Skip to content

Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen

23. Dezember 2016

schirmbeckSamuel Schirmbeck studierte Soziologie und Philosophie bei Adorno und Horkheimer und  baute 1991 das ARD-Fernsehstudio Algier auf. Von dort berichtete er viele Jahre lang über den algerischen Bürgerkrieg und die Entwicklungen in Marokko und Tunesien. Als Samuel Schirmbeck nach Algier kam waren die Strände voll von Frauen in Badeanzügen, und das Land hoffte auf Demokratie. Die Islamisten machten dem ein Ende, sie drohten den „Ungläubigen“ mit dem Tod und es blieb nicht nur bei Drohungen. Der Islam macht Angst, denn in seinem Namen werden brutale Kriege geführt, furchtbare Verbrechen begangen, Hass und Intoleranz gepredigt. Seine Intoleranz gegenüber anderen Lebensweisen, Homosexuellen und Nichtmuslimen, seine Frauenverachtung,  seine Brutalität in der Rechtsprechung und seine unnachgiebige Verfolgung aller kritischen Stimmen ist ein Angriff auf die Zivilisation. Dennoch tut sich eine radikale Islamkritik hierzulande schwer, steht sie doch häufig im Verdacht des versteckten Rassismus. Samuel Schirmbeck findet diese Haltung unbegreiflich und skandalös. Viele muslimische Islamkritiker von Bäuerinnen bis hin zu Gelehrten, Schriftstellern und Künstlern die die rasende Rückwärtsentwicklung Ihrer Religion und die Tyrannei ihrer Anhänger nicht länger hinnehmen wollen, können nicht verstehen warum sie von Westeuropas Intelligenz kaum Unterstützung erfahren. Schirmbeck lässt viele dieser mutigen muslimischen Islamkritiker in seinem Buch ausführlich zu Wort kommen.

Während der „schwarzen Jahre“ in Algerien, als Islamisten einen Bürgerkrieg mit über 150.000 Toten auslösten, kam es vielfach zu Säureattentaten auf sichtbare Frauenbeine, Hunderte wegen gemischter Klassen abgebrannten Schulen, Hammam-Betreiber und alle möglichen „Ungläubige“ wurden geköpft, Weinregale durch Kalaschnikow-Salven zerstört. Schirmbeck erzählt von Muslimen, die öffentliche Anti-Ramadan-Picknicks in Marokko und Algerien veranstalteten,  um gegen den Glaubenszwang und für Gewissensfreiheit zu demonstrieren. Er erzählt von 14-jährigen Mädchen die ihren 15-jährigen Freund geküsst haben und deshalb mit dem Tod bedroht wurden.  »Tötet ihn!«, riefen  Studenten an der Universität von El Jadida in Marokko, nachdem der Dekan eine Vorlesung über das Werk des marokkanischen Schriftstellers Abdellah Taia gestattet hatte. Nur durch Flucht konnte der Mann verhindern, gelyncht zu werden. Die Verfolgung von Andersdenkenden und die Unterdrückung  von Frauen erfolgt nicht durch einen „Islamismus“, sondern aufgrund des Alltags-Islam, wie er sich in den Gesetzen Marokkos und Algeriens widerspiegelt. Überall dort wo der Islam Macht bekommt, werden Frauenrechte und Gedankenfreiheit eingeschränkt und Minderheiten verfolgt.

„Wir sollten ehrlich sein und zugeben: Mehr als der islamistische Terror ist es die Dauerberieselung durch einen uns allen von den Machthabern aufgezwungenen sinnentleerten religiösen Diskurs, die zu den Extremismen führt. Die Vernunft daran zu hindern, sich wirklich ernsthaft bei uns einzurichten, ist die wahre Katastrophe“, meinte der marokkanische Schriftsteller Abdellah Taia und riss damit die Schutzmauer zwischen Islam und Islamismus ein. Abdellah Taia ist nicht der einzige muslimische  Aufklärer Nordafrikas, der die Trennwand, zwischen Islam und Islamismus einreißt. Der algerische Islamforscher und Journalist Said Djabelkhir schrieb nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“: „Der traditionelle religiöse Diskurs rechtfertigt in der Tat diese Gewalt. Es fordert uns viel Mut ab, das anzuerkennen, aber nichtsdestoweniger ist es die Realität.“ Die beste Möglichkeit zur Bekämpfung des Terrorismus liegt laut Djabelkhir  darin, „die religiösen „Texte und archaischen Interpretationen und Diskurse anzugreifen, die immer noch Terrorismus hervorbringen und ihn rechtfertigen.“

Der muslimische Philosoph Abdennour Bidar schrieb 2014 in seinem „Offenen Brief an die muslimische Welt“: „Ich sehe dich ein Monster hervorbringen, das den Namen Islamischer Staat für sich beansprucht. Das Schlimmste aber ist, dass ich dich deine Zeit und deine Ehre damit verlieren sehe, dich zu weigern, zuzugeben, dass dieses Monster aus dir geboren ist, aus deinen Irrwegen, deinen Widersprüchen, deinem unaufhörlichen Hin- und Hergerissensein zwischen Vergangenheit und Gegenwart, deiner schon zu lang andauernden Unfähigkeit, deinen Platz in der menschlichen Zivilisation zu finden.“

Nach 9/11 lud die Doyenne aller muslimischen Islamkritikerinnen, die Marokkanerin Fatima Mernissi, zu einem Treffen von Muslimen und Christen in Marrakesch ein, an dem Schirmbeck teilnahm und bei dem sie für ein gemeinsames Vorgehen gegen den Fundamentalismus eintrat. Auch Fatima Mernissi trennte nicht zwischen „Islam“ und „Islamismus.“ Für die Gewalt ihrer Religion machte sie die Entwicklung des Islam selbst verantwortlich und sagte: „Diesen Islam der Paläste und der Henker, der seiner rationalen Dimension beraubt wurde, zwingt man heute als islamisches Erbe unserem Bewusstsein auf.“

Hassan al-Banna (1906-1949), der Gründer der antijüdischen  Muslimbruderschaft, hatte in seinem Programm zum Hass gegen den Westen aufgerufen, die Tilgung alles Westlichen aus dem Bildungssystem gefordert sowie den Anschluss der Grundschulen an die Moscheen. Mit seiner Idee des kriegerischen Djihad und der Todessehnsucht des Märtyrers war 1928 der islamische Fundamentalismus der Neuzeit geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb Hassan al-Banna: „Hier, seht den Westen! Nachdem er Ungerechtigkeit, Knechtschaft und Tyrannei gesät hat, liegt er nun danieder und zappelt an seinen Widersprüchen; es würde genügen, dass eine mächtige Hand aus dem Orient eingreift, unter dem Banner Gottes mit dem Zeichen des Korans, einer Standarte, die der mächtigen Armee des Glaubens vorangetragen wird; unter der Führung des Islam wird die Welt dann wieder zu Gerechtigkeit und Frieden finden.“

Abdekwahab Meddeb schrieb 2002 in „Die Krankheit des Islam“ zu den Sätzen von Hassan al-Banna: „Ich hätte solche Aussagen gern in ihrer Unsinnigkeit, Leere und eigenartige Logik beiseitegelassen, wenn sie nicht zu einer gefährlichen Triebkraft für die Verbreitung des Hasses geworden wären, der, wie der 11. September beweist, fähig ist, extreme Verbrechen zu begehen. In al-Bannas‘ Text ist die Matrix der Gegnerschaft gegen den Westen zu finden, in einem einfach gestrickten Diskurs, der seine Überzeugungen frech als Beweise hinstellt.“ Genau diesen Diskurs führt heute nicht nur der „Islamische Staat“, sondern auch viele deutsche Kulturrelativisten folgen ihm, was die Bestrafung des Westens angeht. Hassan al-Banna und seine anti-westlichen Kampfschriften sind Produkte des Islam und nicht eines Islamismus.

Gewaltfördernd ist in vorderster Hinsicht die islamische Trennung der Welt in Gläubige und Ungläubige, die den Koran prägt. Der Glaube der Muslime ist ungleich ungebrochener  als der durch die Aufklärung gefilterte Glaube der Christen. Der Kampf gegen die Ungläubigen gleicht einer islamischen Obsession. Widersprechende Muslime müssen mit dem Schlimmsten rechnen. Sure 2, Vers 217 sagt: „… Und der Versuch, Gläubige zum Abfall vom Islam zu verführen, wiegt schwerer als Töten. Und werden nicht aufhören, gegen euch zu kämpfen, bis sie euch von eurer Religion abbringen — wenn sie können. Und diejenigen von euch, die sich von ihrer Religion abbringen lassen und als Ungläubige sterben, deren Werke sind ins Diesseits und im Jenseits hinfällig. Sie werden Insassen des Höllenfeuers sein lind ewig darin weilen.“ Öffentlich zu verkünden „Ich glaube nicht“ oder „Ich will nicht zum Glauben gezwungen sein“  wäre lebensgefährlich.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal erklärte das Echo, das sein Roman „2084 — Das Ende der Welt“, in dem eine religiöse Diktatur beschrieben wird: „Der Westen wird gerade von meiner Welt bedroht. Da ist es normal, dass man mir zuhört.“ Der algerische Schriftsteller Kamel Daoud erklärte 2016: „Wir haben ein Recht, normal zu leben.“ Kamel Daoud spricht im Namen Hunderttausender Muslime Nordafrikas wenn er die Allmacht des Religiösen beklagt: „Ich weigere mich, an Diskursen teilzunehmen, die sagen, wir, in der arabischen Welt, können nichts dafür, dass es den Islamischen Staat, den Terrorismus und das wirtschaftliche Versagen gibt. Der Islamische Staat, das müssen wir begreifen, ist auch ein Teil von uns. Wir sind selbst schuld an dem, was passiert. Und wir sind diejenigen, die etwas ändern können.“

Als Samuel Schirmbeck nach Algerien ging hatte Huntington sein Buch „Zusammenprall der Kulturen“ noch nicht geschrieben, er gehörte zur Linken als er mit dem Islam Bekanntschaft machte. Es hat sich gewundert, welche Vorsichtsmaßnahmen Frauen trafen wenn man sich am Tag zu einem Interview verabredet hatte. Es war unmöglich, Journalistinnen einer bekannten Tageszeitung abends zum Essen einzuladen. Nur Männer kamen, brachten aber nie ihre Frauen mit. Wie zerstörerisch sich der Alltagsislam auf Frauen auswirken kann  belegt Schirmbeck an vielen Beispielen. Beispielsweise als  Korrespondent in Marokko wollte Schirmbeck das Leben auf dem Land filmen. Er fragte einen arabischen Kellner ob man bei ihm zu Hause filmen dürfe. Dieser stimmte zu und man fuhr über eine Hängebrücke in ein absolut touristenfreies  Gebiet. Der  Kellner Abdalla hatte zwei Schwestern, denen es verboten war über die Hängebrücke zu gehen, da sie ansonsten auf westliche Touristen treffen konnten.  Während des Interviews erfuhr Schirmbeck  dass Abdullah für seine Schwestern einen Ehemann besorgen will:„Der Islam hat uns Gesetze gegeben. Danach bin ich der Tutor meiner Schwestern, da mein Vater sich nicht mehr um sie kümmern kann.“ Die 17-jährige Khadidjas galt als verrückt, da sie sich ihren Mann selbst aussuchen wollte und der Bruder nur Schwierigkeiten mit ihr hatte. Obwohl  Khadidja nie einen  westlichen Touristen sah, sie keine  westlichen Medien je zu Gesicht bekam war der „westliche Virus“ in ihr eingepflanzt, sie wollte sich ihren Mann selbst aussuchen. Khadidja wurde natürlich zwangsverheiratet, blieb aber noch viele Jahre rebellisch. Deutsche Kulturrelativisten sprechen über diese Frauenverachtung ungern.

Später im Buch geht Schirmbeck auf die widersprüchlichen Ansichten von Politikern wie Heiko Maas und anderen ein. Justizminister Heiko Maas besuchte nach den Anschlägen von Paris eine Moschee in Berlin, zwei Tage nach der Erschießung von elf Angehörigen der „Charlie-Hebdo“ Redaktion und dem Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt in Paris lobte er die Erklärung von Religionsvertretern, Religion hat mit Terror nichts zu tun: „Bibel, Thora und Koran sind Bücher der Liebe, nicht des Hasses.“ Die muslimische Religionslehrerin Lamya Kaddor sah keine Notwendigkeit, sich als Muslima  von den Attentaten zu distanzieren: „Es ist den Attentätern egal, wen sie töten, es ist ihnen egal, ob Muslime dabei sind.“ Als ob man sich von der Gewalt des Stalinismus nicht distanzieren bräuchte weil auch Russen unter den Opfern waren. Der evangelische Theologe Heinrich Bedford-Strohm empfahl angesichts des Terrors von Paris, „die Kostbarkeit des Lebens“ wahrzunehmen« und mit der „Unsicherheit des Lebens umgehen“ zu lernen. Er fragte nicht, warum der Islam seit Jahrzehnten mehr und mehr Gläubige hervorbringt, die diese „Kostbarkeit“ mit Füßen treten, weil sie mit der „Unsicherheit des Lebens“ nicht zurechtkommen, im Dogma Halt suchen und ihren Hass auf die Gesellschaft konfessionalisieren. Er fragte auch nicht, warum sie sich dafür ausgerechnet den Islam und nicht eine andere Religion aussuchen. Heiko Maas fragte nicht, warum nur der Islam sich seit Jahrzehnten zu einem immer schrecklicheren „Missbrauch“ eignet, mit dem er, Maas zufolge, „nichts zu tun“ hat. Lamya Kaddor sah – da die Terroristen auch Muslime, die möglicherweise im „Bataclan“ oder auf den Cafeterrassen waren und also in deren Augen „schlechte« Muslime waren, nicht verschonten – den Islam außerhalb der Schusslinie. Als ob das Christentum zu Zeiten der Inquisition nichts mit dieser zu tun gehabt hätte, weil damals Christen Christen quälten, die sie nicht für Christen hielten. Der islamische Terrorismus hat seine Quelle im Islam.

Der Islamologe Abdelwahab Meddeb dagegen meint: Der Islam wird nicht „missbraucht“. Das Übel steckt in ihm selbst, wie der muslimische Philosoph Abdennour Bidar in seinem „Offenen Brief an die muslimische Welt“ schrieb. Weiter so zu tun, als sei er heil, als werde das Übel von selbst verschwinden, wenn man es nur lang genug verschweige, ist die Strategie der deutschen Politik, der Islamverbände und der Linksmilieus. Sie wird die „trostlose Fahrt in den Tod“ verlängern, sie beschleunigen und die Zahl ihrer Opfer noch vermehren, auch in Deutschland, so Schirmbeck.

Am Ende seines Buches schreibt Samuel Schirmbeck: “Es gab Gesten von Muslimen, die ich nie vergessen werde. Seit einem Monat filmten wir im Jahr 1993 an Gräbern, in denen von Islamisten ermordete Intellektuelle bestattet wurden. Man begegnete in diesen Momenten jeweils dem Islam der Kultur und dem Islam der Gewalt zugleich, dessen Opfer zu Grabe getragen wurden und deren Angehörige verzweifelt waren. Eines Tages wurde bekannt, dass auch der renommierte algerische Soziologe Mahfoud Boukhobza von Islamisten umgebracht worden war. Getarnt als Handwerker hatten die Untergrundislamisten sich Einlass in seine Wohnung verschafft, ihn auf einen Stuhl gefesselt und ihm die Kehle durchgeschnitten. Seine Ehefrau, die Tochter und der 17-jährige Sohn hatten es miterlebt. Dieses Vorgehen gegen „Feinde Gottes“ begann damals erst, Routine gewalttätiger Islamisten zu werden. Es handelte sich um nie Dagewesenes, um einen Intellektozid. Ich beschloss, für „Titel, „Thesen, Temperamente“ darüber zu berichten. Aber wie sollte man in eine solche Wohnung gehen, ein Interview mit Menschen machen, denen solches widerfahren war? Eine Zeitlang war ich mit meinem arabischen Kameramann um das Mietshaus gekreist und hatte dann schließlich geklingelt. Ein Verwandter bat uns, gegen Abend wiederzukommen. Dann sei die Witwe Boukhobza da. Als wir zurückkamen, sprachen wir der Familie unser Beileid aus. Jedes weitere Wort über den Mord verbot sich als zu läppisch angesichts des Geschehenen. Doch es musste etwas gesagt werden, während der Kameramann seine Gerätschaft für das Interview aufbaute. Der Sohn schaute stumm zu, während ich an das Unaussprechliche dachte, dass diese Augen gesehen hatten. Nicht er, sondern ein Freund des Ermordeten würde das Interview geben. Dieser fragte mich, wie es mir als Neuling in Algier gehe. In meiner Hilflosigkeit sprach ich über Lappalien wie die Schwierigkeit, ein Taxi oder einen Interviewpartner bei der Regierung zu bekommen und über den schon Wochen andauernden Milch-, Kaffee- und Waschmaschinenmangel, ehe das erlösende Gespräch vor der Kamera begann. „Boukhobza gehörte zu den Besten“, sagte der Mann mit leiser Stimme, „immer töten sie die Besten.“ Nachdem wir unser Material eingepackt hatten und Frau Boukhobza uns durch den Korridor bis an die Tür begleitete, drückte sie mir die Hand. Ich spürte etwas Weiches, ein Pfund Kaffee.“

Das Buch von Samuel Schirmbeck ist aktueller denn je und trotz einiger Wiederholungen sehr zu empfehlen. Vor wenigen Tagen hat der Islamist Anis Amri einen LKW in Berlin gekapert, den polnischen Fahrer erschossen und ist mit dem LKW in einen Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gefahren um möglichst viele „Ungläubige“ zu ermorden. Die Reaktionen auf den Berliner Anschlag von Politik und Medien waren kaum überraschend: „Wir leben weiter wie bisher“ und “jetzt erst recht auf Weihnachtsmärkte gehen“ oder „das alles hat nichts mit dem Islam zu tun“ und  „es gibt keine absolute Sicherheit, wir müssen mit dem Terror leben.“ Höhepunkt war ein Plakat mit der Aufschrift: #Terror hat keine Religion #Berliner Muslime gegen Terror – mit Logos von diversen islamistischen Islamverbänden vom Islamrat bis Milli Görüs.

Die islamistische Moderne bekämpft den westlichen Lebensstil, ermordet Ungläubige auf Weihnachtsmärkten und benutzen dafür „ohne zu zögern die Mittel und Technologien der Ungläubigen.“ Die Trennung von Islam und Islamismus  erfolgt ohne jede rationale Argumentation, ohne jede Grundlage. Wer kann den Unterschied zwischen Islam und Islamismus erklären? Gehört die Scharia, die islamische Rechtsordnung noch zum Islam oder schon zum Islamismus? Ist die Verschleierung des weiblichen Haares religiöse islamische Pflicht oder sind solche Ansichten islamistisch? Gehört die strikte Geschlechtertrennung, die Verfolgung von Homosexuellen, Apostaten und Andersdenkenden noch zum Islam oder ist das schon Islamismus?

Solange Islamkritik den Rechten überlassen wird, die sich nicht gegen den Islam sondern gegen die Muslime richtet, solange sich Linke und Linksliberale hinter ihrem Kulturrelativismus verschanzen, solange die Sorge von Christen und christlichen Parteien bezüglich der Sicherung von Religionsfreiheit über allem steht wird sich die islamische Wirklichkeit nicht ändern. Zur Erinnerung: Als die islamische Welt wegen der paar Mohammed-Karikaturen außer Rand und Band geriet, setzte sich Edmund Stoiber von der CSU nicht für die Meinungsfreiheit ein, er wollte den Blasphemie-Paragraphen verschärfen.

Das hiesige Appeasement an den Islam belegt ihre Gleichgültigkeit gegenüber den vielen Opfern der islamischen Ideologie. Michael Müller, der Bürgermeister von Berlin hat die gläubige Muslimin Sawsan Chebli zu Staatssekretärin gemacht. Sie bezeichnet das Kopftuch als eine religiöse Pflicht und hält die Scharia für grundgesetzkompatibel. Wenn es nicht so traurig wäre könnte man darüber schmunzeln. Es ist längst an der Zeit, dass in den muslimischen Communities in Europa der innerislamische Diskurs über die Widersprüche dieser außer Rand geratenen gewalttätigen Religion beginnt. Eine Diskussion über den Islam in Europa ist die Voraussetzung für die längst fällige Domestizierung des Islam. In Algerien, Marokko und beispielsweise im Iran gibt es viele mutige Muslime die gegen die Zumutungen des Islam unter dem Einsatz ihres Lebens protestieren. Diese oppositionellen Menschen hoffen seit vielen Jahren auf Unterstüzung aus dem scheinbar aufgeklärten Westen. Bisher hoffen sie vergebens.

Veröffentlicht auch bei Fisch und Fleisch

Advertisements
35 Kommentare leave one →
  1. 23. Dezember 2016 20:15

    Lieber Manfred!

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Er ist im Übrigen auch sehr schön geschrieben, klar und eloquent. Ich habe manchmal den Eindruck bei meinen eigenen Sachen die Linie zu verlieren, aber für dich scheint das kein Problem darzustellen.

    Ich glaube, dass es einen politischen Grund gibt auf einer Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus zu beharren, selbst wenn er schwierig ist. Die Schwierigkeit besteht nicht so sehr für nicht-Muslime, denn von außen lassen sich immer Grenzziehungen fest stellen, sondern dass diese Grenzziehung von innen kaum möglich ist. Es muss jedoch eine Weg geben, eine menschliche und offene Migrationspolitik zu machen und den Islamophobie Experten einerseits sowie den populistischen Rechten andererseits politisch wirkungsmächtig zu begegnen. Mich würde ja interessieren welche der Leute, die hier kommentieren selbst einmal mit Rassismusvorwürfen konfrontiert waren, wenn sie Islamismus kritisiert haben. Ich weiß, dass jedes mal wenn mir das passiert ist, mich das tief getroffen hat. Aber es geht da weniger um meine Befindlichkeit als vielmehr darum zu sehen, dass sich Linke und Recht kaum unterscheiden wenn sie sich mit Widerspruch konfrontiert sehen. Die Aufzählung der stalinistischen Verbrechen und Stalins Packelei mit Hitler hat mir auf einem Forum einmal den Vorwurf nationalsozialistischer Wiederbetätigung eingebracht (in Österreich ist das eine Straftat), natürlich ausgerechnet von Leuten, die den Zionismus für eine rassistische Ideologie halten. Auch der Stalinismus hat natürlich nichts mit dem wahren Sozialismus oder dem Marxismus als politischer Ideologie zu tun, während Israel eine Art Blaupause des Naziregimes ist. Dass Islamkritik darum in manchen Kreisen als „Hetze“ gegen alle Muslime verstanden wird ist da nur die Fortsetzung des Stalinismus mit anderen Themen. Fortschritte sind hier nur gegen den opportunistischen Mainstream derer zu machen, die sich für besonders kritisch halten. Und das heißt, dass es vorerst nur auf kleine Foren und Blogs wie unsere beschränkt sein wird, aber so ist das nun einmal.

    Ich möchte darum etwas ausführlicher auf die Frage eingehen, ob es einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus gibt. Meiner Ansicht ja, aber er ist schwierig zu argumentieren und noch schwieriger politisch wirksam zu machen. Zum einen hat das damit zu tun, dass Muslime selbst das nicht oder nur sehr schwer tun können. Es hat mit einem Problem der religiösen Offenbarung selbst zu tun.

    Die islamische Tradition hat ein schweres Problem mit dialektischen Widersprüchen und die Phrase „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“ ist ein Ausdruck davon. Identität mit sich selbst ist notwendiger weise Tautologie. Wenn man das Glaubensbekenntnis „Es ist kein Gott außer Gott“ als zentrale philosophische Weisung betrachtet, sollte man sich zuerst ansehen, wie das Christentum mit dieser Frage umgeht. Was ist Gott im christlichen Sinn? Seit dem 3. Jahrhundert ist die Trinität ein christliches Dogma, das zahlreiche Kritik, Schismen und Anfeindungen erlebt hat. Die trinitäre Erscheinung von Vater, Sohn und Heiliger Geist sagt uns jedoch, dass das Christentum das Wesen Gottes als prinzipiell gespalten ansieht. Gott ist nicht identisch mit seiner Erscheinung, nicht das Zusammenfallen von Objekt und Begriff, sondern Christentum ist Nicht-Identität.

    Es ist kein Zufall, dass der bedeutendste Vorwurf des Islam an das Christentum ist kein echter Monotheismus zu sein, dazu kommt dass im Koran die Dreifaltigkeit als Familienaufstellung Vater, Sohn, Maria verfälscht wird, das das islamische Argument unterstützt dass Gott keine Kinder haben kann. Die Tautologie dass kein Gott außer Gott sei hat die fatale Wirkung, dass jede von Gott geschaffene Realität die Logik des Eins mit sich selbst wiederholen muss. Wo die christliche Tradition eine Trennung zwischen Politik und Religion zuließ konnte sie auch den säkularen Staat akzeptieren, in dem es eine minimale Trennung zwischen den Institutionen geben muss.

    Die Schwierigkeit innerhalb des Islam einen Unterschied zwischen Islam und Islamismus zu finden beruht darauf, dass es generell schwierig ist begriffliche Trennungen und dialektische Widersprüche zuzulassen, weil es einen beständigen Zwang zur Identität des Unvereinbaren gibt. Genau so wie in Orwells 1984, oder in Stalins Sowjetunion die Menschen zu innerer Übereinstimmung mit dem äußeren Zwang verpflichtet müssen islamistische Regime die Übereinstimmung der Realität mit der Repräsentation erzwingen. Die historische Erfahrung der muslimischen Länder mit säkularen Staaten war stets negativ, weil die Machthaber stets denselben oder sogar noch schlimmeren Terror gegen alle Widersprüche und Oppositionen einsetzten. Die einzige Möglichkeit die säkularen und demokratischen Kräfte zu stärken besteht darin die Religion Islam von ihrem Zwang zur Sinnstiftung zu entlasten. Das heißt sie kann als spirituelle Ressource ihren Zweck haben, aber nicht als Ersatz für eine politische Gesellschaft verwendet werden.

    Wenn man die reaktionärsten Kräfte marginalisiert, bleiben immer noch genug andere übrig, aber es wäre vielleicht möglich einen Dialog zu finden, der den jeweils anderen als solchen wahrnimmt. Zur Zeit ist das von islamischer Seite nicht so, aber Schirmbecks Buch zeigt, dass wir zu wenig auf die richtigen Leute zu gegangen sind. Sein Text könnte das vielleicht ändern.

    Gefällt mir

    • 24. Dezember 2016 13:12

      Lieber Jurek, vielen Dank für deinen Kommentar.

      Auf die aufgeworfenen Fragen werde ich die nächsten Tage eingehen. Vorab so viel: Wenn ich mir die Talksendungen in Deutschland und in Österreich ansehe und sie vergleiche, dann seid ihr um Längen voraus. Während die deutschen Talksendungen stinklangweilig mit immer denselben Gästen sind, bleibt ihr der legendären, informativen Club 2-Tradition treu.

      Vor ein paar Tagen sah ich Talk im Hangar 7 mit u.a. Karin Kneissl und einem resoluten Moderator. Gegen Ende der Sendung moderierte er wie es im deutschen Fernsehen unmöglich wäre. Siehe: http://www.servustv.com/at/Medien/Talk-im-Hangar-7158

      Schöne Feiertage (auch an Hibouh u. Max Hofer)

      Gefällt mir

  2. 24. Dezember 2016 08:26

    Lieber Manfred! Nu habe ich sowohl Deinen Artikel – klar und deutlich, da stimme ich zu – als auch den langen Kommentar von Jurek Molnar – wo ich schon mehr Konzentration brauchte, um nicht verwirrt zu werden – gelesen. Danke, frohes Fest und İyi seneler! Ja, Islam als spirituelle Resource (sagt Molnar)
    , jede Religion als Privatsache in einem laizistischen Staat! Aber ist das so? Hier wird auch noch das kleinste Detail versucht, nach den Hadith zu regeln. Bis es mit dem Bierkonsum auch soweit ist, werden ordentlich Steuern auf Alkoholika draufgehauen……

    Gefällt mir

    • 24. Dezember 2016 10:38

      Wir sind noch nicht soweit, dass das eine gelebte Realität ist. Wenn wir davon ausgehen würden, dass das unveränderbar sei, müssten wir die rechte Rhetorik vom Bürgerkrieg übernehmen und das glaube ich kann nicht Sinn der Sache sein.

      Im Gegensatz zu vielen anderen bin ich sehr optimistisch, dass dies gelingen wird. Deutschland hat sich nur positiv verändert, auch in Österreich gab es sehr ermutigende Entwicklungen.

      Gefällt mir

    • 24. Dezember 2016 13:06

      Lieber Hibouh,

      ich habe in letzter Zeit des Öfteren an dich gedacht und mich gefragt wie es dir derzeit in der Türkei ergehen mag. Ich gehe davon aus, dass du noch immer dort bist. Ich hoffe es passt alles einigermaßen, den Umständen entsprechend versteht sich.
      Religion ist Privatsache, wenn sie in den eigenen vier Wänden gelebt wird und niemand unter Zwang zu dieser Religion gezwungen wird, gibt es wenig einzuwenden. Dass die Entwicklung in der „laizistischen“ Türkei in die entgegengesetzte Richtung läuft gehört zu den Übeln unserer Zeit.

      Gefällt mir

  3. Max Hofer permalink
    24. Dezember 2016 09:45

    Vielen Dank für diesen Artikel. Folgendes YouTube Video bei Lanz kann ich auch nur empfehlen. Das Buch von Samuel Schirmbeck habe ich bestellt und freue mich darauf.

    Gefällt 1 Person

  4. 24. Dezember 2016 13:14

    Kurz vor Weihnachten noch folgender lustiger Disput in FB:

    Am 22. Dez. postete ich in Facebook „Schrecklicher Verdacht: Hat der Anschlag von Berlin etwas mit dem Islam zu tun?“ Viele Kommentare folgten.

    Ein Junge Welt-Anhänger griff mich dann folgendermaßen an:

    „wer – wie Sie – islampolitisch Agitation im Achgut/PEGIDA-Stil betreibt, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Schulterschluss zu üben mit den Hauptträgern des archaischen, völkischen „Deutschland“, das Walser, Möllemann und Co. hervorbrachte. ..“

    Ich antwortete: „Wer -wie Sie- bei meinem Kommentar von PEGIDA halluziniert muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den Schulterschluss zu üben, mit faschistischen Islamisten, die mit LKWs in Weihnachtmärkte oder wie in Nizza in die Promenade des Anglais fahren um möglichst viele unbeteiligte Menschen zu ermorden. Um es ganz kurz zu machen, ich denke bei ihnen wie bei ihren Klienten, den islamistischen Mördern ist Hopfen und Malz verloren.“

    Darauf der Junge-Welt-Mann: „Sie sind ein mieser kleiner Hetzer. Entfernen Sie das letzte Posting bis heute abend, oder es gibt eine Anzeige.“

    Natürlich habe ich nichts zurückzunehmen. Ich bin ja in Facebook nicht viel unterwegs, aber ich werde meinen Konsum dort noch mehr einschränken müssen. Man ärgert sich doch viel zu sehr über derlei Dampfplauderer.

    Gefällt mir

    • 24. Dezember 2016 16:55

      Der Ton ist schon heftig. Vor allem: Warum ist die Referenz zu PEGIDA sofort da?
      Und es ist für mich eine Neuigkeit, dass die Achse des Guten jetzt auch schon rechts extrem ist?

      Zugegeben, ich mag die nicht so besonders, aber dass die ein Repräsentant des archaischen, völkischen „Deutschland“,(warum die Anführungszeichen?) sein sollen, ist merkwürdig.

      Eine Vermutung von mir ist, dass eine marginalisierte Linke zum ersten Mal seit langem sich in Konsens mit einem Mainstream sieht, dessen Diskurs sie mitbestimmen kann.

      Der Stalinismus, sagt Althusser ist die Raserei des autonomen Subjekts.

      Gefällt mir

    • 25. Dezember 2016 10:50

      Wie heißt denn der „Junge-Welt-Mann“, der wohl wild austeilen aber nicht einstecken kann?

      Gefällt mir

  5. 26. Dezember 2016 19:35

    Lieber Manfred,

    zunächst danke für Deine Darlegung von Schirmbeck`s Buch. Neben grundsätzlicher Zustimmung, ja, Religionskritik, besonders „beim Islam“, ist dringend notwendig, ein paar kritische Gedanken, die ich zu Deinem Blog loswerden muss: Deine Sprache von „der Islam macht Angst“, „seine Intoleranz“, „seine Frauenverachtung“, seine Brutalität“ etc. ist zu nah an der Art von „Islamkritik“, die auch heutige Rechtspopulisten (ggf. aus anderem Antrieb) betreiben. Da ich möglichst wenig Schnittmengen mit diesen haben und ihnen dennoch nicht das Feld überlassen möchte, würde ich hier etwas differenzierter, ggf. von einer zu ändernden Auslegung oder Interpretation eines Teil des Islams (selbst wenn es der größte sein sollte), welcher die Probleme Angst, Intoleranz, Frauenverachtung, Brutalität etc. zur Folge hat, sprechen. Oder zumindest nicht ganz so absolut „der Islam macht vorwiegend…“ oder so ähnlich. (Natürlich wäre auch mir grundsätzlich eine Aufklärung, die eine Emanzipation von Religion wäre, lieber d.h. eine aufgeklärtere Menschheit, die keines Islam und auch keiner Religion bedarf. Da dieser Schritt vermutlich noch größere, als die derzeitigen auf der Erde statt findenden Verwerfungen, also Überforderung, hervorrufen würden, müssen wir uns leider mit der langsameren Version, der Forderung nach islamischer Reformation, begnügen.) Deine selbst vorgebrachten und auch die von Schirmbeck zitierten Belege von „muslimischen Islamkritikern“, „von Bäuerinnen bis Gelehrten, Schriftstellern, Künstlern“, von denen nicht anzunehmen ist, dass sie alle Atheisten oder Christen, sondern selbst Teil „des Islams“ sind – was bei Schirmbeck mit „Muslimen, die öffentliche Anti-Ramadan-Picknicks in Marokko und Algerien veranstalten, auch klar genannt wird – stehen übrigens auch zu diesen absoluten Aussagen in einem gewissen Widerspruch. Soll ich „den Islam“ einer türkischen Radiomoderatorin kritisieren, die ihre Solidarität mit Israel auf Sure 5, 20-21 begründet? Ich finde es also grundsätzlich nicht empfehlenswert von „dem, den oder der Islam“ sprechen, oder zumindest auch bei Deniz Yücel`s Islam-Definition, er sei die Summe dessen, was seine Anhänger denken und tun, im Kopf zu behalten, dass auch die iranischen Massenaufstände 2009 Teil des Islams sind. Ich glaube daher nicht dass „der Islam“ sondern eine bestimmte und verbreitete Interpretation des Islam schuld ist, weil es, wie Schirmbeck am Ende seines Buches selbst sagt, u.a. den Islam der Kultur, wie auch den Islam der Gewalt gibt, der erste ist des zweiten Opfer!

    Ein weiterer, kleinerer Kritikpunkt ist die willentliche Verwischung zwischen Islam und Islamismus, auch wenn deren Grenze tatsächlich kaum anzugeben ist. Hier würde ich mit Jurek Molnar dennoch für eine Unterscheidung plädieren, da es nur falsch sein kann jegliche Differenzierung aufzugeben. Naturgemäß ist es falsch, wenn nach islamistischen Anschlägen gesagt wird, es hätte nichts mit dem Islam zu tun. Ebenso falsch wäre jedoch die Feststellung der Kongruenz des Islams mit dem Islamismus. Obwohl Du einerseits die Islam-Islamismus-Grenze gern aufheben willst, führst Du andererseits selbst eine neue Kategorie und Grenze ein, die des Alltags-Islams. Deren Grenze hin zum restlichen Islam wäre wohl ähnlich schlecht benennbar.

    Zuletzt: ohne Lamya Kaddor eigentlich verteidigen zu wollen, kann ich verstehen, dass sie, obgleich sie ggf. ihren Beitrag zum Erhalt bestehender Islam-Dogmen geleistet hat, dennoch keinen Anlass sieht, sich von den Attentaten in Paris distanzieren zu müssen, weil dazu praktisch nichts beigetragen hat, selbst keine „Gewaltinterpretation“ vertritt und weil eben Beliebiges aus „dem Islam“ interpretierbar ist, genau jener Punkt, der künftig dringend zu ändern ist.

    Hier muss, meines Erachtens eine dem 21.Jhd. (so traurig es klingt!) gemäße Interpretation erarbeitet sowie dieser auch zur Meinungshoheit verholfen werden, in dem genauso, wie im Blog genannt wird, jenen aufgeklärteren Menschen, Islamkritikern etc. eine Plattform zur massenhaften Verbreitung Ihrer Islam-Interpretationen verschafft werden muss, um „den Islam“ zumindest auf ein Harmlosigkeitsniveau entsprechend dem christlichen erodieren zu können. Die westliche Welt kann also m.E. besten Falls als Ideengeber mit abfärbender Kritik sowie als Supporter auftreten, vollzogen werden muss die Reform von den Muslimen selbst. Um als westlicher Humanist glaubwürdig zu bleiben, muss Kritik möglichst genau an der Sache, der Religion, und möglichst wenig pauschalisierend erfolgen, so meine Vorstellung von der Fahrt zwischen Skylla und Charybdis, also notwendiger Islamkritik und zu vermeidender Diskriminierung von Muslimen.

    Die angesprochenen Punkte verfälschen naturgemäß das Gesamtbild, weil ich eben nur Kritik benenne und zu den affirmativ gelesenen Blog-Passagen schweige. Es ist ohnehin leichter Kritik zu üben, als eine „Wahrheit“ zu künden, sowie es auch leichter ist, Fragen zu stellen, als Antworten zu liefern.

    Insgesamt nochmal Dank für Deine Ausführungen.

    Louis Levy

    Gefällt 1 Person

    • 27. Dezember 2016 14:50

      Ich hab meine Antwort versehentlich an Manfreds Beitrag weiter unten dran gehängt.

      Gefällt mir

  6. 27. Dezember 2016 11:03

    Boualem Sansal u.a. Liebling der „Jungen Freiheit“
    http://inrur.net/wiki/Boualem_Sansal

    Gefällt mir

    • 28. Dezember 2016 11:29

      Das ist schade, richtig, aber er gab auch der Jungle World ein Interview:

      Boualem Sansal wurde 1949 in Algerien geboren, ist promovierter Volkswirt und arbeitete seit 1992 im algerischen Industrieministerium. 1999 erschien sein erster Roman, »Der Schwur der Barbaren«. Nach der Veröffentlichung seines »Persönlichen und politischen Tagebuchs« 2003 wurde Sansal gekündigt, seither ist er ausschließlich als Schriftsteller tätig. Wegen seiner Kritik am Islam und seiner recht positiven Haltung zu Israel ist er in vielen arabischen Staaten umstritten. 2011 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, in seiner Preisrede plädierte er eher moderat für eine Aussöhnung der Araber mit Israel. Sein neues Buch, »Allahs Narren« (»Gouverner au nom d’ Allah«), gibt einen Abriss der Entwicklung des modernen Islamismus und beschreibt, welche Rolle der Westen bei der Radikalisierung des Islam spielt.

      Zu Islam und Demokratie meint Boualem Sansal:

      Im Grunde ist der traditionelle Islam schon lange verschwunden. Definiert war er durch die Einheit von Religion und Staat. Seinen Staat hat der Islam schon im 12. Jahrhundert verloren. Seither hat er sich in unterschiedliche Bewegungen zersplittert, die sich auch untereinander bekämpfen. Übrig geblieben war die Religion, aber auch eher nur als eine Art Routine, die sich um die Moscheen zentrierte, die es in jedem Ort gibt. Doch die Religion, wie sie dort praktiziert wurde, war primitiv, eher auf dem Stand von Magie. Deshalb wollte man den Islam wieder zur Sache des Staates machen. Man hat dem Islam Verfassungsrang verliehen, es wurden Imame ausgebildet. Das alles war aber bereits eine Folge der Zersplitterung des Islam. Diese Islamisierung war vor allem eine Gegenbewegung: gegen den Zerfall des traditionellen Islam, gegen den Kolonialismus, gegen den Westen, gegen die modernen Frauen, gegen die Kopten, gegen die Juden und Israel … Dieser Islam konstituiert sich durch den Hass auf die anderen. Auch auf die Neureichen übrigens: In der muslimischen Welt hat man nie diejenigen umgebracht, die immer schon reich waren, sie wurden als Teil der eigenen Kultur geschätzt. Man tötete die neuen Reichen, die Aufsteiger, die gestern noch einfache Funktionäre gewesen waren, weil man sie als Eindringlinge empfand.

      Interview: Bernd Beier und Magnus Klaue in der Jungle World

      Gefällt 1 Person

  7. 27. Dezember 2016 11:19

    Meine etwas länger gewordene Antwort auf die Kommentare von Jurek Molnar und Louis Levy:

    Mir wäre es auch lieber wenn die Unterscheidung zwischen Islam und Islamismus, wie sie ohne jede Begründung im politischen und medialen Mainstream vollzogen wird, problemlos zu machen wäre. Jurek Molnar hat in seinem Kommentar schon einiges dazu gesagt, was ich absolut teile. Siehe christliche „Trinität“ und das islamische „Es ist kein Gott außer Gott“. Für das Christentum war es wesentlich einfacher sich zu domestizieren als dies im Islam möglich ist. Während es sich bei der Bibel um eine Sammlung von Mythen und Erzählungen handelt, die unterschiedlich interpretiert werden können, sind die Texte des Korans die direkten Worte Gottes die noch vom Propheten festgelegt wurden. Wenn die Suren des Korans 1:1 die Worte Gottes sind, dann müssen diese Worte für gläubige Muslime 1:1 ausgeführt werden. Es gibt alleine im Koran unzählige Anweisungen wie mit „Ungläubigen“ umzugehen ist, von den Hadithen ganz zu schweigen.
    Beispiel: „Und tötet sie, (die Ungläubigen) wo immer ihr sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben. Denn Verführen ist schlimmer als Töten. Kämpft nicht gegen sie bei der heiligen Moschee, bis sie dort gegen euch kämpfen. Wenn sie gegen euch kämpfen, dann tötet sie. So ist die Vergeltung für die Ungläubigen.“ (Sure 2, Vers 19) Sich als Muslim dagegen zu wehren ist durchaus lebensgefährlich. Wenn ein Christ sich über das Christentum lustig macht, passiert nichts.

    Der 1:1 Glaube an den Koran mit Mohammed als Prophet ist im Islam das Entscheidende und im Christentum ist es der Glaube an Jesus. Wenn man sich die Biographien von Mohammed (verbreitete seine Lehre mit dem Schwert, köpfte dabei Juden und „Ungläubige“ – auch mit eigener Hand) und Jesus (Predigte Nächstenliebe und stirbt am Kreuz) ansieht muss man sich nicht weiter wundern. An der Stelle sei erwähnt, dass ich Atheist bin und ich nicht weiß wie historisch die beiden Figuren sind.

    Der Alltags-Islam ist keine neue Kategorie oder Grenze, es ist der Islam wie er eben in den verschiedenen Ländern gelebt wird. Die Scharia gilt zwar in allen islamischen Ländern, wird aber unterschiedlich angewandt. Ist der Alltags-Islam in Algerien, im Iran oder in den muslimischen Parallelgesellschaften in zugegeben unterschiedlicher Intensität islamisch oder islamistisch. Ist die Geschlechtertrennung mit seinen Symbolen („Das Kopftuch ist eine religiöse Pflicht“, Sawsan Chebli, Staatssekretär Berlin) islamisch oder islamistisch?

    „Der Islam macht Angst“ sagt nicht nur Samuel Schirmbeck, viele Umfragen bestätigen ihn. Ich finde Furcht vor dem Islam wäre die präzisere Wortwahl. Denn die Furcht ist rational. Über die Furcht der Juden vor dem islamischen Antisemitismus möchte ich mich hier nicht auslassen, das würde hier den Rahmen sprengen. Die Re-Islamisierung von Khomeini seit 1979 zeigt seit knapp vier Jahrzehnten ständig steigende extremste Gewalt, Intoleranz und Frauenverachtung. Seit 9/11 kommt diese Gewalt, Intoleranz und Frauenverachtung immer näher und Menschen die in der Religion den Verursacher vieler Probleme sehen haben Furcht davor.
    Es ist nicht nur die Furcht vor dem Islam, beinahe schlimmer ist die Tabuisierung der islamischen Gewalt. Wer es nicht so toll findet wenn Karikaturisten in Paris wegen ihrer Islamkritik, wenn Juden weil sie Juden sind, wenn Besucher von Weihnachtsmärkten von Islamisten ermordet werden oder 3000 Menschen in den USA von Gotteskriegern geopfert werden, usw, usw, mit Pegida oder anderen Rechtspopulisten verglichen wird, muss sich über die Spaltung der Gesellschaft (und entsprechenden Wahlergebnissen) nicht wundern.

    Die Antworten der Politik und der Kirchen und überwiegend der Medien sind erbärmlich und erzeugen weitere Furcht. Als Antwort auf den Islamismus müssten die Christen einfach mehr in die Kirche gehen, so Margot Käßmann und diverse PolitikerInnen. Mehr Polizei, mehr Überwachung (gegen Videokameras habe ich nichts), weniger Bürgerrechte usw. fordert die Mehrheit im Bundestag, die oppositionelle Minderheit verharmlost den islamischen Terror. Die CSU wollte, wie bereits erwähnt, nach den Mohammed-Karikaturen den Blasphemie-Paragraphen verschärfen. Wer bei diesen lächerlichen Antworten auf den Terror keine Furcht hat, lebt in einem Elfenbeinturm.

    Als Papst Benedikt 2006 Kaiser Manuel II. Palaiologos (1350–1425) zitierte: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat, und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten“ kam es zum Eklat und Bene war für viele ein Hassprediger. Islamkritiker (auch in Europa!) stehen mit einem Bein im Grab, Theo van Gogh wurde von einem Islamisten ermordet, Westergaard kam gerade nochmal davon, Hamed Abdel Samad kann in Deutschland nicht ohne fünf Leibwächter aus dem Hause gehen. Wie es in der islamischen Welt um Islamkritiker bestellt ist habe ich im Artikel angedeutet.
    Zur Frage der türkischen Radiomoderatorin und der Sure 5, 20-21: Ich belege meine Solidarität mit Israel mit rationalen Argumenten und die vielen judenfeindlichen Aufrufe zu Ermordung der Juden im Koran belegen, dass dies der bessere Weg ist. Der Magisierung der Welt sollte entgegentreten werden, auch wenn die Magisierung einmal ausnahmsweise keine Menschenleben fordert.

    Wir sind uns einig, die Muslime sollten nicht verallgemeinernd für ihre Religion kritisiert werden, Muslime die sich die friedlichen Aussagen im Koran heraussuchen und nach ihnen leben sind nicht zu kritisieren. Sie leben ihre Religion privat und missionieren niemanden, auch nicht ihre Kinder. Ich kenne solche Muslime.

    Noch was zur unsäglichen Lamya Kaddor: Wenn ich Katholik oder katholischer Religionslehrer wäre und andere Katholiken würden Flugzeuge entführen um damit in Hochhäuser zu fliegen um tausende Menschen zu ermorden und danach würden Abschiedsvideos mit katholischen Gesängen und religiösen Begründungen für die Tat auftauchen, andere Katholiken würden an tausenden Orten dieser Welt „Ungläubige“ auf bestialische Weise mit katholischen Begründungen ermorden, Katholiken würden im Jahr 2016 Frauen wegen außerehelichem Geschlechtsverkehr nach katholischem Recht steinigen, Millionen von Frauen wären nach katholischem Recht verpflichtet ihr Haar zu verhüllen, usw, usw, dann würde ich erstens nicht sagen, das hat alles nicht mit dem katholischen Glauben zu tun und ich würde mich zweitens hinterfragen ob meine Religion in unser Jahrhundert passt und wenn ja, dann wäre eine Distanzierung vom Terror meiner Religion das mindeste.

    Zum Abschluss sei nochmal die Frage wiederholt, ist der Alltags-Islam in Algerien, im Iran oder in den muslimischen Parallelgesellschaften in zugegeben unterschiedlicher Intensität islamisch oder islamistisch? Präzise gefragt: Ist die Geschlechtertrennung mit seinen Symbolen („Das Kopftuch ist eine religiöse Pflicht“, Sawsan Chebli, Staatssekretärin Berlin) islamisch oder islamistisch? Diese Frage hätte ich gerne beantwortet. Antworten auf solche Fragen von Muslimen und Nichtmuslimen halte ich für zielführend.

    Gefällt 1 Person

    • 27. Dezember 2016 14:49

      Ich glaube, dass das Problem nochmals anders betrachtet werden muss, wenn man ihren äußerst wichtigen Einwänden Rechnung tragen will.
      Es stimmt , dass man vor allem auf unserer Seite auf einer differenzierenden Sichtweise beharren soll und die Schnittmenge mit den Rechtspopulisten möglichst gering halten. Aber in meiner Wahrnehmung tut das die Linke schon seit Jahrzehnten und auch die meisten PC Vertreter sind ja darum bemüht durch Selbstkritik und anti-Imp Gefasel das muslimischen Gegenüber emotional zu entlasten.

      Ich glaube, dass das notwendig oder zumindest nachvollziehbar als moralische Haltung ist, aber man sollte nicht den Fehler sich allzu viel Wirkung davon zu versprechen.

      Es hätte mindestens 200 Jahre Zeit für islamische Reformationen gegeben. Wenn man sich darauf verlässt, dass „die Reform von den Muslimen selbst“ kommen, wird es länger dauern, denn eine Reform oder Veränderung muss aus einem Bedürfnis danach kommen und das sehe ich nicht. Das Beispiel Lamya Kaddor zeigt, dass es letztlich darum geht die Unantastbarkeit des Islam zu erhalten, und eben lediglich seine Praxis an bestimmte zeitgeistige Erfordernisse anzupassen. Das muss nicht so sehr ihre Schuld sein, sondern kann damit zu tun haben ihre Glaubwürdigkeit in einer Community zu bewahren, aber auch das ist schon ein Problem, mit dem man sich beschäftigen muss.

      Eine islamische Reformation kann nur aus einem Islam kommen, der sich a.) nicht für an sich perfekt und abgeschlossen hält, was eine dogmatische Lehre bei Extremisten und Moderaten ist und b.) selbstkritische Reflexion als Teil der eigenen Wahrnehmung etabliert.

      Wenn es z.B. um ein zeitgemäßes Gedenken und Kritik am Kolonialismus geht, müssten westliche und islamische Linke gemeinsam die Praxis der Sklaverei als gemeinsames Verbrechen und historische Bürde zelebrieren. Aber anti-Imp Linke würden das von ihren muslimischen Partnern niemals fordern und islamische Aktivisten würden keinen Grund sehen das zu tun, weil historisch-kritische Selbstreflexion nicht Teil des Verhaltenskatalogs sind, vor allem wenn die perfekte Welt der frühen Prophetengemeinschaft Vergangenheit immer schon idealisiert.

      Wie gesagt, ich halte die Differenzierung Islam/Islamismus für wichtig, weil man sich immer eine Tür offen lassen sollte, aber sie wird nicht entscheidend sein, den Krieg gegen den Islamismus zu gewinnen.

      Gefällt mir

    • 27. Dezember 2016 14:51

      Meine Antwort sollte natürlich an Louis Levy gehen.

      Gefällt mir

    • 29. Dezember 2016 10:04

      Lieber Manfred,

      habe momentan keine Zeit übrig, um mich hier zu beteiligen, aber habe etwas reingelesen, auch den ausgezeichneten Artikel gelesen. Bin leider längst noch nicht durch bei allen Kommentaren und schaffe zunächst nicht mal mehr das.
      Dennoch möchte ich mit positiver Verblüffung hier feststellen, daß mir Deine ausgezeichneten Kommentare zum Thema rund um den Islam imponieren, auch die weiteren Kommentare, soweit ich sie las.

      Dieses ist es wohl, was man ein „süßes Bedauern“ nennen kann, daß ich mir die Zeit gerade nicht nehmen kann, aber hoffnungsvoll berührt bin von dem klaren Verstand, und dem fairen Umgang mit der Thematik, wie ich es hier vorfinde.
      Vielleicht ist es sogar angebracht, diesen Ort hier als Ruhepol für Verstand und Seele (um nicht „Nerven“ zu sagen) zu bezeichnen, angesichts der lärmenden Hysterie, Narzissmen und Polemik andernorts zu diesem Thema, sei es pro, contra oder „para“.
      Es ist wichtig möglichst sachlich bei der Sache zu bleiben.

      Wünsche euch allen einen guten Rutsch (in den Worten von Louis Levy und di mamelošn: gut Rosch! – auch wenn mir das schon hinter uns haben;-) und gute Wünsche für das kommende Jahr 2017, und mitlesenden Jidn weiterhin Chanuka ßameach!
      Danke.
      A.mOr.

      Gefällt 1 Person

  8. 27. Dezember 2016 19:55

    Lieber Manfred,

    wie bereits gesagt, wäre auch mir eine Aufklärung, die eine Emanzipation von Religion wäre, grundsätzlich lieber. Trotzdem ist es Faktum, dass „dem Islam“ ebenso ein Islam der Kultur, wie ein Islam der Gewalt entspringt (Schirmbeck). Auch Abdel-Samad, der zugegebenermaßen kein Publizist von besonderer Intellektualität ist, betitelt sein Buch „Der Koran: Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses“ und zeigt in diesem Buch, warum sich friedliebende Muslime ebenso auf den Wortlaut des Korans stützen, wie dies gewalttätige Islamisten tun. Warum du jedoch unter „der Islam“ nur und ausschließlich seine Hass-, Tötungs- und sonstige Schattenbotschaft rubriziert sehen willst, (in dieser Absolutheit kann eine Aussage nur falsch sein, auch wenn sich die Handhabung für Dich dadurch vereinfacht!) entzieht sich meiner Kenntnis. Dass es eine Koranexegese (Tafsīr und Taʾwīl) gibt und dass der Islam in unterschiedlichen Ländern auch verschieden gelebt wird (Stichwort: Alltags-Islam), ist doch genau Beleg für unterschiedliche Auslegbar- und Interpretierbarkeit des Islam, oder?

    Und der Alltags-Islam wäre angeblich keine neue Kategorie mit nicht benennbarer Grenze? Dann musst Du erklären, warum man/frau es nicht „Islam“ nennt sondern zwingend ein eigenes sprachliches Konstrukt dafür benötigt?

    Außerdem sprichst Du von „1:1 Glaube“. Was soll das sein? Die Übereinstimmung der Überzeugung mit der Gesamtheit einer interpretierbaren Schrift? Ich sehe darin nur eine grobe, theoretische Vereinfachung, die praktisch so gut wie unmöglich ist, ähnlich der „Wahrheit“. Dass aus dem Koran Solidarität mit Israel genauso wie Hass auf Israel heraus lesbar ist, beweist Gegenteiliges!

    Und damit wir uns nicht missverstehen: Man kann und muss es kritisieren – „nicht toll finden“, wie du schreibst – wenn Karikaturisten in Paris wegen ihrer Islamkritik, wenn Juden weil sie Juden sind, wenn Besucher von Weihnachtsmärkten von Islamisten ermordet werden oder 3000 Menschen in den USA von Gotteskriegern geopfert werden, usw. das ist ja richtig und auch möglich wenn man berücksichtigt, dass es nicht „der Islam“ sondern eben nur einer bestimmter Teil seiner Auslegung ist. Durch diese Differenzierung spaltet man/frau doch keine Gesellschaft oder tabuisiert gar islamische Gewalt, nein, man/frau grenzt sich nur in seiner grundsätzlichen Kritik zu denen ab, mit denen man/frau aus bekannten und verständlichen Gründen nicht verglichen werden will.

    Ich habe in meinem letzten Kommentar doch klar gesagt, dass die Grenze zwischen Islam und Islamismus tatsächlich kaum anzugeben ist, ich dennoch für eine Beibehaltung der Begrifflichkeiten plädiere, weil ich es für falsch erachte, jegliche Differenzierung aufzugeben. Auch habe ich gesagt, dass es ohnehin leichter ist Kritik zu üben, als eine „Wahrheit“ zu künden, sowie es auch leichter ist, Fragen zu stellen, als Antworten zu liefern. Warum und zu welchem Zweck beharrst Du also auf Fragen, die ich im Vorfeld mit „tatsächlich kaum anzugeben“ bezeichnet habe? Eine Antwort darauf lässt sich vermuten.

    Diese Antwort entspricht meiner Meinung mehr, als eine erzwungene, bei der ich ggf. folgendes sagen würde: Wie der Name „Alltags-Islam“ es sagt, handelt es sich in allen Deinen genannten Fällen um „islamisch“ mit z.B. in Algerien, verglichen mit dem Iran, geringerem islamistischen Anteil o.s.ä. Es ist klar, dass „dem Islam“ eher die moderateren, „dem Islamismus“ eher die extremeren Anteile zugeordnet werden, wenn gewünscht ist, dass „der Islam“ „domestiziert“ überlebt. Da es unrealistisch ist, anzunehmen, der Islam (und auch andere Religionen) könnten auf absehbare Zeit abgeschafft werden, sind Aussagen wie „der Islam ist das Problem“ allein und ohne eine Änderung der Interpretation auch nicht zielführend.

    IN DEM SATZ „… die Muslime sollten nicht verallgemeinernd für ihre Religion kritisiert werden, Muslime die sich die friedlichen Aussagen im Koran heraussuchen und nach ihnen leben sind nicht zu kritisieren.“ SIND WIR UNS VÖLLIG EINIG, meine ganze Kritik bestand nur darin, aufzuzeigen, dass gerade die Muslime, die sich die friedlichen Aussagen im Koran heraussuchen und nach ihnen leben, nicht verstehen könnten, wenn Du sagst „der Islam“ und „seine Intoleranz“ etc
    .
    Für Jurek habe ich neben Zustimmung nur noch folgenden Hinweis: Das Buch „Respektverweigerung: Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht.“ von Sama Maani, das hier angeblich Anleihen bei Freud und Adorno nimmt, scheint mir genau jenen übertriebenen Respekt (auch der Anti-Imps) gegenüber muslimische Kulturen zu thematisieren. Ich habe schon Interessantes von Sama Maani gelesen aber dieses mich interessierende Buch eben noch nicht!

    lg LL

    Gefällt mir

    • 27. Dezember 2016 20:58

      „Dass aus dem Koran Solidarität mit Israel genauso wie Hass auf Israel heraus lesbar ist, beweist Gegenteiliges!“

      Also das ist nicht nur falsch, sondern reduziert Religion auf einen verwaltungstechnischem Prozess, so wie Diktatoren ihre Ideologie bestellen. „Gib mit die Interpretation, die ich gerade brauche und das beweist mir wie richtig sie ist.“ Im Prinzip ist es das, was Regierungen in der EU und anderswo machen: sie bestellen eine genehme Interpretation, die ihnen versichert, dass der Islam eh friedlich und eh kompatibel mit allem ist, was gerade als Buzzword opportun erscheint.

      Man kann mit diesem Thema nicht so umgehen, weil es verkennt, dass Gläubige ihren Heiligen Text eben nicht wie einen Selbstbedienungsladen sehen und auch durch solche Manöver nicht prinzipiell zu beeindrucken sind. Postmoderne Ideologien sehen überall nur Narrative und wollen das Narrativ den politischen Bedürfnissen anpassen.

      Gefällt mir

      • 27. Dezember 2016 22:23

        Also, dass aus dem Koran Solidarität mit Israel genauso wie Hass auf Israel herausgelesen wird, ist eine Tatsache, weil es Menschen einfach tun. Willst Du etwa behaupten, es gäbe eine „Wahrheit“ in der Religion?

        Gefällt mir

        • 28. Dezember 2016 08:18

          Ich behaupte, dass man mit solchem postmodernen Beliebigkeitsquatsch keine Probleme löst. Als Spinoza in seinem politisch-theologischen Traktat 1670 die rationalistische Bibelkritik begründete tat er das, indem er zeigte was alles falsch, unlogisch und schlicht doof im biblischen Text ist. Er kritisierte die Leichtgläubigkeit der Gläubigen und forderte die Intellektuellen dazu auf bei dieser Farce nicht mehr mitzumachen. Dafür wurde Spinoza nicht nur gehasst, jüdische Fanatiker versuchten sogar ihn zu ermorden, was dazu führte, dass er zu Lebzeiten nichts mehr veröffentlichte.

          Die Tatsache, dass jemand aus dem Koran Solidarität für Israel oder das Gegenteil heraus liest hat weder Kriege noch Terroranschläge noch Antisemitismus verhindert. Sich darauf zu verlassen, dass ein Appeasement durch eine uns genehme Lesart funktioniert ist fatal und falsch.

          Der Schmäh ist wirklich billig, aber er passt einfach: Es kömmt nicht darauf den Koran neu zu interpretieren, sondern darauf ihn zu verändern.

          Der Islam muss genau wie das Christentum durch eine Phase kritischer rationalistischer Kritik. Das wird damit enden, dass von der Botschaft nicht mehr allzuviel übrig bleibt, aber das war bei der Bibel auch so, trotzdem existiert das Christentum und die Kirche noch.

          Gefällt mir

        • 28. Dezember 2016 09:00

          Friedrich Engels:

          „Einen eigentümlichen Gegensatz hierzu bilden die religiösen Aufstände der muhammedanischen Weit, namentlich in Afrika. Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des „Gesetzes“. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen: eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. So ist’s geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von. Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts.“

          http://www.mlwerke.de/me/me22/me22_447.htm

          Gefällt mir

        • 28. Dezember 2016 10:31

          „Willst Du etwa behaupten, es gäbe eine „Wahrheit“ in der Religion?“

          Natürlich behaupte ich genau das. Es gibt Wahrheit in der Religion, und Religion selbst ist mehr als das Seufzen der bedrängten Kreatur. Das Christentum ist zum Beispiel die wichtigste Grundlage unserer Kultur, egal wie religiös man ist oder auch überhaupt nicht. Im Christentum steckt eine Wahrheit menschlicher Existenz und natürlich auch im Islam. Etwas zu kritsieren muss nicht heißen es zu verneinen oder ideologsich vernichten zu wollen. Es geht darum, das Religiöse genau so ernst zu nehmen wie das Politische bzw überahupt alles im Leben so ernst zu nehmen, dass man es versteht, und analysieren kann. Der pstmdoerne Ansatz alles auf ein Narrativ zu reduzieren, das man nach belieben manipulieren kann hat sich als untauglich erwiesen mit dem Islam im Westen umzugehen. Terror wurde nicht weniger, Konflikte nicht gelöst und die Trennlinien zwischen Muslimen und Westen vertieften sich, damit die Politisch Korrekten ihren Mangel an Problemlösungskompetenz der ganzen Gesellschaft aufzwingen konnten.

          Wer Religion nicht ernst nimmt, darf sich nicht wundern, wenn er dem Terror nicht begegnen kann.

          Gefällt mir

    • 28. Dezember 2016 11:07

      Lieber Louis,

      ich bin der Ansicht der Islam ist mehr eine politische Ideologie als Religion. Wie der Islam heute, war auch der Stalinismus eine gewalttätige Ideologie. Im Stalinismus gab es viele treusorgende Familienväter, die ihren Töchtern und Söhnen nur das Beste wünschten und in ihrem ganzen Leben keiner Fliege was zu leide taten. Es gab viele Menschen die die reine Lehre des Stalinismus nicht 1:1 auslegten, die Schlupflöcher suchten, die in diesem System Menschlichkeit bewahrten. Trotzdem halte ich den Stalinismus für eine gewalttätige Ideologie. Sehr wenige Menschen, vermutlich Stalin-Anhänger, würden mich deshalb als Rassisten bezeichnen, als jemanden der alle Russen beleidigt. Das ist eigenartig, wie ich finde. Die Titanic macht sich über das Christentum oder Helmut Kohl lustig (Birne) und nichts passiert, aber sobald man den gewalttätigen Islam kritisiert ist der Teufel los. Komisch, denn Helmut Kohl hat nie dazu aufgerufen Ungläubigen den Kopf abzuschneiden. Warum hat der Islam diese Narrenfreiheit? Ist es die Angst vor seiner Rache? Ist er schon so mächtig?

      Der Islam, mit seinem Koran und seinen Hadithen regelt das Leben der Muslime bis ins kleinste Detail. Ungläubigen muss laut Koran der Kopf und über Kreuz eine Hand und ein Bein abgeschlagen werden. Frauen müssen sich verhüllen und auf Geschlechtertrennung ist penibel zu achten, usw. usw. In verschiedenen islamischen Ländern wird dies alles verschieden befolgt. Muslime halten sich teilweise 1:1 an die oder die andere Vorschrift, manche strenger und manche liberaler. Der Alltags-Islam sieht in Saudi-Arabien aktuell anders aus als in der Türkei. Ein Beispiel: Ein Vater in Algerien lässt seine Tochter zur Schule gehen und sie muss kein Kopftuch tragen. Er ist liberal. Irgendwann wird seine Umgebung strenger, islamischer. Der Druck der Umma steigt stetig. Weil der Vater seine Tochter liebt und er Angst um sie hat, muss sie nun ein Kopftuch tragen wenn sie vor die Türe geht. So erzeugt die islamische Ideologie Angst und Furcht. Ich kritisiere nicht den liebenden Vater, ich verstehe ihn sehr gut, ich kritisiere den Islam dafür. Diese stetige Islamisierung ist seit über 30 Jahren zu beobachten und mit Tabuisierung und Appeasement wird diese Entwicklung nicht gestoppt.

      Ich meine dass man den Koran, den Islam nicht interpretieren kann, es sind schließlich 1:1 die Worte Gottes. Und wenn dieser Gott fordert den Ungläubigen den Kopf abzuschlagen, dann ist da wenig Spielraum. Man könnte aber die Texte kontextualisieren, es müsste ohne Todesdrohung möglich sein der Religion den Rücken zu kehren, der Zweifel an der Existenz Gottes müsste erlaubt sein, dann würde die Thematik in die richtige Richtung laufen. All dies wird verhindert. Verhindert, weil der Islam nicht nur von Imamen sondern auch von freien westlichen Menschen und Medien behütet wird wie ein zartes schützenswertes Pflänzlein. Auch die Aufklärung fand nicht im Einklang mit dem Christentum statt. Erst die (auch überzogene, beißende, satirische Kritik) am Christentum ermöglichte Säkularisierung und Emanzipation in Europa.

      Nun nochmal zur Unterscheidung Islam und Islamismus:
      Die frühen Texte des Korans waren friedliebend, die späteren gewalttätig. Der Islamische Staat verkündet die späten Texte würden die frühen tilgen. Wie bei einem Testament, sozusagen. Das „Monster“ Islamischer Staat mit seinen Urszenen des Islam ist also kein Zufall der Geschichte, er ist die Spitze des inhumanen Eisberges.
      Da ich keine Antworten auf meine Frage bekam versuche ich nun die Trennung zur Diskussionsgrundlage: Muslime die sich ausschließlich auf die frühen Texte beziehen, für die ihre Religion reine Spiritualität ist genießen meine uneingeschränkte Solidarität.
      Der Schritt in den Islamismus beginnt aus meiner Sicht bereits beim Kopftuch, bei der Geschlechtertrennung. Eine Ursache für die Gewaltexzesse des Islam ist das Testosteron der jungen Männer. Wenn junge Menschen wegen ihrer Religion keinen Sex vor der Ehe haben dürfen, ist das nicht unbedingt förderlich. Siehe Kölner Silvesternacht. Der irrsinnige islamische Umgang mit Sexualität und der Wahn um die Jungfraulichkeit ist eine Grundlage für Islamismus.

      Im Iran werden Frauen ausgepeitscht und kommen jahrelang ins Gefängnis wenn sie ihr Haar nicht verhüllen, wenn sie kein Kopftuch tragen. Sawsan Chebli, eine Staatssekretärin des rot-rot-grünen Senats Berlin meint: „Das Kopftuch ist eine religiöse Pflicht“. Deutsche Politikerinnen reisen mit Kopftuch nach Teheran und in bestimmten Bundesländern dürfen muslimische Lehrerinnen ein Kopftuch tragen. Mit diesem Appeasement an den Islam schlägt man den Frauen im Iran, die sich dem Kopftuchzwang widersetzen nochmal ins Gesicht.

      Ich habe mich bisher noch nicht, wie Jurek, mit Spinoza beschäftigt, was ich nachholen werde, aber für mich steht fest, der Islam muss für seine Gewaltexzesse, für seinen faschistischen Terror, für seine Frauenverachtung, für sein Frauenbild, für seine archaische Gesetzgebung, für seine Intoleranz kritisiert werden, wie das Christentum kritisiert werden musste, der islamische Gott wird ansonsten niemals domestiziert.

      Dem schönen Zitat von Friedrich Engels von 1894! möchte ich Max Horkheimer hinzufügen. Er schrieb in „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ im Kapitel „Die Aktualität Schopenhauers“ 1961: „Der Islam, den Schopenhauer deshalb hasste, weil er dem kollektiven Fanatismus, der brutalen Positivität unter allen Religionen am weitesten entgegenkam, entspricht dem Erwachen wilder Volksstämme besser als die Religion des Kreuzes, deren Aufbrüche ihrem Wert und Geist seit jeher zuwider waren. Nicht die „Praxis ihrer Bekenner“, nämlich der europäischen Völker, die in der Geschichte ein dunkles Kapitel bildet, sondern die Moral ihrer Lehre ist nach Schopenhauer viel höherer Art als die der übrigen Religionen, die jemals in Europa aufgetreten sind. Der Islam hingegen fordert wenig von seinen Bekehrten und ist für die Eroberung. Die Übereinstimmung von Theorie und Praxis überzeugt die Eingeborenen. So wollen endlich auf der Welt Karriere machen. Vier bis fünf neue Moslems kommen heute, wenn ich recht gelesen habe, auf einen, der zum Christentum übertritt. Schopenhauer hätte sich bestätigt gefühlt.“

      Um Horkheimers Kapitel geht es auch bei Uli Krug 2005 in der Bahamas: „Der Islam also ist wie der Nationalsozialismus die ideologische Systematisierung seelisch begründeter Zivilisations- und in letzter Instanz Lebensablehnung. Er tradiert diesen Seelenzustand durch seine Erziehungsregeln und Familienstrukturen, wird aber auch für Nicht-Moslems attraktiv, sofern sie ähnlich gestrickt sind. Die Geschichte der Black Muslims und damit auch die des HipHop würde vor dem Hintergrund des Widerspruchs zwischen überkommenem Männlichkeitsideal, ergo Selbstbild und weiblicher Emanzipation verdeutlichen, warum Horkheimer schon Anfang der 60er Jahre angesichts einer weltweiten Konversionswelle darauf hingewiesen hatte, daß der Islam dem kollektivem Fanatismus und der brutalen Positivität unter allen Religionen am weitesten entgegenkommt. (Horkheimer: Die Aktualität Schopenhauers, in: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt 1985, 267)

      Wenn Engels, Horkheimer und Schopenhauer von „dem Islam“ so „undifferenziert“ sprechen dürfen, dann darf mir das auch mal „rausrutschen“, meine zumindest ich, und verbleibe

      mit besten Grüßen

      Gefällt mir

      • 28. Dezember 2016 12:13

        Lieber Manfred!

        Ich möchte hier noch etwas anfügen, das mir wichtig erscheint, um auch Louis Levys sehr richtigen Einwand über den Mangel an Differenzierung nochmals zu berücksichtigen.

        Alles, was du an Fakten und besorgniserregenden Aussichten stimmt natürlich und da muss man nichts hinzufügen, aber ich würde gern den Spin in eine andere Richtung drehen.

        Mein Plädoyer für eine Trennung in Islam und Islamismus hat vor allem historische Gründe. Islamismus ist der Name für die Reaktion des Islam auf eine permanente Krise, die zumindest seit dem Jahr 1800 sichtbar und spürbar für die islamische Welt ist. Warum 1800? Weil in diesem Jahr Napoléon ohne viel Aufwand Ägypten besetzte und erst durch Admiral Nelsons Flotte wieder zum Abzug bewegt werden konnte.

        Der Islam hat aus seinem eigenen Verständnis heraus den Anspruch auf Weltherrschaft. Das zeigen die imperialistischen Raubzüge und Eroberungen aller islamischen Imperien. Die Osmanen waren nicht 1683 vor Wien, weil sie kulturpolitische Entwicklungshilfe leisten wollten, sondern weil sie Deutschland und Zentraleuropa unter ihre Herrschaft zu bringen gedachten. Die Serie an Niederlagen, die folgte, von den kolonialen Aufteilungen der arabischen Länder bis zur Auflösung des Osmanischen Reiches 1921 zeigte deutlich, dass der Islam nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

        Dies verstärkte sich im 20. Jahrhundert noch mehr. in der welthistorischen Auseinandersetzung zwischen dem christlichen Europa und dem islamischen Raum gab es einen eindeutigen Sieger und die Versuche vom Panarabismus bis zum Islamismus waren stets Versuche diese Niederlage zu verkraften und eine neue offensive Politik in Gang zu setzen, die den muslimischen Arabern ihren Anspruch auf Weltherrschaft zurück geben sollte.

        Der Islamismus ist die Reaktion der Kräfte, also der Ulema, der muslimischen Kleriker, die diese Niederlage nicht akzeptieren wollen und mit einer Akzeptanz derselben auch ihre alles beherrschende Macht über die Gesellschaft verlieren würden. Es gibt einen friedlichen, toleranten und demokratischen Islam, aber er muss sich selbst vom Würgegriff dieser parasitären Klerikerkaste befreien, die das Scheitern ihrer ideologischen Projekte nicht anerkennen will.

        Gefällt mir

        • 28. Dezember 2016 17:07

          Stimmt, die historischen Ursachen haben wir noch nicht angesprochen. Die Formulierung, die „Osmanen waren nicht 1683 vor Wien, weil sie kulturpolitische Entwicklungshilfe leisten wollten“ ist sehr gelungen.

          Natürlich stimme ich neben dem Hinweis auf die Kolonialgeschichte zu: Es gibt unzählige friedliebende Muslime, die sich im Würgegriff ihrer Klerikerkaste befinden. Westliche Interessen und der westliche Kulturrelativismus verhindern die Stärkung der säkularen Kräfte, in einer zunehmend globalisierten Welt. Wenn es nicht gelingt den europäischen Islam zu säkularisieren wie soll es dann erst in der islamischen undemokratischen Welt gelingen?

          Gefällt mir

  9. 28. Dezember 2016 22:27

    Weder das Adjektiv „falsch“, noch die Schmähung „postmoderner Beliebigkeitsquatsch“ wird dem beanstandeten Satz gerecht. Dieser stellt lediglich EIN BEISPIEL dar, das meine Behauptung und Begründung zum geschlossenen Argument abrunden sollte. Nicht mehr – nicht weniger. Jurek schreibt: „Es kommt nicht darauf den Koran neu zu interpretieren, sondern darauf ihn zu verändern.“ Das ist für mich lediglich ein gradueller Unterschied, vermutlich bei gleicher Zielsetzung. Was ich mit Neuinterpretation bezeichne, sollte genau zu jener Veränderung führen. Eine tatsächliche Veränderung hielte auch ich für besser, wenn mir die Machbarkeit aufgezeigt würde. Dass das Christentum bzw. dessen Schrift, die Bibel, neben z.B. der Ilias und der Odyssee, wichtige Grundlagen unserer Kultur sind und in diesem Sinne auch eine gewisse „Wahrheit“ darstellen, dürfte uns allen klar sein. Geht man jedoch „in medias res“, auf die Ebene einzelner Aussagen, schmilzt die „Wahrheit“ schnell wie Schnee im Sommer. Religion ist für mich, anders als der Glaube, ein weltliches Herrschaftsinstrumentarium. Als solches kann es im Sinne gewünschter Veränderung entsprechend interpretiert werden, da eine wörtliches Verständnis, auch der Bibel, einiges Blut fließen lassen könnte. Kontextualisierung im Zuge einer Interpretation? O.K. Jedoch kann nicht ich das machen. In die Exegese begebe ich mich nicht. Dem Satz„…Dass der Islam dem kollektivem Fanatismus und der brutalen Positivität unter allen Religionen am weitesten entgegenkommt…“ kann ich wegen des relativen Charakters durchaus zustimmen. Eine Stärkung der säkularen Kräfte entspricht genau meiner Vorstellung, trotzdem sehe ich ähnlich wie Jurek , der schreibt „Wenn es nicht gelingt den europäischen Islam zu säkularisieren wie soll es dann erst in der islamischen undemokratischen Welt gelingen?“ doch Schatten auf uns zukommen, zumal auch die westliche, bürgerliche Demokratie nicht allzu fest verankert ist, wenn nächstes Jahr ggf. Wladimir Putin, Xi Jinping, Donald Trump, möglicherweise Marine Le Pen und als demokratischste Vertreterin, wenn sie bis dahin noch da ist, Theresa May im Uno-Sicherheitsrat sitzen werden. Wackeln schon westliche Demokratien, wie ist es dann um aufkeimende afrikanische Pflänzchen wie Senegal o.ä. bestellt?

    Werde mich an dieser Stelle jetzt ausklinken, da ich leider noch Wichtigeres, „als ein Ringen um Sätze und deren Auslegung“ zu erledigen habe.

    Euch `nen guten „Rosch“ (jidd.)
    LL

    Gefällt mir

  10. 29. Dezember 2016 12:28

    Vielen Dank für deinen Kommentar A.mOr, ich finde die Diskussion auch gut und habe aus den Kommentaren einiges dazugelernt.

    Hinzufügen zur Diskussion möchte ich noch folgenden Gesichtspunkt, die Affinität von rechtem und islamischem Terror.

    Am 26. September 1980 ereignete sich das Oktoberfestattentat mit 13 ermordeten und 211 verletzten Menschen. Das Attentat hatte einen rechtsradikalen Hintergrund (Wehrsportgruppe Hoffmann) Das Ziel der Terroristen war möglichst viele Menschen wahllos zu ermorden.

    Der islamische Terrorist Amris hatte dasselbe Ziel, nur für ihn waren die Opfer „Ungläubige“. Beim islamischen Anschlag in Nizza, der ebenfalls mit einem LKW ausgeführt wurde, wurden 86 Menschen ermordet. Die Liste der islamischen Anschläge ließe sich bekanntlich beinahe unendlich fortführen.

    In der Zielsetzung des Terrors gibt es also wie in der jeweiligen Ideologie große Schnittmengen. Der Begriff des faschistischen Islamismus ist von daher nicht weit hergeholt. Deshalb ist es umso mehr verwunderlich wieso man sich zwar in den Medien von links bis bürgerlich-liberal mit der faschistischen Ideologie (sicherlich auch viel zu wenig, aber immerhin), aber so gut wie überhaupt nicht mit der islamischen Ideologie beschäftigt.

    Das Weltbild von Islamisten und Rechtsradikalen scheint gut vereinbar zu sein. Vom Führerprinzip, dem Wunsch nach der Einheitspartei, dem Kampf gegen die Moderne, dem Hass auf die Juden und der Ablehnung der Frauen-Emanzipation.

    Gefällt 1 Person

  11. 10. Januar 2017 14:09

    Ein palästinensischer Islamist tötete am Sonntag mit einem Lastwagen in Jerusalem vier junge Israelis, viele andere wurden verletzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vergleicht den Anschlag von Jerusalem mit dem Anschlag von Nizza und Berlin und sieht eine Verbindung zum IS.

    In der antisemitischen TAZ halluziniert die dortige „Ober-Israelkritikerin“ Susanne Kaul:

    „Für die Politik birgt die Tatsache, dass es Gründe gibt für die Verzweiflung, die Palästinenser zu Selbstmordanschlägen motiviert, eine Chance.
    Anstatt dem Terror konstruktiv zu begegnen, entzieht sich Netanjahu seiner Verantwortung, wenn er ein Bild von Jerusalemern und Berlinern malt, die im gleichen Boot sitzen.“

    Der islamistische „verzweifelte“ Terrorist hatte also laut Susanne Kaul Gründe für seine Mordtat. Wie man dem islamistischen Terror konstruktiv begegnen soll lässt die „israelkritische“ Islamistenversteherin freilich offen. Dieses Verständnis für widerlichsten islamischen Terror zeichnet linke Antisemiten aus. Susanne Kaul ist wahrlich kein Einzelfall.

    Gefällt 1 Person

  12. 5. März 2017 17:15

    Wenn ich das schon höre. Muslimische Frauen setzen ihr Kopftuch freiwillig auf.

    Nachdem kurdische Soldaten im August 2016 die Terroristen des sogenannten Islamischen Staates aus Manbidsch in Nordsyrien vertrieben hatten, gingen Bilder von lachenden Männern um die Welt, die sich den Bart abrasierten, und von freudigen Frauen, die sich eilig des Niqabs entledigten. Sie alle waren offensichtlich glücklich darüber, sich nicht mehr dem mit brutaler Gewalt durchgesetzten religiösen Zwang beugen zu müssen. Gibt es einen schreienderen Gegenbeweis für die Behauptung, Frauen verhüllten sich freiwillig? (Zana Ramadani )

    Gefällt mir

  13. Paul Holz permalink
    8. März 2017 12:00

    Imad Karim, ein libanesisch-deutscher Regisseur, Drehbuchautor und Fernsehjournalist schreibt im Cicero:

    Und diese Realitäten entsprechen eben nicht dem Bild, das viele Politiker aus Bequemlichkeit und aus einem falschen Harmonieverständnis heraus immer noch von ethnischer Vielfalt und kultureller Bereicherung malen. Wer wissen will, welche Verhältnisse uns möglicherweise blühen, der schaue nach Frankreich, England oder Schweden. In jedem dieser Länder leben viele fleißige, kluge und wertvolle Muslime, die ein Gewinn für die aufnehmenden Gesellschaften sind. Und dennoch wird man kaum behaupten können, dass die Integration und Assimilation insgesamt erfolgreich verläuft. Nach meiner Erfahrung ist es bisher in keinem der genannten Länder gelungen, wenigstens die große Mehrheit der jungen Muslime, die im Westen und unter dem Schutz der freiheitlichen Gesellschaft geboren wurden, für die sogenannten westlichen Werte wie Toleranz, Offenheit und Selbstbestimmung zu gewinnen.

    Sollte es uns und der kommenden Generation nicht gelingen, den muslimischen Immigranten die Werte der Aufklärung und die Leitlinien unserer demokratischen Kultur zu vermitteln, werden die Folgen verheerend sein – und zwar für uns alle. Als gebürtiger Libanese, der seit vielen Jahrzehnten gern in Deutschland lebt, sage ich: Die Werte der offenen Gesellschaft sind nicht verhandelbar! Leider scheinen vor allem die neuen Multitkulturalisten in dieser Hinsicht taub zu sein.

    http://cicero.de/berliner-republik/massenmigration-islamische-werte-frei-haus

    Gefällt mir

  14. 22. März 2017 15:11

    Am Tag nach dem Attentatsversuch in Orly ist der Anschlag vom Berliner Breitscheidplatz genau ein Vierteljahr her. Doch dass hier vor wenigen Zeilen behauptet wurde, alle hätten ihn vergessen, ist ein wenig ungerecht. Sogar der Berliner Regierende Bürgermeister Michael Müller hat jüngst auf einer Gedenkveranstaltung gesprochen. Und praktischerweise hat er zusammen mit Islamisten der Opfer von Islamisten gedacht. Die Welt beschrieb diese Art der Erinnerung so:

    Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), hat am Donnerstagabend vor der Gedächtniskirche auf einer Kundgebung geredet, die von Islamisten angemeldet wurde. Bei einem islamistischen Terroranschlag am 19. Dezember 2016 mit einem gestohlenen Lkw wurden zwölf Menschen getötet und zahlreiche verletzt. Der Zentralrat der Juden in Deutschland rief Müller in einem Schreiben auf, nicht teilzunehmen. Darauf erhielt man keine Antwort, wie die Organisation der „Welt“ mitteilten.

    Müller sprach ein Grußwort. Der Mitveranstalter Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) und drei weitere teilnehmende Vereine werden vom Verfassungsschutz wegen der Nähe zur Muslimbruderschaft beobachtet. Einer der Moscheevereine sei zudem der „Berliner Treffpunkt von Hamas-Anhängern“, heißt es im Berliner Verfassungsschutzbericht von 2015. Der Islamexperte Ahmad Mansour sagte der „Welt“: „Herr Müller verkennt die Strategie der Moscheen, die der Muslimbruderschaft nahestehen. Sie arbeiten seit Jahren daran, als Partner der Politik wahrgenommen zu werden. Müller erfüllt ihnen diesen Wunsch, wenn er mit ihnen am Ort des islamistischen Terrors für Frieden demonstriert.“

    Gefällt mir

Trackbacks

  1. Ist die TAZ eine antisemitische Zeitung? | Fidelches Cosmos
  2. Kay Sokolowsky, seine Islamophilie und das „blütenweiße Hemd aufgeknöpft bis zum Nabel der Welt“ | Mission Impossible
  3. Ali Dashti und die 23 Jahre des Propheten | Mission Impossible

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: