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Das „SS-Zuchtprogramm“ Lebensborn e.V.

28. Juli 2010

Der Lebensborn e. V. war im nationalsozialistischen Deutschen Reich ein von der SS getragener, staatlich geförderter Verein. Sein Ziel war, auf  Grundlage der nationalsozialistischen Rassenhygiene und Gesundheitsideologie die Erhöhung der Geburtenrate „arischer“ Kinder auch aus außerehelichen Beziehungen herbeizuführen. Dies sollte durch anonyme Entbindungen und Vermittlung der Kinder zur Adoption erreicht werden.
Im Rahmen ihrer Rassenpolitik forderten die Nationalsozialisten möglichst viel Nachwuchs zur Vermehrung der „arischen Rasse“. Das sollte neben einem Geburtenzuwachs vor allem durch Verringerung der trotz der NS-Propaganda noch immer großen Zahl an illegalen Abtreibungen erreicht werden. Deshalb wurde im Dezember 1935 auf Veranlassung des Reichsführers der Schutzstaffel (SS), Heinrich Himmler, der Verein Lebensborn gegründet. Sein Ziel war die Unterstützung des Kinderreichtums von SS-Angehörigen und die Betreuung hilfsbedürftiger Mütter und Kinder „guten Bluts“ in vereinseigenen Heimen.
Finanziert wurde der Lebensborn von dem Gehalt der SS-Soldaten. Kinderlose hatten die höchste Abgabe zu machen, ab vier Kindern, ehelich oder unehelich, wurden sie vom Beitrag befreit. Aus diesem Grund gingen SS-Angehörige ihrer „völkischen Verpflichtung“ nach, möglichst viel Nachwuchs zu zeugen.
Als erstes Entbindungsheim diente ab August 1936 ein ehemaliges Caritas-Kinderheim im oberbayrischen Steinhöring (Deckname „Heim Hochland“). Bis 1944 entstanden insgesamt rund 20 Lebensbornheime im Deutschen Reich und in den von ihm besetzten Gebieten.
Das Leben in den Heimen blieb bis Ende des Zweiten Weltkriegs durch Gewährleistung medizinischer Versorgung und ausgewogener Verköstigung vergleichsweise komfortabel, weshalb sich viele Frauen von SS-Angehörigen an den Lebensborn wandten. Da von ihrer „Reinrassigkeit“ ausgegangen werden konnte, wurden sie ohne Untersuchungen in ein Heim aufgenommen, unverheiratete Schwangere hingegen erst nach einer rassischen und erbbiologischen Überprüfung. Ledige Mütter bildeten den Großteil der Frauen in den Heimen, wo sie heimlich gebären konnten. Den Heimen waren Standesämter und polizeiliche Meldestellen angegliedert, so dass die Entbindungen vor den Heimatgemeinden der Mütter geheim bleiben konnten. Zumeist übernahm der Lebensborn die Vormundschaft für Kinder, deren Mütter als Alleinerziehende nicht für ihren Nachwuchs sorgen konnten. Diese Kinder blieben im Heim oder wurden kinderlosen SS-Ehepaaren zur Pflege und damit zur nationalsozialistischen Erziehung übergeben
Noch während der NS-Zeit gab es Gerüchte um Lebensborn als „Zuchtprogramm“ für eine nordische Rasse und um seine Heime als „Züchtungsbordelle“, in denen „rassisch wertvolle“ Frauen von SS-Männern geschwängert wurden.
Außerhalb Deutschland sind vor allem in Norwegen, aber auch in Belgien und Frankreich, Lebensbornheime für Frauen entstanden, die von deutschen Besatzungssoldaten ein Kind erwarteten. Dies geschah nicht nur zum Schutz der Mütter und Kinder, die in ihren Heimatorten häufig Beschimpfungen und Angriffen ausgesetzt waren, sondern auch zur Bewahrung „wertvollen Bluts“ für Deutschland, indem Lebensborn ihre Fürsorge übernahm. Überdies kamen in die Lebensbornheime auch Kinder aus den besetzten Gebieten, die ihren Eltern weggenommen und zur Germanisierung nach Deutschland verschleppt wurden. Nur wenige konnten nach dem Krieg identifiziert und ihren Eltern zurückgegeben werden. Viele Lebensborn-Kinder suchen noch heute nach den Wurzeln ihrer Herkunft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Kinderheim Steinhöring weitergeführt. Der Leiter, der Arzt Gregor Ebner, unter der Naziherrschaft verantwortlich für die „Eindeutschung“ entführter Kinder und die Ermordung behinderter Kinder, wurde am 10. März 1948 bei den Nürnberger Prozessen zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er starb 1974.

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Update 30.7.2010: Obwohl es kaum zu glauben ist gibt es auch noch heute in Deutschland Verharmloser und VerehrerInnen dieser Menschenzucht. In Jakob Augsteins Freitagscommunity führen diese Menschen das Regiment und setzten mit Hilfe der Freitagsmoderation ihre kruden Ansichten durch. Ihnen ist die Kompatibilität der Theorien von ihrem Idol Silvio Gesell und NS Lebensborn entweder nicht bewußt oder sie leugnen den Zusammenhang. Die Sozialdarwinisten des Freitags sprechen bei Silvio Gesell von „mutterrechtlichen Strömungen“ und  sehen im Zusammenhang mit der Menschenzuchttheorie Gesells  einen „ausgesprochen emanzipatorischen Aspekt, in Liebesdingen von der ewigen Geldabhängkeit weg zu kommen“

Silvio Gesell (1862- 1930) versprach in seinem Hauptwerk “Die natürliche Wirtschaftsordnung”  mit seiner  „Freiland- und Freigeldtheorie“  die Lösung der kapitalistischen Widersprüche. Die ökonomisch absurde Theorie Gesells ist strukturell antisemitisch, läuft auf “Manchester-Kapitalismus” und Sozialdarwinismus hinaus mit dem Ziel einer Art Rassenhygiene und Menschenzüchtung. Gesell, warb in seiner Freiland Theorie für Menschenzucht mit eugenischen Zielen: Im ersten Schritt wird das Privateigentum an Boden abgeschafft, um anschließend an den Meistbietenden verpachtet zu werden. Der dadurch entstehende freie Wettbewerb begünstige den Tüchtigen und seine Fortpflanzung ist, laut Gesell, die Folge. Die „Fortpflanzung des Fehlerhaften“, gelte es durch „das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“ zu bekämpfen. Zu diesem Zweck, soll die fruchtbare Frau den Zugriff auf Grundrente und Boden nach Zahl ihrer Kinder erhalten. Staaten, die sich der Freilandtheorie nicht anschließen werden, ziehen die „Arbeitsscheuen“ der ganzen Welt an. „Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner würden dorthin ziehen.“ Der Kranke und Schwache hat keinen Platz in Gesells sozialdarwinistischer Welt.

Selbst Silvio Gesells Begrifflichkeiten und Aussagen wie „Hochzucht des Menschengeschlechts“ – „Zuchtwahlrecht der Frauen“ – „das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“- „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, dass er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut. Der wahrhaft völkisch gesinnte Mensch, der den Klassengeist hasst und ein schönes Volksleben sehen möchte – wie man vielleicht ahnen kann, aber noch nie erlebt hat…“, schreckte die „Avantgarde“ des „Freitags“ nicht ab.

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Weiterführende Informationen:

Silvio Gesell und der Freitag

Thilo Sarrazin und Silvio Gesell

Was heute reaktionar erscheint war damals emanzipatorisch

Silvio Gesell ist kompatibel mit NS-Lebensborn und Mutterkreuz

Evergreens 5: Das „SS-Zuchtprogramm“ Lebensborn e.V.

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5 Kommentare leave one →
  1. 27. Dezember 2010 23:47

    Da diese Seite täglich teilweise bis zu 50 Mal aufgerufen wird, folgende Erklärung dazu:

    In der so genannten „Freitags-Community“ gibt es eine Bloggerin namens „thinktankgirl“, welche Silvio Gesells Freilandtheorien, also seine „Menschenzuchtstheorien“ emanzipatorisch empfindet und auch bezeichnet.
    Silvio Gesells Theorien basieren auf folgenden Begrifflichkeiten: „Hochzucht des Menschengeschlechts“ – „Zuchtwahlrecht der Frauen“ – „das große Zuchtwahlrecht, dieses wichtigste Sieb bei der Auslesetätigkeit der Natur“- „Völkisches Empfinden duldet keine Zinsknechtung anderer oder gar die Beteiligung daran. Wer noch etwas rassisches, völkisches Empfinden verspürt, der gehe in sich, tue Buße; der gestehe, dass er und seine Ahnen Verrat begingen am eigenen Volk, am eigenen Blut. Der wahrhaft völkisch gesinnte Mensch, der den Klassengeist hasst und ein schönes Volksleben sehen möchte – wie man vielleicht ahnen kann, aber noch nie erlebt hat,“ – Die Freilandmodelle die die weitere Abhängigkeit der Arbeiter „nach den Gesetzen des Wettbewerbs“ (Dem Tüchtigsten das meiste, Auslese als Ziel ausdrücklich festgeschrieben), die Verpachtung des „freien Landes“ an den Meistbietenden, soviel er bebauen kann – wobei „Arbeitsscheue, Bummler, Sonnenbrüder und Zigeuner“, die ins Ausland verschwinden sollen, keinen Anspruch haben, da sonst „die Neger eines Tages die Oberhand gewinnen“ usw.

    Wörtlich schrieb die Freitags-Bloggerin „thinktankgirl“ zu den völkischen, antisemitischen und biologistischen, sozialdarwinistischen Theorien Gesells: “…Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch…“

    Unterstützt werden diese Ansichten nicht nur von Mitbloggern wie „Columbus“ und Uwe Theel, nein auch die Freitags-Moderation schützt diese Ansichten, indem sie Blogger aus der Community wirft die diese Aussagen als eine Kriegserklärung an die Zivilisation verstehen. Um auf die Parallelen von Gesells Menschenzucht aufmerksam zu machen stellte ich das Blog, „Das „SS-Zuchtprogramm“ Lebensborn e.V. ein“, um später ein Blog über Gesell einzustellen. Das war zuviel für die „ehrenwerte“ Freitagscommunity. Ich habe, laut Freitagsmoderation, die „Community“ provoziert und wurde „rausgeworfen“.

    Weitere Infos:
    Highlights 2: Völkische Biologisten in der FC – Gesellianer unter uns
    Thilo Sarrazin und Silvio Gesell
    „Freitags Avantgarde“ (Vol.3)
    Silvio Gesell und seine Fans in der Freitags-Community

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  2. hilde k permalink
    5. Februar 2014 00:47

    mit Bestürzung gesehen:

    Lebensborn – Kinder für Hitler

    Gisela Heidenreich sollte ein Vorzeigekind des Deutschen Reichs sein. 1943 verbrachte sie die ersten Wochen ihres Lebens in einem norwegischen Lebensborn-Heim. In diesen Heimen konnten unverheiratete Mütter ihre Kinder heimlich und geschützt zur Welt bringen – wenn sie dem Rasse-Ideal Hitlers entsprachen. Ein Leben lang war Gisela Heidenreich auf der Suche nach der eigenen Identität. Denn weder ihre Mutter noch der Rest der Familie klärten sie über ihre Herkunft auf.

    http://www.planet-wissen.de/sendungen/2014/02/04_lebensborn.jsp

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  2. „Freitags Avantgarde“ (Vol.3) – thinktankgirl « ThinkTankBoy
  3. Was heute reaktionär erscheint, war damals emanzipatorisch… | Mission Impossible

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