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Highlights 2: Völkische Biologisten in der FC – Gesellianer unter uns

18. November 2010
Das aktuelle Blog „Grünbraun ist die Eso-Nuß – Barbara Rütting“ von h.vannna sorgt derzeit für Furore im Freitag. Die Kommentare sind entlarvend, wie wir es von den „Komikern“ gewohnt sind, obwohl sich „thinktankgirl“ noch nicht zu Wort gemeldet hat. Am 13.10.2010 | 21:44 stellte  der Freitagsblogger h.vannna ein Blog, mit dem Titel, „Völkische Biologisten in der FC – Gesellianer unter uns“,  als Antwort auf thinktankgirls völkische, sozialdarwinistische Ansichten in der Freitagscommunity ein, bereits zuvor hatte h.vannna diesen Text als Kommentar in J-APs Blog eingebracht. Während der Kommentar stehen bleiben durfte, löschte die Redaktion das Blog von h.vannna bereits nach einem Tag, nachdem Freitagsblogger „luggi“ als ersten Kommentar  am 13.10.2010 um 21:58 schrieb: „Hier hilft nur kein weiterer Kommentar oder JJK, für die Gesellen des Antigsell.“ Hier also, aus aktuellem Anlass,  der zensierte  Text von h.vannna:

@thinktankgirl schrieb am 30.09.2010 um 15:49:

„Damit lag er (Silvio Gesell) völlig im Trend seiner Zeit. Es soll heute sogar noch Menschen geben, die das Muttersein als edelste Aufgabe der Frau sehen.“ Stimmt, z.B. Eva Hermann und Konsorten, Gesellianer und sonstige Sozialdarwinisten/Biologisten/völkische Schamanen vom Schlage Steiners & Co. Der Biologismus auch eines Irenäus Eibl-Eibesfeldts (unehelicher Gänsesohn des Ganzheitsvaters und NS-Rassenkundlers Konrad Lorenz), der wiederum für die pseudowissenschaftliche Glasur von Sarrazins brauner Scheiße sorgte, ist Teil eines der wichtigsten „Think-Tanks“ der Neuen Rechten. Eva Hermanns „Prinzip Arche Noah“, Sloterdijks „Menschenparks“ und die „natürliche Zuchtwahl“ der Eugenik-Experten, die sich neuerdings „Humanethologen“ und „Flirtforscher“ nennen, haben einiges gemeinsam. Wer auf Gesell abfährt, hat auf einem sich als „linksliberal“ verstehenden Forum nix verloren – außer Werbe-Gesellenbriefen für rechte Anarchisten und / oder Ökofaschisten. Gesells „Eden“, das 1938 von den Nazis mit einem „Gaudiplom“ für „hervorragende Leistungen“ als „nationalsozialistischer Musterbetrieb“ ausgezeichnet wurde, mauserte sich just in der Zeit seines Wirkens dort zum Hort von völkischem und neuheidnischem Gedöns. Der Trend der Zeit, in dem „Thinktankgirl“ sich als Trendsetterin bewegt, geht zu den Zwischengrößen-Nazis und Anpassungskünstlerinnen mit lebensreformerischen Ansätzen – morbide German Dance-Queens, okkultistische Spinner, Patrioten und Bellizisten, heimwehkranke Heimatschriftstellerinnen, die sich mit dem Nazi-Regime arrangierten, Maler, die der NSDAP schon 1932 beitraten, deren esoterische Pinselführung aber später von den Nazis nicht gebührend goutiert wurde etc. Fehlt nur noch Mussolin-Fan Ezra Pound, der ebenfalls für Gesell schwärmte. Auf der Suche nach verzauberten Bergen, im Unkonkreten wurzelnden, sakralen Plätzen und politisch korrekten Zwischengrößen-Nazis entgeht den Gesellianerinnen beim Durchforsten der Vergangenheit kein noch so geringer Anhaltspunkt, der die Reinheit der braunen Kletterwesten ihrer Idole bescheinigen könnte. Wie die Verteidiger Steiners dabei aber notgedrungen Teile von Steiners esoterischem Werk enthüllen müssen, so kommen auch die Verteidiger Gesells nicht drum herum, die wenig edlen Teile ihres Meisters zu thematisieren, obwohl Okkultisten jeder Couleur das Tabuisieren natürlich vorziehen. Droht jemand, an der Fassade des errichteten Tabus zu kratzen, folgt der Ruf nach eingreifenden Autoritäten und die Drohgebärde auf dem Fuß, wird der Gesellenbrief zum Drohbrief: „Du wirst dementierst das SOFORT oder du kriegst Ärger! Und ich glaube nicht, daß die FC und die Moderation Bock darauf haben, Zeit wegen dir zu verschwenden. Also mach es kurz und schmerzlos: Laß das Post löschen.“ So kurz, so schmerzlos auch ihre Nächstenliebe, etwa wenn Gegnern/Skeptikern einer bürgerwehrartig propagierten „Zivilcourage“ buchstäblich Gewalt an den Hals gewünscht wird: „Aber ehrlich gesagt, wünsche ich Euch, daß Ihr zuerst für ein paar Minuten den Geschmack der Angst kennenlernt, wenn Ihr in der Scheisse steckt und keiner Euch helfen will. Und wenn Ihr die Angst kennengelernt habt, dann reden wir nochmals über Euer Spiesser-Idyll.“ Sachliche Diskussion geht so: „Sachma Süsser, haste eigentlich ne Sprung in der Platte? Brauchste nen Klaps aufs Gehäuse, damit die Nadel mal ne Rille weiterspringt?“

Denn, wie es anderer Stelle, wo stramme Katzen-Kerls Ratten apportieren heißt: „Unter uns Katzen: Die Redaktion vertraut auf die Selbstheilungskräfte dieses Forums“ soll heißen:

Lästige Kritiker sind eine Krankheit, von denen der gesunde Volkskörper der ganzheitlichen kleinen, virtuellen Dorfgemeinde sich kurieren möge. Es lebe der ganzheitliche Anspruch eines faschistoiden Organizismus. Wie ja auch die „natürliche Wirtschaftsordnung“ sich qua „Evolution“ und knallhartem Leistungswettbewerb einstellt, wogegen „die Fortpflanzung der Fehlerhaften“ (Gesell) durch das „große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“ verhindert wird, und Revolution überhaupt verhindert werden soll. Thinktankgirl schreibt: „Gesells Hochzucht betrifft das ganze Menschengeschlecht und dahinter verbirgt sich die Entwicklungsidee des Hegelschen Weltgeistes, der sein biologisches Pendant in der Darwinschen Evolutionstheorie gefunden hatte, die wiederum Gesell und seine Zeigenossen beeinflusst hatte.“ Da sind wir doch gleich bei der Ideologie so deutscher Anwälte wie dem Rechtshegelianer Horst Mahler und dem Volksgeist/Wurzelrassen-Fan Otto Schily, der arimanische und luziferische Elemente in der Politik bekämpfte… So weit Gesell, der auf diesem Blog nichts zu suchen hätte, wäre nicht unter der Rubrik „falsch verstandene völkische Vordenker des NS waren eben Kinder ihrer Zeit“ eine Kleinanzeige mit Werbung fürs völkisch-esoterische Gewerbe geschaltet worden.

Thinktankgirl ergriff die Gelegenheit, Gesell mittels Kant als Zeitgeist-Kind rein zu waschen, beim Schopf und stellte eine entsprechend umfangreiche Leseliste (auf der das Buch einer Eso-Spinnerin über den Eso-Spinner C.G. Jung natürlich nicht fehlen darf) zusammen, die „beweisen“ soll, dass der Rassismus der Rassisten und der Antisemitismus der Antisemiten keiner war. Zum Schluss fällt ihr dann eine Kapazität ein, die unter anderem das rein affirmative Vorwort zu „Rudolf Steiner – Essential Writings“ schrieb: „Ach, ich habe ganz vergessen die Bücher aufzuzählen, die ich in den letzten 6 Monaten zu dem Thema rund um die Wurzeln der Nazi-Ideologie/Reformbewegungen/Ariertum etc. an- oder ganz gelesen habe: Goodrick-Clarkem, Nicholas: The Occult Roots of Nazism: The Ariosophists of Austria and Germany, 1890-1935. Aquarian Press, Wellingborough, New York 1992 Goodrick-Clarkem, Nicholas: Hitler’s Priestess: Savitri Devi, the Hindu-Aryan Myth and Neo-Nazism. NYU Press, New York 1998 Mees, Bernhard Thomas: The science of the Swastika, 2008 Monyk, Elisabeth: Zwischen Barbarenklischee und Germanenmythos, 2006 Olender, Maurice: Race and Erudition, 2009 Und wenn ich mich richtig erinnere, ist der Herr Silvio Gesell da nirgends als Wegbereiter des Antisemitismus noch des Nationalsozialismus aufgetaucht. Breitenberger, wie gesagt, ein Zweitbuch wäre eine ganz nützliche Investition für dich.“ Erstaunlich (oder auch nicht, bei solcher Interessenlage), dass der als „seriös“ gehandelte Verteidiger Rudolf Steiners Nicholas Goodrick-Clarke bei „Aquarian Press“ veröffentlicht, allerdings ohne „m“ dahinter. Welches Eso-Schweinderl hätten’s denn gern von dort? www.aeclectic.net/tarot/cards/aquarian-press.shtml Nicht verwunderlich also, dass Silvio Gesells „natürliches Gefühl völkischer Zusammengehörigkeit“, veredelt durch die „natürliche Auslese“ des Kranken und Schwachen, und schließlich die „freie Zuchtwahl“ bei Goodrick-Clarke offenbar keine besondere Erwähnung finden, dessen Werk ja durchaus auch für Krimi- oder Esokrimi-Leserinnen attraktiv sein kann. Die nach der Niederschlagung der Rätebewegung 1920 veröffentlichte „Verteidigungsrede“ Gesells wurde in der Print-Version der damaligen Holzmedien übrigens eingeleitet von einem Zitat aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“, und zwar des „jüdischen Wucherers“ Shylock: „Dies ist der Narr, der Geld umsonst auslieh! Acht auf ihn, Schließer!“ Den Lesern dieser vor völkisch-nationalem Pathos triefenden „Verteidigungsrede“ und überdeutlichen Distanzierung von der Rätebewegung war also ganz klar, gegen wen und was der werte Silvio Gesell wetterte, wenn er seine „Ablehnung der Zinsknechtschaft“ formulierte, die er als „Sünde gegen das Volkstum“, gegen die „Rasse“ verständlich machte. Sie erfuhren auch, dass Gesell nur aufgrund seiner völkischen Sympathien für eine knappe Woche mit dem roten Pack kooperiert hatte, und auf wessen Seite er jetzt (während andere zum Tode oder – wie Mühsam – zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden) stand, wenn er die „Führerlosigkeit“ der Münchener Arbeiter beklagte, die so gezwungen waren, auf „Rassefremde“ zurückzugreifen. Denn schließlich bewirkt eine „Teilung“ des Volkes Gesell zufolge „völkischen Verfall“… In Gesells sozialdarwinistischem Fantasy-Roman „Der abgebaute Staat“ geht es um „Schutz der Rasse“, Förderung der Hochzucht, die Vermeidung von „Mißehen, „deren Produkte nun die Kranken- und Zuchthäuser füllen“, und bietet Gesell mittels „statistischer Erhebungen“ einen Überblick über die hohen Kosten, die „die Produkte der Unzucht verursachen“. Entsetzlich ihm zufolge, „wieviel wir jährlich ausgeben für das Armenwesen, die Krankenpflege, die Blinden-, Irren-, Zucht- und Waisenhäuser“, denn nach „100jähriger Fehlzucht“ will Gesell keine „hohlbrüstigen Jünglinge, keine bleichsüchtigen Mädchen um uns sehen. Wir wollen Geist, Gesundheit, Schönheit, Kraft und Lebensfreude“ (nachzulesen bei Jutta Ditfurth, „Entspannt in die Barbarei“, S. 86).

By the way: Wie entspannt die Gesellianer wie Klaus Schmitt (Autor des Pamphlets „Entspannen Sie sich, Frau Ditfurth) mit Kritik umgehen können (Gaspistole) erwähnt Ditfurth in Bezug auf einen Vortrag Peter Bierls dort auch… Gesell war das schreibende Pendent zum „sozialhygienischen“ Film der Weimarer Zeit als Vorläufer des explizit „rassehygienischen“ der Nazi-Zeit – siehe etwa „Erbkrank“ oder „Das Erbe“ von 1935, bzw. wuchtigen Übermenschen-Schinken wie „Wege zu Kraft und Schönheit“ (1925) von Nicholas Kaufmann, der ein paar Jahre zuvor schon mit trickreichen Statistiken „Die Folgen der Hungerblockade auf die Volksgesundheit“ (1919/1921) angeprangert hatte, und dessen Karriere bei der Ufa in der NS-Zeit als Leiter der „Kulturabteilung“ steil nach oben ging… Aber im Grunde reicht doch schon, Titel wie „Die natürliche Wirtschaftsordnung“ zu lesen, um zu erkennen, dass Sozialdarwinismus und Biologismus im üblichen Jargon der Eigentlichkeit dargeboten werden, programmatisch darin angelegt sind, ohne es auch noch aufklappen zu müssen.

Alles Krimis für die Katz – und ihre nach rechts schielenden GesellInnen mit Narrenfreihet.

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Weiterführende Informationen:

Silvio Gesell und der Freitag

Thilo Sarrazin und Silvio Gesell

Was heute reaktionar erscheint war damals emanzipatorisch

Silvio Gesell ist kompatibel mit NS-Lebensborn und Mutterkreuz

Evergreens 5: Das „SS-Zuchtprogramm“ Lebensborn e.V.

 

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55 Kommentare leave one →
  1. 18. November 2010 22:15

    Eine spannende Frage ob die Gesellianerin thinktankgirl noch einsteigen wird. Wenn sie sich nicht hinter „Emma in Uniform“ verbergen sollte, gibt es noch Hoffnung.

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    • Sahar permalink
      20. Mai 2012 21:30

      „Hat Herr Stöcker ein Recht die Juden zu verfolgen? Ist nicht das Geld eine öffentliche Einrichtung? Kann nicht jeder, wenn er dazu befähigt ist, den Juden Konkurrenz machen? Die Judenhetzerei ist eine kolossale Ungerechtigkeit und eine Folge einer ungerechten Einrichtung, eine Folge des heutigen Münzwesens. Wo Aas ist, da versammeln sich die Adler. Will man die Adler vertreiben, so braucht man die Lockspeisen nur vortzuschaffen und die Adler werden von selber verschwinden, ohne dass es nötig ist nur einen einzigen zu töten. Die Münzreform macht es unmöglich, dass jemand erntet ohne zu säen, und die Juden werden durch dieselbe gezwungen werden, die Verwertung ihrer großen geistigen Fähigkeiten nicht mehr im unfruchtbaren Schacher zu suchen, sondern in der Wissenschaft, Kunst und ehrlichen Industrie. Die Münzreform schützt die Juden nicht
      allein vor jeder weiteren Verfolgung, sondern sie sichert auch der deutschen Wissenschaft und Gesetzgebung die Mitwirkung des jüdischen Scharfsinnes.“ S. Gesell (1891), Band 1, Seite 140 bis 141

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      • Der Bassist permalink
        20. Mai 2012 22:10

        Dieser Gesell hat´s echt drauf, für Nichtleser, Nichthistoriker. Für Nichtswissenwoller. – Aber wen interessieren schon Kontexte …

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        • Sahar permalink
          20. Mai 2012 22:24

          Die Infanteristen der Operation Thunderbolt offensichtlich nicht!

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        • Sahar permalink
          21. Mai 2012 16:12

          Wer nicht in der Lage ist, zwischen dem was ursprünglich gefordert wurde und dem was dann entsetzlicher Weise daraus gemacht wurde, dem ist nicht zu helfen. Ist der sog. „Wichtigste Programmpunkt der NSDAP“ die Einführung der Freiwirtschaft umgesetzt wurden? Nicht das ich wüsste, es gab offensichtlich kein wirkliches Interesse der Nazis es in die Wirklichkeit umzusetzen. Nicht auf der Freiwirtschaft wurde das menschenverachtende Deutsche Reich aufgebaut! Zum Glück, denn Freiwirtschaft und Nationalsozialismus sind unvereinbar.

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  2. 18. November 2010 22:47

    Jutta Ditfurth schreibt in ihrem Buch „Entspannt in die Barberei“ auf Seite 89:

    „Silvio Gesell verbrachte – allem Leugnen seiner heutigen Fans zum Trotz – seinen Lebensabend in einer völkisch-rassistischen, antisemitischen Kommune, die schon vor Durchsetzung des NS Faschismus einige seiner zentralen Elemente zu ihrem Inhalt gemacht hatte. Wie alle ehemals linken AnhängerInnen völkischer Ideologie behaupten auch die AnhängerInnen Silvio Gesells, dessen eugenische und sozialdarwinistische Positionen würden sich aus jener Zeit erklären, als wären antisemitische, völkische, eugenische und sozialdarwinistische Positionen damals etwas „Natürliches gewesen. Diese Rechtfertigungen geben erstens Aufschluss über die historische Unwissenheit oder Unehrlichkeit derjenigen, die sie gebrauchen.“

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    • Sahar permalink
      20. Mai 2012 21:30

      “Jedem Menschen soll die ganze Welt gehören. Das Weltbürgerrecht muss proklamiert werden.” “Das Recht, das wir den Vögeln und dem Wind einräumen, müssen wir allen Menschen einräumen.” S. Gesell (1914) Band 8, Seite 192

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  3. 19. November 2010 09:58

    Peter Bierl war Redakteur der Zeitschrift „ÖkoLinX“ und schrieb 1994 eine Kritik an Silvio Gesell und seiner Freiwirtschaftslehre. Vor und nach der Veröffentlichung bekam die Redaktion aggressive Post von Gesellianern, darunter ein Bernd Kramer. In Kramers Verlag erschien das Buch von Klaus Schmitt, „Silvio Gesell. „Marx“ der Anarchisten“ mit dem Co-Autor und Nationalrevolutionär Günter Bartsch, Mitglied der „Neuen Rechten“. Diese “nationalrevolutionäre“ Strömung bezieht sich auf den „solidarischen Flügel“ der „Nationalrevolutionäre“ des NS-Faschisten Otto Strasser.

    1994 hält Peter Bierl ein Referat über Gesell im Berliner Cafe El Locco. Im Publikum befindet sich Klaus Schmitt, der in Berlin die „Knochengeldinitiative“ gründete, mit Freunden und versucht die Veranstaltung zu stören und zu sprengen. Die Mehrheit in der Veranstaltung will mit Bierl den Saal wechseln. Schmitt und seine Anhänger laufen hinterher. Er darf nicht mit in den anderen Raum, darauf zückt Schmitt eine Gaspistole und richtet sie auf die Umstehenden. Nach einigen Minuten verschwindet Schmitt.

    Dieses aggressive Verhalten, die Unfähigkeit zu Diskutieren, das Verlangen jede Diskussion zu verhindern ist typisch für Gesellianer, Anthroposophen und ähnliche Esoteriker. Sehr gut war dies ebenfalls in meinen Blogs im Freitag, personalisiert durch „thinktankgirl“, „Rahab“, „Luggi“, „Columbus“, Uwe Theel und der Freitagsmoderation/Redaktion zu beobachten! Das Löschen des h.vannna-Blogs und der Rauswurf von „thinktankboy“ belegen und verstärken meine These.

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  4. 19. November 2010 10:39

    Jutta Ditfuth schreibt über Gesells Theorien :“ Freiland, Freihandel und Freigeld bilden zusammen die Elemente einer „natürlichen Wirtschaftsordnung“. (..) Der Kranke und der Schwache hat keinen Platz in Gesells sozialdarwinistischer Vorstellungswelt. Die „Fortpflanzung der Fehlerhaften“ gelte es durch „das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“ zu bekämpfen. Zu diesem Zweck, allein wegen ihrer besonderen biologischen Funktion im Gesellschen Hochzuchtprogramm, soll die fruchtbare Frau den Zugriff auf Grundrente und Boden nach Zahl ihrer Kinder erhalten, nicht weil, wie Klaus Schmitt schwätzt, Gesell der erste “Anarcho-Feminist“ ist.“

    Gesell betont die Züchtung von „Kraft, Gesundheit, Schönheit“ als gesellschaftliches Ziel. Frauen haben sich dem unterzuordnen, Verhütung ist schlecht, weil es dann an „menschlichem Auslesematerial“ mangelt. Das „Überbevölkerungsproblem bereitet Gesell Kopfzerbrechen. Weil Frauen länger nach geeigneten Männern suchen gibt es weniger Geburten und nur die „Lebensbejahenden“ Kinder bekämen. Alle übrigen Frauen ließen sich, nach Gesellscher Theorie sterilisieren und wären lohnabhängig. „Doch nach seiner sozialdarwinistischen Logik stürben diese Frauen aus, und nur die „lebensbejahenden“ pflanzten sich fort, so dass die Gefahr einer künftigen Überbevölkerung“ zu befürchten sei“, schreibt Jutta Ditfurth.

    In seinem Buch, Der abgebaute Staat, verlangt Gesell den „Schutz der Rasse“ und die „Förderung der Hochzucht“. „Mißehen“ seien zu vermeiden, „deren Produkte nun die Kranken- und Zuchthäuser füllen“. Gesell klagt über den „Rasseverfall“, gegen den er „das große freie Zuchtwahlrecht“ der Frau empfiehlt. „Wie jeder miese NS-Rassenhygieniker“, schreibt Jutta Ditfurth, “stellt Gesell „statistische Erhebungen“ (..) über die Kosten, die die Produkte der Unzucht verursachen“, an, entsetzlich sei, „wie viel wir jährlich ausgeben für das Armenwesen, die Krankenpflege, die Blinden-, Irren-, Zucht- und Waisenhäuser (..)“ Nach einer hundertjährigen Fehlzucht“ will er keine „hohlbrüstigen“ Jünglinge, kleine bleichsüchtigen Mädchen um sich sehen. Wir wollen Geist, Gesundheit, Schönheit, Kraft und Lebensfreude (…)““

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  5. 19. November 2010 11:46

    Nach der Niederschlagung der Rätebewegung 1919 wird Gesell verhaftet. Er war für 7 Tage „Volksbeauftragter für Finanzen“ .Der Nationalbolschewist“ (Nationale Sozialisten)und spätere „Hitler-Kritiker von rechts“, Ernst Niekisch hatte ihn dazu berufen. Während andere hingerichtet wurden oder zu langen Zuchthausstrafen verurteilt wurden, kam Silvio Gesell frei. Hier Auszüge aus seiner Rede:

    „Dass diese Räteregierung mich als Finanzmann erwählte, war für mich ein Beweis, dass es sich nicht oder noch nicht um Bolschewismus oder Kommunismus handelte. (..) und ich sah die Wahrscheinlichkeit, dass nach vollzogenem Heilschnitt der Landtag die Kräfte wiedergewinnen würde, um das Regiment ohne weitere Hilfe weiterführen zu können (..) Volksbeauftragter einer Räteregierung zu sein, deren Ziel wahrscheinlich meinen Bestrebungen geradewegs widersprach (..) Und ist es nicht gerade auch heute das, was Bayern braucht, einen Finanzminister, der ohne Rücksichten sich sachlich einstellen kann und, ohne nach links und rechts zu schielen, den geraden Weg geht? Der Starke ist ja immer am mächtigsten allein. Ich greife das Kapital nicht mit Gewalt an – mit Streik und Betriebshemmung, mit Sabotage. Ich greife es mit der einzigen Waffe an, die dem Proletariat angeboren ist, mit der Arbeit. (..) Es heißt hier, sich nicht bequem im Hintergrund zu halten und abwarten, sondern Opfer bringen für die erstrebten Hochziele (..) damit alle im Volke sich brüderlich geeint fühlen. Denn eine Teilung des Volkes in hohe, mittlere und niedere Schichten bedeutet völkischen Verfall. Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, dass er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut. Der wahrhaft völkisch gesinnte Mensch, der den Klassengeist hasst und ein schönes Volksleben sehen möchte – wie man vielleicht ahnen kann, aber noch nie erlebt hat, – der verlässt Vater, Mutter und Standesangehörige, um zu denen zu stoßen, die an der völkischen Auflösung nur leidend mitwirken, zum geknechteten, ausgebeuteten Proletariat. (..) Sie brauchen als Vorspann einen ungebrochenen Hengst, keinen Parteiklepper, mich brauchen Sie! (..) Und nun da mich das Proletariat aufforderte, sollte ich mich, mein ganzes Leben verleugnen, sollte ich das Proletariat verraten? (..) weil ich zureichenden Grund für die Annahme habe, dass es meinen nun schon zahlreichen und weit verbreiteten Freunden gelingen wird, die Arbeiterbewegung von den kommunistischen Zielen ab auf die Bahn der vorrechtslosen Freiwirtschaft zu lenken (..) Irgendein Verrat an Parteibestrebungen lag hier nicht vor. Niekisch und Landauer, die meine Wahl vorgeschlagen, wussten, was sie taten, wussten dass ich keine Puppe bin. (..) Sie kannten meine Ziele, die den Kapitalismus, die Zinsknechtschaft bekämpfen, aber eben so sehr den Kommunismus die Gemeinwirtschaft (..) Die Arbeiter, und gerade die tüchtigeren, streben nach Freiheit; Zwang und Bevormundung haben sie genug zu kosten bekommen (..) (Silvio Gesell-Gesammelte Werke, Band 12, S.25)

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  6. derSamstag permalink
    19. November 2010 16:05

    Diese Freitags Community besteht aus vielen ganz „armen Tröpfen“ und einigen „durchgedrehten“ BloggerInnen. Ich frage mich, wer ist schlimmer, diese BloggerInnen oder die Verantwortlichen? Wenn ich mir die Auffassungen dieser „Eva Hermänner“, wie thinktankgirl oder Rahab vor Augen führe, wenn ich lese was Blogger in h.vannas Blog „auswerfen“ wird mir übel. Wenn bei Aussagen wie, „Schutz der Rasse“, Förderung der Hochzucht, die Vermeidung von „Mißehen, „deren Produkte nun die Kranken- und Zuchthäuser füllen“, „der wahrhaft völkisch gesinnte Mensch, der den Klassengeist hasst und ein schönes Volksleben sehen möchte“, nicht die Alarmglocken hochrot aufleuchten, wann denn bitteschön sonst? h.vannna schrieb am 19.11.2010 um 14:58: @Uwe Theel ist ein alter Diskurs-Trapper, der sich nichts vormachen lässt, wenn er mal die Fidelche-Fährte aufgenommen hat – er erkennt „das Chamäleon“ in jeder seiner Verkleidungen, und entlarvt „alte fidelche Trick[s]“, die nur „scheinbare“ Diskussion sind – auch wenn zunächst gar keine „Diskussion“ „initiiert“ werden sollte, sondern lediglich Informationen, an die sich eine Diskussion hätte anschliessen können, in den Raum gestellt. …weiterlesen..

    Wie lange hält es h.vannna in diesem Forum noch aus? „Perlen vor die Säue“, wäre eine maßlose Untertreibung!

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  7. Silvia permalink
    19. November 2010 21:37

    Rahab schrieb am 19.11.2010 um 16:56 „@h.vanna für den hausgebrauch reichen mir die menschenrechte die an den ausgangsblog angelegt … na ja … wie wär’s mit umschreiben?“

    Die Diskussion passt Rahab überhaupt nicht. Viele ihrer „Schäfchen“ kömmen ganz schlecht weg bei den Kommentaren!

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  8. 19. November 2010 23:23

    Soeben(23:15) schrieb ich folgendes Lob an h.vannna im Freitag:
    @h.vannna am 19.11.2010 um 14:58
    Da gibt’s nichts umzuschreiben, h.vannna. Die Kritik an der Kulturindustrie und der Infantilgesellschaft ist gelungen. Das die „Hörnchen vom anderen Stern“ im eigenen „Futterhäuschen“ wieder mal „Party feiern“ können, ist nicht zuletzt den „Kommentaren“ von „Rahab“ und „Uwe Theel“ geschuldet. Nochmals, vielen Dank für ihren herausragenden Text. Das esoterische, antiemanzipatorische und alles in allem ziemlich unappetitliche Tohuwabohu wurde sehr schön aufgezeigt.

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  9. 20. November 2010 23:30

    Ich muss ja mal einwerfen, dass ich eben mal wieder Zeuge einer guten Menschenzucht geworden bin. Besagte Rasse trinkt gerne Bier in schlanken Gläsern mit einem roten Wappen darauf, isst Bauernpfannen oder Hämchen, hockt dazu in Kellern rum und raucht einfach so vor sich hin, ohne, dass sich nichtrauchende Volksgenossen daran stören. Sie gehen locker mit Artfremdem um (sie akzeptieren sogar Franken, wovon ich Zeuge werden durfte) und ermöglichen Jedem die Integration, so er denn möchte – und wenn er nicht möchte, wird er eben kurzerhand assimiliert. Man nennt die Rasse Kölner. Zum Vergleich werde ich nun wieder nach Berlin fahren und überprüfen, ob man dort etwas gelernt hat. Ich befürchte jedoch…

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    • 20. November 2010 23:45

      Es gibt auch gute Berliner…

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      • 21. November 2010 11:03

        Ja natürlich, durchaus. Ich meinte auch nur die Hot-Spots.

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        • Lilo permalink
          21. November 2010 13:31

          Hallo, Tiefscharf – die Nostalgie überwältigt mich angesichts Deines Berichts: Ach, was war das in Köln so schön!

          Kaum zu glauben: 40 Jahre Bläck Fööss.
          Und der „Halve Hahn“ muß dann auch noch genannt werden: es handelt sich dabei nicht um eine betonfeministische Beschimpfung, sondern um ein „Röggelchen“ mit würzigem Hölländer Schnittkäse
          http://de.wikipedia.org/wiki/Halver_Hahn

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  10. 21. November 2010 10:39

    Gottfried Feder traf sich 1919 mit Silvio Gesell. Im Kampf gegen die „Brechung der Zinsknechtschaft“ waren sich beide einig, die ein zentraler Punkt im 25 Punkte-Programm der NSDAP (gültig bis 1945) von Gottfried Feder war. Um die Affinität Silvio Gesells zu Gottfried Feder zu verstehen, „lohnt“ es die nachfolgenden Auszüge aus dem „25-Punkte-Programm“ der NSDAP zu lesen:

    [..]„Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: „Profit“, sie haben nur eine Sehnsucht: „Kredit“, nur eine Aufwallung: die „gegen die Steuern“, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die „vor den Banken“ und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der „Brechung der Zinsknechtschaft“. Alle drängen sich danach, „Schulden zu machen“. Die maßlosen Wuchergewinne der Banken, die ohne Müh und Arbeit, als Tribut vom Leihkapital erpreßt werden, findet man durchaus in der Ordnung. Man gründet eigene „Wirtschaftsparteien“ und stimmt für die Dawesgesetze, die die Grundursache für die maßlosen Steuerlasten sind. Man stürzt sich in tiefe Zinsknechtschaft, schimpft über Steuern und Zinsen und erstirbt vor Hochachtung vor jedem Bankier und Börsenpriaten. Verwirrt sind die Hirne! Die Ganze Wirtschaft ist entedelt, entpersönlicht, in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Die Schaffenden haben sich selbst ihren größten Feinden in die Hände gegeben, dem Finanzkapital. Tief verschuldet, bleibt den Werteschaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn, jeder Gewinn der Arbeit fließt in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende. Die Leute, die die wirtschaftliche Vernunft in Pacht genommen haben, wissen das entstandene Chaos nicht zu bändigen. Von oben ausgepreßt durch Steuern und Zinsen, von unten bedroht durch das unterirdische Grollen der betrogenen Arbeitermassen, haben sie sich in wahnwitziger Verblendung dem Finanzkapital und seinem „Staat“ an den Hals geworfen und werden von den Nutznießern und Ausbeutern des heutigen Chaos doch nur als Sklavenhalter über die Massen des arbeitenden Volkes geduldet. Aber nicht gegen die Schächter der deutschen Wirtschaft wendet sich ihr Zorn, nicht gegen marxistischen Wahnwitz – nein, gegen die Hakenkreuzler. Man vergißt, daß wir es einzig und allein waren, die die Tragödie der deutschen Wirtschaft kommen sahen, voraussagten und rechtzeitig Wege gewiesen hatten, wie aus eigener Kraft die Wiederaufrichtung der gesamten Wirtschaft erfolgen kann. Verbände, Interessengruppen, Berufs-, Beamten-, Angestelltenverbände, Sparerschutz-, Kleinrentner-, Reichsbankgläubigerverbände, Wehrverbände, Kriegervereine, Innungen, Vereine, Genossenschaften, Gewerkschaften, Bauernund Land-Bünde, Klubs, und was noch für Namen derartige seltsame Körperschaften führen mögen – vernünftig im Grundgedanken – sinnlos im Chaos des heutigen öffentlichen Lebens, bemühen sich Ordnung zu machen. […]

    Das Volk in allen seinen Berufsständen bekommt die Zinspeitsche zu schmecken, jeder Bevölkerungsschicht sitzt der Steuereintreiber im Nacken, – aber wer wagt der Allmacht des Bank- und Börsenkapitals entgegenzutreten? Diese Allmacht des Leihkapitals zeigt sich darin, daß es, entgegen allen sonstigen irdischen Erfahrungen, ohne Mühe und Arbeit durch Zins, Dividende und Rente aus sich selbst heraus gewissermaßen wächst, immer größer und gewaltiger wird. Der teuflische Grundsatz der Lüge siegt über den Ordnungsgrundsatz der schaffenden Arbeit. Brechung der Zinsknechtschaft heißt hier unser Feldgeschrei. Ich weiß, daß gerade diese Grundforderung auch in unseren eigenen Reihen nicht in ihrer ungeheueren und grundlegenden Bedeutung richtig erfaßt und begriffen wird. Man sieht es z.B. daran, wie wenige unserer Redner sich an diese Kernfrage heranwagen. Wohl fühlen die meisten, daß es die Kernfrage ist, wohl gehört in den Sprachschatz unserer Parteigenossen: „Der Kampf gegen das Börsen- und Leihkapital.“ Aber worin die „Zinsknechtschaft“ eigentlich besteht, wie sie sich praktisch im Leben des einzelnen und der Nation auswirkt, welche finanztechnischen Vorgänge die Bevölkerung zu „Zinssklaven“ macht, oder gar welche praktischen Maßnahmen geeignet sind, die Brechung der Zinsknechtschaft durchzuführen, und welches die Folgen der Brechung der Zinsknechtschaft für die gesamte Bevölkerung sein werden, – das ist den wenigsten so klar, daß sie es mit eigenen Worten dem Frager auseinandersetzen könnten. […] Der Kampf gegen das internationale Finanz- und Leihkapital ist zum wichtigsten Programmpunkte des Kampfes der deutschen Nation um ihre Unabhängigkeit und Freiheit geworden.“

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  11. S. Meier permalink
    22. November 2010 10:13

    Hallo, ich bin bei Attac aktiv und sehe bei uns problematische Strömungen, die von Silvio Gesell scheinbar inspiriert sind. Elmar Altvaters Kritik an Gesell halte ich für lesenswert und richtig:

    [..] Die Gesell’sche Lehre von der „natürlichen Wirtschaftsordnung“ hat sich in der Geschichte als anschlussfähig für nationalsozialistisches, antisemitisches Denken erwiesen. Freilich haben der extreme Individualismus, die Vergötzung von natürlicher Auslese, Wettbewerb und Marktwirtschaft dazu beigetragen, dass sich Gesellianer nach dem Zweiten Weltkrieg zum Neoliberalismus bekehrten. An den Figuren des Otto Lautenbach und Wilhelm Radecke, die Freigeldtheoretiker, Nazis und Antisemiten, und nach dem Krieg bekennende Neoliberale waren, lässt sich dies zeigen. Es spricht einiges dafür, dass der Antisemitismus, auch wenn er nicht explizit geäußert wurde, strukturell immer vorhanden war. Es ist also nicht allein der Waren- und Geldfetisch, der dazu veranlasst, dass soziale Beziehungen ein Gesicht bekommen und dieses Gesicht zum Feindbild des Antisemiten werden kann. Dies kann nur dann ausgeschlossen werden, wenn das Geld und die globalen Finanzmärkte nicht als verselbständigte Gestalten, sondern immer mit ihren sozialen Beziehungen im Rahmen einer Kritik der Politischen Ökonomie analysiert werden, also in einem Rahmen, den Silvio Gesell ganz explizit ablehnt. An der Marx’schen Geldtheorie nämlich bemängelt er, dass „die Aufmerksamkeit des Proletariats vollkommen vom Geld abgelenkt und die Börsenräuber, Wucherspieler, Spitzbuben unmittelbar in den Schutz der besitzlosen Klasse, des Proletariats gestellt“ worden sind (Gesell 1920: 325). Die Übel des Geldes sind personifiziert. Dies hat Konsequenzen für die „ökonomische Alphabetisierung“ (Bourdieu). Zinsen kann man nicht abschaffen, ohne die kapitalistische Gesellschaftsformation zu überwinden. Aber man kann sie regulieren, durch geeignete wirtschaftspolitische Maßnahmen auf nationaler wie globaler Ebene. Dafür müssen Konzepte ausgearbeitet werden, um die fatale Hilflosigkeit gegenüber vorgeblichen Sachzwängen der Globalisierung zu überwinden und vor allem jede Sündenbockannahme zu unterbinden. Nur so ist die Immunisierung gegenüber den Gefährdungen eines strukturellen Antisemitismus möglich.[..]

    http://userpage.fu-berlin.de/roehrigw/altvater/altvater.pdf

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  12. S. Meier permalink
    22. November 2010 10:19

    Die Freiwirtschaftler versuchen seit Jahren nicht nur Attac zu unterwandern:

    Die Radikal-Soziale Freiheitspartei entstand 1945 kurz nach dem 2. Weltkrieg in den Westzonen als Sammelbecken der Freiwirtschaftsbewegung nach Silvio Gesell aus den 20er Jahren. Ziele waren die Freigeld- und Freilandlehre.Eine Zusammenarbeit mit der faschistischen Deutsch-Sozialen-Union (DSU) von Otto Strasser ist dokumentiert. Die FSU darf laut Urteil des Oberlandesgerichtes Frankfurt vom 11. Mai 1995 als rechtsextremistisch bezeichnet werden.

    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=FSU

    Im Rahmen des von Attac veranstalteten Bremer Sozialforums 2005 bot Attac dem an den rechtsextremen „Lehren“ Silvio Gesell orientierten Bremer Verein ROLAND.-Gutscheinring nicht etwa die Stirn, sondern eine Bühne!

    http://www.stattnetz.de/frameset_nachlad.htm?http://www.stattnetz.de/politik/artikel/droht_wasg_unterwanderung.htm

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    • derSamstag permalink
      22. November 2010 12:28

      Für die nach rechts schielenden „GesellInnen mit Narrenfreiheit“, sind diese Links ein weiterer Tiefschlag. Besonders aufschlussreich, die Verbindungen von Max Otto Bruker, der FSU und den übrigen Gesellianern. Unfassbar was sich im „Freitag“ etabliert.

      http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Max_Otto_Bruker
      http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Silvio_Gesell

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  13. S. Meier permalink
    22. November 2010 10:33

    Die „Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung“ (INWO e.V.) bezieht sich auch auf Silvio Gesell. Auf ihrer Homepage schreiben sie: „Diese Ideen sind grundlegend für eine faire, von kapitalistischen Verwerfungen befreite Wirtschaftsordnung – eine FAIRCONOMY. Sie ermöglicht Rahmenbedingungen für ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit, Würde und Gerechtigkeit.“ In Wirklichkeit ist es eine antisemitische Sekte. Auf dem rechts islamistischen Portal Muslimmarkt gab der gab der Vorsitzende Prof. Berger ein Interview, indem er folgendes sagte: “ Sämtliche Religionen verbieten den Zins – sämtliche! Als Ökonom sage ich, dass man ihn nicht verbieten kann. Es würde sofort ein „schwarzer“ Finanzmarkt entstehen. So sind die großen Finanzdynastien der Fugger, Rothschilds und Wallensteins entstanden.“

    In der Wuppertaler Silvio-Gesell-Tagungsstätte, in welcher INWO-Seminare stattfinden, tagte im Oktober 2006 der Bundesparteitag der aus der rechtsextremen Freisozialen Union – Demokratische Mitte (FSU) (vgl. Handbuch des Rechtsextremismus, 1996) hervorgegangenen Humanwirtschaftspartei.

    http://www.hagalil.com/archiv/2006/11/hbs.htm

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    • 22. November 2010 16:16

      Hallo S. Meier, volle Zustimmung und danke für die Links.
      Das Thema FSU, INWO und HG wäre ein eigenes Blog wert.

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  14. S. Meier permalink
    22. November 2010 17:07

    Hier noch ein paar zeilen von Joß Fritz: „Neben Texten von Antisemiten, Geschichtsrevisionisten und ultrarechten Lebens- und Heimatschützern fanden sich in “Diagnosen” Werbeanzeigen für das FSU-Blatt “Der Dritte Weg” und zahlreiche Beiträge führender FSU-Funktionäre, wie z.B. vom damaligen 1..FSU-Vorsitzenden, Dr. Kurt Keßler, von Johannes Schumann, früher im “Roland-Bund” (“Die Welt wird vom Geiste Gesells lernen – oder sie wird untergehen”)und Felix G. Binn, damals Vorsitzender der INWO.

    Enge personelle Verbindungen der FSU gab es auch zum 1960 gegründeten “Weltbund zum Schutze des Lebens” (WSL) (“Lebensschutz ist Menschenschutz und Völkerschutz”). Schon damals hatten führende Vertreter der FSU im WSL mitgearbeitet und bekleideten zum Teil wichtige Funktionen. So kandidierten bei der Bundestagswahl 1969 führende WSL-Aktivisten wie der Ernährungswissenschaftler Dr. Max-Otto Bruker für die FSU zum Bundestag. 1974 wurde WSL-Präsident Bruker von dem Alt-Nazi Prof. Dr. Werner Georg Haverbeck, einemehemaligen Leitungsmitglied des NS-Studentenbundes, abgelöst. 1983 referierte der damalige Präsident der freiwirtschaftlichen “Internationalen Vereinigung für Natürliche Wirtschaftsordnung” (INWO), Prof. Felix Binn, im eng mit dem WSL verbundenen “Collegium Humanum” in Vlotho. In dem “Collegium” sollte im Jahr darauf sogar ein Treffen der neonazistischen “Freiheitlichen Arbeiterpartei” (FAP) stattfinden. Neben Binn nahm an dem Seminar in Vlotho auch Hans Weitkamp aus Melle teil. Der frühere Mitarbeiter des Nazi-Freiwirtes Otto Lautenbach zählte noch in den 90er Jahren zur Leserschaft des FSU Organs “Der Dritte Weg”. Bereits 1975 waren Vertreter verschiedener rechter Parteien und Kleingruppen wie der NPD, des “Kampfbund Deutscher Soldaten”, der nach dem Zerfall von Otto Strassers DSU gegründeten “Unabhängigen Arbeiter-Partei (Deutsche Sozialisten)”, aber auch der FSU und des WSL im “Arbeitskreis der Wählergemeinschaften, Unabhängigen Parteien und Bürgerinitiativen” (AWUB) zusammengekommen, um über ein gemeinsames Wahlbündnis unter dem Namen “5%- Block” zu sprechen. Dem Vorstand gehörte u.a. der ehemalige FSU-Bundestagskandidat und WSL-Aktivist Dr. Max-Otto Bruker an. Vorsitzender des “5%-Blocks”, dessen Aktivitäten bald wieder einschliefen, wurde Friedrich von As-Schönbeck2, der 1999 zu den Autoren des FSU Organs “Der Dritte Weg” gehörte.

    Der “Bund freisozialer Lebensreformer” gab die Zeitschrift “Alternativen heraus, in der Irmgard Kohlhepp schrieb . 1997 gründete das damalige Mitglied der “Grünen” mit dem Ex-”Republikaner” Bernhard Heldt, jüngst Mitinitiator eines Komitees “Freiheit für Horst Mahler”, die “Association Liberal Soziale Ordnung” (ALSO), für die auch in der “Jungen Freiheit” mit einer Anzeige geworben wurde. Mitinitiator der “ALSO” war Albert Lämmel aus Rastatt. Lämmel gehörte dem Vorstand der “Liberal- Sozialen Partei”, einer Abspaltung der FSU in den 60er Jahren, an. Er leitet den “Arbeitskreis demokratisches Geld – Steuer – Bodenrecht” und den “Geldreformkreis Deutschland” und ist Herausgeber der Schrift “Der Schlüssel”. Er ist aber auch Autor im NPD-Organ “Deutsche Stimme” wo er u.a. über den NS-Finanztheoretiker Gottfried Feder schrieb.“

    http://projekte.free.de/lotta/pdf/16/gesell.pdf

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    • Sahar permalink
      20. Mai 2012 21:33

      “Das Völkische, soweit es in Politik ausgeartet ist, muss bis aufs Messer bekämpft werden.”
      “Jede Herabwürdigung anderer Rassen ist mit Kraft entgegenzutreten, sodass alles, was wir sagen und schreiben, ohne weiteres in alle Länder der Welt, unter alle Völker des Menschengeschlechts getragen werden kann. Die Liebe zum Menschengeschlecht, zu dem von allen Göttern verlassenen Menschengeschlecht muss das Arsenal liefern, wo wir unsere Waffen herholen im Kampfe mit nationalistischen Anschauungen und Vorurteilen.” S. Gesell, Band 15, Seite 109

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  15. nickname permalink
    2. September 2011 11:35

    boh … ist das krass, dachte die leute um Gesell sind freundliche menschen, ein bisschen abgedreht vielleich, ja, aber wer ist das nicht … danke jedenfalls

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    • 2. September 2011 14:58

      @nickname

      Im Forum der Berliner Wochenzeitung der Freitag tummeln sich einige dieser Exemplare. Die fanatischste Gesellianerin dort nennt sich „thinktankgirl“, sie und ihre sozialdarwinistischen Ansichten werden von der Freitagsredaktion auf Biegen und Brechen geschützt, Gegenrede bei Auschluß nicht erlaubt.
      Mehr Infos dazu unter:
      Was-heute-reaktionar-erscheint-war-damals-emanzipatorisch
      Notizen aus der „Qualitätscommunity“
      Silvio Gesell und seine Fans in der Freitags-Community

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    • Sahar permalink
      20. Mai 2012 21:32

      „Die von mancher Seite angestrebte Rassereinheit mag für viele Dinge , namentlich für die Uniformen und Schuhleistenfabriken einen Vorteil haben, hat aber auch wieder manchen Nachteil. Die Menschheit braucht eine möglichst große Mannigfaltigkeit an Eigenschaften; das besorgt schon allein die Arbeitsteilung. Die Erfahrung spricht also eher für als gegen eine Rassenmischung. Der Mensch will für sich allein, Persöhnlichkeit, nicht als Teil einer Masse, einer Herde betrachtet sein und insofern kann jeder für sich das Recht beanspruchen, für sich allein einen Typ, eine Rasse darzustellen“.
      S. Gesell (1912) Band 7, Seite 126-127

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    • 21. Mai 2012 09:29

      Für Gesell ging es um die „Hochzucht des Menschengeschlechts“ um das „Zuchtwahlrecht“ in der „Freilandtheorie“ und in der „Freigeldtheorie“ verteufelte er den Zins. Noch immer nicht verstanden Sahar?

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  16. Sahar permalink
    21. Mai 2012 15:52

    Aber doch nicht im Sinne von ethnischer Rassenzüchtung, wie die Nazis es für sich perverser Weise propagierten, sondern der Erziehung des Charakters, gleich welcher Ethnie dieser Mensch angehört! Siehe Zitat oben, da gibts nichts weiter hinzuzufügen. Das nicht Verstehen könnte ich somit Ihnen unterstellen. Welchen Lösungsweg für die derzeitige Misere haben Sie denn anzubieten? Die Verstaatlichung von Produktionsmitteln? Das hatten wir schon, es stellte sich heraus, dass der Mensch noch nicht soweit ist, oder legitimieren Sie die gewalttätige Umsetzung eines neuen sozialistischen Staates? Reicht ihnen die Entkapitalisierung des Geldes und die Verstaatlichung des Bodens nicht? Zumindest bis der Mensch reif ist für absolute Uneigennützigkeit in ökonomischen Fragen? Könnte die Freiwirtschaft nicht als Zwischenstadium auf dem Weg dahin dienen?

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    • 21. Mai 2012 17:04

      Das Thema „gutes“ Produktionskapital, „böses“ Finanzkapital wurde hier bei „Mission Impossible“ zur Genüge diskutiert. Siehe: Vom Gründerkrach bis zur Occupy-Bewegung und Proudhon, Gesell, Feder, Marx und die regressive Kapitalismuskritik

      Silvio Gesell wurde hier bei „Mission Impossible“ ebenfalls zur Genüge diskutiert. Gesell, warb in seiner Freiland Theorie für Menschenzucht mit eugenischen Zielen: Im ersten Schritt wird das Privateigentum an Boden abgeschafft, um anschließend an den Meistbietenden verpachtet zu werden. Staaten, die sich der Freilandtheorie nicht anschließen werden, ziehen die „Arbeitsscheuen“ der ganzen Welt an. „Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner würden dorthin ziehen.“ Der Kranke und Schwache hat keinen Platz in Gesells sozialdarwinistischer Welt. Die „Fortpflanzung des Fehlerhaften“, gelte es durch „das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“ zu bekämpfen. Zu diesem Zweck, soll die fruchtbare Frau den Zugriff auf Grundrente und Boden nach Zahl ihrer Kinder erhalten. „Die „Manchesterschule“, mit Ausnahme der Privilegien von Grund und Geldbesitzes, war auf dem richtigen Weg“. „Der freie Wettbewerb begünstige den Tüchtigen und seine Fortpflanzung ist die Folge“, meinte Gesell. Er stellte in dem Zusammenhang die Frage:“ Ist die Rückkehr der Frau zur Landwirtschaft nicht die glücklichste Lösung der Frauenfrage?“ Aber nicht jede Frau verkörpert das wahre Leben, die Naturgesetze und ist es Wert sich der Hochzucht der Rasse zu widmen.” Gesells Menschenzucht basierte nicht unbedingt auf „ethnischer Rassenzüchtung“ jedoch bewarb Gesell eine Menschenzucht mit eugenischen Zielen.

      Am logischen Ende einer Einteilung von Menschen in solche mit besserem Erbgut und solchen mit schlechterem steht Sterilisation, NS-Lebensborn und Euthanasie. Ich habe ein anderes Menschenbild. Wie bereits geschrieben, im angeblich linksliberalen „Freitag“ finden Sie genügend Anhänger von Silvio Gesell. An vorderster Front, neben der „Freitagsmoderation“, die „Freitagsblogger“ und eingefleischten Antisemiten: „Thinktankgirl“, „Christoph Leusch“, „Uwe Theel“ und „Rahab“. Ich lehne diese Ideologie entschieden ab.

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  17. Sahar permalink
    21. Mai 2012 19:29

    Staaten, die sich der Freilandtheorie nicht anschließen werden, ziehen die „Arbeitsscheuen“ der ganzen Welt an. „Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner würden dorthin ziehen.“

    Ich denke er meint hier im übertragenen die Besitzer großer Kapitalvermögen die nur ihr Geld am Kapitalmarkt zur Verfügung stellen brauchen um ein leistungsloses Einkommen zu erhalten. Wo ist das Problem? M.E. wäre ein BGE für alle mit der Freiwirtschaft finanzierbar. Die sozial Schwachen würde der Staat bzw. die Arbeitenden bequem tragen können, ihnen sollte in jeder Hinsicht Unterstützung zukommen. Man muss eine gute Idee ja nicht völlig über den Haufen werfen, sondern das was man für Unrat hält einfach abstreifen. Wie bitte sieht Ihre Vision aus, was sollte aus Ihrer Sicht geändert werden, welchen Weg würden Sie ökonomisch einschlagen??? Was ist so schlimm an der Idee Leistungslose einkommen aus Kapitalerträgen und Grundrenten zu verunmöglichen? Würde es Sie beruhigen wenn man die Idee in andere Worte kleidet, die ganzen braungefärbten Formulierungen weg lässt und sich nicht mehr auf Gesell bezieht sondern so tut als wäre die Idee vollkommen neu, damit sie nicht mehr mit „NS-Lebensborn und Euthanasie“ in Zusammenhang gebracht werden. Doch sicherlich gäbe es eine Menge Leute die auf biegen und brechen wieder ein Zusammenhang herstellen würden.

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    • Sahar permalink
      21. Mai 2012 19:37

      Die drei großen Weltreligionen, Christentum, Islam und Judentum (wie das im Buddhismus und Hinduismus ausschaut weiss ich nicht) verbieten den Zins, sind das auch alles Antisemiten, Eugeniker und Rassisten in ihren Augen?

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    • Sahar permalink
      21. Mai 2012 20:35

      Wenn die Argumente ausgehen, bleibt nur noch der wortlose Daumen nach unten.

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    • 21. Mai 2012 21:40

      1) Aha, „Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner“ sind also Besitzer großer Kapitalvermögen?

      2) Die sozial Schwachen spielen in Gesells Theorie keine Rolle. Die würden aussterben, meinte Gesell.

      3) Die „Idee“ in andere Worte zu kleiden würde nichts helfen. Die „Idee“ bleibt trotzdem braun.

      4) Struktureller Antisemitismus

      Als strukturell antisemitisch werden Ideologien bezeichnet, die sich nicht ausdrücklich gegen Juden richten, aber dem „klassischen“ Antisemitismus von ihrer Begrifflichkeit und Argumentationsstruktur her ähneln. Gemeint ist vor allem die aus dem Frühsozialismus stammende Unterscheidung von Finanzkapital und Produktivkapital, wobei Ersteres mit seinen Repräsentanten identifiziert wird. Diese werden für die Armut und das Leiden des „kleinen Mannes“ verantwortlich gemacht. Oft kommt der Vorwurf dazu, die „reichen Bonzen“ würden nur von der Arbeit der ehrlichen Arbeiter leben, während sie selbst nicht arbeiteten.

      Durch diese Personalisierung und Verkürzung einer marxistischen Gesellschaftskritik ähneln Ideologien, die das Finanzkapital und seine Vertreter ablehnen, strukturell dem Antisemitismus und können in Judenhass übergehen oder diesen fördern. Seit dem Mittelalter waren berufliche Tätigkeiten der Juden, denen Landbesitz untersagt war und die von der Zugehörigkeit zu Zünften ausgeschlossen waren, auf den in christlichen Kreisen verpönten Geldverleih beschränkt, so dass sie bald als Wucherer geächtet wurden. Seit der Französischen Revolution wurden sie mit der „Zirkulationssphäre des Kapitals“ in Verbindung gebracht. Dabei verwies man stets auf einzelne reiche jüdische Bankiers (Beispiel Rothschild) oder „Spekulanten“, die als typische Vertreter aller Ausbeuter galten. So wurde das Judentum als treibende Kraft des entstehenden Kapitalismus bezeichnet. Auch die Nationalsozialisten stellten „schaffende“ Deutsche den „raffenden“ Juden gegenüber und identifizierten das Finanzkapital mit dem Judentum.

      siehe Wikipedia: Struktureller Antisemitismus

      5) Das Verhältnis von Gesell zu Juden war ambivalent. Silvio Gesell war auch ein „Chameleon“.

      6) Die Macher der „Chiemgauers“ (Waldorfschule Prien) legen die Erlöse für die Ausgabe des „Chiemgauers“ auf einer Bank mit Zinsen an. (Die Macher des „Chiemgauers“ berufen sich auf Silvio Gesell, distanzieren sich aber von seiner Freilandtheorie)

      7) Die Probleme des Kapitalismus sind durch ein Zinsverbot nicht zu lösen. Mit dieser Forderung werden Sündenböcke gesucht. Juden oder Bankmanager. Eine wichtige Ursache für die heutige Krise ist das Auslaufen des Nachkriegsbooms vor über 30 Jahren. Die Probleme sind systemimmanent und nicht lösbar. Schritte in die richtige Richtung wären ein bedeutend höherer Spitzensteuersatz, höhere Löhne, ein Mindestlohn und eine signifikante Arbeitszeitverkürzung in Deutschland.

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      • Sahar permalink
        21. Mai 2012 23:23

        Und warum nur in Deutschland?

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    • Sahar permalink
      21. Mai 2012 23:19

      „Schritte in die richtige Richtung wären ein bedeutend höherer Spitzensteuersatz, höhere Löhne, ein Mindestlohn und eine signifikante Arbeitszeitverkürzung in Deutschland.“

      Ab welcher Grenze sollte der Spitzensteuersatz ansetzen?

      Wo kommt das Geld für „höhere Löhne, ein Mindestlohn und eine signifikante Arbeitszeitverkürzung“ her?

      Einfach drucken?

      Was ist dann mit der Wertstabilität des Geldes?

      Oder soll das schon vorhandene und eigentlich für die Realwirtschaft in ausreichender Menge zur Verfügung stehende Tauschmittel Geld, das sich in Sparkonten und Spekulationsmärkten tummelt, wieder in den Kreislauf gelockt werden?

      Auf welche Weise?

      O.k. bei Kapitalerträgen aus Geldanlagen, Aktien und Grundrenten Spitzensteuersatz so hoch, dass die riesigen vorhandenen Vermögen nicht weiter anwachsen, die Umverteilung gestoppt wird.

      Aber warum sollte jemand sein Sparvermögen dem Wirtschaftskreislauf vorübergehend über den Kapitalmarkt zuführen lassen, wenn er keine Rendite bekommt die er für Interessant hält? Da kann man es auch horten. Bringt genau so viel wie Anlegen, da Kapitalertragssteuer den gewünschten oder keinen Mehrwert bringt. Dafür kann man dann als Kapitaleigner (privater oder institutioneller) aber Macht demonstrieren und sagen: „ihr gebt mir mindestens x Prozent, sonst geb ichs nicht her“.

      Oder soll per Gesetz veranlasst werden, dass die Sparer ihr Geld auch rausrücken müssen obwohl ihnen die höhe des Zinssatzes nicht gefällt?

      „diese Personalisierung und Verkürzung einer marxistischen Gesellschaftskritik“

      Die Personalisierung lehne ich entschieden ab, die Verkürzung hat sich damit auch erledigt.

      Marx kritisiert also die Gesellschaft im Ganzen und will deren Veränderung (die Natur des Menschen soll sich also ändern), wie soll diese Besserung herbeigeführt werden????

      Wie soll erreicht werden, dass der Mensch mit der marxschen Theorie in Einklang kommt???? Mit einem höherem Spitzensteuersatz, höheren Löhnen, einem Mindestlohn und eine signifikante Arbeitszeitverkürzung????

      Es stehen sich also die Veränderung des Gesellschaft (Marx), der Veränderung der Gesellschaft (Gesell) gegenüber, die Veränderung der Gesellschaft ist aber immer nur mit der Veränderung jedes Einzelnen zu erreichen. Was ist realistischer, die Gegebenheiten anpassen (Gesell) oder an die Uneigennützigkeit der Menschen appelieren (Marx)???

      Aber, Ihr Fazit: Die Probleme sind systemimmanent und nicht lösbar.

      Toll, wir haben also vorerst nur die Möglichkeit alle als Antisemiten, Eugeniker und Rassisten zu identifizieren die einen anderen Weg wählen wollen, bis die von Marx angestrebte Veränderung des menschlichen Egos eingetreten ist.

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      • Sahar permalink
        21. Mai 2012 23:29

        Mit Gegebenheiten meine ich das von Menschen installierte System des Geldkreislaufs durch die Wirtschaft. Sicherlich, weil Geld Tausch und Wertaufbewahrungsmittel ist, ist die Sache durchaus knifflig!

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      • 21. Mai 2012 23:33

        Das ist ‚Denken‘ im Systemzwang, Sahar. Zwangsdenken. Ohne jede Utopie (Bloch), ohne Humanität (Marx). – Von daher kommt auch der dem Kritiker (Horkheimer/Adorno) hingerotzte ‚Lösungszwang‘. Weiter will ich mal nicht gehen. Aber das „also“ im letzten Absatz ist doch sehr bedenklich …

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      • Sahar permalink
        21. Mai 2012 23:54

        Halten Leute wie Sie nicht den Antisemitismus weiter am Leben, indem Sie die Geldreformbewegung immer wieder mit Antisemitismus verknüpfen?
        Wie muss das Zitat vom humanen Marx gedeutet werden „Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum“?

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        • 22. Mai 2012 00:03

          Wie? Jaja.

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    • 22. Mai 2012 08:58

      Ich habe keine Lösung für die Probleme des Kapitalismus, weil es keine Lösung gibt. Alle früheren und aktuellen Ansätze haben nur das eine Ziel einer möglichst weichen Landung in der Krise. Jeder Rettungsschirm bedingt einen neuen Rettungsschirm. Auch Karl Marx hatte keine Lösung. Der Untertitel des Kapitals von Karl Marx lautete: „Kritik der politischen Ökonomie“ Karl Marx hat kein Konzept für eine funktionierende Ökonomie vorgelegt. Bereits zu Zeiten von Marx gab es Zinskritiker, z.B. Proudhon, einen offenen Antisemiten (auf den sich Gesell bezieht). Marx zerlegt die Zinskritik von Proudhon im Dritten Band des Kapitals.

      Ich weiß nur soviel: Mit der Kritik oder der Forderung nach Abschaffung des Zinses werden keine Probleme gelöst, sondern neue Probleme geschaffen, nämlich Sündenböcke die eines Tages wieder um ihr Leben fürchten müssen.

      Das Geld für höhere Löhne bezahlen die Arbeitgeber, dadurch verringern sich ihre Gewinne und die Waren werden teuerer. Der Exportweltmeister Deutschland wird weniger exportieren und durch höhere Löhne seine Binnenkonjunktur ankurbeln.

      Das Problem sind nicht die Sparguthaben sondern die Schuldenkrisen dieser Welt. Siehe Griechenland, Spanien, Italien usw.

      Die Probleme des Kapitalismus sind die mörderische Konkurrenz, die Notwendigkeit zum Profitstreben, die Überproduktionskrisen, der tendenzielle Fall der Profitraten, usw. Jeder Unternehmer muss mit seiner Ware Geld verdienen, will aus Geld mehr Geld machen. Da Geld der „König“ der Waren ist, verhält es sich hierbei nicht anders.

      Silvio Gesells Theorien sind absurd, sein „Schwundgeld“ (Regionalgeld) wird keine Probleme lösen. Ein Beispiel: Das Ziel der Schwundgeld-Gurus ist die Einführung des Regionalgeldes Europaweit. Quasi als Nachfolger des Euro soll jede Region sein Regionalgeld haben. Wenn dann alle Regionen Regionalgeld haben und es keinen Euro mehr gibt, werden Tauschstellen eingerichtet um dann z.B. den „Chiemgauer“ mit dem „Hamburger“ zu wechseln. Die Kurse sind unterschiedlich und verändern sich dann natürlich. An den grundsätzlichen Problemen des Kapitalismus ändert sich nichts, es kommen nur neue dazu.

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  18. Sahar permalink
    21. Mai 2012 23:58

    Der Glaube an die Verwirklichung der marxschen Utopie ist also Ihre Religion?

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    • Sahar permalink
      22. Mai 2012 00:04

      Andere Religionen verschieben auch die bessere Zeit in die Zukunft, die Erlösung im Paradies nach dem Tod. Schöne Aussichten fürs Leben sind das. Humanismus und Utopie in ferner Zukunft, nach dem Tod. Vieleicht für Generationen nach uns, wen die Erde ausgeschlachtet wurde und durch Kriege verwüstet ist?

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    • 22. Mai 2012 00:06

      Lesen ist also nicht Ihre Stärke? Und andere(s) denken Ihre weitere Schwäche?

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    • 22. Mai 2012 20:20

      Gestern war Polemik, die schönste Form von Kritik, heute der Versuch, den Witz der Form zu beleuchten: „Der Glaube [sic] an die Verwirklichung [sic] der marxschen Utopie [sic] ist also [sic] Ihre [sic] Religion [sic]?“ Nicht Glaube, Aufklärung und Humanisierung seien der selbstgestellte Auftrag des Menschen an die Menschheit, was nur dialektisch, aufeinanderbezogen, gedacht werden kann. Grundvoraussetzung ist gar nix glauben. Vielmehr Interessen und Egoismen beschreiben. – – – Verwirklichung substantiviert das Handeln, vergegenständlicht in dem, was getan, gehandelt werden müßte nochmals die Welt der Ware. – – – Marx hatte keine Utopie, sondern eine Fortschrittsidee zum Humanen aus einer Geschichtsanalyse heraus. Der Kommunismus war ihm nicht hergebrachte Reichtumshäufung, sondern an den humanen Bedürfnissen und Neigungen der einzelnen wie aller Menschen miteinander orientiert. – – – Wissenslücken wurden immer mit Glauben gefüllt und fehlende soziale Bindung wurde Beute vielmals von institutionalisierter Religion. Davor warnte und schützte zuerst die Aufklärung, die nicht erst bei Kant beginnt, da aber modern wird, sondern (immer schon überall) etwa bei Sokrates und Diogenes. – – – Also eben nicht „in ferner Zukunft“, kein „Verschieben des Paradieses“ in unerreichbare Zukunft, sondern die Kritik war immer konkret und revolutionär. Daß die Revolution versäumt ward, ist das „Verdienst“ der Verdummungsindustrie und der Realmacht der Militärs geschuldet; und denjenigen Institutionen, die glauben machen, das Hier und Jetzt wäre besser als alles andere und sowieso gottgegeben, und schöner nur der Tod/das Paradies.
      Also: Ihre [sic] „Argumente“ stehen auf dem Kopf!
      Stellen Sie sich auf die Füße. Dann diskutiere ich weiter.

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      • Sahar permalink
        22. Mai 2012 22:58

        Und die Aufklärung und Humanisierung soll in Ihrer beschriebenen Weise geschehen? Sind Sie sich sicher, dass auch die, die nicht so gebildet sind wie Sie, Verstehen was Sie da schreiben oder ggf. in Diskussionen sagen? Sie sollten vielleicht wieder Bodenkontakt herstellen, damit man Sie nachvollziehen und verstehen kann. Oder ist die „Fortschrittsidee zum Humanen“ nichts für Ungebildete? Sollten Sie nicht besser deutlicher Aussprechen was Sie meinen, damit es für alle Verständlich wird? Evtl. liegt der Fehler der Aufklärung ja in der Art und Weise wie diese vermittelt wird. Bauen Sie auf diese Weise nicht eher Schranken als diese zu durchbrechen? Es könnte auf andere Herablassend wirken, diese werden keine Veranlassung sehen Ihren Argumenten zu folgen. Die Aufklärung ist so für die Katz, sie spaltet.

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      • 22. Mai 2012 23:25

        „Sind Sie sich sicher, dass auch die, die nicht so gebildet sind wie Sie, Verstehen was Sie da schreiben“ – Ja, bin ich. denn alle Menschen wissen um das, was sie brauchen, Mensch und mit Menschen zu sein. – ‚Wir‘ theoretisieren das bloß, weil die Herrschaftsgeschichte bis jetzt gegen humanes Miteinanderhandeln steht. Der resultierende Antiintellektualismus ist ein Modus der Herrschaft, sich fortzusetzen als Macht. – Intellektuelle, die der Macht zutragen, gibt es natürlich auch. Nur, aus meiner Perspektive nenne ich solche Ideologen, Philosophen am Hofe, im TV. – Aufklärung ist bürgerlich, also doppelzüngig, steht Kopf, – seit der kritischen Theorie ab Marx aber nicht mehr. Deshalb hat der Prolet auch nicht automatisch das Humane auf seiner Seite … Und es gibt den wesentlichen antagonistischen Gegensatz, den im Wesen jeder Mensch von Anfang, von Jugend an weiß, aber nicht (gegen die Herrschaft) auszudrücken mag … weil nicht mal mehr die Unterdrückten, also die meisten Eltern, ein Vorbild im aktuellen und zukunftzugewandten Lebenswandel sind.

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        • Sahar permalink
          22. Mai 2012 23:58

          Geld regiert die Welt, die Herrschaftsgeschichte ist die Geschichte des Geldes, sie steht gegen humanes Miteinanderhandeln. Der resultierende Antiintellektualismus ist ein Modus der Herrschaft, sich fortzusetzen als Macht. Sie produziert Ideologen, Philosophen am Hofe, im TV. Ihre Aufklärung, Diffus, Doppelzüngig, Kopfstehend.

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        • 23. Mai 2012 00:01

          Gute Nacht!

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  19. Sahar permalink
    22. Mai 2012 00:39

    Immerhin bin ich der Utopie erlegen, wir könnten uns auf einen gemeinsamen Nenner einigen aber Geldreform und Antisemitismus sind offenbar untrennbar miteinander Verknüpft. Diese `andere`, dogmatische Denken, muss in mir erst noch heranreifen. Jeder hat halt so seine Schwächen. Sie nicht?

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    • Sahar permalink
      22. Mai 2012 00:52

      Schwächen sind menschlich. Der Mensch lässt sich durch seine Schwächen leicht verführen, nutzt aus, was das System zulässt, oder macht es Zwanghaft von selbst, oder aus Systemzwang. Z.B. Fondmanager, die Ihren Job verlieren, wenn sie den Anlegern keine Renditen liefern. Treibender und Getribener zugleich. Was spricht also gegen eine Veränderung der ökonomischen Spielregeln um diesem ewigen Kreislauf zu durchbrechen, sie zu versuchen, die Utopie?

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    • 22. Mai 2012 09:20

      Richtig, der Fondmanager würde seinen Job verlieren, wenn er keine Rendite liefert. Was dabei nicht unterschlagen werden darf: Der Manager bei Siemens, bei BMW, bei der Telecom, bei allen Unternehmen im Produktionssektor wird ebenfalls seinen Job verlieren wenn er keine Rendite liefert. Der Handwerksmeister wird seinen Laden dicht machen müssen wenn er zu teuer ist, die selbstständige Putzfrau wird keine Aufträge erhalten wenn sie einen „zu hohen“ Stundenlohn hat. Diese verhängnisvolle Fixierung auf das Finanzkapital gab es bereits in Deutschland, siehe das 25 Punkteprogramm der NSDAP.

      Die Veränderung der ökonomischen Spielregeln muss sinnvoll sein und nicht zu Lasten einer willkürlich ausgewählten Sparte im System gehen. Eine Utopie muss menschenwürdig sein. Eine Utopie muss mich überzeugen, bevor ich mitmache. Bei reaktionären Ideologien mache ich nicht mit. Die Geschichte hat gezeigt wohin das führt.

      Die Überwindung des Kapitalismus muss von der ganzen Gesellschaft getragen werden. Das im Ansatz und in der Analyse des Kapitalismus richtige Wagnis des Kommunismus ist gescheitert, vor allem wegen fehlender Demokratie.

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  20. Sahar permalink
    22. Mai 2012 23:36

    Wann wurde denn die Freiwirtschaft schon einmal eingeführt und wohin hat die Geschichte dann geführt? Die Einführung von Freigeld und Freiland würde zu Lasten welcher „Sparte“ im System führen? Was hätte diese „Sparte“ dann schreckliches zu erwarten, wenn man Geld die Potenz zur Macht entzieht? Kommunismus funktioniert doch höchstens, wenn die Gemeinschaft in ihren Ansichten sehr homogen ist, das wird aber nie für alle Menschen gelten können, der Mensch ist ein Individuum. Sinnvoll ist, was Individualität akzeptiert und den Eigennutz zum Nutz der Gemeinschaft macht.

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    • 23. Mai 2012 09:24

      Gottfried Feder schrieb in „Das Programm der NSDAP“ auf Seite 22:

      Die Wirtschaft, ob groß oder klein, Schwerindustrie oder Kleingewerbetreibender, kennen nur ein Ziel: „Profit“, sie haben nur eine Sehnsucht: „Kredit“, nur eine Aufwallung: die „gegen die Steuern“, nur eine Furcht und namenlose Hochachtung: die „vor den Banken“ und nur ein überlegenes Achselzucken über die nationalsozialistischen Forderung der „Brechung der Zinsknechtschaft“. Alle drängen sich danach, „Schulden zu machen“. Die maßlosen Wuchergewinne der Banken, die ohne Müh und Arbeit, als Tribut vom Leihkapital erpreßt werden, findet man durchaus in der Ordnung. Man gründet eigene „Wirtschaftsparteien“ und stimmt für die Dawesgesetze, die die Grundursache für die maßlosen Steuerlasten sind. Man stürzt sich in tiefe Zinsknechtschaft, schimpft über Steuern und Zinsen und erstirbt vor Hochachtung vor jedem Bankier und Börsenpriaten. Verwirrt sind die Hirne! Die Ganze Wirtschaft ist entedelt, entpersönlicht, in Aktiengesellschaften umgewandelt worden. Die Schaffenden haben sich selbst ihren größten Feinden in die Hände gegeben, dem Finanzkapital. Tief verschuldet, bleibt den Werteschaffenden in Werkstatt, Fabrik und Kontor nur karger Lohn, jeder Gewinn der Arbeit fließt in die Taschen der anonymen Geldmacht als Zins und Dividende. Die Leute, die die wirtschaftliche Vernunft in Pacht genommen haben, wissen das entstandene Chaos nicht zu bändigen. Von oben ausgepreßt durch Steuern und Zinsen, von unten bedroht durch das unterirdische Grollen der betrogenen Arbeitermassen, haben sie sich in wahnwitziger Verblendung dem Finanzkapital und seinem „Staat“ an den Hals geworfen und werden von den Nutznießern und Ausbeutern des heutigen Chaos doch nur als Sklavenhalter über die Massen des arbeitenden Volkes geduldet. Aber nicht gegen die Schächter der deutschen Wirtschaft wendet sich ihr Zorn, nicht gegen marxistischen Wahnwitz – nein, gegen die Hakenkreuzler.

      Die Kompatibilität von Silvio Gesells Zinskritik und dem Grundsatzprogramm der NSDAP ist unübersehbar. Rechte Kapitalismuskritk ist nicht emanzipatorisch.

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