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Der linke Terrorismus

16. April 2020

Spätestens seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist der islamische Terror zu einer Konstante des politischen Lebens geworden. Kaum ein Tag vergeht, ohne dass uns Nachrichten von menschenverachtenden islamischen Terroranschlägen erreichen. Wenn im Irak, in Pakistan oder Afghanistan islamische Attentäter hunderte Menschen ermorden ist das den Medien kaum noch eine Zeile wert. Erst seit der islamische Terror nach Europa, nach Frankreich oder Deutschland kam wird darüber hin und wieder berichtet. Der vergangene Terror der RAF ist mittlerweile zu einem Referenzsystem geworden, immer wieder werden Vergleiche gezogen, dabei sind die Unterschiede zwischen dem damaligen und dem heutigen Terrorismus gewaltig. Der Hauptunterschied liegt in der Anzahl der Opfer.  In den fast drei Jahrzenten der RAF wurden dreiunddreißig Personen ermordet. Allein am 11. September 2001 ermordeten  in New York islamische Gotteskrieger 3.000 Menschen mit einem einzigen Schlag. Das primäre Ziel der islamischen Terroristen besteht genau wie bei den Rechtsextremisten möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen. Beim Oktoberfestattentat am 26. September 1980 in München durch den Rechtsextremisten Gundolf Köhler von der Wehrsportgruppe Hoffmann wurden 12 Personen ermordet und 213 verletzt, 68 Personen davon schwer. Beim islamischen und rechten Terrorismus kann es im Prinzip jeden treffen, Ausnahmen wie die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch einen Rechtsextremisten bestätigen die Regel. Beim politischen Terrorismus der RAF gab es eine spezifische Auswahl der Opfer, es sollten keine „Unschuldige“ getroffen werden, das Ziel waren bestimmte Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft sowie amerikanische Soldaten. Arbeiter, Angestellte oder die Bevölkerung galten zumindest bei der ersten Generation der RAF regelrecht als Tabu. So gab es nach dem Bombenanschlag der RAF auf das Springer-Gebäude, bei dem Arbeiter verletzt wurden, heftige Kritik von Andreas Baader an der Urheberin Ulrike Meinhof, weil der „bewaffnete Kampf“ doch für die Arbeiterklasse durchgeführt werden soll. Bei allen Unterschieden gibt es jedoch eine große Gemeinsamkeit zwischen den islamischen, dem rechten und dem linken Terror, die Ablehnung und den Hass auf Amerika und die Juden.

Der linke Terrorismus startete in Deutschland am 9. November 1969 und das Ziel waren Juden. Die Vorgängergruppe der „Bewegung 2. Juni“, die „Tupamaros Westberlin“ deponierte am 31. Jahrestag des Novemberpogroms von 1938 eine Bombe im Jüdischen Gemeindehaus in Berlin. Albert Fichter von den „Tupamaros Westberlin“ legte im Auftrag von Dieter Kunzelmann die Bombe, die er zuvor von Peter Urbach, einem V-Mann des Verfassungsschutzes bekam um gegen die israelische Politik gegenüber den Palästinensern zu protestieren und die „palästinensische Revolution“ unterstützen. Die Tupamaros schrieben im Bekennerschreiben  „dass die Pogromnacht tagtäglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten wiederholt wird. Aus den vorn Faschismus verfolgten Juden seien selbst Faschisten geworden“ Der Zündmechanismus der Bombe, die  viele Dutzend Tote gefordert hätte, versagte jedoch und die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung blieben unverletzt. Nach dem Anschlag auf das Jüdische Gemeindehaus erhieht der Vorsitzende, Heinz Galinski eine auf Band aufgenommene Drohung, nach 15 Sekunden dauernden Ticken ertönt eine Frauenstimme: „Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus hat gezündet. Berlin dreht durch, die Linke stutzt … Springer, Senat und die Galinskis wollen uns ihren Judenknacks verkaufen. (..) Bei uns ist Palästina, wir sind Fedajin. Heute Nachmittag kämpfen wir für die revolutionäre palästinensische Befreiungsfront Al-Fatah! Schlagt zu!“

Das misslungene Attentat war laut Jan Gerber für die Stadtguerilla kontinuitätsstiftender als die Befreiung Baaders: „Hier verschmolz die antiimperialistische Liebe zu den Völkern mit dem judenreinen Faschismusverständnis der Komintern und der wiederentdeckten Begeisterung für Deutschland“. Bereits im September 1967 verabschiedete die wichtigste Organisation links von der SPD, der SDS einen strikt antizionistischen Kurs. Die eher proisraelische Haltung der Linken veränderte sich rapide mit dem Sechstagekrieg. Immer mehr trat der Vietnamkrieg in den Hintergrund und der Fokus wurde auf den  Nahen Osten gelenkt. 1969 sprengte der SDS mit palästinensischen Studenten mehrere  Vortragsveranstaltungen des israelischen Botschafters Asher Ben-Natan und im Sommer 1969 reiste die erste Gruppe um Dieter Kunzelmann nach Jordanien in die palästinensischen Ausbildungslager mit Hitlerbildern in den Unterkünften. Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Horst Mahler folgten kurze Zeit später um sich von den Judenmördern der Fatah ausbilden zu lassen. Dieter Kunzelmann, später Abgeordneter der Grünen in Berlin, veröffentliche seine berüchtigten Berichte in der Agit 883  in denen er unter anderem forderte „die verzweifelten Todeskommandos“ der Palästinenser durch „besser organisierte zielgerichtete Kommandos zu ersetzen, die von uns selbst durchgeführt werden“.

Nach einem weiteren missglückten Brandbombenanschlag  auf das Büro der israelischen Fluggesellschaft El Al am 12. Dezember 1969 durch die Tupamaros Westberlin ermordete am 24. Mai 1972 die RAF beim Bombenanschlag auf das Hauptquartier der US-Armee in Heidelberg drei Soldaten und verletzten fünf weitere Personen. In der Kommandoerklärung wird die Gleichung „Dresden ist Auschwitz“ aufgestellt: „Von weiteren Millionen Sprengstoffen ist die Rede, die das Pentagon einsetzen will, um die nordvietnamesische Offensive zu stoppen. Das ist Genozid, Völkermord, das wäre die „Endlösung“, das ist Auschwitz. Die Menschen in der Bundesrepublik unterstützen die Sicherheitskräfte bei der Fahndung nach den Bombenattentätern nicht, weil sie mit den Verbrechen des amerikanischen Imperialismus und ihrer Billigung durch die herrschende Klasse hier nichts zu tun haben wollen. Weil sie Auschwitz, Dresden und Hamburg nicht vergessen haben…“

1972 überfielen palästinensische Terroristen die israelische Olympiamannschaft in München. Nach der Terrorwelle der Palästinenser im Februar 1970 in München ermordeten die Palästinenser 1972 bei der Olympiade in München zwei israelische Sportler und nahmen neun weitere als Geiseln. Die israelischen Sportler wurden vor ihrer Ermordung in München bestialisch misshandelt und gefoltert. Ein Israeli wurde in München vor den Augen seiner gefesselten Kammeraden von den palästinensischen „Befreiungskämpfern“ kastriert. Bei der dilettantisch angelegten deutschen Befreiungsaktion in Fürstenfeldbruck kamen alle israelischen Sportler überwiegend durch die Handgranaten der palästinensischen Terroristen ums Leben. Ulrike Meinhof war begeistert und feierte die Geiselnahme der Juden, in ihrer Zelle verfasste sie eine durch und durch antisemitische Erklärung: „Die Aktion des Schwarzen September hat das Wesen imperialistischer Herrschaft und des antiimperialistischen Kampfes auf eine Weise durchschaubar und erkennbar gemacht wie noch keine revolutionäre Aktion in Westdeutschland oder Westberlin. Sie war gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch. (..) Israel vergießt Krokodilstränen. Es hat seine Sportler verheizt wie die Nazis die Juden – Brennmaterial für die imperialistische Ausrottungspolitik. (..) An der Aktion des Schwarzen September in München gibt es nichts mißzuverstehen. Sie haben Geiseln genommen von einem Volk, das ihnen gegenüber Ausrottungspolitik betreibt, Sie haben ihr Leben eingesetzt, um ihre Genossen zu befreien.(..) Die Aktion des Schwarzen September in München wird aus dem Gedächtnis des antiimperialistischen Kampfes nicht mehr zu verdrängen sein. Der Tod der arabischen Genossen wiegt schwerer als der Tai-Berg. (..) Solidarität mit dem Befreiungskampf des palästinensischen Volkes!“ (..)

Neben vielen weiteren Attentaten entführten beispielsweise am 27. Februar 1975 die Kader der Bewegung 2. Juni den CDU-Politiker Peter Lorenz. Im Bekennerschreiben wurden seine „Besuche in Israel“ und seine Geldspenden an den jüdischen Staat aufgeführt und deshalb war Lorenz für die „linken Freiheitskämpfer“ ein „Propagandist des Zionismus“.  Die Bundesregierung ging auf die Forderungen ein und tauschte Strafgefangene für Peter Lorenz aus.

Die stärkste antizionistische Praxis hatte die größte deutsche linke Terrorgruppierung, die „Revolutionären Zellen“ vorzuweisen. Wilfried Böse, der Gründer der Gruppe  hat bereits bei der Geiselnahme der israelischen Olympiamannschaft das Quartier für das bestialische Palästinenser-Kommando „Schwarzer September“ organisiert. 1974 wurde ein Anschlag auf die Maschinenfabrik Korf in Mannheim verübt, da diese angeblich im Besitz von Zionisten gewesen sei. In dem Bekennerschreiben wurde erklärt: Wegen der „Völkermordstrategie der Zionisten gegenüber den Palästinensern“ wurden die Anschläge gegen ein israelisches Reisebüro und auf die Firma Korf begangen.

Am 27. Juni 1976 entführten die linken Terroristen Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann der „Revolutionären Zellen“ mit zwei palästinensischen Kämpfern, der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“, ein Flugzeug der Air France über Athen mit 250 Passagieren an Bord. Der französische Pilot wurde gezwungen die Maschine auf dem Flughafen Entebbe in Uganda zu landen. In Entebbe wurden die Geiseln von der ugandischen Armee und sechs weiteren palästinensischen Terroristen empfangen um 53 politische Gefangene aus Deutschland, Israel und Frankreich freizupressen. Am Dienstag, den 29. Juni 1976, um kurz vor 19 Uhr, begann der „antiimperialistische Kämpfer“ Wilfried Böse die erste deutsche Selektion an Juden nach 1945.  „Wenn Sie ihren Namen hören stehen Sie auf und gehen in den Nebenraum“, sagte Wilfried Böse nachdem er an dem Tisch, auf dem die Pässe der Passagiere lagen, platzgenommen hatte.  Eine israelische Frau mit eintätowierter Lagernummer brach in Tränen aus, als wieder jüdische Namen mit deutschem Akzent verlesen wurden, während die 28-jährige Pädagogikstudentin aus Hannover, Brigitte Kuhlmann, eiskalt mit einer Handgranate bewaffnet am Eingang des Nebenraumes stand. Die Trennung der jüdischen Geiseln, nicht nur der israelischen, löste in Israel und der Welt einen Sturm der Entrüstung aus und nicht nur dort, nun wurde auch innerhalb der Linken der Antisemitismus der linken Terroristen thematisiert. Ein israelisches Spezialkommando befreite in der spektakulären Aktion „Operation Thunderbolt“ die Geiseln in der Nacht zum 4. Juli 1976.  Mit vier Herkules Transportflugzeugen und zwei Boeing 707 flog die Spezialeinheit von Israel unter dem Radar nach Entebbe. An Board ein schwarzer Mercedes mit welchem die Ankunft Idi Amins vorgetäuscht werden sollte. Die 90-minütigen, Kampfhandlungen begannen mitten in der Nacht, als Jonathan Netanjahus Männer in die Transithalle eindrangen und ein Chaos auslösten.  Böse, Kuhlmann und alle anderen Geiselnehmer wurden erschossen, eine Geisel, die ehemalige KZ-Insassin Dora Bloch wurde in einem ugandischen Krankenhaus ermordet, in das sie wenige Stunden vor der Befreiungsaktion verbracht wurde.  Am Ende der Aktion eröffneten, die mittlerweile eingetroffenen ugandischen Truppen das Feuer auf die israelischen Befreier, wobei Oberstleutnant Netanjahu, ein Bruder des aktuellen israelischen Ministerpräsidenten, getötet wurde. Alle ugandischen Kampfjets, die sich auf dem Flugfeld befanden, wurden am Boden zerstört um die anschließende Flucht zu gewährleisten. Für Israel war die militärische Meisterleistung von Entebbe die Neudefinition des Staates Israel.  Der Ohnmacht in den deutschen Vernichtungslagern stand nun eine schlagkräftige jüdische Armee gegenüber, die niemanden schutzlos zurücklässt, ganz egal, wo er sich befinden mag. Moshe „Muki“ Betser, einer der Organisatoren der Rettungsaktion sagte: „Ich sehe in Entebbe das Wesen des Zionismus. Hätten wir vor dem Zweiten Weltkrieg einen Staat und eine Armee gehabt, hätte es die Schoah so nicht gegeben.“

Operation Thunderbolt wurde mehrfach verfilmt, unter anderem mit Klaus Kinski als Wilfried Böse. Im Januar 1977 wurden in den Kinos in denen der Film gezeigt werden sollte Brandsätze gelegt. In den Bekennerschreiben stand, die Kinobesitzer die an „rassistischer Hetze verdienen wollen“ sollten verwarnt werden. Die sofortige Absetzung des „Hetzfilms Unternehmen Entebbe“ und der Boykott aller nachfolgenden Entebbe-Filme wurde gefordert.

Bereits 1975 überfiel Hans-Joachim Klein von den Revolutionären Zellen und arabischen Terroristen unter dem Top-Terroristen  „Carlos“ in Wien die Konferenz der OPEC um die Mitgliedsstaaten dazu zu zwingen die Palästinenser finanziell und ideell noch stärker als bisher zu unterstützen. Drei Menschen wurden ermordet und Klein erlitt einen Bauchschuss. Hans-Joachim Klein sagte sich im Februar 1976 von den Revolutionären Zellen los und ging an die Öffentlichkeit weil nun ganz konkret der Leiter der jüdischen Gemeinde Heinz Galinski ermordet werden sollte. Für die linken Terroristen war Heinz Galinski für die „Verbrechen des Zionismus“ mitverantwortlich.  Nachdem Heinz Galinksi gewarnt war, wurde stattdessen im Juni 1978 ein Anschlag auf die israelische Import-Gesellschaft Agrexco agricultural verübt, weil laut Revolutionären Zellen Israel aus den Gewinnen des Obstexportes der „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ finanziert wird.  Alle Genossen wurden in Flugblättern und antizionistischen Schriften dazu aufgefordert  Boykottkampagnen gegen israelische Waren zu initiieren. Weitere Sprengstoffanschläge auf Lastwagen oder Vertriebsstellen von israelischen Früchten, wie beispielsweise 1979 der Firma Hameico folgten. In den Bekennerschreiben wurde „gegen den nicht enden wollenden faschistischen Genozid am palästinensischen Volk“ halluziniert. Viele weitere Anschläge folgten. Am 11. Mai 1981 wurde Heinz-Herbert Karry in seinem Bungalow in Frankfurt von den „Revolutionären Zellen“ im Schlaf angeschossen. Vier der sechs abgeschossenen Kugeln trafen. Karry war ab 1970 hessischer Wirtschaftsminister und FDP Politiker. In der NS-Zeit kam sein Vater ins Konzentrationslager, Heinz-Herbert Karry wurde als „Halbjude“ verfolgt und zeitweise als Zwangsarbeiter verpflichtet.

Im Herbst 1977 fand die deutsch-palästinensische Solidarität während der Schleyer-Entführung seine Fortsetzung. Palästinenser entführten die Lufthansa-Maschine Landshut. Im Verlauf der Entführung entdeckte der Anführer Mahmud im Gepäck einer Mitreisenden einen Kugelschreiber und schlug auf sie ein. „Ich habe Juden hier an Board“ schrie er. Er hatte einen Montblanc-Kugelschreiber in der Hand mit einem weißen Stern auf der Kappe. Dass ist ein Judenstern, der Davidstern schrie er. Morgen werde ich diese Juden erschießen, sie werden sich am Morgen freiwillig melden. Ich stelle sie vor die Flugzeugtür und ich schieße ihnen von hinten in den Kopf. Die  RAF und die anderen „Kämpfer der Stadtguerilla“ tolerierten solche Formenantisemitischer Paranoia. Sie akzeptierten die Begeisterung der Palästinenser für Hitler.

1991 griff die RAF die amerikanische Botschaft in Bonn an und im Bekennerschreiben stand: Die RAF wollte damit gegen den Irakkrieg demonstrieren und nannte dabei den israelischen Premierminister Schamir in einem Atemzug mit Hitler. Die 3. Generation RAF verband kaum mehr eine politische Forderung mit ihren Taten. Im Dezember 1991 beteiligte sich die RAF mit einer arabischen „Bewegung zur Befreiung Jerusalems“  in Ungarn an einem Anschlag gegen einen Bus mit russischen Juden, die nach Israel auswandern wollten. Die Bombe verfehlte ihr Ziel nur knapp, so dass es nur vier, teilweise Schwerverletze gab.

Ab 1992 verüben die „Antiimperialistischen Zellen“ (AIZ) noch einige Anschläge. In ihren Strategiepapieren finden sich viele positive Bezüge zu islamischen Gruppen wie „Dschihad Islami“ oder die ägyptische „Gamaat Al-Islamia“. In diesen Schriften wird von einem „kritisch-solidarischen Verhältnis zu den revolutionär-islamischen Gruppen gesprochen. Nach Forderungen die AIZ aufzulösen traten die beiden im Februar verhafteten AIZ-Mitglieder Michale Steinau und Bernhard Falk während ihrer Untersuchungshaft zum Islam über. In seiner dreieinhalbstündigen Prozesserklärung forderte Steinau die Linke auf sich mit dem Islam zusammenzuschließen. Im September 1999 erklärte der zu 13 Jahren Haft verurteilte Berhnard Falk: „Jeden Tag, an dem ich gegen die Politk der USA, der BRD und den Zionismus politisch aktiv sein kann ist ein Geschenk von Allah“

Die RAF und alle anderen deutschen „Befreiungsbewegungen“ hatten keinen oder kaum Rückhalt in der Bevölkerung. Es war die Zeit als Willy Brandt Kanzler wurde und mehr Demokratie gewagt werden sollte und Arbeitnehmerrechte gestärkt wurden. Ihr Krieg war ein Krieg von 6 gegen 60 Millionen, wie Heinrich Böll es ausdrückte. Fast alle RAF-Mitglieder stammten aus bürgerlichen und großbürgerlichen Familien und fast alle hatten eine akademische Ausbildung oder einen akademischen Beruf. Ihr Krieg war ein Krieg aus den Palästen. Die linken Terroristen waren ihren „Vätern“ ähnlicher als Sie meinten, ihr Antisemitismus war das verbindende Band. Der linke Antisemitismus ist bis heute das Hauptproblem innerhalb der Linken geblieben. Für den Frühsozialisten Pierre-Joseph Proudhon (1809-1865) waren die Juden der Feind der menschlichen Art, die nach Asien verwiesen oder vernichtet werden muss und Mitglieder der Linkspartei verließen 2010 unter „Tod den Juden“-Rufen auf der Mavi Marmara den türkischen Hafen. Der linke Antisemitismus war und  bleibt Teil des antiimperialistischen Weltbildes. Alle Versuche diesen speziellen Antisemitismus auszumerzen scheiterten bisher.

Der deutsche Staat erst unter Helmut Schmidt, später unter Helmut Kohl reagierte auf die die Ermordung der Eliten mit aller Härte.  Der Rechtstaat wurde bis an die Grenze und weit darüber hinaus, von der Rasterfahndung über den Radikalenerlass bis zum Paragraphen 129a ausgereizt. Der Staat ging auf allen Ebenen gegen die RAF und deren Sympathisanten vor,  Verteidiger-Gespräche wurden abgehört und es gab  Lex RAF. Der Paragraf 129a StGB regelt bis heute das Strafmaß für Personen, die sich an einer „terroristischen Vereinigung“ beteiligen oder für sie werben. Alleine wegen der Mitgliedschaft einer „terroristischen Vereinigung“ gab es langjährige Gefängnisstrafen für RAF-Mitglieder.

1977 veröffentlichte anonym der Göttinger „Mescalero“ einen Nachruf auf Siegfried Buback, mit einer scharfen Kritik an der RAF, in dem von der „Strategie der Liquidierung“ gewarnt wird und steht, „Unser Weg zum Sozialismus kann nicht mit Leichen gepflastert sein“, aber er schrieb auch von einer  „klammheimliche Freude“. Unverzüglich wurde der Mescalero zur Fahndung ausgesetzt, rund 50 Hochschullehrer mussten sich erklären, es kam zu dienstlichen Anhörungen und der Professor Peter Brückner wurde suspendiert und linke Lehrer, Lokführer oder Postboten wurden aus dem Staatsdienst entlassen.

Die RAF,  und die „Revolutionären Zellen“ wurden besiegt weil der Staat mit aller Härte gegen sie vorging. Beim islamischen palästinensischen Terrors hat dies nicht den Anschein. Am 10. Februar 1970 versuchten AOLP-Kommandos der PLO in München Riem eine EL-Al-Maschine zu entführen. Dabei wird der Israeli Arie Katzenstein ermordet und elf weitere Passagieren werden schwer verletzt, darunter die israelische Schauspielerin Hanna Maron, um ihre Leben zu retten muss ein Bein amputiert werden. Am 17. Februar 1970 versuchte ein weiteres AOLP-Kommando am Flughafen München-Riem ein israelisches Flugzeug zu entführen. Die palästinensischen Terroristen werden mit ihren geladenen Schusswaffen und Handgranaten verhaftet.  Am 21. Februar verüben in Deutschland lebende palästinensische Attentäter einen Paketbombenanschlag auf ein österreichisches Flugzeug, dass in Frankfurt am Main um 10.39 Uhr startete. Die Bombe explodiert noch im Steigflug, so dass es dem Piloten der Maschine gelingt umzukehren und am Flughafen Frankfurt ohne Verletzte notzulanden. Die nachfolgenden Ermittlungen ergaben, dass die Bombe eigentlich einer EL-Al Maschine gegolten habe die sich von Frankfurt in Richtung Tel Aviv bewegte. Keiner der palästinensischen Terroristen kommt vor ein Gericht, die deutschen Behörden schieben die Mörder nach wenigen Wochen in diverse ölreiche arabische Länder ab, wo sie für ihre „Heldentaten“ freundlich empfangen werden. Ohne Israel zu informieren wurden die überlebenden palästinensischen Terroristen des Olympiamassakers gegen Passagiere und Besatzung der dubios entführten Lufthansa-Maschine „Kiel“ ausgetauscht.

Nach den islamischen Anschlägen von Paris besuchte Heiko Maas eine Moschee und der islamische Attentäter von Breitscheidplatz, Anis Amri beantragte unter mindestens vierzehn verschiedenen Alias-Namen Asyl oder Sozialleistungen. Auf dem jährlichen Al-Quds-Tag in Berlin wird ungestraft „Tod, Tod, Israel!“, „Sieg Heil“ und „Israel, Israel feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein!“ gerufen. In deutschen Moscheen predigen Imane wie Abu Bilal Ismail ohne den Paragrafen 129a StGB fürchten zu müssen: “Oh Allah, zerstöre die zionistischen Juden. Zähle sie und töte sie alle”. Gegen Ende seiner Predigt betet er, dass „Allah alle Juden vernichten möge.“  Die Hisbollah, die Muslimbruderschaft und viele andere islamische Terrororganisationen sind in Deutschland nicht einmal verboten, der Paragraf 129a StGB wird auf die tausenden islamischen Gefährder nicht angewandt.  –  Warum nur?

 

Quellen: Jan Gerber – Schalom und Napalm | Hans-Joachim Klein – Rückkehr in die Menschlichkeit | Peter Brückner – Über die Gewalt | Klaus Stern, Jörg Herrmann – Andreas Baader, Das Leben eines Staatsfeindes | Bo Cavefors – RAF Texte | Wolfgang Kraushaar – Die Bombe im Jüdischen Gemeindehaus | Wolfgang Kraushaar –  „Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?“ |  Wolfgang Kraushaar –  Die blinden Flecken der RAF

Gleichzeitig veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

9 Kommentare leave one →
  1. 16. April 2020 16:17

    „Nachdem Heinz Galinksi gewarnt war, wurde stattdessen im Juni 1978 ein Anschlag auf die israelische Import-Gesellschaft Agrexco agricultural verübt, weil laut Revolutionären Zellen Israel aus den Gewinnen des Obstexportes der „Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser“ finanziert wird. Alle Genossen wurden in Flugblättern und antizionistischen Schriften dazu aufgefordert Boykottkampagnen gegen israelische Waren zu initiieren.“

    Das haben sich viele GenossInnen bis heute zu Herzen genommen. Von Roger Waters bis hin zu den „Damen“ des „Freitags“ und anderswo.

    Gefällt 2 Personen

  2. 16. April 2020 20:52

    Warum Israel?
    Claude Lanzmann!

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  3. Paul May permalink
    17. April 2020 12:24

    Die Liste ist lang. Ruth Fischer von der KPD fällt mir noch ein. Corbyn hat aber nun endlich abgedankt. Gruselig.

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    • 17. April 2020 12:50

      Gruselig. Sitmmt. Ergänzend sei zu Ruth Fischer gesagt:

      Auf einer KPD-Veranstaltung, zu der »besonders die völkischen Gegner« eingeladen waren, hatte Fischer, Mitglied der Parteizentrale, des späteren Zentralkomitees, 1923 ihr Publikum mit den Worten zu gewinnen versucht: »Sie rufen auf gegen das Judenkapital, meine Herren? Wer gegen das Judenkapital aufruft, meine Herren, ist schon Klassenkämpfer, auch wenn er es nicht weiß. Sie sind gegen das Judenkapital und wollen die Börsenjobber niederkämpfen. Recht so. Tretet die Judenkapitalisten nieder, hängt sie an die Laterne, zertrampelt sie. Aber meine Herren, wie stehen Sie zu den Großkapitalisten, den Stinnes, Klöckner … ?«

      Ruth Fischers Argumentation unterschied sich vor allem durch die drastische Wortwahl von dem, was zur gleichen Zeit in der Roten Fahne zu lesen war. Im Sommer 1923 diskutierten dort Karl Radek, der Vertreter der Kommunistischen Internationale (Komintern) in Deutschland, und andere KPD-Vertreter mit dem bekannten Nationalsozialisten Ernst Graf von Reventlow. Radek gab Reventlow recht, dass die deutschen Industriebosse »mit den jüdischen Kapitalisten zusammen Deutschland« beherrschten, und versprach, sofern die kommunistischen Arbeiter mit den nationalistischen kleinbürgerlichen Massen vereint kämpften, »ein Ende der Herrschaft der beschnittenen und unbeschnittenen Kapitalisten«. Paul Frölich, der spätere Biograph Rosa Luxemburgs, zitierte Reventlows Aussage zustimmend: »Der Volksstaat soll an Vollbürgern alle Arbeitenden und arbeitsunfähig Gewordenen begreifen, aber nur sie. Die übrigen sind Drohnen, somit Schädlinge.«

      https://jungle.world/artikel/2011/28/43608.html

      Gefällt 1 Person

  4. 21. April 2020 09:21

    Es ist immer wieder verstörend und erschütternd zugleich all diese historischen Fakten zu lesen, obwohl ja kaum was Neues dabei ist und all diese Dinge längst bekannt sind. Es ist eine Studie in Fehlleistungen, Irrsinn und Geisteskrankheit, wenn man sich diese Dineg vor Augen hält.
    Eine der am meisten verstörenden Tatsachen ist für mich jedoch Ulrike Meinhofs Eloge auf den Münchener Olympia Anschlag. Die Phantasie, dass Israel eine „Ausrottungspolitik“ betreiben würde ist ja für sich schon wahnsinnig, aber was mich am meisten irritiert ist, dass Meinhoff zeitlich recht nahe an den Geschehnissen gewesen ist. Die Olympiaterroristen nannten sich „Kommando Schwarzer September“ und was ist der „Schwarze September“? Der von Yassir Arafat und der PLO 1970 angezettelte Aufstand in Jordanien gegen das dortige Königshaus. Die jordanische Armee bombardierte daraufhin palästinsische Flüchtlingslager und vertieb die PLO in den Libanon, wo diese den furchtbaren Bürgerkrieg und eine folgenreiche isarelische Militärintervention provozierte, die das Land bis heute destabilisiert und den Aufstieg der iranischen Proxy Miliz Hisboallah mitzuverantworten hat.

    Während des „Schwarzen September“ starben laut Wikipedia an die 40.000 Palästinenser. (Ich dachte, bevor ich nachgesehen habe, es wären etwa 20.000 gewesen.)

    Kein einziger linker Agitator und eben auch Ulrike Meinhof hat jemals die jordanische Armee der „Ausrottungspolitik“ bezichtigt oder auch nur daran gedacht, die innerarabische Politik für die Lage der Palästinenser zu kritiseren. Nichts davon hat jemals auch nur ansatzweise Eingang in das linksextreme Narrativ über den Isarel-Palästine Konflikt gefunden. Es ist, als ob diese Leute das absichtlich machen. (Das war ironisch gemeint.)

    Das ist kompletter Irrsinn und Ausdruck einer Geisteskrankheit, die ein deutscher Terrorist nicht ganz zufällig als „Judenknacks“ bezeichnet hat. Man wird in der Öffentlichkeit und in den medialen Diskursen immer wiedre neu darauf hinweisen müssen, dass es Antismeietn noch nie um Palästinenser gegangen ist (nicht einmal den Palästinensern selbst geht es um die Palästinenser), sondern nur darum Juden zu vernichten.

    Gefällt 3 Personen

    • 21. April 2020 16:59

      Stimmt, das ist immer wieder erschütternd und eigentlich kaum zu glauben. Nur wenn Israel einem Palästinenser auch nur ein Haar krümmt sind diese Leute fassungslos. 40.000 Tote Palästinenser durch den jordanischen König sind der Rede nicht wert. Beispiele gäbe es Unzählige weitere.

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