist, wobei wir bei der alten „Schuldfrage“, oder besser „Befangenheitsfrage“, angekommen sind, zu der ich (auch für RG) noch folgendes sagen möchte: Zwar trägt der Sohn eines Mörders, Vergewaltigers, Nazis etc. keine direkte Schuld, es ist aber unbestreitbar, dass er, kommt das Gespräch auf das Thema Mord, Vergewaltigung, NS etc., seinen Mund aus für mich nachvollziehbaren Gründen nicht ganz so unbefangen „spazieren gehen“ lässt.

    Die ständige Vermutung des „Schuldabwehrantisemitismus“ von fidelche ist nicht zielführend, weil er meist nur statistisch, im Einzelfall so gut wie NIE nachweisbar ist, obgleich diese Erklärung für Antisemitismus aufgrund der Verbreitung die wahrscheinlichste ist.

    Die Frage von fidelche „…warum die Gutmenschen […] nicht für den Südsudan oder für die Opposition in Syrien oder damals gegen den Völkermord an den Tutsi in Ruanda demonstrieren, warum ausgerechnet gegen Israel?“, halte ich für zulässig und interessant. Bei der Beantwortung bleibt uns nur die Spekulation.

    Zuletzt: Genaugenommen gibt es NUR antisemitisch handelnde, denkende, redende usf. Menschen, NIEMAND IST Antisemit, die Personalisierung ist nur umgangssprachlich akzeptiert.

    lg LL

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  20. 11. Januar 2012 11:06

    Ich schrieb des Öfteren @Louis Levy, dass im Einzelfall geprüft werden muss ob es sich um Schuldabwehr/Erinnerungsabwehrantisemitismus handeln könnte. Für mich liegt freilich der Verdacht nahe, wenn Einzelpersonen vom „Apartheidstaat Israel“ reden, Boykottaufrufe gegen Juden unterstützen, einen Schlussstrich bezüglich der deutschen NS-Geschichte fordern, den Holocaust relativieren, Israel mit dem NS-Staat gleichsetzen, dass es sich um eine gewisse Erinnerungsabwehr (Ein Begriff aus der Antisemitismusforschung) handeln könnte. In der Linken spielt freilich oft auch der alte DDR/SU-Antizionismus und andere Dinge eine Rolle.

    Nach der deutschen „Wiedervereinigung“ begann die große Suche nach nationaler Identität, nicht nur im bürgerlichen Lager, sondern auch in der Linken. Die deutsche Linke ist für Nationalismus und Antisemitismus leider genauso anfällig wie der Rest der Gesellschaft. Diesem neuen Nationalgefühl nach 1989 stand der Massenmord an den Juden im Wege. Für die „Wiedergutwerdung“ der Deutschen (Eike Geisel) war der überfällige „Schlussstrich“ von Nöten und die „Schuld“ der Befreier (Bombardierung Dresdens) stand auf der Tagesordnung. Für diese Deutschen war die Singularität von Auschwitz störend, also wurden Juden ähnliche Verbrechen angedichtet und Israel mit dem NS-Staat gleichgesetzt. Prof. Udo Steinbach verglich die Intifada mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto. Blüm sprach vom „hemmungslosen Vernichtungskrieg Israels“ usw. Nach der „Wiedervereinigung“ verschob sich Nationalismus und Antisemitismus vom rechten Rand über den linken Rand bis in die Mitte der Gesellschaft. „Laut einer Emnid-Untersuchung des Jahres 2001 stimmen fast 80 Prozent der 25- bis 29-Jährigen der Aussage zu: „Jüdische Organisationen stellten überzogene Entschädigungsforderungen an Deutschland, um sich zu bereichern.“

    Es gib eine Erhebung von Bergmann und Erb (Antisemitismus in der Bundesrepublik 1987) nach der es zwei Drittel der Deutschen ärgerlich empfinden, dass den Deutschen auch heute noch die Verbrechen an den Juden vorgehalten werden. Die Aussage“ Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip nichts anderes als das, was die Nazis mit den Juden gemacht haben“, fand 1987 17% Zustimmung und 50 % Ablehnung bei 33% Unentschiedenheit. Im Jahre 2004 stimmten 51% zu und 19 % lehnten dezidiert ab. Der Aussage Israel führe einen „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser stimmten im Jahre 2004 68 Prozent der Deutschen zu. (Diese Zahlen nach Heyder, Israelkritik oder Antisemitismus)

    Die Thematik des Antisemitismus ist vielschichtig. Die Täter-Opfer-Umkehr, das jüdische Geld, Antiamerikanismus, die Feindschaft gegen Israel und die Schuldabwehr sind Elemente des Antisemitismus. Festzuhalten bleibt, die antisemitischen Einstellungen werden seit Jahren in Deutschland, Europa und im arabischen Raum neu justiert. Scheinbar wenig kompatible Ideologien, Parteien und Bewegungen nähern sich an, in dem sie „dem Juden“ die Schuld an ihren eigenen Konflikten geben. Die Juden waren und sind der willkommene Sündenbock. Wie bereits mehrmals erwähnt, interessiert mich vor allem der Antisemitismus innerhalb der Linken, denn der Linken fühle ich mich zugehörig und Dreck im eigenen Haus habe ich nicht gerne.

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    • Jackson permalink
      11. Januar 2012 17:44

      Richtig, „nach der deutschen „Wiedervereinigung“ begann die große Suche nach nationaler Identität“.

      Der Januar 2005 belegt das öffentliche Zusammenspiel von Verharmlosern und Antisemiten unterschiedlicher Couleur. Die NPD hatte am 21. Januar im sächsischen Landtag für einen Eklat gesorgt, indem eine Schweigeminute verweigert wurde, in der sowohl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus als auch der während der Bombardierung Dresdens getöteten Deutschen gedacht werden sollte.

      Bereits diese Gleichstellung der Opfer der Judenvernichtung und der Bombardierung Dresdens war eine unfassbare Verzerrung der Geschichte, Verantwortlich dafür war die Landesregierung Dresdens. Der Vorsitzende der NPD-Fraktion ging in seiner Rede wesentlich weiter. Einerseits setzte er die jüdischen Opfer, ohne von ihnen zu sprechen, den deutschen Toten gleich, indem er die Bombardierung Dresdens als „industriellen Massenmord“ und „Bomben-Holocaust“ bezeichnete.

      Es blieb es nicht bei dieser Gleichsetzung. Denn die Vernichtung der Juden wurde verschwiegen, die Schweigeminute verweigert und den „antideutschen Geschichtslügen“ die Behauptung entgegengesetzt, England habe die Deutschen ausrotten wollen. Es handelt sich also um eine offen vorgetragene Täter-Opfer-Umkehr, die nur die eine, eigene Seite kennt und die deshalb zugleich eine Holocaust-Leugnung durch Verschweigen ist.

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      • fritz kling permalink
        12. Januar 2012 08:58

        Der Vorsitzende der NPD hat das schon richtig gemacht. Auge um Auge Zahn um Zahn, wenn die Verbrechen an Juden und Anderen unbewiesen als Industrielles und planmäßiges Vorgehen dargestellt werden darf, dann muß auch der Massenmord an der deutschen Zivilbevölkerung so bezeichnet werden. Ich teile nicht das derzeitige Dogma das alle „Nazis“ Verbrecher waren oder sind.

        ———————
        Zu Dokumentationszwecken veröffentlichen wir ausnahmsweise die beiden Kommentare von „fritz kling“. Nicht nur diese beiden Kommentare lassen die Notwendigkeit des Artikels von fidelche erkennen. Mission Impossible distanziert sich vor derlei Gedankengut, wohl wissend dass es in Deutschland weitverbreitet ist.
        Die MI Redaktion

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      • 12. Januar 2012 09:23

        Holocaust-Leugnung durch Verschweigen – nun wird es aber lustig konstruiert, worauf man mit allen Mitteln hinaus will.

        Wie soll man denn täglich oder bei welchen Anlässen muss denn der Holocaust erwähnt werden, damit man nicht Leugner durch Verschweigen wird?

        „in der sowohl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus als auch der während der Bombardierung Dresdens getöteten Deutschen gedacht werden sollte.

        Bereits diese Gleichstellung der Opfer der Judenvernichtung und der Bombardierung Dresdens war eine unfassbare Verzerrung der Geschichte, Verantwortlich dafür war die Landesregierung Dresdens.“

        Wo wurden die Opfer hier gleichgestellt? Es wurde oder sollte gemeinsam gedacht werden, mit dem Ziel, aufzuzeigen, dass Kriege und nationalistische Ideologien nur Opfer kennen. Das halte ich für gut und richtig, denn das ist im Endergebnis immer das, was daraus erwächst und es ist wichtig, das auch heraus zu stellen.

        Das eigentlich Gefährliche und Zynische, Jackson, ist die so konstruierte Gleichsetzung von sächsischer Landesregierung und NPD, die Sie hier durch derlei versuchen zu betreiben.

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        • 14. Januar 2012 12:06

          Das Konzept für den sekundären Antisemitismus, der auch Schuldabwehrantisemitismus genannt wird, erstellte Adorno bereits 1955 in dem Essay „Schuld und Abwehr – Eine qualitative Analyse zum Gruppenexperiment“ [Band 9: Soziologische Schriften II: Schuld und Abwehr. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 6849 (vgl. GS 9.2, S. 121-122)] in dem er schreibt: „So hat es sich beispielsweise vor einiger Zeit bei einer Erhebung herausgestellt, daß Kinder aus kleinbürgerlichen und zum Teil auch aus proletarischen Kreisen eine gewisse Neigung zu antisemitischen Vorurteilen haben. Wir bringen das damit zusammen, daß die Eltern dieser Kinder seinerzeit zu der aktiven Gefolgschaft des Dritten Reiches gehörten. Sie sehen heute nun sich gezwungen, ihren Kindern gegenüber ihre damalige Haltung zu verteidigen, und werden dadurch fast automatisch veranlaßt, ihren Antisemitismus aus den dreißiger Jahren aufzuwärmen. Unser Mitarbeiter Peter Schönbach hat dafür den recht glücklichen Ausdruck eines »sekundären Antisemitismus« geprägt.“ Natürlich ist diese Form des Antisemitismus nicht von der Qualität des von den Nationalsozialisten geprägten Rassenantisemitismus, denn: „Wenn man Schuldgefühle und Verantwortung gegenüber dem von den Nazis Begangenen abwehrt, so bedeutet das nicht nur, daß man sich reinwaschen will, sondern ebenso auch, daß man, was begangen ward, eben doch unrecht fand und darum ablehnt. Wäre das nicht der Fall, so bedürfte es nicht des Eifers der Distanzierung.“ [Band 9: Soziologische Schriften II: Dritter Teil: Monographien zur Qualitativen Analyse der Diskussionen. Theoder W. Adorno: Gesammelte Schriften, S. 6889 (vgl. GS 9.2, S. 149-150)]

          Dennoch halte ich es für erforderlich zur Erfüllung des „neuen kategorischen Imperativs“, auch den Anfängen zu wehren (Principiis obsta!) und der ständigen Erosion und Abnutzung der Schuld des Volks der Täter (u.a. durch die inflationäre Anwendung des Begriffes „Holocaust“ auf Verbrechen aller Art) entgegenzuwirken und zu begegnen. Dazu gehört auch explizit die Unterscheidung zwischen dem Gedenken der Opfernachfahren und dem der Täternachfahren, die bereits in der medialen Debatte um das Holocaust-Mahnmal in Berlin eine wichtige Rolle spielte. Ich kann es deshalb nicht verstehen, dass Du, Michael, wenn Du schon keine „Gleichstellung“ in diesem „gemeinsamen Gedenken“ sehen willst, so überhaupt kein Problem in diesem einzigen Vermischungs-, Verwässerungs- und Schuldabtragungsvorgang des „gemeinsamen Gedenkens“ sehen willst. In diesem Punkt bin ich fidelche mit seinem permanenten „Ceterum censeo“ dankbar, dass er so konsequent Adornos Diktum praktiziert, für das die meisten Deutschen nur taub sind.

          lg LL

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        • Reflexione Galore permalink
          14. Januar 2012 12:23

          „So hat es sich beispielsweise vor einiger Zeit bei einer Erhebung herausgestellt, daß Kinder aus kleinbürgerlichen und zum Teil auch aus proletarischen Kreisen eine gewisse Neigung zu antisemitischen Vorurteilen haben. Wir bringen das damit zusammen, daß die Eltern dieser Kinder seinerzeit zu der aktiven Gefolgschaft des Dritten Reiches gehörten.“

          Und heute? Welche Kinder sind es heute? Wie ist es weitergegangen?

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        • Reflexione Galore permalink
          14. Januar 2012 12:26

          Ich würde ja mal mit diesen Kindern heutzutage, hauptsächlich in Haupt- und Realschulen diskutieren und dort ansetzen, damit sich was ändert in der Denke. Und bei denen, die von ihren eltern aufs Gymnasium geprügelt werden, mit Nachhilfe und Co. Aber mit Adorno braucht Du ihnen nicht kommen.
          ———————-
          Ist das Reflexione“ des Nicks „Reflexione Galore“ Satire? Das Thema dieses Blogs ist nicht Realschule oder Gymnasium. Das Thema dieses Blogs ist Auschwitz, Filip Müller, die Schuldabwehr, der sekundäre Antisemitismus und in dem aktuellen Kommentar die Gleichsetzung der Opfer von Dresden und Auschwitz.
          Die MI Redaktion

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        • Jackson permalink
          14. Januar 2012 18:32

          Michael Pliwischkies ,
          ich habe geschrieben: „Der Vorsitzende der NPD-Fraktion ging in seiner Rede wesentlich weiter“, damit also auf die Unterschiede von NPD und Parlament hingewiesen. Ich habe nichts konstruiert, nur gehe ich mit offenen Augen durch das Leben. Mit ihrer Aussage, „dass Kriege und nationalistische Ideologien nur Opfer kennen“, übersehen Sie die Täter. Mit der Dresdener Täter-Opfer-Umkehr oder der Verwischung und Vermischung von Tätern und Opfern werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht.

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    • 12. Januar 2012 15:36

      @Jackson (11/01/2012 17:44)

      Den Kommentar kann ich unterschreiben. Täter-Opfer-Umkehr, Holocaustleugnung, Holocaustrelativierung und eine nationaler Opfermythos sind in dieser „kollektiven deutschen Unschuld“ klar erkennbar. Von deutschen Städten ging der Zweite Weltkrieg aus, auch von Dresden einer der Hochburgen des Nazireiches. Über die Bombardierung von Dresden existieren viele Legenden (die „militärisch sinnlosen Terrorangriffe“, die Tiefflieger, die Zahl der Toten) die Propagandaminister Joseph Goebbels zu Lebzeiten legte. Durch die Bombardierung Dresdens wurden viele Juden die noch in Dresden lebten nicht nach Auschwitz deportiert und überlebten den Krieg (siehe die Tagebücher von Victor Klemperer).

      Gunnar Schubert schreibt in seinem Buch „Die kollektive Unschuld: “Als der Parlamentsnazi Jürgen Gansel Anfang 2005 im sächsischen Landtag den Beitrag der westlichen Alliierten zur Niederringung der Täterstadt Dresden »Bombenholocaust« nannte, war das Geschrei plötzlich groß. Dabei ist dieser Begriff seit Jahren im Umlauf. Es waren dieselben Abgeordneten empört, die kurz vorher, dem Geschichtsfälscheranliegen des einschlägig bekannten Landtagspräsidenten Erich Iltgen stramm und aus Überzeugung Folge geleistet hatten. Iltgen hatte erklärt, dass »wesentliche historische Daten, deren 60. Wiederkehr wir gedenken«, in den nächsten Wochen bevorstanden: »am, 27. Januar der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz wie zuvor und danach der anderen Konzentrationslager, am 13. Februar der Bombardierung Dresdens wie schon anderer sächsischer Städte«. Deshalb »möchte ich Sie alle auffordern und bitten, mit mir in würdiger Weise der Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken, gleichviel durch welche Willkür und Gewaltmaßnahmen sie zu Schaden gekommen sind.“

      Dresden kann seiner Opfer gedenken, aber nicht gleichzeitig den Opfern des sechsmillionenfachen deutschen Massenmords an den Juden. Die NPD ging einen Schritt weiter als der sächsische Landtag. Ich sehe das ähnlich. Die Idee eines gemeinsamen deutschen Museums zum Gedenken an den Holocaust und dem Gedenken an die deutschen Vertriebenen aus den Ostgebieten ging in dieselbe Richtung, ähnlich wie die Kranzniederlegung von Helmut Kohl und Ronald Reagan 1985 in Bitburg am Soldatenfriedhof und der Gedenkstätte des KZ Bergen-Belsen. Für mich ist das Geschichtsklitterung, der übelsten Sorte. Zu den beiden Kommentaren des „Rechtsauslegers“ Fritz Kling ist eigentlich nicht viel zu sagen, außer dass mich dabei Brechreiz überfällt. Ich empfehle Fritz Kling doch einfach mal in die „Freitagscommunity“ zu wechseln. Vielleicht wird er dort aufgenommen. Mit Ebertus und Co. könnte er eine Querfront schließen. Ich empfehle mal sich NPD Seiten über „Dresden“ anzusehen um mal nachzuzählen wie oft die von „Antideutschen“ schreiben.

      Ich frage mich, wer trägt eigentlich die Verantwortung für die 50 Millionen Opfer des Zweiten Weltkrieges? Nicht auch neben den direkten und indirekten Beteiligten die Wähler von NSDAP und DVNP? Oder gab es nur Opfer und keine Täter (außer Hitler). Und der hat sich bekanntlich davongestohlen.

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  21. fritz kling permalink
    12. Januar 2012 08:53

    Was für ein Geseire hier abgelassen wird, dazu Foto von wohlgenährten, warm gekleideten Kindern als arme Opfer. Der Schuldkult feiert seine letzten Zuckungen in den schwülstigen Reden vom fiddlche. Mischu Friedman und andere haben den deutschen die ewige Schuld versprochen und je länger der provozierte Krieg zurückliegt desto grösser wird das gejammer über die Menschenfresserdeutschen.
    ————————————–
    Zu Dokumentationszwecken veröffentlichen wir ausnahmsweise die beiden Kommentare von „fritz kling“. Nicht nur diese beiden Kommentare lassen die Notwendigkeit des Artikels von fidelche erkennen. Mission Impossible distanziert sich vor derlei Gedankengut, wohl wissend dass es in Deutschland weitverbreitet ist.
    Die MI Redaktion

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  22. 12. Januar 2012 20:24

    Geschichte studieren. Sagen wir mal so:
    Raimund Krämer, Mittelamerika. Revolution, Intervention und Dialog.
    Mittelamerika? Hab ich nichts mit zu tun.
    Philippe Ariès, Geschichte der Kindheit.
    Kindheit? Hab ich nichts mehr mit zu tun.
    Livius, Der Punische Krieg.
    Römische Geschichte? Hab ich nichts mit zu tun.
    Werner/Erbstösser, Kleriker, Mönche, Ketzer.
    Religiöses Leben? Hab ich nichts mit zu tun.
    Bernd-Ulrich Hergemöller, Randgruppen der spätmittelalterlichen Gesellschaft.
    Mittelalter? Hab ich nichts mit zu tun.
    Heinz Wolter, Otto von Bismarck.
    Lange her. Beide. Hab ich nichts mit zu tun.
    Reinhard Opitz, Europastrategien des deutschen Kapitals.
    Nie gehört. Hab ich nichts mit zu tun.
    Otto Kirchheimer, Politische Justiz.
    Na na na na. Nun wollen wir mal ob jek tiv bleiben …
    Alfred Schmidt, Geschichte und Struktur.
    Alfred Schmidt? Wo hat der denn prominiert?
    Burghart Schmidt, Am Jenseits zu Heimat.

    Und weil selbst Adorno keine Heimat selbst in der Sprache mehr vermutet nach dem Untergang der Menschheit, empfehle ich für die endgültige Abkopplung von Geschichte als der einzigen Wesenheit des Menschen/der Menschheit die Einführung in die Archivkunde von Eckhart G. Franz, wissenschaftlich, weltfremd, wortkarg. Oder wie Teddie sagt: Autonomie, Reflexion, Selbstbestimmung, Nicht-Mitmachen.

    *AllgemeinAnekdote: In einem Seminar etwa 1982 zur Attischen Demokratie antwortete eine hübsche Geschichtsstudentin, das wisse sie doch nicht, da habe sie noch nicht gelebt. Ein erstes Gelächter auf dem lesenden und hörenden Weg zu Erkenntnissen.

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  23. 15. Januar 2012 20:13

    Die NPD bezeichnet die Bombardierung Dresdens als „Bombenholocaust“. Die Bloggerin Rahab (lt. eigenen Angaben eine Juristin) relativiert den Holocaust in der moderierten irgendwie linken „Freitagscommunity auf ihre Art: “abgesehen davon, dass es in Hama nicht sehr viel heimeliger ausgesehen haben wird als in Bergen-Belsen und in Sinjar nicht sehr viel appetitlicher als in Dresden“. Für den sächsischen Landtagspräsident Erich Iltgen sind die „wesentlichen historische Daten“ die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz und die Bombardierung Dresdens. Eine vermeintliche deutsche kollektive Unschuld offenbart sich in diesen Gleichstellungen der Opfer von Auschwitz und der Bombardierung Dresdens, die nach der deutschen Wiedervereinigung bis weit in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen sind.

    Diesem gesteigerten Nationalbewusstsein, dieser neuen nationalen Identität, von der die Linke nicht auszunehmen ist, steht der deutsche sechsmillionenfache industriell betriebene Massenmord an den Juden entgegen, weshalb für viele Deutsche aus den Opfern Täter werden sollten. Diese Täter-Opfer-Umkehr betrieb Hohmann von der CDU mit seiner Aussage vom jüdischen „Tätervolk“ sehr „eindrucksvoll“ und viele folgten ihm. Israel wird von diesen Deutschen mit dem Nationalsozialismus gleichgesetzt, indem vom „Massenmord“ an den Palästinensern, vom „Apartheidstaat Israel“, vom „Ghetto Gaza“ usw. gesprochen wird. Beispielsweise die Freitagsbloggerin Rahab initiierte unter dem Jubel ihrer „FreitagsanhängerInnen“ Boykottaufrufe gegen den ihrer Meinung „rassistischen Apartheidstaat Israel“.

    Es sind also zwei Phänomene festzuhalten: Zum einen die deutsche Schuldabwehr, die Relativierung des Holocaust und auf der anderen Seite eine überzogene antisemitische Israelkritik, die dem Judenstaat nationalsozialistische Methoden unterstellt. Kommen beide Phänomene zusammen ist von sekundärem Antisemitismus zu sprechen.

    Natürlich sind Rahab, Iltgen, Hohmann und Co. nicht mit der NPD gleichzusetzen. Der qualitative Unterschied ist: Die NPD leugnet den Holocaust, die Gaskammern oder die industriellen Methoden, während erstere Auschwitz „nur“ relativieren. Allerdings bezüglich der „Israelkritik“ gibt es kaum Unterschiede. Vom „Apartheidstaat Israel“, vom „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“, von der „Apartheidmauer“, von der „Einstaatenlösung“, von Boykottaufrufen gegen Israel, von „Antideutschen“ (Vaterlandsverrätern) ist zur Genüge auf den offiziellen Seiten der NPD zu lesen. 65 Prozent der Deutschen sehen in Israel die Hauptgefahr für den Weltfrieden. Knapp 70 Prozent der Deutschen meinten im Jahre 2004 Israel führe einen „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser. Laut einer Emnid-Untersuchung des Jahres 2001 stimmen fast 80 Prozent der 25- bis 29-Jährigen der Aussage zu: „Jüdische Organisationen stellten überzogene Entschädigungsforderungen an Deutschland, um sich zu bereichern.“ Wer nach diesen Zahlen, nach diesem Blog mit seinen Kommentaren noch immer nicht weiß was sekundärer Antisemitismus ist, dem kann aus meiner Sicht nicht geholfen werden.

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    • 15. Januar 2012 22:26

      Dafür, dass es alle jetzt wissen – zumindest deine Sicht dessen kennen – haben wir es ja nun gefühlte 1000 mal gelesen, Herr Großinquisitor.

      Tut mir leid, aber das permanente Anprangern von Einzelpersonen auf diese Art ekelt mich an. Das ist auch durch das Thema nicht mehr entschuldbar.

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      • 15. Januar 2012 23:34

        Die permanente Personalisierung von Kritik halte ich auch für falsch, vielmehr wäre am Beispiel einer einzelnen herausgehobenen besonderen Aussage das zu kritisierende Allgemeine zu entwickeln, also der Punkt, wo das de facto ja Ausgeschlossene wieder in die Gesellschaft sickert. Weit mehr als an den üblichen zurecht Verdächtigen müßte am Unscheinbaren der Extremismus des Alltags gezeigt werden, a) als Philosophieverfehlung Wirklichkeit vs Ideal; b) als Frage nach Interessen und System(zwängen), was sehr von freien Willen der Agierenden entfernt ist. – Kurz: Politik mal anders, wie ´ne olle Werbung schön gesagt hat.

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      • Reflexione Galore permalink
        15. Januar 2012 23:48

        „Thema“ ist gut, im Sinne von „neutral“. Mittel zum Zweck.

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      • 16. Januar 2012 10:15

        Michael, aus deinem Kommentar entnehme ich, dass du inhaltlich meinem Kommentar nichts entgegenzusetzen hast, was mich nicht verwundert, denn alle Zitate, die von Rahab oder Hohmann, wie die Umfrageergebnisse sind Faktum. Das alles mag langweilig erscheinen, aber mit Zitaten und Umfragen ist der sekundäre Antisemitismus plausibel erklärbar. Ich wüsste nicht wie ich es anders machen sollte und kenne kaum jemanden, der bei diesem Thema ohne Zitate auskommt. (siehe Adorno, Broder, Haury, Kistenmacher, Salzborn, usw) Ich habe dich vielleicht in eine Ecke gedrängt in die du vermutlich nicht wolltest, das tut mir leid, aber die Grundlage dafür waren deine Aussagen.

        Die Frage nach Interessen und Systemzwängen in dem Zusammenhang wäre sicherlich interessant zu erörtern, die gerne auch ohne Personalisierung, Rainer.

        Bei Holocaustrelativierung, Holocaustleugnung, Boykottaufrufen gegen Juden, Hetze gegen Israel, Werbemaßnahmen für menschenverachtenden Islamismus werde ich auch zukünftig nicht wegsehen, das ist die Lehre die ich aus Auschwitz gezogen habe. Alles andere wäre für mich ekelhaft.

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      • 16. Januar 2012 11:15

        Nein, Fidelche, mein Kommentar beinhaltet keine Zweitmeinung. Er kritisiert lediglich die Form der Auseinandersetzung und die Art der Aburteilung von Personen. Ich fühle mich auch nicht in eine Ecke gedrängt – wie kommst du darauf? Du hast eine Meinung und vertrittst sie, was an sich legitim ist. Meine ist in Teilen eben eine andere. Allerdings – ich kenne dich ja nicht persönlich – spricht, nein schreit, aus deinen Ausführungen und Anklagen eine besserwisserische Borniertheit, die dem Thema meiner Auffassung nach nicht gerecht wird und das stört mich, wie ein Anstacheln eines Konfliktes mich aufgrund der lösungsverhindernden Eigenschaft immer stört. Auch glaube ich nicht, dass Adorno und Broder einem das Denken abnehmen können oder dürfen und Statistiken sind nur ein Snapshot, sehr von der zugrunde liegenden Fragestellung abhängig. Ohne Kenntnis dieser, der zeitlichen Zusammenhänge wie der Datenbasis besitzen sie für mich erst einmal keinen Wert, denn sie sind Interpretation einer Interpretation – und was in ihrer Natur liegt, vermutlich zu einem Zeitpunkt abgefragt, zu dem Geschehnisse die Befragten zu reflexhaften Antworten gebracht haben. Es ist bekannt, wie Fragen zu stellen sind, damit man in Situation A genau die Antworten bekommt, die man sich für das Ergebnis einer Umfrage wünscht.

        „Bei Holocaustrelativierung, Holocaustleugnung, Boykottaufrufen gegen Juden, Hetze gegen Israel, Werbemaßnahmen für menschenverachtenden Islamismus…“

        Nun interpretierst du hier aber, wann welche Äußerungen genau diese Bestände erfüllen. Du urteilst auf der Basis deiner persönlichen Interpretation und Empfindlichkeiten – auch, wenn du andere Interpretationen hinzu ziehst. Ich vermute, dass dies einer emotionalisierten Verteidigungshaltung zugunsten Israels entspringt. Allerdings sorgt dies für eine sehr einseitige Sicht, was sich sehr gut daran ablesen lässt, wie du die Probleme mit der Orthodoxie zu relativieren versuchst, um dein Bild Israels möglichst problemfrei zu halten. Und hier fällt mir wieder das Wort Bärendienst ein. Wer es ernst mit einem Freund meint, sollte auch seine Probleme zur Kenntnis nehmen und sie offen kritisch betrachten. Dazu gehört nun mal auch die Siedlungspolitik und die Orthodoxie, auch wenn man gerade dieser gewiss nicht zuviel Bedeutung beimessen sollte. Dennoch besteht das Problem und es sollte nicht verschwiegen werden. Das Schlimmste, was man einem Freund antun kann, ist ihn zu belügen – iSv. ihn ins offene Messer rennen zu lassen, weil man Kritik von ihm abwendet und ihn im Glauben lässt, das richtige zu tun.

        Ich glaube nicht, dass sich das Thema auf der Basis „Nibelungentreue“ diskutieren lässt. Das führt höchstens zu Auswüchsen und weiteren Ungerechtigkeiten, führt die Katastrophe gewissermaßen weiter. Hierzu passt auch der Bericht einer Frau, die ein Jahr in Australien zur Schule ging – im Austausch. Der Klassenlehrer führte sie dergestalt ein, dass er sie nach vorne zitierte und meinte, dass es schön sei, dass man mal eine Deutsche hier hätte und sie solle sich jetzt vor der Klasse einmal für die Verbrechen an den Juden entschuldigen.

        Das erscheint auch dir absurd, will ich hoffen. Wenn ja, würde ich dir empfehlen, einen Blick auf deine eigene Argumentation zu werfen und sie noch einmal zu hinterfragen – und zwar in Bezug darauf, was sie wirklich zu vollbringen im Stande ist und was nicht.

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      • 16. Januar 2012 12:45

        Die tatsächlichen Probleme mit den Orthodoxen in Israel haben wenig mit dem deutschen sekundären Antisemitismus zu tun. Glaubst du, Michael ernsthaft, Deutsche die Boykottaufrufe gegen Israel initiieren, die eine „Einstaatenlösung Palästina“ fordern, die auf der sogenannten „Gaza Hilfsflotte“ mitfahren oder diese Aktion gutheißen, die vom „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ reden seien Freunde Israels? Wer solche Freunde hat braucht keine Feinde mehr.

        Zu dem Bericht der Frau die ein Jahr in Australien zur Schule ging: Wenn diese Frau Boykottaufrufe gegen Juden initiiert, gegen Israel gehetzt und den Holocaust relativiert oder geleugnet hätte, wäre das Verhalten des Klassenlehrers nachvollziehbar gewesen, ansonsten war diese „Maßnahme“ natürlich absurd. Ich habe jedenfalls hier niemanden grundlos kritisiert. Der Satz des israelischen Psychoanalytikers Zwi Rex „die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“, erklärt aus meiner Sicht sehr gut das Thema dieses Blogs, wobei ich weiß, dass nicht alle Deutschen so „denken“, aber wohl doch sehr viele. Für mich ist das Thema nun hier vorerst abgeschlossen, alles weitere wären naturgemäß Wiederholungen.

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      • 16. Januar 2012 13:31

        Ich glaube erst einmal nichts, ich beobachte lediglich. Und da ich die Motivationen der Einzelnen nicht kenne, bis sie sie offenlege, kann ich nicht entscheiden, ob es sinnvoll, naiv oder antisemitisch ist. Ergo maße ich mir vorher auch kein Urteil an, was die Personen betrifft, behalte mir aber vor, Handlungen zu bewerten.

        Nein, die junge Frau war einfach Schülerin und sah sich mit dem Generalverdacht konfrontiert, den Menschen wie du immer und immer wieder befeuern. Und selbst wenn sie auf einem Free-Gaza-Schiff mitgefahren wäre, würde das ein derartiges Handeln nicht rechtfertigen. Es ist einfach dumm und primitiv, zeugt von einer Haltung, die menschheitsgeschichtlich immer wieder großen Schaden angerichtet hat.

        Die idiotische Aussage Zwi Rex interessiert mich nicht. Ich mache mein Welt- und Menschenbild nicht an Einzelmeinungen fest, wie ich zum Laufen auch keine Krücken benötige. Gestern hörte ich in einem ansonsten eher dürftigen Film einen ganz interessanten Satz: „Wer in der Vergangenheit lebt, wird nur Schmerzen erleiden.“ Das ist so falsch nicht. Das ist auch ein Grund, warum ich das Weltbild Rückwärtsgewandter grundsätzlich nicht teile, die meinen, die Gegenwart oder Zukunft bewerten zu können.

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        • netzberg permalink
          17. Januar 2012 22:30

          Meines Opas Rede! Der die ‚Erinnerungen‘ rechtzeitig im Wald vergrub. Vor den Engländern. – Ganz schön zukunftszugewandt, wa!

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        • 18. Januar 2012 09:38

          Naja – das ist eben der springende Punkt – sich von den Großeltern entfernen und nicht ihr Leben weiterleben. Das diese ihre Erinnerungen möglicherweise im Wald vergruben, mag sein – aber es bleiben eben ihre und nicht meine. Friede ihrer Asche.

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        • Nettzwerg permalink
          18. Januar 2012 11:41

          Manche vergraben ihre Erinnerungen auch automatisch – das nennt man dann Trauma.

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        • netzberg permalink
          18. Januar 2012 16:29

          Bei zwei, drei Ausgrabungsversuchen in den Endsiebzigern und Mitte der 80er Jahre mit mir wurde die sprichwörtliche Kiste mit Abzeichen aus WK I, Pistole, Fähnchen und weiteren in ihrer Bedeutung bewußten Zeichen nicht gefunden. Bei diesen Versuchen wurde aber erzählt. – Jedoch ich weiß: Heutzutage lebt jeder nur von seiner Kindheit bis zu seinem Tod allein, also quasi bedeutungslos. (Freilich, eine Übertreibung, durch Menschenwissen nicht gedeckt.)
          @Nettzwerg: Ich gratuliere! Traum, Traumata (Plural).

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  24. 17. Januar 2012 06:49

    Wir leben in einer Zeit der angestrebten Schmerzvermeidung . Das waere an vielen Beispielen zu erlaeutern. Es wird aber net hinhauen.

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  25. 17. Januar 2012 22:43

    Der israelische Psychoanalytiker Zvi Rex hatte einst gewitzelt: „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen.“ Damit wollte er sagen, die Juden … http://www.zeit.de › DIE ZEIT Archiv › Jahrgang: 2003 › Ausgabe: 47 || Was ist der Witz darin?

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    • Nettzwerg permalink
      18. Januar 2012 12:48

      Psychoanalyse ist ein MODELL=THEORIE. Theoretische Modelle eignen sich hervorragend, um Geisteswissenschaftliche Schriften zu analysieren. Was hat das mit Empirie zu tun? Auch wenn Rex Recht hat, ein Beweis ist es noch lange nicht, um die Gedanken von beispielsweise Ebertus zu lesen. Wie soll so eine Übertragung gehen?

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    • 18. Januar 2012 14:33

      Josef Joffe hatte schon immer einen besonderen Sinn für eigenartigen Humor.

      Mit dem Satz „Die Deutschen werden den Juden Auschwitz nie verzeihen“, werden nicht die Gedanken von Ebertus gelesen, damit wird sekundärer Antisemitismus erklärt, was auch ich in diesem Thread mehrfach versucht habe. In meinem Artikel wie in den Kommentaren habe ich geschrieben, dass Schuldabwehr ein Erklärungsversuch für Antisemitismus ist, aber in jedem Einzelfall geprüft werden muss. Ich empfehle zum Einstieg den Wikipedia-Eintrag zu lesen.

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  26. 19. Januar 2012 00:47

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    • 19. Januar 2012 10:27

      Über die Ähnlichkeiten der Haltung Hitlers und seines Adjutanten Amin Al Husseini zu Palästina und den Juden und der Haltung der aktuellen Israelkritiker wurde hier bei MI schon viel geschrieben. Natürlich nie schlecht wenn man es im Originalton hört.

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  27. 19. Januar 2012 07:19

    Bei Henryk M. Broder gibt es eine Sammlung von Leserbriefen, die vieles hier untermauern. „Sie haben das Recht zu schweigen. Henryk M. Broders Sparring-Arena“:

    „Lesenswert!“

    http://henryk-broder.com/

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  28. 19. Januar 2012 14:20

    In dem Zusammenhang von Auschwitz, Antisemitismus und Schuldabwehr möchte ich doch noch ein paar Zitate der gern gesehenen Autorin des „Freitags“ Felicia Langer zum Besten geben.

    Originalton Felicia Langer:

    1)„Der israelische Abzug aus Gaza war reine Propaganda!”
    2) „Israel hat in Gaza eine Politik der verbrannten Erde hinterlassen!”
    3) „Israel braucht palästinensisches Blut für die bevorstehenden Wahlen!”
    4) „Israel hat gerade dann Gaza bombardiert, wenn die Kinder aus den Schulen kamen!”
    5) „Israel wollte in diesem Krieg nur seine neuen Waffen testen!”
    6) „Gerade wir als Deutsche müssen Israel kritisieren, denn wir haben schon einmal geschwiegen!”
    7)„Israel erpreßt das deutsche Volk mit dem Holocaust und funktionalisiert bewußt deutsche Schuldgefühle!”
    8)„Man muß die Deutschen endlich von ihren Schuldgefühlen befreien!”
    9) „Israel allein fördert den Antisemitismus in der ganzen Welt!”
    10) „Ich habe mich politisch bewusst für Deutschland entschieden. Es ist eine Herausforderung für mich, weil ich verstanden habe, wie brutal und raffiniert Israel die Schuld der Deutschen ausnutzt. Wenn jemand in Deutschland seinen Mund aufmacht, nennt man ihn gleich einen Antisemiten und sagt: Wie kann man als Deutscher es wagen, uns zu kritisieren, mit der Last solcher Vergangenheit auf den Schultern? Die israelische Regierung missbraucht das Blut unserer Mütter und Väter.“

    Übrigens, thinktankgirl schrieb einst im Freitag:“Ich wäre stolz Felicia Langer zu sein“, was nicht verwundert bei solchen Aussagen.

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    • 19. Januar 2012 15:17

      Fragwürdig – so aus dem Kontext gelöst und sonderbar formuliert. Die Frage ist nun die nach dem Wahrheitsgehalt der Aussagen und danach, in welchem Zusammenhang sie getätigt wurden. Die Mehrheit der Aussagen möchte ich doch stark bezweifeln, dennoch bringen sie den Leser so kein Stück weiter, denn zu einigen Punkten kann man – auch ohne sich antisemitisch zu äußern – durchaus geteilter Meinung sein. Dazu zählen Punkt 1, 3 und 8. Die Frage hat den Hintergrund, dass ich zumindest Politikern grundsätzlich misstraue und Machterhalt als treibende Kraft ihres Handelns ansehe. So gesehen stellt sich die Frage, warum ausgerechnet israelische Politiker von diesem „Gen“ nicht befallen sein sollten.

      Andere Punkte sind einfach Blödsinn und man muss sich fragen, ob die Autorin die Volljährigkeit schon erreicht hat.

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      • 20. Januar 2012 15:03

        Naja, der Zusammenhang dürfte klar sein. Die Autorin dürfte volljährig sein, auch wenn ihre Aussagen es bezweifeln lassen, zumindest sieht sie auf den Bildern so aus. Die Kommentare von Felicia Langer als Blödsinn zu bezeichnen halte ich für eine Untertreibung.

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      • 20. Januar 2012 12:14

        Gut – ich habe das Interview im Muslimmarkt einmal gelesen. Für sich betrachtet, kann ich der Haltung von Frau Langer darin zustimmen, denn es ist im Grundsatz auch meine Sicht der Dinge. Worin liegt in dieser Sicht, bezogen auf die Zielsetzung, dein Problem? Bzw., was wäre die Alternative? Frau Langer fordert Diplomatie statt Bomben – letztlich. Ich kann daran nichts Ehrenrühriges erkennen.

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    • 20. Januar 2012 12:30

      Kein Wunder, dass Felicia Langer das Bundesverdienstkreuz bekam.

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    • 20. Januar 2012 14:33

      @F. Wolf
      Stimmt, das Bundesverdienstkreuz von Felicia Langer passt gut ins Bild. Die Antisemitin Evelyn Hecht-Galinski hat Langer vorgeschlagen und der Rechtsaußen-Grüne Boris Palmer hat sie dabei unterstützt. Unter Joschka Fischer und Guido Westerwelle wurde Beate Klarsfeld für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Natürlich verweigerten die beiden Frau Klarsfeld die Ehrung. Alles andere wäre eine Überraschung gewesen.

      Ich finde aber auch, dass die antisemitischen Zitate von Felicia Langer bezüglich der „Schuldgefühle“ sehr gut in diesen Thread passen. Dass Felicia Langer für die Hamasversteher des „Freitags“ die Vorzeigejüdin par excellence war, versteht sich von selbst.

      Auf Broders Seite „Ach Gut“ gibt es die Zitate als Quizfrage „Wer wars?“ a) Uri Avnery; b) Alfred Grosser; c) Evelyn Hecht-Galinski; d) Felicia Langer. Die Antwort: Felicia Langer.
      Freilich waren und sind sind Uri Avnery und Evelyn Hecht-Galinski auch gern gesehene Gäste bei den Antizionisten der „Freitags“ oder der „Jungen Welt“ und den restlichen Mainstream-Medien.

      Ich muss gestehen, dass mich diese Leute anwidern. Ich weiß, ich wiederhole mich.

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      • 20. Januar 2012 16:14

        Quizfrage!
        Broder ist schon große Klasse.

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      • 20. Januar 2012 16:28

        Ich finde, Ihr solltet für die schlecht gemacht Blogsphere von Broder spenden – nicht, dass er verarmt (Ein entsprechender Aufruf ist dort zu finden). Ebenfalls vorhanden sind reichlich Artikel, die in markigem Deutsch verfasst sind, keinen Zweifel stehen lassen, also einfach gerecht sein müssen. Aber was soll man auch von einem halten, der sich im Diener Tattersall rumtreibt.

        Aber mal nebenbei bemerkt: Ich kann einigen Statements Broders durchaus folgen – so ist ja nicht. Allerdings missfällt mir nach wie vor seine hochrichterliche Attitüde, die wie Eitelkeit daher kommt. Diese Vermessenheit stößt mich trotz mancher Zustimmung ab. Sie ist weder guter Stil, noch erschafft sie irgendwas.

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    • derSamstag permalink
      22. Januar 2012 16:26

      Henryk M. Broder schreibt auf der Achse des Guten:

      Bundespräsident Wulff hat zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz eine ordentliche Rede gehalten, in der er eine Verbindung zur Gegenwart zog. „Wenn und wo jüdische Bürger verfolgt werden oder in Gefahr sind, Deutschland fühlt sich ihnen nah und verbunden.“ Die Bundesrepublik, versicherte der Präsident, stehe zudem unverbrüchlich an der Seite Israels.

      So weit, so gut. Fast gleichzeitig empfing der Bundespräsident den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörden, Mahmud Abbas, mit allen Ehren, die sonst nur einem richtigen Staatspräsidenten zuteil werden. Bei dieser Gelegenheit versicherte Wulff seinem Gast, Deutschland werde sich auch weiterhin für den Aufbau eines palästinensischen Staates “substantiell engagieren”. Auch daran gibt es nichts auszusetzen.

      Es wäre nur nett zu wissen, ob Wulff zu diesem Zeitpunkt von der Rede wußte, die der Mufti der Autonomiebehörde zum 47. Jahrestag der Gründung der Fatah gehalten hat und die so übel war, dass sie sogar Ruprecht Polenz zu weit ging: “Solche hasserfüllten Aussagen müssen auf das Schärfste kritisiert und zurückgewiesen werden. Dazu sind auch die Palästinenser aufgefordert.”

      Hat nun Wulff bei seinem Treffen mit Abbas etwas gesagt oder nicht? Hat er Abbas aufgefordert, den von ihm ernannten Mufti zur Ordnung zu rufen? Es sieht aus, als habe er es nicht getan. Vermutlich war er schon mit den Vorbereitungen für seine Rede zur Wanseekonferenz so sehr beschäftigt, dass er an nichts Anderes denken konnte.

      Unter diesen Umständen kann man schon von Glück sprechen, dass unser Wulff den palästinensischen “Präsidenten” nur mit den üblichen protokollarischen Ehren, aber nicht mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse bedachte, wie es sein Vorgänger, Horst Köhler, mit Felicia Langer getan hatte, die Israel ungefähr genauso hasst wie der Mufti der Fatah. Bleibt nur noch festzustellen, dass Abbas, nachdem er mit Wulff getafelt hatte, seinerseits einen Preis an Felicia Langer überreichte, die sich bei ihm mit gestammelten Worten bedankte. Und so kommt am Ende doch zusammen, was zusammen gehört.

      http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zwei_praesidenten_ein_mufti_und_eine_doppelte_preistraegerin/

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  29. 20. Januar 2012 20:15

    „Kaum ein Phänomen wird so sehr unterschätzt wie der Antisemitismus. Nach allem, was er bereits angerichtet hat, ein unglaublicher Vorgang. Genauer gesagt, eine ungeheure Verdrängungsleistung. Dass “die Nazis” den Holocaust zu verantworten hatten, nicht aber die Deutschen/Österreicher, ist die Lebenslüge der Gesellschaften in den Nachfolgestaaten des Großdeutschen Reiches. Die vermeintlich so viel bessere Linke unterscheidet sich, von löblichen Ausnahmen abgesehen, nicht vom Mainstream. Schließlich musste sie mit “der Arbeiterklasse und dem Volk” nicht nur ihre Legitimationsgrundlage retten, sie wollte sich auch nie ihrer eigenen antisemitischen Geschichte bewusst werden. Folgerichtig war der Antisemitismus jahrzehntelang im herrschenden Bewusstsein irgendwo “früher” angesiedelt, “heute” hingegen hatte er sich weitgehend erledigt.“

    Wegsehen oder Solidarität mit Israel? Civilization of Clash und antisemitischer Vernichtungswahn
    von Lothar Galow-Bergemann

    http://www.krisis.org/2007/wegsehen-oder-solidaritaet-mit-israel

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    • 21. Januar 2012 02:59

      Für (?) die Linke denke ich da immer an die Sozialdemokratie. – Genau diese „Linke“ hat für mich immer alles vermasselt. Eine Bewegung und Partei mit allem Urheberrecht an Katastrophen. – Ein deutscher Mainstream bis hinein in Kirche und Christdummekraten.

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  30. 21. Januar 2012 00:14

    Ich möchte nicht nur dem Statement von Galow-Bergemann zustimmen, sondern dieses sogar um die Komponente erweitern, nach der in unserem krisenhaften Kapitalismus die allgemeine Gefahr der Suche nach Sündenböcken besteht. Diese Suche wird sich korrelierend mit der Krisentiefe und –intensität verschärfen. Jetzt gilt es die Wahrnehmung zu schärfen und nicht nur „Krankheiten“, die schon das Vergangene nicht erklärten, als Erklärungsmuster für das Kommende zu sehen. Die zu erwartenden Diskriminierungen werden ggf. nicht in „Brauhemden“ und „Lederstiefeln“ daherkommen, trotzdem aber wenigstens in diesem Outfit und Gepräge erkennbar sein!

    lg LL

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  31. 21. Januar 2012 18:06

    Am gestrigen Freitag sagte Bundespräsident Wulff zum 70. Jahrestag der Wannseekonferenz, auf der die Nationalsozialisten 1942 die systematische Ermordung der Juden beschlossen haben: „Wir werden alles tun, damit Terror und mörderischer Hass auf Fremde und Fremdes in Deutschland nie mehr Platz haben.“ Den Juden in aller Welt sicherte er bei Gefahr und Verfolgung die Verbundenheit Deutschlands zu und sagte: „Deutschland steht unverbrüchlich an der Seite Israels.“ Während der Gedenkfeier sagte Wulff: „Der Antisemitismus des NS-Staates sei genährt und gestützt worden vom Antisemitismus in der Gesellschaft.“ Es sei eine nationale Aufgabe, so Wulff, die Erinnerung an die Judenvernichtung wachzuhalten. Wulff weiter: „Wir dürfen nicht vergessen, dass dieses Unglaubliche und Unvorstellbare wirklich geschehen ist.“ Mit Blick auf die Mordserie des Zwickauer Neonazi-Trios äußerte das Staatsoberhaupt „Scham und Zorn“ und gestand eigene Fehler bei der Einschätzung der braunen Gefahr ein.

    An der Gedenkfeier nahm auch der israelische Minister Yossi Peled teil, der als Kind die deutsche Besatzung in Belgien unter falscher Identität überlebte. Yossi Peled, der nach der Befreiung nach Israel ging und in die Armee eintrat. Die Waffe in der Hand, so Peled, habe ihm das Gefühl gegeben, nicht mehr wehrlos zu sein, wie so viele Juden in Europa. Dies gelte bis heute.

    http://www.abendblatt.de/politik/deutschland/article2165273/Bundespraesident-Wulff-Wir-duerfen-nie-vergessen.html

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  32. 22. Januar 2012 13:29

    „Eine Sage ist keine Tue.
    Betrachten wir das in aller Ruhe…

    …Worte und Taten – das ist so hienieden –
    sind manchmal verschieden…

    … Als da ist die Regierung:
    Da hat sie im Reichstag zur Redeverzierung
    gewiße Floskeln, gewiße Phrasen,
    tut großmächtig Posaune blasen –
    und die Pressetribüne hört aufmerksam zu …
    Und dann geht alles zu süßer Ruh.“

    (Tucholsky als Theobald Tiger, Die Weltbühne, 22.04.1920, Nr. 17, S. 474.)

    lg LL

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  33. 23. Januar 2012 09:07

    „…das Internet spiele bei der Verbreitung von Antisemitismus eine besondere Rolle. Rechtsextreme, Holocaust-Leugner und extremistische Islamisten nutzten das Netz mit großer Selbstverständlichkeit als Plattform für ihre Propaganda…..“

    http://www.tagesschau.de/inland/antisemitismus108.html

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  34. 23. Januar 2012 22:44

    Der Soziologe Werner Bergmann im Tagesschau-Interview – Antisemitismus – „ein Versuch, die Schuld abzuwehren“:

    Judenfeindlichkeit ist in der deutschen Gesellschaft tief verankert – zu diesem Ergebnis kommt der auf Beschluss des Bundestages erstellte Antisemitismus-Bericht. Zum Kreis der unabhängigen Experten, die an dem Bericht gearbeitet haben, gehört Professor Werner Bergmann. Im tagesschau.de-Interview erläutert er die Hintergründe.

    Verärgerung über historische Schuld

    tagesschau.de: Aber woher kommt es, dass immer wieder die Juden als Sündenböcke herhalten müssen?

    Bergmann: Ich denke, gerade in Deutschland fühlt man sich durch das Dritte Reich und den Holocaust mit Schuld belastet, die man dadurch abzuwehren versucht, dass man den Juden selber bestimmte „Schandtaten“ oder negative Eigenschaften zuschreibt. In Bezug auf Israel ist deutlich, dass dort sehr häufig mit Begriffen operiert wird wie „Apartheids-Staat“ oder „Rassengesetze“. Man vergleicht den Gaza-Streifen mit dem Warschauer Ghetto, oft ist die Rede von einem Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser oder von Genozid – das sind deutliche Zeichen dafür, dass man sagen möchte: „Die Juden sind eigentlich auch nicht besser als wir, also dürfen sie uns nicht immer unsere Verbrechen während des Holocausts vorhalten.“

    Wenn man sich die Umfrageergebnisse anschaut, gibt es einen sehr hohen Anteil an Befragten, die sagen, sie ärgern sich, den Holocaust immer noch vorgehalten zu bekommen. Dann wird gefragt, wer ein Interesse daran habe und geschlussfolgert, dass die Juden dies aus wenig moralischen Interessen heraus täten. Der Nahost-Konflikt ist also ein Mittel, so eine Täter-/Opfer-Umkehr oder eine Aufrechnung zu formulieren.

    Eine Frage der Unter- und Überlegenheit

    tagesschau.de: Gibt es eine Vermengung von Rassismus und Antisemitismus?

    Bergmann: Ich denke, dass es doch etwas Verschiedenes ist. Die Untersuchungen zeigen, dass die Ablehnung von Zuwanderung, von fremden Gruppen und der Rassismus sich primär auf ein Über- und Unterordnungsverhältnis gründen. Man sieht sich selbst als überlegene Gruppe und andere als weniger wert an. Ungleichwertigkeit ist hier das zentrale Moment.

    Gegenüber den Juden besteht eigentlich eher umgekehrt ein Gefühl der Unterlegenheit. Man erkennt ihre Leistungsfähigkeit also durchaus an, sieht das aber als Bedrohung der eigenen Gruppe. Der Rassismus spielt Juden gegenüber nicht eine so zentrale Rolle. Auf der extrem rechten Seite geht das dann wieder zusammen, da spielt auch der Rassismus gegen die „fremde Gruppe“ eine wichtige Rolle.

    http://www.tagesschau.de/inland/antisemitismus110.html

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    • 23. Januar 2012 22:50

      Eine Studie unabhängiger Experten. – Wo ist der Fehler?

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      • 24. Januar 2012 00:12

        „Mit Beschluss des Deutschen Bundestages vom 4. November 2008 zu den Anträgen Drucksache 16/10775 (neu) und 16/10776 wurde die Bundesregierung gebeten, Antisemitismus verstärkt weiter zu bekämpfen und jüdisches Leben in Deutschland zu fördern. Das Parlament forderte in o.g. Beschluss auch die Einrichtung eines Expertenkreises, der sich im September 2009 konstituiert hat. Das Bundesministerium des Innern hat den Expertenkreis logistisch und finanziell unterstützt.
        Der Expertenkreis hat unabhängig und selbständig seine Arbeitsagenda festgelegt, die Themen bearbeitet und im Herbst 2011 seinen Bericht abgeschlossen und der Bundesregierung im November übermittelt. Die Koordination der Arbeit des unabhängigen Expertenkreises haben Herr Professor Peter Longerich, Holocaust Centre, Royal Holloway College, University of London, und Frau Dr. Juliane Wetzel, Historikerin und Kunsthistorikerin, Zentrum für Antisemitismusforschung, TU Berlin, übernommen.“ (BMI-Auskunft)

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        • 24. Januar 2012 11:34

          Ok soweit. Hier lese ich aber nur deren Interpretation, die ich nach wie vor anzweifle. Also das „warum“. Ich weiß nicht, woher diese große Zahl an „Antisemiten“ kommt und bin etwas überrascht, da mir kaum jemand davon begegnet. Natürlich gibt es sie – das weiß ich auch, doch müssten sie bei einer so großen Zahl doch auffälliger sein. Mein Problem ist: Wenn xx % aussagen, dass sie Israel für einen xx-Staat halten – ist das natürlich erst einmal ein statistischer Fakt. Ihr vermutetes Motiv jedoch ist reine Interpretation. Die von ihnen getätigte Aussage kann viele Ursachen haben. Ob es Schuldabwehr ist, ist reine Vermutung und somit ist diese Aussage auch nicht relevant, denn sie wurde von einem Menschen auf Basis seiner eben nicht unabhängigen Interpretation getätigt. Es ist nicht mehr als ein statistischer Indizienprozess. Auch der Expertenkreis mag zwar weitgehend unabhängig von der Politik gewesen sein, doch war er es auch von sich selbst und von vorgebildeten Meinungen? Die Liste allein deutet schon auf eine Vorprägung hin – ich lese: Holocaust Centre, Zentrum für Antisemitismusforschung… unabhängig? Das ist fraglich, denn der Mensch sieht, was er sehen will.

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        • 24. Januar 2012 14:04

          @Michael Pliwischkies
          Dein Problem ist, meiner Ansicht, dass du nicht erkennst wer Antisemit ist, deshalb begegnet dir auch kaum einer. Für dich dürfte nicht mal die Freitagsbloggerin „Rahab“ eine Antisemitin sein.

          Die Statistiken der Studie, wie die Studie selbst belegen alle meine Thesen bezüglich des bis weit in die Mitte der Gesellschaft verbreiteten Judenhasses. Antisemitismusforschung ist keine Wissenschaft, die man in fünf Minuten abhandeln kann. Der Antisemitismus nach 1945 muss logischerweise anders aussehen als der vor 1945. Sehr empfehlenswert in dem Zusammenhang die Studie „Antisemitismus von links“ aus dem Jahre 2002 des Soziologen Thomas Haury, auf den ich hier schon mehrfach aufmerksam machte. Übrigens, die EUMC Definition von Antisemitismus konnte bisher nicht widerlegt werden.

          Außerdem gebe ich zu bedenken: Wenn nun schon die Studie der Bundesregierung den Antisemitismus (von links bis rechts) in Deutschland als Gefahr erkennt, werden die Titulierungen gegen andere und mich hier, mit Bezeichnungen wie „Großinquisitor“ , „antideutsche Klärgrube“ oder „Klein Freisler“ in das „rechte“ Licht gerückt in das sie gehören. Denn, was sagt der von der Bundesregierung beauftragte Werner Bergmann grundlegend anderes als ich?

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        • 24. Januar 2012 18:29

          Hallo Michael: Ich habe in die PDF-Version der Studie reingelesen, und weil ich lieber Print lese, das umsonstige Buch dieser Arbeit bei publikationen@bundesregierung.de bestellt. – Meine Erfahrung sagt, daß die Studie fürs Heute nur bestätigt, was andere Studien seit den 50ern sagen: Der Antisemitismus trägt sich breit fort in einem Fünftel der Bevölkerung, es gibt keine Biologie von neuen Generationen; wie auch FJS kein ‚biologisches Problem‘ war. – Meine persönliche Erfahrung bestätigt das. Es vergeht kaum ein Tag, wo ich nicht rassistisch oder antisemitisch angefärbte Rede über mich ergehen lassen muß, in welchen normalen Situationen auch immer. Überall, wo ich länger gelebt habe. – Ich habe über dieses Thema auch viele Bücher lektoriert. Da kann man mir vorwerfen, ich sei sensibler. Oder ich wüßte mehr. Aber bei aller Kritik der Wachstumsideologie: Wissen kann eine_r nie genug. Und selbst das berührt noch nicht das Herz einer Menschheit. – Für die Motive von Menschen, rassistisch oder antisemitisch zu reden (ohne böse Gedanken und gar Tatabsichten), kann Soziologie und Psychologie einiges Plausibles anführen, die Empirie sagt, daß fast nur im rechtsextremen Raum Gewalt- und Mordtaten zu finden sind. – Ich denke, Neonazis sind alte Nazis, das ist historisch-hochaktuell, und ich denke, schlimmer – weil fördernder – ist das Fortwesen von ’sanftem‘ Rassismus und Antisemitismus in der demokratisch wählenden Gesamtgesellschaft. Also die Leute, die den NSU von sich weisen, weil sie ihn schon lange als banges Extrem intus haben.

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        • 24. Januar 2012 19:02

          Falsch – die Studie belegt lediglich, dass ca. 20% latent antisemitisch sind und das ist noch lange kein „Judenhass“, wenngleich es natürlich besorgniserregend ist – aber eben nicht mehr, als die latente Abneigung gegen Schwarzafrikaner oder Türken. Die hiesige Kurzsschlussrhethorik hilft jedenfalls in keinem Fall weiter, wenn aus einem „latenten Antisemitismus“ gleich „Braunes“ konstruiert wird. Das ist mir zu billig und zu wenig differenziert betrachtet.

          Mich interessiert – und da wiederhole ich mich – EUMC einen Scheiß – salopp gesprochen. Auch hier handelt es sich um ein Politikum, eine Definition, die so eng wie möglich gefasst ist, damit sie möglichst eng greift. Auch hier wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet.

          Vermutlich wäre auch ich nach dieser Definition irgendwie Antisemit, wenn ich zum Beispiel schreibe, dass ich Menschen jüdischen Glaubens nicht als Volk sehe. Das tue ich nicht, weil ich sie abwerte – sie sind es einfach nicht – und zwar nach den Definitionen, die Rassisten gerne anführen, um ein Volk zu definieren. „Juden“ sind eben kein geschlossenes Volk nach den üblichen Definitionen. Ein Teil lebt in Israel, gehört also zum – wenn man den Begriff unbedingt bemühen muss – Volk Israel, ein großer Teil ist deutsch, russisch, etc. pp. Gerade die Nazis haben die Juden als ein „Volk“ definiert, um sie als „Fremdkörper“ zu „enttarnen“, den es „auszumerzen“ gilt. Aus meiner Perspektive ist ein Mensch jüdischen Glaubens einfach ein Angehöriger einer Glaubensgemeinschaft – nicht mehr, nicht weniger. Gleichberechtigt, wie alle anderen auch. Eine Religion bestimmt einfach keine „Rasse“. Das ist blanker Unsinn und reaktionär hoch 10.

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        • 24. Januar 2012 19:40

          „Kurzsschlussrhethorik“ – Stimmt, viele Ableitungen sind sicherlich falsch. Als Zueignungen, als Bestimmungen. Ich würde auch nicht jeden, den ich in meiner Nähe komisch reden höre, sofort in eine Ecke stellen. Ich denke eigentlich, jeder möchte ein Mensch sein, mit anderen (Menschen). – Es ist vielleicht die Frage, in welchen Kategorien man (man) denkt, weil man (man) es gewöhnt ist. Ich selbst bin fürs Abstrakte: alles Menschen, alles also meine Kategorie. Kategorie? Tja: erstes Bedenkliches. Und so weiter … Du weißt das eh. – Im Prinzip: Null Widerspruch. Alle Menschen denken. Denken so. Denken. Sind Menschen. Alle. Es ist, wo immer, eine Menschheit. Und ich bin (wenns hochkommt) ein ich von ihr.

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  35. 25. Januar 2012 05:54

    „Auf das ewige Eingestehen der Schuld, hat keiner mehr Lust, doch darum geht es meiner Meinung nach im Kern gar nicht. Dummerweise haben nämlich auch viele keine Lust sich mit der Geschichte und dem Judentum auseinander zu setzen. Keine Ahnung ob das miteinander zusammen hängt, aber wir sollten das Problem ernst nehmen!“

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  36. derSamstag permalink
    1. Februar 2012 13:47

    Nicht annähernd bewusst ist man sich in der deutschen Öffentlichkeit offenbar weiterhin, was Marlene Dietrich Enormes für den Erhalt dessen getan hat, was an geistiger und moralischer Reputation Deutschlands nach der Katastrophe des Nationalsozialismus noch übrig geblieben war. Dazu gehört als nicht Geringstes, dass sie die erste deutsche Künstlerin war, die nach 1945 in Israel auf Deutsch singen durfte – und von zutiefst gerührten Israelis bejubelt und verehrt wurde. Wie zuvor bei ihrer erbitterten Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus und ihrer bedingungslosen Parteinahme für die Sache der Freiheit an der Seite der USA im Zweiten Weltkrieg bewies Marlene auch mit der tiefen emotionalen Bindung, die sie zu Israel einging, ein geradezu instinktives Gespür für das moralisch Richtige. Wie im Kampf gegen das NS-Regime hat sie auch nach 1945 untrüglich erkannt, an wessen Seite sie sich mit Herz und Seele zu stellen hatte – in diesem Fall an die Seite des jungen jüdischen Staats, jenes Staats, in dem die Überlebenden des deutschen Jahrtausendverbrechens eine Heimstatt gefunden hatten.

    Marlene Dietrich beschämt die Deutschen wohl bis heute nicht zuletzt deshalb, weil sie der spektakuläre Beweis dafür ist, dass man auch (und gerade) als junger, unpolitischer und intellektuell ahnungsloser Mensch ohne weiteres in der Lage war, die Nazi-Herrschaft von der ersten Minute an zu durchschauen und gewissermaßen aus angeborenem Anstand abzulehnen. In einem Interview sagte Marlene 1966 über ihre unwiderrufliche Entscheidung, nach Hitlers Machtergreifung nicht mehr nach Deutschland zurückzukehren, obwohl sie von den Nazis noch jahrelang umgarnt werden sollte:

    “Ich war sehr jung, ohne politische Erfahrung, ich wußte nicht, ob es schlecht oder gut war, wenn Hitler an die Macht käme. Die Stimme machte mir Angst, was er sagte, war mir zuwider, und ich wusste, dass er die Juden umbringen ließ, bloß weil sie Juden waren. Das reicht, um Hitler zu hassen und Deutschland abzulehnen.”

    http://freie.welt.de/2011/12/17/schutzt-marlene-dietrich-vor-dem-vergleich-mit-leni-riefenstahl/

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    • 1. Februar 2012 15:17

      Soso – das beschämt „die Deutschen“ also bis heute. Welche denn? Die heutige Generation 80+?

      Also mich beschämt Marlene Dietrich keineswegs. Ganz im Gegenteil, denn sie hat – im Gegensatz zu „Volkslieblingen“ wie Heinz Rühmann oder Lois Trenker „Mir ging es ja immer nur um die Naturrrr, die wunderbare Naturrr.“ Diese propagandistischen Helferlein sind schlimm – wobei auch sie mich nicht beschämen, denn derlei Menschen gibt es immer.

      Marlene Dietrich beschämt mich also nicht. Mich beschämt eher, wie hier moralische Urteile über Menschen gefällt werden – bis hin zu eindeutig rufschädigendem Verhalten und der Aberkennung des Rechts auf freie Meinungsäußerung.

      DAS ist, wenn überhaupt, beschämend.

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    • derSamstag permalink
      1. Februar 2012 16:25

      Richard Herzinger empört sich in seinem Artikel über die Vergleiche in aktuellen Büchern/Theaterstücken der Nazi-Propagandistin Leni Riefenstahl und Marlene Dietrich. Die Solidarität von Marlene Dietrich mit den „amerikanischen Boys“ und dem Staat Israel bewiesen ihr „geradezu instinktives Gespür für das moralisch Richtige“. Ein lesenswerter Artikel von Herzinger, wie ich finde.

      Passend dazu: Marlene Dietrich und Israel – eine Liebesgeschichte
      http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/2917

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      • 1. Februar 2012 18:39

        Ach so – ok. Dieses Zitat lässt dann auch auf besonderer Fundiertheit schließen: „Ich habe dieses Buch nicht gelesen und will der Autorin Karin Wieland inhaltlich nichts weiter Böses unterstellen.“

        Er empört sich also über ein Buch, welches er nicht einmal gelesen hat. Nun – das passt dann irgendwo auch zur Welt-Online, der BILD für die gutbürgerliche Randgruppe, in der in den Kommentaren ihrer Leser immer mal gern braune Scheiße zu lesen ist.

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  37. 21. Februar 2012 10:05

    Der kommende Bundespräsident Joachim Gauck sagte im Jahre 2006 bei einem Vortrag der Bosch-Stiftung:„Unübersehbar gibt es eine Tendenz der Entweltlichung des Holocaust. Das geschieht dann, wenn das Geschehen des deutschen Judenmordes in eine Einzigartigkeit überhöht wird, die letztlich dem Verstehen und der Analyse entzogen ist. Offensichtlich suchen bestimmte Milieus postreligiöser Gesellschaften nach der Dimension der Absolutheit, nach dem Element des Erschauerns vor dem Unsagbaren. Da dem Nichtreligiösen das Summum Bonum – Gott – fehlt, tritt an dessen Stelle das absolute Böse, das den Betrachter erschauern lässt. Das ist paradoxerweise ein psychischer Gewinn, der zudem noch einen weiteren Vorteil hat: Wer das Koordinatensystem religiöser Sinngebung verloren hat und unter einer gewissen Orientierungslosigkeit der Moderne litt, der gewann mit der Orientierung auf den Holocaust so etwas wie einen negativen Tiefpunkt, auf dem – so die unbewusste Hoffnung – so etwas wie ein Koordinatensystem errichtet werden konnte. Das aber wirkt »tröstlich« angesichts einer verstörend ungeordneten Moderne. Würde der Holocaust aber in einer unheiligen Sakralität auf eine quasi-religiöse Ebene entschwinden, wäre er vom Betrachter nur noch zu verdammen und zu verfluchen, nicht aber zu analysieren, zu erkennen und zu beschreiben.“

    Dieser kommende Bundespräsident dürfte sehr gut zum „Deutschen Volk“ passen. „Böse“ Zungen reden von evangelischer Erinnerungsabwehr.

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    • 21. Februar 2012 11:09

      Die einzige böse Zunge, die ich in ihrer infamen Gesamtheit hier „höre“ ist Deine. Dabei erkennst du nicht einmal, dass das, was Gauck da – etwas umständlich – von sich gegeben hat, durchaus positiv ist, denn er fordert gerade die Aufklärung und nicht das Entschwinden in etwas religiös-nebulöses, was nämlich genau den gegenteiligen Effekt – u.U. auch die Positivierung – zur Folge haben kann. Es geht aber gerade um das Analysieren, erkennen und beschreiben, was das exakte Gegenteil von Erinnerungsabwehr ist.

      Vielleicht solltest du dich einmal selbst hinterfragen und deine wahren Ziele.

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      • 21. Februar 2012 17:02

        Michael Pliwischkies schreibt, Gauck „fordert gerade die Aufklärung und nicht das Entschwinden in etwas religiös-nebulöses“. Der Bezug ist Gaucks Satz: „Würde der Holocaust aber in einer unheiligen Sakralität auf eine quasi-religiöse Ebene entschwinden, wäre er vom Betrachter nur noch zu verdammen und zu verfluchen, nicht aber zu analysieren, zu erkennen und zu beschreiben.“ – So plausibel das zuerst scheint: Hier kehrt aber gerade Gauck das Verhältnis um; auch da, wo er von Aufklärung spricht, schiebt er in seiner Geschichtspolitik Religion den materialistischen Religionskritikern zu, ganz so, wie er und seine ganze Richtung ja auch den Kommunismus als gemeintes Himmelreich verkennt, als irdisches Paradiesversprechen. – Die religiöse, also opiate Idee hat er aber nur selbst.
        Mich erinnert sein Sprachgebrauch – „das Geschehen des deutschen Judenmordes“ (?), „Dimension der Absolutheit“ (?), „Element des Erschauerns“ (?) usw. usf. – immer an eine alte Kritik dieses fortschwelenden Jargons, von Adorno an der wabernden Sprache Heideggers festgemacht: ‚Jargon der Eigentlichkeit. Zur deutschen Ideologie!‘
        Es geht dort um die ‚marktgängigen Edelsubstantive‘, die nach alter Unsitte ‚das Plebiszitäre und das Elitäre weise mixen‘ zu einer Desorganisation von Sprache überhaupt. Für einen Bundespräsidenten vielleicht nicht schlecht, ist der doch die säkulare Autorität als Zerfallsform einer einstmals gottgegebenen.
        Ich lese mit Adorno: „die Himmelfahrt des Wortes über den Bereich des Tatsächlichen“!

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    • 21. Februar 2012 11:58

      Ganz alleine bin ich in meiner „infamen Gesamtheit“ nicht. Beispielsweise schrieb Clemens Heni gestern zu dieser Textpassage:

      „Wer je wissen wollte, wie sekundärer Antisemitismus funktioniert, weiß es jetzt. Diese Passage aus einer Rede von Gauck vor der Bosch-Stiftung von 2006 ist antisemitisch, weil sie die Erinnerung an Auschwitz verhöhnt und abwehrt. Die Shoah wird als Mittel zum Zweck von ‘Gottlosen’, die im Holocaust eine neue ‘Religion’ gefunden hätten, vorgestellt. Das ist die Ideologie der Neuen Rechten, aber auch des Neonazismus, linker Antisemiten und weiter Teile des Mainstream in Deutschland, Gauck formuliert seine Erinnerungsabwehr nur etwas verdruckster (man könnte auch sagen: evangelischer) als andere Stolz-Deutsche“

      PS: Ich habe in obigem Kommentar die Quelle (Robert Bosch Stiftung) nachgereicht.

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      • 21. Februar 2012 14:05

        Wenn Unsinn sich mittels Unsinn perpetuiert wird es nur mehr Unsinn, aber nichts Wahreres. Dieses jeden unter Generalverdacht stellen, der nicht eins zu eins der eigenen Meinung entspricht, ist bestenfalls nur noch lächerlich und wird dem Thema keineswegs gerecht. Es zeigt sich einmal mehr, dass Du hier ein Dogma zu installieren versuchst. Für dich kann doch nur jemand unverdächtig sein, der diesem Dogma sklavisch folgt – selbst denken ist verboten, infrage stellen ohnehin. Eine Versachlichung mit dem Ziel der Aufklärung ist ebenfalls nicht erwünscht. Erinnerung allein reicht auch nicht – es muss eine hier als wohlfeil zu erkennende Erinnerung sein. Und wehe dem nicht – dann gilt man mindestens als struktureller Antisemit, wenn nicht sogar gleich als Heil-Schreier, der sich lediglich mit Haaren gegen einen Anfangsverdacht getarnt hat. Ich bin sicherlich kein Fan von Gauck, doch hat er einen negativen Effekt hier durchaus treffend bezeichnet. Dieser richtet sich auch nicht gegen die Erinnerung – ganz im Gegenteil. Es ist nämlich dieses verquast-pseudoreligiöse, was wirkliche Erinnerung und Analyse, die Aufmerksamkeit er- und enthält, angreift und nicht umgekehrt. Die oftmals postulierte Scham, verbunden mit überzogener Selbstkritik oder gar Selbstschmähung ist zwar gut für das eigene Ego, aber nicht der richtige Weg, denn er ist in Wahrheit nichts weiter als Selbstbezug, ein im wahrsten Sinne des Wortes verkehrter Ego-Trip. Und genau DAS wird den Opfern nicht gerecht, der Verhinderung derlei Denkens in Zukunft ohnehin nicht.

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      • 21. Februar 2012 14:58

        Nun ja, das obige Zitat von Gauck ist es nicht alleine was ihn für das Amt des Bundespräsidenten so „prädestiniert“. Ich stimme dir schon zu, dass man es auch anders lesen kann.

        Gauck ist Erstunterzeichner der Prager Deklaration vom Juni 2008 und Co-Autor des “Schwarzbuches des Kommunismus”. Von daher passt Gaucks Ideologie schon gut in dieses Blog. Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Center in Jerusalem und Dovid Katz, Hochschullehrer an der Vilnius University dürften jedenfalls aus besprochenen Gründen nicht begeistert sein vom zukünftigen Bundespräsidenten Gauck.

        Nebenbei, Clemens Heni geht aus meiner Sicht etwas zu weit in seiner Kritik, deshalb schrieb ich auch von „Bösen Zungen“

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    • 21. Februar 2012 13:23

      Gauck paßt ins AMT wie alle seine Vorgänger. – In der von Fidelche zitierten Passage zeigt er sich als reiner Philosoph (mit der negativen Konnotation bei Marx). Er interpretiert alle Berichte der Überlebenden, alle Erkenntnis kritischer Theorie und seriöser Geschichtswissenschaft um in sein Gebäude von Religiösität. Letztlich kennt Gauck überhaupt kein Säkuläres. Kein Sinnloses. – Der Untergang, er kommt schon wieder. Und „Entweltlichung des Holocaust“ (Gauck) findet vor allem dort statt, wo sein ‚Aufarbeiten‘ (Adorno) aufgelöst und in einen routinierten Gedenkkultus und einen von Katastrophe zu Katastrophe fortschreitenden Gedenkkalender eingezwängt ist.

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      • 21. Februar 2012 15:03

        „Wer das Koordinatensystem religiöser Sinngebung verloren hat…“

        Wenn mir ein Pfaffe so kommt, dann weiß ich Bescheid.

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    • 23. Februar 2012 09:55

      Joachim Gauck schrieb 1998 in seinem Nachwort zum Schwarzbuch des Kommunismus:
      „Einheimischen wie Vertriebenen galt der Verlust der Heimat als grobes Unrecht, das die Kommunisten noch zementierten, als sie 1950 die Oder-Neiße-Grenze als neue deutsch-polnische Staatsgrenze anerkannten“.

      Die „Oder-Neiße Grenze“ scheint für den zukünftigen Präsidenten ganz fies und ungerecht zu sein. War schon gemein von den Alliierten und den Kommunisten damals und alles nur wegen den 50 Millionen Toten und dem Holocaust.

      Der Einsatz für Gauck passt wie die Faust aufs Auge von SPD und Grünen. Erika Steinbach stand leider nicht zur Verfügung.

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      • 23. Februar 2012 15:42

        „Erika Steinbach, die Präsidentin der NS-Nachfolgeorganisation Bund der Vertriebenen, ist immer für keine Überraschung gut: Die Nazis waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI…

        Gefällt mir. Aufklärung pur: Die Vernichtung der Juden und des Weltbolschewismus war Frau Steinbach nicht rechts genug. Welch Gnade der späten Geburt, daß die kleine Erika strafunmündig war, als einige ihrer Nachbarn zur Linken in Nürnberg aufgehängt wurden, und Erika also quietschlebendig zur Beauftragten für Menschenrechte der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag heranwachsen konnte.“

        Aus „Gremlizas Express“ der neuen Konkret 3/2012 (noch nicht am Kiosk erhältlich)

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      • 26. Februar 2012 11:50

        Die SPD, die Grünen, die FDP und nun auch die CDU/CSU haben sich für den Kandidaten Gauck für das Amt des Bundespräsidenten entschieden. Das ist nachvollziehbar, denn Gauck passt zu diesen Parteien.

        Ich schrieb vor knapp einer Woche hier:“Dieser kommende Bundespräsident dürfte sehr gut zum “Deutschen Volk” passen“ Ich berichtige mich: Dieser kommende Bundespräsident passt sehr gut zum “Deutschen Volk”!

        PS: Dass die Grünen einen derartigen Bundespräsidenten haben wollen erscheint nur auf den ersten Blick unverständlich.

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      • 26. Februar 2012 20:42

        Zweimal Zustimmung: Bei einem Spaziergang am Dortmund-Ems-Kanal zu Münster wurde sogar entwickelt, daß Gauck nicht nur die rechte Augenklappe der deutschen Verfassung symbolisiert, sondern daß der Vorgänger Wulff das Amt in seinen kleinbürgerlichen Niederungen wieder so weit moralisch via BILD u.a. gehypt hat, daß Gauck „uns allen“ den Hindenburgsprung machen könnte. – – – Der normalste korrupte Vorgänger also wird dem wolkendeutschturnenden stasizwangsverfolgenden Nachfolger eine Bedeutung geben, die das Amt zu Heinemanns Zeiten noch gar nicht gekannt hat.
        Herzogs Ruck war ein sprichwörtlicher belangloser Schiß in den Gegenwind, Gaucks Rück ist ein deutscher mit Rückenwind …

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      • 27. Februar 2012 15:28

        Gaucks Gegenkandidatin wird nun doch Beate Klarsfeld. Die Erstunterzeichnerin von „Stop the bomb“, die Nazijägerin, die Israelunterstützerin Beate Klarsfeld ist mit ihrer Vita der Gegenpol zu Joachim Gauck. Dieser Gegenpol wird in Teilen der Linkspartei auf Ablehnung stoßen. Zwar unglaublich, ist aber so.

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  38. 19. Mai 2012 18:29

    Auszug aus Postnazismus revisited – Kap. Postnazismus in Zeiten des Djihad – von Stephan Grigat:

    Was die postnazistische Normalität im heutigen Deutschland ausmacht, läßt sich mit einem einzigen Zitat eines deutschen Historikers treffend illustrieren. Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten für jenes Holocaustmahnmal in Berlin, von dem Kanzler Gerhard Schröder sich gewünscht hatte, es solle ein Denkmal sein, »zu dem man gerne hingeht« , verkündete der sozialdemokratische Faschismusforscher Eberhard Jäckel im Mai 2010: »In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal .« Der Tagesspiegel freute sich angesichts des »Bürgerfestes am Stelenfeld« über die »Erfolgsgeschichte Holocaustmahnmal « Was Autoren wie Wolfgang Pohrt und Eike Geisel in den 1980erund 90er-Jahren mit einer Polemik überziehen konnten, die darauf hoffte, daß das antizipierend Kritisierte sich doch nicht gesamtgesellschaftlich durchsetzen würde,1 prägt heute das Selbstverständnis der ganzen Nation: Das passende Motto des seinem Selbstverständnis nach wiedergutgemachten Deutschlands könnte mittlerweile lauten: »Vergangenheitsbewältigung ist ein Meister aus Deutschland.« Und so kann man in Deutschland den Fernseher gar nicht mehr einschalten, ohne daß einem ein Historikerdarsteller wie Guido Knopp etwas über »Hitlers Frauen«, »Hitlers Helfer« oder »Hitlers Krieger« erzählt: Über alles zu reden, um ja nichts zu begreifen — das ist Vergangenheitspolitik im heutigen Deutschland. Die Mehrheit der Deutschen weiß inzwischen, was sie am Massenmord an den europäischen Juden hat und wie politischer Mehrwert aus seiner vergangenheitspolitischen Bewirtschaftung gezogen werden kann: Je mehr öffentliche Beschäftigung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit, desto besser kann man den ehemaligen Opfern der Deutschen und ihrer Hilfsvölker Vorschriften machen. Je mehr Gedenken an die ermordeten .luden, um so hemmungsloser kann man sich den Antisemiten von heute an den Hals schmeißen.
    Anfang der 1980erJahrc ließ der israelische Premierminister Menachem Begin dem deutschen Kanzler Helmut Schmidt völlig zu Recht ausrichten, wer als Offizier am Vernichtungskrieg an der Ostfront teilgenommen hat, sollte zu den Problemen im Nahen Osten ein für alle mal den Mund halten. Das scheint beim ehemaligen Oberleutnant der Wehrmacht aber auf taube Ohren gestoßen zu sein: Schmidt zählt zu 26 europäischen Ex-Politikern, die Israel Ende 2010 mit einem Aufruf diktieren wollten, wie es sich heim Siedlungsbau und bei der Verhinderung der weiteren Aufrüstung im Gaza-Streifen zu verhalten habe. Ebenfalls mit von der Partie war ein weiterer ehemaliger Wehrmachtsoffizier: Ex-Präsident Richard von Weizsäcker, der bis heute seinen Vater verteidigt, der in der Nazi-Zeit als Staatssekretär im Auswärtigen Amt tätig war. Schmidt und Weizsäcker waren an der Aushungerung von Leningrad beteiligt, der über eine Million Menschen zum Opfer gefallen sind; sie kämpften an der Ostfront, in deren Rücken systematisch die Ermordung der europäischen .luden vorangetrieben wurde. Heute nun fordern sie gegenüber jenem Land, das als Reaktion auf die deutschen Verbrechen gegründet wurde, Sanktionen, sollte sich der jüdische Staat nicht den Vorstellungen der elder statesmen fügen. Mit Verweis auf die angeblich so vorbildhafte deutsche Auseinandersetzung mit der Geschichte fühlen sie sich legitimiert, dem Staat der Shoahüberlebenden und ihrer Nachkommen Vorschriften zu machen. Schmidt, der »beliebteste deutsche Politiker der jüngeren Geschichte«,“ hat das außenpolitische Resultat dieses Vorgangs offen ausgesprochen: »Deutschland hat keine Verantwortung für Israel «2 Dementsprechend plädieren Schmidt und Weizsäcker gemeinsam mit einer ganzen Riege ehemaliger, hauptsächlich sozialdemokratischer Spitzenpolitiker für »Sanktionen« und »konkrete Maßnahmen«’3 — nicht etwa gegen das iranische Regime oder seine Verbündeten Hamas und Hisbollah, die Israel vernichten wollen, sondern gegen den jüdischen Staat.

    Das ist allerdings allemal ehrlicher als die Politik von Schmidts aktueller Nachfolgerin, die sich rhetorisch gerne an die Seite Israels stellt, aber nichts daran geändert hat, daß mit der Bundesrepublik der Rechtsnachfolger des „Dritten Reiches“ trotz aller Sanktionen bis heute die wichtigste westliche Stütze des Regimes aus Ajatollahs und Pasdaran ist, das fieberhaft daran arbeitet, sich mittels seines Nuklearwaffen- und Raketenprogramms, das aus den Einnahmen des Außenhandels finanziert wird, die entsprechenden Mittel für seine Vernichtungsdrohungen und -phantasien zu beschaffen.

    Niemand vermag mit Gewißheit zu sagen, wie groß im postnazistischen Deutschland die insgeheime Bewunderung für den antiwestlichen Furor des iranischen Regimes ist, das mit seiner Propagierung eines dritten Weges zwischen „Osten“ und „Westen“ und seinem von konkurrierenden Rackets beherrschten Unstaat durchaus in der Tradition des Nationalsozialismus steht, die es als moderne Theokratie mit einem »gemeinsamen Oberkommando Allahs und seines Propheten in anderen Fragen jedoch wieder verwirft. Was die Deutschen mehrheitlich von jenem Staat denken, dem die Machthaber in Teheran Tod und Verderben an den Hals wünschen, ist hingegen bekannt: 2003 hielten 65 % der Deutschen laut einer EU-Umfrage Israel für »die größte Gefahr für den Weltfrieden«. 2004 erklärten über die Hälfte der Bundesbürger: »Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben.« Knapp 70 % waren der Meinung, Israel führe »einen Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser«. 2007 positionierten sich laut einer BBC-Umfrage 77 % der Deutschen eindeutig negativ gegenüber Israel das jeden Deutschen und Österreicher alleine durch seine Existenz an Auschwitz und Majdanek, an Treblinka und Sobibor erinnert.

    Daß sich derartige Einstellungen keineswegs automatisch auf die Nahost-Politik der deutschen Regierung auswirken, liegt in erster Linie an jener special relationship, die dem postnazistischen Deutschland in der Nachkriegszeit zu Israel aufgenötigt wurde. Die Unterschiede zwischen dem deutschen und österreichischen Postnazismus, auf die weiter unten zurückzukommen sein wird, werden auch am Beispiel der Beziehungen zu Israel deutlich: Während Deutschland sich gezwungen sah und weitgehend noch sieht, israelische Anliegen in internationalen Gremien in der Regel zu unterstützen, solange sie deutschen Wirtschaftsinteressen nicht allzu sehr entgegenstehen, hatte Österreich auf Grund seiner Opferideologie“ noch nie ein Problem, sich bei entsprechenden Abstimmungen nicht nur zu enthalten, sondern zu Ungunsten Israels zu stimmen, wie zuletzt bei der Aufnahme „Palästinas“ in die UNESCO Ende 2011.

    Die israelische Politik gegenüber dem postnazistischen Deutschland gestaltet sich ausgesprochen pragmatisch: Die Israelis tun so, als würden sie den Deutschen ihre Wandlung zu aufrechten Kämpfern gegen den Antisemitismus abnehmen, lind die Deutschen tun so, als würden sie plötzlich Juden mögen und sich aus ehrlicher Scham über die deutsche Geschichte um das Wohlergehen des jüdischen Staates sorgen. Die jeweiligen Interessen lassen sich kurz und knapp auf den Punkt bringen: »Für den Staat Israel ist es von großer Bedeutung, daß er in Deutschland einen halbwegs zuverlässigen Verbündeten in Europa finden kann, der von Zeit zu Zeit antiisraelische Beschlüsse zumindest abmildert, die Bundesrepublik erhofft sich von einer solchen Normalität nichts weniger als die Möglichkeit, ohne geschichtlichen Ballast auf der internationalen Bühne agieren zu können.« Dieses Arrangement hat zu einem breit gefächerten politischen, wirtschaftlichen und auch militärischen Beziehungsgeflecht inklusive zahlreicher Städtepartnerschaften und Jugendaustauschprogrammen zwischen dem Rechtsnachfolger des „Dritten Reiches“ und dem Staat der Shoahüberlebenden geführt, zu dem in Österreich kaum Vergleichbares existiert.
    Vor diesem Hintergrund kann die Tatsache, daß der Bundestag das einzige europäische Parlament ist, in dem nach dem Aufbringen der Hamas-Solidaritätsflotte durch die israelische Armee im Sommer 2010 eine Resolution gegen das Vorgehen der IDF ohne Gegenstimmen verabschiedet wurde, durchaus als Schritt hin zum Bruch mit der
    postnazistischen Normalität gesehen werden, in der die stets behauptete „Verpflichtung“ gegenüber Israel zu den letzten noch sichtbaren Resten der Erinnerung an die deutsche Schuld gehört. Noch deutlicher als vor zehn Jahren zeigt sich heute, daß sich in Deutschland das Nachleben des Nationalsozialismus nicht in der Gefahr faschistischer Massenaufmärsche und auch nicht in einem klassischen Geschichtsrevisionismus artikuliert, sondern beispielsweise im Appeasement gegenüber den islamischen Djihadisten und in der Delegitimierung des Zionismus; eine Delegitirnierung, die einstweilen im politischen Mainstream noch als Kritik an der konsequenten Selbstverteidigung Israels daherkommt, während der Frontalangriff auf den jüdischen Staat in der Regel Islamisten, Nazis und — derzeit in Europa am publikums-wirksamsten — vermeintlich radikalen Linken überlassen bleibt.

    Und doch ist die alte Schuldabwehr, das Relativieren und Aufrechnen der deutschen Verbrechen, nicht völlig verschwunden. Es wird heute nur nicht mehr wie noch bis in die Regierungszeit Helmut Kohls hinein von konservativen Nationalisten vorgetragen, sondern von Vordenkern des rot-grünen Milieus. Günter Grass hat 2011 in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung Haaretz seine ganz eigene Sicht auf die Geschichte präsentiert: »Aber der Wahnsinn und die Verbrechen fanden nicht nur ihren Ausdruck im Holocaust und hörten nicht mit dem Kriegsende auf. Von acht Millionen deutschen Soldaten, die von den Russen gefangen genommen wurden, haben vielleicht zwei Millionen überlebt, und der ganze Rest wurde liquidiert.«'“ Das ist schlicht eine Lüge, und keine kleine. Nicht acht, sondern rund drei Millionen Vernichtungskrieger der Wehrmacht gerieten in sowjetische Gefangenschaft. Vermutlich starben etwa eine Million von ihnen, in der Regel an Unterernährung, die ein unmittelbares Resultat der deutschen Taktik der „verbrannten Erde“ heim Rückzug an der Ostfront mit ihrer unvorstellbaren Ressourcenzerstärung war, an der auch die sowjetische Bevölkerung in den ersten Nachkriegsjahren massiv zu leiden hatte. Grass macht daraus als deutscher Mathematiker, der immer nur bei einer Zahl landen kann: sechs Millionen liquidierte, also vorsätzlich ermordete Deutsche. Vermutlich würden sich revanchistische Konservative und selbst ausgemachte Nazis eine derart offensichtliche Geschichtsfälschung heute kaum trauen. (..)

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    • Der Bassist permalink
      20. Mai 2012 21:09

      Ganz schön peinlich: „der sozialdemokratische Faschismusforscher Eberhard Jäckel“.
      Sagt der doch: »In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal .« – Einer, der gaaar nichtssss begriffen hat: als Historicker [sic]!

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    • 21. Mai 2012 09:57

      Ich finde auch, dass Helmut Schmidt, der als Offizier am Vernichtungskrieg an der Ostfront teilgenommen hat, der mit 26 europäischen Ex-Politikern im Jahre 2010 Israel diktieren wollte wie es sich zu verhalten habe, zu den Problemen des Nahen Ostens den Mund halten sollte.

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  39. 14. Juni 2012 10:15

    Aus aktuellem Anlass:
    „Am 12. Juni starb Margarete Mitscherlich im Alter von 94 Jahren. Mit ihren psychoanalytisch fundierten Arbeiten zur Erinnerungskultur in der Nachkriegszeit war Mitscherlich eine scharfe Kritikerin des Verhältnisses der Deutschen zur eigenen Geschichte. In KONKRET 9/87 schrieb Detlef zum Winkel über Margarete Mitscherlichs Aufsätze zur »Erinnerungsarbeit«.

    Die Frankfurter Psychoanalytikerin ist beim Thema geblieben oder dahin zurückgekehrt. Sie befaßt sich mit Geburtsdaten, die als »Gnade« gepriesen werden, mit Ideologien, die staatstragend schweigen wollen, mit Rechenkünsten von Geschichtsschreibern, mit nachfolgenden Generationen, die auf ihre Unschuld pochen, mit dem Wiederholungszwang als Folge unterlassener Trauerarbeit.

    Gehen wir gleich in medias res: Wir müßten heute erkennen, konstatiert sie, »daß die junge Generation, die sich unschuldig fühlt, nicht die Bearbeitung unserer Vergangenheit angetreten, sondern deren Verleugnung und Verdrängung übernommen hat.« Margarete Mitscherlich ist sich der Niederlage oder doch des Rückschritts bewußt, der darin zum Ausdruck kommt. Vor zwanzig Jahren erschien »Die Unfähigkeit zu trauern«, ihr gemeinsam mit Alexander Mitscherlich verfaßtes Standardwerk, mit einer solchen öffentlichen Wirkung, daß man auf ein Ende des manischen Vergessens und Ungeschehen-Machens hoffen konnte. Es spricht für sich, wenn sie jetzt einen Aufsatz über Resignation in eben diesem Zusammenhang publiziert.

    Immer wieder taucht diese Diagnose in den verschiedenen Kapiteln des Buches auf. »Wenn ich an meine Erfahrungen mit Zeitgenossen und Patienten denke, kann ich jedoch nicht umhin festzustellen, daß das Interesse an der Vergangenheit und deren Durcharbeitung seit der 68er-Generation wieder zurückgegangen ist.« Schuldig fühlt sich niemand, betroffen nur wenige. Nur die Kinder der Opfer kümmerten sich noch intensiv um die Vergangenheit und »die Vergangenheit in der Gegenwart«, nicht die der Täter. Die Jugend habe die Verdrängung weitgehend von ihren Eltern übernommen, Abwehrhaltung und Lernunfähigkeit würden von einer Generation an die nächste weitergegeben. Zwar gebe es eine eher wachsende Entfremdung zwischen den Generationen. Das schließe aber keineswegs aus, »daß gleichzeitig eine tiefe unbewußte Identifikation mit der Elterngeneration besteht.«

    Die Nachkommen der Nazis sind nicht »weiß«, sie beginnen ihr Leben nicht an einem existentiellen Nullpunkt, sondern sind auf vielfache Weise – individuell wie kollektiv – von der Vergangenheit geprägt. Je weniger man sich das eingestehe, desto stärker sei man diesen Kräften ausgeliefert. (…)

    Der bundesrepublikanischen Gesellschaft bescheinigt sie Fremdenfeindlichkeit, Polizeistaatshysterie, Antikommunismus, ein Rechtswesen als »trauriges Beispiel für den bruch- und nahtlosen Übergang von einer rassistischen Herrenmenschen-Diktatur zu einer scheinbaren parlamentarischen Demokratie«, antisowjetische Verfolgungsphantasien, in denen sich eigene Aggressionsbereitschaft ausdrückt und einen latenten Antisemitismus, der zunehmend weniger Anlaß habe, sich nur vorsichtig zu äußern. So unterstreicht sie Augsteins auf neokonservative Historiker gemünztes Stichwort von der »neuen Auschwitzlüge«, nennt die Fernsehserie »Flucht und Vertreibung der Deutschen« als Versuch einer Aufrechnung von Schuld, hält die in Interviews von Deutschen regelmäßig zu hörenden Peinlichkeiten über Auschwitz, die sich häufig auf schiere Grobheit reduzieren, für erschütternd.

    Kritisiert werden aber auch manche Linke, die es als verlockend empfinden, immer wieder unzutreffende Parallelen zwischen der Politik Israels und dem Nationalsozialismus zu ziehen, um auf diese Weise Entlastung von eigenen Schuldgefühlen zu suchen. »Wenn Israel im Kampf um seine Existenz, in seinen kriegerischen Auseinandersetzungen Schuld auf sich lädt, werden junge Deutsche dadurch unschuldiger? Eine merkwürdige unlogische und geschichtslose Art des Denkens, aber sie existiert.« (..) “

    Weiterlesen auf konkret: http://konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/buch-des-monats-trauerverweigerung-und-verdraengung.html (Hervorhebungen von mir)

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    • Der Bassist permalink
      10. Juli 2012 21:36

      »Wenn ich an meine Erfahrungen mit Zeitgenossen und Patienten denke, kann ich jedoch nicht umhin festzustellen, daß das Interesse an der Vergangenheit und deren Durcharbeitung seit der 68er-Generation wieder zurückgegangen ist.«
      Tja, und „antisowjetische Verfolgungsphantasien“. Immerhin 1987 festgestellt. Die Rote Armee war den Deutschen immer ihr erster Feind. Unlogisch, geschichtslos und selbstvergessen das weitere bis übermorgen …

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      • 11. Juli 2012 10:34

        Dass die Rote Armee den Löwenanteil an der Befreiung von Hitler und der NS-Barbarei leistete wurde nicht wirklich thematisiert in Nachkriegsdeutschland. Dass dafür viele sowjetische Soldaten ihr Leben ließen und deshalb viele sowjetische Mütter um ihre Söhne geweint haben ist ebenso wenig in den Köpfen der meisten Deutschen verankert. Dieses Nichtthematisieren dauert bis heute an.

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        • Spinderella permalink
          5. September 2012 00:50

          Buäh, mir kommen die Tränen. Aber dass auch viele deutsche Mütter um ihre Söhne geweint haben, die Opfer der vergewaltigenden, folternden und mordenden Bestien der Roten Armee wurden, ist euch Dreckszionisten wohl egal, wie? Ihr Anti-Deutsche seid echt der Abschaum dieser Welt.
          ——-
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  40. 10. Juli 2012 13:48

    Anerkennend möchte ich hinzufügen, der Antisemitismus ist kein ahistorisches Phänomen. Er unterliegt geschichtlichen Wandlungen. Einst entwickelte sich aus dem christlichen Antijudaismus der rassistische Antisemitismus. Die Rede vom „neuen Antisemitismus“ verweist auf Momente der Kontinuität und der Diskontinuität. Seit mehreren Jahrzehnten tritt neben dem religiösen Antijudaismus und dem rassistischen Antisemitismus eine neue Form des Judenhasses auf, die in den allerletzten Jahren eine starke Konjunktur erlebt. Nun werden die Juden nicht mehr so sehr gehasst, weil sie in Europa keine Heimat, sondern vielmehr weil sie im Nahen Osten einen Staat haben. Als der Nationalismus „up to date“ war, hatten sich die jüdischen Menschen nicht zu assimilieren vermocht, waren sie zur Diaspora verdammt und als „vaterlandslose Gesellen“ verhasst gewesen. Jetzt leben wir in einer globalisierten, multikulturellen, elektronischen Diaspora, aber die Juden scheinen nicht wenigen wiederum die halsstarrig Verbohrten, die Überkommenen zu sein, die sich nicht anpassen wollen, die sich nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges eben nicht vom Nationalismus abgewandt haben, sondern von der Heimatlosigkeit, die sich nicht dem Pazifismus verschrieben haben, vielmehr der Wehrhaftigkeit. So durchläuft das Ressentiment modische Wandlungen.

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    • 11. Juli 2012 10:25

      Stimmt, nach 1945 kam es in Deutschland zu einer großen Wandlung des Antisemitismus. „Die Juden sind unser Unglück“, konnte nicht mehr so offen ausgesprochen werden. Freilich verschwand deshalb keineswegs das antisemitische Denken in den Köpfen der Leute. In Augsteins Spiegel nahmen hohe SS Funktionäre in den neu geschaffenen Redakteur-Sesseln Platz. In der Gruppe 47 mit dem SS-Mitglied Günther Grass wurden Juden wie Paul Celan gemobbt und der Holocaust wurde von diesen Schriftstellern kaum thematisiert, dafür traten sie noch in den fünfziger Jahren mit ihren alten Wehrmachtsmänteln auf und wandten sich entschlossen gegen Kollektivschuld, Umerziehung, Kommunismus, sie ließen die Vergangenheit in Frieden ruhen. Martin Walser, Walter Jens, Günter Eich, Siegfried Lenz, Walter Höllerer, Karl Krolow und Dieter Wellershoff, sie alle waren ehemalige NSDAP Mitglieder.

      Der neue Antisemitismus war geboren. Später dann Bitburg, die nationale Friedensbewegung, die „Palästina-Solidaritäts-Komitees“, die Flugzeugentführung von Entebbe, die tägliche Hetze gegen Israel in den deutschen Mainstream-Medien von der SZ bis zum Spiegel, in den nationalbolschewistischen Zeitungen von der „Jungen Welt“ bis zum „Freitag“ und in den diversen rechtsradikalen Organen von der „Jungen Freiheit“ bis zu den Seiten der NPD.

      Über die Gruppe 47, über Walser schreibt Leo Fischer in der Jungle World:
      „Ästhetisch gab die Gruppe 47 jahrelang den Ton an; gnadenlos wurde alles weggebissen, was über ihren bornierten Realismus hinauswies. Schnell hatte sie Deutschland vom Rest der literarischen Welt isoliert, konnte ungehindert ihre Saat verstreuen – auch im Wortsinne: Eben hat Freitag-Herausgeber Jakob Augstein via Spiegel Online dem Grass den Fahneneid geschworen. Das ist nur folgerichtig, denn wenn nicht Walser, dann wird doch irgendwer aus der Gruppe 47 Augsteins Vater sein; so genau wurde damals nicht abgerechnet in jenem Lebensbornprojekt, als welches man die 47er auch verstehen muss. Die Saat geht auf: Im Literaturbetrieb ist die Koketterie mit NS und Herrenmenschentum mittlerweile eher die Regel als skandalisierte Ausnahme. Walser 1998, Grass 2006, Sarrazin 2010, Kracht 2012, nochmal Grass 2012, nochmal Sarrazin (demnächst) – jeweils sekundiert von der immergleichen Schar zerknautschter Studienräte, die per Zeit-Leserforum zu Hunderten die Unbedenklichkeit des Gebotenen versichern, kommen die Einschläge mählich näher.“

      Ich gehe mal davon aus dass Leo Fischer nicht wusste, dass im „Freitag“ noch im Jahre 2010 die Ideen von NS-Lebensborn in einer Form beworben wurden, wie es sich der aufgeklärte Mensch nicht vorstellen kann.

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  41. Spinderella permalink
    4. September 2012 23:58

    Was für’n Märchen… und die Zionisten lachen sich tot (naja, leider nicht wirklich).
    ——-
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