Zum Inhalt springen

Links wo das Herz ist?

1. April 2021

Die Aufklärung mit ihrer Religionskritik, mit ihrer Berufung auf die Vernunft war der Wegbereiter für „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“ Der deutsche Philosoph und Ökonom Karl Marx (1818-1883) war ein Kritiker der bürgerlichen Gesellschaft, der politischen Ökonomie und der Religion und er übergab der Linken ein entsprechendes wissenschaftliches Manifest. Für die politische Linke war die Aufhebung von Ungleichheit und Unterdrückung oberstes Ziel, wobei in Punkto Unterdrückung und Demokratie Anspruch und Wirklichkeit oftmals auseinanderklafften. Die Geschichte der politischen Linken ist geprägt von großen Niederlagen und tödlichen Irrtümern und genau aus diesem Grund von diversen tiefgreifenden Spaltungen. Nach der Niederlage Nazideutschlands sah sich der Sozialismus auf der moralisch richtigen Seite und so hatte sogar die CDU sozialistische Ansätze in ihrem Ahlener Programm. Die „Neue Linke“ entstand mit der „Frankfurter Schule“, der Studentenbewegung die sich gegen das neue Unrecht sensibilisierte und gegen den verbrecherischen Krieg der USA in Vietnam protestierte, wenngleich die Beweggründe dafür oftmals den Ansichten der Väter glichen. Die marxistische Tradition ging davon aus, dass der Faktor „Kultur“ gegenüber ökonomischen und sozialen Bedingungen belanglos ist, so wurden kulturalistische Interpretationen der Gesellschaft als rechts und konservativ bekämpft. Nach dem Prager Frühling wurden linke Stimmen gegen die Unterdrückung der Bevölkerung in den realsozialistischen Staaten lauter und der linke Schriftsteller Jean Améry kritisierte, noch als einsamer Rufer in den 1970er Jahren, den linken Antisemitismus gegen Israel.

In der linken Monatszeitschrift „Konkret“ kamen so gut wie alle linken Stimmen zu Wort, von Norbert Blüm, vom linken Flügel der CDU über Thomas Ebermann, vom Kommunistischen Bund, später bei den Grünen bis hin zu Justus Wertmüller von der Berliner Zeitschrift „Bahamas“ und bis ins Jahr 2015 las man in „Konkret“ einerseits antiimperialistische und andererseits islamkritische, proisraelische, ideologiekritische Artikel.

Mit dem Untergang der realsozialistischen Sowjetunion Anfang der 1990er Jahre und der gleichzeitigen Islamisierung des Nahen und Mittleren Ostens nach der islamfaschistischen Revolution im Iran von 1979 als Wegbereiter, war die Orientierungslosigkeit innerhalb großer Teile der politischen Linken nicht mehr zu übersehen. Während des Golfkrieges 1991 kam es zu antiamerikanischen Demonstrationen der Friedensbewegung, die Demonstranten erinnerten mit Transparenten an die Bombennächte von Dresden, während die Bedrohung Israels durch mit deutschem Giftgas bestückten Mittelstreckenraketen kaum thematisiert wurde. In der Konkret-Ausgabe (03/91) zum Irakkrieg schrieb Hermann L. Gremliza: “Das Richtige aber, das hier hoffentlich getan wird, darf nicht gesagt werden: dass der Irak der Fähigkeit beraubt werden muss, Israel – wie von Saddam angekündigt – anzugreifen und zu liquidieren.“ In derselben Ausgabe forderte Wolfgang Pohrt den Einsatz israelischer Kernwaffen falls Bagdad seinen Versuch wahr mache Israel mit Chemiewaffen auszulöschen. Wegen seiner Zustimmung zum Irak-Krieg und seiner Solidarität mit Israel verlor Konkret in kurzer Zeit rund 30 Prozent seiner Abonnenten.

Spätestens seit diesem Wendepunkt war der linke Antisemitismus das beherrschende Thema in der ältesten und größten linken Zeitschrift Deutschlands (und weit darüber hinaus) und Herausgeber Gremliza entschuldigte sich für linke antisemitische Artikel und Ansichten aus früheren Tagen. Der Antiamerikanismus, der linke Hass gegen Israel und die linke Kumpanei mit dem Islamismus sollte die nächsten 20 Jahre auf der Agenda von „Konkret“ ganz oben stehen und die deutsche Linke diskutierte nun endlich diese Themen. In oder neben seinem 1999 erschienenen „Schwarzbuch Kapitalismus“ beschäftigte sich beispielsweise der Wertkritiker Robert Kurz mit der linken antisemitischen Zinskritik und den „Halsabschneidern von Hamas und der Hisbollah: “Nach dem Zusammenbruch des Staatssozialismus und der „nationalen Befreiungsbewegungen“, die ein Programm „nachholender Entwicklung“ auf Basis des Weltmarkts formuliert hatten, veränderte sich der Charakter des Stellvertreter-Konflikts grundsätzlich. An die Stelle der säkularen Entwicklungsregimes trat im Nahen Osten und darüber hinaus der sogenannte Islamismus …. Die am Weltmarkt gescheiterten Segmente des Kapitals in dieser Region erklärten den Krieg gegen die Juden zum exemplarischen Kampf gegen die westliche Vorherrschaft. … Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse.“

1992 wurde die ideologiekritische proisraelische Bahamas von der Minderheitsfraktion des aufgelösten Kommunistischen Bundes gegründet. In einer Auseinandersetzung soll Knut Mellenthin, ein Sprecher der Mehrheit, der Minderheit wegen ihrer Aussteigerhaltung nahegelegt haben, doch „auf die Bahamas auszuwandern“. Die Minderheit griff dies auf und nannte ihr Organ ebenso. Justus Wertmüller, der geniale Kopf der „Bahamas“, bezeichnete als einer der ersten den arabischen Antisemitismus als Klerikalfaschismus und setzt sich deshalb für eine „bedingungslose Solidarität“ mit Israel ein.

Antiimperialistische und antikapitalistische Blätter wie die „Junge Welt“ oder das „Neue Deutschland“ ließen bis in das Jahr 2015 so gut wie keine abweichenden Meinungen zu, weshalb sich im Jahr 1997 von der „Jungen Welt“ die ideologiekritische und proisraelische „Jungle World“ abspaltete. Nach den islamischen Anschlägen vom 11. September 2001 spaltete, bzw. radikalisierte sich das linke Lager erneut. Der regressive Teil der linken Publizistik stellte mehr denn je  Laizität und den Universalismus infrage, verschloss die Augen vor den Exzessen der islamischen Ideologie und sah die Anschläge als direktes Resultat von Armut, Ausbeutung und Bevormundung der „Dritten Welt“ durch die Vereinigten Staaten.

Dagegen waren laut „Jungle World“ die Attentäter die „Repräsentanten einer faschistischen Ideologie mit islamischem Antlitz“. Mit der Flüchtlingskrise von 2015 spaltete sich die ideologiekritische, pro-israelische Linke. Während die Seite um die „Jungle World“, bei aller Kritik am Islam und aller Solidarität mit Israel, vor allem das Elend der Flüchtlinge thematisierte, blieb die islamische Ideologie, mit den unzähligen islamischen Terroranschlägen in Europa und der Welt für die Bahamas-Gruppe die größte Gefahr für ein friedliches und humanes Zusammenleben.

Spätestens mit der Flüchtlingskrise 2015 entwickelte sich Konkret wieder zurück, zu einer antiimperialistischen, postkolonialen betonlinken Zeitung.  Hermann L. Gremliza, bereits von einer schweren Krankheit gezeichnet, verweigerte im Februar 2015 den ermordeten Redakteuren und Zeichnern von „Charlie Hebdo“ durch islamische Terroristen seine Solidarität, entschuldigt die Dschihadisten von Paris mit der sozialen Frage und benötigte für sein unfassbares Phamplet sogar den „reichen Juden“ Bernard-Henri Lévy:  Lévys Artikel in der FAZ wurde kritisiert, in dem dieser fordert, „ein für alle Mal mit dem beschwichtigenden Gerede aufzuhören, das uns so lange schon die nützlichen Idioten eines in die Soziologie des Elends und der Verzweiflung auflösbaren Islamismus vortragen.“ Konkret Herausgeber Gremliza schrieb dazu: „Eine Woche nach Lévys Auftritt wird gemeldet, dass ein Prozent der Menschheit so viel Vermögen angehäuft hat wie die restlichen 99 Prozent der Weltbevölkerung zusammen, 92 Milliardäre mehr besitzen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Einen Meisterdenker kann das nicht erschüttern. Er zählt zur anderen Hälfte, wenn nicht zu dem einen Prozent.“

Große Teile der Linken haben in ihrer Orientierungslosigkeit den emanzipatorischen Fortschrittsgedanken, die Gleichberechtigung längst vergessen und für identitäre, esoterische und reaktionäre Ideen eingetauscht. Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion solidarisierten sich diese Linken nicht mit den Opfern der islamischen Barbarei, nicht mit den zwangsverschleierten unterdrückten Frauen in der islamischen Welt, nicht mit „Charlie Hebdo“ oder Samuel Paty, nicht mit den vergewaltigten und ermordeten Frauen in Europa durch Afghanen oder Geflüchtete aus den Maghreb-Staaten, sie solidarisierten sich mit den Tätern, mit den Feinden der freien aufgeklärten westlichen Welt. Die identitäre, postkoloniale, antirassistische Linke, deren Weltbild längst im Mainstream angekommen ist relativiert den Holocaust, in dem sie ihn dem Kolonialismus gleichsetzt, sie teilt Menschen in Hautfarbe und Geschlecht ein, phantasiert vom Weltuntergang, bekämpfen die freie Rede und sie macht sich nicht zuletzt wegen mit ihrer Verharmlosung und Relativierung des islamischen Terrors zu Kombattanten der menschenfeindlichen islamischen Barbarei.

Eine Minderheit innerhalb der Linken setzt sich dagegen universell für die Menschenrechte ein und bezieht Stellung gegen den islamischen Terror gegen Unterdrückung und Bevormundung, für die Errungenschaften von Zivilisation und Demokratie. In Frankreich wird mittlerweile gegen den sogenannten Islamo-Gauchismus vorgegangen. Französische Wissenschaftler reagierten mit Aufrufen und Gegenaufrufen, in denen die geistige Allianz zwischen linken Intellektuellen und reaktionären Islamisten zur existenziellen Bedrohung erklärt wird.  Zusammengefasst ist also derzeit zwischen fünf Hauptströmungen innerhalb der Linken zu unterscheiden:

1]:  Die alte antiimperialistische Linke hält nach Lenin den Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus. Ihre überholte Ideologie ist antiwestlich, antiamerikanisch, antizionistisch, antiindividualistisch und geprägt von verkürzter, personalisierter Kapitalismuskritik. Das US-amerikanische Finanzkapital ist für Stalinisten, Trotzkisten und sonstige Antiimperialisten der Ursprung allen Übels dieser Welt.

Die Publikationen von Marx21, der SAV, der MLDP oder Antiimperialista.org sind geprägt von Antizionismus, Antiamerikanismus und einem Hass auf die westlichen Demokratien. Marx21 beispielsweise ist eine trotzkistische Organisation innerhalb der Partei „Die Linke“, die in Kooperation mit den Islamisten des ZDM die AfD „bekämpft“ und mittels „erfolgreicher Klassenkämpfe zur Überwindung des Kapitalismus“ herbeiführen will, unterstützt kaum überraschend den Boykott Israels und lobt die islamfaschistische Hamas „pragmatisch und zu Kompromissen bereit“ und bezeichnet Gaza als „Israels Freiluftgefängnis“. Die neue Vorsitzende der Linkspartei Janine Wissler war bis vor wenigen Monaten bei Marx21 aktiv. Wissler hielt 2018 eine von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen organisierten Kundgebung, mit bekannten Parolen wie „Kindermörder – Israel“ oder „Terrorist Israel“ gegen Israel eine Rede als „Zeichen der Solidarität nach Gaza“

Der Hass auf die USA und Israel geht so weit, dass sich die extreme Rechte mit der extremen Linken in einer Querfront vereint. Jürgen Elsässer und sein Querfront-Magazin Compact steht stellverstretend dafür. Der Verschwörungstheoretiker Jürgen Elsässer, der davon überzeugt ist, dass 9/11 ein „inside job“ und Osama Bin Laden CIA-Agent war, propagiert offensiv eine „Volksfront“ gegen das von den USA beherrschte Finanzkapital und Netanjahu nennt Elsässer den „Irren von Tel Aviv.“ Seinen Hass auf Israel begleitet eine tiefe Sympathie für den islamfaschistischen Iran. Nach der blutigen Niederschlagung der „grünen Revolution“ und unzähligen Folteropfern des Regimes im Iran im Jahr 2009, schrieb Elsässer hocherfreut: „Hier wollen Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals eine Party feiern. Gut, dass Ahmidenedschads Leute ein bisschen aufpassen und den einen oder anderen in einen Darkroom befördert haben.“ Wenig später stattete Elsässer mit anderen „Israelkritikern“ Ahmadinedschad einen Höflichkeitsbesuch ab. Neben Compact ist der antisemitische „Freitag“ von Jakob Augstein ein wichtiges Organ der antiimperialistischen Linken, in dem in tausenden Artikeln vom „Apartheidstaat Israel“, dem „KZ Gaza“ oder „zionistischen Schlächtern“ halluziniert und agitiert wird.

2]: Die antirassistische, linksidentitäre, postkoloniale Linke setzt sich für Klimaschutz, offen Grenzen für Flüchtlinge ein und ist in den antisemitischen BLM und BDS-Bewegungen, bei Pro Asyl oder anderen sozialen und antizionistischen oder antikolonialen Bewegungen aktiv. Größte Teile der Grünen, große Teile der SPD und Teile der Linkspartei sind wie die öffentlich-rechtlichen Medien dieser Gruppe zuzuordnen. Vordergründig wird das „Existenzrecht Israels“ und die Freundschaft zu den USA hervorgehoben, bei genauem Hinsehen erweisen sich diese Phrasen als unglaubwürdig. Die Berichterstattung und die politischen Aussagen über den amerikanischen Präsidenten Trump oder die israelischen Verteidigungsmaßnahmen für seine Bevölkerung sind ein eindeutiger Beleg dafür. Während der Holocaustrelativierer und BDS-Agent Achille Mbembe, die antisemitische Black-Lives-Matter-Bewegung mit ihren Angriffen auf Juden und Synagogen in diesen Kreisen hofiert wurde, wird der millionenfache islamische Terror verharmlost oder verschwiegen.

Während Klaus Kleber und Judith Rakers in ihren Nachrichtensendungen den kurz bevorstehenden Weltuntergang, sprich der Klimakatastrophe prophezeien, Donald Trump als Ausgeburt des Bösen darstellen, so gut wie alle Verteidigungsmaßnahmen Israels kritisieren und ausgiebig (berechtigterweise)über den rechten Terror von Hanau berichten, werden islamisch motivierte Terrortaten oder sexuelle Übergriffe und Morde durch Flüchtlinge aus Afghanistan überwiegend verschwiegen.

In einem jüdischen Supermarkt in Boulder im US-Bundesstaat Colorado ermordete beispielshalber Mitte März der IS-Anhänger Ahmad Al Aliwi Alissa zehn Menschen. In den öffentlich-rechtlichen Medien wurde darüber entweder nicht berichtet und wenn doch es gehalten wie Joe Biden, der schärfere Waffengesetze gefordert hat. Dass man in dem Laden koschere Produkte kaufen konnte und der Mörder Ahmad hieß und ein Islamist war würde den deutschen Fernsehzuschauer offenbar nur verunsichern.

3]: Die emanzipatorische ideologie- und islamkritische Linke grenzt sich eindeutig vom linken Antisemitismus, dem Antizionismus ab, kritisiert massiv die verkürzte Kapitalismuskritik und den überholten Antiimperialismus, ist proisraelisch, proamerikanisch, prowestlich, setzt sich für die universalen Menschenrechte ein und unterwirft „geschichtliche Prozesse dem Primat der Vernunft.“ Der politische Stalinismus, Leninismus und Trotzkismus und die islamische Ideologie werden kategorisch abgelehnt und entsprechend bekämpft. Wegen der Marxschen Schrift „Die deutsche Ideologie“, einer Kritik an Max Stirner, Bruno Bauer und Ludwig Feuerbach wurde Ideologiekritik um das Jahr 2000, in erster Linie von entsprechenden Ideologen, als „antideutsch“ gekennzeichnet.  1985 wurde vom ISF der Ça ira Verlag gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, linken Antisemitismus und Antizionismus zu kritisieren und ideologiekritische Arbeiten gegen den Antizionismus und Islamismus von Autoren wie beispielsweise  Joachim Bruhn, Stephan Grigat, Léon Poliakov, Michael Landmann, Nathan Weinstock Manfred Dahlmann, Matthias Küntzel oder Gerhard Scheit zu veröffentlichen.

Die ideologiekritische Linke befürwortete beispielsweise 1991 den Irakkrieg der USA und kritisierte die Bombardierung Jugoslawiens und den Krieg der NATO gegen die Serben. Angesichts des „Weltkriegs gegen die Juden“ postulierte die „Bahamas“ zum Irakkrieg: „Es heißt jetzt Front zu beziehen.  Die USA seien die einzige Kraft, die willens und fähig sei, dem Fundamentalismus Einhalt zu gebieten.“ Die Kritik am politischen Islam, als die Größte Gefahr für die freiheitliche Demokratie und die Solidarität mit Israel, der Vorposten der Aufklärung gegen den islamischen Terror steht auf der Agenda an vorderster Stelle. Die Politik der AfD wird abgelehnt, jedoch werden die proisraelischen Reden im Bundestag zur Kenntnis genommen, wie die überwiegend positive Nahost und Israelpolitik von Donald Trump gewürdigt wurde. Die Solidarität mit den USA geht in Teilen dieser Gruppe soweit die Kubanische Revolution mit seinen sozialen Errungenschaften abzulehnen, die Verbrechen des Folter-Diktators Batista zu ignorieren oder zu verharmlosen und Che Guevara einen „Massenmörder“ zu nennen, der „Spass daran hatte Exekutionen persönlich vorzunehmen.“

Mit der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 spaltete sich die ideologiekritische Linke in zwei unerbittlich bekämpfende Lager. Während für die Gruppe um die Bahamas die unkontrollierte Einwanderung und die entsprechenden Morde, Vergewaltigungen und Terrorakte und die entsprechende Berichterstattung in den öffentlich-rechtlichen Medien kritisierte setzte sich die Gruppe um die Zeitschrift Jungle World bei aller Kritik am Islamismus für die Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und den diversen afrikanischen Staaten ein.

4]: Die emanzipatorische ideologiekritische Linke um die Autoren und Leser der Jungle World forderten von der Regierung mehr Flüchtlinge aufzunehmen und setzten sich teilweise für offene Grenzen und unkontrollierte Zuwanderung ein. Bei den diversen islamischen Terroranschlägen, Vergewaltigungen und Morden wurde größtenteils nicht weggesehen, aber doch das ein oder andere Mal die Verbrechen relativiert. Beispielsweise war zur Frauenjagt in der Kölner Sylvesternacht durch Männer mit Migrationsgrund aus dem Umfeld der Jungle World zu lesen: „Warum derzeit 80 Tatverdächtige keine 1000 Täter sind“

Einer der Hauptvertreter dieser Linken ist Thomas von der Osten-Sacken, der in der Jungle World von „Tunis nach Teheran“ schreibt. Bei den „Ruhrbaronen“ nahm Thomas von der Osten-Sacken zur Behauptung er hätte seine „Israel-Solidarität“ aufgekündigt Stellung.

5]: Die undogmatische, ideologiekritische, liberale Linke ist eine Mischung aus den beiden vorherigen Strömungen. Grundsätzlich werden Teile der Sozialpolitik von SPD oder Linkspartei unterstützt und einer Umkehr in der Umweltpolitik durchaus aufgeschlossen, solange sie rational, wirtschaftlich machbar und sozial ausgewogen auftritt. Im Gegensatz zu 3] und 4] ist diese Linke undogmatisch und sieht über den eigenen Tellerrand hinaus und verweigert sich Meinungsblasen wie sie in den sozialen Medien üblich sind. Beispiele wären Arik Brauer, der sich seiner Malerei oder der Sozialwissenschaftler und Philosoph Ingo Elbe der sich der kritischen Marx-Forschung verschrieb.

Kritik am hiesigen Appeasement an den Islam mit seinem Hass auf Juden und auf Israel ist für die undogmatische ideologiekritische Linke der Anfang aller Kritik. Die Solidarität mit den Opfern der islamischen Ideologie, mit den Opfern des Antisemitismus, mit den Opfern des Rechts- und des Linksradikalismus ist die Voraussetzung für den sozialen Frieden für den Fortschritt der Menschheit.

Die größte Gefahr für den Weltfrieden ist aktuell der Iran mit seinem Griff zur Atombombe und seiner Unterstützung von diversen Terrorgruppen im Nahen Osten. Mit der fortschreitenden Islamisierung Europas und den unzähligen islamischen Terrorakten und Verbrechen geraten die Errungenschaften der Aufklärung in größte Gefahr, denn wenn der Staat seine Bürger nicht mehr schützen kann verliert er das Vertrauen und die Demokratie gerät wegen der Stärkung der Extreme ins Wanken.

Bereits 1974 schrieb der linke Schriftsteller Jean Améry : „Die Linke ist Wirklichkeit  in ihrer Praxis, nicht in ihrer Dogmatik. Ihr letzter Referenzpunkt ist ein Humanismus, den aus verqueren theoretischen Gründen in Frage zu stellen, im günstigsten Fall Spinnerei ist, im üblen Sabotage. Denn es ist der Humanismus keine bürgerliche Mystifikation, wenn auch sein Banner von der Bourgeoisie nur allzu oft zu Mystifikationszwecken rauschend geschwenkt wurde.“

Ebenfalls veröffentlicht bei Fisch&Fleisch

13 Kommentare leave one →
  1. Hans Maly permalink
    1. April 2021 15:25

    Super Beitrag. Vieles war mir unbekannt.
    Zu den Grünen: Im Bundestag forderten Sie vor zwei Jahren die unbegrenzte Migration nach Deutschland – über das Hilfsmittel des Klimawandels. Alle Klimaflüchtlinge sollen deutsche Staatsbürger werden.

    „Nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland sollen alle einen Antrag auf Einbürgerung stellen können. Den Optionszwang im Staatsangehörigkeitsrecht wollen wir abschaffen und Mehrstaatigkeit anerkennen. Die vorgenommenen Aushöhlungen des Staatsangehörigkeitsrechts wollen wir zurücknehmen. Hindernisse bei der Identitätsklärung, die nicht in der Hand der Einzubürgernden liegen, dürfen ihnen nicht angelastet werden.“
    „Wir wollen das Asylbewerberleistungsgesetz abschaffen und damit eine verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigte Ungleichbehandlung von Geflüchteten, die ein echtes Ankommen und Teilhabe erschwert. Integrationsfeindliche gesetzliche Regelungen wie Arbeitsverbot und pauschale Wohnsitzauflage schaffen wir ab. Die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Aushöhlungen des Asylrechts wollen wir zurücknehmen. Die Ausrufung „sicherer“ Herkunfts- oder Drittstaaten lehnen wir ab – auch auf europäischer Ebene.“
    „Nicht zu wissen, ob Deutschland wirklich Heimat wird, erschwert die Integration massiv. Wir wollen die Anzahl der Menschen, die sich von Duldung zu Duldung hangeln müssen, deshalb möglichst auf null reduzieren. Für diese Menschen braucht es nach fünf Jahren Aufenthalt ein sicheres Bleiberecht. Heranwachsende, Jugendliche und Familien mit minderjährigen Kindern sollen nach drei Jahren einen Aufenthaltstitel bekommen.“
    „Abschiebungen in Kriegs- und Krisenländer wollen wir beenden, den Abschiebestopp nach Syrien und Afghanistan wieder einsetzen.“

    https://www.cicero.de/innenpolitik/wahlprogramm-gruene-baerbock-habeck-bundestagswahl

    Gefällt 3 Personen

  2. 1. April 2021 16:49

    In einer „Jerusalemer Erklärung“ plädieren 200 „linke“ Persönlichkeiten (darunter Michael Brumlik) für eine neue Definition von Antisemitismus. Die Unterzeichnenden der Jerusalemer Erklärung halten die Ablehnung des Zionismus nicht „per se“ für antisemitisch und sehen im Judenboykott (BDS) auch keinerlei Probleme.

    Dazu Alan Posner: Unter allen Völkern der Erde wird nur den Juden das Recht auf einen Staat abgesprochen, der Millionen Juden Sicherheit bietet vor existenzieller Bedrohung. Was ist das, wenn nicht antisemitisch?

    https://www.welt.de/debatte/kommentare/article229340107/Jerusalemer-Erklaerung-Was-ist-das-wenn-nicht-antisemitisch.html

    Gefällt 6 Personen

    • 3. April 2021 17:33

      Das eigentlich Abstoßende an dieser Erklärung ist ja, dass der Antisemitismus selbst, von einer genozidalen Agenda zu einem Definitionsproblem umgelogen wird.

      Es geht jetzt darum, dass Intellektuelle und solche, die sich dafür halten dabei mitreden dürfen, welche Definition das Wort haben soll, damit es anständiger weise dort verwendet werden kann, wo man es verwenden möchte und dort nicht mehr verwendet werden soll, wo man es nicht möchte. Letztlich geht es nur darum.

      Das Problem an dem Definitionswettbewerb ist ja, dass Leute und Organisationen sich um eine allgemeine Beschreibung bemühen sollen, aber die Parteien in einem Konflikt sind. Wenn Anti-Zionisten das Wort Antisemitismus definieren sollen, dann wird der Israel-bezogene Antisemitismus zu einem Wort für diejenigen, die den Zionismus für legitim halten. Es ist ja durchaus üblich in anti-zionistischen Kreisen Zionismus mit Antisemitismus gleich zu setzen.

      Das Schwierige daran ist, dass natürlich auch Zionisten Partei sind, aber im Kontext von #blacklivesmatter sind schwarze AktivistInnen genau so Partei wie – sagen wir einmal – „weiße Nationalisten“. Dort ist das auch kein Problem. „Weiße Nationalisten“ werden nicht in die Nähe kommen, bei der Definition von Rassismus mitreden zu dürfen. Genauso wenig wie die NPD bei der Definition von Rechtsextremismus mit reden darf. Oder Deutschland bei der Frage wie die Herreros sich so fühlen.

      Nur im Falle Israels lässt man die bösartigsten Anti-Zionisten in den Diskussionsraum und tut so als wären sie objektive Beobachter. Das ist schon skandalös, aber es hat Methode und ist – natürlich – die grundlegende Dimension dessen, was heute antisemitisch ist.

      Gefällt 3 Personen

      • 3. April 2021 21:30

        „Genauso wenig wie die NPD bei der Definition von Rechtsextremismus mitreden darf.“

        Ein wunderbarer Vergleich, den ich mir merken muss, denn ich komme ja naturgemäß immer wieder mit den elenden Antizionisten zusammen, da werde ich deinen Gedanken mal zum Besten geben.

        Gefällt 1 Person

  3. Stephan Gärtner permalink
    2. April 2021 10:11

    Konkret wurde tatsächlich zu einer üblen Zeitung. Vielleicht wollte Gremliza einfach keine Abonnenten mehr verlieren.

    In Konkret 8/16 auf Seite 9 stand von ihm: “Wer jeden Selbstmörder, der Allahu akbar ruft, einen Jihadisten nennt, beteiligt sich am Hokuspokus der Islamisten. In der Rede von Moslems kommt Allah fast so häufig vor wie bei den Amerikanern das fuck’n. Im Fall des Selbstmörders soll die Anrufung Allahs dem Tod einen Sinn verleihen, den er in seinem Leben nicht mehr fand.“

    Am Ende hat Gremliza sein Lebenswerk fast zerstört.

    Gefällt 4 Personen

    • 2. April 2021 18:42

      Mindestens so übel war ein gewisser Bernhard Torsch mit seiner Opferverhöhnung in Konkret zu der Conne Island-Geschichte. Torsch wünschte In Konkret den Vergewaltigern mit Migrationshintergrund „gutes Gelingen“. Da fehlen einen die Worte. Faschismus pur.

      „Dem Bedürfnis, vom Islam schweigen zu dürfen, opfern einige Gegner der Conne-Island-Erklärung schließlich sogar den Feminismus, den sie sonst wie eine Schnapsfahne vor sich hertragen. Bernhard Torsch hat das in der Konkret nur offen ausgesprochen, als er den genannten Männerhorden gutes Gelingen dabei wünschte, die »Inseln selbstgerechter Saturiertheit« zu verwüsten,(14) sprich: Orte der feuchtfröhlichen Ausgelassenheit durch die öffentliche Erniedrigung von Frauen zu zerstören. Durch ihren Unwillen, den Islam zu kritisieren, geben die meisten Gegner der Conne-Island-Erklärung zunächst all diejenigen zum Abschuss frei, die unter dem religiös-gesellschaftlichen Wahn ihrer Verwandten, Nachbarn und Bekannten zu leiden haben: So sind die ersten Opfer der islamischen Gewalt Frauen aus muslimischen Familien, die dem traditionellen Rollenbild nicht entsprechen wollen.“

      https://www.conne-island.de/nf/238/17.html

      Gefällt 3 Personen

    • 3. April 2021 10:46

      Das waren zwei weitere negative Höhepunkte die Konkret zu einer unleserlichen Zeitung machten. Konkret verharmloste spätestens ab 2015 nicht nur den Islamismus es wurde sogar mit den Menschenschindern und Mördern paktiert, wenn ihnen „gutes Gelingen“ gewünscht wurde.

      Gefällt 2 Personen

  4. 2. April 2021 22:26

    Hallo Manfred!

    Es ist – trotz alledem, wie Hannes Wader sang – immer ein Vergnügen deine Beiträge zu lesen, weil sie sich so bemühen darum, den Kern dessen, was links ist oder sein soll, noch zu bewahren. Um das zu tun, bedarf es eben Herz und einer Portion Verzweiflung. Man muss schon ziemlich standhaft sein, um dieser Berufung noch folgen zu können und ich selbst, das ist ja kein Geheimnis, tue das nicht mehr. Oder besser: Ich stimme zwar mit allem (oder fast allem) überein, was du schreibst, aber ich habe die emotionale Bindung zu diesem Terrain aufgegeben. Was links oder rechst ist, interessiert mich immer weniger, weil ich glaube, dass die Linken, die du sehr zutreffend kategorisiert, selber nicht mehr daran interessiert sind. Ich weiß nicht, ob du davon gehört hast, aber ein französischer Intellektueller hat vor kurzem darüber erstamls öffentlich gesprochen, dass Michel Foucault, der große postmoderne Philosoph, 1969 in Tunesien Sex mit Kindern hatte und sich dafür nicht einmal schämte, sondern in den 70er lauthals die Legalsierung von Pädophilie befürwortete. Die Exzesse der französischen Linken, von Gabriel Matzneff bis Olivier Duhamel und eben auch Foucault, werden gerade aufgearbeitet, weil die Täter entweder tot oder die Taten verjährt sind. Und jeder weiß, dass das nicht das Mindeste ändern wird.

    „Große Teile der Linken haben in ihrer Orientierungslosigkeit den emanzipatorischen Fortschrittsgedanken, die Gleichberechtigung längst vergessen und für identitäre, esoterische und reaktionäre Ideen eingetauscht.“

    Hier würde ich widersprechen. Es sind nicht bloß reaktionäre Ideen, sondern sie haben den emanzipatorischen Fortschrittsgedanken für die Macht eingetauscht. Die Linken sind, so leid es mir tut das zu sagen, sind an der Macht. Sie haben ihre Feinde marginalisiert und politisch ausgebootet. Es muss nicht unbedingt heißen, dass sie ihre Feindschaft zu Israel aktiv umsetzen werden, dazu ist Deutschland in der EU paradoxerweise zu stark und noch zu sehr an den Konsens der Nachkriegszeit gebunden, aber wir sollten uns fragen, ob es noch wirklich sinnvoll ist, an diesen alten Kategorien hängen zu bleiben.

    Ist links noch ein sinnvoller Begriff, wenn „rechts“ als legitime politische Standortbezeichnung bereits verschwunden ist? Rechts, das steht heute bereits außerhalb der sozialen Norm. Wenn du ehrlich bist, Manfred, dann bist selbst du „rechts“, wenn man darunter versteht (was die meisten tun) nicht dem linken Konsens der Gegenwart zu folgen.

    Ich habe dafür keine wirkliche Antwort. Wenn man unter „links“ versteht, dass man die Sicherheit Israels hoch priorisiert und die Freiheiten des Grundgesetzes unterstützt, dann bin ich sicher auch „links“, aber wir müssen ehrlich sein: das ist nicht das „links“ der Mehrheitslinken. Die Mehrheitslinken haben aus der Shoah gelernt, Israel zerstören zu wollen und sie sind für die Einschränkung der Grundrechte und der Meinungsfreiheit und sie unterstützen einen rassistischen Antirassismus, der den Nürnberger Gesetzen näher steht, als einer Kritik der Identität. Für die Mehrheitslinken ist alles „rechts“, was sie politisch ablehnen und das ändert sich Tag für Tag und ist konjunkturell von den Notwendigkeiten der Feindbilder abhängig.

    Was ich dann noch unter „links“ verstehen würde, wäre die Kritik der Macht und die Kontrolle der Mächtigen. Aber wenn die Linken an der Macht sind, wird jede Kritik an der Macht konsequent ausgebremst und verunmöglicht. Mächtige wollen sich nicht kritisieren lassen und sie haben als Mächtige die Mittel das auch zu verhindern. Aus „links“ wird dann rechts und aus „Kritik“ schließlich „Faschismus“. Oder wie Brecht schrieb:

    Es steht schlecht um unsere Sache.
    Die Finsternis nimmt zu. Die Kräfte nehmen ab.
    Jetzt, nachdem wir so viele Jahre gearbeitet haben
    Sind wir in schwierigerer Lage als am Anfang.
    Der Feind aber steht stärker da denn jemals.
    Seine Kräfte scheinen gewachsen. Er hat ein unbesiegliches
    Aussehen angenommen.
    Wir aber haben Fehler gemacht, es ist nicht zu leugnen.
    Unsere Zahl schwindet hin.
    Unsere Parolen sind in Unordnung. Ein Teil unserer
    Wörter,
    Hat der Feind verdreht bis zur Unkenntlichkeit.
    Was ist jetzt falsch von dem, was wir gesagt haben
    Einiges oder alles?
    Auf wen rechnen wir noch? Sind wir Übriggebliebene,
    herausgeschleudert
    Aus dem lebendigen Fluß? Werden wir zurückbleiben
    Keinen mehr verstehend und von keinem mehr verstanden?

    (An den Schwankenden)

    Es ist also nicht „links“ die Mächtigen zu kritisieren, sondern höchstens selbst beschädigend. Das ist zwar noch kein Grund, das nicht zu tun, aber wir sollten uns klar adrüber sein, dass unser „Links“ vor allem Dissidenz und Außenseitertum bedeutet. Oder wie es Vaclav Havel einmal ausgedrückt hat: es ist der verzweifelte und zum Scheitern verurteilte Versuch in der Wahrheit zu leben.

    Ich bin weder links noch rechts. Ich versuche in der Wahrheit zu leben. Und das kann natürlich nur schief gehen. Aber ich mach es trotzdem. Und du auch.
    Lohnt sich das? Ist das sinnvoll? Ich weiß es nicht. .

    Gefällt 5 Personen

    • 3. April 2021 11:24

      Hallo Jurek,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Ich wurde an anderer Stelle gebeten doch einmal die Unterschiede innerhalb der Linken zu skizzieren, was ich nicht unbedingt sehr ausführlich machte – ich habe den Text schnell geschrieben und Aspekte wie Corona, die „Überwindung des Kapitalismus“ usw. ausgeblendet.

      Alles was du schreibst kann ich zustimmen, ich denke ich habe nicht großartig Gegenteiliges geschrieben. Es ist kein Widerspruch, wenn du sehr richtig und klarer als ich schreibst, „sondern sie haben den emanzipatorischen Fortschrittsgedanken für die Macht eingetauscht.“ Ich schrieb: „Die identitäre, postkoloniale, antirassistische Linke, deren Weltbild längst im Mainstream angekommen ist … .“

      „Wenn du ehrlich bist, Manfred, dann bist selbst du „rechts“, wenn man darunter versteht (was die meisten tun) nicht dem linken Konsens der Gegenwart zu folgen.“

      Ich würde mich am ehesten der Gruppe 5] zuordnen und die ist wie du sehr richtig schreibst in den Augen der Mainstreamlinken „rechts“, auch da sind wir uns hundertprozentig einig. Es ist alles eine Frage der Definition, mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ hat die Mainstreamlinke meiner Meinung heute kaum mehr etwas zu tun, das war eine meiner Hauptintentionen im Text. Die (Mainstream-) Linke ist an den eigenen Ansprüchen zerbrochen. Am offenkundigsten sah man das ab 1967, nach dem Sechstagekrieg am Antizionismus der Linken. 1990 gab es kurzzeitig (rund 15-20 Jahre) ein Nachdenken, immerhin in größeren Teilen. Mit der seit Jahrzehnten andauernden Kumpanei der (Mainstream-) Linken mit dem Islamismus hat sich die Mainstream-Linke für alle Zeit disqualifiziert.

      „Für die Mehrheitslinken ist alles „rechts“, was sie politisch ablehnen und das ändert sich Tag für Tag und ist konjunkturell von den Notwendigkeiten der Feindbilder abhängig.“

      Was vor 40 Jahren in der CDU rechts war, nennt sich heute AfD, die CDU hat sich sozialdemokratisiert, was einerseits nicht schlecht ist, aber eine Demokratie ohne rechts-konservative Alternativen wird auf die Dauer nicht bestehen.

      Dissidenz und Außenseitertum ist kein so schlechtes „Links“, gerade in den heutigen Zeiten der „meinungsblasen“ und wie schrieb doch so schön vor 30 Jahren der Leo Löwenthal: „Mitmachen wollte ich nie.“
      Das „Nichtmitmachen“, das „Dagegensein“ ist die Quintessenz der „Kritischen Theorie“ und bei so mancher Kritik an dem ein oder anderen dieser Spezies sind die „Frankfurter“ doch „links“ in einem eher positiven Sinn.

      „Ich bin weder links noch rechts.“ Das kommt auf die Definition an.

      „Ich versuche in der Wahrheit zu leben. Und das kann natürlich nur schief gehen. Aber ich mach es trotzdem. Und du auch. Lohnt sich das? Ist das sinnvoll? Ich weiß es nicht. .“

      Das unterschreibe ich – hundertprozentig und beste Grüße!

      Gefällt 5 Personen

      • 3. April 2021 17:15

        Hallo Manfred! Ich wollte dir noch sagen, dass das Zitat von Jean Amery mir sehr aus der Seele gesprochen hat.

        „Denn es ist der Humanismus keine bürgerliche Mystifikation…“

        Ich komme ja aus der Humanismus-kritischen Marxismus Ecke. Althusser macht mit sehr guten Argumenten viel Aufhebens über seinen „Anti-Humanismus“ und den „Anti-Humanismus“ von Marx. Die Kritik – damals – bezog sich auf einen verlogenen und altbackenen Humanismus (oder zumindest lautete so seine Interpretation), der Begriffe und Gegenstände in eins setzt und Sätze wie „Der Mensch macht die Geschichte“ (anstatt „Die Menschen machen Geschichte“) prägt, in dem die Abstraktion zu totem Gestein wird.
        Was die Kritische Theorie das „Nicht-Identische“ nennt ist ja nichts weiter als zu trennen zwischen dem Wort und dem Gegenstand, den das Wort bezeichnet. Ich glaube, dass ich diesem Konzept heute näher stehe als je zuvor. Das „Nicht-identische“ ist eine Spannung zwischen Wort und Gegenstand, indem sich der Begriff nicht vollständig in Realität auflösen lässt, aber auch der Gegenstand nie vollständig Begriff (oder Abstraktion) wird. Das ist aber, was Identitätspolitik tut: man versucht dort Wort und Gegenstand als Identität zu denken und scheitert ständig daran, weil sich Wort und Begriff dieser Identität stets widersetzen. An den Worten „schwarz“ und „weiß“, wie es in heutigem Euphemismus des Anti-Rassismus verwendet wird, kann man das gut zeigen.

        Der Humanismus ist eine Art zu denken, in der das abstrakte Mensch sein im Vordergrund steht, wie es der Existentialismus und letztlich Heidegger auch tun, wenn gleich mit anderem Focus. Wo der Humanismus als letzte Instanz den „Menschen“ sieht, reden der Existentialismus von der „Existenz“ und Heidegger vom „Sein“. Der Mensch als Kategorie wird zu einer Funktion von Existenz oder Sein. Adornos Vorwurf an Heidegger ist ja durch die Betonung des Seins wieder zu einem Identitätsdenken zurück gekehrt zu sein, obwohl dieser ja das Gegenteil für sich in Anspruch genommen hat. Ich wäre mir heute nicht mehr so sicher, dass Adorno recht hatte, aber das gehört woanders hin.

        Jedenfalls ist der Humanismus keine bürgerliche Mystifikation, sondern die Mystifikation ist, auf die bürgerliche Mystifikation des Humanismus verzichten zu können. Mystifikationen sind notwendig, um gesellschaftlichen Konsens herzustellen. Sie sind notwendig, damit Demokratie funktioniert. Wenn der Humanismus eine Mystifikation ist, die von den falschen Leuten verwendet werden kann, ist das ärgerlich, aber das macht die Notwendigkeit der Mystifikation selbst nicht obsolet. Amery verstand, dass es notwendig ist sich auf sie zu beziehen, und solange das so ist, bin ich vermutlich auch irgendwie links, wenn auch nur ganz wenig.

        Gefällt 3 Personen

        • 3. April 2021 21:27

          Jean Améry hat sich in einigen seiner Texte auf Sarte bezogen und ja, das Zitat, obwohl sehr alt aktueller denn je, Amery ist aktueller denn je. Mit Althusser muss ich mich irgendwann auch mal beschäftigen.Linke wie Améry wurden von der Mehrheitslinken schon zu Lebzeiten kaum gehört, heute erst recht nicht, er war immer ein Außenseiter und auch deshalb ist er so lesenswert.

          Gefällt 2 Personen

  5. 7. April 2021 15:56

    Ganz aktuell: Die Gruppen 1 und 2 gibt es selbstverständlich nicht nur in Deutschland. Im Dante-Jahr wurde eines der größten Werke der abendländischen Literatur verstümmelt. In den Niederlanden erscheint die „Göttliche Komödie“ ohne die Passagen über Mohammed. In einer neuen Übersetzung von Dantes „Inferno“ ins Niederländische wurde der Text über den Propheten Mohammed gestrichen, mit der Begründung der dortigen identitären islamophilen Linken, „nicht unnötig verletzen“ zu wollen.

    https://www.welt.de/kultur/plus229581447/Mohammed-Zensur-bei-Dante-Der-kulturelle-Selbstmord-des-Westens.html?

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: