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Ariel Scharon ist tot

12. Januar 2014

„… was sollen wir tun? Kapitulieren? Ich bin ein Jude. Zum ersten Mal seit 2000 Jahren haben die Juden eine winzig kleines Land, 15-mal kleiner als Deutschland. Israel ist das einzige Land in der Welt, wo die Juden das Recht haben, sich selbst zu verteidigen. Und dieses Recht werden wir nie aufgeben.“

Ariel Scharon 2002 in einem Interview mit der „Zeit“

arikAriel Scharon war einer der einflussreichsten und zugleich umstrittensten Weltpolitiker, der von der israelischen Bevölkerung geliebt und geehrt und von seinen Gegnern als Kriegsverbrecher angeklagt wurde. Scharons Leben ist untrennbar mit der Gründung und dem Aufstieg des Staates Israel verbunden, und sein höchstes Ziel, dem er alles andere unterordnete, war die größtmögliche Sicherheit für die jüdische Bevölkerung.

Ariel Scharon wurde 1928 als Ariel Scheinerman nahe Tel Aviv in einem landwirtschaftlichen Kollektivdorf geboren. Seine Familie war 1922 aus Brest-Litowsk gekommen. Mit  siebzehn Jahren trat er der  jüdischen Selbstverteidigungsmiliz Haganah bei, die eng mit der Gewerkschaft Histadrut verbunden war. Von 1936 bis 1939, während der profaschistische Erhebung der Araber unter dem Großmufti von Jerusalem, dem SS-Mitglied Amin al-Hussaini, schützte die Hagana soweit es möglich war die Kibbuzim und die Moshavs vor den Übergriffen der entsprechenden Araber. Scharon kämpfte im israelischen Unabhängigkeitskrieg, wurde verwundet, für todgeweiht gehalten und liegen gelassen und dann doch noch gerettet. Im diesem Abnutzungskrieg stellte er Israels erste Spezialtruppe, die Einheit 101 zusammen. Im Sechstagekrieg von 1967 befehligte er den Angriff auf die Festung Abu Ageila, eine Schlacht, die heute noch in Militärakademien rund um den Erdball studiert wird. Im Jom-Kippur-Krieg 1973 überquerte er den Suezkanal und änderte damit den Verlauf des Krieges. Später gründete er den Likudblock und leitete den Rückzug der israelischen Bürger aus dem Sinai ein, wie er im Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel vereinbart war. Weil Scharon in seiner Laufbahn sehr oft eigenmächtig handelte, ihn im Zweifel Befehl und Gehorsam nicht interessierte und er auch krasse Fehlentscheidungen traf, musste sich Scharon öfters wegen Befehlsverweigerung verantworten und verbaute sich so nach dem Sechstagekrieg die Beförderung zum Generalstabschef.

Arik, wie sie ihn in Israel nannten wurde von vielen persönlichen Tragödien heimgesucht. So kam seine erste Frau und Jugendliebe Margalit bei einem Autounfall um Leben. Sein ältester Sohn Gur wurde bei einem Schießunfall verletzt und starb in seinen Armen. Jahre später starb seine zweite Frau Lily, Margalits jüngere Schwester, nach langem Kampf an Krebs.

1981 wurde Scharon unter Menachem Begins trotz seiner Befehlsverweigerungen Verteidigungsminister. Nachdem sich die PLO im Libanon zu einem Staat im Staate entwickelt hatte und von dort aus den Kleinkrieg gegen Israel führte, intervenierte 6. Juni 1982 die Tsahal. Es sollte eine Sicherheitszone von  40 Kilometern geschaffen werden. Der seit Jahren tobende libanesische Bürgerkrieg mit komplizierten Koalitionsverhältnissen wuchs durch die PLO zu einer sich steigernden Bedrohung Israels. Nachdem  der christliche Politiker Baschir Gemayel, der drei Wochen zuvor zum Präsidenten des Libanon gewählt worden war, mit vielen seiner Begleiter durch ein Bombenattentat in seinem Hauptquartier ermordet wurde, nahmen maronitische, libanesische und phalangistische  Milizionäre Rache in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila, in dem sie mindestens 800 Palästinenser umgebrachten. Weil die israelische Armee in unmittelbarer Nähe war und das Massaker der verbündeten christliche Milizen nicht verhinderte, protestierten in Tel Aviv 400.000 Menschen. Die Untersuchungskommission des Höchsten Gerichts sprach Scharon eine „persönliche Verantwortung“ für Sabra und Schatila zu, weil das Massaker vorhersehbar gewesen sei und er es zugelassen habe. Scharon musste als Verteidigungsminister zurücktreten.  Trotz seines Rücktritts als Verteidigungsminister blieb Scharon Minister ohne Geschäftsbereich und wurde später Infrastrukturminister und  unter Premier Netanjahu  Außenminister. „Bemerkenswert am Libanon-Krieg ist die selektive Erinnerung in der westlichen, vor allem in der deutschen Öffentlichkeit. Von einem fast zehnjährigen bizarren Bürgerkrieg mit Dutzenden von Klein- und Kleinstfehden, an denen lange Zeit Israel gar nicht beteiligt war, wo vielmehr christliche Milizen gegen palästinensische und drusische kämpften, die verschiedenen palästinensischen Fraktionen sich untereinander attackierten, sich schließlich auch noch syrische Truppen einmischten, wo bis zuletzt auf allen Seiten zig Massaker verübt wurden – von all dem ist im kollektiven Gedächtnis nur ein einziges Verbrechen geblieben: Sabra und Schatila. Wer erinnert sich heute noch an die anderen Massenmorde des libanesischen Bürgerkrieges? Das Massaker von Sabra und Schatila steht in Verbindung mit einem anderen, begangen 1975 von PLO-Truppen an der christlichen Bevölkerung des Küstenstädtchens Damur. Aus den Überlebenden rekrutierten sich die Kommandotruppen, die später die Massaker von Sabra und Schatila begingen“, schrieb dazu Karl Selent in Konkret 3/2001.

In jeder seiner Positionen forcierte Ariel Scharon den jüdischen Siedlungsbau in den Palästinensergebieten, aus Sicherheitsüberlegungen, wie er betonte, was ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht wurde. Trotzdem oder gerade deshalb gewann 2001 Ariel Scharon seine erste Wahl mit dem größten Vorsprung, den es in der israelischen Geschichte je gab. 2003 ging er wieder als klarer Sieger aus den Wahlen hervor.  Für  viele seiner Wähler war Scharons Versprechen, dem Sicherheitsbedürfnis der israelischen Bevölkerung höchste Priorität einzuräumen und den Terror zu bekämpfen die wahlentscheidende Aussage. Seitdem gehen aus den israelischen Parlamentswahlen die säkular-konservativen und rechten Parteien gestärkt hervor, während die linken jedes Mal ein regelrechtes Desaster erlebten. Ohne den palästinensischen Terror wären  solche Ergebnisse in Israel freilich undenkbar.

Als Scharon am 28. September 2000 in Begleitung von rund 1000 Journalisten, Militärs und Politikern den Tempelberg in Jerusalem in Jerusalem besuchte sagte er: „Ich bin überzeugt, dass wir mit den Palästinensern zusammenleben können.“ Obwohl der Besuch mit der moslemischen Verwaltung des Tempelbergs abgestimmt war, kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Palästinenser bezeichneten den Besuch Scharons als Provokation starteten ihre seit langem vorbereitete „Al-Aqsa“-Intifada und in vielen westlichen Medien wird seitdem groteskerweise Ariel Scharon für den Ausbruch der Intifada verantwortlich gemacht.

Der größte historische  Schachzug von „Arik“ Scharon war freilich die Räumung aller Siedlungen im Gazastreifen und vier isolierter Siedlungen im Westjordanland, die er als Ministerpräsident durchsetzte. Da ihm der Likud dafür die Unterstützung verweigerte gründete er eine eigene Partei, nämlich Kadima.  Die Entfernung von 6.500 Menschen aus ihren Häusern und die Zerstörung von 24 Siedlungen spaltete die israelische Bevölkerung. Im August 2005 war das Straßenbild Israels geprägt von zwei Farben. Kleidungsstücke, Plakatwänden, die Schilder von Demonstranten oder Autoantennen waren entweder blau oder orange. Orange für die Gegner des Abzugs und Blau für die Befürworter. Was die linken Parteien Israels immer forderten, eine Zweistaatenlösung, die auf dem Prinzip „Land gegen Frieden“ beruht, die stets von der palästinensischen Führung und palästinensischen Terrororganisationen wie der Hamas immer wieder desavouiert wurden und werden, setzte ausgerechtet der als Hardliner verrufene Ariel Scharon durch. Die Palästinenser „bedankten“ sich für den einseitigen Abzug mit tausendfachem Raketenhagel auf israelische Zivileinrichtungen und bewiesen dadurch, dass die (auch von vielen deutschen „Friedensfreunden“ kolportierte) Aussage Israels Siedlungspolitik sei ein Friedenshindernis eine an den Haaren herbeigezogene Behauptung ist.

In den deutschen Massenmedien und erst recht in nationalbolschewistischen und antizionistischen Wochenzeitungen wurde die Politik Scharons stets negativ dargestellt und seine Person dämonisiert. Ariel Scharon wurde in diesen deutschen „Qualitätsmedien“ mit Hitler verglichen oder gleichgesetzt. Der deutsche sekundäre Antisemitismus macht aus Juden Nazis und unterschreibt mit „Friedensgrüßen“. Der Sieg Ariel Scharons sei ein „politisches Desaster“, klagte die „Frankfurter Allgemeine“ im Jahre 2001 und der damalige Bundestagspräsident Thierse  meinte: „Wir sind in Deutschland sehr besorgt über Scharon und darüber, was passieren könnte, wenn er an die Macht käme“. Die „Süddeutsche Zeitung“ bezeichnete  Scharon  im selben Jahr als „Israels Milosevic“, die „Junge Welt“ nannte ihn ein „Trampeltier“, das „Neue Deutschland“ einen „berüchtigten Kriegstreiber“ und die „FAZ“ meinte, dass an Scharons „Händen seit der Libanonintervention palästinensisches Blut“ klebe. So wurde in hunderten deutschen „israelkritischen“ Artikeln gegen Ariel Scharon der spezifische deutsche Antisemitismus nach 1945 offen zur Schau gestellt.

Im Januar 2005 fiel Ariel Scharon nach einem Schlaganfall in ein Koma. Im Jahr 2006 wurde Ariel Scharon als Wachkoma-Patient auf die Rehabilitationsstation des Chaim Sheba Medical Center verlegt, wo er schließlich gestern im Alter von 85 Jahren am 11. Januar 2014 an multiplem Organversagen starb.

Der konservativ-säkulare „Bulldozer“ Ariel Scharon war einer der populärsten Ministerpräsidenten in der Geschichte Israels. Das Kind, das in einem spartanischen Elternhaus aufwuchs, entwickelte eine fast unnatürliche Immunität gegen Angst. Soldaten und Offiziere, die mit ihm in der Schlacht standen, bezeugen übereinstimmend, dass das feindliche Feuer Scharon nicht beeindruckte. Arik Scharon war hartnäckig, wie schlimm seine Lage auch war, er hisste nie die weiße Flagge. Arik war der geborene Realpolitiker, der außerhalb vorgeschriebener Bahnen dachte und handelte, soweit er es mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Scharons zahlreiche Widersprüche sind auf verschiedene Aspekte seines Charakters zurückzuführen. Er war nie von einer festgefügten Ideologie motiviert und schon gar nicht von einer religiös geprägten. Seine Richtschnur war stets die Sicherheit. Sein Glaubensbekenntnis lautete: „Maximale Sicherheit für die Juden.“ Dieser Glaube erforderte verschiedene Maßnahmen zu verschiedenen Zeiten.

Das Leben Ariel Scharons transportiert was Samuel Scheinerman zu seinem kleinen Sohn sagte, wenn der Junge bei der Sisyphusarbeit auf dem Feld unter der glühenden Sonne müde wurde: „Schau zurück„, sagte Samuel zu dem jungen Arik, „und sieh, was du schon geschafft hast.“

Quellen: Gadi Blum, Nir Hefez: Ariel Scharon. Die Biografie. Verlag Hoffmann & Campe, Hamburg 2006 | Karl Selent: Milosevic in Israel? – Konkret 03/01 | Yaacov Lozowick: Das andere Universum  – Konkret 09/06

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20 Kommentare leave one →
  1. Bernd Holzner permalink
    13. Januar 2014 01:05

    Juden, deren höchstes Ziel es ist, für die größtmögliche Sicherheit der jüdischen Bevölkerung zu sorgen, sind in Deutschland meist unbeliebt. Das war schon immer so.

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  2. 13. Januar 2014 10:32

    Es ist unerträglich welcher antisemitische Dreck in den deutschen Onlineforen über Sharon verbreitet wird: Vom „Hurensohn“, „Zionistenschwein“ zum „Kriegsverbrecher“ wird der soeben Verstorbene verleumdet und beleidigt.

    Thomas von der Osten-Sacken hat in der Jungle World einen kleinen Auszug dokumentiert:
    http://jungle-world.com/jungleblog/2566/

    Mein Mitgefühl gilt seiner Familie.

    RIP Arik Sharon!

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  3. 14. Januar 2014 11:04

    Danke für den wissenswerten Nachruf. Umso schlimmer die verlogenen Berichte in den deutschen Zeitungen und in der Tagesschau. Der Besuch auf dem Tempelberg war lange abgesprochen und von den moslemischen Geistlichen genehmigt. Arafat hat die Intifada längst vorbreitet.

    Demgegenüber die Tagesschau:
    „Sein Gang auf den Jerusalemer Tempelberg im Jahr 2000 gilt mit als Auslöser der zweiten Intifada – des palästinensischen Volksaufstandes.“

    https://www.tagesschau.de/ausland/scharon144.html

    Und nicht anders zu erwarten – SPON:
    „Paradoxes und zynisches Kalkül war Teil seines Lebens: Den Aufstand hatte er als Oppositionspolitiker mit seinem 45-minütigen Besuch auf dem Haram al-Scharif, dem Tempelberg, selbst ausgelöst. Scharon war es gelungen, alle israelisch-palästinensischen Friedensbemühungen zu torpedieren.“

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/nachruf-ariel-scharon-a-942996.html

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  4. Erol Bulut permalink
    14. Januar 2014 13:44

    „Weil die israelische Armee in unmittelbarer Nähe war und das Massaker der verbündeten christliche Milizen nicht verhinderte, “

    Tja, ganz so war das ja nicht !!!

    xxxxxx xxxxxxxxxx xxxxxxxxxx
    ————————————————————
    Der Rest ihres Kommentares wird hier nicht veröffentlicht, da dieser Teil unserer Netiquette widerspricht.

    Die MI Redaktion

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  5. Ignaz Wrobel permalink
    14. Januar 2014 14:05

    Die Reality-Show der ARD am Grab von Scharon

    Ulrich Sahm

    Der Tagesspiegel hatte schon vor dem Begräbnis prophezeit: „Viele Israelis werden den Tod des einstigen Regierungschefs allenfalls mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen.“

    Tatsächlich wurden über zehntausend schulterzuckende Trauernde mit 150 vom Verteidigungsministerium bereitgestellten Bussen zur Knesset in Jerusalem und anschließend zum Friedhof in der Nähe der Scharonfarm gekarrt, weil Autobahnen und Zufahrtsstraßen für Privatfahrzeuge gesperrt waren.

    Auch bei der ARD in Tel Aviv hat der überraschende Tod des 85-Jährigen tiefe emotionale Spuren hinterlassen.

    Nach achtjährigem Wachkoma und zehntägigem Organversagen kam für die ARD-Nahostexperten der Tod Scharons so plötzlich, dass sie nicht einmal den Vorlauf hatten, ihre Nachrufe zu recherchieren.

    Carsten Kühntopp behauptete „Auf die Intifada der Palästinenser antwortete er mit Gewalt. Um den Aufstand gegen die Besatzung niederzuschlagen, setzte er selbst Apaches, F-16 und Kampfpanzer ein.“

    Da Scharon im September 2000 Oppositionschef war und nur sechs Monate später, im März 2001 nach gewonnener Wahl die Amtsgeschäfte als Premierminister übernahm, muss Kühntopp die Chronologie durcheinander gebracht haben. Oder hatte die ARD exklusive Information über versteckte Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Panzer in Scharons Schafstall?

    Zum überraschenden Rückzug aus Gaza wusste Kühntopp: „Der Abzug aus dem Gazastreifen soll es Israel also erlauben, den größten Teil des Westjordanlands auf ewig zu behalten, ohne dass die Palästinenser dabei mitzureden hätten.“

    Scharon hatte also Israel und den Rest der Welt belogen und mit einem Ablenkungsmanöver in die Irre geführt, indem er auch mehrere Siedlungen im Norden des Westjordanlandes räumen ließ.

    Kühntop scheint auch nichts von dem Gipfeltreffen in Akaba gehört zu haben, bei dem Ariel Scharon im Beisein des amerikanischen und palästinensischen Präsidenten sowie des jordanischen Königs Abdullah als erster israelischer Ministerpräsident vom Ziel der Errichtung eines palästinensischen Staates geredet hat. Scharon hat immer wieder klar gemacht, dass Israel keineswegs das Westjordanland “auf ewig“ behalten werde. Aber seit wann lässt sich die ARD von Fakten stören, wenn es um einen Nachruf geht, in dem Scharon mit Begriffen wie “Bulldozer”, “Kriegsverbrecher”, „keine Verhandlungen unter Feuer“, “Gewalt”, “Krieg”, “Mann ohne Grenzen” und “rücksichtslos” beschrieben wird?

    Tiefe Betroffenheit zeigte auch Torsten Teichmann vom ARD Hörfunkstudio. Der “Ausnahmepolitiker” habe Entscheidungen getroffen, “die nicht unbedingt immer richtig waren für das Land”.

    Wie üblich wissen die ARD-Korrespondenten alles besser als Israels Politiker, was für das Land gut ist und was ihm schadet. Scharons Charakterzüge waren “Stärke” und “Rücksichtslosigkeit”. Das kann Teichmann sogar belegen:

    “Für den jungen Staat ging es im Kampf gegen die Armeen der arabischen Nachbarn ums Überleben. Die jüdische Bevölkerung zog eine Lehre aus diesem Krieg: Allein mit Stärke gegenüber den Nachbarn und den verbliebenen Palästinensern kann die Existenz des Staates gesichert werden.”

    So gesehen hätte die jüdische Bevölkerung 1948 aus dem Überlebenskampf gegen die arabischen Armeen eine bessere Lehre ziehen können: zum Beispiel nicht zu überleben. Unklar ist, was Teichmann mit „verbliebenen Palästinensern“ meint. Etwa die israelischen Araber, die dann „allein mit Stärke“ Wahlrecht in Israel erhielten und mit drei Parteien in der Knesset vertreten sind? Denn die übrigen Palästinenser fanden sich unter jordanischer und ägyptischer Besatzung wieder. Andere sind zu ihren arabischen Brüdern in Libanon und Syrien geflohen.

    Teichmann weiter: „Und er (Scharon) entschied, beim Massaker an Palästinensern in den Lagern Sabra und Shatila nicht einzugreifen. Ein Kriegsverbrechen, für das ihm nie der Prozess gemacht wurde.“ Scharon hatte jedoch eingegriffen, als er von den Massakern erfahren hatte. Ihm wurde „indirekte Verantwortung“ vorgeworfen, weil er die Massaker seiner christlichen Verbündeten im Libanon nicht vorausgeahnt hatte. Auf dieser Grundlage hätte selbst Oberrichter Teichmann Scharon nicht anklagen können.

    Zum Besuch Scharons auf dem Tempelberg behauptet Teichmann, dass dieser im „Wahlkampf 2000“ stattgefunden habe. Einen Wahlkampf gab es aber erst 2001, nach Baraks Rücktritt. Deshalb sind auch Teichmanns weitere Ausführungen daneben, wie die Behauptung: „Als sich die Palästinenser im Jahr 2001 ein zweites Mal gewaltsam gegen die israelische Besatzung erheben, ist Scharon Premierminister.“ In einen kurzen Satz gleich drei historische Fehler einzubauen, ist eine Meisterleistung, die ihn zum Kandidaten für den Grimme-Preis macht.

    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_reality_show_der_ard_am_grab_von_scharon

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  6. Maria Melendez permalink
    14. Januar 2014 14:41

    Lesenswert auch – Früherer Premierminister Ariel Scharon gestorben – von Ulrich Sahm

    http://www.israelnetz.com/nachrichten/detailansicht/aktuell/frueherer-premierminister-ariel-scharon-gestorben/#.UtFvkfv4XLQ

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  7. Erol Bulut permalink
    14. Januar 2014 15:16

    Schon klar, dass gewisse historische Fakten, die der Verklärung Sharons zum Helden hinderlich sind, gegen die „Nettiquette“ verstoßen. Deshalb musste der Link zu dem der WDR Doku auch raus, gelle.
    ———
    Antisemitische Kommentare werden hier nicht freigeschaltet, dafür gibt es in Deutschland genügend andere Foren. Den Link liefern wir gerne nach: http://www.youtube.com/watch?v=fa3jsIY_xKM

    Die MI Redaktion

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  8. 14. Januar 2014 15:21

    Deniz Yückel schreibt in der TAZ über das Lieblingsmassaker der Deutschen: Sabra und Schatila. In dem guten Artikel behandelt er die selektive Wahrnehmung in vielen deutschen Medien.

    Am Ende schreibt er: „Wer also Scharon am Sarg „Sabra und Schatila“ hinterherruft, sonst aber von nichts weiß (was sich recht leicht beheben lässt) oder nichts wissen will (was sich nicht so leicht behandeln lässt), macht sich des Verdachts schuldig, dass es ihm um etwas anderes geht als um die Erinnerung an ermordete Zivilisten.“

    http://taz.de/!130911/

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  9. Erol Bulut permalink
    14. Januar 2014 15:57

    Und natürlich ist es auch „antisemitisch“ zu erklären, dass Sharon den (jüdischen) Soldaten der IDF, die das Massaker wegen seiner Politik unterstützen mussten, enormen Schaden zugefügt hat. :))))

    Schon blöd, wenn man gewisse unbestreitbare Fakten(!) nicht aussprechen lassen kann, ohne das eigene Fantasiegebilde zu gefährden.

    So, ich mag euch nicht mehr bei der Legendenbildung um euren Helden stören.

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    • 14. Januar 2014 16:47

      Herr Bulut, Sie scheinen noch immer nicht verstanden zu haben, dass nicht die israelische Armee das Massaker von Sabra und Shatila verübte sondern christliche Falangisten mordeten. Ihre Kommentare in der TAZ sind widerlich. Ich kann gut verstehen dass ihre Ausfälle hier nicht veröffentlicht werden.

      Nur mal so zur Info: Israel hat seine Siedlungen im Gazastreifen abgezogen. Seitdem schießt die Hamas Raketen auf Israel. Die Hamas unterdrückt die palästinensische Bevölkerung in Gaza. Die Hamas will die Fahne Allahs über ganz Palästina wehen sehen. Sie will also in ganz Palästina einen islamfaschistischen Gottesstaat wie im Iran. Wo ist ihre Kritik an diesen Islamfaschisten nachzulesen?

      Sie sollten sich einmal über die Geschichte des Nahostkonflikts informieren!

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  10. Sarah Winter permalink
    15. Januar 2014 10:10

    Gestern sah ich die sehenswerte Dokumentation „Sharon“ im 3. Programm. Über mehrere Jahre hat Regisseur Dror Moreh den Politiker während seiner Wahlkämpfe mit der Kamera begleitet. In seinem eindrucksvollen und 2008 uraufgeführten Dokumentarfilm „Sharon“ versucht er, den Mensch und Politiker Scharon mit all seinen Widersprüchen zu zeigen – einen Mann, den er als „sehr empfindlich, unglaublich witzig, zynisch und schlau und mit einem außerordentlichen Gespür für Menschen“ kennen gelernt hat.

    Ariel Sharon plante nach dem Rückzug aus Gaza weitere territoriale Konzessionen an die Palästinenser. Sharon redete von Gebietsaufgaben im Westjordanland und in Jerusalem, ohne die Stadt erneut zu teilen. Sein Schlaganfall kam dazwischen. Scharon wollte den Frieden. Einer wie er hätte es schaffen können.

    http://www.br.de/presse/inhalt/pressemitteilungen/scharon-100.html
    http://www.audiatur-online.ch/2014/01/14/haaretz-veroeffentlicht-geheimpapiere-zu-sharon/

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